Reise durch Wirklichkeiten

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Montag, 27. Juli 2026

Solitude

Du entdeckst und es wird dir zunehmend bewusst, dass du alleine bist. Hattest du in der Vergangenheit stets Leute um dich herum, die du als viel zu viele empfandest, so gibt es diejenigen jetzt gar nicht mehr. Man hat sich abgesetzt vom Mainstream, ohne dass man das so richtig merkte. Es gab eine Entwicklung um dich herum, deren Eigenheit du mal wieder nicht so recht mitbekamst. Auch mag das alles eine Folge deiner Tätigkeit als „Freier Journalist“ sein….. Immer wieder hört man von Menschen, die verreckten und die erst bemerkt wurden, als es anfing, unangenehm zu riechen. Nachbarn? Hier unsichtbar. Ja klar, man selbst gibt sich ja auch nicht gerade kontaktfreudig. Aber sie würden antworten, dass man mich in letzter Zeit kaum mehr gesehen habe. Man wisse kaum, wer was mache und warum. Alles scheint anonym geworden zu sein. Tatsache scheint zu sein, dass für die meisten Menschen Freunde allgegenwärtig sind und Ablenkungen zuhauf verfügbar sind. Wer eigentlich darf da bei sich selbst sein? Klar, so etwas kann auch lobesam sein. Doch die Zeiten, als der Schriftsteller Gottfried Benn „Wer allein ist, ist auch im Geheimnis..“ behaupten durfte, sind wohl im Zeichen einer allgemeinen Vergesellschaftung vorbei. Single sein. Sich selbst genügen, das freilich schließt einen von der großen Vernetzung aus. Eremitage. Mönchtum. Vor einiger Zeit war es sehr angesagt, in Klöstern zu verweilen, die Stille dort neu kennen zu lernen, die Stille auszuhalten. „Auszeit auf Zeit“ war meist sehr teuer und beinhaltete oft auch noch andere Wellness-Wohltaten im Zeichen religiöser Erbauung. Doch was ist nun die Realität? Einsame und alleinstehende Menschen gelten als Sonderlinge. Reinschauen bei Edward Hopper: Menschen ohne soziale Bindungen sitzen dort alleine an der Bar, leicht bekleidete Damen machen geschlechtlichen Betrieb, bieten Attraktionen der glitzernden Oberfläche. Man sinkt ab in Wein und Zerstreuung, in Schein und Schalk.

Dienstag, 21. Juli 2026

Einsamkeit?

Du entdeckst und es wird dir zunehmend bewusst, dass du alleine bist. Hattest du in der Vergangenheit stets Leute um dich herum, die du als viel zu viele empfandest, so gibt es diejenigen jetzt gar nicht mehr. Man hat sich abgesetzt vom Mainstream, ohne dass man das so richtig merkte. Es gab eine Entwicklung um dich herum, deren Eigenheit du mal wieder nicht so recht mitbekamst. Immer wieder hört man von Menschen, die verreckten und die erst bemerkt wurden, als es anfing, unangenehm zu riechen. Nachbarn? Hier unsichtbar. Aber sie würden antworten, dass man mich in letzter Zeit kaum mehr gesehen habe. Man wisse kaum, wer was mache und warum. Tatsache scheint zu sein, dass für die meisten Menschen Freunde allgegenwärtig sind und Ablenkungen zuhauf verfügbar sind. Wer eigentlich darf da bei sich selbst sein? Klar, so etwas kann auch lobesam sein. Doch die Zeiten, als der Schriftsteller Gottfried Benn „Wer allein ist, ist auch im Geheimnis..“ behaupten durfte, sind wohl im Zeichen einer allgemeinen Vergesellschaftung vorbei. Single sein. Sich selbst genügen, das freilich schließt einen von der großen Vernetzung aus. Eremitage. Mönchtum. Vor einiger Zeit war es sehr angesagt, in Klöstern zu verweilen, die Stille dort neu kennen zu lernen, die Stille auszuhalten. „Auszeit auf Zeit“ war meist sehr teuer und beinhaltete oft auch noch andere Wellness-Wohltaten im Zeichen religiöser Erbauung. Doch was ist die Realität? Einsame und alleinstehende Menschen gelten als Sonderlinge. Reinschauen bei Edward Hopper: Menschen ohne soziale Bindungen sitzen dort alleine an der Bar, leicht bekleidete Damen machen geschlechtlichen Betrieb, bieten Attraktionen der glitzernden Oberfläche. Man sinkt ab in Wein und Zerstreuung, in Schein und Schalk.

Samstag, 28. März 2026

Einspänner

Hier ein Ausschnitt aus meiner Magisterarbeit (ca. 1984) „Der Typ des Außenseiters im Frühwerk Hermann Hesses“, was durchaus auch vom Zeitgeist geprägt gewesen sein mag: „Von „Hermann Lauscher“ bis zum „Steppenwolf“: Harry Haller prägt die Hesse‘schen Outsider mit einem Gefühl der Einsamkeit. Sie sind alle Einzelgänger, „Einspänner“, Sonderlinge, die zu Kontaktarmut und sozialer Isolation neigen. Die äußerste Steigerung dieses Charakterzugs verkörpert Harry Haller, dessen Beziehungs- und Bindungslosigkeit im „Tractat“ als wichtiges Kennzeichen seines Lebens bezeichnet wird. Für Lauscher und Camenzind schafft die Einsamkeit noch die Möglichkeit, der Natur näher zu sein. Für Harry Haller dagegen, der heimatlos durch die Stadt irrt, ist sie Quelle des Leidens, aber auch Merkmal des höher Individuierten, der die „verlogenen Gemeinsamkeiten der Herde“, der Masse der Menschen, nicht teilt. Schon Peter Camenzind blickt verständnislos auf den „Homo socialis“, der „kraft eines geselligen und nivellierenden Geistes“ zur Gemeinsamkeit fähig ist. Der elitäre Zug des höher individuierten Outsiders erscheint dann zum ersten Mal deutlich in „Demian“. Die Gemeinsamkeit der bürgerlichen Gesellschaft wird hier als Notlösung betrachtet, sie besteht hauptsächlich aus Angst vor Einsamkeit und Schwäche. Hier wird der Einfluß Nietzsches auf das Bild des einsamen Outsiders in Hesses Werk deutlich. In „Demian“ wird sogar die direkte Verbindungslinie gezogen: „Ich….hatte auf meinem Tisch ein paar Bände Nietzsche liegen. Mit ihm lebte ich, fühlte die Einsamkeit seiner Seele, witterte das Schicksal, das ihn unaufhaltsam trieb, litt mit ihm und war selig, dass es einen gegeben hatte, der so unerbittlich seinen Weg gegangen war“.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Mitbewerber

Meine Beobachtung ist, dass in unserer Gesellschaft eine massive Tendenz zur Vereinzelung herrscht, was ein Gefühl der Verlassenheit hervorbringt. Auf der politischen Ebene sind die Parteien längst nicht mehr fähig, dies Volk zu integrieren. Vertreter der High-Brow-Kultur (Hochkultur) konstatieren das und geben geschmäcklerisch die (noch) Unbeteiligten, für deren wirtschaftliche Existenz „gesorgt ist“. Sie sind wohlerzogen und gut gekleidet. Ihr Verhalten gründet in einer Nicht-Auseinandersetzung, bzw. einem feindlich competiver Umgang mit „Mitbewerbern“. Leuten wie mir hingegen ging und geht es darum, die Wirklichkeit abseits der Wahrnehmungsbubbles anzuerkennen und sie besser zu verstehen. Ein zielführender Begriff diesbezüglich scheint mir diesbezüglich „Empathie“ zu sein. Dem gegenüber steht das „Geschäfte machen“ also der Übervorteilung des Anderen, das „Deal-making was leicht dem „Wachstum“ zugeordnet wird. Es geht um Anpassung an Strukturen, die ich persönlich für mich viel zu wenig ernst nahm. Verpönt ist das humanistisch Moralische. Dagegen wird Pragmatismus und Interessenpolitik gestellt.

Montag, 15. Dezember 2025

Vereinzelung

Meine Beobachtung ist, dass in unserer Gesellschaft eine massive Tendenz zur Vereinzelung herrscht, was ein Gefühl der Verlassenheit hervorbringt. Auf der politischen Ebene sind die Parteien längst nicht mehr fähig, dies Volk zu integrieren. Vertreter der High-Brow-Kultur (Hochkultur) konstatieren das und geben geschmäcklerisch die (noch) Unbeteiligten, für deren wirtschaftliche Existenz „gesorgt ist“. Sie sind wohlerzogen und gut gekleidet. Ihr Verhalten gründet in einer Nicht-Auseinandersetzung, bzw. einem feindlich competiver Umgang mit „Mitbewerbern“. Leuten wie mir hingegen ging und geht es darum, die Wirklichkeit abseits der Wahrnehmungsbubbles anzuerkennen und sie besser zu verstehen. Ein zielführender Begriff diesbezüglich scheint mir diesbezüglich „Empathie“ zu sein. Dem gegenüber steht das „Geschäfte machen“ also der Übervorteilung des Anderen, das „Deal-making was leicht dem „Wachstum“ zugeordnet wird. Es geht um Anpassung an Strukturen, die ich persönlich für mich viel zu wenig ernst nahm. Verpönt ist das humanistisch Moralische. Dagegen wird Pragmatismus und Interessenpolitik gestellt.

Samstag, 2. August 2025

Absacker

Man lebt in einem eigenartigen Gefühl. Es wird wohl etwas auf einen zukommen, das einen vernichten kann. Man weiß nur nicht genau, wer oder was das sein wird. Söder sprach davon, dass wohl ganze Bevölkerungsschichten absacken werden. Aber wer ist schon Söder? Autokratien marschieren, die neue Rechte hat jeden Tag etwas Neues auf Lager (was Strategie ist, Absicht, Verwirrung stiften) Wird man stark genug sein? Es scheint einen genau im falschen Moment zu treffen: Man war eben Corona einigermaßen entronnen, hatte seine Existenz gerettet und wurde sich in meinem Falle schmerzlich bewusst, dass man alleine ist. Man ist aus dem Erwerbsleben ausgeschieden und in eine Existenz gewechselt, die mit einer Mini-Rente unter der Armutsgrenze ausgestattet ist. Man will aber unbedingt eine Bekannte weiterhin unterstützen, der es noch schlechter geht, nachdem sie als Unternehmerin sich vor einem Bankrott gerettet hat. Sie als ehemals Selbständige erfährt auf dem Sozialamt den Rat „hätten Sie mehr gearbeitet!“. Man stößt darüber hinaus überall auf Gleichgültigkeit. Man fängt an, eine Überschau über ein Leben zu gewinnen und kapiert, dass man nichts erreicht hat. Jemand eng Verwandtes verachtet mich und ich weiß nicht mal wieso. Ich brachte ein Buch heraus, das ohne Leser blieb. Ich machte intensiv Musik: Ohne Zuhörer. Ich schrieb Blogs: ohne Follower. Ich postete auf FB und erreichte im äußersten Fall etwa 3 kompetente Leser. Man wird gewahr, dass andere Leute Kinder in die Welt gesetzt haben. Man selbst wagte das aus Verantwortungsgefühl nicht. Ich armer Mensch! Ich habe Mitleid mit ihm. Es ist schlimm! Typisch damaliger Zeitgeist. Selbst schuld. Währenddessen werden um uns herum Lügengebäude hochgezogen von denen, die es als Staatsfunktionäre längst geschafft haben.

Dienstag, 17. September 2024

Einsamkeit to go

Die Psychodoktoren sehen Besserung bei Symptomen der Einsamkeit durch Psychotherapie. Dass eine Stunde (50 Minuten) bei ihnen etwa 90 Euro kostet (was sich kein Grundsicherungsempfänger leisten kann), weist ganz klar in Richtung einer Klassentherapie: nur bestimmte Leute mit viel Geld oder weit über die AOK hinaus Versicherte können sich so etwas leisten! Dazu kommt, dass man als AOK-Patient erst einmal einen Termin beim Therapeuten ergattern muss. AOK-Patienten stehen theoretisch zwar 100 Stunden Tiefenpsychologie zu, die man für sich dort aber erst mal erkämpfen muss. Wann der Termin dann sein sollte, das wird allerdings nicht erklärt (Ich nehme mal an, möglichst zeitnah). "Ganz er selbst sein darf jeder nur solange er allein ist: wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit: denn nur wenn man allein ist, ist man frei." sagt der Philosoph Arthur Schopenhauer. Ich lese „Millionen Deutsche leiden unter Einsamkeit“. Verlassenheit. Isolation. Depression. Verlust persönlicher Kontakte. Sogar die Ampel scheint das bemerkt zu haben. Soziale Kompetenz sollte geübt werden, ansonsten geht sie schleichend verloren, so heißt es.

Donnerstag, 28. Dezember 2023

Against all odds

Fernsehen. Linear. Selten so öde gewesen wie in den letzten Feiertagen. Dabei ist TV für manche einzelne Menschen ein Mittel gegen die Einsamkeit. Es kann die Illusion verschaffen, man sei nicht alleine, es geschehe etwas, es durchströme Aktion das Dasein, als würden Menschen zu einem sprechen. Solche Menschen sind sogar angewiesen aufs Fernsehen. Doch die Programmgewaltigen, ob privat oder öffentlich-rechtlich, scheinen von einer Mehrheit der Menschen auszugehen, denen fest zugeordnet ist, was sie will und was sie nicht will. Copy-Tests und „repräsentative“ Befragungen werden zur Beglaubigung herbeigezogen. Das sei unter anderem auch demokratisch, so wird argumentiert. Wenn aber die Mehrheit der Leute an den Festtagen gar kein TV schaut, dann qualifiziert sich „die Mehrheit“ ganz anders als zuvor und ist nicht mit lieblos zusammengestellten und hinweg gesendeten Wiederholungen zu bedienen. Harry Potter mag zu recht bei einer Mehrheit beliebt sein. Doch es gibt qualifizierte Minderheiten, die auch gerne bedient würden. Ob überhaupt diese Fixiertheit auf eine Mehrheit undemokratische Züge hat? Ob sie sich regelrecht einer Diktatur einer Mehrheit annähert? Oder dem, was von einer Mehrheit vermutet und angenommen wird? Klar, alle Live-Akteure (bis auf die Nachrichten-Leute!) sind in Ski- oder Winter-Urlaub, setzen mal für ein paar Wochen aus und überhaupt, an Weihnachten und „zwischen den Jahren“ läuft ja außer Krieg und ein bisschen Hochwasser sowieso nichts. Nicht mal Sport. Dessen journalistische Begleitpersonen samt der Sport-Protagonisten selbst müssen „bei der Familie“ Kraft tanken und stehen für ihre sportlichen Unterhaltungsbemühungen offenbar nicht zur Verfügung.

Dienstag, 16. Mai 2023

In sich hinein.....

Labyrinthe faszinieren immer noch. In jeder Form. Wie sind sie gestrickt? Was bewirkt ihre Wirkung auf uns? Was sagt beispielsweise die Antike zum Symbol des Labyrinths? Unter anderem bedeutet es Initiation, Einführung in die Welt. Es ist ein Ort des vertraut Werdens mit der Tradition des Stammes und der Selbsterfahrung. Der Weg ins Zentrum ist mühsam und verlangt eine gewisse Reife. Im Zentrum ist der Mensch vollkommen mit sich alleine. Die Umkehr und das Heraustreten bedeuten einen geläuterten Neubeginn. Der Weg!? Wo ist er? Es ist der symbolische Pfad des Lebens: Anfang und Ende, verschlungener Weg und klares Ziel sind in der Form des Labyrinths inbegriffen. Das Leben schafft das Bewusstsein eines Kreislaufs: In alten Kulturen existierte ein Glaube an den ewigen Kreislauf von Leben. Jahreszeiten. Geburt und Tod. Der Weg führt in den Tod und daraufhin in die Wiedergeburt (Umwendung im Zentrum und Ausgang aus dem Labyrinth). Heraklit sagt: „Der Weg hinab und der Weg hinauf ist derselbe“. Das Labyrinth ist aber auch eine magische Figur, die einen unangreifbar machen soll. Der Feind wird auf den langen und verschlungenen Wegen entmutigt und erschöpft.

Mittwoch, 28. Dezember 2022

Einsamkeit

Vor kurzem noch ein großes weihnachtliches Thema: Einsamkeit. Unter anderem gab es da Berichte von Ländern, in denen es sogar ein Einsamkeitsministerium gibt. In denen das Problem auch institutionell erkannt scheint. Alte Leute und….ach ja, bedenklich.... Emotionale Abkapselung auf der einen Seite. Unverständnis auf der anderen Seite. Wie viele Menschen fühlen sich auch jetzt noch, nach Weihnachten, besonders allein – weil da keine Familie ist, mit der man gemütlich Plätzchen essen kann. Weil man niemanden im Bekanntenkreis mit seiner Einsamkeit belasten möchte. Gute Ratschläge: Sich eingestehen: „Ich bin einsam“ ist unglaublich schmerzhaft. Man muss die eigenen Schutzmauern bröckeln lassen. Man konnte vielleicht immer sehr gut Fragen stellen, aber nicht gut etwas von sich erzählen. Dabei könnte das ein Schlüssel gegen Einsamkeit sein. Doch mit wem reden? Mit uns? Mit mir? Es immer wieder bei so jemanden versuchen, immer wieder ein Angebot machen, ohne zu drängen, ohne gleich eine Lösung parat zu haben, das könnte es sein. Man muss sich klar machen: Sehr viele Menschen sitzen allein zu Hause und haben keinen Kontakt. Keinerlei. Was dagegen helfen könnte: Als einsamer Mensch muss man mit jemandem in Kommunikation treten und sagen: Ja, mir fällt meine eigene Einsamkeit auf, und ich brauche Unterstützung. Das auszusprechen ist ja nach wie vor ein ganz großes Tabu. Sich einzugestehen „Ich bin einsam“ ist schwierig. Hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun. Mit Anerkennung.

Montag, 21. November 2022

Allein, allein

Du entdeckst es zunehmend und es wird dir zunehmend bewusst, dass du alleine bist. Hattest du in der Vergangenheit stets Leute um dich herum, die du als viel zu viele empfandest, so gibt es diejenigen jetzt gar nicht mehr. Man hat sich abgesetzt vom Mainstream, ohne dass man das so richtig merkte. Es gab eine Entwicklung um dich herum, deren Eigenheit du mal wieder nicht so recht mitbekamst. Immer wieder hört man von Menschen, die verreckten und die erst bemerkt wurden, als es anfing, unangenehm zu riechen. Nachbarn? Hier unsichtbar. Aber sie würden antworten, dass man mich in letzter Zeit kaum mehr gesehen habe. Man wisse kaum, wer was mache und warum. Tatsache scheint zu sein, dass für die meisten Menschen „Freunde“ allgegenwärtig sind und Ablenkungen zuhauf verfügbar sind. Wer eigentlich darf da bei sich selbst sein? Klar, so etwas kann auch lobesam sein. Doch die Zeiten, als der Schriftsteller Gottfried Benn „Wer allein ist, ist auch im Geheimnis.“ behaupten durfte, sind wohl im Zeichen einer allgemeinen Vergesellschaftung vorbei. Single sein. Sich selbst genügen, das freilich schließt einen von der großen Vernetzung aus. Eremitage. Mönchtum. Vor einiger Zeit und dann in Corona-Zeiten war es sehr angesagt, in Klöstern zu verweilen, die Stille dort neu kennen zu lernen, die Stille auszuhalten. „Auszeit auf Zeit“ war meist sehr teuer und beinhaltete oft auch noch andere Wellness-Wohltaten im Zeichen religiöser Erbauung. Doch was ist die Realität? Einsame und alleinstehende Menschen gelten als Sonderlinge. Reinschauen bei Edward Hopper: Menschen ohne soziale Bindungen sitzen dort alleine an der Bar, leicht bekleidete Damen machen geschlechtlichen Betrieb, bieten Attraktionen der glitzernden Oberfläche. Man sinkt ab in Wein und Zerstreuung, in Schein und Schalk.

Sonntag, 9. Mai 2021

Einsam, was ist das? Hat da jemand etwas gesagt....?

Wir sollen Optionen offen halten, auf den jeweiligen Zug aufspringen, das Beste für sich aus dem Andern heraus holen, ihn zur Stütze unseres Egos machen, ihn als "Konsumenten" und "Kunden" sehen. Sie sollen für mich bereit sein, wenn ich es brauche. Ich. als Mittelpunkt der Welt, der alles kriegen kann, wenn er nur will. Selbstoptimierung. Ob das ein Modell für die weitere Entwicklung dieser Gesellschaft ist? Einsamkeit hingegen ist Todsünde. Sie bedeutet das Gefühl, zu etwas verdonnert zu sein, was man gar nicht will. Einsamkeit geht mit dem Zuspruch von Schwäche einher, - was ja in unserer Marktwirtschaft gar nicht geht, weil Wertlosigkeit damit verbunden ist. Wir gehen ins Fitnesstudio, weil wir begehrenswert und attrativ sein wollen, uns aufwerten. Wir werden so zum Konsumartikel. Im Grunde suchen wir so recht eigentlich nach dem Andern, mit dem wir eine Bindung, - gleich welcher Art! - eingehen können. Wir aber sammeln per onlinedating Trophäen, statt Beziehungen zu suchen. Wir staffieren uns mit Menschen aus, die wir gerne „Freunde“ nennen. Was aber macht der Mensch „dazwischen“, der einsam ist, der sich als sozial unverträglich fühlen muss, der keine Freunde hat und sich insofern als wertlos dafür fühlt, dass Andere mit ihm in Beziehung treten? Ob da die Gesellschaft hierzulande etwas verpasst hat, indem sie Einsamkeit zum gottgewollten Schicksal der Wertlosen und Verlierer erklärt? Diese sollen pflichtschuldigst erklären, dass sie „an sich arbeiten“ wollen. Noch sind die Psychotherapeuten deswegen nicht überrannt. Denn kaum jemand getraut sich überhaupt, Einsamkeit zuzugeben und als Problem zu erkennen. Niemand, der sich selbst optimiert, ist einsam, niemand wäre dafür verantwortlich zu machen, außer man selbst, jedr ist der Manager seiner selbst und hat den entsprechenden (vom Coach gelehrten) Managersprech drauf - so diese Gesellschaft im Brustton der neoliberalen Überzeugung. Ob dies in Richtung der brutalen Züge der Marktwirtschaft geht? Wir sollen und müssen happy sein und „Erfolg“ haben, egal, ob Krankheit, Schulden, Schicksalsschläge, Liebe, Beruf oder Erziehung drücken.

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Solitude

Du entdeckst und es wird dir zunehmend bewusst, dass du alleine bist. Hattest du in der Vergangenheit stets Leute um dich herum, die du als viel zu viele empfandest, so gibt es diejenigen jetzt gar nicht mehr. Man hat sich abgesetzt vom Mainstream, ohne dass man das so richtig merkte. Es gab eine Entwicklung um dich herum, deren Eigenheit du mal wieder nicht so recht mitbekamst.
Immer wieder hört man von Menschen, die verreckten und die erst bemerkt wurden, als es anfing, unangenehm zu riechen. Nachbarn? Hier unsichtbar. Aber sie würden antworten, dass man mich in letzter Zeit kaum mehr gesehen habe. Man wisse kaum, wer was mache und warum. Tatsache scheint zu sein, dass für die meisten Menschen Freunde allgegenwärtig sind und Ablenkungen zuhauf verfügbar sind. Wer eigentlich darf da bei sich selbst sein? Klar, so etwas kann auch lobesam sein. Doch die Zeiten, als der Schriftsteller Gottfried Benn „Wer allein ist, ist auch im Geheimnis..“ behaupten durfte, sind wohl im Zeichen einer allgemeinen Vergesellschaftung vorbei. Single sein. Sich selbst genügen, das freilich schließt einen von der großen Vernetzung aus. Eremitage. Mönchtum. Vor einiger Zeit war es sehr angesagt, in Klöstern zu verweilen, die Stille dort neu kennen zu lernen, die Stille auszuhalten. „Auszeit auf Zeit“ war meist sehr teuer und beinhaltete oft auch noch andere Wellness-Wohltaten im Zeichen religiöser Erbauung. Doch was ist die Realität? Einsame und alleinstehende Menschen gelten als Sonderlinge. Reinschauen bei Edward Hopper: Menschen ohne soziale Bindungen sitzen dort alleine an der Bar, leicht bekleidete Damen machen geschlechtlichen Betrieb, bieten Attraktionen der glitzernden Oberfläche. Man sinkt ab in Wein und Zerstreuung, in Schein und Schalk.

Freitag, 23. Oktober 2020

Einsamkeit und Geselligkeit (Fernando Pessoa)


Dies hier hat Fernando Pessoa in seinem "Buch der Unruhe" geschrieben: "Um verstehen zu können, habe ich mich zerstört. Verstehen heißt das Lieben vergessen. Ich kenne nichts, was gleichzeitig falscher und bedeutungsvoller wäre als der Ausspruch Leonardo Da Vincis, wonach man etwas nur lieben oder hassen kann, nachdem man es verstanden hat.
Die Einsamkeit verwüstet mich, die Geselligkeit bedrückt mich. Die Gegenwart einer anderen Person wirft meine Gedanken aus der Bahn, ich träume von ihrer Gegenwart mit einer besonderen Zerstreutheit, die meine analytische Aufmerksamkeit nicht zu definieren vermag."

Freitag, 6. September 2019

Außenseiter bei Hesse (ca. 1984) (1)

Hier ein Ausschnitt aus meiner Magisterarbeit (ca. 1984) „Der Typ des Außenseiters im Frühwerk Hermann Hesses“, was durchaus auch vom Zeitgeist geprägt gewesen sein mag: „Von „Hermann Lauscher“ bis zum „Steppenwolf“ Harry Haller prägt die Hesse‘schen Outsider ein Gefühl der Einsamkeit. Sie sind alle Einzelgänger, „Einspänner“, Sonderlinge, die zu Kontaktarmut und sozialer Isolation neigen. Die äußerste Steigerung dieses Charakterzugs verkörpert Harry Haller, dessen Beziehungs- und Bindungslosigkeit im „Tractat“ als wichtiges Kennzeichen seines Lebens bezeichnet wird. Für Lauscher und Camenzind schafft die Einsamkeit noch die Möglichkeit, der Natur näher zu sein. Für Harry Haller dagegen, der heimatlos durch die Stadt irrt, ist sie Quelle des Leidens, aber auch Merkmal des höher Individuierten, der die „verlogenen Gemeinsamkeiten der Herde“, der Masse der Menschen, nicht teilt. Schon Peter Camenzind blickt verständnislos auf den „Homo socialis“, der „kraft eines geselligen und nivellierenden Geistes“ zur Gemeinsamkeit fähig ist. 
Der elitäre Zug des höher individuierten Outsiders erscheint dann zum ersten Mal deutlich in „Demian“. Die Gemeinsamkeit der bürgerlichen Gesellschaft wird hier als Notlösung betrachtet, sie besteht hauptsächlich aus Angst vor Einsamkeit und Schwäche. Hier wird der Einfluß Nietzsches auf das Bild des einsamen Outsiders in Hesses Werk deutlich. In „Demian“ wird sogar die direkte Verbindungslinie gezogen: „Ich….hatte auf meinem Tisch ein paar Bände Nietzsche liegen. Mit ihm lebte ich, fühlte die Einsamkeit seiner Seele, witterte das Schicksal, das ihn unaufhaltsam trieb, litt mit ihm und war selig, dass es einen gegeben hatte, der so unerbittlich seinen Weg gegangen war“.

Dienstag, 31. Juli 2018

Island in the Sun

Mallorca? Ibiza? Hawaii? Tahiti? Bora-Bora? Die Insel scheint das Überschaubare im Gegensatz zur Komplexität des modernen Alltags zu sein. Sind Inseln eigentlich isolierte Orte? Für Einsamkeit scheinen sie immerhin zu stehen. So manches in unserer Wahrnehmung scheint darauf zu weisen. Es geht ja unter anderem die Redewendung von der „einsamen Insel“, auf die man irgendetwas mitnehme.... Wir könnten uns dort verankern, uns vergewissern, so die Vermutung. Dies scheint einem krassen Bedürfnis von vielen zu entsprechen, denn wer wir sind, ist zu keinem Zeitpunkt sicher. Inseln sind im Bewusstsein Orte der Sehnsucht, sie sind Fluchtpunkte, widersprüchliche Orte voll Schönheit und Schrecken. Wir träumen uns dort hin und verschieben diesen Traum dann doch wieder. Unser blauer Plant ist ist zu zwei Dritteln von Wasser bedeckt, was psychologisch gesehen der Lage des Unbewussten entsprechen könnte. Inseln wären dann das Ich, das sich abhebt vor solchen weiten und unbekannten Sphären des Ungewissen, das sich auch ständig vor Erosion und Unterspülung wehren muss. Inseln boten sich zudem als das Überschaubare und Abgeschlossene an, als eine Art Mikrokosmos, der die unüberschaubare große Welt auf eine kleines Stück Land zu konzentrieren. Im alten Ägypten war die Vorstellung der „Insel des Aufflammens“ mit dem Bild der Lotosknospe verknüpft, aus welcher der Sonnengott Horus emporstieg. 
Mehr in der Neuzeit trat der „Inselheld“ auf den Plan: Daniel Defoes „Robinson“ mag dafür geradezu beispielgebend stehen. Er gab dem aufstrebenden Bürgertum ein gutes Beispiel, wie man aus einer öden Insel ein gutbürgerliches Haus mit Garten macht (wobei die Insel stets als „einsame“ Insel gedacht wurde). Nicht von ungefähr wurde Tahiti 1767 und 1768 innerhalb eines Jahres gleich drei mal „entdeckt“ und öffentlichkeitswirksam als Sinnbild des paradiesischen Naturzustands ausgerufen. Mithin galten Inseln ja als Abbild dieses Naturzustands, der freilich mit den menschlichen Mitteln zu überwinden war, der zu kultivieren, missionieren und zu bearbeiten war. Die Romantik bewirkte dann, dass die Insel vom Verhängnis zur Verlockung wurde und dem von der Zivilisation verdorbenen Europäer die Rückkehr zu einem „Naturzustand“ erlaubte. Hm, doch letztenendes scheint die Insel dem Menschen eine Rückkehr zu sich selbst zu erlauben (ein Mythos, auf den auch moderne TV-Sendungen bauten...).

Freitag, 1. Juni 2018

Reise ins Elend (Lyrik, I Goll)

Reise ins Elend (Iwan Goll)
Wie aber schmerzt die Menscheneinsamkeit,
wenn Landschaften mit gleichem Leid wie du sich von dir wenden
und in sich selbst versinken, dir so fremd!
Wenn klein ein Bahnhof dich in kalten Regen stößt,
ein Güterwagen leer und ohne Zukunft dich anbettelt.
Da kriecht ein fahler Gaul auf dunklem Acker,
oh, wenn der wüßte, daß du existierst
und du ihn liebst, ihm würden Flügel blau zum Himmel wachsen.
Manchmal schaut Wasser auf zu dir mit großen Augen,
und weil es nicht dein Lächeln sah,
fällt freudlos es und schal in sich zurück.
So läßt du alles dort allein. Es reißt dein Schicksal dich dahin.
Die alte Bucklige am Damm wird ewig nach dir blicken,
untröstlich steht das schreiende Plakat am schiefen Giebel.
So läßt du alles dort allein in unerfüllter Liebesdemut
und weißt es doch, daß, Einsamer, dich eine Stadt erwartet,
in der du weinen wirst die lange Nacht im billigen Hotel.

Freitag, 5. Mai 2017

Verhaltensmodelle

Notizen (Namen sind unkenntlich gemacht, vertauscht und bewusst ins Neblige gerückt): "Der Tod wird kommen. Das immerhin ist sicher. Mein Vater ist dafür mein Modell, nach dem sich mein Handeln ausgerichtet hat. Ein sanfter Mann, der immer in sich hinein gefressen, toleriert hat (und sich nicht einmal das hat anmerken lassen). Er hat sich mit den großen Geistern beschäftigt und sie ernst genommen. Er hat ihre Zweifel abgewogen. In sich selbst ausgetragen. Und ist letztlich doch gläubig geblieben auf eine Art, die sich nicht offensiv und missionarisch nach außen hat mitteilen müssen. Ob er seine Schüler geschlagen hat, nachdem er sich dazu verurteilt sah, den Lehrer zu spielen? Ist er in solchen Konventionen, Bezüglichkeiten aufgewachsen? Er tat es wohl (wenn er es überhaupt tat...), so dachte er, im Interesse der Sache. Es musste sein. Ob ihn je eine Person interessiert hat? 
Zum Beispiel diese Person. Auch sie gegen die Wand gefahren. Vor vielen Jahren schon. Ihre Schönheit kam mir unwirklich vor. Das ist sie auch, denn sie steht fest im Leben, würde nie mit sowas rechnen, bzw. hat es zu oft erlebt. Sie denkt an ihrer Kumpelhaftigkeit mit der eigenen Berufsrolle. Seit zwei Jahren ist da völlig Funkstille. Da gab es noch jemanden, die plötzlich hat abprallen lassen. Mit schärfsten Agressionen, wieso? Was hatte ich ihr getan? Ich weiß es bis heute nicht. Die einzige Person, zu der Nähe da ist, ist XXX. Auch so eine Looserin, die es in eine Berufsrolle hinein geschafft hat und manchmal daran verzweifelt. Es ist nicht der einzige Berührungspunkt mit ihr. War ich völlig verrückt, als ich sie einst aufgeben wollte? Ging darüber hinein in eine Einsamkeit, die mich ganz alleine in Richtung auf den Tod führt." 

Samstag, 2. Juli 2016

Samstagseinkauf

Ein fleckiges Schild, eine beschriebene Fläche, wiest darauf hin: „Dieses Objekt wird videoüberwacht“. Es ist ein Aufzug, der gelegentlich funktioniert, gelegentlich auch nicht. Vollmetall. Er lässt sich herab. Es riecht darin nach Urin und Schweiß. Man wechselt auf einen Steg-Überweg, der aus vom Dreck umschlossenen Betonplatten besteht. Überall liegen Zigarrettenstummel, ein Ohrstäbchen dazwischen, ein zerknautschter Kaugummi. Die Kassiererin des gegenüber liegenden Discountmarkts sagt nach meinem Einkauf (die billigsten Würstchen, Cola der billigen Sorte) nachdem sie die Bezahlkarte in den Automaten gesteckt hat: „Sie dürfen.....“, und „Schönes Wochenende“. Ich bin beglückt. Es kann jetzt alles kommen, auch das Wochenende. 
Ich habe Hunger und geh dem Bedürfnis natürlich sofort nach, obwohl ich die akademische Pflicht zur Aufschiebung einstudiert habe. Doch das ganze akademische Gedöns ist ja sowieso nichts wert, ist eine der Täuschungen, hinter denen ganz anderes steht.... Am Imbissstand (nicht McDonald's) darf ungeniert die „Curry-Wurst Spezial“ geschmatzt werden. Vorbei schlappende Personen können gemustert werden, ein Smartphone klingelt zu aufdringlich und ein Autofahrer ballt mit hochrotem Kopf die Faust. Ich beeile mich. Zuhause verstopfen farbige Prospekte den Briefkasten. Es gilt „Billiger“ in allen Variationen: Man studiert, wann es sich einzukaufen lohnt. Eigentlich würde mich "günstiger" mehr als "billiger" interessieren. Würstchen jagt Würstchen, daheim wird noch einmal am ranzigen Salat gefressen, dessen Kühlkette mehrfach unterbrochen ist. Ich bin wohl im falschen Film.....