Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Donnerstag, 19. Februar 2026
Im Alter
Weil sie im ökonomischen Sinne nicht mehr mitstricken am Bruttosozialprodukt, weil sie in einer Gesellschaft der vermeintlich Starken zu den eher Schwachen gehören, fühlen sich viele ältere Menschen ausgegrenzt. Dabei könnten sie phantastische Lehrer sein, - bei einer durchaus aufgeklärten Distanz zur eigenen Position kombiniert mit einem gesunden Skeptizismus. Ja, auch das hat man im Alter gelernt: Die eigene Position ist nicht immer die einzig richtige. Und so gibt es viele Erkenntnisse, die im Alter gewachsen sein könnten und in einer Kombination aus Erfahrung mit Wissen weitergegeben werden könnten. Viele Bauchlandungen der verschiedensten Art könnten auf diese Weise verhindert werden. Jaja, die Anpassungsfähigkeit den Neuen Medien und überhaupt dem Neuen gegenüber! Vielleicht könnte hier aber auch eine gewisse Distanz helfen! Nicht das blinde Nachrennen gewissen Entwicklungen gegenüber wäre gefragt, sondern ein abwartendes, langsames und eher kritische Fragen stellendes Nachfolgen. Und. Das bewährte Wissen in Kombination mit dem Neuen kann zu Ergebnissen führen! Erlebte Geschichten wollen in ihrer Bedeutung für den aktuellen Tag erkannt und gedeutet werden! Gelassenheit und Unaufgeregtheit können zu dem Schatz dessen gehören, was auch dem aktuellen Tag samt seiner Hektik sehr nützen kann. Da schlummert ein Reservoir, das mit zunehmender Dynamik der Demographie und einer freundlich abnehmenden Vorurteilsfähigkeit gehoben werden könnte. Oh ja, das mag sich auch auf gewisse körperliche Anfälligkeiten beziehen: Wir werden nicht alle so stark bleiben, wie wir uns heute fühlen! Damit umgehen zu können, es einzubeziehen ins tägliche Dasein, könnte auch etwas von dem ausmachen, was wir von reiferen Menschen profitieren könnten.
Montag, 2. Februar 2026
Selbstoptimierung
Sich in Posen werfen. Sie wollen gut aussehen. Wollen Spass haben. Hier ein Strähnchen, dort ein passender Lippenstift. Mal dick, mal dünn aufgetragen. Abgetragen. Hier ein vielsagendes Lächeln, dort ein bedeutungsschwangerer Ausdruck im Gesicht. Möglichst makellos gestylt und mit einem Lächeln. Glatt passend. Ausstellen eines perfekten Selbst. Jeder in sich selbst verliebt. In das Bild, das er von sich hat und bearbeiten lässt. Weichzeichner. Alles ist schön. Selbstverwirklichung ist normal. Wahrnehmen, bewundert werden, gehasst werden. Schönheitschirurgie, Stoffe und Stimulanzien, die auf unser Gehirn einwirken und uns leistungsfähiger machen sollen. Neuroenhancer. Unbedingt der Durchschnittlichkeit entkommen. Schönheit als der Weg zur Perfektion. Jung aussehen. Falten mit Botox wegspritzen, die Lippen aufspritzen, die weibliche Brust vergrößern.
Das Ideal einer jungen unverbrauchten Vagina herstellen: Reparieren zu einer Art unverbrauchten Barbie. Muskelkraft für Frauen, antrainieren, - aber schnell! Stark sein. Fit sein. Alles im Griff haben. Der Tracker wirft Zahlen aus. Liefert Motivation zur Verbesserung. Überhaupt: Durch Gesundheit leistungsfähiger werden. Das Gehirn optimal nutzen und unter anderem die Konzentrationsfähigkeit damit steigern. Das Liebesleben optimieren. Den Nachwuchs sichern, pränatale Diagnostik und Crispr. Ob daraus ein Zwang zum makellosen Kind werden kann? Danach Förderwahn und eingepflanzte Chips. Mehrere Instrumente spielen und etliche Fremdsprachen lernen. Auf Leistung, Konkurrenz und Wettbewerb dressiert. Im Drang nach Selbstverbesserung leben. Noch besser werden. Noch schöner. Noch perfekter.
Donnerstag, 2. Oktober 2025
Nach vorne
Was sind beispielsweise Rentner? Leute, die außerhalb der üblichen Verrichtungsgesellschaft stehen? Sie sind offenbar eine Art Schramme am Selbstverständnis dieser Leistungsgesellschaft. Sie stehen außerhalb von Leistung und Erfolg, eine der Voraussetzung für den „Wohlstand“ und das ständige Wachstum dieser Gesellschaft. Was ist Leistung? Kommunikationsbereitschaft, souveräne Gewandheit, Bereitschaft ins Risiko zu gehen, gepaart mit Opportunismus, der seine Chancen jederzeit zu erkennen imstande ist, Durchsetzungskraft (auch auf Kosten von anderen…), Beherrschung sozialer und egoistischer Techniken, beiläufige Einführung von Bildungskapital, Träger eines wie und wo auch immer erworbenen hohen Maßes anAnerkennung….
Doch so sind da die Leistungsverweigerer, die Abgehängten und Bildungsfernen? Diejenigen, die einer vergangenen Epoche angehören, in der man nicht das Eigentum einer Kapitalzusammenballung war? Diejenigen, die im Bewertungssystem dieser Gesellschaft keine Anerkennung mehr verdienen? Die im Alltagskampf die Zurückgebliebenen sind und im Kampf um Geld und Leistung nichts mehr „verdienen“, die dort nicht mehr aktiv mitwirken, indem sie im Wettkampf der Wachstumsorientierten austeilen und somit als „Führungskraft“ ganz vorne sind, - oder zumindest vor anderen? Geradezu raffiniert scheint mir, wie solche Spielregeln Einzelne dazu ausersehen, dass sie andere beaufsichtigen, ihnen Richtung und Orientierung geben. Kein Zweifel, es ist auf der Seite der Abhängigen ein Bedürfnis dazu da. Sie wollen und brauchen Orientierung. Ob dies aber einer Würde entwachsen ist? Leute, die aus dem Raster dieser Gesellschaft sind, scheinen sich mir oft über diese Aussortierung zu beklagen, sie meckern und empören sich, beschimpfen das System und – wie alles läuft. Doch letztenendes scheint mir das ziellos zu sein und sich in einem Raum abzuspielen, den das System von vornherein als eine Art gelittener Spielplatz und der kontrollierten Wut vorsieht…...
Sonntag, 22. Juni 2025
Unruhe
Das Maß an Gehetztheit, an Getriebenheit und Stress hat mich dann doch überrascht. Als wollten sie alle irgendetwas vergessen und hätten vergessen, was. Die Leichtigkeit, mit der man sich in inferiore Verhältnisse, Verhältnisse des Untergeordnetseins und der Hierarchie begibt, wie man das nach außen als „professionell“ und „normal“ verkauft, hat mich auch fasziniert. Es scheint alles wohlgeordnet in Herrschaft und Untertan, Version 3.0 von 2025. Es mag früher das alles noch viel durchschlagender und rigider gewesen sein, gewiss. Doch wir leben mit unserem heutigen Bewusstsein, besonders hier in Deutschland glauben sie, die Besten und Tüchtigsten zu sein. Komisch, dass Leute aus anderen Industrieländern, mit denen ich zu tun hatte, genau dasselbe erzählen, während wiederum ganz andere unbedingt nach Europa wollen, weil dort alles so toll und wohl bestellt sei…., so der Glaube. Im Übrigen sehe ich in schland, aber auch in Europa eine riesige Bürokratie am Werke, die sich mit sich selbst beschäftigt oder sinnlose Dinge zur Selbstbeschäftigung und Drangsalierung von Bürgern ersinnt. Verschwörungstheorie? Iwo! Wird hier ein Preis bezahlt, der mit der Fortentwicklung des Menschen zu tun hat? Durchpulst uns eine ständige Unruhe, die zwar schon in vergangenen Zeitaltern ihre Ausprägung und ihren ideologischen Überbau gefunden haben mag, die so, in dieser Verdichtung, aber noch nicht über uns gekommen sein mag? Wer wechselnde Perspektiven aufsucht, wer in andere Lebenswelten schaut, mag düpiert sein.
Mittwoch, 18. Juni 2025
Vorne
Wir waren mal darauf stolz, postmodern, postmateriell und weit fortgeschritten zu sein. Weiter als die anderen, so wurde uns vorgemacht. Zu diesem aufgeklärt coolen Zustand freilich würde auch eine durchgehende Transparenz in unserer Gesellschaft gehören, so dachten wir damals schon. Dazu würde gehören: Der Respekt vor dem Anderen, egal wie weit oder wie wenig weit er es gebracht hat in dieser Gesellschaft. Transparenz sei auf digitalem Wege möglich, so wird uns jetzt bei jeder Gelegenheit vorgespiegelt. Ja aber wieso ist ausgerechnet hierzulande die „Digitalisierung“ derzeit so hemmungslos unterentwickelt? Hat man sich „in Trägheit“ ausgeruht? Wer war das? Fühlte man sich als ewiger „Gewinner“? Wir waren überall vorne und wurden sogar Weltmeister. Doch jetzt rutscht Schland in allen Rankings ab. Die Gründe sind längst erörtert. Strategien werden sichtbar, die eine neue Brutalität und Durchschlagskraft signalisieren. Alte Kräfte formieren sich neu. Agenten, Abgeordnete, Lobbyisten. Einpeitscher. Die simplen Rezepte: härter und länger arbeiten, mehr produzieren, den Anschluss gewinnen. Und wieder frage ich mich: Wer? Wem nützt das? Hat sich das ungünstig entwickelt? Müsste da an den Strukturen etwas geändert werden? Wenn nicht, geht dann alles unter? Ist das Konkurrieren zunehmend undurchsichtig geworden? Wer besitzt wieviel in schland? Wer lebt wie? Da ist die „Nachkriegsgesellschaft“, in der „Leistung“ zählte. Aber jetzt, Leistung? Werden die Gegensätze geradezu gezüchtet. War das angelegt? Reich-Arm: eigentlich ein populistischer Gegensatz. Mit dem Stichwort „Neiddebatte“ abgetan. Aber er scheint sich zur Realität in schland entwickelt zu haben. Kräfte wollen einen „Neuanfang“ ohne Rücksicht durchziehen, um jeden Preis. Und beflissene Medienleute moderieren aufgeräumt grinsend dazu.
Samstag, 17. Mai 2025
Durchlauf
Junge Körper. Werfen Bälle. Führen irgendwelche Figuren aus. Im Kreisel. Strahlen um die Wette. Werden benotet. Je nach „Leistung“. Auf der Jagd nach der Trophäe. Dem Pokal. Ein gealterter Handballnationaltrainer wird für 3 Sekunden im Fernsehen aufgeploppt. Ein Streiflicht, mehr nicht. Sitzt da und bildet sich ein Urteil. Unbeachtet. Stars. Superstars. Wen interessiert`s? Ausrangiert. Held vergangener Tage. Hat eine Bande zum Erfolg getrieben. Ist jetzt offenbar zufrieden mit seiner Rolle. Identifiziert sich aber noch immer. Macht sich seine Gedanken. Offenbar. Der Sport ist schon ein heftiger Durchlauferhitzer, so denke ich mir sodann. Hier rein, dort raus. Gestern Meisterschaft gewonnen, heute vergessen. Gesichter, die einem bestenfalls bekannt vorkommen. Vielleicht ist die ganze Gesellschaft ein Durchlauferhitzer. Ein durch einen Tunnel durchgeschobener Artikel, der möglichst Erwartungen erfüllen sollte und dabei möglichst wenig kosten sollte. Die ehemaligen Meistersportler verkörpern das wie durch ein Brennglas. Sie geben ein symbolisches Bild ab. Anders geht es nicht. Ist es dem Menschen nicht möglich.
Samstag, 10. Mai 2025
Leistung, Sport,Stars
Junge Körper. Werfen Bälle. Führen irgendwelche Figuren aus. Im Kreisel. Strahlen um die Wette. Werden benotet. Je nach „Leistung“. Auf der Jagd nach der Trophäe. Dem Pokal. Ein gealterter Handballnationaltrainer wird für 3 Sekunden im Fernsehen aufgeploppt. Ein Streiflicht, mehr nicht. Sitzt da und bildet sich ein Urteil. Unbeachtet. Stars. Superstars. Wen interessiert`s? Ausrangiert. Held vergangener Tage. Hat eine Bande zum Erfolg getrieben. Ist jetzt offenbar zufrieden mit seiner Rolle. Identifiziert sich aber noch immer. Macht sich seine Gedanken. Offenbar. Der Sport ist schon ein heftiger Durchlauferhitzer, so denke ich mir sodann. Hier rein, dort raus. Gestern Meisterschaft gewonnen, heute vergessen. Gesichter, die einem bestenfalls bekannt vorkommen. Vielleicht ist die ganze Gesellschaft ein Durchlauferhitzer. Ein durch einen Tunnel durchgeschobener Artikel, der möglichst Erwartungen erfüllen sollte und dabei möglichst wenig kosten sollte. Die ehemaligen Meistersportler verkörpern das wie durch ein Brennglas. Sie geben ein symbolisches Bild ab. Anders geht es nicht. Ist es dem Menschen nicht möglich.
Dienstag, 25. März 2025
Alpenglühn
Diese (Winter)sporthelden, deren Rennen die TV-Sender dauernd übertragen, machen womöglich Werbung für nicht nur für bestimmte Marken, sondern auch für die „Wintersportgebiete“ samt den sich an sie knüpfenden Zirkus, - und damit für die Zerstörung der Alpen. Zudem scheint dabei auch noch eine Art Chauvinismus eingeübt zu werden. Mir fällt die Formulierung „die Deutschen“ auf, die „Gas geben“ sollen. Ob nicht allein schon diese Wortwendung etwas aussagt, was passe´ sein müsste? „Nie wieder“? „Klimaschutz“? Besonders scheinen sich dabei die Ski-Helden und deren „Reporter“-Bewunderer hervor zu tun. All diese Sportfritzen machen zudem Werbung für das Leistungsprinzip. Es gilt das „Höher schneller weiter“, das zumindest jetzt, im Druck der Verhältnisse, von der Masse der Menschen etwas reflektiert sein müsste. „Wir müssen mehr arbeiten“ wiederholt ein Kanzlerkandidat dauernd. Wen er wohl damit meint? Wir besichtigen Menschen im Tunnel, in einer Wahrnehmungsblase, deren Gesetze sie all den Anderen vorspielen. Bewunderung soll über sie herein brechen, weil sie in einem winzigen Bereich sich als „die Besten“ herausstellen sollen.
Mittwoch, 19. Februar 2025
Sozialer Aufstieg
Das große Aufstiegsversprechen. „Vom Tellerwäscher zum Millionär“: Von solchen Sprüchen werden und wurden ganze Gesellschaften getrieben. Man kann etwas erreichen, wenn man es nur will, so ein weiterer Glaubenssatz dieser Gesellschaften: „Ohne Fleiß kein Preis“, „you can make it, if you try it“ etc.. Wenn ich Bilanz ziehe, dann muss ich sagen, dass ich solche Sprüche nicht besonders ernst nahm in meinem Leben. Etwas „aus sich machen“? Kam mir nicht ernsthaft genug in den Sinn. Ich folgte meinem eigenen Kompass und vertraute darauf, dass er mich richtig führen würde. Man hatte einiges an dieser „Leistungsgesellschaft“ damals auszusetzen, was ich schließlich für mich als in der Luft liegendes Gefühl vielleicht zu ernst nahm. Was wohl in diesem Zusammenhang „Zeitgeist“ bedeutet? Ein unzuverlässig’ Ding. Es war für mich aber immer schon klar, dass hinter jedem „Erfolg“ in dieser Gesellschaft auch das Glück und der Zufall seine Rolle spielte. Leistung durch „Erfolg“? Dieses Glück als Zufall scheint mir selbst eine Weile durchaus gewogen gewesen zu sein (irgendwie nahm ich noch jede Kurve, kam über jedes Hindernis hinweg, das sich mir in den Weg stellte und „lernte“ daraus, dass sich solche Dinge in meinem Sinne „irgendwie“ fügen würden….), schließlich aber überhaupt nicht mehr. Wieso? Man sollte lieben, was man sich zu tun vorgenommen hat, man sollte das als seinen Weg erkennen und darauf vertrauen, dass er der richtige ist, so die lautere Meinung. Man sollte versuchen, seine ureigenen Talente zu entwickeln, um auf diese Weise einen Beitrag (zum Gemeinwohl?) leisten zu können, so das Mittelklasse-Credo. Man sollte in jedem Falle dem nachgehen, was man als seine ureigene Berufung erkannt hat (erkennen? Zweifeln? Taumeln? Improvisieren? Woher kommen solche „Erkenntnisse“?).
Mir kommen solche Glaubenssätze inzwischen als ein bisschen zu blauäugig vor. Ob diese 30%, die in unserer Gesellschaft von der Hand in den Mund leben müssen und die für die Mächtigen und „Erfolgreichen“ eine Art Steigbügelhalter abgeben müssen (diese Leute gibt es auch in den USA), um das tägliche Leben zu bestreiten, ob diese Leute also ihre Talente nicht entwickelt haben, ob sie überhaupt je die Möglichkeit dazu hatten und von was diese „Talententwicklung“ nun wiederum abhängig sein könnte? Persönliche Stärke. Konsequenz. Aufstiegsorientiertheit. Der eine packt's, der andere nicht. Wenn ich von meinen subjektiven Erfahrungen und denen meiner unmittelbaren Umgebung ausgehe, so muss ich bemerken, dass der „Erfolg“ in dieser Gesellschaft auch von einer gewissen Anpassungsbereitschaft abhängt, von einer Bereitschaft auch, sich informieren zu lassen, sich von den „richtigen“ Informationen angesprochen zu fühlen, zu wissen, „wo’s lang geht“. Man wurde vielleicht davor gewarnt, einen bestimmten Weg zu gehen - und sei es jener, zu dem man sich berufen fühlte!! - aber man war sich im Rückblick dann doch zu sicher, glaubte, in dieser Gesellschaft bestimmte Dinge tun zu müssen und zu können, bestimmten Zielen nachgehen zu sollen. Warum gelingt das den einen, den anderen aber nicht? Kann man unversehens in so etwas wie Verwerfungen hinein kommen, Umstände, mit denen man nicht gerechnet hat und die einem alles verderben können? So, dass ein Plan nicht „aufging“? Wer schielt da auf die, die es „zu etwas gebracht haben“ und die sich deswegen überheblich großspurig geben? Die sich in der Sonne ihrer „Leistungen“ sonnen? Woraus besteht diese Leistung? Wohl nicht immer und zuverlässig aus einem Beitrag zum Gemeinwohl, sondern eher in einer gewissen Bauernschläue, in einer Skrupellosigkeit und der Bereitschaft im richtigen Moment „sich durchzusetzen“, die Anderen um einen herum zum Zwecke des eigenen Fortkommens auszunutzen, mit Hilfe von Techniken wie dem „Networking“, dem „Mobbing“ und anderen Fertigkeiten des gegenseitigen menschlichen Gebrauchs. Gebrauch. Missbrauch. Ausnutzen. Freie Marktwirtschaft. Neoliberalismus.
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From rags to riches: entire societies are and have been driven by such sayings. You can achieve something if you just want to, according to another belief in these societies: “No pain, no gain”, “you can make it if you try it” etc. If I take stock, then I have to say that I didn't take such sayings particularly seriously in my life. “Make something of yourself”? Didn't occur to me seriously enough. I followed my own compass and trusted that it would guide me correctly. There were a lot of things to complain about in this “meritocratic society” back then, which I ultimately took perhaps too seriously as a feeling in the air. What does “Zeitgeist” mean in this context? An unreliable thing. But it was always clear to me that behind every “success” in this society, luck and chance also played a role. This luck seems to have been in my favor for a while (somehow I still took every curve, got over every obstacle that stood in my way and “learned” from it that such things “somehow” fit into my mind would….), but ultimately no longer at all. How come? You should love what you have decided to do, you should recognize it as your path and trust that it is the right one, according to the common opinion. The middle class credo is that you should try to develop your own talents in order to be able to make a contribution (to the common good?). In any case, you should pursue what you have recognized as your very own calling (recognize? doubt? stagger? improvise? Where do such “knowledges” come from?).
Such beliefs now seem a bit too naïve to me. Whether these 30% who have to live from hand to mouth in our society and who have to act as a kind of stirrup holder for the powerful and “successful” in order to cope with everyday life, whether these people have not developed their talents, whether they ever had the opportunity to do so and what this “talent development” could depend on? Personal strength. Consequence. Advancement orientation. One gets it, the other doesn't. If I start from my subjective experiences and those of those around me, I have to note that “success” in this society also depends on a certain willingness to adapt, on a willingness to be informed and to receive the “right” information to feel addressed, to know “where things are going”. You may have been warned not to follow a certain path - even if it was the one you felt called to!! - but looking back, you were too sure, believing that in this society you had to and could do certain things, that you should pursue certain goals. Why do some people succeed but not others? Can you suddenly find yourself in something like upheavals, circumstances that you didn't expect and that can ruin everything? So that a plan didn’t “work”? Who looks at those who have “made it to something” and who are arrogant and cocky because of it? Who bask in the sun of their “accomplishments”? What does this service consist of? Probably not always and reliably from a contribution to the common good, but rather from a certain level of cleverness, from an unscrupulousness and the willingness to “assert yourself” at the right moment, to exploit the others around you for the purpose of your own advancement, with the help of techniques like this “Networking” and other skills of mutual human use. Use. Exploit. Free market economy. Neoliberalism.
Freitag, 11. Oktober 2024
Kohle machen
Schon gibt es wieder Berichte, dass Saudi-Arabien bekannt gute und in Europa tätige Fußballspieler kaufen wolle. Diesmal jüngere, nachdem zuletzt eher Spieler verpflichtet wurden, die im Herbst ihrer Karriere stehen. Ja klar, dort von Saudi-Arabien ist Kohle nicht zu knapp geboten und Leistung soll sich da auch noch geldwert lohnen. Im Anschluss an Olympia wird ja in Deutschland von allen Seiten beklagt, dass sich Leistung nicht mehr lohne und deshalb so viele Misserfolge mit der geringsten Medaillenausbeute seit langer Zeit gefeiert wurden. Welche Rolle bei der „Leistung“ wohl Doping gespielt haben könnte? Ob da einiges durcheinander geraten ist? Und allgemein: Ob in Deutschland jemand mit „Leistung“ an die Spitze der Gesellschaft und zur Elite gelangen kann? Ob die Beziehung zwischen „Leistung“ und Verdienst zugunsten gewisser Kreise längst aus den Fugen geraten ist? Entlassungen im großen Stil mögen in der Vergangenheit zur Anerkennung von „Leistung“ auch nicht unbedingt beigetragen haben. Die erbrachte „Leistung“ war dabei jedenfalls bei Entlassungen kein Kriterium. Jetzt haben sich die Zeiten geändert und Deutschland ist Vorreiter darin, den „Leistungsbegriff“ aufgeweicht zu haben. Sich kaputt machen für Leistung? Iwo! Wird doch hierzulande gar nicht honoriert. Die Bedingungen haben sich außerdem ja längst geändert. Mittlerweile kann der Arbeitnehmer bei Personalverhandlungen Bedingungen stellen. Teilzeit. Boni. 14. Monatsgehalt. Der „Arbeitgeber“ muss reagieren. Der Trick mit der in Aussicht gestellten Karotte jedenfalls scheint nicht mehr zu funktionieren.
Dienstag, 10. September 2024
Auto mobil
Ich erinnere mich an eine Autobahnszene aus der Vergangenheit: heftige Bewegung im Rückspiegel, dann volle Beschleunigung, rigoroses Vorpreschen, dann, auf gleicher Höhe, wird mir hoch erregt mit rotem Gesicht wild grimassierend der Vogel gezeigt. Hilfe, was habe ich verbrochen? Weil ich, wie vorgeschrieben, höchstens 120 km gefahren bin? Schon seit langem staune ich über das wachsend agressive Design der Autos: Streitwagen durch und durch. Gemacht, um andere Verkehrsteilnehmer zu „versägen“. Schneller sein, besser, stärker, vorbei kommen am andern, koste es was es wolle? Ob das irgendwie symbolische Bedeutung in dieser Gesellschaft hat? Die E-Kisten müssten eigentlich Energie sparen, damit sie nicht so schnell wieder aufgeladen werden müssten. Das drückt sich aber im tatsächlichen Verkehr kaum aus. Riesige SUVs mit den gigantischen Ausmaßen eines Lastwagens ziehen dank hoher PSZahlen drängelnd an einem vorbei, grüßen unfreundlich von oben und fahren ihre heile Welt entlang. Auflader, Turbolader, Verbrenner: Wer sich`s leisten kann, demonstrativ kein Gutmensch zu sein, sondern eine agressive Sau, gibt jetzt diese Nummer. Lichthupe, ahoi! Vorbei! Jetzt komm ich! In der Kampfmaschine. Quasi-militärisch. Durchziehen. Abziehen. Ausleben. Ableben. Egal. Abschießen. Der Ekstase entgegen. Wer wird denn da auf der Bremse stehen!
Montag, 5. August 2024
Narziss
Selbstliebe? Steht unter Verdacht. Sollte bloß nicht auf Optimierung oder „Selbstoptimierung“ hinführen. Egoismus oder Narzissmus würden auch bedeuten, dass man das Ziel verfehlt hat. Doch wir bräuchten sie. Etwas davon. Hat etwas mit Selbstwert zu tun. Das hat nun wiederum etwas damit zu tun, welchen Anspruch wir an uns selbst haben. Diese beiden Größen scheinen voneinander abzuhängen. Selbstakzeptanz ist wohl auch wichtig.So wie man ist, sich anzunehmen. Mit allen Schwächen und Stärken. Lernen, damit zu leben, damit umzugehen. Selbstvertrauen ist wichtig. Zu wissen, was man kann. Seine Leistungen (?, Leistungsgesellschaft?) abrufen können, zum richtigen Zeitpunkt. Soziale Fähigkeiten haben: ein Netz um sich. Freundschaften pflegen. Kontakte. Mit solchen Leuten kann ich auch einüben, wie man mit anderen Leuten umgeht. Ob aber die Zahl der „Freunde“ in einem sozialen Netzwerk solche soziale Kompetenz und Fähigkeit zur Freundschaft anzeigt? Man kann mit Essen oder TV fehlende Freundschaft kompensieren, mit Drogen auch, mit Klamotten etc. Ach, wenn man nur „gesund“ und „normal“ wäre!
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Self-love? Is under suspicion. Just shouldn’t lead to optimization or “self-optimization”. Selfishness or narcissism would also mean missing the mark. But we need them. Some of that. Something to do with self-worth. This in turn has something to do with what demands we have on ourselves. These two quantities seem to depend on each other. Self-acceptance is probably also important. Accepting yourself as you are. With all weaknesses and strengths. Learn to live with it, deal with it. Self-confidence is important. Knowing what you can do. Being able to access your services (?, performance society?) at the right time. Have social skills: a network around you. Maintain friendships. Contacts. With people like that I can also practice how to deal with other people. But does the number of “friends” in a social network indicate such social competence and ability to form friendships? You can compensate for a lack of friendship with food or TV, with drugs, with clothes, etc. Oh, if only you were “healthy” and “normal”!
Donnerstag, 11. April 2024
KI Reloaded
Dass diese Wesen, die unter dem Stichwort „Künstliche Intelligenz“ oder „Roboter“ bald die Welt bevölkern sollen, uns schlichtweg umbringen könnten, weil sie auf vielen Feldern „leistungsfähiger“ sind, erscheint erst ganz ganz langsam am Horizont. Sicher, es wurde in Wissenschaftsmagazin oder entsprechenden Formaten für Neugierige vor einer solchen Gefahr gewarnt. Dass dies aber sehr schnell ziemlich virulent werden könnte, hat so recht noch niemand auf dem Schirm, ganz besonders nicht die Vertreter einer Politik, die im Zeichen des Neoliberalismus oder der Marktwirtschaft nahezu alles denen überantworten will, die „leistungsfähiger“, „effizient“ oder „erfolgreicher“ sind. Das dies alles im großen Stil auf Cyborgs und Roboterwesen zutreffen könnte, deren Quellcode selbst ihre Erfinder nicht mehr nachvollziehen können, weil ja genau dies in der Absicht einer „Künstlichen Intelligenz“ liegt, das bleibt aus vordergründigen Motiven verborgen und könnte eine große Gefahr bergen. Genauso, wie der Umstand, dass durch solche Wesen der Arbeitsmarkt und seine Funktionswesen für viele Menschen schon bald sich sehr stark ändern könnte. Das in viele Gehirne gehämmerte Stichwort dazu lautet „Arbeitsmarkt 4.0“ oder sickert unter dem Stichwort „Digitalisierung“ in uns ein. Wenn dann noch Chefs von „Unsozialen Netzwerken“ diejenigen als Spielverderber und Schwarzseher beschimpfen, die es sich erlauben, auf solche Gefahren hinzuweisen, dann wird es wirklich gefährlich, - amerikanisch gefärbter Optimismus hin oder her.
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The fact that these creatures, which are soon to populate the world under the heading of “artificial intelligence” or “robots”, could simply kill us because they are “more efficient” in many fields is only slowly appearing on the horizon. Of course, there have been warnings about such a danger in scientific magazines or similar formats for the curious. However, no one has yet realized that this could become quite virulent very quickly, especially not the representatives of a policy that, under the sign of neoliberalism or the market economy, wants to hand over almost everything to those who are “more efficient”, “efficient” or are “more successful”. The fact that all of this could apply on a large scale to cyborgs and robotic creatures, whose source code even their inventors can no longer understand, because this is exactly the intention of an “artificial intelligence”, remains hidden for superficial reasons and could pose a great danger. Just like the fact that the labor market and its functioning could soon change significantly for many people because of such creatures. The keyword hammered into many brains is “Labor Market 4.0” or seeps into us under the keyword “digitalization”. If the heads of “anti-social networks” then insult those who dare to point out such dangers as spoilsports and naysayers, then it becomes really dangerous - American-tinged optimism or not.
Dienstag, 6. Februar 2024
Einsam
Jeder soll nach seiner Facon einsam sein, - jeder soll es nicht in Richtung einer Schutzlosigkeit zugeben, weil die Geselligkeit hierzulande ein extrem hoch gehandeltes Gut ist und gegen alles schützt. Mangel? Defizit? Iwo. Manche Staaten haben Einsamkeitsministerien eingerichtet, hierzulande spielt die Bundesregierung per „Maßnahmen“ Betroffenheit und benennt längst Bekanntes um. Heiße Luft halt. Verdrängt wird: Man wird allein geboren und muss alleine sterben. Der Glaubenssatz des Neoliberalisimus. Ambivalent. Hart. Ob’s ein Tabu ist? Nicht so leicht zuzugeben. Defensive. „Freunde“. In unserer Gesellschaft ein leider inflationär gehandelter Begriff! Wie stellt sich sowas her? Gemeinsamkeiten setzen die gemeinsame Erfahrung voraus. Bindungen, besonders frühkindlich, seien wichtig. Behaupten Psychologen. Aber vielleicht das ganz genau dann nichts, wenn später falsch abgebogen wird. Wenn man sich von anderen Menschen, die man als Autorität anerkennt, etwas im falschen Moment einreden lässt. Wenn man Idiologien aufsitzt. Wenn man zu wissen glaubt, wie alles funktioniert, das aber den Mitmenschen kaum mitteilen kann. Was hat das Leistungsprinzip damit zu tun? Mit der Bereitschaft, soziale Beziehungen einzugehen (und zwar nicht nur zur Ausnutzung des Anderes), Empathie zu empfinden.
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Everyone should be lonely in their own way - everyone should not admit it to the point of being defenseless, because sociability is an extremely highly valued commodity in this country and protects against everything. Shortage? Deficit? Iwo. Some states have set up ministries for loneliness, but in this country the federal government is playing up with “measures” and renaming things that have long been known. Hot air. What is repressed is that you are born alone and have to die alone. The belief of neoliberalism. Ambivalent. Hard. Is it a taboo? Not so easy to admit. Defensive. "Friends". An unfortunately inflationary term in our society! How is something like this made? Commonalities require shared experience. Bonds, especially in early childhood, are important. Psychologists claim. But maybe that won't happen if you take a wrong turn later. When you let other people you recognize as an authority tell you something at the wrong moment. When you give in to ideologies. When you think you know how everything works, but can hardly communicate it to those around you. What does the performance principle have to do with it? With the willingness to enter into social relationships (and not just to exploit others), to feel empathy.
Samstag, 7. Oktober 2023
Karriere und Erfolg
Wenn ich zurück blicke, dann war das Wohlstands- und Erfolgsversprechen dieser Gesellschaft schon früh gebrochen. Es lautete ja immer: wenn du genügend in die Bildung investierst, dann wirst du voran kommen und dann wird es dir gut gehen. Hinzu kam ein typisch amerikanisches Versprechen, das da lautet: wenn du etwas nur stark willst, dann kannst du es auch erreichen. Doch plötzlich war das Modell eines öffentlich vorgeführten Vorankommens das eines Erfolgs, der aber nicht nachvollziehbar ist und nichts mit Leistung zu tun hat. Diese Zwangsläufigkeit, dieser Zusammenhang war eines Tages nicht mehr garantiert. Gleichzeitig war das Leistungsversprechen sozial gesehen noch sehr sehr wirkmächtig. „Wenn du nur genügend tust, dann schaffst du es auch“ war und ist ja das überall vorgetragene Mantra, das gerade in amerikanisch geprägten Gesellschaften ständig vorgetragen wird. In unserer Gesellschaft heißt das real: Leistung und Erfolg sind nicht mehr aneinander gebunden, aber das prägende Mantra ist noch intakt. Viele Menschen haben davon einen biografischen Bruch davon getragen. Sie haben gerade in diesem Aufstiegs- und Erfolgsversprechen eine schwere Kränkung erfahren, indem sie gemerkt haben: Dies Versprechen gilt vielleicht für manche, aber für mich hat es nicht gegolten. Ich bin davon enttäuscht worden. Dies trifft besonders auch auf Menschen zu, die auf normative Grundvorstellungen geeicht sind, wie Hedonismus, Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung. Das können Leute aus der gehobenen sozialen Schicht sein, aber auch unteren sozialen Schichten. Was sie einte, war die Grundorientierung an einem selbst gestalteten Leben, an dem daran hängenden Wert. Biografisch kann das inzwischen in Frage gestellt sein, zb. durch Arbeitsplatzverlust, Invalidität, was oft genug eine ökonomische Prekarität zur Folge hat. Das alles stellt das Selbstbild massiv in Frage.
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When I look back, this society's promise of prosperity and success was broken early on. It was always: if you invest enough in education, then you will make progress and then you will be fine. There was also a typically American promise that said: if you really want something, you can achieve it. But suddenly the model of a publicly demonstrated progress was that of a success that is incomprehensible and has nothing to do with performance. One day this inevitability, this connection was no longer guaranteed. At the same time, the value proposition was still very powerful from a social point of view. "If you only do enough, then you can do it too" was and is the mantra that is constantly being recited, especially in American-style societies. In our society, this means that performance and success are no longer linked, but the formative mantra is still intact. Many people suffered a biographical break from it. They suffered a serious insult in this promise of advancement and success when they realized: This promise may apply to some, but it didn't apply to me. I've been disappointed in that. This applies in particular to people who are calibrated to basic normative ideas such as hedonism, self-determination, self-realization. These can be people from the upper social class, but also from lower social classes. What they had in common was the basic orientation towards a self-designed life, towards the value attached to it. Biographically, this can now be questioned, e.g. through job loss, invalidity, which often results in economic precariousness. All of this puts the self-image in question.
Sonntag, 17. September 2023
Leistung und Erfolg
Wenn ich zurück blicke, dann wurde das Wohlstands- und Erfolgsversprechen dieser Gesellschaft schon früh gebrochen. Es lautete ja immer: wenn du genügend in die Bildung investierst, dann wirst du voran kommen und dann wird es dir gut gehen. Hinzu kam ein typisch amerikanisches Versprechen, das da lautet: wenn du etwas nur stark willst, dann kannst du es auch erreichen. Doch plötzlich war das Modell eines öffentlich vorgeführten Vorankommens das eines Erfolgs, der nicht nachvollziehbar ist und nichts mit Leistung zu tun hat. Diese Zwangsläufigkeit war eines Tages nicht mehr garantiert. Gleichzeitig war und ist das Leistungsversprechen sozial gesehen noch sehr sehr wirkmächtig. „Wenn du nur genügend tust, dann schaffst du es auch“ war und ist ja das überall vorgetragene Mantra, das gerade in amerikanisch geprägten Gesellschaften ständig vorgetragen wird.
In unserer Gesellschaft heißt das inzwischen real: Leistung und Erfolg sind nicht mehr aneinander gebunden, aber das prägende Mantra ist noch intakt. Viele Menschen haben davon einen biografischen Bruch davon getragen: Sie haben gerade in diesem Aufstiegs- und Erfolgsversprechen eine schwere Kränkung erfahren, indem sie gemerkt haben: Dies Versprechen gilt vielleicht für manche, aber für mich hat es nicht gegolten. Ich bin davon enttäuscht worden. Dies trifft besonders auf Menschen zu, die auf normative Grundvorstellungen geeicht sind, wie Hedonismus, Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung. Das können Leute aus der gehobenen sozialen Schicht sein, aber auch aus unteren sozialen Schichten. Was sie einte, war die Grundorientierung an einem selbstgestalteten Leben und an dem daran hängenden Hedonismus. Biografisch kann das dermaßen oft in Frage gestellt sein, zb. durch Arbeitsplatzverlust, Altruismus oder Invalidität, was oft genug eine ökonomische Prekarität zur Folge hat. Das alles stellt das Selbstbild massiv in Frage.
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When I look back, this society's promise of prosperity and success was broken early on. It was always: if you invest enough in education, then you will make progress and then you will be fine. There was also a typically American promise that said: if you really want something, you can achieve it. But suddenly the model of publicly demonstrated progress was that of a success that is incomprehensible and has nothing to do with performance. One day this inevitability was no longer guaranteed. At the same time, the value proposition was and is still very powerful from a social point of view. "If you only do enough, then you can do it too" was and is the mantra that is constantly being recited, especially in American-style societies.
In our society, this means that performance and success are no longer linked, but the formative mantra is still intact. Many people have suffered a biographical break from this: They have experienced a serious insult in this promise of advancement and success by realizing: This promise may apply to some, but it did not apply to me. I've been disappointed in that. This applies in particular to people who are calibrated to basic normative ideas such as hedonism, self-determination, self-realization. These can be people from the upper social class, but also from lower social classes. What they had in common was the basic orientation towards a self-designed life and the hedonism that goes with it. Biographically, this can often be questioned, e.g. through job loss, altruism or disability, which often results in economic precariousness. All of this puts the self-image in question.
Mittwoch, 7. Juni 2023
Leistung?
Vom Tellerwäscher zum Millionär: Von solchen Sprüchen werden und wurden ganze Gesellschaften getrieben. Man kann etwas erreichen, wenn man es nur will, so ein weiterer Glaubenssatz dieser Gesellschaften: „Ohne Fleiß kein Preis“, „you can make it, if you try it“ . Wenn ich Bilanz ziehe, dann muss ich sagen, dass ich solche Sprüche nicht besonders ernst nahm in meinem Leben. Etwas „aus sich machen“? Kam mir nicht ernsthaft genug in den Sinn. Ich folgte meinem eigenen Kompass und vertraute darauf, dass er mich richtig führen würde. Man hatte einiges an dieser „Leistungsgesellschaft“ damals auszusetzen, was ich schließlich für mich als in der Luft liegendes Gefühl vielleicht zu ernst nahm. Was wohl in diesem Zusammenhang „Zeitgeist“ bedeutet? Ein unzuverlässig’ Ding. Es war für mich aber immer schon klar, dass hinter jedem „Erfolg“ in dieser Gesellschaft auch das Glück und der Zufall seine Rolle spielte. Dieses Glück scheint mir selbst eine Weile durchaus gewogen gewesen zu sein (irgendwie nahm ich noch jede Kurve, kam über jedes Hindernis hinweg, das sich mir in den Weg stellte und „lernte“ daraus), schließlich aber überhaupt nicht mehr. Wieso? Man sollte lieben, was man sich zu tun vorgenommen hat, man sollte das als seinen Weg erkennen und darauf vertrauen, dass er der richtige ist, so die lautere Meinung. Man sollte versuchen, seine ureigenen Talente zu entwickeln, um auf diese Weise einen Beitrag (zum Gemeinwohl?) leisten zu können. Man sollte in jedem Falle dem nachgehen, was man als seine ureigene Berufung erkannt hat (erkennen? Zweifeln? Woher kommen solche „Erkenntnisse“?).
Mir kommen solche Glaubenssätze inzwischen als ein bisschen zu blauäugig vor. Ob diese 30%, die in unserer Gesellschaft von der Hand in den Mund leben müssen und die für die Mächtigen und „Erfolgreichen“ eine Art Steigbügelhalter abgeben müssen, um das tägliche Leben zu bestreiten, ob diese Leute also ihre Talente nicht entwickelt haben, ob sie überhaupt je die Möglichkeit dazu hatten und von was diese „Talententwicklung“ nun wiederum abhängig sein könnte? Gerechtigkeit. Was ist das? Persönliche Stärke. Konsequenz. Der eine packt's, der andere nicht. Wenn ich von meinen subjektiven Erfahrungen und denen meiner unmittelbaren Umgebung ausgehe, so muss ich bemerken, dass der „Erfolg“ in dieser Gesellschaft auch von einer gewissen Anpassungsbereitschaft abhängt, von einer Bereitschaft auch, sich informieren zu lassen, sich von den „richtigen“ Informationen angesprochen zu fühlen. Man wurde vielleicht davor gewarnt, einen bestimmten Weg zu gehen - und sei es jener, zu dem man sich berufen fühlte!! - aber man war sich im Rückblick dann doch zu sicher, glaubte, in dieser Gesellschaft bestimmte Dinge tun zu müssen und zu können, bestimmten Zielen nachgehen zu sollen. Warum gelingt das den einen, den anderen aber nicht? Kann man unversehens in so etwas wie Verwerfungen hinein kommen, Umstände mit denen man nicht gerechnet hat und die einem alles verderben können? So, dass ein Plan nicht „aufging“? Wer schielt da auf die, die es „zu etwas gebracht haben“ und die sich deswegen überheblich großspurig geben? Die sich in der Sonne ihrer „Leistungen“ sonnen? Woraus besteht diese Leistung? Wohl nicht immer und zuverlässig aus einem Beitrag zum Gemeinwohl, sondern eher in einer gewissen Bauernschläue, in einer Skrupellosigkeit und der Bereitschaft „sich durchzusetzen“, die Anderen um einen herum auszunutzen, unbewusst, gelernt, mit dem 500fachen Lohn eines Facharbeiters, mit Hilfe von Techniken wie dem „Networking“ und anderen Fertigkeiten des gegenseitigen menschlichen Gebrauchs.
Freitag, 5. Mai 2023
Leistung und Erfolg
Sie leisteten ja so viel, so vernehmen wir immer wieder. So muss das gelernt werden, was bei der jüngeren Generation Mitteleuropas auch nicht mehr so recht klappt (Stichwort: „Generation Z“). Sich kaputt arbeiten ist nicht mehr so angesagt („Work Life Blance“). Der Arbeitsmarkt hat sich geändert. Vieles ist anders geworden. Freizeit, Selbstverwirklichung etc. haben andere Stellenwerte. Seitenwechsel? Aber wie weit ist's überhaupt her mit dem Begriff „Leistung“? Ob das mal in der Nachkriegsgesellschaft ein Wert war, der die wirtschaftliche Entwicklung gerade von Deutschland nach vorne gebracht hat? Das Versprechen, dass es den Kindern besser gehen solle wie einem selbst? „Wohlstand“, wie entsteht so etwas? Ob sich dann mit der Zeit „Leistung“ immer mehr vom Begriff „Entlohnung“ entkoppelt hat? Ob heutzutage das eine mit dem anderen gar nichts mehr zu tun hat, wenn ein paar Modeberufe für die die große Kohle stehen und zb die Ärzte mutmaßlich die Pfründe ihres Standes mit allen Kräften zu schützen glauben?
Ob der Begriff „Erfolg“ längst den Begriff „Leistung“ abgelöst hat? Mit dieser Entwicklung von amerikanischer Weltsicht hin zur Implantation in europäische Ideologien scheint die bundesdeutsche Wirklichkeit lange gebraucht zu haben. Nun ja, alles will befestigt und abgesichert sein in einer solchen Gesellschaft der finanziell durch rigide und jetzt wieder aktuelle Abkommen (CETA, TTIP?) und eine die Märkte penetrierenden Exportwirtschaft abgesicherten Gesellschaft. Haha: „Uns geht es gut“. Wem? „Wir schaffen das“. Wer ist wir? Eine internationale, gut vernetzte und unmäßig reiche Elite schickt ihre Kinder auf internationale Spitzeninternate, wo diese Kinder zu Führungskräften der anmaßenden Arroganz ausgebildet werden sollen. Gerne parkt sie ihr Geld auch in Streueroasen und kauft sich Politiker, die ihre Anliegen dann im öffentlichen Raum vertreten. Dabei geht es unter anderem natürlich um Steuern: Wenn die sie nicht bezahlen wollen, diese Geldeliten, gehen sie woanders hin. So die Idiologie. Wirtschaftlich motivierte Verbindungen wie etwa EU versagen in diesem Thema der Kontrolle vollkommen und lassen ihre einzelnen Nationen sich gegenseitig ausspielen. Ob uns nicht spätestens dabei einige Gedanken automatisch kommen? Wer da wohl wen in seinem Sinne beeinflusst? Welche Rollen fette Lobbys dabei wohl spielen? Zuletzt wurden ja auch wieder Namen genannt, die EU-weit Bedeutung hatten. Gelegentlich sollen sie sogar finanziell besser ausgestattet sein als die Gesetzgeber aller Parlamente. Ob dies Auswirkungen hat? Viele Medien jedenfalls springen bei solchen Interessenverschiebungen gerne mal assistierend zur Seite, indem sie vorbildliche Einzelbeispiele herausgreifen und sie dann verallgemeinern. Linear. Einfach so. Das soll dann etwas zeigen.
Sonntag, 16. April 2023
Im Privileg
Vielleicht sind wir solchen Menschen auch schon begegnet, die uns mit ihrer mit „positiver Ausstrahlung“ aufgeladenem Frohsinn gestanden haben, dass sie jetzt und überhaupt die Umweltsau heraushängen, samt Flugzeug, fettem Reisen und Simmingpool und allem, was dazu gehört. Es sind dies Menschen, die oft fliegen, mehr Auto fahren oder deutlich mehr Strom verbrauchen als der Durchschnitt. „Als ich jünger war, hatte ich nicht das Geld“ so hören wir aus gut abgefederter Gleichgültigkeit heraus. „Jetzt habe ich das Geld und die die Zeit dazu. Warum sollte ich mich eigentlich selbst einschränken und nicht an die Orte reisen, an die ich will?“ Es scheint dies ein selbstverständlicher Lebensstil für solche Menschen zu sein, was unseren Zorn und unsere Wut einem Staat gegenüber, der so etwas toleriert, der sich auf Kosten ärmerer Kreise als unfähig demgegenüber verkauft und an manchen Stellen solches Verhalten sogar fördert, nur noch weiter steigert. Diese reichen Leute wollen mit ihrem gigantischen CO2-Fußabdruck nichts zu tun haben und lachen sich eins ab, wenn die Rede darauf kommt. Man ist unter solchen Leuten sogar regelrecht stolz auf einen großen Öko-Fußabdruck und unökologisches Verhalten. Die gängige Rechtfertigungsstrategie verweist da auch gerne mal auf Glück oder auf Verdienst zurück. Urlaub im Ausland beispielsweise könne „Belohnung“ für eigene Anstrengungen bedeuten, für verantwortungsvolles Wirken und große Leistung. Egal, was passiert: Es steht der eigene Genuss, die eigene Wohlfühloase, die möglichst bunte Selbstverwirklichung im Vordergrund. Dies alleine schon, weil man das „verdient“, weil es einem „zusteht“, alleine schon, weil man die Person ist, die man ist. Mit allerlei mehr oder weniger intellektuellen Pirouetten ist man zudem jederzeit bereit, einen solchen Lebensstil zu verteidigen und als logische Konsequenz unseres Wirtschaftssystems zu deuten.
Samstag, 17. September 2022
Vetterleswirtschaft
Nepotismus („Vetterleswirtschaft“) und vertikale Durchlässigkeit einer
Gesellschaft hängen wohl auf vielerlei Art zusammen. Es fällt auf,
dass sich beispielsweise im internationalen Showgeschäft und bei den Medien
inzwischen die stets selben Nachnamen tummeln, die inzwischen aber
die Töchter und Söhne tragen. Der Beispiele sind ungeheuer viele,
man mag sie nicht mehr aufzählen. Aber auch unter Politikern und
Wirtschaftsführern scheint das Phänomen weit verbreitet, die Namen
geben stets Hinweise in die selbsternannte „Elite“ hinein.
Gerade Wirtschaftskapitäne sorgen wohl sehr fürsorglich dafür, dass
das gewonnene Geld samt der Macht in den Familienclan der(zahlreichen)
Nachkommen übergeht, nicht nur, indem man ihnen eine gewisse gut ausgestattete Lebenswelt
schafft. „Ist doch klar, die haben das Know How schon mit der
Muttermilch in sich aufgesogen“, so die gerne vorgeführte Formel
für diese Art der Brutpflege. Wie sich solche Mechanismen wohl für die
Gesellschaft auswirken? Sie sorgen zweifelsohne für eine
Zementierung der bestehenden Verhältnisse. Gesellschaftlich
aufzusteigen scheint keine Frage der Leistung mehr zu sein. Dies
sorgt natürlich für eine breit nachlassende Motivation. Erfolg
statt Leistung scheint die neue Messgröße zu sein. Und wer hat am
meisten Erfolg in dieser Gesellschaft? Am Ende der, der am meisten
Geld hat? Und woher er das hat? Ob er zum richtigen Zeitpunkt am
richtigen Ort war? Ob er ein System für sich ausgenutzt hat,
das den Rücksichtslosesten und Brutalsten belohnt? Was das mit
einer Leistung zu tun hat? Woher es wohl kommt, dass die
beliebtesten Berufswünsche unter „jungen Leuten“ wohl „Event Manager“,
"Graphic Design Manager“, „Marketing sales manager“ u.ä. lauten? Ob man an diesen Stellen
mit dem geringsten Aufwand zum größtmöglichsten Erfolg gelangt?
Wer kann das jemand vorwerfen? Die dahinter stehenden Strukturen
freilich, die wären veränderbar.
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