Reise durch Wirklichkeiten

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Samstag, 23. August 2025

In sich außer sich

Was ich entdecke, weil ich eine Art „Investitur“ mache: Ich habe etwas aufbewahrt, dem ich über die Jahre hinweg so etwas wie eine Präferenz zumaß, an dem ich anderes maß, bewusst und unbewusst. Über lange Jahre hinweg war Sandy Denny trotzdem nicht an meine Ohren getreten. Sie war kein musikalisches „Fast Food“, das samt dem schnellen Urteil zu hören ich oft gezwungen war. Aber jetzt, die Sandy Denny-Kassette „A boxful of Treasure“ („eine Kiste mit Kostbarkeiten“). Ich erinnere mich, dass mir damals Wege gezeigt wurden, Arten, wie man etwas ausdrücken kann. Ihre Solo-Alben, ihre Lieder, teilweise unveröffentlicht und Live-Mitschnitte. Ein unprätentiöser fast bäuerischer Gesang eines Engels der Klarheit. Ich habe mir in Erinnerung gebracht, was mich immer schon bewegte: Dieses uneitle Singen, niemals auf massenhaftem Gefallen abgestimmt, nicht auf „Verkaufen“ abgerichtet, sondern eine angestrebte Übereinstimmung mit sich selbst. Da sind diese langsam sich entwickelnden Balladen, die dem in Deutschland herrschenden Zeitgeist bis heute fremd blieben. Sie machte sowas auch als Sängerin für Fairport Convention und deren zahlreiche Splittergruppen. Sie sang auch einmal für Led Zeppelin. Die sich ziehenden Verläufe, die einem das Zuhören abnötigen, bevor sie einem etwas geben. Auf dass man mit Perlen beschenkt werde. Dieses unbeirrte „in eine Richtung gehen“. Dieses „identisch mit sich selbst“ sein wollen. Sie hat in ihrem Leben viel Pech gehabt. Soll schließlich eine Treppe herabgestürzt und gestorben sein. Sie schien manchmal ins Unglück verliebt zu sein, melancholisch sinnierend, über sich hinaus schauend, eine große Klarheit ausstrahlend. Sie schwelgte, so scheint es mir wieder, nie in Übertreibungen, sondern blieb bescheiden direkt. Sie pflegte ihre spezielle Art der Konzentration und Ernsthaftigkeit. Ihre Lieder waren menschlich individuelle Äußerungen, nicht Ergebnis eines kollektiven Zielens auf Zuspruch und Verkauf. Ihre Version der Leidenschaft, ihr Brennen waren ihr Ausdruck. Sie spielte mit dem Bekannten und mit dem Unbekannten. Mit „Ecoute, ecoute“ sang sie gar einen kompletten Song auf Französisch. Sandy Denny hat an Wände gespielt und die Abpraller kamen auf uns. Wir sollten damit natürlich umgehen. Da war kein Protzen, kein „Sich verkaufen“. Vielmehr so etwas wie ein „Hier steh ich und kann nicht anders. Das immerhin versuche ich, so gut ich es kann“. Introversion statt Extroversion. Ein „In sich gekehrt sein“ und weniger ein „aus sich heraus gehen“. Nicht dieses zeitweise etwas verlogene Zusammenrücken am Lagerfeuer, sondern die musikalisch umkreiste Einsamkeit, das Leid, das zurück Geworfen sein. Und ihre Stimme. Was ein verborgenes Juwel aus dem Schatten heraus leuchten ließ. Da ist noch kein „einer möglichst großen Masse von Leuten gefallen“, da sind noch nicht die Meuten an Managern, die alle was ab haben wollen, die Berater, Experten und Parasiten. Stattdessen ist uns durch sie eine große Klarheit geschenkt.

Samstag, 6. Juli 2024

Geldanlage

Ich schlage so einen Begleitflyer auf, so eine undefinierbare Begleitveröffentlichung. Da haben sich lauter freundlich grinsende Manager in ihren dunkelblauen Anzügen unter dem Motto „Katalysator der Innovation“ aufgestellt. Damen verzieren das Ganze, indem sie ordentlich frisiert aus ihren Kostümen blicken. Ich empfinde so etwas als Verarschung in einem Land, das im Ranking seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeiten immer weiter abrutscht. Bahnfahren, über Brücken, im Auto über kaputte Straßen, in was?, Energiebesorger ohne Leitungen, blockierte Netzuser etc. ...es wird einem angesichts von „Herausforderungen“ angst und bange. Ach ja, KI, der neueste Hype. Da soll schland mit vorne sein, - ob`s stimmt? Hinzu tritt ein Akademiker mit Geistesmähne und Gestus, der Tipps für den Aktienmarkt geben will. Labert herum ums Wachstum, Investition, am besten in den Fond, den er berät. Wahrscheinlichkeiten für Anleger, Zinsen fallend oder gleichbleibend, Assets und Marktkapitalisierungen…. Ach ja, Strategie her!, am besten die richtige, lukrativ, attraktiv, Kapitalmärkte….. x x I open one of these flyers, one of these indefinable accompanying publications. There are lots of friendly, grinning managers in their dark blue suits, under the motto "catalyst of innovation". Women decorate the whole thing by peeking out from their suits with neat hair. I find this kind of thing a joke in a country that is slipping further and further down the rankings of its economic performance. Travelling by train, over bridges, in the car over broken roads, in what?, energy suppliers without cables, blocked network users, etc. ... the "challenges" make you scared and anxious. Oh yes, AI, the latest hype. Germany is supposed to be at the forefront - is that true? Then there is an academic with a mane of spirit and gestures who wants to give tips for the stock market. He babbles about growth, investment, preferably in the fund he advises, probabilities for investors, falling or constant interest rates, assets and market capitalizations.... Oh yes, strategy!, preferably the right one, lucrative, attractive, capital markets…..

Mittwoch, 22. September 2021

Digitalisierung lernen?

 Ich lese unter dem Thema „Digitalisierung“ meist Formelhaftes, Gestanztes, das mit der Realität nicht viel zu tun zu haben scheint. Es ist da viel von der Möglichkeit der Kombination verschiedener Kriterien im Verkauf die Rede. Nun erhebt sich die Frage, wie das „unten“ ankommt. Klar, irgendwelche Manager verkaufen sich gegenseitig etwas, wobei sie irgendwelche Gewinne machen. Doch ich habe zuletzt äußerst deprimierende Erfahrungen gemacht, wenn es um den Bereich der digitalen Dienstleistung geht. Da werden Call-Centers kontaktiert, die nach langem Anhören von Easy-Listening-Musik-Schleifen sich für nicht zuständig erklären und zudem keinerlei Ahnung von nichts haben. Test: Man ruft eine Stunde später dieselbe Telefonnummer an und bekommt eine völlig andere Auskunft. Effekt: das, was man gerne erreichen wollte, funktioniert nicht. Man ist frustriert. Ist man nun Kunde, oder nicht? Digitalisierung findet bei uns in Deutschland im luftleeren Raum statt. Es wird zwar viel darüber geredet, es passiert aber gar nichts, außer dass sich gewisse Manager gegenseitig fette Boni auszahlen und behaupten, man müsse erst mal den Begriff „Digitalisierung“ lernen, - und alles, was neu sei, falle dem gemeinen Menschen schwer. Dass sich die Software zwischen die „Face-to-Face-Beziehungen“ schiebe, sei ein großer Vorteilseffekt. Wenn ich nun meine unmittelbar zurück liegenden Erfahrungen berücksichtige, frage ich mich, welche Effekte das sein sollen. Meine Kommunikation war weitgehend anonym, Maschinen fragten nach 20-stelligen Zahlen und hielten mich in einer Schleife, im Laufe derer ich unzähligen Fragen zu beantworten hatte, ehe ich zur nächsten „Stufe“ vorgelassen wurde. Ich frage mich, ob das nicht eine moderne Form der Erpressung ist. Neue, innovative Ideen seien einzubringen, heißt es gerne. Ich frage mich: wohin, in welche Prozesse, sollen diese Ideen eingebracht werden? In den Kreislauf der hochdekorierten Dienstleistungen, mit denen sich die Manager und „Führungskräfte“ eines Unternehmens gegenseitig beglücken?

Sonntag, 25. Juli 2021

Wo wir stehen

Ein paar grundlegende Gedanken sind uns durch den Kopf gegangen: Die Kapitalisten und ihre modernen Vertreter, die Manager und Geschäftsführer, sind nur die Rücksichtslosesten, die Brutalsten, Gerissensten, die Tückischsten und Gierigsten, die es innerhalb des als legal definierten Parketts (was in Wirklichkeit die Kür des Könnens ist, - und nicht das Kriminelle) gibt, die sich in diesem Sinne immer mehr entwickeln und ganz nach vorne an die Spitze zur Elite kommen (ohne Rücksicht auf Verluste). Sie sind Menschenführer, die im Wettbewerb stehen, die "competetive“ sind. Nach einer Phase der Leistungsgesellschft bekommen die Manager derzeit ihr maßlos überhöhtes Gehalt dafür, das sie rücksichtslos sind und mit anderen Menschen wie mit Zahlen und Dingen umgehen, sie ins Elend stürzen, sie entlassen und als Kostenfaktor behandeln. So müsste man sie sehen. Da sie aber die Wirklichkeit und die Deutung der Wirklichkeit durch die Medien kaufen (!), werden sie überall als die Helden dieser Wirklichkeit abgebildet, verherrlicht und interpretiert. Sie werden verherrlicht und als Bestimmer alles Seienden gefeiert. Wo da die Bestimmerinnen bleiben? Ob sie etwas speziell Weibliches beizutragen haben oder ob sie sich in ihren Kostümen nur besonders gut an den Betrieb anpassen konnten?

Montag, 21. Juni 2021

Wie es sich verhält

Die Kapitalisten und ihre modernen Vertreter, die Manager, sind nur die Rücksichtslosesten, die Brutalsten, Gerissensten, die Tückischsten und Gierigsten, die es innerhalb des als legal definierten Parketts (was in Wirklichkeit die Kür des vorgeführten „Könnens“ ist, - und nicht das Kriminelle) prosperieren, sich in diesem Sinne entwickeln und ganz nach vorne an die Spitze kommen (ohne Rücksicht auf Verluste). Sie sind Menschenführer, die im Wettbewerb stehen. Die Manager bekommen ihr maßlos überhöhtes Gehalt dafür, das sie rücksichtslos sind und mit anderen Menschen wie mit Zahlen und Dingen umgehen, sie möglichst unter Effizienzgesichtspunkten ins Elend stürzen. So jedenfalls müßte man sie sehen. Da sie aber die Wirklichkeit und die Deutung der Wirklichkeit durch die Medien kaufen (!), werden sie überall als die Helden dieser Wirklichkeit abgebildet und interpretiert. Sie werden verherrlicht und als Bestimmer alles Seienden gefeiert.

Sonntag, 9. Mai 2021

Einsam, was ist das? Hat da jemand etwas gesagt....?

Wir sollen Optionen offen halten, auf den jeweiligen Zug aufspringen, das Beste für sich aus dem Andern heraus holen, ihn zur Stütze unseres Egos machen, ihn als "Konsumenten" und "Kunden" sehen. Sie sollen für mich bereit sein, wenn ich es brauche. Ich. als Mittelpunkt der Welt, der alles kriegen kann, wenn er nur will. Selbstoptimierung. Ob das ein Modell für die weitere Entwicklung dieser Gesellschaft ist? Einsamkeit hingegen ist Todsünde. Sie bedeutet das Gefühl, zu etwas verdonnert zu sein, was man gar nicht will. Einsamkeit geht mit dem Zuspruch von Schwäche einher, - was ja in unserer Marktwirtschaft gar nicht geht, weil Wertlosigkeit damit verbunden ist. Wir gehen ins Fitnesstudio, weil wir begehrenswert und attrativ sein wollen, uns aufwerten. Wir werden so zum Konsumartikel. Im Grunde suchen wir so recht eigentlich nach dem Andern, mit dem wir eine Bindung, - gleich welcher Art! - eingehen können. Wir aber sammeln per onlinedating Trophäen, statt Beziehungen zu suchen. Wir staffieren uns mit Menschen aus, die wir gerne „Freunde“ nennen. Was aber macht der Mensch „dazwischen“, der einsam ist, der sich als sozial unverträglich fühlen muss, der keine Freunde hat und sich insofern als wertlos dafür fühlt, dass Andere mit ihm in Beziehung treten? Ob da die Gesellschaft hierzulande etwas verpasst hat, indem sie Einsamkeit zum gottgewollten Schicksal der Wertlosen und Verlierer erklärt? Diese sollen pflichtschuldigst erklären, dass sie „an sich arbeiten“ wollen. Noch sind die Psychotherapeuten deswegen nicht überrannt. Denn kaum jemand getraut sich überhaupt, Einsamkeit zuzugeben und als Problem zu erkennen. Niemand, der sich selbst optimiert, ist einsam, niemand wäre dafür verantwortlich zu machen, außer man selbst, jedr ist der Manager seiner selbst und hat den entsprechenden (vom Coach gelehrten) Managersprech drauf - so diese Gesellschaft im Brustton der neoliberalen Überzeugung. Ob dies in Richtung der brutalen Züge der Marktwirtschaft geht? Wir sollen und müssen happy sein und „Erfolg“ haben, egal, ob Krankheit, Schulden, Schicksalsschläge, Liebe, Beruf oder Erziehung drücken.

Freitag, 3. April 2020

Resistente Keime

Ob es erlaubt ist, dass man sich angesichts der aktuellen Probleme noch Fragen zu den Pharmaklitschen stellt? Im Lichte der aktuellen Entwicklungen vielleicht? Verantwortung für die Gesellschaft, Nachhaltigkeit, - ob das Kriterien für die Pharmaindustrie sind? Oder ob es nicht die verschiedenen Parameter der kurzfristigen Renditen sind? Immer mehr Menschen sterben an resistenten Krankenhauskeimen. Ja, auch neben der Corona-Katastrophe her! Die Forschung nach neuen Antibiotika haben große Pharmafirmen längst aufgegeben, aus Kostengründen, wie sie nicht nur auf ihren Hauptversammlungen den von ihnen selbst ausgewählten und gewogenen Pressevertretern sagen. Resistente Keime? Aktuell genauso wie der Klimawandel gegenüber der Corona-Krise etwas in den Hintergrund gerückt. Aber das Problem könnte wiederkommen (hoffentlich nicht in allzu großem Stil...). Schon jetzt gilt es als gigantisches Problem der Menschheit. Dabei scheint die Erkenntnis für die „Pharmaprofis“ einfach: Ohne die Menschen könnten keine Medikamente verkauft werden und keine Profite gemacht werden. Sie werden schon jetzt in großer Zahl durch „Krankenhauskeime“ dahingerafft.
Doch Pharmafirmen scheinen nicht so zu denken. Sie denken nicht an das Wohl der Menschheit und deren Überleben, sondern vielmehr an den kurzfristigen Profit. Gerade idiologisch eingestellte Politiker betonen, dass dies in einer Marktwirtschaft wie der unseren auch nicht verwerflich sei. In diesem Falle scheint es jedoch aus mittel- und langfristiger Sicht sehr kontraproduktiv zu sein. Der Markt löst also auch in diesem Falle nicht die Probleme. Die Privatwirtschaft versagt. Ob da der Staat eingreifen sollte? Wieder greift die Strategie, dass hierzulande politische Institutionen dazu einfach keine Aussage treffen wollen und offenbar allzu gerne auf die „Gesetzmäßigkeiten des Marktes“ verweisen. Und zwar nicht nur in jetzigen Zeiten, in denen andere Probleme vorrangig sind. Zu großes Risiko, erwartbare Verluste mit weniger erfolgreichen Produkten... usw. Die Argumente liegen auf der Hand und sind allzu offenbar. Mögliche Auswirkungen solcher Einstellungen sind aber gerade jetzt zu spüren. Ob es ein Weg ist, für stark gewinnorientierte Pharmaunternehmen Anreize zu schaffen? Dann nur zu...! Der Markt regelt alles? Wirklich? Mal sehen....

Sonntag, 19. Januar 2020

Die Herren

Einigermaßen fassungslos bin ich, wenn ich wieder einmal mitkriege, wie in bestimmten Fernsehsendern Industriekapitäne und Wirtschaftsmanager aller Art mit „Herr….“ angesprochen werden (naturgemäß ist die Anrede „Frau...“ da wesentlich seltener). Die Herren wünschen dann, dass bestimmte Fragen doch bitteschön ausgeschlossen sein mögen! Nach ihrer Augenblicksdefinition seien sie "unpassend". Vorauseilend ehrerbietig kommt mir das vor, wenn so etwas von jenen akzeptiert wird, die sich gerne "Journalisten" nennen.. Jedenfalls ist solch ein Verhalten nicht sehr journalistisch. Diese ehrerbietigen TV-Gesichter, die dem Verlautbarungsjournalismus ja so gewogen erscheinen, sind offenbar in einem Erkentnissystem gefangen, das ziemlich gleichbedeutend mit einer neoliberalen Unterwürfigkeit den Geldsäcken gegenüber ist. Von gleicher Augenhöhe kann hierbei jedenfalls kaum die Rede sein. Dazu passt auch, das die Öffentlichkeit Zeuge sein muss, wie sich solche „Journalisten“ abmeiern und vorführen lassen, - zuletzt von einem ach so populären Trainer, davor von politischem Personal.

Samstag, 13. Juli 2019

Stress, Digitalisierung und Achtsamkeit (2)

Etwas Unbedeutendes mit allen Sinnen wahrnehmen, seine Aufmerksamkeit darauf lenken, Gerüche, Geschmäcker wahrnehmen, die Hektik, den Stress, das fortwährende Multitasking und die überall herrschende Zweckbestimmtheit vergessen, - kann man das lernen? In Kursen? In Workshops? Das Etikett „Achtsamkeit“ erscheint angesagt – bei Managern und „erfolgreichen“ Eliten. Sie sollen besser und erfolgreicher funktionieren, sie sollen der Beschleunigung aller Lebensverhältnisse besser folgen können. Sie sollen von sich absehen und doch ganz bei sich selbst sein. Sie sollen Skrupel abbauen, um beispielsweise Leute besser entlassen zu können. Sie sollen die Vorgaben anderer als die eigenen begreifen. Internalisierung, Verinnerlichung, soll auf diese Weise besser gelingen. Dazu ist Konzentration auf den Atem angesagt, Stille und Langsamkeit heißt es auszuhalten, ruhiges Gehen und bewusstes Essen gilt es zu erlernen, den eigenen Körper spüren, mental bewusst im Hier und Jetzt sein, den Moment genau erleben und vielleicht auch zu genießen - und vieles andere, das gut klingt. Angst und Panik sei dadurch besser auszuhalten, so heißt es, sich selbst annehmen, sich selbst spüren, auch die eigenen Verletzungen, das sei als nobles Ziel ausgegeben. Doch es bleibt eine Frage: Wem nützt es, wenn Achtsamkeit der Maximierung von Glück, Gewinn oder Geschwindigkeit dienen soll?

Freitag, 12. Juli 2019

Stress, Digitalisierung und Achtsamkeit

Es scheint so, als sei „Produktivität“ das höchste Gut in dieser Arbeitsgesellschaft. Gerade hier in Baden-Württemberg, wo „der Fleißige“ der König ist, - wie gerne versprochen wird und wo die Menschen seit Jahrhunderten genau so sozialisiert sind, wobei die sogenannte „Realteilung“ im Erbfalle auch ihre Rolle gespielt haben mag. Was zählt, ist dass dies Versprechen und sein Bild durch globale Entwicklungen Risse bekommen hat. Seit der Fleißige auch gerne mal entlassen wird, wenn‘s gerade in den Unternehmenskram passt und wieder mal Kosten gesenkt werden müssen. Dass Kosten gerade beim Personal anfallen, scheint ehernes Gesetz zu sein. Wenn noch ein bisschen Prozessoptimierung dazu kommt: umso besser. Auch das steigert den Profit. Doch es funktioniert nicht mehr so, wie ausgedacht: Burn-Out, Depressionen und andere psychische Krankheiten sind im Vormarsch, Vollbeschäftigung hin oder her. Der Stress, die Arbeitsverdichtung, der Druck macht Viele fertig. 
Was machen die Unternehmenslenker? Strategien dagegen werden erfunden. Man soll tätig werden. Was tun dagegen. „Achtsamkeitstraining“ wird empfohlen. Natürlich nur den "Führungskräften". Volle Konzentration drauf, sich nicht von der Angst lenken zu lassen - darum geht es beim Achtsamkeitstraining. Besser zur Verfügung stehen. Fitter für den Job bleiben. Menschen sollen auf die dem Buddhismus entlehnten Bewusstseinstechniken zurückgreifen, um ihr Arbeitspensum zu bewältigen. Sie sollen danach umso erfolgreicher, umso schneller, umso fitter, innovativer, gesünder sein (um dem Unternehmen zu nutzen...). Ob aber das Übel auch ein bisschen in der digitalen Entwicklung liegt? Ob diese Digitalisierung uns nicht eine Funktionalisierung und Selbstoptimierung aufzwingt? Jede freie Minute soll doch genutzt werden,  - für wen? Für was? Common Sense ist: Digitale Gadgets bringen keine Zeitersparniss, sondern oft genug Stress. Technik kann auch Stress erzeugen, nicht nur die Erleichterung der Bequemlichkeit. Ob Achtsamkeit nicht gerade den Ausstieg aus der Optimierungslogik bedeuten könnte?

Montag, 15. April 2019

Autorealisten


Dieses Ausmaß an Renitenz, an Kaltschnäuzigkeit und fast schon krimineller Energie hatten wir uns dann doch nicht vorstellen können. Seit dem Wochenende scheint wieder ein großer Automobilhersteller unter Verdacht (natürlich nichts bewiesen!) geraten zu sein, Schummelsoftware eingesetzt zu haben und angestrebt zu haben, sie nun heimlich still und leise zu beseitigen, bevor irgendjemand etwas merken solle. Ja heiligt der Zweck alle Mittel? Und was ist eigentlich der Zweck? Geld zu verdienen? Arbeitsplätze zu erhalten? Dieses Argument ist sowieso das erste, was in diesem Zusammenhang immer zu hören ist. Die Folgen davon sind jetzt wieder zu bestaunen. Völlige Fehleinschätzung und gnadenlose Arroganz scheinen an der Tagesordnung. Scheinen…. Ja klar, wir leben in einem Rechtsstaat und bislang ist nichts bewiesen. Die Chance ist groß, dass findige Anwälte einen Weg finden werden, den Konzern „rauszuhauen“ und sämtliche Vorwürfe im Sande verlaufen zu lassen. Spätestens jetzt wäre, so meine bescheidene Einschätzung, doch eine gegebene Möglichkeit, die Ziele der Entscheidungsträger und der für sie agierenden Politiker zu hinterfragen. Mäßigung scheint jedenfalls kein Wort zu sein, das im Sprachschatz dieser Leute vorkommt. Sich selbst auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern, scheint unter diesen „Entscheidungsträgern“ geradezu ein Kennzeichen der „Freien Marktwirtschaft" zu sein.
Hinzu kommt, dass sich offenbar auch auf internationalem Parkett Automobilmanager nicht mit Ruhm bekleckert haben. Ein geradezu faustisch Mephistohaft dreinblickender Vertreter der „Entscheider“ auf diesem Gebiet scheint jetzt im asiatischen Raum, wo er eine große Fusion angestrebt hat, in große Bedrängnis gekommen zu sein. Persönliche Bereicherung und andere rechtliche Vorwürfe scheinen ihm vorgeworfen zu werden, wobei er sich unter Mithilfe seiner Anwälte mit allen rechtlichen Tricks aus der Affäre zu ziehen versucht (was natürlich total erlaubt und "legal" ist...). Doch es scheint wohl immer neue Vorwürfe zu geben. Der Vorwurf der Untreue scheint dabei in mannigfacher Variation im Raum zu stehen. „Versteckte Praktiken“ aller Art scheinen ihm in diesem Zusammenhang zudem vorgeworfen zu werden. Die brutale Gier scheint solche Leute aus der Managerklasse total zu beherrschen. Das Muster ist immer gleich: große Fusionen, Rationalisierung, Gesetz der Globalisierung, Wettbewerb und Marktwirtschaft. Kleine Angestellte zahlen dann die Zeche für die "Bemühungen" dieser Leute. Denn „Einsparungen“ (die auch zur Finanzierung von fürstlichen Renten solcher Leute heran gezogen werden) bedeuten in diesem Zusammenhang meist „Personalabbau“. Naja, klingt alles schon ziemlich abgegriffen und müde. Man könnte sich ja auch einmal etwas Neues überlegen... Doch, keine Angst, Anwälte werden wohl aktiv werden und alle Vorwürfe „managen“…...

Donnerstag, 29. November 2018

Achtsamkeit als Strategie

Der Begriff „Achtsamkeit“ ist ja noch immer in aller Munde und nimmt teilweise so viele berechtigte Anliegen auf. Doch er scheint auch seine Schattenseiten zu haben. So scheint immer klarer zu werden, dass „Achtsamkeit“ jetzt selbst als Technik zur Steigerung von Leistung eingesetzt wird. Und dies, obwohl die Überwindung dieser Steigerungsidiologie doch eines ihrer Ziele sein könnte. So wird mancherorts empfohlen, dass Menschen versuchen sollten, 20 Minuten Meditation und innere Sammlung zu praktizieren, damit sie danach umso erfolgreicher, umso schneller, umso fitter, innovativer, gesünder sein könnten. Das heißt „Achtsamkeit“ wird als Moment in einer Wachstumslogik eingesetzt, mit einer Steigerungslogik, die das Problem erst recht verursacht. Weil die Achtsamkeitsbewegung schon die Tendenz hat zu sagen: Wenn du nur achtsam genug bist, wenn du nur achtsam genug mit dir und anderen bist, den Dingen und der Welt umgehst, dann ist alles in Ordnung und du bist bei dir selbst. Die Frage nach einem Verhältnis zur Welt wird ausschließlich als Persönlichkeitseigenschaft verstanden. Individualisierung. Neoliberalismus. Jeder ist für sich und ein gelingendes Leben selbst verantwortlich. Man sieht ja auch, dass „Achtsamkeit“ etwas ist, was oft von Managern oder von erfolgreichen Eliten gesucht und praktiziert wird. Die dann sagen können, sie hätten Skrupel und Schwierigkeiten gehabt, Menschen zu entlassen und „Kosten zu reduzieren“. Seitdem sie aber Achtsamkeit praktizierten, falle es ihnen viel leichter, so rücksichtslos und gierig vorzugehen. Unsere Gesellschaft ist raffiniert: sofort wurde eine Funktionalisierung der Achtsamkeitslogik eingeübt. „ Der Fetisch Erfolg“ steht über allem anderen.

Donnerstag, 12. April 2018

Götter des Neoliberalismus

Die Kapitalisten und ihre modernen Vertreter, die Manager, sind nur die Rücksichtslosesten, die Brutalsten, Gerissensten, die Tückischsten und Gierigsten, die es innerhalb des als legal definierten Parketts (was in Wirklichkeit die Kür des Könnens des Machbaren ist, - und nicht das Kriminelle) prosperieren, sich in diesem Sinne entwickeln und ganz nach vorne an die Spitze kommen (ohne Rücksicht auf Verluste). Sie sind Menschenführer, die im Wettbewerb stehen. Die Manager bekommen ihr maßlos überhöhtes Gehalt dafür, das sie rücksichtslos sind und mit anderen Menschen wie mit Zahlen und Dingen umgehen, sie ins Elend stürzen. So müßte man sie sehen. Da sie aber die Wirklichkeit und die Deutung der Wirklichkeit durch die Medien kaufen (!), werden sie über all als die Helden dieser Wirklichkeit abgebildet und interpretiert. Sie werden verherrlicht und als Bestimmer alles Seienden gefeiert.Sie sind die Götter des Neoliberalismus. 

Mittwoch, 22. November 2017

Vermögensbildung

Es wird doch tatsächlich oft diskutiert, ob es gerecht und ein anstrebenswerter Zustand sei, wenn alle dasselbe verdienen? Natürlich nicht, so mag man da oft einwenden. Kommunismus soll ruhig das abschreckende Unwort bleiben. Gewisse Unterschiede liegen in der Natur der Sache. Oft führt die Diskussion dann auf die Frage zu, wie unter den Bedingungen der Globalisierung eine halbwegs sinnvolle Arbeitsmarktpolitik gemacht werden kann. Es geht dann oft um die Rolle der Gewerkschaften, die Frage nach dem betrieblichen Kündigungsschutz, die Frage danach, in welche Sektoren und zu welchem „Zwecke“ Investitionen oder Steuergelder allgemein ( als „Entschädigung“ für den Atomausstieg z.b. viele Milliarden an die Energiegroßkonzerne...) fließen. Es gab zudem den Vorschlag, Managergehälter ab einer bestimmten Höhe nicht mehr steuerlich absetzbar zu machen und sie in der Höhe ohnehin zu begrenzen. Die Frage ist am Ende, ob es den politischen Willen gibt, solche Dinge anzugehen... so scheinen derzeit nach dem „Jamaika“-Fieber solche Fragen ohnehin wieder in den Hintergrund gerückt zu sein, der Kandidat Martin Schulz scheint mit der Gerechtigkeitsfrage ohnehin Schiffbruch erlitten zu haben. Dabei gibt es auch Möglichkeiten, die keineswegs systemverändernd wirken müssen. Bei der Vermögensbildung gäbe es jedenfalls die Möglichkeit der international abgestimmten Steuerung und Regulierung. Vermögen? Nun ja, eine gewisse ungleiche Verteilung mag da durchgehen. Sie folgt der Logik des kapitalistischen Systems. Doch in Wirklichkeit sind die Verhältnisse extrem. 2% der Bevölkerung besitzen so viel wie 98% der Bevölkerung zusammen. Ob so etwas noch in der Logik des Systems liegt? Wenn in diesem Zusammenhang gestritten wird, dann höchstens über die Höhe dieser Zahlen, die natürlich angezweifelt werden. Es scheint insgesamt aber vielmehr auf die Größenordnungen anzukommen. Ob dabei etwas geändert werden müsste?  

Dienstag, 8. August 2017

Gottgegebener Markt?

Ja muss denn die gesellschaftliche Spreizung so groß sein, dass Spitzenmanager Gehälter im solide zweistelligen Bereich beziehen und dass gewählte Volksverteter da offenbar gerne mithalten würden (wg. "Verantwortung"), während die untere Einkommensschicht nicht weiß, wie sie den finanziellen Alltag bewältigen soll? Ob etwa 2 % der Bevölkerung etwa 50 % des verfügbaren Einkommens besitzen müssen? Das diktiert der Markt, so lautet oft die Argumentation. Ist aber „der Markt“ etwas ungestaltbar Gottgegebenes oder wäre er bei entsprechendem politischem Willen beeinflussbar? Ja gewiss, ist die „Verantwortung“ ein Kriterium, nach dem sich der Lohn bemessen könnte. Aber rechtfertigt das solche Gehälter, erst recht nachdem bei einschlägigem Misserfolg auch heftige Abfindungssummen bezahlt werden? Ob das alles „der Markt“ diktiert, das Angebot und die Nachfrage? Ob es solche Individuen dermaßen wenige gibt, so dass sie ihren Preis mehr oder weniger selbst bestimmen können? Was ist das „gewisse Etwas“, was diesen Preis bestimmt? Ist es Gerissenheit, die in so etwas wie „Durchsetzungsfähigkeit“ mündet? Gehört Egoismus und Narzissmus dazu? Klar ist, dass Märkte innerhalb von Regeln stattfinden, die gestalt- und veränderbar sind. Auch durch Gesetze und steuerliche Regulierungen. Zu behaupten, dass ein Markt gut funktioniere, scheint nur innerhalb eines gewissen Rahmens möglich zu sein. Der „freie Markt“ solle es richten, so das offizielle Credo. Doch dieser „freie Markt“ ist ja auch schon das Resultat gewisser Überlegungen. Ob die gegenwärtigen gigantischen Ungleichheiten und Verzerrungen angesichts dessen zwangsläufig sind? Ob sich der Kreis der Topmanager vor allem aus bestimmten gesellschaftlichen Kreisen rekrutiert. Wem werden solche Jobs angeboten? Ob bei so etwas wie Chancengleichheit herrscht?

Montag, 7. August 2017

Geldmeister

Anlässlich dieser „Leichtathletik-Weltmeisterschaften“ habe ich mich oft gefragt, wer sich diesen Quatsch noch ansieht. Ein paar Leute sollen ja auch noch an den „sauberen Sport“ glauben. Nun ja, in einer Woche, in der der Transferwahnsinn im Fußball nochmal andere Dimensionen angenommen hat, fällt das, -gelinde gesagt, - schwer. Denn es werden wohl astronomische Summen bewegt in diesem Sportgeschäft. Manager, Vermittler und Berater scheinen dabei recht aktiv abzukassieren. Die Beispiele sind alle öffentlich gemacht, auch dank solch hervorragender Journalisten wie Hajo Seppelt, der ohne Angst an seinem Thema dran bleibt. Dabei scheint es bei solchen Summen durchaus ein Risiko zu bedeuten, einen solchen Job zu machen. Und dann verliert auch noch Usain Bolt seinen Lauf gegen einen wiederholt überführten Doping-Sünder, der sich mit allerlei juristischen Tricks wieder einen Zugang zu solchen „Rennen“ verschafft zu haben scheint! Währenddessen balgen sich im Fußball Superprofis im Supercup um Superpokal-Ehren! Wow, offensichtlicher geht es ja wohl nicht! Aber wenn alle Leute dermaßen konsequent und durch die Idiologie des Neoliberalismus gestützt den Mammon anbeten in dieser Gesellschaft, ist es vielleicht ein bisschen zu viel verlangt, clean und hintendran zu bleiben. Besonders, wenn es die großen Konzerne wie kleine Krämer vormachen.......

Donnerstag, 3. August 2017

Gipfel der Peinlichkeit

Es war der Gipfel der Peinlichkeit: erst wurde überraschend vom Verkehrs- ins Innenministerium verlegt, um den Protest abzuschütteln. Danach wurde die Abschlusspressekonferenz im Viertelstundentakt von 15 Uhr auf 17 Uhr verschoben. Alleine schon das ist bemerkenswert. Und dann kreiste der Berg, um eine Maus zu gebären. Zum Dieselgipfel wurde schon viel geschrieben und gelabert. Die Ergebnisse sprechen für sich. Frau Bundeskanzlerin war ja sowieso nicht dabei.Toll war dafür aber die Show der Autobosse, die keinerlei Unrechtsbewusstsein an den Tag legten und nach Gutsherrenart etwas gewährten, was schon am Tag zuvor schriftlich veröffentlicht worden war. Alle Seiten, einschließlich eines Ministerpräsidenten, der im Aufsichtsrat eines dieser „Unternehmen“ hockt, haben sich heftig demaskiert, was so kurz vor der Wahl nun auch nichts mehr ausmacht. Wähler sind ja auch Verbraucher, - und umgekehrt. Spezialdemokraten scheint es um Arbeitsplätze zu gehen. Die Leute, die gegen das E-Auto argumentieren, indem sie auf Braunkohlekraftwerke verweisen, die dreckigen Strom produzieren, haben dank ihnen recht. Irgendetwas Zukunftsweisendes scheint angesichts der Gesamtlage nicht möglich. Da ist so vieles sichtbar geworden, was man erst mal verarbeiten oder negieren muss. 

Samstag, 4. Februar 2017

Soziale Gerechtigkeit

Natürlich ist Deutschland nicht gerecht! So eine Binsenweisheit! SPD-Schulz scheint dies jetzt in einem Interview als große Entdeckung für den Wahlkampf nach außen gebracht zu haben und hofft damit wohl, weitere Wählerstimmen für sich zu fangen. Ob er das Land aber als Bundeskanzler gerechter machen kann, ist damit noch ziemlich ungewiss. Immerhin scheint sich seine Partei unter anderem mit den Hartz 4-Gesetzen und prominenten Politikern wie Schröder, Clement oder Steinbrück nicht unbedingt in diese Richtung bewegt zu haben. Dass viele Wähler offenbar in Ermangelung einer demokratischen Protestpartei gewillt sind, eine rechte Partei zu wählen, macht die Sache scheinbar verworren. Viele Stimmen aus diesem Potential zu gewinnen, scheint sich die SPD jetzt auch mit Hilfe von „potenten“ Werbeagenturen aufgemacht zu haben. Dabei soll wohl das Argument der sozialen Gerechtigkeit im Vordergrund stehen. Zu befürchten (noch nicht zu beweisen oder belegen!) ist aber, dass dies Thema mal wieder nur als Vorwand benutzt wird, um an möglichst viele Wählerstimmen zu kommen, die anschließend um so verzweifelter in die Legislaturperiode gehen könnten, weil die Masse der der prekären Arbeitsplätze keineswegs zurück geht, sondern ihre ohnehin schwachen und nicht von einer fetten Lobby bewehrten Stimmen im Triumphgeheul von fortwährend gemeldeten Arbeitslosenzahlen und wirtschaftlichen Erfolgszahlen untergehen. 
Die Frage der sozialen Gerechtigkeit kann sich aber nur darauf beziehen, wem dieser scheinbare Fortschritt nützt, wem es da so furchtbar viel besser geht und wer in dieser Gesellschaft davon profitiert. Auch die SPD feiert gerne wirtschaftliche Erfolgszahlen und hat mit den Werbereisen des von ihr gestellten Wirtschaftsministers viel dafür getan. Das Problem der sozialen Gerechtigkeit aber kann sich nur darauf beziehen, dass es in Deutschland nicht nur Arbeitgeber und Arbeitnehmer gibt, sondern eine dritte, weitgehend rechtlose Klasse, die sich von den beiden (!) anderen Klassen hin- und herschieben lassen muss. Das Problem ist, dass jener gesellschaftliche Mittelstand, der einst Deutschland nach dem Kriege nach vorne geholfen hatte, große Probleme hat und inzwischen deutlich schrumpft. Selbstverständlich lassen sich dagegen und dafür je nach politischer Ausrichtung Zahlen aufrufen, dies dies oder jenes scheinbar belegen. Die empirische Erfahrung, d.h. der Blick aus dem Fenster in andere Lebenswelten, scheint auch eine Quelle der Erkenntnis zu sein, die nicht unterschätzt werden sollte. Doch dies ist wohl auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.  

Donnerstag, 2. Februar 2017

Nepotismus

Nepotismus („Vetterleswirtschaft“) und vertikale Durchlässigkeit einer Gesellschaft hängen wohl auf vielerlei Art zusammen. Es fällt auf, dass sich beispielsweise im internationalen Showgeschäft inzwischen die stets selben Nachnamen tummeln, die inzwischen aber die Töchter und Söhne tragen. Der Beispiele sind ungeheuer viele, man mag sie nicht mehr aufzählen. Aber auch unter Journalisten, Politikern und Wirtschaftsführern scheint das Phänomen weit verbreitet, die Namen geben stets Hinweise in die selbsternannte „Elite“ hinein. Auch Trump sorgt wohl sehr fürsorglich dafür, dass seine neu gewonnene Macht in den Familienclan der (zahlreichen) Nachkommen übergeht, nicht nur, indem er ihnen eine gewisse gut ausgestattete Lebenswelt schafft. „Ist doch klar, die haben das Know How schon mit der Muttermilch in sich aufgesogen“, so die gerne vorgeführte Formel für die Brutpflege. Wie sich solche Mechanismen wohl für die Gesellschaft auswirken? Sie sorgen zweifelsohne für eine Zementierung der bestehenden Verhältnisse. Gesellschaftlich aufzusteigen scheint keine Frage der Leistung mehr zu sein. Dies sorgt natürlich für eine breit nachlassende Motivation. Erfolg statt Leistung scheint die neue Messgröße zu sein. Und wer hat am meisten Erfolg in dieser Gesellschaft? Am Ende der, der am meisten Geld hat? Und woher er das hat? Ob er zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war? Ob er ein System für sich ausgenutzt hat, das den Rücksichtslosesten und Brutalsten belohnt? Was das mit einer Leistung zu tun hat? Woher es wohl kommt, dass die beliebtesten Berufswünsche unter „jungen Leuten“ wohl „Event Manager“, "Graphic Design Manager“, „Marketing sales manager“ u.ä. lauten? Ob man an diesen Stellen mit dem geringsten Aufwand zum größtmöglichsten Erfolg gelangt? Wer kann das jemand vorwerfen? Die dahinter stehenden Strukturen freilich, die wären veränderbar.  

Montag, 9. Januar 2017

Spezialdemokraten

Unter gescheiterten Top-Managern in Deutschland scheint es so üblich zu sein, dass sie sehr schnell nach ihrem Ausscheiden in den Vorstandsetagen und Aufsichtsräten von DAX-Unternehmen wieder auftauchen. Nach dem Abgasskandal scheint auch Winterkorn so einer zu sein: ein gescheitertes Alpha-Männchen mit der Veranlagung zum Führen. Ein Führer mit leicht schwäbischem Akzent. Ob die Wirtschaft eine totalitäre Veranstaltung ist und die Sozialdemokraten sich einst aufgemacht haben, auch den wirtschaftlichen Bereich der Gesellschaft zu demokratisieren? Ob dieser Ansatz nach all den Typen (von Schröder über Clement bis hin zu Steinbrück) inzwischen ganz vergessen ist? Die betriebliche Mitbestimmung war auf diesem Weg jedenfalls wohl ein großer Erfolg. 
Doch mittlerweile werden die Führer samt ihrer wirtschaftlichen „Erfolge“ wieder angebetet: die Medien sorgen mit zahlreichen verherrlichenden „Erzeugnissen“ dafür, dass dieser Trend seine Durchschlagskraft auf das Bewusstsein der Vielen behält. Doch die Hochglanzmagazine der mehrfarbigen und möglichst eloquenten Bewunderung sind mit den Objekten ihrer Anbetung zusammen in eine Krise gerutscht. Das Führer-Verhalten scheinen bestimmte Kräfte mehr in Richtung der Politik rücken zu wollen. Globale Entwicklungen scheinen hier Beleg genug zu sein, von den USA über die Türkei bis hin zu Russland. Ratlose Manager bleiben zurück, Kohle machen scheint Bestandteil, aber nicht mehr Hauptinhalt dessen, was die Welt bewegt. Trump und Globalisierung, das passt nicht so recht zusammen, eher Isolationismus. Ford hat sich schon getrollt, General Motors war schon dran, Toyota hat jüngst seinen Anschiss kassiert, die deutschen Firmen werden folgen.