Reise durch Wirklichkeiten

Sonntag, 26. Februar 2023

Are you for real (Songtext)

Freitag, 24. Februar 2023

Umgang

Ich wundere mich und bin manchmal empört, wie schnell und immer schneller jetzt bestimmten Menschen bestimmte politische Attribute zugeschrieben werden. Das Zuhören scheint nicht mehr angesagt, das Sich-Einlassen, das Verstehen-wollen von Problemen und den Menschen dahinter, die Wahrnehmung für Zwischentöne, das Differenzieren. Was das Erstaunliche ist: dies scheint auch für die demokratische und offene Seite zu gelten. Auch sie scheint die Reihen schließen zu wollen, wirft mit Parolen und Modewörtern um sich, errichtet Wagenburgen und geht in den Verteidigungsmodus. Meine Meinung: wir sollten uns gewisser Fehler und Fehlentwicklungen bewusst werden, sollten sie abzustellen versuchen, und zwar nicht nur mit Floskeln und vorgefertigten Gedankenbarrieren. Offenheit muss eine Stärke sein. Auch der Wille zur Veränderung. Es kann nicht darum gehen, dass diejenigen, die am meisten vom Status Quo profitieren, am lautesten dafür eintreten und alles andere von ihren marktschreierischen Lakaien ausblenden lassen. Die scheinbaren Differenzierer ergehen sich ja auch immer mehr in einer hohlen Wortklingelei, die Positionen vortäuscht und Parolen ausgibt, die so differenziert, so kritisch und aufklärerisch oft gar nicht sind und vor allem die Gemeinsamkeit in einem gewissen Sinne stärken sollen. Die Mitläufer und Fassadenbastler sollten in Deutschland nicht so einseitig auch von politischen Parteien bevorzugt werden, die Herrschaftsstrukturen und Glaubenssätze sollten wenigstens gelegentlich etwas in Frage gestellt und überprüft werden. Dieses „Aussitzen“ von Gegebenheiten, diese öffentlich institutionalisierte Lähmung sollte nicht mehr allgemeine Taktik der Wirklichkeit sein. Gemeinsamkeit sollte sich auch dadurch herstellen, dass man hier auch aus politischen Erfahrungen heraus aufklärerisch ist, weiter, als anderswo. Einbildung jeglicher Art davon abzuleiten, erscheint mir grotesk. Dass nicht der Exporterfolg, der ja im globalisierten „Wettbewerb“ den Wohlstand einer bestimmten Klasse von Menschen meint, allem anderen übergeordnet wird. Dass Wachstum auf seine Qualität abgefragt wird, dass das Bewusstsein mehr zählt, dass es verschiedene Arten von Wachstum gibt. Noch scheint es so zu sein, dass die Ressourcen der Erde endlich sind, der Wunsch nach Wachstum aber anscheinend nicht. Wie soll das nachhaltig zusammengehen? Vielleicht gilt es, gesellschaftliche Strukturen ein bisschen weicher zu gestalten, ein bisschen durchlässiger, so, dass nicht nur die „Durchsetzungsstarken“ oder Rücksichtslosen davon profitieren, die Blender und Verkäufer. Die Digitalisierung sollte gestaltbar sein und nicht wie ein Schicksal über uns kommen, das wiederum fette Profite für bestimmte Menschen und Verdruss für andere bringt. Ich will nicht, dass eine solche Haltung als moralisch und insofern als wirklichkeitsfremd abgetan wird. Nein, der Markt scheint mir nicht das allein selig machende Prinzip zu sein, der alle Lebensbereiche steuert und tief hinein ins Intime wirkt.

Donnerstag, 23. Februar 2023

Identität

Man müsste wie die Figuren bei Max Frisch von vorne anfangen können. Seine Identität wechseln können. Gar nicht mal aus Unzufriedenheit, sondern nur um ein Leben noch einmal neu zu leben. Aus anderer Perspektive. Für jemanden wie mich ist das sogar vollkommen logisch. Dieser Gedanke hat mich unter anderem an den Pionieren fasziniert, die im 19. Jahrhundert in die USA aufgebrochen sind. Neue Horizonte. Sich selbst neu erfinden. Sich quasi umdrehen, derselbe bleiben und doch alles anders sehen. Ich selbst habe zu wenig Urvertrauen dazu. Man sehnt sich nach einer anderen Auszeit. Das unter anderem war es, was ich bei meinen Kirchenbesuchen empfunden habe. Das ist eine Sphäre, ein Ort, der mitten im Geschehen steht und doch außerhalb. Ein Ort, der Zeitlosigkeit verspricht, und doch ein Zeugnis der Zeitläufte, der Historie, ist. Ein Raum, eine künstlerisch gestaltete Höhle, ein Ort der Besinnung, des Suchens und vielleicht ein Ort des Findens. Des Innehaltens. Des Aussteigens aus dem Rat Race. Stein statt Beton. Die Kühle in der Hitze. In einem gestalteten Raum, absichtslos in sich ruhend, und doch mit vielen inneren Absichten, in architektonischen Zwangsläufigkeiten und religiösen Sinngebungen erbaut. Überhaupt, - der Sinn. Vielleicht sind (Kloster)kirchen ein Ort des Sinns. Per se. Auch ohne die christliche Lehre mitzudenken. Mich wundert, dass ich das so über die Empfindung, über das reine Spüren erfahren konnte, - früher war ich da eher ein Kopfmensch. Es erschließt sich mir jetzt, Jahre später, ein anderer Zugang zu dieser Sphäre.

Dienstag, 21. Februar 2023

Gesundheit und Krankheit

Eine Erfahrung, die ich im Krankenhaus gemacht habe: Es ist doch eine vollkommen unsymmetrische Kommunikationssituation im Krankenhaus: Der sogenannte Patient ist unter Umständen ganz plötzlich aus allen Selbstverständlichkeiten und seiner alltäglichen Normalität heraus gerissen. Die unterbezahlt gestressten Schwestern und Pfleger hingegen erleben das jeden Tag, für sie ist der Patient einer unter vielen, er symbolisiert den Alltag. Sozusagen eine Durchlaufposition. Sein Gesicht wechselt zwar, aber er scheint doch immer der gleiche zu sein. Vom Patienten aus gesehen ist alles hingegen einmalig. Auch die Gesichter seiner Pfleger sind das. Er ist vielleicht in eine absolute Ausweglosigkeit gestoßen, in eine Einmaligkeit, die sogar, wenn's schlecht läuft, in den Tod führen kann, die gröbste Einmaligkeit, die einem passieren kann.... Schwestern und Pfleger treten ihm gegenüber aber als Vertreter der „Normalität“, des „Lebens draußen“ auf. Sie sind jenseits der Mauer, die sich plötzlich zwischen einem selbst und „den anderen“ (den scheinbar „Gesunden“) auftut. Und tatsächlich, sie, die Pfleger und Schwestern schalten nach Dienstschluss sehr schnell ab (es wird einem gesagt, anders gehe das nicht…) und sind wieder ganz draußen aus dieser abgeschlossenen Welt des Krankenhauses, in dem ganz andere Bezüglichkeiten und auch Abhängigkeiten gelten. Jawohl, der Patient ist in vielem auch abhängig von seinen Schwestern und Pflegern. Er ist ihnen ausgeliefert. Es entsteht dadurch eine Vertrautheit, die aber keine ist, sobald eine andere Situation eintritt. Ein seltsames Gefühl.

Montag, 20. Februar 2023

Mein Blog

Mein Blog will der Schirm, der Screen und, - der Radar der Information - sein, die uns zunehmend in verschiedenen Formen umschwirrt und sich uns aufdrängt. Dieser Schirm funktioniert wie mein Gehirn: Überprüfung und journalistische Verifizierung ist dabei allzu oft nicht möglich: wir sind ausgeliefert, sind auf das Gebotene angewiesen, suchen uns heraus, wählen etwas, deuten es nach unseren Möglichkeiten. Wie etwas wirklich ist?: wer weiß?. Es kommt auf die Perspektive an. Ich versuche nach Möglichkeit zu vermeiden: das Einzelne, Konkrete, weil so etwas sofortige rechtliche Schritte gegen mich nach sich ziehen würde. Weil mir dies oft auch unwichtig und als unnötige Aufwertung des Aktuellen auf Kosten des Allgemeinen erscheint. Meine Gedanken, meine Gefühle, meine (subjektiven) Erfahrungen und Erlebnisse sind dabei unbedingte Ausgangsposition, - meistens nicht an dem Zeitgeist oder dem Aktuellen orientiert, - die ich in eine möglichst kompakte Form ohne Wahrheitsanspruch bringen will. Der genuine Journalismus praktiziert etwas anderes, das sich deutlich davon unterscheidet, was ich hier vor führen will.

Sonntag, 19. Februar 2023

Werbung? Wohlstand? Lifestyle?

Wer redet denn noch so tumb traditionell von „Werbung“? Im Zeitalter der sogenannten Globalisierung ist das oft „Branding“, also das Aufladen eines Produkts oder eines Begriffs mit emotionalen Inhalten und Botschaften. Kulturelle Stereotypen scheinen sich dazu besonders gut zu eignen: alle Amerikaner sind oberflächlich, alle Franzosen träumen von der Liebe, die die Italiener recht feurig machen, alle Schwedinnen sind blond... usw. Für was wohl inzwischen „Made in Germay“ steht? Für Ehrlichkeit, tüftlerischen Fortschritt und Pünktlichkeit? Das war einmal. Das hat sich „germany“ gründlich selbst versaut. Nun ja, von den in Deutschland gebauten Automobilen wurde in den fossilen Zeiten der Verbrenner ja oft behauptet, sie seien die besten überhaupt. Ob sie das noch sind? Ob das zukunftsträchtig ist? Der Kunde kann sich nicht irren. Der Markt ist heilig. Exporterfolge und Kohle sprachen einst für sich. Aber jetzt? Wohin es führen kann, wenn Firmen mehr auf Image und Ruf setzen, auf mediengestylte Werte und Emotionen, als auf Qualität, das wird schnell ersichtlich. Doch gewisse Personen, Firmen, Staaten und Produkte gehen flott weiter voran, wenn es darum geht, sich von anderen zu unterscheiden, den „Wohlstand“ und einen Lifestyle zu produzieren samt den damit verknüpften Insignien. Was gilt? Bloß immer auf der Höhe des Zeitgeists sein! Prestige, Lebensgefühl und „Konkurrenzfähigkeit“ (was ein anderes Wort dafür ist, andere Mitbewerber fertig zu machen, was nicht heißt, sie unbedingt in der Qualität zu überholen... alle Tricks und Betrugsmechanismen scheinen da ja erlaubt...) Gebote der Globalisierung. Lieferketten sind da ins Gerede gekommen. Ein einprägsames Logo und eine zeitgemäße Farbgebung scheinen auch dazuzugehören, was dahinter im Alltag des Produzierens passiert, ist dabei egal. Nur das Erscheinungsbild am Markt scheint da zu zählen. Es zählt, was am billigsten ist. Umsatz. Strategie. Penetration. Was eigentlich wäre angesichts dessen der Begriff „günstig“. Fließt da unter anderem auch so etwas wie „Verfügbarkeit“ ein? Wieso muss es immer „billig“ sein? Vom Image her gedacht, wäre nicht nur das ziemlich lächerlich. Teure Phrasen und dämliche Wortspiele, alles passt und wird gut. So würde man hierzulande gerne glauben.

Donnerstag, 16. Februar 2023

Kafkaesk

Ob das etwas mit unserer bürokratischen Wirklichkeit zu tun hat? Ist eigentlich Franz Kafka noch populär? Der Mann hat in seiner Schreibe jedenfalls oft meine Wirklichkeit berührt. Kurz und reduziert. Auch muss man sich darum bemühen, aus seinen Texten etwas heraus zu quetschen. Seine Texte forderten mich. Das gefällt mir. Das ist nicht gerade in dem Sinne journalistisch, das es ja dem Leser möglichst leicht machen will. Franz Kafka wirft beispielsweise mit seinem Roman "Das Schloss" gleich mehrere Möglichkeiten der Interpretation auf, was im Journalismus gar nicht geht. Im Wesentlichen geht es in "Das Schloss" um das rätselhafte Machtgefüge einer behördlichen Instanz und die Unmöglichkeit für das Individuum, dieser Behörde beizukommen. Dabei ist es die Ohnmacht des Einzelnen, die herausgestellt wird. Genau diese Erfahrung hatte ich in ihrer „modernen“ Form auch. Man geriet dauernd an Behörden oder Firmen, bei denen sich niemand für etwas zuständig fühlte. Man wurde schlicht weiter verbunden dergestalt, dass man über weite zeitliche Strecken nichtssagende „Easy-Listening“-Musik anhören musste und sodann zu einem inkompetenten Mitarbeiter gelangte. Man vertat seine Lebenszeit. Für nichts. Kafkaesk. Es ging offensichtlich kaum um Problemlösungen, sondern um das Einhalten eines Standards (der heutzutage pseudo-wissenschaftlich statistisch vorgegeben erscheint. Alles, was mit diesem Mainstream nicht übereinstimmt, fällt links und rechts als „Kolateralschaden“ herunter, wird nicht berücksichtigt), der von einer Macht vorgegeben war. Verpasste man freilich irgendeine Frist, wurde man sogleich kostenpflichtig verwarnt und womöglich noch mit weiteren Sanktionen belegt. Aus dem Himmel der Verwaltungsbürokratie zuckten Blitze hernieder, denen man sich beugen musste. „Der Staat hilft“, so die von der großen Politik verbreitete Kunde. Freilich wirken sich solche PR-Behauptungen zu selten konkret aus und zeugen vielmehr von der Ahnungslosigkeit der Politikkaste. Staatsdiener drangsalieren oft Schwache, gefallen sich offenbar darin, ihre Freiräume dahingehend zu nutzen, dass sie Benachteiligte und ihnen Ausgelieferte viel zu oft dunkel drohend sanktionieren… Passende Paragraphen oder gesetzliche Verfügungen finden sie dafür nur allzu leicht. Es thematisiert das Werk Kafkas in Form des Schlosses und der Schlossbehörde ein rätselhaftes Machtgefüge, das von einer behördlichen Instanz ausgeht. Dabei ist es für den Einzelnen unmöglich, dieser Behörde beizukommen.

Mittwoch, 15. Februar 2023

For real....?

Ich lese davon, dass jetzt ein Wurmloch erzeugt worden sein soll. „Schwarze Löcher“. Täterä. Dies steht wohl in einem Trend zur zunehmenden Durchlöcherung unserer Wirklichkeit. Hologramme bestreiten große Konzerte, Digitalkommunikation macht es wohl möglich, an zwei Orten zugleich zu sein. Quantentheorie. „Weltformel, die die Quantentheorie und Gravitationstheorie zusammen bringen könnte. Alles normal. Alles möglich. Abbilder, Kopien, ein Chatprogramm schreibt glaubhaft Gedichte und Biografien. Parallelwelten. „Matrix“. Da ist ein Abgrund. Ob wir uns von uns selbst lösen können? Raumzeit. Ereignishorizont. Der Albert behauptet einen gekrümmten Raum, der…...Der Krieg zeigt wohl eine archaische Gegenbewegung auf. Stahlgewitter. Das scheint der gegenwärtige Mensch noch zu verstehen: dem Gegenüber den Schädel einschlagen. Jemand spricht ihm die Existenzberechtigung ab. Fortschritt? Offenbar hält der Mensch nicht Schritt. Es scheint ein Vernichtungsdrang über ihn zu kommen. Einfach so. Er will mehr und setzt sich selbst ins Recht, das dem anderen zu nehmen. Und niemand ist verantwortlich oder gar schuld – wie eigentlich immer. Sich das Universum vorstellen? Never. Eigentlich bin ich da hilflos, egal, wie viel theoretische Arbeit da betrieben wird.

Montag, 13. Februar 2023

Empathisches Verstehen

Je nachdem, wie man’s ansieht: Wir sollten anfangen, den ernsten Gehalt dieser Binse zu verstehen. Hier, auf dieser Ebene, versuche ich das schon lange. Auch die verschiedenen Beiträge dieses Blogs sind nur Versuche, die Wirklichkeit zu deuten, etwas mehr zu verstehen, ihr eine Perspektive abzuringen, sich vorsichtig hinein zu tasten, in ein Spiegelkabinett, dessen Deutung durch tausend Faktoren einigermaßen vorherbestimmt sein kann. Wir bauen Sichtweisen auf und ab, wir nehmen spielerisch Haltungen ein, wir reflektieren unsere unmittelbare und unsere mittelbare Umgebung, wir spekulieren darüber, wir versuchen mit unseren Mitteln zu verstehen. Wir drehen uns und nehmen einen anderen Standpunkt ein, spielerisch, eingedenk der Relationen, die sich jeweils davon ableiten. Wir lassen uns dafür beschimpfen von den eindeutig orientierten Tatmenschen, denen jedes Erwägen fremd ist, die nur tun und machen (nach welchen Maßstäben, wohin treibt es sie...? genau an dieser Stelle will dieses Blog einige Tipps geben...). Wir fragen nach deren Maßstäben, wir versuchen, uns hineinzuversetzen, wir wollen uns in Empathie üben.

Sonntag, 12. Februar 2023

Fußballereien

Wie kommen viele Leute eigentlich dazu, noch immer an den Fußball zu glauben als einen „11-Freunde“-Fetisch? Die Fußballvereine (auch die sogenannten "Traditionsvereine") sind doch in Mitteleuropa längst anonyme Kapitalzusammenballungen, die ihr Personal beliebig tauschen und je nach finanzieller Stärke zusammenkaufen. Wo sogenannte Traditionsvereine (die natürlich auch versuchen, alles Finanzielle mitzunehmen....) dabei stehen, ist ja gegenwärtig in der deutschen Fußball-Bundesliga klar abzulesen. Der Fußball ist Teil des Showgeschäfts geworden, operiert mit Milliardenumsätzen und klagt dafür den steuermäßig unterfütterten Schutz der öffentlichen Hand (z.b. bei Polizeieinsätzen...) ein: das Muster ist bekannt aus der Finanzwelt. Natürlich wollen die Traditionsvereine ihren „Mythos“ pflegen und versuchen gegen die reinen Geldvereine mit Firmenaufdruck zu ätzen. Dabei versuchen sie selbst dasselbe und schaffen es oft nicht ganz. Die Werbung hat längst übernommen: In den Vereinsnamen aufgenommen, auf Trikots abgebildet und in umbenannten Fußballarenen abgebildet. Gekauft. Es geht um Rechte. Logos. Besetzungen des Kopfes. Aggressive Verkaufsstrategien. Ich beobachte, wie sich die Leute immer mehr für diesen industriell gefertigten Fußball interessieren, wie es ihre Unterhaltungen füllt, mit den Kumpels, mit den Nachbarn, mit den Arbeitskollegen. Ich stehe dabei, staune und wundere mich. Es interessiert mich auch, sehr wohl, - aber mit einigem Abstand. Man könnte auch meinen, ich würde es nicht ganz so ernst nehmen, jedenfalls nicht so ernst wie jene, die ihre Identität damit verknüpft haben, die sich dafür gegenseitig auf die Nuss hauen oder sich veritable Schlachten mit der Polizei und dem billig engagierten "Ordnungspersonal" liefern. Es muss ihnen wichtig sein, sie identifizieren sich damit, es prägt ihre Lebenswelt total. Ich habe einiges Verständnis dafür, sogar Sympathie, - nur: ich kann es nicht so recht ernst nehmen. Denn es ist Showbusiness, es spielt mit dem Schein, mit den Sehnsüchten und Wünschen eines Massenpublikums. Es kommt mir vor wie Theater. Eine Simulation und Verdichtung, nicht das Eigentliche.

Samstag, 11. Februar 2023

Morgentraum (songlyrik)

Das Folgende weht aus tiefer Vergangenheit zu mir herüber: MORGENTRAUM Montagmorgens zehn und ich lieg' noch im Bett der Wecker weckt sich selber und ich dreh mich nochmal um steh' heut' nicht auf, bleib' einfach liegen und schon regen sich die Stimmen Hey faules Ekel hör' doch auf mit dem Trödeln Manche laufen hin und her, geschäftig und recht fleißig sie suchen alle und wissen doch nicht, was ich geh' her und kassier' den Lohn der Angst was kümmert mich das Morgen, ich will es jetzt ich will es jetzt und nicht erst morgen los komm mit, vergiss deine Sorgen Wir machen heut' alles nur zum Spass im Garten der Träume sind wir die Stars wir fahr'n nach Honolulu und hör'n auf zu friern' wir fahren nach Berlin und sehn' uns in die Augenblicke Hey faules Ekel hör' doch auf mit dem Trödeln Spring über meinen Schatten und spiel' mit den andern Löwen geh' ins Treibhaus und such' nach einer Rose und frag' den Kalif des neuen Lebens ob wir das Paradies doch noch finden ich will es jetzt und nicht erst morgen los komm mit, vergiss deine Sorgen Da läutet's wieder, das Ding gibt keine Ruh' der Alltag hat soeben wieder aufgeholt ich frag' mich: war das nur ein Traum? Oder bin ich soeben aufgewacht?

Donnerstag, 9. Februar 2023

Aufschub

Unvorstellbar. Wenn ich heute sterben würde, würde nahezu niemand drüber reden, daran denken. Man würde „ganz unverhofft“ und plötzlich und „vor der Zeit“, wie es heißt, das Weite suchen. Dann könnte es zum Beispiel auch eine Verwechslung sein. Könnte. Viellicht bin nicht ich es, der gemeint ist. Doch wenn man es mal ganz unromantisch definieren will, ist der Tod der Zustand eines Organismus nach der Beendigung des Lebens. - das klingt gar nicht so schrecklich, wie es alle machen! Wenn etwa ein Flugzeug abstürzt, dann entlockt uns das die Bemerkung „ach“ und „oh“. Auch Betroffenheit. Nehmen wir also an, ich stürbe, wäre es ein riesiges Desaster für mich selbst natürlich. für die Menschheit vielleicht weniger. Ich wär ja dann mal weg. Einfach weg. Nicht aufzufinden. Verschwunden. Versicherungen? Finanzamt? Testament? Erbschaften? Ich hinterlasse keine ungeklärten Verhältnisse, ich hinterlasse überhaupt keine Verhältnisse. Sollte also der Tod jetzt kommen, gilt die Devise der Zweckpessimisten: „der Sarg ist halb leer.“ Ich merke, wie ich schwanke: zwischen schwarzem Humor, Verdrängung und Aufschiebgedanken.

Sonntag, 5. Februar 2023

Kosmische Bezüglichkeiten

Ich begreife, dass ich in diesem Universum lebe – dies aber nicht besonders bewusst: alleine schon die Größen- und Zeitverhältnisse sind gewaltig, unvorstellbar. Vor 13,7 Milliarden Jahren soll der Urknall stattgefunden haben, aus dem Nichts. All das überfordert unsere Vorstellungskraft bei weitem. Das alles geht über unser Bewusstsein hinaus, reißt Räume auf, die unwirklich erscheinen, aber blanke Wirklichkeit sind. Die uns einhüllen in diese Wolke, die uns bedeuten soll, dass sie wichtig sei. Dabei ist sie wohl im Weltmaßstab völlig nebensächlich, spielt keine Rolle. Es tun sich andere Wirklichkeiten auf, andere Bezüglichkeiten.… wie könnte ich alleine schon angesichts dessen glauben, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei und seine Erkenntniskraft das Maß aller Dinge? Das ist wohl krasse Überschätzung aus einem beschränkten Gesichtskreis heraus. Wir hätten nichts anderes, als die wissenschaftliche Erkenntnis, höre ich einige Agnostiker greinen. Nun gut, aber vielleicht müssen wir einsehen, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es darüber hinaus viel gibt, - nicht nur die bei wissenschaftsgläubigen Geistern so unbeliebte Gottesvorstellung. Lächerlichkeiten auf zwei Beinen sind wir, auch wenn wir uns demnächst wieder ins All aufmachen. Da draußen gibt es noch so viel mehr, Milliarden von Sternen und Planeten und Asteroiden und Weltraumschrott. Und wer sagt denn, dass Raum und Zeit die einzigen Dimensionen sind? Womöglich gibt es auch in dieser Hinsicht deutlich mehr. Nicht nur der Film „Matrix“ mag da einige populäre und mehrfach fortgesetzte Hinweise gegeben haben.... Bescheidenheit und Demut erscheint angezeigt......Und Interesse für das, was in uns durch verschiedene Techniken der Überlieferung aufgehoben ist....Ahnungen, Visionen, Bilder, Auslegbares...

Mittwoch, 1. Februar 2023

Dies Blog (2)

Menschen halten sich in unserer ausdifferenzierten Gesellschaft in verschiedenen (Lebens-)Welten auf, bevorzugen verschiedene Stile in mancherlei Lebensfragen, sind unterschiedlich geprägt durch verschiedene Milieus oder Herkunft. Daran knüpft sich oft ein Ethos, das es zu verstehen gilt. Dies hat auch etwas mit der Rolle zu tun, in die wir "hinein sozialisiert" wurden, mit ihren ökonomischen und allgemeinen Lebensbedingungen, mit ihrer jeweiligen Werte- und Normenwelt. Sich da hinein arbeiten zu wollen, etwas davon erkennen zu wollen, sich selbst auf etwas anderes einzulassen, andere Zusammenhänge zu begreifen, könnte etwas wertvolles sein, was mit „Empathie“ zu tun hat. Da aber im Zeitalter des Neoliberalismus jeder für sein persönliches Glück für verantwortlich erklärt wird, da jegliche Zielrichtung „Solidarität“ insofern verpönt und negativ belegt scheint, bewegt sich diese Gesellschaft immer mehr in Polarisierung, Vereinzelung und Desolidarisierung. Das Bewusstsein, für etwas Gemeinsames verantwortlich zu sein, schwindet. Überhaupt schwindet das Bewusstsein, trotz aller Individualisierung einem Kollektiven ausgeliefert zu sein. Verständnis füreinander schwindet, auch wenn kurz- und mittelfristige Entwicklungen dem nicht zu entsprechen scheinen. Sich ein Stück weit auf andere Lebenswelten zuzubewegen, seinen Horizont über die gewohnte „Bubble“ hinaus zu erweitern, dazu will dies Blog „Reise durch Wirklichkeiten“ ermuntern. Es ist dies auch durch meinen früheren Beruf inspiriert. Aber auch durch darüber hinaus gehende Erkenntnisse und Erfahrungen. Neugierig auf „das Andere“ sein, sich erweitern, andere Möglichkeiten erwägen (auch für sich selbst), sich mitfühlend statt competetiv zu verhalten.