Reise durch Wirklichkeiten

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Montag, 3. August 2026

US-Reise

Wir sind damals per Mietwagen durch den Westen der USA gefahren, haben dessen wunderschöne Seiten bewundert: Die Nationalparks. Yosemite. Wow! Joshua NP. Krass. Sequoia NP toll! Canyonlands, Big Bend…..etc. Wir haben sie praktisch alle besucht und haben uns davon bestricken lassen. Dazwischen Death Valley NP. Vancouver. Snake River. Vom Colorado kommend wahnsinnig viel Glück gehabt. Zum Grand Canyon gefahren und sofort ein Quartier bekommen, als sei das das Normalste der Welt. Einfach eingecheckt, ohne Voranmeldung. Diese Wildniss in Arizona hatte mich stark angezogen. Wollte auswandern. Dieser Pragmatismus bei den Zimmern, die man mietete. „True is, what works“. Klasse. Olympic NP. Mount Rainier NP. Mit dem Auto auf 4000 meter hoch gefahren. Später noch Richtung Osten, Niagara Falls natürlich. Berge. Horizonte, die einen stark zogen. Namenloses. Wildes. Montana. Wyoming. Yellowstone. Büffel. Mount Rushmore. Haha.

Freitag, 24. Juli 2026

American Dream

Nachdem ich viel in den USA gewesen war und die Unterschiede zwischen den Systemen im Alltag festgestellt hatte, wurde mir zunehmend „der europäische Weg“ auch des wirtschaftlichen Prosperierens bewusst. Es war ein vielen Einflüssen geöffnetes, von der weit zurück reichenden Vergangenheit (Europa hat eine Geschichte, die nicht unbedingt immer in Eurozentrismus führen muss) oft ungünstig beeinflusstes und offenes Vorwärtstasten in dieser Wirtschaft, das sich auch einen gewissen Respekt vor der menschlichen Arbeitskraft bewahrte und Teilhabe auch an der Wirtschaft ermöglichen wollte. Auch wurden Geisteswissenschaften, also dem systematischen Nachdenken über menschliche Verhältnisse, Möglichkeiten eröffnet (die sich freilich viel zu lange am klassischen Bildungsbürgertum orientierten). Es wurde ein europäischer Weg entwickelt, der mit seiner „sozialen Marktwirtschaft“ in einem gewissen Gegensatz zu dem der USA stand, in dem schon immer ein erbarmungslos kapitalistischer Wettbewerb herrschte, der einen in die Kaste der Schwerreichen mit allen Insignien oder ins Elend unter eine Brücke katapultieren konnte. Dies wurde allgemein akzeptiert, so lange der „amerikanische Traum“ existierte: Vom Tellerwäscher zum Millionär, wenn du nur hart genug daran arbeitest und dir das Ziel möglichst plastisch vorstellst und dann auch realisierst. Nun kommt bis in die jüngste Vergangenheit hinein hinzu, dass dies in gewissen Fällen zu funktionieren schien und von den Medien verherrlichte und protegiert wurde. Steve Jobs erarbeitete innerhalb seiner Lebenszeit eine Firma von Weltruf mit gigantischen Umsätzen, Bill Gates tat es ihm gleich. Warren Buffet reüssierte mit seinem Gespür für Profit an der Börse. Larry Page; Mark Zuckerberg und Jeff Bezos hatten das richtige Gefühl für die Zukunft zur rechten Zeit und machten draus Milliarden. Elon Musk wiederum scheint mir schon die weitere Entwicklung dessen zu verkörpern: Er wurde vor allem durch geschickte Manöver auf dem Geldmarkt zum reichsten Menschen, er beherrschte das Spiel des Geldschöpfens auch durch talentiertes eisernes Arbeitsethos und rücksichtslos auf Profit ausgerichtetes Verhalten. Irgendwann kam der Punkt, wo sich dies verselbständigte und Musk nur noch durch seine Person und deren so knallharte wie profitorientierte Ausstrahlung seine Geldmaschine beeinflusste.

Dienstag, 11. November 2025

Außerplanmäßig

Was nicht nur uns umtreiben mag: Wie sichert man das Überleben unserer Spezies angesichts der vermeintlich kurz bevor stehenden Entwicklung einer superintelligenten KI? Wir hier in Europa grübeln, wir zweifeln, wir strengen langwierige, möglichst demokratische Entscheidungsprozesse an. Wie helfen sich die selbst erklärten „Eliten“ in den USA am Ende? Durch Auswanderung per Rakete in bisher unbekannte Gefilde. Der alte amerikanische Traum. Im Weltraum fortgesetzt. Eine Vision, („Young men go west!“) In Wirklichkeit gesetzt auf anderen Planeten, im Weltraum natürlich! Was soll all das Nachdenken und Vordenken und Überdenken, das Jagen einer fernen Gerechtigkeit? Was sollen die abschreckend intransparenten Beispiele der Anschauung im fernen China? Oder andere Energieverschwendungen? Das Silicon Valley scheint angesichts all dessen klare Konzepte zu verfolgen. Die Starken sind gegenüber den Schwachen im Vorteil und dürfen alles. Wer über die Kolonisation des Sonnensystems und den kommenden Maschinengott nachdenkt, hat eigentlich keine Energie oder Zeit für individuelle Befindlichkeiten oder die Interessen von marginalisierten Mitbürgern. Wer so sehr von der Richtigkeit des eigenen Denkens überzeugt ist, wer noch dazu glaubt, einen letztgültigen Beweis für seine Schlussfolgerungen erbringen zu können, neigt mannigfach zu einem – Fundamentalismus.

Montag, 15. September 2025

Imaginary Western

Wie war das damals in den US? Ich hatte unter anderem großen Respekt vor den Siedlern (Stichwort: Lewis Clarke Treck), immer dem Horizont entgegen, wir hatten einen Volunteer kennen gelernt, der sein Rentnerleben ganz einsam der Landschaftsüberwachung (Wetter, Waldbrände etc.) in Idaho widmete. Ganz allmählich glaubten wir, den Puritanismus aus unserer Warte heraus neu verstanden zu haben. Ich wollte damals sogar nach Arizona auswandern…. Doch ich habe mir überlegt: Schlangen, Alligatoren damals in Florida…. etc. Nicht mein Ding. Angst. Dagegen standen meine Neugier, auch auf andere Lebenszusammenhänge, das Abenteuerliche, „freie“? Die internationalen Beziehungen haben sich seitdem grundsätzlich geändert, ich muss mir überlegen, ob mich mein Interesse an den USA noch trägt, -während es hier schon erste Boykottaufrufe gegenüber amerikanischen Waren gibt. Amis sind auch – was mich ein bisschen stört - total spezialisiert: man sieht die Welt aus einem Volks- und betriebswirtschaftlichen Loch heraus, man will Geschäfte machen, Geld verdienen, um jeden Preis Profite machen. Ich bin durchaus der Meinung, dass die Macht der Systemgünstlinge wie Digitaloligarchen und Banker (Geldhändler) beschnitten werden sollte.

Donnerstag, 24. April 2025

Eingängig

Es dominiert die kurzfristige Gefälligkeit auf allen Gebieten, etwas zu amerikanisch vielleicht (ich bin wirklich kein bisschen „antiamerikanisch“, um mal wieder solch ein Klischee, solch ein denkfaules Einstellungsmuster zu bemühen...), etwas zu sehr vulgär verkaufsorientiert, etwas zu sehr daran orientiert, dass keinerlei Widerstand abgearbeitet, erschlossen werden muss, sondern dass alles sofort und unwiderstehlich munden und verbraucht und genossen werden muss. Dass etwas leicht konsumierbar und eingängig ist. Mühelos. Genussvoll. Spass muss es machen! Ich war in meiner Schreibe über Popkonzerte schon ein bisschen aufklärerisch orientiert, wollte erreichen, dass man sich etwas besser dessen bewusst wird, was da auf einen eingestürmt ist, was man mit einem Viertels- oder Halb-Ohr gehört hat: So, dass möglichst viele Menschen vielleicht Anregungen empfangen, etwas aus anderer Perspektive zu hören, etwas anders wahrzunehmen und es sich neu zu erschließen. Es verwundert umzudrehen und sich aus dieser Perspektive anschauen. Es, das Etwas. Etwas wirklich zu verändern war nicht mein Ehrgeiz. Selbst in den veränderungsgeilen 70ern nicht. Auch weil dies Tatmenschen braucht, Leute, die wissen, wie etwas geht und wie man das richtig macht. Die Regeln dabei haben mich leider nie wirklich interessiert. Ein Vorteil vielleicht (so kann man es schönreden!) . Ich habe es eher durchdacht. Einigermaßen. Aber nicht gemacht. Die Regeln zu missachten war für mich aber meist ein gravierender Nachteil, denn ein Hauptteil der Menschen in unserer Servicegesellschaft beschäftigt sich damit, wie man es möglichst vielen möglichst nach allen Regeln der Kunst recht machen kann. Natürlich mit einer Prise Individualität. Aber nicht zu viel. So etwas, solch ein „Mindset“ hat mich meist gelangweilt.

Mittwoch, 22. Januar 2025

Schöne Neue Welt

Wie sorgt man dafür, dass alle Menschen glücklich leben können? Ganz einfach: Man schafft Krankheit, Alter und sämtliche negativen Gefühle ab. Aldous Huxley schildert in Schöne neue Welt eine solche Utopie: Technischer Fortschritt hat jegliche Schmerzen besiegt und alle Probleme scheinbar gelöst….Ein Schelm, wer da an KI denkt! Oberstes Ziel des Weltstaates ist das Glück aller Menschen….Statt dauerhafter Bindungen zwischen Mann und Frau herrscht Promiskuität, man wechselt den Partner ständig. Diese verordnete sexuelle Befriedigung hat den Liebeskummer verdrängt. Bücher, Religion und Kunst sind abgeschafft worden, weil auch sie nur eine Quelle unnötiger Gefühle waren…...„Jeder ist heutzutage glücklich.“……...Huxley schrieb Schöne neue Welt 1931 innerhalb weniger Monate nieder, während er mit seiner Familie in Südfrankreich lebte. Er verarbeitete darin Eindrücke einer Reise in die USA, die er 1926 unternommen hatte – Eindrücke aus einem Land, in dem technischer Fortschritt und Konsum eine zentrale Rolle spielten………...Der französische Romancier Michel Houellebecq irritierte die Öffentlichkeit 1998, weil in seinem Roman Elementarteilchen behauptet wird, dass die Welt, die Huxley beschreibe, haargenau jene sei, in der wir mittlerweile leben wollen.

Dienstag, 14. Januar 2025

American Dream

Ich bin mit meiner (naiven) USA-Liebe jetzt final auch noch herb enttäuscht worden. American Dream? Es war wohl der endgültige KO-Schlag, zuletzt. War auch auf dem falschen Boot, so denke ich jetzt. Vom Tellerwäscher zum Millionär. Vielleicht nicht richtig orientiert. In der Folge der jahre danach hatte ich mich zunehmend als Europäer mit allen Vor- und Nachteilen begriffen. Hatte den Unterschied erlebt, aber freundlich. Dann, als Kritiker, hatte ich wahrgenommen, dass die meisten US-„Acts“, die ich besuchen sollte, ein Produkt der Aufmerksamkeitsindustrie waren, Entertainment, Unterhaltung ohne größeren Hintergrundwert. Ein Kick, eine kurzfristige Kerze des Reizes, die aber sofort in sich zusammensacken konnte. Es wurde oft genug nahezu nichts zu mir transportiert. Außer solidem Handwerk. Gut ausgearbeitet. Inhaltlich: Das Nichts regierte. Das, was wie eine Silvesterrakete kurz aufstrebt, um dann in sich selbst zurück zu sinken. Ich fühlte mich selten berührt. Damals gab es in meinem Leben Momente des Aufbruchs. Man war in den USA auf einer ungefährdeten Fahrt in die Horizonte, arglos ging es ins Abenteuer, furchtlos inmitten wilder Tiere und natürlich heftigen Gegebenheiten und endloser Straßen entlang, mit einer nur hier erlebten Offenheit im Herzen und einem Optimismus, der so typisch für mich nicht war. Ein Gefühl beschlich einen: Man würde hier - und nur hier! - so etwas wie ein Ziel erreichen. Das in der Ferne zu liegen schien. Ausgerechnet hier, wo alles offen war. Aber man hatte Vertrauen in die Zukunft. x x My (naive) love of the USA has now been bitterly disappointed. American Dream? It was probably the final knockout blow, at last. I was on the wrong boat, I think now. From rags to riches, that was the motto I admired. Perhaps I wasn't properly oriented. In the years that followed, I increasingly saw myself as a European with all the advantages and disadvantages. I had experienced the difference, but in a friendly and open-minded way. As a critic, I had noticed that most of the US "acts" I was supposed to see were a product of the attention industry, entertainment, entertainment without any real background value. A kick, a short-term candle of excitement that could collapse immediately. Often enough, almost nothing was conveyed to me. Apart from solid craftsmanship. Well-crafted. The times of Bob Dylan or Leonard Cohen were very obviously over. In terms of content: nothingness reigned. That which briefly rises up like a New Year's Eve rocket, only to then sink back into itself. I rarely felt touched by it, I just registered it, observed it. Back then, there were moments of departure in my life. In the USA, I had been on a safe journey into the horizon, innocently heading off into the adventure, fearless in the midst of wild animals and, of course, violent conditions. Along endless roads, with an openness in my heart that I only experienced here and an optimism that was not typical for me. A feeling crept over me: here - and only here! - I would reach something like a goal. That seemed to lie in the distance. Here of all places, where everything was open. But I had faith in the future.

Samstag, 20. Mai 2023

Normalitäten der Realitäten

Ich war immer schon davon ausgegangen, dass mein Ich, meine Identität relativ ist, d.h., dass es von der Tapete der Normalitäten und Realitäten, die es umgibt, stark geprägt ist. Annahme: Würde ich jene austauschen, würde ich möglicherweise ein ganz anderes Stück meines Ichs, meines Selbst erfahren. Zum Beispiel in den USA hat sich mein Verhältnis zur Natur komplett und umfassend geändert. Es hat mich sehr stark beeinflusst, was ich dort gesehen und erlebt habe (zb Grand Canyon, Mesa Verde, Bryce Canyon etc.). Es hat mir andere Dimensionen eröffnet. Wäre ich dort irgendwo aufgewachsen, vielleicht irgendwo im Westen, wäre ich vielleicht ein anderer. Es hätte vielleicht die dort überall gegenwärtige Weite einen großen Einfluss auf mich gehabt, - im Gegensatz zum Hier, wo alles kultiviert, optimiert, zugemauert und zubetoniert ist. Ich hätte womöglich eine andere Nähe zur Tierwelt entwickeln können. Vielleicht wäre ich aber auch härter und geldorientierter geworden, wäre mit dem Überleben dermaßen intensiv beschäftigt gewesen, dass ich diese Zeilen hier nie hätte schreiben können. Und: es sind deutlich krassere Beispiele denkbar...

Sonntag, 13. November 2022

Freiheit?

US-Amerikaner betonen gerne, das man gemeinsame Werte habe. Dazu zähle etwa „Freiheit“. Für uns scheint das hier ein tausendfach schillernder Begriff, für Amis scheint das sehr einfach zu sein. Ob sie wohl realisiert haben, dass sich diesbezüglich einiges geändert hat seit Kriegsende? Dass der CIA in vielem dem KGB entspricht? FBI, NSA usw. Dass dieses „Pursuit of happiness“ de facto inzwischen nur noch einer kleinen besitzenden Klasse von Menschen zugestanden wird? Die US-amerikanische Gesellschaft hatte wohl eine Phase, als sich die sozialen Gegebenheiten ein bisschen nivellierten. Diese Phase ist längst vorbei. Jawohl, sie helfen uns, weil wir in Europa feige sind. Sie selbst freilich bezeichnen gewaltige und abstoßende soziale Ungleichheiten und ungezügelten Waffengebrauch als „Freiheit“. Waren sie einmal ein Hort der Demokratie? Ja, viele sehr wohlmeinende Amerikaner hatten sich dem verschrieben, als sie Deutschland vom Faschismus befreiten. Ihr Lob sei gesungen hier! Doch spätestens seit der Erstürmung des Kapitols dürften daran Zweifel entstanden sein. Man glaubt, sogar die Wirklichkeit nach seinen Vorstellungen "designen" zu können. "Fake News". Die Amerikaner spielen sich gegenseitig "Freiheit" vor oder das, was dafür gehalten werden soll. Sie waren immer schon Fan des schönen Scheins. Dabei glauben sie geradezu religiös an eine uralte Verfassung, die zwar gut aber nicht der Zeit angepasst ist. Die gewaltige geisteswissenschaftliche Geschichte hier in Europa schreibt auch ihre zahlreichen Notizen zu dem so simpel verwendeten Begriff „Freiheit“. Skepsis klingt durch, Ironie und Respekt. Unabgeschlossenheit. Offenheit. Wir sind anders als die Amis und wir sind das aus gutem Grunde.

Donnerstag, 10. Februar 2022

Spitzensport und Nationalismus

Jetzt führen sie wieder stolz den Medaillenspiegel vor und übertragen den Fahnenapell mit dem Abspielen der Hymnen. Ach, es ist ja auch zum Heulen und gerührten Weinen…! Währenddessen wird eifrig berichtet, wie der/das „Superbowl“ vorbereitet wird. Und dann die Aussagen von „kundigen“ Moderatoren, dass ja in den USA alles anders und besser sei, weil man da seinen Reichtum unbehelligt vorführen könne. Insbesondere der Spitzensport sei davon betroffen. In diesem Moment bin ich froh, dass ich hier wohne, in einer Sphäre Mitteleuropas, in der gesellschaftliche und sonstige Strukturen durchaus mal hinterfragt werden und eine Art sozialer Ausgleich wenigstens auf dem Papier versucht wird. Wer jemals die erbärmliche Existenz der Armen und Obdachlosen auf den Straßen der Großstädte in den USA erlebt hat, wird bei solchen Aussagen von Football-Moderatoren und anderen Sport-Koryphäeen nachdenklich. Ob es da Paralellen und Zusammenhänge damit gibt, dass sich viele der Spitzensporttreibenden nicht zu Aussagen hinreißen lassen, die gewisse Missstände klar benennen? Ja, man macht halt mit, so, wie „die Industrie“ in Gestalt ihrer Wirtschaftskapitäne auch mitmacht und gewisse Menschenrechtsverletzungen nicht einmal erwähnt, geschweigedenn in ihren Prozessen berücksichtigt, um ja nicht gewisse Auftraggeber zu verärgern. So war's in unserem Land schon einmal.

Donnerstag, 4. November 2021

Reise durch gesellschaftliche Wirklichkeiten

 Diese Gesellschaft löst sich auch hierzulande durch arbeitsteilige Prozesse und Globalisierungsbestrebungen „in der Wirtschaft“ immer mehr auf: in Untergesellschaften, in Wahrnehmungsblasen und Lebenswelten, die nichts voneinander wissen und zwischen denen Gleichgültigkeit herrscht (was nicht gerade einem wie auch immer begründeten „Zusammenhalt“ förderlich ist. Sie wird bis hinein in kleinste Interaktionen dadurch bestimmt. Jeder hat seine Funktion in der Lieferkette und wird streng nach dem Preis bemessen. Zum Beispiel „Soziales“: Der Staat soll machen und tun, dafür zahlen wir hierzulande schließlich Steuern (die immanente Drohung der „Steueroptimierung“ ist da gleich mitgedacht…). Persönliches Engagement geht trotz der aus Pandemiezeiten so vielbeschworenen „Solidarität“ verloren gegangen zu sein. Sozialstaat bedeutet, das man ein Recht auf etwas hat und nicht auf Almosen angewiesen ist. Da ist zum Beispiel die US-amerikanische Gesellschaft eine andere: es gibt wenig soziale Bemühungen, jeder ist seines Glückes Schmied. Für Almosen sind die „Charities“ zuständig, Wohltätigkeitsveranstaltungen und Good Will-Bemühungen, die auch hierzulande durch den Rückzug des Staates aus seinen Aufgaben immer mehr einreißen, so, wie übrigens alles, was aus den USA kommt, bis hin zu den vielen SUVs kopiert wird. Dass die Einnahmen aus Charity-Veranstaltungen nach Gutdünken der Initiatoren und reichen Spender ausgegeben werden sollen, ist hier immer auch mitgedacht. Alles andere wird von einem Teil der US-Bevölkerung als „Sozialismus“ abgetan. Der Staat oder gar der „Sozialstaat“ ist streng verpönt.

Freitag, 22. Januar 2021

Inauguration

Ob jemand Joe Bidens Inauguration gesehen hat? So viel Pomp und Pathos und Lady Gaga schmettert die Nationalhymne? Ein bisschen befremdet mag man schon darüber gewesen sein, wie ungebrochen da alles vonstatten ging. Da ist eine Verehrung des Militärs beispielsweise, die einem hierzulande geradezu unheimlich vorkommt. Es ist das Militär meiner Einschätzung nach eine dreckige Notwendigkeit, die mit Tod und Sterben zu tun hat. Aber halt nicht nur mit Stechschritt und glitzernden Uniformen von Leuten, die glauben, sich dadurch Verdienste erworben haben, dass sie andere Leute mit dem Tod bedroht haben oder getötet haben. Meist männlich vorgetragene Kommentare verklickerten einem dann, dass in den USA die diesbezügliche Tradition halt ungebrochen sei, dass die Größe und Macht der Nation dadurch symbolisiert sei und dass die Ehrerbietung Uniformen gegenüber stets präsent sei. Wie etwa die Verantwortung gegenüber den ach so verdienstvollen Veteranen wahrgenommen werde, fragt sich da der eine oder andere…. und und und. Es scheint Risse zu haben, dieses Bild, das uns da eingebläut werden soll. Nun ja, es scheint dies ja auch eine Vollversammlung der politischen Herrscherklasse, deren demokratische Legitimierung ja unlängst etwas ins Wackeln zu geraten schien und fortwährend betont werden musste. Tatsache ist, dass es in dieser so angehimmelten Gesellschaft extreme Gewinner und Verlierer gibt. Die oft als visionäre Hoffnung gepriesene Vizepräsidentin und mit migrantischen Wurzeln gesegnete Kamala Harris jedenfalls scheint deutlich zu den Gewinnern zu gehören, die beweisen sollen, dass in der US-Gesellschaft halt immer noch alles möglich sei. Dass sie sehr tough und hart sein kann, hat Harris offenbar an manchen elitären Stellen dieser Gesellschaft schon bewiesen. Joe Biden hingegen kommt mir vor, als sei er exakt der, den die USA jetzt brauchen. Einer, der alleine aus dem Alter heraus auf Erfahrung zurückgreifen kann, einer, der Kompromisse schließen kann, einer, der tatsächlich Versöhnung bringen kann. Natürlich wird er all die an ihn gerichteten Erwartungen nicht erfüllen können, - wie übrigens damals Obama auch. Aber es geht eine große Menschlichkeit von ihm aus, die auch von erlittenen Schicksalsschlägen und Niederlagen herkommt. Er ist meiner Meinung nach genau der Richtige für dieses Amt.

Freitag, 12. Juni 2020

Rassismus in Strukturen


Es scheint dasselbe zu sein, wie mit der Korruption. Wie eigentlich soll man „latenten Rassismus“ belegen? Ob etwas in der Struktur angelegt ist dergestalt, dass bestimmte Personen in unserem Staat mit einer besonderen Machtfülle ausgestattet sind? Ob so etwas zum Missbrauch einlädt? Ob auch der Zwang, möglichst zügig zwischen Gut und Böse entscheiden zu müssen, dazu beiträgt? Ob man so etwas benennen sollte? Ob das auch ein Problem der Kommunikation im Politikbetrieb ist? Ob sich diese im Auftrag des Staates handelnden Personen demokratisch legitimiert wähnen und ob nicht gerade darin ein Problem liegen könnte? Manche Menschen glauben, dadurch zu allem berechtigt zu sein (obwohl sie von der Bürokratie, so, wie sie gedacht ist, gebremst werden sollten...).
Natürlich treten jetzt viele Lautsprecher auf, die unter anderem fordern, man solle die USA nicht mit Deutschland vergleichen. Kann man auch nicht! An dieser Stelle sollte man stolz auf diesen Staat Deutschland sein, der es wenigstens versucht hat, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Trotzdem erscheint es mir angezeigt, zu fragen, zu forschen, auszukundschaften, wo denn dieser Staat samt seinen „Organen“ einen „latenten Rassismus“ pflegt. Dass diese Frage nicht erlaubt sein soll, dass die Diskriminierung bestimmter Personengruppen dermaßen rigoros für nicht existent in diesem Staat erklärt wird, das macht die Sache für mich verdächtig. Es scheint, als wollten sich alle der Loyalität diesem Staatswesen und seinen Vertreter gegenüber versichern.

Dienstag, 21. April 2020

USA und Europa (2)

Natürlich gibt es unzählige Stories, die den „amerikanischen Traum“ vorführen sollen. Stories über die, die es „vom Tellerwäscher zum Millionär“ gebracht haben sollen. Doch unterschlagen wird oft, wie viele gerade dies nicht geschafft haben von etwa 300 Millionen Amerikanern. Wie viele es in den Abgrund der Armut geschafft haben. Und ob der gegenwärtige amerikanische Präsident eine Werbung für dieses System darstellt? Wenn es solche Leute in einem solchen System „schaffen“, dann lässt das ja wohl Rückschlüsse zu. Unter anderem scheint die viel beschworene Dynamik und der alles beherrschende Wettbewerbsgedanke da bestimmte Charaktereigenschaften zu fördern, die von diesem obersten Häuptling nahezu täglich vorgeführt werden. Eigentlich sehe ich mich als großen Freund der USA als Land. Das darin herrschende System freilich sehe ich zunehmend kritisch. Schon früh befasste ich mich auch auf akademischem Wege damit und bereiste das Land ausführlich. Dass besonders im Nachkriegsdeutschland in Deutschland das Kopieren amerikanischer Vorgaben einschließlich dem der Demokratie eingeübt wurde, war okay. Es ging auch auf bewundernswerte Werte und ihre Realisierung zurück, von denen tatsächlich gelernt werden konnte. Dass dies aber bis heute hinein ins Ungünstigste durchgehalten wird (u.a. scheint auch die SUV-Mode davon zu kommen, in den USA hatte sie ihren Sinn....hier nicht) - bewusst oder unbewusst, - würde ich durchaus als unglücklich sehen. Der französische Weg imponiert mir da deutlich mehr.

Samstag, 18. April 2020

USA und Europa

Gerade jetzt, in der Krise, werden große Unterschiede zwischen dem europäischen und dem amerikanischen Gesellschaftssystem deutlich. Die Zahlen sprechen hier deutlich für sich. Doch noch bis vor kurzem lobten Wirtschaftsprofessoren das amerikanische System in den Himmel und stellten es uns als leuchtendes Vorbild hin. Das europäische System sei viel zu sehr auf Umverteilung und Unterstützung vom Staat ausgelegt, hieß es. Nun scheint es auch darum zu gehen, diejenigen, die nicht so viel Geld haben, gebührend zu unterstützen. Da sind z.b. „die Jungen“ oder die Rentner. Die USA sind da viel kapitalistischer, es wird viel mehr privat gemacht. Wer sich etwas nicht leisten kann, bleibt dabei außen vor. Dies wird auch dadurch unterstützt, dass die Steuern in den USA niedriger als beispielsweise in Deutschland sind. Es gibt Aussagen, die dahin deuten, dass, wer sich in den USA einen Steuerberater leistet, nahezu keine Steuern zahlt. Doch hierzulande bekommt man für seine Steuern ein wesentlich besseres Sozialsystem und – last but not least – Gesundheitssystem. Dies kommt auch den weniger gut betuchten Menschen zugute. Die Armutsrate gebe da zusätzlichen Aufschluss, quaken Wirtschaftler. Die sei nämlich vor dem Staatseingriff nahezu gleich. Nach etlichen Umverteilungsmaßnahmen freilich reduziere sich der Anteil der Armen im europäischen System deutlich, im amerikanischen jedoch deutlich weniger. Im Ergebnis ist der Anteil der Armen in den USA etwa doppelt so hoch. In den USA sei die Gesellschaft offener und durchlässiger zwischen Arm und Reich. Es sei einfacher, Vermögen aufzubauen. Einfacher sei es jedoch auch, Vermögen zu verlieren. Vermögen aufzubauen sei dadurch ein Ansporn zur eigenen Leistung und weniger als Merkmal eines Klassenunterschieds, lassen die Wirtschaftskenner dazu verlauten. Dadurch seien die Leute motivierter. Vom Tellerwäscher zum Millionär, so lautet der „amerikanische Traum“. Ob er wohl im Laufe der Zeit etwas gebrochen ist, ob es eine Lotterie und Glücksache geworden ist, in einem solchen System Erfolg zu haben? Ob die heutigen, in den Medien oft vorgeführten Zahlen, da einen Hinweis geben? Ob, wie es das „amerikanische System“ ja propagiert, da ein Preis zu zahlen ist? Klar war das amerikanische System in der Vergangenheit dynamischer und leistungsfähiger. Doch ob dies in den letzten beiden Dekaden mit seinen Entwicklungen der wirtschaftlichen Konzentration weitgehend verspielt wurde? Ob dieser Preis und der Umstand, von wem er zu bezahlen ist, jetzt in der Krise nicht ganz klar offensichtlich wird?

Montag, 24. Juli 2017

Menschenführung aus den USA

Ob der derzeitige Präsident der USA eine Musterbeispiel für Führung ist? Menschenführung? Er „führt“ ja seinen Narzissmus öffentlich auf eine schamlose Weise „vor“, entscheidet nach Gutdünken und gegenwärtiger Stimmungslage auch über Krieg und Frieden, er stellt sein geschäftstüchtiges Ego über alles, er badet in Unflätigkeiten und prahlt gerne. „America First“? Ja, das hat er erfolgreich „verkauft“. Er meint damit wahrscheinlich aber vor allem sich selbst. „Trump first“. Darüber empören sich alle hier, das ist Common Sense. Ob es aber ein Rollenmodell ist, das hierzulande auch gerne gepflegt wird, freilich ohne die schamlose Direktheit und sehr offensichtlichen Geldzentriertheit dieser US-Gesellschaft? Selbstsicherheit, Lebenstüchtigkeit und Durchsetzungsvermögen, was soll denn daran Schlechtes sein? Alles im richtigen Maß, sagt der Europäer schnell. Doch was ist das „richtige Maß“? Politische Ausgewogenheit sei da nicht gewahrt.... Doch was sind „Checks and balances“ - eine europäische Erfindung? Als ich neulich die Eröffnung einer der ersten Kabinettsitzungen der Trump-Zeit im Fernsehen sah, musste ich schmunzeln. Halbwegs ernst zunehmende Minister stellten sich dabei auf das Unterwürfigste dem Präsidenten vor und schworen so etwas wie ewige Treue..... Ich fand's einfach nur lächerlich und staunte über das duckmäuserische Anpassertum solcher Idioten. Das entspricht ja wohl so gar nicht dem Geist, den ich auch in den USA kennen gelernt habe und der daraus entstanden ist, dass einst Auswanderer vor den absolutistischen Herrschern in Europa nach Nordamerika geflohen sind. Da waren wohl ziemlich viele unangepasste Raubeine darunter, Außenseiter, selbständige Denker, Freidenker, Leute mit großer Energie, die ihr Leben gestalten wollten und sich nicht gestalten lassen wollten. Daraus erklärt sich ein bisschen auch die große Dynamik, die von den USA ausgehen kann. Aber wo sind sie heute, diese mutigen Pioniere? 

Montag, 6. März 2017

Das Positive, das Lächelnde

„Das Positive“, das ewig Lächelnde und rundherum „Glückliche“ erinnert unter anderem an Aldous Huxleys in „Brave new World“ in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ausformulierten Vision einer „Neuen Welt“. Alles sollen alles möglichst positiv sehen und für sich deuten, mag es im Einzelfaall noch so beschissen sein. Das Schöne regiert. Jedenfalls offiziell. Das erinnert nicht zufällig an die von der US-Trump-Administration eingeführten Kategorie der „alternative facts“. Einfach etwas anderes behaupten und es so lange mit Macht wiederholen, bis es geglaubt wird. Dessen haben sich schon immer totalitäre Regierungen befleißigt. Aber auch demokratische Regierungen beschäftigen PR-Agenturen mit ähnlichen Zielsetzungen. Wohin ein solcher Kurs geführt hat, ist allzu offensichtlich. Gerade Europa hat in der Vergangenheit darunter gelitten und will möglichst daraus lernen. Ob die zuletzt dazu gestoßenen Staaten sich auch so verstehen und mit Europa insofern eine „Wertegemeinschaft“ bilden, mag dahingestellt bleiben. Jüngste Entwicklungen nähren Zweifel daran. Mittel zur Umsetzung einer solchen totalitären Strategie sind: Eine möglichst einlullende und unproblematisch mit Klischees operierende Musik, elektronisch unterfüttert, vereinfachende Phrasen, die die Wirklichkeit auf eine bestimmte Weise erklären sollen, Ruhigstellungsmechanismen aller Art, Geheimniskrämerei, Verschwörungstheorie und Herabwürdigung der sich oft über die Presse äußernden Öffentlichkeit („Lügenpresse“?), Verrohung der Umgangsformen ("Internetshitstorm"?) und das Verfolgen anderer, vom eigenen Kurs abweichenden Meinungen. Das Hochziehen von Zäunen, die das „Wir“ von „den Anderen“ trennen soll und damit nationale Identitäten schafft, die sich rücksichtlos gegen andere durchsetzen wollen. („America first“? Welche arrogante Anmaßung, das Wort „Amerika“ für sich zu beanspruchen, in Wirklichkeit sind es die USA und nicht Mittel- oder Südamerika, für das Trump spricht)