Reise durch Wirklichkeiten

Donnerstag, 13. Mai 2021

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Wer hat meinen Schlüssel gesehen? er ist offenbar unrasiert und hat einen Bart Ich wende das Blatt und lese verkehrt nimm's nicht persönlich, sieh's positiv! Wer hat meine Gedanken gesehen sie sprießen manchmal wild und ich kann sie kaum fassen Mixed Pickel,s sie jucken so undefiniert und wachsen nach, kaum sind sie wegoperiert

Mittwoch, 12. Mai 2021

Alles gut

„Alles gut“ so lautete die Phrase, die nach meiner Einschätzung Kommunikation oft erschwerte und kaum erleichterte, indem sie dem wenig reflektierten „sozialen Geräusch“ oder der Scheinkommunikation zuzuordnen war. Zuletzt scheint mir die Floskel oft durch dieses „Gesund bleiben!“ ausgetauscht worden zu sein, eine Aufforderung, bei der ich oft darüber ins Grübeln komme, wie ehrlich und wie oberflächlich sie denn gemeint sei. Klar ist mir immerhin, dass beide Formeln dem sogenannten „positiven Denken“ zuzuzählen wären. Das Positive lange genug und mutig fordern, dann kommt es auch - und sei es noch so ungefähr nebulös…..so etwas scheint mir dahinter zu stehen. Oberflächlichkeit als positives Denken. Ob es angesichts der derzeitigen Lage angemessen ist? Was ist mit den vielen vielen Toten? Ob sie einem Happy End entgegen gegangen sind? Ist wirklich „alles gut“? Vieles spricht dafür, dass es keineswegs so ist.

Montag, 10. Mai 2021

Wachsend wachsen

Es ist jetzt immer häufiger von „Wachstum“ die Rede. Dass wir das dringend bräuchten, um die Folgen der Pandemie möglichst schnell zu bewältigen. Ich frage mich dann oft, ob denn gar nichts gelernt wurde, ob denn ein überkommenes Lebensmodell tatsächlich in die Zukunft führen kann, bloß, weil das gewisse Wirtschaftswirtschaftler so fordern und weil sie das als einzigen Weg sehen. Ob es da eine Rolle spielt, dass diese Wirtschaftswissenschaftler (in teils hochdekorierten Positionen mit Professorentitel ausgestattet) den nutzenmaximierenden und ausschließlich auf die Güterwelt ausgerichteten homo oeconomicus sowie die Zentralität des Wirtschaftswachstums einfach so als Basis ihrer Ansichten annehmen. Dabei könnte ja offensichtlich sein, dass das mit dem Wachstum wohl nicht immer so weiter gehen kann. Nicht zuletzt könnte man zu dem Schluss kommen, wenn dies Wirtschaftswachstum in zunehmendem Maße einer immer kleiner werdenden Schicht von Machtmenschen und Milliardären zugute kommt (mal oberflächlich betrachtet). Als etwas provozierend dürfte dabei ein Anspruch des Oberinvestors und milliardenschweren Geldspezialisten Warren Buffet empfunden, der harte soziale Auseinandersetzungen prophezeit und dabei am Ende die Besitzenden und Geldsäcke auf der ganzen Linie gewinnen sieht. Ob wir in diese Richtung wachsen wollen?

Sonntag, 9. Mai 2021

Einsam, was ist das? Hat da jemand etwas gesagt....?

Wir sollen Optionen offen halten, auf den jeweiligen Zug aufspringen, das Beste für sich aus dem Andern heraus holen, ihn zur Stütze unseres Egos machen, ihn als "Konsumenten" und "Kunden" sehen. Sie sollen für mich bereit sein, wenn ich es brauche. Ich. als Mittelpunkt der Welt, der alles kriegen kann, wenn er nur will. Selbstoptimierung. Ob das ein Modell für die weitere Entwicklung dieser Gesellschaft ist? Einsamkeit hingegen ist Todsünde. Sie bedeutet das Gefühl, zu etwas verdonnert zu sein, was man gar nicht will. Einsamkeit geht mit dem Zuspruch von Schwäche einher, - was ja in unserer Marktwirtschaft gar nicht geht, weil Wertlosigkeit damit verbunden ist. Wir gehen ins Fitnesstudio, weil wir begehrenswert und attrativ sein wollen, uns aufwerten. Wir werden so zum Konsumartikel. Im Grunde suchen wir so recht eigentlich nach dem Andern, mit dem wir eine Bindung, - gleich welcher Art! - eingehen können. Wir aber sammeln per onlinedating Trophäen, statt Beziehungen zu suchen. Wir staffieren uns mit Menschen aus, die wir gerne „Freunde“ nennen. Was aber macht der Mensch „dazwischen“, der einsam ist, der sich als sozial unverträglich fühlen muss, der keine Freunde hat und sich insofern als wertlos dafür fühlt, dass Andere mit ihm in Beziehung treten? Ob da die Gesellschaft hierzulande etwas verpasst hat, indem sie Einsamkeit zum gottgewollten Schicksal der Wertlosen und Verlierer erklärt? Diese sollen pflichtschuldigst erklären, dass sie „an sich arbeiten“ wollen. Noch sind die Psychotherapeuten deswegen nicht überrannt. Denn kaum jemand getraut sich überhaupt, Einsamkeit zuzugeben und als Problem zu erkennen. Niemand, der sich selbst optimiert, ist einsam, niemand wäre dafür verantwortlich zu machen, außer man selbst, jedr ist der Manager seiner selbst und hat den entsprechenden (vom Coach gelehrten) Managersprech drauf - so diese Gesellschaft im Brustton der neoliberalen Überzeugung. Ob dies in Richtung der brutalen Züge der Marktwirtschaft geht? Wir sollen und müssen happy sein und „Erfolg“ haben, egal, ob Krankheit, Schulden, Schicksalsschläge, Liebe, Beruf oder Erziehung drücken.

Samstag, 8. Mai 2021

Literaturbetrieb (2)

Tatsächlich scheinen sich in dem von mir gestern betrachteten Literaturbetrieb vor allem Mitglieder eines Milieus zu tummeln, die der von Autorenpolitikerin Sarah Wagenknecht so bezeichneten „Lifestyle-Linken“ angehören: also materiell meist gut oder sehr gut gestellte Personen, die sich moralisch aufgebläht gerade gegenüber den abhängigen Unterschichten als absolute Instanz präsentieren. Dass Frau Wagenknecht mit ihrem gutsituierten Dasein gerade dieser Klasse von Personen anzugehören scheint, erhöht ihre Glaubwürdigkeit nicht, diskreditiert aber andererseits ihre Aussagen auch nicht. Ein früherer Vorsitzender der Linken tat sich ja auch als Porsche-Fahrer hervor und traf vernichtende Urteile über „die Besitzenden“ in unserer Gesellschaft. Solches Verhalten scheint mir auch an das anzuschließen, was einst Bert Brecht offiziell als frauengerechtes Verhalten propagierte. In seinem eigenen Verhalten soll er sich aber ziemlich unverschämt rücksichtslos gegenüber den ihn umgebenden Frauen verhalten haben. Nun ja, auf der linken Seite der Politik scheint solches Verhalten Tradition zu haben und wurde oft hinter den Winkelzügen einer Dialektik versteckt, die einem hauptsächlich selbst mit der kleinen dreckigen Existenz (vor allem monetär, aber auch im Hinblick auf den Status) nützen sollte.

Freitag, 7. Mai 2021

Literaturbetrieb

Bücher scheinen mir für gewisse professionelle Kritiker eine Dutzendware, an denen sie ihre vorgefertigten Maßstäbe und durch Firmen gelente Urteile noch einmal bestätigen können. Allein schon die Menge der von ihnen zu verarbeitenden Literatur scheint es mor unmöglich zu machen, sich mit dem einzelnen Werk gebührend auseinander zu setzen. Ich sehe natürlich auch den Druck, unter dem diese Leute stehen. Aber mir scheint, sie lassen sich unter Vernachlässigung eines gewissen Qualitätsniveaus über die Opfer ihres Urteilsspruchs aus und kommen gar überschnell zu ihren Ansichten. Sie sehen Literatur offenbar primär als Markt und ihr eigenes Tun in einen Literaturbetrieb integriert, der auf Absatz gerichtet ist und das emotionale „Engagement“ zugunsten gewisser Dinge etwas unreflektiert beklatscht. Auch ich habe mal Germanistik studiert und dabei gelernt, dass man sich möglichst behutsam an Ansichten über ein betrachtetes Werk heran tasten sollte. Dass man verschiedene Perspektiven einnehmen sollte und nicht für einen billigen und optisch aufgeblasenen Showeffekt sich äußern sollte. Genau das aber sehe ich immer wieder bei Kultursendungen des Fernsehens, die vor allem für die Propagierung eines bestimmten Produkts gemacht scheinen. Aber - das ist mir bewusst - Konsumenten bevorzugen klare Qualitätsurteile und eindeutige Aussagen nicht nur den Produkten des Literaturbetriebs gegenüber. Sie wollen Orientierung und delegieren ein Urteil gerne an sogenannte "Experten".

Donnerstag, 6. Mai 2021

Mister Magister (Lyrikversuch)

MISTER MAGISTER Mister Magister, Daseinsfrister deine Frist läuft ab Klipp-Klapp Refrain Sapperlott Schaffott flott Galott Hundsfott fort – Trott Wir schaffen‘s, wir packen‘s bei uns geht die Post ab Und wenn die Welt untergeht dann gehen wir mit wir heben die Welt aus den Angeln uns ist‘s vor nichts bange Der Zähler tickt, High-Tech, Bigmac was sagt der Nenner: jede Sekunde bringt uns dem Tod näher! Man hat euch die Jugend abgekauft verkauft? „Forever young“?

Mittwoch, 5. Mai 2021

Heimat revisited

In einer mit kleinen Ergänzungen und Auslassungen versehenen Reprise zu meinem Blog vom 5.5.2018 schreibe ich jetzt zu einem ein bisschen aus dem Blickfeld geratenen Begriff: „Heimat", - das ist eine Landschaft, - und mehr. Vielleicht der Wunsch, dazu zu gehören, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die tief in uns verankert ist. Einen Ort zu haben, an dem man sich nicht erklären muss. Das Gefühl, dort willkommen zu sein. Einen Ort haben, an dem man sich sicher fühlen darf. Eine Erinnerung an die Kindheit, als die Welt einem vertraut erschien. Man entdeckt, Wurzeln zu haben. Verhätnisse, aus denen man gekommen ist. Heimat könnte Aufbruch und gleichzeitig Rückkehr bedeuten. Immer mehr Leute fürchten sich davor, ihre Heimat zu verlieren - und damit ihre Identität. Es herrschen Landflucht auf dem Dorf und steigende Mieten in den Städten, wo anscheinend die vielen Optionen wohnen. Eines aber scheint überall wichtig zu sein: Alle (ob Stadt oder Land) müssen flexibel sein und sich durchkämpfen in einer globalisierten und durchkapitalisierten Welt. Auch in Zeiten der Pandemie. Jetzt, wo die früher in SciFi-Literatur vorgedachte Zukunft nach und nach Wirklichkeit wird, könnten wir plötzlich unter Umständen gar keine Zukunft mehr haben. Es scheint eine Welt entstanden zu sein, die Entmaterialisierung bedeutet. Alles scheint ähnlicher zu werden, gleich zu werden, alles verschwimmt, Menschen sind in den neoliberalen Zusammenhängen „Humankapital“. Nummern, Zahlen, Positionen, Kosten. Wirtschaftliche Kreisläufe, Lieferketten und Renditeaussichten scheinen wichtiger zu sein. Verwurzelung und Identität scheint angesichts dessen das am meisten verkannte Bedürfnis der menschlichen Seele zu sein. Aktuell scheinen sich Leute davor zu fürchten, durch Überfremdung ihre Heimat zu verlieren. Das bedeutet auch Clans und Ahnen, denen wir verbunden sind, ohne dass wir das wollen. Es gibt Menschen, die glauben, dass Heimatverbundenheit nicht mit der Angst vor Fremden verknüpft sein muss. Heimat sei nicht unbedingt, so glauben Leute, an den Ort gebunden, an dem man geboren wurde. Der Heimatbegriff, so halten manche Soziologen dagegen, zeige genau die Trennlinie zwischen der akademisch gebildeten, im Urbanen lebenden Mittelschicht und der traditionellen, oftmals noch der Industriemoderne verhafteten Mittelschicht. Die Heimatfraktion sei in die Defensive geraten. Linksliberale Kosmopoliten predigten Heimatliebe ohne Ausgrenzung und würden damit Gefahr laufen, allzu heuchlerisch zu sein. Denn diese klassisch Linksliberalen werfen womöglich anderen etwas vor, was sie selbst tun. Und zwar werfen sie anderen vor, dass sie Migranten und Flüchtlinge nicht integrieren würden. Sie selbst seien aber gar nicht erst in der Situation, dass sie mit Flüchtlingen und Migranten konfrontiert seien, weil sie in derart gefilterten und materiell abgefederten Lebensumständen leben, dass Migranten für sie keine Problematik darstellten. Ja, dass sie ihnen in ihrer gefilderten Wahrnehmungsblase kaum begegneten. Darin, was Heimat sein soll und wie sie geschützt werden soll, zeigt sich insofern auch die Spaltung der Gesellschaft. Es resultieren daraus verschiedene Lebenswelten, verschiedene Schichten, verschiedene Arten, mit der Welt umzugehen. Sehr offensichtlich wurde dies übrigens auch in den Berichten über gewisse prominente Amtsträger der Sozialdemokraten, die ihre Sprösslinge auf teure Internate und Privatschulen schicken und keineswegs daran zu glauben scheinen, was sie selbst dauernd predigen (Ein einstiger Vorsitzender macht es gerade vor...). Der empirische Beleg für eine solche Behauptung könnte sein, dass sie ihre Sprösslinge auf teure Privatschulen schicken und zu Bankaufsichtsräten werden. Sie haben ein Bild von sich entworfen, das in einem Gegensatz zu ihrer „privaten“ Existenz steht. Vorgetäuschte und tatsächliche Lebenswelt. Dass es nicht darum gehen soll, woher man kommt, könnte auch ein Mythos sein, ein Wunschbild. Denn Heimat ist gerade nicht nur Option und freie Wahl. Man ist bedingt durch das, was schon war. Heimat ist gerade nicht das, was man durch freien Willen sich wählt. Sondern man ist hinein gewachsen. Auch durch Sozialisation. Man versteht die Leute in dieser Heimat unwillkürlich besser, sie sind einem nah, man agiert und bewegt sich wie selbstverständlich, wie im Schlaf. Es scheint eine Art realer Traum zu sein. Es gibt den Ort der Geburt als Schicksal. Man ist hinein geboren worden, hat ihn sich nicht heraus gesucht. Wir sind nicht nur autonome Menschen, die sich ihre Existenz frei gewählt haben. Wir sind auch durch unsere Herkunft und unsere Geschichte, durch Zufälle, Glück und Unglück geprägt. Man ist hinein geworfen. Wie sang Jim Morrison (klar, ich weiß, dass er das möglicherweise auch geklaut hat): „Riders on the storm, into this house we're born, into this world we're thrown, Like a dog without a bone, an actor out on loan, Riders on the storm“. Man lässt sich zurück gleiten, Richtung Heimat, Richtung Ursprung, man begegnet sich selbst und denkt am Ende darüber nach, wieso man so ist, wie man ist. Wieso man so geworden ist.... Es kann auch bedeuten, dass man anfängt, zu akzeptieren, dass man nicht einzigartig ist, sondern dass man Teil von etwas Größerem ist. So etwas deutet vielleicht auf Schwarmintelligenz und das, was später allzuoft als „Herdenimmunität“ beschworen wurde. Und dann ist da das Oberflächliche. Das, was einen als gerne verkündete „Lebensweisheit“ oder als mühsam erarbeitete Erkenntnis ermüdet hat. Tausend mal gehört, tausend mal nichts passiert. Das, dass tausend Leute um einen herum sagen: „Man muss in der Gegenwart leben“. Klar. Man blickt auf die Kindheit zurück, sieht Bilder und Fotos und denkt: „Wer zum Teufel war das?“ Das ist eine Ebene. Es gibt womöglich auch eine andere. Dinge stoßen einem zu, sie „überfallen“ einen. Gab es intensive Erlebnisse? Die einem die eigene, ganz eigene Präsenz nahe legten? Wie war das damals, als du aus dem Auto gefallen bist? Hattest du danach das Gefühl, du hättest einen Schutzengel gehabt? Wieso hast du bei diesem Desaster so abgeschnitten, bist am Leben geblieben, als sei nichts gewesen? Gibt es mögliche Welten, Abzweigungen? Welche, die dich geprägt haben? Hat man wirklich Entscheidungen gefällt? Oder haben sie dich gefällt? Ich hatte nie das Gefühl, Wichtiges und für andere Erhellendes zu erzählen zu haben. Das ist nach wie vor so. Weder im fiktiven noch im realen Bereich. Alles, was möglicherweise auf mich zutrifft, stellt sich bei anderen ganz anders dar......

Sonntag, 2. Mai 2021

Identität

Es wird jetzt überall die „Identitätsdebatte“ geführt. Dabei geht es wohl um einen anderen Identitätsbegriff als den, den ich hier an dieser Stelle oft beschrieben habe. Mir ging es oft um eine individuelle Identität, um ein Offensein aus einer gesicherten Identität heraus, um ein Gewinnen des Mehr oder weniger, um Empathie, Toleranz, Neugier auf das Andere, um den Versuch dessen Einbeziehung in die eigene Identität und einen psychologischen, tiefer gehenden Begriff der Identität, der auch Zweifel und Infragestellungen aller Art zulassen kann. Doch scheinen aktuell kollektive Zugehörigkeiten hier die weitaus größere Rolle zu spielen. Sehr schnell wird oft auch der Bogen geschlagen zum Rassismus. Daraus scheinen Frontstellungen hervor zu gehen, die mich manchmal befremden und die mit dem Streben nach Identität nach meinem Geschmack so gar nichts zu tun haben. Der erste und wichtigste Schritt auf diesem Weg zur Selbstermächtigung wäre es, mich selbst als Individuum mit unzähligen Facetten begreifen zu können, anstatt mich auf eine einzige zu reduzieren. Das mit dem ganzen Komplex auch der Begriff „Normalität“ zusammen hängt, war in meinem Blog meist zwingend. Dass die Arbeitswelt mit ihren vielfältigen sozialen Kontakten bei der Herausbildung der Identität ziemlich wichtig sei, ist für mich an dieser Stelle kein Widerspruch.

Samstag, 1. Mai 2021

An die Natur (Friedrich Hölderlin)

An die Natur Da ich noch um deinen Schleier spielte, Noch an dir, wie eine Blüte, hing, Noch dein Herz in jedem Laute fühlte, Der mein zärtlichbebend Herz umfing, Da ich noch mit Glauben und mit Sehnen Reich, wie du, vor deinem Bilde stand, Eine Stelle noch für meine Tränen, Eine Welt für meine Liebe fand, Da zur Sonne noch mein Herz sich wandte, Als vernähme seine Töne sie, Und die Sterne seine Brüder nannte Und den Frühling Gottes Melodie, Da im Hauche, der den Hain bewegte, Noch dein Geist, dein Geist der Freude sich In des Herzens stiller Welle regte, Da umfingen goldne Tage mich. Wenn im Tale, wo der Quell mich kühlte, Wo der jugendlichen Sträuche Grün Um die stillen Felsenwände spielte Und der Aether durch die Zweige schien, Wenn ich da, von Blüten übergossen, Still und trunken ihren Othem trank Und zu mir, von Licht und Glanz umflossen, Aus den Höhn die goldne Wolke sank - Wenn ich fern auf nackter Heide wallte, Wo aus dämmernder Geklüfte Schoß Der Titanensang der Ströme schallte Und die Nacht der Wolken mich umschloß, Wenn der Sturm mit seinen Wetterwogen Mir vorüber durch die Berge fuhr Und des Himmels Flammen mich umflogen, Da erschienst du, Seele der Natur! Oft verlor ich da mit trunknen Tränen Liebend, wie nach langer Irre sich In den Ozean die Ströme sehnen, Schöne Welt! in deiner Fülle mich; Ach! da stürzt ich mit den Wesen allen Freudig aus der Einsamkeit der Zeit, Wie ein Pilger in des Vaters Hallen, In die Arme der Unendlichkeit. - Seid gesegnet, goldne Kinderträume, Ihr verbargt des Lebens Armut mir, Ihr erzogt des Herzens gute Keime, Was ich nie erringe, schenktet ihr! O Natur! an deiner Schönheit Lichte, Ohne Müh und Zwang entfalteten Sich der Liebe königliche Früchte, Wie die Ernten in Arkadien. Tot ist nun, die mich erzog und stillte, Tot ist nun die jugendliche Welt, Diese Brust, die einst ein Himmel füllte, Tot und dürftig, wie ein Stoppelfeld; Ach! es singt der Frühling meinen Sorgen Noch, wie einst, ein freundlich tröstend Lied, Aber hin ist meines Lebens Morgen, Meines Herzens Frühling ist verblüht. Ewig muß die liebste Liebe darben, Was wir lieben, ist ein Schatten nur, Da der Jugend goldne Träume starben, Starb für mich die freundliche Natur; Das erfuhrst du nicht in frohen Tagen, Daß so ferne dir die Heimat liegt, Armes Herz, du wirst sie nie erfragen, Wenn dir nicht ein Traum von ihr genügt. Friedrich Hölderlin (* 20.03.1770, † 07.06.1843)

Freitag, 30. April 2021

Immer noch auf der Suche

Bin ich eigentlich innerlich schon abgestorben? Wie merkt man das, woran kann man es fest machen? Wenn man zerbrochen ist, wie äußert sich das? Ich frage mich das in diesen Tagen öfter. Ich hebe den Blick und sehe andere, die ich diesbezüglich genauso wenig deuten kann. Nichtsdestotrotz frage ich mich, wie ich mein Seelenleben reaktivieren und neu beleben könnte. Es ist die Substanz, auf die alle zurück geworfen sind. Das Ego, der Blick aus den eigenen Augen. Ich will von der Funktion wieder zum Mensch werden. Man vergleicht sich: Relativ habe ich das immerhin erreicht, freilich um den Preis des Armseins. War und ist das alles nur ein Traum? Eine Täuschung? Etwas, was eine gewisse Religion unter dem Begriff „Fata Morgana“ vermutete? Wird man wirklich so schnell älter, wie ich das jetzt wahrnehme. Woran liegt es, dass mir das immer bewusster wird? Ja klar, es gibt all diese oberschlauen Erklärungen. Rein mathematisch schon wird die Zeit immer kürzer….etc. Aber dass ich dermaßen in den Abgrund rutsche….?

Donnerstag, 29. April 2021

Deep Blue (Lyrikversuch)

EARL GREY (Deep Blue) You are the deep Blue you drive me into deep waters see me in my own Blue fly with me into wet clouds some lions have scary eyes some women look like her lies yearning is drawing me turning me out into quiet cries this is a sign of god he does not want to drive me crazy they all are takeing me for odd I do not play no rock'n roll when the night was young we went up on that dark mountain we loved the lines we sung we pe rsumed that we not fool'em That was a right mistake made by me they all are taken herselves for free this was no real play by me so nice some lions

Mittwoch, 28. April 2021

Macht ausüben

Natürlich ist das meine völlig subjektive Sicht auf das, was Öffentlichkeit in Deutschland sein könnte: Da ist einer, der in der Schmollecke steht und einer Zeitung sein Leid klagt, bei der Postenwahl nicht zum Zuge gekommen zu sein. Dass er dabei auch sein Mannsein anführt: entspricht meinen Beobachtungen, scheint derzeit tatsächlich so zu sein in dieser Republik. Natürlich wurde oft das Märchen vom „Machen“ erzählt, das im neudeutschen Jargon „Gestalten“ heißt und in Wirklichkeit „Macht ausüben“ bedeutet. Der Kandidat von der lange in politischer Funktion stehenden und tief ins politische Unterholz verstrickten Partei hat in seinen Hahnenkämpfen und Pandemieaktivitäten nicht gerade die beste Figur gemacht, hat sich aber im repräsentativen Ränkespiel durchgesetzt. Das gilt in dieser Gesellschaft, das ist wichtig: sich durchsetzen. Wir standen dabei und sollten staunen…. Währenddessen kocht eine Pandemie weiter und breitet sich ganz besonders gut über einer von mir so empfundenen und nun zentralistisch geregelten Untätigkeit und Lädeligkeit aus. Wir sehen in Indien die Leute sterben... überall in Europa wird gelockert und geöffnet, während die Inzidenzzahlen immer noch sehr hoch sind. „Frühling lässt sein schwarzes Band...“. Es soll jetzt bei uns nun endgültig zum Impfturbo kommen, ich bin aber erst Ende Juni dran. Die Priorisierungsdebatten werden wohl allzu rechtzeitig geführt. Kinder unter 16 Jahren scheinen sie aber ganz vergessen zu haben. Die Standardformulierung heißt hier „...Studien…..sind unterwegs“.

Montag, 26. April 2021

Von dr Alb ra.....

Der Älbler (als Typus eines Bewohners der Rauhen Alb) ist primär darauf gerichtet, auch unter rauen und steinigen Bedingungen zu überleben. Er ist oft wortkarg und spröde. Die plaudernde Unterhaltung liegt ihm nicht, er will möglichst effektiv Informationen übertragen und harte Bretter bohren. Alleine zu sein macht ihm scheinbar nichts aus, er kann auch aus sich selbst heraus existieren. Früher oft mit Landwirtschaft beschäftigt, ist er nun mit nachgeordneten Logistik-Jobs in mittleren, herunter gekommenen Kommunen zufrieden, kämpft beständig um das Überleben, was einem „Unterländer“ fremd bleibt, weil dieser als solcher Sicherheiten hat und glaubt, dass ihm dieses Wohlfühl-Überleben selbstverständlich zustünde (weil er ja in einem tollen Wirtschaftsraum lebt). Das harte Leben, das harte "sich durch's Leben schlagen" freilich dominiert die Älbler, obwohl ihr Wohnraum früher einmal als prosperierende Region galt und beispielsweise mit Textilwaren (inzwischen fast alle nach Südostasien ausgewandert) auch großen wirtschaftlichen Erfolg hatte. Die Leute der aktuell wirtschaftlich erfolgreichen Regionen deuten die Alb aber als „Wildniss“ und „Biotop“.

Sonntag, 25. April 2021

Autofahrer revisited

Ich weiß nicht so recht, was das soll: Bevorzugt am Wochenende werden auf nahezu allen TV-Kanälen Supersportwagen „getestet“. Mit Kennermiene belobigt werden dann Fahr- oder Bremsverhalten, Straßen- und Kurvenlage, Aussehen usw. Man sieht die „Tester“ um die Ecke brausen und hört sie vor lauter Vergnügen stöhnen. Der Umschnitt erfolgt dann meist in die Fahrkabine direkt neben dem Fahrer, der dann Stories darüber erzählt, was jetzt alles an dem aktuell gestesten Modell wieder besser als beim Vorgänger sei, als beim Vorgängermodell....und überhaupt Ob das alles Werbung sein soll? Indirekt? Marketing? Ob auf diese Weise dem „Verbraucher“, der niemals auch nur die Chance haben wird, ein solches Auto zu fahren, der staunt und sehnsüctig wünscht, der Mund wässrig gemacht werden soll? Auf jeden Fall kommen mir diese Szenen und Features vollkommen lebensfremd vor....

Valerie (25)

Er hätte auch anhalten können, um ihr unumwunden unter die Bluse oder zwischen die Beine zu greifen. So etwas musste absolut nicht entwürdigend sein, auch in dieser gegenwärtigen Situation. Aber dazu fehlte ihm im Moment der Mut, er dachte sich zu viel dabei, er musste sich erst mal wieder in ein Lochfallen lassen, die Leere der Lehre nutzen und sich als Nichts in Luft fühlen, was ihn schon so manches mal hatte in die Höhe heben können…..- oder in die Tiefe. Draußen zog die Welt wie auf einer riesigen Kinoleinwand vorbei und er begnügte sich mit der Kameraführung, wollte nicht Regie führen. Wind war aufgekommen und bog die Bäume, so dass sie alle in eine Richtung zeigten. Blaue Wolken, weiß umsäumt, glitten vorbei. Dazwischen die Sonne in ständig neuer Konstellation, ihre Intensität und Gegenwart ändernd, zeitweise verschwunden hinter ihrer eigenen Undurchdringlichkeit, zeitweise auch unerträglich hell leuchtend. Die Blätter der Laubbäume glänzten und glichen hellen Punkten auf dunkelgrün verwaschenem Samt.

Samstag, 24. April 2021

Wo sind wir, wer sind wir, wo sind wir?

Überall lächelnde Gesichter. In den Medien der reichen Industrieländer muss man das schaffen, sich zu einer solch optimistischen Pose zu zwingen, das weiß ich auch. Man darf sich als Lokomotive des Zeitgeists fühlen. Es ist geradezu Konvention, ein Muss. Doch es erzeugt ein Gefühl der maximal ausgeleuchteten Lüge und des alltäglichen Heuchelns. Man wähnt sich auf einem Gleitfilm, der jederzeit reißen könnte. Was das Vertrauen in die Handelnden anbetrifft, scheint mir dieser Gleitfilm derzeit sehr angespannt. Es werden hässliche Löcher offenbar, Lücken, die gewissen Geistern Unterschlupf gewähren sollten. Auch Finanzlücken, die gewisse Leute absaufen lassen könnten. Es wird dies alles als eine Art „Kollateralschaden“ mitgeschleppt. „Muss halt sein“ und ähnliche Phrasen umstellen diese Gegebenheiten einstweilen noch. Okay, es ist nicht alles schlecht, manches ist vielleicht sogar gut. Aber es könnte besser sein. „Die Stars“ stehen im Mittelpunkt und es erheben sich Fragen wie „Wer mit wem?“, „wer hat sich von wem getrennt?“, Was bahnt sich zwischem wem an? Was ist die geschätzte Promi-Meinung? Wer von den „Stars“ findet was wie….? Welche Vermutung geht da um? Wie sieht eigentlich XX im Alltag aus? Ja klar, manche brauchen diese Schlüssellochschauereien, aber wie hoch ist der Preis dafür, ist er gerechtfertigt? Oder gehört er zu jenem oben beschriebenen Film, der die Wirklichkeit überzieht und durchaus etwas von „Fake News“ hat? Ob der nächste Schritt der ist, dass wir diese Ebenen gezielt verwechseln (sollen)? Wenn wir das alles brauchen: aus welchem Grund? Wer hat das verboten, sich Gedanken darüber zu machen?

Freitag, 23. April 2021

Zeit (Lyrikversuch aus alten Zeiten)

Zeit -- wenn sie kommt, ist sie sexy wenn sie steht, wenn sie geht Ist sie wie ein Wasserfall Raus – - aus dem Haus auf die Straße die du suchst und verfluchst je nach Stimmungslage Test --- auf den Rest deiner Tage Die du spürst, die du kürst zum Preis deiner Liebe Nichts --- ist so klar wie ein Auge das geschickt in sich blickt und versinkt in einem Spiegel (als/im Abglanz eines Spiegels) Herz -- im Gewühl von Gedanken die sich drehn und vergehn vor dem Ziel einer Suche Licht --- auf dem Stück eines Weges der ansteigt und abzweigt und sich verliert in Kurven Sand - und der Rest deiner Spuren Droh’n dir an, kalten Wahn Nässe dringt in die Seele Grau - fällt der Tag in den Hausflur Trägt mich fort an den Ort Des Verrats meiner Träume Blick -- in den Grund einer Frage Die uns quält, die uns stählt Zum Clown eines Begehrens Fort - treibt der Mond deine Sorgen Führt dich leis immer im Kreis Und verlässt dich ungeboren (aus alten Zeiten)

Donnerstag, 22. April 2021

Demokratieanschauung

Was war das denn? Wir lernen hinzu. Zu dem, was Demokratie ist. Es hat hierzulande mitten in einer tödlichen Pandemie (es wird im Ausland offenbar vor Deutschland als "Reiseland" gewarnt, es sind ja schon weit mehr als 80 000 Mitbürger an und mit dieser Corona-Pandemie gestorben) in einer Partei ein großer Hahnenkampf stattgefunden, dem ein wochenlanges Ringen zwischen zwei Rivalen voraus gegangen war, in dem es erstaunliche Parteinahmen und öffentliche Bekundungen gab. Es kam dann nach langer Auseinandersetzung schließlich zu einer Entscheidung. Und jetzt? Sollen sich qua demokratischer Grundregel alle auf die Seite des Erfolgreichen schlagen und sich ihm in all seinen Überzeugungen anpassen. Wer ist "alle"? Einfach alle Parteimitglieder und/oder die Granden? Repräsentieren sie in einer "repräsentativen Demokratie" diejenigen, die zu entscheiden haben, die Macht ausüben? Und was ist mit all den katastrophalen Fehlentscheidungen in der Pandemie? Demokratie scheint in diesem Falle jedenfalls ein institutionalisierter Anpassungsprozess zu sein: Wir schlagen uns auf die Seite der Gewinner, koste es, was es wolle. Auch die eigenen Überzeugungen. Wenn ich das richtig mitgekriegt habe, so wurden noch am Abend der Entscheidung solche Wendemanöver unter dem Anschein gut verstandener Demokratie vollzogen.

Dienstag, 20. April 2021

Demokratie und Markt

An das Folgende erinnere ich mich aus Vorlesungen und mische es mit aktuell Gelesenem, mit Notizen oder am Bildschirm Verfolgtem: Der Bürger solle sich ruhig verhalten. Er dürfe ja alle vier Jahre seine Stimme abgeben und solle ansonsten die Sache der Gemeinschaft „den Profis überlassen“, wie es Christian Lindner ausdrückte. Wie verhält sich wohl eine solche Einstellung mit der Vorstellung des „mündigen Bürgers“? Die Demokratie beruht ja auf der Voraussetzung, die sie selbst herstellt: den mündigen Bürger. Dem stehen hohe Bestechungsmechanismen (Lobbyismus?) und zahlreiche kurzfristige hedonistische Vergnügungen gegenüber. „Es ist bequem, unmündig zu sein“ meinte ein großer deutscher Philosoph dazu. Ob es um die Voraussetzungen einer Mündigkeit geht, ob es um die Kontrolle von Herrschaft und die Unterwerfung der Staatsapparate unter den Willen der Bürger geht? Oder ob das in unserer heutigen Realität weitgehend ausgeblendet erscheint?. Der einzelne Bürger überblicke die Komplexität der gestellten Aufgaben keinesfalls, so das heute oft vorgetragene Credo. Die Idee des mündigen Bürgers habe sich in vielerlei Hinsicht überlebt. Bürger hätten weder das Wissen noch die Interessen zur Mitbestimmung. Sie seien gekennzeichnet durch Ignoranz, Apathie und Vorurteile und hätten einen eklatanten Mangel an Denk- und Handlungsfähigkeit. Die breite Öffentlichkeit bestehe aus unwissenden und lästigen Außenstehenden, deren Rolle in einer Demokratie die der Zuschauer sein müsse, keineswegs aber die der Mitwirkenden. Der Bürger solle Aufgaben der Mitwirkung und der Selbstbestimmung lieber jenen überlassen, die aus der Verwaltung kommend sich berufsmäßig damit befassen. Ob das Konzept einer „illiberalen Demokratie“, wie es etwa der ungarische Häuptling Orban vertritt, damit etwas zu tun hat und ob es weitgehend solchen Einstellungen entspricht? Ob es darum geht, Eliten aus einem vorgegebenen Elitenspektrum auszuwählen und sich als „Normalo“ darüber hinaus auf die kleine überschaubare Privatwelt zu beschränken? „Think Tanks“ sollten in einem solchen Demokratiemodell wohl eine wichtige Rolle spielen: Experten. Sie sollen vor allem den Standpunkt der Wissenschaft (gibt es den als einen einzigen?) in den Entscheidungsprozess hinein tragen. Beispielhaft kann dies derzeit an der Rolle von Virologen und Epidemologen gezeigt werden. Sie füllen die Rolle der „Berater“ aus, die die gewählten Entscheider (Politiker) zu ihrer Entscheidung befähigen. Der Bürger solle seine Stimme lediglich im Vierjahresturnus jenen verleihen, die „Verantwortung“ ausüben, die durch ihren Werdegang und ihre Ausbildung ihr Wissen um gewisse Zusammenhänge vertiefen konnten und meist aus der akademischen Sphäre stammen. In der Zusammenschau könnte so etwas bedeuten: Demokratie kann nur funktionieren, wenn sie keine ist. Was aber, wenn es darum geht, Machtausübung effizient zu organisieren und sie gleichzeitig wirksam zu kontrollieren? Wer soll das leisten? Ob es, wie im Neoliberalismus oft behauptet, um die effizienteste Lösung geht, die stets ein Markt herbei führt („marktkonforme Demokratie“)?

Montag, 19. April 2021

Gewohnheiten

Über Gewohnheiten zu schreiben, ist nicht gerade sexy, - ich weiß. Auf der Universität hieß es, Dinge wissenschaftlich zu betrachten, hieße, das Ungewöhnliche am Gewöhnlichen und das Unalltägliche am Alltäglichen heraus zu arbeiten. Dinge systematisieren - und all das. Ein Problem scheint mir aber zu sein, dass wir das Gewohnte viel zu sehr gewohnt sind. Gerade weil Gewohnheiten Teil des Alltags sind, kommen wir nicht auf die Idee, sie zu analysieren. Handlungen scheinen ganz und gar natürlich geworden zu sein, sie scheinen in das Unbewusste übergegangen zu sein und danach aus ihm zu kommen, um uns das Handeln aus der Macht des Faktischen und der „Normalität“ heraus zu diktieren. Durch Wiederholung und körperliches Gefühl scheinen sie das geworden zu sein, als was sie dann erscheinen. Sie sind in Fleisch und Blut übergegangen, in die Nebel dessen, was unser Handeln unbewusst zwischen Trieben und Vergangenheiten bestimmt.

Sonntag, 18. April 2021

Mainstream und Internet

Social Medias und Blogs tragen im Internet wohl eher zur Banalisierung des Einzelnen bei, - sie sind Erleichterungen und gleichzeitig geöffnete Schleusen. Der „Einzelne“ (die „Person“) scheint ohnehin selbst sehr stark zu dieser Entwicklung beigetragen zu haben, indem nämlich heute auch scheinbar lyrische Texte genauso wie Musik industriell, arbeitsteilig und geradezu maschinell hergestellt wurden und zunehmend werden. Der Druck auf die Tränendrüse ist etwas Gekonntes. Der Wutausbruch wird planmäßig herbeigeführt (jeweils beim „Durchschnittsuser“). Die Aufmerksamkeit wird genauso gelenkt wie die Aufmerksamkeit. Die Lüge beherrscht unmerklich vorrückend und die Gedanken verschleiernd das Feld, die durch nicht nachprüfbare Fakten gestützte Schwurbelei und Schwafelei inszeniert sich unbemerkt. Es herrscht das Kollektive, die immanente Manipulation, der Schwarm, die Masse, „Big Data“, der Algorithmus, das kalte Berechnen, - auch gerade der Emotionen. Mainstream, Avarage rules!

Freitag, 16. April 2021

Auf zu den Sternen

Aus Zufall hinein getappt, sagen „die Stars“ lächelnd über sich selbst und ihre Existenz. Geben sich ungläubig. Du sitzt genauso ungläubig dabei. Wie ging das? Karma? Zufall? Bestimmung? Andere sinnieren auch darüber nach. Du hattest lange Zeit, die „großen“ Prominenten zu lesen oder sogar mit ihnen zu sprechen. Sie schrieben und schreiben, du schreibst und schriebst so etwas wie Journalismus, - und kriegtest doch nichts zustande. Hast nie etwas zustande gebracht. Andere klingeln mit Worten. Du findest genau das widerwärtig. Faselst in dich hinein aus dir heraus. Unbemerkt. Was weißt du über Musik? Über das, was sie „Kultur“ nennen? Dass man um ein Urteil kämpfen muss, dass so viele Faktoren eine Rolle spielen für den Ausdruck. Es hat dich von Anfang an interessiert, schon als du 15 warst, warst du da dabei. Gestalten haben dich umschwirrt. Warst jung, hast die Welt vor dir gehabt. Hast die Illustrierte mit Sophia Loren wie eine Reliquie vor dir hergetragen. Wenn ich erwachsen sein werde, so hast du dir gesagt, dann will ich auch dazu gehören zu diesem Spiel. Dann wird sie (oder so eine...) zu mir gehören. Dann werde ich dieses herrliche Weib irgendwie in mich verschlingen.... ich wurde begierig, ich wurde spitz..., - und jetzt? Bin ich müde geworden. Habe mir nie vorgestellt, einmal müde werden zu können. Ich würde die Welt erobern, sei würde mir gehören, quasi naturgemäß, - so versprach ich mir selbst. Weil ich es bin. Der alte Kinderglauben. Es schein mir alles offen zu stehen... Ich wusste nichts über die Machtverhältnisse dieser Welt und wem dadurch die schönen Frauen gehören, alles Schöne. Du würdest inzwischen gerne einmal die Zeit anhalten, festhalten. Sie in dich hinein holen. Deine Kindheit und Jugend in dich herein holen. Eine ganze Persönlichkeit werden. Eine komplettere. Durch dich selbst. Aus sich selbst. „A la recherche....“

Mittwoch, 14. April 2021

Sinnsuche

Natürlich suchen wir alle nach dem Sinn in unserem Leben. Ein sinnloses Leben ist ein schwer zu ertragendes, wenn überhaupt zu ertragendes Leben. Also schafft sich jeder seine eigene Wirklichkeit, die in mancher Hinsicht eine familiäre, gesellschaftliche und idiologische Wirklichkeit. Jeder hat die Ansicht, dass seine eigene Wirklichkeit die wirkliche Wirklichkeit sei. Jeder, der sie anders sieht, ist „verrückt“. In diesem Zusammenhang mag sich auch ein Blick in den „Steppenwolf“ von Hermann Hesse lohnen, in dem es genau um dieses „Verrückt sein“ geht. Jedenfalls ist es so, dass das, was für den einen Unsinn ist, für den andern Sinn bedeuten. Was für den andern Sinn hat, ist für den ersten unter Umständen Unsinn. Ein Hinweis darauf ist, dass in verschiedenen Kulturen ein und dieselbe nonverbale Kommunikation eine ganz andere Bedeutung haben mag. Z.b. wird in Griechenland mit Kopfnicken ein „Nein“ angezeigt. Es gibt viele weitere Beispiele dieser Art. Ein mittlerweile viel beobachtetes Phänomen in unserer Gesellschaft kann es sein, dass die persönliche Wirklichkeitskonstruktion zusammen gebrochen ist (meist durch gravierende Ereignisse…). Durch Einführung einer anderen, neuen Wirklichkeitskonstruktion kann hier wohl geholfen werden, so las ich und so werben wohl vor allem Psychotherapeuten für sich.

Montag, 12. April 2021

Resonanzboden

Der Publikumsraum in den Stadien ist wichtig in unserer Gesellschaft, weil er ein Raum von Affekten ist, von Gefühlen und starken Ausdrücken. Eine Bühne dieser starken Ausdrücke und Selbstverständigungsgesten zu geben, das will diese Gesellschaft. Findet sie sie nicht, sucht sie sich einen Platz dafür. Kultur wäre in diesem Zusammenhang auch sehr wichtig, denn sie ist ein Ort der friedlichen Auseinandersetzung. Doch derzeit empfinden wir uns als machtlos: Das Virus mitsamt seinen Mutationen verbreitet sich entlang globaler Lieferketten rasend schnell. Die bisher immer als positiv geschilderte „Vernetzung“ verkehrt sich in ihr Gegenteil und stellt das anscheinend als ewig Gegebene in Frage. Krise als Chance und Weckruf, um die globalen Exzesse der Ökonomie abzubremsen? Solidarität? Gemeinsame Sensibilität dafür, was wirklich wichtig sei? Mehr Achtsamkeit? Zuhause bleiben, um diese Situation neu zu empfinden?

Sonntag, 11. April 2021

Wie man dieses Blog nutzbar machen könnte

Wie man dieses Blog nutzbar machen könnte: Ganz normal kann/könnte man die neuesten Beiträge lesen und sich an der Zeitleiste entlang hangeln, um „ganz normal„ meinen Kommentaren zum Lauf der Zeiten folgen. Dann freilich könnte man zurück kehren und sich die Beiträge zu einem bestimmten Thema anzeigen lassen, indem man diesen Punkt auf der Tag-Liste anklickt (unter „Labels“). Auf dieses Klicken hin werden alle Beiträge zu diesem Thema angezeigt, quer durch alle Zeiten. Da dieses Blog auf einen inzwischen recht groß gewordenen „Content“ zurück greifen kann (um dessen am Tag ausgerichteten Inhalte es mir manchmal leid tut), mag der nun angezeigte „Content“ wiederum recht groß sein. Dem Prinzip der Querverästelung bzw. Vernetzung folgend könnte nun wiederum auf der Auswahl der unter „Labels“ genannten Stichworte ein weiteres Thema gewählt werden, zu dem wiederum viele meiner Beiträge zu diesem Thema aufgeführt werden. Unter dem ganz oben aufgeführten Punkt "Alle aufführen" kann jederzeit zum Ausgangspunkt zurück gekehrt werden. Auf diese Weise könnte mit der Zeit meine Person als Stellvertreter von vielen besser erkennbar werden, eine Erkenntnisweise samt deren subjektiven Eigenheiten, die dem Lesenden und dem Schreiben gleichermaßen etwas bringen könnte („Win-Win-Situation“). Es könnte etwas dabei heraus kommen, das einer zeitgemäßen Art des Buchlesens entspräche und einer Einladung zum „Schmökern“ gleich kommen könnte.

Samstag, 10. April 2021

Staatliches Handeln

Erstaunlich, dass es angesichts einer Frage um Leben und Tod ein staatlich inszeniertes Innehalten und Nichtstun geben soll. Die Damen und Herren Entscheider scheinen wohl vor allem erst mal abwarten zu wollen, während zu viele Menschen auf den Intensivstationen qualvoll verrecken. Die hierarchischen und bürokratischen Strukturen scheinen in diesem Staat so dominant zu sein, dass sie sich auch über Fragen nach Leben und Tod hinweg zu setzen vermögen. So etwas wie Flexibilität scheint auf diesem Wege nur in sehr beschränktem Umfange möglich zu sein. Dazu passt auch eine Pressekonferenz, die nicht Informationen vermitteln, sondern sie offenbar verhindern soll. Berechtigte Nachfragen werden hinter die routinierten Phrasen ins Nichts („dazu kann ich Ihnen heute nichts mitteilen...“) oder auf ein bürokratisches Terrain abgebogen, auf dem es vor allem um in tiefer Gleichgültigkeit behndelte Kompetenzfragen zu gehen scheint.

Freitag, 9. April 2021

Passanten (Text)

PASSANTEN Du gleitest Du gehst Du stolperst Du stehst plötzlich hier und da und dort du kommst aus dem Schweigen wir sind Passanten Ein Taumeln ein toter Vogel schaut dich an in diesem einen Moment tausend Küsse tief in Dir brennt ein Verlangen wie süßes Gift Ein Lächeln eine Lüge ein Sprechen ein blaues Geheimnis ein Gedanke ein Gefühl ein Bedauern ein roter Augenblick Etwas lenkt mich und zieht mich into a hidden place etwas denkt mich und sticht mich into a secret place etwas sieht mich aus sich selbst into an eternal race von hier und nach dort es treibt ihn into a lilac haze Refr, Du zahlst und merkst bald dein Verstand löst sich auf du schwörst und fühlst bald das Nichts greift nach Dir Du denkst hälst dich fest die Nacht fällt ins Meer du sprichst und erwachst und fühlst dich so leer

Donnerstag, 8. April 2021

Auf zu den Wahlen!

Im Grunde glaube ich, dass das politische Personal, das sich im Herbst der „demokratischen“ Wahl stellt, dieser Aufgabe nicht gewachsen ist und/oder sich in einem klar definierten Interesse (das oft genug mit einem "Gemeinwohl" nicht viel zu tun hat) äußert und handelt. Ich halte diese Leute und die Kräfte, in deren Interesse sie handeln (Die Korruptionsaffären dürften meiner Einschätzung nur die Spitze des Eisbergs und keinesfalls die vielbeschrieenen „Einzelfälle“ sein!) für mich (!) nicht wählbar und erschrecke ob so viel einfältiger Unfähigkeit. Es hat sich ein selbstzufriedenes Abgehobensein und ein in Selbstbedienungsmentalität abgefedertes „Die-Pfründe-sichern“ in das Parlamentspersonal eingeschlichen, das für mich ganz und gar unerträglich ist. Dass Parteien bei der Willensbildung des Volkes mitwirken sollen, steht im Grundgesetz. Dass sie diese Willensbildung aber inzwischen für sich und in ihrem eigenen Interesse für sich kanalisieren, unterhölt diesen Passus stillschweigend. In öffentlichen Diskussionsrunden (sog. „Talkshows“) offenbaren diese Leute, die sich jederzeit zur „Elite“ zählen und meist nur mit ihrer „Durchsetzungskraft“ Parteikarriere gemacht haben, ihre grenzenlose Dummheit und Unbeholfenheit, die sich zu Coronazeiten gerne des Corona-Arguments als Entschuldigung für alle Lebenslagen und Versäumnisse bedient („Für uns ist das auch neu“, „wir waren noch nie mit etwas Ähnlichem konfrontiert“ etc. und sich dafür von ihrem Claqueuren beklatschen lassen:, „In dieser Haut möchte ich nicht stecken“, „ein schwieriger Job...“ etc.) etc.. Ja, ich unterstelle der Klasse der Entscheider eine hohe Unfähigkeit, die sich unter anderem von uns „Normalbürgern“ unter anderem darin unterscheidet, dass sie auf einen riesigen Beraterstab von Wissenschaftlern, Zuträgern aller Art und Wichtigtuern jeder Disziplin zurück greifen kann.

Mittwoch, 7. April 2021

Hedonistendekadenz

Haha, die Klasse der sich selbst feiernden „Intellektuellen“ preist jetzt ihr hedonistisches Leben abseits der Pandemie. Dass der Staat kein Recht habe, Grundrechte zugunsten einer kleinen Menge von kranken Leuten einzuschränken, so habe ich vernommen. Auch dass der Tod zum Leben gehöre, sei keine neue Erkenntnis, auf die man bestehen solle. Den Sinn einer Corona-Eindämmung sehe man nicht ein, weil das Leid, dass dadurch angerichtet werde, größer sei, als das Heil, das dadurch hervor gerufen werde. Es beschleicht mich der Verdacht, dass diese Schicht von Leuten sich ihren Spass über ihr Geld und ihren bürgerlichen Status auch zu jetzigen Zeiten jederzeit beschaffen (oder...kaufen…?) können. Schon im kleinsten Verzicht auf hedonistischen Spass sehen sie offenbar eine Einschränkung ihrer bürgerlichen Grundrechte. Ob das relativ dekadent ist? Man wird Fragen gegenüber Leuten stellen dürfen, die ihre Ansichten lautstark, rücksichtslos und medienwirksam vortragen. Nun, wenn der Tod zum Leben gehört, dann will ich nicht dabei sein, wenn solche Personen in seine Nähe kommen und dann mit all der Power ihrer bürgerlichen Existenz nach möglichst kompetenter (Einzel-) Behandlung rufen, ja, sie mit all ihrer Energie verlangen.

Dienstag, 6. April 2021

In der Arena (Text)

Man erwartete Tausende an diesem Tag im August. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn und blickte mich um. Die Ränge waren leer. Niemand im weiten Rund. Das war schon vorgekommen, kam eigentlich jeden Tag vor, das wusste ich. Das Interesse der Zuschauer hatte allgemein nachgelassen in letzter Zeit. Einige vermuteten, es hätte eigentlich nie richtig Bestand gehabt. Dies war jedoch die Meinung einiger unverbesserlicher Pessimisten und einen solchen Luxus wollte ich mir, für meine Person, noch nicht leisten. Außerdem waren die Spitzenkämpfe ja nach wie vor bestens besucht. Ich selbst war ja noch in einem Alter, das zu "gewissen Hoffnungen" Anlass gab. Jawohl, genauso hieß es in den offiziellen Verlautbarungen des Verbandes "über die allgemeine Situation des herangewachsenen Nachwuchses". Man hatte ja auch in mich investiert und nach gewissen statistischen Berechnungen war die Möglichkeit meines Erfolges größer als die meines Scheiterns. So investierte man also, ohne es eigentlich zu wollen. Natürlich hatte ich ein Recht darauf, man hatte ja lange darum gekämpft. So ging alles seinen vorgezeichneten Weg. Mancher hatte Pech und wurde gleich in die unterste Kaste eingestuft. Viele drängten sich direkt auf oder kämpften sich den Weg auf andere Art frei. Dass man dabei vor nichts zurückschrecken dürfe, war die einzige Regel, die galt. Wieder Andere hatten die sogenannten Stammplätze. Und dann gab es die, welche überhaupt keine Plätze belegt hatten. Es war nun niemand klar, wie diese Individuen einzustufen seien, zumal sie sich einer solchen Einschätzung immer wieder entzogen und die Qualifikationsrunden einfach keinen Aufschluss darüber gaben. Es wurden nun Schaukämpfe inszeniert, durch welche sich diese gemäß dem Beifall des Publikums qualifizieren konnten. Dieser wurde an der Anzahl der Münzen, die in die Mitte der Arena geworfen wurde, zuverlässig abgelesen. So konnte man über die Hoffnungsrunde direkt zu den Endkämpfen aufsteigen. Es war dies durchaus nicht das Übliche, trotzdem fand niemand etwas dabei. Außerdem war von den Ausrichtern verbreitet worden, jeder könne per Los an dieser Hoffnungsrunde teilnehmen, wenn er nur wolle. In Wirklichkeit war es doch so, dass nur sehr wenige die Chance hatten. Man munkelte, dass selbst die Veranstalter diese Teilnahmebedingungen nicht mehr genau kannten, was Leuten wie mir zu Möglichkeiten verhalf. Ich hatte lange zu denen gehört, die mit denen sympathisierten, die dies alles neu organisieren wollten dergestalt, dass jeder die gleiche Chance hätte, - oder doch zumindest die Teilnahmebedingungen einigermaßen klar wären. Man sah jedoch diejenigen, die am lautesten dafür eintraten, selbst langsam zu den Verbandsfunktionären aufrücken, oder sich in ihre eigenen Märchen einspinnen, auf deren Gültigkeit sie dann bei jeder Gelegenheit bestanden. Sie gaben sich dadurch auf eine gewisse Art dem Publikum preis, das dies seinerseits nicht honorierte. Die Einzeldisziplinen hatte ich immer den Mannschaftsdisziplinen vorgezogen, was meine Trainer schließlich akzeptierten, nachdem diesbezügliche Versuche immer gescheitert waren. Und so stand ich nun bei halb aufgeblendetem Flutlicht alleine in der Arena. Wann der Kampf begonnen hatte, das hatte ich längst vergessen. Ich wollte nur noch irgendwie über die Runden kommen, überleben. Das Rückgrat schmerzte inzwischen, es hatte schon viel aushalten müssen. Die Wunden brannten allmählich immer mehr, trotz des Sprays, dem meine Trainer extrem schmerzstillende Wirkung zumaßen, wenn sie mich in den Pausen damit einsprühten. Ich fürchtete den Zeitpunkt, zu dem ich den Schmerzen nachgeben würde. Ich wollte nicht mehr nur siegen, aber ich wollte auch nicht verlieren. Nur durchkommen, auch wenn die Gefahr bestand, dass man sich selbst am Ende nicht mehr wiedererkannte. Ich war getrieben, aus Angst, aus Verzweiflung, aus Begeisterung, und sollte immer mehr an die Grenze, den Abgrund gehen. Mein Gegner tauchte auf, verschwand wieder, manchmal in Begleitung, manchmal alleine war er doch auf eine Weise, die mich verunsicherte, präsent. Er schien der Siegertyp, zeigte doch ab und zu zeigte er kleine Schwächen, Stellen, an denen man ihn treffen konnte, was ich sofort als meine Chance identifizierte. Diese kostete Überwindung, und ich musste mich manchmal selbst vergessen, um mich in der Konzentration auf die Schwächen meines Gegners wiederzufinden. Am Horizont begannen die Vorbereitungen zu einer Siegesfeier. Ich wusste, wenn es wieder einmal keinen Sieger geben würde, einigte man sich auf einen provisorischen Übergangssieger, denn die Siegesfeier war eigentlich wichtiger als der Sieger selbst. Man interessierte sich nur für die Bilder, die eiligst von ihm angefertigt wurden, die der Held dann auch in aller Regel schnell unterschrieb und als Autogramme in der Menge verteilte. Aber bis dahin war noch ein weiter Weg für jemanden, der zuviel zweifelte, zuviel zögerte, wie meine Trainer sagten. Und so musste ich mich immer wieder auf unterer Ebene qualifizieren, kam voran und blieb doch stehen. Er verhielt sich äußerst flexibel und griff mal von dieser, mal von jener Seite an. Dabei versuchte er mich dort zu treffen, wo ich bereits verwundet war, setzte geschickt seine Finten und ließ mich von Zeit zu Zeit recht schlecht aussehen. Ich hatte mir jedoch Routinen angeeignet, die mich immer wieder vor entscheidenden Treffern schützten. Außerdem hatte ich die Qualität meines Panzers immer noch zu steigern vermocht, was sich natürlich in gewissen Situationen auszahlte. So konnte ich in den letzten Runden immer wieder aufholen, immer wieder herankommen, indem ich die Defensive in meinen Vorteil verwandelte und den Gegner in Fallen gehen ließ. Ich wusste, es würde empfehlenswert sein, beim Kampfgericht, das von den Veranstaltern vor langer Zeit eingesetzt worden war, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Zu diesem Zweck hatte man sich angewöhnt, es zu Beginn und am Ende untertänigst zu grüßen sowie seine Autorität mit Worten und Gesten zu feiern, wann immer sich die Gelegenheit bot. Ohne eigentliche Überzeugung, fast mechanisch, hatte ich anfangs diese Rituale mitvollzogen, sie mir dann aber abgewöhnt. Gegenwärtig neigte ich dazu, sie immer dann einzusetzen, wenn ich in Rückstand war und wieder aufschließen musste. Man wusste, dass vom Gericht Zusatzpunkte verteilt würden, die in der Endabrechnung entscheidend sein konnten. Es kannte jedoch niemand die genauen Kriterien, nach denen diese Punkte vergeben wurden. Und so versuchte man quasi aufgrund von Vermutungen eine gute Figur zu machen. Diese Vermutungen stützten sich hauptsächlich auf Verlautbarungen, die man den Veranstaltern zuschrieb und die nicht leicht zu verstehen und nach allen Seiten hin auslegbar waren. Im Innenraum der Arena waren auf allen Seiten Spiegel aufgestellt, die eine Orientierung erschwerten. Die Geschehnisse im Innenraum wurden durch sie scheinbar verdoppelt, ins Mehrfache gesteigert. Vorstellung und Wirklichkeit verschwammen sich multiplizierend ineinander. Dies trieb einen mitunter zur Verzweiflung, erlaubte jedoch gleichzeitig Flucht und Rückwege, auf die ja speziell meine Taktik abgestimmt war, deretwegen ich mir jedoch schon mehrere Verwarnungen wegen Passivität eingehandelt hatte. "Achtung, Achtung", so tönte der Lautsprecher: "Herr Affenmüller möge bitte zum Stadionausgang kommen, es erwartet ihn eine Überraschung!", und: "den Anweisungen des Ordnungspersonals ist unbedingt Folge zu leisten, andernfalls werden Verhaftungen vorgenommen!" Auf den leeren Rängen regte sich immer noch nichts. Vereinzelt waren Schreie, Lachen zu hören. Doch war nicht klar, von woher dies kam. Ich war auch zu sehr auf mich und diesen Kampf konzentriert, so dass ich mich nicht in der Weise darum kümmern konnte, wie ich es eigentlich wollte. Die Beunruhigung allerdings nahm zu. Man hatte in den letzten Tagen über Bestrafungsaktionen gelesen, doch wusste niemand, wieso und warum. Es hoffte nur jeder, dass es ihn nicht treffen solle, man versuchte diese Vorkommnisse so gut es ging zu ignorieren. Gong zur nächsten Runde, und ich stürzte, die Zitrone noch zwischen den Lippen, aus meiner Ecke. Mein Gegner war wieder verschwunden, was zu seiner Strategie gehörte, ich hatte mich daran gewöhnt. Vielleicht wollte er aufgeben, wahrscheinlicher war es, dass er die Absicht hatte, mich zu verunsichern. In den Spiegeln sah ich mich grinsen und wartete, wartete ............

Samstag, 3. April 2021

Die "Tüchtigen"

Natürlich war da immer schon ein bisschen Neid dabei. Die kassierten die Einser, waren in allem die Besten und oberfleißig. Wir dagegen hatten Mühe, die Mindestanforderungen zu schaffen. Eigentlich verachteten wir diese Leute, der Zeitgeist schien damals auch etwas Anderes vom Menschen zu verlangen. Da waren diese unbedingt leistungsbereiten Geister: die mussten anscheinend sein, waren uns selbst aber mindestens unangenehm. Wir nahmen sie nicht so richtig ernst. Aus heutiger Sicht jedoch scheint sich vieles geändert zu haben. Eine große Zeitung schrieb über eine für jeden sichtbare Erfolgsdame: Heute sei schnell klar, dass sie damals „schnell, intelligent, verblüffend offen und unverschämt widersprüchlich“ sei. Sie sei aber schon als Baby „sozialbegabt und süß“ gewesen, mit „pumuckelhaft großen Ohren“ und großer Nase. Später dann: „Einserschülerin, immer und überall Klassenbeste, Studienstiftung des deutschen Volkes, University in England, drei Kinder und Doktor der Chemie in Göttingen, magna cum laude, CDU-Anhängerin. Gründung eines Unternehmens auf der Basis eines Patents usw. Elite würde man so etwas heute nennen, Schwaben sagen dazu „a Käpsele“. Ich hatte nie eine Einstellung zu solchen Leuten, weil ich immer auch eine optimale Anpassung im fast Darwin'schen Sinne hinter ihrem Erfolg vermutete, was mir stets zuwider war und noch ist. Jedenfalls würde heute so jemand möglicherweise gut honoriert in zahlreichen Aufsichtsräten sitzen. Man hätte sich ein bisschen profiliert, aber nicht so, dass es die Karriere verdorben hätte. Man hätte seine Schlagfertigkeit genutzt und wäre „wichtig“ geworden. Man hätte sich als „Marke“ eingeprägt. Man hätte ein Netz von Beziehungen geknüpft, die einem später, nach diversen Eskapaden zur Schärfung des Profils, sehr zustatten gekommen wären. Man hätte ja ohnehin ein Privatgymnasium besucht und wäre Anwalt geworden. Man wäre das geworden, was die Talkshows gerne als „Persönlichkeit“ vorzeigen. Suspekt waren mir diese oberangepassten und ach so tüchtigen Personen allzumal.

Freitag, 2. April 2021

Waldgeister

Gerne bin ich im Wald. Es zieht mich immer wieder zu ihm hin. Ich spüre dann etwas, manchmal Beruhigung, manchmal Konzentration, manchmal eine Freundlichkeit,….. Es heißt, „Gutmenschen“ würden gerne die Bäume umarmen...sollen sie doch! So denke ich. Habe zwar noch kaum das Bedürfnis gespürt, aber ich könnte es mir vorstellen...jedenfalls disqualifiziert sich meiner Ansicht nach niemand damit, ...ich spüre oft die Luft, ihre Fülle, ihre Ausgeruhtheit und Gelassenheit, die sie auch bei mir selbst erzeugen kann, ich staune darüber und lasse es dabei bewenden, es braucht keine mystische Überhöhung und keine flotten Formulierungen, ich brauche auch keinen Peter Wohlleben, um das alles zu spüren, es zu genießen, es in mich aufzunehmen - ach könnte ich doch davon mehr! Da ist auch ein Feeling wie eine Ahnung von dem, was etwas Kollektives in mir früher war, eine quasi-religiöse Verbundenheit, die ja nicht sein kann und trotzdem sein darf, ich nehme dort etwas in mich auf, - durch die Luft?, - das mich stärkt und augenblicklich heraus zieht aus den Verstrickungen des Alltags. Muss ich an Klimawandel denken, an Umweltzerstörung und Beton? Ja, könnte ich! Ist aber nicht zwangsläufig. Besser ist es, in dieser herrlichen Luft aus der gängigen Zeit zu entfliehen...in Richtung der Waldfeen, Zwerge und Heiligen, wie das so vielen poetischen Geistern gerade in Deutschland schon gegangen ist.

Donnerstag, 1. April 2021

Das Vergessen......

Ob es so ist, dass man irgendwann zu vergessen beginnt? Aber genau das ist der Tod: ein Sich-selbst-Vergessen. Was immer im Tod mit uns passiert, ich bin einigermaßen sicher, dass wir als Individuum aufhören zu existieren. Die buddhistischen Mönche, die ich getroffen habe, üben dieses Selbstvergessen ja zu Lebzeiten bereits ein. Und sie behaupten, das Erreichen dieses Zustandes sei Glück.

Dienstag, 30. März 2021

Wahrnehmung 2

Fetzen. Sequenzen, scheinbar von Geisterhand gelenkte Folgen von Eindrücken. Es gibt diese Inhalte im Kopf, die uns aus den Medien umfließen und umschwirren: Die im Kopf gesammelten und gesampelten Töne zum Beispiel. Die in den Kopf eingescannten Bilder. Die im Kopf abgespeicherten Wörter und Satzfetzen. Konventionen und Rituale, die uns beherrschen und unser Verhalten lenken, ohne dass wir das merken und den Prozess als solchen wahrnehmen. In der Summe bleibt ein Gefühl des Ausgeliefertseins. Da sind kulturelle Kürzel. Andeutungen und Bilder für „Zielgruppen“. Verlockungen für Altersklassen. Chiffren, bei denen jeder weiß, was gemeint sein könnte. Diese Chiffren der Verständigung nehmen zwar im Rahmen der gesellschaftlichen Ausdifferenzierung und der Globalisierung (Globalisierung im Paradox) immer weiter ab. Doch nicht nur die Globalisierung befördert solche Kürzel, solche Verständigungspartikel. So ist beispielsweise die Sprache Englisch immer noch beherrschend in all dem, was Globalisierung bedeuten könnte. Die USA waren ja auf diesem Feld beherrschend, China folgt jetzt, bis jetzt noch ohne wahrnehmbare Folgen. Vielleicht ändert sich dies in den nächsten Jahren auch, doch einstweilen kennt die ganze Welt noch das Wort „Love“ oder „Yeah“ etc. Locker eingestreut, scheinbar ohne Sinn, ohne Message, vermag das Wort trotzdem seine Wirkung zu entfalten, - und sei es als sinnloses Kürzel, das freilich für etwas steht: für Entfremdung, Missbrauch und Bruch, Bedeutung, die sich vom Sinn gelöst hat. Laute, die gewisse menschliche Äußerungen (etwa Rülpsen, Furzen, Kopulieren, Sport, oder fragmentierte Anteile davon….) signalisieren, stehen weitgehend für sich selbst, sind meist noch nicht massenhaft missbraucht und in kulturelle Zusammenhänge gestellt.

Montag, 29. März 2021

Sanierung

 Ich wundere mich über ein Blatt, dessen Artikel mir früher einigermaßen empathisch und zumindest sozial mitfühlend vorgekommen waren. Jetzt lese ich dort einen Artikel, der die von mir in den letzten Jahren wahrgenommene Richtungsänderung aufs Schlimmste zu bestätigen scheint. Gerade hymnisch wird dort ein Firmensanierer als „Retter“ gepriesen, dessen Leistung es zu verdanken sei, dass das in betreff stehende Unternehmen überhaupt noch existiere. Dass er die Belegschaft dabei um die Hälfte reduziert hat, ist nur einer Nebenbemerkung zu entnehmen. Man scheint sich also an dieser Stelle ganz der Logik der neoliberalen Marktwirtschaft ergeben zu haben, die den Menschen ausschließlich als Kostenfaktor sieht, der das Fortkommen eines Unternehmens mindestens verlangsamt, wenn nicht gar unmöglich macht. Ob wenigstens ein oder mehrere relativierende Sätze da angebracht gewesen wären? Ob man hätte wenigstens andeuten können, dass hier eventuell Schicksale von Einzelnen dahinter stehen könnten? Menschen? Durch „schwierige Zeiten“ habe der Rettungsbringer die Firma auf diese Weise hindurchbringen können, so feiert der Artikel weiter. Es sei durch Krisenjahre und Umstrukturierungen hindurch in Richtung auf neue Profitabilität gegangen, dank der führenden Heilsfigur.


Sonntag, 28. März 2021

Politikergebaren

Es scheint jetzt in der Öffentlichkeit immer klarer zu werden, auf welche Art sich bestimmte Minister auf Kosten des Steuerzahlers so bereichert haben, dass ihnen offenbar niemand an den Karren fahren kann. Ob so etwas Teil des Mechanismus sein könnte, möglichst viel Geld vom Staat auf die Privatwirtschaft zu lenken? Ob so etwas gerne als "Freie Marktwirtschaft" verteidigt wird? Politiker scheinen gewisse Mechanismen, die in ihrer Lebenswelt allzu oft praktiziert werden, für „normal“ zu halten, weil sie ihnen finanziell nützen und weil sie das in den Bereich der "Freien Marktwirtschaft einordnen, in der sich jedes Gemeinwohl erst aus dem Vorteil der Einzelnen speist. Dazu gehört auch der Übertritt aus der politischen Sphäre in den Bereich der Privatwirtschaft, was zu oft zu grotesken Verzerrungen führt. Beispielsweise, in dem solche "Politiker" zu genau jenen Firmen (natürlich entsprechend honoriert!) übertreten, die sie zuvor kontrollieren sollten. Klaro, dass sie dabei ihr Insiderwissen mit hinüber nehmen in die Wirtschaft, um es entsprechend zu Geld zu machen. Nicht, dass diese „Politiker“ nach einer gewissen Schamfrist in eine Funktion der Wirtschaft treten, ist ihnen vorzuwerfen. Sondern dass sie in ihrer neuen „Funktion“ das Gegenteil von dem vertreten, was sie zuvor als „Politiker“ dem Bürger z.t. ziemlich harsch zu bedenken gaben. Moralische Überheblichkeit hatte zu ihrem Handwerkszeug gehört, jetzt wird Geld daraus. Wenn gewisse Fakten aufgedeckt und Versäumnisse dann doch öffentlich werden, bürgert sich immer mehr ein bestimmtes Verhalten ein: Nämlich, dass Politiker immer mehr dazu überzugehen scheinen, der Presse (und damit der Öffentlichkeit) keinerlei Erklärungen zu ihrem Verhalten abzugeben.

Samstag, 27. März 2021

Versinken (Songtext)

 

VERSINKEN

In Weiß versinken

sanft und hart

schwer und leicht

es deckt dich zu

und es wird weniger mit dir

Du gehst auf im Nichts, im Weiß

es ist alles leer um mich herum

nichts regt sich, ich kann es nicht begreifen

die Sonne fällt zart auf die Wand

was wollte der Mond uns sagen?

Dass wir auf keinem guten Trip sind?

Dass wir schlittern und taumeln?

Dass wir uns daran gewöhnt haben?

Freitag, 26. März 2021

Blick hinein

Wird man alt und älter, geht man tatsächlich auf den Tod zu? Man ist nur darauf zugegangen, immer schon. Er kommt immer näher, dieser Tod. Man ist scheinbar zu etwas Stabilem geworden, hat Merkmale heraus gearbeitet, die nicht mehr veränderbar erschienen. Man hat Geschichte und hat entsprechende Erfahrungen gemacht, man kann darauf zurück blicken, ja, es gibt Dinge der ernsten Art, an die man sich nicht so recht erinnert. Sogar, - obwohl sie ein wichtiger Teil von einem sind. Kürzlich hat AM angerufen, ein Schatten meiner Vergangenheit. Wir haben uns gut verstanden, zu meiner Überraschung. Er hält sich mittlerweile in einer vollkommen verschiedenen Lebenswelt auf. Wie konnte man eigentlich sagen, wer man war? Man erinnerte sich gegenseitig dran, was war, wie man sich verhalten hat, wie man andere Individuen wahrgenommen hat. War man wirklich derselbe wie heute? Man hat ja schon so viel Zeit erlebt…….

Donnerstag, 25. März 2021

Valerie (24)

(Fragment, geschrieben in grauer Vorzeit...) Die Rolle eines Gigolos hätte er wohl öfters üben sollen! Zu den Naturbegabungen auf diesem Gebiet konnte er sich nicht gerade zählen. Das Beharrungsvermögen und die Unbeweglichkeit seiner Kommunikationsinstrumente samt seiner Neigung zu einem Respekt anderen Menschen geenüber hatten ihm schon manchen Strich durch die Rechnung gemacht, was ihn zusätzlich unsicher machte, - besonders gegenüber Leuten, die wie ein Chamäleon die Farbe ihrer Persönlichkeit der jeweiligen Umwelt anpassen konnten. Die die unterschiedlichsten Sprechweisen und die Sprachen der verschiedenen Charaktere einfach „drauf“ hatten und so als ein wandelbares Kaleidoskop, in dem sich die herrlichsten Farben selbst bespiegeln konnten, durch die Welt gingen. Die Welt als ein einziges Spiegelkabinett, in dem sich das Nichts in Gestalt von Menschen fortwährend in die Augen blickte, wobei es von der Geilheit auf sich selbst besessen sich in sich selbst verlieben konnte, das war seine Spezialität nicht. Gab es da Fluchtwege? Ausbruchsmöglichkeiten? Oder war dies alles eine Art Gesetz? Wenn man davon ausging, konnte man sein Dasein überhaupt verstehen? Was hieß „verstehen“ in diesem Zusammenhang überhaupt? Er hatte Mühe, die Spirale, die sich dabei in seinem Kopf drehte, auszuhalten. Er dachte an seine Studentenzeit, als eer ein Problem damit hatte, die Rolle dessen zu übernehmen, der bestimmte Fremd- oder Schlagwörter und Redewendungen als Imponiergehabe zu benutzen. Sie hatten allzu oft nur den Sinn, den Andern zu schlagen und übertrumpfen, abseits aller funktionalen Wissenschaftlichkeit, deren Anspruch natürlich sofort erhoben wurde, wenn man dies Theater verlogen und spießig fand. Aber vielleicht musste man ja, wenn man mitspielen wollte, hinüberwechseln zu jenen Clowns, diese Entwicklung der Entwertung von Wort und Sinn zunutze zu machen, indem sie versuchten, sich im Schatten zu sonnen.

Mittwoch, 24. März 2021

Vererbtes Verhalten

Eigentlich fällt mir das schon länger auf: Dass man die Namen von bestimmten Akteuren der Entscheider- und Führungsklasse kennt. Aber sie haben plötzlich andere Vornamen, stammen offenbar aus der Familie der Mächtigen, der Pioniere und Vorangeher. Sie scheinen viele entscheidende Positionen zu belegen, ja, sie scheinen von diesen Positionen regelrecht angezogen zu sein. Ob sie da in eine Lebenswelt hineingeboren wurden und nun weitgehend wie selbstverständlich darin agieren. In einem Staat des Nepotismus (Vetternwirtschaft) scheint dies okay zu sein, Positionen werden „vererbt“, was ja in manchen Gesellschaften sehr offensichtlich so praktiziert wird. Dazu kommt, dass so etwas ein klassischer Fall von "Beziehungen" ist. Wer diese „Führungspersonen“ anspricht, erntet oberflächliches Unverständnis, man sei ganz „normal“ aufgewachsen, zur Führungsfigur geboren zu sein wird weit von sich gewiesen. Dabei scheint es ja so: Den Erfolg kann man offenbar lernen, indem man ihn quasi „mit der Muttermilch ein saugt“. Vorwärts zu kommen und andere zu verdrängen scheint ein Verhaltensmuster und soziales Gebaren, das auf allerlei Tätigkeitsbereiche übertragen werden kann. Die sachlichen und fachlichen Kenntnisse, die im heutigen Managment-Wesen ohnehin nicht mehr so wichtig sind, werden dabei „mitgeliefert“: Sie sind Inhalte des täglichen „So seins“, nicht nur der Tischgespräche. Per Sozialisation werden solche Junioren in bestimmte Lebenswelten eingeführt und verhalten sich anschließend entsprechend. Der „vertikalen Durchlässigkeit“ einer Gesellschaft, also ihren Aufstiegschancen durch Entfaltung ihrer Kräfte, ist das nicht zuträglich.

Dienstag, 23. März 2021

Alter, Leben, Erfahrung

Weil sie im ökonomischen Sinne nicht mehr mitstricken am Bruttosozialprodukt, weil sie in einer Gesellschaft der vermeintlich Starken zu den eher Schwachen gehören, fühlen sich viele ältere Menschen ausgegrenzt. Dabei könnten sie phantastische Lehrer sein, - bei einer durchaus aufgeklärten Distanz zur eigenen Position kombiniert mit einem gesunden Skeptizismus. Ja, auch das hat man im Alter gelernt: Die eigene Position ist nicht immer die einzig richtige. Und so gibt es viele Erkenntnisse, die im Alter gewachsen sein könnten und in einer Kombination aus Erfahrung mit Wissen weitergegeben werden könnten. Viele Bauchlandungen der verschiedensten Art könnten auf diese Weise verhindert werden. Jaja, die Anpassungsfähigkeit den Neuen Medien und überhaupt dem Neuen gegenüber! Vielleicht könnte hier aber auch eine gewisse Distanz helfen! Nicht das blinde Nachrennen gewissen Entwicklungen gegenüber wäre gefragt, sondern ein abwartendes, langsames und eher kritische Fragen stellendes Nachfolgen. Und. Das bewährte Wissen in Kombination mit dem Neuen kann zu Ergebnissen führen! Erlebte Geschichten wollen in ihrer Bedeutung für den aktuellen Tag erkannt und gedeutet werden! Gelassenheit und Unaufgeregtheit können zu dem Schatz dessen gehören, was auch dem aktuellen Tag samt seiner Hektik sehr nützen kann. Da schlummert ein Reservoir, das mit zunehmender Dynamik der Demographie und einer freundlich abnehmenden Vorurteilsfähigkeit gehoben werden könnte. Oh ja, das mag sich auch auf gewisse körperliche Anfälligkeiten beziehen: Wir werden nicht alle so stark bleiben, wie wir uns heute fühlen! Damit umgehen zu können, es einzubeziehen ins tägliche Dasein, könnte auch etwas von dem ausmachen, was wir von reiferen Menschen profitieren könnten.

Sonntag, 21. März 2021

Es geht weiter (Seltsamer Monat, seltsame Tage)(Songtext)

ES GEHT WEITER (SELTSAMER MONAT, SELTSAME JAHRE) Ein Fernsehbild flackert durch fahles Licht ist dies der letzte Tag? Oder geht immer alles weiter...? Mein Magen erzeugt ein Gefühl der Unruhe Mein Kopf sagt: dummes Zeugs! Wir sitzen alle im selben Boot, das niemand steuert Ansichten über Verschwörungen sind jetzt in Mode, gerade Linien sind out ein Clown regiert die Welt, ein andrer schickt den Krieg der nächste macht jetzt ernst Kicker baden in Kohle Gott wohnt nicht mehr hier in unserem Kopf es brennt im Telephon, die Mail geht ins Leere Maschinen flirren flackern tuckern summen leise Stille ist die neue Angst „Worte könnten die Axt sein, für das gefrorene Meer in uns.......“ (2016)

Samstag, 20. März 2021

Was hier, in diesem Blog, eine Rolle spielt

Es geht bei vielen Postings in diesem Blog womöglich um Perspektiven auf die Wirklichkeit, denen jeder unterliegen kann. Die ihm "zufliegen", ohne das er das explizit so will oder dass er das Mitgeteilte überprüfen könnte. Durch Sozialisation, durch Gewöhnung, durch „gesunden Menschenverstand. Dabei spielt meine Person keine oder eine sehr geringe Rolle. Ich sehe mich selbst da nur als eine Art "Medium", dass stellvertretend für die Masse der Vielen steht. Ich nehme auf und gebe in diesem Blog wieder. Dies hier ist aber auch kein intimes Tagebuch! Das Subjektive mag an vielen Stellen in Richtung des Objektiven gehen, - und umgekehrt! Das Private im Öffentlichen, - und umgekehrt! Das zu beachten ist bei der Lektüre sehr wichtig! Ich fühle mich in der Rolle des Schreiberlings eher als Beobachter, als Aufnahmeschirm und stelle ja von der Seitenauslinie auch viele Fragen, auf die ich selbst keine Antwort weiß. Auch sie könnten sich jedem stellen. Es hat mit meiner Person nichts zu tun, ohne dass ich die bequeme Position jener Politiker einnehme, die erklären, dass die Entscheidung zwischen richtig und falsch nicht von ihrer Person abhänge. 1.) Werde ich nicht von der öffentlichen Hand bezahlt 2.) Habe ich keine „wichtigen“ Entscheidungen zu treffen. Nein, ich fühle mich als Teil von etwas Anderem, - was auch mit meinem Studium der Soziologie zu tun haben könnte. Ich zeichne ein Bild, das - und das ist die Pointe! - nicht zutreffend sein muss! Ich nehme einfach nur Informationen, Anstöße, Fragmente rund um mich herum auf und gebe sie wieder. Nein, da ist kein journalistisches Überprüfen und die Verantwortung vor der Veröffentlichung! Viele der "Konsumenten" haben schlicht nicht die Zeit dafür. Der alltägliche Journalismus geht auch kaum so vor.... Es geht hier vielmehr um ein Stochern im Nebel anhand gewisser Fakten, - so, wie es vielen anderen Personen geht. Übrigens: Interviews werden nicht gewährt.  Es erhebt die Information in meinen Posts keinen Anspruch auf absolute Gültigkeit. Sie ist vielmehr die Wahrnehmung einer Möglichkeit, einer Perspektive und Ansicht auf eine Gegebenheit, der wir ausgesetzt sind. Ich versuche aufzunehmen, dass es nicht mehr so einfach ist, zu entscheiden, was richtig und falsch sei. Einst und in der Aufklärung, - bis jetzt!, nahm diese Rolle die Wissenschaft wahr. Doch sie scheint inzwischen von vielen Seiten her korrumpierbar und interessengeleitet. Grund zur naiven Wissenschaftsgläubigkeit bietet sie in letzter Zeit jedenfalls relativ wenig. Politische Entscheidungsträger sollten sich auf die Wissenschaft stützen, heißt es oft. Doch unter diesen Bedingungen könnte dies ein schwieriger Job sein, zumal auch die Politik selbst (z.b. EU) Einflussnahmen unter bestimmten Interessen ausgesetzt ist. Dass sich diese als wissenschaftlich kaschiert haben, ist inzwischen bekannt. Untersuchungen werden nahezu beliebig gekauft, wissenschaftliche Titel haben (nur) ihren Preis. Der Publikationszwang unter Wissenschaftlern und die Praxis wissenschaftlicher Fake-Verlage andererseits, scheinen hier zudem ungünstige Einflüsse auszuüben oder versuchen offenbar mit einigem Erfolg, sich dies eitle Bestreben zunutze zu machen. Andere meiner Postings in diesem Blog sind hingegen sehr subjektiv, zeichnen ein Bild aus meinen Augen, sind von mir, meinen Erfahrungen und Person gefärbt und getränkt. Sie kommen aus dem Subjektiven, könnten genau darin jedoch etwas Allgemeingültiges haben, etwas, was sich verlängern ließe ins Gesellschaftliche. Privates könnte etwas mit Öffentlichem zu tun haben (s.o.) - und umgekehrt. Ich wechsle also die Perspektiven, fühle mich tatsächlich auf einer „Reise durch die Wirklichkeit“, die gewisse Politiker in den letzten Tagen unbedingt regulieren wollten.....

Freitag, 19. März 2021

Benzin (Textlyrik)

BENZIN Das Rechteck ist krumm es passt so nicht wir müssen es verbessern wir müssen es ändern wir sind doch nicht dumm Das muss alles besser werden das ist nicht im Geringsten korrekt wozu gibt es Regeln? Du machst uns minderwertig Der Balken ist schief, er liegt ja nicht auf wir müssen das verbessern wir müssen es ändern dieser Winkel steht zu tief Das ist ja alles nur Shit Du kriegst doch keinen klaren Satz hin wir machen jetzt eine neue Regel wir sind Kings und geben ihm einen Tritt Wir machen Dich richtig fertig wir wissen über alles Bescheid da haben sie uns was eingebrockt sie waren schon mal besser bärtig im letzten Moment haben wir es verhindert beinahe waren wir blamiert vor denen, die Bescheid wissen das Grinsen über uns ist cool wir haben es rausgenommen wir haben dich kurz mal ersetzt wir haben dich heftig abgewatscht wir haben dich kurz mal korrigiert

Donnerstag, 18. März 2021

Über Hermann Hesse

Eigenbrötler und Liebling der Massen Hermann Hesse, Steppenwolf und die Rockmusik Hätte sich jemand diesen vogelig dreinblickenden Mann mit dem Sonnenhut und der Nickelbrille lauthals mitgrölend auf einem Rockkonzert vorstellen können? Oder gar hemmungslos auf einer La Ola-Welle dahinwogend? Nein, mit den Massen hatte es der Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse überhaupt nicht. Er gab sich nur zu gerne als überzeugter Individualist, als belesener Schöngeist und Eigenbrötler, der vor den Regungen großer Massen ein ständiges Misstrauen empfand, ja, der sich vor ihnen regelrecht schauderte. Und just in seinem Todesjahr 1962 war es ja erst, als sich die Beatles anschickten, die Popmusik im heutigen Sinne zu einem Massenphänomen zu machen, nachdem Elvis diesbezüglich ja schon in den Fünfzigern erste Dämme gebrochen hatte. Nein, irgendwo als kreischenden Fan im Publikum kann sich Hesse kaum jemand vorstellen. Aber vielleicht auf die Bühne, vor die Massen, da hätte der Mozart-Bewunderer hingepasst. Als eine Figur, nicht so harsch und spröde wie Bob Dylan, aber dafür poetisch verspielt wie Leonard Cohen. Als sanfter Erzähler und Verseschmied, der die Dinge des Lebens mit bildhaften Versen hätte sehr einprägsam und eingängig auf einen romantisch klingenden Punkt bringen können. Einer, der die Ausstiegsphantasien der Flower Power-Kinder und die Weltfluchtutopien der Hippie-Bewegung in den sechziger und siebziger Jahre massenwirksam hätte bündeln und bei Konzerten auf sich vereinen können. Und hat er sich nicht etwa als leiser Apologet des Drogengebrauchs missverstehen lassen? Nicht umsonst hat ihn der Pop Art-Pionier Andy Warhol in seinem berühmten Porträt ja als eine Art umnebelten Kiffer abgebildet. War sein Held Harry Haller im berühmten Roman „Der Steppenwolf“ auf seiner Reise nach Innen nicht an diversen künstlichen Paradiesen vorbeigekommen, um dabei ein Panoptikum der phantastischen Möglichkeiten geschaut und die Abenteuer der anarchistischen Entgrenzung zu proben? Und hat dieser Harry Haller etwa das Angebot des Musikers Pablo abschlagen können, aus einer vergoldeten Dose eine Prise weißen Pulvers zum Schnupfen zu sich zu nehmen? Ach ja, für die Hippiegeneration war ja alles so eindeutig, für sie war Hesse ein Popstar, mochten die verknöcherten Philologen in Europa noch so sehr vor der Vereinnahmung und Vereinfachung der Gedankenwelt des Pfarrersohns aus Calw warnen oder ihn in die Nähe der Trivialliteratur rücken. 1970, 8 Jahre nach dem Tod des 84 Jahre alt gewordenen Autors, deutete der Drogenpapst und Hochschullehrer Timothy Leary den „Steppenwolf" als „Meisterführer zum psychedelischen Erlebnis" und empfahl, „vor deiner LSD-Sitzung den Steppenwolf als ein unschätzbares Lehrbuch" zu lesen. Der „wirkliche“ Hesse hat zwar öfters mit dem Dämon Alkohol gekämpft. Doch über weitere Drogenexzesse ist nichts bekannt. Schon zu Beginn der sechziger Jahre waren seine Bücher in den USA zum Bestseller geworden. Eine ganze Generation schien plötzlich Hesse zu lesen, seine Werke lieferten das Modell eines Selbsterfahrungstrips. Und so, wie Hermann Hesse sich selbst und seinen Harry Haller zeichnete, als Außenseiter des bürgerlichen Welt, als schöpferischer Rebell gegen die Welt des Festgefügten und Selbstverständlichen, so wollte in dieser Zeit ohnehin jeder sein. Von den frühesten Werken wie etwa dem Schülerroman „Unterm Rad“, über den Landstreichererzählung „Knulp“ bis hin zum „Steppenwolf“ hatte Hesse das Aufbegehren in der Figur des einsamen Nonkonformisten gezeichnet. Hinzu kam seine Vorliebe für fernöstliches Gedankengut, das unter anderem ganz direkt in Werke wie „Siddharta“ und „Die Morgenlandfahrer“ eingeflossen war und nun den Selbsterfahrern in aller Welt die willkommene Anleitung für die eigene Nabelschau lieferte. Selbst der sexuellen Emanzipation konnte der im pietistischen Milieu aufgewachsene Hesse ein paar – aus heutiger Sicht harmlose - Bilder und Phantasien liefern: so lässt sich Harry Haller als Steppenwolf in eine Menage à trois mit seinem weiblichen Gegenbild Hermine und der Prostituierten Maria ein, der der Musiker Pablo noch einiges an zusätzlicher Würze verleiht. Aber auch der einer Kommune gleichenden Gemeinschaft von Gleichgesinnten lieferte der schwäbische Egomane so manches Modell: In seinem 1919 unter Pseudonym veröffentlichten Roman „Demian“ trifft sich eine Gruppe Suchender sehr verschiedener Art, zu der, wie Hesse schreibt, „Astrologen und Kabbalisten, auch ein Anhänger des Grafen Tolstoi, und allerlei zarte, scheue, verwundbare Menschen, Anhänger neuer Sekten, Pfleger indischer Übungen, Pflanzenesser und andere“ gehören. Dominiert wird diese Gruppe von einer erotisch sehr anziehenden „Frau Eva“, was dem Titelhelden so manches in verquasten Bildern ausgemalte Begehren aufbürdet. Modell für die Hippie-Kommune? Oder gar Vorläufer eines Swingerclubs? Hesse selbst hatte sich zeitweise zu einer Monte Verita bei Ascona ansässigen Gruppe von nackten Naturmenschen der damaligen Alternativkultur hinzugezogen gefühlt, die dem bürgerlichen Dasein mit sexueller Ausschweifung, langen Haaren und Jesus-Sandalen trotzten. Ende der sechziger Jahre, als solche Fakten nicht nur den Angehörigen der Studentenkultur geläufig waren, tauchte eine Rockband mit dem Namen Steppenwolf auf, um dem Hesse-Kult eine laute Dimension zu verleihen. „Like a true nature's child, we were born, born to be wild, we can climb so high, I never wanna die - wie Kinder der Natur, sind wir geboren, geboren, um wild zu sein, wir wollen noch so hoch hinaus, ich werde nie sterben” nölte mit brüchiger Stimme ihr Sänger, der sich zwar John Kay nannte, aber für amerikanische Hesse-Fans eine ganz besondere Hesse-Glaubwürdigkeit dadurch ausstrahlte, dass er 1940 als Joachim Krauledat im ostpreussischen Tilsit geboren und in Hannover aufgewachsen war. In schwarzem Leder und dunkler Sonnenbrille machten Kay und seine vier Musiker den Titel „Born to be wild“ einen Sommer lang zur Jugend-Hymne, die sie anschließend im Kino-Hit „Easy Rider“ noch einmal massenwirksam verwerteten. In Taugenichts-Manier zusammen mit Dennis Hopper und Peter Fonda auf einer Harley die weite Welt der amerikanischen Westens zu befahren und dabei kein am Weg liegendes Vergnügen auszulassen, das hätte Hesse wohl auch gefallen, auch wenn er’s als Geistesmensch mit pietistischer Herkunft nicht zugegeben hätte. „Er lehnt die Normen der Mittelklasse ab und dennoch versucht er, ihnen gemäß sein Glück zu finden – genau wie wir“, ließ Kay damals über seine Seelenverwandtschaft zu Hesse verlauten. Obwohl sie wegen ihrem rüden Sound und der ebenfalls in „Born to be wild“ vorkommenden Textzeile „I like smoke and lightning, heavy metal thunder“ als Begründer des Heavy Metal gefeiert wurden, währte das Glück für die Musiker von Steppenwolf nicht lange: 1972 war die Band am Ende. Doch ihr Mythos stand erst am Anfang. In zahlreichen Wiederauflagen und wechselnden Besetzungen versuchte John Kay von 1974 an seinen Steppenwolf immer wieder mal auf Trab zu bringen und den Ruhm vergangener Tage anzuzapfen. Am 3. August gastieren John Kay und Steppenwolf beim Hermann Hesse-Festival auf dem Marktplatz in Calw. Mit dabei an diesem Abend: Die schwäbische Band Anyone’s Daughter, die 1981 eine Vertonung des Hesse-Märchens „Piktor’s Verwandlungen“ eingespielt hatte und die es jetzt zusammen mit Heinz Rudolf Kunze, dem Lehrer Lämpel der deutschen Rockmusik, in veränderter Besetzung noch einmal auf die Bühne bringen will. Zur Eröffnung des Hermann Hesse-Festivals am 29. Juni freilich wird eine Band aufspielen, die zumindest hierzulande das alternative Lebensgefühl der späten siebziger Jahre am besten verkörpert: BAP, deren Mitglieder bis auf ihren Sänger und Kopf Wolfgang Niedecken nach der jüngsten Umbesetzung keineswegs mehr aus Köln kommen. Doch mögen nicht nur die Namen dieser Bands, sondern auch so manche Ideale des gefeierten Jubilars in die Vergangenheit weisen, eines steht fest: Hesse ist ein Popstar der Literatur.

Mittwoch, 17. März 2021

Eingang (Textlyrik)


EINGANG
Du taumelst hinein in den Tag
musst dich erst mal in Untätigkeit setzen,
nichts machen, nur existieren, da sein
Patchouli steigt in die Nase
betrügt mich um meine Realität
Wir machen uns alles schön
Wir geben ihm den Geschmack
Selbstverwirklichung war mal was Tolles
jetzt heißt es Selbstoptimierung, mies
work-Life-Balance und all das
wo sind nur die Farben hin?
Wir haben sie verloren in der Zeit des Schutzes
und der allseitigen Versicherungen
Schau nicht woanders hin!
Dort geht es viel schlechter, naturgemäß
es gilt die Schlauvariante
Beim Schiffen an der Nordsee
Surfen oder Schlurfen
dieser Weg wird dir nicht möglich sein
Ob ich gerne einen Knecht hätte,
der mir den Staub wischt
der mir das Scheishaus putzt?
Du wartest auf den Angriff
aus dem Grauen heraus
Gefahr ist überall
von einer Seite, nie bedacht

Dienstag, 16. März 2021

Die "Ausroller"

Mal wieder nervt mich, dass demnächst mal wieder eine Maßnahme „ausgerollt werden“ soll (Engl.: "To roll out"). Dafür solle „das Mindset“ stimmen, darin immerhin hätten sie "commited". Wer? Egal. Jedenfalls solange das "backing" und "tracking" im setting okay sei, "on the whole" natürlich und nicht gerade an "gebrauchten" Tagen. Ob dazu das "Blame Game" zwischen Bund und Ländern gehört? Die Sportreporter hecheln währenddessen etwas davon, das es noch „10 Minuten zu gehen“ sein soll und dass beim "Umschaltspiel" mehr in "die Box" gespielt werden solle. Anglizismen sind in dieser Hinsicht wie Viren: Sie scheinen aus Gründen der Globalisierung überall einzudringen. Transportriehmen sind zu oft die Journalisten, die nicht auf dem Plan haben, dass ein wachsender Anteil der Bevölkerung solch einen Slang gar nicht versteht. Zudem ist dauernd die Rede davon, dass bestimmte Personen oder Personenkreise "liefern" sollten. Ob da der Merkantilismus zu stark durchgeschlagen hat? Die Globalisierung? In welchem Verhältnis steht sie dazu?