Reise durch Wirklichkeiten

Montag, 26. Juni 2017

Parteitagsrituale

Welch jämmerliche Veranstaltungen doch Parteitage zu sein scheinen! Da fallen markige Worte in lange Reden, da herrscht kumpelhafter Umgang und das bewährte Geschwafel von der „hart arbeitenden Mitte unserer Gesellschaft“. Ob dieser Mitte wohl bald die Arbeit ausgeht angesichts der „Arbeitswelt 4.0“, die die Arbeitgeberwelt so laut ausruft und die selbst SPD-Ministerien „untersuchen“ oder in Gremien bereden lassen? Egal, es werden Daumen gereckt und Siegerposen eingenommen. Ach, wenn das alles bloß nicht so einstudiert künstlich und von Werbeagenturen nahe gelegt wirken würde! Egal, das Parteivolk findet's großartig und gefällt sich in Klatschorgien. Der Kandidat ist in besseren Zeiten mit 100 % gewählt worden, was für sich selbst spricht. Jetzt braucht er Zuspruch, der Bart Schulz. „Zeit für Gerechtigkeit“ heißt das unterlaufene Motto des Parteitags und Schwarz auf Rot ist gedruckt „Zeit für Martin“. Kindereien. Werbekram einer Partei. Sprüche. Ob das Deutschland gut tut? Da wird von der „Arroganz der Macht“ geschwafelt, als sei man daran nicht beteiligt. Groko lässt grüßen. Es muss sich gegenseitig Mut gemacht werden, man muss sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, - sonst stinkt man – ist zu befürchten - in der nächsten Wahl ab. Um die Grünen steht es Umfragen zufolge auch nicht besonders gut. Aber von Umfragen halte man nichts, so lässt man trotzig verbreiten, nicht ohne den nächsten Morgen mit seinen neuesten Umfrageergebnissen heftigst herbei zu sehnen. Man will jetzt endlich den Staat regeln lassen, verbieten und vorschreiben ist die alte neue Zauberformel. Etatismus ist in Deutschland sehr beliebt. Der Staat soll's richten, in jeder Lage, auch wenn er bei der inneren Sicherheit jetzt vielleicht ein bisschen zu viel tut. Nachts um 2 Uhr werden noch schnell ein paar Gesetze zu dieser inneren Sicherheit durchgewunken, auch wenn die Augen fast schon zufallen, egal. Klar, dass solch schwierige Bemühung Diätenerhöhung verlangt. Parteien und ihre Abgeordneten, die sich öffentlich gerne bekriegen, sind sich darin mal wieder sehr einig. Ist längst abgesprochen. Eine Woche zuvor schon haben die Grünen das Ritual des Parteitags vollzogen: unter der Woche erregte ein Video mit ketzerischen Bemerkungen des Baden-Württembergischen Grünen-Ministerpräsidenten Aufsehen. Reden und Meinungen bestimmter Personen wurden niedergemacht. Demokratieverständnis? Aufgeregtheiten oder gar Wut werden katastrophal schlecht vorgespielt und entlarven sich selbst. Aber den Delegierten, die sich selbst als wichtig erleben sollen, gefällt's. Sie nennen's lieber „Auseinandersetzung“ statt „Streit“. Natürlich geht’s um hehre Ziele. Um „Inhalte“. Es geht um's Mobilisieren, nicht ums Koalieren. Natürlich. Durchzustehen und abzusitzen sind da erst noch lange Reden mit Rednern, die den Delegierten und sich selbst gefallen wollen. Mit Temperament und Gefühlsechtheit, noch schlechter vorgespielt. Gar nicht aufgesetzt. Wo denn da das breite Volk bleibt? Nun ja. Das soll gefälligst zur Wahl gehen.

Sonntag, 25. Juni 2017

Alltags-Kommunikationen

Ich war gestern wieder einmal mit dem Auto beim Discounter und es glich geradezu einem Horrortrip. Ich hatte schon beobachtet, wie zwei Autos aufeinander gefahren waren und hatte mich aus der Ferne gewundert. Doch mittlerweile wundere ich mich gar nicht mehr. Da werden Autotüren geöffnet, da wird gedankenlos an Autos vorbei gegangen, da wird in Parklücken hinein- und herausgefahren: ohne jeden Blick für den anderen, der ja auch nur einkaufen will. Rücksicht, Abstimmung mit dem anderen scheint völlig abwegig in dieser Gemengelage. Man selbst ist im Recht, - und das immer. Ich komme aus dem Verkaufsraum und darf eine Schramme an meinem Auto besichtigen. Wer das wohl war? Niemand? Hm, sieht nicht so aus. Man ist vorsichtig, vielleicht schon übervorsichtig und macht gerade dadurch einen Fehler. Denn man fährt ganz ganz langsam aus der Lücke und wird gerade dadurch für diejenigen unsichtbar, die mit so viel Rücksicht gar nicht rechnen. Da wird geradeaus gefahren, weil man ja im Recht ist, - oder wenigstens das von sich glaubt. Ob von der Seite jemand mit höchster Vorsicht aus seiner Lücke heraus fahren will, ist da unerheblich. Man will in eine Lücke fahren und genau in diesem Moment geht eine Türe auf und versperrt natürlich alles. All das, was einem vielleicht als Raum fürs Parken hätte dienen sollen. Man ist gezwungen, rückwärts heraus zu fahren und schaut natürlich sehr aufmerksam nach rechts und links. Doch das Unheil nähert sich von hinten. Zack, Schepper! Ausstiege, wütendes Faustgeballe......Man will zurückstoßen, doch genau in diesem Moment geht jemand dazwischen, schaut nicht rechts, schaut nicht links, ist nur im Recht. Ob ihm das etwas nützte, wenn er angefahren würde? Ok, das Smartphone mit seinen äußerst wichtigen Nachrichten ist klar wichtiger....im Zweifel tut's der starre Blick aufs Kommunikationsgerät..... 

Samstag, 24. Juni 2017

Oldtimer-Träume von alten Zeiten

Es fahren jetzt ziemlich viele Oldtimer-Cabrios umher. Aufgemotzte VW-Käfer, überarbeitete Opel Kadett und aufgehübschte Renault Alpines. Und da! Ein Triumph Spitfire! Gleichzeitig sind TV-Sendungen Quotenhits, in denen dreckig-speckige Figuren erst Liebhaberkisten günstig listig kaufen und dann mit Kennermiene erklären, wo und wie nachgerüstet werden muss. Was das wohl bedeutet? Ist es Ausdruck einer Erbengeneration oder eines nostalgischen Feelings? Oder beides? Gilt es, hinein zu fahren in eine Vergangenheit, in der Autos noch eine Identität hatten, in der sie charakterstark etwas bedeuteten und nicht nur anonym globalisierte Kisten waren, die einen möglichst protzig PS-stark und anmaachig verkleidet von einem Punkt zum anderen bringen sollten? Da ist die Erbengeneration, die mit ihrem Geld etwas anfangen muss und der die derzeitige Geldanlage in Europa zu ungünstig erscheint. Also wird in Sachwerte investiert: Immobilien, aber auch – dies hier! Wow! - alte Autos. Ihre Wertsteigerung sei so gut wie sicher, heißt es. Da weiß man, was man hat: jedenfalls haben's gewisse Kreise, die nicht wissen, was sie mit ihrem Geld anfangen sollen. Und: Das Besondere ist dadurch auch gewährleistet. Man stellt sich dar als der Besitzer von etwas Außergewöhnlichem, als einer, der Geschmack und Stil hat. Es beschleicht einen beim einen oder anderen dieser flotten Autolenker mit Datschkapp und heißer Schnecke neben sich ein Gefühl des Mitleids, wenn etwa der Regen doch noch einsetzen sollte und die mondänen Fahrer weit und breit kein Rückzugsgebiet finden. Hm, was dann? Nun ja, hierzulande gibt es Schlimmeres. Die Fahrzeuge wurden ja rechtzeitig modernisiert und verfügen über umfangreiche Einrichtungen dafür. Man soll langsam fahren und es gleiten lassen, ist in der nächsten TV-Sendung zu erfahren, die vor allem teure Modelle vorstellt und die bekannten italienischen Marken als zu alltäglich ausspart. Ja sind jetzt alle Millionäre geworden?  

Donnerstag, 22. Juni 2017

Reformen in der neoliberalen Marktwirtschaft

Vorsicht scheint geboten, wenn Politiker das Wort „Reformen“ gebrauchen. Gestern hat Königin Elisabeth II. das Regierungsprogramm ihrer Premierministerin Frau May verlesen. Diese wollte ja eigentlich „durchregieren“ und einen harten Brexit vollziehen. Ihr Wahlkampf sollte das mit einem Erdrutschsieg ihrer Partei unterfüttern. Im Rahmen ihres grottenschlechten Wahlkampfes soll sie auch eine „Demenzsteuer“ gefordert und dies als „Reform der Pflegesteuer“ verkauft haben. Dass dadurch viele Alte hätten ihr Häuschen verkaufen müssen, um ihre Pflege auch nur ansatzweise zu sichern, dass ihnen auch darüber hinaus Zuschüsse gestrichen worden wären, ist Frau May in ihrem Wahlkampf wohl nicht so recht wohl bekommen. Dass auch nach Erhebungen von Meinungsforschungsinstituten der Brexit vor allem von den Alten gewählt worden ist, beißt sich schon bei oberflächlichster Betrachtung mit den konservativen Wahlzielen. Aber wahrscheinlich hat Frau May ein Heer von Beratern gehabt, die dazu keine dezidierte Meinung geäußert haben. Jedenfalls scheint sie erstmal mit ihrer „Demenzsteuer“ gescheitert zu sein. Doch schon erheben sich die Stimmen der neoliberalen und wirtschaftskonformen Geldsäcke, die nach dem Erdrutschsieg von Macrons Partei/Bewegung von ihm jetzt die oft versprochenen „Reformen des Arbeitsmarkts“ fordern. Das darunter auch die erhebliche Kürzung der Sozialausgaben verstanden wird, sowie die Rücknahme der 35-Stunden-Woche zugunsten einer 40-Stunden-Woche, scheint dabei klar zu sein. Die Vertreter der Wirtschaft fordern solche Dinge schamlos und zeigen hiermit, wohin eine Abwärtsspirale der Sozialausgaben sowie der zugehörigen Reformen wie in Deutschland führen kann. Lohndumping, wie hierzulande im Rahmen der Agenda 2010 durchgeführt, soll dann als „Reform“ verkauft werden. Klingt doch besser als Kürzung. Dass diese Bewegung der neoliberalen "Reformen" immer weiter und weiter gehen soll, dass sie tatsächlich einer nach unten führenden Spirale gleicht, wird dabei gerne verschwiegen. Auch Griechenland scheint dafür ein ziemlich einleuchtendes Anschauungsbeispiel zu sein. 
Politikersprech scheint hier den allgemeinen Sprachgebrauch überwölbt zu haben. War „Reform“ einst etwas Hoffnungsvolles und in die Zukunft Gerichtetes gewesen, so steht das Wort heute für eiskalte neoliberale Maßnahmen, denen vor allem die unteren Einkommensschichten ausgeliefert sind. „Wettbewerb“ ist in diesem Zusammenhang auch ein Modewort, das eiskalten Verdrängungs“wettbewerb“ kaschieren soll. "Marktkonforme Demokratie" scheint dabei ein Ziel zu sein, das womöglich erhebliche gesellschaftliche Kosten wird. 

Mittwoch, 21. Juni 2017

Wer einmal Mutter dich erblickt (Novalis, Lyrik)

Wer einmal, Mutter, dich erblickt... (Novalis)


Wer einmal, Mutter, dich erblickt
wird vom Verderben nie bestrickt,
Trennung von dir muß ihn betrüben,
ewig wird er dich brünstig lieben
Und deiner Huld Erinnerung
bleibt fortan seines Geistes höchster
Schwung


Ich mein' es herzlich gut mit dir,
was mir gebracht, siehst du in mir.
Laß, süße Mutter, dich erweichen,
einmal gieb mir ein frohes Zeichen.
Mein ganzes Daseyn ruht in dir,
Nur einen Augenblick sey du bei mir.


Oft, wenn ich träumte, sah ich dich
So schön, so herzensinniglich,
Der kleine Gott auf deinen Armen,
Wollt' des Gespielen sich erbarmen;
Du aber erhobst den hehren Blick
Und gingst in tiefe Wolkenpracht zurück;


Was hab' ich, Armer, dir gethan?
Noch bet' ich dich voll Sehnsucht an,
Sind deine heiligen Kapellen
Nicht meines Lebens Ruhestellen?
Gebenedeite Königinn
Nimm dieses Herz mit diesem Leben hin.


Du weißt, geliebte Königinn,
wie ich so ganz dein eigen bin.
Hab' ich nicht schon seit langen Jahren
Im Stillen deine Huld erfahren?
Als ich kaum meiner noch bewußt,
Sog ich schon Milch aus deiner selgen Brust.


Unzähligmal standst du bei mir,
Mit Kindeslust sah ich nach dir,
Dein Kindlein gab mir seine Hände,
daß es dereinst mich wieder fände;
Du lächelst voll Zärtlichkeit
Und küßtest mich, o himmelsüße Zeit!


Fern steht nun diese selge Welt,
Gram hat sich klängst zu mir gesellt,
Betrübt bin ich umher gegangen,
Hab' ich mich denn so schwer vergangen?
Kindlich berührt' ich deinen Saum,
erwecke mich aus diesem schweren Traum.


Darf ein Kind dein Antlitz schaun,
Und deinem Beistand fest vertraun,
So löse doch des Alters Binde,
Und mache mich zu deinem Kinde;
die Kindeslieb' und Kindestreu
Wohntz in mir von jener goldnen Zeit noch bei.



(Novalis)

Dienstag, 20. Juni 2017

Zitate und Aufnahmen

Wie gerne würde ich hier Hesse zitieren, Kafka, Trakl, Nietzsche und andere meiner Sterne! Doch ich fühle mich unsicher angesichts von Urheberrechten und Copyright-Ansprüchen. Ich greife lieber auf die paar Klassiker zurück, die mir lieb sind und von denen ich weiß, dass jegliche Urheberrechte längst abgelaufen sind. Ich nehme sie heraus aus dem Pool, der mich bewegt. Ich versuche, sie in Beziehung zu setzen mit meiner heutigen Realität, die keine Besinnung, kein schönes und gleichzeitig intensives Setzen von Worten zu kennen scheint. Auch ein schönes Unterfangen, erst recht, nachdem ich sie oft mir mir herumschleppe, mit ihnen umgehe und mit ihnen in Verbindung trete. Sie sind mir nahe, kein Zweifel, diese (Schön-)geister. Sie scheinen aus längst vergangenen Realitäten heraus in Verbindung mit mir zu treten – und doch teilen sie mit mir mein Mensch sein, egal in welchem Kontext. Ich hole sie herunter von ihrem Sockel, kommuniziere mit ihnen „auf gleicher Augenhöhe“. Wir sind Menschen und versuchen, sie nicht zuletzt in der Wahl unserer Worte zu bleiben. Was ist der Mensch überhaupt? Auch dazu können uns diese „Klassiker“ noch einiges sagen, das wir in uns hin und her bewegen sollten. Abwägen. Gesichtspunkte erwägen. Positionsbestimmungen versuchen, an einem Thema, am Wort überhaupt. Und ist nicht die Sprache überhaupt ein Merkmal des Mensch seins? Ja gewiss, all das ist in tausend Sonntagsreden missbraucht und in Unverbindlichkeiten überführt worden, die vielleicht sogar der sozialen Abgrenzung gedient haben könnten. Doch ich versuche mich davon nicht beeindrucken zu lassen. Ich nehme in mich auf, ich rede mit ihnen, ich mache sie zu Kumpels und Mitwissern. 

Montag, 19. Juni 2017

Das Blatt macht die Blume (Text)

Das Blatt macht die Blume
Du trinkst jetzt stilles Wasser
suchst das Düstere im Hellen
Der Koffer ist die Reise
Das Blatt macht die Blume
Du trinkst jetzt stilles Wasser
suchst das Düst're im Hellen
zuhause im eignen Körper
suchst in der eignen Seele



Bilder fallen ineinander
türmen sich in sich auf sich
zerbröseln wieder im Hirn
fallen Dir in die Stirn
Pulver rieselt in Dir
durchdringt deine Poren
der Koffer ist die Reise

das Blatt macht die Blume

Sonntag, 18. Juni 2017

An meine Mutter (Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832)( Lyrik)

An meine Mutter
Obgleich kein Gruß, obgleich kein Brief von mir
So lang dir kömmt, lass keinen Zweifel doch
Ins Herz, als wär’ die Zärtlichkeit des Sohns,
Die ich dir schuldig bin, aus meiner Brust
Entwichen. Nein, so wenig als der Fels,
Der tief im Fluss vor ew'gem Anker liegt,
Aus seiner Stätte weicht, obgleich die Flut
Mit stürm’schen Wellen bald, mit sanften bald
Darüber fließt und ihn dem Aug’ entreißt,
So wenig weicht die Zärtlichkeit für dich
Aus meiner Brust, obgleich des Lebens Strom
Vom Schmerz gepeitscht bald stürmend drüber fließt,
Und von der Freude bald gestreichelt still
Sie deckt und sie verhindert, dass sie nicht
Ihr Haupt der Sonne zeigt und ringsumher
Zurückgeworfne Strahlen trägt und dir
Bei jedem Blicke zeigt, wie dich dein Sohn verehrt.

(Johann Wolfgang von Goethe)

Samstag, 17. Juni 2017

Politiker, Machtmenschen und ihr Tod

Herb gestaunt habe ich gestern abend ob dieser unerträglichen Verherrlichung eines rücksichtslosen Machtmenschen. Eine solche haltlose Verherrlichung und Anbetung hat wohl auch mit der gesellschaftlichen Unfähigkeit zu tun, mit dem Tod als Teil des Lebens umzugehen. Diese Gesellschaft liebt den Kitsch und die gezielte Verdrängung als peinliche Selbstüberhöhung. Realistisches „Gedenken“ scheint ihr unmöglich und fehl am Platze, besonders angesichts von Politikern, die sich als Vollzugsorgane der Geschichte gerieren.
Als einer, der sich vom „Herrn K.“ auf diese oder jene Art hat prägen lassen müssen, muss ich zu bedenken geben, dass ich vieles ganz anders als in diesen Sendungen dargestellt erfahren habe. Ich habe es anders erlebt. Dies beschert mir jetzt eine Enttäuschung angesichts dieser Unterwürfigkeitsorgie, die als Porträt oder Nachruf daherkommt. Der Herr K. war ein Machtmensch durch und durch, der all seine potentiellen Widersacher aus dem Weg geräumt hat und uns einen Stillstand in jeder Hinsicht beschert hat. Er war sogar der Verwalter des Stillstands. Dies festzustellen geziemt sich natürlich nicht jetzt, in diesem Moment, in dem das feierliche „Gedenken“ regiert. Wow, die Lügen der Politik und des Politikbetriebs zu analysieren, ihre Techniken und Mechaniken zu studieren, wann gibt es einen besseren Zeitpunkt dafür als dann, wenn ein allgemeines Interesse noch einmal kurz aufflammt? Wenn nicht jetzt, ja wann denn dann? In den früher oder später abgehaltenen Seminaren irgendwelcher Hochschulen? In den Hinterstuben der Politik? In den Kreisen jener „Eliten“, die sich ja ohnehin immer in ihrer politischen Korrektheit einig sind? Der Herr K. war doch beispielhaft einer derer, die sich immer und überall durchgesetzt haben. Er war der personifizierte „Wille zur Macht“, der sich letztenendes in seinem Größenwahnsinn sogar über dem Grundgesetz stehend empfand. Einer, der seine Macht wie selbstverständlich für sich in Anspruch nahm, ein Mann des letzten Jahrhunderts, der die Chancen, die sich ihm boten, im Einklang mit dem Zeitgeist und als Opportunist weidlich für sich ausnutzte. Der „große Europäer“? Nun ja, trotz aller Orden und Ehrentitel: Nicht nur seine „späten Jahre“ dürften hier einiges relativiert haben...
„Jetzt ist nicht der Moment, sich mit dieser - allenfalls - „Fußnote der Geschichte“ zu befassen, so erfahre ich über die Rechtsverletzung, mit der er sein „Außerhalb des Gesetzes stehen“ bräsig und trotzig vertrat. Er war ja nach seinem Selbstverständnis schließlich „ein Beweger der Geschichte“, ein „ganz Großer“, dem das zustand, was er sich selbst zustand.... Dass er offenbar überall „Loyalität“ verlangte und abforderte, dass er die "Einheit" mitzunehmen und geschickt umzusetzen verstand, wird ihm von heute aus in diesen Sendungen als Kennzeichen großer Staatskunst gedeutet. Als „Glücksfall der Geschichte“ und der Menschenführung. Was das bedeuten konnte, wirkt womöglich bis heute nach. Dass er Vertrauensverhältnisse aufbaute, um sie schließlich politisch zu nutzen und auszunutzen, hat dem „Herrn K.“ große Verdienste gebracht, so heißt es. Auf „Augenhöhe der Geschichte“ aber schien mir der Herr K genauso ein Getriebener wie der Herr G., mit dem er sich so gut und von tausend kuscheligen PR-Bildern gestützt verstand (auch der Herr G. wird nicht unbedingt aufgrund seiner Herzensgüte im Machtapparat seiner Partei und seines Landes so weit gekommen sein..... Sie, die beiden Herren, waren wohl auf „einer Augenhöhe“, wie es heutzutage so oft heißt)  

Freitag, 16. Juni 2017

Künstliche Intelligenz (8)

Ob bald der Mensch fest mit einer Digitalen Einheit verdrahtet sein wird? Maschinenmenschen bevölkern ja schon allerlei Kinofilme, es scheint die menschliche Seele zu faszinieren. Silicon Valleys dicke Lippe. Ist der Cyborg im Kommen? Die Vorstellung ist, dass Maschinen den Menschen in allen Bereichen unterstützen sollen. Dadurch soll das Leben dann leichter und besser für alle werden. Der Mensch soll weniger arbeiten müssen. Die Angst ist aber, dass Maschinen den Menschen in allen Bereichen bedrohen. Sie könnten den Menschen sogar überholen, dann versklaven und verknechten. Alles könnte außer Kontrolle geraten. Und die Voraussetzung für das alles wäre: Viele Menschen würden keine Arbeit mehr finden, wären in einem System der Produktivität überflüssig.
Es geht bei der Künstlichen Intelligenz ja um Maschinen, die selbständig denken und entscheiden können, die lernen und ableiten, ohne Vorgaben von den Menschen, ohne moralische oder gersundheitliche Bedenken. Keine Kreativität im eigentlichen Sinne sollen sie besitzen, aber selbständiges Auto fahren, das müsste trotzdem drin sein. Billigere Spezialbrillen für künstliche Realitäten sind schon am Lager, Avatare anstelle uns selbst treffen sich mit „Freunden“, aber in empfohlene Restaurants sollen wir dann schon noch gehen. Wir? Wer ist wir? Ob „Virtual Reality“ den alten Hippietraum des Träumens in der Realität wahr macht? Zu jeder Zeit überall sein. Sich jederzeit in andere Welten hineinversetzen können. Freude und Vergnügen empfinden, jederzeit herbeiführen können. Ob sich dadurch auch das Drogenproblem erübrigt?

Dienstag, 13. Juni 2017

Bäume umarmen

Nein, das ist kein Spleen von Esoterikern und Ökofreaks: einen Baum zu umarmen kann medizinisch helfen. Rinde von Bäumen enthält sogenannte Terpene, die das menschliche Immunsystem stärken und vor Krebs schützen können. Wer einen Baum umarmt, atmet diese Terpene ein und nimmt sie über seine Haut auf. Es kann aber auch ein einfacher Waldspaziergang dazu führen, ein nahe Sein, ein Aufnehmen von Energie. Die Nippon Medical School in Tokyo ist dem wissenschaftlich auf der Spur, wenn sie behauptet: „Terpene erhöhen die Zahl und fördern die Aktivität jener natürlichen Killerzellen im menschlichen Körper, die Viren entfernen und Krebszellen sowie potenzielle Krebszellen bekämpfen“. Bäume zu umarmen kann also helfen, gesund und glücklich zu bleiben. Der Trick: Man nimmt durch die Umarmung die heilende Energie der Bäume in sich auf. Mit der Zeit lernt man vielleicht den einen Baum für sich kennen, der einem eine nähere Beziehung möglich macht. Das kann auch freier machen: Vielleicht braucht man sich dann nicht zu schämen oder sich als Spinner vorkommen, wenn man Bäume umarmt.  

Montag, 12. Juni 2017

Rolle (2)

Was ich weiterhin aus meiner Soziologie-Zeit in Aufschreiben an Notizen über den Begriff „Rolle“ gefunden habe (ich studiere auf diese Weise meine Vergangenheit, meine Einflüsse,  meine Basis, meine Bewusstseinsstufen – und was davon ich mit Anderen geteilt habe, ich setze hier ein vorhergehendes Blog fort. Einen Brief an Schauspielerinnen, die ich damals als eine Art professioneller Rollenspielerinnen auffasste, habe ich früher hier auch schon erwähnt):

Rollenambivalenz: Rollendoppelwertigkeit, die Diskrepanz zwischen der Reziprozität der Erwartungen von institutionell aufeinander bezogenen sozialen Rollen und der Grad der Befriedigung bzw. Frsutartion, die die zum Rollenspiel verpflichteten Personen durch entsprechend normiertes gegenseitiges Sichverhalten erreichen bzw. erleiden. Es ist ein Maß der Übereinstimmung von Rollenerwartung und Rollenverhalten.

Rollendistanz: Fähigkeit des Infragestellenkönnens der eigenen Rolle. „.....sich und besonders seine Rolle immer wieder in Frage stellen und stellen lassen, das ist mein Ding", schrieb ich später mal in mein Tagebuch.

Rollenambiguität: liegt vor, wenn die Person ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Rollenanpassung (oft zum Zwecke der Selbstdarstellung und Selbstdurchsetzung) und eigenen Rollenentwürfen nicht finden finden kann. RA liegt oft auch vor bei einer großen Widersprüchlichkeit einer Rolle. Dies wirkt sich oft im Stress aus (z.b. bei der Arbeit, wenn eine große Unklarheit darüber besteht, was zu den Aufgaben gehört und was nicht. 

Samstag, 10. Juni 2017

Ablenkungsmanöver

Um eines klarzustellen: ich halte Donald Trump für einen Clown und Kasper, einen neurotischen Narzissten und widerlichen Machtmenschen. Die USA hätten Besseres verdient. Doch es beschleicht mich der Verdacht, dass das anhaltende Trumpbashing hierzulande ablenken soll davon, dass Arm und Reich immer weiter auseinander driften in der europäischen Gesellschaft, dass die Sprachlosigkeit zwischen vermeintlicher Elite und den Leuten auf der Straße immer ausgeprägter wird, dass die Globalisierung viele, aber halt nicht alle Probleme lösen kann, insbesondere diejenigen, die mit Identität zusammenhängen. Denn der Globalisierung wohnt die Tendenz inne, alles auf seine ökonomische Verwertbarkeit zu reduzieren und jedes „Individuum“ für ersetzbar zu erklären. Auch die vielen sozialen Fragen scheinen der Politik hierzulande mehr oder weniger gleichgültig. Man streut Sand und feuert Nebelkerzen ab, - wie gehabt. Blöd nur, dass die Spieß- und Kleinbürger in den USA den falschen „Politiker“ gewählt haben, der ihren eigentlichen Interessen möglicherweise krass zuwider handelt. Aber das war hier schon unter Adolf so und charakterisiert die Hilflosigkeit des gemeinen Volkes politischen Spielchen gegenüber. Dass hier auch von anderer Seite abgefischt werden soll, ist ja wohl offensichtlich.  

Am Lago Maggiore (Foto)

Am Lago Maggiore

Freitag, 9. Juni 2017

Tiere verstehen

Die Nutzung von Tieren abschaffen? Tierrechtsdenken? (Geht bis in die Aufklärung zurück) Im angelsächsischen Raum wurde aus der puritanischen Bewegung heraus ein verändertes Verhältnis zum Tier gefordert. Besonders stark ist dies bei den Quäkern der Fall. Sie heben ein besonders sensibles Verhältnis zum Tier aufgrund einer theologischen Begründung: Durch die Erbsünde ist das ganze Leben zu Mühsal und Plackerei geworden. Adams Verfehlung hat das menschliche Leben schlecht gemacht. Tiere können nichts dafür, dass der Paradiesgarten auch für Tiere vorbei ist. Sie sind die unschuldig Mitgefangenen von menschlichen Verfehlungen. Deswegen haben wir besonders sensibel und vorsichtig mit ihnen umzugehen. In der klassischen Schöpfungsgeschichte im Alten Testament wird alles, was kreucht und fleucht, für den Menschen gemacht. Der Mensch steht im Mittelpunkt allen Tuns. Das alles stammt historisch gesehen aus dem Leben von Halbwüstenbewohnern, die etwa ein ganz anderes Leben als die Ägypter damals hatten. Im alten Ägypten sah es aus wie in der Serengeti: da gab es Nashörner, Löwen, Antilopen und andere. In den Halbwüsten hingegen gab es ganz wenig Tiere. Jedes Tier stellte eigentlich nur eine Gefährdung der Herde dar. Das zog ein ganz anderes Verhältnis zum Tier nach sich. Die Utilitaristen in Gestalt des Jeremy Bentham hatten auch etwas dazu zu sagen. Er schrieb 1789: „Die Frage ist nicht, ob die Tiere denken können. Die richtige Frage wäre: können sie leiden?“. Trotzdem hatte er kein Problem damit, dass man Tiere gegessen hat. Er meinte wohl, dass es für die Tiere nicht wirklich schön sei, wenn sie gehalten würden, um sie zu verspeisen. Aber andererseits sei es ja auch gut, dass die Leute Fleisch essen. Nach einer Abwägung kam er zu dem Schluss, dass es gar so viel Leiden es vielleicht nicht sei. Alles in allem sei das dann in Ordnung.

Donnerstag, 8. Juni 2017

Digitale Arbeitswelt, - wann?

Nur nicht in Panik verfallen! Es wurden schon oft bahnbrechende Veränderungen angekündigt, die dann doch nicht so schlimm waren. Sich immer im Mainstream, im Mittelfeld ruhig halten und abwarten, das dürfte ein Rezept sein, dass auch in Zukunft angesichts der Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt tragen könnte. So in etwa dürfte die Mehrheit der Bevölkerung angesichts gewisser Prognosen denken. Und sich als wissenschaftlich verstehende Kreise springen ihnen bei: noch immer hätten neue Arbeitsfelder und Neuorganisationen bezahlter Arbeit, die sich auch als technische Revolutionen gerierten, auch neue Arbeitsplätze generiert, so heißt es von deren Seite. Es ist dies wohl vielmehr ein Glaube, als eine auf wissenschaftlicher Erkenntnis basierende Einstellung. Ihre Grundlage scheint die Annahme zu sein, dass der technische Fortschritt die Produktivität so sehr gesteigert hat, dass auch immer mehr Arbeit entstanden ist. Die Voraussetzung wachsender Märkte haben diese Einstellung hervor gebracht. 
Beim digitalen Arbeitsmarkt 4.0 ist dies aber wohl nicht der Fall. Diese steigende Produktivität erobert keine neuen Märkte, sondern sie macht die bestehenden effizienter, was Entlassungen und „Freisetzungen“ in großem Ausmaß zur Folge hat. Es werden sich im Rahmen der sozialen Polarisierung, die jetzt schon zu beobachten ist, zwei gesellschaftliche Gruppen bilden: die eine wird von ihrer Arbeit leben können, die andere nicht. Es entsteht somit wohl eine gigantische Arbeitslosigkeit und eine daraus folgende Instabilität des Ganzen. Alles fällt auseinander. Der Wert der Lohnarbeit wird wohl völlig neu eingeschätzt werden müssen, der Mensch erhält seinen Wert nicht länger aus dem, was er „leistet“. Es wird eine Gesellschaft geben, in der viele Leute nicht für Lohn arbeiten. Dadurch können Freiräume für andere Aktivitäten entstehen. Die sogenannte „Arbeitsgesellschaft“ könnte ein völlig neues Gesicht bekommen. Könnte? Wann? Es gibt ernst zu nehmende Kreise, die meinen, dass das schon sehr bald der Fall sein wird.  

Mittwoch, 7. Juni 2017

Der Andere, der Nächste

Und jetzt etwas ganz anderes, eine besondere Klugscheiserei: alle suchen nach sich selbst, dem vermeintlichen Glück. Aber wenn wir davon ausgehen, könnte der Weg auch zum Wir führen, zu den Anderen. Das wäre eine Besinnung auf die Grundwerte. Denn wir existieren niemals ohne die anderen, der Mensch steht in einem gesellschaftlichen Zusammenhang. Natürlich sollte man sich bei der Einschätzung und dem Umgang mit seinen Mitmenschen auf keine Idealisierungen zubewegen. Die können sich meist nur reiche und wohlbestallte Menschen leisten. Selbstverständlich sind die meisten der uns umgebenden Menschen von neoliberalen Mechanismen des Turbokapitalismus versaut. Aber genau darin, im Erkennen von Strukturen, Denk- und Verhaltensmustern und Bewusstseinsstrukturen, könnte der erste Schritt der Hinwendung zum Anderen bestehen. Das zu erkennen, was allen Menschen aufgegeben ist, es in einem humanen Sinne zu verändern versuchen und damit empathisch (!) umzugehen versuchen, das könnte es sein. Wer sich um sich selbst kümmern kann, vermag dasselbe vielleicht mit seinen Mitmenschen.  

Montag, 5. Juni 2017

Diesler

Ich wohne im Großraum Stuttgart und fühle mich schwer geschädigt durch die dortigen Luftverhältnisse. Viele Jahre lang litt ich unter chronischer Bronchitis, die von Fach- oder Spezialärzten auch gerne mal als Asthma diagnostiziert wurde. Ich rannte weiter und immer weiter zu allerlei medizinischer Spezialisten, ließ Hypersensibilisierung machen und vermutete Allergie, nahm Medikamente, wendete Sprays an. Bis ich zu einem relativ stringenten Ergebnis kam, dass die Luftqualität in Stuttgart zumindest stark zu meinen Beschwerden beigetragen haben mag. Ob das die Ärzte wussten? Dank sei, dass ich keinen Dieselverbrennungsmotor gekauft hatte. Es gab ihm gegenüber ein eher grundsätzliches Misstrauen gegenüber, das gar nicht mal so sehr auf Fakten beruht haben mag. Doch was macht derjenige, der vor nicht langer Zeit eines wohl zu guten Glaubens der Autoindustrie samt einem steuernachlassenden Staat war und einen mit ach so cleanen Dieselmotor der EURO 5-Norm versehenen PKW kaufte? Wie sich jetzt heraus stellte, muss das wohl ein Irrtum gewesen sein: im Labor unter kontrollierten Bedingungen mögen die unter dem Einfluss einer speziell dafür geschaffenen Software gemessenen Werte diese Messungen bestätigt haben. Nur, im Alltag und unter realistischen Bedingungen im Freien eingesetzt scheinen solche Motoren ein Vielfaches an giftigen Abgasen auszuspucken. Blöd. Passende Abgasreinigungssysteme scheinen bereit zu stehen, sind der Industrie zum Einbau aber wohl zu teuer. Was jetzt? EURO 6 wird nun heiß empfohlen. Dumm nur, dass die Abgaswerte hier noch höher zu sein scheinen. Das Ding ist schlecht. Aber von der Kanzlerin wird der Diesel ja nach wie vor empfohlen. Ja, die Kanzlerin muss es ja wissen. Sie kümmert sich..... Es scheint jedoch, dass der Dieselfahrer nicht wirklich gut dran ist.

Sonntag, 4. Juni 2017

Kreuzfahrten

Kreuzfahrten sind beliebt. Mal hier, mal dort herein schauen und sich dann wieder in die behagliche Höhle zurück ziehen, um sodann mit Gleichgesinnten dem gemeinsamen Vergnügen nachzugehen, das ist das kommende Konzept. Sich nicht mit den Realitäten der jeweiligen Länder auseinandersetzen, sondern im Rahmen einer Stippvisite mal kurz die einen umgebende Tapete austauschen, „Ach so“ sagen, um dann wieder seines Weges zu gehen, der ja im Falle von Deutschland so erfolgreich exportorientiert zu sein scheint. Dies ist auf dieser Welt scheinbar das Recht des Erfolgreichen.
Wir sind allen anderen überlegen, wir müssen uns um sie mit Geld kümmern, das ist das neue Credo Deutschlands. Noch nicht lange vorbei ist die Zeit, da die anderen diese größer gewordene deutsche Republik in eine europäische Identität einzubetten versuchten. Der Euro war als Währungsidee solchen Absichten entsprungen. Noch kürzer ist die Zeit , als Deutschland als „der Fußkranke“ innerhalb Europas galt. Doch nun sind sie wieder groß und wollen unter anderem ihre biologische Einmaligkeit wieder herstellen, sie wollen zurück zu anderen Zeiten, als man hier scheinbar unter sich war. Germanen, Germans, Deutsche. Mit diesem Bewusstsein geht es als Kreuzfahrer hinaus in die weite Welt. Ein Blick auf den Freizeitpark links oder rechts genügt: wir wissen von den anderen, wir werden sie mit unseren Waren überschwemmen.

Allzu gerne wird dabei vergessen, dass derzeit noch die weitaus meisten der „Luxusliner“ mit Schweröl angetrieben werden, einem Abfallprodukt der Mineralölindustrie, das billig zu haben ist. Dies ist schwer umweltschädlich und bürdet der Umwelt Lasten auf, die alle Menschen (und nicht nur Deutschland) zu tragen haben: Gift in allen Formen, dicker schwarzer Rauch, Schwefel- und Stickoxide, krebserregende Feinstaubpartikel und Schwermetalle. Ob dies nicht eine ungünstige Parallele zu der Autoindustrie bedeutet, von der ein wichtiger Vertreter/Unternehmen für die Verbreitung von Drecksschleudern jüngst sanktioniert worden ist und gegen ein anderes "ermittelt" wird? Ob hier auch die weltweite Allgemeinheit die Folgen solchen Tuns zu tragen hat und ob dies „Exporterfolg“ bedeutet?

Samstag, 3. Juni 2017

Menschen(ver)führung (3)

Welche Charaktereigenschaften sollten fähige Manager haben? Sollten sie auf gewisse Weise „verrückt“ sein? Es sollte ihnen beispielsweise nichts ausmachen, Kinder in Indien arbeiten lassen, um den Gewinn zu steigern. Sie sollten im Kopf schnell sein, ausgesprochen egoistisch, charming und bezaubernd, ohne Moral und gute Redner. Sie sollten bei aggressiven zwischenmenschlichen Begegnungen überlegen wirken, sich und ihr Pläne gut verkaufen können und sie sollten - sehr überzeugende Lügner sein. Sie sind oft Leute, denen man sich und wichtige Entscheidungen anvertraut, gleichzeitig sollten sie Skrupellosigkeit ausstrahlen.
Da ist zum Beispiel Richard Fuld, Spitzname „Gorilla Fool“, der einstige Bankenchef von Lehmann Brothers. Er galt als ein Mensch, wie wir ihn mit seinen Merkmalen oft bei Mitgliedern der dunklen Triade finden. Dazu gehören die Persönlichkeitsmerkmale Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie. Das Modell wurde von den kanadischen Psychologen Delroy L. Paulhus und Kevin M Williams im Jahr 2002 entwickelt. Diese Menschen zeichnet oft ein gefühllos-manipulativer Stil aus. Besonders Führungskräfte scheinen sich eines solchen Stils oft zu befleißigen. Dieser ist offiziell in unserer Gesellschaft nicht erwünscht, gleichzeitig scheint er aber zu großem Berfufserfolg zu führen. Richard Fuld predigte die grenzenlose Gier und
hatte einen ausgestopften Silberrücken in seinem Büro in voller Größe. Das machte den Leuten, die mit ihm zu tun hatten, Angst - und strahlte Bedrohung aus. Sein Gebaren entsprach dieser Anmutung voll und ganz. Seine Wutausbrüche waren legendär. Nicht nur dies ließ viele Menschen, die mit ihm zu tun hatten, zu dem Schluss kommen: „Der ist verrückt“. 

Freitag, 2. Juni 2017

Talkshowfloskeln

Dinge sollen „durchsetzbar“ gegenüber den „Abgehängten“ und „Verlierern“ sein. Nicht wie bei den ach so gehassten Populisten, die etwas vom heiteren Himmel herunter versprechen. Ob man da nicht schon ein bisschen die Denke des Neoliberalen übernimmt? Ob's nicht schon etwas Totalitäres hat? Alle sind dumme Verlierer, die nicht der eigenen Meinung sind? Alles ist ein Spiel, in dem es eben Gewinner und Verlierer gibt? Es gibt viel zu viele "Kümmerer" und welche, die uns "schlechtreden" wollen?  "Schlechtreden"? Viele Leute sagen, dies oder jenes Land mache „seine Hausaufgaben“ nicht richtig. Damit sind dann meist „Reformen“ gemeint. „Reformen“ wiederum ist ein Wort, das für Lohnsenkungen und Senkungen der Sozialausgaben steht. Wachstum wird bei wachsender Weltbevölkerung ohnehin als unabdingbar betrachtet, darin sind sich die meisten einig. Dass es dabei aber verschiedene Qualitäten des Wachstums gäbe, dass es verschiedene Arten gäbe, Ressourcen einzusetzen, das fällt dabei meist unter den Tisch. Aber man "muss Abstriche machen", man muss "auf eine schnelle Einigung pochen", man muss "deutlich machen", "dass man aufs Schärfste verurteilt", natürlich "im Dialog mit dem Bürger". Und zudem "die eigene Anhängerschaft mobilisieren", - wenigstens "ein Stück weit". Das sollte man schon "deutlich machen". Floskeln, Phrasen, Politikersprech? Aber  „Was will man machen?“: „So ist das Leben!“.

Donnerstag, 1. Juni 2017

Kotdurft (Text)

KOTDURFT (Im stillen Ozean)


In die Stille eines Ozeans eingelaufen
doch er kann toben
er kann dich umbringen, dieser Ozean
sie beobachten dich dabei
und manchmal grinsen sie
du versuchst, dich über Wasser zu halten
du taumelst, du schwankst, du hast nicht
das Gleichgewicht, die Balance ihrer
ach so coolen Gleichgültigkeit


In die Stille eines Ozeans eingelaufen
scheinbar ausgeglichen so moderat
du fängst an zu frieren, zu schaudern
zu frösteln, war'n früher bessere Tage
du fällst und torkelst, kommst in Bewegung
dem Abgrund entgegen, der vor dir starrt
dunkel, kalt, feindlich abweisend
scharf verletzend, widerlich stinkend
ein Tor zur Hölle, hinaus ins Nichts


In die Stille eines Ozeans eingelaufen
scheinbar beiläufig alltäglich abgeklärt
sie können dich überraschen, diese Idioten
beim granteln, beim überlegenen Denken
du frierst, du kotzt, du fühlst dich abgegraben
von ein paar dyamischen Edelspezialisten,
agressiv, smart, nett, lächelnd in die Enge getrieben,
zum Niederknien und „Hilfe“ schrein

zum Wiederkäu'n und Gebete brüllen 

Mittwoch, 31. Mai 2017

Sterblichkeit, Tod und soziale Differenzierung

Im Silicon Valley wird sehr robust an der Unsterblichkeit geforscht. Nun ja, das Sterblichkeitsalter erst mal hinauszögern, so dass der Mensch etwa 1000 Jahre alt werden könnte, wäre ja auch mal ein erstes Ziel. Ein uralter Menschheitstraum würde dann wahr werden. Die Essenz des Jungbrunnens per Altersforschung finden, Altersforschung als Avantgarde, den Code des Lebens knacken,eine Arznei gegen den Tod finden, Heilsversprechen wiedererfunden reloaded (in den USA ein gerne gepflegter Sport), Verjüngung neu, - Tests scheinen erfolgsversprechend und würden neue Perspektiven eröffnen. Ob aber die Erde dafür gerüstet wäre, 1000jährige und ältere Menschen zu ertragen? Ob die Ressourcen ausreichen würden oder ob diejenigen, die es sich leisten könnten, sich in ferne Welträume absetzen würden? Überhaupt: wäre das Aufhalten des Alterungsprozesses nicht etwas für „wertvolle“ Menschen? Wonach bemisst sich dieser Wert in unseren Gesellschaften? Stimmt, nach der Kohle...... Ob's also ein Instrument der sozialen Differenzierung wäre und ärmere Menschen ausgegrenzt wären? Ob sie zunehmend abgedrängt würden in eine Art „Green Soil“, wie es ein berühmter Film der sechziger Jahre dargestellt hat? Eine „Masse Mensch“, wie sie der Expressionist Ernst Toller in seinem Buch gleichen Titels einst beschrieben hat? Zarte Hinweise darauf eröffnen sich schon jetzt, indem nämlich Milliardäre sich für solche Möglichkeiten heftig zu interessieren scheinen. Milliardäre. 

Dienstag, 30. Mai 2017

Entscheidungsprozesse

Wir erfahren, dass Hunderte von Lobbyisten im Bundestag ein- und auszugehen scheinen und wir merken, dass wir davon kaum mehr überrascht sind. Diese Leute beeinflussen Entscheidungen und Entscheider, Gesetzgebungen und Vorlagen in ihrem Sinne. Sie bringen sich recht aktiv ein und zeigen sich meist materiell Abgeordneten gegenüber für solche Möglichkeiten erkenntlich. Zuwendungen aller Art sind ihre Spezialitäten. Subtile Beeinflussungen gehören dazu. Der reinen Lehre entspricht so etwas natürlich nicht. Aber wir seien damit lange gut gefahren und im Übrigen: „Uns geht es gut“. Anspruch und Wirklichkeit klaffen hier trotzdem weit auseinander. Tatsache ist: Es könnte uns noch viel besser gehen. Es könnte uns auch so gehen, dass andere Länder nicht dafür leiden müssten. Wir könnten auf Ausgleich bedacht sein, besonders dort, wohin im Augenblick noch von uns Waffen geliefert werden. Wir erfahren davon, dass es anscheinend genügte, nur den Namen des entsprechenden Interessenverbandes in das Antragsformular des Bundestags einzutragen, - und schon würde Zugang gewährt. Ob so etwas Verdrossenheit erzeugt? Die jüngsten Teilnahmequoten bei Wahlen scheinen dies zu widerlegen, - aber halt nur kurzfristig. Es scheint eine eher langfristige Unzufriedenheit zu geben, einen Bodensatz der Verdrossenheit, der versucht, sich mit den Dingen zu arrangieren, der sie aber nicht akzeptieren kann. Die Grenzbereiche zur Korruption sind fließend, - auch wenn in anderen Ländern die offene Korruption herrscht und jeden Tag hämisch darüber berichtet wird. Was nutzt es da, wachsam zu sein? Nun ja, wir wollen doch besser sein als andere, wir wollen (auch aus schlimmen historischen Erfahrungen heraus...) doch voran gehen, was Demokratie und Rechtsstaat betrifft. Wir wollen doch keine Doppelbödigkeit zulassen, sondern einheitlich „auf dem Boden des Grundgesetzes“ stehen, - oder?  

Montag, 29. Mai 2017

Ernährung, Welt, Insekten

Eines scheint klar: Die Erde kann den rapide gestiegenen Fleischbedarf nicht für die ganze Bevölkerung decken. Der erhöhte Fleischbedarf Asiens zieht immer mehr Verbrauch an Weidefläche nach sich. In Deutschland werden pro Tag ca. 90 Hektar an Grünland und Ackerland durch Überbauung verbraucht. Lösung? Invitrofleisch? Burger aus dem wissenschaftlichen Labor? Die Fleischzellen vermehren sich hier in einem wissenschaftlich kontrollierten Nährmedium. Darin sind Antibiotika enthalten, damit Bakterien die Kulturen nicht verunreinigen. Das Verfahren soll in einigen Jahren massentauglich werden. Statt vielen Rindern bräuchte man dann nur ein einziges Tier, um mehrere Tonnen Fleisch zu produzieren. Der erste Laborburger hat etwa 330 000 Euro gekostet. Derzeit ist man bei etwa 100 Euro. Bis zur Massenproduktion ist es möglicherweise aber trotzdem noch ein weiter Weg. 
Kekse mit speziellen tierischen Proteinen gibt es aber heute schon kostengünstig. Eine Backzutat ist dabei ganz besonders: sie stammt von Würmern. Die Tiere werden unter streng kontrollierten Bedingungen gezüchtet. Sie bekommen nur Biokost, bis sie schließlich durch Kochen getötet, getrocknet und zu einem Mehl zermahlen werden. Obwohl in anderen Ländern Insekten schon lange gegessen werden, besteht bei uns noch eine traditionelle Hemmschwelle. Doch erste Restaurants haben diese Tierchen auch in Europa jetzt schon auf die Speisekarte gesetzt. 

Sonntag, 28. Mai 2017

Verdinglichung, Legitimation, Idiologie

Wieder in alten Soziologie-Unterlagen gefunden (Grundbegriffe, Definition):
Verdinglichung bedeutet, menschliche Phänomene aufzufassen, als ob sie Dinge wären, das heißt, als außer- oder übermenschlich. Verdinglichung ist die Auffassung von menschlichen Produkten, als wäre sie etwas anderes als menschliche Produkte: auch Naturgegebenheiten, Folgen kosmischer Gesetze und Offenbarungen eines göttlichen Willens. Legitimation "erklärt" die institutionale Ordnung dadurch, dass sie ihrem objektivierten Sinn kognitive Gültigkeit zuschreibt. Sie rechtfertigt die institutionale Ordnung dadurch, dass sie ihren pragmatischen Imperativen die Würde des Normativen verleiht. Wenn eine Wirklichkeitsbestimmung so weit ist, dass sich ein konkretes Machtinteresse mit ihr verbindet, so kann sie  "Idiologie" genannt werden.  

Samstag, 27. Mai 2017

Zukunft oder Gegenwart?

Ob das Individuum gänzlich anders geworden ist in einer immer schneller sich wandelnden Welt? Zeitungen erklären uns, dass nicht alles anders wird, sondern dass es bereits anders geworden ist. Avatare als künstliche Platzhalter, Cyborgs, Künstliche Intelligenz, Virtual Reality, Deep Learning......der gemeine Mensch denkt da nur: da kommt was auf uns zu! Zuckerberg will uns nur über Gedanken kommunizieren lassen, telephonieren und Sprache wird überflüssig. Die Industrie 4.0 macht uns sowieso alle arbeitslos..... Dann freilich, und spätestens dann, beginnt das große Um- und Nachdenken. Wozu sind wir überhaupt da? Was soll das Rackern und Tun, führt es zu etwas? Ist das nur eine Art Therapie um vom eigentlichen Existieren abzulenken? Um den vielen eine Art vorläufigen Sinn zu verschaffen (was ja auch Jahrtausende lang funktioniert hat.....) Ist die „Arbeit“ (eine von der jeweiligen historischen und materiellen Konstellation diktierte Größe) das, was Sinn verschafft? Sinn? Wo verbirgt sich derzeit diese Größe? Wer ist überhaupt der Bezugspunkt? Der Mensch? Oder irgendeine Größe, die noch entstehen soll? Gibt es dabei Übergangsschwierigkeiten? Wird sich der Mensch als trotziges widerspenstiges Übergangswesen erweisen? Ob wir die gegenwärtig grassierende Hinwendung zu populistischen Tendenzen so verstehen wollen? Ob wir die Lüge als neue Realität akzeptieren und wie weit sie trägt? All das sind Fragen, die aufschimmern, aufscheinen und wieder zu verschwinden scheinen. Die sich diffamieren lassen müssen, als typisch „europäisch“, als zu skeptisch, als die von Bremsern und Bedenkenträgern. Wo solche menschlichen Größen wie Mitgefühl, Empathie oder Nächstenliebe da ihren Platz haben werden? Es ist eine Denkbar der Moderne und des alles verschlingenden Zeitgeists, an der wir uns etwas bestellen, das wir nicht kennen.

Freitag, 26. Mai 2017

Lama (MP3)

Lama

https://www.dropbox.com/s/9r38etjk1dkmor2/Lama%20192.MP3?dl=0

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Lama


Donnerstag, 25. Mai 2017

Polittechnokraten

Es gibt eine zunehmende Distanz zwischen Entscheidern und Volk, trotz des Trends zu den „Volksparteien“. Es herrscht Sprachlosigkeit. Da sind die Macher und Selbstverwirklicher, zu denen sich besonders in der Politik die Verbreiter von öffentlichen Meinungen als Legitimationsstützen und allerlei gut bestallte Hofclowns gesellen. Sie würden ja nur um Zustimmung werben, hörte ich neulich einen Minister sagen. Das sei in einer Demokratie legitim. Hierarchen der Politikwissenschaft und anderer Disziplinen assistieren hier sehr willfährig. Die Käseglocke Berlin ist abgeschottet von der Realität, ahnungslos und freigehalten von jedem Dreck des Alltags. Gepanzerte Limousinen befördern Politiker aller Coleur in ihren Zellen von hier nach da. Chauffeure machen Diener. Es gibt die Isolierung einer Klasse der Polittechnokraten, Karrieristen und Emporkömmlinge, die das Parlament bildet und das Stück „Parlamentarische Demokratie“ spielt. Weltweit ist das in den meisten Industriestaaten so. In den anderen Ländern herrschen oft Potentaten, Despoten und Diktatoren. Die Eliten (besonders die aus der Wirtschaft) rekrutieren sich immer wieder aus derselben gesellschaftlichen Schicht, die ihre Vorteile jeweils an die eigene Brut weiter gibt und sie Privatschulen besuchen lässt. Dabei werden gerne auch einmal Doktor- oder Professorentitel mitgenommen, selbst wenn sie oft unrechtmäßig erworben sind. Die Methoden zur Partizipation für die große und namenlose Masse der Menschen könnten viel weiter entwickelt sein, werden aber als Herrschaftsinstrument eingefroren. Ein milder Konsensschaum legt sich (noch) über die ganze Szenerie, auch im „Wahlkampf“. Doch die Verteilungskämpfe werden härter, die gesellschaftliche Polarisierung schreitet immer weiter voran. 

Mittwoch, 24. Mai 2017

Soziale Ungleichheit (4)

Der zeitgenössische Philosoph John Rawles postulierte einst: Ungleichheiten sind dann gerechtfertigt, wenn sie die Schwächsten „hochziehen“. Er ging mit der Konstruktion „Schleier des Nichtwissens“ um, bzw. führte ihn ein: unter diesem Schleier habe ich keine Ahnung, in welchen gesellschaftlichen Verhältnissen ich aufwachse. Ich bin in einer Art Urzustand. Ziel: Den am schlechtesten Gestellten soll es gut gehen. Der CEO darf sich einen großen Lohn ausbezahlen, solange er den Angestellten gut bezahlt. Die Gesellschaft ist ein Unternehmen zur Förderung des gegenseitigen Vorteils, aber nicht von Interessenharmonie, sondern auch von Konflikt geprägt. Eine Interessenharmonie ergibt sich daraus, dass die gesellschaftliche Zusammenarbeit allen ein besseres Leben ermöglicht, als wenn sie nur auf ihre eigenen Anstrengungen angewiesen wären. Die reichsten Mitteleuropäer (weniger als 1 %) haben knapp die Hälfte des Vermögens. Wer hat welche Rechte? Der Gesellschaft als Ganzes soll etwas zu gute kommen. Anreize, Freier Markt. Was macht Qualität aus? Solche Verdienste passen nicht in den Markt. Leistet dieser Mensch so viel, dass dieser Verdienst gerechtfertigt sein würde? Märkte sind kein Naturprodukt, sondern sie finden in einer Gemeinschaft statt, die Regeln setzt. Rahmen setzen. Bisher: wir lassen den freien Markt spielen, dann gibt es einen Kuchen, von dem verteilt werden kann. Solche Gehälter sind nicht Ausdruck von fairen Verhältnissen. Wir hängen voneinander ab. Wir müssten uns in einem Zusammenhang sehen, in dem wir uns ergänzen. Ungleichheiten schaffen ungleiche Chancen. Schlüsselfaktor Bildung, Erhebung von Größenverhältnissen: wer einen Akademiker als Vater hat, hat doppelt so hohe Chancen, an der Universität zu studieren. Es kommt wohl zudem darauf an, wen man kennt. Wie man sich in bestimmten Kreisen bewegen kann. Wie kann jemand aus einer Familie, deren Mitglieder nie bei den Medien gearbeitet haben, Erfahrungen darüber machen, was es heißt, bei den Medien zu arbeiten? Es könnte z.b. bei Menschen mit migrantischem Hintergrund heißen, Sprachfähigkeit auszubilden. Das alles zusammen muss nicht zwingend heißen, die Familie abzuschaffen (sondern darüber nachzudenken...).

Montag, 22. Mai 2017

Schriftstellereliten

Wir lesen und wir sehen Interviews oder Porträts zu großen weisen Schriftstellern, die sich immer schon als Chef- und Vordenker zu inszenieren wussten und nun irgendeinen runden Geburtstag feiern. Sie formulieren so geschliffen, dass es für den Normalleser geradezu umwerfend ist, fast schon niederschmetternd: Da kann ich nicht mithalten! Dieser Mann hat etwas zu sagen! Der ist klug und weise! Der spricht gut aus langer Erfahrung, der hat das Leben vollkommen in sich. Dieser weise Mann mag sich auch im hohen Alter damit rühmen, welche und wie viele Frauen er niedergebracht und umgelegt hat, er mag seine Vitalität auf mannigfache Weise herausstreichen, er mag Rätselhaftes anmerken und eben mal einen Aphorismus zuspitzen. Er mag elegant zitieren und dabei dem Gesagten seine eigene Note geben. Alles riecht nach einem stilisierten Ego.
Ob es diese Leute sind, die gewisse andere Leute als „elitär“ ablehnen? Als Mitglieder eines Kulturestablishments, das sich sowieso einig ist oder sich in Talkshows gegenseitig ob ihrer scheinbar gegensätzlichen Meinungen feiert? Als typische Vertreter einer gesellschaftlichen Schicht, die der alte Marx als "Überbau" bezeichnet hat? Die beispielsweise die Libertinage favorisiert, die sich ständig in einem gewissen Milieu bewegt und Zustimmung möglichst in Umsatzzahlen und Lohnabrechnungen abgreift? Gibt es „Echokammern“ der Kultureliten oder ist es eher so, dass es sie schon immer gab? Ob es Zusammenhänge mit der so oft gepriesenen Globalisierung (von deren einseitigem ökonomistischen Verständnis diese Leute natürlich sofort abrücken..."political correct") gibt? Pah...... Kulturfürsten? Wieso gibt es eigentlich kaum Kulturfürstinnen? Wie verhalten sich hier Anspruch und Wirklichkeit? Ist das alles nur ein (gut honoriertes) Spiel?  

Sonntag, 21. Mai 2017

Mensch und Tier

Bei den alten Ägyptern waren Tiere ein Teil der Mitwelt. Was wir heute noch davon sehen können: Götter hatten Tierköpfe, gewisse Tiere waren heilig, wurden verehrt, als solche in alten Abbildungen zu sehen (z.b. Bastet - Katzengöttin). Es herrschte Respekt zwischen Mensch und Tier. Gemeinsam waren wir der Natur und den himmlischen Mächten ausgeliefert. Mit der Tierzucht und dem Ackerbau hat sich das jedoch krass geändert. Heute hängt sehr viel Elend in der Dritten Welt mit der Tierhaltung zusammen. Viel zu viel Boden wird für die Erzeugung von Tierfutter genutzt, Land, das ansonsten etwa für Getreide- oder Gemüseanbau verwendet werden könnte. Trotz des Abbaus ländlich genutzter Flächen in der EU wird zum Beispiel in Nordrheinwestfalen 50 % aller Flächen für die Erzeugung von Nahrungsmitteln für die Massentierhaltung benutzt. Diese kommt nur den Menschen (die ja als "Art" offenbar heiliggesprochen sind...), dabei vor allem gewissen Menschen, zugute. Ein paar Zahlen? Für 1 kg Rindfleisch werden global durchschnittlich 50 Quadratmeter Regenwald vernichtet, 16 kg Getreide und Soja verfüttert, mehr Treibhausgase erzeugt als bei 250 km Autofahrt und 20 000 Liter Trinkwasser verbraucht. Die Tierhaltung ist der schlimmste Killer überhaupt. Die Massentierhaltung ganz besonders...!
Die Welt der Technik verspricht mit weiteren speziellen Züchtungen Abhilfe. Doch das Problem könnte vielmehr grundsätzlicher Natur sein und müsste unseren künftigen Lebensstil prägen. Riesige Wachstumsmärkte wie etwa China oder Indien werden das Problem ohnehin verschärfen. Fleisch essen könnte in solchen Staaten zum Statussymbol werden, besonders für die Leute, die in die Städte drängen, um sich dort als Wander- und Industriearbeiter zu verdingen. 

Samstag, 20. Mai 2017

Sozialneid (2)

In einer Diskussion glaube ich, etwas konkreter erfahren zu haben, was bestimmte Personen meinen, wenn sie von „Sozialneid“ sprechen. Überhaupt empfiehlt sich ja wohl immer das Gespräch mit anderen, um sich selbst gewisser Dinge bewusster zu werden. „Sozialneid“ wurde insofern verstanden als der Neid gegenüber Einzelnen, der natürlich verwerflich erscheint. Ich selbst habe viel zu wenig daran gedacht, denn mir ging es immer nur um die Strukturen, die dahinter stehen und die etwas ermöglichen. Der Einzelne interessierte mich in diesem Zusammenhang so gut wie überhaupt nicht. Der Einzelne wäre vielmehr Gegenstand von Empathie, denn er ist ja allzu willfährig zu einem Teil eines Gesamtsystems geworden. Allmählich, in einem Prozess, der möglicherweise für ihn selbst gar nicht wahrzunehmen war, den er vielleicht in seiner Lebenswelt als "Normalität" und Selbstverständlichkeit für sich übernommen hat. 
Mit einem undefinierten Seitenblick scheint für manche Personen allerdings auch jener auf gesellschaftliche Strukturen zielende Gedanke relevant zu sein. Das aber erscheint für manche Leute so gut wie verboten und wird sofort mit dem Begriff „Sozialneid“ abgestraft. Ob ein Interessenkonflikt dahinter steckt? Ob „Sozialneid“ hier als eine Art "Kampfbegriff“ eingesetzt erscheint? Ein Standardnachschlagewerk behauptet nach meinen Recherchen in diesem Zusammenhang den „sozialen Neid einer bestimmten Gruppe gegenüber einer anderen“. Ein anderes großes Nachschlagewerk sieht den „Sozialneid“ gar als „polemischen Kampfbegriff“. Es scheint aber überall darum zu gehen, einen „sozialen Status“ zu neiden. Das scheint verboten zu sein. Denn Neid in all seinen Ausprägungen gilt in der Bibel als Sünde.

Freitag, 19. Mai 2017

Gerechtes Deutschland?

Deutschland sei doch längst gerecht, so scheint die Mehrheit der Leute nach eifrig gestreuten Umfrageergebnissen hier zu glauben. Doch heute gilt: Mindestens jeder siebte Rentner als armutsgefährdet, Rund eine halbe Million erhält schon heute Grundsicherung. Wer nicht von seiner Rente leben kann, sucht einen Nebenjob. Doch die Arbeitsplätze für Ältere sind rar gesät, viele Jobs gehen auf die Knochen. Waren es 2010 nur 18,8 Prozent sind nun 20,8 Prozent der älteren Menschen betroffen. Somit mehr als jeder Fünfte. Schon 2010 warnte die damalige Sozialministerin von der Leyen, dass alle, die unter 2500 Euro verdienten, "mit dem Tag des Renteneintritts den Gang zum Sozialamt antreten" müssten. Und: „Es steht nicht mehr und nicht weniger als die Legitimität des Rentensystems für die junge Generation auf dem Spiel.“ Grund für das steigende Altersarmutsrisiko seien die beschlossenen Rentenreformen, nach denen das Rentenniveau bis 2030 von derzeit 51 Prozent auf 43 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns vor Steuern sinkt Bei 40 Jahren Beitragszahlung müsse der Arbeitnehmer konstant mindestens 2200 Euro im Monat verdienen, um auf einen Rentenanspruch in Höhe der Grundsicherung zu kommen. Die Arbeitsverträge sind kurz, der Verdienst ist gering – für die Rente kommt da nur wenig zusammen. Zahlenspiele? Mag sein. Eine Gewähr wird nicht übernommen. Doch die Tendenz kann nicht wirklich belegen, dass es hier in Bezug auf die Altersarmut gerecht zugeht. Da braucht niemand Deutschland „schlechtreden“. 

Mittwoch, 17. Mai 2017

Empathie

Was ich weiterhin aus meiner Soziologie-Zeit in Aufschrieben an Notizen gefunden habe (ich studiere auf diese Weise ja meine Vergangenheit, meine Einflüsse, meine Bewusstseinsstufen – und was davon ich mit Anderen geteilt habe):

„Empathie ist die Eigenschaft eines Individuums, bruchlos und aufgeschlossen neue Rollen zu übernehmen und internalisieren zu können, persönliche mit fremden Wertvorstellungen kompromisshaft zu integrieren. Es bedeutet ein Einfühlungsvermögen in andere Menschen und Situationen. Die Rollenüberschreitung, dieses sich „hineinfühlen“ in andere liegt nicht gerade auf der Spur des Neoliberalismus, der ja – klischeehaft gesprochen – möglichst rücksichtslosen Egoismus predigt und den „Homo oeconomicus“ zu seinem Gott erhebt. Also den Menschen, der so handelt, das es stets seinen Interessen entspricht und sie mit allen Mitteln voran bringt, - auch auf Kosten von Anderen. Sich in jemand hinein zu versetzen, kann da nur bremsen. Zu personifizieren scheinen dies derzeit unter anderem der US-Präsident Trump, der wohl als ein Muster der Durchsetzungsfähigkeit gilt und stets seine eigenen Interessen („America first“? - Oder "First me, myself and I“?, -->Narzissmus) im Auge hat. Sehr viele autoritäre Charakter und „Führer“, die in der internationalen Gesellschaft und Politik aufgetaucht sind, scheinen Repliken eines solchen Modells.  

Dienstag, 16. Mai 2017

Rolle

Was ich aus meiner Soziologie-Zeit in Aufschreiben an Notizen über den Begriff „Rolle“ gefunden habe (ich studiere auf diese Weise meine Vergangenheit, meine Einflüsse, meine Bewusstseinsstufen – und was davon ich mit Anderen geteilt habe):

„Die Rolle ist ein „Komplex von Erwartungen“ an eine Person, die eine bestimmte Position in einem sozialen System einnimmt. ….Die Rolle ist die Grundeinheit eines Systems sozialer Beziehungen. Man unterscheidet zwischen angeborenen Rollen (z.b. Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Schichtzugehörigkeit....) und erworbenen Rollen (z.b.Bildung, Religion, Lebensstil...) und Rollenattribute (z.b. Aussehen, Kleidung).

Rollenkonflikte: Bei der Interaktion zwischen dem Einzelnen und dem sozialen System treffen immer mindestens zwei Erwartungen aufeinander. Diese müssen wahrgenommen, interpretiert, abgewogen und im Sinne des tatsächlichen Verhaltens entscheiden werden. Wenn die Erwartungen nicht zusammen passen, kommt es zum Rollenkonflikt. Dabei unterscheidet man zwei Arten: der Intrarollenkonflikt. Dabei liegen verinnerlichte Erwartungen, Erwartungen von außen und eigene Bedürfnisse im Konflikt. Beim Interrollenkonflikt zwischen dem Einzelnen und der jeweiligen Bezugsgruppe besteht Uneinigkeit über das tatsächliche Rollenverhalten. Beispiel? Die Rolle „Lehrer“ ist möglicherweise nicht klar definiert. Daraus ergeben sich Widersprüche. Aber auch: Rollen sind klar definiert, widersprechen sich aber teilweise. 

Montag, 15. Mai 2017

Menschen(ver)führung (2)

Im Spagat sein zwischen Gewinn und Gewissen? Man wird als „Führungskraft“ wohl hoch dafür bezahlt, dass man reichlich unsoziale Sauereien durchführt. Welche Rolle bei der Jagd nach der Profitmaximierung wohl die Ethik spielt? Gibt es abseits der vielzitierten und oft als PR-Geschütz eingesetzten „Compliance“-Regeln noch einen Verhaltenscodex? Oder haben sich die betreffenden Leute komplett in ihre eigenen Bezüglichkeiten verabschiedet, aus dem heraus man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht? Welche Rolle spielt die Rolle des Chefs in der digitalen Arbeitswelt? Gibt es neue, der Zeit entsprechende Modelle dafür? Wie wird man eine „Führungskraft“? Sich durchsetzen, sich über etwas hinweg setzen, Selbstbewusstsein haben bis hin zum Narzissmus? Etwas teuer machen für gewisse Leute, etwas erschwinglich machen für andere, seinen Willen multiplizieren und ihn hinausschleudern in die Welt? Muss es jemand geben, der am Ende entscheidet? Wann ist man ein guter Entscheider? Wie bemisst sich das? Wer will das beurteilen? Organisationen sind unübersichtlich. Eine Möglichkeit, sie einfacher zu machen, ist, sie zu personifizieren. Möglichst in einem starken Individuum, das oben ist, sehr viel Geld verdient und das keine eigenen Probleme haben darf. Eine Organisation zu führen, mag Menschen mit psychopathischen Zügen nach sich ziehen. Sie in einem sozialen Zusammenhang, einem Unternehmen oder einer staatlichen Einheit zur Geltung zu bringen, mag die Aufgabenstellung charakterisieren. Machiavellismus (hierarchische Strukturen für sich benutzen) - Narzissmus (Selbstliebe) – Psychopathie, - das sind Voraussetzungen, also problematische Verhaltensweisen, die sich auch noch untereinander kombinieren. Es geht dabei weniger um Menschen, als vielmehr um Ziele, die mit allen Mitteln zu erreichen sind („instrumentelle Aggression“). Egoistisch, charmant, schnell von Begriff, egoistisch, ohne Moralvorstellungen, angstlos, gute Redner, ohne Skrupel, andere aus dem Weg zu räumen.....sich und seine Pläne gut verkaufen können, - auch durch Lügen. Das macht Leute aus, denen man sich anvertraut. 

Sonntag, 14. Mai 2017

Der Ex-Landesvater

Vielleicht hat mich dieser Typ, der einst Ministerpräsident des Landes war, in dem ich lebe, schon viel zu oft geärgert. Der Mann ist ein offensichtlicher Karrierist unseres Politikbetriebs, einer mit einem gewissen Geltungsdrang, der es verstanden hat, Netze immer so auszuwerfen, dass einflussreiches Personal hängen blieb. Berüchtigt ist noch die Connection, der einst der einstige Bundespräsident Wulff und der einstige Landesministerpräsident Koch angehörte. Während jedoch viele seiner einstigen Kumpane in der Versenkung verschwunden sind, hat der Mann selbst weiter Karriere gemacht. Günther Oettinger wurde Kommissar in Brüssel, stellte „unseren Mann“ in der EU dar, und warf sich wohl weiterhin einflussreichen „Freunden“ an den Hals. Dass dabei auch die Industrielobby in Brüssel eine große Rolle gespielt haben soll, wird gerne unterstellt, pfeifen aber die Spatzen von den Dächern. Berühmt berüchtigt wurde etwa seine Glühbirnenverordnung, die sicher stellte, dass sich möglichst viele Leute „Energiesparlampen“ mit hohem Quecksilberanteil anschaffen mussten. Erst neulich ist mir wieder so ein Ding runtergefallen. Bis heute weiß ich nicht, was ich dann tun soll. Wie „entsorgen“. Die Handelsunternehmen sollten es zurücknehmen, hieß es. Aber in diesem Falle? Ich atme das Zeug wohl ein und kann mich nicht wirksam wehren. Ich habe den Scheis auch gekauft, weil versprochen wurde, dass die Dinger weniger Energie verbrauchen sollten als herkömmliche Glühbirnen. Doch was ist mit dem Scheis-Quecksilber?
Oettinger machte also in der EU Brüssels als „Mann der CDU“ Karriere, wurde vom Energie- zum Digitalkommissar und jetzt zum Haushaltskommissar. Stets jedoch war seine Kompetenz umstritten. Er fiel darüber hinaus international durch sein putziges, schwäbisch gefärbtes Englisch auf, das unter anderem einen großen Teil der Youtube-Gemeinde amüsierte. Doch zuletzt hatte er Chinesen als „Schlitzaugen“ bezeichnet, was einen natürlich sofort in den Geruch des Rassismus bringt. Nicht gut für den Ruf. Außerdem kam heraus, dass er allzu gerne mal die Privatflieger von „ausgewählten“ Industriefreunden für seine Zwecke nutzte, was in Baden-Württemberg sowieso eine gewisse Tradition hat, obwohl es gleichzeitig ein „Gschmäckle“ hat. Aber solche Nähe wird dort gerne als „Industriefreundlichkeit“ und Industrieförderung gedeutet. Es sollte nach diesem Verständnis dem Land zu größerer Prosperität helfen, - was gewisse Ministerpräsidenten dazu eingeladen hat, darin ein bisschen über die Stränge zu schlagen. Dass aber solche Einflussnahmen in der EU gang und gäbe sind, darf vielleicht gefolgert werden. Jetzt aber soll er, der Oettinger-Komiker, vorerst mal nicht, wie allgemein erwartet, zum Vizepräsidenten der Kommission befördert werden. Welch von Lobbyisten unterfüttertes Ränkespiel das wohl ist? (Ausdrücklich sei noch einmal darauf hingewiesen, dass hier nichts behauptet wird, sondern dass nur über etwas nachgedacht wird)  

Samstag, 13. Mai 2017

Menschen(ver)führung (1)

Welche Charaktereigenschaften wohl Wirtschaftsführer, also Manager auszeichnen? Abgefahrene Verrücktheit? Ein bisschen "far beyond"? Um an die Spitze zu kommen, braucht es das Maß an Besonderheit, das die Vielen nicht haben. Woraus diese "Besonderheit" wohl besteht? Vielleicht sind es heutzutage aber eher „spezielle Typen“, die ein Team um sich haben, das seine Fähigkeiten einbringt. „Bei einem solchen Spitzenmann, wie dem unseren, muss das so sein, dass er verrückt ist“ - so eine gängige Einstellung von „Untergebenen“. Muss er das wirklich? Muss er nicht vielmehr gewisse Dinge nüchtern einschätzen können und sich mit Situationen konstruktiv auseinandersetzen können? Man muss in jedem Falle ziemlich rücksichtslos sein, so eine weitere Einschätzung, denn man müsse als Führungskraft die Ziele einer Organisation verwirklichen. Um jeden Preis. Man müsse Menschen „führen“, was alleine schon viele unangenehme Assoziationen erwecken kann..... Doch der Mensch brauche Führung, ihm müsse gesagt werden, „wo es lang geht“. Deshalb brauchte es auch einmal einen "Führer". Widerlich. 
Dass da ein „Manager“ sei, habe etwas Beruhigendes, so eine Aussage. Denn es vermittle das Gefühl, dass eine Einzelperson für alles verantwortlich sei. Finde man für diese Position die Richtige oder den Richtigen, sei das Problem der Vorgabe, Führung und Orientierung gelöst. Ob sich nicht dahinter mehr eine Systemfrage befindet, das etwas mit „Verrücktheit“ zu tun hat? Ob es noch zeitgemäß ist, eine Organisationseinheit streng hierarchisch als eine Art Diktator zu führen? Ob dies die Kreativität eines Mitarbeiters zu befeuern vermag? Ob es ihn motiviert? Ob es bei Führung um die Figur des Guten gegen die Figur des Bösen geht? Wie etwa im Märchen? In der Sage? Da sind ja die vielen Geschichten um große Frauen (weniger...) und Männer und ihre sensationellen Taten. 

Freitag, 12. Mai 2017

Post Kommunikation

Die Dichter versichern sich gegenseitig ihrer verlorenen Wichtigkeit indem sie sich gegenseitig Preise verleihen und manchmal das Elend der Politik beklagen, wozu sie ein schönes Gesicht machen und die Augenbraue hoch ziehen. Ansonsten spielen sie Murmeln, die auch schon mal schöner waren. Sie siechen, denn sie haben ihre Funktion längst verloren, Buchdruck ist veraltet. Internet angesagt auf allen Kanälen. Internet der Dinge. Gewiss, Reflexionen müssen sich ihren Weg ins Bewusstsein bahnen, der manchmal lang, windig und mühevoll ist. Nur, wer will das schon in einer Welt der schnellen Kicks und Kitzel? Ist ohnehin nur Übergang zu einer Zeit, in der jedes Gehirn gespeichert sein wird. Zwischen Stop und go, Standup Comedy. Ausgefranst in den Medien, zerstäubt im Internet….die ruhige Überlegung fällt auf sich selbst zurück. Im sachten Smartphonedruck. Es treibt das Wachstum die Beschleunigung um jeden Preis und das Echo verhallt im Nichts. Identität, Kultur. Zerrieben und pulverisiert zu Erbhöfen und Besitzständen. Kontoständen. Wanken, Umfallen, Stürzen? Alles egal, solange es richtig gemanagt wird. Umsatzrückgänge, aber Bailout rettet die Großen. Der Staat in Gestalt seiner Elite-Kretins schaufelt Milliarden in dieses Grab. Die Städte sind überwuchert von unterhaltsamen Bedeutungslosigkeiten. Die Hohlheit füllt uns aus. Wird eingefüllt und die meisten merken es  gar nicht. Schnell, schnell, Inhalt egal. Legal, den vorgeschrieben Wegen entlang abgeschöpft werden. Gemolken. Von Bürokratien, von gut bestallten Sesselfurzern und Aasgeiern in der Sechszylinder-Limousine. Immer unterwegs auf der Überholspur der Autobahn. Hauptsache wir sind sicher. S-U-V. Die anderen werden wir schon zermalmen! Alle müssen sparen und haben das verinnerlicht.  Verdichtung allenthalben, aber keine Intensität, sondern fortwährende Lüge. Alltäglich etwas sein durch das Auto. Elektro, powered by Braunkohle. 

Mittwoch, 10. Mai 2017

Lächeln als Zustand

Was mir beim Fernsehen aufgefallen ist: Dieses Dauerlächeln. In der Politik oft in Verbindung mit Handshakes geradezu zwanghaft. Im Showgeschäft scheint's zum Handwerk zu gehören. Kaum jemand zeigt da authentische Gefühle. Alles ist gespielt und aufgesetzt. Cheese als Maske. Eine sehr offensichtliche Lüge (die wohl den sozialen Umgang erleichtern soll, in Wirklichkeit erschwert sie ihn manchmal...). Alles gut? Wir regeln das. In unserem Sinne. Wir lächeln alles weg (und heben im Amerikanischen dazu den Daumen...). Strahlemann bringt Optimismus in düsterste Umgebung. Lächeln ist Verkaufen. Sich. Seine Sache. Einer Sache ein lächelndes Gesicht geben. Ein Lächeln kann nahe legen, dass man sich vertraut und bereit ist, etwas zu teilen. Außerdem scheint die allgemeine Erwartung nahe zu liegen, man würde mit den eigenen Emotionen nicht hinter dem Berg halten. Vor allem nicht mit den positiven. Zu den unausgesprochenen Regeln gehört es dann auch, selbst Unbekannten ein Lächeln zu schenken. Es gilt unausgesprochen und unbewusst als ein Ausweis der Vertrauenswürdigkeit und der Menschlichkeit. Ob so etwas auch zum allzu offensichtlichen Gebrauch von "Fake News" und "alternative facts" beigetragen hat? 

Dienstag, 9. Mai 2017

Rentenversprechen, Rentenfinanzierer

Wenn ich meinen Rentenbescheid sehe, überkommt mich das kalte Grausen und die nackte Angst. Da empört es mich immer wieder, wenn die Kanzlerin und die ihr nahe stehenden Kreise behaupten: „Uns geht es gut!“. Das ist die selbe Lüge wie ihr „Wir schaffen das!“. Es erhebt sich zuallererst immer die dringende Frage: Wer ist mit „uns“ gemeint? Und wer ist mit „Wir“ gemeint? Ob es vor allem die Besserverdienenden und Geldsäcke in Deutschland sind? Ob die scheinbar guten Statistiken mit einem gnadenlosen Lohndumping und einer beginnenden und dann alles zermalmenden Altersarmut erkauft sind? Wem das zugute kommt? Man braucht nicht lange fragen. In nahezu allen Staaten um uns herum in Europa gibt es so etwas wie eine garantierte Grundrente, die über 1000 Euro liegt. Österreich, die Schweiz und die Niederlande mögen da als erster Beleg genügen. Es zahlen dort alle Bürger, also auch Abgeordnete, Selbständige, Ärzte, Rechtsanwälte und dergleichen in eine solche solidarische Rentenversicherung ein. Diese Länder verfügen über ein Solidaritätsprinzip, das reichere Mitbürger mehr in die Rentenkasse einzahlen lässt als ärmere. Dies ist in diesen Gesellschaften auch weitgehend akzeptiert. Ein fester Betrag. Grundrente. Für alle. Hierzulande gibt es steigende Beiträge bis zu einer gewissen „Bemessungsgrenze“ von derzeit 6500 Euro pro Monat. Jenseits dieser Grenze braucht nichts mehr bezahlt zu werden. Einkommen, die also über 6500 Euro betragen, sind nicht rentenversicherungspflichtig. Er muss sich damit also nicht mehr an der Solidargemeinschaft beteiligen. Wem dies alles zugute kommt? Ob gewisse Politiker da nahe genug dran sind? Sozial- und Rentenpolitiker der Parteien insbesonders?
Einst war es die oft geäußerte Sorge der Politik, dass es immer höhere Beiträge benötige, um die Renten zu bezahlen. Also wurden die Rentenbeiträge für die Arbeitgeber gedeckelt. Und das Rentenalter wurde hochgesetzt. Nun sollten alle bis 65 arbeiten. Vergünstigungen wurden abgeschafft, Renten sollten nicht mehr im Gleichklang mit den Löhnen steigen. Der Motor für „die Wirtschaft“ sollte unter Schröder angeworfen werden. „Die Wirtschaft“, wer das wohl ist? Die Arbeitgeber/Kapitaleigner oder die Wirtschaft insgesamt (zu der ntürlich auch steigende Löhne gehören würden)? Eventuell auftretende Lücken sollten über die sogenannte „Riester-Rente“ abgedeckt werden, eine private Rentenversicherung, durch deren Abschluss, wie sich später heraus stellte, vor allem Versicherungsgesellschaften profitierten, äußerst selten jedoch diejenigen, an die sich diese Versicherung zu wenden schien. Außerdem wurden ihre „Zuschüsse“ mit Steuern finanziert, also durch das von allen entrichtete Geld. Das alles hat zur Folge, dass zahlreiche Mitbürger nach einem Leben voller Arbeit zum Sozialamt gehen müssten. Das Kernversprchen eines Sozialstaates aber war es, dass man nach einem Leben voller Arbeit von seiner Rente leben können muss. Wenn das Niveau aber wie auf einer Rutschbahn nach unten geht, kann diese Versprechen nicht, oder nur für sehr gut verdienende Bürger, gehalten werden. Die jetzt so groß mit dem Gerechtigkeitsversprechen auftrumpfende SPD, die unter anderem Mitglieder wie Gerhard Schröder, Wolfgang Clement oder Peer Steinbrück hat oder hatte, hat diese direkt in die Altersarmut führende Politik entscheidend mit zu verantworten.    

Montag, 8. Mai 2017

Landwirtschaft, Tierhaltung

Wer eigentlich kann mit ansehen, wie ein Tier geschlachtet wird? Wir fressen Tiere und leiden womöglich alleine schon unter dem Gedanken an ihre Tötung. Wer kann sich den Geruch des Todes vorstellen, wer will das? Wie riecht Blut? Ob uns das verstört? Oder sind manche Leute schon dermaßen abgestumpft und erklären sich selbst so zur Krone der Schöpfung, dass ihnen das nichts mehr anhaben kann? Fleisch essen? Manche tun das trotzdem. Ob es in der Auseinandersetzung um dieses Thema um Massentierhaltung geht? Ob es ein großer Unterschied ist, ob ein Massai-Krieger ein Beutetier zubereitet und isst oder ob ein Mensch aus unserer Umgebung ein Schnitzel aus dem Supermarkt brutzelt? Womöglich ist die Verdauung und der Stoffwechsel eines modernen Menschen für den Genuss von Fleisch ausgelegt, das aber nicht zwingend aus der Massentierhaltung stammen muss.....Ob Tiere nicht auch eine Würde haben, eine Leidensfähigkeit, die uns nicht zwingend in die Stellung versetzt, sie nach ökonomischen Kriterien umzubringen? Ob die Tiere das mitkriegen, wenn sie getötet werden? Ob ihnen so etwas wie Respekt zusteht? Bolzenschuss und Elektrozange? Sind sie die richtigen Instrumente oder Methoden dafür, sind sie angemessen? Schlachthäuser als die Orte des Todes. Wer kann das, will das rechtfertigen, was in Agrarfabriken auf der ganzen Welt passiert? Zu welchen Begründungen will er sich versteigen? Die Weltbevölkerung ernähren? Es wurde bereits an anderer Stelle dieses Blogs angeführt, dass, um Fleisch zu „erzeugen“, der Energieaufwand viel zu groß wäre. 60 % der Böden werden zur Erzeugung von Tierfutter gebraucht/verbraucht. Für 1 kg Rindfleisch werden durchschnittlich 20 000 Liter Trinkwasser verbraucht und 16 kg Getreide und Soja verfüttert. Dabei werden mehr Treibhausgase erzeugt als bei 250 Km Autofahrt und 50 Quadratmeter Regenwald vernichtet. Ob diese Zahlen nun ganz genau stimmen oder nicht, erscheint mir nicht so wichtig als vielemehr die Tendenz, die dadurch angezeigt wird. Diese Umstände der Nahrungsmittelerzeugung kommen vor allem bestimmten Menschen auf dieser Welt zugute. Ist das noch ein Streitthema? Ob wir das alles am liebsten verdrängen? Möglichst nicht wahrnehmen, gar nicht erst darüber nachdenken. Es scheint festzustehen: Sehr viel Elend für die Menschheit hängt mit dieser Form der Tierhaltung zusammen. 

Sonntag, 7. Mai 2017

Fußballmachtspiele

Ob es mir urkomisch kommt, wenn jetzt mächtige Geschäftsführer von Fußballbundesligatraditionsclubs im Clinch mit Trainern liegen, die mehr auf der Seite von Spielern stehen und wagen, eine eigene Meinung zu äußern? Ob das mehr Ausdruck eines Hierarchieverhältnisses ist, das sich vor allem auf Geld gründet und mit dem Vertreten von Fans gar nichts zu tun hat? Diese „Fans“ scheinen ja immer noch an die alte Mär' der "11 Freunde" zu glauben und schenken ihrem Verein alles, vor allem ihre Kaufkraft.... Es soll bald entschieden werden und es geht ja ausschließlich um „Strategie, Kommunikation und Vertrauen“. Klaro, um was denn sonst? Persönliche Animositäten und ökonomische Interessen (z.b. Aktien einer Aktiengesellschaft) spielen da naturgemäß überhaupt keine Rolle. Wer lässt sich eigentlich solche Inszenierungen vorspielen und hält sie für die Realität? Ob dies etwas sehr Globales hat und ob man eine solche Kritik äußern darf? Ob es eine gewisse Ähnlichkeit zu den antiken „Brot und Spiele“-Strategien der Antike gibt? Sklaven und "Elite", ein delikates Verhältniss. Ob es im alten Rom gelegentlich auch um Macht ging? Lauter Fragen, bei denen ich an der Seitenauslinie stehe und staune....... 

Samstag, 6. Mai 2017

An meine Mutter (Eduard Mörike)

An meine Mutter

Siehe, von mailen den Liedern nicht eines gilt dir, o Mutter!
Dich zu preisen, o glaub's, bin ich zu arm und zu reich.
Ein noch ungesungenes Lied ruhst du mir im Busen,
Keinem vernehmbar sonst, mich nur zu trösten bestimmt,
Wenn sich das Herz unmutig der Welt abwendet und einsam
Seines himmlischen Teils bleibenden Frieden bedenkt


An dieselbe

Ach wie liebreich warst du der Welt und dienetest allen!
Und wie klein doch, wie plump hat sie dich endlich verkannt,
Da entsagtest du ihr; doch lächelnd wehren die Deinen
Heute wie gestern der Hand, die sich in Liebe vergißt.


(Eduard Mörike)

Freitag, 5. Mai 2017

Verhaltensmodelle

Notizen (Namen sind unkenntlich gemacht, vertauscht und bewusst ins Neblige gerückt): "Der Tod wird kommen. Das immerhin ist sicher. Mein Vater ist dafür mein Modell, nach dem sich mein Handeln ausgerichtet hat. Ein sanfter Mann, der immer in sich hinein gefressen, toleriert hat (und sich nicht einmal das hat anmerken lassen). Er hat sich mit den großen Geistern beschäftigt und sie ernst genommen. Er hat ihre Zweifel abgewogen. In sich selbst ausgetragen. Und ist letztlich doch gläubig geblieben auf eine Art, die sich nicht offensiv und missionarisch nach außen hat mitteilen müssen. Ob er seine Schüler geschlagen hat, nachdem er sich dazu verurteilt sah, den Lehrer zu spielen? Ist er in solchen Konventionen, Bezüglichkeiten aufgewachsen? Er tat es wohl (wenn er es überhaupt tat...), so dachte er, im Interesse der Sache. Es musste sein. Ob ihn je eine Person interessiert hat? 
Zum Beispiel diese Person. Auch sie gegen die Wand gefahren. Vor vielen Jahren schon. Ihre Schönheit kam mir unwirklich vor. Das ist sie auch, denn sie steht fest im Leben, würde nie mit sowas rechnen, bzw. hat es zu oft erlebt. Sie denkt an ihrer Kumpelhaftigkeit mit der eigenen Berufsrolle. Seit zwei Jahren ist da völlig Funkstille. Da gab es noch jemanden, die plötzlich hat abprallen lassen. Mit schärfsten Agressionen, wieso? Was hatte ich ihr getan? Ich weiß es bis heute nicht. Die einzige Person, zu der Nähe da ist, ist XXX. Auch so eine Looserin, die es in eine Berufsrolle hinein geschafft hat und manchmal daran verzweifelt. Es ist nicht der einzige Berührungspunkt mit ihr. War ich völlig verrückt, als ich sie einst aufgeben wollte? Ging darüber hinein in eine Einsamkeit, die mich ganz alleine in Richtung auf den Tod führt." 

Mittwoch, 3. Mai 2017

Fußballstartup

Ich bin froh darüber, dass es ein Verein aus den Neuen Bundesländern geschafft hat! Einer, der den typischen Emporkömmling im Turbokapitalismus verkörpert und die sogenannten Traditionsvereine neidisch gemacht hat! Ja, er mag nur zum Zwecke der Promotion einer Brausedose gegründet worden sein! Aber ist das Gebaren der „alten“ Vereine dagegen nicht etwas verlogen und war das nicht die einzige Chance eines Vereins dieser Herkunft? Sind nicht etliche Fußballmannschaften der deutschen Bundesliga als „Werkself“ angekündigt? Teil ihrer Funktion mag immerhin die eines Aushängeschildes und Werbeträgers eines Konzerns sein. Oder der Ruhm eines reichen Mäzenen!Dass dabei niemand nach den moralischen Dimensionen solchen Tuns fragt, nennen Altvordere des Gewerbes gerne „professionell“. Sie haben ja einen Vertrag abgeschlossen und werden niemals nach dem Warum und Wieso fragen, sondern nur nach dem Geld bzw. Profit. Für Geld machen sie alles. Das ist dem System extrem angepasst, - wurde aber jetzt überholt von einem frechen Startup. Er macht alle anderen neidisch, indem er noch ein bisschen konsequenter in Richtung Kommerzialität drängt, indem er sein Tun von vornherein verkauft hat und nicht darauf angewiesen ist, tausend aufdringliche Sponsoren zu finden, die nicht nur Spieler und Werbeflächen, sondern sogar Namensrechte an altehrwürdigen Stadien aufkaufen. Es ist doch so, das diese Fußballbundesliga eine ziemlich festgefügte Gesellschaft ist: die kapitalstärksten Vereine kaufen den anderen regelmäßig die besten Spieler ab, um auf hohem Niveau möglichst international mitzuhalten. Diese „Lieferanten“-Vereine dürfen sich dafür dann „Ausbildungsvereine“ nennen. Wer kein Geld hat, der hat keine Chance. Jüngst wurde sogar öffentlich und wohl etwas zu offensichtlich vorgeführt, dass Profitinteressen alle ethischen Bedenken gnadenlos zu überwölben scheinen, gerade was Terminsetzungen angeht. Gelegentlich steigen per Statut ein paar Newcomer-Vereine auf und später wieder ab. Im Wesentlichen aber bleibt die Struktur erhalten, ja, sie hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verfestigt. Nun werden öffentliche Krokodilstränen vergossen, dass sich punktuell etwas geändert hat. Vereinsvorsitzende und Geschäftsführer lassen sich zu allzu starken Tönen hinreißen. Es werden sogar neue „Feinde“ ausgerufen. Doch das ist nicht der wesentliche Punkt. Wesentlich ist vielmehr, dass dies, - falls es allzu erfolgreich“ sein würde, - ein Modell abgeben könnte für andere. Dass es dem voll durchkommerzialisierten Bundesliga-Fußball die Maske vom Gesicht ziehen könnte.