Reise durch Wirklichkeiten

Samstag, 31. Oktober 2020

Geldtransfers

Unsere Städte veröden sichtlich. Doch wer sind die Akteure? Manche kaufen Restaurants, Hotels, Häuser. Eine Gesellschaft im Ausland haben sie zuvor längst gegründet, in einem Steuerparadies. Sie kaufen eine Immobilie und zahlen mit „sauberem“ Geld. Solche Immobilien verkaufen sie dann der ausländischen Gesellschaft, - also ihnen selbst. Indem diese Gesellschaft dies dann wieder auf dem „Markt“ verkauft, transferiert sie das Geld wieder zurück an den Ursprungsort. So wird auf der ganzen Welt Geld gewaschen und verteilt. Wenn du schmutziges Geld aus dem Ausland wieder ins Land zurück bringen willst, musst du lediglich das verkaufen, was du dir dann selbst für das Doppelte zurück verkaufst.
Die Steuerparadiese sind Orte, an denen sich legaler und illegaler Kapitalismus treffen.
Vermögende jeglicher Art haben einen Teil oder ihr ganzes Vermögen in Steuerparadiese geschafft. Banken haben ihnen dabei geholfen. So vermischt sich alles. Was wird aus diesem Geld? Es wird in Unternehmen, Hotels, Kunst, Fußballmannschaften oder Geschäfte investiert. Sein Ursprung lässt sich nicht mehr zurück verfolgen. Die großen amerikanischen Finanz- und Tech-Konzerne suchen vor allem Orte, an denen sie wenig Steuern zahlen müssen. So zahlt mancher Arbeitnehmer 60 % Steuern, während solche Konzerne mit einstelligen Steuerzahlungen davon kommen.

Freitag, 30. Oktober 2020

Straßenkadaver (Songtext)

Straßenkadaver Da liegt etwas auf der Straße herum das im Weg war das einst flauschig war und weich doch das hat ihm nicht genützt, es war im falschen Moment unterwegs es war im Weg, geblendet von der anderen Welt die rast, die rennt, die immer auf dem Sprung ist zu etwas, von dem sie nichts weiß oder das ihr befohlen wurde, überfahren, überrumpelt zu Tode gebracht bei läufig im Weg, ein Kratzer am Kotflügel es läuft ihm etwas aus dem Maul seine Augen liegen starr und klagen mich an, nur mich warum ich und nicht der andere? Die Fragen stehen auch bei uns im Raum Glück gehabt, Pech gehabt zertrümmert, zerstört, entstellt es war im Weg, geblendet von der anderen Welt alles in einem Augenblick, ein ungleiches Treffen doch dann fiel ich ab, vom Glauben, vom Sehen, vom Merken Kolateralschaden, es passt nicht mehr rein, nicht mehr dazu, das ist halt so eines Tages werden wir vielleicht alleine sein, und dann vielleicht merken, dass wir etwas Wichtiges verloren haben

Mittwoch, 28. Oktober 2020

Kommerzbewusstsein

Als nahezu frivol empfinde ich gerade heute, wie gewisse TV-Privatsender zum nächsten Block ihrer Werbespots übergehen, nachdem sie die fürchterlichsten und niederschmetternsten Botschaften kurz zuvor gesendet haben. In einer solchen Wirklichkeit sind wir inzwischen angekommen!, so denke ich mir. Werbespots scheinen mit aller Konsequenz ein integraler Bestandteil unserer Existenz zu sein. Nach meiner Meinung ist eine der Konsequenzen: wir werden in eine Vorstellungswelt entführt, in der alles positiv auf Konsum ausgerichtet ist, auch mithilfe von „Fake News“. Menschen werden mit allen Mitteln dazu erzogen, solchen Versprechungen von künstlichen Paradiesen zu glauben. Treten wir in solche Paradiese ein, so ist meist das Geschäft mit uns schon gemacht, der angestrebte Profit erzielt, der Schein als solcher entlarvt – es sei denn: wir versuchen krampfhaft, uns weiterhin in solchen künstlichen Paradiesen aufzuhalten. Insofern scheint es mir durchaus auch Gemeinsamkeiten mit dem anhaltenden Gebrauch von Drogen zu geben. Die hässliche Wirklichkeit holt uns immer wieder ein.

Montag, 26. Oktober 2020

Die Wisser

Es treten die Wisser auf: gut frisierte, schlagfertige spitzzüngige Vertreter einer gesellschaftlichen Formation, die sich in Demokratien gerne als  „alternativlos“ gibt. Dabei gehen diese Vertreter einer vierten Macht im Staate mit den Fakten oft genug so um, dass es in ihre ureigene Weltdeutung passt, die natürlich alle „vernünftigen“ Menschen teilen sollen. Da sind clevere PR-Strategien dahinter! Gewisse Vertreter dieser Spezies gehen inzwischen sogar einen Schritt weiter, indem sie behaupten, dass Realität derart gestaltet sein solle, dass sie „Faszination“ ausübe, dass sie "emotional besetzt" sei. Und so scheinen auch ganze Geschichten mit handelnden Personen und allem Drum und Dran inzwischen frei erfunden. Von der Phantasie geliefert. Ein großes deutsches Wochenmagazin, das sich gerne für seine Wahrheitsliebe rühmt, lieferte erst neulich den peinlichen Beweis dafür. Im gesamten Flow ist das natürlich völlig egal. Der derzeit noch amtierende Präsident einer Weltmacht führt es zudem unter dem Stichwort „Fake News“ schon länger vor, wie so etwas funktioniert. Er benutzt dies zur Beschimpfung und Diskriminierung. Hinzu kommt, dass selbst die hoch eingeschätzte Wissenschaft nicht mehr so glaubwürdig daher kommt, scheint sie doch in Person und Sache käuflich zu sein. Wer ein bestimmtes Gutachten mit einem bestimmten Tenor bestellt, sollte jedenfalls ein offenes und gut bestücktes Portemonnaie haben.

Samstag, 24. Oktober 2020

Menschenführung

Ich weiß nicht, wie ich die News bewerten soll, dass bestimmte Personen, die hierzulande die Bewegung „Fridays for future“ repräsentieren, den einflussreichen Familien des Besitzbürgertums entstammen. Klar, ihre Argumente sind dadurch nicht schlechter. Es geht nicht um Personen. Andererseits besteht der Verdacht, dass mit diesem öffentlichen Engagement bestimmte Interessen verknüpft sind, übrigens nicht nur materieller Art, sondern auch diejenigen der sogenannten „Selbstoptimierung“. Offenbar sind es jene von kleinauf auf „Führung“ getrimmten Personen, die auch auf einem Parkett den Ton angeben, das sich gerne als offen und nahezu basisdemokratisch gibt. Sie sind offenbar darauf trainiert, sich in den Vordergrund zu spielen und dann kurzfristige Trips zu ihrem eigenen Vorankommen und der persönlichen Karriere zu nutzen. Bewegungen, Vereine, personelle Zusammenschlüsse wären für solche Personen nur ein Sprungbrett, ein Vehikel, um im persönlichen Sinne voran zu kommen.

Freitag, 23. Oktober 2020

Einsamkeit und Geselligkeit (Fernando Pessoa)


Dies hier hat Fernando Pessoa in seinem "Buch der Unruhe" geschrieben: "Um verstehen zu können, habe ich mich zerstört. Verstehen heißt das Lieben vergessen. Ich kenne nichts, was gleichzeitig falscher und bedeutungsvoller wäre als der Ausspruch Leonardo Da Vincis, wonach man etwas nur lieben oder hassen kann, nachdem man es verstanden hat.
Die Einsamkeit verwüstet mich, die Geselligkeit bedrückt mich. Die Gegenwart einer anderen Person wirft meine Gedanken aus der Bahn, ich träume von ihrer Gegenwart mit einer besonderen Zerstreutheit, die meine analytische Aufmerksamkeit nicht zu definieren vermag."

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Launchtime

Jetzt muss mal endlich mal eine neue Seite, eine Homepage „gelauncht“ werden. Doch da durchzuckt eine Mitteilung den Bildschirm: „Bitte warten, während das Problem von Windows an Microsoft übermittelt wird“.
Selbst ehemalige Dichterfürsten befleißigen sich solchen Sprachgebrauchs und geben sich zeitgemäß. Es ist dann auch gerne von „Quality-Time“, „Selfness“, "Life Work Balance" und VIP-Qualitäten die Rede: ganz wichtig!, so muss es sein! den "Tipping Point" erreichen, den "Break through" schaffen, den "Break even point" sopwieso.....
Hauptsache, wir shiften und sind online. „Alles beginnt mit dem Glauben an sich selbst“: Eine kleine Alltagsweisheit ist da schnell nachgeschoben und schon ist man zum abseitigen Kackhorst gemacht.

Dienstag, 20. Oktober 2020

Ego-Integration

Ich stoße auf erstaunliche Verständnislosigkeit meinen Reisen in meine eigene Vergangenheit gegenüber. Es wird für Nostalgie gehalten. Dabei sollte doch alleine schon mein Interesse für die gegenwärtige Situation dieser jeweiligen Kommunen, für ihren „Sitz in der Welt“, stutzig machen und relativieren. Möglicherweise will ich etwas in mich „heimholen“, was einst zu selbstverständlich im Strudel der Zeit vorüber ging. Man lebte damit, versuchte, damit zurecht zu kommen, sich zu arrangieren, es zu gestalten. Es umgab einen wie ein Kokon der Selbstverständlichkeit. Dabei freilich hat es einen auch beeinflusst......auf verschiedene Weisen.......Wäre man an einem anderen Ort unter anderen Verhältnissen aufgewachsen, wäre man womöglich ein anderer geworden. Ich suche nach dem „göttlichen Funken“, der Substanz des Ich.....ich schrieb 2012 in einer Besprechung eines Joe-Jackson-Konzerts „Nein, der Mann ist nicht senil-sentimental geworden, er will ja seine Vergangenheit nicht einfach zurückholen. Heimholen will er sie, nach all diesen Rollenwechseln, nach diesen künstlerischen Häutungen der vergangenen zwanzig Jahre, in seine Persönlichkeit neu integrieren will er sie, das spürt jeder.“

Memento Mori (Foto)

Memento Mori (Foto: H Bauer)

Am Rand

Montag, 19. Oktober 2020

Sich und sein Gesicht verkaufen

Ich wundere mich, wer alles an selten dämlichen Ratespielen, Kaufshows, Verlosungen, Zurschaustellungen, name-droppenden Einblendungsorgien und Quiz-Veranstaltungen teilnimmt: Leute, von denen man bis dato relativ viel gehalten hatte, zeigen sich einem plötzlich von ihrer vulgären oder peinlichen Seite, weil sie dafür wohl (viel) Geld bekommen. Dass diese Form modern zeitgemäßer Prostitution angesagt ist: okay! Aber dass diese Personen dabei mitmachen, kann einen wie mich manchmal schockieren. Wenn sie dann so offensichtlich bekennen, dass sie das Gegenteil von dem leben, was sie im Showgeschäft zeigen, kann es einem die Sprache verschlagen. Gegen den Klimawandel engagierte Menschen entpuppen sich dann als üppig ausgestattete Luxuswesen, denen es nichts ausmacht, öfter mal den Flieger zu nehmen, um von A nach B zu kommen: „Weil‘s schneller geht“. „Weil‘s schöner ist“. Leute, die öffentlich für Konsumverzicht standen (was einem immer schon etwas unglaubwürdig vorkam), führen ihre prall geführten Kleiderschränke vor oder prahlen mit dem eben angeschafften Lamborghini. Ein smarter Zynismus scheint bei ihnen so gut wie alles zu überziehen. Eher beiläufig wird dann gegen „Tugendwächter“ gewettert, „Denkverbote“ werden gewittert. „Gesinnungspolizei“ wird als „ugly“ abgemahnt, „Gutmenschen“: das geht gar nicht! - was für Personen sind das? Gleichen sie gewissen Politikern, die ihr Recht anmahnen, als „private“ Person ganz anders zu sein, wie als öffentliche und ganz andere Standpunkte zu vertreten?

Freitag, 16. Oktober 2020

It does make no Sense (Songtext)

IT DOES MAKE NO SENSE


This sense does make no sense
it's just like a cheap defense
Words only are sounding
like a sense
it does make a fence
Words can be like friends

Words will use you
with a promise to be true
But you should use them
and not making any Bubbes, and subbling (?)
they are a double Trouble
a muckraker
a luckfaker
a Stone-Maker for
a silly bone-breaker
faker


Donnerstag, 15. Oktober 2020

Nostalgie (2)

Du würdest gerne einmal die Zeit anhalten, festhalten. In dich hinein holen. Deshalb bist du deshalb so oft zurück an die Orte deiner Kindheit gefahren. Genau diese Kindheit in mich herein holen, darum ging es mir. Eine ganze Persönlichkeit werden. Eine komplettere. Durch mich selbst. Ich habe stets das Disparate zusammenzudenken versucht, das, was nicht passt, die Gegensätze zusammen zu zwingen, sie zueinander zu biegen, - wie in meiner Musik und meiner Denke. Die unerwarteten Brüche anstreben. Das Uneinheitliche. Neue kreative Räume dadurch erschließen, sollten für mich dadurch aufgehen. Meine jüngste Musik aber ist auch eine Erinnerung an meine Vergangenheit, mit heutigen Mitteln realisiert. Sie hat sich dazu (rück-) entwickelt. Ich merke, wie ich schon länger dabei bin. Im Leben und in der Musik. Ich suche dazu die spontanen Ergüsse. Den Versuch, in sich zu finden, spontan auszugraben und dadurch Authentisches zu finden, - noch nicht aufgegeben. Damals, in den Achtzigern, war das ein scheinbar vorgegebenes Ziel. Es war weithin akzeptiert, wenn auch unterschwellig.
Heute mache ich das aus einem weiteren Gesichtskreis heraus. Natürlich sind andere besser darin. Klaro. Das habe ich aber vergessen. Andere sind immer besser. Das habe ich gelernt. Meine eigenen Wurzeln anzuzapfen, ist mein Ding, dem ich nachgehen will. Es kommen zu lassen, statt es bewusst herbei zu führen. Einen Ausgleich dadurch zu schaffen. Ich will versuchen, möglichst das aus mir heraus holen, was in mich hinein gegangen ist. Darüber zu staunen, dass ich das auch bin. Und dann zu spielen mit Stilmitteln, mit Verweisen, mit Anspielungen, indirekt, unaufdringlich, nicht notwendig dem Dekonstruktivismus zugewandt. Kein intellektuelles Konzept verwendend. Eher meine Biografie umsetzend. Mir selbst folgend. Mir im weiteren Sinne. Meine Brüche. Mein Zerfallen im Nichts auch. Die sanften und unsanften Nabel der Digitalisierung aufnehmend. Die kollektiven Verweise. Meine Undeutlichkeiten und mein Versuch, deutlicher, klarer, übersichtlicher, allgemeinverständlicher zu werden. Meinen Spekulationen spielend Formen geben. Auch im scheinbar Konventionellen und allzu Einfältigen. Strukturen einsetzen, aber sie nie allzu ernst nehmen. Die „grauen Anzüge“ von einst haben heute einen anderen Inhalt. Sie sind reine, unkennbare und anonyme Funktionsträger, Alpha-Tiere auch weiblichen Geschlechts, die ihr öffentlich dargebotenes Ich auftreten lassen, die es als Vorbild und Leitbild präsentieren. Künstler passen sich ihnen gerne an, ja, sie lassen sich oft allzu willfährig zur Werbung und in der Trash-Showwelt missbrauchen. Ich nicht. Ich alter Negativist......

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Der Unzufriedene (F. Hölderlin)

Der Unzufriedene


»Schicksal! unglücksvolle Leiden
Heißt du Sterblichen die Freuden,
Die die steile Laufhahn hat,
Grausam rauben. Bange Tränen,
Die sich nach der Bahre sehnen,
Zu erzwingen ist dein Rat.«



Montag, 12. Oktober 2020

Valerie (18)

 Er hatte das Gefühl, man hätte sich etwas gesagt, über small-talk hinaus, hätte sich gegenseitig überrascht, ich dann aber doch wieder zurück gezogen vor der Courage des Anderen und der eigenen. Man wusste nicht so recht damit etwas anzufangen. „Situation normal, all fucked up!“. Im Schatten war er etliche Male mit der Hand an ihrem Bein entlang geglitten, was sie jedes mal mit einem Lächeln quittierte, was ihn leicht verlegen machte. So fuhr man wieder einige Kilometer schweigend nebeneinander her. Ihm fiel auf, dass draußen plötzlich die Sonne schien. Die Natur schein den Schleier, mit dem sie sich umgeben hatte, langsam abzulegen. Der Regen hatte eine Klarheit geschaffen, die Dinge wollten scheinbar wieder wagen, sich zu zeigen. War er von der Stelle gekommen? Er fand vieles abwechslungsreich und wertvoll. Er beschloss, langsamer zu fahren.

Valerie fing an, ohne dass er irgendetwas gefragt hätte, von ihrem Studentenleben zu erzählen, von Prüfungen, die sie zu bestehen hatte oder nicht bestanden hatte, von Geldnöten und mangelnder Kommunikation unter den Studenten, vom Druck, dem sie sich ausgesetzt fühlte, - auch von der Freiheit, die man als Student trotzdem genoss. Da war wieder diese Vertrautheit in der Stimme… aber sie war keinesfalls geschwätzig. Man versuchte, sich zu verstehen und nicht nur eine Unterhaltung zu führen.

Sonntag, 11. Oktober 2020

Die Norm

Ein würdevolles Leben führen. Als Ziel. Für alle. Jetzt und in Zukunft. Es könnte uns bevorstehen als eine Art riskanter Sprung in die Zukunft. Eingeführt in eine Normalität, in eine Selbstverständlichkeit, die alle Menschen umgeben soll. Alle. Technologische Möglichkeiten dazu könnten bereits vorhanden sein. Bleibt nur noch die soziale Polarisierung: den einen Menschen soll es möglich sein, den andern nicht. Oder? Wollen wir das? Wir sind da hinein geworfen. Müssen uns damit auseinander setzen.
Wir aber haben unter Umständen damit zu tun, von einem Tag in den nächsten zu kommen. Müssen Demütigungen und Diskriminierungen trotzen, so gut es geht. Müssen Pech verkraften. Wie konnte das möglich sein, dass noch vor kurzer Zeit Frauen nicht wählen durften?, so fragt man sich schon heute. Man kann es sich nicht mehr vorstellen. Die Entwicklung scheint in kürzester Zeit fortgeschritten. So könnte es auch mit einer Energiewende sein. 
Es könnten sich zunächst diejenigen zusammenfinden, die die Vision haben und dafür etwas verändern wollen. Es scheint zunächst, als passiere nichts, - außer Protest. Doch dann wird ein Problem doch noch gesehen, es kann nicht mehr übergangen werden. Es wandert das Angestrebte, das Ziel, unaufhaltsam in die Normalität ein. Bedenken und Argumente dagegen sind natürlich präsent. Aber es steht im gesellschaftlichen Raum die moralische Aufforderung: eigentlich müsste man, sollte man...., aber... Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze etc. ... Es bilden sich zudem Gruppen, die alles verdrängen wollen, die Probleme leugnen und damit zunächst viel Zulauf damit finden. Doch dann vollzieht sich der Sprung. Eine Umorientierung setzt sich fest. Wahrscheinlichkeiten bröckeln. Etwas wird da sein. Der Kompass wird sichtbar. Ein Thema wird wichtiger. Gewisse Menschen und die Realität werden das in den Vordergrund ziehen ziehen. Rückblickend wird es kaum zu begreifen sein, dass man nicht schon viel eher in die richtige Richtung abgebogen war. „Normal“ ist etwas anderes geworden.

Samstag, 10. Oktober 2020

Satire, wir stehen Schmiere

Satire? Darf alles, kann alles – so das Verdikt. Mir scheint, dass es sich unter diesem Mantel recht wohl anfühlt. Es ist wohl eine Art Schutzschild. Gleichzeitig wirkt sie, diese Satire, auf mich befreiend. Ich bin froh, dass es beispielsweise so etwas wie die „Heute-Show“ im deutschen Fernsehen gibt. Es wird da oft der doppelte Boden gezeigt, auf dem sich die „offizielle“ Politik bewegt. Das, was uns vorgespielt wird, das, worin wir gezielt getäuscht werden sollen. Die menschlichen allzumenschlichen Schwächen dieser öffentlichen Akteure werden vorgeführt. Die Inszenierungen. Die Lächerlichkeiten. Es wird angedeutet, dass vieles vielleicht anders sein könnte. Dass es sich zumindest lohnt, darüber nachzudenken. Was ich nicht verstehe, ist das Geheule von Journalisten, die durch eine solche TV-Sendung die Demokratie in Gefahr sehen. Mir scheint, solche Leute nehmen den Zirkus unter der Käseglocke in Berlin zu ernst. Sie identifizieren solches Gehabe mit der Demokratie. Wenn es so wäre, wäre es sehr schlecht bestellt um die Demokratie. 
Die allzu seriös auftretende Front der Politik lächerlich zu machen und sie als Trottelbande vorzuführen, erscheint mir als verdienstvoll, als Fingerzeig darauf, dass hier auch nur Menschen mit all ihren Fehlern, mit ihren Taktierereien, mit ihren Eitelkeiten und ihrer Gier am Werke sind. Dass solche Darstellungen bzw. Entlarvungen so  etwas Politikverdrossenheit erzeuge, damit müssen diese Politikdarsteller leben. Klaro gibt es da viele mit überzeugender moralischer Einstellung. Aber es scheint auch viele Figuren zu geben, denen es vor allem um Geld, Macht und Einfluss geht. Dass dies relativ leicht zu belegen ist, weist auf den Zustand der Politik nicht nur in diesem Lande hin. Man sollte sich darüber lustig machen, man sollte es begrinsen – wenn man solche Figuren schon nicht belangen oder sie zur Verantwortung ziehen kann.

Freitag, 9. Oktober 2020

Altern

Wir begegnen älteren Menschen, die in Pflege sind. Die hilflos sind. Können wir uns da hineinversetzen und uns selbst dahinter erkennen? Ist es so, dass in solchen Personen ein ganzes Leben „gespeichert“ ist, dass sie gleichzeitig auch die Person sind, die sie mal waren? Dass sie jetzt halt in einem anderen Zustand sind, in den sie „das Leben“ befördert hat? Ob es nicht so ist, dass alle anderen Personen fortwährend älter werden und einem solchen Zustand entgegenstreben? Was ist der Tod? Ist es das, dem man entgegenstrebt? Er soll im Schlaf kommen und möglichst schmerzlos, das ist der oft geäußerte Wunsch. Ob aber bis dahin irgendwann eine gewisse Bilanz erlaubt ist, in der man feststellen kann, ob eine Existenz sinnvoll war? Oder ob das alles unwiderbringlich vergangen ist und nur (wie es jetzt modisch ist...) der Augenblick zählt? 
Eben erst gehört, dass immer weniger Leute an Demenz erkranken, dadurch aber, dass die Bevölkerung älter wird, bleibt der Demenzanteil gleich, es kommt nur später.Meine Mutter war eine stolze Frau, sehr selbständig, hatte eine dezidierte politische Meinung und diskutierte mit. Religiös war sie, hängte das aber nicht heraus. „Viele Angehörigen werden mit dem Siechtum der dementen Angehörigen gar nicht so erfolgreich fertig. Die Gesellschaft ist zwar sensibilisiert und sieht die Alzheimer-Epidemie inzwischen auch auf sich zurollen, sie kann darüber reden und auch an der nötigen Empathie (siehe Einleitung...) für die Betroffenen hapert es nicht. Aber ganz praktisch gesehen sind die wenigsten Menschen tatsächlich vorbereitet.“ Es tritt womöglich alles sehr schnell ein und verlangt einem Entscheidungen ab, für die man gar nicht genügend informiert ist. Man stolpert und taumelt in etwas hinein, Beratungsmöglichkeiten sind gut oder schlecht, - im schlimmsten Falle bringen sie einem gar nichts, gleich gar nicht in dem Tempo, das einem abverlangt wird. Man war außen und ist jetzt plötzlich selbst Handelnder.

Donnerstag, 8. Oktober 2020

Natur

Wildnis? Natur? Bedroht, Schutzbedürfnis. Arten? Straßen, Schienen, Siedlungsaktivitäten. Wo ist die Natur? Unbearbeitung. Wohin kann das führen? Natur statt Kultur. Geht schon auf Aristoteles zurück. Manch einer, meist bäuerischer Herkunft, redet mit leuchtenden Augen von „daraus könnte man etwas machen...“. Bloß gut, dass man daraus bisher noch nichts „gemacht“ hat, durchzuckt es da einen. Nicht nur fein gemahlene Schottersteine in den Gärten, Mauersteinkorbgeflecht, Beton überall und der Geruch von Diesel können einem wie mir dies Gefühl verderben. Hierzulande, in Baden-Württemberg, scheint mir schon viel zu viel daraus „gemacht“ worden zu sein. Kein Stückchen Land ist da, das nicht vom Menschen, bearbeitet, bewirtschaftet und für Zwecke genutzt wurde. Das Größte: Die Leute sind auch noch stolz darauf! Es herrscht ein Gefühl von Entfremdung von der Natur, das ganz besonders Bevölkerungen wie die der USA geprägt hat: Naturbeherrschung in jeder Dimension war dort das Thema. Flüsse begradigen und sie in riesige Staubecken einführen, mitten in der Wüste den Rasen sprengen, Straßen selbst in unwegsamste Gegenden ziehen, mit dem Planwagen durch den Westen ziehen, in Richtung auf ein Stück land, das einem dort geschenkt sei..... und vieles andere. Der Mensch arbeitet sich an der Natur ab. 
Heute ist das oft genug nur noch die Illusion von Natur. Das, was sich Menschen unter „Natur“ vorstellen. Etwas unbelassen zu lassen? Ist dem mitteleuropäischen Menschen leider oft genug zu fremd gewesen. Es trieb ihn der Gedanke um, wie man etwas ausbeuten könnte, wie man etwas „daraus machen“ könne, wie man etwas daraus ziehen könne. In vergangenen Zeiten war dieser Wunsch auch oft vom Trieb nach Überleben geprägt. Land und seine Bearbeitung waren Garanten dafür, überleben zu können, keinen Hunger zu leiden. Dies Bedürfnis ist nicht weg, sondern es hat sich in andere Regionen dieser Erde verlagert. Der böse geldgierige Brasilianer holzt den Regenwald ab, den wir ja alle für unsere Existenz so dringend brauche. Nur, was machen wir? Was haben wir gemacht? Monokulturen, gleichmäßiges Gelb, das aus Rapsfeldern kommt. Und das alles unter dem Vorwand, den Hunger von immer mehr Menschen stillen zu wollen.....

Mittwoch, 7. Oktober 2020

Heimat (7)

Das Meer? Der Wald? Die Landschaft..... Kann das auch eine Heimat sein? Das Unbestimmte bestimmen, sich darin geborgen fühlen. Es kann ein Gefühl sein, eine Übereinstimmung, Eine Übereinstimmung mit dem, was die Menschen dort machen, wie sie sind, wie sie geprägt wurden. Das bezieht sich auch stark auf die Natur dahinter, die unmerklich ihre Einflüsse ausübt, die sich „einstempelt“ in einen, über relativ große Zeiträume hinweg, ja bisweilen über ein ganzes Leben. Nach draußen gehen, die Welt sehen und dann zurück kommen. Das Gefühl, dass es dieses Zurück gibt, diese Zone, in der auch eine bestimmte Sprache gesprochen wird. Sich ernähren dort, durchkommen, weil man sich dort „auskennt“. Die spezifischen Verhaltensweisen, die Handwerkerei, das, was eine Gegend prägt, bis hinein in die kleinen Gesten. Dort, wo man sich entwickelt hat, Das hat mit Kindheit zu tun. Man hat immer schon über den Tellerrand hinaus blicken wollen. Man hat das getan, in eine Begrenztheit zurück getaucht, die man danach aber besser begreifen konnte, die man analysieren konnte, die man aus verschiedenen Blickwinkeln sehen konnte. Der Horizont war offener geworden und man erkannte sich neu, in dieser Ausgeliefertheit, an Verhältnisse, die von etwas Größerem geprägt waren.

Dienstag, 6. Oktober 2020

Im Schein der Lüge

 Ich wundere mich über die Arglosigkeit von Leuten, die an jenem Weißen Haus zweifeln, an dem schon zuvor alle Zweifel angebracht gewesen wären. Jetzt scheint mir nämlich die Strategie klarer zu werden, die hinter dem seltsamen Gebaren eines Präsidenten zu stehen scheint. Er, dem jedes Mittel recht zu sein scheint, scheint sich nämlich als „Superheld“ darstellen zu wollen, der bei der richtigen Einstellung und im Vertrauen auf „die großartige Medizin des Landes“ in ein paar Tagen auch dieses Virus zu besiegen imstande ist. Dass dabei ein ganzer Mix aus Lügen und Falschdarstellungen sichtbar wird, scheint für diese Art der Machtausübung zum „normalen“ politischen Prozess zu gehören. Was zählt, ist die Darstellung, der Schein und die Inszenierung. Auch hierbei gleicht das einer „Reality Soap“, einer „scripted reality“, auf die die „Konsumenten“ von Wirklichkeit ja ohnehin überall konditioniert und dressiert werden.

Montag, 5. Oktober 2020

Ein Stück von dem, auf dem wir alle stehen (Foto)

Ein Stück von dem, auf dem wir alle stehen

Der/das Blog

 Im Mix aus kurzen Texten, MP3s und Fotos geht es dem Blog darum, einen Spiegel des Tages- und Zeitgeschehens sowie der persönlichen Gedankenwelt des Autors zu produzieren, es geht ihm um den Wechsel von Sichtweisen, die gesellschaftlich geprägt sind, auch darum, Alltagserfahrungen zu spiegeln, aktuelle Vorgänge der Gesellschaft und Politik, es ist ein Nachdenken über Zukunft und das Sein, über den Kosmos, über vieles, was mich gestreift hat mittels Medien, es sind kurze Reflektionen von Herrschaftsverhältnissen, Gedanken über Tod und andere Gegebenheiten, etwas, das mich berührt und in mich eingedrungen ist, in der Empathie aufgehoben, in Religion und Spiritualität, Lyrik, eigenen MP3s und Fotos, ergänzt durch Songtexte verschiedenen Alters, Existenzspuren, Selbstvergewisserungen, Stammtischgequatsche, durch Tierisches, allerlei Zeugnissen meines Gangs durch die Wirklichkeit, subjektiv gefiltert, - ohne Anspruch auf Objektivität. Es soll vielleicht das spiegeln, was einer bewussten Durchschnittsperson in Mitteleuropa durch den Kopf gehen könnte. Im Mittelpunkt: Das Normale, das Leben, die Deprivierung, Angst, Zeit, Liebe, Zitate, Geld verdienen zum leben, alles in Kürze und in möglichster Konzentration, Lektürefrüchte, im Bestreben, mich möglichst verständlich auszudrücken – und: ich versuche vorläufig, einen täglichen Rhythmus einzuhalten, einen multimedialen Blog zu betreiben........

Samstag, 3. Oktober 2020

Lügen

Den aktuellen Lügenbaron hat es erwischt. Es war gestern die große Schlagzeile. Oder ob das alles auch wieder eine Lüge, eine Inszenierung war? In der Antike wurde derjenige, der andere geschickt hinters Licht führen konnte, bewundert. Es war eine große Kunst. Machiavelli meinte im 16. Jahrhundert: „Lügen, Tricksen, tarnen, täuschen – das gehört zum politischen Geschäft“. Wäre nicht eine epochale Sache dazwischen gekommen, so wäre der 300. Geburtstag von Baron von Münchhausen groß gefeiert worden: Der Lügenbaron ist einer, den jeder Angehörige des Bildungsbürgertums unbedingt kennen muss (der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen hat). 

Was bei uns etwas subkutan und uneingestanden läuft: auch wir lügen fortwährend. Ausreden sind Tagesgeschäft und die Wahrheit liegt ja ohnehin im Auge des Betrachters. Schon solche Phrasen wie „Schöner Tag noch“ usw. sind doch nicht so gemeint. Sie sind soziales Schmiermittel. Auf die Frage „Wie geht’s?“ will jemand ja auch nicht bis in alle Einzelheiten wissen, wie es tatsächlich geht. Vielmehr sollte ein „Danke! Gut!“ vorprogrammiert sein. Politiker machen es uns vor: Sie schummeln und lügen jeden Tag, beliebt sind die frechen Lügen, wenn es um akademische Grade und Doktorarbeiten geht, einmal stand auch der Verdacht im Raum, es ginge beim „Oval Office“ um ein „Oral Office“.... und vieles mehr. 

Doch die Alltagslüge hat sich auch bei uns eingebürgert: Wir lügen jeden Tag, um die Dinge für uns einfacher zu machen und andere Menschen scheinbar zu schonen oder sie nicht zu verletzen. Ehepartner sagen zueinander: „Schatz, du bist wunderschön“. „Alles gut“ passt immer. Keinen Ärger haben ist oberstes Gebot. Nicht ganz ehrliche Komplimente sind auch beliebt. Höflichkeiten sind allzeit beliebt. Die reine Wahrheit ist womöglich allzu rau und garstig. Ein Maß an Unehrlichkeit scheint wichtig zu sein für ein harmonisches Zusammenleben. Was nicht passt, blenden wir aus. Kognitive Dissonanz. Sozial gesinnte Menschen scheinen häufiger zu lügen. Sie nutzen diese Möglichkeiten für den besseren Umgang. „Soziales Geräusch“. Die Wahrheit hören, - wer will das? Sich gut fühlen heißt das Gebot. Die anderen überlisten.

Am Rande (Text lyrisch)

Vor Jahrzehnten geschrieben


AM RANDE

Wieder am Rande,
den Abgrund hinabgeblickt
Fall
in Wasser
oder auf die Erde
auf die Beine
oder den Kopf
in das Rot des Abends
verschwommen
in der Taufrische des Morgens
als wir uns umwandten,
ich mich für die Lüge entschied,
atmete ich
wieder,
und ging, das Ziel vor Augen,
auf und ab
vor dir.

Freitag, 2. Oktober 2020

Leistungsmüde

Was sind beispielsweise Rentner? Leute, die außerhalb der üblichen Verrichtungsgesellschaft stehen? Sie sind offenbar eine Art Schramme am Selbstverständnis dieser Leistungsgesellschaft. Sie stehen außerhalb von Leistung und Erfolg, eine der Voraussetzung für den „Wohlstand“ und das ständige Wachstum dieser Gesellschaft. Was ist Leistung? Kommunikationsbereitschaft, souveräne Gewandheit, Bereitschaft ins Risiko zu gehen, gepaart mit Opportunismus, der seine Chancen jederzeit zu erkennen imstande ist, Durchsetzungskraft (auch auf Kosten von anderen…), Beherrschung sozialer und egoistischer Techniken, beiläufige Einführung von Bildungskapital, Träger eines wie und wo auch immer erworbenen hohen Maßes an Anerkennung….
Doch so sind da die Leistungsverweigerer, die Abgehängten und Bildungsfernen? Diejenigen, die einer vergangenen Epoche angehören, in der man nicht das Eigentum einer Kapitalzusammenballung war? Diejenigen, die im Bewertungssystem dieser Gesellschaft keine Anerkennung mehr verdienen? Die im Alltagskampf die Zurückgebliebenen sind und im Kampf um Geld und Leistung nichts mehr „verdienen“, die dort nicht mehr aktiv mitwirken, indem sie im Wettkampf der Wachstumsorientierten austeilen und somit als „Führungskraft“ ganz vorne sind, - oder zumindest vor anderen? Geradezu raffiniert scheint mir, wie solche Spielregeln Einzelne dazu ausersehen, dass sie andere beaufsichtigen, ihnen Richtung und Orientierung geben. Kein Zweifel, es ist auf der Seite der Abhängigen ein Bedürfnis dazu da. Sie wollen und brauchen Orientierung. Ob dies aber einer Würde entwachsen ist? Leute, die aus dem Raster dieser Gesellschaft sind, scheinen sich mir oft über diese Aussortierung zu beklagen, sie meckern und empören sich, beschimpfen das System und – wie alles läuft. Doch letztenendes scheint mir das ziellos zu sein und sich in einem Raum abzuspielen, den das System von vornherein als eine Art gelittener Spielplatz und der kontrollierten Wut vorsieht…...