Reise durch Wirklichkeiten

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Freitag, 8. Juli 2016

Druck zur Optimierung

Das Internet und allerlei moderne Technologien vernetzen den Menschen immer mehr, machen alles schneller und leistungsfähiger (wobei auch die "Künstliche Intelligenz" eine Rolle spielt, ---> siehe Blog). Wie lange und wie weit können wir das noch mitmachen? Wie weit geht das? Gibt es Grenzen? Wir müssen wohl wachsen, so lange wir die gegenwärtige Wirtschaftsform pflegen. So geraten wir immer noch ein bisschen mehr unter Druck. Die Erwartungen, nicht zuletzt durch uns selbst, steigen. Wir sollten, wir müssten.... Dadurch hinken wir ständig unseren Ansprüchen hinterher, genügen nie, geraten im schlimmsten Fall in Umstände wie Burnout, Depression, vollkommener Stillstand usw. Alles wird stumm und starr, es bewegt sich nichts mehr, auch in uns selbst. Das alles scheint ein Zwang. Doch wo kommt er her? Wer redet denn hier von „System“ oder „Kapitalismus“? Große Häuptlinge haben das ohnehin verinnerlichte Motto „Wachstum über alles“ längst vorgegeben, sie lassen es bimsen und immer wieder neu lernen. Sie drücken es in die Köpfe. Wollen wir dabei bleiben beim Mainstream, bei der gesellschaftlichen Erfahrung, müssen wir scheinbar da mitmachen. Der Zwang, der Druck, der Drang zum Ökonomischen durchdringt inzwischen alle Lebensbereiche. Arbeit, Bildung, Familie, Liebe, Natur: Die Steigerung, Optimierung, Beschleunigung bildet die Erwartung. In uns. An uns. Wohin geht das? Was ist da gut für uns? Wo geht das hin? 

Dienstag, 21. Juni 2016

Alte Depressionen

Dies hier habe ich mal wieder auf einem alten Zettel gefunden, der mein früheres Sein markiert hat. Ich habe öfters Anwandlungen, mich selbst als Ganzes neu zu suchen, auch in der Vergangenheit, in der Person, aus der heraus ich mich entwickelt habe. Alte Aufzeichnungen sind mir da sehr nützlich. Diesmal sind es sehr pessimistische Notizen, von denen ich nicht mehr weiß, auf wen oder was es sich bezogen haben könnte. 
Jemand sagt: meine Geburt war ein Fehler. Und: wie bereue ich, auf die Welt gekommen zu sein. Alles ist Enttäuschung, Desillusionierung. Es bedeutet Masken aufsetzen und ablegen, dahinter gleich die nächste, - eine einzige Heuchelei. Es ist ein Betrügen und Lügen, eine lebenslange Hinrichtung. Du räkelst dich auf dem elektrischen Schaukelstuhl. Reiz und Reaktion: ein Automatismus. Den Kadaver von einem Ort zum nächsten schleppen, den Wahnsinn für die Realität halten, weil's alle tun und es völlig „normal“ ist. Eine Schlacht schlagen, wobei man lange Wege im Kreis geht. Und du lachst mit, weil alle lachen....      

Samstag, 18. Juli 2015

Salonsozialisten

Salonsozialisten? Ist ein Phänomen, das mich in dieser oder jener Form immer wieder begleitet hat. Meist sind das linke bis linksradikale Menschen, die freilich selbst äußerst begütert sind, die eine erstklassige Ausbildung (bei entsprechendem finanziellen Aufwand) genossen haben oder genießen und gerne anderen Menschen ihre Weisheiten von gesellschaftlicher Veränderung predigen, eingedenk dessen, dass sich an gewissen Grundgegebenheiten nichts so schnell ändern wird und dass sie selbst immer auf der richtigen und sorglosen Seite stehen werden. Früher war solches ein Ausweis von „Progressivität“ und Willen zur tatsächlichen Veränderung, der im Bereich des Populismus auch politisch leicht genutzt werden konnte. Ein Recht dazu gibt ihnen nach eigener Einschätzung, dass sie sich selbst als Angehörige einer Elite fühlen. Und denen ist ja alles erlaubt. Ale anderen sind ja Stimmvieh, das ihr Tun im demokratischen Sinne rechtfertigen soll. 
Nach dem Niedergang dessen, was sich bis 1989 als Sozialismus ausgab, hätte man meinen können, das solche Haltungen etwas in der Defensive geraten seien. Waren sie ja auch. Doch mittlerweile, angesichts auch der verheerenden neoliberalen Exzesse der vergangenen Jahre, scheinen solche Leute wieder mehr Chancen zu haben. So hat mich etwa die ausführlich bebilderte „Homestory“ eines damaligen europäischen Ministers in seinem Penthouse vor traumhaften Ausblick dann doch etwas gestört. Der Mann lässt sich überall als akademisch geweihter Radikalmarxist ausrufen und leert die Kaviarbecher, während unten auf der Straße in den Abfallkübeln nach Essbarem gestochert wird. Am Klavier sitzend, als den Frauen gefälliger Beau in trauter Zweisamkeit mit der edelgesichtig schönen Ehefrau und in weiteren Wohlfühlsituationen ließ sich der reiche Marxist seinem Volk präsentieren, das währenddessen keine Ahnung hatte, wie es die kommenden Tage überstehen sollte, aber seinen Gaukelmarxisten und ihren Sprüchen ausführlich zujubelte. Auch diejenigen, die sich in Deutschland gerne links nennen und das entsprechende Image pflegen, sind bei solchen Vorführungen gerne dabei. Sie loben schon mal den starken Arm des Volkes, um sich anschließend in den Porsche zu setzen und zur Villa in der Toskana zu brausen. Natürlich ist das, was sie sagen, nicht deswegen falscher, weil sie selbst unfähig sind, das in ihrem Lebensstil adäquat umzusetzen. Doch wenn nicht mal sie selbst der Realisierung ihrer Sprüche entsprechen, ja, wenn sie ihm in krasser Weise durch ihren Lebensstil widersprechen, mag auch das Vorgetragene nicht die allgrößte Überzeugungskraft haben. Doch solche Leute vermögen oft mit ihrer Außenwirkung sehr bewusst und gezielt umzugehen und sie in den Bereich des Charisma zu überführen: der Beifall ist ihnen dann gewiss. Abgehobene und akademisch gebenedeite Theorien als besonders fortschrittlich zu „verkaufen“, erscheint dann als ihre „Spezialität“.