Reise durch Wirklichkeiten

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Mittwoch, 18. Februar 2026

Mitbewerber

Meine Beobachtung ist, dass in unserer Gesellschaft eine massive Tendenz zur Vereinzelung herrscht, was ein Gefühl der Verlassenheit hervorbringt. Auf der politischen Ebene sind die Parteien längst nicht mehr fähig, dies Volk zu integrieren. Vertreter der High-Brow-Kultur (Hochkultur) konstatieren das und geben geschmäcklerisch die (noch) Unbeteiligten, für deren wirtschaftliche Existenz „gesorgt ist“. Sie sind wohlerzogen und gut gekleidet. Ihr Verhalten gründet in einer Nicht-Auseinandersetzung, bzw. einem feindlich competiver Umgang mit „Mitbewerbern“. Leuten wie mir hingegen ging und geht es darum, die Wirklichkeit abseits der Wahrnehmungsbubbles anzuerkennen und sie besser zu verstehen. Ein zielführender Begriff diesbezüglich scheint mir diesbezüglich „Empathie“ zu sein. Dem gegenüber steht das „Geschäfte machen“ also der Übervorteilung des Anderen, das „Deal-making was leicht dem „Wachstum“ zugeordnet wird. Es geht um Anpassung an Strukturen, die ich persönlich für mich viel zu wenig ernst nahm. Verpönt ist das humanistisch Moralische. Dagegen wird Pragmatismus und Interessenpolitik gestellt.

Samstag, 4. Oktober 2025

Leben wie wo

Wie wollen wir leben? Wo wollen wir leben? Was bedeutet uns das? Ist da ein Hecheln, das den Siegern meistens hinterher ist. Oder wollen wir das auf der Straße mit möglichst großer Dominanz ausgleichen? Wenn wir uns selbst finden, uns herausmodellieren, oder sind wir hinter dem her, was als „Selbstoptimierung“ die Propaganda des neoliberalen Zeitgeists ist? Wollen wir Zufriedenheit anstreben, eine Sicht auf uns selbst, die eingebettet ist in ein wie auch immer geartetes Umfeld? Oder wollen wir dem hemmungslosen Egoismus frönen, der den Neoliberalismus zu seiner Idiologie hat und das Streben nach Gewinn vor allem auch auf Kosten der Allgemeinheit sucht? Was ist, was könnte Allgemeinheit überhaupt sein? Das, was Sozialisten, Kommunisten wie eine Monstranz vor sich hertragen? Der Staat? Hat der Staat nicht auch totalitäre Züge, die er uns aufzwingt, indem sich sein Apparat selbständig macht (siehe Kafka)? Ist er nicht sogar der durch Wahl scheinbar demokratisch legimierte Superkonzern, - oder ist er der Souverän? Wohlfühlen, Wellness - in dieser Welt des Klimawandels, der Ressourcenvergeudung und das massenhaften Abschlachtens von Tieren? Welche Rolle könnte da ernst genommene Ethik und Moral spielen, die gerade nicht an den Glaubenssätzen der Kirchen hängt und Tradition als einen Wert unter anderen wahrnimmt. Der es um Selbstbestimmung und Emanzipation geht? Geht es um Mäßigung, um das „richtige Maß“ oder „Maß halten“? Welche Rolle spielt da die „Sorge um sich“ (Foucault) oder sittliches Verhalten? Worin könnte dieses begründet sein? Disziplinierung und Gehorsam..... in einer neoliberal gesinnten Umwelt? In einer ausgedachten Umwelt? Wo sind wir? Wer sind wir? Sich über solche Dinge in einem lebendigen Austausch unterhalten zu wollen, Ansichten auszutauschen und sich gegenseitig dabei anzuregen, könnte eine Disziplin sein, die Zukunft hat.

Dienstag, 16. September 2025

Bubble Trouble

Dies hier habe ich als Notiz gefunden in meinem Chaos. Es beleuchtet eine „Grundüberzeugung“, wenn es das gibt. Nach der ich auch zu handeln versuche. Ich nehme hiermit auch die Diskussion auf, die zuletzt in Deutschland herrschte. Menschen halten sich in unserer ausdifferenzierten Gesellschaft in verschiedenen (Lebens-)Welten auf, bevorzugen verschiedene Stile in mancherlei Lebensfragen, sind unterschiedlich geprägt durch verschiedene Milieus oder Herkunft. Daran knüpft sich oft ein Ethos, das es zu verstehen gilt. Sich hinein arbeiten zu wollen, etwas davon erkennen zu wollen, sich selbst auf etwas anderes einzulassen, andere Zusammenhänge zu begreifen, könnte etwas wertvolles sein, was mit „Empathie“ zu tun hat. Da aber im Zeitalter des Neoliberalismus jeder für sein persönliches Glück für selbst verantwortlich erklärt wird, da jegliche Zielrichtung „Solidarität“ insofern verpönt und negativ belegt scheint, bewegt sich diese Gesellschaft immer mehr in Polarisierung, Vereinzelung und Desolidarisierung. Das Bewusstsein, für etwas Gemeinsames verantwortlich zu sein, schwindet. Überhaupt schwindet das Bewusstsein, trotz aller Individualisierung auch mit den Social Medias einem Kollektiven ausgeliefert zu sein. Verständnis füreinander schwindet, auch wenn kurz- und mittelfristige Entwicklungen dem nicht zu entsprechen scheinen. Sich ein Stück weit auf andere Lebenswelten zuzubewegen, seinen Horizont über die gewohnte „Bubble“ hinaus zu erweitern, dazu will und wollte ich andere Menschen ermuntern. Es ist dies auch durch meinen früheren Beruf, die damit verknüpften Erfahrungen und durch meine frühere Ausbildung inspiriert. Aber auch durch darüber hinaus gehende Erkenntnisse und Erfahrungen eher persönlicher Art. Neugierig auf „das Andere“ sein, sich selbst damit erweitern, andere Möglichkeiten des Daseins erwägen (auch für sich selbst), sich mitfühlend empathisch statt competetiv zu verhalten.

Montag, 30. Juni 2025

Menschen im Wettkampf

Wann hast du dich zuletzt selbst wahrgenommen? Diese Frage scheint viele Menschen unausgesetzt umzutreiben und sie in teure Selbsterfahrungskurse zu führen. Die dauernde Selbstbespiegelung, die damit verbundene Selbstoptimierung, das Selbst als Statussymbol, der dauernde Griff zum Smartphone, das unsere Lebensäußerungen immer perfekter registriert, und die Algorithmen immer perfekter programmiert, die ausufernde, uns ständig überfordernde und digital überwachte Körperkultur: das alles gehört zusammen und hat nichts mehr mit Hermann Hesses oder CG Jungs bildungsbürgerlichem humanistischen Streben nach dem Ego und der Individualisierung entgegen gesellschaftlicher Erwartungen zu tun. Stets noch besser, effizienter und authentischer zu werden, ist inzwischen ausgerufen als Ideal und widerstrebt diesem Old-School-artigen „Werde, der du bist“ vollkommen. Das Ego scheint heilig. Auf eine bestimmte Weise. Ob es da nicht weit zum Egoismus ist? Überforderung, Burn-Out, Depression, Erschöpfung, Anorexie, Bulimie, kaputte Partnerschaften, Unfähigkeit zur Beziehung.… das alles könnte ein Anzeichen für die auf Perfektion getrimmte Körperkultur und den Zwang zur Steigerung eigener Leistungsfähigkeit sein (die ganz im Sinne einer Durchökonomisierung des Menschen zu sein scheint). Der Philosoph Jürgen Habermas hat das einmal „Kolonialisierung der Lebenswelt“ genannt. Es geht um ein Leistungsdenken im Privaten. Neoliberalisierung aller Lebensbereiche. Vereinzelung scheint die Folge. Der Einzelne als Wirtschaftsobjekt. Menschen benutzen andere Menschen als Werkzeug, um an ein Ziel zu kommen. Soziale Kälte breitet sich aus. Die Diktatur des ökonomischen Denkens, seine immer weiter zunehmende Ausdehnung auf alle Lebensbereiche scheint eine Konsequenz, die individualistisch ausgerichtete Leute wie Hesse so nicht anstrebten. Aber sie erkämpften sich den Platz in einer gesellschaftlichen Elite. Hesse selbst war Literaturnobelpreisträger im Jahr 1946.

Dienstag, 8. April 2025

Kreative Selbstoptimierung

Damals war ich auf eine selbstverständliche Weise ein Teil von dieser Realität.Ich nahm das an. Heute sehe ich das Pop-Phänomen oft als eine Art hilflose Geste des Selbstausdrucks in der industriell geprägten Gesellschaft, als einen Akt der künstlerisch-kreativen Selbstoptimierung, der stellvertretenden „Verwirklichung“ eines vitalen Ichs, so wie es heute die aktuellen Verhältnisse von jedem fordern. Gefragt ist der aktive Popmusiker. Der sich verkaufen kann, der einem Influencer gleicht und nicht unbedingt im Hinblick auf Musik ein Ass sein muss. Weil das heute dazu gehört. Einer, der teilnimmt. Der sich - im Falle des Erfolgs - in Gehirne schleicht, - und zwar ganz anders als die Art und Weise, die „Künstler“ immer schon verfolgt haben. Dieser Popmusiker war einmal. Das war damals so. Heute ist er einer, der alles um sich herum geschehen lässt und sich möglichst optimal anpasst. Rührend. Ich neige auch dazu, den Mechanismus des Protests als eine typische Hysterie der ersten Lebenshälfte zu sehen, die sich nun allmählich in den blinden Reflexen der Masse verliert. Merkwürdig, dies Gehabe hatte mich früher nicht sehr berührt, obwohl ich es permanent wahrgenommen hatte. Es muss wohl so etwas wie eine Selbstverständlichkeit des Trends gewesen sein. Und diese „Normalität“ nimmt man nicht wirklich als solche wahr.

Samstag, 31. August 2024

Unsere Weltsicht

Die Alten mit ihrem Scheis, die werden uns noch heftig reinreiten in die Scheise! Haha, man war ja selbst einmal jung, jünger als jetzt und man kann deswegen ein bisschen mitreden...... Was mir auffiel an sehr jungen Menschen? Das Folgende gleicht einer Stoffsammlung, entstanden aus tausend Zetteln: Es wurden von vielen jungen Menschen oft sehr einzelne, sehr isolierte Welten hochgezogen, die als absolut gegeben betrachtet wurden. Die eigene kleine Lebenswelt. Das ist menschlich. Die eigene kleine Welt. Jede/Jeder geht von sich aus. Meine Sicht dagegen ist: diese Lebenswelten kann man verändern! Den Blick über den eigenen Tellerrand wagen. Über scheinbar vorgegebene Grenzen hinweg. Zumindest prinzipiell ist das so. Es ist schwierig. Zieht nach sich, setzt voraus: Bewusstseinsveränderung. Bessere Welt. Überwindung der Habgier. Besserer Umgang untereinander. Daran glaubten viele unter uns und warteten zu geduldig auf den schönen Sanktnimmerleinstag für alle. Währenddessen machten „zielgerichtete“ Andersgesinnte und sonstwie besser Angepasste Karriere, - auch bei den damals und heute ehemals Alternativen. Diese, uns inzwischen umgebende Gesellschaft scheint immer mehr in eine Vereinzelung abzugleiten, das, was man Neoliberalismus nennen könnte, wird aus falsch verstandenem Realismus zu schnell akzeptiert: Jeder ist seines Glückes Schmied. Überhaupt, Nachfragen sind nicht mehr in Mode, es gilt der schnelle Vollzug, - egal von was. Distanz zu sich selbst ist auf dem Rückzug und nachhaltige Empathie wird oft nur gespielt. Unter Kopfhörern, im Smartphone-Gedaddel und auf Internet-Homepages ist jeder für sich, es gilt der individuelle Tunnelblick. So macht es uns auch der Spitzensport vor. Es gilt das, was ist. Es scheint aber auch ein Bedürfnis nach Menschenführung zu herrschen: diejenigen, die sich dafür qualifizieren wollen, sollen vortreten! Neue Führer sind gefragt. Der Mensch schafft sich ab. Allerlei Verkleidungen sind angesagt. Der alternde Topmanager trägt jetzt seine dünnen wenigen Haare im Zopf. Hat eine Finca auf Mallorca und macht auf unkonventionell. Er ist clever und schlägt alle. Was zählt, ist die Flucht aus dem eigenen Ego, das an anderer Stelle mit extremen Aktionen wieder krampfhaft gesucht wird. Industrieversprechen und -versagungen werden zu schnell übernommen, Werbung wird zu ernst genommen (ohne es bewusst zu merken, Dressur funktioniert über das Unbewusste), große Linien, Utopien oder Visionen (was ist denn das? Da muss man zum Arzt!) werden ohnehin nicht gepflegt. Man kann in jungen Jahren den Zusammenhang des Lebens nicht erkennen. Etwa, dass der Mensch durch Stadien geht, dass sein Körper verfällt und gleichzeitig sein Kapital ist, mit dem man nicht in der Weise beliebig experimentieren kann, - auch wenn von anderer Stelle erbauliche Erfahrung von Dingen oder einem selbst (Selbsterfahrung) zugesagt wird. Und: Die oft von jungen Menschen so viel gehassten Gewohnheiten und Rituale können ja auch etwas Positives haben. Sie schützen vor Energieverlusten, schaffen Sicherheit. Der Horizont in dieser Welt steht leider nicht jedem offen, es gelten Rahmenbedingungen und individuelle Voraussetzungen, soziale Dispositionen und andere Begrenzungen. Wir sind auf dem Teil der Welt geboren, der eindeutig bevorzugt ist. Was ist mit den anderen? X x The old people with their crap, they're going to get us into a lot of trouble! Haha, you were young once yourself, younger than you are now, and that means you can have a bit of a say... What struck me about very young people? The following is like a collection of material made up of a thousand pieces of paper: Many young people have often created very individual, very isolated worlds which they regard as absolute givens. Their own little world. That's human. Their own little world. Everyone starts from their own perspective. My view, however, is that these worlds can be changed! Dare to look beyond your own nose. Beyond seemingly predetermined boundaries. That's how it is in principle, at least. It's difficult. It entails, requires: a change in consciousness. A better world. Overcoming greed. Better interaction with one another. Many of us believed in that and waited too patiently for a lovely doomsday for everyone. Meanwhile, "goal-oriented" people with different views and those who were otherwise better adapted made careers - even in the alternatives that were then and now. The society that surrounds us now seems to be slipping more and more into isolation, what could be called neoliberalism is accepted too quickly out of a misunderstood sense of realism: everyone is the architect of their own happiness. In general, asking questions is no longer in fashion, the order is quick - no matter what. Distance from oneself is on the decline and lasting empathy is often only pretended. Under headphones, in smartphone fiddling and on Internet homepages, everyone is for themselves, individual tunnel vision is what counts. This is also what top-level sport shows us. What is counts. But there also seems to be a need for leadership: those who want to qualify for it should step forward! New leaders are needed. People are eliminating themselves. All kinds of disguises are in. The ageing top manager now wears his thin, few hairs in a ponytail. He has a finca on Mallorca. He is clever and beats everyone. What counts is the escape from one's own ego, which is desperately sought elsewhere with extreme actions. Industry promises and failures are accepted too quickly, advertising is taken too seriously (without consciously noticing it, training works via the subconscious), grand ideas, utopias or visions (what are those? You have to see a doctor!) are not cultivated anyway. At a young age, one cannot see the context of life. For example, that people go through stages, that their bodies deteriorate and at the same time are their capital, which cannot be experimented with at will - even if someone else promises edifying experience of things or of oneself (self-awareness). And: the habits and rituals that young people often hate so much can also have something positive. They protect against energy loss, create security. Unfortunately, the horizon in this world is not open to everyone, framework conditions and individual prerequisites, social dispositions and other limitations apply. We are born in the part of the world that is clearly preferred. What about the others?

Freitag, 5. Juli 2024

Wegrationalisiert und reduziert

Ich wundere mich über ein Blatt, dessen Artikel mir früher einigermaßen empathisch und zumindest sozial mitfühlend vorgekommen waren. Jetzt lese ich dort einen Artikel, der die von mir in den letzten Jahren wahrgenommene Richtungsänderung aufs Schlimmste zu bestätigen scheint. Gerade hymnisch wird dort ein Firmensanierer als „Retter“ gepriesen, dessen Leistung es zu verdanken sei, dass das in betreff stehende Unternehmen überhaupt noch existiere. Dass er die Belegschaft dabei um die Hälfte reduziert hat, ist nur einer Nebenbemerkung zu entnehmen. Man scheint sich also an dieser Stelle ganz der Logik der neoliberalen Marktwirtschaft ergeben zu haben, die den Menschen ausschließlich als Kostenfaktor sieht, der das Fortkommen eines Unternehmens mindestens verlangsamt, wenn nicht gar unmöglich macht. Ob wenigstens ein oder mehrere relativierende Sätze da angebracht gewesen wären? Ob man hätte wenigstens andeuten können, dass hier eventuell Schicksale von Einzelnen dahinter stehen könnten? Menschen? Durch „schwierige Zeiten“ habe der Rettungsbringer die Firma auf diese Weise hindurch bringen können, so feiert der Artikel weiter. Es sei durch Krisenjahre und Umstrukturierungen hindurch in Richtung auf neue Profitabilität gegangen, dank der unerbittlich führenden Heilsfigur, die dem „Strukturwandel“ verpflichtet ist x x I'm amazed at a newspaper whose articles used to strike me as somewhat empathetic and at least socially compassionate. Now I'm reading an article there that seems to confirm in the worst way the change in direction I've noticed in recent years. A company reorganizer is hymnically praised as a “savior” whose performance is due to the fact that the company in question still exists at all. The fact that he reduced the workforce by half can only be seen as a side note. At this point one seems to have completely surrendered to the logic of the neoliberal market economy, which sees people exclusively as a cost factor that at least slows down the progress of a company, if not makes it impossible. Would at least one or more relativizing sentences have been appropriate? Could one have at least hinted that the fates of individuals could possibly be behind this? People? In this way, the rescuer was able to get the company through “difficult times,” the article continues. It went through years of crisis and restructuring towards new profitability, thanks to the relentlessly leading savior figure who is committed to “structural change”.

Sonntag, 23. Juni 2024

Sozialisation

Wir blicken um uns und sind aus dem Moment heraus erstaunt. Später versuchen wir, uns das Schauspiel um uns herum zu erklären. Jetzt habe ich etwas dazu aufgeschnappt, das mich stark angeregt hat, - denn: In der Zivilisation haben wir es allzuoft mit standardisierten Menschen und weniger mit einer Vielfalt zu tun. Es ist nicht korrekt, es ist nicht schön: die Stanze herrscht, die Gleichmachung in den Köpfen. Sozialisation. Dressur. Training. Das sich klar zu machen, mag manchmal schwierig sein, besonders weil wir uns selbst natürlich für ganz etwas ganz Besonderes halten. Aber der Einzelne läuft dauernd Gefahr, sich in einer Funktion oder in einem Status aufzulösen. So kommt die „Persona“, wie es der Psychologe CG Jung vor gefühlt 100 Jahren schon formulierte, oft ins Gehege mit der Entwicklung eines eigenständigen Selbst. Dafür mag auch der bekannte Satz eines Dichters aus vergangenen Jahrhunderten stehen: „Wir werden als Originale geboren und sterben als Kopien“. Heute jedoch scheint es so: Die Persönlichkeitsentwicklung bei gewissen Naturvölkern gründet sich vor allem auf empathische Zuwendung (Ob wir von ihnen etwas lernen sollten?). Für sie hat diese Persönlichkeitsentwicklung mit Beziehung zu tun, mit dem Versuch, mit anderen oder der Natur in einen Austausch zu treten. In einen nicht competitiven Austausch, also nicht in einen Wettstreit um das größere „Wachstum“! Es könnte gelten: „Gehe völlig nach außen, aber kenne dich selbst und nimm die Folgen deiner Handlungen auf dich“. Das trifft auf die Verbundenheit des Einzelnen und der Gesellschaft zu und führt zu der damit verbundenen Verantwortung für das eigene Sein. Mit einer Geisteshaltung, die sehr selbständig und ungebunden sein kann, bleiben wir also gebunden: empathisch gebunden. Unsere Zivilisation aber produziert Persönlichkeiten, die sich auf stereotypische Weise gegen empathisches Erleben wehren und dadurch grundsätzlich voneinander isoliert sind. Hier ergeben sich viele Paralellen zu dem modisch gewordenen Begriff "Neoliberalismus", dessen Auswirkungen unsere Wirklichkeit auf vielerlei Art prägen. Da die Rollenspiele in unserer Gesellschaft auch dem öffentlichen Verhalten gelten, produzieren sie ein scheinbar der Gemeinschaft gewidmetes Leben. Aber in Wirklichkeit wird unter dem Deckmantel des gemeinschaftlich Gesinnten der Gesellschaft Gewalt angetan. Das sich öffentlich Geben und Aufspielen ist eine Verdinglichung. Unser Bewusstsein nimmt dies als eine universale Art des Seins an und die Identifizierung des Ich mit Äußerlichkeiten führt zu einem Verhalten, das dem Besitz von Dingen dem gleichsetzt, wer man ist. Es entfernt den Menschen von der Realität. Es führt unter anderem zu zerstörerischen und gewalttätigen Kriegen. Es führt auch zu einer grundsätzlichen Unverantwortlichkeit dem Menschen gegenüber. X x We look around and are amazed at the moment. Later we try to explain the spectacle around us. Now I've picked up something that really inspired me - because in civilization we all too often deal with standardized people and less with diversity. It's not correct, it's not nice: the standard prevails, the equality in the minds. Socialization. Dressage. Training. This can sometimes be difficult to realize, especially because we naturally think of ourselves as very special. But the individual is constantly in danger of dissolving into a function or a status. The “persona”, as the psychologist CG Jung put it 100 years ago, often gets in the way of the development of an independent self. The well-known sentence of a poet from past centuries may also stand for this: “We are born as originals and die as copies”. Today, however, it seems like this: Personal development among certain indigenous peoples is based primarily on empathic attention (whether we should learn something from them?). For them, this personality development has to do with relationships, with the attempt to enter into an exchange with others or with nature. In a non-competitive exchange, i.e. not in a competition for greater “growth”! It might apply: “Go completely outward, but know yourself and accept the consequences of your actions.” This applies to the connection between the individual and society and leads to the associated responsibility for one's own existence. With a mindset that can be very independent and unattached, we remain bound: empathetically bound. However, our civilization produces personalities who stereotypically resist empathic experience and are therefore fundamentally isolated from one another. There are many parallels here to the now fashionable term "neoliberalism", the effects of which shape our reality in many ways. Since the role plays in our society also apply to public behavior, they produce a life that appears to be dedicated to the community. But in reality, violence is being done to society under the guise of being communal. Giving and performing oneself publicly is a reification. Our consciousness accepts this as a universal way of being and the identification of the self with externals leads to behavior that equates owning things with who one is. It removes man from reality. It leads, among other things, to destructive and violent wars. It also leads to a fundamental irresponsibility towards people.

Sonntag, 12. Mai 2024

Reich reicher

Wir lesen davon, dass Jeff Bezos nach Schätzungen etwa 195 Milliarden haben soll. Wir leisten uns noch den Luxus, darüber erstaunt zu sein, über diesen unfassbaren Reichtum. Allgemein soll solches unziemliches Gebaren von anderen und mir "Sozialneid" genannt werden. Die Gesellschaft rechtfertigt dies offenbar aus sich heraus, insbesondere die US-amerikanische. Ob der Versandmann noch etwas davon hat jenseits dessen, dass er seinen Reichtum gelegentlich feist grinsend bei öffentlichen Empfängen vorführt? Wer ihm wohl diesen Reichtum erarbeitet hat? Der Mann hat sich diesem „Enrichissez-vous“, diesem Gebot der Bereicherung wohl optimal angepasst. Dafür sollte er durchaus etwas verdienen. Aber so viel? Zudem werden einem in den Medien täglich reiche InfluencerInnen vorgeführt, die offenbar alles richtig gemacht haben und nun in Saus und Braus leben. In Dubai. Und in anderen Luxusbleiben. Unter ähnlichen Verhältnissen. Luxus. Sportwagen. Schlitten. Villen. Aber die Masse der Leute scheint deren Person und den damit verbundenen „Produktempfehlungen“ nachzuhängen. Wie geht das? Ob das „Neoliberalismus“ ist? Abhängig von Konsum? Jeder seines Glückes Schmied? Egal wie. Auch wenn das alle Grenzen überschreitet? Wachstum rules? Wir sehen Menschen, die gar nichts haben und wundern uns, sind erstaunt. Wie geht das zu in dieser Welt? Soll das ein Preis für den „Fortschritt“ sein? „Trickle-down“-Theorie? Sie behauptet, wenn`s den Reichen gut gehe, hebe das auch das Niveau der Armen. So viele „Reiche“ berufen sich darauf. Von unten gesehen sind daran Zweifel erlaubt. Eine Differenzierung gerade angesichts gegenwärtiger wirtschaftlicher Entwicklungen in schland erscheint angesagt. X x We read that Jeff Bezos is estimated to have around 195 billion. We still afford ourselves the luxury of being amazed by this incredible wealth. In general, such unseemly behavior is called “social envy” by others and me. Society obviously justifies this on its own terms, especially the US society. Does the mail order man get anything out of it beyond occasionally showing off his wealth with a cheeky grin at public receptions? Who probably earned him this wealth? The man has probably adapted optimally to this “Enrichissez-vous”, this commandment of enrichment. He should definitely earn something for that. But that much? In addition, the media shows you rich influencers every day who have apparently done everything right and are now living in luxury. In Dubai. And stay in other luxury. Under similar circumstances. Luxury. Sports car. Sleds. Villas. But the majority of people seem to be attached to their person and the “product recommendations” associated with them. How does it work? Is this “neoliberalism”? Dependent on consumption? Each maker of his own fortune? No matter how. Even if that crosses all boundaries? Growth rules? We see people who have nothing and we are surprised and amazed. How does it work in this world? Should this be a price for “progress”? Trickle-down theory? She claims that when the rich are doing well, it also raises the standards of the poor. So many “rich people” rely on this. Seen from below, there is room for doubt. A differentiation seems to be necessary, especially in view of current economic developments in Germany.

Mittwoch, 25. Oktober 2023

Egoliberalismus

Es begegnen mir immer mehr Leute, die lassen die Realitäten an sich vorüber gleiten und fragen nur noch „Was bringt das für mich?“. Sie gehen ihrem eigenen, kleinen Ego nach – und nichts anderem. Meiner Ansicht nach ist das ein typischer Ausfluss eines Egoismus, von dem der Neoliberalismus lebt. Sehr viele Leute gehen nur noch ihren eigenen Interessen, ihrem eigenen Leben mitsamt seinen Zielen nach. Links und Rechts, geschweigeden das Ganze scheinen sie vollkommen aus dem Blickfeld verloren zu haben. Dadurch ist in der Vergangenheit auch die soziale Schere auseinander gegangen. Das Interesse, die Neugier und erst recht die Empathie haben im Allgemeinen stark nachgelassen. Es gibt kein „Ganzes“ mehr. Auch scheint mir die Passfrage ziemlich ausgehöhlt obsolet. Wer ist Deutscher? Die Herleitung ist mir völlig unklar... X x I'm meeting more and more people who let the realities slip by and just ask, "What's in it for me?" They pursue their own little ego – and nothing else. In my opinion, this is a typical manifestation of the egoism that neoliberalism thrives on. A lot of people only pursue their own interests, their own life and its goals. They seem to have completely lost sight of left and right, let alone the whole thing. As a result, the social gap has widened in the past. Interest, curiosity and especially empathy have generally decreased significantly. There is no “whole” anymore. The passport question also seems to me to be pretty hollowed out and obsolete. Who is German? The derivation is completely unclear to me.

Freitag, 11. August 2023

Jeder ist sich selbst der Nächste?

Ob das in diese Zeit passt? Ist sowas überhaupt ein Kriterium? Hegel sagte „Ich ist nichts Besonderes, ich ist auch jeder andere...“ . Ob darin etwas liegt, dass wir uns immer wieder klar machen sollten: Dass nämlich das Ego nicht alles ist, dass es im Leben vielleicht nicht so sehr darum geht, sich selbst zu verwirklichen, sondern dass dieses Selbst in einem Zusammenhang mit allem steht, auch mit der Natur, die ja sowieso auf mannigfache Weise in uns ist. Sobald wir uns regen und spätestens, wenn wir etwas zu uns nehmen, treten wir in einen Austausch mit unserer Umwelt, unseren Mitmenschen. Wir sind ein Teil der Natur und die Natur ist ein Teil von uns. Da ruft ein Bekannter an und will uns einladen, mitschleppen zum Konzert einer Band, die er ganz besonders toll findet. Klar, er will uns etwas Gutes damit tun. Das fällt wohl jedem ein. Doch will er uns nicht auch ein bisschen das zeigen, uns bestenfalls überzeugen davon, was er für richtig und toll hält? Geht es um die psychische Unterstützung und Kräftigung eines anderen Egos, das im Besitz eines von ihm selbst so wahrgenommenen ganz besonderen Wissen ist? Dieses „Wissen“ kann ja auch einem kurzfristigen Spleen entspringen, einer der persönlichen Phase geschuldeten Befindlichkeit, einem Bedürfnis, das in diesem Falle durchaus nicht meines werden muss. Autismus? Egoismus? Egomanie? Okay. Der Neoliberalismus prägt uns, ohne dass wir das so wahrnehmen. Jeder scheint sich selbst der Nächste, flüstert uns unsere Umgebung zu. Ein klein wenig sollten wir aber auch unsere Umwelt im Auge behalten, von der wir abhängen, der wir zugetan sind oder nicht, mit der wir uns spirituell verbunden fühlen, als einem Teil unseres Selbst. Natürlich lebt es sich als Ego-Rammbock einfacher und materiell reicher. Doch innerlich reicher, - und dieser Wert wird im Laufe eines Lebens immer wichtiger, - lebt es sich mit offenen Augen und klarem Bewusstsein für unsere Umwelt und unsere Mitmenschen.

Dienstag, 25. Juli 2023

Identitätsbildung

„Werde, der du bist“, so lautet die klassische Aufforderung des Humanismus. In letzter Zeit ist dann noch die Erkenntnis hinzu gekommen, dass die Arbeitswelt mit ihren vielfältigen sozialen Kontakten der Herausbildung der Identität ziemlich wichtig sei. Ob jetzt, nach dem verstärkten Drängen auf Home Office (Digitalisierung!) samt seiner eingeschränkten Ermöglichung von „analogen“ Kontakten, sich die Arbeitswelt und damit auch der Prozess der Identitätsbildung sich abermals ändert? Jede und jeder sitzt doch da als isoliertes Ich vor dem Bildschirm, bestürmt von allerlei häuslichen Anforderungen. Kontakte finden – wenn überhaupt – auf virtuellem standardisierten Wege statt. Ob bei diesen Entwicklungen generell das Internet mit seiner wohl immer noch zunehmenden Bedeutung auch seine Rolle spielt? Wo stehen wir nach der Pandemie? Ob es fixe und flexible Anteile der Identität gibt? Ob es relativ oberflächliche und eher tiefe Bereiche gibt? Ob es eine dauernde Entwicklung ist, die mit dem Leben mitgeht, in dem alles mit allem verbunden ist? Alles, was heißt in Bewegung? Wir tragen das Leben in uns. Der Mensch ist nur ein lebendiger Teil des Lebens, auch wenn der Krieg da so manche Zweifel erheben mag. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das die Frage „Wer bin ich?“ stellt. Wie und ob das alles genau (wie genau ist das überhaupt?) so hingenommen werden muss, ist die Frage. Der Mensch (konkret: welcher Mensch?), so sieht er es selbst zuweilen gerne, schafft sich seine Lebensumstände selbst und ist nicht nur hineingeboren in Verhältnisse (Ob das so stimmt?, wie steht es darum, dass gewisse Menschen in gewisse Familien hinein geboren werden?). Ob die gegenwärtige Krise auch eine Folge unseres Umgangs mit dem Leben ist? Ob nicht unsere Existenz vom blinden Streben nach dauerndem Wachstum bestimmt ist, von dem Ökonomen so gerne behaupten, dass wir es dringend brauchen und Politiker es als „alternativlos“ für jedwede Entwicklung voraussetzen? Kann die Arbeitswelt da eine Stütze der Identitätsbildung sein, - das Arbeiten als Weg zum Selbst? Nicht nur die Pandemie, sondern auch die Digitalisierung samt der mit ihr verbundenen Relativierung des Wertes der Arbeit scheint das in vielerlei Hinsicht relativiert zu haben. Wie also wird sich das Verhältnis Arbeit zu Identität gestalten?

Mittwoch, 1. Februar 2023

Dies Blog (2)

Menschen halten sich in unserer ausdifferenzierten Gesellschaft in verschiedenen (Lebens-)Welten auf, bevorzugen verschiedene Stile in mancherlei Lebensfragen, sind unterschiedlich geprägt durch verschiedene Milieus oder Herkunft. Daran knüpft sich oft ein Ethos, das es zu verstehen gilt. Dies hat auch etwas mit der Rolle zu tun, in die wir "hinein sozialisiert" wurden, mit ihren ökonomischen und allgemeinen Lebensbedingungen, mit ihrer jeweiligen Werte- und Normenwelt. Sich da hinein arbeiten zu wollen, etwas davon erkennen zu wollen, sich selbst auf etwas anderes einzulassen, andere Zusammenhänge zu begreifen, könnte etwas wertvolles sein, was mit „Empathie“ zu tun hat. Da aber im Zeitalter des Neoliberalismus jeder für sein persönliches Glück für verantwortlich erklärt wird, da jegliche Zielrichtung „Solidarität“ insofern verpönt und negativ belegt scheint, bewegt sich diese Gesellschaft immer mehr in Polarisierung, Vereinzelung und Desolidarisierung. Das Bewusstsein, für etwas Gemeinsames verantwortlich zu sein, schwindet. Überhaupt schwindet das Bewusstsein, trotz aller Individualisierung einem Kollektiven ausgeliefert zu sein. Verständnis füreinander schwindet, auch wenn kurz- und mittelfristige Entwicklungen dem nicht zu entsprechen scheinen. Sich ein Stück weit auf andere Lebenswelten zuzubewegen, seinen Horizont über die gewohnte „Bubble“ hinaus zu erweitern, dazu will dies Blog „Reise durch Wirklichkeiten“ ermuntern. Es ist dies auch durch meinen früheren Beruf inspiriert. Aber auch durch darüber hinaus gehende Erkenntnisse und Erfahrungen. Neugierig auf „das Andere“ sein, sich erweitern, andere Möglichkeiten erwägen (auch für sich selbst), sich mitfühlend statt competetiv zu verhalten.

Samstag, 21. Januar 2023

Natur in uns

Hegel sagte „Ich ist nichts Besonderes, ich ist auch jeder andere...“ . Ob darin etwas liegt, das wir uns immer wieder klar machen sollten? Dass nämlich das Ego nicht alles ist, dass es im Leben vielleicht nicht so sehr darum geht, sich selbst zu verwirklichen, sondern dass dieses Selbst in einem Zusammenhang mit allem steht, auch mit der Natur, die ja sowieso auf mannigfache Weise in uns ist. Sobald wir uns regen und spätestens, wenn wir atmend etwas zu uns nehmen, treten wir in einen Austausch mit unserer Umwelt, unseren Mitmenschen. Wir sind ein Teil der Natur und die Natur ist ein Teil von uns. Da ruft einBekannter an und will uns einladen, mitschleppen zum Konzert einer Band, die er ganz besonders toll findet. Klar, er will uns etwas Gutes damit tun. Das fällt wohl jedem ein. Doch will er uns nicht auch das zeigen, uns überzeugen davon, was er für richtig und toll hält? Geht es um die psychische Unterstützung und Kräftigung eines anderen Egos, das im Besitz eines von ihm selbst so wahrgenommenen ganz besonderen Wissen ist? Dieses „Wissen“ kann ja auch einem kurzfristigen Spleen entspringen, einer der persönlichen Phase geschuldeten Befindlichkeit, einem Bedürfnis, das in diesem Falle durchaus nicht meines werden muss. Autismus? Egoismus? Egomanie? Okay. Der Neoliberalismus prägt uns, ohne dass wir das so wahrnehmen. Jeder ist sich selbst der Nächste, flüstert uns unsere Umgebung zu. Ein klein wenig sollten wir aber auch unsere Umwelt im Auge behalten, von der wir abhängen, der wir zugetan sind oder nicht, mit der wir uns spirituell verbunden fühlen, als einem Teil unseres Selbst. Natürlich lebt es sich als Ego-Rammbock einfacher und materiell reicher. Doch innerlich reicher, - und dieser Wert wird im Laufe eines Lebens immer wichtiger, - lebt es sich mit offenen Augen und klarem Bewusstsein für unsere Umwelt und unsere Mitmenschen

Mittwoch, 12. Oktober 2022

Kapital-Sportsgeist

Windige Geschäftemacher geben in diesen Zeiten den reichen Vollhorst, indem sie ganze Fußballclubs kaufen, was bei einigen dieser Clubs nicht unbedingt zu mehr „Erfolg“ geführt hat. Lange Jahre waren diese Gschäftlhubers idiologisch und sonstwie von jenen Regierungskreisen gestützt worden, die im globalen System der Freien Marktwirtschaft hauptsächlich eines der persönlichen Bereicherung sahen und heftig auf Deregulierung in allen Bereichen drangen (alles, was sie taten, taten sie für (!) die „Angebotsseite“ der „Marktwirtschaft“). Das mag auch heute noch so sein, obwohl diese so systemimmanent handelnden Geschäftlmacher die eine oder andere geschäftliche Niederlage einstecken mussten und sich darüber mannigfache, für jeden sichtbare Rückschlagspotentiale einstellten. Auch führten gewisse Hintermänner in Geldbeschaffungsfragen wohl Regie, was im Augenblick so manche juristische Probleme und Bewertungsschwierigkeiten verursacht. Ob solche „Herren im Hintergrund“ auch Verbindungen zu Steuervermeidungsstrategen und Cum-Ex-Akrobaten hatten? Ob diese „Hintermänner“ in gewissen politischen Parteien ihre spezielle Rolle spielten, wobei keine ernsthafte Opposition erkennbar war, weil ja gerade diese parlamentarische Opposition dieselben Techniken der Geld- und Steuer-Statusbeschaffung pflegte? Ob hier eine gewisse Schwäche dieses Systems erkennbar wird und ob ein bisschen mehr Transparenz da gut täte? (Jawohl, hier ist vor allem die Rede von „Hintermännern“ und nicht von „Hinterfrauen“, von „Gschäftemachern“ und nicht von Gschäftemacherinnen“, von „Strategen“ und nicht „Strateginnen“)

Sonntag, 3. Juli 2022

Postheroisch

Was überhaupt könnte Neoliberalismus sein, von dem viele reden (geredet haben)? Er scheint noch lange nicht so vergangen zu sein, wie die Mächtigen gerne behaupten. Die Politikwissenschaft behauptete über lange Zeit hier ein „postheroisches Zeitalter“, in das wir speziell in der Bundesrepublik hinein geworfen sein würden. Der Krieg zeigt diesbezüglich ja gewisse Dinge. Wir sollten dabei aber nicht vernachlässigen, dass gewisse stark im Vordergrund agierenden Personen in den „Pandora Papers“ Erwähnung fanden, die die Segnungen des Neoliberalismus vielleicht ein bisschen zu aufdringlich beschworen haben. Nun ja. „Flexibilisierung der Arbeitswelt“ könnte ein Stichwort sein, das den Neoliberalismus unter anderem stark geprägt hat. Also die Loslösung von Menschen aus kollektiven Bindungen, etwa Tarifverträgen, und die Überantwortung solcher Bindungen an einen Markt, der schon alles irgendwie regeln möge. Voraussetzung dazu wäre eine Selbstoptimierung, also die Voraussetzung, dass jeder als Einzelner die Voraussetzung zu seinem Glück schaffen könne. Der „Wettbewerb“ scheint solch ein Begriff zu sein, der vom Neoliberalismus und seinen nachfolgenden Bewusstseinsverkrustungen heilig gesprochen ist. Ebenso der Begriff der „Leistung“, der möglichst von allen kollektiven Bindungen befreit sein müsse. Der Leistungssport scheint hier eine wichtige Schrittmacherrolle zu spielen. Prinzip: „The Winner takes it all“. Das heißt: Derjenige, der sich durchsetzt gegen alle andern, bekommt die ganze Aufmerksamkeit und das ganze Geld. Gewinner sind oft auch jene, die so glänzend dargestellt werden, weil sie ihre „Mitbewerber“ haben schlecht aussehen lassen. Neoliberalismus könnte aber auch etwas zu tun haben mit der Aushöhlung der Souveränität einzelner Staaten zugunsten einer Globalisierung des Turbokapitalismus, der alle soziale Bindungen aushölt, alles mit Geld regelt und jene Globalisierungsgewinner schafft, die uns in den Medien so gerne im Hochglanzformat präsentiert werden. Neoliberalismus könnte auch etwas zu tun haben mit dem Ideal des flexiblen Menschen, der sich allen vorgegebenen Strukturen möglichst optimal anpasst. Ob das etwas mit Konformitätsdruck zu tun hat? Dem folgen, was gerade opportun ist, ob das ein Ideal sein kann? Ob dem gegenüber Sinnstrukturen stehen, die nicht dem „Markt“ oder dem „Geld“ verpflichtet sind? Die über die Heiligsprechung des Einzelnen und die Nutzenorientierung des Marktes hinaus weist?

Donnerstag, 7. Oktober 2021

"Wohlstand" - für wen?

 Ja klar bin ich froh, dass ich in Deutschland lebe! Dieser Umstand ist es auch, der von politisch Verantwortlichen leider viel zu oft für Propagandazwecke eingesetzt wird („immer noch besser als anderswo in der Welt….“). Aber manchmal frage ich mich, ob es nicht besser sein könnte mit der Aufteilung des „Wohlstands“ in diesem „reichen“ Land. Die einen wissen kaum, wohin damit (Anlagenotstand). Die andern haben nichts und leben von der Hand in den Mund. Man nimmt das hin und soll stolz sein auf dieses Land. Ja klar, ist es schön! Aber leider nur für ein paar Privilegierte. Der Rest muss darum bangen, morgen etwas zu fressen zu haben. Ich halte solche Verhältnisse für eine Schande! Hemmungsloser Neoliberalismus!

Sonntag, 13. Juni 2021

Pandemie, Nationalismus, Identität

Wer die Erfahrungen der Pandemie mit wachem Verstand berücksichtigt und wer der Fußballeuropameisterschaft offenen Auges entgegen sieht, der könnte unter anderem vermuten, dass ein gewisser Nationalismus froh inszenierte und sogar offiziell herbei geredete Urständ' feiert. Ob das etwas mit dem Zustand ratloser Unbeweglichkeit, mit der Bräsigkeit und mangelnden Flexibilität eines scheinbar übernationalen Gebildes wie der EU (nicht zu verwechseln mit Europa!) zu tun hat? Die Ratlosikeit dieses Gebildes, so scheint es mir, wurde in einer späteren Phase der Pandemie mit Aktionismus und hektischen PR-Aktivitäten auszugleichen versucht, die gleichwohl tiefgehende Unfähigkeit offenbar werden ließen. Ins Gigantische ausgebaute staatliche Informationsapparate mit riesigen Beraterstäben und willfährigen sozialwissenschaftlich und journalistisch geschulten Herolden schienen sich dabei auf eine gewachsene Medienindustrie und ein Geflecht von sozialen Medien stützen zu können, das wohl völlig neue Methoden der Manipulation und Lenkung öffentlicher Meinung und Emotion hervorgebracht hat. Ob dies auch eine Folge des globalen Turbokapitalismus mit seinen ausschließlich ökonomisch gedeuteten Identitäten ist? Ob dadurch ein Mangel an kollektiver Identität entstand? Ob wir in einer im Zweifel stecken gebliebenen Internationalisierung leiden, die einerseits in einem internationalen Neoliberalismus schwelgt und andererseits einem neuen Nationalismus, einher gehend mit einem „Lokalismus“, frönt? Ob etwa die Fahnenschwenkereien und Hymnennölereien samt dem fortwährend vorgezeigten Medaillenspiegel der bald heran stehenden Olympischen Spiele an dieser Stelle dem von ihr so gerne behaupteten Supranationalismus entgegen stehen? Nationale Identität oder Globale „Governance“ , das scheint hier die Frage. Wie sieht es unter anderem um die Einordnung nationaler deutscher Interessen in ein heilig gesprochenes Europa in Form der EU aus? Wir leben ja wohl, wie zuletzt in der Pandemie mehr als deutlich wurde, in einer Welt souveräner Nationalstaaten. Nicht zuletzt die vielen im Mittelmeer Ertrunkenen und in menschenrechtlich unmöglichen Lagern dahinvegetierenden Menschen sprechen hier ein eindeutige Sprache für die Uneinigkeit des supranationalen Institution EU. Die andere Seite dieser Entwicklung scheint mir die gerade in den letzten Tagen offensichtliche gewordene und ständig zunehmende Konzentration des Kapitals in den Händen weniger Menschen.

Montag, 31. Mai 2021

Selbstoptimierung revisited

Wir stehen vor einem Sprung der Geschichte, der in die eine oer in die andere Richtung gehen könnte. Selbstoptimierung, ein Zauberbegriff aus der Welt vor Corona. Manager machten Kurse in Achtsamkeit und Meditation, nur um ihre Mitarbeiter noch entspannter und effektiver „freisetzen“ zu können. Oder sie machten Kurse, um beispielsweise neue Hobbies für sich zu finden, neue Reiseziele, ihre Grenzen zu sprengen, sich auf verschiedenen Gebieten auszuprobieren, „resilienter“ (ein Modebegriff, der etwa so viel bedeuten könnte wie widerstandsfähiger aufgrund von Bewusstmachung) zu werden gegenüber all den Anforderungen des Zeitgeists. Es mag dabei auch das alte Ideal der „Selbstverwirklichung“ aufscheinen, das aus den späten sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts heraus unter anderem auf literarischem Gebiet den Schriftsteller Hermann Hesse zum Vorbild nahm. Es entwickelte sich eine eigene Form des Ehrgeizes, die versprach, in die Entschleunigung samt der dazu passenden Bewusstwerdung zu führen und dabei den Blick auf die Uhr nicht vergaß, um die Versprechen der Effizienz für sich einzulösen. Wann habe ich es geschafft? Dabei führten solche Bestrebungen ja wohl zunehmend in immer differenziertere Formen von Subwelten, von stark untereinander abgeschotteten Lebenswelten, die schließlich kaum mehr etwas miteinander zu tun hatten und die Ziele des Neoliberalismus geradezu idealtypisch auch in finanziell-ökonomischer Hinsicht verwirklichten, was dem System der Demokratie nicht gerade zugute kam. Selbstoptimierung erschien dafür aus kundiger Sicht der passende Begriff und schien eine glänzende Verkörperung des alten Fortschrittsglaubens des „Höher schneller weiter“ verbunden mit einem permanenten Versprechen der Individualisierung abzugeben. Wird das alles nach Corona wieder so sein als wie zuvor? Ob jetzt, nach der Aussicht auf ein Ende der Pandemie, ein Revival dieses Mechanismus bevorsteht? Ob sich dann wieder die selbstoptimierten Machtmenschen mit all ihrer "Durchsetzungskraft" nach vorne bringen werden? Ob dann wieder die große "Entschlossenheit" angesagt ist?

Dienstag, 20. April 2021

Demokratie und Markt

An das Folgende erinnere ich mich aus Vorlesungen und mische es mit aktuell Gelesenem, mit Notizen oder am Bildschirm Verfolgtem: Der Bürger solle sich ruhig verhalten. Er dürfe ja alle vier Jahre seine Stimme abgeben und solle ansonsten die Sache der Gemeinschaft „den Profis überlassen“, wie es Christian Lindner ausdrückte. Wie verhält sich wohl eine solche Einstellung mit der Vorstellung des „mündigen Bürgers“? Die Demokratie beruht ja auf der Voraussetzung, die sie selbst herstellt: den mündigen Bürger. Dem stehen hohe Bestechungsmechanismen (Lobbyismus?) und zahlreiche kurzfristige hedonistische Vergnügungen gegenüber. „Es ist bequem, unmündig zu sein“ meinte ein großer deutscher Philosoph dazu. Ob es um die Voraussetzungen einer Mündigkeit geht, ob es um die Kontrolle von Herrschaft und die Unterwerfung der Staatsapparate unter den Willen der Bürger geht? Oder ob das in unserer heutigen Realität weitgehend ausgeblendet erscheint?. Der einzelne Bürger überblicke die Komplexität der gestellten Aufgaben keinesfalls, so das heute oft vorgetragene Credo. Die Idee des mündigen Bürgers habe sich in vielerlei Hinsicht überlebt. Bürger hätten weder das Wissen noch die Interessen zur Mitbestimmung. Sie seien gekennzeichnet durch Ignoranz, Apathie und Vorurteile und hätten einen eklatanten Mangel an Denk- und Handlungsfähigkeit. Die breite Öffentlichkeit bestehe aus unwissenden und lästigen Außenstehenden, deren Rolle in einer Demokratie die der Zuschauer sein müsse, keineswegs aber die der Mitwirkenden. Der Bürger solle Aufgaben der Mitwirkung und der Selbstbestimmung lieber jenen überlassen, die aus der Verwaltung kommend sich berufsmäßig damit befassen. Ob das Konzept einer „illiberalen Demokratie“, wie es etwa der ungarische Häuptling Orban vertritt, damit etwas zu tun hat und ob es weitgehend solchen Einstellungen entspricht? Ob es darum geht, Eliten aus einem vorgegebenen Elitenspektrum auszuwählen und sich als „Normalo“ darüber hinaus auf die kleine überschaubare Privatwelt zu beschränken? „Think Tanks“ sollten in einem solchen Demokratiemodell wohl eine wichtige Rolle spielen: Experten. Sie sollen vor allem den Standpunkt der Wissenschaft (gibt es den als einen einzigen?) in den Entscheidungsprozess hinein tragen. Beispielhaft kann dies derzeit an der Rolle von Virologen und Epidemologen gezeigt werden. Sie füllen die Rolle der „Berater“ aus, die die gewählten Entscheider (Politiker) zu ihrer Entscheidung befähigen. Der Bürger solle seine Stimme lediglich im Vierjahresturnus jenen verleihen, die „Verantwortung“ ausüben, die durch ihren Werdegang und ihre Ausbildung ihr Wissen um gewisse Zusammenhänge vertiefen konnten und meist aus der akademischen Sphäre stammen. In der Zusammenschau könnte so etwas bedeuten: Demokratie kann nur funktionieren, wenn sie keine ist. Was aber, wenn es darum geht, Machtausübung effizient zu organisieren und sie gleichzeitig wirksam zu kontrollieren? Wer soll das leisten? Ob es, wie im Neoliberalismus oft behauptet, um die effizienteste Lösung geht, die stets ein Markt herbei führt („marktkonforme Demokratie“)?