Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Sonntag, 5. Juli 2026
Beeinflussen
Es ergab sich, oder auch nicht..... Die leibhaftige Einlösung von Versprechen der Rockmusik, die über uns hinaus weißen, die uns das Andere nicht nur zeigten...? Die Hetzjagd in Richtung auf das Glück? Ging zu bald unter in einem neoliberalen Wahn der rücksichtslosen Selbstverwirklichung, die nicht nach den Kosten für Andere fragt. Darin wurden sich plötzlich viel zu viele Individuen gleich, da wurden sie zur Masse Mensch, mit der die Konzerne heutzutage ihre Profitinteressen ausleben und die Werbung, Promotion, PR die Wege dazu ebnet. Das Glück als käufliche Masse überwältigte auch die Rockmusik und machte sie als Pop zu einer unterhaltsamen Knetmasse, die in eine beliebige Form gebracht werden kann.“ Liebe war ja auch einmal etwas, was Gandhi gepredigt hatte. So hieß es. Sie ist und war ein hohes Gut. Nur: was war damit konkret gemeint?
Sonntag, 22. März 2026
Vielen gewogen
Es gehört wohl schon seit längerem zum „woken“ Selbstvertändnis, sexuelle Positionen einzunehmen, die nicht mit dem Moralkodex der „offiziellen“ Gesellschaft zu vereinbaren sind und angeblich neue Wege beschreiten wollen (was die Traditionellen brennend zu interessieren scheint). Künstler machen/machten es vor: Schnell eingegangene und wieder aufgelöste „Beziehungen“, Dating, Promiskuität, Dreier, Vierer, Rudelbumsen, Swingerclub, hedonistisch geprägte Austauschverhältnisse der sexuellen Art: Alles Belustigungen oder auch Mittel einer scheinbaren „Befreiung“ und Selbstverwirklichung, sowie auch jederzeit reiner Hedonismus. Als „Selbstverwirklichung“. In Wirklichkeit vielleicht auch der instrumentelle Gebrauch des jeweils Anderen zur eigenen Lustbefriedigung. Gegenseitiges Einverständnis voraus gesetzt. Ob das mit der „Befreiung“ allerdings nachhaltig ist oder unter Umständen gar neue Zwänge mit sich bringt, mag dahingestellt bleiben. Probleme der Eifersucht sollten hierbei nicht in jedem Fall verniedlicht werden, das eigene Seelenheil und das alternativ verbrämte „Vergnügen“ der Selbstverwirklichung scheint aber oftmals hierbei ex- und implizit klar im Vordergrund zu stehen.
Jedenfalls ist es so, dass zum Beispiel ich meine Energie nicht zugleich an verschiedene Menschen vergeuden kann. Ich will mir schon bewusst werden, was mir wichtig ist und was weniger. Das würde mir zu oft in Stress ausarten und wäre für mich nicht befriedigend zu bewältigen. Man müsste zudem gegen Verletzungen psychischer Art ein bisschen resilienter sein. Aber mir fällt ja schon der Umgang mit mir scheinbar nahestehenden Personen oder gar mit mir selbst schwer. Ich machde dabei Fehler. Das „befreite Leben“ könnte zudem auf Kosten der Intensität gehen, geschweige denn dem gemeinsamen Bewältigen von Schwierigkeiten abgehen. Jedenfalls für einen wie mich, der nicht zum schnellen, oberflächlichen Genuss neigt, der sich und seine Gehemmtheiten/Schüchternheit oft vor dem „Genuss“ überwinden muss, scheinen "offene Beziehungen" angesichts dessen schwierig. Bin auch nicht gewohnt, mich auf einem "freien Markt" dauernd anzubieten und alles, was vom gemeinhin Gültigen und Konventionellen abweicht, als befreiend zu empfinden und dabei die Nähe zum Hedonismus der Konsumgesellschaft zu leugnen. Es gehört solches schon lange zu einem scheinbar „alternativen“ Liebesgetue, dessen handelnd Angehörige sich hauptsächlich aus der oberen Mittelschicht rekrutieren. Promiskuität als Emanzipation anzusehen, hat eine lange Tradition, die bis zum Anfang des vergangenen Jahrhunderts zurück reicht. Man will und soll in ihrem Sinne „realistisch“ sein: jeden Wunsch zu erfüllen, sei kein einzelner Partner imstande, so das Credo der Polyamouranten. Also drängt es einen zu verschiedenen Partnern, von denen jeder ein bestimmtes Bedürfnis befriedigen soll. Dieser Mensch für dieses, ein anderer für etwas anderes! Als würde der Mensch nur aus solchen Bedürfnissen bestehen. Der Begriff der Entfremdung scheint mir da nicht weit zu sein. Man benutzt das an Menschen, was einem zunutze ist. Macht es sich passend. Den Rest wirft man weg. Das scheint mir Neoliberalismus und Egoismus in Reinkultur zu sein.
Dienstag, 20. Januar 2026
Jederzeit
Dies ist aus meinem Buch "Zuhören", s.78 "„Zuhören“ s.7/8 (FB27112025)
Ist es nicht so, dass heutzutage alles irgendwie und irgendwo immer präsent und abrufbar ist, dass eine gewisse (möglichst verkaufstechnische) Relevanz nur auf eine bestimmte ausgeforschte Zielgruppe trifft - und das möglichst schnell und effektiv? Dass oberflächliche schnelle Effekte zählen? Gags? Kicks? Sensationen? Möglichst platte Pointen? Virale Effekte? Influencergebaren? Ich nehme jetzt noch stärker wahr, dass Tonträger einst meine Emotionen getragen haben, meine Lebenswelt, dass sie mir Sinn gespendet haben, dass sie mein Leben begleitet und „eingefriedet“ haben. Dass sie mir Struktur gegeben haben, Ziele. Herausforderungen.
Ist es nicht etwa so, dass „die Leute“, das Publikum, die Leser damals mehr oder weniger direkt Orientierung erwarteten, - den Fingerzeig auf das, was „gut“ sei? Immer habe ich mich damit schwer getan. Ich hätte mit einer solchen Fähigkeit Lehrer werden können. Derjenige, der die Welt erklärt. Gut und Schlecht scheiden. Leider war ich nicht ein solcher. Anderen erklären, wie alles tickt? Hm, war nicht mein Naturell. Es lockte mich vielmehr immer so etwas, was man heute als „Dekonstruktion“ bezeichnet. Das Auseinandernehmen und neu Zusammensetzen - unter meinen eigenen Vorzeichen. Meinen eigenen Gesetzmäßigkeiten, meinen Einfällen und Gesponnenheiten entlang. Den schlauen, allwissenden und souveränen Autoren oder Lehrer zu geben lag mir nicht, auch was die Rock- und spätere Popmusik angeht. Es hat sich einfach zu vieles zu schnell zerfleddert, ehe ich es ernst nehmen konnte. Es änderte sich, ehe man es erfassen konnte."
Freitag, 22. August 2025
Lebenswelten
Es drängt sich mir wieder einmal auf, die Überschrift meines Blogs „Reise durch Wirklichkeiten“ und andere Einlassungen möglichst korrekt zu erklaren. Unsere Erkenntnismöglichkeiten und Einstellungen, unsere Kontaktfähigkeiten und Kommunikationskanäle sind stark bestimmt von unserer Herkunftsfamilie, unserer Hautfarbe, unserem Freundeskreis, unserer Religion, unserem Wohnort und unserem Alter, unseren Niederlagen und Erfolgen. Gleiches gesellt sich zu gleichem, die „sozialen Medien“ verstärken mit ihren Echokammern und Erkenntnisblasen diesen Effekt noch. Da sind Fakten, Lebensverläufe, alles, was zu Kultur oder politisch-moralischem Grundton zählt und andere Bestimmungsfaktoren. Dadurch entwickeln sich „Peer Groups“ und „Freundeskreise“, Leute, die untereinander Kontakt haben, weil sie Gemeinsamkeiten teilen. Ich gehe zudem davon aus, dass sich diese Gesellschaft dadurch immer mehr ausdifferenziert in Fraktionen, Subgesellschaften, Wahrnehmungsblasen usw., die die Tendenz haben, nur innerhalb ihrer sozialen Gruppe zu kommunizieren, sie gegenseitig zu verstärken oder gewisse Verhaltens- oder Wertemuster immer wieder zu reproduzieren. Beispiel: „Führungskräfte“ der Wirtschaft wollen dies auch in der nächsten Generation bleiben und schicken demgemäß ihre Sprösslinge auf teure Internate, wo sie zu „Führungskräften“ erzogen werden, was entsprechendes Verhalten und Selbstwahrnehmung bedeutet: Im zeitgenössischen Sprachgebrauch wird dies gerne als „Wahrnehmungsblase“ oder „Bubble“ bezeichnet. Diese „Fraktionen“ haben weiterhin die Tendenz, auch über gewisse soziale Muster miteinander zu kommunizieren, sich darüber einig zu zeigen, was „korrekt“ oder „okay“ ist. D.h. beispielsweise: Steuerberater unterhalten sich untereinander vor allem über das, was sie und ihre Kundschaft betrifft. Es entsteht sogar ein gewisser Jargon, der unter anderem zu sozialen Abgrenzungen führt. Lehrer verhalten sich genauso, Verwaltungsmenschen, Ingenieure, Handwerker, Servicedienstleister usw. Sie bilden untereinander auch Wahrnehmungsgemeinschaften, aus deren Blickfeld gewisse Dinge auch heraus fallen oder nur alibimäßig unscharf wahrgenommen werden. Ich würde diesen immer weiter zunehmenden Vorgang der Ausdifferenzierung von „Lebenswelten“ erstmal als „vertikale Gliederung“ bezeichnen.
Andererseits eröffnen sich auch durch Medien, Internet, Tourismus und zunehmende Informationsmöglichkeiten befördert immer mehr Gelegenheiten, sich darüber klar zu werden, dass wir alle auf einem einzigen Planeten leben und uns dadurch bewusst werden könnten, dass“wir alle in einem Boot“ sitzen. Wir erfahren etwas über andere Kulturen, über andere Möglichkeiten, sich geographisch und durch die Historie gegebenen Bedingungen anzupassen: Andere Völker, andere „Sitten“ (Werthaltungen, Verhaltensmuster). „Horizonterweiterung“. Es haben sich wohl in unterschiedlichen Kulturkreisen (das Gegenteil von „Globalisierung“) unterschiedliche Arten des Menschseins heraus gebildet. Dies würde ich als „horizontale“ Gliederung bezeichnen. Ein Interesse an anderen Möglichkeiten, aber auch eine Neugier auf Begrenztheiten solcher auch ökonomisch begründeter Verhältnisse zu entwickeln, das könnte man auf der Ebene der Bewusstwerdung auch als „Empathie“ bezeichnen. Ein bisschen mehr Bewusstwerdung der Verhältnisse, die mich umgeben, mag die Folge sein: „Horizonte“ erweitern. Insofern über den eigenen Tellerrand versuchen zu blicken, wäre mein ureigenstes Interesse. Leider passiert das in unserer Gesellschaft in Bezug auf „vertikale Gliederung“ viel zu wenig und immer weniger. Beispiel: Selbst Kreise, die einigermaßen Bescheid darüber wissen müssten, haben keine Ahnung davon, wie es ist, von Grundsicherung leben zu müssen. Kognitiv schieben diese Leute meist die Phrase „wir leben in einem Sozialstaat“ vor und glauben somit, alles sei in diesem Sinne „geregelt“. Wer sich aber konkret für die realen Verhältnisse interessiert, erfährt anderes.
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I feel compelled once again to clarify the title of my blog "Journey through Realities" and other comments as accurately as possible. Our cognitive abilities and attitudes, our ability to make contact and our communication channels are strongly determined by our family of origin, our skin color, our circle of friends, our religion, where we live and our age, our defeats and successes. Like attracts like, and "social media" with their echo chambers and knowledge bubbles reinforce this effect. There are facts, life courses, everything that counts as culture or political-moral tone and other determining factors. This leads to the development of "peer groups" and "circles of friends", people who are in contact with one another because they have things in common. I also assume that this society is becoming increasingly differentiated into factions, sub-societies, perception bubbles, etc., which have a tendency to only communicate within their social group, to mutually reinforce it or to repeatedly reproduce certain behavior or value patterns. Example: "Leaders" in business want to remain so in the next generation and send their offspring to expensive boarding schools, where they are educated to be "leaders", which means they behave accordingly and perceive themselves accordingly: In contemporary parlance, this is often referred to as a "perception bubble". These "factions" also have the tendency to communicate with one another using certain social patterns, to agree on what is "correct" or "okay". This means, for example: tax consultants talk to one another primarily about what concerns them and their customers. A certain jargon even arises, which, among other things, leads to social demarcations. Teachers behave in the same way, as do administrative staff, engineers, craftsmen, service providers, etc. They also form perception communities among themselves, from whose field of vision certain things fall out or are only perceived in a vague way as an alibi. I would initially describe this ever-increasing process of differentiation of "lifeworlds" as "vertical structuring". On the other hand, the media, tourism and increasing information opportunities are opening up more and more opportunities to realise that we all live on one planet and thus become aware that "we are all in the same boat". We learn about other cultures, about other ways of adapting to geographical and historical conditions: other peoples, other "customs" (values, behavioural patterns). "Broadening horizons". Different ways of being human have developed in different cultures (the opposite of "globalisation"). I would describe this as a "horizontal" structure. Developing an interest in other possibilities, but also a curiosity about the limitations of such economically based conditions, could also be described as "empathy" at the level of awareness. A little more awareness of the conditions that surround me may be the result: broadening "horizons". In this respect, trying to look beyond my own nose would be my very own interest. Unfortunately, this happens far too little in our society in terms of "vertical structure" and is happening less and less. For example: Even circles that should know something about it have no idea what it is like to have to live on basic social security. Cognitively, these people usually use the phrase "we live in a welfare state" and believe that everything is "regulated" in this sense. But anyone who is specifically interested in the real conditions will find out something different.
Montag, 13. Januar 2025
Moral, Ethik und all das
Was mir aufstößt? Besonders im Bereich der veröffentlichten Meinung erscheint mir das Wort „moralisch“ blitzschnell diskreditiert zu sein… Dass etwas ethisch vertretbar sein könnte, scheint so weit außerhalb jeglicher wirtschaftlicher Betrachtung zu sein, dass es nur abfällige Missachtung verdient und gerne mal als „Sozialromantik“ oder „Geschwätz abgetan wird. Der „Wohlstand“ ist uns heilig, so erscheint mir einer jener Glaubenssatz dieser Gesellschaft zu sein, der natürlich „alternativlos“ scheint. „Natürlich wird‘s Leute geben, die durch‘s Raster fallen“ so höre ich auch immer wieder. Im multilateralen Bereich könnte es ja wohl auch so sein, dass ein ganzer Kontinent wie Afrika schon mal „durch‘s Raster“ fällt. Ob die, die „durch‘s Raster“ fallen, immer dieselben sein müssen, kommt mir dann aber doch wie eine ethische Frage vor, die von Wirtschaftsleuten zugelassen sein müsste und dringend erörtert werden müsste. Auch der Verdacht, das mit denen, die „durch‘s Raster fallen“, auch hierzulande mal wieder die „Kleinen Leute“ wie etwa Pfleger, LKW-Fahrer und Supermarktbedienstete gemeint sein könnten, erscheint im Lichte rein wirtschaftlicher Betrachtung nicht gar so abwegig. Auch scheint mir klar zu sein, dass Europa nach der Krise zerschlagen sein wird, nachdem es sich in lauter nationale Ego-Trips hat zurück fallen lassen und mit Solidarität wohl nicht allzuviel am Hut hatte. Dass aber der „Wohlstand“ mit einer internationalen Verzahnung, besonders im Bereich der EU, zu tun hat, scheint außerhalb dieser Betrachtung zu liegen. Dass hier unter anderem alte Klischees ihre Urständ‘ feiern, mag nicht nur an der derzeit grassierenden populistischen Offensive liegen, die doch alle Rechtgläubigen der demokratischen Kultur so intensiv und gerne mit Missachtung belegen.
Dienstag, 23. Juli 2024
Doppelmoral Politikbetrieb
Was mich anödet: Die Medien, ansonsten geil auf jede Schlagzeile, berichten nicht (oder kaum) über die Doppelbödigkeit der Politik. Leute, die viele tausende von Euros (auf eigenen Beschluss hin) überwiesen bekommen, beschließen jetzt in routinierter (oder auch überstürzter) Ampelroutine ohne jede Ahnung von ungefilterten Lebensrealitäten (über Alibi-“Sprechstunden“), dass hier und da um ein paar Milliarden gekürzt werden soll. Spricht für sich. Die Bundestagsabgeordneten wollen ihr ja stolzes Salär keineswegs durch Neuwahlen oder plebiszitäre Bemühungen aufgeben. Dabei kommt oft heraus, dass dabei von einem Idealbild der traditionellen Familie ausgegangen wird. Nicht nur die langjährigen Auseinandersetzungen um ein „Ehegattensplitting“ mögen als Beleg gelten. Doch dies wird immer wieder irgendwie herunter gespielt und wie bei unzähligen Politikern zuvor mit staatstragenden Kommentaren bedacht. Doch mit der Ehe als Grundeinheit unseres Staates scheint es nicht so weit her zu sein: Im Ausland haben sich in schöner Regelmäßigkeit hochmögende Politiker als schlimme Finger in ehelicher Verfehlung hervor getan. Hm. Zurück getreten und wieder gekommen. Hauptsache, gekommen. Verkörperte Doppelmoral, die gerne mit aufgeblasenen Worten schöngeredet wird. So geht das.
Die Trennung von Privatem und Öffentlichem: okay. Ob es nicht aber Fälle gibt, in denen das obsolet geworden ist und die eine Sphäre durchaus mit der anderen zu tun hatte? Dass sich ganze Politikergruppen ins Puff fahren lassen, dass masochistisch orientierte Domina-Studios von gewissen Politikern gut besucht sind, dass billig angeheuerte Lover und die von ihnen ausgehenden Impulse das Alltagsgeschäft von gewissen Politikern durchaus geprägt haben mögen.... nun ja, das scheint alles hingenommen zu werden unter dem offiziellen Siegel und der medialen Absegnung der Trennung von Privat- und Öffentlichkeitsspäre. Ob es da manchmal Überschneidungen gibt, die durchaus kolportiert werden könnten? Aber die Medien spielen da in Deutschland gerne mit. Es herrscht Verschwiegenheit um jeden Preis. S' ist so Tradition unter den Mächtigen in Deutschland. Ob dies einem zu denken gibt? Dies alles könnte einem immerhin gerade in der derzeit obwaltenden Lage wieder bewusst werden. Ja klar, kleine Probleme! Aber wenn selbst die unter den Teppich gekehrt werden: was das wohl bedeutet?
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What annoys me: The media, otherwise keen on every headline, doesn't (or hardly) report on the ambiguity of politics. People who receive many thousands of euros (of their own accord) now decide, in a routine (or hasty) traffic light routine, without any idea of the unfiltered realities of life (via alibi “consultations”), to have a few billion cut here and there shall be. Speaks for itself. The members of the Bundestag do not want to give up their proud salaries through new elections or plebiscitary efforts. It often turns out that an ideal image of the traditional family is assumed. The long-standing disputes over “spousal splitting” are not the only evidence. But this is always somehow downplayed and, as has been the case with countless politicians before, made comments that support the state. But marriage as the basic unit of our state does not seem to be that far off: Abroad, well-liked politicians have regularly shown themselves to be bad fingers in marital misconduct. Hmm. Stepped back and came back. The main thing is to come. Embodied double standards that are often glossed over with pompous words. That's how it goes.
The separation of private and public: okay. But aren't there cases in which this has become obsolete and one sphere had something to do with the other? The fact that entire groups of politicians allow themselves to be driven to the brothel, that masochistically oriented dominatrix studios are well attended by certain politicians, that cheaply hired lovers and the impulses they emanate may well have influenced the everyday business of certain politicians... well, that seems to be the case Everything is to be accepted under the official seal and media approval of the separation of private and public spheres. Are there sometimes overlaps that could definitely be rumored? But the media in Germany likes to play along. There is secrecy at all costs. S' is a tradition among the powerful in Germany. Does this give you pause? At least you could become aware of all this again, especially in the current situation. Yes, of course, small problems! But if even they are swept under the carpet: what does that mean?
Samstag, 17. Februar 2024
Flugscham?
Ich bin früher oft und gerne mit dem Flugzeug unterwegs gewesen und habe das inzwischen völlig eingestellt, merke aber, dass ich damit so ziemlich alleine stehe. Was ist eigentlich mit der so oft zitierten „Flugscham“? Ein rührendes Wort aus der Zeit vor der Pandemie? Bei weitem nicht mehr gültig, weil man jetzt froh ist, dass man mit dem Flieger der ganzen Unbill entkommen kann? Erst neulich habe ich wieder Derartiges gelesen: intellektuelle Rechtfertigung, beim „normalen“ Volk sein, immer drauf und dran! „Fleischscham“, „Dieselscham“, „ökologischer Fußabdruck“ – als moralisch verschrien? „Moralisch“ scheint ja ohnehin das Schimpfwort par excellence. Minderwertiges Wording. Dummes Zeug. Sollte man im Angesicht kollektiver Verdrängung längst nicht mehr benutzen. Oder doch? Wieso eigentlich muss die Phase der Pandemie insgesamt verteufelt werden? Ob sie nicht auch etwas Gutes hatte, dass nämlich manche Mitmenschen mehr Zeit dafür hatten, zu sich selbst zu kommen und ein bisschen nachzudenken? Für sich selbst innerhalb dieser Gesellschaft? Nicht nur als Selbstvergewisserung, wie mit einem gewissen Unterton immer gerne unterstellt wird.
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I used to often travel by plane and have since stopped doing so completely, but I realize that I'm pretty much alone with that. What about the so often cited “flight shame”? A touching word from before the pandemic? No longer valid by any means because you are now happy that you can escape all the hardship by plane? Just the other day I read something like this again: intellectual justification, being with “normal” people, always on it! “Meat shame”, “diesel shame”, “ecological footprint” – decried as moral? “Moral” seems to be the dirty word par excellence anyway. Inferior wording. In the face of collective repression, it should no longer be used. Or is it? Why does the phase of the pandemic as a whole have to be demonized? Didn't it also have something good, namely that some people had more time to come to themselves and think a little? For yourself within this society? Not just as self-assurance, as is always often assumed with a certain undertone.
Montag, 5. Februar 2024
Moralismus
„Moralismus“ ist zum Standardvorwurf geworden. Dabei will wohlverstandene Moral doch nur Hinweise zum richtigen Verhalten geben, will dem Ringen darum Ausdruck geben. Oder? Ob das im „Digitalen Raum“ noch irgendeine Rolle spielt? Nach gewissen Ansprüchen leben? Man reiht sich zu leicht ein in eine Masse, übernimmt unreflektiert deren meist von „oben“ ausgegebenen Maßstäbe. So hat womöglich auch Nazi-Deutschland funktioniert. Wer moralische Gesetze bricht, wird dann auch gerne mal lobend als echt „liberal“ bezeichnet. Hm. Ist jemand, der vegan lebt, moralischer als der, der Fleisch frisst? Es gibt wohl Gewöhnung und Enthemmung auf dem Gebiet der Moral? Wieso scheint die Flugscham allüberall verflogen? Menschen wollen möglichst mit ihren Familien in den Urlaub fliegen. Wohlverdient, sagen die Medien. Wenn wir auf etwas verzichten, - welchen Einfluss hat das auf das Gesamtgeschehen? Wenn wir jetzt von Oxfam erfahren haben, das rund 1 % der Erdbevölkerung, - also die Wohlhabenden! - demnach so viel CO2 verursachen wie die ärmeren zwei Drittel zusammen. Das sind immerhin 5 Milliarden Menschen. Ob uns da Zweifel kommen angesichts der politischen Implikationen? Das persönliche Seelenheil mag es befördern, wenn wir kein Fleisch essen. Das Große und Ganze aber beeinflusst es nicht. Die Regierung hierzulande bevorzugt immer noch das Flugbenzin. Subventioniert es. Geht es um rechte Lebensführung? Ist man, wenn man darum ringt, deshalb ein „Gutmensch“?
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“Moralism” has become the standard accusation. Well-understood morality only wants to give advice on correct behavior and wants to give expression to the struggle for it. Or? Does this still play any role in the “digital space”? Live according to certain standards? It's too easy to join a crowd and unreflectively adopt the standards that are usually issued from "above". This is probably how Nazi Germany worked. Anyone who breaks moral laws is often described as truly “liberal”. Hmm. Is someone who is vegan more moral than someone who eats meat? There is probably habituation and disinhibition in the area of morality? Why does the shame of flying seem to have disappeared everywhere? People want to fly on vacation with their families if possible. Well-deserved, say the media. If we give up something, what impact does that have on the overall situation? Now that we have found out about Oxfam, around 1% of the world's population - i.e. the wealthy! - therefore cause as much CO2 as the poorer two thirds combined. That's at least 5 billion people. Do we have any doubts given the political implications? It may promote personal spiritual salvation if we don't eat meat. But it doesn't affect the big picture. The government in this country still prefers aviation fuel. Subsidize it. Is it about right living? If you struggle with this, does that make you a “do-gooder”?
Montag, 4. Dezember 2023
Moralapostel
Ich bin früher oft und gerne mit dem Flugzeug unterwegs gewesen und habe das inzwischen völlig eingestellt, merke aber, dass ich damit so ziemlich alleine stehe. Was ist eigentlich mit der so oft zitierten „Flugscham“? Ein rührendes Wort aus der Zeit vor der Pandemie? Bei weitem nicht mehr gültig, weil man jetzt froh ist, dass man mit dem Flieger der ganzen Unbill entkommen kann? Erst neulich habe ich wieder Derartiges gelesen: intellektuelle Rechtfertigung, beim „normalen“ Volk sein, immer drauf und dran! „Fleischscham“, „Dieselscham“, „ökologischer Fußabdruck“ – als moralisch verschrien? „Moralisch“ scheint ja ohnehin das Schimpfwort par excellence. Minderwertiges Wording. Sollte man im Angesicht kollektiver Verdrängung längst nicht mehr benutzen. Oder doch? Wieso eigentlich muss die Phase der Pandemie insgesamt verteufelt werden? Ob sie nicht auch etwas Gutes hatte, dass nämlich manche Mitmenschen mehr Zeit dafür hatten, zu sich selbst zu kommen und ein bisschen nachzudenken? Für sich selbst innerhalb dieser Gesellschaft? Nicht nur als Selbstvergewisserung, wie mit einem gewissen Unterton immer gerne unterstellt wird.
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I used to often travel by plane and have since stopped doing so completely, but I realize that I'm pretty much alone with that. What about the so often cited “flight shame”? A touching word from before the pandemic? No longer valid by any means because you are now happy that you can escape all the hardship by plane? Just the other day I read something like this again: intellectual justification, being with “normal” people, always on it! “Meat shame”, “diesel shame”, “ecological footprint” – decried as moral? “Moral” seems to be the dirty word par excellence anyway. Inferior wording. In the face of collective repression, it should no longer be used. Or is it? Why does the phase of the pandemic as a whole have to be demonized? Didn't it also have something good, namely that some people had more time to come to themselves and think a little? For yourself within this society? Not just as self-assurance, as is always often assumed with a certain undertone.
Freitag, 15. September 2023
Werbung als Motor der Wirtschaft
Schon seltsam, dass das alles so akzeptiert wird: Die Steigerung des Umsatzes scheint auch in diesen inflationsgeschädigten Zeiten das Wichtigste in der Wirtschaft. Glaubenssatz: Unternehmen sollen ihre Gewinne und Verbraucher ihren Nutzen maximieren. Zins und Zinseszins sind nicht nur richtig, sondern sogar zwingend notwendig, damit der Markt funktioniert. Worauf das hinaus läuft: egoistisches Verhalten, ja Gier, sind im Wirtschaftsleben absolut notwendig, ja sogar richtig, damit alles brummt. Gewinn- und Profitmaximierung ist angesagt. Unter anderem mag es dagegen moralische Einwände geben. Aber Moral wird in dieser wirtschaftlich bestimmten Gesellschaft sofort mies gemacht und auf Wolkenkuckucksheim reduziert. Dabei könnte Moral auch eine Richtschnur dafür liefern, wie wir zusammenleben wollen. Habsucht, Geiz, Profitgier und Wucher: soll das von vornherein nicht nur akzeptiert, sondern als notwendig angesehen werden? Der Abgasskandal ist zwar schon eine Weile vorbei. Ob aber gerade wer uns einiges vor Augen geführt hat? Ist Verbraucherbetrug und Täuschung notwendiger Bestandteil dieser Wirtschaftsordnung? Wenn es wahr ist, dass Werbung lügt: wieso lassen wir uns dauernd anlügen? So etwas vergiftet ein gesellschaftliches Klima. Die Realitäten verschwimmen, gewinnen etwas von Beliebigkeit, dienen Interessen und nicht der Wahrheit, sie können zu „Fake News“ erklärt werden, niemand glaubt niemanden. Ziel: Konzernnutzen geht vor Kundennutzen. Für das „Führunspersonal“, also meist die Manager, wird das meist finanziell wirkmächtig durch „Boni“ und eine Vermeidungsstrategie gegenüber der Steuer (also den Belangen der Allgemeinheit)
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It's strange that all of this is accepted in this way: increasing sales seems to be the most important thing in the economy, even in these inflation-damaged times. Belief: Businesses should maximize their profits and consumers should maximize their utility. Interest and compound interest are not only correct, they are even absolutely necessary for the market to function. What this boils down to: selfish behavior, even greed, are absolutely necessary in economic life, even right, so that everything is buzzing. Profit and profit maximization is the order of the day. Among other things, there may be moral objections to this. But in this economically determined society, morality is immediately smeared and reduced to cloud cuckoo land. Morality could also provide a guideline for how we want to live together. Greed, avarice, greed for profit and usury: should this not only be accepted from the outset, but should it be seen as necessary? The emissions scandal may have been over for a while. But whether just who has shown us something? Is consumer fraud and deception a necessary part of this economic order? If it's true that advertising lies, why do we keep being lied to? Something like that poisons a social climate. The realities blur, gain something from arbitrariness, serve interests and not the truth, they can be declared "fake news", nobody believes anyone. Objective: Group benefits come before customer benefits. For the "leaders", i.e. mostly the managers, this is usually financially effective through "bonuses" and a strategy to avoid taxes (i.e. the interests of the general public)
Montag, 21. August 2023
Staatlicher Wille zur Macht
Ich erlebe die Form des staatlichen Umgangs mit mir als äußerst rücksichtslos und keiner Differenzierung fähig. Es werden standardisierte Antworten gegeben, standardisierte Verfahren werden angestrengt, es werden befehlsartige Anweisungen gegeben, denen mit ihrem unmissverständlichen Machtgehabe „Folge zu leisten“ ist. Anonyme Stimmen ersticken einen mit maschinengetriebenen Reflexen. Formulare werden ausgegeben und müssen „fristgerecht“ ausgefüllt zurück gesendet werden. Bürokratie rules auf allen Gebieten. Der Staat hat immer recht, auch in einem Rechtsstaat… Er beansprucht für sich das Machtmonopol, weil er ja der Ausdruck des Willens von allen ist, - im Idealfall. Ein mal in 4 Jahren wird dafür ein Kreuzchen auf einem Wahlformular gemacht. Doch angesichts dieser Realität erhebt sich in uns Protest: So haben wir uns das einst nicht vorgestellt! Wir strebten dem Ziel eines anderen Umgangs miteinander entgegen. Stattdessen suhlt sich eine abgehobene Machtelite in ihrem moralisch legitimierten Besserwissen! Verbote scheinen das Mittel ihrer Wahl, gesetzliche Vorgaben ihre Methode, eine Raumschiffmentalität ihr reichlich nachgiebiger Berührungspunkt mit der Realität.
I experience the way the state treats me as extremely inconsiderate and incapable of differentiation. Standardized answers are given, standardized procedures are attempted, command-like instructions are given that are "to be obeyed" with their unmistakable pomp. Anonymous voices choke you with machine-driven reflexes. Forms are issued and must be filled out and returned “on time”. Bureaucracy rules in all areas. The state is always right, even in a constitutional state... It claims the power monopoly for itself, because it is the expression of everyone's will - ideally. Once in 4 years a cross is made for this on an election form. But in the face of this reality, we protest: This is not how we once imagined it! We strived towards the goal of treating one another differently. Instead, a detached power elite wallows in their morally legitimate know-it-all! Prohibitions seem to be the means of their choice, legal regulations their method, a spaceship mentality their rather flexible point of contact with reality.
Dienstag, 27. Juni 2023
Armut bei uns
Mich wundert die prominente Erwähnung einer einfachen und längst tausendfach in Studien dargelegten These, dass Armut die Demokratie gefährde, was längst zu entsprechenden Aktionen der Mächtigen hätte führen müssen. Ein Zusammenhang scheint mir dabei immer wieder klar zu sein: Wenn die Armut zunimmt (so, wie bei uns) nimmt auch die Unzufriedenheit und die Verzweiflung zu. Mit der Verzweiflung wächst die Gewalt und mit der Gewalt die Angst. All das führe, so die „Wissenden“, zu einer Entfernung von Demokratie. Wirtschaftliche Belastungen, wie etwa Inflation, müssten besser verteilt werden, starke Schultern müssten mehr tragen als schwache (politische Veränderungen in den „Neuen Bundesländern, Inflation). Es müsste bei entsprechendem politischen Willen gelingen, wirtschaftliche Entlastungen einigermaßen gezielt herbei zu führen. „Moral, Moral!“ so hören wir schon die Marktwirtschaftler spotten, die ja alles Gute vom „Markt“ erwarten. Werte wie „Gerechtigkeit“ sind bei ihnen keine Größen, die wirklich eine Rolle spielen. Wer solle denn Gerechtigkeit herstellen, so immer wieder ihre rechtfertigende Gegenfrage. Armut ist jedenfalls kein unabänderliches Schicksal der Unfähigen, sondern gehört beseitigt, wenn die Demokratie eine Chance haben soll. Die Diktatur der Starken über die Schwachen bedeutet jedenfalls keine Demokratie.
Dienstag, 20. Juni 2023
Frau und Mann
Es ist doch erst ein paar Tage her, dass die grellen Loblieder und Nachrufe auf Tina Turner in die Welt geschickt wurden. Nicht ausgespart wurden dabei die Kapitel, in denen sie sich gegen männlich gewalttätige Ansprüche gewehrt hat. Tapfer sei sie gewesen, tough, so hieß es. Und jetzt? Kommt eine prominente Band mutmaßlich mit ihren diesbezüglichen „Praktiken“ um die Ecke, was einen Skandal provoziert. Ihr hält man bei vielen noch rechtlich unbewiesenen Anwürfen oft den Mythos „Sex, Drugs & Rock‚n Roll“ zugute. Im Rückblick habe ich mich als Musikjournalist oft über derartige männliche Praktiken gewundert, als ich sie aus den Augenwinkeln heraus wahrgenommen habe. Seltsam fand ich auch, wie sich gewisse Frauen ob ihrer dabei sich ergebenden sexuellen Kontakte gebrüstet haben. Ich habe das aber leider zu oft unter dem Motto „andere Moralvorstellungen“ und „Toleranz“ für mich abgetan.
Auch galt ich bald überall als Spezialist für „weibliche“ Rockmusik, was mich nicht gestört hat, weil es mir neben Kompetenzversprechen unter anderem zusätzliche Aufträge einbrachte. Mich interessierte vielleicht auch viel zu sehr die dahinter steckende Musik, etwa die einer Joni Mitchell, was mich wesentlich mehr umtrieb. Dass deren persönliche Biografie offenbar einige „Brüche“ aufwies, darüber war ich informiert, - mehr nicht. Es konnte mein musikalisches Interesse nicht überlagern. Unbewiesen, das alles. Überhaupt: Es wurde das ohnehin als der Preis dargestellt, den ein Künstler halt zu entrichten habe. Ich selbst war ohnehin mehr an der Substanz, an der Essenz orientiert, kaum am Umfeld solchen Schaffens (Der „Schlüssellochblick“ scheint gerade bei den Medien beliebt). Dass hinter gewissen Showbus-Konstellationen ein großes Problem der Rock- und Popszene steckte, war mir klar - und wurde mir später immer klarer. Ein nahezu kaufmännisch ausgerichtetes Auswahlverhalten („Casting“) und Gewalt gegen Frauen schien in der Rockmusikindustrie weithin völlig legitim. Es schien der Ausweis von „Prominenz“ und schon seit frühen Jahren eines „Dazu zu gehören“ zu sein. Gewisse Damen schienen so etwas auch noch zu loben und zu preisen: Trophäenkult. Mir kommt es im Rückblick so vor und es verwundert mich nicht, dass solche Praktiken aber kaum an bestimmten Punkten Halt machen. Dass so etwas bis zu Gewaltanwendungen jeglicher Art gehen kann, scheint mir bis heute eine nahezu logische Folge solchen Gebarens. Aktuelle Untersuchungen „männlichen“ Verhaltens in der Breite der Gesellschaft scheinen das noch zu stützen. Dass Übergriffigkeiten und Gewalt auf breite Akzeptanz stoßen, macht mich heute aber dann doch stutzig. Ob gerade die den Starkult so hingebungsvoll pflegende Rock- und Popmusikindustrie da ein Problem hat? Ein Sexismus-Problem? Ob gerade für sie „Me too“ notwendig wäre? Ob zu viele Leute gewisse Praktiken geschützt und gedeckt haben? Männliche Dominanz, auch in gewalttätiger Form, scheint da für „normal“ und in seiner Einseitigkeit von viel zu vielen Leuten als legitimer Ausdruck von „Sex, Drugs & Rock`n Roll“ gehalten zu werden.
Montag, 3. Oktober 2022
Großpoesie
Was sich vielfach promoted und in tausend Anzeigen beworben ins Bewusstsein schleicht: Höchst gelangweilte Anwälte ihrer selbst scheinen als Großschriftsteller gefeiert und nach Einscheidungsschlachten mit den üblichen Moralbegriffen nun mit verdrießlichem Gesicht auf dem Buchdeckel ihres bekennerischen und rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft erschienen Buches ihre Depressionen in Büchern auszuleben. Illustrationen eines dekadenten Großbürgertums sind diese literarischen Ergüsse meist und Erweckungen „richtungslos sehnsüchtiger Stimmungen“. Ob sie darin den Schlagern und den von ihnen verbreiteten Welten gleichen mit denen sich Leute jeglicher Herkunft gerne bespaßen lassen? Sonnenuntergang auf der Trauminsel? Vergangenheitsbewältigungen, aus teuren Hotelzimmern heraus geschrieben? Sich von der Unbill des Lebens behaglich berühren lassen? Sich dabei einer „Traurigkeit“ immer gewahr sein? Ach, das böse Schicksal! Mutet einem trotz prall gefülltem Bankkonto und mehrfach abgefedertem Dasein so viel zu! Schwein und guter Mensch gleichzeitig sein? Ach, welcher Zwiespalt! Können einen politische Entscheidungen, die gerne als „Entlastungen“ daher kommen, belasten? Iwo! - schnell in den Flieger steigen und – weg!
Montag, 19. September 2022
Überbauarbeiter
Wieder so eine Diskussion im TV verfolgt, in der ein sehr geschmäcklerisch ausgesuchtes und mit spritzigem Wein Wahrscheinlich kein von diesem Kreis so hoch gepriesenes Wasser!) rechtzeitig bedachtes Publikum über die verkommenen Sitten des Publikums diskutiert. Da zählt die große Geste, die erklärtermaßen keinerlei Rücksicht auf das Publikum ("Die Bettler") nimmt, weil das ohnehin ein Graus ist. Aber man ist sich unter den spitzzüngig schlürfenden Regenten des Kulturbetriebs einig, mit welchen Taxifahrern (ob es auch weibliche gibt?) man keineswegs fahren sollte, weil die immer so frech und verständnislos sind. In hedonistisch zerschmatzten Nebensätzen lässt dieses Vertretertum des Bildungsbürgertums dann fallen, welche Großschriftsteller und welche bedeutenden Werke man ganz genau kennt (an dieser Stelle aber nicht weiter erwähnen will, - obwohl….). Man zwinkert sich zu, denn man ist sich ja einig, was großartig ist, unabhängig von kriegerischen Umtrieben irgendwo auf der Welt. Man macht genüsslerische Andeutungen und gefällt sich im Lob und Preis „befreiter“ niederer Triebe, die man ja von allen überflüssigen Moralvorstellungen längst entkleidet hat. Es gilt der exquisite Geschmack, der sich weit über die niederen Ansichten des Volkes erhebt. Man zelebriert selbstgefällig seine eigene Abgehobenheit, die sich selbstverständlich nie um jene Kritiker kümmert, die eventuell im Internet auftreten könnten, - denn dort ist ja sowieso alles hassverseucht und von niederem Geschmack. Jawohl, Hate Speech ist nicht erlaubt!
Montag, 29. August 2022
Polarisierung
Linke, ökologische oder fortschrittsorientierte Parteien isolieren sich immer mehr von denen, die sie eigentlich vertreten sollten: Menschen, denen es nicht so gut geht. Sie fühlen sich oft bevormundet von denen, denen es überaus gut geht. Leute, denen es nicht so gut geht, können sich nicht so stark um den Klimawandel kümmern oder teure Bio-Ware („Nur das Beste für mich“) kaufen (wenn sie angesichts von Inflation und Kriegsauswirkungen noch etwas haben, mit dem sie etwas kaufen können...), wie die hochgebildeten Besitzenden, die immer eine soziale Verantwortung für sich beanspruchen und dem aber selten gerecht werden. Da ist viel Lifestyle-Moralismus: Wir wissen, was gemacht werden muss.…und nur wir! z.b. keinesfalls mit der Benzinkutsche auf dem Lande zum Einkaufen fahren. Doch: Jemand, der auf dem Land lebt, dürfte trotz der großen staatlichen Hilfen nicht allzuviel Alternativen zum Verbrennungsmotor haben.
Da ist Abgehobenheit: zb. Sprachvorgaben. Ächtung von Begriffen. Die Leute haben etwas gesagt, was sie normal fanden. - aber irgendwelche woken Akademiker mit hohem Einkommen haben das schon längst auf den Index gesetzt. Zb. Kindheitsträume: eine Grüne plauderte einst aus, dass sie Indianerhäuptling habe werden wollen. Das wurde dann aus dem korrekten TV-Mitschnitt rausgeschnitten, denn das darf man überhaupt nicht mehr sagen. Indianer? Igitt! Auch: Darf eine weiße Person das Gedicht einer schwarzen Person übersetzen? Als würde sich der Rassismus an solchen Fragen entscheiden! Leute, die meinen, sie seien links, konzentrieren sich wohl zu oft auf solche Fragen und Symbole, während es gleichzeitig Sozialabbau ohne Ende (etwa durch Inflation!) gibt und es weithin ums bloße Fressen oder Trinken geht. Da ist ein relativ gut situiertes, meist akademisch gebildetes, in Großstädten lebendes Milieu, das die eigenen Privilegien für Tugenden hält und anderen Leuten am besten gleich vorschreiben will, wie man zu leben, essen, habe, wie man zu denken oder zu reden habe. Verzicht predigen fällt natürlich dem leichter, der demjenigen ein Verhalten empfiehlt, der wenig hat (zb empfahl eine prominente sozialdemokratische Europa-Politikerin neulich in einer TV-Sendung einfach weniger zu heizen, um Geld zu sparen und sich umweltpolitisch korrekt zu verhalten)
Donnerstag, 23. Juni 2022
In den Urlaub fliegen
Man wundert sich, wer alles wie oft und unbedingt mit dem Flugzeug fliegen muss. Teilweise scheinen das genau dieselben Leute zu sein, die an anderer Stelle gegen das Fliegen aus ökologisch-moralischen Gründen polemisieren. Ob das zur Glaubwürdigkeit dieser Personen und – ungleich wichtiger – der um das Klima bedachten Menschen beiträgt? Ob hier nicht ein bestimmter Eindruck entsteht, der dem jetzt massenhaft in Urlaub fliegendem Mainstreampublikum Wasser predigt und den Wein genussvoll schamlos schlürft? Ob nicht jüngst die Umstände einer Fernsehmoderatorin durch die Schlagzeilen ging, die regelmäßig extra für ihre (miese!!!) TV-Sendung morgens aus Israel eingeflogen wird, um abends wieder zurück geflogen zu werden…? Man hat auch noch eine Talkrunde in Erinnerung, in der Fliegen wie ein Naturrecht wichtiger, in ihren wohlverdienten Urlaub fliegenden Menschen „verkauft“ wurde. Nach zwei Jahren Corona bräuchten sie unbedingt…… Jedenfalls wurde kein für mich wahrnehmbarer Gedanke daran verschwendet, wie sehr durch Emissionen das Fliegen umweltschädlich wirken kann.
Montag, 24. Januar 2022
Die Rationalität des Bösen
Es sind jetzt einige Tage vergangen, an denen uns das Gedenken an die sog. „Wannseekonferenz“ nahe gebracht wurde, bei der die Umsetzung einer Auslöschung der Juden von den Nazis beraten und beschlossen wurde. Ob das Spuren in uns hinterlassen hat? Ob es Leute ins Nachdenken darüber gebracht hat, was die blinde Umsetzung von Vorgaben und Befehlen in einer Organisation bedeutet? Es war wohl diese kalte Umsetzung, das Handeln nach Maßstäben der Effektivität, das gerade dieses Handeln hervor gebracht hat, das die „Normalität“ damals (...und heute unter veränderten Vorzeichen?) geprägt hat. Ob „Effektivität“ nicht auch ein Ziel ist, das uns heute nach Maßstäben einer globalisierten Menschenverachtung immer wieder vorgegeben wird? Ob kalte Überlegungen,scheinbare Rationalität und eine technokratische Vorgehensweise inzwischen verschwunden sind? Oder ob ein solches Denken weiter lebt und die diesbezüglichen Schwüre reine Lippenbekenntnisse sind? Verbale Tricks, die eine autoritätshörige Einstellung und Ausrichtung verdecken sollen? Ob noch einiges dieses Denkens und Handelns in uns weiterlebt und ob es mehr als genug Strukturen in diesem Gemeinwesen gibt, die ein solches furchtbares Vorgehen möglich und denkbar machen? Ich bin so vielen „braven“ Umsetzern von Vorgaben begegnet, habe das Verbergen hinter fragwürdigen Maßstäben der Effizienz erlebt, das Streben nach „Planerfüllung“ in einer Diktatur des Profits, habe eine blinde Gefolgschaft so hassen gelernt, dass ich nicht nur darin eine Signatur der „Banalität des Bösen“ sehe.
Montag, 19. Juli 2021
"Rücksicht" - Reloaded
Rücksicht, besonders im Verbund mit einer gewissen Höflichkeit und Respekt, scheint als Wert nicht mehr zu existieren. Dagegen gesetzt wird allzu
oft der Wert „Durchsetzungskraft“, der eine „Freie Marktwirtschaft“ besonders auszuzeichnen scheint. Ist eine solche Betrachtung moralistisch? Moralinsauer etwa? Moral ist natürlich nicht erlaubt.
Gezielt zuschlagen ist dagegen erlaubt. Besonders gegen diejenigen, die sozial unterlegen sind. Damit alle davon profitieren, so behauptet manche Stimme. Selbst
schuld!, so etwa das turboschneidige Verdikt. Trickle-down-Theorie, ich hör‘ dir trapsen! Neulich auch im Kreisverkehr: wer ausfahren möchte, sollte eigentlich blinken, damit andere merken, dass sie einfahren können. Tun bloß immer weniger Leute: Hauptsache, ich komme durch! Ich, das heilige Ego! Das zeigt den Alltag, der auf Rücksichtslosigkeit ausgerichtet ist. Natürlich nicht „offiziell“, sondern
„inoffiziell“, weil die Menschen (und mit ihnen diejenigen, die sich besonders menschenfreundlich geben!) über viele Jahre hin zum Egoismus erzogen worden sind, weil Person und Persönlichkeit zugunsten eines (Kosten-)faktors nicht mehr gilt. Die Macht des Stärkeren gilt in einem Maße, das Charles Darwin damals gleich gar nicht gemeint hat.
Dienstag, 22. Juni 2021
Beobachtungen an der Gesellschaft
Ich denke ein Angefangenes weiter und betrachte die Gesellschaft nach Corona (hoffentlich): Der Lebensstandard vieler Angehöriger
der Mittelschicht bewegt sich hierzulande auf einer Abwärtskurve. Das passende und oft verwendete Bild
dafür ist das der immer schneller abwärts laufenden Rolltreppe, auf der man sich, um auch nur auf der Stelle zu bleiben,
immer härter gegen den Trend stemmen muss, um auch nur auf dem selben Fleck zu bleiben.
Selbst mit einem guten Gehalt kann man sich heute in deutschen
Großstädten kein Eigenheim mehr leisten, auch auf dem Land steigen
die Lebenshaltungskosten, während traditionell angelegte Ersparnisse
(Sparbuch, Bausparvertrag, Lebensversicherung, Betriebsrente) rapide
an Wert verlieren. Und dann kommt bei vielen auch noch das Empfinden hinzu,
dass sie nicht mehr reden, witzeln, sein dürfen, wie sie wollen, dass allerorten
gesellschaftliche Stoppschilder der Correctness aufgestellt werden. Der Boden wird
also gleich an zwei Stellen brüchig. Mir schwant: Erst diese Verbindung von Ökonomie und Kultur
facht den Unmut vieler Menschen so richtig an. Und manchmal genügt ein Sparwitz als Funke, um eine
Protestfackel zu entzünden.
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