Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Freitag, 10. Juli 2026
Ahnen
Die Verehrung der Ahnen: Ahnenkult. Das Gefühl des Verwurzeltseins. Ist uns völlig abhanden gekommen. Es gilt nur noch, was produziert, was ökonomisch macht und tut. Tote Vorfahren wurden einst mit Ritualen verehrt. Die Ahnenverehrung ist ein religiöser oder weltanschaulicher Glaube, bei dem verstorbene Vorfahren verehrt werden. Anhänger gehen davon aus, dass die Seelen der Verstorbenen weiterbestehen, Einfluss auf das Leben der Nachkommen nehmen und als Mittler zwischen den Menschen und höheren Mächten dienen. Damit die wandernde Seele überhaupt eine Chance hat, ihr Ziel zu erreichen, muss ein Begräbnisritual gemäß den überlieferten Regeln abgehalten werden. Das kann und konnte recht aufwendig sein: Für einen sozial hochgestellten Menschen dauerte so eine Feier schon mal eine Woche oder länger, wobei die besten 1000 Freunde und Verwandte eingeladen, untergebracht und bewirtet werden wollten. Zu der Gelegenheit werden Dutzende von Schweinen und um die zehn Büffel als Opfer und Mahl geschlachtet.
Montag, 25. August 2025
Konservativ
Was steckt hinter dem Konservativismus? Ja ja, ihn gibt es in Reinkultur kaum. Abseits der Universitätsseminare scheint das Thema auch erledigt, wenn nicht unsere Wirklichkeit in mannigfacher Hinsicht von einer Art zeitgenössischem Konservativismus geprägt wäre. Das Gegenteil von Konservativismus gibt es offenbar nicht (mehr)? Disruption? Hier aber doch ein paar Basisvermutungen, Idealtypisches: Ist es der Wunsch, dass alles so bleiben möge, wie es ist? (Restaurative Wendung: „wie es war“). Von scheinbar eherner Stabilität gekennzeichnet? Ein rechtsstaatlich Verkleidetes, monetär abgezwungenes und den „unteren Ständen“ abgerungenes „Recht des Stärkeren“? Da sind Gewinner und Verlierer (unabhängig von einer historischen oder sozialen )? Gegebenheiten. Im Gegensatz zu einem Willen zur Veränderung. Die feste Überzeugung, dass man die Macht des Faktischen auf seiner Seite habe. Dass die Wirklichkeit und die sie unterstützenden Personen sie nach konservativem Vorbild immer wieder schaffen: die „Konstruktion der Wirklichkeit“. Alles ist so, wie es ist. Es wird auf eine gewisse Trägheit von Menschen spekuliert, insofern, als man sich erst mal im real Existierenden einzurichten habe, um dann über andere Möglichkeiten unverbindlich nachzudenken zu können (In Diktaturen: dürfen). Die Wirklichkeit ist zäh, oft von Gewohnheiten oder Routinen bestimmt und vom rücksichtslosen Gewinnstreben geprägt. Eine Neigung zu korruptivem Verhalten (Begünstigung von „Buddies“) kann hier beobachtet werden. Ein Operieren in den Grauzonen der Macht. Ein hierarchisches Denken, das finanziell starken Individuen (Oligarchen, „Alphamenschen“) eine Position der Machtfülle zuweist und sie als „durchsetzungsstark“ adelt. Eine Nähe zur alles bestimmenden Staatsmacht („der Staat hat immer recht“) geht auch oft voraus. „Law and Order“ lautet hier das Stichwort. Härte gegenüber dem Individuum. „Durchsetzen“, notfalls mit Gewalt. Denn alle Gewalt geht ja vom Volke aus, ist also demokratisch legitimiert. So das propagandistisch verstärkte Credo. Schwierig ist dabei eine Abgrenzung zum Totalitären. Eine Grauzone entsteht. Auch eine gewisse Fixiertheit auf „das Traditionelle“ ist oft damit verbunden. Die dauernde Rückkopplung an die Überprüfung am Überlieferten und Überkommenen, dem scheinbar Sicheren. So wird eine konservativ träge Menge zur Knetmasse politischer Erregungstechniker. Dazu gehört auch, dass konservative Kräfte gerne im Bereich der Korruption arbeiten, dass sie ihre Gunst geldwert ihren Lakaien und Speichelleckern auf dunklen Wegen zugute kommen lassen. Und ihre Günstlinge mit gigantischen Bevorteilungen meist finanzieller Art bedenken.
Das Staatstragende mag wohl abgenommen haben zugunsten eines Selbstverständnisses, das sich an demokratischen Prozessen vorbei mittels disruptiver Mechanismen als eigentliche Gestalter des Daseins definiert. Naturgemäß wird auch von konservativer Seite gerne „das Nationale“ in Anspruch genommen, freilich nur die nicht revolutionären aufsässigen Elemente, was sich in Fahnenschwenkereien und Hymnengrölerei erschöpft. Beliebt ist auf dieser Seite auch, den Rechtsstaat auf allen Seiten zurück zu drängen, ihn mit allerlei Mitteln abzuschneiden. Dass „das Nationale“ in der Vergangenheit abhängig von seinem Kontext unter teilweise blutigen Opfern auch eine verändernde Rolle gespielt haben mag, wird dabei gerne verschwiegen.
Sonntag, 12. Februar 2023
Fußballereien
Wie kommen viele Leute eigentlich dazu, noch immer an den Fußball zu glauben als einen „11-Freunde“-Fetisch? Die Fußballvereine (auch die sogenannten "Traditionsvereine") sind doch in Mitteleuropa längst anonyme Kapitalzusammenballungen, die ihr Personal beliebig tauschen und je nach finanzieller Stärke zusammenkaufen. Wo sogenannte Traditionsvereine (die natürlich auch versuchen, alles Finanzielle mitzunehmen....) dabei stehen, ist ja gegenwärtig in der deutschen Fußball-Bundesliga klar abzulesen. Der Fußball ist Teil des Showgeschäfts geworden, operiert mit Milliardenumsätzen und klagt dafür den steuermäßig unterfütterten Schutz der öffentlichen Hand (z.b. bei Polizeieinsätzen...) ein: das Muster ist bekannt aus der Finanzwelt. Natürlich wollen die Traditionsvereine ihren „Mythos“ pflegen und versuchen gegen die reinen Geldvereine mit Firmenaufdruck zu ätzen. Dabei versuchen sie selbst dasselbe und schaffen es oft nicht ganz. Die Werbung hat längst übernommen: In den Vereinsnamen aufgenommen, auf Trikots abgebildet und in umbenannten Fußballarenen abgebildet. Gekauft. Es geht um Rechte. Logos. Besetzungen des Kopfes. Aggressive Verkaufsstrategien. Ich beobachte, wie sich die Leute immer mehr für diesen industriell gefertigten Fußball interessieren, wie es ihre Unterhaltungen füllt, mit den Kumpels, mit den Nachbarn, mit den Arbeitskollegen. Ich stehe dabei, staune und wundere mich. Es interessiert mich auch, sehr wohl, - aber mit einigem Abstand. Man könnte auch meinen, ich würde es nicht ganz so ernst nehmen, jedenfalls nicht so ernst wie jene, die ihre Identität damit verknüpft haben, die sich dafür gegenseitig auf die Nuss hauen oder sich veritable Schlachten mit der Polizei und dem billig engagierten "Ordnungspersonal" liefern. Es muss ihnen wichtig sein, sie identifizieren sich damit, es prägt ihre Lebenswelt total. Ich habe einiges Verständnis dafür, sogar Sympathie, - nur: ich kann es nicht so recht ernst nehmen. Denn es ist Showbusiness, es spielt mit dem Schein, mit den Sehnsüchten und Wünschen eines Massenpublikums. Es kommt mir vor wie Theater. Eine Simulation und Verdichtung, nicht das Eigentliche.
Freitag, 18. November 2022
Befreit?
Ob wir das Freiheit nennen sollten? Da ist beispielsweise die Entscheidung, wo jemand sich beerdigen lassen will, zu welcher Gemeinschaft er sich dadurch bekennen oder nicht bekennen will: es gibt also eine Wahl, der sich ein modernes Individuum überall stellen muss. Nicht mehr die Tradition organisiert ein Leben. Dadurch wird keine bestimmte und relativ genau definierte Rolle mehr angeboten, sondern Individuen müssen ständig selbst entscheiden, wer und was sie denn in welchem Zusammenhang sein wollen. Dazu sind wir befreit, aber auch verdammt und verurteilt. Jeder muss sich selbst zu einem „Projekt“ machen, wodurch auch das Risiko des Scheiterns dramatisch steigt. Mutmaßlich hat man unendlich viele Wahlmöglichkeiten, wodurch sich das eigene Leben aber als fortwährend begrenzt erweist. Dies zieht natürlich entsprechende Frustrationen nach sich, was die sogenannte „Frustrationstoleranz“ immer wichtiger werden lässt. Es geht bei diesem Begriff darum, gewisse Fehlschläge in mannigfacher Hinsicht verkraften zu können, mit Bedürfnisverweigerungen von Seiten der Umgebung zurecht zu kommen und die Schere zwischen dem, was man hätte erreichen können, und dem, was man erreicht hat, besser aushalten zu können.
Aber auch das Bedürfnis nach Sinnfindung ist allgegenwärtig. Sinn wird dabei vor allem im persönlichen Bereich gefunden, unter anderem in einem sehr individuell angelegten Glauben an Werte und Normen, der als individuell veränderbar und meinem Profil anpassbar erscheint. Gleichzeitig wächst aber auch der Druck, etwas aus seinem Leben machen zu müssen. Ein Leben in Sicherheit? In mir angemessenen Formen? Ob meine Kraft dafür ausreicht? Wie kann ich angesichts dessen bestehen? Was wird aus mir und wann werde ich es? Wie kann ich mich möglichst optimal entwickeln? Menschen am Anfang ihrer bürgerlichen Existenz und ihres nach einer Initiation wahrgenommen Lebens müssen Antworten ganz alleine finden. Dabei wächst das Bedürfnis nach einem Orientierungsrahmen, einer Vorgabe von außen, die klare Richtungen weist. Selbstbestimmung erweist sich insofern auch als dauernde Last, wird zu einer Aufgabe, der jemand ständig nicht genügt. Orientierung und Reduzierung der Unübersichtlichkeit des Lebens ist gefragt: Freunde und Familie sind hierzulande in diese Rolle der Beratungsinstanz geschlüpft, die anderswo die Religion ausfüllt.
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