Reise durch Wirklichkeiten

Freitag, 21. August 2026

Where to go to.....?

Ich frage mich derzeit ernsthaft, was ich eigentlich 25 Jahre lang gemacht habe. Fest steht, dass ich unter anderem die Situation, in der ich war, als „normal“ für mich definiert habe. Grundlegende Änderungen verschob ich auf später. Diese ganzen Randbedingungen, in die ich gestellt war, sie waren mir nicht egal, aber ich sah ein, dass ich unter den gegebenen Verhältnissen nach meinem Erkenntnisstand nichts ändern konnte. Ich fühlte mich weniger als Journalist (obwohl ich auch ca. ½ Jahr in der Lokalredaktion gearbeitet hatte), denn als Musikkritiker. Dafür setzte ich meine gesamte Kraft ein, das verschaffte mir so etwas wie Sinn. Ich versuchte, mich aus allen für mich zugänglichen Kanälen zu informieren und von dort aus zu einem halbwegs ausgeglichenen Urteil zu kommen, das ich schreiberisch aber so verpacken musste, dass es mit Gewinn gelesen werden konnte. Ich ließ also oft so etwas wie Ironie und Humor (was nicht gut ankam!) einfließen, warf Fragen auf, ich versuchte, die Dinge von verschiedenen Seiten her zu betrachten, bezog Gesichtspunkte des Marketing und Perspektiven der Psychologie in das mit ein, was ich zu betrachten hatte. Ich profitierte in diesen Betrachtungen auch auf vielerlei Art davon, was ich im Studienfach Soziologie (und ein klein wenig auch von der Politikwissenschaft) gelernt hatte. Sicher, es war für mich die ganze Zeit über ein Horror, zu den abhängig Beschäftigen gehören zu müssen, so etwas wie einen „Chef“ über mir zu haben. Dies entspricht nicht meinen Anlagen. Dies widerstrebt mir. Dies taucht in meinem eigenen Kosmos nicht auf. Ich hatte stets versucht, das Allgemeine in mein Schreiben einfließen zu lassen, es mit dem Persönlichen zu konfrontieren und auf diese Weise einer alten Idee nachzukommen, die die „68er“ (ein dummer Mythos) immer propagiert hatten: Das Persönliche ist politisch und das Politische ist persönlich. Zum Persönlichen gehörte auf manche Art auch das, was ich aktiv musikalisch versuchte. Bilanz ziehend muss ich sagen, dass ich somit neue alte Perspektiven zurück gewann, dass mir der Blick der Medien auf Schaffensprozesse oft genug als suspekt vorkam. Man konnte dann oft von einer gewissen Selbstdistanz lesen dergestalt, dass ja Popmusik in Wirklichkeit etwas Primitives sei, das nahezu jedermann in kurzer Zeit erlernen könne und das nur in die Atmosphäre des Zeitgeists passen müsse, damit der „Künstler“ reich und berühmt werde. Zusammen fassend kann ich sagen: das entspricht nicht meiner Erfahrung! Dennoch: es hat sich ein Nebel der Verlogenheiten über alles und jedes gelegt. Der Mensch freilich wird in eine bestimmte Richtung dressiert, er wird trainiert, sozialisiert und konditioniert, so dass er selbst groteskeste Verhältnisse als „normal“ empfinden kann. Ich erfahre dann, dass meine Kritik oft als Spassbremse empfunden wird. Und um Spass geht es ja in unserer Gesellschaft. Alles positiv auf- und annehmen, mögen die Politiker noch so die Verdrießlichkeiten und Distanziertheiten der Deutschen als rückschrittlich und fortschrittsfeindlich brandmarken. Ob es mir in meinem ehemaligen Beruf auch so gegangen ist? Sicher, ich hatte gegen Ende meiner Laufbahn manchen Shitstorm und viele Empörtheiten aller Art zu überstehen. Es war offenbar oft angekommen, dass ich es ernst meinte. Aber ich empfand mich unter dem Schutz einer starken Marke stehend, die zwar immer mehr nachlassend, aber immerhin unter anderem auch noch vom Bedürfnis nach „Geist“ und distanzierter journalistischer Betrachtung gespeist war. Jaja, trotz allem! Man ermöglichte mir, in großer Auflage an die Leute, an die Masse, an „Pop“ zu kommen! Ich war gezwungen, mich populär auszudrücken! Ich, der ich immer daran vorbei geredet hatte! Ich, der ich mit der breiten Masse als Ego so wenig zu schaffen hatte! Ich musste schnell auf den Punkt kommen und mich spritzig ausdrücken! Mich auf Personen und Institutionen zu verlassen, hoffe ich, inzwischen völlig verlernt zu haben (wenn jemals ein Glaube daran vorhanden war…). Dies hat in meinem Falle nichts mit einer Fürsprache für neoliberale Tendenzen in der Gesellschaft zu tun! Im Gegenteil! Schon bei meinem Studium der Politikwissenschaft hatte ich ein Referat gegen die damals so populäre Privatisierung aller Lebensbereiche gehalten! Es war in meiner Person verankert. Ich hatte auch immer wieder unerkannt das „Bad in der Menge“ gesucht, wollte wissen, was diese Leute umtreibt, wollte ihre Affekte teilen (oder zumindest besser verstehen), hatte Jahrmärkte besucht und war schließlich - so etwas wie „Popkritiker“ - geworden, also jemand, der sich mit den Bedürfnissen einer breiten Masse auseinander setzen muss. Mit der Entsolidarisierung und Vereinzelung in dieser Gesellschaft wollte ich nicht so recht etwas zu tun haben. Doch ich musste zur Kenntnis nehmen, wie mich solche Tendenzen einkreisten, wie sehr ich dem in Vielem nicht entsprach oder sogar widersprach.

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