Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Samstag, 4. Mai 2024
My Music
Meine Musik wirkt wie aus der Zeit gefallen. Dies ist auch kein Wunder, ist sie doch keineswegs nur an die Jetztzeit angebunden, sondern hat viele meiner mehr als 50 Jahre Hörerfahrungen und Praxis in der Rock- und Popmusik in sich aufgenommen. Dazu kommen Hörerfahrungen aus dem Jazz, aus der Zirkus- und Jahrmarktsmusik, aus der Kinomusik, Neue Musik usw. Dies alles habe ich in mich aufgenommen und zu meiner aktuellen Produktion mit vielen Elementen verarbeitet. Zum oft durchgehenden Rhythmus könnte getanzt werden, jedenfalls spielt der (mechanische) Groove darin oft (nicht immer!) eine große Rolle. Den Gegenpol spielen quasi jene eher besinnlichen Stücke, die auch auf der Wortebene Anstöße geben wollen.
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My music seems like it's out of time. This is no wonder, as it is by no means only tied to the present, but has absorbed many of my more than 50 years of listening experience and practice in rock and pop music. In addition, there are listening experiences from jazz, circus and fairground music, cinema music, new music, etc. I have absorbed all of this and processed it into my current production with many elements. You could dance to the often continuous rhythm, but the (mechanical) groove often (not always!) plays a major role in it. The opposite pole is played by those more contemplative pieces that also want to provide inspiration on a word level.
Mittwoch, 1. Mai 2024
Integration
Dass verschiedene, meist ökonomisch (also durch Geld, Karrierestreben, Ehrgeiz) oder ethno-kulturell (andere Kulturkreise!) bestimmte Wirklichkeiten sehr verschiedene Lebenswelten schaffen können, war mir schon sehr früh bewusst (ua. durch den Beruf meines Vaters). Jemand, der zb. Grundsicherung empfangen muss, ist anderen Abhängigkeiten und lebensbestimmenden Faktoren ausgesetzt, wie jemand, der über viel Geld verfügt und seine Wirklichkeit mehr oder weniger frei gestalten kann. Dass es für eine Gesellschaft oder einen Staat sehr heilsam und förderlich sei, einen Austausch zwischen verschiedenen Lebenswelten zu organisieren, war mir auch sehr früh bewusst. Früher fing das schon damit an, dass Schule so etwas leistete, - was aber inzwischen völlig verfallen erscheint. Jeder schickt seine Sprößlinge auf die seiner Haltung und Einschätzung entsprechende Schulen, was die gesellschaftliche Trennung natürlich noch weiter befördert.
Ich für meine Person wollte immer möglichst viel von so etwas wie der Ganzheit des Lebens erfahren, wozu auch die Wirklichkeit der „Anderen“ oder „Nicht-Erfolgreichen“ gehört. Gerade hier, in dieser Sphäre spielen sich im Vergleich zu den „etablierten Kreisen“ deutlich rohere und gewalttätigere Prozesse ab. Der „Wettbewerb“ wird hier gelegentlich sogar direkt gewalttätig ausgetragen. Unter anderem wirkt sich so etwas bei der Gesundheit aus, was sogar statistisch untermauert ist: ökonomisch schlechter gestellte Menschen sterben deutlich früher als reiche Menschen. Auch das Reisen scheint aus ökonomisch bestimmten Gründen (wer kann sich das leisten?) nicht gar so verbreitet, wie bei reichen Menschen, was natürlich Folgen für einen geistigen Horizont hat. Stattdessen herrscht Gleichgültigkeit, gnadenloser „Wettbewerb“ und Mitleidlosigkeit.
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I was aware very early on that different realities, usually determined economically (i.e. through money, career aspirations, ambition) or ethno-culturally (other cultures!), can create very different living environments (including through my father's job). Someone who, for example A person who has to receive basic security is exposed to other dependencies and life-determining factors, like someone who has a lot of money and can shape their reality more or less freely. I was also aware very early on that it was very healing and beneficial for a society or a state to organize an exchange between different living environments. It used to start with schools doing something like this - but this now seems to have completely fallen into disrepair. Everyone sends their offspring to schools that correspond to their attitude and assessment, which of course further promotes social separation.
Personally, I always wanted to experience as much as possible about something like the wholeness of life, which also includes the reality of the “others” or “unsuccessful”. It is precisely here, in this sphere, that much more raw and violent processes take place compared to the “established circles”. The “competition” here is sometimes even directly violent. Among other things, this has an impact on health, which is even supported by statistics: people who are economically worse off die significantly earlier than rich people. For economic reasons (who can afford that?), traveling doesn't seem to be as common as it is among rich people, which of course has consequences for one's intellectual horizons. Instead, there is indifference, merciless “competition” and lack of compassion.
Dienstag, 14. November 2023
Punky
So laut, grell, anarchisch und schmutzig wie Punk waren die Auftrittsmöglichkeiten. Da gehörte manchmal auch die Straße mit dazu. Dass Punk jedoch schon 1978 vereinnahmt war, bedachten etwa The Clash mit Hass und Häme. Bei uns mischte sich dann die Neue Deutsche Welle mit hinein. Dabei ging es Deutung der Lage, Punk war die Waffe dafür. Nihilismus als Pose. „No Future“: für bestimmte Leute stimmte das. Doch bald schon war alles vermarktet. Das, was als Punk galt, verkaufte sich im Sonderangebot an das Musikfernsehen, in Boutiquen oder war ein teurer Irokesenhaarschnitt beim Coiffeur. Langsam aber sicher setzten sich nun wieder die kleinen Genies a la Damon Albarn oder Liam Gallagher (in England) mit ihrem Britpop durch. Ein Stück von dem, was man zuvor abgelehnt hatte. Insgesamt waren solche Figuren aber kaum oder nur kurz und heftig in der Schar der „Superstars“ sichtbar. Ich selbst fasste Punk als eine Art Arbeitshypothese fürs Leben auf, weiß aber heute nicht mehr, wohin all die ehemaligen Punks sind. Ich treffe und sehe niemanden mehr. Punk ist, wie vieles in der Rockszene, zu einem Artikel der Lifestyleindustrie geworden. Punk als Marke. Es kam Green Day.
Samstag, 29. April 2023
Selbstintegration
Du würdest gerne einmal die Zeit anhalten, festhalten. In dich hinein holen, was du schon einmal gelebt hast. Deshalb bist du so oft zu deinem Geburtsort gefahren. Deine Kindheit in dich herein holen. Ursprung erfahren. Dadurch eine komplettere Persönlichkeit werden. Eine „runde“. Durch dich selbst. Trinkst in letzter Zeit zu viel (was relativ ist...). Ruinierst dich. Ob du das anderen Menschen abgeschaut hast? Der Rausch als Flucht? Vor dir selbst? Als Übersteigerungen dessen, was du gerne fühlen würdest? War schon mal besser da. Die Vorlage trägt nur kurz und bricht dann heftig in sich ein. Es gibt kein Entkommen.
Du wiederholst dich, spulst dein Leben intensiver ab. Denkst an das Ende und die Versorgung. Wirst dazu gezwungen, wie zu so vielem. Du hast immer versucht, solche Zwänge zu integrieren und doch integer zu bleiben. Geht das? Schleichend korrumpiert es dich, so dass du es nicht merkst....
Montag, 16. Mai 2022
Ganzheitlich?
Ich will möglichst alles integrieren und zu einem Gesamteindruck zusammenfassen:
Texte, Lyrik, Fotos, Musik...usw. Das alles bin ich, macht mich aus - und das sind meine Ego-Botschaften.
Und genau darin gleicht das einem Modell für viele, ist nicht gar so persönlich, wie uns die verschiedenen
„Wirklichkeitsbestätiger und -verstärker“ weiß zu machen versuchen. Im Grunde hängt das alles damit zusammen, dass ich Herz, Gemüt und Verstand
als zusammenhängend betrachte, dass das Zusammenhängende wohl mein Ich ausmacht. Dazu freilich will ich nicht allzu viele selbstgefällige Aufsätze absondern.
Ich habe zu berücksichtigen, dass wir in unserer Gesellschaft dazu neigen, die einzelnen Bereiche einer Person sich gegenseitig (ja, sogar "innerhalb" eines Egos...)
entfremden zu lassen und dann zugunsten eines Produktionsprozesses einen einzelnen „auszubeuten“, indem nur ein bestimmter Teil seiner Persönlichkeit dem Verwwertungsprozess zugeführt werden soll.
Leider sah ich dies erst zu Ende meines bewussten Lebens in größerer Klarheit, denn zuvor schenkte ich dieser Einstellung zu wenig Aufmerksamkeit.
Ich nahm stillschweigend an, es im Überblick und in einer halbwegs vertragenen Mimikry für meine Verhältnisse besser zu machen,
irgendwie halbwegs anständig durch zu kommen. Eine frühe schwere Krankheit war mir eine Warnung. Ich änderte so manches. Aber der Trott des Alltags schien mich zu lange in eine andere
Richtung zu führen.
Samstag, 19. März 2022
Ego-Einflüsse herein holen
Trotz hoffentlich abklingender Krise: Ich will, wenn es irgendwie geht, mich als Person integrieren, auch die
Vergangenheit und ihre Einflüsse in mich herein holen. Auch
nachträglich. Und vorsorglich. Das Hindurchschlittern und irgendwie Durchkommen auftröseln.
Das steht in einem Gegensatz zu der aktuell oft vertretenen Meinung,
dass man gerade jetzt ganz im Hier und Jetzt leben müsse, um sich vollkommenen Genuss zu gönnen.
Oft sind diese Menschen zu einem solchem Aufgehen in der Gegenwart
gar nicht fähig. Im Gegenteil, eine solche Einstellung
vernachlässigt meiner Meinung nach, dass jeder Mensch durch seine
Vergangenheit beeinflusst wurde und zu dem geworden ist, der man ist.
Will man aber den aktuellen Stand seines Egos verstehen und mit ihm
umgehen, so führt offenbar kein Weg daran vorbei, auch die
Vergangenheit in die Betrachtung mit einzubeziehen, - und sei sie
noch so unbewusst und aus dem Augenblick heraus gelebt worden, jetzt
ist die Zeit, Verstrickungen und Beziehungen aufzudecken. Kein
Zweifel, unter Umständen mag einen ein wohliges Gefühl dabei
umfangen. Unter Umständen ist es aber auch ein Negatives und des
Bedauerns. Natürlich kostet das alles Zeit.
Freitag, 13. August 2021
Integration von Widersprüchen
Sonderbare Blogs? Vermischung von Erscheinungsformen als Untauglichkeit? In Wirklichkeit strebe und strebte ich nicht nur durch meine Blogs die Integration von Text, Musik und Foto an, als eine Form von Ganzheitlichkeit, etwas, was mir immer schon vorschwebte. Ich entdecke immer wieder Gemeinsamkeiten dieser meiner Medien: etwa die Aufmerksamkeit für das Ungewöhnliche und das Unalltägliche, dass ich abseits aller gesellschaftlicher Vorstellungen einzubauen versuche in meine Umsetzungen. Wieso schreibe ich „gesellschaftlich“? Weil ich diese Komponente stark empfinde, weil sie mir spätestens auch seit meinem Soziologie-Studium geläufig ist, weil ich mich vieles auf Sozialisation und Ökonomie zurückzuführen traue und auch dadurch die fundamentale Veränderbarkeit menschlicher Dinge behaupte. Die Veränderbarkeit von Sicht- und Hörweisen hat mich oft getrieben, etwas, von dem ich immer mehr in Richtung allgemeiner Resignation abkomme. Ich will nicht spinnert, esoterisch oder Avantgarde sein, den Ehrgeiz und die Energie habe ich nicht mehr. Eigentlich will ich nur die Summe meiner Perspektiven zusammenführen, aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, will an den Rändern meiner Betrachtungsweisen das Populäre mit dem Elitären verbinden, das Komplexe mit dem Einfachen, das Dunkle mit dem Hellen, das Vordergründige mit dem Hintergründigen, will einfach den Zusammenfall von Gegensätzen anstreben, was anscheinend für die meisten Menschen nicht unbedingt nachvollziehbar scheint.
Der Zuspruch der mir bei diesem Unterfangen entgegen kam, hielt sich durchaus Grenzen, was sich von mir nicht mühelos in Motivation umsetzen ließ. Auch schien kein Bedürfnis zum Dialog da zu sein, auch etwas, was mich immer getrieben hatte: der aufmerksame Dialog, der bereit ist, auf andere Sichtweisen einzugehen und ein Stück weit mit ihnen zu gehen, um zu sehen, wohin das führen möge, ohne Ambitionen, ohne Imponiergehabe und falsches Beharrungsvermögen. Dabei sehe ich mich immer mehr dem Bedürfnis nach so schnellen eindeutigen wie einfachen Fragen und Antworten gegenüber, die eine weiter gehende Kommunikation oft unmöglich zu machen scheinen. Ob die Welt vielleicht nicht gar so eindeutig beschaffen ist, ob sie nicht allzu oft ein Abwägen und Ringen um Einstellungen nötig macht? Ob „Fakten“, die man sich wohl erst erschließen muss, dabei nicht eine Art von Startrampe, eine Basis für Folgendes sein können? Nicht verstehen? Macht nichts.
Sonntag, 20. September 2020
Was ist real?
Ich
will alles integrieren und zu einem Gesamteindruck zusammenfassen:
Texte, Lyrik, Fotos, Musik...usw. Das alles bin ich, macht mich aus - und das sind meine Ego-Botschaften. Und genau darin gleicht das einem
Modell für viele, ist nicht gar so persönlich, wie uns die verschiedenen
„Wirklichkeitsbestätiger und -verstärker“ weiß zu machen versuchen. Im Grunde
hängt das alles damit zusammen, dass ich Herz, Gemüt und Verstand
als zusammenhängend betrachte, dass das Zusammenhängende wohl mein Ich ausmacht. In Kürze und Prägnanz will ich mich hier darüber äußern, keineswegs ewig lange, sich selbst bewundernde und entsprechend selbstgefällige Aufsätze dazu absondern.
Ich habe zu berücksichtigen, dass wir in unserer Gesellschaft dazu neigen, die einzelnen Bereiche einer Person sich gegenseitig entfremden zu lassen und dann zugunsten eines Produktionsprozesses einen einzelnen „auszubeuten“. Leider sah ich dies erst zu Ende meines bewussten Lebens in größerer Klarheit, denn zuvor schenkte ich dieser Einstellung zu wenig Aufmerksamkeit. Ich nahm stillschweigend an, es für meine Verhältnisse besser zu machen, irgendwie halbwegs anständig durch zu kommen. Eine frühe schwere Krankheit war mir eine Warnung. Ich änderte so manches. Aber der Trott des Alltags schien mich zu lange in eine andere Richtung zu führen.
Ich habe zu berücksichtigen, dass wir in unserer Gesellschaft dazu neigen, die einzelnen Bereiche einer Person sich gegenseitig entfremden zu lassen und dann zugunsten eines Produktionsprozesses einen einzelnen „auszubeuten“. Leider sah ich dies erst zu Ende meines bewussten Lebens in größerer Klarheit, denn zuvor schenkte ich dieser Einstellung zu wenig Aufmerksamkeit. Ich nahm stillschweigend an, es für meine Verhältnisse besser zu machen, irgendwie halbwegs anständig durch zu kommen. Eine frühe schwere Krankheit war mir eine Warnung. Ich änderte so manches. Aber der Trott des Alltags schien mich zu lange in eine andere Richtung zu führen.
Freitag, 14. Juni 2019
Ihr Kinderlein, kommet......
Unter anderem im Blog von 30.4. habe ich es
gestreift, in meinem Blog „Integrationsfalle“ auf ubpage.de habe
ich den Sachverhalt im Bereich der Musik anhand von Rock und Punk
überdacht: „Fridays for Future“ scheint nun ein Paradebeispiel
dafür zu sein. Das „Eingemeinden“, das „Integrieren“
bestimmter Bewegungen, die schnell etabliert, zu einem Teil des
Systems zu werden scheinen. Deutsche Politiker haben es mit der
„Umarmungsstrategie“ und einer onkelhaften Anbiederung versucht,
d.h. sie haben „die jungen Leute“ für ihr Engagement gelobt,
während gleichzeitig noch ein paar Nachzügler („werdet ihr bloß
älter und verdient mal ein eigenes Geld...“ oder „überlasst das
lieber mal den Profis“) sich in einer Weise daran abgearbeitet
haben, die man von Altvorderen erwartete. Zudem wurden einzelne „Stars“
herausgepickt, die man als „Leitfiguren“ und „Führer“
identifizierte. Diese wurden dann in sämtliche Talkshows eingeladen
und sollten dort ihr Anliegen erklären. Der Hauptstrom der Politiker
lobte sodann und tat nichts Inhaltliches in Bezug auf Klimaschutz. Die alte
Strategie. Doch das Thema ist ernster. Wer in 50 Jahren in diesem
Land noch leben will, kann mit solchen halbgaren Beschwichtigungsversuchen
nicht zufrieden sein. Es könnte z.b. diese unselige Wachstumsidiologie neu überdacht werden. Man könnte zumindest damit anfangen und ein paar Voraussetzungen überdenken, z.b. dass diese Erde nicht über unendliche Ressourcen verfügt........
Natürlich steht hier auch ein Kommunikationsstil zur Debatte. Es wird über Formen gelabert, wobei die Inhalte in den Hintergrund gespielt werden. Beispielsweise dass die drohende Altersarmut durchaus etwas mit der Klimakatastrophe zu tun haben könnte, dass sich Arm und Reich in dieser Gesellschaft auf ungünstige Weise auseinander entwickeln, wird sich erst in den Debatten der kommenden Zeit ergeben. Doch wir haben diese Zeit nicht. Es wäre Zeit zum Handeln. Ökologie und Ökonomie müssen nicht diese ehernen Gegensätze sein, als die sie gespielt werden. Ein gesundes Misstrauen dem Staat und seinen steuerlichen Möglichkeiten gegenüber könnte durchaus angezeigt sein.
Natürlich steht hier auch ein Kommunikationsstil zur Debatte. Es wird über Formen gelabert, wobei die Inhalte in den Hintergrund gespielt werden. Beispielsweise dass die drohende Altersarmut durchaus etwas mit der Klimakatastrophe zu tun haben könnte, dass sich Arm und Reich in dieser Gesellschaft auf ungünstige Weise auseinander entwickeln, wird sich erst in den Debatten der kommenden Zeit ergeben. Doch wir haben diese Zeit nicht. Es wäre Zeit zum Handeln. Ökologie und Ökonomie müssen nicht diese ehernen Gegensätze sein, als die sie gespielt werden. Ein gesundes Misstrauen dem Staat und seinen steuerlichen Möglichkeiten gegenüber könnte durchaus angezeigt sein.
Samstag, 27. April 2019
Wie fremd man sich bleibt (Text)
WIE
FREMD MAN SICH BLEIBT
Wieder:
einer der Versuche, ein Stück
sich
näherzukommen, Tasten nach Konturen
wieder:
plötzlich zurückgeschreckt, merk'
dass
ich natürlich nicht weiß, wer du bist
wo
du bist, denn du bist außer mir
du
schenkst mir Worte, die ich dreh' und
wende,
zärtlich, und such' dein Gesicht dahinter
so
viele Masken, schon gefallen im Dunkel
verschwindend,
ich bleib' zurück allein und
such'
nach jemanden, den du mir vorenthälst
Wer?
redet von uns und von dieser Welt
die
so verschieden ist, von Person zu Person
Wer?
versucht mit Worten zu greifen, was
zwischen
Kopf und Leib uns umspült
Entfernung
frei wählend, das richtige Maß
heute
morgen, nur für Sekunden, sah dich
neben
mir...und fünf Minuten später lachte ich
mich
aus, ein Nichtserzähler, der unpäßlich
für
dieses Land sich ständig neu erfindet
neben
dir, außer mir und mir neben dir
so
viele sehn' zu und spielen Neugier
wer
verwechselt mich mit dem Schatten neben mir
du
siehst in mir das Andre nicht wie die Andern
und
mit der Zeit bleibt uns noch aufgetragen
das
Netz aus Stein zu lösen, das uns hält.
Sonntag, 17. Juni 2018
Paradox in einem
Wir lassen uns
zur Vergangenheit inspirieren und sollen begreifen, dass wir eine
bestimmte Person waren und jetzt noch sind. Gleichzeitig fühlen wir
uns als jemand anderes, der zurück blickt. Wir leben ein Paradoxon
und sollen es aushalten. Uns überschwemmen bestimmte
Bewusstseinsinhalte, denen wir mutig entgegen treten sollen: Wir
leben nur in der Gegenwart! Wie oft habe ich diesen Spruch gehört.
Ich glaube, man kann in der Gegenwart leben und trotzdem akzeptieren,
dass man so wie jetzt geworden ist. Dass man hinein geschlittert isst
in eine Gegenwart, die man evielleicht erst viel später besser
begreift. Man darf sich wundern: bin das ich oder war das ich? Der
Mensch ist wohl, mag er noch so marottenhafter Einzelgänger sein,
ein soziales Wesen und als solcher bestimmten Verhältnissen
ausgeliefert. Will man sich begreifen, einem Selbst näher kommen,
sollte man sich wohl auch von seiner Vergangenheit inspirieren
lassen, ohne daran mit einem „Früher-war-alles-besser“-Gefühl
kleben zu bleiben. Vielleicht geht es darum, das ganze Gebilde, das
man selbst darstellt, besser zu begreifen, sich seiner selbst bewusst
zu werden, oder zumindest versuchen, sich selbst anzunähern, es
herein zu holen in das, was man aktuell darstellt. Das scheinbar
Selbstverständliche auflösen in etwas, über das man sich wundern
kann. Ihm die Sphäre des Selbstverständlichen nehmen, das zu
akzeptieren man damals verurteilt war.
Mittwoch, 2. Mai 2018
Zusammenhänge und Bildung
Es
könnte uns ja auch um Allgemeingültigkeit gehen, darum,
Zusammenhänge entdecken und herleiten können. Dass das
Bildungssystem darauf immer weniger ausgelegt ist, mag kein Zufall
sein. Es geht wohl darum, möglichst willfährige Spezialisten und Fachidioten heranzuziehen, Ingenieure eines genau definierten und
komplett vorgegebenen Gebietes zu dressieren, trainieren und
abzurichten. So manch einer mag sich da denken, dass da die alte
Disziplin der Philosophie eine korrigierende Rolle spielen könnte.
Doch möglicherweise besteht auch ein Problem darin, dass die
Hochschul-Philosophie heute hochgradig spezialisiert ist. Jeder
Dozent beackert ein bestimmtes Gebiet, arbeitet sich an einem (genau
vordefinierten und komplett vorgegebenen) Problem ab, und zwar nicht
auf eine integrative Weise. Im Grunde müht er sich oft auch als
Fachidiot. Seine „Erkenntnisse“ werden wohl sowieso eingehen in
eine unbestimmte Flut, einen Flow dessen, was als „Erkenntnis“
vorgegeben und vordefiniert ist. Er ist zu Publikationen gezwungen,
sich zu äußern um jeden Preis, auch wenn sich ihm Zusammenhänge
noch lange nicht erschlossen haben. Und die anderen, die an den
Universitäten arbeiten, sind zum größten Teil Historiker, also
Leute, die sich exzellent mit Platon auskennen, aber sich keine
Gedanken über die Gegenwart also Altbausanierung im Bereich des
Geistes machen. Die Bildungspolitik beschäftigt sich vor allem mit
der Züchtung von Spezialisten, die eine bestimmte Aufgabe zu lösen
versuchen, die ihnen irgendeine Instanz (meist eine am maximalen
Profit ausgerichtete Firma) gestellt hat. In welchem Zusammenhang
diese Aufgabe stehen könnte, scheint ihr/ihm wenig interessant. Das
ist vorgegeben, in bestimmten Disziplinen sogar maßgeblich von
ökonomischen Interessen. „Grundlagenforschung“ an den
Hochschulen ist da schnell in die Verwettungsinteressen der Industrie
überführt. Der sogenannte Geisteswissenschaftliche Bereich
erscheint in solchen Zusammenhängen als eine Art
Hobby-Wissenschaftlertum, das hauptsächlich um sich selbst kreist,
womit diese Kreise wohl nicht so ganz unrecht haben, weil sich die
Geisteswissenschaften gefügig gemacht haben. Es ging wohl zu lange
um Reputation im Elfenbeiturm und um verbeamtete Stellen, die sichere
Renten bringen würden (was sich inzwischen auch stark geändert
hat).
Montag, 8. August 2016
Vom Wesen des Menschen
Das Gefühl der Vermitteltheit, der Indirektheit,
des Gelenktseins, der Medienwelt – es durchdringt dich manchmal....
du fühlst dich dann als eine Art „Menschmaschine“, da ist
Interaktion + Steuerung, verbunden, vernetzt, das Leben live als als
Bühne oder riesiges Theaterstück, da ist das Gefühl des draußen
Stehens, des außerhalb seins, auf der Suche nach dem Selbst und dem
Eigentlichen, Gesellschaft fungiert als Showbusiness, als
Unterhaltungsgeschäft, als eine Art Talkshow, in der sich jeder mit
Floskeln und Phrasen ins günstige Licht zu setzen weiß – dies
bedeutet Selbstdarstellung. Es bedeutet auch das gezielte Vertauschen
von Realität mit Sein, das Verwechseln, das Rollenspiel, die Frage
lautet: live oder life? Der Mensch wird sich selbst entschärfen,
sich seiner Natürlichkeit berauben mit digitalen Mitteln, Man wird
dumpf dazu dümpeln und das für völlig normal halten. Der Mensch
wird sich selbst in den Griff bekommen wollen und sich dadurch
verlieren. Totale Vereinzelung und Vermassung gehen Hand in Hand. Das
Ganze, seine Interessen und seine Funktionsdfähigkeit wird eine
übermächtige Eigengesetzlichkeit erlangen. Für das Unbewusste und
Irrationale werden gesellschaftlich frei gehaltene Spiel- und
Tummelplätze geschaffen, die zur Sublimation taugen.
Selbstzerstörung wird der Triumph der „neuen Menschlichkeit“
werden. Es wird auf dem Weg zu diesem Ziel noch manche
Schwierigkeiten zu überwinden gelten. Gibt es das Wesen des Menschen
überhaupt? Dies wird langsam aber sicher und immer schneller
überwachsen von den Mechanismen der Vergesellschaftung, der
Vermassung, der digitalen Erfassung, der Manipulation, der
Technokratie, die sich „ihren“ Menschen macht: einer, der
funktioniert, der perfekt angepasst und dabei glücklich sein wird.
(Aus meinem Tagebuch des Jahres 1985, mit minimalen Ergänzungen...)
(Aus meinem Tagebuch des Jahres 1985, mit minimalen Ergänzungen...)
Mittwoch, 13. April 2016
Integrationsleistung
Es ist eine Art Test auf die Integrationsbereitschaft
der jungen Türken dem Grundgesetz gegenüber: ich sah zufällig im
TV, wie eine Reihe von ihnen (natürlich wie immer: willkürlich vom
Sender ausgewählt) interviewt wurden. Was sie wohl von Erdogan
halten und wie sie sein Verhalten einschätzen, so die Frage. Alle fanden es
ganz okay, dass er dagegen auf seine Art vorgehe. Den zu beleidigen sei, so tönt es mir noch in den Ohren, als ob man die ganze Türkei beleidige. Also Vorgehen. Rechtlich. Mit allem Drum und Dran. Die Lächerlichkeit
der Situation schien gar nicht in ihrem Gesichtskreis aufzutauchen.
Alles könne man tun, aber nicht jemand persönlich beleidigen, ihn
unter der Gürtellinie verletzen usw. Wer so etwas nebenher im
Fernsehen sieht, mag entsetzt und verletzt sein. So gut haben diese
Personen das Grundgesetz in vielen vielen Jahren in sich aufgenommen
und verarbeitet! Oh weh! Ich kenne das „Gedicht“ des ach so
öffentlichkeitsumtriebigen und PR-tüchtigen Böhmermann nicht, aber selbstverständlich darf hier alles in Deutschland über einen ausländischen Staatschef
gesagt werden. Muss ich ja nicht gut finden. Genau darum geht’s ja! Es geht um das Recht. Und das hiesige treten solche Figuren
wie Erdogan samt ihren Advokaten mit Füßen, auch wenn sie einen alten Paragraphen
herauskramen, der „Majestätsbeleidigung" unter Strafe stellt! Fehler der Regierenden, dass sie in all den Jahren das nicht ausgemerzt haben! Diese
Figuren wie Erdogan selbst beanspruchen ihre Ansicht davon mit Hilfe von windigen
Anwälten, - anderen und ausländischen Menschen aber verweigern sie
es, strengen Klagen an usw. Meinungs- oder Pressefreiheit scheint ihnen etwas ihrer Willkür Ausgesetztes. Man fragt sich: Was soll das?
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