Reise durch Wirklichkeiten

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Mittwoch, 30. Juli 2025

Pedalkünstler

Dass er Bob Dylan und andere Größen produziert hat, hatte ich ja schon erwähnt. Sie alle schätzten dieses Gefühl von trauriger Gedämpfheit, dass auf Waschzetteln so gerne als „melancholisch“ beschrieben wird. „Time out of mind“ oder Oh Mercy“ sollen Belege dafür sein. Jedenfalls ziehen langgestreckte Pedal-Steel-Schlieren durch das Klanggebäude, die mich immer wieder damit überrascht haben, dass sie scheinbar mühelos das Klischee von Country-Seligkeit überschritten haben. Er hatte und hatte überhaupt kein digitales Konzept, sondern er erschuf auf analogem Wege Klangbilder, die beispielsweise als Soundtrack in Wim Wenders’ Filme passten. Da waren oft einfache Songstrukturen, in die hinein Lanois das einfangen wollte, was man wohl als „magischen Moment“ bezeichnet. Gekonnt „unterproduziert“ könnte man so etwas vielleicht nennen. Dazu trug oft genug eine chronisch untertreibende Band bei, der unter anderem oft der sensible und technisch sehr versierte Star-Drummer Brian Blade angehörte. Dabei sang Lanois relativ selten, obwohl er eine ruhige, eigentlich gute Stimme hatte. Atmosphärisch schwebten darüber und darunter verschiedene Gitarren. Ich lasse es verklingen mit dem eingängigen Refrain von „Power of one“…...

Dienstag, 29. Juli 2025

Wüstenpoesie

Ich hatte in diesem Blog wohl schon einiges geschrieben über Daniel Lanois und seine Auffassung von Produktion, die er gemeinsam mit Kumpel Eno unter anderem in so manche Produktion der Band U2, in eine Produktion von Emmylou Harris und in das Schaffen von Bob Dylan eingebracht hat. Nicht umsonst heißt ein ziemlich prominentes Album von U2 „Joshua Tree“ und deutet damit auf ein Wüstengebiet mit typischem (Nicht-)Bewuchs und langgestreckten Flächen, besiedelt von einem kargen Zauberwald. Langgestreckte Flächen zeichnet er auch immer wieder in seine Stücke, die viel von der stillen Wüstenatmosphäre ausstrahlen, in der Lanois offenbar lebt: im Zions National Park, bei Utah. Wir hören bei ihm viel Reduktion und ein Schwelgen im Spröden, das er ausgerechnet mit seiner Pedal Steel guitar zeichnet, der man ja meist eine ausgeprägte Sentimentalität und Country-Seligkeit nachsagte, was bei genauerem Nachhören auch nicht immer stimmt. Am deutlichsten wird Lanois’ Liebe zur Pedal Steel auf dem Album „Belladonna“, das mit seinen instrumentalen Solostücken wohl als eine einzige Hommage an die Pedal Steel gehört werden kann. Doch glaube ich entdeckt zu haben, dass mich der schleifende Klang dieses Instruments damals irgendwie auch zu Nils Petter Molvaers Album „Buoyancy“ gebracht hat. Nach einer Änderung in der Besetzung seiner Band spielt der Norweger (von dem ich ohnehin tausend Alben besitze, die ich in diesem Blog auch noch besprechen will) hier mit seiner Trompete oft in einer Verbindung mit der Pedal Steel seines damals neuen Gitarristen Geir Sandstol, er geht auf ihn ein, wirft ihm in einer weitflächigen Klanglandschaft zwischen Jazz und Elektronik Andeutungen zu und spielt seine Band in rätselhafte Landschaften hinein. Besonders die beiden Eröffnungsstücke „Ras Mohammad“ und „Gilimanuk“ bringen viel Steel Guitar, was ein Kollege in seiner CD-Besprechung einmal als „nicht überzeugend“ bezeichnet hat. Doch wer unerwartete Klangerfahrungen machen will, wer sich davon bestricken lassen will, wer sich einlassen kann auf diese schwebende Schlieren, wer das alles nicht mit US-amerikanischer Country-Musik assoziiert, der ist hier richtig, der sollte aufmerksam verfolgen, wie dieses Instrument auch gespielt werden kann.