Reise durch Wirklichkeiten

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Samstag, 11. Juli 2026

Band

Die Geschichte meiner Musik: Wie war das mit den Bands? Was trieb uns um? Im Kreis? Man zerstritt sich manchmal ewig und stundenlang über den rechten Weg und die Richtung, die man einschlagen wolle. Alle Arrangements sollten und mussten dauernd neu gemacht werden. Alle Egoismen dieser Welt kamen zum Einsatz, selbstredend, man fühlte sich ja als Künstler, dem das selbstverständlich gestattet war. Solistische Fähigkeiten und individuelle Stärken galt es, ins „Ganze“ einzufügen, Nachgiebigkeit, Flexibilität und Kompromissbereitschaft war da nicht angesagt. Bevor man irgendeinen Kompromiss einging, musste man eine Pfeife rauchen, ein „Kawumm“. Aber schon bei der nächsten Probe war der erreichte Kompromiss nicht mehr tragfähig. So trottelte man sich durch die Zeit und erreichte nicht viel Definitives.

Sonntag, 14. Dezember 2025

Sowas!

Ich wollte vor dieser allgemeinen grauen Verzweiflung zusammen mit anderen wegrennen, ihr entlaufen, - doch wohin? Und mit wem zusammen? Schweres Gewicht: Die Boxen waren das Schlimmste. Sie im Schweiße des Angesichts erst anzuschaffen und dann umher zu gewichten, sie in irgendwelche Kofferräume so zu versenken, dass nicht unbedingt alles gleich kaputt ging oder herb zerschrammt war, das war die Kunst, mit der speziell ich mich als Keyboarder und Gitarrist oft genug auseinanderzusetzen hatte. Equipment für zwei Instrumente zu schleppen, das war heavy. Eigentlich hätte man danach nicht gleich die Keyboards oder Gitarre spielen können, schon gar nicht mit fingerflinken Händen. Die Hände waren nämlich eine Zeitlang kaum zu spüren. Aber es begab sich eines Tages halt so, dass dieses mal wieder zu tun war und eine schwere Box in einen vom Onkel gesponserten Kombi zu verfrachten war. Leider fiel die Klappe und der Affe war halbtot. Die hintere Klappe des Autos war im ungünstigsten Moment herunter und auf meine Stirn gefallen, beinahe auf die Augen. Es klaffte ein Spalt, es blutete, ich spürte Schmerzen. Doch derjenige, der am wenigsten zu reagieren schien, war ich. Tapfer setzte ich mich ans Steuer und fuhr heftig blutend das Gefährt. Ich war ein Held. Man machte sich Sorgen, man sprach mir gut zu, - ich hingegen hatte nur meine Musik im Sinn. Wir fuhren am Übungsraum vor und ich musste mir übel blutend Beileid abholen. Der kurzfristig erwogene Plan, die Wunde im Krankenhaus nähen zu lassen, ward verworfen: das hätte zu viel Zeit gekostet. Wir mussten vorankommen, wenn schon mal alle Bandmitglieder Zeit hatten und zur Probe erschienen waren. Also trug, gewichtete, stemmte und zog ich meine Anlage an meinen Platz nach ganz hinten, baute auf und legte los. Leider hatte die Wunde nicht aufgehört, zu bluten. Und so lief mir fantastischem Schmerzensmann einer unerhörten Musik unaufhörlich das Blut herunter, während ich spielte und Bedeutendes aus den Tasten holte. Ich war unter einer unappetitlichen Mischung aus Blut und Schweiß zu einem schaurig sichtbaren Symbol meines Drangs zur rockmusikalischen Entäußerung geworden.

Dienstag, 2. Dezember 2025

Muster für Experimente

Wir greifen das King Crimson-Album aus dem Jahr 2011 heraus und lassen uns einspinnen in eine Klangwelt, die über den führenden Linien des Bandchefs und Gitarristen Bob Fripp maßgeblich geprägt wird vom flinken Gebläse des Saxofonisten Mel Collins, den wir von den früheren King Crimson-Alben und tausend Studioproduktionen schon kennen, den wir aber auch live mit der Band Camel schon einmal erlebt haben. Jetzt durchsticht er oft den warmen Gesang von Gitarrist und Violinist Jakko Jakszyk, der dem Fripp`schen Klangideal einer Bariton-Stimme zu entsprechen scheint und uns mit seinem dunklen Timbre an frühere KC-Besetzungen erinnern kann. Wir entschließen uns, unsere Kritiken der KC-Konzerte hervor zu kramen und in diesem Horizont die Fripp-Alben, die uns zugewachsen sind, nicht zu vergessen. Ach ja, hier das Abschweifen ins Groteske, die Klangfäden überall, dies wuchtige Kraft holen, diese Feier des Eigenen Individuellen, das wir heutzutage so oft vermissen. Erst unsere Konzertbesprechung des Jahres 2003, dessen Einleitung uns bleibend beeindruckt hat: „Es ist doch nur ein kurzes Spiel mit den Erwartungshaltungen des Publikums: Ein Rockprofessor im dunklen Anzug nimmt Platz auf einem Hocker und macht sich an einer Gitarre zu schaffen, der er sphärische Klangwolken zu entlocken scheint, harmonisch, aber doch im Nichts um sich selbst kreisend, aus dem Ungewissen herkommend und dorthin wieder verschwindend. Doch irgendwann legt der Herr Professor seine Gitarre ab, verschwindet und ein Herr Prozessor spielt immer weiter, wodurch niemand im Beethovensaal weiß, wer was gespielt hat und wie das überhaupt zustande gekommen ist. Der in sich gekehrte Professor war Robert Fripp, der ja nicht nur als Kopf der Band King Crimson die seltsamen Experimente geliebt hat, über 35 Jahre hinweg, in tausend Besetzungen und personellen Kombinationen. Ein Enfant terrible, das auf dem Barhocker im Dunklen sitzend dem Publikum den ganzen Abend keinen einzigen Blick geschweige denn eine Ansage schenken wird und Fotoaufnahmen allerstrengstens untersagt hat. Dafür jedoch schenkt er dem Publikum seine Musik, die nun bald im vorzüglich ausgesteuerten Sound losbricht: King Crimson ist nach langen Jahren der personellen Fluktuation nun ein stabiles und traumhaft eingespieltes Quartett, das vier unterschiedliche Charaktere vereint. Schroffe, sehr eigenwillig strukturierte Massive aus elektronisch manipuliertem Klanggut türmen sich auf zu einer Art durchkomponiertem Edelmetal, fallen in sich zusammen, werden zu zerkrittelten, von ungeraden Rhyhtmen durchstochenen Klangphantasien oder gehen über in schräge Balladen voller bizarrer Einfälle: ist so etwas Prog Rock? Avantgarde Rock? Kunstrock? Nein, es ist King Crimson. Keine Etiketten. Keine Schubladen. Die zurückliegenden 35 Jahre scheinen nur Anlauf für dieses Konzert gewesen zu sein, dessen Grundlage die aktuelle CD „Power to believe“ ist. Großartig, welche Dynamik diese Band nun entfaltet, mit welcher Präzision sie fortwährend verblüfft, wie uneitel sie ihr Publikum staunen lässt, wie sie das Grobschlächtige mit dem Filigranen zusammenbringt und es zu einer schlüssigen Bestandsaufnahme ihrer musikalischen Entwicklung formt. „Prozac Blues“, Eyes wide open“, Elektrik“, „Dangerous Curves“: Nie war King Crimson so rhythmisch wie heute. Drummer Pat Mastelotto gibt selbst den schrägsten Passagen massiven Drive. Trey Gunn fingert dazu höchst einfallsreich den Stickbass, ein gut gelaunter Adrian Belew steuert als Sänger, zweiter Gitarrist aus dem Rampenlicht heraus den Abend, der zum Abenteuer wird. Keine sentimentale Erinnerung an die Vergangenheit. Kein „21st Century Schizoid Man“, kein „Moonchild“. Nur stilistische Stringenz. Alles ist aufgehoben in der Gegenwart. Überragend. Es folgt meine CD-Besprechung aus dem Jahr 2003: „Lange ist’s her, da waren sie Schrittmacher des Progressiv Rock, schienen integriert in den Zirkus der Trends. Musiker kamen und gingen die folgenden Jahre, nur einer blieb: King Crimson wurde zur Kopfgeburt ihres Gitarristen Bob Fripp. Diese musikalische Sprache, diese schroffen Klangmassive, die sich in weite elektronische Flächen öffnen konnten oder sich von feinem Rhythmusgestotter in ungeraden Takten zerlegen ließen, sie waren alle in Fripps Phantasie gewachsen. Doch dann, in der dritten Dekade ihres Bestehens und inzwischen weit vom Alltag des Rockgeschäfts entfernt, entwickelte sich King Crimson wieder zurück zur Band mit stabiler Besetzung. Die neue King Crimson-CD „The Power to Believe“ scheint diese Entwicklung zu reflektieren, indem sie die Fripp’schen Egomanien mit Bandgefühl interpretiert. Da ist es wieder, dieses mit fieser Gitarrengewalt drohende, mühsam kontrollierte Breitwandchaos: das Stück „Level Five“ und „Facts of Life“ etwa scheint es trotz aller gekünstelt paranoiden Strukturen schier zerbersten zu lassen. Das eher lyrische „Eyes wide open“ könnte aus King Crimsons Frühzeit stammen und weist doch auf den wichtigen Einfluss, den Fripps Co-Gitarrist und Sänger Adrian Belew hat. So geht’s weiter: Alt und Neu fließen zusammen, Experimente gehen in längst geprägten Mustern auf. Eine Platte für Fans und solche, die King Crimson noch nicht kennen. (King Crimson, The Power to believe, Sanctuary Sancd 155)“. Jetzt finde ich auch noch meine Konzertbesprechung aus dem Jahr 2016: „Schon der Bühnenaufbau kann überraschen: Drei Schlagzeuge nebeneinander, das ist in der Rockmusik unüblich und ward nie gesehen. Aber die Band King Crimson ist ja immer schon komplett überraschend gewesen, hat während der vergangenen fast 50 Jahre um ihren Kopf herum, den Gitarristen Robert Fripp, fortwährend die Besetzung geändert und stilprägenden Avantgarde-Rock der verschiedensten Ausprägung gespielt. Ein Mythos. Eine Legende. Gleich ein Doppelkonzert ihrer aktuellen Tournee spielen sie im Beethovensaal der Liederhalle Stuttgart, natürlich vor jeweils ausverkauftem Haus. Die drei Herren Schlagzeuger Pat Mastelotto, Gavin Harrison und Jeremy Stacey eröffnen denn auch gleich mit ihrem Dreier-Intro das Konzert. Wir ahnen, dass diese Besetzung kein Gag ist, sondern dass sich diese drei auf das Trefflichste ergänzen wollen, dass sie hochkonzentriert ohne jede Showeinlagen ihre Rolle spielen werden, die eine fantasiereiche Aufsplitting der einzelnen percussiven Abläufe bringt, fein abgestimmte Übergaben des Rhythmus selbst mitten in ungeraden Metren und filigrane Ziselierungen mittels kurzer Akzente, aber auch Keyboardeinlagen und andere elektronische Einspielungen. Es ist ein Team, genauso wie die ganze Band, in der niemand herausragt oder sich als überragender Solist profilieren kann, weil die Dinge meist exakt festgelegt erscheinen und die Räume für allzu ausufernde Soli gar nicht existieren. Am ehesten noch scheint da Mel Collins, der aus den Anfangstagen der Band aufgetauchte Saxofonist und Flötist, sich noch gelegentlich in diese solistische Rolle hineintröten zu dürfen. So geht’s nach der Schlagzeugereinleitung in die erste, sehr abgehoben und teilweise schroff wirkende Folge von Stücken, die weit vom üblichen Rockklischee entfernt scheinen. Wir, aber womöglich auch die Musiker, werden hineingezogen in einen eigenen Strom der Bezüglichkeiten, in der selbst der Bandboss Fripp nur ein Teil des Ganzen ist und in keinster Weise heraus ragt. Neben ihm agieren auf der zweiten Linie der Bühne mit dem Bassisten Tony Levin, mit dem Sängergitarristen Jakko Jaksyk und dem frühen Weggefährten Collins sowieso nur ausgewiesene Könner, die keinerlei Profilierung nötig haben und in diversen Bands ihre Spuren hinterlassen haben. Es taucht nun das eher grobe Stück „Easy Money“ auf, aber auch das feingliedrige „Epitaph“ oder das bekannte „In the Court of Crimson King“ aus den Anfangstagen der späten sechziger Jahre auf. Solche Stücke markieren ein typisches Kennzeichen der Band durch alle Besetzungen hindurch: das Wüste, Grobe und zuweilen auch stark rifforientierte Musizieren kann hier neben feingliedrigen Klangspekulationen stehen, die auf die verschiedenste Art verbunden erscheinen. Um die drei Stunden dauert der Auftritt und keine Sekunde davon ist langweilig: zum Schluss kommen beim Bowie-Heuler „Heroes“ und dann bei „21 Century Schizoid Man“ natürlich die gemeinschaftstiftenden Ohrwürmer: ein großartiges Konzert.

Freitag, 28. März 2025

Frührock

Als die Beatles und die Stones bekannt wurden, in den frühen sechziger Jahren, ist der Rock auch hier populär und zur Jugendkultur geworden. Er hieß damals Beat und ließ plötzlich aus dem Humus jugendlicher Träume Bands hervorsprießen, die die in den Jugend- und Gemeindehäusern, in den Tanzschulen und kleinen Säalen der Region auftraten. In Stuttgart gab es für solche Gelegenheiten vielleicht die Tivoli Bar in der Hauptstätter Straße, aber keine Beatles und auch keinen Cavern Club wie in Liverpool. Dafür gab es die Caverns, Muli and his Misfits mit einem gewissen Wolle Kriwanek, es gab Five Fold Shade mit Andy Goldner und es gab The Dynamites mit Wolfgang Schmid, der in den Siebzigern als Bassist von Klaus Doldingers Passport zu einem Pionier der Fusion von Jazz und Rock wurde und Tourneen in aller Welt absolvierte. „Im Remstal war am meisten los“, so erinnert Schmid heute. „In Schorndorf, im „Schlachthof“ hatten wir unser erstes regelmäßiges Engagement, immer sonntags von 17 bis 22 Uhr. Im Alter bis 16 durfte man da bis 22 Uhr hinein, aber nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten. Meine Eltern oder meine ältere Schwester sind deshalb abwechselnd zu unseren Auftritten mitgefahren“. Im Auftrittsvertrag der Dynamites mit dem Gasthaus Lamm in Schornbach vom 10. August 1964 heißt es wörtlich: „Sollte ein Mitglied der Kapelle ausfallen, so ist vollwertiger Ersatz zu beschaffen oder ist die Klangfülle durch Mehrleistung der Geräte wiederherzustellen“. Die „Geräte“, das waren anfangs nur umgebaute Röhrenradios gewesen. „Dann kam der erste richtige Verstärker“, erzählt Schmid. „Drei Gitarren, Bass, Schlagzeug, alle spielten wir durch diesen einen Verstärker, weil er 5 Eingänge hatte. Das muss geil geklungen haben.“

Samstag, 30. September 2023

Arschlöcher und Pop

Manchmal dachte ich mir: Ob diese ganzen Arschlöcher einfach nochmal die Musik ihrer Jugend als Katalysator hören wollen, koste es, was es wolle. Und sei es die eigene Glaubwürdigkeit. Psychologisch sind gewisse Gefühle, die eine Persönlichkeit über längere Zeit bewegt haben, an eine gewisse Musik gebunden (dazu gibt es wohl zahlreiche Studien). Dazu vollführen heute „große Stars“ dann gut geschminkt und frisch frisiert Gesten und Posen, singen das hohe Lied der Liebe und der ewigen Gefühle (Vorsicht! Spekulation!). Das schafft Verbundenheit und Gleichgerichtetheit mit all den anderen. Dies freilich machten sich auch Figuren wie Adolf oder Goebbels in politischer Hinsicht (was schnurgerade ins Totalitäre, also die Totalität unseres Seins mündete) zunutze. Sie erzeugten eine Gemeinsamkeit des Augenblicks, die sich in ihrem Falle fortsetzen sollte bis in den Tod. Die Euphorie, die so etwas bedingt, wird im kommerziellen Popkonzert auch durch die perfekte Lightshow erzeugt. Kicks und Effekte aller Art befördern die Absicht noch wirksamer. Die Band spielt handwerklich gekonnt, der Sound ist am Reißbrett entworfen, nimmt Klischees auf und überführt sie gekonnt in eine Show. Die Betonung liegt herbei auf „gekonnt“, denn der technokratische Vorgang steht dabei oft im Vordergrund. Gezielte Provokationen können hinzu kommen und einen Gestus unterstreichen, ein Image unterstreichen. Was entsteht, mag so ziemlich das Gegenteil dessen sein, was man einst als „Geheimnis“ bezeichnete. Es ist sogar das pure Gegenteil davon, nämlich das allzu Offensichtliche, das Hergestellte, das (gut) Gemachte. Wenn diese ganzen reichen alten Arschlöcher dem auf den Leim gehen, ist das ihre sentimentale Sache, darf aber benannt werden. x Sometimes I thought to myself: whether all these assholes just want to hear the music of their youth again as a catalyst, no matter what the cost. And be it your own credibility. Psychologically, certain feelings that have moved a personality over a long period of time are tied to a certain music (there are probably numerous studies on this). In addition, “big stars” perform gestures and poses with good make-up and freshly styled, singing the song of love and eternal feelings (caution! speculation!). This creates connectedness and equality with all the others. Of course, figures like Adolf or Goebbels also took advantage of this from a political point of view (which led straight to totalitarianism, i.e. the totality of our being). They created a togetherness of the moment, which in her case was to continue until death. The euphoria that causes something like this is also generated in commercial pop concerts by the perfect light show. Kicks and effects of all kinds promote intention even more effectively. The band plays skilfully, the sound is designed on the drawing board, picks up on clichés and skilfully transfers them into a show. The emphasis here is on "skillful" because the technocratic process is often in the foreground. Targeted provocations can be added and underline a gesture, underline an image. What emerges may be quite the opposite of what was once called a "mystery." It is even the complete opposite of that, namely the all too obvious, the manufactured, the (well) made. If all these rich old assholes fall for that, that's their sentimental thing, but it's allowed to be named.

Donnerstag, 4. Juli 2019

Gruppenfeeling

Rückblick in die 70er Jahre und meine musikalischen Betätigungen in ihnen, einer Zeit, der ich in einem unvollendeten Roman Ausdruck gegeben habe: 


"Nun ja, es entwickelte sich sogar ein Wir-Gefühl zwischen uns: Wir fühlten uns wie ein kreativer Stoßtrupp, wir suchten ganze Nachmittage lang nach der einen, der großartigen Melodie, nach dem Einfall, der uns hinweg tragen würde in all seiner.... . Aber wir fanden nur fremd klingende Breaks, verhuschte Passagen, rhythmische Katastrophen, tonale Andeutungen, die völlig unbrauchbar für die richtige Rockmusik der Tatmenschen waren. Wir streiften zusammen durch musikalische Landschaften, die zwar wildromantisch waren, aber einfach nicht auf eine Weise zu kultivieren waren, dass sie in einem Jugendhaus irgend jemanden von einem dieser alten, verstunkenen und verfurzten Sofas gerissen hätten. Das ging nicht ab. Das ging schon gar niemanden in die Beine. Das war einfach nur unverständlich und verschroben. Im Grunde die reine klangliche Kloake. Aber wir waren infiziert davon, wir waren - glücklich - damit. Wir hatten etwas aus dem Nichts geschaffen, über das wir eine Weile staunten und das dann wieder zurück fiel in das Nichts. Wir waren auf einer Mission, deren Sinn, deren Reichtum sich erst noch später enthüllen sollte, - vielleicht sehr viel später. Erst musste von uns aber noch die dafür nötige Forschung gemacht werden."

Freitag, 22. Juni 2018

Format Perfect

Das hatten wir damals herniedergebracht, als eine Art Manifest, als eine gedachte Gemeinsamkeit, die so nie existierte:

FORMAT PERFECT

ist -
Begrenztes Unbestimmtes
Paradox Formel,
Programm für den Ablauf von Prozessen wie:
Musik, Erkenntnis, Kunst
funkelnde Unendlichkeit ein Wort - und Gedankenverbindung,
die Zauber besitzt
Anstoß zum Nachdenken
Geheimnis und Provokation
Magic & Secret (M&S) zum Beispiel:
Musik auf anderer Ebene
formale Unbegrenztheit
abgeschlossener Anfang und angefangenes Ende
dilettantische Perfection
erspekulierte Gewissheit
Traum vom Alltag
Bahnen entlang gelenkte Phantasy
Fraktur an der Gefühlswand des Unendlichen,
die sich am Seil des Absoluten
zum Bewusstsein hochzieht
Ziel, nicht brüllender Kult
ein Stück abstraktes, auf den Begriff gebrachtes Leben
Verfremdung von Wirklichkeit
Sicht durch die Brille (durch die Ohren, durch die Sinne)
von bestimmten Menschen
Anti: Ablehnung des Förmlichen bis zur Identifikation mit nicht recognostizierten Gedächtnislücken (schwarze Löcher, Blackouts, objektiv-subjektiv)
aber auch Pro: ironisierende Ästhetik,
gezügelte Form
Hotel Trampolini
ein Augenblick Konzentration auf das Tatsächliche
F.F. = prinzipiell wandelbar relative Relativität
Konflikt
vielschichtig verarbeitete Umwelt
morgen anders, als ES heute ist
wie ein glitschiger Fisch, der dir immer wieder entgleitet
traurige Lustigkeit – oder?

Komik? Reiz, - geht weiter!