Reise durch Wirklichkeiten

Sonntag, 24. Oktober 2021

Fire in this Country (Songtext)

FIRE IN THIS COUNTRY There's Fire in the Country and all over the world there's blood on the rooftops what kind of blinky lights are this?

Samstag, 23. Oktober 2021

Valerie (36)

 Ich erzähle das eigentlich nur, weil ich merke, dass du dich für mich interessierst, aber nicht nur wie all die andern, für den Star Valerie. Eigentlich weiß ich sogar das nicht mehr ganz genau. Deshalb geh’ ich auch raus und versuche, wildfremde Menschen kennen zu lernen: Keine Egomanen wie die, die glauben, sich die ganze Zeit über in der Öffentlichkeit profilieren zu müssen. Aber weshalb erzähl’ ich das alles?, - du kannst das vielleicht gar nicht verstehen….Sie nahm ihn bei den Händen und zog ihn in Richtung einer Tür’. Noch im Gehen sagte er diesmal wirklich ernst: „Ich verstehe dich wirklich gut. Wir leben auf verschiedenen Ebenen und auf verschiedene Weisen – genau gleich! Oder? Und er dachte noch, dass dies vielleicht der Grund gewesen sei, wieso er sie von Anfang an verstanden und eine Sympathie für sie aufgebracht, sich von ihr verstanden gefühlt hatte. Sie zog ihn auf eine ekelgrüne Liege und machte ihm, als sei das die größte Selbstverständlichkeit, die Hose auf. Mit einem Male setzten seine Gedanken aus und etwas anderes trat an ihre Stelle. Ihr Mund, ihre Lippen wurden größer, und es war ein einziges „Sesam öffne dich“. Er ging hinein und ließ sich mit den intensivsten Gefühlen bescheren. Er war in einem hohen Maße sich selbst und gleichzeitig identisch mit ihr. Er kostete exotische Früchte. Er flog wie auf den Schwingen einer Möve, außer sich und in sich.

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Momentaufnahme - reloaded

Das Wort und die Relevanz sämtlicher Äußerungen des Individuums überhaupt scheint in unserer Gesellschaft doch stark zurück gegangen zu sein. Dabei wird es nostalgisch immer noch gerne simuliert, liebevoll gepflegt, in Nischen gezüchtet - stirbt aber aus. Was vorerst bleibt, sind vielleicht Fragmente, Fetzen, Verfremdungen (auch in meiner Musik). Erinnerungen, gespeicherte Intensitäten, vergessene Strukturen, ein nostalgisches Gefühl von Aufbruch. Anarchisch. Chaotisch. Ich mache mir hier und jetzt auch keinerlei Illusionen über Formen wie Blogs oder Soziale Netzwerke. Sie tragen wohl eher zur Banalisierung des Einzelnen bei, - sie sind Erleichterungen und gleichzeitig geöffnete Schleusen. Der „Einzelne“ (die „Person“) scheint ohnehin selbst sehr stark zu dieser Entwicklung beigetragen zu haben, indem nämlich heute auch scheinbar lyrische Texte industriell, arbeitsteilig und geradezu maschinell hergestellt wurden und zunehmend werden. Der Druck auf die Tränendrüse ist etwas Gekonntes. Der Wutausbruch wird planmäßig herbeigeführt (jeweils beim „Durchschnittsuser“). Die Aufmerksamkeit wird gelenkt. Die Lüge beherrscht unmerklich vorrückend und die Gedanken verschleiernd das Feld. Es herrscht das Kollektive, der Schwarm, die Masse, „Big Data“, der Algorithmus, das kalte Berechnen, - auch gerade der Emotionen. Klar,dass diese Szenerie im Gegenzug die „Experten“ (in die oft das Individuelle“ hinein projeziert wird) zu ihrem Spielfeld gemacht haben. Spezialisten drängen sich vor und erklären das Allgemeine für ihres. Sie kennen sich aus. Sie scheinen über Spezialwissen zu verfügen, wissen es besser. Das Überindividuelle (z.b. Auswahl aus 30 Yogurths) findet sein Gegenstück im gleichförmig Uniformellen. Das technokratisch „Gekonnte“ scheint das Ideal, nicht das Erschaffene, aus dem Nichts Geschöpfte, das mit Erfahrung Unterfütterte. An seine Stelle tritt das zurecht Manipulierte, das Angeordnete, das Programm. Reize werden abgerufen. Das „Tun-so-als-ob“ beherrscht die Szenerie. Eine Scheinindividualisierung verkauft sich, wird im Hintergrund aggregiert und zu Werten verarbeitet. Fingierte Authentizitäten überwältigen. So werden z.b. Songlyrics in der Popmusik heutzutage „gemacht“, zusammengesetzt aus Versatzstücken, aus Phrasen, Klischees, aus synthetischen Perspektiven. Es wird alles immer austauschbarer, es wird zur kalten Ziffer, zur Zahl, zum manipulierten Etwas. Das Analoge, das im alten Sinne „Tatsächliche“, wird von grinsenden Technokraten oft zum disfunktionalen (Kosten-)Faktor erklärt und sofort ausgemerzt. Freigesetzt. Entlassen. Hinaus geworfen.

Mittwoch, 20. Oktober 2021

Von Stars und Prominenten - reloaded

Hierzulande scheint man sich angesichts der krisenbedingten Ereignislosigkeit und den diesbezüglichen News vor allem mit dem Befinden der „Stars und Prominenten“ zu befassen. Ein kleiner Blick nur in das „Unterschichtenfernsehen“ scheint mir da recht aufschlussreich. Wer mit wem und wer ist schwanger? Wer hat welche Villa gekauft? Namen, die ich nie gehört habe, die aber an anderer Stelle als sehr vermögend (zum Teil mit aufschlussreichen Zahlen) vorgestellt werden, prägen die Lage. Ob so etwas eine bestimmte Funktion hat, haben könnte? Ob da etwas abgedeckt werden soll, ob der Verdrängung Vorschub geleistet werden soll, ob Leute in eingebildete Paradiese "entführt" werden sollen. Ob es die Mär' befördern soll, dass du es in dieser Gesellschaft schaffen kannst, wenn du nur willst? Den Leistungsantrieb befördern? Der alte amerikanische Traum? Nun ja, mittlerweile scheint er selbst in den USA selbst nicht mehr so recht zu funktionieren. Die Reichen scheinen immer reicher zu werden, die Armen immer ärmer. Globales Phänomen. Die ausgestellten Vorzeigepersonen funktionieren auch nicht mehr so richtig. Die erhobenen und gelegentlich auch geschönten Zahlen bzgl Reich und Arm scheinen mir erschreckend zu sein. 

Ob dieser als „Erfolg“ ausgegebene „Traum“ vor allem die als Erfolgsorientiertheit ausgegebene Rücksichtslosigkeit und den Egoismus transportieren soll? Ob Dynamik“ da das richtige Stichwort ist? Leute, die was tun - und Leute, die halt träge sind? Ob da auch die Sozialisation und eingeübtes Verhalten eine Rolle spielt? Ob diese Leute, die „es geschafft haben“, vor allem mit ihren Ellenbogen voran gekommen sind? Ob sie einen bestimmten Typus des Menschen verkörpern? Ob sie sich aufgespielt haben auf der gesellschaftlichen Bühne und dafür die notwendige Verächtlichkeit aufgebracht haben? Ob so etwas wirklich ein Modell für uns sein kann? 

Dienstag, 19. Oktober 2021

Was geht (Songtext)

Was geht Du gehst nach draußen und spürst den Boden unter Dir, Du merkst wie Du gehst Was geht da? Was geht? Wer ist das? Du gehst weiter.... stellst Dir lauter Fragen die sich langsam verwischen in Dir die einsickern in Deine Gedanken Dein Empfinden Du bist jetzt hemmungslos bei Dir selbst und legst doch auf Selbsterfahrung keinen Wert kannst das alles nicht mehr leiden bist müde dieser elenden Finten du willst dich nur kurz begreifen an diesem Tag in diesem Moment du willst die Zeit nicht vergessen die du heute anderen wieder verkauft hast gerade so als sei's eine Notwendigkeit als Rechtfertigung deiner Existenz Du spürst ein Auge in Dir wie es dich anschaut Dich, - wer bist du tausende gehen jeden Tag du bleibst hast dich an das Bleiben gewöhnt so ist das eines Tages wirst auch du gehen ganz alleine und alles um dich herum wird alles dasselbe sein es geht weiter mit Dir.....

Montag, 18. Oktober 2021

Selbstreferenz revisited

Selbstreferenz (Besuche, aber auch Tagebuchstudien, Nachforschungen) ist für mich Beleg dafür, mich selbst zu suchen, ja, - und darin einen gewissen Sinn zu sehen..... Bruch- und Fundstücke, Unverbundenes zusammensetzen, es als Teil eines Selbst begreifen..... eine Linie des Insgesamt finden im damals Disparaten.....das zunächst Hingelebte und als "Moment" Empfundene neu aufnehmen und seinen Stellenwert besser aus heutiger Perspektive erfassen, Anregungen dabei mitnehmen, die Vergangneheit neu erfassen, damals lebte man in zu vielen Selbstverständlichkeiten, nahm scheinbare "Normalitäten" zu wenig wahr, ließ sich treiben, so wie das in einem angelegt schien, so, wie es vorgesehen war, so, wie es einem passierte.....

Sonntag, 17. Oktober 2021

Mondnacht (Jv Eichendorff)

 Joseph von Eichendorff, "Mondnacht"

 

Es war, als hätt der Himmel

Die Erde still geküßt,

Daß sie im Blütenschimmer

Von ihm nun träumen müßt.

 

Die Luft ging durch die Felder,

Die Ähren wogten sacht,

Es rauschten leis die Wälder,

So sternklar war die Nacht.

 

Und meine Seele spannte

Weit ihre Flügel aus,

Flog durch die stillen Lande,

Als flöge sie nach Haus.


(1837)

Samstag, 16. Oktober 2021

Sehnsucht (JvEichendorff1834)

  Es schienen so golden die Sterne,

     Am Fenster ich einsam stand
     Und hörte aus weiter Ferne
     Ein Posthorn im stillen Land.
5   Das Herz mir im Leibe entbrennte,
     Da hab ich mir heimlich gedacht:
     Ach, wer da mitreisen könnte
     In der prächtigen Sommernacht!

     Zwei junge Gesellen gingen
10  Vorüber am Bergeshang,
     Ich hörte im Wandern sie singen
     Die stille Gegend entlang:
     Von schwindelnden Felsenschlüften,
     Wo die Wälder rauschen so sacht,
15  Von Quellen, die von den Klüften
     Sich stürzen in die Waldesnacht.

     Sie sangen von Marmorbildern,
     Von Gärten, die überm Gestein
     In dämmernden Lauben verwildern,
20  Palästen im Mondenschein,
     Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
     Wann der Lauten Klang erwacht,
     Und die Brunnen verschlafen rauschen	
     In der prächtigen Sommernacht.-

Dienstag, 12. Oktober 2021

Was dies Blog betrifft reloaded

Unsere Wahrnehmung ist second hand? Was nehmen wir ernst und was nicht? Welche Rolle die Medien wohl dabei spielen? Im Mix aus kurzen Texten, MP3s und Fotos geht es dem Blog darum, einen aus Medien gewonnenen Spiegel des Tages- und Zeitgeschehens sowie der persönlichen Gedanken- und Erlebniswelt des Autors zu produzieren. Es geht ihm um den Wechsel von Sichtweisen, die gesellschaftlich geprägt sind, auch darum, Alltagserfahrungen zu spiegeln, aktuelle Vorgänge der Gesellschaft und Politik aus der Perspektive verschiedener sozialen Welten wahrzunehmen. Es ist ein Nachdenken über Zukunft und das gegenwärtige Sein, über Möglichkeiten hier, über den Kosmos, über vieles, was mich gestreift hat mittels Medien (also vermittelt...), es sind kurze Reflektionen von Herrschaftsverhältnissen, Gedanken über Tod und andere Gegebenheiten, etwas, das mich berührt und in mich eingedrungen ist, in der Empathie aufgehoben, in Religion und Spiritualität, Lyrik, eigenen MP3s und Fotos, ergänzt durch Songtexte verschiedenen Alters, Existenzspuren, Selbstvergewisserungen, Stammtischgequatsche, durch Tierisches, allerlei Zeugnissen meines Gangs durch die Wirklichkeit, subjektiv gefiltert, - ohne Anspruch auf Objektivität. Im Mittelpunkt: Das Normale, das Leben, die Deprivierung, Angst, Zeit, Liebe, Zitate, Geld verdienen zum leben, alles in Kürze und in möglichster Konzentration, Lektürefrüchte, im Bestreben, mich möglichst verständlich auszudrücken – und: ich versuche vorläufig, einen täglichen Rhythmus einzuhalten, einen multimedialen Blog zu betreiben.

Montag, 11. Oktober 2021

Ego-Integration - reloaded

Ich stoße auf erstaunliche Verständnislosigkeit meinen Reisen in meine eigene Vergangenheit gegenüber. Es wird für Nostalgie gehalten. Dabei sollte doch alleine schon mein Interesse für die gegenwärtige Situation dieser jeweiligen Kommunen, dieser Punkte in dieser Welt für ihren „Sitz in der Welt“, stutzig machen und relativieren. Möglicherweise will ich etwas in mich „heimholen“, was einst zu selbstverständlich im Strudel der Zeit vorüber ging. Man lebte damit, versuchte, damit zurecht zu kommen, sich zu arrangieren, es zu gestalten. Es umgab einen wie ein Kokon der Selbstverständlichkeit und der „Normalität“. Dabei freilich hat es einen auch beeinflusst......auf verschiedene Weisen.......Wäre man an einem anderen Ort unter anderen Verhältnissen aufgewachsen, wäre man womöglich ein anderer geworden. Ich suche nach dem „göttlichen Funken“, der Substanz des Ich..… so schrieb ich 2012 in einer Besprechung eines Joe-Jackson-Konzerts „Nein, der Mann ist nicht senil-sentimental geworden, er will ja seine Vergangenheit nicht einfach zurückholen. Heimholen will er sie, nach all diesen Rollenwechseln, nach diesen künstlerischen Häutungen der vergangenen zwanzig Jahre, in seine Persönlichkeit neu integrieren will er sie, das spürt jeder.“ Vielleicht auch so einer.

Samstag, 9. Oktober 2021

Hamsterrad und Wachstum - reloaded

Hamsterrad? Es muss sich wohl immer schneller drehen, um bestehen zu bleiben. Die gut und sicher dotierten Geister nennen das, was dabei heraus kommen soll, - Wachstum. Wir sollen möglichst zügig wieder einsteigen, sobald wie möglich. Jetzt. Gleich. Gestern schon. Einstweilen wird es halt noch ein paar Tote geben, so bemerken wir verschämt. Dabei haben wir unter Umständen Zeit gehabt, genau darüber nachzudenken. Was wollen wir? Wer ist überhaupt "wir"? Natürlich sind wir Menschen begegnet, die sich da raus ziehen wollten oder die raus gezogen wurden. Doch es war stets schwierig für sie, ins Hamsterrad zurück zu kehren, um die für den Lebensunterhalt notwendige Kohle zu verdienen. Es sei denn, sie gehörten der Geldelite an. Den „Platz in dieser Gesellschaft“ zu verlieren ist wohl das Mindeste, was bei Abrutschen droht. Die Entscheidungsgewalt bei der Beschaffung bezahlter Arbeit zu behalten, ist schwierig. Es entsteht wohl eine Art Erwartungsdruck, etwas "zu leisten". Ein Fetisch, um den sich viel dreht in dieser Gesellschaft. Wie eigentlich ist das heute, im Zeitalter der Massenentlassungen und der Überhonorierung von sogenannten Führungskräften, genau definiert? Leistung? Leistet eine klassische Hausfrau nichts, bloß weil sie nicht bezahlt wird? Wo ist da die Grenze? Können wir weiterhin, auch angesichts ökologischer Grenzen, auf "Wachstum" setzen? Wo nda wohl eine Grenze ist? Nirgendwo, sagen bejahende Geister. Da scheint immer noch etwas zu gehen, die Verdichtung der Arbeit etwa scheint keine Grenzen zu kennen, der Phantasie sind an dieser Stelle kaum Grenzen gesetzt, es werden immer wieder "Lösungen" gefunden. Spätestens im Rahmen unseres Nachdenkens hat sich die Frage erhoben, was denn eigentlich gut für uns sei und wie wir leben wollen. Ob uns dieses Hamsterrad die Freiheit von ökonomischen Zwängen und die Selbstbestimmung gebracht hat?

Freitag, 8. Oktober 2021

Valerie (35)

 Ich weiß nicht, ob ich dir glauben soll, aber im Moment spielt das sowieso keine Rolle. Ab und zu sollte man daran arbeiten, sich ganz neu zu sehen, von vorne anzufangen. Man sollte nicht immer in eine einzige Richtung rennen. Ich dachte mal, als Schauspielerin hätte man am ehesten dazu Gelegenheit, könnte vieles für sich ausprobieren. Doch dann hat man es plötzlich mit einem Image zu tun, das einem diese Leute und der ganze Apparat aufdrängen. Und eines Tages identifiziert man sich mit dem Bild, das von dir gemacht wurde. Du scheinst nichts mehr dagegen tun zu können. Du lebst deine Rollen nicht mehr nach, sondern du spielst sie, so wie man etwas gelernt hat, wie jeden Beruf, mit Routine und Handwerk. Es gibt Schauspielschulen, die produzieren diese Handwerker zu tausenden. Ich würde sagen, dass das gewiss keine schlechten Schauspieler sind. Aber für mich geht das alles weiter als bis zu diesen Vorgaben. Ich identifiziere mich anders mit den Rollen, habe aber schon zu viele Kompromisse geschlossen, die ich eigentlich nicht wollte. Ach!, ich weiß nicht, was ich da rede! Nimm nicht alles für bare Münze! Ich kann dir alles vorspielen und mein Ich kennt sich manchmal selbst nicht.

Donnerstag, 7. Oktober 2021

"Wohlstand" - für wen?

 Ja klar bin ich froh, dass ich in Deutschland lebe! Dieser Umstand ist es auch, der von politisch Verantwortlichen leider viel zu oft für Propagandazwecke eingesetzt wird („immer noch besser als anderswo in der Welt….“). Aber manchmal frage ich mich, ob es nicht besser sein könnte mit der Aufteilung des „Wohlstands“ in diesem „reichen“ Land. Die einen wissen kaum, wohin damit (Anlagenotstand). Die andern haben nichts und leben von der Hand in den Mund. Man nimmt das hin und soll stolz sein auf dieses Land. Ja klar, ist es schön! Aber leider nur für ein paar Privilegierte. Der Rest muss darum bangen, morgen etwas zu fressen zu haben. Ich halte solche Verhältnisse für eine Schande! Hemmungsloser Neoliberalismus!

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Wo man steht.......

 Man sitzt in seinem Loch und die Welt gleitet an einem vorbei: Soll man sich nun irgendwie anpassen und „woke“ sein, soll man Charakter beweisen, soll ich den „alten weißen Mann“ heraus hängen, den man auf gar keinen Fall sein darf und den ich trotzdem bin? Soll ich ein Vorbild sein, - für wen? Soll ich Lehren aus dem ziehen, was ich erlebt habe und dieses dann anderen Menschen andienen? Bin ich zu desillusioniert und zynisch, nehme ich die Dinge nicht mehr gebührend wahr, weil ich sie nicht für wahr halte? Halte ich viel zu viel für Theater, das sich in sich selbst erschöpft oder vor allem Imponiergehabe ist, über das ich nur noch lachen kann? Kann ich mir das leisten (oft in meinem Leben hätte ich mir das gar nicht leisten können…). Soll ich jetzt jemanden anrufen, mit dem ich eigentlich gar nicht reden will? Muss da ein sozialer Mechanismus endlich greifen bei mir? Das geht doch nicht, das kann doch nicht sein! Man amüsiert sich bei den Spässen von Spassmachern, muss dann aber feststellen, dass diese Leute sich nach ihrer Show verflüchtigen, die Verhältnisse um einen herum nicht gerade zum Lachen sind…...Man denkt über Vergangenheit nach, was man ja nach etlichen Ratschlägen nicht tun sollte. Man hat das alles erlebt und muss darüber staunen. Nie gedacht, dass es einen auf diesen, jetzt dominierenden Weg, bringen würde…..In was hat es einen da hinein getrieben? Wo steht man jetzt?

Dienstag, 5. Oktober 2021

Zeichen

 

Ich mag Worte und Wortfetzen, Formatierungen, die Einstellungen, Lebens- und Sinnwelten offenlegen und auch verfremdet sein können (z.b. Amtssprache, Fußballersprache, Leistungssport, Akademiker, Bildungssprache usw.). Ich interessiere mich für kurze Einlassungen, Phrasen und Wortklischees, die typisch sind, die etwas charakterisieren, die wie Chiffren wirken, für eine Richtung, für einen Zusammenhang. Da sind auch Spezialsprachen, Kürzel und Gefühlsausbrüche, die bezeichnend sind. Ich sehe genauer hin und versuche, einen Sinn zu erschließen, die Formierungen und Deformierungen zu erkennen, denen wir alle ausgesetzt sind und die wir nahezu unbewusst in den Bereich der Sprache übernommen haben. Dies mag oft grotesk und absurd wirken, ist aber nicht immer lustig.

Montag, 4. Oktober 2021

Im Großen und Ganzen

 Großprojekte in Deutschland? Ob ihre Realisierung den demokratischen nur noch formal entspricht? Ob das in die Gedankenwelt und die typischen Vorstellungen von Politikern hinein führt? Das Muster dieser „Realisierung“ jedenfalls scheint ja inzwischen genügend bekannt zu sein. Zuerst wird alles schön geredet und schön gerechnet und in diesem Zustand den öffentlichen Gremien zum Abnicken vorgelegt. Die öffentlichen Aufträge werden sodann an Firmen vergeben, die „am billigsten“ anbieten, was sie nur unter Zuhilfenahmen von Subunternehmen aus sogenannten „Billiglohnländern“ halbwegs realisieren können. Dass am Ende nicht unbedingt immer nach Recht und Gesetz vorgegangen wird, dass z.b. „Schwarzarbeit“ eine immer wieder nachgewiesene Methode der Steuervermeidung (vom Staat!!!) und also Kostensenkung ist, scheint akzeptiert zu werden. Aber es ist ja sowieso alles genehmigt und abgenickt, auch wenn Verzögerungen und Verteuerungen erst (teils lange) danach auf den Tisch gelegt werden.

Großprojekte? Ich habe auch eins „vor der Haustüre“, bei dessen Brechung eines Widerstands ein ehemaliger Ministerpräsident traurige Berühmtheit erlangt hat. „Stuttgart 21“ wurde anfangs mit etwa 2 Milliarden Kosten vorgestellt. Mittlerweile scheint man bei etwa 8 Milliarden Euro (oder war es mehr? Die Maßstäbe scheinen längst verloren gegangen zu sein) angelangt. Von einer Eröffnung im Jahr 2021 scheint man weit entfernt zu sein, oder es müsste jetzt alles sehr schnell gehen. Die öffentliche Hand scheint hier krass versagt zu haben. Oder etwa doch nicht? Geht es womöglich um ganz andere Interessen? 
In Stuttgart ist die Diskussion auch nach einem landesweiten Volksentscheid immer noch im Gange, Jahre danach. Jedenfalls scheint niemand für nichts verantwortlich zu sein, solange die persönliche Kasse stimmt: Eine gängige Praxis bei der öffentlichen Hand. Stuttgart, Karlsruhe, Hamburg, Berlin, Bremen und viele andere Städte scheinen dafür anschauliche Beispiele abzugeben, aber auch der Alltag des Umgangs mit Behörden.
Niemand würde sein eigenes privates Bauvorhaben so managen, wie bei diesen unsäglichen Projekten des Staats, bei denen verheerend mit öffentlichem Geld umgegangen wird (mögen da Institutionen wie der Bundesrechnungshof noch so katastrophale Zahlen vorlegen!). Das ist Murks und Pfusch in ganz großem Stil. Diese ganzen Missstände aber führen unter anderem auch zu jahrelangen Verschiebungen einer Eröffnung. Hm, war da was? Auch „Stuttgart 21“ wird ja nicht 2021 eröffnet, sondern irgendwann. Wenn es fertig ist. Das ist schamlos und entspricht nicht einem demokratischen Staat, auf den man doch nach manchen politischen Aussagen „soooo stolz“ sein könnte. Alleine schon die Zahlen sprechen da Bände einer anderen Sprache.

Samstag, 2. Oktober 2021

Die im Schatten......reloaded

 Mich stört schon seit längerem, dass in dieser hauptsächlich in 3 Teile geteilten Gesellschaft, diejenigen zunehmend nicht mehr sicht- und hörbar sind, die dem unteren Drittel angehören. Wer sich vor allem durch die ewig gleichen Gesichter repräsentieren und darstellen lässt, wer sich als unverzichtbar originell und maßgeblich darstellt, produziert, sind die Angehörigen der neuen Mittelklasse, also das alte begüterte Bildungsbürgertum, die Besitzbürger, die Beamten und bestallten Wichtigtuer, die neuen Dienstleister, die Unterhalter und Zeitvertreiber und die Emporkömmlinge jeder Provenienz. Sie drehen die Pirouetten ihrer Bildungsbeflissenheit und lassen sich gerne bedienen in der neuen Dienstleistunggesellschaft, in der sie auf diese Weise Arbeitsplätze schaffen. Sie zelebrieren das als Lebensstil, sie feiern ihre Vollgefressenheit und treten mit ihrem Luxus-Ich fortwährend in den Talkshows auf. Hinzu kommt noch der Kreis derer, die sich in dieser Gesellschaft als „prominent“ verstehen dürfen, die sich als Günstlinge dieses Systems darstellen können und die sich optimal angepasst haben an das, was gefordert ist: „Freies Unternehmertum“, Durchsetzungsfähigkeiten verbunden mit Rücksichtslosigkeit (ein amerikanischer Präsident würde auch noch die Bösartigkeit nennen). Sie haben „etwas aus sich gemacht“. Eine weitere Klasse der Wichtigs stellen „die Erben“ dar, die ihre hohe Bedeutung aus ihrem Stammbaum herleiten können. Das alles scheint okay zu sein, auch wenn es immer wieder vorkommt, das an einzelnen Stellen kritisiert wird. Dass aber durch das Auftreten all dieser Wichtigs eine ganz bestimmte Sicht der Wirklichkeit geschaffen wird, dass sie die Köpfe beherrscht und einseitig das Bewusstsein prägt, das führt zu allerlei gesellschaftlichen Ausbrüchen, zu Disfunktionen und zu als nicht ganz bewältigt hinunter geschluckten Brüchen.

Freitag, 1. Oktober 2021

Machtfragen

 Spitzenpolitiker scheinen schon mal ihre Meinung in kürzester Zeit zu ändern, wenn es um ihre Kandidatur für ein wichtiges Amt geht. Natürlich aus reinem Pflichtgefühl…. "Es geht um Inhalte, nicht um Personen" (Wir können es nicht mehr hören) Dass dies zur Verwirrung und zum Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit beitragen könnte, scheint ihnen auch nach dem "Wahlkampf" nicht in den Sinn zu kommen. Stattdessen könnte einen der Verdacht beschleichen, dass es in Wirklichkeit um Machtfragen geht, um Posten und Kohle. Er wolle "gestalten", hat dazu ein bekannter deutscher Politiker abgesondert, manche dieser Leute wollen auch endlich "was werden". Selbstverständlich wird dann von den PR-Strategen schnell ins Gespräch geworfen, dass sich ja in einer Demokratie die Zeiten und die Umstände ändern könnten, was auch eine Änderung der Einstellung eines Politikers nach sich ziehen dürfte. Danach erhebt sich die Frage: welche Umstände haben sich in welchem Zeitraum geändert? Dient solche Flexibilität der Sache? Wem dient das? Welche Rolle spielen dabei Machtfragen?


Donnerstag, 30. September 2021

Rundumblick (Textlyrik)

RUNDUMBLICK Beziehungen optimieren, sie mit Kohle schmieren im Horizont untergehen und bei weitem nicht der Letzte sein.  Sie setzen den Bohrer an und summen sich in dich hinein, sie sind beständig an dir dran und machen dich zu ihrem Schwein,  sie selbst lenken sich, wer sonst? Sie sind die Gestalter der Welt was die Macht mit dir macht, bis du sie alle enthronst all die Schwätzer und Sprücheklopfer die Idiologen und Lügner der allzu einfachen Wahrheit.  Doch wie machst Du's ohne Opfer? Sie geben den Ton an, wollen führen,  sie leben ihre Macht aus, unverdrossen sie sind die Macher dieser Macht wollen sich zu ihrem eigenen Kaiser küren sie schmieren und schmieden feine Verse, sie sind ein Teil dieses sich drehenden Karussells, wem schwindlig wird, der springt schon mal ab, vertritt sich dabei seine Achillesverse (man gräbt und fördert zu Tage...) Scheise.......

Dienstag, 28. September 2021

Valerie (34)

 Ich mach’ eigentlich nichts: Ich habe als Journalist gearbeitet, habe mich zwei Wochen lang als Gärtner versucht, habe Zeitungen ausgetragen und Arzneimittel ausgefahren, habe dies und jenes gemacht: eigentlich nichts richtig. Mich hat es immer nach einer gewissen Zeit gereizt, etwas Neues anzufangen. Darüber sind die letzten 7 Jahre ins Land gegangen, ohne dass ich im Leben etwas darstellen würde, ohne dass ich „es zu etwas gebracht“ hätte. Ich habe immer improvisiert, mich kurzfristig über Wasser gehalten. Dabei habe ich noch nicht einmal von heute auf morgen gelebt, denn ich hatte das Gefühl, ich hätte mich im Griff. Im Moment bin ich dabei, zu etwas stetigeren Bahnen zurück zu finden. Ich arbeite an einem Buch, das ich eigentlich schon immer schreiben wollte, das aber immer noch ausreifen musste in mir, - bis jetzt. Jetzt habe ich das Gefühl, ich könnte das in Griff bekommen. Was ich danach machen werde, weiß ich noch nicht. Vielleicht gehe ich ins Ausland, auf irgendeine Südseeinsel, auf eine mit Kokospalmen und vielen zärtlichen Mädchen am Strand. Eine, auf der es keine Winter gibt und wo Milch und Honig fließen. Das ist eigentlich nicht so aufregend, wie es klingt. Das ist eigentlich alles anders!

Montag, 27. September 2021

Digitale Dichter

 Noch einmal bin ich dem von Politikern explizit geäußerten Wusch nach einem „Volk von digitalen Dichtern und Denkern“ begegnet. Ich denke mir, dass genau das beabsichtigt war, als ich mit meiner geisteswissenschaftlichen „Bildung“ immer mehr auf das Abstellgleis geschoben wurde. Es soll wohl ein Volk von willigen Digitaldeppen geschaffen werden, von Programmierern und Webdesignern, die genau das umsetzen, was man ihnen vorgibt, was selbstverständlich den Gebrauch von Kreativität und Lust am Experimentieren ausschließt. So etwas würde nämlich Zeit zum Spielen und Ausprobieren voraussetzen, was natürlich dem „Zeit ist Geld“-Prinzip zuwiderlaufen würde. Deutschland solle eine Nation der Programmierer und Ingenieure werden, die nicht lange danach fragen, auf welches Ziel wohl so etwas zuführen könnte. Als Ziel werden vielmehr Phrasen wie „Klimaneutralität“ ausgegeben, die alles und jedes bedeuten können, was sie für staatliche Einheiten wie die EU und die von ihren Repräsentanten gehaltenen Sonntagsreden möglicherweise noch attraktiver macht. Ich vergleiche das unwillkürlich mit klassischen Idealen wie dem Streben nach Kunst, Bildung und Gelehrsamkeit, was durch einen Klassenbegriff und das Selbstverständnis eines emanzipierten Menschen gestützt lange die Idee der Nation beherrschte. Man strebte nach einem empathischen, nicht zweckdienlichen und politischen Interessen gefügiges Menschenbild an. Ob wohl dies Ideal des „digitalen Dichters und Denkers“ dem krass widerspricht?

Sonntag, 26. September 2021

Das Angenehme dieser Welt (Friedrich Hölderlin 1770-1843)

Das Angenehme dieser Welt Das Angenehme dieser Welt hab' ich genossen, Die Jugendstunden sind, wie lang! wie lang! verflossen, April und Mai und Julius sind ferne, Ich bin nichts mehr, ich lebe nicht mehr gerne! [Weitere Version des Gedichtes:] Das Angenehme dieser Welt hab ich genossen, Der Jugend Freuden sind, wie lang, wie lang verflossen, April und Mai und Junius sind ferne, Ich bin nichts mehr, ich lebe nicht mehr gerne.

Samstag, 25. September 2021

Digitalisierung als Kampagne

 Noch einmal gehe ich rein in eine journalistisch gemeinte Dokumentation zur Digitalisierung, die ja auch in den Wahlprogrammen der Parteien der Bevölkerung als oberwichtig verkauft wurde. Ich lese da viel von „Kreativität“, „Innovationskraft“, von neuen Herausforderungen, die es zu meistern gelte. Es kommt mir so vor, als seien das Verkleisterungen eines Mangels, der auf ganz anderen Ebenen zum Tragen kommt. So offenbarte nicht nur die Pandemie einen riesigen Mangel im Bereich der Schulen. Da schien niemand so reiht vorbereitet, Konzepte wurden zwar in langwierigen Pressekonferenzen vorgestellt, kamen aber nicht zum Tragen, blieben offenbar Luftgespinste. Ich lese Lobeshymnen auf Alexa und der großen Angst, die besonders die Deutschen bremse. Nun ja, eigentlich bin ich ja froh, dass so manches Thema hierzulande erst kritisch und öffentlich reflektiert wird, ehe es zu einer Umsetzung kommt. Manche Politiker versuchen diesen Prozess und seine ihn vertretenden Personen als „Bedenkenträger“ zu dissavouieren, die ein „Zukunftsproblem“ hätten und über ihr „Mindset“ nachdenken müssten. Dies halte ich für katastrophal und versucht allzu offensichtlich, sich in eine Fahrwasser einer oft amerikanisch bestimmten Technikgläubigkeit und des meist damit verknüpften Turbokapitalismus zu begeben.

Freitag, 24. September 2021

Valerie (33)

 Er hatte ja auch versucht, ihr etwas vorzuspielen. Er hatte sich dabei beobachtet und sich miserabel gefunden im Verstellen und der Kunst der Täuschung. Ihr hatte er jedoch die Rolle als Studentin ohne Zögern abgenommen, er war gar nicht auf die Idee gekommen, daran zu zweifeln. Ihr Ich schien mit der Rolle eins zu sein. Es wären ihm aber bei einem längeren Zusammensein mit ihr Zweifel gekommen, so versuchte er sich einzureden. Es gab ja ohnehin viele Gemeinsamkeiten zwischen ihr und der vorgestellten Existenz als Studentin. Das Alter hätte stimmen können, sie hatte sich in Literatur und Kunst ausgekannt. Sie erzählte vom Alltag in der Universität und den Typen, die dort verkehrten mit ihrer ignoranten Ausschließlichkeit und vermeintlichen Richtigkeit, was seinen eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiet voll und ganz entsprach. Also musste sie mit großem Einfühlungsvermögen leben, mit der Neugier auf die Menschen und ihre verschiedenen Arten zu leben. Sie musste vielleicht sogar über eine spielerische Fähigkeit verfügen, sich in jemanden anderes Hinein zu versetzen und dabei nicht nur mit Klischees umzugehen, sie musste wohl ihre eigene Individualität in die Rolle einbringen, mit typischen Erkennungszeichen und den jeweiligen ureigenen Signalen. War das Talent oder erlernte Fähigkeit? In welchem Mischungsverhältnis stand das gegenseitig?

Mittwoch, 22. September 2021

Digitalisierung lernen?

 Ich lese unter dem Thema „Digitalisierung“ meist Formelhaftes, Gestanztes, das mit der Realität nicht viel zu tun zu haben scheint. Es ist da viel von der Möglichkeit der Kombination verschiedener Kriterien im Verkauf die Rede. Nun erhebt sich die Frage, wie das „unten“ ankommt. Klar, irgendwelche Manager verkaufen sich gegenseitig etwas, wobei sie irgendwelche Gewinne machen. Doch ich habe zuletzt äußerst deprimierende Erfahrungen gemacht, wenn es um den Bereich der digitalen Dienstleistung geht. Da werden Call-Centers kontaktiert, die nach langem Anhören von Easy-Listening-Musik-Schleifen sich für nicht zuständig erklären und zudem keinerlei Ahnung von nichts haben. Test: Man ruft eine Stunde später dieselbe Telefonnummer an und bekommt eine völlig andere Auskunft. Effekt: das, was man gerne erreichen wollte, funktioniert nicht. Man ist frustriert. Ist man nun Kunde, oder nicht? Digitalisierung findet bei uns in Deutschland im luftleeren Raum statt. Es wird zwar viel darüber geredet, es passiert aber gar nichts, außer dass sich gewisse Manager gegenseitig fette Boni auszahlen und behaupten, man müsse erst mal den Begriff „Digitalisierung“ lernen, - und alles, was neu sei, falle dem gemeinen Menschen schwer. Dass sich die Software zwischen die „Face-to-Face-Beziehungen“ schiebe, sei ein großer Vorteilseffekt. Wenn ich nun meine unmittelbar zurück liegenden Erfahrungen berücksichtige, frage ich mich, welche Effekte das sein sollen. Meine Kommunikation war weitgehend anonym, Maschinen fragten nach 20-stelligen Zahlen und hielten mich in einer Schleife, im Laufe derer ich unzähligen Fragen zu beantworten hatte, ehe ich zur nächsten „Stufe“ vorgelassen wurde. Ich frage mich, ob das nicht eine moderne Form der Erpressung ist. Neue, innovative Ideen seien einzubringen, heißt es gerne. Ich frage mich: wohin, in welche Prozesse, sollen diese Ideen eingebracht werden? In den Kreislauf der hochdekorierten Dienstleistungen, mit denen sich die Manager und „Führungskräfte“ eines Unternehmens gegenseitig beglücken?

Dienstag, 21. September 2021

Hector (Lyrik)

HECTOR Hectic Hector, watchin' hectic Hector poor lonely Hector jumpin' like a drunken sailor he's speedy, he's freaky, he's spooky, he's a wild one, he's always on the run what is in his eyes? he's in his cage he's caught in a mousy world, a mousy king we never can enter this world (einst aus Respekt vor der Schöpfung geschrieben, Hector war der Name meiner Rennmaus)

Montag, 20. September 2021

Fotobild

Wir haben mal gelernt, dass wir immer dann ein Bild (Foto) bringen, wenn uns nichts anderes einfällt. Man nannte sowas: Schmuckbild. Hier ist das anders, weil Fotos ein fester Bestandteil meines Ausdrucks sind.

Sonntag, 19. September 2021

Transformationen

Ich zitiere ein paar der Sprüche, die in letzter Zeit über mich gekommen sind und aus denen ich entnehmen kann, dass die Wirtschaft (insbesondere die Finanzwirtschaft!!!) ein hohes Interesse an der Digitalisierung hat, das freilich im Bereich des Staats keinen Widerhall findet. Ja klar, der Staat ist keine Organisationseinheit, die auf Effektivität basiert! (Effektivtät würde im Bereich der Wirtschaft in „Profit“ umgesetzt) . „Die Cloud ist der stärkste Treiber der digitalen Transformation“. Eine Vielzahl von Usern könne so auf eine hohe Zahl an Daten zugreifen….okay, aber was ist, wenn diese hohe Zahl gehackt wird, wenn es möglich wird, auf einen einzigen Streich hin 100 Millionen Userdaten zu klauen? Ob das ein Vorteil ist. Klar erkennbar ist, dass Firmen und, ja, auch Großfirmen!, diesbezüglich an der Sicherheit zu sparen scheinen. Wie anders wäre es möglich, dass immer wieder solche gigantischen Zahlen des Datenklaus bekannt werden? Es würden „Geschäftsprozesse vereint“ und zusammen geführt, so heißt es weiter. Das mag ja so sein, - aber tun die Firmen genug, um ihre Mitarbeiter dafür zu qualifizieren? Man benötige dafür lediglich einen Browser und eine Internetverbindung. Ach! Und was ist, wenn die Internetverbindung gestört ist? Wenn sie gar nicht stattfindet und Konzerne dafür ihre unterbezahlten Call-Center-Mitarbeiter vorschieben, die fadenscheinige und wohl von höherer Ebene empfohlenen Ausreden dafür parat haben, einen ansonsten aber hängen lassen (wie mir eben wieder passiert?). Gilt dann das „lediglich“ auch noch? Werden hier neue Abhängigkeiten deutlich, die der „Innovation“ nicht gerade förderlich sind? Entsteht nicht der Eindruck, dass beschönigte Formulierungen gewisse Unfähigkeiten und gerade beim staatlichen Handeln wieder offen zutage getretenes Langsam sein (bei deutschen “privaten“ Firmen kann das noch viel schlimmer sein…!) verdeckt werden sollen? „Kraft zum Umsetzen disruptiver Strategien“, „faire, transparente und flexible Kundenbeziehungen“, „Internet-der-Dinge-Anwendungen“ bringen Geräte ins Netz „in Kombination mit digitalen Vertriebswegen entstehen völlig neue Angebote“. Wie klingt das, schon vom Wortgebrauch her? Wem das wohl nützen soll? Ob hier ein paar Dinge falsch angefasst werden? Ob hier nichtssagende Phrasen in Managerlebenswelten ausgetauscht werden?

Zeit revisited

Was schwirrt da an uns vorbei? Wie man mit der Zeit umgehen solle? Ob das noch eine Spätfolge des Lockdown ist? Es ist von Zeitreisen die Rede. Von Allgemeiner Relativitätstheorie, von vierdimensionaler Raumzeit und von Wurmlöchern. Wie klein wir doch sind! Mit Hilfe von Digitalisierung diese Begrenzungen überwinden? Hm. Aber nun: Entschleunigung, Achtsamkeit? Iwo! Längst ist wieder Highspeed und Wachstum angesagt. Immer schneller. Immer profitabler. Wettbewerbsfähigkeit. Schließlich geht es um „unseren Wohlstand“. Bedrohungen sind längst wieder gewachsen. Alles ist ungewiss. Worin sollen „wir“ vertrauen? Ob es da um Millionstel Sekunden geht, die in zunehmender Höhe gemessen werden? Wir fühlen uns ausgeliefert. Ob es aber um entfernte Galaxien und „Schwarze Löcher“ geht? Die Zeit vergeht dort langsamer, je näher sie kommt.

Samstag, 18. September 2021

Was ich will - revisited

Ich will auch meine Aufmerksamkeit für die scheinbar hässlichen Dinge des Alltags, will nicht nur dadurch Entdeckungen und Erfahrungen abseits der offiziellen und vorgezeichneten Pfade machen, will Aufmerksamkeit für das Persönliche, das ins Öffentliche strebt (und zurück), für das Kleine, das im Großen verborgen ist, für die unmittelbare Umgebung, meiner selbst und der anderen, jene Umgebung, die doch den meisten Leuten so fern ist...., wieso eigentlich, wo bleibt die Neugier? Die Aufmerksamkeit...?....... ich will verschiedene und andere Perspektiven erfahren, an mich leiten, mich dadurch verblüffen lassen!

Freitag, 17. September 2021

Valerie (32)

„Ich mache uns frischen Kaffee!“ Sie schien bereits zur Tagesordnung übergegangen zu sein und machte sich in der Küche zu schaffen, während er sich in einen der herum stehenden Ledersessel fallen ließ. „Wir kennen uns erst seit heute morgen und trotzdem kommt es mir so vor, als hätt’ ich dich schon ewig gekannt. Was man halt so sagt. Ironisch fügte er hinzu: „...seit Jahrmillionen von Jahren. Alles was mir da bleibt, ist es, mich zu wundern“. „Das hast du heute morgen noch nicht gedacht!“. „Das war ein anderer Mensch, der heute morgen neben dir gesessen hat. So kommt’s mir auf jeden Fall jetzt so vor… Du möchtest jetzt wohl mit mir schlafen?“ Mit gespielter Schlagfertigkeit gab er zurück: „Ja klar, was denn sonst?“ Er gab sich alle Mühe, seine Stimme möglichst lässig klingen zu lassen. „Ihr seid als Männer trotzdem nicht alle gleich, nicht mal als Männer, - was gut ist“. Hm, sie hatte also seine Unsicherheit heraus gehört. Lächelnd stand sie vor ihm und stellte das Tablett mit dem Kuchen und dem Kännchen Kaffee auf den kleinen Tisch neben ihn. Ihre Jacke hatte sie ausgezogen und er ertappte sich dabei, wie sein Blick fortwährend an ihrem Körper hängen blieb, an ihren Konturen, ihren Bewegungen, die für ihn eine Bedeutung hatten, die etwas aussagten über sie. Aber vielleicht hatte sie sich das alles selbst beigebracht, konnte ihre Erscheinung kontrollieren und bewusst zu einem Zweck einsetzen, wann immer sie es wollte. Wusste er etwa, was sie jetzt, genau in diesem Moment, wollte? Jedenfalls schien sie wissen zu wollen, was er wollte. Wie perfekt konnte man als Schauspieler sein? Konnte man sich selbst etwas vorspielen?

Donnerstag, 16. September 2021

Digitale Unfähigkeiten

In letzter Zeit erfuhren wir hier in Deutschland fortwährend etwas über Hackerangriffe, die öffentliche Strukturen (besonders Krankenhäuser) lahmlegten und auf Lösegeldzahlungen hinaus liefen. Andererseits: In der öffentlichen Verwaltung wird offenbar noch abgeheftet, abgestempelt, abgetippt. Digitalisierung Fehlanzeige oder auf einen späteren Zeitpunkt festgelegt. Politiker preisen gerade in ihrem „Wahlkampf“ gleichzeitig die Wonnen der Digitalisierung und wie zügig sie jetzt überall eingeführt würde. Warteschlangen vor den Türen der Amtsschimmel scheinen dies aber nicht widerzuspiegeln. Nach Beantragung kann es schon mal vorkommen, dass jemand drei Monate auf den neuen Personalausweis wartet, vergleichbar Dienstleistungen stehen dem nichts nach. Behördensoftware ist oft veraltet, das Gesundheitsamt scheint seine Zahlen und Ergebnisse in Zeiten der Pandemie sogar per Faxgerät an weiterführende amtliche Stellen wie etwa das Robert-Koch-Institut weiter zu leiten. Hinzu kommt, dass die hastig ausgerufene Einführung der einheitlichen „Sormas“-Software auch ihre Tücken zu haben scheint und auf manchen Feldern nicht das leistet, was sie sollte. Die Verfolgung krimineller Aktivitäten scheitert nicht nur zwischen den Behörden der Bundesländer an endlos langen Verfahren, nein, sogar bei der Aufnahme, Erfassung und Ermittlung von Tatbeständen scheint es sehr langsam gehen, trotz der immer wieder angekündigten Digitalisierung. Dass sich dabei immer wieder sehr lange Zeiträume ergeben, die sogar zur Einstellung von Ermittlungen führen können, demonstriert auch nicht gerade einen erstklassigen digitalen Standard. Was ist da los? Fest steht, dass offenbar zu viele Nebelkerzen geworfen werden, das Trägheit, Bräsigkeit, Gleichgültigkeit und die Sparzwänge der letzten Jahre die Behörden in der Entfaltung ihrer Möglichkeiten stark bremsen. Gleichzeitig werden besonders von „der Wirtschaft“ die Wonnen der Digitalisierung gepriesen, wird in den Managementebenen von der Tranformation in digitale Welten gefaselt, werden ihre medizinischen Möglichkeiten, ihre prognostischen Optionen und ihre Impulse zur Entschleunigung gepriesen, ihre umweltpolitische Relevanz, ihre leistungssteigernde Potenz samt ihren disruptiven Fähigkeiten so ausgelobt, als sei es jetzt die vornehmste Aufgabe des Menschen die Ausschließlichkeit und diktatorische Durchschlagskraft dieser Technologie zu leben und als müsse sich der Mensch schleunigst den Vorgaben der Technik anpassen. Verwirrende Informationen prasseln da auf einen ein. Was nun?

Mittwoch, 15. September 2021

Digitalismus

Nachdem wir die im vorausgegangen Blog beschriebenen Informationen zwar aufgenommen, aber nicht verarbeitet haben, erhebt sich nun die Frage: Was geht da vor? Wer spielt welches Spiel? „Die Sicherheit sensibler Daten sei garantiert, erfahren wir von Vertretern der Wirtschaft. Daten würden auf Servern in Deutschland gespeichert. „Cloudbasiert“. Investitionsgüter würden in Servicemodelle umgewandelt. Neue Abrechnungsmodelle würden erschaffen. Alles wird schneller, flexibler und kundenfreundlicher. Leider scheint dies nicht den Alltag des „Kunden“, das Verbrauchers und Anwenders widerzuspiegeln. In Telefon-Wartenschlangen hören wir über lange Zeiträume nichtssagende Easy-Listening-Klänge, die als Musik zu beschreiben nicht ganz zutreffend erscheint. Nach unerträglich langer Wartezeit wird oft weitergeleitet an einen MitarbeiterIn, die weitgehend unkundig und mittels ihrer vorgegebenen Standardphrasen wenig fähig scheinen, auf das vorliegende Problem einzugehen. Call-Center, - wo? In Indien, in Bangalore? Arbeitswelt 4.0 - oder Abwiegelungsstrategie? Es zucken Blitze hernieder, von oben aus der Hierarche kommend), Verordnungen, Vorgaben, Termine, Techniken, Handlungsanweisungen, nach denen man sich gefälligst zu richten hat. Fast wie bei der Behörde. Home-Office? Ja, aber nur nach erheblichem Druck! Wo kämen wir da hin? Ohne Aufsicht und Hierarchie? Dazwischen werden Helden wie Elon Musk ausgerufen, der in vielerlei Hinsicht wohl die Nachfolge des Apple-Lenkers Steve Jobs angetreten hat und sich anschickt, sorgfältig nach finanzieller Leistungsfähigkeit ausgewählte Menschen ins All zu befördern, um ihnen auf diese Weise eine Art Überblick zu verschaffen. Wahrlich ein Visionär, der auch noch pragmatisch ausgerichtet ist. Marktführerschaft. E-Mobilität. Der digitalisierten Verheißungen sind viele. Digitalisierung der Bildung? Nichtdoch! Ein weiteres Fass, das an dieser Stelle nicht unbedingt aufgemacht werden muss. Verschieben. Später.

Dienstag, 14. September 2021

Spirituell

Spirituelles liegt in der Luft. Esoterik. Auch Schöngeistiges. Brahmanen- und Schamanentalk. Voodoo. Schon lange. Ist nichts Neues. Tieropfer und Verzauberungen. Telekinese. Prophezeiungen. Visionen. Seelenwanderung u.a.. Das ist nicht, das kann nicht sein!, so höre ich da Leute in meiner Umgebung argumentieren. Ich selbst bin da etwas vorsichtiger. Ich behaupte: Bis jetzt ist das wissenschaftlich nicht zu klären. Bis jetzt! Abgesehen davon, dass so manches nicht wissenschaftlich zu klären ist. Aber, wer weiß, vielleicht ist das bis in hundert Jahren zu klären? Ganz konventionell. Passend. Quantentheorie, Schwarze Löcher usw. geben uns ja schon eine Ahnung davon. Eine Ahnung ist natürlich nicht wissenschaftlich. Aber wer weiß, vielleicht kommt’s noch? Vielleicht muss man sich Wissenschaft und mit ihr auch die Naturwissenschaft als einen Prozess vorstellen und weniger als eine Methode, um in Stein gemeißelte Wahrheiten zu verkünden. Wer hätte vor hundert Jahren an Fax oder Mail geglaubt? Man wäre ausgelacht worden. An Flugzeuge? Haha…. Immerhin scheint es schon seit längerer Zeit einen Lehrstuhl für Parapsychologie zu geben. Der macht, wie ich hörte, mit der Quantentheorie um. Also beispielsweise mit dem Umstand, dass ein und derselbe Gegenstand an zwei unterschiedlichen Orten sein kann. Dass sich möglicherweise Parallelwelten auftun. Ob der Film „Matrix“ mit all seinen Fortsetzungen da eine Ahnung vermitteln kann? Ein Bewusstsein dafür schaffen, dass wir mit unseren begrenzten Erkenntnismitteln in einer Welt leben, die stark von uns selbst beeinflusst ist, die uns nur das offenbart, was wir erkennen können. Aber vielleicht gibt es ja noch viel mehr Dimensionen, als die, in denen wir existieren? Als die, die wir erkennen können?

Montag, 13. September 2021

Melancholie

Es überfällt einen zuweilen das, was die Allgemeinheit gerne Melancholie nennt. Man steht dazu, oder nicht. Doch es gibt sozusagen die "große" und die "kleine" Melancholie. Die große ist die philosophische, auf die Welt gewandte, die das Ganze im Blick hat. Die "kleine" ist ein kleiner, persönlich gefärbter Ausschnitt davon, die Erkenntnis, das es einem eigentlich viel besser sein könnte. Und da ist das kleine Ego, eines unter Milliarden, also kein Einzelfall, und doch: - es ist das einzige, das man hat. Es überfallen einen Gefühle: nicht, dass die Welt beschissen sei, nein, dass sie für einen viel besser sein könnte. Das ist ein Anlass zur Melancholie der dumpfen Art. Das ist auch nicht bloß etwas für die anonymen Melancholiker, das ist nix kollektives, sondern eine schwer verständliche Form davon. Es hat etwas damit zu tun, dass man den Hebel einfach nicht zu fassen krieget den es gilt, im richtigen Augenblick umzulegen. Und wenn, dann geht's irgendwie doch schief. Dies Gefühl trage ich schon seit ich denken kann mit mir herum und meine kleine Welt bestätigt es täglich. Die ganzen Selbstüberlistungsstrategien, die Psycho-Tricks, die kennt man inzwischen auch zu einem großen Teil, - in meinem Falle hab' mich mal eine lange Strecke in meinem Leben mit Psychologie beschäftigt.

Sonntag, 12. September 2021

Der Zeitgeist (Friedrich Hölderlin)

Der Zeitgeist Die Menschen finden sich in dieser Welt zum Leben, Wie Jahre sind, wie Zeiten höher streben, So wie der Wechsel ist, ist übrig vieles Wahre, Daß Dauer kommt in die verschiednen Jahre; Vollkommenheit vereint sich so in diesem Leben, Daß diesem sich bequemt der Menschen edles Streben. Friedrich Hölderlin (* 20.03.1770, † 07.06.1843)

Samstag, 11. September 2021

Bürger und Staat

Das Problem scheint mir nicht die Frage zu sein, ob es zu viel oder wenig Staat (wie viele „Linke“ behaupten: „der kaputt gesparte Staat...“) gäbe. Ein Problem scheint mir vielmehr in der Art zu liegen, wie der Staat seinen Bürgern gegenüber tritt. Dass man als Bürger hierbei ein hohes Maß an Arroganz und Ignoranz in Kauf nehmen muss, ein Behörden-Auftreten, dass sich im Besitz aller Machtmittel weiß und deshalb nicht nach dem Ziel seiner Bemühung fragt, sondern einen Verwaltungsakt vollzieht und dafür „durchgreift“, ohne Rücksicht auf den Einzelnen, ist bedauerlich. Das mag zwar eine idiologische Begründung (u.a. Max Weber) für die Bürokratie an sich haben, doch scheint mir wie so oft im Leben die Frage nach dem rechten Maß hierbei in der Luft zu liegen. Auch muss sich kein Staatsdiener als billige Servicekraft missbrauchen lassen. Die Überzeugung, dass gerade Staatsdiener die Diener aller sein könnten, ja, es geradezu sein müssten, scheint jedenfalls hierbei nicht sehr verbreitet. Auch scheint sich das Konstrukt hierzulande stark darauf zu stützen, dass von vornherein eine große Übereinstimmung der Interessen zwischen Bürger und Staat vermutet wird - und dass dadurch (im Gegensatz zu Staaten wie Frankreich) ein obrigkeitsstaatliches Denken verbreitet ist. Selbstverständlich sind der staatlichen Willkür die weniger begüterten und von der Hand in den Mund lebenden Kreise deutlich mehr ausgesetzt, als die Reichen, die mit entsprechenden finanziellen Ressourcen unterfüttert sind. „Blind“ ausgeführte Vorgänge, Gutachter und vom Staat bestallte Juristen scheinen hierbei allzu oft eine unglückliche Rolle zu spielen. Ob dies alles auf der Höhe der Zeit und in ihrer Entwicklung in eine eher egalitäre, in eine demokratische oder auch in eine kotrolliert digital bestimmte Richtung ist, darf bezweifelt werden.

Donnerstag, 9. September 2021

Höher, Schneller, Weiter

Es ist eigentlich kaum überraschend, dass man in der Zeit nach (!) den Olympischen Spielen immer wieder von Dopingmissbrauch und deutschen Misserfolgen liest, obwohl das Thema nach den Großereignissen einigermaßen verschwunden erscheint. Einige Leichtathleten scheinen allzu schnell Medaillenerfolge bis hin zu Weltrekorden errungen zu haben, so scheint es jetzt öffentlich zu denken. Kontakte zu Dealern scheinen bereits jetzt nachgewiesen, scheinen schon lange nachgewiesen zu sein. Es scheinen sich da so manche „Wunder“ abgespielt zu haben. Konkurrenten wurden offenbar reihenweise in den Misserfolg versenkt, um für die Nation eine Goldmedaille zu erringen. Ahnungslos. Unfair. Merkwürdig daran: Dies scheint auch den typischen Karriereweg in unserer Gesellschaft zu beschreiben. Nicht die dauernd ausgerufene „Solidarität“, sondern der Wettbewerb im gegenseitigen Vernichten der Konkurrenz erscheint da angezeigt. „Na so schlimm ist es dann doch nicht!“, so höre ich im Geiste schon die Stimmen hinter mir. Doch, es ist so schlimm! Es hat sich so entwickelt, ohne dass es jemand so recht registriert hätte. Langsam, aber sicher. Manchmal auch weniger langsam. Es zählt ja oft nicht die Leistung, sondern das Netzwerk, das Raffinement und ein „durchschlagkräftiges“ Verhalten (auch mit „unerlaubten“ Mitteln), um in dieser Gesellschaft auf dem Karriereweg weiter zu kommen. Eine reichlich unübersichtliche Schar von Zuträgern und Beratern, von Trainern und Funktionären scheint im Leistungssport eine Art Entourage um jene Athleten zu bilden, für die der Zweck die Mittel zu heiligen scheint. Auch scheint die Corona-Pause eine umso größer ausgefallene Doping-Testpause bei den Kontrollen der Athleten bewirkt zu haben. Seltsame Konstellationen scheinen sich dadurch ergeben zu haben, die Show scheint mit sonderbaren Weltrekorden bestritten worden zu sein, die zunächst natürlich nicht nachweisbar erscheinen. Trainingsfortschritte? Methodisches technologisches Vorankommen? Die in Fernsehübertragungen vorgezeigte Oberfläche und die Ebene dahinter jedenfalls scheinen in einer starken Spannung gewesen zu sein.

Mittwoch, 8. September 2021

Wahlkampf

 Es prasseln die ewig gleich wiederholten Phrasen, Rezepte und Sprüche auf uns ein. Dabei wird auch vor Lügen oder stark vereinfachten Sprüchen nicht zurück geschreckt, so manche hierbei eine Rolle spielende „Wahrheit“ ist schlichtweg erkauft und prangt außen auf den Wahlkampfbussen, deren Fläche die Köpfe von Kandidaten zieren. Manch einem wird davon schlecht. Man ekelt sich allenthalben. Das Ganze nennen Parteistrategen gerne „kämpfen“. Deshalb wohl auch „Wahlkampf“, der uns eher einem Wahlkrampf zu gleichen scheint. Es werden Rezepte der Werbung hervor geholt, Verführung und gezielte Beeinflussung durch Agenturen ist angesagt. Angst oder das Bewusstsein, auf der richtigen Seite zu stehen, werden erzeugt. „Wir“ und „die andern“. Journalisten reportieren gehorsam, geben wieder und verlautbaren. Moral wird beschworen, Versprechungen werden gemacht. Währenddessen werden riesige Nebeneinkünfte von Abgeordneten bekannt. Einfach so. Nebenher. Das wird beklatscht. Corona scheint kein Thema mehr zu sein, es macht wohl Pause. Sollen die anderen auf dieser Welt doch verrecken, Globalisierung hin oder her. In manchen Ländern sollen nur 1 % der Bevölkerung geimpft sein. Macht „uns“ nichts aus. Auch bei großen Fußballspielen wird das „Wir“ und das „unser“ eingeübt. Es wird gestikuliert und es werden wichtige Gesichter gemacht. Wahlkampf, allenthalben.

Dienstag, 7. September 2021

Beobachtungen

 Politiker geben sich gelangweilt, wenn jemand von den politischen Mitbewerbern spricht, sie daddeln uninteressiert auf ihrem Smartphone herum oder verlassen sowieso den Raum. Offenbar scheinen sie die „dringenden Wahrheiten“, die da in Form von langen Reden verkündet werden, alle schon zu kennen. Was sind das für Parlamentsdebatten? Alles schon im Hintergrund in den Ausschüssen ausgekungelt? Und das soll man sich in den Fernsehübertragungen anschauen, um den „informierten Bürger“ spielen zu können? Demnächst auf dem Zettelwust das richtige Kreuzchen an der richtigen Stelle machen? Gar nicht so leicht. Und Zweifel an diesem Personal haben einen sowieso längst überkommen. Jeder stellt sich und die Kräfte, die durch ihn vertreten werden, in einem günstigen Licht dar. ImGrunde geht es hier auch um eine Rhetorikanstrengung. Und inszenieren. Wer kann das am besten?

Montag, 6. September 2021

Die News des Tages

 Montagmorgen: Wir schalten um, werden hektischer, kommen ins Zappen: Entweder geraten wir in so nachlässige wie hochbezahlte Routinen von Moderatorenfiguren oder wir müssen ein Feuerwerk von Werbe-Clips über uns ergehen lassen, zwischen Werbeclips, die keinerlei Rücksicht darauf nehmen, was unmittelbar zuvor von den Leuten der Moderation mit reichlich aufgesetzt wirkender Betroffenheit (je nachdem…) oder Fröhlichkeit verlesen wurde. Wir schalten immer hektischer und fühlen uns von der elitären Moderationslaune geradezu überspült. Ein feines, aber listiges Lächeln versucht, uns einzuhüllen und Souveränität vorzutäuschen. Der "feine" Journalismus. Wir fühlen uns geradezu angeekelt davon, als es heißt, „Leute wie wir“ müssten uns keine Sorgen machen. „Wer so viel verdient, muss sich nicht sorgen….“. Langeweile breitet sich auf diesen Mienen aus und demonstriert, wie groß der Abstand zu denen ist, die die Wirklichkeit der Lage eigentlich anginge. Ein Hauch von gepflegtem Investigationsjournalismus (aber bitte nicht zuviel!) weht durch die aufwendig dekorierten Hallen, Journalismus kommt durch die ewig gleichen Gesichter zu sich selbst, genügt sich selbst, dreht hohl, verteilt ein paar ironisch zynische Schnittchen, während sich ein paar Versprengte um Erschließung der Wirklichkeit zu mühen scheinen. Ihre Texte sind freilich versteckt in der Flut der ohnehin dauernd und überall gedruckten Nachrichten, sie gehen unter in der Flut. Wir müssen das aufspüren, müssen selbst zum Investigationshelden werden, während uns „die News“ des Tages umspülen.

Sonntag, 5. September 2021

Wahrnehmungshorizont

Ich will definitiv, dass das (höchst) Private und das Öffentliche ineinander gehen. Wie selbstverständlich es ist, dass sich das eine an dem andern spiegeln kann! Fotos von Blumen und Pflanzen (noch) samt ihrer scheinbar beiläufigen Zerstörung gehören auch zu unser Umgebung, auch aus ungewohnter Perspektive. Sie gehören zu uns, egal, welche Beziehung wir dazu haben! Wie darüber hinaus die Randbedingungen sich verändern, wie das Ganze unter einem bestimmten Dach passiert, wie diese Bedingungen sich in welchem Interesse entwickeln, welche zukünftige Richtung dabei vielleicht erkennbar wird, gehört auch zu meiner Betrachtung. Ich versuche, dazu meine Antennen auszufahren. Zu registrieren, was in der Luft liegt, aber auch das wahrzunehmen, was scheinbar pasée und nicht mehr relevant ist. Solche Dinge können mich, - aber auch andere!, - betreffen. In einem „dreckigen“ Alltag, in dem es oft ums reine Überleben geht, um Kohle und die Geschwindigkeit, die nötig ist, um an sie zu kommen. Mir ist bewusst, dass sich eine bestimmte Schicht von Menschen um solche „Alltagsprobleme“ nicht kümmern muss und mag. Ich habe uch wahrgenommen, dass es oft um spezielle Zielgruppen geht. Was links oder rechts spielt, scheint uninteressant. Auf diese Weise kommt es zu Wahrnehmungsblasen und „Echokammern“. Mich freilich interessiert „die Totale“, all das, was uns umgibt und beeinflusst.

Samstag, 4. September 2021

Stay in another Place

Stay in another place touched by another soul going through time tunnels and my own life phases seing smiling laughing faces it is a game a match that you don't ever catch it is going through you and maybe it has no real clou cause it is nothing and all in itself we putting it in a personal shelf we don't know nothing at all and are starngely playing with a ball nice places, nice faces muddy waters in inner lines outer space of a shady soul and a pain you can't control livin' in Hotel Oasis don't dare to drink this red wine from ancient times finding tracks of bloody rhymes on the ground of crazy fights person made for human rights water's is pouring in my heart with the memories gone away (come and go)

Freitag, 3. September 2021

Perspektiven

Wie wäre es, einmal das weniger Attraktive zu zeigen? Einen kleinen Kratzer im Trend zur Oberflächlichkeit zu hinterlassen? Einen anderen Blick auf unsere unmittelbare Umwelt zu werfen? Dabei auch das Subjektive und vermeintlich Niedere, das Hässliche, das Zerstörte, Zersetzte, das Verfallene Dekadente...aber auch das Hässliche mit einzubeziehen? Es ist zweifellos ein Teil unserer Umgebung, - nur, wir versuchen, es auszublenden. Bestimmte Perspektiven auf unsere Umwelt werden uns abtrainiert, andere trainieren wir uns selbst ab. Die Welt ist nicht so einheitlich „schön“, wie das diese in einem ganz bestimmten Sinne retouchierten Fotolein aus der Hochglanzwelt suggerieren wollen. Diese Welt hat auch Zwischentöne, hat auch Bereiche, denen wir so unmittelbar gar nicht beikommen und sie hat Sinnbilder, Symbole, Artefakte der Zerstörung, die wir ihr als das mit allen Mitteln angestrebte Wachstum angedeihen lassen. Dabei wächst auch die Masse der Menschen, die diese Erde verkraften muss, immer mehr, was manche sogar als die Wurzel allen Übels analysieren. „Ach was!“, so weist man das einstweilen deutlich von sich. Die Frage „Wo bleibt denn da das Menschenbild?“ hat da einen deutlich die unter Privilegierten gepflegte political correctness einfordernden Ton. Wie lange noch?

Mittwoch, 1. September 2021

An den Tod (Novalis)

An den Tod Wie den Seraph himmlische Lust erfüllet, Kommt der Brüder einer, auch selger Engel, Den des Himmels Freundschaft mit ihm verwebte Zu dem unsterblichen Bunde, Wieder von der fernesten Welten einer Wo er Glück und Segen die Fülle ausstreut Heitre Ruhe mit friedlicher Palme über Tausend Geschöpfe ergossen, Und nun fällt in Engels Entzücken seinem Freunde an die himmlische Brust und dann im Kusse, unaussprechbare Freundschaftswonne Einet die Seelen der Seraphs. So werd ich mich freuen wenn du einst holder Todesengel meine geengte Seele Zu dem selgen Anschaun Jehovas durch die Trennung vom Körper beflügelst. Und sich dann die neidische Hülle abstreift Gleich der Puppe welche den Schmetterling hält Und zerplatzet kommet die Zeit der Reife, Jener befreit dann entfliehet. So wird sie auch fliehen die edle Seele Aus dem Erdenstaube entlastet dort zu Jenen höhern, bessern Gefilden reich an Seliger Ruhe und Freiheit. Wo ein ewger Frühling die Wangen kleidet Und ich voll unsterblicher Kraft die Schöpfung Sehe, staune, himmlische Freundschaft mich un- sterblichen Geistern vereinet. Novalis (Heinrich von Ofterdingen)

Dienstag, 31. August 2021

Valerie (31)

Er versuchte, sich noch einmal zu versichern, so, wie man sich die Augen reibt, um sicher zu sein, nicht zu träumen: „Dann warst du das vorher auf dem Poster?“ „Ja, der Film läuft hier gerade erst an. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel mit der Studentin?“ „Hm, ich muss zugeben, dass ich auch kein Vertreter für Glühlampen bin.“ Ja eigentlich habe ich das schon längst bemerkt,“ fiel sie ihm ins Wort und lachte „Wer so aussieht und redet wie du, hätte es als Vertreter schwer….“, „Aber wenn du so gut bestallt bist, wieso stellst du dich an die Straße und hälst den Daumen raus…?“, „Jetzt gehen wir erstmal rein...oder?“ Er ging hinter ihr her, war noch von der schlagartigen Veränderung der Situation benommen es drängten sich ihm tausend Fragen auf und seine Phantasie lieferte spekulative Antworten, während sie die Türe aufschloss. Schon im Flur duftete es, - ein Geruch, den er noch nie in der Nase hatte. So sein erster Eindruck. Auf dem Boden lagen Teppiche, die wahrscheinlich recht teuer gewesen waren. Ob sie es wirklich gewesen waren, interessierte ihn eigentlich nicht. Vielmehr interessierte er sich derzeit nur für Valerie, auch wenn sie sich jetzt gerade in diesem Plastikparadies aufhielt und scheinbar eine andere war als noch vor einer Viertelstunde, was sie für ihn nur noch anziehender erscheinen ließ.

Montag, 30. August 2021

Wie man wird, was man ist....

Ich komme immer wieder darauf, wie sich Menschen in ihre Wahrnehmungsblase einspinnen und dann glauben, dies sei das wichtigste der Welt und das sei es, was sie selbst ausmache. Besonders an Journalisten beobachte ich dieses, aber auch an Sportler und vielen anderen Funktionsträger in unserer Gesellschaft. Es scheint mir dabei um ein Phänomen zu gehen, das eine immer größere Spezialisierung nach sich zieht und das schleichend (wie viele solcher Prozesse!) als „normal“ empfunden wird. „Jeder an seiner Stelle…“, sagte man früher. Dieser Satz freilich schint mir eine Umdeutung hinter sich zu haben. Dass aber genau Spezialisten oftmals gefeuert, dass sie vermeintlich billiger ersetzt und entfernt werden, macht eine ihrer Eigenheiten aus. Genau zu dieser Klasse der „Gefeuerten“ nicht zu gehören, macht den Ehrgeiz der Verblieben aus, die sich dann oft als unentbehrlich fühlen dürfen. Solange, bis sie aus irgendwelchen Gründen auch gefeuert sind. Tennisspielerinnen und -spieler berichten aus ihrer Wahrnehmungswelt ohne jede Distanz, Rennfahrer, Eisläufer und ähnliche, auf ihr Talent verweisende Personen desgleichen. Ob sich Talent unter dem Einfluss der Gene, aber auch unter dem Einfluss der Umwelt herausbildet? Welche Faktoren dabei wohl eine Rolle spielen? Vererbung, Nepotismus (Vetterleswirtschaft: Eine Hand wäscht die andere) Wie weit kann man sich hinein arbeiten in eine solche Lebens und Erfahrungswelt? In welchem Zeitraum? Wird man dann schleichend das, was man darstellt für die anderen? Oder kann man sich Abstand bewahren? Wie sehr prägt einen die Rolle, die man spielt?

Sonntag, 29. August 2021

Selbstliebe, nicht Narzissmus (relaoded)

 Selbstliebe? Steht unter Verdacht. Könnte ja Narzissmus sein. Ausgelegt auf Verdrängung anderer Personen, zugunsten eigener Ambitionen. Hat was mit Durchsetzungskraft zu tun, mit Alpha-Tier und Leithammel. Sollte bloß nicht auf Optimierung oder „Selbstoptimierung“ hinführen. Möglichst. Egoismus oder Narzissmus würden zumindest in einer gewissen Ausprägung auch bedeuten, dass man das Ziel verfehlt hat. Egoismus als Selbstzweck. Das Gegenteil von Altruismus. Doch wir bräuchten so etwasWahrnehmung von anderen erhöht unseren Selbstwert. Hat ohnehin alles etwas mit Selbstwert zu tun, weil der Mensch womöglich ein soziales Wesen ist. Das und der Erwerb von Selbstwert hat vielleicht wiederum etwas damit zu tun, welchen Anspruch wir an uns selbst haben. Diese beiden Größen scheinen voneinander abzuhängen. Selbstakzeptanz ist wohl auch wichtig. So wie man ist, mit allen Fehlern und dem Versagen, sich anzunehmen. Mit allen Schwächen und Stärken. Lernen, damit zu leben, damit umzugehen. Selbstvertrauen ist wichtig. Zu wissen, was man kann, was man könnte. Seine Leistungen abrufen können, zum richtigen Zeitpunkt, das verlangt diese Gesellschaft besonders. Soziale Fähigkeiten haben: ein Netz um sich. Freundschaften pflegen. Mit solchen Leuten kann ich auch einüben und dann immer weiter üben, wie man mit anderen Leuten umgeht. Ob aber die Zahl der „Freunde“ in einem sozialen Netzwerk solche soziale Kompetenz und Fähigkeit zur Freundschaft anzeigt? Einerseits öffnet sich ein sehr viel größerer Kreis an Menschen, andererseits entsteht wohl eine Oberflächlichkeit des Vielen und Austauschbaren. Man kann mit Essen oder TV fehlende Freundschaft kompensieren, mit Drogen auch: Gesundheitsfeindliche Mechanismen. Selbstzerstörung.

Was ist da?

Es geht um Wahrnehmung. Um den Blick, das Ohr für etwas. Für ein Gefühl der Präsenz. Dafür läuft man mehr oder weniger ziellos draußen herum. Man muss nichts Bestimmtes sehen, wenn man da draußen rumläuft, nicht mal ein uhrenähnliches Display, das einem unter anderem sagt, wieviel Schritte man gemacht hat. Man kann auch einfach nur herumlaufen und nichts sehen. Zu denen, die nichts sehen, gehöre ich normalerweise nicht. Für mich heißt es viel eher: Nichts wahrnehmen müssen. Eher das Gefühl, zu Gast zu sein. Hier sein dürfen. Nichts blinkt, nichts tönt oder tutet, nichts will unsere Aufmerksamkeit reizen, maschinell oder computergestützt. Man muss keinen Kopfhörer aufhaben, nein, man muss alles nur um einen herum geschehen lassen – und im krassesten Fall darüber staunen. Ist da ein Gezwitscher von Vögeln? Fiel da ein Baum um? Hüllt einen eine andere Gewöhnlichkeit ein? Wo bin ich? Bin ich heraus gefallen aus dem WIR? Aus der Autowirklichkeit der dauernd beschworenen „Arbeitsplätze“? Aus der getriebenen Nervosität und ständigen Beschleunigung der „Arbeitswelt“? Bin ich (noch) ein Teil davon? Diese Fragen zu stellen, kann ich hier lernen, im Jetzt der Gegenwart. Dafür brauche ich nicht weit weg zu fliegen oder zu fahren. Sie stacheln mich, reizen und spornen mich - aber sanft.

Freitag, 27. August 2021

Cica Starudio (Dan I Noc)

https://buranmann.bandcamp.com/track/cica-starudio