Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Dienstag, 13. Mai 2025
Die Mechanismen der Anpassung
Die Anpassungsmechanismen der anderen (immer die anderen!!), das alltägliche Buckeln, bloß keine Empfindlichkeiten zeigen: das sanktionieren die Kollegen und die Chefs sofort mit Liebes- , das heißt letztenendes Geldentzug. Mit Mobbing auch. Mit bereit gestellten Fallstricken. Mit Blicken. Mit Verachtung. Du musst funktionieren. Zum Beispiel nicht krank werden. Sofort rückt sonst jemand anderes an deine Stelle. Und zwar dauerhaft. Du bist austauschbar, auch wenn du dich selbst für einmalig hälst. Da ist schleunigst jemand anderes gefunden, der dich vollständig ersetzt. Trotz Arbeitnehmermarkt. Wieso haben die anderen so wenig Abstand zu dem, was sie tun? Wieso können die sich dermaßen identifizieren mit ihrem Job, mag er noch so entfremdet sein? Sie haben doch vielfach sogar studiert, haben sich im Blick geübt, der im Alltäglichen das Unalltägliche aufsucht, der die Distanz zu den Dingen und zu sich selbst sucht, können analysieren und reflektieren. Oder etwa nicht? Waren sie nur ausgebildet worden? Zum Rädchen im Getriebe? Haben sie sich die Analysemethoden angeeignet, um zu erkennen, dass in solch eingeschlossenen Verhältnissen, in solchen betrieblichen Strukturen die Macht wohnt und die Machtausübung anderer implizit eingeschlossen ist? Früh gelernt, sich dieser Macht zu beugen, sich darin einzurichten? Flüchten? Ob solche Ansichten auf Möglichkeiten etwas zu idealistisch gedacht sind? Sich in den Elfenbeinturm des akademischen Betriebs flüchten? Geht das? Bloß keine Zeitverträge! Funktionierte auch schon besser. War auch mal besser. Wie kann man das so akzeptieren, sich zu eigen machen? Die Rolle, in die man hinein dressiert wurde? Ob das etwas mit unserem Bildungssystem zu tun hat? Schon die dauernd praktizierte Formulierung „Wir“. Wer ist wir? Die Gesellschaft? Alle? Der Betrieb? Der stark ist? Besser als andere? Der sich ein Monopol erobert hat?
Freitag, 21. Juni 2024
Up up and Away
Man wacht morgens auf und es wird einem sofort die Ausweglosigkeit der Situation bewusst. Man geht Zeitungen und Schriften/Bücher durch, man lässt sich kreisen, Musik hellt einen auf und beschäftigt einen. Du entdeckst, dass du nicht mehr displayfähig bist, weil du dir ein solches Auto nicht leisten kannst. Du bist falsch abgebogen, du bist auf ein Nebengleis gefahren. Molvaers schwermütige Schlieren begleiten dich dabei. Du kommst aus bestem Hause und hast nichts draus gemacht. Alle Voraussetzungen gehabt. Jeder Tag führt jetzt hinein in ein „Sich-hinein-trülen“, in ein Nichtstun, in eine Passivität und etwas wie eine Klage darüber…..In ein teures Nachdenken über sich selbst…
Donnerstag, 23. November 2023
Du du - Da da
„Hallo Du!“. Wer heute auf Partnersuche ist, sucht im Internet. Mit der richtigen App findet man jede Menge KandidatInnen. „Hi Süße!“. Fesselspiele am Wochenende, Swinger-Vergnügen zwischendrin, Speed-Dating mit Zungenspielen: alles ist möglich. Schnell muss es gehen. So geht Flirten heute. Flirten ist wie Geschäfte machen. Gibst du mir, so gebe ich dir. Ein Austausch. Ein Preisabgleich. Digital. Automatisiert. Anonymisiert. Und wie sieht's im „Geschäftsleben“ aus, im Berufsleben? Jedermann nennt jedermann „Du“. Das kommt aus dem Englischen und ist global. Verpönt ist diese typisch deutsche Distanzierung, die da noch differenzieren will und keine falsche Erwartungen aufkommen lassen will. Aber genau das ist es, was Unternehmensführung will, wenn sie das „Du“ einführt: mit Erwartungen spielen. Chefs zwingen ihre Untergebenen, sie zu duzen. Das schafft scheinbares Vertrauen, scheinbare Nähe. Ob damit Hierarchien abgebaut werden oder ob sie flacher gehalten werden, wie das Ideal verspricht? Skepsis erscheint angezeigt. Ob wir nicht doch etwas differenzieren sollten, ob alles auf einem Austausch auf gleicher Augenhöhe beruht? Wer eine Gehaltserhöhung will, dürfte es mit seinem „Du“ nicht unbedingt einfacher haben. Es setzt voraus, dass beide Beteiligten zwischen der persönlichen und der Sachebene unterscheiden können. Und das ist nicht immer gegeben. Wie sieht es da beim „Dating“ aus? Da scheint das meist auch nicht gegeben. Alle Beziehung scheint auch da eine Frage des ökonomistischen Ausgleichs.
Dienstag, 10. Oktober 2023
Beziehungen?
Da sind Personen, die gewisse Ideen wohl deshalb geteilt haben, weil sie dem Zeitgeist entsprachen, der sich immer schneller wandelt. Entsprechend schnell legen diese Personen ihre Einstellungen und Werthaltungen zur Seite und passen sich wie Chamäleons an die jeweiligen Trends an. Wenn man sie in seiner Notlage brauchen würde, sind sie weg, lassen sich nicht einmal mehr ansprechen, haben deine Adresse verlegt oder dich aus dem Blickfeld verloren. Jawohl, auch das ist Realität. Da sind nicht nur diese optimal funktionierenden Freundeskreise, die so ach wichtig sind fürs eigene Wohlbefinden und die in den Medien immer wieder betont werden oder von Psychologen empfohlen werden. Auch sie gehen unter gewissen Bedingungen kaputt, werden von mangelnder Empathie zerstört. Was war der Dialog mit solchen von mir einst bevorzugten Personen wert? Was das Vertrauen, das man diesen Personen entgegen brachte? Wert? Für wen? Sie schienen Nutzen daraus ziehen zu wollen, was einem nicht als vordringliches Motiv auffiel. Klaro, man hat selbst sein Teil zu der Situation beigetragen, man war zu passiv, träge, man war auch schuld. Nur ist es wohl so, das diese Personen oben sind und ich unten, dass es ihnen gut geht, während es mir extrem schlecht geht. Einfach so. Jawohl, Selbstmitleid! Das ist verboten! Das alles passiert mitten in der Gesellschaft. Jawohl, ich bin die Stichprobe in der Statistik! Ich habe eine akademische Ausbildung abgeschlossen, habe Titel und Abschluss. Aber es gibt da ein Absaufen. Ein Ertrinken. Ein Verschwinden. Im "Markt". Ich versuche, daraus eine Zeitweiligkeit zu machen. Ich versuche, wieder anzugreifen. Es ist mir bisher nicht gelungen. Aber draußen in dieser Welt ist niemand dieser Leute, die so taten, als würden sie einem nahe stehen. Da ist niemand ansprechbar. Weil man selbst komisch ist? Die Einschläge ins Bewusstsein, die von allen Seiten auf einen einprasseln und die einen manchmal überfordern können, die zu teilen mit gewissen Personen, könnte zumindest entlasten. Das könnte einem helfen. Aber was ist los? Man hat den falschen Leuten getraut. Ganz einfach. Man hatte sie an sich heran gelassen. Man war für sie so etwas wie ein gehobener Zeitvertreib.
Sonntag, 16. Dezember 2018
Für TB
Demnächst wird Thomas
Bernhard 30 Jahre gestorben sein! Im Februar. Der
Übertreibungskünstler, der immer so gerne mit Superlativen gespielt
hat. Der Grantler und Humorist. Der Skandalist. Der Melancholiker,
Pessimist und Ironiker. Wäre heute total out. Dieser zynische
Lächler, der ja so wunderbare Texte geschaffen hat. Der
Lachphilososoph, der ganz konkret mit einer Krankheit zum Tode leben
musste. Der noch in einem Zeitalter lebte, in dem man an die Macht
des Wortes glaubte. Der seinen Texten so viel Musikalisches gab,
unter anderem auch, indem er Musiker als Künstler auf seine eigene
Art beschrieb. Die Musik in seiner Sprache, die Sequenzen, die
typische Ausdrucksweise, die Wiederholungen, die allmählich eine
eigene, distanzierte Ausdrucksweise ergaben. Wie er zur Uraufführung
seines Stücks „Heldenplatz“ vom Balkon des Wiener Burgheaters
herabwinkte und dazu fein lächelte. Der eben abgeebbte und nun
wieder aufkommende Faschismus, den er geißelte. Er, der
„Geistesmensch“, die Anderen, die „Lebensmenschen“. Jener,
der konnte, sollte musste, und endlich, in seinem Ohrensessel
sitzend, Worte an sich herab gleiten ließ. Der nichts auf sich gab
und doch eitel war. Der Preise verabscheute und doch genoss. Der
Mann, der um seine Todesgewissheit kreiste, der von Vergeblichkeit
wusste, - auch der Kunst, deren Künstler er oft in Lächerlichkeit
versinken ließ. Sein Humor: Nichts und niemanden ernst nehmen. Sein
Bauernhof, in den er von Wien aus umzog und der total kahl nur aus
weiß getünchten Zimmern zu bestehen schien. Das alles imponierte
uns.
Donnerstag, 10. März 2016
Erlebte Utopie
Wie das war? Wir kramten heute zusammen in den
Hinterstuben unseres Bewusstseins. Wir gingen zusammen eine Stunde
lang in ein Museum, eine Galerie. Flashlight. Kunst. Wir waren
beeindruckt und wir tauschten uns anschließend darüber aus. Welche
Ebene hat das Bild von Picasso in dir angesprochen? Findest du
nicht, dass es etwas Mönchisches hat? Etwas in sich selbst
Versunkenes? Woher kommt es, dass dies diesen Eindruck so gut
zusammenfasst? Dass es ihn ganz persönlich für mich zu fokussieren
scheint?
Wir gestanden uns auch unsere Oberflächlichkeiten zu. Wir müssen uns nicht gegenseitig imponieren. Wir haben uns nie imponiert, - und vielleicht war das ein Fehler. Auch das eine Frage von Nähe und Distanz. Es gibt eine Scheu voreinander und doch sind wir sehr zusammen. Wir könnten nie im Alltag harmonieren. Die Temperamente, die Gestimmtheiten, das Tempo und unsere Oberflächen sind zu unterschiedlich. Aber es gibt ein ernsthaftes Gegenüber. Ein Wir - so schien es......einst.....
Wir gestanden uns auch unsere Oberflächlichkeiten zu. Wir müssen uns nicht gegenseitig imponieren. Wir haben uns nie imponiert, - und vielleicht war das ein Fehler. Auch das eine Frage von Nähe und Distanz. Es gibt eine Scheu voreinander und doch sind wir sehr zusammen. Wir könnten nie im Alltag harmonieren. Die Temperamente, die Gestimmtheiten, das Tempo und unsere Oberflächen sind zu unterschiedlich. Aber es gibt ein ernsthaftes Gegenüber. Ein Wir - so schien es......einst.....
Sonntag, 28. Februar 2016
Spassgesellschaft
Moderne Harlekins verkaufen sich um die Wette. Machen
Scherze, spielen mit der realen Umgebung, führen etwas vor. Sie
haben die lustige Zipfelmütze auf und verkaufen genau das, diese
Pose, - wie einst ihre Vorfahren. Niemand nimmt sie ernst, denn sie
sind ja die Harlekine. Sie halten Leuten den Spiegel vor und die, die
sich darin sehen, nennen das „Freiheitliche Grundordnung“. Jeder
kann lachen, so lange er will. In der „Privatheit“. Es ist
dadurch noch mehr entwertet als früher. Es ist völlig bedeutungslos
geworden, eine Belustigung, Teil eines herrschenden Hedonismus. „Ich
will Spass“, damit sang sich schon ein Sänger vor vielen Jahren prophetisch in
die Hitparaden und gab damit ein Motto aus. Es ist dies ein Teil der real existierenden und umwerfenden Gewalt. Selbst schuld, wer damit Probleme hat. Soll er ein Geschäft daraus machen
und seine Verzerrungen als Narretei verkaufen. In dieser neoliberalen
Gesellschaft ist alles zu kaufen und zu verkaufen, das scheint
„alternativlos“. Experten gerieren sich als Spezialisten dazu.
Werbespots führen eine geschönte Realität vor und erzielen ihre
Wirkung. Man fragt sich, ob man träumt. Das kann doch nicht wahr
sein, - ist es aber. Das gilt, nichts anderes. „Pursuit of
Happiness“ möglich machen, selbst das ist ein Traum der
Vergangenheit, ausgeträumt in den USA als Folge einer Flucht aus den
alten Verhältnissen. Aus dem alten, beengten Europa. Was aber heute
tun? Dämmernd resignierend in sich verschwinden?
Samstag, 27. Februar 2016
Komödie Comedy Life
Ich verschwinde in der Bedeutungsebene einer
Comedy-Sendung, ich sehe offenbar alles mit einem humoristischen
Abstand. Ich muss lachen, ich nehme wenig oder gar nichts mehr ernst.
Ich löse mich von der Realität um mich herum und täusche mich mit
anderen. Ich lasse mich animieren. Es erfasst mich eine Leichtigkeit.
Doch die Sendung ist plötzlich aus und die raue Wirklichkeit fasst
einen an. Ich habe noch Probleme, verschiedene Dinge um mich herum
ernst zu nehmen. Schon den aprupt folgenden Programmhinweis, den
„Trailer“, finde ich urkomisch. Ist aber gar nicht so gemeint.
Ich bin in die einzige Situation hinein gerutscht, die mir als solche
eine Zeit lang Probleme macht. Ich erkenne sie nicht richtig, diese
Situation. Ich finde ihre Figuren lächerlich. Ich bin nicht
rechtzeitig zurück gekehrt in die „wahre“ Bedeutung. Ich bin
wohl kein Realist. Die humoristische Deutung hat mich gekriegt, sie
hat mich offenbar ganz erobert, - für eine gewisse Zeit. Ich bleibe
am Fernseher und sehe Nachrichten. Wie grotesk, das alles! Und diese
Figuren! Die meinen es ernst! Letztenendes reden sie immer vom Geld,
nur ich scheine diesen „Ernst des Lebens“ zu verkennen. Was ist
das? Kneif mich! Ausgerechnet ich abgehoben? Von einem
„Programmplatz“ angeregt? Das geht gar nicht. Absurd. Bizarr. Was
ist das?
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