Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Donnerstag, 13. Februar 2025
Ohne Eigenschaften
ROBERT MUSIL (1880-1942) Der Durchschnitt der Menschen.
"Vielleicht dachte Ullrich bloß überhauf, dass alles Mittelhohe und Durchschnittliche stämmig sei und beste Aussicht auf Erhaltung seiner Art darbiete; man hätte annehmen müssen, dass es das erste Gesetz des Lebens sei, sich selbst zu erhalten und das möchte wohl stimmen. Sicherlich sprach bei diesem Beginn aber auch eine andere Aussicht mit. Denn mag es sogar gewiss sein, dass die menschliche Geschichte nicht gerade ihre Aufschwünge vom Durchschnittsmenschen empfängt, alles in allem genommen, Genie und Dummheit, Heldentum und Willenlosigkeit, ist sie eben doch eine Geschichte der Millionen Antriebe und Widerstände, Eigenschaften, Entschlüsse, Einrichtungen, Leidenschaften, Erkenntnisse und Irrtümer, die er von allen Seiten empfängt und nach jeder verteilt. In ihm und ihr mischen sich die gleichen Elemente; und auf diese Art ist sie jedenfalls eine Geschichte des Durchschnitts oder, je nachdem man es nehmen mag, der Durchschnitt von Millionen Geschichten, und wenn sie denn auch ewig um das Mittelmäßige schwanken müsste, was könnte am Ende unsinniger sein, als einem Durschnitt seine Durchschnittlichkeit verübeln."
Textquelle: Der Mann ohne Eigenschaften, Robert Musil (1880-1942),
Dienstag, 31. Dezember 2024
Dekadente Doppelmoral
Mondäne Damen beschwören in ihren TV-Sendungen korrekte Einstellungen, führen Interviews und geben für „richtiges“ Verhalten korrekte Modelle vor, preisen ein an Nachhaltigkeit und an Klimakrise angepasstes alternatives Verhalten mit Tipps und praktisch kundigen Tricks. Gleichzeitig geben sie in den sozialen Medien mit ihren Übersee-Reisen in Paradiese und finanziell gut ausgepolsterten sowie romantisch aufgeblasenen Besuchen von smarten Wellnessgegebenheiten und organisierten Abenteuern an. In Folklorismen eingehüllt geben sie ihr sanftmütiges Lächeln und die Hauptrolle in ihrem Urlaubsfilm. Sie sind einfach easy sexy schön für Männer und geben in ihrem Hochglanzprospekt - sofern sie sich etwas absetzen wollen - nicht mal damit an.
Montag, 5. Februar 2024
Moralismus
„Moralismus“ ist zum Standardvorwurf geworden. Dabei will wohlverstandene Moral doch nur Hinweise zum richtigen Verhalten geben, will dem Ringen darum Ausdruck geben. Oder? Ob das im „Digitalen Raum“ noch irgendeine Rolle spielt? Nach gewissen Ansprüchen leben? Man reiht sich zu leicht ein in eine Masse, übernimmt unreflektiert deren meist von „oben“ ausgegebenen Maßstäbe. So hat womöglich auch Nazi-Deutschland funktioniert. Wer moralische Gesetze bricht, wird dann auch gerne mal lobend als echt „liberal“ bezeichnet. Hm. Ist jemand, der vegan lebt, moralischer als der, der Fleisch frisst? Es gibt wohl Gewöhnung und Enthemmung auf dem Gebiet der Moral? Wieso scheint die Flugscham allüberall verflogen? Menschen wollen möglichst mit ihren Familien in den Urlaub fliegen. Wohlverdient, sagen die Medien. Wenn wir auf etwas verzichten, - welchen Einfluss hat das auf das Gesamtgeschehen? Wenn wir jetzt von Oxfam erfahren haben, das rund 1 % der Erdbevölkerung, - also die Wohlhabenden! - demnach so viel CO2 verursachen wie die ärmeren zwei Drittel zusammen. Das sind immerhin 5 Milliarden Menschen. Ob uns da Zweifel kommen angesichts der politischen Implikationen? Das persönliche Seelenheil mag es befördern, wenn wir kein Fleisch essen. Das Große und Ganze aber beeinflusst es nicht. Die Regierung hierzulande bevorzugt immer noch das Flugbenzin. Subventioniert es. Geht es um rechte Lebensführung? Ist man, wenn man darum ringt, deshalb ein „Gutmensch“?
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“Moralism” has become the standard accusation. Well-understood morality only wants to give advice on correct behavior and wants to give expression to the struggle for it. Or? Does this still play any role in the “digital space”? Live according to certain standards? It's too easy to join a crowd and unreflectively adopt the standards that are usually issued from "above". This is probably how Nazi Germany worked. Anyone who breaks moral laws is often described as truly “liberal”. Hmm. Is someone who is vegan more moral than someone who eats meat? There is probably habituation and disinhibition in the area of morality? Why does the shame of flying seem to have disappeared everywhere? People want to fly on vacation with their families if possible. Well-deserved, say the media. If we give up something, what impact does that have on the overall situation? Now that we have found out about Oxfam, around 1% of the world's population - i.e. the wealthy! - therefore cause as much CO2 as the poorer two thirds combined. That's at least 5 billion people. Do we have any doubts given the political implications? It may promote personal spiritual salvation if we don't eat meat. But it doesn't affect the big picture. The government in this country still prefers aviation fuel. Subsidize it. Is it about right living? If you struggle with this, does that make you a “do-gooder”?
Montag, 4. Dezember 2023
Moralapostel
Ich bin früher oft und gerne mit dem Flugzeug unterwegs gewesen und habe das inzwischen völlig eingestellt, merke aber, dass ich damit so ziemlich alleine stehe. Was ist eigentlich mit der so oft zitierten „Flugscham“? Ein rührendes Wort aus der Zeit vor der Pandemie? Bei weitem nicht mehr gültig, weil man jetzt froh ist, dass man mit dem Flieger der ganzen Unbill entkommen kann? Erst neulich habe ich wieder Derartiges gelesen: intellektuelle Rechtfertigung, beim „normalen“ Volk sein, immer drauf und dran! „Fleischscham“, „Dieselscham“, „ökologischer Fußabdruck“ – als moralisch verschrien? „Moralisch“ scheint ja ohnehin das Schimpfwort par excellence. Minderwertiges Wording. Sollte man im Angesicht kollektiver Verdrängung längst nicht mehr benutzen. Oder doch? Wieso eigentlich muss die Phase der Pandemie insgesamt verteufelt werden? Ob sie nicht auch etwas Gutes hatte, dass nämlich manche Mitmenschen mehr Zeit dafür hatten, zu sich selbst zu kommen und ein bisschen nachzudenken? Für sich selbst innerhalb dieser Gesellschaft? Nicht nur als Selbstvergewisserung, wie mit einem gewissen Unterton immer gerne unterstellt wird.
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I used to often travel by plane and have since stopped doing so completely, but I realize that I'm pretty much alone with that. What about the so often cited “flight shame”? A touching word from before the pandemic? No longer valid by any means because you are now happy that you can escape all the hardship by plane? Just the other day I read something like this again: intellectual justification, being with “normal” people, always on it! “Meat shame”, “diesel shame”, “ecological footprint” – decried as moral? “Moral” seems to be the dirty word par excellence anyway. Inferior wording. In the face of collective repression, it should no longer be used. Or is it? Why does the phase of the pandemic as a whole have to be demonized? Didn't it also have something good, namely that some people had more time to come to themselves and think a little? For yourself within this society? Not just as self-assurance, as is always often assumed with a certain undertone.
Donnerstag, 13. Juli 2023
Up, up and away
Der Flugbetrieb sei gestört, so erfahre ich jetzt auf allen Kanälen. Es gibt aufgeregte Interviews mit „normalen“ Bürgern, die in Urlaub fliegen wollten...und nun…. Ich wundere mich und frage mich, wo denn die vielgepriesene Flugscham geblieben ist. Habe ich geträumt, war das nur eine typische Zeitweiligkeit, eine grün eingefärbte Kampagne gegen negative Kräfte, die uns alles vermiesen wollen? Liegt es daran, dass sich gewisse Umweltaktivisten dadurch hervor tun, dass sie Vielflieger sind, dass sie munter durch die Welt fliegen, von einer nutzlosen Konferenz zur nächsten. Oder haben die vielen Privatjets Schule gemacht, die in erhöhter Frequenz und Häufigkeit durch Deutschland und Europa fliegen, um ihre „wichtigen“ Personen von A nach B zu bringen, - weil ja auch mit der Bahn alles viel zu unzuverlässig ist. Gibt es gewisse Politiker, die sich gerne eines Privatjets bedienen und so ihrer „Vorbildfunktion“ als Wachstumsmotoren gegen alle Widerstände nachkommen? Oder betrachtet man die Klimakrise aus irgendeinem Grund für beendet? Wie eine von Werbeagenturen schlau herbei geführte Kampagne mit großer Dringlichkeit (da alles dringlich ist, geht sowas sowieso unter…) Wurden allgemein zu viele Sympathien verscherzt, durch unfähige Funktionsträger und idiologisch eingeengte „Aktionen“? Wir wissen es nicht.
Samstag, 5. Februar 2022
"Alter weißer Mann"
Was ich gelernt habe über die Einstellungen derer, die sich als ganz besonders „woke“ und ganz vorne in jeglicher Entwicklung betrachten: Ein „Alter weißer Mann“ entstammt einer privilegierten gesellschaftlichen Schicht und legt eine gewisse Überheblichkeit und abwertende Haltung denen gegenüber an den Tag, die nicht seinen moralischen und gesellschaftlich-grundsätzlichen Idealen entsprechen. Ein Klischee, eine Schablone, um die komplexe Wirklichkeit für sich besser verständlich zu machen.
Dabei ist die Bezeichnung „Alter weißer Mann“ eher als eine Metapher denn als Haltung zu verstehen. Denn um in dieses Rollenschema zu passen, braucht jemand weder alt zu sein noch weiß, - noch überhaupt ein Mann. Leider passen aber viel zu viele alte weiße Männer in dieses Schema, auch wenn sie dies bestreiten würden. Klingt ein bisschen verwirrend? Ist es auch. Aber es taugt immerhin dazu, allen und jeden das Schema überzustülpen, einen permanenten moralischen Vorwurf zu konstruieren und ganz offenkundig mangelnde Reflektionsfähigkeiten zu unterstellen.
Sonntag, 16. Januar 2022
Frei oder bestimmt? (oder beides?)
In verschiedenen Zusammenhängen kamen mir jetzt grundsätzliche Positionen unter, die mir unter anderem auch für eine ganz bestimmte Klientel typisch zu sein scheinen und die nicht immer explizit geäußert werden. Zum einen glauben vor allem Menschen aus dem wissenschaftlichen Bereich daran, dass der Mensch sich selbst erschaffe und dadurch gekennzeichnet sei, dass er sich quasi aus der Natur befreie, sich über die Natur erhebe und sich aus ihr entferne. Der Mensch wolle und könne sich selbst bestimmen, so die Vertreter dieses vorwiegend im linksliberalen Weltbild angesiedelten Sicht, die sich inzwischen weit hinein in den Mainstream verbreitet hat und gerne mal feministische Aspekte oder welche der Identitätstheorie in ihre Auffassungen mischt. Oft knüpft sich auch ein großer Glaube an die kommenden Segnungen der Technologie daran. Der Mensch habe eine Geschichte, in der er sich entwickelt habe. Er sei gerade dadurch bestimmt, dass er sich in gewollte Richtungen verändern könne. Wir formten und gestalteten unsere Natur. Es gehe in der Gegenwart unter anderem darum, das eigene Dasein unter solchen Voraussetzungen möglichst „aufregend“, „kreativ“ und „spannend“ zu gestalten.
Auf der anderen Seite diejenigen, die glauben, dass bestimmte Verhaltensweisen, Reaktionsmuster und Eigenschaften in unseren Körpern und Genen „festgeschrieben“ seien. Dies zu ändern könnte sich auf die lange Sicht als sehr schwierig erweisen, wobei unter anderem das angestrebte Ziel auch in einer gewissen gesellschaftlichen Stabilität erweisen könnte. Wir seien durch die Natur bestimmt und es gelte, die Gesetze der Natur zu erkennen, um besser auf sie reagieren zu können.
Mittwoch, 23. Juni 2021
Robotics
Natürlich ist jetzt trotz aller Bedrohung von seiten der natürlichen Umwelt dauernd von Wachstum die Sprache. Eine wichtige Rolle, so scheint es mir, sollen dabei auch die künstlichen Welten und die Roboter spielen. Dies mag manchem noch wie Science fiction vorkommen. Die Vorboten stellen sich aber bereits in diese Gesellschaft z.b. in Form des autonomen Fahrens ein. Auch die verschiedenen Formen der Augmented Reality scheinen mir bereits eine gewichtige Rolle zu spielen und sich in unser aller Leben zu schleichen. Es geht dabei stets um simulierte und bearbeitete Realität, um manipulierte Wirklichkeiten, deren Wohltaten jetzt schon, sollte das Pandemiekapitel einigermaßen abgeschlossen sein, gar überall beschworen werden. Sowieso wären auf diese Weise in die Pandemie passende kontrollierte Bedingungen denkbar.
Es erhebt sich die Frage, ob wir zukünftig wirklich in einer Art Scheinwelt leben wollen, auch wenn es uns Spass und uns glücklich macht. Wie viel Selbsttäuschung wollen wir zulassen? Sind nicht bereits jetzt die Techniken der gezielten und profitorientierten Täuschung hoch entwickelt? Spielt sich unser Leben nicht jetzt schon auf Computerbildschirmen und in Form von Programmen ab, die fähig sind, uns überall und jederzeit genauestens zu überwachen? Dass solche Programme uns helfen würden, wird derzeit dauernd gehört. Dabei steht die Medizin hoch im Kurs. Krebsdiagnosen, überhaupt Diagnosen, bipolare Storungen, Angstzustände seien damit beherrschbar geworden, so heißt es. Aber auch Alltagsprobleme aller Art, das zunehmende Problem der Vereinsamung bis hin zu sexueller Belustigung seien durch derartige Programme und Maschinen gewährleistet, so heißt es. Steuerung, Beeinflussung und Lenkung werden neu ermöglicht. Ob dabei neue Möglichkeiten der Menschenführung in Richtung auf bestimmte Interessen ermöglicht werden. Welche Rolle dabei die Werbung spielt? Die politische Lenkung? Das systemkonforme Wohlverhalten?
Mittwoch, 26. Mai 2021
Was "normal" sei.....
Aus gegebenem Anlass habe ich mir mal wieder Gedanken darüber gemacht, was „normal“ sei, ein Begriff, der hier in diesem Blog immer wieder auftaucht, auch weil er mir soziologisch interessant zu sein scheint. Er scheint mir nämlich eng mit dem jeweiligen Wertesystem zusammenzuhängen, unter dem eine bestimmte Person aufwächst. Dieses Wertesystem ist oft von kulturellen, religiösen oder ökonomischen Gesichtspunkten bestimmt. Von klein auf wächst eine Person in ein solches Wertesystem hinein, hält es für real. Soziologen und Psychologen würden dazu sagen: eine Person ist unter diesem Wertesystem sozialisiert. Nur wenige Personen erhalten im Rahmen ihrer Erziehung (Sozialisation) Gelegenheit zu erfahren, dasss solche Wertesysteme austauschbar sind, dass Leben in einer langen Suche nach der richtigen Bewertung und Einodrnung von Verhalten bestehen könnte. Meist gibt es absolute Vorgaben: eine Instanz bestimmt, was gut oder schlecht, was anstrebenswert oder zu vermeiden, was Schwarz oder Weiß sei. Das Individuum hat sich an solche Vorgaben zu halten, ansonsten würde es sanktioniert (was bis zum Tode gehen kann). Auf was so etwas hinaus läuft: Feste und vorgegebene Maßstäbe. Ein dazu gehöriges autoritäres Element. Dazu gehören auch die in unseren Breiten vorgegebenen Maßstäbe von Erfolg, der sich meist am Geld oder untergebenen Personen bemisst. Der wichtige Dreh ist: das, was „normal“ erscheint, ist relativ, also eine Frage des Ausgangspunktes oder des Punktes, von dem aus ich etwas beurteile.
Freitag, 26. März 2021
Blick hinein
Wird man alt und älter, geht man tatsächlich auf den Tod zu? Man ist nur darauf zugegangen, immer schon. Er kommt immer näher, dieser Tod. Man ist scheinbar zu etwas Stabilem geworden, hat Merkmale heraus gearbeitet, die nicht mehr veränderbar erschienen. Man hat Geschichte und hat entsprechende Erfahrungen gemacht, man kann darauf zurück blicken, ja, es gibt Dinge der ernsten Art, an die man sich nicht so recht erinnert. Sogar, - obwohl sie ein wichtiger Teil von einem sind. Kürzlich hat AM angerufen, ein Schatten meiner Vergangenheit. Wir haben uns gut verstanden, zu meiner Überraschung. Er hält sich mittlerweile in einer vollkommen verschiedenen Lebenswelt auf. Wie konnte man eigentlich sagen, wer man war? Man erinnerte sich gegenseitig dran, was war, wie man sich verhalten hat, wie man andere Individuen wahrgenommen hat. War man wirklich derselbe wie heute? Man hat ja schon so viel Zeit erlebt…….
Mittwoch, 24. April 2019
Berührt werden
Das
Wort „Emotion“ kommt vom lateinischen emovere: nach außen
bewegen. Es geht darum, nicht nur erreicht zu werden, sondern auch
antworten zu können, jemand wiederum erreichen. Beispiel Musik
machen: da wird man nicht nur erreicht, sondern man erfährt sich
auch als wirksam, man hat einen Einfluss darauf. Auf Abläufe, auf
Prozesse. Etwas erreicht und berührt mich. Und ich erfahre mich als
selbst wirksam damit verbunden. Ich kann antworten und dem entgegen
gehen, auf es reagieren. Es ist nicht nur so, dass ich mir etwas
einverleibe oder es in Reichweite bringe, sondern ich „transformiere“
mich dadurch. Es verändert einen, man wird ein anderer Mensch. Oder:
es hat etwas mit mir gemacht. Rückblick im Sinne von: danach war ich
jemand anderes. Etwas bewegt, berührt und erreicht mich, ich
antworte und werde dadurch ein anderer.
Es
bleibt darin aber stets etwas Unwägbares. Das heißt, man kann
versuchen, eine solche Beziehung mit allen Mitteln herzustellen. Es
passiert aber nichts. Es könnte sogar sein, dass bei allergrößter
Bemühung nichts passiert. Dabei entspricht sinnliche Überwältigung
nicht dieser Art der Beziehung. Man mag beispielsweise in einem
Konzert überwältigt sein durch die Soundfülle und das Licht. Aber
das bedeutet nicht zwangsläufig, zu antworten und bewegt zu werden,
ein anderer Mensch zu werden. Dieser Effekt kann nicht garantiert
werden. Unter anderem mag es auch leibliche Hindernisse geben:
Schmerz, Hunger. Psychische Voraussetzungen mögen dabei auch eine
Rolle spielen: traumatisiert zu sein, oder tief verletzt, Dann
verliere ich diese Fähigkeit, mich berühren zu lassen. Auch
räumliche Bedingungen sind dabei wirksam: Sonnenschein und Wärme
oder harter Regen mögen uns beeinflussen. Eine Betonhalle hat einen
anderen Einfluss als die eine gewisse Wärme ausstrahlende Umgebung.
Je nachdem, wie man sitzt, wie man mit dem Anderen in Beziehung
tritt, - oder auch nicht. Zeitdruck mag auch so manches umbiegen. Er
„verdinglicht“ unter Umständen so manche Beziehung. Stress,
Angst, Druck führt dann oft zu einer Art „Wettbewerb“. Es gilt
dann Höher, besser, schneller, weiter. Das ist das Gegenteil zu
„hören und antworten“.
Wir
haben einen Sinn dafür, was unsere Existenz begründet, was ihr
Grund sein könnte, wie wir auf die letzte Wirklichkeit bezogen sind.
Man kann diese letzte Wirklichkeit auch Universum nennen. Oder das
Leben. Oder die Wirklichkeit. Oder die Welt, oder die Natur. Aber man
fühlt sich jedenfalls da hinein gestellt, ahnt, dass man ein Teil
davon ist. Die Frage ist: wie sind wir darauf bezogen? Auf diese
letzte Grundlegung. Ja, wir haben einen Sinn dafür. Er geht darauf
zurück, dass am Grund unserer Existenz eine kollektive Antwort
liegt. Etwas, das für uns alle gilt, solange wir mit den selben
Gattungsmerkmalen ausgestattet sind. Jemand ist da, der uns hört und
sieht, versprechen etwa die Religionen. In uns und jenseits von uns.
Beim
Beten wird das deutlich: Man kann dabei nicht sagen, ob der Betende
sich nach innen oder nach außen richtet. Beten ist eine
ritualisierte Praxis, die eine Verbindung zwischen dem Innersten und
dem Äußersten schafft. Es berührt mich und verflüssigt mich in
meiner Verhärtung, es macht mich empfänglich. Religion
beispielsweise schafft ein Bewusstsein dafür, dass wir mit dem Leben
als Ganzes, mit Gott oder der Natur in einer Beziehung stehen. Mit
der Kunst. Mit der Musik. Wichtig dabei ist: Man weiß nicht recht,
ob man nach innen oder nach außen hört. Das alles bedeutet aber
nicht Welterklärung. Nicht Weltdeutung. Es geht nicht um sinnhafte
und kognitive Weltdeutung. Also um das Erkennen vom Verstand her.
Samstag, 17. November 2018
Rote Wellen
Eine bestimmte Zeit lang
war ich wieder mal gezwungen, auf den Straßen unterwegs zu sein. Und
ich war schockiert: Dauernd geriet ich in eine „rote Welle“, die
Ampel schien grundsätzlich auf Rot zu schalten wenn ich kam. Das
fing schon am ersten Tag nach der bisher letzten Verlautbarung des
Weltklimarats an. Es wurde darin heftig an Behörden appelliert, doch
für einen intelligenten Verkehrsfluss zu sorgen, per Leitsystem die
Haltezeiten, für die jeweils abgebremst und beschleunigt werden
muss, zu verkürzen. Was ist? Alles wie gehabt, „business as
usual“.Von Politikerseite kam jüngst von einer sich als besonders
sozial gerierenden Partei ein Vorschlag, doch eine CO2-Steuer zu
erheben. Ja klar, Geld einnehmen und Steuern erheben, darin ist
dieser Staat groß. Wobei jetzt schon nicht mehr klar ist, für wen
und was die jeweils jetzt schon erhobenen Steueranteile verwendet
werden. Ich höre von „Ökosteuer“ usw......dabei hat die
Verwirrung doch System, fließt doch jegliche Steuer in ein
gemeinsames Säckel, das keine Spezial- oder Sonderverwendungen
zulässt. Solche Überlegungen nimmt man von der Seite wahr, doch
tatsächliche Bemühung scheint nicht geboten zu sein. Fehlanzeige.
Dabei erscheint mir auch und gerade psychologisch dadurch das völlig
falsche Signal gesetzt zu werden. Die Vorstellung, alles ginge
einfach so weiter wie bisher, ist gleich mehrfach falsch. Wenn wir
uns nicht regen und etwas tun, wird uns die Natur dazu zwingen, -
unter schlimmsten Bedingungen!
Sonntag, 9. September 2018
Herrschaft der Algorithmen?
Der
freie Wille? Eine alte Streitfrage, gerade in der Philosophie. Haha. Ich sehe schon, wie die Auskenner die Augenbraue hoch ziehen.... Die einen behaupten, dass alles determiniert, also festgelegt sei:
durch Gene, Umwelt, Gehirnstrukturen, Chemie, Normen.... Die anderen
halten am freien Willen fest, weil der dem mündigen Bürger immanent sei, das heißt, ein wesentlicher Bestandteil seines Seins.
Nun scheinen noch die digitalen Herrschaftsformen hinzuzukommen, die
mehr oder weniger indirekt den Menschen zu entmündigen scheinen.
Algorithmen scheinen unser Dasein in Zukunft zu bestimmen: und diese
Zukunft hat schon angefangen. Wahrscheinlichkeiten, mit denen ein
bestimmtes Ereignis eintritt, welche Nachrichten wir lesen und welche
Konsumartikel wir kaufen, wie wir von Behörden belangt werden und
welche Partei wir wählen: alles automatisiert und nach
Wahrscheinlichkeit vorhergesagt. Wo da ein Bedürfnis nach Über- und
Durchblick bleibt? Nach „Grundwerten“? Demokratie? Wie wohl die
Juristerei damit umgeht? Ob das alles auch eine Machtfrage ist? Wem
bedeutet dies etwas Konkretes? Wer einen praktischen Versuch mit
Algorithmen unternehmen will, startet seine Suchmaschine. Selbst ihre
Ergebnisse erscheinen verdeckt und ihre Kriterien erschließen sich
möglicherweise nicht so schnell. Tatsache ist, dass Algorithmen
vieles sogar besser zu wissen scheinen, als wir selbst. Der Mensch
wird bei ihnen eine vorhersagbare Masse, die es zu steuern gilt. Doch
nach welchen Kriterien? Ob "der Staat" diese vorgibt, wie jetzt bereits in einigen Ländern? Oder Firmen? Oder "Experten"?
Montag, 16. Juli 2018
Minority Report
Es gilt, herausfinden,
dass man ein „Gefährder“ ist, ehe man sich dessen selbst bewusst
wird. Das hatte schon der Film „Minority Report“ mit Tom Cruise
zu Anfang der Jahrhunderts gezeigt. Mittlerweile scheint es Software
zu geben, die genau das leisten will und den Entscheidungsträgern
Maßnahmen nahe legt. Die Unberechenbarkeit ist dann Anomalie, sie
passt nicht so recht ins System, Algorithmen beherrschen das Feld.
Derzeit findet man jede einzelne Maßnahme der digitalen
Industriemachthaber ganz gut. Sie scheint die Wirklichkeit
angenehmer, effizienter, besser zu machen. Die Summe all dieser
Elemente freilich bringt eine andere Gesellschaft hervor. Das
Menschenbild der Aufklärung: von seiner Urteilskraft frei Gebrauch
machen. Herr seiner eigenen Taten werden. In diesem Sinne
unberechenbar sein. Google & Co will uns von der Diktatur der
Freiheit befreien. Sie wissen alles im Voraus über uns. Sie scheinen
es uns angenehm zu machen, damit zurecht zu kommen. Alles scheint
„smart“ zu werden. Derzeit gilt und ist das Gebot der
Wirklichkeit, herauszufinden, wie solche Smarttechnologien und von
den großen Internetkonzernen lancierten Antwortsysteme mit
phantasiebeladenen Frauennamen in unser Leben kommen.
Es gilt da nicht, eine
einzige große Entscheidung zu treffen, sondern in ganz kleinen
Stückchen via Bequemlichkeit Annehmlichkeiten, Fiktionen oder
Virtual Reality das anzunehmen, es unmerklich zu übernehmen. Eine
digitale Wirklichkeit schleicht auf diese Weise in mein Leben, so
dass ich in einem nahezu unmerklichen Übergang und unter gewissem
propagandistischen Aufwand in eine bestimmte Realität komme, hinein
manövriert werde. Dazu werden unter anderem eigene Fernsehsendungen
produziert und „Fachartikel“ in Zeitungen/Zeitschriften lanciert.
Es entsteht ein sozialer Druck, der uns bedeutet, dass wenn wir auf
der Höhe der Zeit sein wollen, wir uns solchen Systemen nicht
verschließen können. Wir sollen mitmachen, wenn wir dabei sein
wollen. Der Staat gibt dann den willfährigen Assistenten, der uns
bedeutet, dass sich doch alles letztenendes um Sicherheit drehe.
Alles muss digitaler werden. Behaupten irgendwelche wichtigen
Gesichter, die letztenendes auch unwichtig sind, auf die sich
jedenfalls niemand berufen kann.
Dienstag, 10. April 2018
Selftracking
Selbstüberwachung durch
Tracker. Alles bearbeiten. Mathematische Formeln können uns
berechnen. Unser Verhalten. Beinahe alles, was wir tun, wird erfasst
und abgespeichert. Algoritmen errechnen Wahrscheinlichkeiten für
unser Tun und legen dar, dass wir so etwas Besonderes nicht sind, für
das wir uns so gerne halten. Gewohnheiten treiben uns. Festgelegte
Strukturen. Drängen in etwas hinein, was wir sind und wie wir uns
verhalten werden. Schon der uralte Film „Minority Report“ mit Tom
Cruise zeigte uns das. Verhalten wird vorhersagbar sein. In diesem
Fall geht es um abweichendes Verhalten, um Mord und Totschlag. Jetzt:
Über unser Smartphone erzeugen wir dauernd Daten über uns und
unsere Umwelt. Computer, Sensoren und Kameras halten fest, machen
auswertbar, vorhersagbar. Die Datenmenge explodiert. Und unser ganzes
Leben wird berechenbar. „Predictive Analytics“. Vorausschauende
Analyse. Auch die Polizei macht sich dies zunutze. Anhand eines
Algoritmischen Programms versucht sie Verbrechen zu verhindern, die
noch gar nicht begangen worden sind. Verhalten vorher sagen (und
danach Handeln: Ungesetzliches verhindern oder Konsum stimulieren,
etwa im Falle einer ganz bestimmten Kaufentscheidung...). Regelmäßige
Muster entdecken, per Computer. Auch Gesundheitspolitik ist damit
möglich. Erkrankungen und Epedemien voraussagen. Früherkennung von
Krankheiten. Verhaltens- und Aktivitätsmuster dafür analysieren.
Verhinderbare Krankheiten verhindern. Mit Selftracking die
Gesundheitsvorsorge verbessern. Sich selbst überwachen – und zwar
so, dass man nicht mehr zum Arzt muss. Daten generieren, die bloß
nicht in die falschen Hände geraten sollten. Bestimmte Krankenkassen
hierzulande leisten noch Schwüre darauf. Noch. Das alles könnte ein
gesellschaftliches Klima erzeugen, in dem man sich verdächtig macht,
wenn man sich nicht genügend überwacht. Erste Tendenzen dazu machen
wir gerne in China aus, - aber sie sind wohl auch hier im Anmarsch.
Dienstag, 16. Mai 2017
Rolle
Was ich aus meiner Soziologie-Zeit in Aufschreiben an Notizen über
den Begriff „Rolle“ gefunden habe (ich studiere auf diese Weise
meine Vergangenheit, meine Einflüsse, meine Bewusstseinsstufen –
und was davon ich mit Anderen geteilt habe):
„Die Rolle ist ein „Komplex von Erwartungen“ an eine Person, die eine bestimmte Position in einem sozialen System einnimmt. ….Die Rolle ist die Grundeinheit eines Systems sozialer Beziehungen. Man unterscheidet zwischen angeborenen Rollen (z.b. Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Schichtzugehörigkeit....) und erworbenen Rollen (z.b.Bildung, Religion, Lebensstil...) und Rollenattribute (z.b. Aussehen, Kleidung).
Rollenkonflikte: Bei der Interaktion zwischen dem Einzelnen und dem sozialen System treffen immer mindestens zwei Erwartungen aufeinander. Diese müssen wahrgenommen, interpretiert, abgewogen und im Sinne des tatsächlichen Verhaltens entscheiden werden. Wenn die Erwartungen nicht zusammen passen, kommt es zum Rollenkonflikt. Dabei unterscheidet man zwei Arten: der Intrarollenkonflikt. Dabei liegen verinnerlichte Erwartungen, Erwartungen von außen und eigene Bedürfnisse im Konflikt. Beim Interrollenkonflikt zwischen dem Einzelnen und der jeweiligen Bezugsgruppe besteht Uneinigkeit über das tatsächliche Rollenverhalten. Beispiel? Die Rolle „Lehrer“ ist möglicherweise nicht klar definiert. Daraus ergeben sich Widersprüche. Aber auch: Rollen sind klar definiert, widersprechen sich aber teilweise.
„Die Rolle ist ein „Komplex von Erwartungen“ an eine Person, die eine bestimmte Position in einem sozialen System einnimmt. ….Die Rolle ist die Grundeinheit eines Systems sozialer Beziehungen. Man unterscheidet zwischen angeborenen Rollen (z.b. Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Schichtzugehörigkeit....) und erworbenen Rollen (z.b.Bildung, Religion, Lebensstil...) und Rollenattribute (z.b. Aussehen, Kleidung).
Rollenkonflikte: Bei der Interaktion zwischen dem Einzelnen und dem sozialen System treffen immer mindestens zwei Erwartungen aufeinander. Diese müssen wahrgenommen, interpretiert, abgewogen und im Sinne des tatsächlichen Verhaltens entscheiden werden. Wenn die Erwartungen nicht zusammen passen, kommt es zum Rollenkonflikt. Dabei unterscheidet man zwei Arten: der Intrarollenkonflikt. Dabei liegen verinnerlichte Erwartungen, Erwartungen von außen und eigene Bedürfnisse im Konflikt. Beim Interrollenkonflikt zwischen dem Einzelnen und der jeweiligen Bezugsgruppe besteht Uneinigkeit über das tatsächliche Rollenverhalten. Beispiel? Die Rolle „Lehrer“ ist möglicherweise nicht klar definiert. Daraus ergeben sich Widersprüche. Aber auch: Rollen sind klar definiert, widersprechen sich aber teilweise.
Montag, 29. August 2016
Handlungsvorhersage (2)
In meinem Blog „Handlungsvorhersage“ vom 12.7.2016
hatte ich es thematisiert. Jetzt scheint die neueste und gestern
gesendete Folge des ARD-Tatorts es auch aufgenommen zu haben (ich
habe das nicht gesehen...). Es gibt Programme der Künstlichen
Intelligenz, die sich bisher vor allem die Polizei zu eigen gemacht
hat. Mit ihnen scheint es möglich zu sein, Verbrechen vorauszusagen.
Mir war zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Blogs schon bekannt,
dass die amerikanische Polizei dieses System bereits anwendet. Nun
scheint es endgültig in den Mainstream eingewandert zu sein. Die
Entwickler des intelligenten Computerprogramms im Tatort taufen
ihre Schöpfung auf den Namen "Bluesky". Was zum
Dreh-Zeitpunkt des Films „Minority Report“ mit Tom Cruise im
Jahre 2002 noch so etwas wie Science Fiction war, scheint inzwischen
Wirklichkeit geworden zu sein. Das amerikanische System funktioniert
so: Die Software errechnet die Wahrscheinlichkeit, mit der sich
Verbrechen in verschiedenen Gebieten wiederholen. Dazu wertet das
System unter anderem die Polizeiberichte des Vortages aus.
Jahresstatistiken über Stadt- und Bevölkerungsentwicklung helfen
dabei, besondere Risikogebiete zu identifizieren. Wurden innerhalb
von 72 Stunden zwei Einbrüche in
demselben Wohngebiet registriert, liegt ein Ausnahmefall vor –
liegt die Anzahl dieser Fälle deutlich über dem Durchschnitt,
schlägt die Software Alarm und kann selbständig dazulernen, in dem sie ihre Datenbasis verbreitert. Die Polizei kann dementsprechend mehr
Einsatzkräfte in dem Risikogebiet auf Streife schicken. Die Pülizei der mir
nicht gerade fern liegende Stadt Stuttgart vermeldete nach dem
Einsatz dieses Systems 30 Prozent weniger Einbrüche im Jahr 2015. Natürlich sind auch andere Einsatzgebiete dieses ständig erweiterten Systems denkbar.
Dienstag, 12. Juli 2016
Handlungsvorhersage
Wie spannend war das denn? Man saß damals anders im
Kino. Auf einen Tipp meiner Freundin sah ich 2002 mit ihr
zusammen den Film „Minority Report“ an, mit Tom Cruise. Typischer
Science-Fiction-Kracher, so dachte ich damals! Großartig gespielt,
aber die Handlungshintergünde ein bisschen wirr. Vorhersehbarkeit
von Taten zu proklamieren und sich dann andere Augen einsetzen lassen,
weil das Verhalten an den Augen abzulesen sei, wäre dann doch zu aberwitzig. Hm. Ich dachte gar nicht weiter
darüber nach. Es schien mir dermaßen irreal. Und jetzt lese ich,
dass Tatenvorhersage von der Polizei in den USA schon lange
praktiziert wird. Die haben ein kleines Ding, das an ein Programm
angeschlossen ist, das hohe Wahrscheinlichkeiten über das Verhalten
gewisser Personen(gruppen) ausspuckt. So fahren denn die Polizisten
sehr viel früher zum Tatort, ehe etwas Kriminelles passiert. Und
tatsächlich, es geschieht allzu oft: der Algorithmus hat recht
gehabt, ein Verbrechen wurde begangen. „Predictive policing“,
vorausschauende Polizeiarbeit heißt das. Mittlerweile soll es schon
so weit sein, dass es sich nicht gerade empfiehlt, sich längere Zeit
vor einem Regierungsgebäude aufzuhalten, weil das Programm dann
prognostiziert, dass man unter Umständen Böses im Schilde führt.
Es passt einfach nicht ins Muster. Was scheinbar näher ist: Wer bei
einem Online-Händler ursprünglich amerikanischer Herkunft einkauft,
kriegt postwendend die Empfehlung „Sie könnten auch folgende
Artikel interessieren“. Worauf eine Liste der Dinge auftaucht, die
tatsächlich ins Muster passt. Der Algorithmus lernt mich auch immer
besser kennen und sagt meine Bedürfnisse voraus. Es ist dies also
etwas, was in dieser oder jener Form längst und weitgehend unbemerkt
Einzug in unseren Alltag gehalten hat. Dass anhand von körperlichen
Merkmalen ein Verhalten erschlossen wird, ist auch nichts Abseitiges
mehr. Die Vision hat die Wirklichkeit eingeholt. Es werden von großen Institutionen nund Konzernen Daten
über uns gesammelt („Big Data“), die Kaufentscheidungen mit
steigender Wahrscheinlichkeit voraussagen können. Dementsprechend viel wert sind schon jetzt diese Daten.
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