Reise durch Wirklichkeiten

Mittwoch, 23. November 2016

Lobbyarbeit

Um Gottes willen! Was ist denn da los? Mit Korruption hat das natürlich gar nichts zu tun! Und natürlich werden "Entgelte" anders bezeichnet, um sie besser den Nichtsahnenden "verkaufen" zu können. Es kommt heraus, dass die SPD gegen Entgelt offenbar Interviewtermine mit Ministern macht. So kann man eine Partei finanzieren. Und das, nachdem Steinbrück sein Bundestags-Abgeordnetenmandat zugunsten eines Beraterjobs bei der Großbank ING aufgegeben hat und der ehemalige Bundeskanzler Schröder jetzt eine zweite Nordstreamgaspipeline durch die Ostsee anstrebt. Zum Thema Parteienfinanzierung wird der Bundestag ja regelmäßig sogar von jener EU ermahnt, die da ja offenbar auch nicht besonders zimperlich ist und sich einen Kommissionschef Juncker leistet. Noch nicht ganz vergessen ist, dass Pofalla vom Leiter des Bundeskanzleramts direkt in den Vorstand der Deutschen Bahn gewechselt ist, gefolgt vom Staatsminister Eckart von Klaeden, der sich direkt zum Autohersteller Daimler AG verändert hat ist und dort jetzt wohl gute Lobbyarbeit mit (zumindest) vielen Verbindungen betreibt. Der Cheflobbyist und Präsident des Verbandes Automobilindustrie, Matthias Wissmann, war ja früher auch mal Verkehrsminister und hat immer noch „hervorragende“ Verbindungen in die Bundesregierung. Welche Auswirkungen das haben kann, mag jetzt in der Klimapolitik der aktuellen Bundesregierung abgebildet sein. Auch nicht schlecht: Dirk Niebel: Der frühere Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit (bis Dezember 2013) heuerte Anfang 2015 (also ein Jahr „Schonfrist“) beim Rüstungskonzern Rheinmetall an. Als Entwicklungsminister hatte der FDP-Politiker auch dem Bundessicherheitsrat angehört. Marianne Tritz: Die langjährige Grünen-Politikerin und Bundestagsabgeordnete wurde im Jahr 2008 Geschäftsführerin des Verbandes Zigarettenindustrie. Die Grünen gehören zu den entschiedensten Verfechtern von Rauchverboten. Die Sachen mit dem EU-Kommissar Oettinger  der Frau Reichert und manchen anderen Damen und Herren mögen angesichts solcher Sachlagen tatsächlich nur noch Petitessen sein. Alles in allem: ob so eine Besinnung auf Grundwerte aussieht, ob so etwas nicht willfähriges Kanonenfutter für Populisten aller Art liefert? Ob solch Gebaren nicht zumindest missverständlich ist? 

Dienstag, 22. November 2016

Almost passed away (MP3)


Almost passed away

by Buranmann

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Almost passed away

Montag, 21. November 2016

Gesundheit!

Was mich empört im „besten Gesundheitssystem der Welt“: ich gehe als vergleichsweise armer Mensch mit einer Erkältung in die Apotheke und muss für die mir empfohlenen Medikamente und Lutschbonbons (sind die überhaupt wirksam?) immer noch fürstliche Zuzahlungen leisten, während neben mir der seinem Limousinen-Dickschiff entstiegene Unternehmer sichtbar ungeduldig wartet. Ob diese Zuzahlungen für ihn genauso viel bedeuten wie für mich? Womit soll ich das bezahlen, was doch meine Gesundheit im besten Gesundheitssystem der Welt stützen soll? Da ist ein stattlicher Betrag zusammen gekommen. Was soll ich tun? Aufgeben und einen Antrag stellen? Oder viele? Noch bin ich nicht so weit. Ob das nicht ein bisschen unsozial ist, wenn wir beide dasselbe zahlen müssen? Natürlich ist in der Apotheke niemand verantwortlich. Niemand ist für irgendetwas verantwortlich. Alle machen nur, wie ihnen geheißen. Der ungeduldige Mann ist sicher privat versichert. Also hat er auch schon einen Termin beim Arzt, weil diese doch von Privatpatienten viel besser abgegolten werden. Wer per Kasse versichert ist, hat Pech gehabt, auch wenn er sich neuerdings bei einer dafür eingerichteten Stelle darüber beschweren darf. 

Sonntag, 20. November 2016

Arm und Reich (2)

Ja wie? Es gebe keine Veränderung des Abstands zwischen Arm und Reich, behaupten interessierte Kreise und führen dazu regelmäßig scheinbar objektiv belastbare Statistiken ins Feld. Ob uns da nicht eine Skepsis angesichts dieser Wissenschaftshörigkeit befällt? Ist Wissenschaft etwas beliebiges? Ist sie Interessen ausgesetzt, ja gelegentlich davon sogar beeinflusst? Kann das sein? Darf das sein? Ob gewisse „wissenschaftliche“ Aussagen nicht regelmäßig gekauft sind, ob „die Wissenschaft“ nicht auch korrupte Seiten hat? Theorie und Empirie, ein schwieriges Verhältnis?
Ob ein statistischer Durchschnittswert auch gelebt wird? Das primitive und sehr anschauliche Beispiel dazu lautet: jemand hat ein Einkommen von 1000 Euro. Ein anderer hat 1 Euro. Über 5 Jahre hinweg hat die erste Person einen Einkommenszuwachs von 10 Euro, verdient nun also 1010 Euro. Das Einkommen der ersten Person stagniert in diesem Zeitraum und bleibt gleich. Rein statistisch ist es diesen beiden Personen dann besser gegangen, ihr Einkommen hat sich erhöht. Blöd nur, dass dies ausschließlich für eine der beiden Personen zutrifft, für die andere nicht. Ob sich's ähnlich mit der Einkommensverteilung in Europa, insbesondere in Deutschland verhält? Neulich musste die Nürnberger Tafel ihren Dienst wegen Überlastung einstellen. Im öffentlichen Fernsehen kam ein kurzes Interview dazu, in dem eine verantwortliche Person die Entwicklung zu kennzeichnen versuchte. Man habe, so diese Person, mit ein paar hundert (die genaue Zahl wurde genannt) zu betreuenden Personen begonnen. Mittlerweile sei man bei 18 000 (aus der Erinnerung genannt) und würde diesen Zuwachs einfach nicht mehr bewältigen. Ob so etwas einen Seitenblick wert ist? Ob dies einen Aussagewert über die reine Stichprobe hinaus hat? Ob es ein Auseinanderdriften bedeutet? Ob wir eine immer extremer werdende Kluft zwischen Arm und Reich haben? Ob auch dies jenen Populismus produziert, der jetzt parlamentarische Demokratien auf der ganzen Welt bedroht? Wenn sich auf der einen Seite irre Reichtümer häufen und andere von Monat zu Monat, von Woche zu Woche, von Tag zu Tag kämpfen müssen, um mit ihren Einkommen auch nur die wesentlichsten Ausgaben bestreiten zu können. Sparen bei Strom und Ernährung: ob angesichts dessen das Label „Bio“ ein bisschen allzu leicht zu propagieren ist? Tatsache ist, das man sich selbst dieses fragwürdige Logo „Bio“ leisten können muss. Es bedeutet ja meist eine Mehrausgabe, die selbst beim sparsamsten Kurs nicht von den anderen Ausgaben abgezwackt werden kann. Da ist es womöglich leicht, locker vom Verschieben von Prioritäten zu schwadronieren. Urlaub, ein Luxusgut? Für die einen Bestandteil des Alltags, für die anderen unerreichbarer Luxus. Ob das Zeichen sind, Signaturen, oder ob es rein zufällig wahrgenommene Dinge sind, die keineswegs zu verallgemeinern und ins noble Reich der Wissenschaft zu heben sind? 

Samstag, 19. November 2016

Beobachtungen zum Heraufdämmern eines Populismus (2)

Was mich an den „Eliten“ und „Entscheidern“ in diesem Staat stört? Ich soll endlich konkret werden? Nur ein paar Beispiele seien genannt, der Alltag sei dabei einbezogen: Die Arroganz von staatlichen Behörden, deren Trägheit aber mit entsprechenden Zuwendungen an die richtige Partei durchaus leicht behoben werden kann. Die vielen Projektentwickler und „Berater“, die sich der Staat angelacht hat und denen er schon aus Vertrauen in die freie Marktwirtschaft (als offiziell ausgegebene Idiologie) glauben will. Die vielen Beamten, die offiziell derselben Beratungsfunktion nachgehen, sehen wohl weitgehend unbeschäftigt dabei zu. Die Verkehrsbehörden, die es darauf abgesehen haben, möglichst viel Geld per Bußgelder zu kassieren, die dafür regelrechte Fangschaltungen (leider kaum vor Kindergärten oder Schulen) installieren, und die auf Kosten ihrer Bürger damit ihren öffentlichen Haushalten nachhelfen wollen. Die schamlose Unverblümtheit, mit der Lobbyisten aller Couleur mittlerweile auf Abgeordnete oft sogar finanziell unterfütterten Einfluss ausüben. Wie sie an Gesetzen nicht nur mitschreiben, sondern wie sie sie selbst verfassen und nur noch „absegnen“ lassen. Ein gewisses Maß dessen sei toleriert, darüber scheinen wir inzwischen aber weit hinaus zu sein. Schleichend unbemerkt und langsam in Gehirne einsickernd scheint sich hier etwas verändert zu haben, was Grenzen überschritten hat und nicht mehr mit Akzeptanz rechnen kann. Mich stört, wie der Staat mit den Pensionen seiner mittleren und Spitzenbeamten umgeht: ihre nach gelegentlich extrem kurzer „Dienstzeit“ kassierten Pensionen übersteigen die durchschnittlichen Rentenbezüge um ein Vielfaches, eröffnen exklusive Lebensperspektiven. Die Verschwendung in den öffentlichen Haushalten (ein Blick in das „Schwarzbuch“ genügt als Beleg), während gleichzeitig der sogenannte „Sparzwang“ Kommunen und öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Altenpflege, Gesundheitsversorgung oder Schwimmbäder geiselt. Das unwürdige und von den Medien gierig verfolgte Geschachere zwischen Bund, Länder und Gemeinden, die sich gleichzeitig und letztenendes ja doch wohl aus dem selben Topf bedienen. Von den öffentlichen Medien beglaubigt und bekräftigt, scheint solches Geschachere inzwischen Hauptbeschäftigung gewisser Organe und Gremien zu sein. Zusätzliche EU-Gelder wirken oft verschärfend. Der Einfluss der Lobby scheint hier auch beständig größer geworden zu sein, der ehemalige Kommissionschef Barroso wechselt ohne jede Scham nach seinem „Abtritt“ als Kommissionsboss zur amerikanischen Großbank Goldman Sachs, von der unter anderem der EZB-Boss Draghi ja sowieso gekommen ist. Das Beiseiteschaffen von Geldern der Mächtigen und Reichen in Steueroasen, gegen die jedenfalls öffentlich sichtbar oder wirksam kaum vorgegangen wird. Erinnert sich noch jemand an die „Panama Papers“? In Jahresrückblicken wird es noch einmal auftauchen. Danach wird das Thema nach ausgelebter Empörung und Wut erst mal untergehen. Die Aufmerksamkeitsspanne reicht nicht aus und wird geflutet. Welche Namen dabei wohl eine Rolle spielten? Schon vergessen. Das völlig ungenierte Protegieren der Automobilwirtschaft, deren Verbrauchs- oder Abgaswerte geschönt oder von vornherein verschwiegen werden. Dass offenbar solche Vorgänge von öffentlichen Stellen und Funktionsträgern völlig schamlos und mit dem ständig vorgebrachten Arbeitsplatzargument gedeckt werden. Das „Gesundheitsargument“ scheint dabei keine Rolle zu spielen. Interwiews oder überhaupt: jegliches öffentliches Informationsbegehren, das nicht gelent ist, geformt, in Bahnen geleitet,  wird schamlos blockiert. Wachstum um jeden Preis scheint die ausgegebene Doktrin. Das Primat des Ökonomischen, und sei es noch so sinnlos, scheint das herrschende Dogma zu sein, das alles andere gnadenlos und unbarmherzig verdrängt. Den jeweils Anderen mit allen Mitteln übers Ohr zu hauen, diese Maxime schafft ein ganz bestimmtes soziales Klima, das nicht nur mir nicht behagt. 

Freitag, 18. November 2016

Spritverbrauch

Dass die Automobilhersteller offenbar auch bei den Spritverbrauchswerten tricksen, dass sie Werte ausweisen, die sich auf vergleichsweise weltfremde Testsituationen beziehen, kann so recht niemanden überraschen. Es hat sich doch annähernd jeder Neuwagenbesitzer in der Vergangenheit gewundert, was denn seine Kiste so in Wirklichkeit schluckt. Es scheint als einen zunächst verwunderten, dann aber als Tribut an die Wirklichkeit hingenommenem Seitenblick wert gewesen zu sein, nicht mehr...... Nun liegen öffentlich sichtbare Fakten auf dem Tisch. Oh weh, es geht um Arbeitsplätze hört man da den Wirtschaftsminister schon wieder öffentlich schwadronieren, während die Umweltministerin mit hohlen Versprechungen und einem schlechten Gefühl zu einer weltweiten Tagung fliegt. Der Kerosinaufwand ist ja ohnehin (vom Steuerzahler) geschenkt und von parteipolitisch exakt funktionierenden Hierarchen artig abgenickt Der Verkehrsminister weiß wie immer von nichts und gibt dazu keine Auskunft. Aber ein TTIP-Abkommen muss her, sagt die Industrie. Wer zum Teufel ist "die Industrie"? Sind es nur die Unternehmen oder auch die durch sie Beschäftigten? Wer ist ein Unternehmen, wer stellt es dar? Bei VW wird eine Pressekonferenz veranstaltet, bei der offenbar verkündet wird, dass bis zu 30 00 Leute entlassen werden sollen, auch wegen gravierender Fehler und Betrügereien des Managments. Bei den hektischen Personalwechseln der letzten Jahre ist das gar nicht so leicht zu sagen, wer oder was ein Unternehmen ist. Meist sind es Funktionsträger, die sich gegenseitig als Managment in ihrer unangreifbaren Gültigkeit abstützen. Dax-Konzerne haben keine Gesichter, werden von keinen verantwortlichen Unternehmern geführt, höchstens von Geschäftsführern und Vorständen. Sie wiederum sind auch nur, wie sie gerne behaupten, den globalen Profitinteressen verantwortlich, - und nichts anderem. Wer also sind die Automobilhersteller? Gesichtslose Verbünde und Kapitalzusammenballungen? Mit Funktionsträgern im Vordergrund, die eine Zeit lang für gute Kohle eine Marke repräsentieren, ehe sie von einem unzufriedenen Aufsichtsrat gegen gute Abfindungssummen abberufen werden, um sofort bei der Konkurrenz einzusteigen? Oder etwas, von dem gewisse Schichten in unserer Gesellschaft mehr profitieren als andere Schichten?

Donnerstag, 17. November 2016

Beobachtungen zum Heraufdämmern eines Populismus

Ich stehe an der Seitenauslinie und beobachte eine Entwicklung: Ganze Gegenden und Regionen werden abgehängt, Krankenhäuser, Banken, Gerichte, Arztstandorte werden geschlossen, Verwaltungseinheiten „rationalisiert“ und neu organisiert oder „gestrafft“. Es wird sich neu aufgestellt nach Kriterien, die keiner erklärt. Die Wirtschaft macht Profit, wie vom System vorgesehen und politisch gewollt. Sie spielt mit und übt (ihren) Einfluss aus. Betriebe, Firmen, Unternehmen, Konzerne. Behörden geben sich arrogant, fahren Doktortitel und Professoren auf, sie verfügen, beschließen, setzen durch, entscheiden einsame Beschlüsse, schieben Sachzwänge vor, sehen die Verantwortung bei anderen, verschanzen sich hinter juristischen Phrasen, die niemand versteht. Die Infrastruktur gewisser (vor allem ländlicher) Gebiete verfällt aber während dieser Zeit regelrecht,....
Ministerpräsidenten und politische Entscheidungsträger fahren mit riesigem Gefolge, mit Referenten, Sprecher, Polizei und Sicherheitsleuten in Kolonnen riesiger Limousinen vor und vorbei und vorüber, machen Termine zu Gesprächen aus, die sie sodann nicht einhalten. Sie blocken ab, beschwichtigen, wiegeln ab, nutzen die Lage (aus), versuchen, Stimmen zu gewinnen, Bürgerinitiativen zu beschwichtigen, sie demonstrieren Bürgernähe und „Stallgeruch“, sie stellen das dar, sie simulieren, sie lächeln in Kameras und geben Statements ab, sie sind bei „Events“ dabei, lassen sich Unterschriftenlisten unterbreiten oder vorlegen, sie schütteln Hände, lassen sich erklären, hören professionell zu und  „fischen ab“. Fahren wieder ab in Richtung ihrer Festungen, die sie vor allem Berlin und der nächsthöheren Hierarchiestufe zu erklären haben. Örtliche Vertreter der Parteien führen Gespräche, machen sich gemein, sind dabei, geben sich demokratisch und volksnah und – können offenbar doch nichts tun. Die Durchlässigkeit von Informationsebenen ist halt nicht ganz gewährleistet. Die Strukturen der scheinbaren „Alternativlosigkeit“ und der Sachzwänge sind scheinbar stärker. Ignoranz und Arroganz der Macht, auch wenn sie scheinbar nur auf Zeit verliehen ist, waltet und breitet sich aus, sie tötet ab, produziert Wut und Resignation.Abstände zwischen Lebenswelten werden größer. Anliegen werden zeredet in Gesprächen mit Nach- und Untergeordneten, mit lakaienhaft funktionierenden Untergeben des Apparats, der in sich aufgesaugt hat, sie verpuffen, prallen an staatlich wohlbestallter und pensionsgestützter Ignoranz ab. Die Verbindung der Kommunalvertreter oder Kommunalpolitiker „nach oben“ scheint nicht sehr von Einfluss geprägt zu sein. Vertreter von Bürgerinitiativen und Begehren der „Zivilgesellschaft“ sind hilflos. Mitglieder einer rechtsgerichteten Protestpartei nutzen die Lage der Unzufriedenheit aus, geben sich volksnah, nutzen die Lage mit allerlei populistischen Methoden, sind dabei, sind anwesend, wenn sich etwas regt und tut. Sie saugen ein Potential der Unzufriedenheit auf, sie absorbieren Stimmungen und nutzen sie für ihre Ansichten aus. Sie setzen sich für lokale und regionale Belange ein, sie sind bei Protestversammlungen gegen Schließungen und Verödungen der Infrastruktur dabei, sie sind dabei beim „Begehren“ und scheinen sich für direkte Demokratie einzusetzen und werben für ihre Partei. Sie formulieren in Reden mit steilen Thesen, wie sie die Lage einschätzen. Sie wiegeln auf und zentrieren den Protest, sie geben ihm Ausdruck, sie geben sich lebensnah heimatverbunden und gießen daraus volkstümliche Reden. So werden langsam Prozentzahlen, Einfluss und Macht daraus. So breitet sich Populismus aus. 

Mittwoch, 16. November 2016

Industrie 4.0

"Industrie 4.0": Das soll die 4. industrielle Revolution bedeuten. Technischer und gesellschaftlicher Wandel. Großzügiger Robotereinsatz, Internet der Dinge, industriemäßiger Einsatz von Künstlicher Intelligenz, automatische Fertigung. Wegfall von primitiven Arbeiten, aber auch von vergleichsweise anspruchsvoller Dienstleistung. Kurzum: der Wegfall von Millionen Jobs. Asiaten sollen da weit vorne sein, heißt es. In Japan soll Industrie 4.0 bereits schon zu großen Produktionsfortschritten geführt haben. Jetzt mitmachen, sonst droht eine Niederlage, so tönen die Unternehmensberater allenthalben. Es könnte eine Beschäftigungskrise von nie da gewesenem Ausmaß bedeuten. Wer werden die Gewinner sein, wer die Verlierer? Produktionsstätten modernisieren oder gleich neu bauen. Mitarbeiter neu qualifizieren oder gleich neu finden, "erfinden". Deutliche Reduzierung von Beschäftigten. Ob das eine Erhöhung der Produktivität der Wirtschaft bedeuten würde? Wem das wohl nützen würde? Den Unternehmen, klar. Aber auch einer ganzen Volkswirtschaft? Ob der Kuchen der Arbeit somit noch kleiner würde? Ob Arbeit an sich dann nicht vollkommen neu zu bewerten wäre? Ob nicht große soziale Spannungen zu erwarten sind, wenn immer weniger Leute scheinbar wichtige Vollzeitjobs haben und die anderen gar nichts oder "Prekäres"? Ob das nicht einen Einfluss auf die Rentenproblematik haben dürfte? Wenn immer weniger Leute immer mehr Güter herstellen. Ob man so etwas nicht als Steigerung der Produktivität bezeichnet? Für dieselbe Wirtschaftsleistung immer weniger Arbeitskräfte benötigen? Ob so etwas, auch noch in diesem krassen Ausmaß!, nicht helfen könnte, gewisse demografische Problem und damit zusammen hängende Rentenprobleme zu entschärfen? Fintech ersetzt jetzt schon angestammte Bankendienstleistung und lässt wohl nur die Spitze eines Eisbergs ahnen. Wie wird wohl die Legitimation der wenigen Arbeitsplatzbesitzer ausfallen? Wie werden sie es rechtfertigen vor den anderen, die nichts haben werden? Ob die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen dadurch neu entfacht und vorwärts gebracht würde? Gewisse einflussreiche Kreise im Silicon Valley argumentieren schon genau damit als einer Selbstverständlichkeit. Welche Konsequenzen das wohl auf unseren Alltag hätte? Ob nicht Wert und Ziele wie „Selbstfindung“, „Selbstverwirklichung“, „karitative oder soziale Mitarbeit“ dadurch eine neue Bewertung erfahren würden? Ob nicht überhaupt unser Alltag und die damit verbundenen Lebenswelten neu strukturiert sein würden?

Dienstag, 15. November 2016

Obsoleszenz (3)

Obsoleszenz hat auf sehr direkte Weise mit dem Bestreben nach Profit zu tun, dem Hauptanliegen von Managern eines Produktes. Wenn ich die Qualität dieses Produkts langsam sinken lasse, wenn ich z.b. Kunststoff statt Metall verarbeiten lassen, was tendenziell billiger ist und auf diese Weise die Kosten senkt, so spare ich ein und senke die Qualität des Produkts, ohne dass es der Konsument merken kann. Der Wettbewerber macht natürlich genau dasselbe. Der Konsument müsste, um die Qualität eines Produkts halbwegs glaubhaft abschätzen zu können, Parameter wie „Betriebszeit bis zum möglichen Defekt“ kennen. Da er dies aber nicht tut, ist er den Mechanismen des gewollten Verfalls schutzlos ausgeliefert. Was ist ökonomische Logik dabei? Beispielsweise: ein gesättigter Markt. Wie kann ich den Profit anheben? Durch die schlechtere Verarbeitung von Produkten, durch die Einsparung bei den verarbeiteten Teilen, was eine unmerkliche Abwärtsspirale in Gang setzt, die zur Folge hat, dass Produkte immer schneller defekt sind und ersetzt werden müssen. Einzige Bedingung: der Kunde darf es nicht merken. Denn ansonsten würde er zur Konkurrenz wechseln, die dasselbe Spiel jedoch schon längst auch praktiziert. So können die nach außen (im „Markt“) sichtbaren Kosten gehalten werden und der Gewinn kann trotzdem gesteigert werden.  

Montag, 14. November 2016

Postfaktizismus und Protest

Ob dies ganze, von mir in vielen Blogs skizzierte Szenario etwas mit dem Zulauf zu „Protestparteien“ zu tun hat? Was soll man wählen, wenn man nicht einverstanden ist mit dem Filz der Parteien, die alles zu kontrollieren scheinen, was mit der Öffentlichkeit in dieser parlamentarischen Demokratie zu tun hat? Muss deshalb eine Sympathie für irgendwelche Dumpfbacken vorhanden sein, die sich als eine Art Schwamm dieses Protests gerieren und sein Potential in sich aufsaugen? Die mit rein emotionalen Gegebenheiten agieren? Also keineswegs „Body and Soul“? (was man wohl jetzt "postfaktisch" nennt!) Die die Wirklichkeit nach ihrem Belieben deuten und sich so an den nicht nur in den USA, sondern überall grassierenden Postfaktizismus anhängen? Diese Frage stellt sich leider in ganz Europa. Was wohl die Gründe dafür sind? Ob sich allmählich eine verkrustete und sehr auf Machterhalt bedachte Klasse in dieser Gesellschaft als „Elite“ aufspielt? Die soziologisch so bezeichnete vertikale Durchlässigkeit der Gesellschaft hat vielen Untersuchungen gemäß und auch vom Gefühl her gerade in Deutschland stark nachgelassen. Ob es eine Herrschaft der Unfähigen und Abzocker gibt? Wie wohl das globale Großkapital mit solchen Gegebenheiten umgeht? Ob hier Lebenswelten entstehen, die sich auf nichts anderes als auf Beziehungen, Abhängigkeiten, Macht und Geld gründen? Mit eigenen Bezüglichkeiten, mit Werthaltungen, mit einem speziell gezüchtetem Bewusstsein und einem Selbstverständnis, das von denen, die oft und bestenfalls zu puren Serviceleistern herabgewürdigt werden, viel zu oft mitgetragen wird. Ob dabei der alte amerikanische Traum eine Rolle spielt, man könne alles schaffen, wenn man es nur wolle? (wohin dies führt, war bei den jüngsten Wahlen zu bestaunen...) Wie wohl hierbei der oft missbrauchte Begriff „Leistung“ seine Rolle spielt? Ob auch dies eine gewisse Form und Phase des Neoliberalismus charakterisiert? Wer wohl etwas davon hat? Ja klar ist das in anderen Nationen noch viel viel schlimmer! Aber wollten wir ohnehin nicht etwas weiter sein? Fühlen wir uns nicht als Hort eines demokratischen Versprechens? In einer wohlbestallten Gesellschaft, die sich dauernd einredet, im "globalen Wettbewerb" besser zu sein?  

Sonntag, 13. November 2016

Fernsehdiskussionen

Ich wachte nachts auf, konnte nicht einschlafen. Lesen? Nein, zu müde.... Also eine TV-Sendung ansehen, die ich aufgezeichnet hatte. Ich wählte „Anne Will“ vom vorvergangenen Sonntag, eine Sendung, die sich offenbar mit der Zukunft unserer digitalen Welt befassen wollte. Da saßen die Lobbyisten und Propagandisten dieser digitalen Welt, tauschten Ansichten aus und waren sich sogar mit der frisch gebackenen SPD-Landesvorsitzenden einig: die digitale Welt wird kommen, egal, was sich tue. Arbeitswelt 4.0. olé! Wie ein Schicksal, wie eine Verdammnis wird sie über uns kommen. Es gilt nur, die sozialen Auswirkungen halbwegs abzumildern, sich anzupassen mit allem, was uns gerade noch so möglich ist. Dies (und nur dies!) sei der Fortschritt, so die Botschaft. An der Seite des Halbkreises saß Manfred Spitzer, jener Gehirnforscher aus Ulm, der es gelegentlich wagt, die Stimme gegen solche scheinbaren Zwangsläufigkeiten zu erheben und von der Gehirnforschung aus zu argumentieren. In der Mitte, wie immer, eine scheinbar souverän grinsende und selbstgefällig selbstzufriedene Moderatorin, die versuchte, das Gespräch in ihrem Sinne zu lenken. Alleine schon das gab einen Einblick in den TV-journalistischen Alltag: es gilt Kompetenz darzustellen, auch wenn sie gar nicht da ist. Was zählt, ist der Eindruck von Weltläufigkeit und einem Überblickertum, das "gewöhnlichen" Menschen weit überlegen ist. Von diesem Standpunkt aus gilt es, die richtigen Akzente zu setzen, Allgemeinverständlichkeiten herzustellen und ein Thema zu verfolgen, andere Menschen und Ansichten in die richtige Richtung zu lenken (was meist heißt, ihnen ins Wort zu fallen...). Die auf mich selbstgefällig wirkende Art, in der diese Dame regelmäßig agiert, ist mir schon oft etwas unangenehm aufgefallen. Aber soll's, solange die Quoten stimmen? So etwas werden die durch GEZ-Gebühren abgesicherten ARD-Hierarchen wohl gedacht haben. Nach einer durchaus längeren Zeit, in der Spitzer nicht zu Wort gekommen war (ob das die feine Art der Gesprächsführung ist?), verschaffte der sich selbst das Wort und warf seinem Gegenüber unter anderem „Ahnungslosigkeit“ vor. Dies wollte der nicht auf sich sitzen lassen und warf Spitzer nun wieder überlegen grinsend „schlechte Manieren“ vor, worauf ihm der FDP-Vorsitzende lässig assistierte. Anschließend wurde in einer seltenen Einigkeit über Spitzer hergefallen, die diesen sichtlich erboste. Was hier aufeinander prallte, waren Vertreter verschiedener Weltsichten, die sich gegenseitig Ignoranz vorwarfen, weil sie sich keinen Schritt weit auf jemanden anderen einlassen konnten oder wollten. Dies ist in Talkshows so üblich und nichts Erwähnenswertes. In diesem Falle war es der nach meiner Einschätzung aber völlig inkompetenten Gesprächsführung geschuldet, die von vornherein und gut erkennbar eine bestimmte Meinung darstellen lassen wollte, während sie andere Ansichten für abseitig hielt. Ob nun Spitzer recht oder unrecht hat, ob er gute oder schlechte Manieren ausstrahlte, mag dahingestellt sein. Ihn aber über dermaßen lange Zeit mehr oder weniger ruhig zu stellen und nicht zu Wort kommen zu lassen, entspricht meiner Meinung nach nicht einer kompetenten Gesprächsführung und verrät einen Mangel an Empathie, der beachtlich ist. Wie es auch laufen kann, zeigte der Auftritt einer vollverschleierten Dame in der darauf folgenden Woche, die sich so ausführlich so artikulieren konnte, dass dies anschließend ein sehr beachtliches öffentliches Echo fand. Dies mag wohl der Hauptzweck dieses Auftritts gewesen sein und mag die Will-Redaktion genauso wie die durch die Schleier-Dame vertretenen Kräfte befriedigt haben. Die Hauptfrage aber ist doch: ist die sogenannte Digitalisierung etwas, was über einen wie ein Schicksal hereinbricht, - oder ist es erlaubt, die eine oder andere kritische Frage dazu zu stellen, die eine oder andere Einwendung dazu zu haben? 

Samstag, 12. November 2016

Kritik

Ich stelle etwas fest, was mich dann doch stark verwundert. Wer es wagt, die „Eliten“ zu kritisieren, wer etwas gegen sie und ihre Legitimationen hat, wird sofort in eine rassistische und totalitäre Ecke gestellt. Ob das der Weg einer wehrhaften Demokratie ist, oder ob sich „Eliten“ mit all ihrer Power damit vor Kritik schützen wollen? Enttäuscht zu sein von den „etablierten Parteien“ ist nicht mehr in, - so die Suggestion. Kritik lohnt sich nicht und schadet nur der Demokratie. Die Frage erhebt sich, welche Rolle wohl Kritik in einer Demokratie spielt. Welche Rolle sie überhaupt in der Fortentwicklung und Dynamik einer Gesellschaft spielen kann. Gibt es einen Käfig, der „political correctness“ heißt? Wer bestimmt seine Inhalte? „Eliten“? Welche? Wer immer herunter bügeln, öffentlich in seinem Sinne bearbeiten oder moderieren will, der steht eines Tages vor einem Scherbenhaufen: aktuelle Beispiele gibt es genügend. Doch was bei einer öffentlichen Erregung heraus kommen kann, das zeigt die aktuelle Entwicklung auch und ist hochgradig erschreckend.  

Freitag, 11. November 2016

Eine deutsche Partei

Da ist eine deutsche Partei, die einst auf der außerparlamentarischen Opposition fußte und dabei nicht mit zimperlichen Mitteln hantierte. Sie gibt sich heute extrem staatstragend und glaubt, mittels ihrer Repräsentanten Respekt und „seriöse“ Umgangsformen einklagen zu können. Sie gehört offenbar mittlerweile voll zum früher heftig kritisierten Establishment. Vom einen Extrem ins andere, so möchte man beklagen. Wäre doch soooo radikal nicht nötig gewesen. Alles, was nicht ihrer Meinung entspricht, wird derzeit ausgegrenzt und allzu gerne den „Nazis“ oder dem Begriff „rassistisch“ zugeordnet. Von Basisdemokratie und Mitbestimmung des Volkes (früher eines ihrer wichtigsten Anliegen) ist sowieso kaum mehr die Rede, eher von einer möglichen Koalition mit dem einstigen, heftig bekämpften Mitbewerber, der das Volk auch schon mal mit der Polizei und Wasserwerfern bekämpfen lässt. Da ich in der Gegend von Stuttgart wohne, kann ich hier auf einschlägige Erfahrungen verweisen. Ansonsten scheint dieser "Wettbewerber" als einzige Fraktion des Bundestags, die sich keinerlei Gedanken um plebiszitäre Elemente im Grundgesetz zu machen scheint, der Meinung "Vox populi, vox Rindvieh" zu sein (ich muss "scheint" schreiben, aus juristischen Gründen). Einstige wichtige Entscheidungsträger sind inzwischen Berater bei der Großindustrie und lassen sich es sehr sichtbar gutgehen. Währenddessen will ein politisch korrekt geschniegelter und gestylter Justizminister in Ausnahmefällen (Ausnahmen!, nun ja, die natürlich meist gewährt werden!) die Kinderehe von 16- bis 18jährigen Frauen zulassen. Ob das dann multikulturell political correct ist? Seine Partei findet das gut und korrekt. Hauptsache! Was „political correctness“ bedeutet, definiert vor allem eine gewisse selbst sich so erklärende und verklärende "Elite" (mitsamt dem feinen Justizminister), deren Angehörige hauptsächlich der "richtigen" Partei angehören sollen und dieser "richtigen" Meinung sein sollen. Was in deren Weltbild passt, soll gefälligst „korrekt“ sein, was abweicht, gilt als „unkorrekt“. Gerne wird auch „konstruktive“ Kritik eingefordert und ein sehr ernstes Gesicht dazu gemacht. 

Donnerstag, 10. November 2016

Obsoleszenz (2)

Was Obsoleszenz ist? Drucker gehen blitzschnell kaputt und sind nicht zu reparieren. Die Tonerkartuschen darin melden, sie seien leer. Lässt man das Gerät aufschrauben, so kann sich herausstellen, dass sie gar nicht leer sind und bei entsprechender Manipulation und Neueinstellung des dazu gehörigen Chips noch lange Dienst tun können. Zwei Drittel aller Flachbildschirme fallen irgendwann aus, weil Elcos kaputt gehen. Diese Teile sind sehr billig, aber in den Geräten oft auffällig falsch verbaut oder falsch dimensioniert, so dass sie in absehbarer Zeit kaputt gehen müssen....., - müssen? Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt. Beispiel Waschmaschinen: früher hat man sehr viel mit Stahl und Eisen hergestellt. Heute ist das oft aus Kunststoff, was die Haltedauer deutlich absenken kann. Ersatzteile sind meist sehr teuer oder von vornherein nicht zu beschaffen. Sie sind billiger klar, halten aber auch nicht lange. Spezialisten rechnen aus, was dies der Firma am Gewinn bringt. Handys? Smartphones? Akkus sind oft fest verklebt, so dass gar keine Alternative zum Neukauf bleibt. Auch werden gerne bizarre Schräubchen und Gewinde eingesetzt, die jede Reparatur von vornherein unterbindet. Erstaunlich auch Glühbirnen. Vom Bauprinzip her könnten sie ewig halten. Doch 1926 trafen sich die Vertreter der Herstellerfirmen und verabredeten, dass eine Glühbirne nicht mehr als 1000 Stunden halten solle, - was bis heute gilt, selbst unter den Bedingungen, die nach der EU-weiten Abschaffung der Glühbirne zugunsten einer meist Quecksilberhaltigen und deshalb schwierig zu entsorgenden „Energiesparlampe“ gelten. Wie man wohl so etwas nennt? Ob der Begriff „Kartell“ angemessen ist? Ob durch solche Verabredungen und Beeinflussungen von Haltbarkeit der Umsatz der Firmen angekurbelt werden soll?  Insbesondere der Gewinn? Wem das wohl nützt? Wer sind „die Konzerne“? Sind das Kapitalzusammenballungen, Organisationen, die sich zum Ziel gesetzt haben, möglichst viel Gewinn zum Nutzen ihrer Aktionäre zu machen? Ob Obsoleszenz öffentlich diskutiert wird? Welche Rolle dabei die EU spielt? Nichts Genaues weiß man dort nicht. Es gibt Grenzfälle. Abwiegelungen. Da sind Mutmaßungen, Indizienbeweise und Ähnliches. Die Entscheider mauern gewaltig. Es wird nichts zugegeben und alles bestritten, was Obsoleszenz angeht.  

Mittwoch, 9. November 2016

Wahldebakel

Es scheint mich schon gestern das befallen zu haben, was die meisten politisch denkenden Leute heute befallen hat: Schockstarre. Mir schwante Übles. Der Brexit war das Modell dafür. Die Welt scheint sich nun tatsächlich über Nacht radikal geändert zu haben. Spätestens jetzt muss sich Europa unbedingt finden! Doch die politische Klasse veranstaltet Sitzungen und Meetings, bei denen nichts herauskommt. Ob Umwelt mit Klimakatastrophe, Rente, Bundespräsident oder Supermarktgeschachere: Leerlauf, Verschiebungen, Eiern, leiern, - Nichts. So kann das nicht weiter gehen, denken sich viele. Nicht mal Bundespräsident will jemand werden. Auch die EU macht keinerlei Anstalten, die Bedeutung des Brexit für sich zu bewerten. Sie scheint einfach weiter zu machen wie bisher. Wohin dies führen kann, machen jetzt gerade die USA vor. Als sehr ernstes Warnzeichen wird die Wahl von den politischen Entscheidern aber nicht verstanden. Eher als Unfall. Wenn es schlecht läuft, dann wird diese hohle „politische Elite“ auch in Europa weggefegt werden. Einfach, weil sie leer ist. Weil die Küngelei und gegenseitige Bevorteilung bis hin zur Korruption über ihr schwebt, weil sie das Volk, vox populi, nicht mehr hinter sich zu haben scheint.Weil sie die digitale Welt nicht verstanden hat. Und ihr das alles offenbar völlig egal ist. Es profitieren davon faschistische und rassistische Autoritätsfiguren ohne jede Manieren. „Durchsetzungsstarke“ Personen ohne jede Moral.  

Sonntag, 6. November 2016

Wem Palmöl nützt

Palmöl? Wichtig für den Biosprit in den Industrieländern. Seine nachhaltige Gewinnung z.b. in Borneo oder auf Sumatra soll durch einschlägige Zertifikate garantiert werden. Problem nur, dass nicht ganz klar scheint, was die Zertifizierung eigentlich zertifiziert. Ob etwa riesige Monokulturen als „nachhaltig“ bewehrt sein können? Welcher Begriff von „Nachhaltigkeit“ da wohl dahinter steckt? Ob etwa Zuwiderhandlungen mit Sanktionen belegt sind, also bestraft werden? Dies scheint nicht unbedingt so. Und weil der größtmögliche Profit für alle Konzerne die Leitlinie abgibt, wird dies wohl letztenendes auch hier die Leitlinie abgeben. Hm. Und wenn jemand expandieren will, - für alle wohlmeinenden Müslis, besonders in den Industriestaaten, dann tut er es einfach.... ist ja nicht ausdrücklich verboten.....Leidtragende sind unter anderem die Urang Utans, die deswegen wohl aussterben müssen. Leidtragende sind wohl genauso diejenigen Einwohner, die sich noch gegen die Palmölfirmen wehren. Der ganze abgeholzte Regenwald schneidet dabei womöglich mit allen ökologischen, menschenrechtlichen und sozialen Auswirkungen nicht besonders gut ab. Es wird immer weiter geholzt, aufgekauft und mit schweren Maschinen platt gewalzt. Eine kleine Minderheit profitiert davon, eine große Mehrheit leidet womöglich darunter. Das Modell hat sich marktwirtschaftlich „bewährt“ und wird offensichtlich flankierend mit allerlei Einschüchterungsmethoden flankiert. An was ich mich erinnere: Etwa 70 Prozent des Regenwalds sind bereits weg. Die Natur verschwindet, damit Regierungen der Industriestaaten zusammen mit ihren europäische Ökos „umweltschonend“ Biosprit fahren können. Bei der EU wird das Thema weitgehend totgeschwiegen, obwohl inzwischen eine Studie vorliegt, die darlegt, dass einige Arten von Palmölsprit etwa 80% schädlicher für die Umwelt ist, als fossiler Sprit. Er hat demnach mit Abstand die schlechteste Energiebilanz aller Rohstoffe. Die EU freilich hat mit ihrer Komission wohl wider besseres Wissen längst beschlossen, wie es nach 2020 mit den erneuerbaren Energie weiter gehen soll. Wichtig scheint nur zu sein, dass in Europa von einer kleinen Schicht und den Konzernen möglichst viel verdient wird. Nun ja, was will man erwarten von einer Komission, deren ehemaliger Präsident Baroso unlängst bei Goldmann Sachs angeheuert hat und deren aktueller Präsident Jean-Claude Juncker heißt, der als Regierungschef in Luxemburg wohl jahrelang eine Steuervermeidungsstrategie für Großkonzerne befördert hat. Wenn es ums Geld geht, ist der Umweltschutz halt zweitrangig. Der Einfluss der Automobillobby erscheint da recht zuverlässig.

Freitag, 4. November 2016

Mutiger Martin

Heute schieben Manager gerne alle Einwände und Kritik mit dem Hinweis „das ist der globale Wettbewerb“ ab, während ihre untergebenen Mitarbeiter (die solche mäßigen Lenkungsleistungen gegenüber „dem Kunden“ oft zu vertreten und zu verantworten haben...) einem regelmäßig den erst bedauernden und dann wütenden Bescheid stoßen „Wissen Sie, da können wir nichts ändern“. "Wir führen auch nur aus...". Junker Martin Luther war anders. Der Mythos des heutigen globalen Wettbewerbs hieß bei ihm damals „Kirche“, die alles wusste und der alles, wirklich alles überantwortet war, vom Tagesablauf, der Bildung (die natürlich dem Klerus vorbehalten war) bis zu den letzten Dingen. Er aber glaubte nicht an diese Mechanismen und hinterfragte, jawohl, er stellte in Frage, er hatte Mut und begehrte auf....er ging damit heraus aus dem Privaten und wurde darin sogar sehr öffentlich. Er beugte sich nicht der Macht, er leistete sich den Trotz des Individuums, er entlarvte gängige Phrasen, denkfaule Klischees und versuchte, die Masse der Gläubigen zur Substanz der Bibel zurück zu führen....er glaubte nicht an den Popanz sondern an die Heilige Schrift. „Hier steh ich nun und kann nicht anders...“: Stark, - das nötigt mir tiefe Bewunderung ab und kann im Verhältnis 1:1 auf das Heute übertragen werden.

Donnerstag, 3. November 2016

Was ich hier mache

Was ich hier mache? Ich greife etwas aus der Flut von Informationen, Meinungen, Einschätzungen und Aussagen heraus, die täglich auf uns einstürmen. Von „Experten“, Wichtigtuern, Meinungsstreuern, -bestätigern, Multiplikatoren und vielen anderen. Das große Rauschen halt. Aus irgendeinem Grunde ist sie an mir hängen geblieben, diese Meinung, hat sich in meinem Hirn verhakt. Ich schreibe sie auf, versuche, sie mir bewusst zu machen. Es gehen mir bestimmte Sachen eine Zeit lang durch den Kopf. Also versuche ich mich zu erinnern, versuche möglichst genau zu recherchieren, - und dann aufzuschreiben. Nicht immer kann dabei das Copyright-echte und auf jede journalistische Nachfrage korrekt Beantwortbare heraus kommen. Ein zugestandener Mangel, gewiss. Auch ist nicht alles in mir selbst gewachsen. Keineswegs. Ich gebe mir im Hinblick darauf jedoch alle Mühe, allein schon, um mich nicht angreifbar zu machen. In erster Linie versuche ich dabei ohnehin, eigene Gedankenfrüchte aufzunehmen. Reaktionen. Einstellungen. Haltungen. Sichtweisen. Gelegentlich versuche ich aber auch das aufzunehmen und hier zu deuten, was mich „aufgekratzt“ hat, was an mir hängen geblieben ist, was mich freut, was mich ärgert, was mich provoziert. Ich versuche dann daran das zu finden, was alle betrifft, was gesellschaftliche Lebenswelten prägt, was Einfluss auf uns als Gesellschaft hat, wie wir leben (müssen), ob wir wollen oder nicht. Machtstrukturen, schichtspezifisch typische Einstellungen, sozial geprägte Meinungen, ökonomische „Verdichtungen“: alles kann hier Eingang finden. Ich versuche auf diese Weise eine Reise durch Lebenswelten und den mit ihnen verbundenen Lebenswelten zu machen. Empathie einüben. Ich nehme dabei Informationen auf, versuche über meinen Tellerrand zu schauen und zu staunen. Aber ich versuche auch, mich auf das zu verlassen, was ich kennen gelernt habe.

Mittwoch, 2. November 2016

Räusche

Billigen italienischen Wein der Marke „Soave“ gesoffen und mich dabei an meine Jugend erinnert. Wir soffen das Zeug damals aus EU-Beständen. Bis zum Erbrechen. Bis zum Koma. Viel zu oft. Das war der Gesundheit nicht gerade förderlich. Aber wer schert sich darum, wenn er jung ist? Klar, wir haben ja nur das Angenehme wahrgenommen. Heutzutage saufen diejenigen, die es sich leisten können, teuren Barolo aus der Toskana, „Chateau Mouton Rothschild“ aus der Gegend um Bordeaux oder wie das Zeug alles heißt. Sie haben was davon. Das Zeug ist ja wirklich gut. Mir hingegen geht es jetzt schlecht, ich scheise schleimig und ich nehme es immer noch nicht so einfach hin, dass es so ist. Ich kenne den Geschmack, den man auch haben kann, wenn man ihn sich leisten kann. Ich habe auch die Leute kennen gelernt, die so etwas wie selbstverständlich zu sich nehmen. Die sich abschotten können im Genuss. Das ist immerhin besser als alte Sportwagen sammeln, Oldtimer. Kann auch ein Hobby sein. Technikbegeisterung, gerade dann, wenn man selbst ein Oldtimer ist. Dann hat man die Zeit un d das Geld und die Muse dazu. Ich beobachte das.  

Dienstag, 1. November 2016

"Schlitzaugen" und andere Phänomene

Der EU-Digital-Kommissar Oettinger schwadroniert über „Schlitzaugen“ und weiß unter diesem eher rassistischen Blickwinkel nicht wirklich viel Positives über diese Schlitz-Leute. Er kommt damit eine Zeit lang ein bisschen ins Gerede, wird daraufhin dann zum Haushaltskommissar befördert. Die EU (die es leider geschafft hat, sich über die Medien mit Europa gleichzusetzen) hat 50 000 Beschäftigte, davon verdienen 5000 mehr als die Bundeskanzlerin. Meist tun sie nichts. Ja, so dumpf plakativ kann man das sagen. „So lange sie keinen Schaden anrichten“, mag man da sagen. Das tun sie aber schon gerne einmal, indem sie unsägliche Gesetze zur „Vereinheitlichung“ auf den Weg bringen, die ihnen meist von Lobbyvertretern vorgeschlagen werden. So wird gerne darauf verwiesen, dass jenes großartige Gesetz, das bestimmt, wie krumm eine Banane sein dürfe, von den Vertretern der Supermärkte selbst vorgeschlagen wurde. Wow!, so möchte man sagen. Das wirft aber ein eher ungünstiges Licht auf diese Leute und die Lobbyarbeit, der sie offenbar ausgesetzt sind. Ansonsten ziehen sie so richtig europamäßig ständig zwischen Brüssel und Straßburg hin und her, verfügen aber noch nicht einmal über das Gesetzgebungsrecht, geschweige denn das Recht, Gesetze vorzulegen. Das macht die Kommission und der Europarat, die die Vollmachten dazu haben. Die erlassen Gesetze und Verordnungen und setzen sie in Kraft. Insofern gibt es nicht das Prinzip der Gewaltenteilung, das vielleicht wichtigste Prinzip einer demokratischen Grundordnung. Es ist eine unsinnige Ansammlung von Experten, die ständig ihren eigenen Fehlern nachspüren und öffentlich betonen, wie wichtig sie seien. Wer hinterfragt, wird sehr schnell zu den Eurokritikern kanalisiert, die es ja ohnehin übel mit Europa meinen würden. Dabei könnte Kritik ja Bestandteil einer Demokratie sein. Es ist hingegen eine Selbstermächtigung ohne Beispiel. Ein Wasserkopf sondergleichen. Insofern hat dies durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit jenen Bürokratien, die Franz Kafka in seinen Werken oft verhandelt hat. 

Sonntag, 30. Oktober 2016

"Hallo Du!" (2)

Folgendes schrieb mir jemand zu meinem Blog „Hallo Du!“: 
„Früher, als ich mich noch nicht meines Körpers schämen zu müssen glaubte, badete ich gern nackt am See. Nicht wegen der Sexualität, sondern einfach, weil es paradiesisch war, so wie mich Gott schuf, umrandet von Schilf mit schillernden Libellen, Fröschen und seltenen Entenarten zu schwimmen. Heute bade ich immer noch gern am See - jetzt im Badeanzug, weil ich denke, meine zu vielen Pfunde nicht unbedingt präsentieren zu müssen, obwohl - wäre ich etwas selbstbewusster, täte ich das immer noch.
Mein bisher letzter Besuch am See: Zuerst nackte Akademiker, ältere Semester, diskutieren über Naturwissenschaft und machen nebenher Picknik. Als sie gegangen sind, kommt eine muslimische Familie mit einer deutschen Oma (Betreuerin?). Oma auch im Badeanzug, Papa komplett angezogen, Mama im Burkini, die beiden Söhne in Badehose. Papa steht am Ufer und bewacht Mama und die Kinder. Ich lege mich auf den Rücken und döse, als ich bemerke, wie Papa seinen Gebetsteppich ausbreitet und zu Allah betet. Bin etwas verunsichert und frage mich, ob er mich für eine Schlampe hält. Als sie gegangen sind, sitz ich allein in der Sonne. Ein älterer Herr in Badehose nimmt 5 Meter hinter mir Platz.
Nach einiger Zeit geht er in Badehose an mir vorbei ins Wasser und als er wieder herauskommt hat er nichts an und nimmt wieder einige Meter hinter mir Platz. Als ich zufällig herumschaue, sehe ich, wie er sich einen runterholt und mir provozierend in die Augen schaut. Schnell drehe ich ihm wieder den Rücken und denke, von solch einem Würstchen lasse ich mich nicht einschüchtern oder gar vertreiben, ich ignoriere ihn einfach, aber etwas mulmig ist mir schon. Überlege, ob ich ihn mit dem Handy aufnehmen soll, aber bekomme Angst, dass er dann aggressiv wird. Endlich naht eine andere Frau auf dem Rad. als sie aber den Exhibitionisten sieht, verschwindet sie wieder, mir wird's dann auch zu blöd und ich gehe.

Da verstehe ich die Muslime wieder, deren Frauen sich ganz verhüllen. Aber ist es nicht möglich, ohne die Sexualisierung, die Gier, das Benutzen anderer zur eigenen Befriedigung einfach zu missbrauchen, respektvoll miteinander umzugehen? Dann braucht man keine Verschleierung und wird als Mensch, was man bzw frau auch ist gesehen. Ist diese übertriebene lieblose Übersexualisierung nicht fast auch eine Religion? Muss man bzw. frau sich verhüllen? Warum kann man in beiden Fällen Frauen nicht einfach als ganz normale Menschen respektieren???

Freitag, 28. Oktober 2016

Verkehr

Natürlich rufen sie jetzt wieder nach einer Benzinpreiserhöhung, Die Grünen. Diesmal meint der Hofreiter Anton, dass es viel zu billig sei, das Benzin. LKW-Maut und Tempolimit für die Autobahn ist von ihm gefordert. Unter anderem. Klar, ist nicht zum ersten Mal gehört, - Lieblingsthema. Typisch Grüne. Über den Preis Druck ausüben. Aber Alternativen bieten die Alternativen nicht an. „Alternative Antriebsarten“? Ob's danach wirklich aussieht? Öffentlicher Nahverkehr? Nicht mal in der Stadt flächendeckend vorhanden, geschweige denn auf dem Land. Man propagiert mal wieder Freie Fahrt für die Besserverdienenden, denen höhere Preise natürlich nichts ausmachen. Die Partei profiliert sich damit mal wieder als eine der besserverdienenden Lehrer, der Politiker und der emporkömmlichen „Kreativen“, die es sich leisten können, in der Innenstadt zu wohnen. Dabei sollte sie einigermaßen konstruktiv über das Phänomen „Mobilität“ nachdenken. In neue Richtungen weisen. Etwas Alternatives aufzeigen. Aber jetzt, die Benzinpreiserhöhung zum Vorteil des Staates?, das ist natürlich kein Etatismus. Was das ist, Etatismus? Für die Pendler müsste es dann natürlich einen steuerlichen Ausgleich geben, so geht die Mär'. Dabei sehe ich aber total schwarz, denn auf dem Säckel sitzt der Schäuble und gibt so gut wie nix her. Die Grünen im Falle ihrer demokratischen Machtergreifung würden's ihm gleichtun, denn der Staat braucht ja immer mehr Geld, so ihre Überzeugung. Es wäre auch das erste Mal, wenn der Staat freiwillig auf etwas verzichten würde, an das er so leicht heran kommt. Steuern machen natürlich diesen besserverdienenden Lautsprechern auch nichts aus, klaro. Die haben's ja ohnehin. Und der Staat braucht Geld für KITAS, Schwimmbäder und andere gute Zwecke...... jaja, der Staat ist ja sooo gut....alles irgendwie ausgeleiert..... 

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Politiker und Werte

Es scheint so, als habe Teresa May, die neue Premierministerin Großbritanniens und jetzige Brexit-Statthalterin, vor dieser Zeit im Kabinett ihres Vorgängers David Cameron den Brexit ganz entschieden bekämpft. Dementsprechende Dokumente sollen jetzt heraus gekommen sein. Unter dem Thema „Was Teresa May wirklich meinte“ macht die Presse jetzt eine straff personalisierte Geschichte daraus. Dabei scheint der ganze Vorgang doch eher symptomatisch für die gesamte gegenwärtig waltende Politikerkaste zu sein und könnte durch unendlich viele Beispiele belegt werden: der möglichen Karriere wird die eigene Überzeugung gerne geopfert, das eigene Vorankommen ist oberste Maxime jeglichen Handelns. Opportunismus und Populismus sind längst Markenzeichen dieser persönlich blassen Funktionsträger geworden und feiern unter basisdemokratischen Vorzeichen Urständ. Die einzelnen Wähler scheinen angesichts der allgemeinen Informationsüberflutung ohnehin alles durcheinander zu bringen, entwickeln aber in ihrer Masse eine beachtliche Schwarmintelligenz, die dank zuverlässiger werdenden Umfragen jederzeit abzufragen ist. Gibt es hier im Blog ein Politiker-Bashing? Ja, solange die Korruption von solch opportunistischer Verhaltensformen nicht weit entfernt ist und der Abstand zu den Bürgern und ihren Anliegen sich ständig noch verstärkt. Sie nehmen ja für sich in Anspruch, jemanden zu vertreten. Haha. Politiker aller Couleur müssten genau jene andere Vorgaben haben, die sie dermaßen offensiv überall verkaufen.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Religion und Kritik

Es scheint die Welt der „Wissenschaft“ zu geben und diejenige des Glaubens, die sich keinerlei Beweise schuldig glaubt, solange das Gegenteil nicht bewiesen ist. Es ist aber absurd, an etwas zu glauben, bloß weil man sein Gegenteil nicht beweisen kann. Weltweit spaltet Religion die Menschen in diejenigen, die behaupten „Wir sind die Guten“ und die anderen sind demzufolge die Schlechten. Das scheint eine Hauptaufgabe der Religionen zu sein: das Ausgrenzen und das Einbeziehen. Die Gemeinde und die „Heiden“, die "Ungläubigen". Der Glaube, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. „Die Anderen“ sind das natürlich nicht und Ungläubige, die zu bekehren oder zu vernichten sind. So etwas scheint zur gewalttätigen Überzeugung zu legitimieren. So entstehen Kriege oder werden dadurch begünstigt. Schwierig ist das auch, weil Menschen, die sich auf diese Weise indokrinieren lassen, sich immun gegenüber Kritik geben oder sich gar persönlich beleidigt fühlen. Politiker wollen einem zudem immer wieder weismachen, das man hier in Zentraleuropa die Werte des christlichen Abendlandes genießen würde, obwohl Demokratie, Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau gegen die Religion erfochten werden musste. Die Caritas-Legende trägt zudem dazu bei, dass viele auch kirchenferne Mensschen glauben, die Kirchen würden so viel Gutes tun. Einwand: Caritas und Diakonie werden wohl nur zu 1,8 % aus Kirchenmitteln finanziert, so ein paar Recherchen. Solange Religionsvertreter glauben, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, solange deutsche Bistümer aus Steuergeldern (nicht Kirchensteuer!!!) finanziert werden, aber vom völlig undemokratischen Vatikan gesteuert werde, solange wir Berufschristen dafür bezahlen, dass sie Homosexualität als Sünde bezeichnen, die wider die Natur wäre, solange wir die alle nötige und durchaus auch konstruktiv gemeinte Kritik am Islam als islamophob oder gar als rassistisch abtun, muss wohl Kritik an der Religion sein. 

Dienstag, 25. Oktober 2016

"Hallo Du!"

„Hallo Du!“. Wer heute auf Partnersuche ist, sucht im Internet. Mit der richtigen App findet man jede Menge Kandidaten. „Hi Süße!“. Fesselspiele am Wochenende, Swinger-Vergnügen zwischendrin, Speed-Dating mit Zungenspielen: alles ist möglich. Schnell muss es gehen. So geht Flirten heute. Flirten ist wie Geschäfte machen. Gibst du mir, so gebe ich dir. Ein Austausch. Ein Preisabgleich. Digital. Automatisiert. Anonymisiert. Und wie sieht's im „Geschäftsleben“ aus, im Berufsleben? Jedermann nennt jedermann „Du“. Das kommt aus dem Englischen und ist global. Verpönt ist diese typisch deutsche Distanzierung, die da noch differenzieren will und keine falsche Erwartungen aufkommen lassen will. Aber genau das ist es, was Unternehmensführung will, wenn sie das „Du“ einführt: mit Erwartungen spielen. Chefs zwingen ihre Untergebenen, sie zu duzen. Das schafft scheinbares Vertrauen, scheinbare Nähe. Ob damit Hierarchien abgebaut werden oder ob sie flacher gehalten werden, wie das Ideal verspricht? Skepsis erscheint angezeigt. Ob wir nicht doch etwas differenzieren sollten, ob alles auf einem Austausch auf gleicher Augenhöhe beruht? Wer eine Gehaltserhöhung will, dürfte es mit seinem „Du“ nicht unbedingt einfacher haben. Es setzt voraus, dass beide Beteiligten zwischen der persönlichen und der Sachebene unterscheiden können. Und das ist nicht immer gegeben. Wie sieht es da beim „Dating“ aus? Da scheint das meist auch nicht gegeben. Alle Beziehung scheint auch da eine Frage des ökonomistischen Ausgleichs.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Wörter, Gedanken, - und das Sein

Wörter sind missbrauchtes Material, sie lügen in ihrer Beliebigkeit, - genauso wie inzwischen die tausendfach bearbeiteten Bilder/Fotos. Verlogene Gesten herrschen vor, Posen, Verkaufe – die Hohlheit, die Sinnlosigkeit in der Unterhaltung, sie feiert fröhliche Urständ‘……Das Fröhliche, das Positive ist dabei sehr wichtig: es bedeutet Betäubung, Überbrückung, Vergessen, Verdrängen, alles um uns herum, wer wir sind, wer wir sein könnten…….. Der Flow ist dabei wichtig, der Rhythmus, der scheinbar alles mit sich fortreißt……der Fluss, dem wir uns anvertrauen könnten……Alles ist schön nach den vorgegebenen Maßstäben....(zumindest für die, die es sich leisten können....)

Samstag, 22. Oktober 2016

Selbstvergewisserung

Es geht um die Angst, Identität zu verlieren. Identität? Sie lässt man nicht so gerne in Frage stellen, darum geht’s:  sich selbst immer wieder seiner selbst zu versichern, dafür gibt der Mensch viel. Menschen machen Grenzerfahrungen am Rande des Todes dafür und meinen, dadurch sich selbst näher gekommen zu sein. Der Sprung mit dem Fallschirm von Felsklippen zum Beispiel, Extremkletterei, Grenzgänge im Himalaya und sonstwo in der wilden Welt, sind für viele die geeigneten Mittel, um sich näher zu kommen. Für viel Geld kann man sich auch nach Erdbeben und Naturkatastrophen rauflotsen lassen, auf Berge, Höhen und große Ausblicke, die einem etwas suggerieren. Im Extremen eine Ahnung von sich selbst erhaschen, so die Verheißung. In Todesnähe eine intensive Erfahrung machen, so die Sehnsucht. 

Freitag, 21. Oktober 2016

Open minded

Offenheit. Open minded sein. Das könnte die Fähigkeit des Menschen bedeuten, sich in all seinen Entwicklungsphasen gegenüber neuen Anforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten zu öffnen, und das auch in Grenzsituationen des eigenen Lebens. Bis hinein ins hohe Lebensalter kann der Mensch sehr anpassungsfähig auf Situationen reagieren, wobei sich im Laufe des Lebens Daseinsthemen herausbilden, die ihrerseits auch eine relativ hohe Kontinuität geben. Dazu kann es auch gehören, mit unserem eigenen Inneren in Kontakt zu sein. Möglicherweise geht es weniger darum, sich ständig zu optimieren und dabei nicht zu merken, wie fremd man sich dabei wird und welche Defizite im Entziffern oder Entwerfen des eigenen Inneren bis hin zur völligen Unfähigkeit zur Selbstwahrnehmung drohen. Die Folge davon sind erhebliche Schwierigkeiten in der Kommunikation, die weitere Frustrationen und Konflikte nach sich ziehen.
Im Zusammenhang dessen gewinnt der Begriff der Offenheit erst seine auffordernd allumfassende Bedeutung und kann durch eine ganze Existenz leiten. Güte, Gelassenheit oder Abgeklärtheit sind nicht Haltungen, die der Mensch diesen oder jenen genetischen Anlagen, diesen oder jenen Umweltbedingungen zufolge erhält. Sie sind vielmehr auch ein Zeichen für das Ausmaß, in dem ein Mensch offen blieb: Für ein Zeichen, das nicht als Zeichen für Erfolg und Misserfolg stand, sondern so plastisch und beeindruckbar blieb, dass es selbst in der Düsternis der Existenz den Anreiz zu neuer Entwicklung gab.

Flexibilität. Das heißt praktisch, nicht nur die Schatten der Existenz wahr zu nehmen, sondern auch jene Aspekte meiner Biografie zu erkennen, in denen ich gewachsen bin, in denen ich schließlich etwas aus mir heraus gebracht habe, mich „entäußert“ habe. Offen für die Frage sein: Wo befinden sich neue Entwicklungsmöglichkeiten und Pfade? Die Ich-Integrität bedeutet nicht nur, dass ich meine Biografie annehme, sondern dass ich auch ständig neue Aspekte meiner Person wahrnehme, sie spüre und sie verwirkliche. Im hohen Lebensalter erlebe ich einerseits vielleicht die körperliche Verletzlichkeit, aber andererseits birgt dies gestiegene Lebensalter auch die Fähigkeit des Menschen zu einer eher kosmischen Orientierung, d.h. seine Existenz in einen viel umfassenderern Zusammenhang einzubetten, dass sich das Selbst immer weiter ausdifferenziert, und soziale Beziehungen anders gestaltet werden. Kognitiv und emotional wachsen, das heißt auch das Selbstgestaltungspotential wahrzunehmen. Hannah Arendt sagt in ihrem Werk „Vita activa“ oder vom tätigen Leben“: „Im Austausch mit anderen Menschen zeige ich mich mit der Einzigartigkeit meines Seins, trete gleichsam auf die Bühne der Welt, gebe mich aus der Hand“. Es geht um den Austausch mit anderen Menschen in Tat und Wort. 

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Einsichten

Deine Anpassungsmimikry. Ein kleiner Teil eines Ganzen sein. Sich selbst dabei verlieren als notwendiger Akt. Wie lange hälst du das durch? Dieses „Später, später...“, es hält dich innerlich aufrecht, während du äußerlich den Knecht gibst, aus Einsicht in die Verhältnisse... Da sind die Anpassungsmechanismen der anderen, das alltägliche Buckeln und dieses „bloß keine Empfindlichkeiten zeigen“: das sanktionieren die anderen sofort mit Liebes- , das heißt Geldentzug. Du musst funktionieren. Nicht krank werden. Wenn du etwas kreieren würdest, wär das keine besondere Sache. Sofort rückt jemand anderes an deine Stelle.
Wieso haben die so wenig Abstand zu dem, was sie tun? Wieso können die sich so sehr damit identifizieren? Haben doch alle studiert, haben sich im Blick geübt, der im Alltäglichen das Unalltägliche aufsucht, der die Distanz zu den Dingen und zu sich selbst sucht. Haben sich die Analysemethoden angeeignet, um zu erkennen, dass in solch eingeschlossenen Verhältnissen, in solchen betrieblichen Strukturen die Macht wohnt und die Machtausübung anderer implizit eingeschlossen ist. Wie kann man das so akzeptieren, sich dermaßen zu eigen machen? Schon die dauernd praktizierte Formulierung „Wir“. Wer ist wir? Der Betrieb? Einer, der stark ist? In diesen Zeiten? Der sich ein Monopol erobert hat? Wir sind stark. Wer ist wir? Der dich aber auch entlässt und dir Lohnzugeständnisse abringt, wenn er es für nötig hält. Dann bist du nicht mehr der Betrieb. Der Betrieb, dessen Chefs riesige Karossen fahren, die sie als Statussymbol direkt vor dem Eingang parken. Der Betrieb, dass sind doch die Kaufleute, die alles Wichtige diktieren. Alles Wichtige hat auf dieser Erde mit Geld zu tun, nicht mit Geist. Sie müssen immer wieder den Stallgeruch pflegen. An jedem Geburtstag, den irgendein Kollege hat. Dann werden kleine Tischen aufgestellt und Gemeinsamkeiten zelebriert.....

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Entdeckungen (2)

Was ihr selbstverständlich erscheint, ist es für mich noch lange nicht. Aber wir können zusammen im Nebel unserer Ahnungen und unserer „Halbbildung“ stochern. Wir können zusammen spekulieren. Es gibt dieses zusammen und das ist ein Wunder, - gemessen daran, wie die Dinge zwischen Mann und Frau normalerweise stehen. Sie war und ist verständlicher und selbstverständlicher Antipode. Man hat normalerweise dass Gefühl, dass man sich erst mal hinsetzen sollte und dem andern zuhören, sich einfühlen, irgenwie dahinter kommen. Eine andere Perspektive. Aber man hat normalerweise nie die Zeit, bzw. man lässt sich beständig ablenken von allerlei sozialen Notwendigkeiten oder scheinbaren Notwendigkeiten. Man „trinkt ein Bier miteinander“ und sitzt in der Kneipe, will dann aber seine Lebensprobleme doch nicht so laut neben der lauten Musik hinausposaunen. Aber in ein Smartphone, das darf schon sein. Man verliert sich in Einleitungen, in Hinleitungen, in Rechtfertigungen und anderen Erklärungen, man versucht, den Zusammenhang jemandem zu erklären, was ja alles für sich schon der vollen Aufmerksamkeit bedarf. Wir beide hingegen können sofort, quasi aus dem Stand, zum Kern der Sache kommen. Wir verstehen Zusammenhänge nicht nur aus der Lebensgeschichte, sondern aus einem psychologischen Verständnis für den anderen. 

Montag, 17. Oktober 2016

Entfremdung

Die wollen von dem einen das, von dem anderen etwas anderes, wie es halt so in ihr eigenes Bedürfnis-Schema reinpasst. Der ganze Mensch mit seinen Fehlern und Schwächen interessiert sie nicht. Man entwickelt ein gewisses Interesse, aber aus gewissen Berechnungen heraus. Aus Interessenlagen heraus. Man gebraucht, ja „missbraucht“ vielleicht gar den anderen. Man versucht, etwas aus dieser Person für sich nutzbar zu machen. Ein Bedürfnis damit zu decken. „Solange der auch etwas davon hat, ist es doch okay“, so die oft gehörte Einlassung dazu. Das erinnert an Tarifrunden von Gewerkschaften und Arbeitgebern. Es mag wohl so sein, dass es verschiedene Ebenen des Gebens und Nehmens gibt. Es ist so etwas wie die fleischgewordene Entfremdung. Einen Teil aus einer Person „herausschneiden“ und sie anschließend für sich zu nutzen, sie definierten Interessen zuzuführen, das ist gängige Praxis in unserer Gesellschaft. „Die eine Person hat dies, die andere etwas anderes“, so der oft gehörte Spruch dazu. „Ich nehme mir das, was ich brauche“. Der Bezugspunkt ist die jeweils eigene Bedürfnisstruktur, die sich auf wundersame Weise mit der anderer Personen decken soll („Geben und Nehmen“). Allerdings: Je mehr es „dem Alter“ entgegen geht, desto brüchiger wird dies Versprechen oft. Es ist dann eher etwas Ganzheitliches gefragt.

Sonntag, 16. Oktober 2016

Kolosseum on my Mind

Rom ist stark. In jeder Sekunde. Ich sitze im Kolosseum und bin erschüttert, beeindruckt und geschockt. Spielplatz von Emotionen, von den Mächtigen geschürt. Panem und Circenses, Brot und Spiele, - der alte Trick. Show und Ruhigsteller, die alten Mechanismen. Rom, religiöses Zentrum. Ich gehe umher und erfahre, dass der Papst auch mal dabei ist, noch heute. Dass er hier ist, der Sanfte. Religion im Sinne ihres Erfinders, ganz bei sich selbst. Und ich berühre die Gegenwart. Ich sehe Funktionen. Alles abgemildert und korrekt. Blitzableiter der Gefühle, Identifikation mit einer abgenutzt mystischen Idee. Arena, der Ausdruck ist in der Werbewelt immer noch beliebt. Krieg universal und gewinnbringende Penetration des Anderen. Wie peinlich ist denn das? Unzeitgemäß zeitgemäß. Die Vergangenheit bäumt sich auf, alles wird lebendig. Agression. 
Rom brennt, zum Vergnügen eines römischen Potentaten. Aufbauen nach vorgegebenen Vorstellungen. Pläne für viele Jahre. Ein Koloss als riesiger Namensgeber. Poesie als Unterdrückungsapparat mit Kick. Kommunikationsdesigner schaffen heute scheinbare Klarheit und verklärte Unklarheit hat System. Wir sind dabei und sitzen auf den Rängen. Auf den billigen Plätzen ganz hinten. Als Beobachter. Registrierer. Vorne fressen oder saufen sie und ficken um die Wette. Alles Gute wird automatisch zugeführt. Von hinten, von unten, von überall. Da ist nur dies eine Leben. Wo sind wir? In der VIP-Lounge? Und ich überlege: ist da eine durchgehende Linie, was hat sich geändert? Sie brauchen das. Sie wollen bewundern und erschaudern. Es ist ihnen Effekt. Medien und ihre Vermittlerrolle. Auch da. Spielen ihre Rolle. Ihre Beherrscher sind nicht nur logistisch sehr effektiv. Pressen ab. Unterdrücken. Strafen und töten. Verwalten. Führen diesen penetrant permanenten Krieg. Setzen ein und ab. Überall und global. Tiere missbraucht. Kopf ab. Zerfleischt. Noch scheint das normal. In zehn Jahren sind wir technologisch weiter. Franz von Assisi, was sagst du dazu? Ich bin auf deiner Seite. Sollen wir zusammen weinen? Oder ist das zu "negativ"?  

Freitag, 14. Oktober 2016

Spezialisten

Man muss sein Potential entwickeln und abrufen... das ist der Glaubenssatz dieser Gesellschaft. Ich hingegen lasse mich in der Abfolge der notwendigen Tätigkeiten treiben, betäube mich, denke daran und tue gleichzeitig etwas, funktioniere in meinem Nichtstun, kriege noch etwas von der Realität mit:....der flotte, aber ach so „kantige“ Steinbrück (der sich nie verbiegen lässt....wer glaubt denn das? Was macht eigentlich die frohsinnige Ulla Schmidt? Auch als "Beraterin angeheuert? Kein Wunder saufen die Spezialdemokraten als Partei ab...) hingegen heuert in der guten Tradition der Spezialdemokraten bei ING-Diba an. Als Berater, Ratgeber, Guter Geist der Vorstandsetage. Als guter Name mit tausend Beziehungen. Selbstverständlich sieht er keinen Interessenkonflikt: sein Ministeramt sei ja schon 7 Jahre her, so wird von oben beschieden. das lausige Abgeordnetenmandat, nun ja, er hat sich unlängst mit einer Rede im Parlament davon verabschiedet, ist ja eh nicht der Rede wert. Na, und der Chancellier Schröder hat's bei Gazprom/Nordstream ohnehin schon schlimmer gebracht, da gab's keine größere Schamfrist.  Nicht schlecht war auch die Kurve, die der Wirtschaftsspezi Wolfgang Clement gefahren hat..... Und der Grünen-Fischer, der Joschka, soll jetzt Siemens und BMW beraten, so ist zu hören. Ob das stimmt? Wer will, kann noch viele weitere Beispiele finden. 

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Überwachung

Es ist doch immer dasselbe: Terrorismus als Vorwand für den Überwachungsstaat! Es ist das durchgehende Muster. Wieso wollen gewisse Politiker das mit allen Mitteln? Aktionismus? Beschwichtigung? Affirmation? Streben nach dem allgewaltigen Staat? Eine gewisse totalitäre Tendenz? Wenn's drauf ankommt, klappt leider viel zu wenig, Pannen treten gleich massenhaft auf! Auf eilig einberufenen "Pressekonferenzen" wird nach gehabtem Muster alles in einen einzigen Faktennebel zerquatscht. Und die bestallten Medien machen alle mit. All diese Sprach- und Gesichtserkennungssoftware, die offenbar viel zu schweren Bleiwesten, die viel zu wenig vorhandene Kommunikation mit den Betroffenen und unter Behörden, die ja sowieso an den jeweiligen Landesgrenzen endet (hey, was machen eigentlich die EU-Schnarcher?), ein Geldfluss, der nicht auf Kosten der Allgemeinheit kontrolliert werden sollte (hey, setzt mal eure „Spezialisten“ in Gang!), die „Vorratsdatenspeicherung“, „Ermittler“, die Bescheid wissen und nicht handeln und vieles mehr......, es gilt trotz der in allen Medien beklagten Dauerereichbarkeit per Smartphone viel zu oft ein „Niemand ereichbar“, - es scheint all dies nichts zu nützen, auch wenn viele „Anschläge“ offenbar vereitelt werden konnten (was ja stets auf Jahre hinaus als Erfolg abgefeiert wird..., ohne genaue Fakten zu nennen, - ja klar, „Geheimhaltung“ unter den Unfähigen...). Ob das alles dem Vertrauen in „die Staatsgewalt“ förderlich ist? 

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Fiktion und Realität

Den klassischen Wechsel in andere Realitäten bieten seit vielen Jahren die Literatur, das Theater und der Film/das Kino an. Leider sind das Mechanismen geworden, die oft zu eingeschliffen wirken, die oft zur Routine mit all ihren Verfahrensweisen und Selbstverständlichkeiten geworden sind. Manche Nazis waren Literaturliebhaber, so heißt es. Schlächter mögen Theater. Schinder gehen gerne ins Kino. Und sie ziehen sich alle aus der Realität, in die sie eben mit einem Möglichkeitssinn geblickt haben, wieder zurück in ihre eigene Wirklichkeit. Schon das Kind soll lernen: ist doch nur Fiktion! Keiner wird so etwas ernst nehmen! Hauptsache spannend. Von einem ins nächste Abenteuer! 
Und doch: da täten sich Möglichkeiten auf. Die Unverbindlichkeit schützt uns vor allzu großer Identifikation. Es ist ein berechnendes Abenteuer. Das Gefühl der quälenden Langeweile bei Tschechow? Ist Bestandteil des Bildungskanons geworden. Das muss man kennen. Ist halt Tschechow. Thomas Bernhard und das Grinsen über die Existenz? Ach, der hat's doch selbst nicht so gemeint! Hermann Hesse und sein gerne zur Schau getragenes Außenseitertum und seine Feindschaft dem schnellen „Feuilletonisieren“ gegenüber? Wurde zur Marke und hat ihm nicht zuletzt den Nobelpreis eingetragen wie auch der Einfall der Blechtrommel dem Günter Grass, dieser moralischen Instanz aller SPD-Gläubigen! Kreative Großgeister halt. Goethe war ja auch ein Liebling der Mächtigen. Muss man kennen. Musste. Denn die Bildung ist ja so eine Sache. Ob man sowas im Job braucht? Kriterien. Mit John Ford in den Westen? Sind halt Bilder von Bildern. Gut gemacht, gutes Handwerk. Wim Wenders wird uns gerne inmitten der High Society präsentiert. Manche haben da ein Problem mit der Haltung seiner Filme. Ist doch egal. Ist doch, - wie bei Brecht – nur eine Arbeitshypothese. Der längst verstorbene Fassbinder? Hat sich, so heißt es, wie ein Schwein aufgespielt und war wohl sowas wie ein Diktator mit sadomasochistischen Zügen. Heilig gesprochen statt in seiner Zerissenheit erkannt. Der war hierarchiebewusst. Wollte vorwärts kommen. Etwas zustande bringen. Selbstverständlich nach seinen eigenen „genialen“ Vorstellungen. So ist's bei Kreativen. Ein Spiel halt, das bei manchen zu etwas führt...    

Dienstag, 11. Oktober 2016

Engel (1)

 Engel? Können Dinge, Menschen oder Situationen sein. Können sich darin offenbaren. Zutage treten. Schutzengel? Erzengel? Ich hatte mehrmals in meinem Leben Schutzengel und bin dankbar dafür. Ich habe einen Autounfall lächelnd überlebt. Die nächsten Jahrzehnte später gab es weitere schwere Überschläge mit einem anderen Auto. Auf einer Gerade mitten im Winter kommt mir ein Auto auf der Mitte der Straße entgegen. Ich weiche zur Seite aus, komme ins Glatte, schleudere, überschlage mich mehrmals, komme schließlich im Straßengraben zum Stehen. Ich machte die Türe nach oben auf und steige aus, ohne jegliche Verletzungen. Ich habe dann auch schwere Krankheiten überwunden. Da ist ein Gefühl, beschützt zu sein. Im Sein geborgen zu sein, das kenne ich durchaus genau. Dass einen etwas umgibt. Es bedeutet Beistand. Ob es etwas damit zu tun hat, ob man in die Kirche geht? Dieses „Im-Irrationalen-aufgehoben sein“? Im Religiösen, Spirituellen? Ich habe mich selten aufgehoben gefühlt, habe erst mit der Reifung habe ich es voll bewusst erfahren und akzeptiert, dass man nicht alles anfassen, erklären oder verstehen kann. Aber es gibt wohl ein „Sich sicherer fühlen“. Ein Vertrauen. „Urvertrauen“. Es empfiehlt sich womöglich, sich nicht darauf zu verlassen sondern möglichst selbst etwas aktiv dazu beizutragen, damit gewisse Situationen nicht eintreten. Es bedeutet dies, umsichtig zu sein, achtsam. Aber die Gefahr nicht um jeden Preis scheuen. Das richtige Maß finden. Hoffnung daraus beziehen. Kraft. Energie. Ein Muslim ergänzt mich von der Seite aus: „Vor dem Jüngsten Gericht sind Menschen, Dschinns und Engel. Jeder Mensch hat schon auf der Erde zwei Engel, die seine guten und schlechten Taten registrieren. Auf der Erde sind auch Dschinns, das sind Wesen, die Gott aus Feuer geschaffen hat. Sie sehen uns, wir sehen sie nicht. König Salomo kontrolliert sie. Viele sind gut, aber nicht alle. Manche kapern Menschen, manche mögen das Wort „Koran“ nicht hören. Es gibt spirituelle Menschen, die mit ihnen reden können.“ Ich habe das gehört, weiß nicht, ob es allseits korrekt ist. 

Sonntag, 9. Oktober 2016

Ob Geiz geil sein muss?

Dass sich jetzt eine unüberschaubare Konsumherde bei der Sonderaktion eines Kaufhauses um Schnäppchen gebalgt hat und dass sich die Teilnehmer dabei gegenseitig verletzt haben, war unlängst eine Nachricht. Schön blöd, diese Leute!, so denkt sich der (noch) Wohlsituierte in dieser Gesellschaft. Ob aber die sich gierig balgenden Leute auf „billige“ (Vorsicht! Die sind nicht immer günstige!) Artikel angewiesen sind, oder ob sie „nur“ der „Geiz ist geil“-Mentalität folgen, über die sich ganz besonders diese wohlsituierten und finanziell wohlabgesicherten Intellektuellen so erhaben fühlen? Dass immer mehr „Konsumenten“ in eine Position gedrängt werden, aus der heraus sie das Billigste für sich suchen müssen, um überall an der von ihnen so gesehen Öffentlichkeit teilnehmen können, das ist diesen Leuten nicht geläufig. Sie faseln etwas von „Nachhaltigkeit“ und „Öko-Bilanz“, wobei sie sich das spielend leisten können. Ob aber die Schicht derjenigen dauernd wächst, die da nicht dazu gehören? Und das, obwohl es ja Deutschland nach öffentlicher Einschätzung so gut noch nie gegangen ist? An was das wohl liegt?

Samstag, 8. Oktober 2016

Nichts

Ich sitze dem Nichts gegenüber und starre ihm in die Augen, beobachte, wie die Verhältnisse um mich herum mich verändern. Werde ich mich herausretten können aus dieser Phase, die mich langsam aber sicher immer weiter dominiert? Ich will unbedingt etwas für die Gesundheit tun. Es bietet sich dafür viel an. Es ist alles bekannt, - nur, man tut's nicht. Man hat dafür wieder mehr Zeit zum Grübeln. Kopf gegen Gefühl. Vom Kopf her hätte man Chancen besser nutzen müssen. Besser. Optimal, nicht optimaler.....(das geht nicht). Doch irgendwas in mir sagt mir, dass ich's nicht tun sollte. Der Kampf in mir geht weiter! Vielleicht, vielleicht... in dieser Vermutung oder Hoffnung darin besteht das Leben. Weiter, immer weiter, dem Tod entgegen. 

Freitag, 7. Oktober 2016

"Erfolg" lernen

Überwiegend alte und "erfolgreiche" Menschen plädieren oft für künstlerischen Eigensinn. Setzen die Selbstverwirklichung als hohen Wert an, wofür sie angesichts ihres guten Namens und des Rufs stehen, der sich auf Kassenerfolge beruft. Sie setzen dann einen einschlägigen Kurs an. Die Masse macht's. Online-Kurse. Videos. PDFs. Normalerweise könnte man sich sowas nicht leisten. Sie aber wollen eine Art tippgebende Lehrer sein, die anderen die Lehrlinge, nach klassischem Vorbild. Sie geben die Rolle des Weisen und die des Künstlers, der in Gestalt des Handwerkers daherkommt. Sie erklären, wie es geht. Sie haben es drauf. Sie sind im Erfolg, den alle wollen. Auch nichts Falsches. Besonders im Künstlerischen. Auch sie mögen Glück gehabt haben, einfach Glück. Doch das zählt nicht. Da sie Promis und insofern die Besten sind, müssen sie's ja alles wissen. Selbstdarstellung oder schauspielern, „so tun als ob“: kein Problem, kann man lernen. „Social Media Branding“? Heutzutage oberwichtig. Professionalisierung einüben. Besser werden. Haltung zeigen. Street credibility, gerade dann, wenn man's auf der Straße jedermann verkaufen will. Was? Sich. Seine Möglichkeiten. Seine überragenden künstlerischen Ambitionen. Das, was man aus sich gemacht hat. Seht her, ich zeige es euch!  

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Schönheit des Verfalls

Eine Frau verlässt einen Mann, ein Mann verlässt eine Frau: jeweils wegen jüngerem Material. Egoistische kleine Existenzen, die sich selbst kaum jemals nahe gekommen zu sein scheinen, außer in der körperlichen Bedürfnisbefriedigung. Die nie wussten, was sie eigentlich wollten. Die vielleicht nie wirklich empfanden, was ein anderes Individuum sein kann. Wieso nur wird das alles dauernd als „normal“ akzeptiert? Aus Einsicht? Sich auseinander leben, „unüberbrückbare Differenzen“ und all das Geschwätz, die Phrasen, - sind der bereit stehende Trash. Wir stemmen uns gegen das Alter, gegen das Altern, das schmerzvoll ist. Furchtbar, wie wir das Verschwinden unserer Jugend immer schlechter akzeptieren können. Ist die verstreichende Zeit nicht fürchterlich? Scott F. Fitzgerald hat es in „The Great Gatsby“ auf den Punkt gebracht: „So regen wir die Ruder, stemmen uns gegen den Strom - und treiben doch stetig zurück, dem Vergangenen zu...“. Wie viel von dem, was wir sind und was wir empfinden, wird vom Zustand unseres Körpers bestimmt? Wie gehen wir mit Jugendwahn und älter werden um? Und wie mit der Schönheit, die auch immer da ist, so vergänglich sie auch sein möge? Gibt es eine Schönheit des Verfalls? Eine Schönheit des Scheiterns? 

Montag, 3. Oktober 2016

Shitstorm

Da zieht ein It-Girl unsäglich über Flüchtlinge und Ausländer im Allgemeinen her und postet das mit einem gewagten Tittenvergleich im Internet (wow, ein "Reizwort" untergebracht...). Ein Kabarettist und Pointenschleuderer, der sich oft über ein schlechtes Fernsehprogramm ausgelassen hat, steht ihr bei. Ein gewaltiger Shistorm bricht daraufhin über sie herein. Anschließend will sie's aber nicht gewesen sein und und bezeichnet zusammen mit ihrem knitzen Co-Autor, der offenbar für die Fernsehserie „Dschungelcamp“ Dialoge schreibt, das Ganze als Satire, die demaskieren soll. Bloßstellen. Alles nicht so gemeint. Ob man auf diese Weise ins Gespräch kommt? Ein kluger PR-Gag? Viele, sehr viele Medien haben über den Vorgang berichtet. Es hat geklappt. Ob das aber etwas über die Kommunikation in diesen Tagen aussagt? Glauben oder nicht glauben? Postfaktisch? Auf welche Kosten wohl solche Satirescherze gehen? Ob unser bärtiger Pointenmensch da ganz besonders toll und oberaufklärerisch agiert hat? Das It-Girl selbst bezeichnet sich als nicht so sensibel, als dass ihr ein solcher Shitstorm etwas ausmachen würde. Klar, sie nutzt halt die Medien im Internet. Da darf man nicht gerade sensibel sein. Ob man mit so etwas auf der Seite der ewig Guten ist?  

Bildung und Erfolg in der Marktwirtschaft

Es scheint so, dass in der alles beherrschenden Marktwirtschaft die Größe „Erfolg“
den einstigen Begriff der „Bildung“ oder gar den der „Leistung“ abgelöst hat. Das „Business“ strukturiert die Gesellschaft zunehmend. Bildung oder das, was bestimmte Personen darunter verstanden haben, ist nicht mehr mit gesellschaftlichem Status verbunden. Es ist der Markt, der alles regelt. Er rückt nämlich nicht die Größe „Bildung“, sondern vielmehr den „Erfolg“ in seinen Mittelpunkt. Auf dem Markt kann jemand auch ohne Bildungsabschluss etwas werden, sofern er die richtige Geschäftsidee hat. Das schafft jene Dynamik, die auch die USA so lange nach vorne gebracht hat. Ihr gelingen Aufstiegsmöglichkeiten, die rein über den Markt funktionieren. 

Sonntag, 2. Oktober 2016

"Es geht uns gut"

Nicht nur anlässlich der unlängst erfolgten Veröffentlichung neuer Arbeitslosenzahlen geht es mir allmählich auf den Zeiger, dass dauernd betont wird, dass es Deutschland noch nie so gut gegangen sei. Blöd nur: wenn ich mich umschaue, teile ich gar nicht mehr diesen Eindruck. Kann es sein, dass es denjenigen noch besser geht, denen es qua Erbe und ähnlichen Mechanismen des statischen Konservativismus ohnehin immer gut ging? Kann es sein, dass Politiker ganz überwiegend dieser Klasse von Menschen angehören und sich eher von oben herab um die Belange „gemeiner“ Menschen kümmern? Kann es sein, dass angesichts der neuen Informations- und Kommunikationsstrukturen Politik ganz überwiegend immer noch auf eine solche Art betrieben wird? Kann es sein, dass es uns auf Kosten anderer in der Welt so gut geht? Ob TTIP und CETA etwas damit zu tun haben? Will Deutschland nicht in allem Weltmeister sein, - Exportweltmeister? Soll am deutschen Wesen mal wieder die Welt genesen? Ob das Ganze ein bisschen arg auf Kosten Afrikas geht? Kann es sein, dass es nur deshalb so viele sozialabgabepflichtige Beschäftigungen gibt, weil diese prekär sind und teilweise vom Staat (d.h. von allen Steuerpflichtigen und nicht von den davon profitierenden Konzernen) „aufgestockt“ werden müssen? Kann es in einem reichen Staat sein, dass Schulen und Brücken immer mehr zerfallen? Dass Schwimmbäder geschlossen werden müssen, weil die öffentliche Hand bekannt gibt, so etwas nicht mehr finanzieren zu wollen, zu können? Zerfällt unser ehemals als einigermaßen solidarisch gedachtes Gesundheitssystem nicht immer mehr in zwei Klassen? In solche, die sich etwas leisten können, - und diejenigen, die das nicht können und deshalb z.b. auch entsprechend lange auf einen Besprechungstermin mit einem Arzt warten müssen? Ließe sich diese Reihe nicht noch lange fortsetzen?.......

Samstag, 1. Oktober 2016

Fakten, Fakten, Fakten

Dass nun das Bauchgefühl, die pure Emotion das Faktische, den so bezeichneten Faktizismus besiegt habe und dass diese Erkenntnis nun auch bis zu oberwichtigen Entscheidungsträgern der sogenannten „freiheitlich demokratischen“ mitteleuropäischen Gesellschaft (die sich in den etwas erweiterten Begriff „westliche Industriegesellschaften einreihen.....) als "Postfaktizismus" vorgedrungen ist, würde ich als höchst beunruhigend bezeichnen. Auswirkungen dürften sich unter anderem auch im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zeigen, auch die Despoten dieser Welt befleißigen sich schon emsig einer solchen Einschätzung und definieren die Wirklichkeit jeweils nach eigenem Gefallen. Möglicherweise ist das Misstrauen auch eine Folge dessen, dass man sogenannten „wissenschaftlichen Erkenntnissen“ nicht mehr trauen kann. Kommt eine bestimmte „wissenschaftliche“ Untersuchung und scheint gewisse Einschätzungen zu bestätigen, so erscheint es fast schon sicher, dass bald danach eine andere „wissenschaftliche“ Untersuchung genau das Gegenteil zu bestätigen scheint. Dabei hat doch Ernst Habermas schon 1968 in seiner Antrittsvorlesung „Erkenntnis und Interesse“ die schwierige Beziehung zwischen von den Auftraggebern gewünschten wissenschaftlichen Ergebnis und dem Streben nach objektiver Erkenntnis dargelegt. Viele Wissenschaftler sind käuflich, klar. Sie produzieren die Ergebnisse, die der Auftraggeber wünscht. Dabei sind „wissenschaftliche“ Erkenntnisse nie endgültig. Sie reflektieren nur, was sich das jeweilig untersuchende Team oder der einzelne Wissenschaftler „operationalisiert“ hat, d.h. was er für sich als messbar festgelegt hat. Dass dies einer gewissen, manchmal stark ausgeprägten Varianz unterliegt, ist ja ganz besonders in der Soziologie und der Psychologie klar, wo es um halbwegs messbare Erkenntnisse zum Verhalten von Menschen geht. Schon bei der wissenschaftstheoretischen Forderung, dass sie auch und unter wechselnden Bedingungen nachvollziehbar sein müssten, hakt es. Aber auch scheinbar exakte Wissenschaften wie die Chemie sind hier keineswegs unfehlbar. Wie die jüngste Vergangenheit zeigt, können ihre Untersuchungsergebnisse gewaltig variieren, je nachdem, was zu beweisen sei. Von der oft damit zusammen hängenden Medizin und der eng mit ihr verbandelten Pharmaindustrie ganz zu schweigen.

Donnerstag, 29. September 2016

Ein bisschen mithalten, ein bisschen Botox darf's schon sein fürs Egodesign

Man will ja nicht fortwährend als Nörgler, Kulturpessimist beschimpft werden, der zudem auch noch typisch deutsch sei. Aber als Analyst der Wirklichkeit kommt man nicht umhin, festzustellen, dass sich die Leute in den westlichen Industriegesellschaften immer mehr stylen, designen, dass sie auch durch ihr Äußeres einen bestimmten Eindruck hinterlassen wollen. Gerade durch ihr Äußeres. Botox ist gesellschaftsfähig geworden und Behandlungen damit sind minimal-invasiv, scheinbar harmlos und im Preis längst so gesunken, so dass sie sich nahezu jeder leisten können müsste. Gab es früher noch die vielen abschreckenden Beispiele von alternden Schauspielerinnen mit zu viel Geld („Maskenbotox“), so wird die Anwendung von einschlägigen Dermatologen heute viel raffinierter ausgeführt. Man will ja nicht so aussehen, als sei man mit Botox behandelt. Botox, was ist das eigentlich? Ein ziemlich hartes Nervengift, - so könnte man zur Auskunft geben. Ein Gift, das im Krieg als Biowaffe eingesetzt werden soll. Biogift. Tierversuche waren und sind anscheinend immer noch nötig (damit auch bisher unbekannte Hersteller auf den Markt drängen können...), damit die Schönen ihre Haut auch schön glatt haben. Der Clou bei Botox ist, dass es zwar nicht süchtig macht, aber immer wieder erneuert werden muss, weil der Körper es ja abbaut (was so falsch nicht ist...). Insofern ist es ein Gewinnbringer erster Güte und eine nie versiegende Geldquelle für einschlägige Ärzte. Alarmierend dabei ist, dass die Empathie mit zunehmendem Botoxgebrauch abzunehmen scheint, da lebendige Gesichtszüge auch emotionale Botschaften übermitteln. Botox könnte insofern dazu beitragen, dass das gesellschaftliche Klima kälter wird. Es gilt offenbar immer mehr, einen bestimmten Eindruck beim Gegenüber zu hinterlassen. Devise: Möglichst positiv und jung und dynamisch sein, gar nicht negativ, nörglerisch, melancholisch oder gar alt. Außerdem hat sich der soziale Druck zunehmend etabliert, sich mit Botox behandeln zu lassen. Wer etwas auf sich hält, macht das: „Etwas aus sich machen“. Der Druck auf diejenigen, die natürlich altern wollen, wird weiter wachsen. Jeder soll selbst verantwortlich sein für sein diesbezügliches Erscheinungsbild. Egostyling. Machen. Manipulieren. 

Mittwoch, 28. September 2016

Künstliche Intelligenz (5)

Ein Zitat des Physikers Stephen Hawking: „Die Computer werden irgendwann in den kommenden hundert Jahren mit ihrer künstlichen Intelligenz den Menschen übertreffen. Das wird das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit werden - und möglicherweise auch das letzte.“ Das sagte Hawking auf einer „Zeitgeist“-Konferenz des Internetkonzerns Google nahe London im Frühjahr vergangenen Jahres.
Doch die Forschung nach "künstlicher Intelligenz" basiert auf der Annahme, dass das menschliche Hirn nichts weiter ist als ein komplizierter Computer. Konsequenter weise glauben diese Wissenschaftler, dass die Welt vollkommen deterministisch, also vorherbestimmt ist.
Der erste Einwand gegen diese Denkweise ist, dass "Intelligenz" nicht einmal ein klar definiertes Wort ist. Die diversen "funktionalen Definition" können kaum als Grundlage einer Forschung dienen, weder als Leitfaden noch als Test. Der zweite Punkt ist, dass ontologisch gesehen die Ideenwelt und die objektive Welt zwei separate Dinge sind. Wir können mit Worten auf die objektive Welt verweisen, doch wir können diese Begriffe auch konzeptualisieren. Drittens kann man etwas "Bewusstloses" nicht als intelligent bezeichnen. Zum Bewusstsein gehört die Erkenntnis einer objektiven Welt. Algorithmen müssen jedes Objekt "lernen", Menschen haben ein Konzept davon und verweisen nur darauf.

Montag, 26. September 2016

Realität bewältigen

Rechts und links schwirrt und flirrt an uns die Realität vorbei. Nichts scheint mehr zu begreifen zu sein. Der Mensch wird nervös, er steht unter Strom. Tausend Informationen über kleine und große Notstände, Kriege, Umweltkatastrophen usw. Und wir haben es uns angesichts dessen geleistet, uns in der Komfortzone einzurichten. Doch die Welt und die Gesellschaft rückt zusammen, sich abzuschotten wird schwieriger, Dinge werden transparenter - aber nur für diejenigen, die sich darum bemühen: Die Gelegenheit dazu haben, zu bedenken, umzudenken, sich zu korrigieren. Gleichwohl sind wir dauernd online, erreichbar, verfügbar, einsetzbar. Zerissenheit macht sich breit. Auch zwischen denen, die haben, und denen, die nichts haben. Als Gleichmacherei wird alleine schon das Bewusstsein dafür beschimpft von denen, die in einem gewissen Interesse sprechen und handeln. Auch im Interesse dessen, das die Macht des Faktischen für sich hat. Alles war scheinbar so und wird so immer sein. Die Grundordnung ist unumstößlich, weil der gierige Mensch anscheinend die Konstante ist. Ein Neuentwurf, ein Aufbruch wirkt angesichts solch behaupteter Verhältnisse leicht lächerlich. Jeder will den Moment festhalten, nicht die Vergangenheit oder gar planen. Eine Frage wird geradezu diktatorisch: Wie fühlt sich das Jetzt an, der Moment?
Müssen wir ständig aktiv sein? Auch durch das Internet verliert sich das Gefühl für den Abstand von der Vergangenheit zur Zukunft. Wir können alle Informationen dauernd haben, wir können alles nachschlagen und die Zukunft planen. Es zerfließt alles. Möglicherweise verliert sich darin auch so etwas wie Empathie. Von allen Seiten kommt das, schlägt das in uns ein. Es prägt unsere Art zu sprechen, weil wir nichts Falsches sagen sollten, weil wir ständig getrieben sind und uns gut darstellen wollen. Wir sind in einer Art Dauerhysterie und Dauerpanik, Nervosität und Unruhe erhebt sich. Damit erhebt sich auch die Frage: Wie gehe ich damit um? Entweder lasse ich mich in meiner Unruhe treiben, oder ich lerne, versuche zu sortieren, Abstand zu gewinnen, andere Perspektiven einzunehmen und werde dadurch ruhiger.