Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Montag, 30. Juni 2025
Menschen im Wettkampf
Wann hast du dich zuletzt selbst wahrgenommen? Diese Frage scheint viele Menschen unausgesetzt umzutreiben und sie in teure Selbsterfahrungskurse zu führen. Die dauernde Selbstbespiegelung, die damit verbundene Selbstoptimierung, das Selbst als Statussymbol, der dauernde Griff zum Smartphone, das unsere Lebensäußerungen immer perfekter registriert, und die Algorithmen immer perfekter programmiert, die ausufernde, uns ständig überfordernde und digital überwachte Körperkultur: das alles gehört zusammen und hat nichts mehr mit Hermann Hesses oder CG Jungs bildungsbürgerlichem humanistischen Streben nach dem Ego und der Individualisierung entgegen gesellschaftlicher Erwartungen zu tun. Stets noch besser, effizienter und authentischer zu werden, ist inzwischen ausgerufen als Ideal und widerstrebt diesem Old-School-artigen „Werde, der du bist“ vollkommen. Das Ego scheint heilig. Auf eine bestimmte Weise. Ob es da nicht weit zum Egoismus ist? Überforderung, Burn-Out, Depression, Erschöpfung, Anorexie, Bulimie, kaputte Partnerschaften, Unfähigkeit zur Beziehung.… das alles könnte ein Anzeichen für die auf Perfektion getrimmte Körperkultur und den Zwang zur Steigerung eigener Leistungsfähigkeit sein (die ganz im Sinne einer Durchökonomisierung des Menschen zu sein scheint). Der Philosoph Jürgen Habermas hat das einmal „Kolonialisierung der Lebenswelt“ genannt. Es geht um ein Leistungsdenken im Privaten. Neoliberalisierung aller Lebensbereiche. Vereinzelung scheint die Folge. Der Einzelne als Wirtschaftsobjekt. Menschen benutzen andere Menschen als Werkzeug, um an ein Ziel zu kommen. Soziale Kälte breitet sich aus. Die Diktatur des ökonomischen Denkens, seine immer weiter zunehmende Ausdehnung auf alle Lebensbereiche scheint eine Konsequenz, die individualistisch ausgerichtete Leute wie Hesse so nicht anstrebten. Aber sie erkämpften sich den Platz in einer gesellschaftlichen Elite. Hesse selbst war Literaturnobelpreisträger im Jahr 1946.
Sonntag, 14. April 2024
Arbeit what else?
Ich lese, dass „wichtige“ Kreise sich vehement gegen das bedingungslose Grundeinkommen wehren. Und zwar mit dem Argument, dass die Arbeit zu der „Grundkonstitution des Menschen“ gehöre, ja, dass er sich dadurch verwirkliche und dass er mit einem bedingungslosen Grundeinkommen keineswegs etwa er Unterhaltungsindustrie und ihren auf Langeweile zielenden Zeitverschwendungsmechanismen ausgeliefert werden solle. Wahlweise ist an dieser Stelle bei anderen Diskussionsteilnehmern von der „Würde des Menschen“ die Rede. Aber gerade diese „Arbeit“ ist ja gerade das Problem. Wir fragen uns, in welcher Gesellschaft solche Leute leben. In der Realität ist es wohl doch so, das jemand, der 8 Stunden am Fließband arbeitet oder frühmorgens um 4 Uhr Zeitungen austrägt, dies tut, weil er Geld braucht und überleben will, aber keineswegs, weil er sich dadurch als Mensch selbst verwirklichen will oder sich dem Ideal des arbeitenden Menschen annähern will.
Die Wirtschaft schien das gut verstanden zu haben, indem sie die meisten Menschen mit möglichst billigen Löhnen erpresste (weil Löhne ja „Kostenfaktoren sind). Doch die Zeiten haben sich geändert. Aus dem Arbeitgebermarkt ist ein Arbeitnehmermarkt geworden. Alles, außer Arbeit, stelle den Menschen nur ruhig, so immer noch das gutmenschlich beinharte Credo mancher Gegner des Grundeinkommens. Selbstverständlich ginge es auch darum, das Bildungssystem so zu gestalten, dass es nicht nur willenlose Sklaven, also Spezialisten für den Arbeitsmarkt produziert, sondern dass es sich wieder mehr dem Ideal des selbstbestimmten Menschen annähert und die Menschen dazu führt. Das würde heißen, dass der Mensch lernen könnte, dass es außer der Arbeit durchaus noch mehr sinnvolle Beschäftigung geben könnte, etwa im Bereich der Familie, die ja von der politisch rechten Seite ja immer als bestimmende Größe gedeutet wird. Auch das Ehrenamt wird da gerne genannt. Ziehen wir den Begriff dessen, was Familie“ bedeuten kann, etwas weiter, dann würde hierbei sogar eine Übereinstimmung herrschen (ohne, dass man argumentativ auf die vermeintlichen Schwächen einer „Generation Z“ verweisen müsste.) Darüber hinaus gäbe es aber auch genügend Betätigungen im Bereich des Musischen, des Politischen, des Kreativen und der Bildung, die den Menschen durchaus mehr und in einer geeigneteren Weise zu demselben machen könnten, als entfremdete Arbeit. Es könnte zudem sein, dass in digitaler Zukunft der Begriff „Arbeit“ ohnehin ganz anders gefasst werden müsste, in dem nämlich der Kuchen dessen, was heute möglichst billig als Arbeit gekauft und verkauft werden soll, deutlich kleiner geworden ist. Der sogenannte „Fachkräftemangel“, der ja bei jeder Gelegenheit vorgeschobven wird, mag ein Vorbote sein. Die Arbeit wird nämlich genau das nicht mehr sein, was dem Menschen Selbstvergewisserung und Identität verschafft (das ist zwanzigstes Jahrhundert!). Auch die spirituelle Betätigung in einem weiteren und der Kirche nicht immer genehmen Sinne, könnte durch eine solche Existenz besser ermöglicht werden.
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I read that “important” circles are vehemently opposed to the unconditional basic income. This is with the argument that work is part of the “basic constitution of human beings”, that it is through it that people fulfill themselves and that with an unconditional basic income they should in no way be left at the mercy of the entertainment industry. At this point, other participants in the discussion optionally talk about “human dignity”. But it is precisely this “work” that is the problem. We wonder what kind of society such people live in. In reality, it is probably the case that someone who works 8 hours on an assembly line or delivers newspapers at 4 a.m. does so because he needs money and wants to survive, but by no means because he wants to realize himself as a human being wants to get closer to the ideal of the working person.
The economy seemed to have understood this well by blackmailing most people with the cheapest possible wages (because wages are “cost factors”). But times have changed. The employer market has become an employee market. Everything, apart from work, just keeps people quiet, which is still the benevolent and tough credo of some opponents of the basic income. Of course, it would also be about designing the education system in such a way that it not only produces mindless slaves, i.e. specialists for the labor market, but also that it comes closer to the ideal of self-determined people and leads people to it. That would mean that people could learn that there could be more meaningful employment besides work, for example in the area of family, which is always interpreted as the determining factor by the political right-wing side. Volunteering is also often mentioned. If we take the concept of what “family” can mean a little further, then there would even be agreement (without having to argumentatively point to the supposed weaknesses of “Generation Z”). In addition, there would also be enough activities in the areas of the musical, the political, the creative and the educational, which could make people more of the same and in a more suitable way than alienated work. It could also be that in the digital future the term “work” would have to be defined completely differently anyway, as the pie of what can be bought and sold as cheaply as work today has become significantly smaller. The so-called “skilled labor shortage”, which is brought up at every opportunity, may be a harbinger. Work will no longer be the very thing that gives people self-assurance and identity (this is the twentieth century!). Spiritual activity in a broader sense that is not always acceptable to the church could also be made more possible through such an existence.
Freitag, 17. November 2023
Frei bleibend
Es galt einst das Ideal der Selbstverwirklichung, das Musik machen, als subkulturelles Ziel, etwas aus sich heraus zu bringen und heraus zu drücken, was einer freien Rockmusik glich, sich zu entäußern, sich in „Werken“ auszudrücken, „etwas Bleibendes“ zu schaffen, dabei auch über zahlreiche Schrägen zu gehen, dem Absturz nahe, aber risikoreich unpathetisch heroisch wandelnd. Dass dieser überwiegend individuelle Ansatz verschwand, die von ihm symbolisierte gesellschaftliche Mitte in die Defensive geriet und die Entwicklung Jahrzehnte später in vulgär-triviale Marketingkonzepte führte, in allerlei Äußerlichkeiten und Institutionen, die sich an Trends „bedienten“, wurde typisch für allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen. Heutzutage wird nichts mehr inhaltlich mit der Popmusik verknüpft, existieren keine Werte oder Haltungen mehr, die von einer vermeintlichen Subkultur getragen würden. Allgemeinbildung? Ach was! Was soll das sein? Ab ins Internet! Da steht alles.
Ich war in Studienzeiten vor allem in Hermann Hesse und seine Literatur hinein gekrochen, hatte ihn geradezu wissenschaftlich erforscht und war durch ihn angeregt in andere romantisch geprägte Lebenskonzepte geraten. Aber der Hesse wies in die falsche Richtung. Solch ein Weltbild verführte Viele, - oder man nahm es nicht so recht ernst, benutzte es als Erbaulichkeit und schöne Besinnung. Romantisch ist diese uns vorgesetzte Welt gewiss nicht, jedenfalls nicht mir gegenüber. Es ist diese heile, behütete Bürgerlichkeit, (in diesem Falle ziemlich weltoffen) aus der der Missionarssohn HHesse kam und die später auch Loriot mit all seinen Sketchen und Filmen geprägt hat. Diese Welt ist untergegangen. Relativ schnell. Was inzwischen alleine zählt, ist Effizienz und Geld („war immer schon so“ sagen gewisse Stimmen, die im Wesentlichen den formalen Glanz der früheren Rockmusik bewundern). Das „Wie“ interessiert nicht mehr. Der „ehrbare Kaufmann“ ist aus der Mode geraten, ein längst pensioniertes Rollenmodell. Gewisse politische Kräfte haben dies und die neue alte treibende Kraft, „der Markt“, sich zum programmatischen Mittelpunkt gemacht. Sie geben ihm eine geradezu religiöse Note, sie setzen durch und dominieren.
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The ideal of self-realization, making music, was once considered a subcultural goal, to bring something out of oneself and to express something that resembled free rock music, to empty oneself, to express oneself in “works,” to create “something lasting.” , also walking over numerous inclines, close to falling, but walking in a risky, unpathetic, heroic manner. The fact that this predominantly individual approach disappeared, that the social center it symbolized went on the defensive and that decades later the development led to vulgar, trivial marketing concepts, to all sorts of appearances and institutions that “used themselves” on trends, became typical of general social developments. Nowadays nothing is linked to pop music in terms of content; there are no longer any values or attitudes that are supported by a supposed subculture. General knowledge? Oh what! What is that supposed to be? Off to the Internet! Everything is there.
When I was a student, I was primarily immersed in Hermann Hesse and his literature, researched him almost scientifically and, inspired by him, got into other romantic concepts of life. But the Hessian pointed in the wrong direction. Such a world view seduced many - or people didn't take it very seriously and used it as edification and beautiful reflection. This world presented to us is certainly not romantic, at least not towards me. It is this intact, protected middle class (in this case quite cosmopolitan) from which the missionary's son HHesse came and which later also influenced Loriot with all his sketches and films. This world has ended. Quite fast. What counts now is efficiency and money (“it's always been that way,” say certain voices who essentially admire the formal splendor of earlier rock music). The “how” is no longer important. The “honorable businessman” has fallen out of fashion, a long-retired role model. Certain political forces have made this and the new old driving force, “the market”, their programmatic focus. They give it an almost religious touch, they assert themselves and dominate.
Donnerstag, 28. September 2023
Wohin
In welche Richtungen sind sie gegangen? Welche Erfahrungen haben sie gemacht? Was war das für eine Zeit, in der wir zur Schule gingen? Wir versuchten, Orientierung zu gewinnen. Man hat dabei Anregungen empfangen, Impulse. Etwas gelernt. Man hat die Zeit damit verbracht, etwas zu lernen. Oder auch nicht. Manche setzten sich die Ziele anders. Was es einem geholfen hat? Einen näher zu sich zu bringen. Dem Eigensinn gefolgt. Die eigenen Talente besser kennen gelernt. Dem großen humanistischen Ideal gefolgt und dabei in der wüstesten Wüste gelandet. Verhungert. Verdurstet. Verprügelt. Das Selbstverwirklichungsideal verfehlt…. Man sah sich Blicken ausgesetzt, Einschätzungen.
Doch überhaupt: Was ist mit denen, die gar keine Talente hatten? Mit denen, die nicht so recht wahrgenommen wurden in diesem zeitlichen Wust, in dem gelernt wurde, wie man möglicherweise voran kommen könnte…. Später, wenn so etwas heran stünde. Für manchen mag dieser Zeitpunkt nie gekommen sein. Im Subalternen stecken geblieben. Man rutschte weiter, taumelte, stolperte. Man war im falschen Moment unaufmerksam gewesen. Falschen Ehrgeiz im falschen Film entwickelt. Einfach in die falsche Richtung abgebogen, - wie man heute deutlich sieht. Die falschen Gene, erblich festgelegt, Veranlagungen. Sich beschwatzen lassen, sich selbst beschwatzt. Seinem vermeintlich inneren Kompass nachgefolgt, - was sich aber für viele als ein massives Unglück heraus gestellt hat. Der Kompass hat einen womöglich in die falsche Richtung geführt, weil zu viel drum herum gelabert wurde, weil jemand unter Einfluss stand, weil sich jemand etwas einreden ließ. Man jagte einem falschen Phantom nach. Dies ist Jammern auf einem hohen Niveau, gewiss. Doch auch das ist relativ. Direkt und indirekt ist hier zu viel vom Ego die Rede. Die Umwelt mit allem Drum und Dran hatte ja auch etwas Entscheidendes dazu beizutragen, war mehr als ein wichtiger Faktor. Der Umwelt war man ausgeliefert. Die Menschen um einen herum übten Einfluss aus. Haha. Man müsste sich davon lösen können, darüber lachen können. Blöd nur, wenn man bemerkt, dass man der einzige ist, der lacht.
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Which directions did they go? What are your experiences? What was that time when we went to school? We tried to get our bearings. One received suggestions, impulses. learned something. You spent the time learning something. Or not. Some set different goals. What did it help you? bring one closer to you. Following the obstinacy. Get to know your own talents better. Followed the great humanistic ideal and ended up in the most desolate desert. Starved. thirsty. beat up The ideal of self-realization is missing…. One was exposed to stares, assessments.
But anyway: what about those who had no talent at all? With those who were not really noticed in this temporal chaos, in which one learned how one could possibly make progress.... Later, when something like that is about to happen. For some, that time may never have come. Stuck in the subaltern. You kept sliding, staggering, stumbling. You had been inattentive at the wrong moment. Developed the wrong ambition in the wrong film. Just turned in the wrong direction - as you can clearly see today. The wrong genes, hereditary, predispositions. Let yourself be cajoled, cajoled oneself. Following his supposedly inner compass - which turned out to be a massive misfortune for many. The compass may have led you in the wrong direction because there was too much chatter, because someone was under the influence, because someone was being talked into something. One chased after a false phantom. This is whining at a high level, for sure. But that too is relative. There is too much talk here about the ego, both directly and indirectly. The environment with all the trimmings also had something to contribute, it was more than an important factor. You were at the mercy of the environment. The people around you exercised influence. Haha. You should be able to detach yourself from it, be able to laugh about it. Stupid only when you realize that you're the only one laughing.
Freitag, 17. Juni 2022
Kinder kriegen (4)
Im Altertum schrieb Aristoteles, dass die Familie (und somit das Kind als Nachfahre) einer natürlichen Gegebenheit entsprechend eine Art „Urzelle“ der menschlichen Gesellschaft sei. Gleichzeitig deutet er das Kind als eine Art „Alterversorgung“ in der Hoffnung, dass es die erwiesene Fürsorge quasi zurück gebe und außerdem die Furcht vor dem Tod abmildere. Das Mittelalter gebot, Kinder zur Ehre Gottes zu zeugen und das Sakrament der Ehe dafür zu empfangen. Ein Kind ist eine Gottesgabe, die es zu bewahren gilt. Deshalb gibt es kein Recht, über Leben oder Tod eines Kindes zu bestimmen. In der Moderne kommt ins Blickfeld, dass ein Kind in einem allgemeinen Bevölkerungswachstum, einer zunehmenden Beschränkung des Raumes und einer Zunahme von Konflikten mit zur Ausbeutung von natürlichen Ressourcen beitragen mag. In unserer Gegenwart wird der Kinderwunsch und seine anschließende Realisierung zweifellos als ein Akt der Selbstverwirklichung und Selbstoptimierung gesehen. Doch man kann im Namen der Selbstverwirklichung auch jegliche Nachkommenschaft ablehnen. Das Kind gilt nämlich auch als Kostenfaktor, der Karriere und berufliches Fortkommen verhindern kann, Erziehung hat einen zweifelhaften Nutzen: Wo sind die Maßstäbe dafür, was kann Eltern eine gewisse Sicherheit geben, gibt es nicht schon zu viele vernachlässigte Kinder? Gesellschaftliche Regeln: wechseln sie heutzutage nicht sehr schnell oder gibt es gewisse „eherne“ Gesetze, die unbedingt zu vermitteln wären?
Donnerstag, 19. Mai 2022
Wertsteigerungen
Klima? Nachhaltigkeit? Richtig leben? Geld? Für viele, ja die
meisten Menschen, scheint das Geld noch immer alles zu bedeuten. Ach ja? Zu ethisch aufgefasst? Moral? Igitt!
Wirtschaft über alles. Ohne sie könnte man sich auch keine Menschlichkeit leisten? Fakt ist, das Thema scheint
regelrecht religiös aufgeladen. Doch es scheint es in den westlichen Industriegesellschaften zwei Typen von
"erfolgreichen" Menschen zu geben: diejenigen, die geerbt haben, und diejenigen, die
„es sich erarbeitet“ haben (egal, wie...). Wer nie Geld hatte, wer miese
Einstiegsbedingungen in dieses System hatte, wird seinen Reichtum
später sehr offensiv zur Schau stellen und mit allerlei Statussymbolen untermauern, - vor sich und „den anderen“, die ihm
neidische Blicke schicken. Er muss zeigen und sich bestätigen lassen, dass er es "geschafft" hat. Kein Mangel, kein Hunger, keine Sorgen
mehr, das kann ein Motiv für finanziellen Aufstieg sein. Auffällig ist, dass in diesem Falle das Geld für die betreffenden Personen ein
klarer Gradmesser für den Wert einer Person ist, nach dem Motto „wer viel verdient, ist viel wert für diese Gesellschaft“.
Der Gradmesser, das Thermometer ist nach deren Meinung überall vorhanden und gilt überall. Wer der
Gesellschaft viel Wert liefert, wer das Leben einfacher, schöner
oder schneller macht, hat sein Geld verdient. Basta.Reichtum
aber ist für solche Personen oft eine relative Größe. Ihnen
scheint oft bewusst zu sein, dass sie im Vergleich zur
Weltbevölkerung unsagbar reich sind, im Vergleich zu dennoch immer noch reicheren Personen
aber „kleine Würstchen“. D.h., eine reiche Personen betrachtet sich selbst nie als „reich“, sondern bemisst
seinen "Wohlstand" an “den anderen“.
Sonntag, 6. Dezember 2020
Selbstoptimierung
Selbstoptimierung, ein Zauberbegriff aus der Welt vor Corona. Manager machten Kurse in Achtsamkeit und Meditation, nur um ihre Mitarbeiter noch entspannter und effektiver „freisetzen“ zu können. Oder sie machten Kurse, um beispielsweise neue Hobbies für sich zu finden, neue Reiseziele, ihre Grenzen zu sprengen, sich auf verschiedenen Gebieten auszuprobieren, „resilienter“ (ein Modebegriff, der etwa so viel bedeuten könnte wie widerstandsfähiger aufgrund von Bewusstmachung) zu werden gegenüber all den Anforderungen des Zeitgeists. Es mag dabei auch das alte Ideal der „Selbstverwirklichung“ aufscheinen, das aus den späten sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts heraus unter anderem auf literarischem Gebiet den Schriftsteller Hermann Hesse zum Vorbild nahm. Es entwickelte sich eine eigene Form des Ehrgeizes, die versprach, in die Entschleunigung samt der dazu passenden Bewusstwerdung zu führen und dabei den Blick auf die Uhr nicht vergaß, um die Versprechen der Effizienz für sich einzulösen. Wann habe ich es geschafft?
Dabei führten solche Bestrebungen ja wohl zunehmend in immer differenziertere Formen von Subwelten, von stark untereinander abgeschotteten Lebenswelten, die schließlich kaum mehr etwas miteinander zu tun hatten und die Ziele des Neoliberalismus geradezu idealtypisch auch in finanziell-ökonomischer Hinsicht verwirklichten. Selbstoptimierung erschien dafür aus kundiger Sicht der passende Begriff und schien eine glänzende Verkörperung des alten Fortschrittsglaubens des „Höher schneller weiter“ verbunden mit einem permanenten Versprechen der Individualisierung abzugeben. Wird das alles nach Corona wieder so sein als wie zuvor?
Dienstag, 9. April 2019
Wandern (1)
Es ginge darum, sich
selbst besser wahrzunehmen, den „Tunnelblick“ ein bisschen
abzulegen und die Gedanken woanders hinzuführen. So wird einem kund
getan, wenn man versucht, sich in der Literatur ein bisschen besser
über das Wandern zu informieren. Doch egal, ob Wandern, Joggen oder
Radfahren: mit diesen Bewegungsarten tue man etwas Gutes für sich,
- wenn man es nicht übertreibt. Beim Wandern sollte etwa eine
Strecke von 7,5 bis 15 km erreicht werden, wenn man das einmal pro
Woche praktiziert, schreibt ein Sportwissenschaftler mit wichtigem
Gesicht hinterher. Es sind also sofort wieder Marken gesetzt,
Leistungsempfehlungen gegeben, Optimierungsgedanken eingeführt. Was
ist, wenn ich unter den Richtwerten bleibe? Habe ich dann versagt? Es
muss sich positiv auf den Körper auswirken... das ist die Denke von
heute, die in einem gewissen Widerspruch zum eher absichtslosen Gehen
in der Vergangenheit steht. Bekannt ist ja beispielsweise, dass
Friedrich Nietzsche seine Ideen meist beim Gehen, beim Wandern kamen.
Zitat?
„Nur
die ergangenen Gedanken haben Wert“, „Wir sind so gerne in der
Natur, weil diese keine Meinung über uns hat“, „Neue Wege
entstehen, indem wir sie gehen“, etc.
Schön, wenn das
alles so klappt!, so möchte man ihm in seinem Grab zurufen. Gut
gebrüllt, Löwe..... Vielleicht geht es darum, Wanderwege zu
bewerten, Leitsysteme sinnvoll einzusetzen, Abwechslungsreichtum zu
spüren..... Es geht Waldwege entlang, sie sind naturbelassen,
schmale Wege, aber nicht unwegsam: man kann noch nebeneinander gehen,
Kleidung gegen das Wetter und Equipment gegen Hunger und Durst... Man
kriegt mit, wo man ist, - was einen ruhiger macht. Es fällt einem
auf, was sich verändert um einen herum. Es eröffnen sich einem neue
Perspektiven. Feldübergreifendes wird sichtbar...... Es geht voran.
„Der Weg ist das Ziel...“ etc. Spätestens im Mittelalter begab
man sich auf einen Pilgerweg, - wenn man in die Lage versetzt war.
Lourdes, Santiago de Compostella, Hape Kerkeling usw. „Ich bin dann
mal weg....“. Ab dem 14. Jahrhundert zogen Handwerksgesellen
durchs Land, um auf den verschiedenen Baustellen zu arbeiten. Es
galt, die Handwerkskunst zu erweitern und darin Erfahrungen zu
machen. Abenteuerlust und Fernweh tauchten als Motive auf. Dass es
in der Romantik viel um das Reisen ging, um Selbsterfahrung im
Äußeren, in das das Innere projeziert wurde, ist bekannt.
Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ ist nicht der
einzige Beleg dafür. Berge und von Wandervereinen angelegte Wege
mögen die nächste Stufe markieren. Dadurch konnten auch die Massen
ins Freie strömen, um neue Aussichten zu gewinnen. Bis heute haben
sich verschiedene Motivationen entwickelt: Lange Wandertouren, Nordic
Walking, Ausdauer gewinnen, Drachenfliegen, .... Was ist eigentlich
mit dem demjenigen Wandern, das einfach nur die Landschaft wahrnehmen
und genießen will? Ein Gefühl der Verbundenheit spüren..... die Natur erleben, Stress abbauen, zur Ruhe kommen.... Ob man
dadurch heraus kommt aus der vielfach bearbeiten, benutzten und
kultivierten Wirklichkeit?
Sonntag, 15. Juli 2018
Arbeit im Wandel
Die
hohe Wertschätzung der Arbeit entspringt der industriellen
Revolution und ist gerade mal 200 Jahre alt. Zum Beispiel in der
Antike war es verwerflich, sein Leben der Arbeit zu widmen. Eine
niedere Tätigkeit. Der wahre Mensch hatte Besseres im Sinn. Etwa für
Aristoteles war Arbeit, die mit Mühsal verbunden war, an die Sklaven
delegiert. Erst mit der Verbreitung des Christentums hat der Begriff
der Arbeit nach und nach seine Aufwertung erhalten. Berühmt ist der
Satz des Apostels Paulus „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht
essen“. Das Christentum hat die Arbeit hoch eingeschätzt. Aber
gerade nicht in dem Sinne, dass sie ein Medium der
Selbstverwirklichung sein solle oder der Mensch sich dadurch geradezu
„erschaffe“.
Luther schätzte die Arbeit als „Gottesdienst im Alltag“ ein. Beim großen Autoren und Soziologen Max Weber (1864-1920) wurde dann der Protestantismus geradezu ein Wegbereiter des Kapitalismus. Innere Disziplin wurde in diesem Zusammenhang immer wichtiger. Dazu gab es auch äußeren Druck. Ein 16-Stunden-Tag war in den Industriebetrieben des 19. Jahrhunderts die Norm. Der Kampf um Arbeitszeitverkürzung wurde also in der Folge sehr wichtig. Es bildete sich eine „Arbeiterkultur“, etwa mit ihren Bildungseinrichtungen, heraus.
Luther schätzte die Arbeit als „Gottesdienst im Alltag“ ein. Beim großen Autoren und Soziologen Max Weber (1864-1920) wurde dann der Protestantismus geradezu ein Wegbereiter des Kapitalismus. Innere Disziplin wurde in diesem Zusammenhang immer wichtiger. Dazu gab es auch äußeren Druck. Ein 16-Stunden-Tag war in den Industriebetrieben des 19. Jahrhunderts die Norm. Der Kampf um Arbeitszeitverkürzung wurde also in der Folge sehr wichtig. Es bildete sich eine „Arbeiterkultur“, etwa mit ihren Bildungseinrichtungen, heraus.
Im
Grunde schrieb aber die gesamte Vormoderne der Arbeit keinen hohen
Wert zu. Arbeit ist etwas für die Nichtbürger, so die gängige
Einstellung. Eines wird die Digitalisierung wohl bringen: Die
„niederen und miesen“ Arbeiten können beruhigt von Robotern
erledigt werden. Dies würde einen gesellschaftlichen Fortschritt
bedeuten. Wir wären endlich in der Lage, gesellschaftlich wichtige
Arbeit wie etwa „Beziehungsarbeiten“ (Pflege usw.) so hoch zu
bewerten, wie es nötig wäre. Wer welche Arbeit macht und machen
soll, war jedoch in der Geschichte einem ständigen Wandel
unterzogen.
Montag, 18. Juni 2018
Showgesichter
Bestimmte
Gesichter sind im deutschen (öffentlich-rechtlichen und (!) privaten) Fernsehen
immer noch dauerpräsent: Schöneberger, Kerner, Pilawa, Delling usw.
begegnen einem fortwährend in anderen Funktionen und
Konstellationen. Mal moderieren sie dieses, mal das. Schon wird der Nachwuchs "aufgebaut": diese Gesichter sind leider auch zu oft gesehen, tauchen dauernd in anderen Zusammenhängen auf. Und sowieso tauchen sie alle in der Werbung auf, um dir
sich und ihre „Glaubwürdigkeit“ zu verkaufen. Sie waren ja alle
beschäftigt, dir den Spiegel zu geben und das zu lieben, was du da
siehst. Selbstoptimierung, Selbstverwirklichung, seine Einzigartigkeit herausarbeiten, so, dass es jeder sieht. Bei Schauspielern
ist's dasselbe: bestimmte Gesichter und ihre nepotistischen kleinen
Verwandten spielen Angehörige einer Besitzbürgerschicht, das vom
Prekariat angehimmelt wird, weil „die“(!) „Es“ geschafft
haben. Es wird zwar gemeckert, aber in Wirklichkeit wollen die nur
auch die andern (die Vielen, die Massen, die Konkurrenz, die
„Wettbewerber“) ausbeuten zu ihrer eigenen Bequemlichkeit.... es
geht darum, die Zeit auf Erden möglichst angenehm zu verbringen und
sich weiter vor zu drängeln und schlängeln, erlaubt oder nicht:
nicht erwischen lassen! Die Devise heißt. „Be Positive“,
verdrängen, schönreden: so etwas muss man sich leisten können.
Wohlfeile Meinungen über die Welt wie eine Monstranz vor sich her
tragen. Worte produzieren als Wohlfühlkokon, als Unterhaltungs- und
Betäubungsware. Sich „interessant“ machen. Bloß keine
Langeweile! Nichts aus dem Alltag! Bespaßen um jeden Preis.
Freitag, 11. Mai 2018
Selbstvergötterung
Die Mär vom heiligen Ich hat uns (zu) lange bewegt.
Das war zu einer bestimmten Zeit richtig. Doch jetzt im Zeitalter der
permanenten Selbstverwirklichung und der Selbstoptimierung stellen
sich neue Fragen. Das schreibt einer, der von Leuten wie Hermann
Hesse wesentlich motiviert wurde. Ja klar, da ist die alte
romantische Idee vom Genie des Ich und den daran gebundenen Folgen.
Daran zweifele ich inzwischen, obwohl ich genau solch ein Romantiker bin.
Mittlerweile sehe ich das Kombinieren von Vorgefundenem oder des
Vorproduzierten mit eigenen Abweichungen, ich sehe meine Marotten oder Spleens
anders. Ich kann darin einen Weg erkennen. Ich glaube nicht (mehr)
daran, das Ganze stets neu erfinden zu müssen oder es zu können.
Ich sehe stets einen Zusammenhang, gerade heute, wo das Netz uns
hinein ziehen will in die scheinbaren Schwärme, in die „Intelligenz der
Vielen“, - die ich freilich auch bezweifle, da ich sie zu oft als
pures Mitläufertum erlebte - oder als „Folge“ einer ganz
bestimmten Sozialisation. Dass oft Profitinteressen dahinter stecken, ist mir durchaus geläufig. Es ist wohl so, dass nichts im luftleeren
Raum entsteht und der Mensch ohnehin ein soziales Wesen ist, - womit
ich keineswegs einem Traditionalismus das Wort rede. Dass beispielsweise Musiker
sich selbst wichtig nehmen, ist richtig und wichtig als
Arbeitshypothese, aber wohl nicht so recht als Lebenseinstellung.
Der große Zampano sein, der anderen erklärt, wie's geht oder „es“ funktioniert, war ich nie. Dazu drängte sich muir zu oft der Zweifel auf. Wohl auch deshalb bin ich nie Lehrer geworden. Bei mir geht zudem auch noch der Zufall in eine Sache ein. Woher er kommt? Aus dem Augenblick, der von so vielem beeinflusst ist und dem ich meist eine magische Bedeutung zugeschrieben habe. Aber auch aus der Vergangenheit, die auf verschiedene Weise in uns ruht. Aus erworbenen Routinen, aus Automatismen der Abläufe, die uns unbewuisst bestimmen können. Die Leute sind mittlerweile auf mannigfache Weise sozialisiert und in Daten umgewandelt, per Algorithmen völlig anonymisiert, - ohne dass sie es merken.
Der große Zampano sein, der anderen erklärt, wie's geht oder „es“ funktioniert, war ich nie. Dazu drängte sich muir zu oft der Zweifel auf. Wohl auch deshalb bin ich nie Lehrer geworden. Bei mir geht zudem auch noch der Zufall in eine Sache ein. Woher er kommt? Aus dem Augenblick, der von so vielem beeinflusst ist und dem ich meist eine magische Bedeutung zugeschrieben habe. Aber auch aus der Vergangenheit, die auf verschiedene Weise in uns ruht. Aus erworbenen Routinen, aus Automatismen der Abläufe, die uns unbewuisst bestimmen können. Die Leute sind mittlerweile auf mannigfache Weise sozialisiert und in Daten umgewandelt, per Algorithmen völlig anonymisiert, - ohne dass sie es merken.
Donnerstag, 26. April 2018
Einzigartigkeit
Eine
Mode unter denkenden Menschen scheint es derzeit, über
„Singularitäten“ zu sprechen und zu labern. Natürlich ist so etwas
gerne ein bisschen gestützt durch Buchneuerscheinungen. Es geht bei
„Singularitäten“ um Einmaligkeiten, um Besonderheiten, um
Außergewöhnliches, um - ökonomisch ausgedrückt ….
„Alleinstellungsmerkmale“. Außergewöhnliche Urlaubsorte.
Extremsportarten. Biolebensmittel. Kreativität. Hinterfragung von
Geschlechterrollen, überhaupt „Rollen“. Das Zeitalter der
straffen Organisation sei vorbei, es gehe jetzt um die Schaffung
neuer und für den Status „unserer“ Gesellschaft kennzeichnender
Werte. Es gehe wieder einen Schritt heraus aus der „Entfremdung“
(Marx feiert Jubiläum). Es gehe nicht um Erfüllung vorgegebener
Normen, sondern um möglichst phantasievolle Abweichung und deren
Inszenierung. Ein bisschen Selbstverwirklichung, das schon. Es gehe
vor allem um „Erfolg“ im „Wettbewerb“. Man ist selbst
Unternehmer, also der Ausbeuter, mit dem man dem „Strukturwandel“
begegne. Man wird zum Ausbeuter, oft seiner selbst. Es geht darum,
sich in seinem persönlichen Stil von den anderen zu unterscheiden.
Lifestyle. Abgrenzen. Nicht berechenbar sein. Sich außerhalb der
Industrie und ihren scheinbaren Gesetzmäßigkeiten bewegen. Dem
Dienstleistungsbereich Dienste leisten. Kommunikation ins eigene
Machen und Tun einbeziehen. Es ausnutzen, als Einzelkämpfer
benutzen. Nicht zum Außenseiter, sondern zum optimal dem Zeitgeist
angepassten Menschen werden. Bloß nicht abkippen in die Unterklasse
der Menschen als Verlierer, die sich nur mühsam über Wasser halten
können und ihre Identität verloren haben! Nicht sein wie „die
anderen“. Nicht dem Standardisierten verfallen, dem Allgemeinen,
dem Gleichen! Individualität betonen! Bildung mitnehmen! „Angesagt“
sein. Gewinner bei der Polarisierung sein.
Freitag, 19. Januar 2018
Auf der Jagd nach dem Selbst
Es scheint das Zeitalter der Selfies, der ständigen
Selbstbeobachtung und das relativ verkrampfte Festhalten eines
Moments, das für eine besonders designte Seite in sozialen Medien
festgehalten werden soll. Es ist das Zeitalter der eigenen
Body-Optimierung, des Styling eines selbstverliebten Bewusstseins und
des Egotrips. Man will sich als etwas Einzigartiges, etwas ganz
Besonderes fühlen und das auch inszenieren. Jedenfalls ist das das
Bild, dem wir jeden Tag begegnen. Ob das der einstig propagierten
„Selbstverwirklichung“ nahe ist? Ob da Crash-Kurse und
Managerkonditionierung heranführen können? Um somit erfolgreicher
zu werden? In dem „...er“ scheint mir das Problem zu liegen.
Selbstverwirklichung selbst
scheint mir als eine Art Steigerungstechnik in einem bestimmten
Interesse eingesetzt zu werden.
Menschen wollen auf
diese Weise erfolgreicher, schneller, fitter, innovativer, kreativer
und gesünder werden. Es
soll eine Technik (!) in einer Wachstumslogik
sein.
Donnerstag, 30. November 2017
Identität und Suche
Ich habe das Folgende in einem alten Tagebuch
gefunden. Ich durchforste diese Fundstücke gelegentlich, um Spuren meiner
Existenz zu finden, um zu wissen, was mir wichtig war und welche
Ziele ich erreichen wollte. Wie mein jetziger „Ist-Zustand“ sich
dazu verhält. Wer ich war und wer ich bin......dies könnte durchaus auch Impulse für andere Menschen bieten (Impulse!, nicht Aufforderung zur Kopie!) Obwohl es mir scheint, als hätten sich die gesellschaftlichen Koordinaten stark verändert (In Richtung auf "Selbstoptimierung", Egomanie, Egoismus, Narzissmus...)
„Für viele Personen in meinem Umkreis ist es eine Aufgabe, ohne dass sie sich dessen bewusst sind, als Person „reif“ und „erwachsen“ zu werden. Der naive Kinderglaube hat die Anziehungskraft der sentimentalen „Romantik“. Sich entwickeln, emanzipieren ohne diese Möglichkeit zu verlieren, sondern sie zu integrieren, ohne ihr ausgeliefert zu sein, das wäre ein Ziel von Individuation. Ich selbst sehe es wieder mal persönlich, als meine eigene „Unio mystica“ . Wieso ist sie so schwer zu verstehen, teilt sie niemand?
Wie verschieden die Menschen doch sind, und wie wenig Ahnung wir voneinander und „vom Leben“ haben. Ist's nur Flachsinn, mangelndes Interesse? Missverständnis? Was geschieht mit uns? Ist da dumpfes Mitlaufen? Es scheint die bequemste Möglichkeit zu sein, bei irgendwas irgendwie mitzumachen. Doch diese Fragen wollen erarbeitet, erlitten sein.Wer ist im Zeitalter des vordergründigen Hedonismus dazu bereit? Derjenige nur, der aufgrund seiner Veranlagung dazu prädestiniert ist?
„Für viele Personen in meinem Umkreis ist es eine Aufgabe, ohne dass sie sich dessen bewusst sind, als Person „reif“ und „erwachsen“ zu werden. Der naive Kinderglaube hat die Anziehungskraft der sentimentalen „Romantik“. Sich entwickeln, emanzipieren ohne diese Möglichkeit zu verlieren, sondern sie zu integrieren, ohne ihr ausgeliefert zu sein, das wäre ein Ziel von Individuation. Ich selbst sehe es wieder mal persönlich, als meine eigene „Unio mystica“ . Wieso ist sie so schwer zu verstehen, teilt sie niemand?
Wie verschieden die Menschen doch sind, und wie wenig Ahnung wir voneinander und „vom Leben“ haben. Ist's nur Flachsinn, mangelndes Interesse? Missverständnis? Was geschieht mit uns? Ist da dumpfes Mitlaufen? Es scheint die bequemste Möglichkeit zu sein, bei irgendwas irgendwie mitzumachen. Doch diese Fragen wollen erarbeitet, erlitten sein.Wer ist im Zeitalter des vordergründigen Hedonismus dazu bereit? Derjenige nur, der aufgrund seiner Veranlagung dazu prädestiniert ist?
Samstag, 25. November 2017
Arbeit im digitalen Zeitalter
Ich lese, dass der Kardinal Marx sich vehement gegen
das bedingungslose Grundeinkommen wehre. Und zwar mit dem Argument,
dass die Arbeit zu der „Grundkonstitution des Menschen“ gehöre,
der mit einem bedingungslosen Grundeinkommen keineswegs der
Unterhaltungsindustrie ausgeliefert werden solle. Wahlweise ist an
dieser Stelle bei anderen Diskussionsteilnehmern von der „Würde
des Menschen“ die Rede. Aber gerade diese „Arbeit“ ist ja
gerade das Problem. Wir fragen uns, in welcher Gesellschaft solche
Leute wie der Kardinal leben. In der Realität ist es wohl doch so,
das jemand, der 8 Stunden am Fließband arbeitet oder frühmorgens um
4 Uhr Zeitungen austrägt, dies tut, weil er Geld braucht und
überleben will, aber keineswegs, weil er sich dadurch als Mensch
selbst verwirklichen will oder sich dem Ideal des arbeitenden
Menschen annähern will. Die Wirtschaft scheint das gut verstanden zu
haben, indem sie die meisten Menschen mit möglichst billigen Löhnen
erpresst (weil Löhne ja „Kostenfaktoren sind). Alles, außer
Arbeit, stelle den Menschen nur ruhig, so das Credo mancher Gegner
des Grundeinkommens. Selbstverständlich ginge es auch darum, das
Bildungssystem so zu gestalten, dass es nicht nur willenlose Sklaven
für den Arbeitsmarkt produziert, sondern dass es sich wieder mehr
dem Ideal des selbstbestimmten Menschen annähert und die Menschen
dazu führt. Das würde heißen, dass der Mensch lernen könnte, dass
es außer der Arbeit durchaus noch mehr sinnvolle Beschäftigung
geben könnte, etwa im Bereich der Familie, die ja von der politisch
rechten Seite ja immer als bestimmende Größe gedeutet wird. Ziehen
wir den Begriff dessen, was Familie“ bedeuten kann, etwas weiter,
dann würde hierbei sogar eine Übereinstimmung herrschen. Darüber
hinaus gäbe es aber auch genügend Betätigungen im Bereich des
Musischen, des Politischen, des Kreativen und der Bildung, die den Menschen durchaus
mehr zu demselben machen könnten, als entfremdete Arbeit. Es könnte
zudem sein, dass in digitaler Zukunft der Begriff „Arbeit“
ohnehin ganz anders gefasst werden müsste, in dem nämlich der
Kuchen dessen, was heute möglichst billig als Arbeit gekauft und
verkauft werden soll, deutlich kleiner geworden ist. Sie wird nämlich
genau das nicht mehr sein, was dem Menschen Selbstvergewisserung und
Identität verschafft. Auch die spirituelle Betätigung in einem
weiteren und der Kirche nicht immer genehmen Sinne, könnte durch
eine solche Existenz besser ermöglicht werden.
Freitag, 28. Juli 2017
Renaissance und Neoliberalismus
Ich ging mal wieder oberflächlich (!) meinen
Interessen nach, indem ich über Renaissance und deren Figuren
nachlas und mich zu informieren versuchte. Auf den ersten Blick
scheint es da gewisse Paralellen zwischen Renaissance und
Neoliberalismus zu geben: Im Mittelpunkt beider Richtungen steht das
selbstverantwortliche Indidviduum, das das Beste „aus sich machen“
sollte. Doch es besteht offenbar ein großer Gegensatz zwischen dem
neoliberalen Interesse einer „ökonomischen Verwertbarkeit“ und
deren Erfordernissen und dem Interesse etwa des großen
Renaissance-Menschen Leonardo da Vinci. Klar, auch er war ein Egomane. Unsere heutige Zeit aber scheint
der Zwang zur Selbstoptimierung zu einen, eine „Selbstoptimierung“, die nur der Flexibilität, der mühelosen Einordnung, Brauchbarkeit
und ökonomischen Verwertbarkeit dient. Renaissance und das alte Griechenland
jedoch hatten im Gegensatz dazu im Menschen ein Potential entdeckt,
das es um seiner selbst willen zu heben gilt. Bildung wäre insofern
die Neugier des Menschen auf seine Umwelt und auf sich selbst. Im
Neoliberalismus nähert sich Bildung stets der Ausbildung zum Ausüben
eines gewissen Berufes an. Das Gesamte zu überblicken versuchen, gar
nach einem Sinn oder Zweck zu fragen, ist hier nicht angestrebt. Ein
Rädchen in einem funktionierenden Getriebe zu sein reicht diesem
Neoliberalismus offenbar völlig aus. Es gilt vielmehr, die richtigen Voraussetzungen zu
schaffen und möglichst „erfolgreich“ zu sein.
Mittwoch, 5. Juli 2017
Zukunftsmöglichkeiten
Vielleicht wird man einmal in 100 Jahren zurück
blicken und denken: Was für Leute waren das denn? (Lasst uns
überlegen, wie sich die Erde vor (!) 100 Jahren darstellte...) Dise Leute glaubten, ihre sozialen Gegensätze dermaßen offen gegeneinander austragen zu
müssen und die gesellschaftliche Mitbestimmung, die auch gerne
Partizipation genannt wird, dermaßen vernachlässigen zu können.
Wir haben heute ein neues „Wir“-Gefühl, wir spüren, dass wir
alle im selben Boot sitzen und uns längst nicht mehr gegenseitig
ausspielen lassen. Das Wort "sozial" hat eine neue Bedeutung. Gegensätze werden leise wegmoderiert, werden
entschärft, gemanagt, werden in verträgliche Bahnen geleitet. Der
Wert der Arbeit ist ja sowieso übereinstimmend ein ganz anderer
geworden, nachdem Roboter 4.0 diesbezügllich die Macht übernommen
haben. Wir haben gelernt, dass es auch außerhalb der Arbeitssphäre
Möglichkeiten gibt, sich selbst zu verwirklichen und wir haben
schon auf der Schule gelernt, wie wir uns „Gewinn“bringend mit
uns selbst beschäftigen können, wie wir Potentiale in uns heben
können und uns entwickeln, zu uns selbst kommen. Es hat sich zwar zwischenzeitlich eine
Klasse der Besitzenden und Mächtigen abzusetzen versucht, doch wir
sind ihnen noch rechtzeitig auf die Schliche gekommen, haben ihr
„Bewertungssystem“ der Menschen ohnehin nicht mehr akzeptiert.
Die frühe „Globalisierung“ ist Geschichte, ihre negativen
Auswirkungen der allgemeinen Identitätslosigkeit und Verfügbarkeit
längst überwunden. Wir haben uns der Erde neu angenähert, haben
verstanden, wie sehr sie ein Teil von uns ist und wir von ihr. Der
bedingungslose Raubbau konnte zurück gedrängt werden und stellt
sich im Rückblick als schwerer Irrtum heraus, der durch mannigfache
Abstimmungsprobleme unter den Menschen verursacht worden ist. Leider
waren bis zum Zeitpunkt der Umkehr schon viele Tierarten
ausgestorben, so dass diese unheilvolle Entwicklung samt ihren
egoistischen Impulsen nur teilweise rückgängig gemacht werden
konnte.
Sonntag, 23. April 2017
Narzissmus (1)
Caravaggio malte sein berühmtes Bild „Narziss“
Ende des sechzehnten Jahrhunderts und Ovid hatte lange zuvor schon
die betreffende Geschichte geschaffen (hier aus „Wikipedia“
zitiert): Narziss wurde von Jünglingen und Mädchen gleichermaßen
umworben, war aber stolz auf seine eigene Schönheit erfüllt und
wies all seine Verehrer und Verehrerinnen herzlos zurück. Diese
Kränkung widerfuhr auch der Bergnymphe Echo und dem Bewerber
Ameinios, dem Narziss ein Schwert zukommen ließ. Zwar brachte sich
Ameinios noch auf der Türschwelle mit dem erhaltenen Schwert um,
nicht aber ohne zuvor die Götter anzurufen, seinen Tod zu rächen.
Nemesis (nach anderen Quellen Artemis) hörte die Bitte und strafte
Narziss mit unstillbarer Selbstliebe: Als er sich in der unberührten
Natur bei einer Wasserquelle niederließ, verliebte er sich in sein
eigenes Spiegelbild. Narziss erkannte die Unerfüllbarkeit seiner
Liebe, ohne dass es ihm etwas nützte: Er verzehrte sich und
verschmachtete vor seinem Ebenbild bis zum Tod. Seine letzten Worte
wiederholte Echo: „Ach, du hoffnungslos geliebter Knabe, lebe
wohl!“ Statt seines Leichnams fanden die Dryaden eine Narzisse“.
Heutzutage gilt aber auch und dürfte sich auf narzisstische Impulse stützen: die gernzenlose Entblößung in den Medien, insbesondere in den sozialen Medien samt die Vorführung aufgeblasener Wichtigkeit in den Talksshows und vieler anderer Phänomene: Das „Ich“ und seine Optimierung scheint eine „Herausforderung“ der Zeit. Die Stufe der schmerzhaften Bewusstwerdung und der langen Suche wird dabei gerne mal übersprungen. Es gilt Egozentrismus, Eigensucht, fehlende Empathie, Überheblichkeit und die Entwertung anderer. Sie scheinen im Trend eines gnadenlosen Neoliberalismus zu liegen, der auf allen Ebenen unsere Gesellschaft schon seit langem zu prägen scheint. Doch Finanzkrise und Schuldenfallen der Staaten haben längst zur Verunsicherung beigetragen. Narzissmus galt zwar einst als Sünde oder als Privileg der Mächtigen, hat offensichtlich aber von seiner Strahlkraft verloren. Nichtsdestrotz trat in der Politik ein neuer Typ eines Despoten immer mehr zu Tage, der mit seinem eingebildeten oder realen Charisma die Realität zu prägen scheint. Da werden Leute zu Präsidenten oder wollen sich zu solchen machen. (Später mehr)
Heutzutage gilt aber auch und dürfte sich auf narzisstische Impulse stützen: die gernzenlose Entblößung in den Medien, insbesondere in den sozialen Medien samt die Vorführung aufgeblasener Wichtigkeit in den Talksshows und vieler anderer Phänomene: Das „Ich“ und seine Optimierung scheint eine „Herausforderung“ der Zeit. Die Stufe der schmerzhaften Bewusstwerdung und der langen Suche wird dabei gerne mal übersprungen. Es gilt Egozentrismus, Eigensucht, fehlende Empathie, Überheblichkeit und die Entwertung anderer. Sie scheinen im Trend eines gnadenlosen Neoliberalismus zu liegen, der auf allen Ebenen unsere Gesellschaft schon seit langem zu prägen scheint. Doch Finanzkrise und Schuldenfallen der Staaten haben längst zur Verunsicherung beigetragen. Narzissmus galt zwar einst als Sünde oder als Privileg der Mächtigen, hat offensichtlich aber von seiner Strahlkraft verloren. Nichtsdestrotz trat in der Politik ein neuer Typ eines Despoten immer mehr zu Tage, der mit seinem eingebildeten oder realen Charisma die Realität zu prägen scheint. Da werden Leute zu Präsidenten oder wollen sich zu solchen machen. (Später mehr)
Samstag, 11. Februar 2017
Selbstverwirklichung als Großkünstlerin
Sich überlegen, ob das, was man da tut, das Richtige
für einen ist? Das muss man erst mal können. Dazu muss man sich in
der Lage sehen, da viele Menschen eigentlich nur arbeiten, um zu
überleben. Arbeiten, um gottgefällig zu sein, ist von vorgestern,
aber noch nicht ganz überholt. Sie lassen sich jetzt Zeit, um sich
die Energie und die Verdichtung ihrer Persönlichkeit abkaufen zu
lassen. Sie lassen sich verbiegen, deformieren, scharf machen.... Ob
man das wollte im Leben? Irgendwann erhebt sich für einen die Frage.
Was für ein Luxus, darüber nachdenken zu dürfen! Das können
vielleicht amerikanische Milliardäre oder ähnliche menschliche
Erfolgsmaschinen. Ist vielleicht die entspannte Pose, mit der nerdige
Waghälse steile Thesen aus dem Silicon Valley vortragen. Investoren?
„Denkt darüber nach, wer ihr sein wollt“ wird die
US-amerikanische Popsängerin Patti Smith zitiert, eine inzwischen
voll und ganz im Establishment angekommene Großkünstlerin, die
einem mit einem weiteren Vorschlag Mut macht: Man müsse auch mal
einen (Platten-)Vertrag über 100 000 Dollar ausschlagen können.
Jawohl, man muss nicht der Knecht des Geldes sein, so möchte man ihr zurufen. Aber was ist, wenn man darauf angewiesen ist? Wenn man jeden Cent nachzählen muss, weil er einem bis zum nächsten Monatsende weiter helfen könnte? Patti Smith kennt eine solche Welt wahrscheinlich schon lange nicht mehr, obwohl sie liebevoll ihr alternatives Image im Künsterdasein pflegt. Im Gespräch wird auch erkannt, dass es wichtig sein könne, zu wissen, wer man wirklich ist. Ihr Rat in der Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung „Jetzt“: „“Setzt euch jeden Morgen im Bett auf und denkt kurz für euch selbst darüber nach, wer ihr sein wollt. Trinkt vielleicht ein Glas Tee oder Wasser und fragt euch: „Was soll euch dieser Tag bringen. Warum macht ihr euren Job. Tut ihr es für Geld? Ruhm? Oder weil es das ist, wovon ihr immer geträumt habt“.
Ich finde das gut. Ich werde versuchen, es zu beherzigen. Freilich bin ich etwas skeptisch. Job machen und so.... Vertrag ausschlagen.... Ich habe ja gar keinen richtigen Job..... Aber Frau Schmidt hatte ja auch keinen richtigen.......
Jawohl, man muss nicht der Knecht des Geldes sein, so möchte man ihr zurufen. Aber was ist, wenn man darauf angewiesen ist? Wenn man jeden Cent nachzählen muss, weil er einem bis zum nächsten Monatsende weiter helfen könnte? Patti Smith kennt eine solche Welt wahrscheinlich schon lange nicht mehr, obwohl sie liebevoll ihr alternatives Image im Künsterdasein pflegt. Im Gespräch wird auch erkannt, dass es wichtig sein könne, zu wissen, wer man wirklich ist. Ihr Rat in der Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung „Jetzt“: „“Setzt euch jeden Morgen im Bett auf und denkt kurz für euch selbst darüber nach, wer ihr sein wollt. Trinkt vielleicht ein Glas Tee oder Wasser und fragt euch: „Was soll euch dieser Tag bringen. Warum macht ihr euren Job. Tut ihr es für Geld? Ruhm? Oder weil es das ist, wovon ihr immer geträumt habt“.
Ich finde das gut. Ich werde versuchen, es zu beherzigen. Freilich bin ich etwas skeptisch. Job machen und so.... Vertrag ausschlagen.... Ich habe ja gar keinen richtigen Job..... Aber Frau Schmidt hatte ja auch keinen richtigen.......
Sonntag, 15. Januar 2017
Gebildete kommen voran
Langsam
aber sicher kotzt es mich an, dass Politiker in den Talkshows immer
wieder behaupten, dass eine bessere Bildung ein besseres Einkommen
garantiere. Da ist zum Beispiel ein bestimmtes Individuum, - und ich
kenne genügend andere Menschen, denen es genauso geht - das hat
einen akademischen Abschluss in drei Fächern, vegetiert aber als
„Selbständiger“ mit etwa 11 000 Euro Jahresgehalt vor sich hin
und gehört ganz sicher nicht zu den Besserverdienenden. Dies
Individuum hat als Politikwissenschaftler mit akademischem Abschluss
nicht wie andere Personen in seiner Umgebung früh eine politische
„Karriere“ angestrebt, weil es sich den manchmal brutalen
Durchsetzungswillen und die dazu notwendige schlitzohrige Trickserei
nicht zutraute. Korrupte Beratungsdienste des politischen Fachs
traute es sich sowieso nicht zu. Es kannte sie auch nicht als
Berufszweig, bzw. nahm sie nicht ernst. Aus dem akademischen
Elfenbeinturm wollte es unbedingt früh aussteigen, weil es sich
zutraute, ein Dasein im „realen“ Leben zu fristen und sich
deshalb nicht vom Staat als Wissenschaftsbeamter verhalten zu lassen.
Die Juristerei hielt dies Individuum für eine typische
Afterwissenschaft, die nach von windigen Gesetzgebern ausgegeben
Richtlinien funktioniert. Ein schwerer Fehler, wie sich später
heraus stellte. Wer sich etwa aber als ausgebildeter und akademisch
abgeprüfter Betriebswissenschaftler in die Fänge der Großindustrie
begibt, macht sich wahrscheinlich schuldig an etlichen schmutzigen
Geschäften, die unter anderem die „Freisetzung“ eines ganzen
Heeres von Arbeitern und Angestellten als „Arbeitslose“ zur Folge
hat. Medizin studierten ohnehin nur die Streber, die dem gefordeten
Numerus Clausus entsprachen und darüber hinaus ein vor allem
materiell wohl ausgestattetes Dasein anstrebten. Das hielt man für
sicher.
Für technische Berufe hielt dies Individuum sich für zu wenig begabt, so erzählte es mir. Das machten nur die allzu Karrierebewussten in seiner Umgebung, so glaubte dies Individuum. Kaufmännisches kam ohnehin nicht in Betracht, weil es nach seiner Überzeugung in diesen „voll im Leben“ stehenden Berufen nach seiner Meinung vor allem darauf ankam, die Mitmenschen möglichst gekonnt übers Ohr zu hauen, so dass sie mir mehr bezahlten, als eigentlich nötig gewesen wäre. Daraus hätte dann ein Lebensunterhalt entstehen sollen? Igitt! Doch sämtliche solcher Annahmen scheinen nun zu einem Desaster der Arbeitslosigkeit und der fortschreitenden Missachtung geführt zu haben, was sich unter anderem darin ausdrückt, dass heutzutage in vielen Talkshows Leute wie dieses Individuum gleich mal gar nicht erwähnt werden. Sie spielen keine Rolle, scheinen Luft zu sein. In diesem Sinne haben solche Individuen etwas falsch gemacht, indem sie sich schlichtweg zu wenig „verkauft“ haben. Und verkaufen muss man sich, das steht fest.
Für technische Berufe hielt dies Individuum sich für zu wenig begabt, so erzählte es mir. Das machten nur die allzu Karrierebewussten in seiner Umgebung, so glaubte dies Individuum. Kaufmännisches kam ohnehin nicht in Betracht, weil es nach seiner Überzeugung in diesen „voll im Leben“ stehenden Berufen nach seiner Meinung vor allem darauf ankam, die Mitmenschen möglichst gekonnt übers Ohr zu hauen, so dass sie mir mehr bezahlten, als eigentlich nötig gewesen wäre. Daraus hätte dann ein Lebensunterhalt entstehen sollen? Igitt! Doch sämtliche solcher Annahmen scheinen nun zu einem Desaster der Arbeitslosigkeit und der fortschreitenden Missachtung geführt zu haben, was sich unter anderem darin ausdrückt, dass heutzutage in vielen Talkshows Leute wie dieses Individuum gleich mal gar nicht erwähnt werden. Sie spielen keine Rolle, scheinen Luft zu sein. In diesem Sinne haben solche Individuen etwas falsch gemacht, indem sie sich schlichtweg zu wenig „verkauft“ haben. Und verkaufen muss man sich, das steht fest.
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