Reise durch Wirklichkeiten

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Montag, 23. Februar 2026

Heimat

Darin, was Heimat sein soll und wie sie geschützt werden soll, zeigt sich insofern auch die Spaltung der Gesellschaft. Es resultierten daraus verschiedene Lebenswelten, verschiedene Schichten, verschiedene Arten, mit der Welt umzugehen. Sehr offensichtlich wurde dies übrigens in den Berichten über prominente Amtsträger, die ihre Sprösslinge auf teure Internate und Privatschulen schicken und keineswegs daran zu glauben scheinen, was sie selbst dauernd predigen. Der empirische Beleg für eine solche Behauptung könnte tatsächlich sein, dass sie ihre Sprösslinge auf diese teuren Schulen schicken. Sie haben ein Bild von sich entworfen, das in einem Gegensatz zu ihrer „privaten“ Existenz steht. Dass es nicht darum gehen soll, woher man kommt, könnte aber auch ein Mythos sein, ein Wunschbild. Denn Heimat ist gerade nicht nur Option und freie Wahl. Man ist bedingt durch das, was schon war. Heimat ist gerade nicht das, was man durch freien Willen sich wählt. Sondern man ist hinein gewachsen. Auch durch Sozialisation. Man versteht die Leute in dieser Heimat unwillkürlich besser, sie sind einem auf eine seltsame Art nah, man agiert und bewegt sich wie selbstverständlich, wie im Schlaf. Es scheint eine Art realer Traum zu sein. Es gibt den Ort der Geburt als Schicksal. Man ist hinein geboren worden, hat ihn sich nicht heraus gesucht. Wir sind nicht nur autonome Menschen, die sich ihre Existenz frei gewählt haben. Wir sind auch durch unsere Herkunft und unsere Geschichte, durch Zufälle, Glück und Unglück geprägt. Man ist hinein geworfen. Wie sang Jim Morrison (klar, ich weiß, dass er das möglicherweise auch geklaut hat): „Riders on the storm, into this house we're born, into this world we're thrown, Like a dog without a bone, an actor out on loan, Riders on the storm“.

Sonntag, 22. Februar 2026

Heimat (1)

Man lässt sich zurück gleiten, Richtung Heimat, Richtung Ursprung, man begegnet sich selbst und denkt darüber nach, wieso man so ist, wie man ist. Wieso man so geworden ist.... Es kann auch bedeuten, dass man anfängt, zu akzeptieren, nicht gerade einzigartig zu sein, sondern Teil von etwas Größerem. So etwas deutet vielleicht auf Schwarmintelligenz hin und das, was später von den Kundigen allzu oft als „Herdenimmunität“ beschworen wurde. Und dann ist da das Oberflächliche. Das, was einen als gerne verkündete „Lebensweisheit“ oder als mühsam erarbeitete Erkenntnis ermüdet hat. Tausend mal gehört, tausend mal nichts passiert. Das, dass tausend Leute um einen herum sagen: „Man muss in der Gegenwart leben“. Klar. Man blickt auf die Kindheit zurück, sieht Bilder und Fotos von sich und denkt: „Wer zum Teufel war das?“ Das ist eine Ebene. Es gibt womöglich auch andere. Dinge stoßen einem zu, sie „überfallen“ einen. Gab es intensive Erlebnisse? Die einem die eigene Präsenz nahe legten? Wie war das damals, als du aus dem Auto gefallen bist? Hattest du danach das Gefühl, du hättest einen Schutzengel gehabt? Wieso hast du so günstig abgeschnitten? Gibt es mögliche Welten, Abzweigungen? Die dich geprägt haben? Hat man wirklich Entscheidungen gefällt? Oder haben sie dich gefällt? Ich hatte nie das Gefühl, Wichtiges und für andere Erhellendes zu erzählen zu haben. Das ist nach wie vor so. Weder im fiktiven noch im realen Bereich. Alles, was möglicherweise auf mich zutrifft, stellt sich bei anderen ganz anders dar...... Ich merke das und ich nehme immer intensiver wahr, wie mich heute viel mehr gesellschaftliche Mechanismen kümmern, von denen die Rockmusik auch einer unter anderen ist. Wobei es oft um Reiz-Stimulationen geht, um das kurzfristige Hervorrufen von Emotionen, - wovon die Werbeindustrie gerne Gebrauch macht. So wird auch immer öfter im Rahmen von Fußballspielen geredet, bzw. herumgeschrien: „Das war mal wieder richtiger Rock'n Roll“! R&R wird offenbar mit purem Vitalismus identifiziert. Ob Metal etwas mit abgeführter Aggression zu tun hat? Wieso scheint das notwendig? Blitzableiter? Ob das auch per Tonträger passieren kann? Ich weiß nur, dass sich unzählige Bands Mühe geben, durch handwerkliche Präzision, Darstellung von Leidenschafts- und Jubelposen dem Ausdruck zu geben. Wobei der erste Impuls, auch beim Kritiker, derjenige ist, „berührt zu sein“. Nur erscheint mir das als etwas Undifferenziertes, als eine Art Grundmaterial, dem es nachzuspüren gilt, dem es eine halbwegs persönliche Form zu geben gilt.

Dienstag, 18. November 2025

Heimat

Die Anderen? Die Fremden? Wenn man jemand persönlich kennen lernt, ist es ungleich schwieriger, mit ihm kritisch oder gar ablehnend umzugehen. Persönliche Bande schaffen so etwas wie Beishemmung. Gerade in einem journalistischen Alltag damals schien mir das umso bedeutender, je weniger dies von Kollegen beachtet wurde. Doch im Falle des zunächst Fremden und Ausgegrenzten kann es auch helfen, Barrieren abzubauen. Wer jemanden aus einem anderen Kulturkreis kennen lernt, nimmt bewusst viele Anregungen auf, verliert eine Distanz, lernt das Gegenüber möglicherweise als Menschen mit all seinen Unzulänglichkeiten und Liebenswürdigkeiten kennen. Viele Menschen sagen aber auch, dass sie so genau gar nicht zu wissen glauben, woher genau sie kommen, da ihre Herkunft gar nicht auf einen ganz bestimmten Ort, eine ganz bestimmte Familie oder Kultur zuführt. Es scheint immer mehr „globale“ Existenzen zu geben, die dort zuhause sein können, wo sie gerade sind. Ob aber nicht gerade bei ihnen das Bedürfnis nach so etwas wie „Heimat“ gewachsen ist, ob sie ihren eigenen Weg und Begriff dazu finden müssen? Ob dies eine gewisse Anstrengung bedeuten kann, bei der unsere Hilfe etwas Positives beitragen kann? Was bin ich? Wer bin ich? Sind wir in der Lage, eine gute Antwort auf diese Fragen zu geben?

Freitag, 20. September 2024

Heimat (2)

Produkte werden für den globalen Markt gestaltet, ohne Seele, ohne Identität, ohne Charakter, als eine Art kleinster gemeinsamer Nenner aller auf der Welt denkbaren Geschmäcker. Vereinheitlichung und Standardisierung, die zur Skalierung führt, so heißt die Devise: möglichst viel von allem, damit sich die Massenproduktion rechnet. Im Alltag ist das besonders gut an der Produktion von Autos zu sehen. Da sind dann immer weniger Konzerne, die sich gerne mal gegenseitig übernehmen, die immer mehr Autos produzieren, die alle kaufen sollen und die manchmal niemand kauft. Das anonyme Teil dominiert als logistisch leicht handhabbares Produkt, es dominiert die namenlose Fabrikation, die sich ihre Konsumenten auch via Werbung und künstlich aufgetragenen Ecken und Kanten suchen soll. Wer aber solchermaßen der Identität und eines Charakters beraubt ist und nur noch den Konsumenten abgeben soll, der sucht unter Umständen die kollektive Identität geradezu exzessiv: der Beispiele sind viele. Auch Religionen scheinen dabei eine heftige Rolle zu spielen. Auch sie scheinen zu kultureller Identität zu führen oder zumindest eng damit verwoben zu sein. Und hier kommt auch der Begriff „Heimat“ ins Spiel: es geht um das Beharren auf Werthaltungen und Wahrung von Identität, dort, wo das Allgemeine über das Besondere und erkennbar „Eigene“ zu siegen scheint. Es geht um die Erforschung eigener Identität, um ihre fortwährende Aneignung ganz gegen alle Widerstände. Politiker jeglicher Herkunft spielen dies Spiel gerne mit. Sie formulieren in Reden mit steilen Thesen, wie sie die Lage einschätzen. Sie klopfen Sprüche und dem Wutbürger auf die Schulter. Sie wiegeln auf und zentrieren den Protest, sie geben ihm Ausdruck, sie geben sich lebensnah heimatverbunden und gießen daraus volkstümliche Reden. Sie hetzen gesellschaftliche Gruppen gegenseitig auf, sie spielen diese Gruppen gegeneinander aus und versuchen, daraus Vorteile zu ziehen. Aber was ist Heimat? Heimat, das ist eine Landschaft, - und mehr. Der Wunsch, zu den dort wohnenden Menschen zu gehören, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Einen Ort zu haben, an dem man sich nicht erklären muss. Das Gefühl, willkommen zu sein. Einen Ort haben, an dem man sich sicher fühlt. Eine Erinnerung an die Kindheit, als die Welt einem vertraut erschien. Wurzeln haben. Heimat könnte Aufbruch und Rückkehr bedeuten. Immer mehr Leute fürchten sich davor, sie zu verlieren - und damit ihre Identität. Es herrschen Landflucht auf dem Dorf und steigende Mieten in den Städten. Eines aber scheint überall wichtig zu sein: Alle müssen flexibel sein und sich durchkämpfen in einer globalisierten und durchkapitalisierten Welt. X x Products are designed for the global market, without soul, without identity, without character, as a kind of lowest common denominator of all the tastes imaginable in the world. The motto is unification and standardization, which leads to scaling: as much of everything as possible so that mass production is profitable. In everyday life, this is particularly evident in the production of cars. There are fewer and fewer companies, which are happy to take each other over, which produce more and more cars that everyone should buy and that sometimes nobody buys. The anonymous part dominates as a logistically easy-to-handle product, it dominates the nameless manufacture, which is also supposed to find its consumers via advertising and artificially applied rough edges. But anyone who is deprived of identity and character in this way and is only supposed to hand over to the consumer may seek collective identity almost excessively: there are many examples. Religions also seem to play a major role in this. They also seem to lead to cultural identity, or at least to be closely interwoven with it. And this is where the term "home" comes into play: it is about insisting on values ​​and preserving identity, where the general seems to win out over the particular and the recognizably "one's own". It is about exploring one's own identity, about its continuous appropriation against all resistance. Politicians of all backgrounds like to play along with this game. In speeches they formulate bold theses about how they assess the situation. They make slogans and pat angry citizens on the back. They stir up and focus the protest, they give it expression, they show a real-life connection to their homeland and pour popular speeches from it. They incite social groups against each other, they play these groups off against each other and try to gain advantages from it. But what is home? Home is a landscape - and more. The desire to belong to the people who live there, to be part of a community. To have a place where you don't have to explain yourself. The feeling of being welcome. Having a place where you feel safe. A memory of childhood, when the world seemed familiar. Having roots. Home could mean departure and return. More and more people are afraid of losing it - and with it their identity. There is a rural exodus in the countryside and rising rents in the cities. But one thing seems to be important everywhere: everyone has to be flexible and fight their way through in a globalized and capitalized world.

Donnerstag, 19. September 2024

Heimat

Was immer wieder auftaucht, verfremdet oder nicht: „Heimat“. Was ist das? Was soll es sein? Ständig neu aufgeladen wird dieser Begriff mit neuen Bedeutungen. Jetzt geben Migration und Globalisierung der Bedeutung dieses Begriffs „Heimat“ wohl eine besondere Richtung. Auch versuchen politische Kreise, sich das Begriffs zu bemächtigen. Aber gehen wir erst mal rein in die Vergangenheit, aus der ja das Gegenwärtige entstand. Es waren die Romantiker des ausgehenden achtzehnten und beginnenden neunzehnten Jahrhunderts, die aus „Heimat“ einen Sehnsuchtsbegriff machten, der ein bisschen auch als Gegensatz zu jener Industrialisierung gemeint war, die oft genug lebensfeindlichen Charakter hatte. Es waren Begriffe wie Vertrautheit, Überschaubarkeit oder Geborgenheit, die die Romantiker dagegen setzten. Dass solches später zu oft missbraucht wurde, war damals noch nicht abzusehen. Aber ziehen wir doch einen hinzu, der die Romantik der Moderne entgegen geführt hat. Der Schriftsteller Hermann Hesse sagt: „Heimat ist nicht da oder dort. Heimat ist in dir innen, oder nirgends. Wandersehnsucht reißt mir am Herzen, wenn ich Bäume höre, die abends im Wind rauschen. Hört man still und lange zu, so zeigt auch die Wandersehnsucht ihren Kern und Sinn. Sie ist nicht Fortlaufenwollen vor dem Leide, wie es schien. Sie ist Sehnsucht nach Heimat, nach Gedächtnis der Mutter, nach neuen Gleichnissen des Lebens. Sie führt nach Hause. Jeder Weg führt nach Hause, jeder Schritt ist Geburt, jeder Schritt ist Tod, jedes Grab ist Mutter. So rauscht der Baum im Abend, wenn wir Angst vor unsern eigenen Kindergedanken haben. Bäume habe lange Gedanken, langatmige und ruhige, wie sie ein längeres Leben haben als wir. Sie sind weiser als wir, solange wir nicht auf sie hören. Aber wenn wir gelernt haben, die Bäume anzuhören, dann gewinnt gerade die Kürze und Schnelligkeit und Kinderhast unserer Gedanken eine Freudigkeit ohnegleichen. Wer gelernt hat, Bäumen zuzuhören, begehrt nicht mehr, ein Baum zu sein. Er begehrt nichts zu sein, als was er ist. Das ist Heimat. Das ist Glück.“ glaubt Hermann Hesse. Und noch etwas zu diesem Thema kam mir bei der Lektüre unter: „Unbezahlbar“ nennt Professor Nicholas Conard von der Universität Tübingen die Fundstücke im Vogelherd: „Wir haben hier die besten Belege für die Entstehung von Kunst und Musik“, so Conard, „ja, mit Löwenmensch beispielweise auch erste Belege für Religion in der Menschheitsgeschichte“. Dass das und die „sehr guten Besucherzahlen des Archäoparks“ bei der Landesregierung nicht ins Gewicht fällt, kommt für ihn einer „Missachtung der Bevölkerung“ gleich. Und mehr noch: Dass das Land die Wiege der Kultur, die ja nun in Baden-Württemberg zu verorten ist, nicht höher einschätzt, das verletzt seiner Meinung nach das „Selbstbild des Landes, das sich ja rühmt, Kultur- und Wissenschaftsstandort zu sein“. „Man muss sich das vorstellen“, macht Conard seinem Unverständnis Luft, „überall auf der Welt sind Repliken der Fundstücke ausgestellt. Überall auf der Welt werden Vogelherd, Niederstotzingen und Baden-Württemberg in diesem Zusammenhang genannt“. Und ausgerechnet in der Heimat sollen die Schätze nicht hochgehalten und gefördert werden – für ihn ist das „eine absolute Blamage für das Land Baden-Württemberg“. X x What keeps cropping up, alienated or not: "home". What is it? What is it supposed to be? This term is constantly being recharged with new meanings. Now migration and globalization are giving the meaning of this term "home" a special direction. But let's first go into the past, from which the present emerged. It was the Romantics of the late eighteenth and early nineteenth centuries who made "home" a term of longing, which was also meant as a bit of an antithesis to the industrialization that was often hostile to life. It was terms such as familiarity, clarity or security that the Romantics opposed. That these would later be misused too often was not foreseeable at the time. But let's take a look at someone who led Romanticism towards modernity. The writer Hermann Hesse said: "Home is not here or there. Home is inside you, or nowhere. A longing to wander tears at my heart when I hear trees rustling in the wind in the evening. If you listen quietly and for a long time, the longing to wander also reveals its core and meaning. It is not a desire to run away from suffering, as it seemed. It is a longing for home, for the memory of the mother, for new parables of life. It leads home. Every path leads home, every step is birth, every step is death, every grave is mother. This is how the tree rustles in the evening when we are afraid of our own childish thoughts. Trees have long thoughts, long-winded and calm ones, just as they live longer than we do. They are wiser than we are as long as we do not listen to them. But when we have learned to listen to the trees, then the brevity and speed and childish haste of our thoughts gain an incomparable joy. Anyone who has learned to listen to trees no longer desires to be a tree. He desires to be nothing but what he is. That is home. That is happiness,” believes Hermann Hesse. And something else on this topic occurred to me while reading: Professor Nicholas Conard from the University of Tübingen calls the finds in Vogelherd "priceless": "We have the best evidence here for the origins of art and music," says Conard, "and with the Lion Man, for example, we also have the first evidence of religion in human history." The fact that this and the "very good visitor numbers of the archaeological park" are not taken into account by the state government is, in his opinion, tantamount to "disrespect for the population." And what's more: the fact that the state does not rate the cradle of culture, which is now located in Baden-Württemberg, more highly, in his opinion, damages the "self-image of the state, which prides itself on being a center of culture and science." "You have to imagine," Conard expresses his incomprehension, "replicas of the finds are on display all over the world. Vogelherd, Niederstotzingen and Baden-Württemberg are mentioned in this context all over the world." And of all places, the treasures are not being upheld and promoted in their homeland – for him, this is “an absolute disgrace for the state of Baden-Württemberg”.

Sonntag, 4. Juni 2023

Heimat (2)

Ob Heimat auch einen größeren Bereich umfassen kann? Ein ganzes größeres Gebiet, das sich einem in seiner Vielgestaltigkeit gezeigt hat, das einem eine gewisse „Substanz“ offenbart hat, die einen anzieht? Hat man innerhalb dieses Gebietes nicht Optionen probiert, die einen umso fester an das binden könnten, was „Heimat“ beschreibt? Darf man sich dem hingeben oder sollte man dort funktionieren, wohin man gestellt ist? Das Letztere widerspricht sowieso so mancher Doktrin, die uns unsere Gesellschaft in Deutschland eintrichtert. Selbstverständlich werden wir nicht irgendwohin gestellt, sondern wir wählen frei den Ort, an dem wir wirken wollen. Wirklich? Flexibel sein. Aber in welchem Interesse? In unserem eigenen, so predigt das immer wieder eine gewisse gesellschaftliche Seite. Gegen angemessenen Gegenwert flexibel sein? Wer bemisst das, was angemessen ist? Sind wir tatsächlich in der Position, dass wir nach den eindeutigen Absichten eines Konzerns oder des Staates wechseln müssen? Dass wir uns ziellos herumschubsen lassen müssen, weil gewisse Interessen das so wollten? Finden wir wirklich überall das, was Facebook „Freunde“ nennt? Nicht abdriften in eine politische Richtung! So hämmert es in uns. Nur: was ist links und rechts? Ob Heimat, so kontrovers der Begriff auch sein mag, da nicht ein gewisses Maß an Orientierung bietet?

Dienstag, 30. Mai 2023

Heimat (1)

Heimat? Was für ein schillernder Begriff! Missbraucht, verwendet und heute als eingestaubt desavouiert. Doch was könnte Heimat sein? Gibt es ein Empfinden dafür, dass gerade nicht das Enge und Beschränkte bedeuten kann? Ja ja, für die Romantiker (besonders in Deutschland) war’s ein Ausdruck für eine Sehnsucht. Das Warme, Anziehende, Ursprüngliche, das eine Gegenwelt zur kalten industrialisierten Gegenwart darstellen konnte. Ob das bis heute einwirkt auf das, was wir in Deutschland mit „Heimat“ bezeichnen? Da ist immerhin die globalisierte, gnadenlos auf profitorientierte Funktionsabläufe und rücksichtsloses Effizienzdenken gerichtete Welt von heute, mit aller Gewalt und sozialen Sanktionierungsmöglichkeit ausgestattet, mit dem ihr eigenen Maß an Entfremdung, mit jenem „kalten Blick“, den heutzutage vielleicht sogar immer mehr roboterartige Wesen unterstützen werden. Natürlich kommt der Begriff „Heimat“ aus einer anderen sozialen Sphäre als jener, die sich mit Gender- und Sprachproblemen oder anderem angeordnet verordnetem oder sonstwie vorgeschriebenen Verhalten herumschlägt und sich ansonsten in einem wohlfunktionierenden Sozialstaat wähnt. Deshalb kommt auch wohlfeil oberflächlicher Spott aus dieser gesellschaftlichen Ecke. Ach, wie leicht ist es, einen Begriff wie „Heimat“ dem 19. Jahrhundert zuzuordnen, dem ganzen „vaterländischen Quatsch“ und ihn insofern als veraltet zu betrachten! Ob er politisch auch in die falsche Richtung führen kann? Ob er so etwas wie Orientierung verspricht und damit auf ein gerade sehr aktuelles Bedürfnis eingeht? Ob er am Ende aber doch etwas mit jener „Vertrautheit“ und „Geborgenheit zu tun hat, die jedem Menschen auf dieser Erde zusteht? Samt der damit einhergehenden wirtschaftlichen Geborgenheit zustehen müsste? Der ganze Kitsch, den die Filmwelt rund um den Begriff „Heimat“ entworfen hat, spielt wohl auch noch eine ungünstige Rolle. Gibt es angesichts der obwaltenden Umstände am Ende gar mehrere „Heimaten“? Ist das, für das Begriff steht, teilbar? Oder führt das in jene Fremde, die diese Gesellschaft gerne den Migrationsbewegungen zuschreibt? ….Fehlende Sprache und all das…...

Mittwoch, 12. April 2023

Heimat - was soll das sein?

Wieso der Begriff „Heimat“ immer wieder mit Enge, Eingeschränktheit und dem privaten Glück im Kleinen vermengt wird? Wenn „Heimat“ sich verschließt gegenüber einer Andersartigkeit, dann wird sie zu etwas Engem dort, wo sie auch weit sein könnte. Sie könnte großzügig offen sein und sich gleichzeitig bewahren. Sie könnte soziale Dimensionen und gesellschaftliche Entwicklungen aufnehmen und sich damit selbst erkennen. Sie könnte dieses oft zitierte „Geworfensein“ akzeptieren und an sich selbst wahrnehmen. Sie könnte an sich erkennen, das wir auch ein Produkt unserer Sozialistion sind, die doch stark von dem beeinflusst ist, was „Heimat“ bedeutet. Sie könnte erkennen, dass wir auf der ganzen Welt gewisse Probleme haben, die uns einen. Sie könnte erkennen, das eine beispiellose gesellschaftliche Polarisation statt gefunden hat, die sich in unserer „Heimat“ auf eigene Weise abbildet. Sie könnte erkennen, das wir auf der ganzen Welt Menschen sind und doch unseren konkreten Lebensbedingungen und Lebenswelten, Sinnwelten ausgeliefert sind. Dass sich dadurch eine eigene und eigenständige Ebene der Solidarität und des Verbundenseins ergeben kann. Mit dem Lauf der ganzen Welt. Dass nicht alles der von Politikern so gern beschworene „Strukturwandel“ mit sich bringt, der zudem viel zu oft auf den technologischen und ökonomischen Wandel beschränkt wird.

Samstag, 3. Dezember 2022

Verlorene Begriffs- und Lebenswelten: Heimat (2)

Wieso der Begriff „Heimat“ immer wieder mit Enge, Eingeschränktheit und dem privaten Glück im Kleinen vermengt wird? Wenn „Heimat“ sich verschließt gegenüber einer Andersartigkeit, dann wird sie zu etwas Engem dort, wo sie auch weit sein könnte. Sie könnte großzügig offen sein und sich gleichzeitig bewahren. Sie könnte soziale Dimensionen und gesellschaftliche Entwicklungen aufnehmen und sich damit selbst erkennen. Sie könnte dieses oft zitierte „Geworfensein“ akzeptieren und an sich selbst wahrnehmen. Sie könnte an sich erkennen, das wir auch ein Produkt unserer Sozialistion sind, die doch stark von dem beeinflusst ist, was „Heimat“ bedeutet. Sie könnte erkennen, dass wir auf der ganzen Welt gewisse Probleme haben, die uns einen. Sie könnte erkennen, das eine beispiellose gesellschaftliche Polarisation statt gefunden hat, die sich in unserer „Heimat“ auf eigene Weise abbildet. Sie könnte erkennen, das wir auf der ganzen Welt Menschen sind und doch unseren konkreten Lebensbedingungen und Lebenswelten, Sinnwelten ausgeliefert sind. Dass sich dadurch eine eigene und eigenständige Ebene der Solidarität und des Verbundenseins ergeben kann. Mit dem Lauf der ganzen Welt. Dass nicht alles der von Politikern so gern beschworene „Strukturwandel“, der zudem viel zu oft auf den technologischen und ökonomischen Wandel beschränkt wird.

Mittwoch, 2. November 2022

Verlorene Begriffs- und Lebenswelten: Heimat

„Hey, wie geht’s?“ Wenn man jemand persönlich kennen lernt, ist es ungleich schwieriger, mit ihm kritisch oder gar ablehnend umzugehen. Persönliche Bande schaffen so etwas wie Beishemmung. Man ist sich nahe und muss mehr Energie aufbringen, um einen solchen Menschen abzulehnen. Gerade in einem journalistischen Alltag schien mir das umso bedeutender, je weniger dies von Kollegen beachtet wurde. Doch im Falle des zunächst Fremden und Ausgegrenzten kann es auch helfen, allmählich Barrieren abzubauen. Wer jemanden aus einem anderen Kulturkreis kennen lernt, nimmt bewusst viele Anregungen auf, verliert eine Distanz, lernt das Gegenüber möglicherweise als Menschen mit all seinen Unzulänglichkeiten und Liebenswürdigkeiten und – ja auch! Hässlichkeiten! - kennen. Viele Menschen sagen aber auch, dass sie so genau gar nicht wissen, woher sie kommen, da ihre Herkunft gar nicht auf einen ganz bestimmten Ort, eine ganz bestimmte Familie oder Kultur zuführt. Es scheint immer mehr „globale“ Existenzen zu geben. Ob aber nicht gerade bei ihnen das Bedürfnis nach so etwas wie „Heimat“ gewachsen ist, ob sie ihren eigenen Weg und Begriff dazu finden müssen? Ob dies eine gewisse Anstrengung bedeuten kann, bei der unsere Hilfe etwas Positives beitragen kann? Was bin ich? Wer bin ich? Sind wir in der Lage, eine gute Antwort auf diese Fragen zu geben?

Mittwoch, 5. Mai 2021

Heimat revisited

In einer mit kleinen Ergänzungen und Auslassungen versehenen Reprise zu meinem Blog vom 5.5.2018 schreibe ich jetzt zu einem ein bisschen aus dem Blickfeld geratenen Begriff: „Heimat", - das ist eine Landschaft, - und mehr. Vielleicht der Wunsch, dazu zu gehören, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die tief in uns verankert ist. Einen Ort zu haben, an dem man sich nicht erklären muss. Das Gefühl, dort willkommen zu sein. Einen Ort haben, an dem man sich sicher fühlen darf. Eine Erinnerung an die Kindheit, als die Welt einem vertraut erschien. Man entdeckt, Wurzeln zu haben. Verhätnisse, aus denen man gekommen ist. Heimat könnte Aufbruch und gleichzeitig Rückkehr bedeuten. Immer mehr Leute fürchten sich davor, ihre Heimat zu verlieren - und damit ihre Identität. Es herrschen Landflucht auf dem Dorf und steigende Mieten in den Städten, wo anscheinend die vielen Optionen wohnen. Eines aber scheint überall wichtig zu sein: Alle (ob Stadt oder Land) müssen flexibel sein und sich durchkämpfen in einer globalisierten und durchkapitalisierten Welt. Auch in Zeiten der Pandemie. Jetzt, wo die früher in SciFi-Literatur vorgedachte Zukunft nach und nach Wirklichkeit wird, könnten wir plötzlich unter Umständen gar keine Zukunft mehr haben. Es scheint eine Welt entstanden zu sein, die Entmaterialisierung bedeutet. Alles scheint ähnlicher zu werden, gleich zu werden, alles verschwimmt, Menschen sind in den neoliberalen Zusammenhängen „Humankapital“. Nummern, Zahlen, Positionen, Kosten. Wirtschaftliche Kreisläufe, Lieferketten und Renditeaussichten scheinen wichtiger zu sein. Verwurzelung und Identität scheint angesichts dessen das am meisten verkannte Bedürfnis der menschlichen Seele zu sein. Aktuell scheinen sich Leute davor zu fürchten, durch Überfremdung ihre Heimat zu verlieren. Das bedeutet auch Clans und Ahnen, denen wir verbunden sind, ohne dass wir das wollen. Es gibt Menschen, die glauben, dass Heimatverbundenheit nicht mit der Angst vor Fremden verknüpft sein muss. Heimat sei nicht unbedingt, so glauben Leute, an den Ort gebunden, an dem man geboren wurde. Der Heimatbegriff, so halten manche Soziologen dagegen, zeige genau die Trennlinie zwischen der akademisch gebildeten, im Urbanen lebenden Mittelschicht und der traditionellen, oftmals noch der Industriemoderne verhafteten Mittelschicht. Die Heimatfraktion sei in die Defensive geraten. Linksliberale Kosmopoliten predigten Heimatliebe ohne Ausgrenzung und würden damit Gefahr laufen, allzu heuchlerisch zu sein. Denn diese klassisch Linksliberalen werfen womöglich anderen etwas vor, was sie selbst tun. Und zwar werfen sie anderen vor, dass sie Migranten und Flüchtlinge nicht integrieren würden. Sie selbst seien aber gar nicht erst in der Situation, dass sie mit Flüchtlingen und Migranten konfrontiert seien, weil sie in derart gefilterten und materiell abgefederten Lebensumständen leben, dass Migranten für sie keine Problematik darstellten. Ja, dass sie ihnen in ihrer gefilderten Wahrnehmungsblase kaum begegneten. Darin, was Heimat sein soll und wie sie geschützt werden soll, zeigt sich insofern auch die Spaltung der Gesellschaft. Es resultieren daraus verschiedene Lebenswelten, verschiedene Schichten, verschiedene Arten, mit der Welt umzugehen. Sehr offensichtlich wurde dies übrigens auch in den Berichten über gewisse prominente Amtsträger der Sozialdemokraten, die ihre Sprösslinge auf teure Internate und Privatschulen schicken und keineswegs daran zu glauben scheinen, was sie selbst dauernd predigen (Ein einstiger Vorsitzender macht es gerade vor...). Der empirische Beleg für eine solche Behauptung könnte sein, dass sie ihre Sprösslinge auf teure Privatschulen schicken und zu Bankaufsichtsräten werden. Sie haben ein Bild von sich entworfen, das in einem Gegensatz zu ihrer „privaten“ Existenz steht. Vorgetäuschte und tatsächliche Lebenswelt. Dass es nicht darum gehen soll, woher man kommt, könnte auch ein Mythos sein, ein Wunschbild. Denn Heimat ist gerade nicht nur Option und freie Wahl. Man ist bedingt durch das, was schon war. Heimat ist gerade nicht das, was man durch freien Willen sich wählt. Sondern man ist hinein gewachsen. Auch durch Sozialisation. Man versteht die Leute in dieser Heimat unwillkürlich besser, sie sind einem nah, man agiert und bewegt sich wie selbstverständlich, wie im Schlaf. Es scheint eine Art realer Traum zu sein. Es gibt den Ort der Geburt als Schicksal. Man ist hinein geboren worden, hat ihn sich nicht heraus gesucht. Wir sind nicht nur autonome Menschen, die sich ihre Existenz frei gewählt haben. Wir sind auch durch unsere Herkunft und unsere Geschichte, durch Zufälle, Glück und Unglück geprägt. Man ist hinein geworfen. Wie sang Jim Morrison (klar, ich weiß, dass er das möglicherweise auch geklaut hat): „Riders on the storm, into this house we're born, into this world we're thrown, Like a dog without a bone, an actor out on loan, Riders on the storm“. Man lässt sich zurück gleiten, Richtung Heimat, Richtung Ursprung, man begegnet sich selbst und denkt am Ende darüber nach, wieso man so ist, wie man ist. Wieso man so geworden ist.... Es kann auch bedeuten, dass man anfängt, zu akzeptieren, dass man nicht einzigartig ist, sondern dass man Teil von etwas Größerem ist. So etwas deutet vielleicht auf Schwarmintelligenz und das, was später allzuoft als „Herdenimmunität“ beschworen wurde. Und dann ist da das Oberflächliche. Das, was einen als gerne verkündete „Lebensweisheit“ oder als mühsam erarbeitete Erkenntnis ermüdet hat. Tausend mal gehört, tausend mal nichts passiert. Das, dass tausend Leute um einen herum sagen: „Man muss in der Gegenwart leben“. Klar. Man blickt auf die Kindheit zurück, sieht Bilder und Fotos und denkt: „Wer zum Teufel war das?“ Das ist eine Ebene. Es gibt womöglich auch eine andere. Dinge stoßen einem zu, sie „überfallen“ einen. Gab es intensive Erlebnisse? Die einem die eigene, ganz eigene Präsenz nahe legten? Wie war das damals, als du aus dem Auto gefallen bist? Hattest du danach das Gefühl, du hättest einen Schutzengel gehabt? Wieso hast du bei diesem Desaster so abgeschnitten, bist am Leben geblieben, als sei nichts gewesen? Gibt es mögliche Welten, Abzweigungen? Welche, die dich geprägt haben? Hat man wirklich Entscheidungen gefällt? Oder haben sie dich gefällt? Ich hatte nie das Gefühl, Wichtiges und für andere Erhellendes zu erzählen zu haben. Das ist nach wie vor so. Weder im fiktiven noch im realen Bereich. Alles, was möglicherweise auf mich zutrifft, stellt sich bei anderen ganz anders dar......

Mittwoch, 7. Oktober 2020

Heimat (7)

Das Meer? Der Wald? Die Landschaft..... Kann das auch eine Heimat sein? Das Unbestimmte bestimmen, sich darin geborgen fühlen. Es kann ein Gefühl sein, eine Übereinstimmung, Eine Übereinstimmung mit dem, was die Menschen dort machen, wie sie sind, wie sie geprägt wurden. Das bezieht sich auch stark auf die Natur dahinter, die unmerklich ihre Einflüsse ausübt, die sich „einstempelt“ in einen, über relativ große Zeiträume hinweg, ja bisweilen über ein ganzes Leben. Nach draußen gehen, die Welt sehen und dann zurück kommen. Das Gefühl, dass es dieses Zurück gibt, diese Zone, in der auch eine bestimmte Sprache gesprochen wird. Sich ernähren dort, durchkommen, weil man sich dort „auskennt“. Die spezifischen Verhaltensweisen, die Handwerkerei, das, was eine Gegend prägt, bis hinein in die kleinen Gesten. Dort, wo man sich entwickelt hat, Das hat mit Kindheit zu tun. Man hat immer schon über den Tellerrand hinaus blicken wollen. Man hat das getan, in eine Begrenztheit zurück getaucht, die man danach aber besser begreifen konnte, die man analysieren konnte, die man aus verschiedenen Blickwinkeln sehen konnte. Der Horizont war offener geworden und man erkannte sich neu, in dieser Ausgeliefertheit, an Verhältnisse, die von etwas Größerem geprägt waren.

Donnerstag, 30. Juli 2020

Mondnacht (Lyrik)

MONDNACHT

Es war, als hätt' der Himmel
die Erde still geküsst,
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müsst

Die Luft ging durch die Felder
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
so sternklar war die Nacht

Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus
Flog durch die stillen Lande
Als flöge sie nach Haus

(1837, Joseph von Eichendorff)


Kommentar:
Gewiss ein bekanntes Gedicht, von vielen trockengesichtigen Germanistikskribenten brav interpretiert.
"Träumen", - ein Wort, das mich alltäglich sich anschließen sieht an seltsame Bewusstseinszustände, ich gleite hinein, ich kann mich wie in einer Flüssigkeit weich bewegen...
Nach hinten werden die Verse für mich immer tröstlicher: "als flöge sie nach Hause". "Wohin gehen wir? fragte Novalis und gab die Antwort "Immer nach Hause". Auch in die Kindheit, in die Erinnerung, als Richtung eines Ortes, den wir völlig unreflektiert und direkt als Heimat verstehen....als Ausgang unserer Seele.....Geborgenheit, Friede, Glück....Stille

Montag, 5. August 2019

Heimat (6)

Wieso muss „Heimat“ ständig mit „Nation“ gleich gesetzt werden? Ob dabei der Begriff "Narrativ" eine Rolle spielt? Wieso ist "Heimat" etwas Rückschrittliches? Wieso sind Begriffe wie „Heimat“ und „Identität“ plötzlich so einseitig befrachtet? Weil ihn bestimmte Leute an sich zu reißen versuchen? Welche Rolle dabei "Sprache“ oder „Kultur“ spielen? Ob das notwendigerweise immer gegen den Begriff Verfassungstreue ausgespielt sein muss? Solidarität? Was darf sie kosten? Große Schichten des Volkes sind offenbar davon abhängig, was etwas kostet. Andere Schichten eher nicht. Geht es um Standortvorteile? Um „Problemlösungen“? Wer mag davon wohl profitieren? „Heimat“, so hört man oft, sei ein Gefühl. Ob dieses „Gefühl“ den Eliten zu wenig wert ist? Ob das das Ende aller Diskussionen ist? Weil man über "Gefühle" nicht reden kann (der scheinbar Intellektuelle will über alles reden...)? Es geht um eine Verbundenheit zu einem Ort und seinen Menschen. Nicht die anonyme Globalisierung aller Gefühle und Empfindungen, sondern etwas Zielgerichtetes? Auf einen Ort…... ob das „reaktionär“ ist? Klar, die Eliten können es sich leisten, heimatlos zu sein. Ob sie das aber dann gleich verallgemeinern sollen? Sie fahren ständig hin und her, von einem Tagungs-, Besprechungs- oder Konferenzort zum nächsten, - um ihre „wichtigen“ Erkenntnisse abzusondern, zu vermitteln, vorzuschreiben. Sie haben keine Zeit für etwas, was sie als sentimental identifiziert zu haben glauben. Ob dies Verhalten aber etwas ist, was sich unter ökologischen Bedingungen und Bedingungen der Transparenz abgenutzt hat?

Samstag, 2. Februar 2019

Heimat (5)

Seltsam, es scheint eine regelrechte Modediskussion zu sein, ohne dass jemand von  der Teilnehmenden in den Diskurs auf der Ebene der Tatsächlichkeit verwickelt zu sein scheint. Man könnte auch behaupten: so gut wie niemand hat ernsthafte Ahnung davon. Scheinbar. Es geht um den Begriff „Heimat“. Ich habe mir eine Zettelsammlung dazu angelegt und stelle fest, dass es nahezu überall um den Begriff „Identität“ zu gehen scheint. Zudem bedeutet zunehmende Globalisierung wohl auch zunehmende Lokalität. Auch scheint mir der Begriff „Heimat“ eine Art Antwort auf allerlei Überfremdungsängste zu sein. Gleichwohl widersetzt sich der Begriff, denkt man etwas tiefer darüber nach, jeglicher Politisierung und jeder Instrumentalisierung. Auch geht es wohl nicht darum, eine Gemeinschaft zu bilden, indem man Fremdes ausgrenzt.
Noch ist es so, dass die Mehrheit der Leute auf dem Land lebt, teilweise wohl auch, weil die Mieten im städtischen Raum ins Unerträgliche gewachsen sind. Städte sind extrem globalisiert, auf dem Land ist das anders, auch wenn große Teile der Öffentlichkeit das anders zu sehen scheinen. Es wird einem mit allen Mitteln verkauft, dass man unbedingt z.b. das Fahrrad benutzen solle. Auf dem Land freilich bleibt dies ein frommer Wunsch, da die öffentlichen Verkehrsmittel kaum so ausgebaut sind, das sie eine ernsthafte Konkurrenz zu dem Individualverkehr sein könnten. Man müsste neu über Mobilität nachdenken. Man müsste neu über die Verschränkung von Stadt und Land nachdenken. 

Sonntag, 16. Dezember 2018

Für TB

Demnächst wird Thomas Bernhard 30 Jahre gestorben sein! Im Februar. Der Übertreibungskünstler, der immer so gerne mit Superlativen gespielt hat. Der Grantler und Humorist. Der Skandalist. Der Melancholiker, Pessimist und Ironiker. Wäre heute total out. Dieser zynische Lächler, der ja so wunderbare Texte geschaffen hat. Der Lachphilososoph, der ganz konkret mit einer Krankheit zum Tode leben musste. Der noch in einem Zeitalter lebte, in dem man an die Macht des Wortes glaubte. Der seinen Texten so viel Musikalisches gab, unter anderem auch, indem er Musiker als Künstler auf seine eigene Art beschrieb. Die Musik in seiner Sprache, die Sequenzen, die typische Ausdrucksweise, die Wiederholungen, die allmählich eine eigene, distanzierte Ausdrucksweise ergaben. Wie er zur Uraufführung seines Stücks „Heldenplatz“ vom Balkon des Wiener Burgheaters herabwinkte und dazu fein lächelte. Der eben abgeebbte und nun wieder aufkommende Faschismus, den er geißelte. Er, der „Geistesmensch“, die Anderen, die „Lebensmenschen“. Jener, der konnte, sollte musste, und endlich, in seinem Ohrensessel sitzend, Worte an sich herab gleiten ließ. Der nichts auf sich gab und doch eitel war. Der Preise verabscheute und doch genoss. Der Mann, der um seine Todesgewissheit kreiste, der von Vergeblichkeit wusste, - auch der Kunst, deren Künstler er oft in Lächerlichkeit versinken ließ. Sein Humor: Nichts und niemanden ernst nehmen. Sein Bauernhof, in den er von Wien aus umzog und der total kahl nur aus weiß getünchten Zimmern zu bestehen schien. Das alles imponierte uns.

Mittwoch, 12. September 2018

Paradox (2)

Wir lassen uns zur Vergangenheit inspirieren und sollen begreifen, dass wir eine bestimmte Person waren und jetzt noch sind. Gleichzeitig fühlen wir uns als jemand anderes, der zurück blickt. Wir leben ein Paradoxon und sollen es aushalten. Uns überschwemmen bestimmte Bewusstseinsinhalte, denen wir mutig entgegen treten sollen: Wir leben nur in der Gegenwart! Wie oft habe ich diesen Spruch gehört. Ich glaube, man kann in der Gegenwart leben und trotzdem akzeptieren, dass man so wie jetzt geworden ist. Dass man hinein geschlittert ist in eine Gegenwart, die man vielleicht erst viel später besser begreift. Man darf sich wundern: bin das ich oder war das ich? Der Mensch ist wohl, mag er noch so marottenhafter Einzelgänger sein, ein soziales Wesen und als solcher bestimmten Verhältnissen ausgeliefert. Will man sich begreifen, einem Selbst näher kommen, sollte man sich wohl auch von seiner Vergangenheit inspirieren lassen, ohne daran mit einem „Früher-war-alles-besser“-Gefühl kleben zu bleiben. Vielleicht geht es darum, das ganze Gebilde, das man selbst darstellt, besser zu begreifen, sich seiner selbst bewusst zu werden, oder zumindest versuchen, sich selbst anzunähern, es herein zu holen in das, was man aktuell darstellt. Das scheinbar Selbstverständliche auflösen in etwas, über das man sich wundern kann. Ihm die Sphäre des Selbstverständlichen nehmen, das zu akzeptieren man damals verurteilt war.

Samstag, 8. September 2018

Heimat (4)

Wenn man jemand persönlich kennen lernt, ist es ungleich schwieriger, mit ihm kritisch oder gar ablehnend umzugehen. Persönliche Bande schaffen so etwas wie Beishemmung. Gerade in einem journalistischen Alltag schien mir das umso bedeutender, je weniger dies von Kollegen beachtet wurde. Doch im Falle des zunächst Fremden und Ausgegrenzten kann es auch helfen, Barrieren abzubauen. Wer jemanden aus einem anderen Kulturkreis kennen lernt, nimmt bewusst viele Anregungen auf, verliert eine Distanz, lernt das Gegenüber möglicherweise als Menschen mit all seinen Unzulänglichkeiten und Liebenswürdigkeiten kennen. Viele Menschen sagen aber auch, dass sie so genau gar nicht wissen woher sie kommen, da ihre Herkunft gar nicht auf einen ganz bestimmten Ort, eine ganz bestimmte Familie oder Kultur zuführt. Es scheint immer mehr „globale“ Existenzen zu geben. Ob aber nicht gerade bei ihnen das Bedürfnis nach so etwas wie „Heimat“ gewachsen ist, ob sie ihren eigenen Weg und Begriff dazu finden müssen? Ob dies eine gewisse Anstrengung bedeuten kann, bei der unsere Hilfe etwas Positives beitragen kann? Was bin ich? Wer bin ich? Sind wir in der Lage, eine gute Antwort auf diese Fragen zu geben?

Mittwoch, 4. Juli 2018

Heimat (3)

Wieso der Begriff „Heimat“ immer wieder mit Enge, Eingeschränktheit und dem privaten Glück im Kleinen vermengt wird? Wenn „Heimat“ sich verschließt gegenüber einer Andersartigkeit, dann wird sie zu etwas Engem dort, wo sie auch weit sein könnte. Sie könnte großzügig offen sein und sich gleichzeitig bewahren. Sie könnte soziale Dimensionen und gesellschaftliche Entwicklungen aufnehmen und sich damit selbst erkennen. Sie könnte dieses oft zitierte „Geworfensein“ akzeptieren und an sich selbst wahrnehmen. Sie könnte an sich erkennen, das wir auch ein Produkt unserer Sozialistion sind, die doch stark von dem beeinflusst ist, was „Heimat“ bedeutet. Sie könnte erkennen, dass wir auf der ganzen Welt gewisse Probleme haben, die uns einen. Sie könnte erkennen, das eine beispiellose gesellschaftliche Polarisation statt gefunden hat, die sich in unserer „Heimat“ auf eigene Weise abbildet. Sie könnte erkennen, das wir auf der ganzen Welt Menschen sind und doch unseren konkreten Lebensbedingungen und Lebenswelten, Sinnwelten ausgeliefert sind. Dass sich dadurch eine eigene und eigenständige Ebene der Solidarität und des Verbundenseins ergeben kann. Mit dem Lauf der ganzen Welt. Dass nicht alles der von Politikern so gern beschworene „Strukturwandel“, der zudem viel zu oft auf den technologischen und ökonomischen Wandel beschränkt wird.

Dienstag, 3. Juli 2018

Heimat (2)

Heimat? Ob die Diskussion darüber etwas abgleitet? Ob der Begriff „Heimat“ bestimmten politischen Kräften überantwortet wird? Ob er von diesen sogar missbraucht und für ihre Zwecke eingesetzt wird? Ob er eine Art Mode geworden ist? Schade, denn es scheint ja auch Personen wie mich zu geben, die jahrelang auf der Suche nach so etwas wie „Heimat“ oder „Ursprung“ waren un d das Thema dabei von verschiedenen Seiten angegangen sind? Ob „Heimat“ der Platz ist, wo etwas für mich selbstverständlich ist, wo ich die Zusammenhänge unwillkürlich kenne? Ob uns da etwas dorthin inzieht, woher wir gekommen sind (wie etwa in der deutschen Romantik, wo die Kindheit, der Ausgang unseres Wesens eine große Rolle spielt). Kann das wertfrei sein, völlig ohne Aversion gegen das Andere, sondern im Gegenteil sogar sehr offen für „das Andere“? Es scheint sich in mir so etwas entwickelt zu haben. Ich verstehe nicht die Enge, mit dem in diesem Zusammenhang hantiert wird. „Heimat“, so denke ich, kann auch das Gegenteil davon sein. Ob es einen dialektischen Zusammenhang zwischem dem gibt, was „Globalisierung“ bedeuten könnte und dem was „Heimat“ sein könnte? Das Unpersönliche, Anonyme, das aber auch so etwas wie den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen verschiedenen „Heimaten“ sein könnte? Eigenheiten und Profile verschiedener Menschen könnten sich auf dieser Ebene zum Nutzen und Frommen aller vermischen, ohne sich selbst zu verraten. Wir könnten im positiven Sinne neugierig sein auf das Andere, könnten mit ihm umgehen lernen, könnten Anregungen empfangen und vielleicht sogar einen Teil davon integrieren.....oder nicht?