Reise durch Wirklichkeiten

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Samstag, 13. Dezember 2025

Musikerneugier

Die Neugier von Musikern scheint eng begrenzt zu sein. Ich erinnere mich, wie ich glaubte, bei bestimmten Konzerten bestimmter KünstlerInnen bestimmte Leute treffen zu können, die sich das Eintrittsgeld hätten leisten können. Nix war`s! Die scheinen alle auf sich selbst, auf den eigenen Nabel, konzentriert gewesen zu sein, brauchten keine Anregungen. Wussten offensichtlich alles sehr genau. Blöd nur, dass sie es ohne solche Anregungen von außen auch nicht schafften, ihr eng umgrenztes Ego auszudrücken, oder sich mit allen Ups und Downs auszuformulieren. Mich selbst trieb die Neugier weit hinaus ins Unbekannte, so lange, bis es nach meinem Rauswurf zu teuer für mich wurde. Eigene Musik war für mich auch ein Spiel mit Möglichkeiten, das uns immer wieder neue Horizonte erschloss. Emotional und intellektuell. Wieso nicht für die Leute, die sich genau damit tatkräftig befassten? Es ist uns ein Rätsel geblieben, genauso wie meine Expertise kaum eingeholt wurde, was erstaunlich ist angesichts von jemandem, der sich von einer anderen Seite als der akademisch technischen Seite her sehr ernsthaft mit einem Phänomen befasste. Mein anderer Standpunkt war für sie offenbar nicht gefragt. Man wusste ja selbst alles besser. Verblüffend, das alles. Aber eine Erfahrung.

Montag, 30. Juni 2025

Menschen im Wettkampf

Wann hast du dich zuletzt selbst wahrgenommen? Diese Frage scheint viele Menschen unausgesetzt umzutreiben und sie in teure Selbsterfahrungskurse zu führen. Die dauernde Selbstbespiegelung, die damit verbundene Selbstoptimierung, das Selbst als Statussymbol, der dauernde Griff zum Smartphone, das unsere Lebensäußerungen immer perfekter registriert, und die Algorithmen immer perfekter programmiert, die ausufernde, uns ständig überfordernde und digital überwachte Körperkultur: das alles gehört zusammen und hat nichts mehr mit Hermann Hesses oder CG Jungs bildungsbürgerlichem humanistischen Streben nach dem Ego und der Individualisierung entgegen gesellschaftlicher Erwartungen zu tun. Stets noch besser, effizienter und authentischer zu werden, ist inzwischen ausgerufen als Ideal und widerstrebt diesem Old-School-artigen „Werde, der du bist“ vollkommen. Das Ego scheint heilig. Auf eine bestimmte Weise. Ob es da nicht weit zum Egoismus ist? Überforderung, Burn-Out, Depression, Erschöpfung, Anorexie, Bulimie, kaputte Partnerschaften, Unfähigkeit zur Beziehung.… das alles könnte ein Anzeichen für die auf Perfektion getrimmte Körperkultur und den Zwang zur Steigerung eigener Leistungsfähigkeit sein (die ganz im Sinne einer Durchökonomisierung des Menschen zu sein scheint). Der Philosoph Jürgen Habermas hat das einmal „Kolonialisierung der Lebenswelt“ genannt. Es geht um ein Leistungsdenken im Privaten. Neoliberalisierung aller Lebensbereiche. Vereinzelung scheint die Folge. Der Einzelne als Wirtschaftsobjekt. Menschen benutzen andere Menschen als Werkzeug, um an ein Ziel zu kommen. Soziale Kälte breitet sich aus. Die Diktatur des ökonomischen Denkens, seine immer weiter zunehmende Ausdehnung auf alle Lebensbereiche scheint eine Konsequenz, die individualistisch ausgerichtete Leute wie Hesse so nicht anstrebten. Aber sie erkämpften sich den Platz in einer gesellschaftlichen Elite. Hesse selbst war Literaturnobelpreisträger im Jahr 1946.

Freitag, 15. November 2024

Potential?

Wie gut fühlt man sich in seinem eigenen Leben? Selbstverwirklichung, Selbstoptimierung – hat man seine Potentiale „abgerufen“? Ob das das Problem einer bestimmten Klasse, einer Schicht ist? Ob einen das von der Serviceclass unterschiedet, von den einfachen Dienstleistern? (Reinigung, Transport, usw.). Globalisierung ist neue Konfliktlinie geworden (der Zeitgeist zeigt es deutlich). Skeptizismus gegenüber Globalisierung und Entgrenzung). Nationale Kulturbetonung. Entdeckung des Eigenen unter Kosmopoliten. Der Dynamisierungsliberalismus der letzten Jahre strebte nach Deregulierung, auch im linksliberalen Zweig. Vernachlässigung öffentlicher Infrastruktur.