Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Montag, 24. August 2026
Zeitweise
Man müsse unbedingt ganz im Moment, im Hier und Jetzt leben, so höre ich immer wieder. Komischerweise verspüre ich in mir ein anderes Bedürfnis, was dieser fast zur Binse gewordenen Erkenntnis zuwider läuft. Und ich habe in jüngster Zeit etliche wissenschaftliche Aussagen dazu gehört. Zeit als Phänomen beschäftigt mich ja ohnehin. Ich weiß nicht, ob ich diese wissenschaftliche Sicht ganz korrekt wiedergeben kann. Doch sie entspricht dem, was ich bisher schon empfunden oder geahnt habe. Sie verstärkt meine Skepsis gegenüber dieser Gegenwartsorientiertheit, die einem immer angetragen wird. Diese Theorien überraschten mich mit einer Alltagszugewandtheit: Unser Gehirn bringt die Zeit fast nach Belieben zum Laufen und Stehen, - was man sich leicht im Selbstversuch vor Augen führen kann: z.b. wenn man bei einer Uhr mit Sekundenzeiger auf das Zifferblatt schaut, scheint dieser Zeiger im ersten Moment immer zu stehen. Das Gehirn baut auch Zeitsprünge ein: sehen Sie in den Spiegel und fixieren Sie erst das eine und dann das andere Auge. Sie werden nie eine Augenbewegung wahrnehmen. Das Gehirn trickst einen also aus und macht sich die zeitlichen Abläufe passend. Das tut es, um uns zu helfen, damit wir uns die wirklich wichtigen Bilder besser einprägen können. Für unsere Orientierung im Leben also, fürs Planen, Denken, Reden oder Handeln ist diese Vorstellung von Zeit sehr wichtig.
Und doch kann uns jeder Physiker vorführen, dass diese Vorstellung, die nahezu alle Kulturen teilen, falsch ist: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – laut Physik alles Quatsch. Einstein hat in seinen Relativitätstheorien versucht, das wahre Bild der Zeit zu zeichnen. Er sieht sie als eine von vier Dimensionen. (3X Raum, 1XZeit) Insofern müssen wir uns von der Idee der Gegenwart lösen. Denn wenn der Raum nicht das eine universelle Hier kennt, warum sollte es dann das eine universelle Jetzt geben? Es gibt so viele verschiedene Orte gleichzeitig. Auch wenn wir sie nicht sehen.Ähnlich ist das mit der Zeit.
Man kann sich die Zeit als zusätzliche Raumdimension vorstellen. Alle Momente, wie wir erleben, stehen nebeneinander. Unter Physikern heißt diese Vorstellung von der vollständig gegebenen Raumzeit „Block-Universum“. Alle Ereignisse, vom Beginn des Urknalls bis zur Endzeit, alles ist da. Wir aber erleben dieses Universum nicht als Ganzes, sondern scheibchenweise. Vergangenheit, Zukunft: alles da. Scheinbar. Jeder erlebt seine Einteilung: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ganz individuell geformt und passend gemacht! Z.b. unser Nachbarstern Alpha Centauri: wenn wir sein Bild empfinden können, ist es in diesem Moment bereits vier Jahre alt. Könnten wir auf Alpha Centauri sein, wären alle Ansichten der Erde auch schon 4 Jahre alt. Einstein sagt: Es gibt nicht die eine Aufteilung des Raum-Zeit-Blocks. Jeder formt seine Sicht der Gegenwart. Nur wegen der Geschwindigkeit des Lichts und der relativ kurzen Distanzen auf unserem Planeten entsteht die Illusion einer einzigen globalen Gegenwart.
Unser Geist ist erpicht auf die eine, fortschreitende Zeit, obwohl die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren gleichzeitig ? Nun, es scheint dies unserem Gehirn entgegen zu kommen. Es hängt die einzelnen „Ausschnitte“ von Zeit wie in einem Film aneinander, wodurch die persönliche Raumzeit entsteht. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft existieren aber gleichzeitig. Unser Gehirn hängt die verschiedenen Momente der Vergangenheiten über die Gegenwart zusammen und formt dadurch unsere Identität, der durch die Raumzeit führt. Alltag: Erinnerungen an die Zukunft gibt es bei uns nicht, nur ans Babystadium, an die Kindheit. Ein Gefühl einer Lebensreise entsteht in unserem Ich. In Wahrheit bewegt sich aber gar nichts.
Zeit lässt sich also nicht aufhalten und wir erleben dabei immer nur einen Bruchteil: Die Gegenwart. Den Moment in ihr sollten wir festhalten, predigten Viele, - auch ich. Wenn aber alle Zeit bereits existiert, könnten wir dann nicht unsere Perspektive ändern und vielleicht sogar in unsere Zukunft blicken? Ich breche hier ab und gestehe, dass mir immer nur Ahnungen, Andeutungen und bildhafte Zeichen möglich waren. Aber ich ahnte etwas von der Zeit, sofern mir so etwas wie ein Auslöser, ein Stimulus und eine Anregung dazu geboten wurde.
Montag, 17. August 2026
Zeitweise
Man müsse unbedingt ganz im Moment, im Hier und Jetzt leben, so höre ich immer wieder. Komischerweise verspüre ich in mir ein anderes Bedürfnis, was dieser fast zur Binse gewordenen Erkenntnis zuwider läuft. Und ich habe in jüngster Zeit etliche wissenschaftliche Aussagen dazu gehört. Zeit als Phänomen beschäftigt mich ja ohnehin. Ich weiß nicht, ob ich diese wissenschaftliche Sicht ganz korrekt wiedergeben kann. Doch sie entspricht dem, was ich bisher schon empfunden oder geahnt habe. Sie verstärkt meine Skepsis gegenüber dieser Gegenwartsorientiertheit, die einem immer angetragen wird. Diese Theorien überraschten mich mit einer Alltagszugewandtheit: Unser Gehirn bringt die Zeit fast nach Belieben zum Laufen und Stehen, - was man sich leicht im Selbstversuch vor Augen führen kann: z.b. wenn man bei einer Uhr mit Sekundenzeiger auf das Zifferblatt schaut, scheint dieser Zeiger im ersten Moment immer zu stehen. Das Gehirn baut auch Zeitsprünge ein: sehen Sie in den Spiegel und fixieren Sie erst das eine und dann das andere Auge. Sie werden nie eine Augenbewegung wahrnehmen. Das Gehirn trickst einen also aus und macht sich die zeitlichen Abläufe passend. Das tut es, um uns zu helfen, damit wir uns die wirklich wichtigen Bilder besser einprägen können. Für unsere Orientierung im Leben also, fürs Planen, Denken, Reden oder Handeln ist diese Vorstellung von Zeit sehr wichtig.
Und doch kann uns jeder Physiker vorführen, dass diese Vorstellung, die nahezu alle Kulturen teilen, falsch ist: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – laut Physik alles Quatsch. Einstein hat in seinen Relativitätstheorien versucht, das wahre Bild der Zeit zu zeichnen. Er sieht sie als eine von vier Dimensionen. (3X Raum, 1XZeit) Insofern müssen wir uns von der Idee der Gegenwart lösen. Denn wenn der Raum nicht das eine universelle Hier kennt, warum sollte es dann das eine universelle Jetzt geben? Es gibt so viele verschiedene Orte gleichzeitig. Auch wenn wir sie nicht sehen.Ähnlich ist das mit der Zeit.
Man kann sich die Zeit als zusätzliche Raumdimension vorstellen. Alle Momente, wie wir erleben, stehen nebeneinander. Unter Physikern heißt diese Vorstellung von der vollständig gegebenen Raumzeit „Block-Universum“. Alle Ereignisse, vom Beginn des Urknalls bis zur Endzeit, alles ist da. Wir aber erleben dieses Universum nicht als Ganzes, sondern scheibchenweise. Vergangenheit, Zukunft: alles da. Scheinbar. Jeder erlebt seine Einteilung: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ganz individuell geformt und passend gemacht! Z.b. unser Nachbarstern Alpha Centauri: wenn wir sein Bild empfinden können, ist es in diesem Moment bereits vier Jahre alt. Könnten wir auf Alpha Centauri sein, wären alle Ansichten der Erde auch schon 4 Jahre alt. Einstein sagt: Es gibt nicht die eine Aufteilung des Raum-Zeit-Blocks. Jeder formt seine Sicht der Gegenwart. Nur wegen der Geschwindigkeit des Lichts und der relativ kurzen Distanzen auf unserem Planeten entsteht die Illusion einer einzigen globalen Gegenwart.
Unser Geist ist erpicht auf die eine, fortschreitende Zeit, obwohl die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren gleichzeitig ? Nun, es scheint dies unserem Gehirn entgegen zu kommen. Es hängt die einzelnen „Ausschnitte“ von Zeit wie in einem Film aneinander, wodurch die persönliche Raumzeit entsteht. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft existieren aber gleichzeitig. Unser Gehirn hängt die verschiedenen Momente der Vergangenheiten über die Gegenwart zusammen und formt dadurch unsere Identität, der durch die Raumzeit führt. Alltag: Erinnerungen an die Zukunft gibt es bei uns nicht, nur ans Babystadium, an die Kindheit. Ein Gefühl einer Lebensreise entsteht in unserem Ich. In Wahrheit bewegt sich aber gar nichts.
Zeit lässt sich also nicht aufhalten und wir erleben dabei immer nur einen Bruchteil: Die Gegenwart. Den Moment in ihr sollten wir festhalten, predigten Viele, - auch ich. Wenn aber alle Zeit bereits existiert, könnten wir dann nicht unsere Perspektive ändern und vielleicht sogar in unsere Zukunft blicken? Ich breche hier ab und gestehe, dass mir immer nur Ahnungen, Andeutungen und bildhafte Zeichen möglich waren. Aber ich ahnte etwas von der Zeit, sofern mir so etwas wie ein Auslöser, ein Stimulus und eine Anregung dazu geboten wurde.
Donnerstag, 2. Juli 2026
Leben im Kosmos
Ich begreife, dass ich in diesem Universum lebe – dies aber nicht besonders bewusst: alleine schon die Größen- und Zeitverhältnisse sind gewaltig, unvorstellbar. Vor 13,7 Milliarden Jahren soll der Urknall stattgefunden haben, aus dem Nichts. All das überfordert unsere Vorstellungskraft bei weitem.
Das alles geht über unser Bewusstsein hinaus, reißt Räume auf, die unwirklich erscheinen, aber blanke Wirklichkeit sind. Die uns einhüllen in diese Wolke, die uns bedeuten soll, dass sie wichtig sei. Dabei ist sie wohl im Weltmaßstab völlig nebensächlich, spielt keine Rolle. Es tun sich andere Wirklichkeiten auf, andere Bezüglichkeiten.… wie könnte ich alleine schon angesichts dessen glauben, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei und seine Erkenntniskraft das Maß aller Dinge? Das ist wohl krasse Überschätzung aus einem beschränkten Gesichtskreis heraus. Wir hätten nichts anderes, als die wissenschaftliche Erkenntnis, höre ich einige Agnostiker greinen. Nun gut, aber vielleicht müssen wir einsehen, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es darüber hinaus viel gibt, - nicht nur die bei wissenschaftsgläubigen Geistern so unbeliebte Gottesvorstellung. Lächerlichkeiten auf zwei Beinen sind wir, auch wenn wir uns demnächst wieder ins All zum Mars aufmachen. Da draußen gibt es noch so viel mehr, Milliarden von Sternen und Planeten und Asteroiden und Weltraumschrott. Und wer sagt denn, dass Raum und Zeit die einzigen Dimensionen sind? Womöglich gibt es auch in dieser Hinsicht deutlich mehr. Nicht nur der Film „Matrix“, vielleicht auch die „String Theory“ mag da einige populäre und mehrfach fortgesetzte Hinweise gegeben haben.... Bescheidenheit und Demut erscheint jedenfalls angezeigt......Und Interesse für das, was in uns durch verschiedene Techniken der Überlieferung aufgehoben ist....Ahnungen, Visionen, Bilder, Auslegbares...
Mittwoch, 3. Juni 2026
Näher an sich dran
Wir werden unserer menschlichen Identität nur sicherer, wenn wir auch die Vergangenheit studieren können. Welchen Weg wir schon gegangen sind, um zum jetzigen Zustand zu gelangen. Was habe ich daraus gelernt? Ging es mir viel zu wenig ums Lernen? Wo bin ich voran gekommen? Welche Inspirationen gab es? Was hat sich in mir festgehakt? Was hat mich behindert? Hat es mich beeinflusst? Wie? Was? Welche Wege bin ich in meinem Leben gegangen, wird da aus heutiger Sicht eine Richtung erkennbar? Wie kann es sein, dass ich derselbe bin – und doch nicht derselbe? Irgendwie geworden. Ein Anderer? Oder derselbe? Wie habe ich die Dinge um mich herum zu verstehen versucht? Und bin dadurch aus mir heraus gekommen? Kann ich das am Heutigen spiegeln? Was sind die Wege, welche Umgebungen sind in mir mit was verbunden? Gebe ich mir das zu - oder gehe ich diesem „Lebe ganz in der Gegenwart“, diesem Gebot der hedonistischen Gegenwartssucher nach?
Ist die Gegenwart, unser Existieren für mich nicht vielmehr ein Wunder? In das man hinein geworfen wurde, ohne es wirklich zu verstehen? Ich bin nicht bereit, scheinbare Selbstverständlichkeiten als solche in mich aufzunehmen. Das scheint eine Essenz zu sein, ein roter Faden. Überhaupt, ich würde gerne mehr rote Fäden erkennen an mir. Ich weiß aber auch, dass ich mich gespiegelt habe an Orten, an Verhältnissen, die damit verbunden waren und die mich beeinflusst haben, mit denen ich irgendwie zurecht kommen musste. Ich hatte versucht, zu funktionieren, hatte dies aber nicht so recht fertig gebracht. Erwartungen verfehlt. Ich war rechts und links ausgebrochen, es war wohl in mir angelegt. Dem zu folgen, mag ein Fehler gewesen sein. Ich kann das von heute aus besser erkennen. Ich habe registriert, wie mich Leute rechts und links überholt haben, wie viel sie schneller und durchsetzungsstärker waren - aber nicht unbedingt besser.
Mittwoch, 19. November 2025
Paradox
Zukünftige Zeitreisen? Ob's jemals möglich werden wird? Wieso haben wir noch immer keine Gäste aus der Zukunft? Per „Wurmlochzeitmaschine? Die Ursache könnte ein generelles Problem von Zeitreisen sein: Sie führen zu unauflösbaren Widersprüchen. Paradoxien. Der verstorbene Star-Physiker Stephen Hawking führte ein „Pardoxon der Wissenschaftlers“ auf: Stellen wir uns vor, es sei dem Wissenschaftler gelungen, ein „Wurmloch“ zu konstruieren, also einen Zeittunnel, der eine Minute lang in die Vergangenheit führt. Eine solche „kleine“ Zeitreise kann aber schon große Probleme verursachen. Durch das Wurmloch könnte der Forscher sich selbst sehen, wie er vor einer Minute war. Was passiert, wenn der Forscher das Wurmloch benutzt, um sein früheres Selbst zu erschießen? Er ist dann tot. Erschossen. Wer hat nun den Schuss abgegeben? Hm. Dies Paradoxon ergibt erst mal keinen Sinn.
Donnerstag, 31. Juli 2025
Wohin alles (bis jetzt) geht
„Arti“ meint: "So weilt Alles nur einen Augenblick und eilt dem Tode zu. Die Pflanze und das Insekt sterben am Ende des Sommers, das Thier, der Mensch, nach wenig Jahren: der Tod mäht unermüdlich. Desungeachtet aber, ja, als ob dem ganz und gar nicht so wäre, ist jederzeit Alles da und an Ort und Stelle, eben als wenn Alles unvergänglich wäre. Jederzeit grünt und blüht die Pflanze, schwirrt das Insekt, steht Thier und Mensch in unverwüstlicher Jugend da, und die schon tausend Mal genossenen Kirschen haben wir jeden Sommer wieder vor uns. Auch die Völker stehen da, als unsterbliche Individuen; wenn sie gleich bisweilen die Namen wechseln; sogar ist ihr Thun, Treiben und Leiden allezeit das selbe; wenn gleich die Geschichte stets etwas Anderes zu erzählen vorgiebt: denn diese ist wie das Kaleidoskop, welches bei jeder Wendung eine neue Konfiguration zeigt, während wir eigentlich immer das Selbe vor Augen haben. Was also dringt sich unwiderstehlicher auf, als der Gedanke, daß jenes Entstehen und Vergehen nicht das eigentliche Wesen der Dinge treffe, sondern dieses davon unberührt bleibe, also unvergänglich sei, daher denn Alles und Jedes, was daseyn will, wirklich fortwährend und ohne Ende da ist. Demgemäß sind in jedem gegebenen Zeitpunkt alle Thiergeschlechter, von der Mücke bis zum Elephanten, vollzählig beisammen. Sie haben sich bereits viel Tausend Mal erneuert und sind dabei die selben geblieben. Sie wissen nicht von Andern ihres Gleichen, die vor ihnen gelebt, oder nach ihnen leben werden: die Gattung ist es, die allezeit lebt, und, im Bewußtseyn der Unvergänglichkeit derselben und ihrer Identität mit ihr, sind die Individuen da und wohlgemuth. Der Wille zum Leben erscheint sich in endloser Gegenwart; weil diese die Form des Lebens der Gattung ist, welche daher nicht altert, sondern immer jung bleibt. Der Tod ist für sie, was der Schlaf für das Individuum, oder was für das Auge das Winken ist, an dessen Abwesenheit die Indischen Götter erkannt werden, wenn sie in Menschengestalt erscheinen. Wie durch den Eintritt der Nacht die Welt verschwindet, dabei jedoch keinen Augenblick zu seyn aufhört; eben so scheinbar vergeht Mensch und Thier durch den Tod, und eben so ungestört besteht dabei ihr wahres Wesen fort. Nun denke man sich jenen Wechsel von Tod und Geburt in unendlich schnellen Vibrationen, und man hat die beharrliche Objektivation des Willens, die bleibenden Ideen der Wesen vor sich, fest stehend, wie der Regenbogen auf dem Wasserfall. Dies ist die zeitliche Unsterblichkeit. In Folge derselben ist, trotz Jahrtausenden des Todes und der Verwesung, noch nichts verloren gegangen, kein Atom der Materie, noch weniger etwas von dem innern Wesen, welches als die Natur sich darstellt. Demnach können wir jeden Augenblick wohlgemuth ausrufen: "Trotz Zeit, Tod und Verwesung, sind wir noch Alle beisammen!"
(zu finden in: Artur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung)
Donnerstag, 3. April 2025
Nostalgie
Heute will ich ein bisschen über Nostalgie schreiben, will Material dazu sammeln. Es heißt, Nostalgie schaffe Sinn, dort wo womöglich keiner ist. Uns fallen vielleicht bestimmte Momente ein, im Alltag vergangener Zeiten, aber auch auf Reisen und jene Augenblicke, in denen uns Menschen näher kamen. Besonders geeignet scheinen Gerüche, optische Eindrücke und akustische Momente. Auch umspielt Nostalgie offenbar das griechische Wort „Nostos“, das so etwas bedeutet wie „Heimweh“ und „Sehnsucht nach Heimat“. Es schaffe eine Art Gemeinsamkeit, so heißt es, indem man feststelle, wie sehr man gemeinsam bestimmte Zeiten geteilt habe, in denen mutmaßlich alles besser gewesen sei. Was daraus resultiert, kann bei jeder Ü-50-Party erlebt werden. Heute steigert Nostalgie mit solchen Tricks ganz allgemein das Wohlbefinden und bedeutet oft genug ein gemeinsames Schwelgen in Erinnerungen. Sie ist insofern auch ein Mittel gegen Einsamkeit und legt etwas nahe, was einer Entfremdung zuwider läuft. Ob Nostalgie vielleicht sogar grundsätzlich etwas mit anderen Menschen zu tun hat? Durch solche Faktoren mag Nostalgie durchaus etwas mit der Suche nach Identität zu tun haben. Nostalgie war einmal etwas eher Negatives und wurde früher mit Erscheinungen wie Angst, Schlaf- und Appetitlosigkeit in Zusammenhang gebracht. Leider kann Nostalgie in der Politik teilweise verheerende Auswirkungen haben, wie nicht nur eines wieder mächtigen US-Präsidenten Wahlspruch „Make America great again“ dokumentiert. Viele populistische Strömungen arbeiten mit der Sehnsucht nach Rückkehr ins Geborgene, Wohlgeordnete, mit der gewünschten und versprochenen Rückkehr zu etwas, was aus Vergangenheit bekannt zu sein scheint. Wenn ich in mich gehe, so entdecke ich unter anderem ein Bedürfnis nach Selbstvergewisserung und Integration dessen, was die Zeit in ihrem Laufe einst in mich hinein geschaufelt hat.
Dienstag, 18. März 2025
Der Fripp
Ich höre King Crimson, springe von Scheibe zu Scheibe, von zeit zu Zeit:: einerseits aufgeblasene Egomanien, anstrengend in sich selbst hinein bohrend, andererseits zeitlos in sich ruhend, nervös. Dazu schrieb ich einst:
Ich höre eine dicke alte Vinyylscheibe, King Crimson's „Three of a perfect Pair“. Aus den achtziger Jahren. Der Vorgang“ hat und hatte im Gegensatz zu heute etwas mit Respekt und Aufmerksamkeit zu tun, mit einem Sichaussetzen ganzen Vinylscheibenseiten gegenüber. Es hatte einen ja auch etwas gekostet. Kohle. Im äußersten Fall 19,80. Also wollte man sie nicht einfach ablegen, zur Seite legen. Sie hatte als ausgewachsenes Album eine große Fläche, sie war ein veritabler Gegenstand. Sie war auch farblich gestaltet. Hatte einen grafischen Entwurf. Sie fühlte sich an. Man fühlte sich ein in sie, versuchte (im Rahmen der anderen Scheiben, deren Entwürfe einem vorgegeben waren...) zu verstehen. Man brachte dem gegenüber, der sich das als „Künstler“ ausgedacht hatte, Respekt auf. Es nötigte einem Auseinandersetzung ab. Man gab den Dingen Zeit, um sich zu entwickeln. Überhaupt, die Scheiben hatten einen anderen Rhythmus, schienen genau dafür Zeit zu haben, sich zu entwickeln, Spannungsbögen entstehen zu lassen. Das alles hatte die Zeit, um schließlich Emotionen in einem auszulösen. Man bildete sich eine Meinung und konsumierte nicht nur. Man schrieb das Gehörte einigen Namen zu, man versuchte, das Typische daran zu erkennen, man brachte es in Beziehung zu einem selbst.
Aber alleine schon den Plattenspieler (welcher ist der Beste, den man sich gerade noch würde leisten können?) ständig auf dem neuesten Stand zu halten, ihm ein geeignetes Abnehmersystem (wie viele Diskussionen habe ich einst darüber geführt!) zu gönnen, die Werte an den dafür vorgesehenen Einrichtungen (z.b. „Skating“) korrekt einzurichten, erscheint mir aus heutiger Sicht als eine veritable Aufgabe, die vieles an einem forderte, wofür man sich gar nicht geeignet fühlte. Also versuchte man, halt so einigermaßen mitzuhalten.
Diese vorliegende Scheibe mag auf viele damals abstrakt und avantgardistisch gewirkt haben. Heute tut sie das nicht mehr. Sicher, vieles scheint schroff. Aber heute, wo die Gefälligkeit, die leichte Konsumierbarkeit überall zu regieren scheint, ist das pure Erholung. Es wird gegen den Strich gebürstet, das Unerwartete auf geradezu entspannte Weise gesucht. Ungerade Rhythmen schleichen sich in den Kopf. Bob Fripp? Ha! Bill Bruford? Ha. Hatte man ja in verschiedenen Zusammenhängen kennen gelernt. Tony Leven, der anpassungsfähige, variable und kahlköpfige Alleskönner. Wer war er wirklich? Immerhin scheint er hier die Synty-Tasten gedrückt zu haben. Adrian Belew schien mir damals bei King Crimson das Popelement beizusteuern, obwohl von ihm bei Zappa und bei den Talking Heads davon nicht viel zu hören gewesen war. Aber die Stimme: typisch!
Es werden einem Aufgaben gestellt von jemandem, dem man sich anvertraut hat. Dafür muss man dann nach ungefähr 20 Minuten springen, um die Platte umzudrehen. Es ist kein komfortables, angenehmes Durchhören. Ein ständiges Rennen. Die Kratzer an den immergleichen Stellen ärgern einen auch. Überhaupt, man hatte viel gehört, das Gleiche wohl 30 mal hintereinander (oder noch wesentlich öfter...). In verschiedenen Lebenssituationen. Man hatte es auf sich wirken lassen. Man kannte vieles davon nahezu auswendig. Querverweise hatten sich einem aufgedrängt. Der mit dem und der mit jenem..... Weltbilder schienen aufeinander zu stoßen, es entwickelte sich ein Kalaidoskop der musikalischen Möglichkeiten. Es regte unsere Phantasie an. In viele Richtungen. Wir wurden dadurch einigermaßen „open minded“. Wir dachten, die ganze Welt solle so werden. Würde so werden. Wir staunten manchmal. Wir ordneten Sounds und Spielweisen Namen zu. Wir ließen sie an uns heran. Sie wurden ein Teil von uns....“Uns“? Von mir.
Sonntag, 16. Februar 2025
Mittendrin
Was schwirrt da an uns vorbei? Wie man mit der Zeit umgehen solle? Es ist von Zeitreisen die Rede. Von Allgemeiner Relativitätstheorien, von vierdimensionaler Raumzeit und von Wurmlöchern. Ein Milliardär will zu fernen Sternen fliehen (lassen). Die Quantenmechanik trägt auch ihr Teil dazu bei: Schrödingers Katze und Vielweltentheorie, - das Universum hat viele Dimensionen. Vielleicht wäre etwas Demut da angesagt. Herab steigen aus der Zukunft, ein alter Traum des SF. Dabei gibt es ein paar Paradoxien zu überwinden, innere Widersprüche. Logik: In die Vergangenheit reisen und dort ein paar Korrekturen am Leben vollziehen? Nun, das hätte vielleicht jene Folgen für unsere Gegenwart, die wir bisher abseits von „alternative facts“ noch nicht nachweisen konnten. Die Zeitreisenden müssten dann mitten unter uns sein, denn wir sind die Vergangenheit der Zukunft. Ob es verschiedene Versionen unseres Ichs und seines Einflusses auf den Fortgang der Dinge gibt? Ein bisschen Zeit mit Sauriern verbringen? Nun ja, wenn wir da etwas beeinflussen oder retten wollen: welchen Einfluss das wohl auf die heutige Realität hat, so, wie unser Gehirn sie abbildet? Die Azteken wollen uns schlachten, zum Menschenopfer machen.....wie kann man sich da noch rechtzeitig entziehen? Die Zeitmaschine in Griffweite haben? Die Welt ein bisschen verbessern, schnell noch? So lange es noch geht??
Mittwoch, 29. Januar 2025
Identität suchen
Es gilt wohl, ganz im Augenblick zu leben, aber auch gleichzeitig „integrativ“ zu leben: d.h. die Vergangenheit immer wieder herein holen ins eigene Leben, zu einem einzigen zu verschmelzen, das man sich neu (!) erschließt und das (ein Bewusstsein dafür entwickelt, geworden und durch die Verhältnisse, durch die Vergangenheit geformt zu sein...., sich dafür interessieren und es neu für sich erschließen... durch eine veränderte Perspektive es „hereinholen“...) geworden ist. Ein kompletterer Mensch werden. Die Selbstreferenz (unter anderem Besuche an den Orten der Vergangenheit, - aber auch in Tagebuchstudien) ist für mich ein Beleg und Antrieb dafür, mich selbst zu suchen..... Ich „verwende“ dazu Bruch- und Fundstücke, um Unverbundenes zusammenzusetzen, es als Teil eines Selbst begreifen..... eine Linie des Insgesamt finden..... in meiner Person. Es gilt, sie sich mir bewusster zu machen, ihr durch Anregungen und emotionale Antriebe näher zu kommen, dort, wo sie, diese Person, „durch die Zeit geschlittert“ ist...... ich will einen höheren Grad an Identität gewinnen. Auch ein Bewusstsein für das kollektive Moment ist wohl dabei zu gewinnen. Neu begreifen: Das Geworfensein in Rollen, in soziale Muster, in räumliche und andere Determinationen, in die Zeit und ihre eigenen Begriffsmuster. Meine Perspektive als „geworden“ begreifen. Begreifen, dass man Einflüssen ausgesetzt war. Seine eigene Historie berühren. Vergangenheit besser „bewältigen“.
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It is important to live completely in the moment, but also to live "integratively" at the same time: that is, to bring the past back into one's own life again and again, to merge it into a single thing that one can discover anew (!) and that has become (to develop an awareness of it, to have become and been shaped by the circumstances, by the past..., to be interested in it and to discover it anew for oneself... to "bring it back in" through a changed perspective...). For me, self-reference (including visits to places from the past, but also in diary studies) is evidence and motivation for searching for myself..... I "use" fragments and found pieces to put together unconnected things, to understand them as part of a self..... to find a line of the whole..... in my person. It is important to make her more aware of me, to get closer to her through suggestions and emotional drives, where she, this person, "slipped through time".... I want to gain a higher degree of identity. An awareness of the collective moment can also be gained in the process. A new understanding: being thrown into roles, into social patterns, into spatial and other determinations, into time and its own conceptual patterns. Understanding my perspective as having "become". Understanding that one has been exposed to influences. Touching one's own history. Better "coming to terms with" the past.
Donnerstag, 2. Januar 2025
Alle Tage
Man legt Metheny und sich selbst auf, man liest Camus und Zeitung, man versucht, am Tagwerk zu arbeiten (Schreiben, korrigieren, Essen zubereiten, Staub saugen usw.), man versucht, sich zu sammeln, den roten Faden weiterzuspinnen, man stolpert und taumelt durch die Tage und Wochen, man telefoniert und schaut auf verschiedene Weisen nach außen, man kauft ein und hofft nachträglich, grübelt darüber, ob und wie einem das schaden könnte, man freut sich an der Sonne, weiß aber auch, welch verheerende Auswirkungen zu viel Sonne im vergangenen Jahr hatte, man freut sich über die Auszeit, die Teile der Natur jetzt haben, erinnert sich aber auch sehr genau an das Szenario der Klimakatastrophe, an die manche Kreise möglichst schnell wieder anzuschließen versuchen, man denkt daran, wie einem die kleinen Auszeiten des Lachens gut getan haben, es wird einem bewusst, wie alt man (geworden) ist und man wird genau darüber älter, man freut sich über eine bestimmte Phrasierung, eine musikalische Wendung, die das Unendliche zu berühren scheint, die Ahnung beschert und eine Verbindung schafft..., Sie verklingt, schon ist sie weg, man hat Schlimmes erlebt und wird noch viel Schlimmeres erleben, man lebt jetzt in einer Art Zwischenzeit und versucht, mit Verstorbenen Kontakt aufzunehmen (wobei man sich mit seinen „Gesprächen“ gleichzeitig selbst sonderbar findet…), im Internet die Nachricht, dass man viele unglaubliche Preise gewonnen hat und dass man sich melden soll, - der Betrug ist allzu offensichtlich.
Donnerstag, 10. Oktober 2024
Zeit für Zeit
Dass Zeit ein höchst wertvolles Gut sei, mag sich herumgesprochen haben. Diese Erkenntnis legt sich auch angesichts der permanenten Beschleunigung, Erreichbarkeit und Verfügbarkeit nahe. Alles wird immer mehr verdichtet und unserer Verfügung als Mensch entzogen. Dass es dabei in erster Linie um Zeit geht, wird immer klarer. Zeit ist Lebenszeit. Dass diese unwiederbringlich ist, wird dem Menschen erst im fortgeschrittenen Alter so richtig klar. Oder bei oder nach einer lebensbedrohlichen Krankheit. Dies zieht oft eine Veränderung des Blicks oder – insgesamt - der Perspektive auf die Zeit nach sich. Es gilt, die Zeit sinnvoll zu nutzen und sie auch mal im Müßiggang, im schönen Nichtstun, zu verbringen. Manch einer behauptet, dies sei sogar die Voraussetzung für Kreativität überhaupt. Mal auf andere Gedanken kommen, in sich gären, Kraft aus sich schöpfen, Kraft zum Tun und sich Entäußern, nach außen bringen. Zeit nicht nur „nutzen“ für fragwürdige Zwecke, sondern sie in sich wirken lassen. Es gilt, „Prioritäten“ zu setzen, Reihenfolgen festzulegen. Sich „Zeit nehmen“ für etwas, könnte dies bedeuten. Für sich selbst etwa. Zeit hat keinen unmittelbaren ökonomischen Wert, auch wenn wir uns oft gezwungen sehen, unsere Zeit zu verkaufen, um zu überleben.
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Word may have gotten around that time is a highly valuable commodity. This insight is also evident in view of the constant acceleration, accessibility and availability. Everything is becoming more and more condensed and beyond our control as humans. It is becoming increasingly clear that it is primarily about time. Time is lifetime. The fact that this is irretrievable only becomes clear to people as they get older. Or during or after a life-threatening illness. This often results in a change in the view or - overall - the perspective of time. It is important to use the time wisely and to spend it in idleness, in doing nothing. Some people claim that this is even the prerequisite for creativity. Come to other thoughts, ferment within yourself, draw strength from yourself, strength to do and to express yourself, to bring it to the outside. Don’t just “use” time for questionable purposes, but let it work for you. It is important to set “priorities” and determine sequences. This could mean “taking time” for something. For yourself, for example. Time has no immediate economic value, even though we are often forced to sell our time in order to survive.
Sonntag, 29. September 2024
Kokon aus Musik
Ich ertappe mich dabei, wie ich immer wieder „One“ höre, in der Version von Johnny Cash. Ob es da etwas ausmacht, dass das für mich etwas (end)Gültiges hat? Oder ob es mir nur einfach gefällt? Das Baden im schönen Weltschmerz? Kitschy? Dann auch „Bird on the wire“, Beides uralte Songs, die mich begleitet haben, die immer da waren. Ich höre die Version von Tim Hardin. Im Unterschied zu der von Leo Cohen ist sie nackt, unumwunden, niederschmetternd für das Ego. Jedenfalls tief gehend. Themen, Motive, die mich umspülten, einhüllten, Trost gaben, aufmunterten, Richtungen, Möglichkeiten zeigten. Jetzt gewinnen sie einen anderen Ernst. Ja klar, prominente Songs. Jeder ab einem bestimmten Alter kennt sie. Aber sie gewannen Persönliches für mich. Es gab einen Kokon aus Songs, Ausdrücken, emotionalen Statements, die mich – wie das „Geschäft“ sagt – berührten und immer wieder auf mich zukamen.
Mittwoch, 18. September 2024
Aktualität
Jaja, jetzt sind „Überschwemmung“ und „Migration“ zum Mitgefühl und zur Empörung angesagt. Hängt irgendwie im Raum. Kurzfristig. AfD auch. Medien machen ihren Job. Angesichts von Wahlen scheint Alarmstimmung zu herrschen. Das auch noch! Soll man sich angesichts dessen fortwährend daran erinnern, dass es möglicherweise auf einer anderen Ebene in dieser Republik ziemlich ungerecht zugeht? Auf der „Ebene dahinter“? Die Sache mit den 1 %, die viel, und den 2/3, die nix haben? Diejenigen, die einen deutlichen ökologischen Fußabdruck hinterlassen und die, die man nur in der Summe als Masse betrachten kann? Soll man diesen repräsentativen Nasen, die anbieten, das zu ändern, mit einer Wählerstimme vertrauen? Soll man ihnen das zutrauen? Zweifel. Skepsis. Soll man sich mal wieder darüber aufregen, dass Großspenden die Entscheidungsprozesse in dieser Politik möglicherweise entscheidend verändern? Überhaupt, der Einfluss der Lobbys und Interessenvertreter scheint ja recht weit zu gehen und sich unter anderem auch direkt in finanziellen Zuwendungen an Parteien auszudrücken, wobei dafür offenbar auch verschlungene Wege gefunden werden. Der Hintergedanke scheint dabei relativ klar. Nicht nur Diäten und Fraktionsetats scheinen ziemlich schamlos erhöht zu werden.
Wer dagegen aufbegehrt, gegen den wird hin und wieder sogar geklagt, - das Procedere ist ja schon aus der Industrie bekannt. Auch ist die öffentliche Rede vom „Nazi“ beliebt. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Was Praxis ist/scheint: Gegen entsprechende Parteispenden werden auch gerne mal „Besuche“ bei einflussreichen Politikern gewährt: Diese ursprünglich aus dem Amerikanischen kommende Praxis sorgt immer wieder für Aufsehen. Gelegentlich wird das entlarvt. Es wird dann regelmäßig Besserung gelobt. Doch die Praxis scheint immer weiterzugehen, - scheint..... Überhaupt lassen sich wohl Parteien und Abgeordnete wohl nicht so gerne in die finanziellen Karten schauen. Ob das oberdemokratisch ist oder ob hier korruptes „Expertenwissen“ in die Entscheidung einfließt? Die Erklärungen vielfältigster Art stehen ja bereit. Scheint, offenbar, vielleicht - im Dunkeln ist gut munkeln, so möchte man meinen. Das Parlament scheint diese Unklarheit in seinem Sinne zu nutzen. Doch ob diese Republik so in Gefahr ist, wie oft behauptet wird? Ob es nicht deutlich besser gehen könnte, wenn der politische Wille dafür da wäre? Ob es dabei auch um das „Schlechtreden“ eines Staates geht, der sich noch auf einer Insel der Seligen wähnt, aber seine Mechanismen schon für andere Zeiten in Stellung bringt?
Samstag, 7. September 2024
Richtung Abgrund
Wir schlittern unserm Ende entgegen. Früher war es leichter, das zu verdrängen. Wir spielten am Abgrund und gelegentlich riskierte man einen Blick in den Schlund, der einen eines Tages verschlucken, vernichten würde. Man konnte sich noch einreden, das sei weit entfernt, womit man irgendwann zur Tagesordnung überging. Fließend. Gleitend. Die Ablenkungen, die täglichen Erfordernisse, das irgendwie „Dabei sein“: Man sollte (und wollte) alles geben. Es fraß einen auf. Es spülte einem andere Dinge ins Hirn, ins Bewusstsein. Jetzt ist man plötzlich an einem Punkt, der vorhersehbar war und einen jetzt trotzdem überrascht und überwältigt. Alles um einen herum wird stärker als man selbst. Man versinkt in der Zeit... Sich selbst zu suchen war für manch andere Menschen einfacher. Es ging vieles über einen drüber. Man suchte andere Menschen und fand sie nicht, weil man selbst dazu womöglich unfähig war. Klar war, dass man in eine Rolle gedrängt wurde: früher, jetzt. Man ging sogar so weit, das, diese Mechanismen studieren zu wollen. Ein bisschen kam man damit dem Erkennen näher. Ein bisschen. Wo befindet man sich damit? Bei sich, dem beschissen kleinen Subjekt, ersaufend in Selbstreflektion. Entwicklungen gehen über einen. Dick oder dünn? Klein oder Groß? Aussehen, Auftreten, Anmutung. Zu spät wurde einem klar, wie wichtig das sein kann. Sich verkaufen. Sich „rüber bringen“, das war mir zu lange fremd geblieben. Ich bin auch nicht gut damit gefahren, andere Menschen zu akzeptieren, tolerant und diskret zu sein. (Zu) Oft wurde mir das als Gleichgültigkeit ausgelegt, wie ich heute besser weiß. Man traute sich vielleicht zu viel Souveränität zu. Man glaubte, es sich leisten zu können. Trotz allem: Angst drang in einen ein, man gab ihr zu viel Raum. Sich selbst erlösen? Ist das abgehobenes Geschwätz? Ballast aus der Romantik?
Sonntag, 21. Juli 2024
Zeile um Zeile
Wie überrascht war ich damals, als ich lernen musste, dass es im erweiterten Kulturjournalismus meist nicht darum geht, sich kurz, klar und präzise auszudrücken, sondern dass die hierarchisch abgestufte Zeilenschinderei und ausführliche Selbstdarstellung als probates Mittel gilt, - falls nicht ohnehin sich aus dem Layout ergebende Zeilenvorgaben die Länge eines Artikels bestimmen. Dem zeitschindenden und selbstgefälligen Blabla, der eitlen Schwurbelei war also Tür und Tor geöffnet. Auch das ist etwas, was die breiten Massen heute womöglich von diesen eitlen „Journalisten“ abhält. Die Qualität eines Journalisten klassischen Zuschnitts wurde leider allzu oft nach seinem „Output“ bemessen, d.h. einer ausführlichen und mit Füllwörtern gespickten Schwafelei (was auf ungerechtfertigten Zeitverbrauch hinaus läuft…) und des versteckten sowie offenen Hinweises auf die eigene Wichtigkeit. Fremdworte waren zunächst einmal verbannt, gegen am Bearbeitungsgebiet orientierte Anglizismen oder locker verwendete Computersprache sprach allerdings nichts. Die einfließenden Erkenntnisse der Wissenschaft bedeuteten schon damals, dass es hauptsächlich darum gehe, die Aufmerksamkeit jedes Lesers in einem bestimmten Sinne zu (be)nutzen.
Dies führte unter anderem dazu, dass gewisse Hierarchen endlos lange Artikel und Sprachpirouetten fabrizierten, um in alter bräsiger Bildungsbürgerlichkeit und selbstgewisser (Be)Deutungsgewissheit zu demonstrieren, wie gut man doch mit Sprache umgehen könne und wie unendlich wichtig man selbst in jeglicher Beurteilung sei. Das oberflächliche und mit "Keywords" gespickte Streifen von Inhalten war dabei meist wichtiger als das Verstehen. In anschließenden Konferenzen lobte man sich zu oft in voraus eilend beredter Unterwürfigkeit dann gegenseitig dafür, trug ein paar pro-forma-Kontroversen aus und übte sich in einer Buckelei den Hierarchie-Wichtigs gegenüber. Man pflegte ja auf diese Weise unter anderem jenes „Networking“, das für Journalisten gerade in Zeiten der Personaleinsparung, des Facharbeitermangels und des Papiermangels so wichtig erscheint. Auch schien der Aufbau von Barrieren rund um die eigene Wahrnehmungsblase und Verstehenskaste, um die internen und gesellschaftlich heraus gehobenen „Versteher“ kein wichtiges Element. Manchen „Journalisten“ scheint das ganz erheblich geschadet zu haben. Sie fielen schließlich trotz eines ausgewiesenen und mit großzügigen Abfindungen ausgestatteten Status den „Rationalisierungen“ (d.h. Personaleinsparungen von Verlagen) zum Opfer, mochten sie noch so große, intellektuell überwältigende und bedeutungsschwangere Artikel abgesondert haben.
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How surprised was I when I had to learn that expanded cultural journalism is usually not about expressing oneself briefly, clearly and precisely, but rather that hierarchically graded line-pushing and detailed self-portrayal are considered an effective means - if that is not the case anyway The line specifications resulting from the layout determine the length of an article. So the door was open to time-wasting and self-satisfied blah blah, to vain swearing. This is also something that may be keeping the broad masses away from these vain “journalists” today. Unfortunately, the quality of a journalist of the classic type was all too often measured by his “output”, i.e. a detailed rambling filled with filler words (which amounts to an unjustified consumption of time...) and the hidden and open reference to one's own importance. Foreign words were initially banned, but there was nothing against Anglicisms oriented to the area of work or loosely used computer language. Even back then, the incoming scientific findings meant that the main thing was to use the attention of each reader in a certain sense.
This led, among other things, to certain hierarchs producing endlessly long articles and linguistic pirouettes in order to demonstrate, with the old brash educated middle-classness and self-assuredness of meaning, how well one can use language and how infinitely important oneself is in any assessment. The superficial strip of content peppered with “keywords” was usually more important than understanding. In subsequent conferences, people all too often praised each other for it with eloquent submissiveness, had a few pro forma controversies and indulged in humping the hierarchy. In this way, among other things, one cultivated the “networking” that seems so important for journalists, especially in times of staff cuts, a shortage of skilled workers and a shortage of paper. The construction of barriers around one's own perception bubble and understanding caste, around the internal and socially prominent “understanders” also did not seem to be an important element. This seems to have caused considerable harm to some “journalists”. Despite a proven status, they ultimately fell victim to “rationalization” (i.e. staff cuts by publishers), no matter how large, intellectually overwhelming and meaningful articles they published.
Mittwoch, 10. Juli 2024
Momente im Film
Sind die Filme von Wim Wenders meditativ? Die Frage hatte ich gelesen. Ich erinnere mich an einen Blick aus einem Wohnwagen, oben, durch eine Dachluke, auf den Nachthimmel mit vorüber ziehenden Wolken. Da hat wohl der Kameramann auch ein bisschen mitgemacht. Mein Blick auf die Welt hat sich irgendwie dahinter geschoben und diese Einstellung ist mir wichtig geworden. Ganz grundsätzlich, bildlich. Dazu die schleifende Musik einer Nürnberger Band. Das passte für mich. Überhaupt die Musik in Wenders-Filmen: scheint eine große Rolle zu spielen. Wir waren damals in jedem neuen Wim-Wenders-Film. Alleine schon finanziell könnte ich mir das heute nicht mehr leisten. Ich erinnere mich an einen weiteren Film aus grauer Vorzeit, der für mich sehr wichtig geworden ist, der mir ein Refugium bot: „Im Lauf der Zeit“. Ob er auch das Medium der Zeit betrachtete? Der Titel alleine schon scheint darauf hinzuweisen. Der Film handelte im damaligen „Zonenrandgebiet“. Auch das ist als solches mitsamt seinen eigenen Problemen längst verschwunden. Zwei Typen waren da unterwegs. Wenn ich mich richtig erinnere, von einem Kino zum andern… Ansonsten keine großartige Handling. Aber viel Atmosphäre. Viele großartigen Vorstellungsräume. Da war diese Chaosfahrt ins Wasser, der beiden Protagonisten Hanns Zischler und Rüdiger Vogler, diesem tollen Paar im VW Käfer. Heute ist Zischler ein anerkannter Autor, der mir Anregungen zu Franz Kafka gegeben hat und auch als Schauspieler immer wieder mal auftaucht. Ja klar, dann kam „Paris/Texas“ (Nastassja Kinski, Spiegelspiele) und später dann „Der Himmel über Berlin“, der mich hauptsächlich wegen dem längst verstorbenen Schauspieler Bruno Ganz für sich eingenommen hat. Der leise, aber bestimmte Ton, mit dem er sprach, hat mich auch ein Leben lang beeinflusst. Meditativ? Ganz sprach so. Hatte aber auch die Ausstrahlung dazu. Danach viele Filme. Irgendwann wurde es für mich unübersichtlich. Viele Preise und Auszeichnungen.„Buena Vista Social Club“: Ein Fluchtpunkt, eine Scheinidylle. Kuba. Ry Cooder. Der Ami unter den Kubanern. Habe die Band später „original“ noch mal erlebt. Aber was hieß in diesem Zusammenhang „original“? Jetzt bin ich froh, dass es Wenders noch gibt.
Mittwoch, 26. Juni 2024
What time it is
Ob das ein Trost ist, dass die Wissenschaft offenbar auch nicht genauer weiß, was Zeit ist? Wir erfahren, dass es Effekte gäbe, die zu einem Ende der Zeit führen könnten: etwa „Blasen des Nichts“, die auftauchen und unsere Raumzeit auslöschen könnten. Wo bliebe da der Mensch? Zumindest in den Überlegungen mancher Physiker scheinen das keine realen Fragen zu sein. Zeitreisen per Wurmloch? Hm, nichtd Genaues weiß man nicht. Behauptet wird wiederholt, dass Zeit etwas Subjektives sei, das von unserer Erfahrung abhängen würde. Diese „Erkenntnis“ kommt mir banal vor, auch wenn sie irgendwie mit Einstein zusammenhängt. Zu hören ist auch oft, das vor etwa 14 Milliarden Jahren der Kosmos begonnen hat zu existieren, möglicherwerise mit einem Urknall. Davor war nichts, das Nichts, das das Etwas hervorgebracht haben könnte. Ob an dieser Stelle an einen Gott gedacht werden kann? Oh je, die Wissenschaft hat das verboten!
Freitag, 24. Mai 2024
Musik
Es geht durchaus durch einen hindurch: Ich höre mir noch komplette Musik-Alben an, scheine auf diese Tonträgerlänge sozialisiert zu sein. Mein Zeitempfinden kann dem noch folgen. Vielleicht hat man da einen von der Industrie gegebenen Zyklus „gelernt“, der auch von klassischer Musik geprägt war. Andererseits interessieren mich auch längere künstlerische Statements, meine Bereitschaft zur Aufmerksamkeit reicht dafür aus. Man hat sich zudem einigermaßen kostenpflichtig für etwas entscheiden, meist nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil einen am Betreffenden viel interessiert, weil es einen betrifft. Kurzum: Man nimmt das künstlerische „Produkt“ ernst. Je mehr dies der Fall ist, desto mehr interessiert man sich auch für die Figuren dahinter und für deren Motive für das „Produkt“. Man geht dem nach. Man entwickelt Vorlieben (die auch dem eigenen jeweiligen zeitlichen und „künstlerischen“ Empfinden entsprechen). Man geht dem allem auch aus Interesse nach, will mehr darüber erfahren. Man fängt an, sich auch für das weitere Umfeld zu interessieren usw. Es geht auch um bestimmte Konstellationen: Besetzung der Band, gesellschaftlich-politischer Zeitgeist, Produzent, technologischer Stand (Studio- und Aufnahmetechnik).
Donnerstag, 16. Mai 2024
Time after time
Dass Zeit ein höchst wertvolles Gut sei, mag sich herumgesprochen haben. Diese Erkenntnis legt sich auch angesichts der permanenten Beschleunigung, Erreichbarkeit und Verfügbarkeit nahe. Alles wird immer mehr verdichtet und unserer Verfügung als Mensch entzogen. Dass es dabei in erster Linie um Zeit und Aufmerksamkeit geht, wird immer klarer. Zeit ist Lebenszeit. Dass diese unwiederbringlich ist, wird dem Menschen erst im fortgeschrittenen Alter so richtig klar. Oder bei oder nach einer lebensbedrohlichen Krankheit? Dies zieht oft eine Veränderung des Blicks oder – insgesamt - der Perspektive auf die Zeit nach sich. Es gilt, die Zeit sinnvoll zu nutzen und sie neben den alltäglichen Bemühungen auch mal im Müßiggang, im schönen Nichtstun, zu verbringen. Manch einer behauptet, dies sei sogar die Voraussetzung für Kreativität überhaupt. Mal auf andere Gedanken kommen, in sich gären, Kraft aus sich schöpfen, Kraft zum Tun und sich Entäußern, nach außen bringen. Zeit nicht nur „nutzen“ für fragwürdige Zwecke, sondern sie in sich wirken lassen. Es gilt, „Prioritäten“ zu setzen, Reihenfolgen festzulegen. Sich „Zeit nehmen“ für etwas, das könnte es bedeuten. Für sich selbst etwa. Zeit hat keinen unmittelbaren ökonomischen Wert, auch wenn wir uns oft gezwungen sehen, unsere Zeit zu verkaufen, um zu überleben.
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