Reise durch Wirklichkeiten

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Montag, 3. Februar 2025

Arm und reich und Demokratie

Wie die Leute miteinander umgehen: Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Das Vermögen des reichsten Prozents der Bevölkerung in den G20-Ländern sei in den vergangenen beiden Jahrzehnten um fast 150 Prozent auf 68,7 Billionen US-Dollar gestiegen. Das reichste Prozent in den G 20-Ländern besitzt demnach 31 Prozent des gesamten Vermögens. Die ärmere Hälfte der Bevölkerung hingegen lediglich fünf Prozent. In Deutschland verfügt das reichste Prozent den Angaben zufolge über rund 30 Prozent des Gesamtvermögens im Land (mit USA zusammen der höchste Wert unter den G 20-Ländern). Diese Zahlen verbreitet die Organisation Oxfam. Wenn diese Zahlen auch nur annähernd stimmen, so scheint mir das ein nicht angemessener Tatbestand für eine moderne, entwickelte Gesellschaft zu sein. Einfach nicht zeitgemäß. Total daneben. Und nicht, wie meist wie in einem Reflex unterstellt, von „Sozialneid“ getrieben. Dass solche Verhältnisse Demokratie zerstören indem sie immer weiter wachsen, ist ganz direkt an den aktuellen politischen Entwicklungen abzulesen. Es werden von den jeweiligen Machthabern auch Thinktanks beschäftigt, die neoliberale Glaubenssätze duplizieren und hohe wissenschaftliche Weihen dafür kassieren. Dass die Vermögenden sich gegenseitig auf tausend Arten gegenseitig bestätigen und die Macht des Faktischen auf ihrer Seite haben, ist ja offensichtlich. Dass aber „arme“ Menschen auch Seelen haben, die nicht nur ausgebeutet werden müssen, dass es schlicht Menschen sind, die da in ausbeuterischer Weise bearbeitet werden, scheint nicht mehr Common Sense unter ihnen zu sein. Dass sie einer Klasse angehören, die die Mechanismen des kaufmännischen Umgangs besonders rücksichtslos in sich aufgenommen haben oder viel Kohle und Macht samt dem elitär sozialisierten Umgang damit geerbt haben, wird auch oft weg gedrängt und kaum thematisiert. Alle Macht den Tüchtigen? Wer sind „die Tüchtigen“? Diejenigen, die ohne jede Leistung und frei „im Gestalterischen“ agierend riesige Erbschaften kassieren? Oder die Selfmade-Figuren, die es mit viel Rücksichtslosigkeit und Geschäftssinn zu etwas gebracht haben? Man muss womöglich umfassend überlegen, welche Formen des Widerstands dagegen angemessen sein könnten.

Montag, 2. September 2024

Einzelner und das Ganze

Das Einzelne und das Ganze Wir blicken um uns und sind aus dem Moment heraus erstaunt. Später versuchen wir, uns das Schauspiel um uns herum zu erklären. Jetzt habe ich etwas dazu aufgeschnappt, das mich stark angeregt hat, - denn: In der Zivilisation haben wir es allzuoft mit standardisierten Menschen und weniger mit einer Vielfalt zu tun. Es ist nicht korrekt, es ist nicht schön: die Stanze herrscht, die Gleichmachung in den Köpfen. Sozialisation. Dressur. Training. Einordnung. Das sich klar zu machen, mag manchmal schwierig sein, besonders weil wir uns selbst natürlich für ganz etwas ganz Besonderes halten. Aber der Einzelne läuft dauernd Gefahr, sich in einer Funktion oder in einem Status aufzulösen. So kommt die „Persona“, wie es der Psychologe CG Jung vor gefühlt 100 Jahren schon formulierte, oft ins Gehege mit der Entwicklung eines eigenständigen Selbst. Dafür mag auch der bekannte Satz eines Dichters aus vergangenen Jahrhunderten stehen: „Wir werden als Originale geboren und sterben als Kopien“. Heute jedoch scheint es so: Die Persönlichkeitsentwicklung bei gewissen Naturvölkern gründet sich vor allem auf empathische Zuwendung (Ob wir von ihnen etwas lernen sollten?). Für sie hat diese Persönlichkeitsentwicklung mit (sozialer) Beziehung zu tun, mit dem Versuch, mit anderen oder der Natur in einen Austausch zu treten. In einen nicht competitiven Austausch, also nicht in einen Wettstreit um das größere „Wachstum“! Es könnte gelten: „Gehe völlig nach außen, aber kenne dich selbst und nimm die Folgen deiner Handlungen auf dich“. Das trifft auf die Verbundenheit des Einzelnen und der Gesellschaft zu und führt zu der damit verbundenen Verantwortung für das eigene Sein. Mit einer Geisteshaltung, die sehr selbständig und ungebunden sein kann, bleiben wir also gebunden: empathisch gebunden. Unsere Zivilisation aber produziert Persönlichkeiten, die sich auf stereotypische Weise gegen empathisches Erleben wehren und dadurch grundsätzlich voneinander isoliert sind. Hier ergeben sich viele Paralellen zu dem modisch gewordenen Begriff "Neoliberalismus", dessen Auswirkungen unsere Wirklichkeit auf vielerlei Art prägen. Da die Rollenspiele in unserer Gesellschaft auch dem öffentlichen Verhalten gelten, produzieren sie ein scheinbar der Gemeinschaft gewidmetes Leben. Aber in Wirklichkeit wird unter dem Deckmantel des gemeinschaftlich Gesinnten der Gesellschaft Gewalt angetan. Das sich öffentlich Geben und Aufspielen ist eine Verdinglichung. Unser Bewusstsein nimmt dies als eine universale Art des Seins an und die Identifizierung des Ich mit Äußerlichkeiten führt zu einem Verhalten, das dem Besitz von Dingen dem gleichsetzt, wer man ist. Es entfernt den Menschen von der Realität. Es führt unter anderem zu zerstörerischen und gewalttätigen Kriegen. Es führt auch zu einer grundsätzlichen Unverantwortlichkeit dem Menschen gegenüber. X x We look around and are amazed at the moment. Later we try to explain the spectacle around us. Now I've picked up something that really inspired me - because in civilization we all too often deal with standardized people and less with diversity. It's not correct, it's not nice: the standard prevails, the equality in the minds. Socialization. Dressage. Training. This can sometimes be difficult to realize, especially because we naturally think of ourselves as very special. But the individual is constantly in danger of dissolving into a function or a status. The “persona”, as the psychologist CG Jung put it 100 years ago, often gets in the way of the development of an independent self. The well-known sentence of a poet from past centuries may also stand for this: “We are born as originals and die as copies”. Today, however, it seems like this: Personal development among certain indigenous peoples is based primarily on empathic attention (whether we should learn something from them?). For them, this personality development has to do with relationships, with the attempt to enter into an exchange with others or with nature. In a non-competitive exchange, i.e. not in a competition for greater “growth”! It might apply: “Go completely outward, but know yourself and accept the consequences of your actions.” This applies to the connection between the individual and society and leads to the associated responsibility for one's own existence. With a mindset that can be very independent and unattached, we remain bound: empathetically bound. However, our civilization produces personalities who stereotypically resist empathic experience and are therefore fundamentally isolated from one another. There are many parallels here to the now fashionable term "neoliberalism", the effects of which shape our reality in many ways. Since the role plays in our society also apply to public behavior, they produce a life that appears to be dedicated to the community. But in reality, violence is being done to society under the guise of being communal. Giving and performing oneself publicly is a reification. Our consciousness accepts this as a universal way of being and the identification of the self with externals leads to behavior that equates owning things with who one is. It removes man from reality. It leads, among other things, to destructive and violent wars. It also leads to a fundamental irresponsibility towards people.

Donnerstag, 11. August 2022

Geld schießt Tore

Seltsame Veranstaltung! Da strebten unverdrossene Fans ins große Stadion, um ein großes Spiel zu verfolgen und die eigene Fußball-Mannschaft(Männer) zu unterstützen. All es wurde mit fast schon übertriebener Begeisterung im TV übertragen. Experten, Moderatoren und Reporter versuchten Spannung zu erzeugen, die ja überhaupt nicht da war. Es war ein Pokal ausgelobt, dessen Namen die Fans der reichen Mannschaft nicht mal genau kannten. „Man muss ja reinkommen!“ ließ einer ihrer Spieler nach der Begegnung verlauten. Dazu war dieser Pokal offenbar gut. Zu sonst nichts. Außer: Werbeeinnahmen zu erzielen. Nun ja, diese teure und gute Mannschaft musste jedes Spiel gewinnen. Schließlich war sie mit den teuersten Spielern bestückt. Klar war aber jedem schon im Vorfeld: Das Spiel ist nicht zu gewinnen. Da spielte eine Mannschaft aus der dritten Reihe, die im vergangenen Jahr große Erfolge gefeiert hatte, gegen eine Mannschaft der Super- und Megastars, ausgestattet mit einem finanziellen Etat und Fußballspielern, deren Wert schon im Einzelnen dem der kompletten Mannschaft des anderen „Arme-Schlucker-Vereins“ entspricht. Zudem hatten die „Armen Schlucker“ einen Tag zuvor ihren besten Spieler an einen der wohlhabenden Superclubs abgegeben müssen: Das alles wird einfach hingenommen und akzeptiert. Wie seltsam! Es gibt offenbar „Ausbildungsvereine“ und solche, die die tollsten Spieler dann nach dem Motto „Geld schießt Tore“ aufkaufen. Eine Klassengesellschaft der Fußballclubs: Die, die es haben. Die, die nichts haben. Dies scheint mir auch in dem Bestreben zum Ausdruck zu kommen, eine „Superliga“ zu grünen, in der nur noch die Besitzenden gegeneinander spielen und die anderen Clubs außen vor sind. Überall, auch in den einzelnen Ligen, scheinen sich klar zementierte Besitzverhältnisse zu etablieren, nach denen sich Gewinner und Verlierer ausrichten. Für den einzelnen Spieler scheint es toll, von einem der Supervereine ein Angebot zu bekommen, denn hier kann er ja, der Oberprofi!, viel verdiene. Und so läuft und lief denn alles wie erwartet: Überraschungen, auf die ja so hingebungsvoll gewartet wird, gab es nicht. Und das alles an einem Tag, an dem der deutsche Kanzler den DFB besuchte, um für "Equal Pay" zu werben. Rührend! Manche Spieler der Frauennationalmannschaft, so hieß es, müssten noch einem "normalen" 40-Stunden-Job nachgehen, um in dieser Form Fußball spielen zu können. Nun ja, wenn die männlichen Oberprofis demnächst in Katar um die Weltmeisterschaft spielen, müssen wir ja nicht an den Fernsehern hängen. Die Frauen waren viel unterhaltsamer und ihr Spiel war für "Gutmenschen" bedenkenlos zu genießen.

Samstag, 23. Juli 2022

Konsum und Verzicht

Verzicht ist angesagt. Weniger ist mehr? Haha. Stimmt jede(r) zu. Wir wissen, dass wir sollten.... Doch die Zahl zugelassener Autos, ob Elektro oder Verbrenner, wird immer mehr. Die Konsumrate steigt. Auch in jetzigen, sehr problematischen Zeiten. Ob das ein Erbe der Vergangenheit ist, in der der Mangel herrschte? Ob das auch etwas damit zu tun hat, dass Besitz als Ausweis von Macht und Status gilt? Eine kleine Schicht konnte sich dieses Haben früher leisten: Aristokratie, Klerus, Besitzbürgertum. Ob dieses Besitzenwollen in uns angelegt ist? Oder ob sogar unsere Biologie da zwischen alle guten Vorsätze grätscht? Konsum frönen = Lustzentrum im Mittelhirn? Wenn wir etwas shoppen, einkaufen, stimuliert das das Lustzentrum. So scheint es wissenschaftlich hinterlegt. Nur: Das Konsumieren hält nicht ewig an, sondern geht in die Normalität über. Jetzt müssen wir ständig wieder etwas Neues an Land ziehen. Kaufsüchtig zu sein, ob das eine Folge davon ist? Dieses bestimmte positive Gefühl des Konsums aufsuchen? Was hat Gültigkeit?: Etwas besitzen ist besser als auf etwas verzichten? Mit dem, was wir besitzen, unterscheiden wir uns aber auch von anderen Menschen: Distinktion, Unterscheidung nennt man das. Sich absetzen. Etwas Besseres sein. Besitzen als Kompensation für ungute Gefühle? Geld alleine macht nicht glücklich, sagt der Volksmund. Alleine, wer viel hat, kann sein Leben aus Freiräumen heraus gestalten. Sehr wohl macht das glücklicher! Ein Großteil der Menschen lebt immer noch in einer Mangelsituation. Dem steht eine positive Einstellung dem Wohlstand gegenüber. Ob das auf die „soziale Frage“ zielt? Durch die Industrialisierung ist die Massenproduktion und dem folgend der Konsumrausch möglich geworden. Inwieweit das mit der Wertschätzung der Arbeit zu tun hat? Klar ist: Das Geschaffene muss in unserem System verbraucht werden. Wir sind Verbraucher geworden. Beispiel? Den heutigen Stand der Dinge bilden besonders die Klamotten ab, deren Fashion immer schneller wechselt und somit den Konsum anheizt. Fastfashion. Haha. Aber auch das Nichtgeeignetsein vieler Dinge und Konsumgüter für die Reparatur weist sehr deutlich darauf hin. „Dann holen wir uns halt was Neues...“, so der damit verbundene Spruch. Ob uns da der Ressourcenverbrauch Grenzen setzt? Dem Einzelnen scheint das egal zu sein, er sieht ausschließlich auf seinen persönlichen Vorteil. Und die Politik? Weist auf den Einzelnen. Ob wir unsere Erde somit auf eine schreckliche Art und Weise ausbeuten? Ob wir schon sehr lange die Möglichkeit zum Umdenken gehabt hätten? Inwieweit das mit der Frage zusammen hängt, ob wir vielleicht schon zu viele Menschen auf dieser Erde seien? „Small is beutiful“? Regional überschaubares Zeugs als Gegenpol zur „Globalisierung“? Inwieweit das mit dem Bildungsniveau zu tun hat?

Montag, 10. Mai 2021

Wachsend wachsen

Es ist jetzt immer häufiger von „Wachstum“ die Rede. Dass wir das dringend bräuchten, um die Folgen der Pandemie möglichst schnell zu bewältigen. Ich frage mich dann oft, ob denn gar nichts gelernt wurde, ob denn ein überkommenes Lebensmodell tatsächlich in die Zukunft führen kann, bloß, weil das gewisse Wirtschaftswirtschaftler so fordern und weil sie das als einzigen Weg sehen. Ob es da eine Rolle spielt, dass diese Wirtschaftswissenschaftler (in teils hochdekorierten Positionen mit Professorentitel ausgestattet) den nutzenmaximierenden und ausschließlich auf die Güterwelt ausgerichteten homo oeconomicus sowie die Zentralität des Wirtschaftswachstums einfach so als Basis ihrer Ansichten annehmen. Dabei könnte ja offensichtlich sein, dass das mit dem Wachstum wohl nicht immer so weiter gehen kann. Nicht zuletzt könnte man zu dem Schluss kommen, wenn dies Wirtschaftswachstum in zunehmendem Maße einer immer kleiner werdenden Schicht von Machtmenschen und Milliardären zugute kommt (mal oberflächlich betrachtet). Als etwas provozierend dürfte dabei ein Anspruch des Oberinvestors und milliardenschweren Geldspezialisten Warren Buffet empfunden, der harte soziale Auseinandersetzungen prophezeit und dabei am Ende die Besitzenden und Geldsäcke auf der ganzen Linie gewinnen sieht. Ob wir in diese Richtung wachsen wollen?

Mittwoch, 22. November 2017

Vermögensbildung

Es wird doch tatsächlich oft diskutiert, ob es gerecht und ein anstrebenswerter Zustand sei, wenn alle dasselbe verdienen? Natürlich nicht, so mag man da oft einwenden. Kommunismus soll ruhig das abschreckende Unwort bleiben. Gewisse Unterschiede liegen in der Natur der Sache. Oft führt die Diskussion dann auf die Frage zu, wie unter den Bedingungen der Globalisierung eine halbwegs sinnvolle Arbeitsmarktpolitik gemacht werden kann. Es geht dann oft um die Rolle der Gewerkschaften, die Frage nach dem betrieblichen Kündigungsschutz, die Frage danach, in welche Sektoren und zu welchem „Zwecke“ Investitionen oder Steuergelder allgemein ( als „Entschädigung“ für den Atomausstieg z.b. viele Milliarden an die Energiegroßkonzerne...) fließen. Es gab zudem den Vorschlag, Managergehälter ab einer bestimmten Höhe nicht mehr steuerlich absetzbar zu machen und sie in der Höhe ohnehin zu begrenzen. Die Frage ist am Ende, ob es den politischen Willen gibt, solche Dinge anzugehen... so scheinen derzeit nach dem „Jamaika“-Fieber solche Fragen ohnehin wieder in den Hintergrund gerückt zu sein, der Kandidat Martin Schulz scheint mit der Gerechtigkeitsfrage ohnehin Schiffbruch erlitten zu haben. Dabei gibt es auch Möglichkeiten, die keineswegs systemverändernd wirken müssen. Bei der Vermögensbildung gäbe es jedenfalls die Möglichkeit der international abgestimmten Steuerung und Regulierung. Vermögen? Nun ja, eine gewisse ungleiche Verteilung mag da durchgehen. Sie folgt der Logik des kapitalistischen Systems. Doch in Wirklichkeit sind die Verhältnisse extrem. 2% der Bevölkerung besitzen so viel wie 98% der Bevölkerung zusammen. Ob so etwas noch in der Logik des Systems liegt? Wenn in diesem Zusammenhang gestritten wird, dann höchstens über die Höhe dieser Zahlen, die natürlich angezweifelt werden. Es scheint insgesamt aber vielmehr auf die Größenordnungen anzukommen. Ob dabei etwas geändert werden müsste?  

Samstag, 24. Juni 2017

Oldtimer-Träume von alten Zeiten

Es fahren jetzt ziemlich viele Oldtimer-Cabrios umher. Aufgemotzte VW-Käfer, überarbeitete Opel Kadett und aufgehübschte Renault Alpines. Und da! Ein Triumph Spitfire! Gleichzeitig sind TV-Sendungen Quotenhits, in denen dreckig-speckige Figuren erst Liebhaberkisten günstig listig kaufen und dann mit Kennermiene erklären, wo und wie nachgerüstet werden muss. Was das wohl bedeutet? Ist es Ausdruck einer Erbengeneration oder eines nostalgischen Feelings? Oder beides? Gilt es, hinein zu fahren in eine Vergangenheit, in der Autos noch eine Identität hatten, in der sie charakterstark etwas bedeuteten und nicht nur anonym globalisierte Kisten waren, die einen möglichst protzig PS-stark und anmaachig verkleidet von einem Punkt zum anderen bringen sollten? Da ist die Erbengeneration, die mit ihrem Geld etwas anfangen muss und der die derzeitige Geldanlage in Europa zu ungünstig erscheint. Also wird in Sachwerte investiert: Immobilien, aber auch – dies hier! Wow! - alte Autos. Ihre Wertsteigerung sei so gut wie sicher, heißt es. Da weiß man, was man hat: jedenfalls haben's gewisse Kreise, die nicht wissen, was sie mit ihrem Geld anfangen sollen. Und: Das Besondere ist dadurch auch gewährleistet. Man stellt sich dar als der Besitzer von etwas Außergewöhnlichem, als einer, der Geschmack und Stil hat. Es beschleicht einen beim einen oder anderen dieser flotten Autolenker mit Datschkapp und heißer Schnecke neben sich ein Gefühl des Mitleids, wenn etwa der Regen doch noch einsetzen sollte und die mondänen Fahrer weit und breit kein Rückzugsgebiet finden. Hm, was dann? Nun ja, hierzulande gibt es Schlimmeres. Die Fahrzeuge wurden ja rechtzeitig modernisiert und verfügen über umfangreiche Einrichtungen dafür. Man soll langsam fahren und es gleiten lassen, ist in der nächsten TV-Sendung zu erfahren, die vor allem teure Modelle vorstellt und die bekannten italienischen Marken als zu alltäglich ausspart. Ja sind jetzt alle Millionäre geworden?  

Samstag, 20. Mai 2017

Sozialneid (2)

In einer Diskussion glaube ich, etwas konkreter erfahren zu haben, was bestimmte Personen meinen, wenn sie von „Sozialneid“ sprechen. Überhaupt empfiehlt sich ja wohl immer das Gespräch mit anderen, um sich selbst gewisser Dinge bewusster zu werden. „Sozialneid“ wurde insofern verstanden als der Neid gegenüber Einzelnen, der natürlich verwerflich erscheint. Ich selbst habe viel zu wenig daran gedacht, denn mir ging es immer nur um die Strukturen, die dahinter stehen und die etwas ermöglichen. Der Einzelne interessierte mich in diesem Zusammenhang so gut wie überhaupt nicht. Der Einzelne wäre vielmehr Gegenstand von Empathie, denn er ist ja allzu willfährig zu einem Teil eines Gesamtsystems geworden. Allmählich, in einem Prozess, der möglicherweise für ihn selbst gar nicht wahrzunehmen war, den er vielleicht in seiner Lebenswelt als "Normalität" und Selbstverständlichkeit für sich übernommen hat. 
Mit einem undefinierten Seitenblick scheint für manche Personen allerdings auch jener auf gesellschaftliche Strukturen zielende Gedanke relevant zu sein. Das aber erscheint für manche Leute so gut wie verboten und wird sofort mit dem Begriff „Sozialneid“ abgestraft. Ob ein Interessenkonflikt dahinter steckt? Ob „Sozialneid“ hier als eine Art "Kampfbegriff“ eingesetzt erscheint? Ein Standardnachschlagewerk behauptet nach meinen Recherchen in diesem Zusammenhang den „sozialen Neid einer bestimmten Gruppe gegenüber einer anderen“. Ein anderes großes Nachschlagewerk sieht den „Sozialneid“ gar als „polemischen Kampfbegriff“. Es scheint aber überall darum zu gehen, einen „sozialen Status“ zu neiden. Das scheint verboten zu sein. Denn Neid in all seinen Ausprägungen gilt in der Bibel als Sünde.

Dienstag, 17. Januar 2017

Das Machbare, das Mögliche und die Politik

Am Wochenende habe ich Gedanken aufgenommen, habe sie in mir bewegt und habe mich mit ihnen bewegt: Es gibt vielleicht so etwas wie die Politik der Enttäuschung. Das ist eine Politik, die den Leuten sagt, dass sie das realisieren wolle, was möglich sei. Es geht aber vielleicht nicht nur darum, das zu tun, was als möglich erscheint, sondern auch das scheinbar Unmögliche zu wagen. Die herrschende Politik will uns etwas weismachen: das Bestehende ist zwar nicht ideal, aber es ist nicht zu ändern. Wo stehen da solche geistigen Rammböcke und Positionen wie etwa die Macht des Faktischen oder die Behauptung einer „Alternativlosigkeit“. In einer Demokratie gibt es immer Alternativen, es gibt zudem den Versuch, sich eine Alternative zu erarbeiten, sie anzustreben. Die Alternative ist vielleicht ein Motor aller Entwicklung. Sie bedeutet: es geht vielleicht auch anders. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, ob nicht eine gleichere Gesellschaft möglich wäre als jene gegenwärtig extrem ungleiche Version, die von einer extrem kleinen Schicht von Kapitalbesitzern beherrscht wird (8 Personen besitzen offenbar so viel wie die Hälfte der gesamten Weltbevölkerung!). Es könnte möglich sein, die menschliche Arbeit nicht strikt aufzuspalten in Leitung und Ausführung. Wie sich das auswirken würde? Was wohl ein Weg dazu sein könnte? Lass uns darüber nachdenken! Ob Hierarchie immer der Ausdruck davon ist, etwas gut oder besser zu können? Lass uns einen Blick auf die Realität werfen! Man könnte vielleicht auch aufhören, sich zu bekriegen, aufgrund von Nationalität, Rasse oder Religion. Man kann sich dagegen vielleicht im Sinne der ganzen Menschheit verhalten und mit ihr fühlen.Vielleicht ist auch die Existenz einer autoritären Staatsmacht keine endgültige Sache. Es könnte sich lohnen, darüber nachzudenken, ob welchem Zeitpunkt eine Abschaffung oder zumindest Verminderung eines solchen Staatswesens wünschbar wäre. Wow, wäre so etwas Anarchie? Das böse Wort? Nun ja, es müssten gewisse Voraussetzungen und Randbedingungen dafür geschaffen werden, um so etwas zu versuchen. Wie man's dann nennt, wäre einigermaßen egal.
Ich bin dabei, dies alles an den gegenwärtigen Bedingungen zu spiegeln, in denen der Populismus zusammen mit dem ihm verbundenen Narzissmus Urständ feiert, der Neoliberalismus samt seiner Begleiterscheinungen sowieso zu lange das Feld beherrscht hat, die Figur des „Führers“ plötzlich wieder aus dem Schlamm kriecht, um sich mit den Bedürfnissen der Vielen nach Orientierung und Vorgabe neu zu sortieren und zu kombinieren. Die Religion scheint ihm dabei in jeder Hinsicht beizustehen. Ob auch die Ideologie bald ihre Renaissance erlebt? Gewisse fundamental ausgerichtete Religionsrichtungen scheinen schon dabei zu sein. Ob etwa ein grassierender Neoliberalismus, der alles Gemeinschaftliche zu einer Sache des Einzelnen machen will, nicht ohnehin schon eine Ideologie dargestellt hat? Nicht nur im deutschen Gesundheitswesen und im Bildungswesen scheint er gravierende Spuren hinterlassen zu haben, die allgemein als problematisch empfunden werden. Trotzdem schafft gesellschaftliche Verdrängung und Abspaltung hier noch ein fröhliches Klima. Ein globales Gesundheitswesen hat dieser profitgläubige Neoliberalismus ohnehin nicht geschaffen. Ob gewisse Entwicklungen zu schnell voran geschritten sind und den Menschen überfordert haben? Ob so etwas Offensichtliches eine Kategorie ist, in der Manager von Großkonzernen manchmal denken? 

Sonntag, 20. November 2016

Arm und Reich (2)

Ja wie? Es gebe keine Veränderung des Abstands zwischen Arm und Reich, behaupten interessierte Kreise und führen dazu regelmäßig scheinbar objektiv belastbare Statistiken ins Feld. Ob uns da nicht eine Skepsis angesichts dieser Wissenschaftshörigkeit befällt? Ist Wissenschaft etwas beliebiges? Ist sie Interessen ausgesetzt, ja gelegentlich davon sogar beeinflusst? Kann das sein? Darf das sein? Ob gewisse „wissenschaftliche“ Aussagen nicht regelmäßig gekauft sind, ob „die Wissenschaft“ nicht auch korrupte Seiten hat? Theorie und Empirie, ein schwieriges Verhältnis?
Ob ein statistischer Durchschnittswert auch gelebt wird? Das primitive und sehr anschauliche Beispiel dazu lautet: jemand hat ein Einkommen von 1000 Euro. Ein anderer hat 1 Euro. Über 5 Jahre hinweg hat die erste Person einen Einkommenszuwachs von 10 Euro, verdient nun also 1010 Euro. Das Einkommen der ersten Person stagniert in diesem Zeitraum und bleibt gleich. Rein statistisch ist es diesen beiden Personen dann besser gegangen, ihr Einkommen hat sich erhöht. Blöd nur, dass dies ausschließlich für eine der beiden Personen zutrifft, für die andere nicht. Ob sich's ähnlich mit der Einkommensverteilung in Europa, insbesondere in Deutschland verhält? Neulich musste die Nürnberger Tafel ihren Dienst wegen Überlastung einstellen. Im öffentlichen Fernsehen kam ein kurzes Interview dazu, in dem eine verantwortliche Person die Entwicklung zu kennzeichnen versuchte. Man habe, so diese Person, mit ein paar hundert (die genaue Zahl wurde genannt) zu betreuenden Personen begonnen. Mittlerweile sei man bei 18 000 (aus der Erinnerung genannt) und würde diesen Zuwachs einfach nicht mehr bewältigen. Ob so etwas einen Seitenblick wert ist? Ob dies einen Aussagewert über die reine Stichprobe hinaus hat? Ob es ein Auseinanderdriften bedeutet? Ob wir eine immer extremer werdende Kluft zwischen Arm und Reich haben? Ob auch dies jenen Populismus produziert, der jetzt parlamentarische Demokratien auf der ganzen Welt bedroht? Wenn sich auf der einen Seite irre Reichtümer häufen und andere von Monat zu Monat, von Woche zu Woche, von Tag zu Tag kämpfen müssen, um mit ihren Einkommen auch nur die wesentlichsten Ausgaben bestreiten zu können. Sparen bei Strom und Ernährung: ob angesichts dessen das Label „Bio“ ein bisschen allzu leicht zu propagieren ist? Tatsache ist, das man sich selbst dieses fragwürdige Logo „Bio“ leisten können muss. Es bedeutet ja meist eine Mehrausgabe, die selbst beim sparsamsten Kurs nicht von den anderen Ausgaben abgezwackt werden kann. Da ist es womöglich leicht, locker vom Verschieben von Prioritäten zu schwadronieren. Urlaub, ein Luxusgut? Für die einen Bestandteil des Alltags, für die anderen unerreichbarer Luxus. Ob das Zeichen sind, Signaturen, oder ob es rein zufällig wahrgenommene Dinge sind, die keineswegs zu verallgemeinern und ins noble Reich der Wissenschaft zu heben sind? 

Mittwoch, 6. April 2016

Ob nicht...? Fragen zur Rechtsprechung.....

Dass die Gerichte nicht (mehr) im Sinne der Bevölkerung entscheiden, dürfte nicht erst seit gestern ein Gegenstand genauerer Betrachtung sein. Ob sich da ein relativ selbständiger Stand herausgebildet hat, der sich auf „Volkes Stimme“ beruft, dabei aber um sich selbst in seinem Paralleluniversum kreist? Der sich in Sophistereien und Verfahrensfragen ergeht, während „draußen“ die Welt sehr viel grundsätzlicher brennt? Sicher, der Rechtsstaat ist eine wichtige Errungenschaft der Aufklärung. Ob sich aber die Bevölkerungsklasse der Gesetzesausleger dermaßen schamlos, verdeckt oder offen gierig und von allen akademischen Weihen geweiht daran schadlos halten muss? Bedeutet dies Rechtsstaat? Ob die Justiz nicht in der Hauptsache im Sinne der ohnehin Mächtigen, der "Arbeitsplatzbeschaffer" und Geldsäcke entscheidet, ob die Parlamente nicht für genau diese Klientel ihre Gesetze maßgeschneidert haben, indem sie nämlich schon im Entstehungsprozess durch ihre mächtigen Lobby-Verbände mehr als Einfluss genommen hat? Ob diese Lobbyisten nicht selten sogar die wörtliche Vorlage für solche „Gesetze“ geliefert haben? Ob es nicht genau dafür in der so vertretenen Bevölkerung ein feines Empfinden gibt? Ob nicht die Vielzahl der Gesetze den entgegengesetzten Effekt dessen, was beabsichtigt sei, hat? Ob nämlich dadurch nicht die Differenzierung des Rechtswesens sondern die Beförderung der totalen Unübersichtlichkeit und darüber hinaus ganz eindeutig der Arbeitsbeschaffung auf Auslegung der einschlägigen „Gesetze“ spezialisierter Kreise befördert wird? Ob das alles etwas mit der sogenannten Politikverdrossenheit zu tun hat? Ob die jüngst gestiegenen und von den Altparteien heftigst bejubelten Wahlbeteiligungszahlen in Ländern etwas mit der Suche nach Protest und einer Protestpartei zu tun haben? Ob der Abschied von der „sozialen Marktwirtschaft“ so etwas nicht noch befördert? Fragen über Fragen. 

Samstag, 19. März 2016

Steuervermeidung

Parteifreunde, auch und gerade aus der SPD (der Partei der „kleinen Leute“), sollen sich in Berlin untereinander geholfen haben, so heißt es. Ein bisschen begünstigt. Mit dicken fetten Honoraren. Beraterverträgen u.ä. Um ein paar Ecken herum, damit niemand etwas merkt. Ungereimtheiten gibt es dabei viele. Aber wer sich sicher fühlt, glaubt jeden Scheis machen zu können. Ebenso sollen sich, nach Berichten der „Wirtschaftswoche“, Beamte des Finanzministeriums ein bisschen finanziellen Nachschlag gegönnt haben, was teilweise bis zu 5000 Euro pro Monat hat gehen können. Als Gegenleistung wurde vielleicht über so manches steuermäßig relevante Manöver hinweg gesehen. Beweisen kann natürlich niemand nichts. Mit „Nebentätigkeiten“, die durchaus zu Lasten des Steuerzahlers gehen können, scheint es das politische Establishment ohnehin nicht so genau zu nehmen. Namhafte Anwaltskanzleien scheinen natürlich mitzumischen, sind ja immer gerne dabei, wenn es darum geht, Steuern zu „vermeiden“. Was sind „Steuern“? Entspricht ein solches Vermeidungsverhalten dem Ideal der „parlamentarischen Demokratie“? Wie soll jemand, der damit nicht einverstanden ist, seinen Protest erheben? Mit seiner Stimmabgabe bei der all 4 Jahre stattfindenden Wahl? Dabei soll er aber, bitteschön, gefälligst das Richtige wählen, ansonsten droht etwas auseinander zu fallen. Wie soll jemand solche Vorgänge einschätzen, was soll er davon halten? Sind days Kolateralschäden in einem Land, in dem ansonsten alles in Ordnung ist? Wie sollte man so etwas bezeichnen? Gibt es ein hässliches Wort dafür, das mit „K“ beginnen könnte?

Dienstag, 16. Februar 2016

Soziale Wirklichkeit

So manchen mag es ja schon lange gewundert haben, dass sich in Deutschland die Wirtschaft und deren „Führer“ recht offensiv und öffentlichkeitswwirksam über jenen Zustrom von Flüchtlingen freuen, der anderen europäischen Staaten nicht beschert ist. Was da wohl dahinter steckt? Eine globale Offenheit? Oder die Aussicht auf einen schnellen Profit? Hm. Der Verdacht, dass da freudig billige Arbeitskräfte gerade im Zeichen des eben eingeführten Mindestlohns erwartet werden, lag nahe. Anfangs versuchte man der doofen „Masse“ auch einzureden, dass lauter wohlausgebildete Fachkräfte, die Deutschland dringend brauche, ihren Weg hierher finden würden. Dies alles scheint spätestens im Licht der aktuellen Lage ein Ablenkungsmanöver von den sich immer weiter verschärfenden sozialen Gegensätzen in Deutschland gewesen zu sein. Schließlich hat die Bereitschaft, Dumpinglöhne zugunsten von geringen Lohnstückkosten zu zahlen, die deutsche Wirtschaft und Industrie zum Exportweltmeister gemacht. Der SPD-Gasableser für Moskau ist da ja mit seiner verdeckten Strategie einer „Agenda 2020“ längst für die Bosse vorgeprescht. Es ist auch ein erprobtes Vorgehen in der Politik, erst einmal einen Versuchsballon steigen zu lassen, der die "Stimmung" im Lande oder beim jeweiligen Koalitionspartner erkunden soll, ehe man brav wieder zurückrudert, nur um eine gewisse Zeit später wieder mit demselben "Anliegen" zu kommen. Jetzt geht es wieder einmal um die Durchlöcherung der sozialen Mindeststandards. 
Die wesentlichen Inhalte sind ja bekannt: unter dem Deckmäntelchen „Fordern und fördern“ soll der Verzicht aus staatliche Leistungen gerechtfertigt werden, der dann kurz- mittel- und langfristig der Wirtschaft und ihren miesen und für einen Lebensunterhalt selten genügenden Arbeitsplätzen zugute kommen soll. 30 % der Bevölkerung (diejenigen, die keinen "festen" Arbeitsplatz haben und auf verschiedene Weisen staatlich alimentiert werden) sind dadurch schon längst in die Armut gedrückt worden, wo sie ohne Perspektive von Mini-Job zu Mini-Job dahinvegetieren. 
Und jetzt ist die Katze aus dem Sack. Offen. Die Diskussion um Löhne unterhalb des Mindestlohnniveaus ist eröffnet. Es wird öffentlich teilweise gefordert (und dann auch wieder zurück gerudert...), dass Migranten zur Integration in den Arbeitsmarkt (so die offizielle Rechtfertigung) weit unter Mindestlohnniveau schuften sollen. Soziales Ungemach der allgemeinen Art glaubt man nach den Erfahrungen der Agenda 2010 sowieso unter Kontrolle halten zu können. Mit der Unterschicht und unteren Mittelschicht in Deutschland glaubt man ohnehin alles machen zu können, solange deren Farbfernseher gesichert ist. Konkurrenzdenken und entsprechendes Verhalten innerhalb dieser Gesellschaft ist von den Manager-"Entscheidern" längst eingepreist. Langfristige Strategien stehen darüber hinaus aber auch längst zur Verfügung. Anschaungsbeispiel mag da die USA bieten, die ihr Gesellschaftsmodell aus purer Machtarroganz zum weltweit gültigen Vorbild erklärt (die Konjunktur der privaten Sicherheitsdienste, die sich allmählich auch in Europa durchsetzt, mag da einen ersten empirischen Beleg liefern). Die soziale Polarisierung und deren harte Folgen scheint Ziel einer solchen Spielart des erbarmungslosen Kapitalismus.

Montag, 1. Februar 2016

Soziale Welten

Natürlich ist jetzt klar, dass diejenigen, die so gar nichts mit der Konkurrenz um Arbeitsplätze und Wohnraum zu tun haben werden, moralische Mantras in die Welt streuen. Das tun sie jetzt verstärkt auf allen Kanälen. Sie wähnen sich ja als Meinungsbildner in dieser Gesellschaft, sie sind geschützt vor aller Unbill und verkünden solches auch noch stolz in jeder ihrer Talkshows. Sie nehmen für sich in Anspruch, dass sie das "verdient" hätten. Genau diese Gesellschaft nimmt es hierzulande mit der sozialen Ausgewogenheit mittlerweile leider nicht mehr so recht ernst. "Soziale Marktwirtschaft" adieu! "Globalsierung rules"! Die einen verlieren, die anderen gewinnen. Auch wurde ja - wie typisch! - schon wieder von bestimmter politischer Seite eine zusätzliche Steuer aufs Benzin angedroht. Klar, wer darunter zu leiden hätte und wen das in allererster Linie trifft! Doch merkwürdigerweise sind genau diese Leute noch immer diejenigen, die solche konservativen Deppen in (dank!) demokratischen Wahlen wählen und kräftig daran mitwirken, an ihrem eigenen Grab zu schaufeln. Alles zum Wohle der Wirtschaft, die es uns so gut wie schon lange nicht mehr gehen lässt! Oder? Bloß: wer ist es eigentlich, der von dieser Wirtschaft in den vergangenen Jahren profitiert (hat)? Sind es die Leiharbeiter und Werksverträgler, sind es die Minijobber von der öffentlichen Hand Abhängigen? Natürlich zahlen diese Leute alle Sozialabgaben. Das Problem: sie können nicht mehr davon leben. Und die anderen arbeiten zu Dumpinglöhnen, um Exportweltmeister und überhaupt: Weltmeister zu werden. Schräg würgende Wirklichkeiten.  
In welcher Welt leben diese Leute und Wähler eigentlich? Man braucht sich doch nur umzuschauen, einen Blick ganz direkt auf die Wirklichkeit zu werfen: der Service ehemaliger Staatsbetriebe ist nach ihrer (Teil-)privatisierung deutlich schlechter geworden (auch die Nachrichten dieses Wochenendes sprechen trotz aller Schönsprechverschleierung klar diese Sprache....). Die Kosten für Entlassungen, die die Allgemeinheit in Form von Hartz4 und anderen Stützen zahlt, mal ganz ausgenommen. Die Konzerne, die mittlerweile ganze Branchenzweige nahezu monopolhaft (Siggi mischt da kräftig mit! auch mit Sonderverfügungen u.ä.) beherrschen, betreiben in großer Mehrzahl ebenfalls einen Service, der jeder Beschreibung spottet. So sparen sie Kosten, - solange es der Verbraucher willig mit sich machen lässt, weil er sich selbst ja teilweise Vorteile davon verspricht. Riesige Konzerne verdienen hier in diesem Land massenhaft Geld, das sie freilich dann in Steueroasen zu ganz bestimmten Sonderkonditionen versteuern, die quasi einer Steuerbefreiung gleichkommen. Steuer? Könnte das sein, was der Allgemeinheit zufließt. Das freilich wird den Kleinen abgepresst, denen es ja "soooo gut geht". Und derjenige, der solche Verhältnisse in seinem Land eingeführt und befördert hat, wird auch noch zum Boss der EU-Kommission befördert, weil es die Aritmethik der politischen Kräftverhältnisse gerade so mit sich zu bringen scheint. Hm.   

Donnerstag, 21. Januar 2016

Networking unter Machern

In Davos treffen sich derzeit die Superreichen und die Einflussreichen, um darüber zu beraten, was zu tun sei. Die mit den wichtigen Gesichtern, die politisch frei Gewählten und die mit dem vielen Geld. Natürlich haben sie ihren willfährigen Tross der Zuträger, Assistenten, Referenten, Übermittler, Rechtsberater und Meinungsvervielfältiger um sich.  Umsichtig organisiert der frühere FDP-Vorsitzende diesen Auflauf. Das ist der richtige Job für ihn. Es ist aber auch eine praktische Vorführung dessen, was Networking in der Gegenwart ist, - angesichts auch der neuen (und hier vor zwei Tagen erwähnten) Oxfam-Studie. Offiziell soll das Theater auch der Kommunikation unter den "Machern" dienen. Seltsam nur, dass sich die Vielen von anderen derartig fremdbestimmen lassen. Aber solches scheint vielfach legitimiert, verwundert in dieser Ausprägung  dennoch und zeigt ganz offen, wovon und von wem die Macht ausgeht. Vielleicht sind wir historisch einfach noch nicht so weit, um dies mit den dazu gehörenden Konsequenzen zu erkennen, - oder gar ändernd umzusetzen. Gleichwohl wird jetzt gerne und oft auf „Grundwerte“ verwiesen, die mit solchen Veranstaltungen auch schon mal gleich wieder ad absurdum geführt werden. Übrigens: „Alle Macht geht vom Volke aus“.  

Montag, 18. Januar 2016

Arm und Reich

Eine jetzt veröffentlichte Oxfam-Studie zeigt: 62 Superreiche besitzen jetzt so viel wie der Rest der Welt. Vor einem Jahr sollen es noch 80 Personen gewesen sein. Der Trend setzt sich also fort, ja, er beschleunigt sich offenbar. Schön ist auch der in der Studie aufgezeigte folgende Fact: Neun von zehn Großkonzernen haben eine Niederlassung in einer Steueroase. Ein Grund für diese Entwicklung ist Oxfam zufolge die unzureichende Besteuerung von großen Vermögen und Kapitalgewinnen sowie die Verschiebung von Gewinnen in Steueroasen. Außerdem scheint ziemlich viel schamloser Betrug im Spiel: eben scheint der Fußballskandal schon fast vergessen, da steht offenbar ein Tennisskandal ins Haus. Natürlich verwahren sich die Verantwortlichen und es steht die Unschuldsvermutung glasklar rechtsstaatlich im Raum.  

Montag, 4. Januar 2016

Garderobenberatung

Ich blättre durch Zeitungen und erfahre, dass immer mehr Menschen sich für ihre Garderobe von einem Profi beraten lassen. Aus Zeitmangel. Einen Spezialisten machen lassen. Delegieren. Wie ich das finde? Egal. Dekadent. Im selben Moment ein Lächeln. Die Situation ist vielleicht als Auswuchs davon, dass sich das Geld recht ungleich verteilt hat in letzter Zeit.Geld. Sehr, sehr wenige Deutsche haben mehr als die Hälfte davon. Und alle anderen müssen mit dem Rest auskommen. Die Besitzenden finden nichts dabei. Für sie ist die Situation normal. Sie haben's, die anderen nicht. Selbst schuld. Hauptsache, uns geht es gut. Doch wie kann es einem Land gut gehen, in dem jedes fünfte Kind unter der Armutsgrenze lebt? Das sind 2,1 Millionen (!) Mädchen und Jungen. Damit ist die Kinderarmut laut Experten größer als in Ungarn und Tschechien. Hm. Und die sozial schwachen Kinder haben hier in Deutschland sowieso keine Chance. Das ist sogar mit Zahlen belegt. Aber: Profiberatung durch einen Experten bei der Kleiderwahl. Die Klamottenboutiquen wollen davon profitieren. Von denen, bei denen es auf ein paar Euro mehr oder weniger nicht ankommt.   

Sonntag, 8. November 2015

Arm und Reich today - Vereinzelung

Jaja, angesichts all der Missstände und der seltsamen Mechanismen dieser Welt die Leute in die Vereinzelung treiben! Es gilt der subjektive Gefühlsausbruch, die emotionale Befindlichkeitsmitteilung, das banalste am Ich. Facebook und Co. sind da nur ein Beleg unter vielen. Viele Medien sind dabei die Schrittmacher, wenn es darum geht, Leuten Sand in die Augen zu streuen. Betäubungsstrategien zu entwerfen. Die Literatur macht da ja auch gerne mit. Persönliche (nichts Kollektives) Spiritualität (Kirchen sind out!) lässt sich dafür gerne missbrauchen. Das Bildungsbürgertum japst mit, so gut es halt geht. Mit der Zeit gehen, digital werden, neoliberal sowieso... dabei sein ist alles. Wer nicht mitmacht, ist isoliert. Wie armselig! Als müsste man das Einzelne nicht mit dem Gesamten in einen sinnvollen Ausgleich bringen! Als sei genau dies nicht eine anspruchsvolle Veranstaltung. Denker sind in Denkfabriken abgestellt, eingefriedet und gut honoriert, Elfenbeintürme wachsen von Konzernen hochgezogen aus der Erde, Universitäten sind eine Veranstaltung des Staates und als solche verpönt. Grundlagenforschung findet nicht mehr statt, es zählt, was Profit bringt. Schule des Turbokapitalismus. Keine Tarife mehr, dafür Start-Ups, in denen sich die Leute selbst ausbeuten, um schließlich überwiegend pleite zu gehen. Keine Gruppen, keine Mengen, keine Massen mehr. Das trüge nur zur Destabilisierung des „Systems“ bei. Keine generellen Regeln mehr, denn dann würden ja die Schwachen (die ja nur eine Chance haben, wenn sie sich vereinen) stärker. Es gelten zunehmend einzelne Abmachungen, Verträge, Agreements, die mit Individuen getroffen werden, um das Ganze zu schwächen. Denn der einzelne Schwache ist chancenlos gegenüber dem Starken. Dieser kann auf diese Weise endlich seine Bedingungen diktieren und verkauft das dann über findige PR-Agenturen so, als sei es zum Wohle der Allgemeinheit. Ob das demokratisch ist? Sozial? Begriffe aus vergangenen Zeiten, klar. Globalisierung nach Art der Besitzenden ist angesagt. Polarisierung auf allen Gebieten. Aufspaltung in einzelne Individuen. Teile und herrsche. 

Samstag, 7. November 2015

Arm und Reich today

85 Menschen besitzen so viel, wie die halbe Weltbevölkerung. Noch nie war Geld so ungleich verteilt. Wenn die Reichen immer reicher werden, dann haben auch diejenigen etwas davon, die nichts haben – heißt es. Steht im Raum. Von den Superreichen profitieren? Es würde etwas einsickern in andere Schichten, wenn diese Schmarotzer immer reicher würden. Wer eigentlich verbreitet solchen Unsinn? Seit dem großen Finanzeinbruch 2008 wurden beispielsweise allein in Großbritannien 118 Milliarden eingespart, die auf Umwegen als Boni und sonstige Vergütungen an die Banker und ein paar Manager gingen. Während die Reichen ein paar schlechtere Monate hatten, ging an den Rest der Welt während all der Jahre seitdem kein Vermögenszuwachs mehr. Sparkurs allüberall. Stagnierende Einkommen. Hingegen explodierende Einkommen der Superreichen. Vorbei die Zeiten von „mehr Demokratie wagen“ und Chancengleichheit. 
Wenn sie Taxis mieten, Restaurants besuchen, noble Uhren, Yachten und Autos kaufen, erzeugen sie Wohlstand für alle, so das immer wieder dahinter stehende und zu oft verbreitete Credo der Reichen und ihrer Handlanger. Reichtum zu verteilen schaffe Chancen für alle. Das stimmt gleich in mehrfacher Hinsicht nicht. Denn solche „Konsumausgaben“ kommen auf dem Umweg über Arbeitsplätze nur einer kleinen Anzahl von Menschen zugute, die in der Regel für ihre Dienste nicht gerade herausragend bezahlt sind. Und was überhaupt in den Bereich von Unternehmen gelangt, also zu Betriebskapital wird, wird nicht mehr im altmodischen Sinne investiert, sondern es wird zur Rationalisierung von Betriebsabläufen verwandt, - was heutzutage heißt: es werden Arbeitsplätze eingespart, es werden Menschen „freigesetzt“, rausgeschmissen, die in den Industriestaaten dann auf Kosten des Staates alimentiert werden. Sozialtransfer nennt sich dann so etwas. Viele Medien stützen solche Mechanismen ab und preisen den Mythos von Steve Jobs, Bill Gates und Co. (Figuren, die alle aus den 70er und 80er Jahren Jahren stammen...).  Als neulich jemand einen BH für 2 Millionen Euro vorführte, war die mediale Gier überwältigend und die Meldung überall präsent. Ein weiteres Beispiel: in den sogenannten „Autotests“ der Zeitungen, Zeitschriften und TV-Sendungen, werden in der Regel teure Sportwagen vorgeführt, die sich niemand von denen leisten kann, die davon träumen.Es scheint, als sei dies das normalste der Welt.  

Mittwoch, 23. September 2015

Optimismus reloaded

Alles fällt scheinbar auseinander, die Kriege vermehren sich und die Klimakatastrophe schreitet voran. Weltsichten brechen zusammen oder werden aus einigermaßen Überholtem runderneuert, Hierarchien sind in Frage gestellt, Gesellschaften verlieren ihre Erdung und brechen dann zusammen. Der Mensch als „Beherrscher der Dinge“ ist in Frage gestellt, Aufklärung fällt zurück, in Wahn, in Skepsis, in pseudoreligiösen Eifer. Die Jagd nach dem Glück ist für die meisten Menschen erstmal ausgesetzt: ein paar nur können sich alles erlauben und besitzen grinsend die Welt. Kurzfristige Idiologien, die scheinbar die Welt erklären, haben Konjunktur, und man ist, was man isst. Doch der bürgerlich gewordene Hedonismus zieht nicht mehr so richtig. Mögen einen die Flugzeuge jederzeit überallhin bringen: ihr Spritverbrauch macht genauso Sorgen, wie jener der teuren Motorkisten, die reiche Leute Automobile nennen und die überwiegend aus Deutschland kommen, um nicht nur in Europa brav im Stau zu stehen oder die Luft zu verpesten. Es ist uns wahrer technischer Fortschritt versprochen (wie dieser aussehen kann, war gerade in den vergangen Tagen zu bestaunen), nicht nur selbstfahrende Autos, stauumfahrende Systeme und Internet der Dinge: alles, was das Begehren für etwas wecken soll. Für was, das wissen wir so recht noch nicht. So ist der Mensch halt. Wir haben uns verhoben, das Gefühl verlässt uns kaum noch. Ob das alles so lebenswert ist? Ob es uns glücklicher macht? Ob wir dadurch mehr Zeit haben? „Wo bin ich? Wo war ich? Wo werde ich sein?"