Reise durch Wirklichkeiten

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Mittwoch, 17. Dezember 2025

Reality hopping

Mir wurde jetzt wieder einmal klar, in welch unterschiedlichen Lebenswelten wir uns aufhalten: Ich wurde einst Journalist mit dem Bestreben, möglichst viele Lebenswelten kennen zu lernen, auf diese Weise etwas über die Welt erfahren, auch weil ich gelernt hatte, dass ökonomische oder soziale Determiniertheiten unsere Wahrnehmung stark beeinflussen. Auf diese Weise kam ich eine Zeit lang durch allerlei soziale Milieus und war in der privilegierten Position, Leute das fragen zu dürfen, was mich interessierte. Tatsächlich erweiterte sich mein Wahrnehmungshorizont dadurch und ich kam einer umfassenderen, weniger durch soziale Determiniertheiten geprägten Weltsicht in einer Welt der Tatsächlichkeiten (ergänzend zu den Theorien, die ich auf der Universität mitgekriegt hatte) auf die Spur. Das heißt: Ich begab mich auf eine Reise durch (sozial geprägte) Wirklichkeiten. Mit dem Stichwort „Reise“ meine ich eine gewisse Beweglichkeit, eine Neugier auch auf andere Horizonte, ein Heraustreten aus der eigenen Wahrnehmungswelt, andere Ansichten zur Welt, andere Einordnungen, das spielerische Einnehmen von Positionen, die Einsicht in eine relative Gültigkeit bringen, die anderes, das Andere, ja auch das Fremde grundsätzlich zulässt, ja, die sogar neugierig darauf ist. Dass Ansichten der Welt aus kulturellen und sozialen Gegebenheiten heraus nahezu programmiert sind, habe ich in der Soziologie gelernt. Dass damit oft Machtfragen zusammen hängen, brachte mir die Politikwissenschaft bei.

Donnerstag, 7. März 2024

Leben am Fluss

Das Leben hat an und für sich nur Nachteile“ soll der Schriftsteller Thomas Bernhard gesagt haben. Klar, der Mann war unverbesserlicher Pessimist. So etwas ist ja heutzutage nahezu verboten, obwohl die Zweifel überall sägen. Jemand stirbt, das Leben aber geht ungerührt weiter, so als sei nichts gewesen. Menschen scheiden aus, gehen ab, die einen gehen, andere kommen, es ist ein Fluss, - den man zumindest erkennen und anschließend wahrhaben sollte. Wohin gehen wir, woher sind wir gekommen? Da ist ein Fluss, der uns scheinbar von solchen Fragen wegreißt. Ablenkungen, Betäubungen, das „wahre Leben“, die Aktivität an sich..... usw. Die Begründungen stehen alle billig bereit. Wir fallen, wir werden weniger, wir.... wen juckt's? Das allgemein gültige Bild der Wirklichkeit suggeriert uns, als habe all das keine Gültigkeit, als gelte nur das unmittelbar geführte Leben..... Die Parolen wurden schon früh ausgegeben: „Sei du selbst, alle anderen sind schon besetzt“, soll Oscar Wilde gesagt haben. Es ist der Satz der Selbstverwirklichung und der Selbstoptimierung, den so viele Menschen derzeit anbeten. Ob wir Angst haben vor der Zukunft? „Die ungeheuerliche Kränkung, die das Leben ist“ hat die Schriffstellerin Ingeborg Bachmann einst fabuliert. Auch sie, der wertvolle und oft zitierte Mensch, musste irgendwann sterben, - wenn auch unter spektakulären Verhältnissen. Lauter Wichtigs........

Freitag, 18. August 2023

Alternativlos Faktisches

Wo bleibt das Positive? Es ist und bleibt das beliebteste Totschlagargument, die Frage, die fast alles ruhig stellen kann: Auch das Aufbegehren, das Nichteinverstandensein mit allem, ja gerade das soll versiegen. Punktuelle Rebellion kann das Ganze friedlich voran bringen, indem ein ganz bestimmter Missstand in das Blickfeld der Macher rückt. Es geht hier möglicherweise um die Auflösung im Alternativlosen, diesem dumpfen Begriff. Alles scheint alternativlos, faktisch, ist gerechtfertigt durch sein bloße Hiersein. Besonders, wenn das "Alternativlose" sich selbst dazu erklärt. Man soll sich nichts anderes vorstellen, als gute Miene machen, unverbindliche Freundlichkeiten pflegen, lachen und lächeln, - so lange es (noch) geht. Uns geht es ja sooooo (immer noch soooo) gut, so das Mantra der Politiker und der Wirtschaftsbosse. Nachgeschobene Statistikzahlen scheinen das zu untermauern. Also seien wir zufrieden, denn wir sind ja statistikgläubig (erste Zweifel daran wurden schon irgendwie weggesteckt). Ist die Frage noch erlaubt, wer mit dem „Wir“ gemeint ist? „Wir schaffen das“. „Wir kriegen das hin“. Damit verhält es sich ebenso.Wer ist wir? Die Deutschen? Teile der Deutschen. Was bedeutet "der Staat"? Eine uns zusammenfügende Klammer? Was ist das, "die Deutschen"? Wer gehört dazu und wer nicht? Zu welchem Zeitpunkt? Aus historischen, geografischen oder genetischen Gründen? Sind diese Fragen zu negativ? Darf man sie stellen und sind sie überhaupt zu beantworten? Oder soll das "der Markt" beantworten? Soll er überhaupt alles regeln und jede Frage beantworten? Erwarten wir von der Politik zu viel? Nun, vor allem, wir dürfen erwarten, dass sie nicht korrupt ist. Auch nicht im übertragenen oder sublimen Sinne. Wir wollen als Staat doch voran gehen. Wir zeigen’s den andern! Oder etwa nicht? Wir waren doch Exportweltmeister. Also exportieren wir möglichst auch die richtige Gesinnung. Hm wir haben halt spezielle historische Erfahrungen. Schlimme Menschen, die Mozart und Goethe mochten, haben schlimme Dinge getan. Aber auch ein besinnungsloses Umsetzen des Alternativlosen würde wohl überhaupt nicht mitteleuropäischer Tradition, Identität und Aufklärung entsprechen. Aufklärung hat wohl immer hinterfragt, angekratzt, kritisiert, gezweifelt - und hat versucht, sich in einem ständigen Prozess dadurch voran zu bringen. Ob das alles jetzt zu negativ formuliert ist? Für den Zeitgeist der unbedingten Bejahung? Des Genusses und unendlichen Spasses? Diese unbedingte Bejahung muss man sich schon leisten können, das steht fest. Es hat eine Basis im Faktischen. Und das ist......

Dienstag, 29. Mai 2018

Geworden

Wir waren vom Geist des Fragens, der Kritik und des Protests durchdrungen. Skepsis, ja sogar Verunsicherung, hatten wir gelernt, als etwas Positives zu deuten. Aber in Wirklichkeit gab es kein „wir“, waren wir längst auseinander gefallen in diejenigen, die sich der Realität möglichst optimal anpassen und „das Beste draus machen“ wollten und diejenigen, die eine Art Fundamentalopposition einübten, die sich nicht so einfach einfangen lassen wollten von den Zwängen, die „das Ganze“ auf einen ausübte, die ihrer Individualität nachjagen wollten. Die sich bewusst werden wollten über Zusammenhänge – und danach handeln. Waren wir in eine durch und durch verwaltete Welt hinein geboren worden? Kafka schon hatte Hinweise gegeben. Aber der galt als schwer verständlich. Ganze Heere von Exegeten, Auslegern und Interpretatoren führten ihre Auseinandersetzungen im akademischen Elfenbeinturm. Ich wollte damals aus diesem Elfenbeinturm ausbrechen und war entschlossen, mich an der empirischen, an der tatsächlichen Welt zu orientieren, auch, indem ich mich ihr gemäß ausdrücke, indem ich eine Übersetzung des Komplexen in weithin Verständliches, also Populäres versuche. Ich wollte Kafka zum Kumpel machen, mit dem wir alltäglich umgehen können. Ich wollte ihn den sogenannten „Eliten“ entreißen. Gleichwohl wollte ich nie eingeordnet werden, gehörte nie einer Bewegung oder Richtung an, verstand mich immer als Einzelkämpfer. Der Bürokratie, der Verwaltung (auch „privater“ Art) hingegen fühlte ich mich ausgeliefert. Mit der Zeit war ich zu einem winzigen Datensatz geworden. „Big Data“ umgab mich nun überall. „Big Data“ wusste alles besser. Konnte Algorithmen so richtig gut anwenden. Mit ihnen umgehen. Kalkulierend.

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Das Leben am Fluss

„Das Leben hat an und für sich nur Nachteile“ soll der Schriftsteller Thomas Bernhard gesagt haben. Klar, der Mann war unverbesserlicher Pessimist. So etwas ist ja heutzutage nahezu verboten, obwohl die Zweifel überall sägen. Jemand stirbt, das Leben aber geht ungerührt weiter, so als sei nichts gewesen. Menschen scheiden aus, gehen ab, die einen gehen, andere kommen, es ist ein Fluss, - den man zumindest erkennen und anschließend wahrhaben sollte. Wohin gehen wir, woher sind wir gekommen? Da ist ein Fluss, der uns scheinbar von solchen Fragen wegreißt. Ablenkungen, Betäubungen, das „wahre Leben“, die Aktivität an sich..... usw. Die Begründungen stehen alle billig bereit. Wir fallen, wir werden weniger, wir.... wen juckt's? Das allgemein gültige Bild der Wirklichkeit suggeriert uns, als habe all das keine Gültigkeit, als gelte nur das unmittelbar geführte Leben..... Die Parolen wurden schon früh ausgegeben: „Sei du selbst, alle anderen sind schon besetzt“, soll Oscar Wilde gesagt haben. Es ist der Satz der Selbstverwirklichung und der Selbstoptimierung, den so viele Menschen derzeit anbeten. Ob wir Angst haben vor der Zukunft? „Die ungeheuerliche Kränkung, die das Leben ist“ hat die Schriffstellerin Ingeborg Bachmann einst fabuliert. Auch sie, der wertvolle und oft zitierte Mensch, musste irgendwann sterben, - wenn auch unter spektakulären Verhältnissen. Lauter Wichtigs........