Reise durch Wirklichkeiten

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Samstag, 29. April 2023

Selbstintegration

Du würdest gerne einmal die Zeit anhalten, festhalten. In dich hinein holen, was du schon einmal gelebt hast. Deshalb bist du so oft zu deinem Geburtsort gefahren. Deine Kindheit in dich herein holen. Ursprung erfahren. Dadurch eine komplettere Persönlichkeit werden. Eine „runde“. Durch dich selbst. Trinkst in letzter Zeit zu viel (was relativ ist...). Ruinierst dich. Ob du das anderen Menschen abgeschaut hast? Der Rausch als Flucht? Vor dir selbst? Als Übersteigerungen dessen, was du gerne fühlen würdest? War schon mal besser da. Die Vorlage trägt nur kurz und bricht dann heftig in sich ein. Es gibt kein Entkommen. Du wiederholst dich, spulst dein Leben intensiver ab. Denkst an das Ende und die Versorgung. Wirst dazu gezwungen, wie zu so vielem. Du hast immer versucht, solche Zwänge zu integrieren und doch integer zu bleiben. Geht das? Schleichend korrumpiert es dich, so dass du es nicht merkst....

Freitag, 2. November 2018

Drogen (1)

Fette Rave oder Techno-Parties ohne Drogen? Scheinbar undenkbar. Oktoberfest? Wies‘n ohne Bier? Undenkbar. „Höhere Kreise“ dieser aktuellen Gesellscchaft scheinen zumindest leistungssteigernde Drogen zu nehmen, während sie mit anderem Zeug ihrem Hedonismus fröhnen…. Sportler machen‘s vor, indem sie sich dem Doping in all seinen erlaubten und unerlaubten Formen hingeben….Schon bei den Römern war jedem Soldaten hier in der Gegend eine Tagesration Wein zugestanden, während höhere Kreis sich am Opium labten. Und schon in der Steinzeit kannte man hallozinogene Wirkungen von Pilzen und Kräutern, ach die Mayas und die Inkas und und und…...was treibt all diese Junkies? Das Ich zu erweitern in Richtung auf neue Horizonte, dem Alltag entfliehen, das Irrationale kennen lernen (wo der Alltag so öde „rational“ sein kann…), Entgrenzung, Ekstase, Aufgehen in etwas Anderem, ein Heraustreten aus sich selbst, dem was man als Seele kennen gelernt hat, Sehnsucht nach Verzückung, zügelloser Begeisterung, nach einer Einheit, einem magischen Weltbild, in dem Innen und außen zusammen fallen. Der Rausch als Mittel zum Zweck? Schon die alten Romantiker wie Tieck, Eichendorff oder Novalis mochten so etwas im Sinne gehabt haben, teilweise mit anderen Mitteln als mit Drogen… möglicherweise kann der Phantasie auch anders auf die Sprünge geholfen werden. Manche Romantiker meinten, dass auch die Poesie ein gutes Pegasus“, also ein Pferd zum anderen Ufer, sein könne.

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Zeit anhalten (gefundene Notiz)

Du würdest gerne einmal die Zeit anhalten, festhalten. In dich hinein holen, was du schon einmal gelebt hast. Deshalb bist du so oft nach Machtolsheim gefahren. Deine Kindheit in dich herein holen. Eine ganze Persönlichkeit werden. Eine komplettere. Durch dich selbst. Trinkst in letzter Zeit zu viel. Ruinierst dich. Ob du das anderen Menschen abgeschaut hast? Der Rausch als Flucht? Vor dir selbst? Als Übersteigerungen dessen, was du gerne fühlen würdest? Die Vorlage trägt nur kurz und bricht dann heftig in sich ein. Es gibt kein Entkommen.
Du wiederholst dich, spulst dein Leben intensiver ab. Denkst an das Ende und die Versorgung. Wirst dazu gezwungen, wie zu so vielem. Du hast immer versucht, solche Zwänge zu integrieren und doch integer zu bleiben. Geht das? Schleichend korrumpiert es dich, so dass du es nicht merkst....

Samstag, 29. August 2015

Dieter oder Diter? (2)

Dieter Roth war offenbar ein maßloser Mensch. Alles, wirklich alles geriet ihm zur Kunst, die Sprache, das Zeichnen, das Leben. Er war ein wohl äußerst begnadeter Verballhorner, Performance- und Aktionskünstler, Spassvogel, ein Kunstchamäleon, Sprachzerleger und Kunstverbieger, der seinen Spass am Zerstören und lustvollen Dekonstruieren hatte, um daraus etwas anderes zu schaffen. Zwei Büsten nannte er „P.O.A.A.VFB“ - Portrait of an Artist as Vogelfutterbüste“. Eine hat er aus Vogelfutter, die andere aus Schokolade geformt. Für das „Karnickelköttelkarnickel“ hat er einen Hasen aus Hasenknötteln geknetet. Für Stuttgart hat er Arbeiten wie „Fernsehturm Stuttgart“ (1967) oder „Gartenzwerg“ aus Schokolade gestaltet. Bekannt sind auch seine Gummibandbilder, bei denen Gummibänder über Nagelbretter gespannt sind. 
In Berlin im Museum Hamburger Bahnhof ist seine große "Gartenskulptur" zu sehen, eine teilweise skurrile und sich über eine gewaltige Raum erstreckende Zusammenstellung von Utensilien, Geräten, Aufbauten an die sich unter anderem auch Holz, Draht, Seil, Metall, Baumaterialien, Pflanzen, Videogerät, Monitore, Lebensmittel, Spielzeug und Kleidung heften.  Wichtig für Dieter Roth ist, dass seine Werke von einem großen Publikum bis heute als Zumutung erlebt werden. Es scheint etwas zu sein, das ohne Rücksicht auf Genregrenzen, oder gar Verluste an Tradition und Konvention entstand. Alles wurde von ihm mit Allem spielerisch und provozierend vermixt. So etwa die legendäre „Langstreckensonate“ von 1978, die Roth-Fans schon mal 36 Stunden ihrer Lebenszeit kostet (aber das ist Teil seines musikalischen Bemühens, auf das wir später genauer eingehen). Und: Für seine Frauen war er oft wie ein Diktator, dessen Entwürfe von der Welt sie unbedingt teilen mussten und dessen textilen Entwürfe sie tragen mussten.   

Freitag, 28. August 2015

Dieter oder Diter? (1)

Ein paar Sätze über den Künstler Dieter Roth, dessen Werke gerade hier in Deutschland immer wieder zu sehen sind, obwohl er ein international anerkannter Künstler ist. Er wurde im Jahr 1930 geboren, der Vater war Schweizer, die Mutter Deutsche. Nach einer Grafiklehre in Bern veröffentlichte er 1953 zusammen mit Eugen Gomringer und Marcel Wyss die erste Ausgabe der Zeitschrift „Spirale“, die sich konkreter Kunst widmet. Es zieht ihn in der Folge nach Dänemark, Island und die USA. Mannigfache Verbindungen führen nach Stuttgart, wo er sich mit dem Sammler Hanns Sohm und dem Verleger Hansjörg Mayer anfreundet. 1969 und 1977 ist er bei der „Documenta“ in Kassel dabei, Ausstellungen gibt es weltweit. 1998 stirbt Dieter Roth in Basel. So viel zu seinem Lebenslauf, der natürlich verschweigt, dass er ein veritabler Trinker gewesen sein muss. Berühmt ist er für seine „Literaturwurst“ die die „Blechtrommel“ von Günter Grass mit Gewürzen und Fetten im Naturdarm verkocht und dann in eine Wurst gefüllt hat. Ein Film dokumentiert dies auf amüsante Weise. Er hat auch Bücher produziert, die aus bedruckten, mit Koteletts, Sauerkraut und Würstchen gefüllten Stanniolbeuteln bestehen. Legendär sind auch andere seiner Werke, wie etwa die elfbändige Gedichtreihe „Scheise“, denen er Texte unter dem Titel "Mehr Scheise“ und „Noch mehr Scheise“ folgen ließ. Berühmt ist er vor allem wegen seiner Kunstobjekte aus organischem Material, die einem Prozess der allmählichen Veränderung und des Zerfalls unterlagen und unter anderem luftdicht abgeschlossene Gewürz- und Schimmelobjekte und Schokoladeobjekte umfassten, die von Schokoladenmotten zerfressen wurden. Als Künstler signierte er oft als Diter Roth oder als Dieter Rot, - er hatte da noch viele verschmitzte Variationen drauf. Er operierte mit einem stark erweiterten Kunstbegriff, der in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aufkam, als traditionelle Ausdrucksformen wie Malerei oder Skulptur das waren, was überschritten sein wollte. Das Wahre, Schöne, Gute waren kein Maßstab mehr, alles wurde verworfen, besonders der Ewigkeitsanspruch der Kunst. Später mehr.