Reise durch Wirklichkeiten

Donnerstag, 29. Oktober 2020

Zeit für Löwen (Foto)

Mein Löwe

Mittwoch, 28. Oktober 2020

Kommerzbewusstsein

Als nahezu frivol empfinde ich gerade heute, wie gewisse TV-Privatsender zum nächsten Block ihrer Werbespots übergehen, nachdem sie die fürchterlichsten und niederschmetternsten Botschaften kurz zuvor gesendet haben. In einer solchen Wirklichkeit sind wir inzwischen angekommen!, so denke ich mir. Werbespots scheinen mit aller Konsequenz ein integraler Bestandteil unserer Existenz zu sein. Nach meiner Meinung ist eine der Konsequenzen: wir werden in eine Vorstellungswelt entführt, in der alles positiv auf Konsum ausgerichtet ist, auch mithilfe von „Fake News“. Menschen werden mit allen Mitteln dazu erzogen, solchen Versprechungen von künstlichen Paradiesen zu glauben. Treten wir in solche Paradiese ein, so ist meist das Geschäft mit uns schon gemacht, der angestrebte Profit erzielt, der Schein als solcher entlarvt – es sei denn: wir versuchen krampfhaft, uns weiterhin in solchen künstlichen Paradiesen aufzuhalten. Insofern scheint es mir durchaus auch Gemeinsamkeiten mit dem anhaltenden Gebrauch von Drogen zu geben. Die hässliche Wirklichkeit holt uns immer wieder ein.

Montag, 26. Oktober 2020

Die Wisser

Es treten die Wisser auf: gut frisierte, schlagfertige spitzzüngige Vertreter einer gesellschaftlichen Formation, die sich in Demokratien gerne als  „alternativlos“ gibt. Dabei gehen diese Vertreter einer vierten Macht im Staate mit den Fakten oft genug so um, dass es in ihre ureigene Weltdeutung passt, die natürlich alle „vernünftigen“ Menschen teilen sollen. Da sind clevere PR-Strategien dahinter! Gewisse Vertreter dieser Spezies gehen inzwischen sogar einen Schritt weiter, indem sie behaupten, dass Realität derart gestaltet sein solle, dass sie „Faszination“ ausübe, dass sie "emotional besetzt" sei. Und so scheinen auch ganze Geschichten mit handelnden Personen und allem Drum und Dran inzwischen frei erfunden. Von der Phantasie geliefert. Ein großes deutsches Wochenmagazin, das sich gerne für seine Wahrheitsliebe rühmt, lieferte erst neulich den peinlichen Beweis dafür. Im gesamten Flow ist das natürlich völlig egal. Der derzeit noch amtierende Präsident einer Weltmacht führt es zudem unter dem Stichwort „Fake News“ schon länger vor, wie so etwas funktioniert. Er benutzt dies zur Beschimpfung und Diskriminierung. Hinzu kommt, dass selbst die hoch eingeschätzte Wissenschaft nicht mehr so glaubwürdig daher kommt, scheint sie doch in Person und Sache käuflich zu sein. Wer ein bestimmtes Gutachten mit einem bestimmten Tenor bestellt, sollte jedenfalls ein offenes und gut bestücktes Portemonnaie haben.

Samstag, 24. Oktober 2020

Menschenführung

Ich weiß nicht, wie ich die News bewerten soll, dass bestimmte Personen, die hierzulande die Bewegung „Fridays for future“ repräsentieren, den einflussreichen Familien des Besitzbürgertums entstammen. Klar, ihre Argumente sind dadurch nicht schlechter. Es geht nicht um Personen. Andererseits besteht der Verdacht, dass mit diesem öffentlichen Engagement bestimmte Interessen verknüpft sind, übrigens nicht nur materieller Art, sondern auch diejenigen der sogenannten „Selbstoptimierung“. Offenbar sind es jene von kleinauf auf „Führung“ getrimmten Personen, die auch auf einem Parkett den Ton angeben, das sich gerne als offen und nahezu basisdemokratisch gibt. Sie sind offenbar darauf trainiert, sich in den Vordergrund zu spielen und dann kurzfristige Trips zu ihrem eigenen Vorankommen und der persönlichen Karriere zu nutzen. Bewegungen, Vereine, personelle Zusammenschlüsse wären für solche Personen nur ein Sprungbrett, ein Vehikel, um im persönlichen Sinne voran zu kommen.

Freitag, 23. Oktober 2020

Einsamkeit und Geselligkeit (Fernando Pessoa)


Dies hier hat Fernando Pessoa in seinem "Buch der Unruhe" geschrieben: "Um verstehen zu können, habe ich mich zerstört. Verstehen heißt das Lieben vergessen. Ich kenne nichts, was gleichzeitig falscher und bedeutungsvoller wäre als der Ausspruch Leonardo Da Vincis, wonach man etwas nur lieben oder hassen kann, nachdem man es verstanden hat.
Die Einsamkeit verwüstet mich, die Geselligkeit bedrückt mich. Die Gegenwart einer anderen Person wirft meine Gedanken aus der Bahn, ich träume von ihrer Gegenwart mit einer besonderen Zerstreutheit, die meine analytische Aufmerksamkeit nicht zu definieren vermag."

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Launchtime

Jetzt muss mal endlich mal eine neue Seite, eine Homepage „gelauncht“ werden. Doch da durchzuckt eine Mitteilung den Bildschirm: „Bitte warten, während das Problem von Windows an Microsoft übermittelt wird“.
Selbst ehemalige Dichterfürsten befleißigen sich solchen Sprachgebrauchs und geben sich zeitgemäß. Es ist dann auch gerne von „Quality-Time“, „Selfness“, "Life Work Balance" und VIP-Qualitäten die Rede: ganz wichtig!, so muss es sein! den "Tipping Point" erreichen, den "Break through" schaffen, den "Break even point" sopwieso.....
Hauptsache, wir shiften und sind online. „Alles beginnt mit dem Glauben an sich selbst“: Eine kleine Alltagsweisheit ist da schnell nachgeschoben und schon ist man zum abseitigen Kackhorst gemacht.

Dienstag, 20. Oktober 2020

Ego-Integration

Ich stoße auf erstaunliche Verständnislosigkeit meinen Reisen in meine eigene Vergangenheit gegenüber. Es wird für Nostalgie gehalten. Dabei sollte doch alleine schon mein Interesse für die gegenwärtige Situation dieser jeweiligen Kommunen, für ihren „Sitz in der Welt“, stutzig machen und relativieren. Möglicherweise will ich etwas in mich „heimholen“, was einst zu selbstverständlich im Strudel der Zeit vorüber ging. Man lebte damit, versuchte, damit zurecht zu kommen, sich zu arrangieren, es zu gestalten. Es umgab einen wie ein Kokon der Selbstverständlichkeit. Dabei freilich hat es einen auch beeinflusst......auf verschiedene Weisen.......Wäre man an einem anderen Ort unter anderen Verhältnissen aufgewachsen, wäre man womöglich ein anderer geworden. Ich suche nach dem „göttlichen Funken“, der Substanz des Ich.....ich schrieb 2012 in einer Besprechung eines Joe-Jackson-Konzerts „Nein, der Mann ist nicht senil-sentimental geworden, er will ja seine Vergangenheit nicht einfach zurückholen. Heimholen will er sie, nach all diesen Rollenwechseln, nach diesen künstlerischen Häutungen der vergangenen zwanzig Jahre, in seine Persönlichkeit neu integrieren will er sie, das spürt jeder.“

Memento Mori (Foto)

Memento Mori (Foto: H Bauer)

Am Rand

Montag, 19. Oktober 2020

Sich und sein Gesicht verkaufen

Ich wundere mich, wer alles an selten dämlichen Ratespielen, Kaufshows, Verlosungen, Zurschaustellungen, name-droppenden Einblendungsorgien und Quiz-Veranstaltungen teilnimmt: Leute, von denen man bis dato relativ viel gehalten hatte, zeigen sich einem plötzlich von ihrer vulgären oder peinlichen Seite, weil sie dafür wohl (viel) Geld bekommen. Dass diese Form modern zeitgemäßer Prostitution angesagt ist: okay! Aber dass diese Personen dabei mitmachen, kann einen wie mich manchmal schockieren. Wenn sie dann so offensichtlich bekennen, dass sie das Gegenteil von dem leben, was sie im Showgeschäft zeigen, kann es einem die Sprache verschlagen. Gegen den Klimawandel engagierte Menschen entpuppen sich dann als üppig ausgestattete Luxuswesen, denen es nichts ausmacht, öfter mal den Flieger zu nehmen, um von A nach B zu kommen: „Weil‘s schneller geht“. „Weil‘s schöner ist“. Leute, die öffentlich für Konsumverzicht standen (was einem immer schon etwas unglaubwürdig vorkam), führen ihre prall geführten Kleiderschränke vor oder prahlen mit dem eben angeschafften Lamborghini. Ein smarter Zynismus scheint bei ihnen so gut wie alles zu überziehen. Eher beiläufig wird dann gegen „Tugendwächter“ gewettert, „Denkverbote“ werden gewittert. „Gesinnungspolizei“ wird als „ugly“ abgemahnt, „Gutmenschen“: das geht gar nicht! - was für Personen sind das? Gleichen sie gewissen Politikern, die ihr Recht anmahnen, als „private“ Person ganz anders zu sein, wie als öffentliche und ganz andere Standpunkte zu vertreten?

Freitag, 16. Oktober 2020

It does make no Sense (Songtext)

IT DOES MAKE NO SENSE


This sense does make no sense
it's just like a cheap defense
Words only are sounding
like a sense
it does make a fence
Words can be like friends

Words will use you
with a promise to be true
But you should use them
and not making any Bubbes, and subbling (?)
they are a double Trouble
a muckraker
a luckfaker
a Stone-Maker for
a silly bone-breaker
faker


Donnerstag, 15. Oktober 2020

Nostalgie (2)

Du würdest gerne einmal die Zeit anhalten, festhalten. In dich hinein holen. Deshalb bist du deshalb so oft zurück an die Orte deiner Kindheit gefahren. Genau diese Kindheit in mich herein holen, darum ging es mir. Eine ganze Persönlichkeit werden. Eine komplettere. Durch mich selbst. Ich habe stets das Disparate zusammenzudenken versucht, das, was nicht passt, die Gegensätze zusammen zu zwingen, sie zueinander zu biegen, - wie in meiner Musik und meiner Denke. Die unerwarteten Brüche anstreben. Das Uneinheitliche. Neue kreative Räume dadurch erschließen, sollten für mich dadurch aufgehen. Meine jüngste Musik aber ist auch eine Erinnerung an meine Vergangenheit, mit heutigen Mitteln realisiert. Sie hat sich dazu (rück-) entwickelt. Ich merke, wie ich schon länger dabei bin. Im Leben und in der Musik. Ich suche dazu die spontanen Ergüsse. Den Versuch, in sich zu finden, spontan auszugraben und dadurch Authentisches zu finden, - noch nicht aufgegeben. Damals, in den Achtzigern, war das ein scheinbar vorgegebenes Ziel. Es war weithin akzeptiert, wenn auch unterschwellig.
Heute mache ich das aus einem weiteren Gesichtskreis heraus. Natürlich sind andere besser darin. Klaro. Das habe ich aber vergessen. Andere sind immer besser. Das habe ich gelernt. Meine eigenen Wurzeln anzuzapfen, ist mein Ding, dem ich nachgehen will. Es kommen zu lassen, statt es bewusst herbei zu führen. Einen Ausgleich dadurch zu schaffen. Ich will versuchen, möglichst das aus mir heraus holen, was in mich hinein gegangen ist. Darüber zu staunen, dass ich das auch bin. Und dann zu spielen mit Stilmitteln, mit Verweisen, mit Anspielungen, indirekt, unaufdringlich, nicht notwendig dem Dekonstruktivismus zugewandt. Kein intellektuelles Konzept verwendend. Eher meine Biografie umsetzend. Mir selbst folgend. Mir im weiteren Sinne. Meine Brüche. Mein Zerfallen im Nichts auch. Die sanften und unsanften Nabel der Digitalisierung aufnehmend. Die kollektiven Verweise. Meine Undeutlichkeiten und mein Versuch, deutlicher, klarer, übersichtlicher, allgemeinverständlicher zu werden. Meinen Spekulationen spielend Formen geben. Auch im scheinbar Konventionellen und allzu Einfältigen. Strukturen einsetzen, aber sie nie allzu ernst nehmen. Die „grauen Anzüge“ von einst haben heute einen anderen Inhalt. Sie sind reine, unkennbare und anonyme Funktionsträger, Alpha-Tiere auch weiblichen Geschlechts, die ihr öffentlich dargebotenes Ich auftreten lassen, die es als Vorbild und Leitbild präsentieren. Künstler passen sich ihnen gerne an, ja, sie lassen sich oft allzu willfährig zur Werbung und in der Trash-Showwelt missbrauchen. Ich nicht. Ich alter Negativist......

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Der Unzufriedene (F. Hölderlin)

Der Unzufriedene


»Schicksal! unglücksvolle Leiden
Heißt du Sterblichen die Freuden,
Die die steile Laufhahn hat,
Grausam rauben. Bange Tränen,
Die sich nach der Bahre sehnen,
Zu erzwingen ist dein Rat.«



Montag, 12. Oktober 2020

Valerie (18)

 Er hatte das Gefühl, man hätte sich etwas gesagt, über small-talk hinaus, hätte sich gegenseitig überrascht, ich dann aber doch wieder zurück gezogen vor der Courage des Anderen und der eigenen. Man wusste nicht so recht damit etwas anzufangen. „Situation normal, all fucked up!“. Im Schatten war er etliche Male mit der Hand an ihrem Bein entlang geglitten, was sie jedes mal mit einem Lächeln quittierte, was ihn leicht verlegen machte. So fuhr man wieder einige Kilometer schweigend nebeneinander her. Ihm fiel auf, dass draußen plötzlich die Sonne schien. Die Natur schein den Schleier, mit dem sie sich umgeben hatte, langsam abzulegen. Der Regen hatte eine Klarheit geschaffen, die Dinge wollten scheinbar wieder wagen, sich zu zeigen. War er von der Stelle gekommen? Er fand vieles abwechslungsreich und wertvoll. Er beschloss, langsamer zu fahren.

Valerie fing an, ohne dass er irgendetwas gefragt hätte, von ihrem Studentenleben zu erzählen, von Prüfungen, die sie zu bestehen hatte oder nicht bestanden hatte, von Geldnöten und mangelnder Kommunikation unter den Studenten, vom Druck, dem sie sich ausgesetzt fühlte, - auch von der Freiheit, die man als Student trotzdem genoss. Da war wieder diese Vertrautheit in der Stimme… aber sie war keinesfalls geschwätzig. Man versuchte, sich zu verstehen und nicht nur eine Unterhaltung zu führen.

Sonntag, 11. Oktober 2020

Die Norm

Ein würdevolles Leben führen. Als Ziel. Für alle. Jetzt und in Zukunft. Es könnte uns bevorstehen als eine Art riskanter Sprung in die Zukunft. Eingeführt in eine Normalität, in eine Selbstverständlichkeit, die alle Menschen umgeben soll. Alle. Technologische Möglichkeiten dazu könnten bereits vorhanden sein. Bleibt nur noch die soziale Polarisierung: den einen Menschen soll es möglich sein, den andern nicht. Oder? Wollen wir das? Wir sind da hinein geworfen. Müssen uns damit auseinander setzen.
Wir aber haben unter Umständen damit zu tun, von einem Tag in den nächsten zu kommen. Müssen Demütigungen und Diskriminierungen trotzen, so gut es geht. Müssen Pech verkraften. Wie konnte das möglich sein, dass noch vor kurzer Zeit Frauen nicht wählen durften?, so fragt man sich schon heute. Man kann es sich nicht mehr vorstellen. Die Entwicklung scheint in kürzester Zeit fortgeschritten. So könnte es auch mit einer Energiewende sein. 
Es könnten sich zunächst diejenigen zusammenfinden, die die Vision haben und dafür etwas verändern wollen. Es scheint zunächst, als passiere nichts, - außer Protest. Doch dann wird ein Problem doch noch gesehen, es kann nicht mehr übergangen werden. Es wandert das Angestrebte, das Ziel, unaufhaltsam in die Normalität ein. Bedenken und Argumente dagegen sind natürlich präsent. Aber es steht im gesellschaftlichen Raum die moralische Aufforderung: eigentlich müsste man, sollte man...., aber... Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze etc. ... Es bilden sich zudem Gruppen, die alles verdrängen wollen, die Probleme leugnen und damit zunächst viel Zulauf damit finden. Doch dann vollzieht sich der Sprung. Eine Umorientierung setzt sich fest. Wahrscheinlichkeiten bröckeln. Etwas wird da sein. Der Kompass wird sichtbar. Ein Thema wird wichtiger. Gewisse Menschen und die Realität werden das in den Vordergrund ziehen ziehen. Rückblickend wird es kaum zu begreifen sein, dass man nicht schon viel eher in die richtige Richtung abgebogen war. „Normal“ ist etwas anderes geworden.

Samstag, 10. Oktober 2020

Satire, wir stehen Schmiere

Satire? Darf alles, kann alles – so das Verdikt. Mir scheint, dass es sich unter diesem Mantel recht wohl anfühlt. Es ist wohl eine Art Schutzschild. Gleichzeitig wirkt sie, diese Satire, auf mich befreiend. Ich bin froh, dass es beispielsweise so etwas wie die „Heute-Show“ im deutschen Fernsehen gibt. Es wird da oft der doppelte Boden gezeigt, auf dem sich die „offizielle“ Politik bewegt. Das, was uns vorgespielt wird, das, worin wir gezielt getäuscht werden sollen. Die menschlichen allzumenschlichen Schwächen dieser öffentlichen Akteure werden vorgeführt. Die Inszenierungen. Die Lächerlichkeiten. Es wird angedeutet, dass vieles vielleicht anders sein könnte. Dass es sich zumindest lohnt, darüber nachzudenken. Was ich nicht verstehe, ist das Geheule von Journalisten, die durch eine solche TV-Sendung die Demokratie in Gefahr sehen. Mir scheint, solche Leute nehmen den Zirkus unter der Käseglocke in Berlin zu ernst. Sie identifizieren solches Gehabe mit der Demokratie. Wenn es so wäre, wäre es sehr schlecht bestellt um die Demokratie. 
Die allzu seriös auftretende Front der Politik lächerlich zu machen und sie als Trottelbande vorzuführen, erscheint mir als verdienstvoll, als Fingerzeig darauf, dass hier auch nur Menschen mit all ihren Fehlern, mit ihren Taktierereien, mit ihren Eitelkeiten und ihrer Gier am Werke sind. Dass solche Darstellungen bzw. Entlarvungen so  etwas Politikverdrossenheit erzeuge, damit müssen diese Politikdarsteller leben. Klaro gibt es da viele mit überzeugender moralischer Einstellung. Aber es scheint auch viele Figuren zu geben, denen es vor allem um Geld, Macht und Einfluss geht. Dass dies relativ leicht zu belegen ist, weist auf den Zustand der Politik nicht nur in diesem Lande hin. Man sollte sich darüber lustig machen, man sollte es begrinsen – wenn man solche Figuren schon nicht belangen oder sie zur Verantwortung ziehen kann.

Freitag, 9. Oktober 2020

Altern

Wir begegnen älteren Menschen, die in Pflege sind. Die hilflos sind. Können wir uns da hineinversetzen und uns selbst dahinter erkennen? Ist es so, dass in solchen Personen ein ganzes Leben „gespeichert“ ist, dass sie gleichzeitig auch die Person sind, die sie mal waren? Dass sie jetzt halt in einem anderen Zustand sind, in den sie „das Leben“ befördert hat? Ob es nicht so ist, dass alle anderen Personen fortwährend älter werden und einem solchen Zustand entgegenstreben? Was ist der Tod? Ist es das, dem man entgegenstrebt? Er soll im Schlaf kommen und möglichst schmerzlos, das ist der oft geäußerte Wunsch. Ob aber bis dahin irgendwann eine gewisse Bilanz erlaubt ist, in der man feststellen kann, ob eine Existenz sinnvoll war? Oder ob das alles unwiderbringlich vergangen ist und nur (wie es jetzt modisch ist...) der Augenblick zählt? 
Eben erst gehört, dass immer weniger Leute an Demenz erkranken, dadurch aber, dass die Bevölkerung älter wird, bleibt der Demenzanteil gleich, es kommt nur später.Meine Mutter war eine stolze Frau, sehr selbständig, hatte eine dezidierte politische Meinung und diskutierte mit. Religiös war sie, hängte das aber nicht heraus. „Viele Angehörigen werden mit dem Siechtum der dementen Angehörigen gar nicht so erfolgreich fertig. Die Gesellschaft ist zwar sensibilisiert und sieht die Alzheimer-Epidemie inzwischen auch auf sich zurollen, sie kann darüber reden und auch an der nötigen Empathie (siehe Einleitung...) für die Betroffenen hapert es nicht. Aber ganz praktisch gesehen sind die wenigsten Menschen tatsächlich vorbereitet.“ Es tritt womöglich alles sehr schnell ein und verlangt einem Entscheidungen ab, für die man gar nicht genügend informiert ist. Man stolpert und taumelt in etwas hinein, Beratungsmöglichkeiten sind gut oder schlecht, - im schlimmsten Falle bringen sie einem gar nichts, gleich gar nicht in dem Tempo, das einem abverlangt wird. Man war außen und ist jetzt plötzlich selbst Handelnder.

Donnerstag, 8. Oktober 2020

Natur

Wildnis? Natur? Bedroht, Schutzbedürfnis. Arten? Straßen, Schienen, Siedlungsaktivitäten. Wo ist die Natur? Unbearbeitung. Wohin kann das führen? Natur statt Kultur. Geht schon auf Aristoteles zurück. Manch einer, meist bäuerischer Herkunft, redet mit leuchtenden Augen von „daraus könnte man etwas machen...“. Bloß gut, dass man daraus bisher noch nichts „gemacht“ hat, durchzuckt es da einen. Nicht nur fein gemahlene Schottersteine in den Gärten, Mauersteinkorbgeflecht, Beton überall und der Geruch von Diesel können einem wie mir dies Gefühl verderben. Hierzulande, in Baden-Württemberg, scheint mir schon viel zu viel daraus „gemacht“ worden zu sein. Kein Stückchen Land ist da, das nicht vom Menschen, bearbeitet, bewirtschaftet und für Zwecke genutzt wurde. Das Größte: Die Leute sind auch noch stolz darauf! Es herrscht ein Gefühl von Entfremdung von der Natur, das ganz besonders Bevölkerungen wie die der USA geprägt hat: Naturbeherrschung in jeder Dimension war dort das Thema. Flüsse begradigen und sie in riesige Staubecken einführen, mitten in der Wüste den Rasen sprengen, Straßen selbst in unwegsamste Gegenden ziehen, mit dem Planwagen durch den Westen ziehen, in Richtung auf ein Stück land, das einem dort geschenkt sei..... und vieles andere. Der Mensch arbeitet sich an der Natur ab. 
Heute ist das oft genug nur noch die Illusion von Natur. Das, was sich Menschen unter „Natur“ vorstellen. Etwas unbelassen zu lassen? Ist dem mitteleuropäischen Menschen leider oft genug zu fremd gewesen. Es trieb ihn der Gedanke um, wie man etwas ausbeuten könnte, wie man etwas „daraus machen“ könne, wie man etwas daraus ziehen könne. In vergangenen Zeiten war dieser Wunsch auch oft vom Trieb nach Überleben geprägt. Land und seine Bearbeitung waren Garanten dafür, überleben zu können, keinen Hunger zu leiden. Dies Bedürfnis ist nicht weg, sondern es hat sich in andere Regionen dieser Erde verlagert. Der böse geldgierige Brasilianer holzt den Regenwald ab, den wir ja alle für unsere Existenz so dringend brauche. Nur, was machen wir? Was haben wir gemacht? Monokulturen, gleichmäßiges Gelb, das aus Rapsfeldern kommt. Und das alles unter dem Vorwand, den Hunger von immer mehr Menschen stillen zu wollen.....

Mittwoch, 7. Oktober 2020

Heimat (7)

Das Meer? Der Wald? Die Landschaft..... Kann das auch eine Heimat sein? Das Unbestimmte bestimmen, sich darin geborgen fühlen. Es kann ein Gefühl sein, eine Übereinstimmung, Eine Übereinstimmung mit dem, was die Menschen dort machen, wie sie sind, wie sie geprägt wurden. Das bezieht sich auch stark auf die Natur dahinter, die unmerklich ihre Einflüsse ausübt, die sich „einstempelt“ in einen, über relativ große Zeiträume hinweg, ja bisweilen über ein ganzes Leben. Nach draußen gehen, die Welt sehen und dann zurück kommen. Das Gefühl, dass es dieses Zurück gibt, diese Zone, in der auch eine bestimmte Sprache gesprochen wird. Sich ernähren dort, durchkommen, weil man sich dort „auskennt“. Die spezifischen Verhaltensweisen, die Handwerkerei, das, was eine Gegend prägt, bis hinein in die kleinen Gesten. Dort, wo man sich entwickelt hat, Das hat mit Kindheit zu tun. Man hat immer schon über den Tellerrand hinaus blicken wollen. Man hat das getan, in eine Begrenztheit zurück getaucht, die man danach aber besser begreifen konnte, die man analysieren konnte, die man aus verschiedenen Blickwinkeln sehen konnte. Der Horizont war offener geworden und man erkannte sich neu, in dieser Ausgeliefertheit, an Verhältnisse, die von etwas Größerem geprägt waren.

Dienstag, 6. Oktober 2020

Im Schein der Lüge

 Ich wundere mich über die Arglosigkeit von Leuten, die an jenem Weißen Haus zweifeln, an dem schon zuvor alle Zweifel angebracht gewesen wären. Jetzt scheint mir nämlich die Strategie klarer zu werden, die hinter dem seltsamen Gebaren eines Präsidenten zu stehen scheint. Er, dem jedes Mittel recht zu sein scheint, scheint sich nämlich als „Superheld“ darstellen zu wollen, der bei der richtigen Einstellung und im Vertrauen auf „die großartige Medizin des Landes“ in ein paar Tagen auch dieses Virus zu besiegen imstande ist. Dass dabei ein ganzer Mix aus Lügen und Falschdarstellungen sichtbar wird, scheint für diese Art der Machtausübung zum „normalen“ politischen Prozess zu gehören. Was zählt, ist die Darstellung, der Schein und die Inszenierung. Auch hierbei gleicht das einer „Reality Soap“, einer „scripted reality“, auf die die „Konsumenten“ von Wirklichkeit ja ohnehin überall konditioniert und dressiert werden.

Montag, 5. Oktober 2020

Ein Stück von dem, auf dem wir alle stehen (Foto)

Ein Stück von dem, auf dem wir alle stehen

Der/das Blog

 Im Mix aus kurzen Texten, MP3s und Fotos geht es dem Blog darum, einen Spiegel des Tages- und Zeitgeschehens sowie der persönlichen Gedankenwelt des Autors zu produzieren, es geht ihm um den Wechsel von Sichtweisen, die gesellschaftlich geprägt sind, auch darum, Alltagserfahrungen zu spiegeln, aktuelle Vorgänge der Gesellschaft und Politik, es ist ein Nachdenken über Zukunft und das Sein, über den Kosmos, über vieles, was mich gestreift hat mittels Medien, es sind kurze Reflektionen von Herrschaftsverhältnissen, Gedanken über Tod und andere Gegebenheiten, etwas, das mich berührt und in mich eingedrungen ist, in der Empathie aufgehoben, in Religion und Spiritualität, Lyrik, eigenen MP3s und Fotos, ergänzt durch Songtexte verschiedenen Alters, Existenzspuren, Selbstvergewisserungen, Stammtischgequatsche, durch Tierisches, allerlei Zeugnissen meines Gangs durch die Wirklichkeit, subjektiv gefiltert, - ohne Anspruch auf Objektivität. Es soll vielleicht das spiegeln, was einer bewussten Durchschnittsperson in Mitteleuropa durch den Kopf gehen könnte. Im Mittelpunkt: Das Normale, das Leben, die Deprivierung, Angst, Zeit, Liebe, Zitate, Geld verdienen zum leben, alles in Kürze und in möglichster Konzentration, Lektürefrüchte, im Bestreben, mich möglichst verständlich auszudrücken – und: ich versuche vorläufig, einen täglichen Rhythmus einzuhalten, einen multimedialen Blog zu betreiben........

Samstag, 3. Oktober 2020

Lügen

Den aktuellen Lügenbaron hat es erwischt. Es war gestern die große Schlagzeile. Oder ob das alles auch wieder eine Lüge, eine Inszenierung war? In der Antike wurde derjenige, der andere geschickt hinters Licht führen konnte, bewundert. Es war eine große Kunst. Machiavelli meinte im 16. Jahrhundert: „Lügen, Tricksen, tarnen, täuschen – das gehört zum politischen Geschäft“. Wäre nicht eine epochale Sache dazwischen gekommen, so wäre der 300. Geburtstag von Baron von Münchhausen groß gefeiert worden: Der Lügenbaron ist einer, den jeder Angehörige des Bildungsbürgertums unbedingt kennen muss (der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen hat). 

Was bei uns etwas subkutan und uneingestanden läuft: auch wir lügen fortwährend. Ausreden sind Tagesgeschäft und die Wahrheit liegt ja ohnehin im Auge des Betrachters. Schon solche Phrasen wie „Schöner Tag noch“ usw. sind doch nicht so gemeint. Sie sind soziales Schmiermittel. Auf die Frage „Wie geht’s?“ will jemand ja auch nicht bis in alle Einzelheiten wissen, wie es tatsächlich geht. Vielmehr sollte ein „Danke! Gut!“ vorprogrammiert sein. Politiker machen es uns vor: Sie schummeln und lügen jeden Tag, beliebt sind die frechen Lügen, wenn es um akademische Grade und Doktorarbeiten geht, einmal stand auch der Verdacht im Raum, es ginge beim „Oval Office“ um ein „Oral Office“.... und vieles mehr. 

Doch die Alltagslüge hat sich auch bei uns eingebürgert: Wir lügen jeden Tag, um die Dinge für uns einfacher zu machen und andere Menschen scheinbar zu schonen oder sie nicht zu verletzen. Ehepartner sagen zueinander: „Schatz, du bist wunderschön“. „Alles gut“ passt immer. Keinen Ärger haben ist oberstes Gebot. Nicht ganz ehrliche Komplimente sind auch beliebt. Höflichkeiten sind allzeit beliebt. Die reine Wahrheit ist womöglich allzu rau und garstig. Ein Maß an Unehrlichkeit scheint wichtig zu sein für ein harmonisches Zusammenleben. Was nicht passt, blenden wir aus. Kognitive Dissonanz. Sozial gesinnte Menschen scheinen häufiger zu lügen. Sie nutzen diese Möglichkeiten für den besseren Umgang. „Soziales Geräusch“. Die Wahrheit hören, - wer will das? Sich gut fühlen heißt das Gebot. Die anderen überlisten.

Am Rande (Text lyrisch)

Vor Jahrzehnten geschrieben


AM RANDE

Wieder am Rande,
den Abgrund hinabgeblickt
Fall
in Wasser
oder auf die Erde
auf die Beine
oder den Kopf
in das Rot des Abends
verschwommen
in der Taufrische des Morgens
als wir uns umwandten,
ich mich für die Lüge entschied,
atmete ich
wieder,
und ging, das Ziel vor Augen,
auf und ab
vor dir.

Freitag, 2. Oktober 2020

Leistungsmüde

Was sind beispielsweise Rentner? Leute, die außerhalb der üblichen Verrichtungsgesellschaft stehen? Sie sind offenbar eine Art Schramme am Selbstverständnis dieser Leistungsgesellschaft. Sie stehen außerhalb von Leistung und Erfolg, eine der Voraussetzung für den „Wohlstand“ und das ständige Wachstum dieser Gesellschaft. Was ist Leistung? Kommunikationsbereitschaft, souveräne Gewandheit, Bereitschaft ins Risiko zu gehen, gepaart mit Opportunismus, der seine Chancen jederzeit zu erkennen imstande ist, Durchsetzungskraft (auch auf Kosten von anderen…), Beherrschung sozialer und egoistischer Techniken, beiläufige Einführung von Bildungskapital, Träger eines wie und wo auch immer erworbenen hohen Maßes an Anerkennung….
Doch so sind da die Leistungsverweigerer, die Abgehängten und Bildungsfernen? Diejenigen, die einer vergangenen Epoche angehören, in der man nicht das Eigentum einer Kapitalzusammenballung war? Diejenigen, die im Bewertungssystem dieser Gesellschaft keine Anerkennung mehr verdienen? Die im Alltagskampf die Zurückgebliebenen sind und im Kampf um Geld und Leistung nichts mehr „verdienen“, die dort nicht mehr aktiv mitwirken, indem sie im Wettkampf der Wachstumsorientierten austeilen und somit als „Führungskraft“ ganz vorne sind, - oder zumindest vor anderen? Geradezu raffiniert scheint mir, wie solche Spielregeln Einzelne dazu ausersehen, dass sie andere beaufsichtigen, ihnen Richtung und Orientierung geben. Kein Zweifel, es ist auf der Seite der Abhängigen ein Bedürfnis dazu da. Sie wollen und brauchen Orientierung. Ob dies aber einer Würde entwachsen ist? Leute, die aus dem Raster dieser Gesellschaft sind, scheinen sich mir oft über diese Aussortierung zu beklagen, sie meckern und empören sich, beschimpfen das System und – wie alles läuft. Doch letztenendes scheint mir das ziellos zu sein und sich in einem Raum abzuspielen, den das System von vornherein als eine Art gelittener Spielplatz und der kontrollierten Wut vorsieht…...

Dienstag, 29. September 2020

Medizin und Ideologie

Es steht durchaus schon lange im Raum, dass sich Schulmedizin und ganzheitliche Medizin begegnen könnten, um gegenseitig voneinander zu profitieren. Man ist dann im konkreten Fall regelrecht erschreckt, wie wenig dies tatsächlich der Fall ist und wie sehr die jeweiligen Seiten eine Art grundsätzlich-ideologischer Frage daraus machen. Wie sehr Ignoranz und Arroganz das Feld beherrschen!!! Wieso eigentlich? Ob das am Studium oder Ausbildung liegt? Um den Patienten scheint es nur insofern zu gehen, als dass jede Seite Recht behalten will. Peinlich, sowas! Klar, angesichts der Lage verbietet sich jegliche Kritik an der Medizin und der sie tragenden Institutionen. Aber gerade das gehört zum Niedergang demokratischer Bestrebungen! 
Ein solch groteskes Verkennen der Medizin erscheint mir nur möglich, weil Ärzte immer noch einen Status als „Halbgötter in Weiß“ haben und ein Großteil von ihnen schon längst aus Deutschland in die Schweiz oder nach Österreich abgewandert ist, weil dort die Bedingungen sehr viel besser scheinen (ob dies „die Politik“ samt ihren Krankenkassen-Adlati ändern sollte? Oder es wenigstens versuchen? Ob sie überhaupt etwas dagegen unternommen hat?) Wie ist das möglich? Sind Ärzte in den "normalen" Zeiten Raffkes, die nur das Geld interessiert? Sie seien zum wirtschaftlichen Handeln aufgefordert, so heißt es. Ob sie dies tun, wenn sie in die Schweiz oder nach Österreich übersiedeln?

Montag, 28. September 2020

Zeit


Was schwirrt da an uns vorbei? Wie man mit der Zeit umgehen solle? Ob das noch eine Spätfolge des Lockdown ist? Es ist von Zeitreisen die Rede. Von Allgemeiner Relativitätstheorie, von vierdimensionaler Raumzeit und von Wurmlöchern. Wie klein wir doch sind! Mit Hilfe von Digitalisierung diese Begrenzungen überwinden? Hm. Aber nun: Entschleunigung, Achtsamkeit? Iwo! Längst ist wieder Highspeed und Wachstum angesagt. Immer schneller. Immer profitabler. Wettbewerbsfähigkeit. Schließlich geht es um „unseren Wohlstand“. Bedrohungen sind längst wieder gewachsen. Alles ist ungewiss. Worin sollen „wir“ vertrauen? Ob es da um Millionstel Sekunden geht, die in zunehmender Höhe gemessen werden? Wir fühlen uns ausgeliefert. Ob es aber um entfernte Galaxien und „Schwarze Löcher“ geht? Die Zeit vergeht dort langsamer, je näher sie kommt.

Sonntag, 27. September 2020

Klimawandel Reloaded

Wir haben besonders nach dem letzten Freitag das Gefühl, dass jetzt die Ökos wieder kommen und uns unsere Lebensweise und das, was die Wirtschaftler den „Wohlstand“ nennen, nehmen wollen. Dabei ist es doch eher so, dass es um Notwendigkeiten gehen könnte, um wirksame und nachhaltige Veränderungen, die vielleicht mit sich bringen könnten, dass wir und die Natur überleben. Wir müssen unseren Lebensstil ändern, das Hoffen auf technologische Erlösung scheint mir in der Kürze der noch zur Verfügung stehenden Zeit nicht mehr plausibel zu sein. Dabei könnten durchaus auch Verbote eine Rolle spielen. Jawohl, da ist das böse Wort von der „Ökodiktatur“ nicht mehr weit. Ein Kampfbegriff, der von verschiedenen Seiten gerne gebraucht und missbraucht wird. Wichtig: Die notwendigen Veränderungen müssten sozial einigermaßen bewusst ausgestaltet sein, was mir bei der gegenwärtig global und in der Bundesrepublik herrschenden politischen Kaste (einschließlich der stark an einer ökonomisch gut ausgestatteten Klasse von Menschen orientierten Grünen!) nicht unbedingt gewährleistet erscheint. Zu ausgeprägt erscheint mir der Einfluss von politischen Lobbyisten, die versprechen, dass alles beim Alten bleiben könne und ein aus meiner Sicht ungewisser technischer Fortschritt uns noch rechtzeitig erretten könne. Es müssten jedoch allgemeine Veränderungen mit bedacht werden, die nicht nur das politische Machbare, sondern auch das Notwendige im Blickfeld haben. Ob dies über eine Erweiterung und Neubestimmung des Kampfbegriffs „Wohlstand“ (der ja ohnehin nur auf der Ausbeutung weiter Teile der Erdbevölkerung und vieler Rohstoffe zu erreichen war...) mit dem ökonomisch begründeten „Weiter so...“ zu erreichen ist? Ob dies etwas ist, dessen Dringlichkeit wirklich erkannt worden ist?

Freitag, 25. September 2020

Another Times in digital Universe (Text lyrisch)


Another Times in digital Universe


Spring doch!
Mach's doch!
Glaub' es!
Lass es!
sagt der Algoritmus
sagt das andere Ich
sagt Dein Ich in dir
the digital one
electric electronic
artificial
natural
native

Donnerstag, 24. September 2020

Wissen und Tun (2)

Man kann von etwas überzeugt sein und bereit, zur Lösung eines Problems beizutragen. Wir meinen das dann sehr ernst und sind ergriffen, betroffen. Zwei Stunden später geht das Leben im Alltag aber weiter und wir steigen ins Auto, um irgendwohin zu kommen, Konferenzen rufen uns, - was soll man auf die Schnelle da noch essen? Nun gut, da liegt doch dieses Fast-Food-Restaurant so günstig am Weg! Dieses eine Mal esse ich etwas, was ich eigentlich nicht essen sollte! Nur dieses Mal! Da sind Lebensumstände, in die wir uns hinein gezwungen fühlen. Doch das wird angesichts des Klimawandels und des Zustands unserer Natur nicht mehr gehen. Die Politik ist nun dringend aufgerufen, andere Bedingungen zu schaffen - im Namen der Vernunft zu überleben (nicht im Drang, sich alles bequemer, leichter, angenehmer oder schneller zu machen). Angesichts der neu aufgekommenen Despoten und autokratischen Herrscher in dieser Welt mag uns da so mancher Zweifel am Überlebenswillen der Menschheit kommen.

Mittwoch, 23. September 2020

Wissen und tun

Wir sollten etwas tun - und tun etwas anderes. Handeln und tun – ein seltsames Gegensatzpaar, das in unserem Alltag eine große Rolle zu spielen scheint. Wohlstand und die Pflicht, als Species zu überleben. Was dem Verstand widerspricht, ist uns zu oft recht als alltägliche Handlung. Das Wort, das gerade jetzt, in Pandemiezeiten, Konjunktur hat, ist „Wohlstand“. Wohlstand bedeutet auch Macht, das andere bedeutet Verzicht und zunächst auch mehr Abstand vom bequemen Genuss. Klimakatstrophe? Davon in allen Facetten zu wissen und danach zu handeln bedeuten offenbar unterschiedliche Dinge. Wir müssten das anders in uns hinein bekommen. Internalisieren. Wir als Menschen hätten nach unserem Selbstverständnis die Wahl. Trotzdem steigen wir ins Auto, fressen Fleisch oder tun andere schädliche Dinge. Auch ist da ein Systemzusammenhang, - wir sind diesem Falle in dem immer penetranter werdenden Widerspruch zwischen Stadt und Land. Klar kann ich in der Großstadt locker auf ein Auto verzichten. Fahrrad? E-Mobilität? Alles wunderbar. Auf dem Land ist das schon viel schwieriger….
Da sind diejenigen, die uns einen Fortschritt in Richtung auf das Ziel in technologischer Hinsicht versprechen. Die richtige App, das richtige System, usw. Doch das, was diese Art von technologischen Fortschritt immer getrieben hat, war die Profitmaximierung. Ob das in dieser Hinsicht weitgehend ausfällt? Ob da nicht auch ein anderer Antrieb hinzu kommen müsste? Klar, wir wären gezwungen zu verschiedenen Dingen. Ob diese aber mehr Gewinn versprechen würden?
Ob wir nicht in materielle Zusammenhänge gestellt sind, die uns gewisse Alternativen verbieten und die uns umweltschädliches Verhalten nahe legen? Gewiss, eine Art „oberer Mittelstand“ (u.a. Lehrer, Softwarespezialisten und andere Technokraten) hat die finanziellen Voraussetzungen, um sich richtig zu verhalten. Im Bio-Laden einkaufen. Vegan leben ohne großen Verzicht. „Noch schnell die Welt retten“: Solche Leute können sich das vorgaukeln. Sie verfügen auch über Ressourcen, um sich richtig zu verhalten. Doch es gibt auch die weitgehend unsichtbare Klasse der Prekären, die mehr schlecht als recht vor allem von Transfers lebt und die über keinerlei Beweglichkeit verfügt, um besser zu leben. Da bedeutet überleben, die billigen Sachen zu kaufen. Und die sind von „Discountern“ meist sehr ungünstig verpackt, so dass sie eine wahre Plastikflut auslösen. Immer noch. Daran hat sich nicht viel geändert.

Dienstag, 22. September 2020

Valerie (17)


Seine Augen sahen ihr zu, wie sie ihre Zigarette anzündete und in ihren Mund steckte, was seine Gedanken sofort in Richtung Sex lenkte. Die Geste war die Verführung selbst, war im höchsten Maß anziehend. Er versuchte, ihre Figur zu erraten, was dadurch, dass sie auf diesem Autositz saß, erschwert wurde und gleichzeitig seine Phantasie in Gang brachte. Auch ihr Körper hatte etwas von dieser individuellen Schönheit, die er schon aus ihrem Gesicht geschlossen hatte. Ihre Brüste waren straff und fest und er fragte sich, ob sie überhaupt einen BH trage, ...so sehr, dass er beinahe von der Straße abgekommen war.
Bist du zufrieden mit dem, was du machst?“..Er war erstaunt und misstrauisch bei einer solchen pauschalen Frage. So etwas war er nach einer derartig kurzfristigen Bekanntschaft noch nie gefragt worden. Das roch nach klar erkennbaren Absichten und er fürchtete schon, sie wolle ihn von etwas überzeugen, von einer Heilslehre vielleicht, - oder irgendeinem verlockenden Weg zu Glück und Zufriedenheit. Trotzdem reagierte – wieso eigentlich? - ehrlich.
Wissen Sie….äh, weißt du, das ist so eine Sache. Was Zufriedenheit und Glück sein könnte, versteht jeder anders. Unzufriedenheit kann ja auch einen Motor zur Weiterentwicklung bedeuten... und Zufriedenheit kann zu Stillstand führen...man redet da immer so leicht darüber, dabei ist alles komplizierter und zumindest zweischneidig... Sagen wir so: Ich bin zufrieden damit, dass ich noch unzufrieden bin. Das ist ja wohl auch eine Sache der Vorstellungen, die man von sich hat und der Möglichkeiten, die man in sich sieht. Deren Einschätzung ändert sich bei mir oft, wenn auch nicht grundlegend“.

Montag, 21. September 2020

Reise durch Wirklichkeiten (2)

Es geht um verschiedene Perspektiven. Sozialisation und Programmierungs- bzw. Abrichtungsmethoden prägen die Werte- und Verhaltensmaßstäbe sowie die Verstehensmöglichkeiten von Menschen und erlauben ihnen verschiedene Einblicke in das, was als „Leben“ bezeichnet wird. Jeder ist also durch seine soziale  oder sonstwie bestimmte Umwelt geprägt. Wir alle leben in verschiedenen Lebenswelten, und zwar global. Das heißt, dass das, was in China als „normal“ gilt, hierzulande noch längst nicht „normal“ sein muss. Es fällt dort ein Sack Reis um, - was ganz erheblich mit dem Hier und Jetzt zu tun haben könnte. Hier ist die Anbetung des Geldes und die dominante Stellung der Ökonomie als alles beherrschendes Lebensprinzip verbunden, doch scheint es mir relativ klar, dass die Globalisierung sich ausbreiten soll und will. Die regionalen Unterschiede der Lebensperspektiven und Identitäten soll in der Globalisierung zugunsten der Ausbreitung eines einzig gültigen Prinzips überwunden werden. 
Gleichzeitig kristallisieren sich innerhalb globalisierter Gesellschaften immer mehr spezialisierte und fraktionierte Daseinsweisen heraus. Es gibt dadurch keinerlei gesellschaftliche Klammer mehr, keinen verbindlichen Glauben, keine Maßstäbe, außer dem ökonomischen Erfolg, der sich in Geld ausdrückt. Dies schafft zunehmend auch unterschiedliche Lebenswelten, die sich untereinander nicht mehr verstehen, die nichts Gemeinsames mehr eint - außer dem Geld. In diese verschiedenen Lebenswelten also will ich verstehend eindringen, will sich dadurch ergebende Möglichkeiten aufzeigen, will Fragen aufwerfen - weniger die dazu passenden Lösungen. Ich will, solange das noch möglich ist, verschiedene Lebensperspektiven, verschiedene Antworten auf verschiedene Fragen aufwerfen, anreißen, sie streifen, will zum produktiven Nachdenken anregen, das versucht, verschiedene Perspektiven zu integrieren.

Sonntag, 20. September 2020

Was ist real?

Ich will alles integrieren und zu einem Gesamteindruck zusammenfassen: Texte, Lyrik, Fotos, Musik...usw. Das alles bin ich, macht mich aus - und das sind meine Ego-Botschaften. Und genau darin gleicht das einem Modell für viele, ist nicht gar so persönlich, wie uns die verschiedenen „Wirklichkeitsbestätiger und -verstärker“ weiß zu machen versuchen. Im Grunde hängt das alles damit zusammen, dass ich Herz, Gemüt und Verstand als zusammenhängend betrachte, dass das Zusammenhängende wohl mein Ich ausmacht. In Kürze und Prägnanz will ich mich hier darüber äußern, keineswegs ewig lange, sich selbst bewundernde und entsprechend selbstgefällige Aufsätze dazu absondern.
Ich habe zu berücksichtigen, dass wir in unserer Gesellschaft dazu neigen, die einzelnen Bereiche einer Person sich gegenseitig entfremden zu lassen und dann zugunsten eines Produktionsprozesses einen einzelnen „auszubeuten“. Leider sah ich dies erst zu Ende meines bewussten Lebens in größerer Klarheit, denn zuvor schenkte ich dieser Einstellung zu wenig Aufmerksamkeit. Ich nahm stillschweigend an, es für meine Verhältnisse besser zu machen, irgendwie halbwegs anständig durch zu kommen. Eine frühe schwere Krankheit war mir eine Warnung. Ich änderte so manches. Aber der Trott des Alltags schien mich zu lange in eine andere Richtung zu führen. 

Freitag, 18. September 2020

Realsatire

Ich verabscheue diejenigen, die sich als Verteidiger des Systems geben und dabei alles, was von rechts kommt, für sich instrumentalisieren. Dass sie teilweise dabei auch nicht vor kritischen oder Satire-Sendungen zurückschrecken, macht es für mich noch ärgerlicher. Alles was nach ihrer Ansicht rechts ist, was strukturenzersetzend und vermeintlich in inkorrekter Weise schädlich für dieses System ist, was sie in diesem Sinne so interpretieren, mag für diese Leute indiskutabel sein. Sehr aufgeregt und im Brustton moralischer Überlegenheit stellen sie das auch öffentlich so dar. Dabei stehen oft gesellschaftliche Konflikte zwischen „oben und unten“, „Globalisiert“ und „Lokalisiert“, „Stadt“ und „Land“, zwischen dem Grad an Informiertheit, einer Suche nach Identität unter industriellen Bedingungen und viele andere Konflikte oder Probleme dahinter, die nicht unter dem Konflikt Rechts-Links einzuordnen sind, die in ihren tatsächlichen Auswirkungen auch nicht besonders staatstragend sind, ja die gewisse Menschen in ihren "demokratisch legitimierten Funktionen", in ihrem Imponiergehabe und innerer Hohlheit und die sie umfangenden Strukturen als lächerlich entlarven. Das muss meiner Meinung nach unbedingt sein in einer Gesellschaft, die sich selbst gerne als demokratisch sieht. 

Donnerstag, 17. September 2020

Europas Agonie


Es ist für mich gestern ein Schauspiel gewesen, dass mir einmal wieder den Zerfall der Lebenswelten und Lebenswirklichkeiten in Europa und den westlich entwickelten Ländern der ganzen Welt demonstriert hat. Während Flüchtlingslager aus welchem Grund auch immer brennen und Menschen dort im Dreck suhlen müssen und ein bisschen nach etwas Essbarem stochern, während sie ohne Perspektive nach einem anderen Leben suchen, tauschen Anzugsträger und Kostümträgerinnen Europas diplomatische Formeln aus. Eine Kommisionsvorsitzende, die nicht demokratisch gewählt, sondern von den Mächtigen in den Hinterzimmern ausgedealt worden ist, hält schlaue, aber weitgehend nichtssagende Reden über Klimawandel und ein paar andere Probleme. Europa scheint völlig am Ende und bankrott, während sie im Wasserkopf in Brüssel noch reich bestückte Bankette abfressen, um danach selbstzufrieden in riesige Limousinen zu steigen. Das Einstimmigkeitsprinzip ist mal wieder ad absurdum geführt, der schnelle Anschluss von Ländern, die diese Werte offensichtlich gar nicht teilen, rächt sich bitterlich. Unter diesen Umständen ist natürlich keine Migrationspolitik zustande zu bringen. Es scheinen auch jegliche Sanktionsmöglichkeiten jenen Ländern gegenüber, die die EU-Werte nicht teilen, nicht möglich zu sein. Und so erhebt sich wieder ein Palaver der Amtsträger in Brüssel, ein Austausch von Meinungen, der zu nichts führt. Vertröstungen, Hoffnungen auf andere Verhältnisse sind angesagt. Es werden Showposen abgezogen, die einen anwidern können und eine Wirklichkeit charakterisieren, die zum Nachteil Europas in Dekadenz zerfallen ist.

Dienstag, 15. September 2020

Drei Klafter tief (Songtext)


Drei Klafter tief

Raus aus dem Eis
raus auf die Straße
Geister haben uns begrüßt
sie schlagen eine lange Nase
das ist Routine
das ist der blaue Panzer

Sag alles ab
die Nacht schluckt dich auf
denke schräg, schließ die Augen
die Zeit ist ein kleiner Fluchtpunkt
trau'rige Linien
im Sand ein blaues Vergessen


Refr.
wir haben geatmet
wir waren präsent
waren bei uns selbst für Momente
fang' endlich an, fang' die Tangente
die sich selbst in der Unendlichkeit trifft

Der Zeiger drückt
die Uhr tickt lauter
hab meine Person verzettelt
hab etwas verloren in der Enge
Acht Meilen hoch
und drei Klafter tief...

Montag, 14. September 2020

Ablöse und Geld und Unterhaltung

Man liest derzeit über die Verhandlungen und den möglichen Transfer eines „prominenten“ Spielers der Fußball-Bayern aus München, der für den Fußball dieses Vereins geradezu identitätsstiftend sein könnte und der dies nun versucht, zu seinem eigenen Vorteil (Geld!) zu nutzen. Bei den von der einschlägigen Presse reportierten gigantomanischen Forderungen dieses Spielers könnte man sich schon fragen, ob so etwas in die gegenwärtigen Corona-Zeiten passt, da viele Menschen ums schlichte Überleben kämpfen müssen und die Ausgabe jeden Euros herb abwägen müssen. Ein Berater des Fußballspielers will zudem zweistellige Millionenbeträge als Honorar kassieren, so wird berichtet. Gleichzeitig verkünden Sportvorstände von großen Vereinen, dass der Fortbestand dieser Vereine durch die gegenwärtigen Verhältnisse schwer gefährdet sein könnte. Jemand wie ich steht da vis a vis und fragt sich, wie so etwas zusammenpasst, wer da von wem auf welche Weise profitieren will und wer dabei die Unterstützung aus dem großzügig geöffneten Steuersäckel im Auge hat. Ob die gesponserten Klugscheiserrunden im Fernsehen da Aufschluss bringen? Es kommt mir vor, als würden die im Raum stehenden Summen von der Unterschiedlichkeit der Lebenswelten und der scheinbar selbstverständlich an sie geknüpften Gier künden. Dabei scheinen mir auch jene ihr Teil beizutragen, die dieses Spiel mitspielen, bei dem es nur darum geht, eine Summe auszuhandeln, die weit weg von denen zu sein scheint, die dies letztenendes zu bezahlen haben. Ob ihnen Unterhaltung so viel wert ist, oder ob sie sich solche "Verhältnisse" einfach nicht konkret genug vorstellen können? 

Sonntag, 13. September 2020

Realitätsbewusstsein

Es laufen im Fernsehen immer mehr Serien, in denen die Realität mit einer Art „Scripted Reality“ umspielt wird. Das heißt, dass die Realität so gespielt wird, dass niemand mehr den Unterschied zur rohen und „gemeinen“ Realität empfinden soll. Ob dies etwas mit „Fake News“ und Populismus zu tun hat?: Dieses „Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt“? Oder „….wie sie mir nützt?“. Die Realität wird fernsehgerecht ausgedacht, Fetzen davon werden neu zusammen gesetzt, mit Brutalitäten aller Art versetzt. Was nicht passt, wird passend gemacht, Realitäten werden übersitzt, pointiert und primitiv gesteigert. Brutalität und Rohheit erscheinen „normal“. Ziel: Gefühle zu erzeugen und damit Quoten zu steigern. Ausrasten, lächerlich machen, beschimpfen, verachten, blenden. Die sogenannte Lebensrealität der Zuschauer soll damit abgebildet werden, - man will per TV näher ran kommen an das Publikum. Ob auf diese Weise ein Gefühl für die Wirklichkeit verloren geht und „Fake News“ möglich werden? Ob so „Bewusstsein“ geprägt wird?

Samstag, 12. September 2020

Reise durch Wirklichkeiten

Mit dem Stichwort „Reise“ (nicht nur in „Reise durch Wirklichkeiten“) meine ich eine gewisse Beweglichkeit, eine Neugier auch auf andere Horizonte, ein Heraustreten aus der eigenen Wahrnehmungswelt, andere Ansichten zur Welt, andere Einordnungen, das spielerische Einnehmen von Positionen, die Einsicht in eine relative Gültigkeit bringen, die anderes, das Andere, ja auch das Fremde grundsätzlich zulässt, ja, die sogar neugierig darauf ist. Dass Ansichten der Welt aus kulturellen und sozialen Gegebenheiten heraus nahezu programmiert sind, habe ich in der Soziologie gelernt. Dass damit oft Machtfragen zusammen hängen, brachte mir die Politikwissenschaft bei. Was mich da immer erstaunt hat: Das Maß an Berechenbarkeit ist schockierend angesichts dessen, dass immer wieder „der freie Wille“ postuliert wird. Vor allem die „Marktforschung“ macht sich diese Programmiertheit zunutze bei ihren Prognosen. Im Idealfall freilich stellt sie Studien und Thesen aus unbeteiligter Perspektive auf, lässt sich nicht infizieren von Gegebenheiten, will nachvollziehbare Erkenntnisse. Auch dies will ich ein bisschen durchbrechen mit meinem Blog, will das Beteiligtsein durchaus zulassen und keinen Anspruch auf objektive Gültigkeit oder jene Nachvollziehbarkeit erheben, die allzu oft und offensichtlich erkauft scheint von mächtigen wirtschaftlichen Interessen.

Freitag, 11. September 2020

Es geht weiter (Songtext)


ES GEHT WEITER (SELTSAMER MONAT, SELTSAME JAHRE)

Ein Fernsehbild flackert durch fahles Licht
ist dies der letzte Tag? Oder geht immer alles weiter...?
Mein Magen erzeugt ein Gefühl der Unruhe
Mein Kopf sagt: dummes Zeugs!
Wir sitzen alle im selben Boot, das niemand steuert


Ansichten über Verschwörungen sind jetzt in Mode,
gerade Linien sind out
ein Clown regiert die Welt,
ein andrer schickt den Krieg
der nächste macht jetzt ernst
Kicker baden in Kohle
Gott wohnt nicht mehr hier in unserem Kopf
es brennt im Telephon,
die Mail geht ins Leere
Maschinen flirren flackern tuckern summen leise
Stille ist die neue Angst
Worte könnten die Axt sein,
für das gefrorene Meer in uns.......

Donnerstag, 10. September 2020

Versinken (Textlyrik)

VERSINKEN
In Weiß versinken
sanft und hart
schwer und leicht
es deckt dich zu
und es wird weniger mit dir
Du gehst auf im Nichts, im Weiß
es ist alles leer um mich herum
nichts regt sich, ich kann es nicht begreifen
die Sonne fällt zart auf die Wand
was wollte der Mond uns sagen?
Dass wir auf keinem guten Trip sind?
Dass wir schlittern und taumeln?
Dass wir uns daran gewöhnt haben?

Mittwoch, 9. September 2020

Blogbekenntnisse

Im Mix aus kurzen Texten, MP3s und Fotos geht es diesem Blog darum, einen Spiegel des Tages- und Zeitgeschehens (auch abseits der "Aktualitäten") sowie der persönlichen Gedankenwelt des Autors zu produzieren, es geht ihm um den Wechsel von Sichtweisen ("Reise durch Wirklichkeiten"), die gesellschaftlich geprägt sind, auch darum, Alltagserfahrungen zu spiegeln, aktuelle Vorgänge der Gesellschaft und Politik, es ist ein Nachdenken über Zukunft und das Sein, über den Kosmos, über vieles, was mich gestreift hat mittels Medien, es sind kurze Reflektionen von Herrschaftsverhältnissen, Gedanken über den Tod und andere Gegebenheiten, etwas, das mich berührt und in mich eingedrungen ist, in der Empathie aufgehoben, in Religion und Spiritualität, Lyrik, eigenen MP3s und Fotos, ergänzt durch Songtexte verschiedenen Alters, Existenzspuren, Selbstvergewisserungen, Stammtischgequatsche, durch Tierisches, allerlei Zeugnissen meines Gangs durch die Wirklichkeit, subjektiv gefiltert, - ohne Anspruch auf Objektivität, Im Mittelpunkt: Das Normale, das Leben, die Deprivierung, Angst, Zeit, Liebe, Zitate, Geld verdienen zum leben, alles in Kürze und in möglichster Konzentration, Lektürefrüchte, im Bestreben, mich möglichst verständlich auszudrücken – und: ich versuche vorläufig, einen täglichen Rhythmus einzuhalten, einen multimedialer Blog zu betreiben

Dienstag, 8. September 2020

Valerie (16)


 „Wie heißen Sie?“ fragte er und wunderte sich über seine Neugier. „Du kannst Valerie zu mir sagen“. Sie schien sein Spiel zu ahnen. Er kam sich blöde dabei vor und wollte damit aufhören, sah aber im Moment keine Möglichkeit dafür. Valerie fuhr sich, wenn sie etwas sagte, durch das Haar, als sei sie zerstreut, als wolle sie aus einem Bündel von Gedanken einen heraus greifen. Es wirkte dies eitel und egozentrisch. Sie hatte sehr lange, dunkelblonde Haare und einen Mund, der ihm sofort aufgefallen war. Dieser würde wohl auf alle Männer sehr erotisch wirken, da war er sich sicher. In diesem Mund lag aber auch noch etwas kindlicher Trotz, gleichzeitig schien er eine Art sensibles Selbstbewusstsein heraus lesen zu können. Ihre Augen verstärkten diesen Eindruck. In ihnen spiegelte sich wieder die Mischung aus Vertrautheit und fast berechnendem Realismus, deren scheinbare Gegensätzlichkeit sich bei ihr zu einer Harmonie verbanden. Dies elektrisierte ihn. Sie saß erst 5 Minuten neben ihm und dennoch glaubte er schon so viel von ihr zu wissen, ja, sie schon zu kennen, aus der Kindheit, aus den Tiefen von Tag- und Nachtträumen. Er hatte solch ein Gefühl noch nie gehabt und es beunruhigte ihn mehr, als dass er es genoss. Denn es entzog sich rationaler Kontrolle, es war ihm nicht möglich, es als Illusion und Projektion zu entlarven. Er versuchte, es lächerlich zu machen und zielte darin doch haarscharf am Eigentlichen vorbei. Dies alles wirbelte ihn durcheinander, während er betont gelangweilt aus dem Fenster sah. Ihn packte die Neugier. Sie fragte „Darf ich rauchen?“

Montag, 7. September 2020

Abschuss

Es wird einem berichtet, man habe es nur kurz in den Nachrichten gesehen: Ein Spitzentennisspieler hat bei den US Open einen Tennisball vor Wut blind und ohne sich umzusehen nach hinten geschossen, hat dabei eine Linienrichterin verletzt und ist disqualifiziert worden. Die Herren Stars und Megastars verdienen ja so viel, besetzen entsprechende gesellschaftliche Ränge und haben ein dadurch so aufgeblähtes Ego, dass sie meinen, sie dürften alles, stünden über allen. Ganz besonders glauben sie, sie dürften diejenigen, die im Leben weniger Glück als sie selbst haben, wie Sklaven oder minderwertige Figuren behandeln. Das ist ein Muster, was sich auch in anderen Lebenszusammenhängen ereignet und das das krasse Auseinanderfallen von Lebenswelten unter Einbuße jeglicher Empathie mit sich bringt. Dies Auseinanderfallen von Lebenswelten: An dieser Geste merkt man genau, was es damit auf sich hat, es scheint mir ein kurzes Zeichen zu sein, hinter dem sich Bedeutung verbirgt .… kein Wunder, dass das von den Nachrichten herunter gespielt wird...

Sonntag, 6. September 2020

Rücksicht

Rücksicht, besonders im Verbund mit einer gewissen Höflichkeit und Respekt, scheint als Wert nicht mehr zu existieren. Dagegen gesetzt wird allzu oft der Wert „Durchsetzungskraft“, der eine „Freie Marktwirtschaft“ besonders auszuzeichnen scheint. Ist das moralistisch? Moralinsauer etwa? Ist natürlich nicht erlaubt. Gezielt zuschlagen ist dagegen erlaubt. Besonders gegen diejenigen, die sozial unterlegen sind. Damit alle davon profitieren. Selbst schuld!, so das turboschneidige Verdikt. Trickle-down-Theorie, ich hör‘ dir trapsen! Neulich auch im Kreisverkehr: wer ausfahren möchte, sollte eigentlich blinken, damit andere merken, dass sie einfahren können. Tun bloß immer weniger: Hauptsache, ich komme durch! Das zeigt den Alltag, der auf Rücksichtslosigkeit ausgerichtet ist. Natürlich nicht „offiziell“, sondern „inoffiziell“, weil die Menschen über viele Jahre hin zum Egoismus erzogen worden sind, weil Person und Persönlichkeit zugunsten eines (Kosten-)faktors nicht mehr gilt. Die Macht des Stärkeren gilt in einem Maße, das nicht einmal Charles Darwin damals gemeint hat.

Samstag, 5. September 2020

Kulturgehabe

Personen, die allzeit hip sind und wissen, was angesagt ist, versammeln sich jetzt zum virtuellen Tanz auf dem Bildschirm. Ein genießerisches Lächeln huscht über ihr Gesicht, kombiniert mit Kennermiene. Sie sind wohl bestallt, man sieht das gleich, Sorgen plagen sie nur jene, die sie sich selbst zum Vorzeigen ausgewählt haben. Der abgefederte Spott trägt sie, die oberverdiente Coolness. Sie sind bei den Medien und „irgendwie“ kreativ. Ein bildungsbürgerlich gut durchgequetschter Maestro schleppt sich da auf eine Bühne und macht exzentrische Verrichtungen. Ja, ein Maestro, keine Meisterin!! Man wird sich des Bedeutenden gewahr, der kann‘s!, und die Luft füllt sich mit Respekt und Ehrfurcht statt mit Viren. Ehrfurcht ist eigentlich nicht erwünscht, doch eine Art geheimes Einverständnis trägt sie in den Raum und breitet sich aus.