Reise durch Wirklichkeiten

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Dienstag, 15. November 2022

Talkshow

Nach ähnlichem Muster läuft allzu Vieles im Bereich der Talkshows ab. Die vergangene Woche bot wieder einmal Anschauung: Beteiligt sind an TV-Talkshows meist Vertreter öffentlicher Meinung, denen vom Moderator dann prompt attestiert wird, dass sie ein tolles Buch auf den Markt gebracht hätten. Die betreffenden prominenten Namen und Gesichter von Meinungsvertretern fallen einem sofort ein, weil man sie bei zahlreichen Auftritten in allen TV-Kanälen auswendig gelernt hatte und weil sie wegen der Häufigkeit ihrer Auftritte geeignet waren, einem Zweifel an der Auswahlkompetenz von großen Redaktionsstäben aufkommen zu lassen. Darüber hinaus treten bei solchen „Runden“ oft Komödianten (zur Unterhaltung!), Wissenschaftler und Egoshooter auf, die gegensätzliche Meinungen zur Belebung der Diskussion vertreten. Aktuell: Ein Vertreter der Automobilindustrie sagt zu allem und allen „Grenzen des Wachstums“-Vorschägen Ja und Amen, bekräftigt es sogar mit vielen hastig gesprochen und grinsend bekräftigten „Ja“, obwohl er selbst als „Entscheider“ die industrielle Expansion in autokratischen Systemen wohl heftig betrieben (was er nun zum Lobe und Preise von Abhängigkeiten in globalen Systemen verklären will…), eine gravierende Abgaslüge auf Kosten der Umwelt und der „Verbraucher“ vertuscht hatte und wahrscheinlich entscheidend dazu beiträgt, dass die Automobilindustrie sämtliche Klimaziele verfehlt. Auch waren offenbar die Klagen von Geschädigten in Deutschland von teuren Anwälten auf arrogante Art abgeschmettert worden. Der anwesende Egoshooter lobt sodann seine eigenen Aktionen im kommunalen Rahmen, wozu er auch trotz aller Einwände in seinem Ort den Beifall vom davon weit entfernten Autovertreter und dem Diskussionsleiter erhält.

Dienstag, 26. März 2019

Ahoi!


Ja klar, dass es ein Risiko sein könnte, kam einem kaum in den Sinn! Und dass inzwischen viele Kreuzfahrtschiffe mit Schweröl unterwegs sind, muss man halt hinnehmen. Irgendein rauchender Schlot ist ja überall sichtbar und sorgt letztenendes für „unseren Wohlstand“. Dass man irgendwelchen Einheimischen auf die Nerven gehen könnte: alles eine Frage des Geldes! Dass man sich mit neuen Realitäten auseinander setzen könnte? Hauptsache der Funfaktor und die an heimischen Standards Umgebung orientierte Unterbringung stimmen! Es ist ein Kreuzfahrtschiff in schwere Not gekommen. Soll unterm Strich sogar noch ein kleineres sein. Als News ist das jetzt ausführlich im Fernsehen gewesen. Jeder hat das mitgekriegt. Trotzdem soll die Branche der Kreuzfahrten weiter wachsen, zum Teufel mit all den Bedenken! Man will ja schließlich etwas sehen von der Welt! Ausflüge haben halt ihren Preis.

Freitag, 20. Juli 2018

Feinstaubqualitäten

Aus gegebenem Anlass beklage ich die Schädigung meiner Bronchien und Atemwege. Ich leide seit vielen Jahren darunter und zähle mich im Großraum zu den Betroffenen der Schadstoffdiskussion. Wirtschaftliche Interessen scheinen dem entgegen zu stehen. Jahrzehntelang wurde Stuttgart von Einheimischen und „Auswärtigen“ im Gleichklang als „Autostadt“ verspottet. Dass in meinem Falle viele Jahre lang nicht nach dem Phänomen „Feinstaub“ als Verursacher meiner Probleme gesucht wurde (man findet nur das, wonach man sucht) mochte jetzt gewisse Menschen erstaunen. Mich hat es leider sehr konkret betroffen. Jetzt lese ich, dass Stuttgart Straßennassreinigungen durchführen lässt. Immerhin schon zum zweiten Mal! Sie hat offenbar einen messbaren Rückgang der Feinstaubkonzentration gezeitigt. Ob sie allerdings allein für die Reduzierung der Zahl der laut EU zulässigen 35 Grenzwert-Überschreitungstage ohne die entsprechenden meteorologischen Rahmenbedingungen taugt, mag sich erst noch heraus stellen. Irgendwie. Abseits wirtschaftlicher Interessen natürlich. Denn neben Nano-Partikel
scheint es auch superkleine Nano-Partikel zu geben. Die bekannten ragen bis 10 Mikrometer in die Welt und können die Atemwege samt der Bronchien belasten. Die Kleinen aber sind kleiner als 2,5 Mikrometer. Sie dringen tief in den Organismus ein und können Reizungen sowie Entzündungen hervorrufen, Sie entstehen nicht mechanisch, sondern durch chemische Reaktionen der Abgase mit anderen Bestandteilen in der Luft. Diese sehr kleinen Teilchen können sich über Stunden, teilweise sogar über Tage in der Luft halten. Doch daneben gibt es noch den „Ultra-Feinstaub, der sich im Größenbereich von etwa 0,1 Mikrometer bewegt. Er, der bisher noch viel zu wenig erforscht ist, steht im Verdacht, über die Blutgefäße bis ins Herz und sogar Richtung Gehirn verbreiten kann. Es gilt die Faustregel: Je kleiner, desto gefährlicher.


Dienstag, 30. Januar 2018

Erstaunen

Jetzt bin ich baff, entgeistert, schockiert: wie geht denn das? Man glaubt zu träumen, einen ziemlich schlechten Traum: Es ist alles bizarr, niemand weiß von etwas, jeder distanziert sich, empört und alteriert sich. Es werden Erklärungen abgegeben und Assistentinnen blättern in Unterlagen. Doch nichts passiert. Nichts. Alles verlogene Reaktionen. Im Hintergrund wird dafür gesorgt, dass Verschwörungstheorien florieren. Träger von seltsamen Versuchen haben sich inzwischen aufgelöst, haben aber trotzdem durchgeführt (und das erst vor kurzem!), Affen wurden "verbraucht", Sponsoren sind betroffen, die Wissenschaft steckt im Dilemma mit von wissenschaftlich aussehenden Damen getätigten Aussagen wie "ohne solche Versuche wird es wohl nicht gehen". Was kostet die Forschung, wer bezahlt?, Experten schauen verständig, es drohen Fahrverbote, Regierungen setzen sich darüber hinweg, missachten rechtliche Vorgaben, sie lassen hängen, machen nichts, verzögern, reden schön, Fragen müssen geklärt werden, es wird verwiesen, in Ausschüsse, ins Ungewisse. Die geschäftsführende Ministerin muss zum Rapport. Aus dem Kreis der Spezialdemokraten werden Karrieren gegen alle Widerstände und Umfrageergebnisse weiter verfolgt, wie oft schon gehabt. Niemand empört sich wirklich. Innovation, auch und gerade vermeintliche - um jeden Preis. 
Ob das alles so toll ist? Ob wir in einem so tollen Land leben? In dem wir "gut und gerne leben"? In dem es allmählich keine Insekten mehr gibt. In dem Hummeln keine Chance mehr haben. Es könnte vielleicht einiges besser sein, darauf wenigstens müsste man sich einigen können. Verbessern. Sehr sichtbar verkörpern einige politische Akteure Selbstsicherheit, wollen keinen Deut nachgeben, gegenüber niemandem, lehnen Kompromisse ab. Ob das demokratisch ist? Währenddessen verrecken Leute, damit es den hier Herrschenden und Beherrschten noch besser geht. Mir fehlen die Worte. 

Montag, 5. Juni 2017

Diesler

Ich wohne im Großraum Stuttgart und fühle mich schwer geschädigt durch die dortigen Luftverhältnisse. Viele Jahre lang litt ich unter chronischer Bronchitis, die von Fach- oder Spezialärzten auch gerne mal als Asthma diagnostiziert wurde. Ich rannte weiter und immer weiter zu allerlei medizinischer Spezialisten, ließ Hypersensibilisierung machen und vermutete Allergie, nahm Medikamente, wendete Sprays an. Bis ich zu einem relativ stringenten Ergebnis kam, dass die Luftqualität in Stuttgart zumindest stark zu meinen Beschwerden beigetragen haben mag. Ob das die Ärzte wussten? Dank sei, dass ich keinen Dieselverbrennungsmotor gekauft hatte. Es gab ihm gegenüber ein eher grundsätzliches Misstrauen gegenüber, das gar nicht mal so sehr auf Fakten beruht haben mag. Doch was macht derjenige, der vor nicht langer Zeit eines wohl zu guten Glaubens der Autoindustrie samt einem steuernachlassenden Staat war und einen mit ach so cleanen Dieselmotor der EURO 5-Norm versehenen PKW kaufte? Wie sich jetzt heraus stellte, muss das wohl ein Irrtum gewesen sein: im Labor unter kontrollierten Bedingungen mögen die unter dem Einfluss einer speziell dafür geschaffenen Software gemessenen Werte diese Messungen bestätigt haben. Nur, im Alltag und unter realistischen Bedingungen im Freien eingesetzt scheinen solche Motoren ein Vielfaches an giftigen Abgasen auszuspucken. Blöd. Passende Abgasreinigungssysteme scheinen bereit zu stehen, sind der Industrie zum Einbau aber wohl zu teuer. Was jetzt? EURO 6 wird nun heiß empfohlen. Dumm nur, dass die Abgaswerte hier noch höher zu sein scheinen. Das Ding ist schlecht. Aber von der Kanzlerin wird der Diesel ja nach wie vor empfohlen. Ja, die Kanzlerin muss es ja wissen. Sie kümmert sich..... Es scheint jedoch, dass der Dieselfahrer nicht wirklich gut dran ist.