Reise durch Wirklichkeiten

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Donnerstag, 21. Januar 2021

Kükentöten

Noch sollen männliche Küken bis 2022 getötet werden. Allein schon der Gedanke daran tut mir weh. Was nimmt der Mensch, nehmen bestimmte Menschen sich heraus, Huhn und Hahn zu seiner Verfügungsmasse zu machen? Ja klar, auch Huhn, denn auch das Huhn wird irgendwann für den Verzehr des Menschen umgebracht. Was das Blöde ist? Dass das im großen Stil passiert. Dass die Zahlen gewaltig sind. Es wird dann immer von wachsender Weltbevölkerung und Ernährung geschwafelt. Leute, ist das alles, was die so hochgelobte und oft beschworene menschliche Phantasie und Kreativität kann? Wenn man wollte, könnte man vielleicht auch auf andere „Lösungen“ kommen, so meine Vermutung. Menschliche Phantasie und Kreativität, - ganz besonders die von Ingenieuren, die ja bloß das umzusetzen versuchen, was man ihnen befiehlt, - vermag besonders unter Druck vieles zu leisten, das zeigen gerade auch derzeitige Pandemiezeiten.

Dienstag, 24. November 2020

Wachstum reloaded?

Seltsam, die Wachstumsidiologie scheint auch mit dem Blick auf das Ende der Pandemie sakrosankt. Dabei führt sie ja doch sehr offensichtlich in den Abgrund. Aber dieses Wirtschaftssystem kann nicht darauf verzichten, kennt auch den Begriff des nachhaltigen Wachstums nicht. Wir müssen offenbar unter allen Umständen auf den alten Wachstumspfad zurück, tausend Urlaube mit Flugreisen machen, mit dem SUV durch die Gegend fahren usw. Dabei scheint es mir ein Tabu zu sein, dass der Menschen selbst, die Menschheit unkontrolliert wächst. Ja klar, ich kenne die Prognose auch, dass derzeitige Wachstum der Menschheit bei 10 Milliarden vorläufig stoppen solle (UN-Prognose). Trotzdem erscheint mir das hemmungslose Wachstum der Weltbevölkerung einen der Gründe für den Blick in den Abgrund zu sein. Ein gut entwickeltes Sozialwesen scheint mir einer der Voraussetzungen zu sein, die ein begrenztes Wachstum nach sich ziehen. Ach, das Menschenbild! So lautet der Einwand gegen eine solche Einschätzung. Der Mensch als die Krone der Schöpfung? Indem er alle anderen Arten der Evolution vernichtet? Indem die Nahrungsmittelproduktion exklusiv für seine Verschwendungssucht beschleunigt werden muss? Vielleicht täte es der Evolution und der Natur sogar gut, wenn es keine Menschen mehr geben würde. Oh nein, so etwas soll und darf man nicht denken! Von gewissen Kreisen wird das Problem gerne auf ein Verteilungsproblem reduziert. Meine Ansicht: Ja klar, das kommt noch hinzu: die ungleiche Verteilung von Ressourcen und ein Weltwirtschaftssystem, das die Besitzenden und Reichen bevorteilt. Wer außer der Betriebswirtschaft behauptet denn, dass die Luft umsonst sei? Dass sie ein wertvolles und zu schützendes Gut ist, das keinesfalls umsonst ist, ist nicht nur am Problemkreis Mobilität, sondern auch an tausenden von Stellen zu spüren. Ob man die „Kreislaufwirtschaft“ ein bisschen besser entwickeln könnte? Würde meiner Meinung nach zur Lösung des Problems beitragen, - aber halt nur beitragen.

Mittwoch, 13. November 2019

Ernährungspolarisation

Was mir auffällt: je weniger die Menschen die Zeit aufbringen, ihre Nahrungsmittel selbst zuzubereiten und zu Fertig- und Schnellgerichten greifen, umso mehr nimmt die Zahl der TV-Sendungen mit Starköchen zu, die ja ach so exklusiv und wohlschmeckend zubereiten können. Ob hier eine Entwicklung abgestützt, eine Scheinwirklichkeit geschaffen und eine soziale Polarisierung kaschiert werden soll? Ob das alles etwas mit den Verzehrnotwendigkeiten und nicht nur mit Verzehrgewohnheiten zu tun hat? Ob Essen Ausdruck der (sozialen) Distinktion sein kann, also ein Mittel der Selbstdarstellung, das jemand abgrenzt gegenüber jemandem anderem. Ob dies eine Funktion im Prozess einer zunehmenden sozialen Polarisierung? Was heißt das praktisch?: Manche Menschen können es sich offenbar leisten, sich gut und gesund zu ernähren, andere müssen zu Billigprodukten einer Ernährungsindustrie greifen, um sich überhaupt noch einigermaßen ernähren zu können.
Mir fällt auf, wenn ich bei Besserverdienenden Leuten zu Gast bin, gibt es da gesunde Lebensmittel gesund zubereitet, möglichst vom Bio- oder Naturkostladen. Bin ich bei weniger begüterten Leuten zu Gast, so herrscht da eine Normalität, in der das Billigste und somit oft auch Minderwertigste auf den Tisch kommt. Ob dies darauf zurück zu führen ist (was ja regelmäßig behauptet wird und mir ein ziemlich BILLIGES Mittel der Rechtfertigung von Verhältnissen scheint, das zudem auch noch auf einen gewissen Anteil an Wahrheit zurückgreifen kann, diesen aber maßlos übertreibt….), dass besonders „der Deutsche“ sich möglichst billig ernähren will und nicht bereit ist, einen angemessenen Preis für seine Nahrungsmittel zu bezahlen? Ob damit nicht die soziale Gegebenheit vernebelt werden soll, dass besonders Deutschland als Industrieland einen verhältnismäßig hohen Billiglohnsektor- Anteil hat und dass gewisse Leute sich einen gewissen Lebensstil schlichtweg leisten können, - andere hingegen nicht? Kritik auf hohem Niveau!, so wird gerne eingewandt. Deutschland gehe es ja sooooo gut. Hier habe man wenigstens überhaupt genug zum Essen, in anderen Ländern werde sogar gehungert…. usw, der Argumente sind viele. Doch ein klein weniger ungerecht könnte es schon zugehen im ach so reichen und vorbildsträchtigen Deutschland (das andere Länder und ihre Volkswirtschaften nur allzu gerne zu plündern scheint...), auch was die Ernährung angeht. Ob die immer klarer werdende Zuordnung von sozialer Schicht und Ernährung auf die Dauer günstig für die Entwicklung einer Gesellschaft ist?

Samstag, 1. Juni 2019

Blick um mich herum

Man überprüft angesichts eines Artikels, der einen beeindruckt hat, sein Umweltbewusstsein: während alle andern einen auffordern, endlich auch als Individuum und Einzelner etwas Wirksames zu tun, geht mir immer noch das Wort und der altmodische Begriff der „Strukturen“ im Kopf herum. Nein, das ist nicht nur eine Ausrede!! Ich glaube, dass ich viel tun kann, um mein persönliches Gewissen zu beruhigen (was ja löblich ist und immerhin eine Art „Haltung“ erzeugt). Allein, es mag im Ganzen wenig nützen, wenn die Strukturen die falschen sind. Da mag ich noch so hingebungsvoll den Müll trennen: wenn unter Umständen anschließend wieder vieles zusammengeschüttet wird, wenn das, was effektiv wiederverwendet wird, erschreckend wenig angesichts des Ganzen, dann liegt das wohl an Strukturen, die nicht verändert werden. Nicht am Einzelnen, der sich ein scheinbar reines Gewissen damit erworben hat, dass sich in der Realität nichts verändert hat. Man laviert sich durch, versucht, sich korrekt zu verhalten, macht sich aber keine Illusionen darüber, was dies bewirken könnte. Die Frau Umwelt- oder Landwirtschaftsminister führt keine Lebensmittelampel ein und führt alle Gründe auf, die sie als „wissenschaftlich“ bezeichnet, wobei es vielen so scheint, dass sie sich eigentlich nur im Interesse der einschlägigen Industrie äußert und handelt. Effekt: keine Lebensmittelampel. 
Die Grenzwerte für Umweltverschmutzung eben mal ein bisschen hochsetzen, könnte vieles bewirken, ein bisschen schummeln oder zumindest ein Auge zudrücken, wenn Schummelsoftware im Rahmen des ach sogelobten technischen Fortschritts eingesetzt wird - so jedenfalls argumentieren viele Politiker. Das scheinen sie von Donald Trump gelernt zu haben. Es gibt für einen wie mich keinen religiösen Glauben an das Wahre und Gute, das womöglich in meinem reinen Gewissen angesichts von Umweltproblemen liegt. Was mir bleibt, ist die Skepsis. Die Meere werden mit Plastik zugemüllt, Lebensmittel werden massenhaft in die Tonne getreten, der tropische Regenwald wird abgeholzt, Bienen und viele andere Arten sterben aus: so will‘s der Mensch offenbar. So wird es geschehen. Mir ist dabei allerdings verständlich, dass sich eine junge Generation angesichts dessen in Panik befindet. Ob‘s mit dem Lenken noch rechtzeitig klappt? Noch kurz umsteuern und die Welt retten, ehe alles gegen die Wand fährt? Den Älteren wie mir mag‘s noch reichen. Wir schaffen das. Rührend, wie manche Leute in meiner Umgebung solchen Trends gegensteuern. Indem sie bestimmte Produkte nicht mehr kaufen. Nun ja, Leute wie ich sind froh, wenn sie sich überhaupt noch etwas kaufen können. Und teure Bio-Ware ist für sie einfach nicht erschwinglich. Ob daraus etwas zu ersehen ist? Ob irgendein System dahinter steckt, wie man früher immer meinte. Oder ob man damit sofort einer Verschwörungstheorie auf den Leim geht? Ob man lieber etwas über den „freien Markt“ und seine Gesetzmäßigkeiten erkennen sollte? Industrialisierte Landwirtschaft? Ob wir das neu denken sollten und es weniger verteufeln? Ob da nicht angesichts steigender Bevölkerungszahlen nicht eine Art Zwang besteht? Und überhaupt: ist dieser Planet für so viele Menschen geschaffen? Was hat es damit auf sich, dass Kinder und das Kriegen/Machen von Kindern vergöttert werden? Lauter kleine Rentenzahler? Ob das wirklich das treibende Argument ist? Ob es nicht in Wirklichkeit ein Argument ist, das eines Staates geziemt, aber weniger dem einzelnen Menschen? Ob wir wirklich dazu berechtigt sind, anderen Gesellschaften diejenigen Menschen mit Geld weg zu nehmen, die wir zu brauchen glauben? Ob das eine Form des Neokolonialismus ist? „Braindrain“ nannte man früher so etwas. Im Weltbild einer reichen Gesellschaft wie der bundesdeutschen erscheint so etwas „normal“. Ob es aber so ist? Ob es nicht vielmehr eine Frage der Normen ist? Ich stehe vis-a-vis und staune. Ich habe mich kurz aufgeregt und bin stolz darauf, dass ich es erkenne. Es ist für mich ein Teil dessen, zu wissen, wo und wie ich lebe und nicht der Bewusstlosigkeit und ihrer Ablenkungsindustrie verfallen zu sein.

Sonntag, 14. Oktober 2018

Quiekende Schreie


Mir stinkt sehr und das Bild verlässt mich nicht, dass hierzulande Ferkel ohne Betäubung kastriert werden dürfen! Ich höre Schreie….. Und diese Bundesregierung scheint diesen grausamen Zustand jetzt auch noch verlängert zu haben! Einfach so….! Ich finde das gar nicht gut. Alleine schon der Gedanke daran tut mir weh…...Grinsende Politikergesichter „vertreten“ so etwas…. „Hauptsache, wir haben unseren Spass….!“ Ja klar, es muss ernährt werden… Wettbewerb…. Und all das…. wir essen, fressen Schweine… auch das kann nicht so weiter gehen….vielleicht müsste spätestens jetzt, nach dem letzten Klimabericht, ein neues Verhalten eingeübt werden, aber es geht einfach alles weiter…..hinein, hinunter in den Abgrund…..sehenden Auges……..in den Tod.....

Sonntag, 22. Juli 2018

Mensch und Tier

Mensch und Tier. Im Schlachthaus. Offenbar für manche Unternehmen ein rechtsfreier Raum.Tiere sollen wohl abgestochen werden, so, wie es für die Schlächter, die von Subunternehmen angeheuert oft aus den Billiglohnländern des ehemaligen Ostblocks kommen und im Akkordstress stehen, gerade so passt. Es gibt dabei anscheinend auch „Fehlerquoten“. Dabei stehen fürchterliche Laute von um ihr Leben kämpfenden Tieren im Raum. Laut Schlachtverordnung müssten Tiere bei ihrer Tötung ohne Wahrnehmung und bewusstlos sein. Okay. Problem nur: Wer kontrolliert dies? Vom Staat extra bestellte Tierärzte scheinen eher sporadisch den Weg zum Schlachthaus zu finden (im Amtsdeutsch heißt das „stichprobenmäßig“). Sie haben dafür auch keine Zeit, - scheinbar. In größeren Betrieben sind sie auch schon mal vollzeitmäßig vor Ort aktiv. Leider hat dies auch oft zur Folge, dass die Distanz zwischen Tierarzt und Managment oft ein bisschen verloren geht und sich eine gewisse kumpelhafte Nähe entwickelt. Solche Mechanismen sind auch aus anderen sozialen Zusammenhängen bekannt.
Außerdem könnten ja Tierärzte durch Interventionen den Schlachtprozess aufhalten, was einem Frevel gegen die Ökonomie des Produktionsprozesses gleicht. Der möglichst reibungslose Ablauf (eagl, in welche Richtung....) ist wirtschaftlich allemal gewünscht. Dieser gewünschte wirtschaftliche Erfolg, der oftmals auch aus den gezahlten Billiglöhnen resultiert oder zumindest mit ihnen einher geht, erzeugt Druck für Mensch und Tier. Werden Misstände dann doch einmal aufgedeckt, so soll von Unternehmerseite sehr schnell mit dem Arbeitsplatzargument gedroht werden, heißt es (das kennen wir ja...). Außerdem ist der Schlachthof ja sowieso oft ein wichtiger Steuerzahler. Schließlich müssen Veterinärämter das wirtschaftliche Wohl einer Region im Augebehalten. Die Fleischlobby scheint ein Übriges zu tun. Es soll insofern wenig Anzeigen von solchen amtlichen Tierärzten wegen Verstößen in Schlachthöfen geben. „Einbrüche“ von Tierschutzorganisationen, so die Verabredung der jetzigen Koalitionäre, sollen in Zukunft strafrechtlich verfolgt werden.
Die Tierärzte werden von den zuständigen Behörden bezahlt, die sich wiederum die Kosten von den Schlachthöfen zurück holen.Wird ein Verstoß nach einer Anzeige festgestellt, drohen höchstens Bußgeldbescheide, so gewisse Aussagen. Übrigens: Im Grundgesetz heißt es „Der Staat schützt (…) die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung“.

Samstag, 4. November 2017

Insektensterben

Neulich wurde ich Zeuge eines beachtlichen Interviews. Ein Interessenvertreter wurde da nach den Insekten und deren Verschwinden gefragt. „Was wollen sie denn“, so in etwa der Tenor des Befragten. „Alles in bester Ordnung. Studien über das Phänomen liegen ja noch nicht vor. Zumindest das sollte man abwarten“. Das wurde dann den Zuschauern als kompetente Auskunft präsentiert. Dabei lehrt einen alleine schon die unmittelbare Erfahrung anderes. Hinzu kommt Bedenkliches. Waren noch vor wenigen Jahren die Scheiben nach längeren Fahrten mit Insektenleichen und anderem fligendem Zeugs übel verschmutzt und klebte ein übler Chininschmodder daran, sohat sich das jetzt gewaltig geändert: Die Scheiben bleiben sehr weitgehend frei von solcher „Verschmutzung“. So manch einer fragt sich, wo all dieses geblieben sei. Auch bei oberflächlichster Information eröffnet sich ihm ein alarmierender Befund. Dass es ein Bienensterben gibt, scheint sich herum gesprochen zu haben. Dass die Bestäubung der Pflanzen, die ja meist wirtschaftlich „genutzt“ werden, zu einem großen Problem wird, hängt unmittelbar an der Diagnose. Dass aber auch Schmetterlinge und alle anderen Insekten von diesem merkwürdigen Sterben betroffen sind, scheint für viele Menschen noch eine neue Information, obwohl der simple Blick an ihre Windschutzscheibe sie eines Besseren belehren könnte. „Biodiversität“ scheint ein neues Thema unseres Diskurses zu werden, eines, dem sich sogar die Kanzlerin nicht verschließen mag.
Wir haben keine Zeit mehr bis zur nächsten Studie. Handeln ist angezeigt. An dieser Stelle bin ich froh, dass mein Bundesland Baden-Württemberg von Grünen regiert wird. Kretschmann ist sogar studierter Biologe und weiß genau, was die Zeichen bedeuten. Der allzu großzügige Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln in der Landwirtschaft gilt mittlerweile als relativ gesicherte Ursache. Hinzu kommt der Verlust an Lebensraum, die Umweltverschmutzung, die Veränderung der Agrarlandschaft. Die Insektengifte der Stoffgruppe Neonikotinoide stehen aber in höchsten Verdacht, ganz direkt an diesem Insektensterben beteiligt zu sein. Kretschmann will jetzt etwas tun. Dass die intensive Landwirtschaft etwas mit dem Artenrückgang zu tun hat, bestreitet niemand mehr ernstlich. Neue Blühmischungen, überhaupt, eine möglichst vielfältige Artenfolge beim Anbau, eine bessere Betreuung von Naturschutzgebieten und eine bessere Verbindung von Biotopen: ökologische Verbesserung auf breiter Front ist angesagt. Doch den Einsatz von Pestiziden kann letztlich nur die EU regeln. Hoffentlich ist das alles nicht schon zu spät.  

Sonntag, 17. September 2017

Mensch und Tier (3)

60 % der Böden werden für die „Erzeugung“ von Tierfutter benutzt. So sagen zumindest gewisse Untersuchungen. Den Hunger in der Welt bekämpfen und auch in Zukunft für ausreichend Nahrung sorgen, sagen die großen Nahrungsmittel- und Düngemittelkonzerne.. Dass sie dabei zu allerhand Tricks greifen und unter dem Mäntelchen der Freien Marktwirtschaft profitable Monokulturen in sich entwickelnde Volkswirtschaften hochziehen wollen, das sagen sie nicht. Die Politik sagt nicht, dass genau das als neue Entwicklungspolitik verkauft werden soll, weil ja die alte, staatliche, so gar nichts Positives bewirkt habe. Dass auf diesen 60 % der Böden auch Getreide für Menschen statt kurzfristig profitablen und genmanipulierten Mais für die Massentierhaltung angebaut werden könnte, - oder gar Gemüse, - das sagt die Politik nicht. Massentierhaltung (oder die sogenannte und selbstbenannte „Intensivtierhaltung“) der Teile der Politik im Interesse einer so verstandenen „freien Mrktwirtschaft“ so nachhängen, muss im Interesse unserer Mitgeschöpfe abgeschafft werden. Nun ja, so hängt alles mit allem zusammen. Das Tierwohl? Wer mit Tieren umgehe, habe ihren Bedürfnissen Rechnung zu tragen, und, so weit es der Verwendungszweck zulasse, für ihr Wohlergehen zu sorgen. Niemand darf ohne einen vernünftigen Grund einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen, es in Angst versetzen oder in anderer Weise sein Würde missachten“. So sagen die meisten europäischen Tierschutzgesetze und ergehen sich dabei in wunderliche altmoralisch dehnbare Formulierungen. Dass einen dabei auch nur in oberflächlichster Erkenntnis gewisser tierhalterischer Verhältnisse ein leichtes Grinsen überkommt, wird meiner Ansicht nach zu leicht akzeptiert. Wer ist angesichts dessen der Fürsprecher von Tieren, welche Lobby haben sie bei der Politik, wer könnte so etwas einklagen? 

Mittwoch, 6. September 2017

Mensch und Tier (2)

Zum Folgenden wurde ich neulich medial angeregt und habe es seitdem in mir bewegt: Wo bleibt das Prinzip Verantwortung in der Evolution? Es gibt wohl keine einzige Art, die gegen andere Spezies so etwas wie Verantwortung spüren könnte -. außer dem Menschen. Das „Prinzip“ gilt also vor allem für verantwortungsvolle Menschen, Tiere vor dem zu schützen, was für sie am schlimmsten ist: vor schwerem Leiden. Der Mensch ist das einzige Tier der Evolution, das zur Moral fähig wäre und das sich auch dessen rühmt. Dass ihm seine Vernunftbegabung sogar die Verpflichtung dazu auferlegt, seinen Vorteil nicht auf Kosten der übrigen Welt zu suchen, macht diese aus einer bestimmten Konstellation folgende Verpflichtung noch strenger. Die Vernunft eignet sich für den Menschen dazu, entweder besser zu sein als die Tiere, oder schlechter. Der Mensch ist aber ein Allesfresser? Kann sein, aber das Problem liegt möglicherweise mehr in der Massentierhaltung, im Quälen von Kreaturen zum Zwecke jener Profitmaximierung, die ein bestimmtes Regelwerk des Menschen ihm vorzugeben scheint. Massenvernichtung. Ob Tiere kein Bewusstsein haben, schon gar nicht von sich selbst? Dies mögen aber neuere Forschungsergebnisse heftig in Frage zu stellen. Ob es die Klasse „Tiere“ überhaupt so gibt? Ob nicht ein gewisser Unterschied zwischen einem Primaten und einem Floh besteht? Ist es Überheblichkeit, dass wir an dieser Stelle eine solche einheitliche Einteilung pflegen und uns über alle Erkenntnis hinweg setzen? Gibt es die Einteilung Menschen und Tiere? Wer kann solches nachvollziehen, nachdem er einem Menschenaffen in die Augen geblickt (sie sollen aggressiv werden, wurden es aber in meinem Falle überhaupt nicht) und mit ihm gemeinsame Zeit zugebracht hat? Ob das Ziel, eine ständig wachsende Menschheit ernähren zu wollen, alles rechtfertigt? Ob wir hier in einem Dilemma sind? 

Freitag, 9. Juni 2017

Tiere verstehen

Die Nutzung von Tieren abschaffen? Tierrechtsdenken? (Geht bis in die Aufklärung zurück) Im angelsächsischen Raum wurde aus der puritanischen Bewegung heraus ein verändertes Verhältnis zum Tier gefordert. Besonders stark ist dies bei den Quäkern der Fall. Sie heben ein besonders sensibles Verhältnis zum Tier aufgrund einer theologischen Begründung: Durch die Erbsünde ist das ganze Leben zu Mühsal und Plackerei geworden. Adams Verfehlung hat das menschliche Leben schlecht gemacht. Tiere können nichts dafür, dass der Paradiesgarten auch für Tiere vorbei ist. Sie sind die unschuldig Mitgefangenen von menschlichen Verfehlungen. Deswegen haben wir besonders sensibel und vorsichtig mit ihnen umzugehen. In der klassischen Schöpfungsgeschichte im Alten Testament wird alles, was kreucht und fleucht, für den Menschen gemacht. Der Mensch steht im Mittelpunkt allen Tuns. Das alles stammt historisch gesehen aus dem Leben von Halbwüstenbewohnern, die etwa ein ganz anderes Leben als die Ägypter damals hatten. Im alten Ägypten sah es aus wie in der Serengeti: da gab es Nashörner, Löwen, Antilopen und andere. In den Halbwüsten hingegen gab es ganz wenig Tiere. Jedes Tier stellte eigentlich nur eine Gefährdung der Herde dar. Das zog ein ganz anderes Verhältnis zum Tier nach sich. Die Utilitaristen in Gestalt des Jeremy Bentham hatten auch etwas dazu zu sagen. Er schrieb 1789: „Die Frage ist nicht, ob die Tiere denken können. Die richtige Frage wäre: können sie leiden?“. Trotzdem hatte er kein Problem damit, dass man Tiere gegessen hat. Er meinte wohl, dass es für die Tiere nicht wirklich schön sei, wenn sie gehalten würden, um sie zu verspeisen. Aber andererseits sei es ja auch gut, dass die Leute Fleisch essen. Nach einer Abwägung kam er zu dem Schluss, dass es gar so viel Leiden es vielleicht nicht sei. Alles in allem sei das dann in Ordnung.

Montag, 29. Mai 2017

Ernährung, Welt, Insekten

Eines scheint klar: Die Erde kann den rapide gestiegenen Fleischbedarf nicht für die ganze Bevölkerung decken. Der erhöhte Fleischbedarf Asiens zieht immer mehr Verbrauch an Weidefläche nach sich. In Deutschland werden pro Tag ca. 90 Hektar an Grünland und Ackerland durch Überbauung verbraucht. Lösung? Invitrofleisch? Burger aus dem wissenschaftlichen Labor? Die Fleischzellen vermehren sich hier in einem wissenschaftlich kontrollierten Nährmedium. Darin sind Antibiotika enthalten, damit Bakterien die Kulturen nicht verunreinigen. Das Verfahren soll in einigen Jahren massentauglich werden. Statt vielen Rindern bräuchte man dann nur ein einziges Tier, um mehrere Tonnen Fleisch zu produzieren. Der erste Laborburger hat etwa 330 000 Euro gekostet. Derzeit ist man bei etwa 100 Euro. Bis zur Massenproduktion ist es möglicherweise aber trotzdem noch ein weiter Weg. 
Kekse mit speziellen tierischen Proteinen gibt es aber heute schon kostengünstig. Eine Backzutat ist dabei ganz besonders: sie stammt von Würmern. Die Tiere werden unter streng kontrollierten Bedingungen gezüchtet. Sie bekommen nur Biokost, bis sie schließlich durch Kochen getötet, getrocknet und zu einem Mehl zermahlen werden. Obwohl in anderen Ländern Insekten schon lange gegessen werden, besteht bei uns noch eine traditionelle Hemmschwelle. Doch erste Restaurants haben diese Tierchen auch in Europa jetzt schon auf die Speisekarte gesetzt. 

Montag, 8. Mai 2017

Landwirtschaft, Tierhaltung

Wer eigentlich kann mit ansehen, wie ein Tier geschlachtet wird? Wir fressen Tiere und leiden womöglich alleine schon unter dem Gedanken an ihre Tötung. Wer kann sich den Geruch des Todes vorstellen, wer will das? Wie riecht Blut? Ob uns das verstört? Oder sind manche Leute schon dermaßen abgestumpft und erklären sich selbst so zur Krone der Schöpfung, dass ihnen das nichts mehr anhaben kann? Fleisch essen? Manche tun das trotzdem. Ob es in der Auseinandersetzung um dieses Thema um Massentierhaltung geht? Ob es ein großer Unterschied ist, ob ein Massai-Krieger ein Beutetier zubereitet und isst oder ob ein Mensch aus unserer Umgebung ein Schnitzel aus dem Supermarkt brutzelt? Womöglich ist die Verdauung und der Stoffwechsel eines modernen Menschen für den Genuss von Fleisch ausgelegt, das aber nicht zwingend aus der Massentierhaltung stammen muss.....Ob Tiere nicht auch eine Würde haben, eine Leidensfähigkeit, die uns nicht zwingend in die Stellung versetzt, sie nach ökonomischen Kriterien umzubringen? Ob die Tiere das mitkriegen, wenn sie getötet werden? Ob ihnen so etwas wie Respekt zusteht? Bolzenschuss und Elektrozange? Sind sie die richtigen Instrumente oder Methoden dafür, sind sie angemessen? Schlachthäuser als die Orte des Todes. Wer kann das, will das rechtfertigen, was in Agrarfabriken auf der ganzen Welt passiert? Zu welchen Begründungen will er sich versteigen? Die Weltbevölkerung ernähren? Es wurde bereits an anderer Stelle dieses Blogs angeführt, dass, um Fleisch zu „erzeugen“, der Energieaufwand viel zu groß wäre. 60 % der Böden werden zur Erzeugung von Tierfutter gebraucht/verbraucht. Für 1 kg Rindfleisch werden durchschnittlich 20 000 Liter Trinkwasser verbraucht und 16 kg Getreide und Soja verfüttert. Dabei werden mehr Treibhausgase erzeugt als bei 250 Km Autofahrt und 50 Quadratmeter Regenwald vernichtet. Ob diese Zahlen nun ganz genau stimmen oder nicht, erscheint mir nicht so wichtig als vielemehr die Tendenz, die dadurch angezeigt wird. Diese Umstände der Nahrungsmittelerzeugung kommen vor allem bestimmten Menschen auf dieser Welt zugute. Ist das noch ein Streitthema? Ob wir das alles am liebsten verdrängen? Möglichst nicht wahrnehmen, gar nicht erst darüber nachdenken. Es scheint festzustehen: Sehr viel Elend für die Menschheit hängt mit dieser Form der Tierhaltung zusammen. 

Sonntag, 12. Februar 2017

Ernährung und sozialer Status

Achtsamkeit, Demut, Entschleunigung: Lauter Modewörter unter denen, die sich den Vorgaben des Zeitgeists verhalten, die möglichst hip sein wollen. Vegane Ernährung? Auch gut. Nehmen wir mit. Ob irgendeine Überzeugung dahinter steht? Ja klar, wir wollen alle nicht die Massentierhaltung samt ihren widerlichen Folgen! Die einen sind da wohl sensibler als die anderen. Aber soll deshalb das gesunde und moralisch unbedenkliche Food den „sensiblen“ Besitzenden bleiben? Klar, sie haben alle Kohle, um sich exklusiv „zu besten Konditionen“ zu versorgen. Sie sollen die Avantgarde für „die breite Masse“ bilden, sie sollen das ausprobieren, was später die tumbe Masse machen soll. Sie sollen besser sein. Gutmenschen halt. Habe ich den Mitteilungen eines wohlmeinenden Ministerpräsidenten entnommen (der ja wohl auch zu den Wohlbestallten gehört...). In dieser unserer Gesellschaft muss man sich das gute Fressen auch leisten können. Deshalb ist es ja der selbsternannten „Leistungselite“ vorbehalten, dieses exklusive Fressen zu fressen, das unter anderem auch zur „Zubereitung“ die Zeit braucht, die die „breite Masse“ unter ihrem Dauerdruck natürlich nicht hat. 
Nach jüngsten Zahlen geht das individuelle Zubereiten von Mahlzeiten rotz ständig steigender Zahl der Kochshows ohnehin massiv zurück. Es wird wohl zunehmend einer gewissen sozialen Schicht vorbehalten sein und somit die soziale Funktion eines Statussymbols gewinnen (zunehmend bekommen). Ob man sich allgemein über die Lebensmittelerzeugung Gedanken machen sollte, bevor man den eigenen Arsch zur Profitmaximierung in Sicherheit bringt? Ob es ein Problem der gesamten Gesellschaft ist? 

Samstag, 31. Dezember 2016

Essen an Silvester

Silvester und Altjahrabend: da ist Fressen und Saufen angesagt. All das leckere Zeugs, das einem dafür vorschwebt. Spass. Genuss. Wohlsein und Wellness. Rakete zu den Sternen. Doch wie wird das Fressen bei uns schon bald aussehen? Wer will denn wissen, dass die Hälfte der Lebensmittel in den Industrienationen weggeworfen wird? Würde es weniger Fleisch machen, wenn dadurch mehr Menschen weltweit satt würden? Vielleicht erstmal auf einen Teil verzichten? Mal nachdenken darüber..... Forscher haben ausgerechnet, dass jedem Erdenbürger etwa 1500 Quadratmeter an Erde für die Ernährung zur Verfügung stehen. Doch wir essen hier viel zu viel Fleisch. Dadurch wird von Unsereinem etwa 1800 Quadratmeter im Jahr in Beschlag genommen. Allein 40 % davon braucht man, um davon Tiere zu ernähren, deren Fleisch wir anschließend essen (im Durchschnitt etwa 1100 g pro Woche). Gibt es ernsthafte Alternativen? Darüber wird bald ein wenig ernsthafter nachzudenken sein. Vegetarisch, vegan - noch ist das ein Modethema für die „Besserverdienenden“! Trotzdem mal probieren..... aber halb so viel Fleisch zu essen? Statt 1100 Gramm nur noch etwa 600 Gramm pro Woche? Die dafür benötigte Ackerfläche würde immerhin auf 1550 Quadratmeter sinken. Hm, immer noch ein bisschen zu viel! Lösungen? Insekten essen. Ansätze dazu gibt es. Daraus wird wohl bald mehr werden. Mehlwürmer beispielsweise oder Heuschrecken? Um 1000 g Kartoffeln zu produzieren, braucht man einen Viertel Quadratmeter Acker. Für dieselbe Menge Schweinefleisch 10 Quadratmeter. Und für ein Kilo Rindfleisch 30 Quadratmeter Erde.
Würmer züchten? Sie groß werden lassen? Sie werden bereits in großen Kisten gezüchtet, und zwar einigermaßen artgerecht. Es wird behauptet, dass sie es sogar gerne haben, in großen Verbünden übereinander her zu krabbeln. Kein Problem. Wenn zuviel in einer Kiste sind, wachsen sie weniger schnell. Um ein Kilo Fleisch herzustellen, braucht man bei Insekten vier mal weniger Futter als bei Rindern. Noch dazu verursachen sie wesentlich weniger Treibhausgase. Der Einsatz von Hormonen oder Antibiotika wäre überflüssig. Dafür sind Insekten wahre Proteinbomben.... Aber jetzt erst mal das Silvester-Steak....

Dienstag, 20. September 2016

Gentechnik Crispr (1)

Rinder ohne Hörer sind bereits geboren und erwachsen vorhanden. Das hässlich blutige Geschäft der Enthornung entfällt bei ihnen. Bauern jubeln. In Zukunft wären auch größere Rinder denkbar, die mehr Kälber gebären, die gesünder sind und die nicht das lästige Methangas in die Umwelt pusten. Das alles kann Crispr, die Methode, mit der Gentechniker die Evolution in ihrem Sinne vom Labor aus beeinflussen können und wollen. Sehr leicht zu handhaben, profitträchtig und enorm effektiv: Crispr krempelt die Gentechnik um. Das Erbgut aller Lebewesen lässt sich damit beliebig und sehr gezielt beeinflussen, umbauen, umstrukturieren, neu anordnen. Diese Wissenschaftler glauben auch, dass ihnen mithilfe von Crispr der endgültige Sieg über Aids gelingen könnte, indem sie den Genabschnitt, der die Informationen für die Andockstelle des HIV-Virus im Menschen enthält, so manipulieren, dass er derjenigen Variante gleicht, die bei den wenigen Glücklichen vorkommt, die von Natur aus gegen HIV/Aids immun sind. Kunststück. Auch könnten sämtliche erblichen Krebserkrankungen so wie alle anderen Krankheiten, die eindeutige genetische Ursachen haben - Sichelzellenanämie etwa, Bluterkrankheit oder Chorea Huntington -, bezwungen werden, indem die tickende Zeitbombe, die der Betroffene in seinem Erbgut herumträgt, einfach ausgeschaltet wird. Weg.
Die Gentechnik, ein Wunderhorn? Zauberei? Schöne neue Welt? Bei Nahrungsmitteln könnte man ja noch einwenden, dass es eine ganz erhebliche Verteilungsproblematik gibt, die die Ernährung der gesamten Weltbevölkerung (noch immer hungern rund 1 Milliarde Menschen) aus gewissen Interessen von Industrieländern und deren Konzerne unmöglich macht. Typisch für die Wissenschaft jedoch ist, dass sie schnelle technische Lösungen für soziale Probleme anbietet. Der scheinbar direkte Weg. Keine Frage jedenfalls ist, das jemand, der nicht genug zum Essen hat, in einer völlig anderen Wirklichkeit als die Satten Vielverdiener leben muss. Er ist bis zu seinem schäbdigen Tod vor allem zur Deckung seiner Grundbedürfnisse unterwegs.  

Mittwoch, 14. September 2016

"Schmieren und kassieren"

„Erst schmieren, dann kassieren“: dieser griffige und heute morgen im TV gehörte Satz hallt mir noch in den Ohren. Es ist sicher ein großer Beitrag zur Diskussion der allgemeinen Grundwerte, der Leitkultur, des christlich-abendländischen Wertekanons und ähnlicher zu gegebener Zeit angezettelter Debatten. Beckenbauer soll angeblich erst die notwendigen Stimmen der oft korrupten FIFA-Herren gekauft haben. Danach schwang er sich wohl publikumswirksam auf sein Ehrenamt zur Organisation des „Sommermärchens“. Jetzt kommt offenbar heraus, dass es sich wohl doch nicht so ganz um ein lupenreines Ehrenamt gehandelt haben soll. Ein paar Millionen Honorar sollen angeblich doch geflossen sein. Erst vor der Öffentlichkeit und dann vor dem Finanzamt sollen sie verheimlicht worden sein, so heute morgen die Medien. Unglaublich, wenn das wahr wäre, würde sich die „Lichtgestalt“ aufs Wirksamste selbst demontiert haben. Nach und nach. Denn wer nähme mittlerweile noch an, dass dies das Letzte ist, was herauskommt? Salamitaktik ist ein offenbar allzu ausgiebig praktiziertes Rezept in der PR-Branche. Es nutzt sich allmählich ab.....Wo leben eigentlich diese Leute? Kriegen sie nie genug, selbst wenn sie schon viel haben? Dazu passt, dass der Deal zwischen Bayer und Monsanto angeblich bald perfekt sein soll. Angeblich. Nachdem Bayer seine Offerte noch einmal erhöht haben soll. 
Dass die Firma Monsanto einen moralisch recht zweifelhaften Ruf hat, dass sie in viele Dinge verwickelt sein soll, die die „Deutschen“ nicht gerne hören oder lesen, macht der übernehmenden Firma offenbar nicht viel aus. Irgendwelche PR-Fritzen sollen das zurecht biegen. Mal sehen, ob das mit dem Glyphosat noch so schlimm ist, wenn eine Schar im gewünschten Sinne „beeinflusster“ Wissenschaftler eine Unbedenklichkeit attestiert, muss man noch sehen. Die Deutschen mindestens werden die dazu notwendige Gelassenheit aufbringen. Die anderen wohl weniger. Dass aber ausgerechnet eine deutsche Firma (CHemievergangenheit...) weltweit nun wohl unter anderem eine Pflanzenschutzmittel ausbringt, dass krebserregend sein soll, ist auch egal. Hauptsache der globale Profit stimmt. Wohlstand, Sachzwänge bla bla...... nicht nur die Leute, die die Drecksarbeit machen, werden trotzdem entlassen werden. Digital 4.0 steht ja vor der Türe. Wer hier buchstäblich über Leichen geht, ist ja wohl klar und leistet ebenso einen wichtigen Beitrag zur Wertediskussion, an der man Vieles so beispielhaft vorgeführt bekommt. Der Abgasskandal und vieles andere, was man in der unmittelbaren Vergangenheit zur Kenntnis nehmen musste, passt da ausgezeichnet dazu. Oh weh, welche Werte diese Diskussion wohl meint? Wer hat hier welche Werte? Nach dem Brexit und vor den noch anstehenden Wahlen in Frankreich hätte ganz Europa wohl nur die Chance einer gewissen Besinnung auf eine solche Basis. Doch was geschieht im wirtschaftlich stärksten Land der EU? Hm, Eindämmung, Diplomatie, Schönreden....., in welcher Wirklichkeit leben solche Leute? Und wie gehen sie mit ihren Mitmenschen um, die gleichwohl artig dabei mitmachen, weil sie alle Ausreden dieser Welt haben.....? Hoffentlich ist das alles nur ein böser Traum.   

Dienstag, 6. September 2016

Fortschritt und Wachstum - durch Öl?

Die Meere sind vor vielen Millionen Jahren noch voll von Fischen, Reptilien und Plankton gewesen. Diese Mikroorganismen nahmen die Energie der Sonne auf und absorbieren Kohlendioxid. Sie lebten durch Photosynthese. Das Plankton vermehrte sich, das Wasser wurde wärmer. Sauerstoff wurde knapper, das Leben in den Meeren erstickte nach und nach. Die toten Tiere und Pflanzen samt den mit Sonnenenergie vollgesogenen Mikroorganismen sanken auf den Grund des Meeres und verwesten. Von Sinkstoffen bedeckt wurd diese Schicht von den Bewegungen der Erdkruste zermahlen und viele Meter nach unten gedrückt.
Der Backofen Erde verwandelte diese Energiereserven in mehreren Millionen Jahren zu Erdöl. In Mesopotamien vor 4000 Jahren im heutigen Irak näherte sich der Mensch einer Verwertung an, indem er seine Boote damit Dicht zu machen versuchte. Dann, tausende Jahre später, nutzte der Mensch in der industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts, das Öl, indem er es Schmiermittel für Maschinen einsetzte. Es enthält so viele Substanzen, dass man nahezu alles damit machen kann: Aspirin oder Lippenstift. Es hat schließlich die Welt verändert, die Umwelt war nahezu in beliebiger Richtung zu bearbeiten. Alles wird auch mit Erdöl produziert. Nachteil: in 20 oder spätestens 30 Jahren werden die Vorräte zu Ende gegangen sein. Was dann? Die meisten Menschen glauben an den menschlichen Erfindungsreichtum und wollen die Bedrohung nicht akzeptieren. Doch Öl hat die Erde verändert. Aus Öl gibt es nicht nur Plastik, sondern auch Eisen, Zement und es garantiert die intensive Landwirtschaft mit ihren Düngemitteln, Traktoren und Bewässerungsanlagen. Die Produktion eines Autos verbraucht 8000 Liter Erdöl. So wird es auf Straßen gefahren, deren Asphalt ebenfalls aus Erdöl hergestellt wird. Womit fährt dies Auto? Mit Benzin oder Diesel. Woraus wird dies hergestellt? Aus Erdöl. Wohn- und Geschäftshäuser. 16 Liter Erdöl verbraucht die Herstellung eines Mobiltelefons. 300 Liter ein Flachbildschirm. 600 Liter ein Computer. Mittlerweile ist unser Lebensstil in weiten Teilen um das Auto herum gruppiert. In den USA kommen 4 Autos auf 5 Einwohner. Nach gegenwärtigen Erkenntnissen ist es so, das wenn jeder Einwohner ein Auto besitzen wollte, wir statt 800 Millionen 5 Milliarden Autos auf der Erde hätten. Mit allen Auswirkungen. Verschmutzung nicht nur der Umwelt, sondern auch des Menschen. Das Öl wird nicht mehr lange reichen. Die Suche nach Alternativen dazu läuft. Vorhandene Alternativen werden laufend verbessert. Doch die Erdbevölkerung ist seit der Entdeckung des Erdöls von 1 Milliarde auf 7 Milliarden gestiegen. Das ist Fortschritt und Wachstum! 

Sonntag, 27. März 2016

Delegationen

Was sind denn das für „Spezialisten“ und „Experten“, denen wir uns da von Fall zu Fall anvertrauen? Sind sie durch akademische Weihen geadelt oder durch schiere Behauptung eingebildet? Gestern Fett und Zucker, heute Gluten und links- oder rechtsdrehendes Colesterin? Gibt es den alleinseligmachenden Weg, oder sollten wir schlicht ein bisschen achtsamer sein, wie wir mit der Umwelt umgehen? Ratgeber aller Art dominieren den Buchmarkt: ständig werden neue Gründe dafür ausgerufen, wieso wir uns so und nicht anders verhalten sollten. Es scheint manchmal, als wolle das breite Publikum das, als wolle es bei der Hand genommen werden und als lechze es nach Anweisungen, die deutlich mehr Fingerzeige sein wollen. Beliebt in der Wellnessgeneration ist der Ernährungswahn, der dazu neigt, gewisse Stoffe ohne Rücksicht auf ihre Herstellungsweise und soziale Hintergründe zu verteufeln oder heilig zu sprechen. Sollten wir nicht alle vielmehr nach dem besten Weg suchen? Wie weit dabei Radikallösungen weiter helfen? Besonders dann, wenn sie in einer immer kürzer werdenden Zeitspanne als „veraltet“ gelten dürfen? Wer ist denn glaubwürdiger: ein „Autor“, der sich einen verkaufsträchtigen Namen machen will, oder ein Konzern, der in einem leicht durchschaubaren Profitinteresse gewisse Dinge propagiert und andere klein macht? Was ist das Etikett „Bio“ wert? Wer garantiert hier was? Aufgrund welcher Mechanismen?

Donnerstag, 17. März 2016

Entscheider, Entscheidungen und die Folgen

Egal, ob ich seine politische Meinung teile: ich finde es toll, dass Norbert Blüm in Idomeni war. Daran könnten sich Entscheidungsträger ein Beispiel nehmen und nicht nur auf Besichtigungstour mal eben so vorbeikommen und zu PR-Zwecken „Guten Tag“ sagen. Es geht darum, dass Politiker die Folgen ihrer Entscheidungen kennen lernen. Dass sie ein Gefühl für den Rahmen haben, in dem sie agieren. Dass sie eine Verbindung zu denen demonstrieren, die ihnen und ihren Entscheidungen ausgeliefert sind (selbstverständlich - wie sie alle betonen - durch die parlamentarische Demokratie legitimiert). Dass sie nicht nur öffentliche Zustimmung abgreifen (bei den vergangenen Landtagswahlen hat es wohl nicht so gut geklappt), sondern auch mitfühlen und um ihre Verantwortung wissen. Europa geht uns an. Europa hat Werte. Unabhängig von diesen professionellen Politik- und Verwaltungsfreaks, die wohlbestallte Posten unter sich verabreden. Wer bei Europa nicht mitmachen will, soll draußen bleiben! 
Wie sieht's mit Glyphosat aus? Die EU-Verhandlungen sind erst mal unentschieden, gehen aber weiter. Mit welchen Argumenten und aufgrund welcher Einflussnahmen, bleibt weitgehend unklar. Wie kann es Entscheidern egal sein, dass Glyphosat mittlerweile in den meisten Lebensmitteln und in Bodenuntersuchungen gefunden wurde? Ob die Folgen klar sind? Gibt es eine Abwägung der Kosten und des Nutzens? Ja? Wieso dann nicht öffentlich? Wieso müssen Entscheidungen als bereits gemacht nach außen dringen zu denen, die es hauptsächlich betrifft? Ob sie nicht auch ein bisschen einbezogen werden sollten? Ob da nicht ein bisschen mehr Transparenz angesagt sein müsste? Ob das etwas mit Demokratie zu tun hat? Ob Politiker mit den Folgen ihrer Entscheidungen etwas zu tun haben? Ob sie das bedenken? Oder ob sie gewissen Interessen gehorchen? Scheinbar zwangsläufigen Abläufen, die gerne auch mal (als Schutzbehauptung) „alternativlos“ genannt werden? Ob ein solches Verhalten nicht dem Entstehen gewisser Parteien nutzt, sie sich selbst gerne als "basisdemokratisch" bezeichnen und "verkaufen"? 

Samstag, 16. Januar 2016

Nahrung und Profit

Es läuft die „Grüne Woche“ in Berlin: eine Messe als Parade des Überflusses und des gepflegten Essens (oder Fressens), dem die niedrigen tier- und menschenverachtenden Lebensmittelpreise auch noch auf vielfältige Weise Vorschub leisten. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an den Film „Landraub“ von Kurt Langbein und habe mir ein paar Sachen sinngemäß aufgeschrieben. Der Film stellt recht entschieden eine Meinung, eine Haltung, dar. Man kann anderer Meinung sein, sollte aber dann vielleicht Konzepte über eine allgemeine neoliberal begründete Ausbeutung (wie bisher praktiziert) hinaus haben. Sinngemäß heißt es in diesem Film: „Seit 2008, dem Jahr des großen Finanzskandals, hat das große Geld die Agrarindustrie entdeckt. Die großen Investoren führen seitdem riesige Investitionen in die Länder ein, vertreiben Kleinbauern, zerstören Sozialstrukturen, zerstören auch ökologische Strukturen. Wenn das so weitergeht, dann drohen Völkerwanderungen in einem Ausmaß, wie wir uns das jetzt noch nicht vorstellen können“. Ein Vertreter der Agrarindustrie meint dazu mit wichtigem Gesicht „In 20 Jahren werden wir 10 Milliarden Menschen haben. Wie werden die sich alle ernähren können? Wir brauchen dazu 80 Milliarden Investitionen. Wo soll dieses Geld herkommen?“ In den letzten 15 Jahren wurden weltweit etwa 200 Mio Hektar Ackerfläche an Investoren verkauft. Das ist mehr Agrarland, als es in ganz Europa gibt. Die Öko-Bilanz von der industriellen im Vergleich zur kleinbäuerlichen Landwirtschaft ist verheerend. Nur der Profit stimmt. Ein Plantagenbesitzer sagt: „Es ist sehr attraktiv. Die Erträge sind sehr hoch. In wenigen Jahren sind die Investitionen zurückgezahlt. Die nächsten zwanzig Jahre gehen wir jedes Mal mit einem Lächeln zur Bank“. Wie das funktioniert, sieht man zum Beispiel in Äthiopien. Dort produziert etwa eine holländische Firma Tomaten und Paprika für 5-Sterne-Hotels in Dubai. Ein Geschäftsführer sagt dazu: „Für Bauern ist Äthiopien der Himmel auf Erden. Das Klima ist perfekt, es gibt viel Wasser, der Boden ist fruchtbar“. Die Regierung vergibt Millionen Hekar Ackerland an Investoren. Gleichzeitig herrscht Hunger im Land. Die gleichermaßen interviewte Landarbeiterin meint: „Dieses Gemüse kann ich mir nicht leisten. Ich verdiene 24 Euro im Monat. Wir essen nur Mais. Drei meiner Kinder leben bei meiner Mutter, weil ich sie nicht ernähren kann“.
Wie also kann man das Problem lösen? Der Film tritt für ein radikales Umdenken ein und vertritt ein Konzept der Millionen von Kleinbauern statt internationaler Agrarkonzerne. Lokale Versorgung statt globaler Investition. Was wie mittelalterliches Wirtschaften aussieht, könnte eine Lösung sein. Kleinbauern könnten wissenschaftlich beraten werden, könnten Bewässerung und Saatgut optimieren. Versuche haben gezeigt, dass solchermaßen beratene Kleinbauern ihren Ertrag verdreifacht haben. So der Film.