Reise durch Wirklichkeiten

Montag, 31. Oktober 2016

Digital Slave (MP3)

Digital Slave

by Buranmann

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Digital Slave

Sonntag, 30. Oktober 2016

"Hallo Du!" (2)

Folgendes schrieb mir jemand zu meinem Blog „Hallo Du!“: 
„Früher, als ich mich noch nicht meines Körpers schämen zu müssen glaubte, badete ich gern nackt am See. Nicht wegen der Sexualität, sondern einfach, weil es paradiesisch war, so wie mich Gott schuf, umrandet von Schilf mit schillernden Libellen, Fröschen und seltenen Entenarten zu schwimmen. Heute bade ich immer noch gern am See - jetzt im Badeanzug, weil ich denke, meine zu vielen Pfunde nicht unbedingt präsentieren zu müssen, obwohl - wäre ich etwas selbstbewusster, täte ich das immer noch.
Mein bisher letzter Besuch am See: Zuerst nackte Akademiker, ältere Semester, diskutieren über Naturwissenschaft und machen nebenher Picknik. Als sie gegangen sind, kommt eine muslimische Familie mit einer deutschen Oma (Betreuerin?). Oma auch im Badeanzug, Papa komplett angezogen, Mama im Burkini, die beiden Söhne in Badehose. Papa steht am Ufer und bewacht Mama und die Kinder. Ich lege mich auf den Rücken und döse, als ich bemerke, wie Papa seinen Gebetsteppich ausbreitet und zu Allah betet. Bin etwas verunsichert und frage mich, ob er mich für eine Schlampe hält. Als sie gegangen sind, sitz ich allein in der Sonne. Ein älterer Herr in Badehose nimmt 5 Meter hinter mir Platz.
Nach einiger Zeit geht er in Badehose an mir vorbei ins Wasser und als er wieder herauskommt hat er nichts an und nimmt wieder einige Meter hinter mir Platz. Als ich zufällig herumschaue, sehe ich, wie er sich einen runterholt und mir provozierend in die Augen schaut. Schnell drehe ich ihm wieder den Rücken und denke, von solch einem Würstchen lasse ich mich nicht einschüchtern oder gar vertreiben, ich ignoriere ihn einfach, aber etwas mulmig ist mir schon. Überlege, ob ich ihn mit dem Handy aufnehmen soll, aber bekomme Angst, dass er dann aggressiv wird. Endlich naht eine andere Frau auf dem Rad. als sie aber den Exhibitionisten sieht, verschwindet sie wieder, mir wird's dann auch zu blöd und ich gehe.

Da verstehe ich die Muslime wieder, deren Frauen sich ganz verhüllen. Aber ist es nicht möglich, ohne die Sexualisierung, die Gier, das Benutzen anderer zur eigenen Befriedigung einfach zu missbrauchen, respektvoll miteinander umzugehen? Dann braucht man keine Verschleierung und wird als Mensch, was man bzw frau auch ist gesehen. Ist diese übertriebene lieblose Übersexualisierung nicht fast auch eine Religion? Muss man bzw. frau sich verhüllen? Warum kann man in beiden Fällen Frauen nicht einfach als ganz normale Menschen respektieren???

Freitag, 28. Oktober 2016

Verkehr

Natürlich rufen sie jetzt wieder nach einer Benzinpreiserhöhung, Die Grünen. Diesmal meint der Hofreiter Anton, dass es viel zu billig sei, das Benzin. LKW-Maut und Tempolimit für die Autobahn ist von ihm gefordert. Unter anderem. Klar, ist nicht zum ersten Mal gehört, - Lieblingsthema. Typisch Grüne. Über den Preis Druck ausüben. Aber Alternativen bieten die Alternativen nicht an. „Alternative Antriebsarten“? Ob's danach wirklich aussieht? Öffentlicher Nahverkehr? Nicht mal in der Stadt flächendeckend vorhanden, geschweige denn auf dem Land. Man propagiert mal wieder Freie Fahrt für die Besserverdienenden, denen höhere Preise natürlich nichts ausmachen. Die Partei profiliert sich damit mal wieder als eine der besserverdienenden Lehrer, der Politiker und der emporkömmlichen „Kreativen“, die es sich leisten können, in der Innenstadt zu wohnen. Dabei sollte sie einigermaßen konstruktiv über das Phänomen „Mobilität“ nachdenken. In neue Richtungen weisen. Etwas Alternatives aufzeigen. Aber jetzt, die Benzinpreiserhöhung zum Vorteil des Staates?, das ist natürlich kein Etatismus. Was das ist, Etatismus? Für die Pendler müsste es dann natürlich einen steuerlichen Ausgleich geben, so geht die Mär'. Dabei sehe ich aber total schwarz, denn auf dem Säckel sitzt der Schäuble und gibt so gut wie nix her. Die Grünen im Falle ihrer demokratischen Machtergreifung würden's ihm gleichtun, denn der Staat braucht ja immer mehr Geld, so ihre Überzeugung. Es wäre auch das erste Mal, wenn der Staat freiwillig auf etwas verzichten würde, an das er so leicht heran kommt. Steuern machen natürlich diesen besserverdienenden Lautsprechern auch nichts aus, klaro. Die haben's ja ohnehin. Und der Staat braucht Geld für KITAS, Schwimmbäder und andere gute Zwecke...... jaja, der Staat ist ja sooo gut....alles irgendwie ausgeleiert..... 

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Politiker und Werte

Es scheint so, als habe Teresa May, die neue Premierministerin Großbritanniens und jetzige Brexit-Statthalterin, vor dieser Zeit im Kabinett ihres Vorgängers David Cameron den Brexit ganz entschieden bekämpft. Dementsprechende Dokumente sollen jetzt heraus gekommen sein. Unter dem Thema „Was Teresa May wirklich meinte“ macht die Presse jetzt eine straff personalisierte Geschichte daraus. Dabei scheint der ganze Vorgang doch eher symptomatisch für die gesamte gegenwärtig waltende Politikerkaste zu sein und könnte durch unendlich viele Beispiele belegt werden: der möglichen Karriere wird die eigene Überzeugung gerne geopfert, das eigene Vorankommen ist oberste Maxime jeglichen Handelns. Opportunismus und Populismus sind längst Markenzeichen dieser persönlich blassen Funktionsträger geworden und feiern unter basisdemokratischen Vorzeichen Urständ. Die einzelnen Wähler scheinen angesichts der allgemeinen Informationsüberflutung ohnehin alles durcheinander zu bringen, entwickeln aber in ihrer Masse eine beachtliche Schwarmintelligenz, die dank zuverlässiger werdenden Umfragen jederzeit abzufragen ist. Gibt es hier im Blog ein Politiker-Bashing? Ja, solange die Korruption von solch opportunistischer Verhaltensformen nicht weit entfernt ist und der Abstand zu den Bürgern und ihren Anliegen sich ständig noch verstärkt. Sie nehmen ja für sich in Anspruch, jemanden zu vertreten. Haha. Politiker aller Couleur müssten genau jene andere Vorgaben haben, die sie dermaßen offensiv überall verkaufen.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Religion und Kritik

Es scheint die Welt der „Wissenschaft“ zu geben und diejenige des Glaubens, die sich keinerlei Beweise schuldig glaubt, solange das Gegenteil nicht bewiesen ist. Es ist aber absurd, an etwas zu glauben, bloß weil man sein Gegenteil nicht beweisen kann. Weltweit spaltet Religion die Menschen in diejenigen, die behaupten „Wir sind die Guten“ und die anderen sind demzufolge die Schlechten. Das scheint eine Hauptaufgabe der Religionen zu sein: das Ausgrenzen und das Einbeziehen. Die Gemeinde und die „Heiden“, die "Ungläubigen". Der Glaube, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. „Die Anderen“ sind das natürlich nicht und Ungläubige, die zu bekehren oder zu vernichten sind. So etwas scheint zur gewalttätigen Überzeugung zu legitimieren. So entstehen Kriege oder werden dadurch begünstigt. Schwierig ist das auch, weil Menschen, die sich auf diese Weise indokrinieren lassen, sich immun gegenüber Kritik geben oder sich gar persönlich beleidigt fühlen. Politiker wollen einem zudem immer wieder weismachen, das man hier in Zentraleuropa die Werte des christlichen Abendlandes genießen würde, obwohl Demokratie, Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau gegen die Religion erfochten werden musste. Die Caritas-Legende trägt zudem dazu bei, dass viele auch kirchenferne Mensschen glauben, die Kirchen würden so viel Gutes tun. Einwand: Caritas und Diakonie werden wohl nur zu 1,8 % aus Kirchenmitteln finanziert, so ein paar Recherchen. Solange Religionsvertreter glauben, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, solange deutsche Bistümer aus Steuergeldern (nicht Kirchensteuer!!!) finanziert werden, aber vom völlig undemokratischen Vatikan gesteuert werde, solange wir Berufschristen dafür bezahlen, dass sie Homosexualität als Sünde bezeichnen, die wider die Natur wäre, solange wir die alle nötige und durchaus auch konstruktiv gemeinte Kritik am Islam als islamophob oder gar als rassistisch abtun, muss wohl Kritik an der Religion sein. 

Dienstag, 25. Oktober 2016

"Hallo Du!"

„Hallo Du!“. Wer heute auf Partnersuche ist, sucht im Internet. Mit der richtigen App findet man jede Menge Kandidaten. „Hi Süße!“. Fesselspiele am Wochenende, Swinger-Vergnügen zwischendrin, Speed-Dating mit Zungenspielen: alles ist möglich. Schnell muss es gehen. So geht Flirten heute. Flirten ist wie Geschäfte machen. Gibst du mir, so gebe ich dir. Ein Austausch. Ein Preisabgleich. Digital. Automatisiert. Anonymisiert. Und wie sieht's im „Geschäftsleben“ aus, im Berufsleben? Jedermann nennt jedermann „Du“. Das kommt aus dem Englischen und ist global. Verpönt ist diese typisch deutsche Distanzierung, die da noch differenzieren will und keine falsche Erwartungen aufkommen lassen will. Aber genau das ist es, was Unternehmensführung will, wenn sie das „Du“ einführt: mit Erwartungen spielen. Chefs zwingen ihre Untergebenen, sie zu duzen. Das schafft scheinbares Vertrauen, scheinbare Nähe. Ob damit Hierarchien abgebaut werden oder ob sie flacher gehalten werden, wie das Ideal verspricht? Skepsis erscheint angezeigt. Ob wir nicht doch etwas differenzieren sollten, ob alles auf einem Austausch auf gleicher Augenhöhe beruht? Wer eine Gehaltserhöhung will, dürfte es mit seinem „Du“ nicht unbedingt einfacher haben. Es setzt voraus, dass beide Beteiligten zwischen der persönlichen und der Sachebene unterscheiden können. Und das ist nicht immer gegeben. Wie sieht es da beim „Dating“ aus? Da scheint das meist auch nicht gegeben. Alle Beziehung scheint auch da eine Frage des ökonomistischen Ausgleichs.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Wörter, Gedanken, - und das Sein

Wörter sind missbrauchtes Material, sie lügen in ihrer Beliebigkeit, - genauso wie inzwischen die tausendfach bearbeiteten Bilder/Fotos. Verlogene Gesten herrschen vor, Posen, Verkaufe – die Hohlheit, die Sinnlosigkeit in der Unterhaltung, sie feiert fröhliche Urständ‘……Das Fröhliche, das Positive ist dabei sehr wichtig: es bedeutet Betäubung, Überbrückung, Vergessen, Verdrängen, alles um uns herum, wer wir sind, wer wir sein könnten…….. Der Flow ist dabei wichtig, der Rhythmus, der scheinbar alles mit sich fortreißt……der Fluss, dem wir uns anvertrauen könnten……Alles ist schön nach den vorgegebenen Maßstäben....(zumindest für die, die es sich leisten können....)

Samstag, 22. Oktober 2016

Selbstvergewisserung

Es geht um die Angst, Identität zu verlieren. Identität? Sie lässt man nicht so gerne in Frage stellen, darum geht’s:  sich selbst immer wieder seiner selbst zu versichern, dafür gibt der Mensch viel. Menschen machen Grenzerfahrungen am Rande des Todes dafür und meinen, dadurch sich selbst näher gekommen zu sein. Der Sprung mit dem Fallschirm von Felsklippen zum Beispiel, Extremkletterei, Grenzgänge im Himalaya und sonstwo in der wilden Welt, sind für viele die geeigneten Mittel, um sich näher zu kommen. Für viel Geld kann man sich auch nach Erdbeben und Naturkatastrophen rauflotsen lassen, auf Berge, Höhen und große Ausblicke, die einem etwas suggerieren. Im Extremen eine Ahnung von sich selbst erhaschen, so die Verheißung. In Todesnähe eine intensive Erfahrung machen, so die Sehnsucht. 

Freitag, 21. Oktober 2016

Open minded

Offenheit. Open minded sein. Das könnte die Fähigkeit des Menschen bedeuten, sich in all seinen Entwicklungsphasen gegenüber neuen Anforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten zu öffnen, und das auch in Grenzsituationen des eigenen Lebens. Bis hinein ins hohe Lebensalter kann der Mensch sehr anpassungsfähig auf Situationen reagieren, wobei sich im Laufe des Lebens Daseinsthemen herausbilden, die ihrerseits auch eine relativ hohe Kontinuität geben. Dazu kann es auch gehören, mit unserem eigenen Inneren in Kontakt zu sein. Möglicherweise geht es weniger darum, sich ständig zu optimieren und dabei nicht zu merken, wie fremd man sich dabei wird und welche Defizite im Entziffern oder Entwerfen des eigenen Inneren bis hin zur völligen Unfähigkeit zur Selbstwahrnehmung drohen. Die Folge davon sind erhebliche Schwierigkeiten in der Kommunikation, die weitere Frustrationen und Konflikte nach sich ziehen.
Im Zusammenhang dessen gewinnt der Begriff der Offenheit erst seine auffordernd allumfassende Bedeutung und kann durch eine ganze Existenz leiten. Güte, Gelassenheit oder Abgeklärtheit sind nicht Haltungen, die der Mensch diesen oder jenen genetischen Anlagen, diesen oder jenen Umweltbedingungen zufolge erhält. Sie sind vielmehr auch ein Zeichen für das Ausmaß, in dem ein Mensch offen blieb: Für ein Zeichen, das nicht als Zeichen für Erfolg und Misserfolg stand, sondern so plastisch und beeindruckbar blieb, dass es selbst in der Düsternis der Existenz den Anreiz zu neuer Entwicklung gab.

Flexibilität. Das heißt praktisch, nicht nur die Schatten der Existenz wahr zu nehmen, sondern auch jene Aspekte meiner Biografie zu erkennen, in denen ich gewachsen bin, in denen ich schließlich etwas aus mir heraus gebracht habe, mich „entäußert“ habe. Offen für die Frage sein: Wo befinden sich neue Entwicklungsmöglichkeiten und Pfade? Die Ich-Integrität bedeutet nicht nur, dass ich meine Biografie annehme, sondern dass ich auch ständig neue Aspekte meiner Person wahrnehme, sie spüre und sie verwirkliche. Im hohen Lebensalter erlebe ich einerseits vielleicht die körperliche Verletzlichkeit, aber andererseits birgt dies gestiegene Lebensalter auch die Fähigkeit des Menschen zu einer eher kosmischen Orientierung, d.h. seine Existenz in einen viel umfassenderern Zusammenhang einzubetten, dass sich das Selbst immer weiter ausdifferenziert, und soziale Beziehungen anders gestaltet werden. Kognitiv und emotional wachsen, das heißt auch das Selbstgestaltungspotential wahrzunehmen. Hannah Arendt sagt in ihrem Werk „Vita activa“ oder vom tätigen Leben“: „Im Austausch mit anderen Menschen zeige ich mich mit der Einzigartigkeit meines Seins, trete gleichsam auf die Bühne der Welt, gebe mich aus der Hand“. Es geht um den Austausch mit anderen Menschen in Tat und Wort. 

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Einsichten

Deine Anpassungsmimikry. Ein kleiner Teil eines Ganzen sein. Sich selbst dabei verlieren als notwendiger Akt. Wie lange hälst du das durch? Dieses „Später, später...“, es hält dich innerlich aufrecht, während du äußerlich den Knecht gibst, aus Einsicht in die Verhältnisse... Da sind die Anpassungsmechanismen der anderen, das alltägliche Buckeln und dieses „bloß keine Empfindlichkeiten zeigen“: das sanktionieren die anderen sofort mit Liebes- , das heißt Geldentzug. Du musst funktionieren. Nicht krank werden. Wenn du etwas kreieren würdest, wär das keine besondere Sache. Sofort rückt jemand anderes an deine Stelle.
Wieso haben die so wenig Abstand zu dem, was sie tun? Wieso können die sich so sehr damit identifizieren? Haben doch alle studiert, haben sich im Blick geübt, der im Alltäglichen das Unalltägliche aufsucht, der die Distanz zu den Dingen und zu sich selbst sucht. Haben sich die Analysemethoden angeeignet, um zu erkennen, dass in solch eingeschlossenen Verhältnissen, in solchen betrieblichen Strukturen die Macht wohnt und die Machtausübung anderer implizit eingeschlossen ist. Wie kann man das so akzeptieren, sich dermaßen zu eigen machen? Schon die dauernd praktizierte Formulierung „Wir“. Wer ist wir? Der Betrieb? Einer, der stark ist? In diesen Zeiten? Der sich ein Monopol erobert hat? Wir sind stark. Wer ist wir? Der dich aber auch entlässt und dir Lohnzugeständnisse abringt, wenn er es für nötig hält. Dann bist du nicht mehr der Betrieb. Der Betrieb, dessen Chefs riesige Karossen fahren, die sie als Statussymbol direkt vor dem Eingang parken. Der Betrieb, dass sind doch die Kaufleute, die alles Wichtige diktieren. Alles Wichtige hat auf dieser Erde mit Geld zu tun, nicht mit Geist. Sie müssen immer wieder den Stallgeruch pflegen. An jedem Geburtstag, den irgendein Kollege hat. Dann werden kleine Tischen aufgestellt und Gemeinsamkeiten zelebriert.....

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Entdeckungen (2)

Was ihr selbstverständlich erscheint, ist es für mich noch lange nicht. Aber wir können zusammen im Nebel unserer Ahnungen und unserer „Halbbildung“ stochern. Wir können zusammen spekulieren. Es gibt dieses zusammen und das ist ein Wunder, - gemessen daran, wie die Dinge zwischen Mann und Frau normalerweise stehen. Sie war und ist verständlicher und selbstverständlicher Antipode. Man hat normalerweise dass Gefühl, dass man sich erst mal hinsetzen sollte und dem andern zuhören, sich einfühlen, irgenwie dahinter kommen. Eine andere Perspektive. Aber man hat normalerweise nie die Zeit, bzw. man lässt sich beständig ablenken von allerlei sozialen Notwendigkeiten oder scheinbaren Notwendigkeiten. Man „trinkt ein Bier miteinander“ und sitzt in der Kneipe, will dann aber seine Lebensprobleme doch nicht so laut neben der lauten Musik hinausposaunen. Aber in ein Smartphone, das darf schon sein. Man verliert sich in Einleitungen, in Hinleitungen, in Rechtfertigungen und anderen Erklärungen, man versucht, den Zusammenhang jemandem zu erklären, was ja alles für sich schon der vollen Aufmerksamkeit bedarf. Wir beide hingegen können sofort, quasi aus dem Stand, zum Kern der Sache kommen. Wir verstehen Zusammenhänge nicht nur aus der Lebensgeschichte, sondern aus einem psychologischen Verständnis für den anderen. 

Montag, 17. Oktober 2016

Entfremdung

Die wollen von dem einen das, von dem anderen etwas anderes, wie es halt so in ihr eigenes Bedürfnis-Schema reinpasst. Der ganze Mensch mit seinen Fehlern und Schwächen interessiert sie nicht. Man entwickelt ein gewisses Interesse, aber aus gewissen Berechnungen heraus. Aus Interessenlagen heraus. Man gebraucht, ja „missbraucht“ vielleicht gar den anderen. Man versucht, etwas aus dieser Person für sich nutzbar zu machen. Ein Bedürfnis damit zu decken. „Solange der auch etwas davon hat, ist es doch okay“, so die oft gehörte Einlassung dazu. Das erinnert an Tarifrunden von Gewerkschaften und Arbeitgebern. Es mag wohl so sein, dass es verschiedene Ebenen des Gebens und Nehmens gibt. Es ist so etwas wie die fleischgewordene Entfremdung. Einen Teil aus einer Person „herausschneiden“ und sie anschließend für sich zu nutzen, sie definierten Interessen zuzuführen, das ist gängige Praxis in unserer Gesellschaft. „Die eine Person hat dies, die andere etwas anderes“, so der oft gehörte Spruch dazu. „Ich nehme mir das, was ich brauche“. Der Bezugspunkt ist die jeweils eigene Bedürfnisstruktur, die sich auf wundersame Weise mit der anderer Personen decken soll („Geben und Nehmen“). Allerdings: Je mehr es „dem Alter“ entgegen geht, desto brüchiger wird dies Versprechen oft. Es ist dann eher etwas Ganzheitliches gefragt.

Sonntag, 16. Oktober 2016

Kolosseum on my Mind

Rom ist stark. In jeder Sekunde. Ich sitze im Kolosseum und bin erschüttert, beeindruckt und geschockt. Spielplatz von Emotionen, von den Mächtigen geschürt. Panem und Circenses, Brot und Spiele, - der alte Trick. Show und Ruhigsteller, die alten Mechanismen. Rom, religiöses Zentrum. Ich gehe umher und erfahre, dass der Papst auch mal dabei ist, noch heute. Dass er hier ist, der Sanfte. Religion im Sinne ihres Erfinders, ganz bei sich selbst. Und ich berühre die Gegenwart. Ich sehe Funktionen. Alles abgemildert und korrekt. Blitzableiter der Gefühle, Identifikation mit einer abgenutzt mystischen Idee. Arena, der Ausdruck ist in der Werbewelt immer noch beliebt. Krieg universal und gewinnbringende Penetration des Anderen. Wie peinlich ist denn das? Unzeitgemäß zeitgemäß. Die Vergangenheit bäumt sich auf, alles wird lebendig. Agression. 
Rom brennt, zum Vergnügen eines römischen Potentaten. Aufbauen nach vorgegebenen Vorstellungen. Pläne für viele Jahre. Ein Koloss als riesiger Namensgeber. Poesie als Unterdrückungsapparat mit Kick. Kommunikationsdesigner schaffen heute scheinbare Klarheit und verklärte Unklarheit hat System. Wir sind dabei und sitzen auf den Rängen. Auf den billigen Plätzen ganz hinten. Als Beobachter. Registrierer. Vorne fressen oder saufen sie und ficken um die Wette. Alles Gute wird automatisch zugeführt. Von hinten, von unten, von überall. Da ist nur dies eine Leben. Wo sind wir? In der VIP-Lounge? Und ich überlege: ist da eine durchgehende Linie, was hat sich geändert? Sie brauchen das. Sie wollen bewundern und erschaudern. Es ist ihnen Effekt. Medien und ihre Vermittlerrolle. Auch da. Spielen ihre Rolle. Ihre Beherrscher sind nicht nur logistisch sehr effektiv. Pressen ab. Unterdrücken. Strafen und töten. Verwalten. Führen diesen penetrant permanenten Krieg. Setzen ein und ab. Überall und global. Tiere missbraucht. Kopf ab. Zerfleischt. Noch scheint das normal. In zehn Jahren sind wir technologisch weiter. Franz von Assisi, was sagst du dazu? Ich bin auf deiner Seite. Sollen wir zusammen weinen? Oder ist das zu "negativ"?  

Freitag, 14. Oktober 2016

Spezialisten

Man muss sein Potential entwickeln und abrufen... das ist der Glaubenssatz dieser Gesellschaft. Ich hingegen lasse mich in der Abfolge der notwendigen Tätigkeiten treiben, betäube mich, denke daran und tue gleichzeitig etwas, funktioniere in meinem Nichtstun, kriege noch etwas von der Realität mit:....der flotte, aber ach so „kantige“ Steinbrück (der sich nie verbiegen lässt....wer glaubt denn das? Was macht eigentlich die frohsinnige Ulla Schmidt? Auch als "Beraterin angeheuert? Kein Wunder saufen die Spezialdemokraten als Partei ab...) hingegen heuert in der guten Tradition der Spezialdemokraten bei ING-Diba an. Als Berater, Ratgeber, Guter Geist der Vorstandsetage. Als guter Name mit tausend Beziehungen. Selbstverständlich sieht er keinen Interessenkonflikt: sein Ministeramt sei ja schon 7 Jahre her, so wird von oben beschieden. das lausige Abgeordnetenmandat, nun ja, er hat sich unlängst mit einer Rede im Parlament davon verabschiedet, ist ja eh nicht der Rede wert. Na, und der Chancellier Schröder hat's bei Gazprom/Nordstream ohnehin schon schlimmer gebracht, da gab's keine größere Schamfrist.  Nicht schlecht war auch die Kurve, die der Wirtschaftsspezi Wolfgang Clement gefahren hat..... Und der Grünen-Fischer, der Joschka, soll jetzt Siemens und BMW beraten, so ist zu hören. Ob das stimmt? Wer will, kann noch viele weitere Beispiele finden. 

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Überwachung

Es ist doch immer dasselbe: Terrorismus als Vorwand für den Überwachungsstaat! Es ist das durchgehende Muster. Wieso wollen gewisse Politiker das mit allen Mitteln? Aktionismus? Beschwichtigung? Affirmation? Streben nach dem allgewaltigen Staat? Eine gewisse totalitäre Tendenz? Wenn's drauf ankommt, klappt leider viel zu wenig, Pannen treten gleich massenhaft auf! Auf eilig einberufenen "Pressekonferenzen" wird nach gehabtem Muster alles in einen einzigen Faktennebel zerquatscht. Und die bestallten Medien machen alle mit. All diese Sprach- und Gesichtserkennungssoftware, die offenbar viel zu schweren Bleiwesten, die viel zu wenig vorhandene Kommunikation mit den Betroffenen und unter Behörden, die ja sowieso an den jeweiligen Landesgrenzen endet (hey, was machen eigentlich die EU-Schnarcher?), ein Geldfluss, der nicht auf Kosten der Allgemeinheit kontrolliert werden sollte (hey, setzt mal eure „Spezialisten“ in Gang!), die „Vorratsdatenspeicherung“, „Ermittler“, die Bescheid wissen und nicht handeln und vieles mehr......, es gilt trotz der in allen Medien beklagten Dauerereichbarkeit per Smartphone viel zu oft ein „Niemand ereichbar“, - es scheint all dies nichts zu nützen, auch wenn viele „Anschläge“ offenbar vereitelt werden konnten (was ja stets auf Jahre hinaus als Erfolg abgefeiert wird..., ohne genaue Fakten zu nennen, - ja klar, „Geheimhaltung“ unter den Unfähigen...). Ob das alles dem Vertrauen in „die Staatsgewalt“ förderlich ist? 

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Fiktion und Realität

Den klassischen Wechsel in andere Realitäten bieten seit vielen Jahren die Literatur, das Theater und der Film/das Kino an. Leider sind das Mechanismen geworden, die oft zu eingeschliffen wirken, die oft zur Routine mit all ihren Verfahrensweisen und Selbstverständlichkeiten geworden sind. Manche Nazis waren Literaturliebhaber, so heißt es. Schlächter mögen Theater. Schinder gehen gerne ins Kino. Und sie ziehen sich alle aus der Realität, in die sie eben mit einem Möglichkeitssinn geblickt haben, wieder zurück in ihre eigene Wirklichkeit. Schon das Kind soll lernen: ist doch nur Fiktion! Keiner wird so etwas ernst nehmen! Hauptsache spannend. Von einem ins nächste Abenteuer! 
Und doch: da täten sich Möglichkeiten auf. Die Unverbindlichkeit schützt uns vor allzu großer Identifikation. Es ist ein berechnendes Abenteuer. Das Gefühl der quälenden Langeweile bei Tschechow? Ist Bestandteil des Bildungskanons geworden. Das muss man kennen. Ist halt Tschechow. Thomas Bernhard und das Grinsen über die Existenz? Ach, der hat's doch selbst nicht so gemeint! Hermann Hesse und sein gerne zur Schau getragenes Außenseitertum und seine Feindschaft dem schnellen „Feuilletonisieren“ gegenüber? Wurde zur Marke und hat ihm nicht zuletzt den Nobelpreis eingetragen wie auch der Einfall der Blechtrommel dem Günter Grass, dieser moralischen Instanz aller SPD-Gläubigen! Kreative Großgeister halt. Goethe war ja auch ein Liebling der Mächtigen. Muss man kennen. Musste. Denn die Bildung ist ja so eine Sache. Ob man sowas im Job braucht? Kriterien. Mit John Ford in den Westen? Sind halt Bilder von Bildern. Gut gemacht, gutes Handwerk. Wim Wenders wird uns gerne inmitten der High Society präsentiert. Manche haben da ein Problem mit der Haltung seiner Filme. Ist doch egal. Ist doch, - wie bei Brecht – nur eine Arbeitshypothese. Der längst verstorbene Fassbinder? Hat sich, so heißt es, wie ein Schwein aufgespielt und war wohl sowas wie ein Diktator mit sadomasochistischen Zügen. Heilig gesprochen statt in seiner Zerissenheit erkannt. Der war hierarchiebewusst. Wollte vorwärts kommen. Etwas zustande bringen. Selbstverständlich nach seinen eigenen „genialen“ Vorstellungen. So ist's bei Kreativen. Ein Spiel halt, das bei manchen zu etwas führt...    

Dienstag, 11. Oktober 2016

Engel (1)

 Engel? Können Dinge, Menschen oder Situationen sein. Können sich darin offenbaren. Zutage treten. Schutzengel? Erzengel? Ich hatte mehrmals in meinem Leben Schutzengel und bin dankbar dafür. Ich habe einen Autounfall lächelnd überlebt. Die nächsten Jahrzehnte später gab es weitere schwere Überschläge mit einem anderen Auto. Auf einer Gerade mitten im Winter kommt mir ein Auto auf der Mitte der Straße entgegen. Ich weiche zur Seite aus, komme ins Glatte, schleudere, überschlage mich mehrmals, komme schließlich im Straßengraben zum Stehen. Ich machte die Türe nach oben auf und steige aus, ohne jegliche Verletzungen. Ich habe dann auch schwere Krankheiten überwunden. Da ist ein Gefühl, beschützt zu sein. Im Sein geborgen zu sein, das kenne ich durchaus genau. Dass einen etwas umgibt. Es bedeutet Beistand. Ob es etwas damit zu tun hat, ob man in die Kirche geht? Dieses „Im-Irrationalen-aufgehoben sein“? Im Religiösen, Spirituellen? Ich habe mich selten aufgehoben gefühlt, habe erst mit der Reifung habe ich es voll bewusst erfahren und akzeptiert, dass man nicht alles anfassen, erklären oder verstehen kann. Aber es gibt wohl ein „Sich sicherer fühlen“. Ein Vertrauen. „Urvertrauen“. Es empfiehlt sich womöglich, sich nicht darauf zu verlassen sondern möglichst selbst etwas aktiv dazu beizutragen, damit gewisse Situationen nicht eintreten. Es bedeutet dies, umsichtig zu sein, achtsam. Aber die Gefahr nicht um jeden Preis scheuen. Das richtige Maß finden. Hoffnung daraus beziehen. Kraft. Energie. Ein Muslim ergänzt mich von der Seite aus: „Vor dem Jüngsten Gericht sind Menschen, Dschinns und Engel. Jeder Mensch hat schon auf der Erde zwei Engel, die seine guten und schlechten Taten registrieren. Auf der Erde sind auch Dschinns, das sind Wesen, die Gott aus Feuer geschaffen hat. Sie sehen uns, wir sehen sie nicht. König Salomo kontrolliert sie. Viele sind gut, aber nicht alle. Manche kapern Menschen, manche mögen das Wort „Koran“ nicht hören. Es gibt spirituelle Menschen, die mit ihnen reden können.“ Ich habe das gehört, weiß nicht, ob es allseits korrekt ist. 

Sonntag, 9. Oktober 2016

Ob Geiz geil sein muss?

Dass sich jetzt eine unüberschaubare Konsumherde bei der Sonderaktion eines Kaufhauses um Schnäppchen gebalgt hat und dass sich die Teilnehmer dabei gegenseitig verletzt haben, war unlängst eine Nachricht. Schön blöd, diese Leute!, so denkt sich der (noch) Wohlsituierte in dieser Gesellschaft. Ob aber die sich gierig balgenden Leute auf „billige“ (Vorsicht! Die sind nicht immer günstige!) Artikel angewiesen sind, oder ob sie „nur“ der „Geiz ist geil“-Mentalität folgen, über die sich ganz besonders diese wohlsituierten und finanziell wohlabgesicherten Intellektuellen so erhaben fühlen? Dass immer mehr „Konsumenten“ in eine Position gedrängt werden, aus der heraus sie das Billigste für sich suchen müssen, um überall an der von ihnen so gesehen Öffentlichkeit teilnehmen können, das ist diesen Leuten nicht geläufig. Sie faseln etwas von „Nachhaltigkeit“ und „Öko-Bilanz“, wobei sie sich das spielend leisten können. Ob aber die Schicht derjenigen dauernd wächst, die da nicht dazu gehören? Und das, obwohl es ja Deutschland nach öffentlicher Einschätzung so gut noch nie gegangen ist? An was das wohl liegt?

Samstag, 8. Oktober 2016

Nichts

Ich sitze dem Nichts gegenüber und starre ihm in die Augen, beobachte, wie die Verhältnisse um mich herum mich verändern. Werde ich mich herausretten können aus dieser Phase, die mich langsam aber sicher immer weiter dominiert? Ich will unbedingt etwas für die Gesundheit tun. Es bietet sich dafür viel an. Es ist alles bekannt, - nur, man tut's nicht. Man hat dafür wieder mehr Zeit zum Grübeln. Kopf gegen Gefühl. Vom Kopf her hätte man Chancen besser nutzen müssen. Besser. Optimal, nicht optimaler.....(das geht nicht). Doch irgendwas in mir sagt mir, dass ich's nicht tun sollte. Der Kampf in mir geht weiter! Vielleicht, vielleicht... in dieser Vermutung oder Hoffnung darin besteht das Leben. Weiter, immer weiter, dem Tod entgegen. 

Freitag, 7. Oktober 2016

"Erfolg" lernen

Überwiegend alte und "erfolgreiche" Menschen plädieren oft für künstlerischen Eigensinn. Setzen die Selbstverwirklichung als hohen Wert an, wofür sie angesichts ihres guten Namens und des Rufs stehen, der sich auf Kassenerfolge beruft. Sie setzen dann einen einschlägigen Kurs an. Die Masse macht's. Online-Kurse. Videos. PDFs. Normalerweise könnte man sich sowas nicht leisten. Sie aber wollen eine Art tippgebende Lehrer sein, die anderen die Lehrlinge, nach klassischem Vorbild. Sie geben die Rolle des Weisen und die des Künstlers, der in Gestalt des Handwerkers daherkommt. Sie erklären, wie es geht. Sie haben es drauf. Sie sind im Erfolg, den alle wollen. Auch nichts Falsches. Besonders im Künstlerischen. Auch sie mögen Glück gehabt haben, einfach Glück. Doch das zählt nicht. Da sie Promis und insofern die Besten sind, müssen sie's ja alles wissen. Selbstdarstellung oder schauspielern, „so tun als ob“: kein Problem, kann man lernen. „Social Media Branding“? Heutzutage oberwichtig. Professionalisierung einüben. Besser werden. Haltung zeigen. Street credibility, gerade dann, wenn man's auf der Straße jedermann verkaufen will. Was? Sich. Seine Möglichkeiten. Seine überragenden künstlerischen Ambitionen. Das, was man aus sich gemacht hat. Seht her, ich zeige es euch!  

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Schönheit des Verfalls

Eine Frau verlässt einen Mann, ein Mann verlässt eine Frau: jeweils wegen jüngerem Material. Egoistische kleine Existenzen, die sich selbst kaum jemals nahe gekommen zu sein scheinen, außer in der körperlichen Bedürfnisbefriedigung. Die nie wussten, was sie eigentlich wollten. Die vielleicht nie wirklich empfanden, was ein anderes Individuum sein kann. Wieso nur wird das alles dauernd als „normal“ akzeptiert? Aus Einsicht? Sich auseinander leben, „unüberbrückbare Differenzen“ und all das Geschwätz, die Phrasen, - sind der bereit stehende Trash. Wir stemmen uns gegen das Alter, gegen das Altern, das schmerzvoll ist. Furchtbar, wie wir das Verschwinden unserer Jugend immer schlechter akzeptieren können. Ist die verstreichende Zeit nicht fürchterlich? Scott F. Fitzgerald hat es in „The Great Gatsby“ auf den Punkt gebracht: „So regen wir die Ruder, stemmen uns gegen den Strom - und treiben doch stetig zurück, dem Vergangenen zu...“. Wie viel von dem, was wir sind und was wir empfinden, wird vom Zustand unseres Körpers bestimmt? Wie gehen wir mit Jugendwahn und älter werden um? Und wie mit der Schönheit, die auch immer da ist, so vergänglich sie auch sein möge? Gibt es eine Schönheit des Verfalls? Eine Schönheit des Scheiterns? 

Montag, 3. Oktober 2016

Shitstorm

Da zieht ein It-Girl unsäglich über Flüchtlinge und Ausländer im Allgemeinen her und postet das mit einem gewagten Tittenvergleich im Internet (wow, ein "Reizwort" untergebracht...). Ein Kabarettist und Pointenschleuderer, der sich oft über ein schlechtes Fernsehprogramm ausgelassen hat, steht ihr bei. Ein gewaltiger Shistorm bricht daraufhin über sie herein. Anschließend will sie's aber nicht gewesen sein und und bezeichnet zusammen mit ihrem knitzen Co-Autor, der offenbar für die Fernsehserie „Dschungelcamp“ Dialoge schreibt, das Ganze als Satire, die demaskieren soll. Bloßstellen. Alles nicht so gemeint. Ob man auf diese Weise ins Gespräch kommt? Ein kluger PR-Gag? Viele, sehr viele Medien haben über den Vorgang berichtet. Es hat geklappt. Ob das aber etwas über die Kommunikation in diesen Tagen aussagt? Glauben oder nicht glauben? Postfaktisch? Auf welche Kosten wohl solche Satirescherze gehen? Ob unser bärtiger Pointenmensch da ganz besonders toll und oberaufklärerisch agiert hat? Das It-Girl selbst bezeichnet sich als nicht so sensibel, als dass ihr ein solcher Shitstorm etwas ausmachen würde. Klar, sie nutzt halt die Medien im Internet. Da darf man nicht gerade sensibel sein. Ob man mit so etwas auf der Seite der ewig Guten ist?  

Bildung und Erfolg in der Marktwirtschaft

Es scheint so, dass in der alles beherrschenden Marktwirtschaft die Größe „Erfolg“
den einstigen Begriff der „Bildung“ oder gar den der „Leistung“ abgelöst hat. Das „Business“ strukturiert die Gesellschaft zunehmend. Bildung oder das, was bestimmte Personen darunter verstanden haben, ist nicht mehr mit gesellschaftlichem Status verbunden. Es ist der Markt, der alles regelt. Er rückt nämlich nicht die Größe „Bildung“, sondern vielmehr den „Erfolg“ in seinen Mittelpunkt. Auf dem Markt kann jemand auch ohne Bildungsabschluss etwas werden, sofern er die richtige Geschäftsidee hat. Das schafft jene Dynamik, die auch die USA so lange nach vorne gebracht hat. Ihr gelingen Aufstiegsmöglichkeiten, die rein über den Markt funktionieren. 

Sonntag, 2. Oktober 2016

"Es geht uns gut"

Nicht nur anlässlich der unlängst erfolgten Veröffentlichung neuer Arbeitslosenzahlen geht es mir allmählich auf den Zeiger, dass dauernd betont wird, dass es Deutschland noch nie so gut gegangen sei. Blöd nur: wenn ich mich umschaue, teile ich gar nicht mehr diesen Eindruck. Kann es sein, dass es denjenigen noch besser geht, denen es qua Erbe und ähnlichen Mechanismen des statischen Konservativismus ohnehin immer gut ging? Kann es sein, dass Politiker ganz überwiegend dieser Klasse von Menschen angehören und sich eher von oben herab um die Belange „gemeiner“ Menschen kümmern? Kann es sein, dass angesichts der neuen Informations- und Kommunikationsstrukturen Politik ganz überwiegend immer noch auf eine solche Art betrieben wird? Kann es sein, dass es uns auf Kosten anderer in der Welt so gut geht? Ob TTIP und CETA etwas damit zu tun haben? Will Deutschland nicht in allem Weltmeister sein, - Exportweltmeister? Soll am deutschen Wesen mal wieder die Welt genesen? Ob das Ganze ein bisschen arg auf Kosten Afrikas geht? Kann es sein, dass es nur deshalb so viele sozialabgabepflichtige Beschäftigungen gibt, weil diese prekär sind und teilweise vom Staat (d.h. von allen Steuerpflichtigen und nicht von den davon profitierenden Konzernen) „aufgestockt“ werden müssen? Kann es in einem reichen Staat sein, dass Schulen und Brücken immer mehr zerfallen? Dass Schwimmbäder geschlossen werden müssen, weil die öffentliche Hand bekannt gibt, so etwas nicht mehr finanzieren zu wollen, zu können? Zerfällt unser ehemals als einigermaßen solidarisch gedachtes Gesundheitssystem nicht immer mehr in zwei Klassen? In solche, die sich etwas leisten können, - und diejenigen, die das nicht können und deshalb z.b. auch entsprechend lange auf einen Besprechungstermin mit einem Arzt warten müssen? Ließe sich diese Reihe nicht noch lange fortsetzen?.......

Samstag, 1. Oktober 2016

Fakten, Fakten, Fakten

Dass nun das Bauchgefühl, die pure Emotion das Faktische, den so bezeichneten Faktizismus besiegt habe und dass diese Erkenntnis nun auch bis zu oberwichtigen Entscheidungsträgern der sogenannten „freiheitlich demokratischen“ mitteleuropäischen Gesellschaft (die sich in den etwas erweiterten Begriff „westliche Industriegesellschaften einreihen.....) als "Postfaktizismus" vorgedrungen ist, würde ich als höchst beunruhigend bezeichnen. Auswirkungen dürften sich unter anderem auch im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zeigen, auch die Despoten dieser Welt befleißigen sich schon emsig einer solchen Einschätzung und definieren die Wirklichkeit jeweils nach eigenem Gefallen. Möglicherweise ist das Misstrauen auch eine Folge dessen, dass man sogenannten „wissenschaftlichen Erkenntnissen“ nicht mehr trauen kann. Kommt eine bestimmte „wissenschaftliche“ Untersuchung und scheint gewisse Einschätzungen zu bestätigen, so erscheint es fast schon sicher, dass bald danach eine andere „wissenschaftliche“ Untersuchung genau das Gegenteil zu bestätigen scheint. Dabei hat doch Ernst Habermas schon 1968 in seiner Antrittsvorlesung „Erkenntnis und Interesse“ die schwierige Beziehung zwischen von den Auftraggebern gewünschten wissenschaftlichen Ergebnis und dem Streben nach objektiver Erkenntnis dargelegt. Viele Wissenschaftler sind käuflich, klar. Sie produzieren die Ergebnisse, die der Auftraggeber wünscht. Dabei sind „wissenschaftliche“ Erkenntnisse nie endgültig. Sie reflektieren nur, was sich das jeweilig untersuchende Team oder der einzelne Wissenschaftler „operationalisiert“ hat, d.h. was er für sich als messbar festgelegt hat. Dass dies einer gewissen, manchmal stark ausgeprägten Varianz unterliegt, ist ja ganz besonders in der Soziologie und der Psychologie klar, wo es um halbwegs messbare Erkenntnisse zum Verhalten von Menschen geht. Schon bei der wissenschaftstheoretischen Forderung, dass sie auch und unter wechselnden Bedingungen nachvollziehbar sein müssten, hakt es. Aber auch scheinbar exakte Wissenschaften wie die Chemie sind hier keineswegs unfehlbar. Wie die jüngste Vergangenheit zeigt, können ihre Untersuchungsergebnisse gewaltig variieren, je nachdem, was zu beweisen sei. Von der oft damit zusammen hängenden Medizin und der eng mit ihr verbandelten Pharmaindustrie ganz zu schweigen.

Donnerstag, 29. September 2016

Ein bisschen mithalten, ein bisschen Botox darf's schon sein fürs Egodesign

Man will ja nicht fortwährend als Nörgler, Kulturpessimist beschimpft werden, der zudem auch noch typisch deutsch sei. Aber als Analyst der Wirklichkeit kommt man nicht umhin, festzustellen, dass sich die Leute in den westlichen Industriegesellschaften immer mehr stylen, designen, dass sie auch durch ihr Äußeres einen bestimmten Eindruck hinterlassen wollen. Gerade durch ihr Äußeres. Botox ist gesellschaftsfähig geworden und Behandlungen damit sind minimal-invasiv, scheinbar harmlos und im Preis längst so gesunken, so dass sie sich nahezu jeder leisten können müsste. Gab es früher noch die vielen abschreckenden Beispiele von alternden Schauspielerinnen mit zu viel Geld („Maskenbotox“), so wird die Anwendung von einschlägigen Dermatologen heute viel raffinierter ausgeführt. Man will ja nicht so aussehen, als sei man mit Botox behandelt. Botox, was ist das eigentlich? Ein ziemlich hartes Nervengift, - so könnte man zur Auskunft geben. Ein Gift, das im Krieg als Biowaffe eingesetzt werden soll. Biogift. Tierversuche waren und sind anscheinend immer noch nötig (damit auch bisher unbekannte Hersteller auf den Markt drängen können...), damit die Schönen ihre Haut auch schön glatt haben. Der Clou bei Botox ist, dass es zwar nicht süchtig macht, aber immer wieder erneuert werden muss, weil der Körper es ja abbaut (was so falsch nicht ist...). Insofern ist es ein Gewinnbringer erster Güte und eine nie versiegende Geldquelle für einschlägige Ärzte. Alarmierend dabei ist, dass die Empathie mit zunehmendem Botoxgebrauch abzunehmen scheint, da lebendige Gesichtszüge auch emotionale Botschaften übermitteln. Botox könnte insofern dazu beitragen, dass das gesellschaftliche Klima kälter wird. Es gilt offenbar immer mehr, einen bestimmten Eindruck beim Gegenüber zu hinterlassen. Devise: Möglichst positiv und jung und dynamisch sein, gar nicht negativ, nörglerisch, melancholisch oder gar alt. Außerdem hat sich der soziale Druck zunehmend etabliert, sich mit Botox behandeln zu lassen. Wer etwas auf sich hält, macht das: „Etwas aus sich machen“. Der Druck auf diejenigen, die natürlich altern wollen, wird weiter wachsen. Jeder soll selbst verantwortlich sein für sein diesbezügliches Erscheinungsbild. Egostyling. Machen. Manipulieren. 

Mittwoch, 28. September 2016

Künstliche Intelligenz (5)

Ein Zitat des Physikers Stephen Hawking: „Die Computer werden irgendwann in den kommenden hundert Jahren mit ihrer künstlichen Intelligenz den Menschen übertreffen. Das wird das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit werden - und möglicherweise auch das letzte.“ Das sagte Hawking auf einer „Zeitgeist“-Konferenz des Internetkonzerns Google nahe London im Frühjahr vergangenen Jahres.
Doch die Forschung nach "künstlicher Intelligenz" basiert auf der Annahme, dass das menschliche Hirn nichts weiter ist als ein komplizierter Computer. Konsequenter weise glauben diese Wissenschaftler, dass die Welt vollkommen deterministisch, also vorherbestimmt ist.
Der erste Einwand gegen diese Denkweise ist, dass "Intelligenz" nicht einmal ein klar definiertes Wort ist. Die diversen "funktionalen Definition" können kaum als Grundlage einer Forschung dienen, weder als Leitfaden noch als Test. Der zweite Punkt ist, dass ontologisch gesehen die Ideenwelt und die objektive Welt zwei separate Dinge sind. Wir können mit Worten auf die objektive Welt verweisen, doch wir können diese Begriffe auch konzeptualisieren. Drittens kann man etwas "Bewusstloses" nicht als intelligent bezeichnen. Zum Bewusstsein gehört die Erkenntnis einer objektiven Welt. Algorithmen müssen jedes Objekt "lernen", Menschen haben ein Konzept davon und verweisen nur darauf.

Montag, 26. September 2016

Realität bewältigen

Rechts und links schwirrt und flirrt an uns die Realität vorbei. Nichts scheint mehr zu begreifen zu sein. Der Mensch wird nervös, er steht unter Strom. Tausend Informationen über kleine und große Notstände, Kriege, Umweltkatastrophen usw. Und wir haben es uns angesichts dessen geleistet, uns in der Komfortzone einzurichten. Doch die Welt und die Gesellschaft rückt zusammen, sich abzuschotten wird schwieriger, Dinge werden transparenter - aber nur für diejenigen, die sich darum bemühen: Die Gelegenheit dazu haben, zu bedenken, umzudenken, sich zu korrigieren. Gleichwohl sind wir dauernd online, erreichbar, verfügbar, einsetzbar. Zerissenheit macht sich breit. Auch zwischen denen, die haben, und denen, die nichts haben. Als Gleichmacherei wird alleine schon das Bewusstsein dafür beschimpft von denen, die in einem gewissen Interesse sprechen und handeln. Auch im Interesse dessen, das die Macht des Faktischen für sich hat. Alles war scheinbar so und wird so immer sein. Die Grundordnung ist unumstößlich, weil der gierige Mensch anscheinend die Konstante ist. Ein Neuentwurf, ein Aufbruch wirkt angesichts solch behaupteter Verhältnisse leicht lächerlich. Jeder will den Moment festhalten, nicht die Vergangenheit oder gar planen. Eine Frage wird geradezu diktatorisch: Wie fühlt sich das Jetzt an, der Moment?
Müssen wir ständig aktiv sein? Auch durch das Internet verliert sich das Gefühl für den Abstand von der Vergangenheit zur Zukunft. Wir können alle Informationen dauernd haben, wir können alles nachschlagen und die Zukunft planen. Es zerfließt alles. Möglicherweise verliert sich darin auch so etwas wie Empathie. Von allen Seiten kommt das, schlägt das in uns ein. Es prägt unsere Art zu sprechen, weil wir nichts Falsches sagen sollten, weil wir ständig getrieben sind und uns gut darstellen wollen. Wir sind in einer Art Dauerhysterie und Dauerpanik, Nervosität und Unruhe erhebt sich. Damit erhebt sich auch die Frage: Wie gehe ich damit um? Entweder lasse ich mich in meiner Unruhe treiben, oder ich lerne, versuche zu sortieren, Abstand zu gewinnen, andere Perspektiven einzunehmen und werde dadurch ruhiger.

Sonntag, 25. September 2016

Machtolsheim Rocks (Video)

Machtolsheim, mein Geburtsort!
oben auf den Link klicken! Youtube scheint hier nicht in meinem Sinne zu funktionieren

Samstag, 24. September 2016

Wasser (1)

Ein paar Zahlen und Fakten zu einem der wohl wichtigsten Grundstoffe auf dieser Erde: Das Wasser ist nicht unerschöpflich. Es ist nicht immer da, obwohl es wegen der Meere so scheint. Wasser insgesamt macht zwar 70% der Erdoberfläche aus. Aber nur 3% davon ist Süßwasser. Das Wasser in unseren Flüssen und Strömen macht 0,01% am Süßwasser aus. Die meisten unserer Flüsse sind bedroht. 90% der Flüsse könnten davon betroffen sein. Jeder 5. Mensch hat keinen Zugang zu gesundem Wasser. Dies ist eine der wichtigsten Ursachen für den Tod von Menschen. Es gibt Flüsse heutzutage, die schaffen es nicht einmal mehr bis zum Meer. Der Colorado in den USA, der unter anderem den Grand Canyon gegraben hat und im Us-amerikanischen Westen der wohl wichtigste Fluss ist, wäre solch ein Beispiel. Ihm wird in seinem Verlauf dermaßen viel Wasser für die Landwirtschaft entnommen, dass er auf dem Weg zur Mündung versiegt und es bis dorthin nicht mehr schafft.

Freitag, 23. September 2016

Mitleben

Man wurde unempfindlich. Man hatte früher besseren Kontakt zu sich selbst. Man ging seitdem viel zu oft in der Aufgabe auf. Man wollte das nie, aber man sah sich dazu gezwungen. Man glaubte, darüber grinsen zu können, souverän zu sein, Zeit zu haben. Aber es ist eines vergangen und da war schon das andere, - die eigene Souveränität blieb zu oft auf der Strecke. Ich muss doch keine Interessen an ihr wahrnehmen, dieser Realität: das ist das ökonomistische Weltbild, was alles durchzieht, und bedeutet, jeden anderen als Instrument seiner Bedürfnisse zu gebrauchen. Swinger-Clubs sind angesagt, so höre ich. Personalverleih auch. Diese ökonomistische Welt fragt doch fortwährend: Wie viel kann ich von dir haben zu einem möglichst geringen Preis? Ja klar, Egoismus gab es schon immer. Das ist keine Folge einer wirtschaftlichen Formation. Gewisse Kulturen haben das nur sehr stark forciert. Bereits in der Sozialisation. Sie waren näher dran am "Fressen und gefressen werden". An der Natur. Aber nicht an deren Unschuld.  

Mittwoch, 21. September 2016

Foto bearbeitet

Zur Eröffnung der Ausstellung: Alle machen massenweise Fotos und legen sie dann in die Cloud. Dumm nur, dass diese Fotos niemand mehr anschaut. Die Realität und das Bild von ihr scheinen zu verschmelzen und sich dann im Chaos wieder aufzulösen, genauso, wie sie davon genommen worden sind, um irgendetwas Unsagbares festzuhalten, es dem Flow des Vorübergehenden und des Todes zu entreißen. Die Fotos werden immer mehr und einzelne kitschige Exemplare versuchen ambitionierte Personen heraus zu heben. Sie versuchen sich und die dargestellten Personen damit ein Denkmal zu setzen, das möglichst viele Personen und – vor allem! - sie selbst bedenken sollen. Als ein Ideal des Augenblicks, der sich doch auch mithilfe eines dergestalt dahergeschossenen Fotos nicht festhalten lässt. Insofern sind das meist mehrfach geschönte, per Photoshop bearbeitete und verzerrte Versionen des Tatsächlichen. In diesem künstlich aufgeblasenen Kokon der geschönten Vorstellung über sich selbst, bewegen sich viele Menschen um mich herum. Den Kampf um sich selbst glauben sie delegieren und an Bildbearbeiter des Gefälligen überantworten zu können. Was allzuoft dabei herauskommen mag, ist Trash

Dienstag, 20. September 2016

Gentechnik Crispr (1)

Rinder ohne Hörer sind bereits geboren und erwachsen vorhanden. Das hässlich blutige Geschäft der Enthornung entfällt bei ihnen. Bauern jubeln. In Zukunft wären auch größere Rinder denkbar, die mehr Kälber gebären, die gesünder sind und die nicht das lästige Methangas in die Umwelt pusten. Das alles kann Crispr, die Methode, mit der Gentechniker die Evolution in ihrem Sinne vom Labor aus beeinflussen können und wollen. Sehr leicht zu handhaben, profitträchtig und enorm effektiv: Crispr krempelt die Gentechnik um. Das Erbgut aller Lebewesen lässt sich damit beliebig und sehr gezielt beeinflussen, umbauen, umstrukturieren, neu anordnen. Diese Wissenschaftler glauben auch, dass ihnen mithilfe von Crispr der endgültige Sieg über Aids gelingen könnte, indem sie den Genabschnitt, der die Informationen für die Andockstelle des HIV-Virus im Menschen enthält, so manipulieren, dass er derjenigen Variante gleicht, die bei den wenigen Glücklichen vorkommt, die von Natur aus gegen HIV/Aids immun sind. Kunststück. Auch könnten sämtliche erblichen Krebserkrankungen so wie alle anderen Krankheiten, die eindeutige genetische Ursachen haben - Sichelzellenanämie etwa, Bluterkrankheit oder Chorea Huntington -, bezwungen werden, indem die tickende Zeitbombe, die der Betroffene in seinem Erbgut herumträgt, einfach ausgeschaltet wird. Weg.
Die Gentechnik, ein Wunderhorn? Zauberei? Schöne neue Welt? Bei Nahrungsmitteln könnte man ja noch einwenden, dass es eine ganz erhebliche Verteilungsproblematik gibt, die die Ernährung der gesamten Weltbevölkerung (noch immer hungern rund 1 Milliarde Menschen) aus gewissen Interessen von Industrieländern und deren Konzerne unmöglich macht. Typisch für die Wissenschaft jedoch ist, dass sie schnelle technische Lösungen für soziale Probleme anbietet. Der scheinbar direkte Weg. Keine Frage jedenfalls ist, das jemand, der nicht genug zum Essen hat, in einer völlig anderen Wirklichkeit als die Satten Vielverdiener leben muss. Er ist bis zu seinem schäbdigen Tod vor allem zur Deckung seiner Grundbedürfnisse unterwegs.  

Montag, 19. September 2016

Entdeckungen (1)

Wir kramten zusammen in den Hinterstuben unseres Bewusstseins. Wir gingen zusammen eine Stunde lang in ein Museum, eine Galerie. Flashlight. Kunst. Wir entdeckten all das Unbestimmte und Spekulative. Wir waren beeindruckt, ließen es auf uns wirken und wir tauschten uns anschließend darüber aus. Welche Ebene hat das Bild von Picasso in dir angesprochen? Was bedeutete es Dir? Findest du nicht, dass es etwas Mönchisches hat? Etwas in sich selbst Versunkenes? Woher kommt es, dass dies diesen Eindruck so gut zusammenfasst? Dass es ihn ganz persönlich für mich zu fokussieren scheint?
Wir gestehen uns auch unsere Oberflächlichkeiten zu, unser „Nicht-Begreifen“. Wir müssen uns nicht gegenseitig imponieren. Wir haben uns nie imponiert, - und vielleicht war das ein Fehler. Nähe und Distanz. Es gibt eine Scheu voreinander und doch sind wir sehr zusammen. Wir könnten nie im Alltag harmonieren. Die Temperamente sind zu unterschiedlich. Sie ist direkt, ich sehr indirekt. Das sind Gegensätze, die auch nerven können.

Aber es gibt ein ernsthaftes Gegenüber. Ein Wir. 

Sonntag, 18. September 2016

Foto, Spiegel, Erinnerung, Zeit

Aus dem Buch „Lichtbilder“ über den russischen Regisseur Andrej Tarkovskij (2004): „(Als) unmittelbarer Spiegel der Erinnerung, setzt jede Fotografie eine unbewegliche Spur dessen, was war, den fixen Abdruck von etwas, das nicht mehr so ist wie zuvor, das stumme Leichentuch eines Menschen, der für immer aus unserem Gesichtskreis verschwunden ist. Und als schierer Akt des Erinnerns scheint die Photographie auf einzigartige Weise das Verschwinden und den Tod zu bezeugen – der Menschen ebenso wie der Gefühle, die uns mit ihnen verbinden, der Dinge ebenso wie der Orte, denen sie zugehören...“
So gesehen ist der Akt des Erinnerns das Registrieren einer unserem Bewusstsein durch die äußere Realität aufgenötigten Gegebenheit, entsprechend der inneren Logik der Notwendigkeit, den unentrinnbaren Gesetzen der Natur oder auch jenem euklidischen Mechanismus von Ursache und Wirkung, der die Geschichte des Menschen in der Form der Tragödie strukturiert und bestimmt. Der Künstler muss, wie Tarkovskij sagt, in der Lage sein, „über die Grenzen der linearen Logik hinaus zu gehen und das besondere Wesen der subtilen Bezüge und geheimsten Phänomene des Lebens, dessen Komplexität und Wahrheit wiederzugeben“. 

Samstag, 17. September 2016

Pensionsmentalitäten

Ich gebe zu, es hat mich schon sehr schockiert, was ich da im TV-Magazin „Plusminus“ gesehen habe: ein ehemaliger Baubürgermeister, der seit seinem 40. Lebensjahr eine Pension vom Staat in Höhe von 2400.- Euro kassiert, was er selbst als etwas hoch empfindet, weswegen er einen großen Teil wohltätigen Zwecken spendet. Für 6 Jahre Tätigkeit beim Staat reicht das. 6 Jahre!!!! 2400 Euro, lebenslang! Angefangen vom Zeitpunkt des Ausscheidens aus der öffentlichen Funktion (was durchaus bei 40 Jahren liegen kann...) bis zum Lebensende. Allein sein Ruhegehalt (zu dem er nahezu jede Summe bei geringen Abzügen hinzu verdienen darf...) wird den Steuerzahler bis zum Eintritt des eigentlichen Rentenalters von 67 Jahren knapp 800 000.- Euro kosten. Hoppla! Und er ist beileibe kein Einzelfall, wie im Folge der Reportage deutlich wird. Andere schweigen nur darüber und kassieren stillschweigend, teilweise sogar Mehrfaches, wobei keinerlei Unterschiede in der Parteienpräferenz festzustellen ist. Noch krassere Beispiele bringt die Reportage gleich mehrfach. Es steht ihnen ja von Staats wegen zu, diesen seltsam gierigen Staatsdienern, die sich selbst legitimiert sehen durch einen Staat, der seine Spitzenbeamten mit äußerst fragwürdigen Pensionsansprüchen aus dem Steuersäckel ausstattet, während der kleiner Beamten, beispielsweise bei der Polizei, vergleichsweise kurz hält. Um einen Rentenanspruch in Höhe von 2400.- Euro zu erwerben, müsste ein Durchschnittsverdiener wohl 100 Jahre lang arbeiten, so haben Journalisten dankenswerter Weise ausgerechnet. Schuld sind die großzügigen Pensionsregelungen für kommunale Wahlbeamte wie Bürgermeister und Dezernenten. In Thüringen reicht es zum Beispiel aus, wenn man mindestens fünf Jahre im Amt war. Dann darf man – wie der ehemalige Baudezernent – sofort ein Ruhegehalt kassieren, eben auch wenn man erst 40 Jahre alt ist. Grundlage für die Berechnung ist das letzte Gehalt. Im Fall von Carsten Meyer waren das 6.900 Euro. Die Mindestpension liegt bei 35 Prozent davon, also 2.400 Euro. War man länger im Amt, kann sich das Ruhegehalt bis auf rund 72 Prozent erhöhen, dann wären es schon 4.950 Euro. Der Vertreter des Bundes der Steuerzahler schaut im Beitrag auch um die Ecke und findet das nicht in Ordnung. Ob es dabei bleiben kann? Es werden, wie zuvor bereits erwähnt, noch viel krassere Beispiele von Oberbürgermeistern, Bürgermeistern und anderen kommunalen Funktionsträgern wie etwa der nach 16 Tagen wegen einer Verfehlung mit 2500.- Euro „Ruhegehalt“ pensionierten Kämmerin erwähnt, die teilweise noch viel schräger und krasser sind, als der Fall jenes ehemaligen Baubürgermeisters, der den Einstieg in den Beitrag bot.
Ob solche Zahlenverhältnisse moralisch dann doch etwas schräg sind....? Ich verteidige diesen Staat samt seinem Grundgesetz sehr wohl und intensiv, aber wer solche Selbstbedienungsmentalität an den Tag legt, darf sich nicht wundern, wenn er immer mehr Rückhalt in der Bevölkerung und eine Wahl nach der anderen verliert. Politikverdrossenheit sei hier ein Stichwort. Dank sei den Journalisten, die solches an den Tag bringen! Gute Arbeit! Auch Leute, die sich selbst für informiert gehalten haben, haben nicht schlecht gestaunt. Solche Dinge wie die aufgeführten Pensionsverhältnisse werden im Zeitalter des Internet und anderer sich schnellentwickelnder Informationsquellen halt immer mehr kommuniziert, sie werden bekannt und offensichtlich. Sie wirken sich aus. Unter anderem bei Wahlen. Sozialneid? Nun ja, diesen Begriff müsste man angesichts solcher Zahlen noch einmal überdenken, die doch nicht wahr sein können.... Ja klar ist es in anderen Staaten noch krasser! Ob dies aber eine Rechtfertigung bieten kann? Ob es hier eine auch nur annähernde Verhältnismäßigkeit gibt, angesichts zahlreicher arbeitsloser Vollakademiker, die von solchen „Pensionen“ nur träumen können? Ob es sich hier um sehr unterschiedlichen Lebenswelten von Beamten und den durch sie vertretenen "Bürgern" handelt?   

Ausblick (Foto)

Im Berner Oberland

Freitag, 16. September 2016

Vom Sinn der Arbeit (1)

Nur mal so ein paar Überlegungen, man muss sie ja nicht teilen: vielleicht gibt es zu viele sinnlose Arbeit, die besser von Maschinen getan werden sollte, - was auch bald im Zeitalter der Digitalisierung der Fall sein wird. "Freisetzung" ist dann mal wieder angesagt. Doch die Menschen brauchen solche Arbeit offenbar zur Strukturierung ihres Alltags, zur Beschaffung von Sinn und zum Vergessen eines Ziels. Das wirtschaftliche Ziel gilt für uns alle und für jeden Einzelnen: Satt werden, durchkommen. Vielleicht gehen ja sehr viele Menschen täglich zur Arbeit und denken dabei, dass es ihre Jobs gar nicht braucht, dass sie überflüssig sind oder bald werden. Beispielsweise Unternehmensmanager der mittleren Ebene: sie organisieren meist „Meetings“, „Konferenzen“ und buckeln vor den Top-Managern. Sie sind ausführende Organe, sollen nach unten durchdrücken, was von oben angeordnet wird, wovon sie keinesfalls überzeugt sind und mit dem sie sich nicht identifizieren können. Auch sie hatten mal eine Jugend der Träume und Versprechen. Doch sie "wurden etwas" in dieser vorgegebenen Matrix. Ihre Aufgabe scheint es nun zu sein, so „gekonnt“ zu heucheln, als sei es ihr ureigenstes Anliegen, was das Top-Management ihnen vorgibt. Fachanwälte könnten denken, dass die Welt nicht schlechter wäre, wenn es sie nicht gäbe. Nützlich oder nicht? Undsoweiter. Hauptsache bezahlt, - so denken manche, denen alles egal ist und die so etwas wie ein Ziel vergessen wollen.   

Donnerstag, 15. September 2016

Dichter unseres Lebens

Ob es am Ende nicht eine grobe Fehleinschätzung und eine Art Sünde ist, eine „Alternativlosigkeit“ zu behaupten? Ob sich im Gegenteil dazu der Mensch nicht geradezu dadurch definiert, dass er Alternativen hat, dass er sich zwischen Möglichkeiten entscheiden kann, dass er sich und andere nach etwas wie dem rechten Weg fragen kann? Dass das für einen altmodischen und zu oft missbrauchten Begriff wie „Freiheit“ sehr wichtig ist? Ob es nicht zum Mensch sein gehört, dass man gerade in der Diskussion zu Antworten kommen kann, - für sich und andere? Im sachten Abwägen von Alternativen?
Alternativen? Zu was? Es ist ja nicht so, dass wir dem Leben Bedeutung geben dürften, sondern es ist das, was wir tun, wir machen es einfach, es geschieht. Wir geben dem, was wir vorfinden, einen Sinn. Es ist alles im Werden und unabgeschlossen. Es gibt deshalb keine absolute Wahrheit. Was ist der Wert der Natur? Wie gehen wir mit den Tieren um? Worin liegt die Würde des Menschen und wie können wir sie schützen? Wir brauchen neue Verknüpfungen darüber, was es heißt, unter solchen Verhältnissen Mensch zu sein. Es muss Platz sein für einen neuen Umgang mit der Sprache, der wieder Platz lässt für Zweideutigkeit und Poesie, der die Dinge und Menschen zum Leben erweckt, anstatt sie nur zu beziffern oder konsumierbar zu machen. Doch können wir wirklich etwas ändern? Was ist das? „Die da oben, die da unten“, „der kleine Mensch, das große System“? Alles wird immer teurer, effektiver, leistungsstärker, schlimmer... . Es funktioniert alles ökonomistisch, von seiner Verwertbarkeit geprägt. Wir müssen begreifen: …..wir selbst sind das System, wir sind die Gesellschaft. Und wir haben die Wahl zwischen Alternativen. Der Mensch ist das Tier, das die Wahl hat. Dass diese Wahl so vielen Menschen auf der Erde immer noch genommen wird, ändert nichts daran, dass es am Verhalten jedes einzelnen Menschen liegt, wie die Welt ist. Leben heißt wach zu sein, anwesend, mitfühlend, sich zwischen Hell und Dunkel zu unterscheiden. Wir sind die Welt und die Welt hat den Wert, den wir ihr geben. Wir sollten das Leben feiern, anstatt es immer mehr zu verwerten. Wir sollten der Dichter unseres Lebens sein, sagt Friedrich Nietzsche. 

Mittwoch, 14. September 2016

"Schmieren und kassieren"

„Erst schmieren, dann kassieren“: dieser griffige und heute morgen im TV gehörte Satz hallt mir noch in den Ohren. Es ist sicher ein großer Beitrag zur Diskussion der allgemeinen Grundwerte, der Leitkultur, des christlich-abendländischen Wertekanons und ähnlicher zu gegebener Zeit angezettelter Debatten. Beckenbauer soll angeblich erst die notwendigen Stimmen der oft korrupten FIFA-Herren gekauft haben. Danach schwang er sich wohl publikumswirksam auf sein Ehrenamt zur Organisation des „Sommermärchens“. Jetzt kommt offenbar heraus, dass es sich wohl doch nicht so ganz um ein lupenreines Ehrenamt gehandelt haben soll. Ein paar Millionen Honorar sollen angeblich doch geflossen sein. Erst vor der Öffentlichkeit und dann vor dem Finanzamt sollen sie verheimlicht worden sein, so heute morgen die Medien. Unglaublich, wenn das wahr wäre, würde sich die „Lichtgestalt“ aufs Wirksamste selbst demontiert haben. Nach und nach. Denn wer nähme mittlerweile noch an, dass dies das Letzte ist, was herauskommt? Salamitaktik ist ein offenbar allzu ausgiebig praktiziertes Rezept in der PR-Branche. Es nutzt sich allmählich ab.....Wo leben eigentlich diese Leute? Kriegen sie nie genug, selbst wenn sie schon viel haben? Dazu passt, dass der Deal zwischen Bayer und Monsanto angeblich bald perfekt sein soll. Angeblich. Nachdem Bayer seine Offerte noch einmal erhöht haben soll. 
Dass die Firma Monsanto einen moralisch recht zweifelhaften Ruf hat, dass sie in viele Dinge verwickelt sein soll, die die „Deutschen“ nicht gerne hören oder lesen, macht der übernehmenden Firma offenbar nicht viel aus. Irgendwelche PR-Fritzen sollen das zurecht biegen. Mal sehen, ob das mit dem Glyphosat noch so schlimm ist, wenn eine Schar im gewünschten Sinne „beeinflusster“ Wissenschaftler eine Unbedenklichkeit attestiert, muss man noch sehen. Die Deutschen mindestens werden die dazu notwendige Gelassenheit aufbringen. Die anderen wohl weniger. Dass aber ausgerechnet eine deutsche Firma (CHemievergangenheit...) weltweit nun wohl unter anderem eine Pflanzenschutzmittel ausbringt, dass krebserregend sein soll, ist auch egal. Hauptsache der globale Profit stimmt. Wohlstand, Sachzwänge bla bla...... nicht nur die Leute, die die Drecksarbeit machen, werden trotzdem entlassen werden. Digital 4.0 steht ja vor der Türe. Wer hier buchstäblich über Leichen geht, ist ja wohl klar und leistet ebenso einen wichtigen Beitrag zur Wertediskussion, an der man Vieles so beispielhaft vorgeführt bekommt. Der Abgasskandal und vieles andere, was man in der unmittelbaren Vergangenheit zur Kenntnis nehmen musste, passt da ausgezeichnet dazu. Oh weh, welche Werte diese Diskussion wohl meint? Wer hat hier welche Werte? Nach dem Brexit und vor den noch anstehenden Wahlen in Frankreich hätte ganz Europa wohl nur die Chance einer gewissen Besinnung auf eine solche Basis. Doch was geschieht im wirtschaftlich stärksten Land der EU? Hm, Eindämmung, Diplomatie, Schönreden....., in welcher Wirklichkeit leben solche Leute? Und wie gehen sie mit ihren Mitmenschen um, die gleichwohl artig dabei mitmachen, weil sie alle Ausreden dieser Welt haben.....? Hoffentlich ist das alles nur ein böser Traum.   

Dienstag, 13. September 2016

Image und Marke und Werbung

Machen, was man will, ach, wie ist das schön! Abseits der alten philosophischen Frage, ob der Mensch frei sei. Sich für links oder rechts entscheiden, gerade so, wie wir das wollen. Aufsätze darüber geschrieben, auch im Abitur. Was meint Schiller dazu, was Sigmund Freud? Wir sinnieren darüber, unser Oberstübchen und unseren Entschluss, solange wir sind und waren. Unser Gehirn manipuliert uns dabei, möglicherweise. Unser Bewusstsein entscheidet und wir haben allenfalls beschränkten Zugriff. Wer sind wir überhaupt? Doch gemach: Man kann das Bewusstsein, bzw. das Unterbewusstsein tatsächlich von außen beeinflussen, und zwar mit einfachen Tricks. „Priming“ nennt das die Psychologie. Wer nutzt das aus? Stimmt! Wie zu erwarten war: die Werbung. Im Grunde ist es das alte Reiz-Reaktion-Ding. Ein bestimmter Reiz hat eine bestimmte Reaktion zur Folge. Ein clever vorbereiteter Reiz löst beim Konsumenten erst einen Wunsch und dann ein bestimmtes Kaufverhalten aus. Neuronale Muster und Gedächtnisinhalte werden gezielt angesprochen. Links oder rechts, Käse oder Wurst, wer in uns entscheidet? Die kleinen alltäglichen Entscheidungen nimmt uns unser Bewusstsein ab, sonst wären wir ja im Dauerstress. Vieles läuft automatisch. Weil das so ist, hat unser Gehirn Ressourcen frei, sich über andere Dinge Gedanken zu machen. Was soll ich einkaufen? Welche Marke hat mich zuletzt beeindruckt und was war ihr Vorteil für mich? Banale Sachen scheinen auf. Ob das wirklich unsere Gedanken sind? Unser Bewusstsein ist nur wie ein Beifahrer. Unser Bewusstsein hat schon im Voraus bestimmt, was wir tun und für was wir uns entscheiden. Das Gehirn will Zusammenhänge herstellen, was zum Beispiel der Film ausnutzt. Muster legen sich über unsere Wahrnehmung, lösen in uns etwas aus. System und Phantasie fordern sich gegenseitig heraus. Verkürzungen kriechen aus sich selbst heraus, entfalten sich. Anspielungen, Assoziationen werden für uns wahr. Wir nehmen eine Szene in Bruchteilen von Sekunden wahr, erleben sie als Chiffre für - sagen wir einmal – Glück.

Montag, 12. September 2016

Härte der Realität

Nick Cave spielte seit den achtziger Jahren viel mit dem Schwarzen, dem Nekrophilen. Der schwarze scharf geschnittene Anzug, die über bleichem Antlitz zurück gekämmten Haare: es gehörte zu seiner Marke. Nachdem sich der australische Rocksänger zu Anfang als drogenverschlingender Wüterich profiliert und wilde Jahre in Berlin zugebracht hatte, bog er zunehmend in ruhiges Fahrwasser ein, pflegte das Familienleben, schrieb Romane, verrichtete tägliche Arbeit im Studio und lieferte von der Kritik hochgelobte Alben ab. Ein Video mit der Landsfrau Kylie Minogue als Wasserleiche im Jahr 1996 „Where the Wild Roses grow“ wurde ein Hit.
Doch nun hat ihn die Wirklichkeit ganz persönlich berührt: Am 14. Juli 2015 starb sein Sohn Arthur an den Folgen des Sturzes von einer Klippe bei Brighton. Eine solche Realität ist etwas anderes als das pure Spiel damit, verbunden mit der postmodern dekadenten Koketterie als Dandy, die im Drogenrausch die Nähe zum Tod feiert. Es bedeutet, dass selbst ein von den Kulturmenschen hochgefeiertes „Genie“ wie Nick Cave mit der Härte und dem endgültig Unumstößlichen des Seins in Berührung kommen kann. Er hat natürlich darüber eine Platte gemacht, hat den Schmerz in Songs zu verarbeiten versucht: In den knapp 40 Minuten des eben erschienen Albums „Skeleton Tree“ ist das in nahezu jeder Zeile und Note zu spüren. Das scheinbar Intime und Private hat er nach außen gekehrt, - und alle seine Fans weinen mit. Dabei schlägt das Schicksal in dieser Welt jeden Tag und jeden Moment auf mannigfache Weise zu, - beileibe nicht nur bei Luxusmenschen. Der Krieg in Syrien ist da nur ein einzelnes Beispiel......

Sonntag, 11. September 2016

Jeder ist sich selbst der Nächste?

Hegel sagte „Ich ist nichts Besonderes, ich ist auch jeder andere...“ . Ob darin etwas liegt, dass wir uns immer wieder klar machen sollten. Dass nämlich das Ego nicht alles ist, dass es im Leben vielleicht nicht so sehr darum geht, sich selbst zu verwirklichen, sondern dass dieses Selbst in einem Zusammenhang mit allem steht, auch mit der Natur, die ja sowieso auf mannigfache Weise in uns ist. Sobald wir uns regen und spätestens, wenn wir etwas zu uns nehmen, treten wir in einen Austausch mit unserer Umwelt, unseren Mitmenschen. Wir sind ein Teil der Natur und die Natur ist ein Teil von uns. Da ruft ein Bekannter an und will uns einladen, mitschleppen zum Konzert einer Band, die er ganz besonders toll findet. Klar, er will uns etwas Gutes damit tun. Das fällt wohl jedem ein. Doch will er uns nicht auch das zeigen, uns überzeugen davon, was er für richtig und toll hält? Geht es um die psychische Unterstützung und Kräftigung eines anderen Egos, das im Besitz eines von ihm selbst so wahrgenommenen ganz besonderen Wissen ist? Dieses „Wissen“ kann ja auch einem kurzfristigen Spleen entspringen, einer der persönlichen Phase geschuldeten Befindlichkeit, einem Bedürfnis, das in diesem Falle durchaus nicht meines werden muss. Autismus? Egoismus? Egomanie? Okay. Der Neoliberalismus prägt uns, ohne dass wir das so wahrnehmen. Jeder scheint sich selbst der Nächste, flüstert uns unsere Umgebung zu. Ein klein wenig sollten wir aber auch unsere Umwelt im Auge behalten, von der wir abhängen, der wir zugetan sind oder nicht, mit der wir uns spirituell verbunden fühlen, als einem Teil unseres Selbst. Natürlich lebt es sich als Ego-Rammbock einfacher und materiell reicher. Doch innerlich reicher, - und dieser Wert wird im Lauife eines Lebens immer wichtiger, - lebt es sich mit offenen Augen und klarem Bewusstsein für unsere Umwelt und unsere Mitmenschen.

Freitag, 9. September 2016

Nachgelassen

Aus den nachgelassenen Gedichten von Heinrich Heine


Das macht den Menschen glücklich,
das macht den Menschen matt
Wenn er drei sehr schöne Geliebte
Und nur zwei Beine hat

Der einen lauf' ich des Morgens
der anderen des Abends nach;
Die Dritte kommt zu mir des Mittags
wohl unter mein eigenes Dach

Lebt wohl, ihr drei Geliebten
Ich habe zwei Beine nur,
Ich will in ländlicher Stille

Genießen die schöne Natur

Donnerstag, 8. September 2016

Fisch (Foto)

Fisch in Barcelona

Zeitarbeitstricks

Ich schalte heute morgen den Fernseher an, in dem gerade der Wirtschaftsminister sich und die Wirtschaftspolitik der Regierung vor dem Parlament lobt. Er behauptet mit triumphierendem Lächeln, dass es Deutschland nie so gut gegangen sei (ob ich das zum ersten Mal höre?) wie heute und dass prekäre Beschäftigung zugunsten solider sozialversicherungspflichtiger Arbeit zurück gedrängt worden sei. Ich schaue und höre mir diesen Einstieg an, verliere aber dann das Interesse und schalte ab. Die Phrasen sind mir durchaus geläufig. Typisch Spezialdemokraten. Dann schaue ich ins Internet und muss die Schlagzeile über einer dpa-Meldung lesen „Zahl der Leiharbeiter auf neuem Höchststand“. Ja was nun? Wer erhebt welche Zahlen? „In Deutschland gibt es immer mehr Leiharbeiter. 961 000 Menschen waren im vergangenen Jahr als Leih- und Zeitarbeiter beschäftigt. Zu deutlich niedrigeren Löhnen als regulär Beschäftigte." Im Jahr 2014 seien es noch 50000 weniger gewesen.
Ich lese weiter: "Im Jahr 2014 seien es noch rund 50.000 Leih- oder Zeitarbeiter weniger als 2015. In den Jahren davor schwankten die Zahlen zwischen 610.000 und 910.000. Ihr mittleres Bruttogehalt lag nach den jüngsten Zahlen bei 1700 Euro - und somit deutlich unter dem Gehalt anderer Beschäftigter. "Im Vergleich dazu lag das Medianentgelt bei allen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten bei 2960 Euro", so die Regierung auf eine entsprechende Anfrage der Linken." Es geht sodann um einen neuen Gesetzesentwurf der Spezialdemokraten, der nun wirklich jetzt endlich alles besser machen soll. Der Entwurf sieht vor, dass Leih- oder Zeitarbeitnehmer künftig nach neun Monaten genauso wie die Stammbelegschaften bezahlt werden. Sie sollen längstens 18 Monate in demselben Betrieb arbeiten dürfen, ohne von diesem übernommen zu werden. Abweichungen per Tarifvertrag sollen möglich bleiben, auch für nicht tarifgebundene Unternehmen der betreffenden Branche. (Ach!, so denke ich....). "Doch nur jedes vierte Leiharbeitsverhältnis besteht neun Monate oder länger. 15 Prozent dauern 15 Monate, 12 Prozent über 18 Monate." Das Gespräch mit einer Bekannten, die leidvolle Erfahrungen mit einer Leiharbeitsfirma machen musste, hat das schon tausendmal bestätigt. Sie wollte übrigens einer Initiative der Gewerkschaften beitreten, die sich gegen Leiharbeit richtete. Das sei nur möglich, wenn sie Gewerkschaftsbeitrag bezahle, so die telefonische Auskunft dazu. Da sie aber so wenig verdiente, dass sie auch das nicht leisten konnte, vderzichtete sie lieber. Ob sich hier eine Front auftut zwischen Arbeitsplatzbesitzern in regulären Arbeitsverhältnissen und prekär Beschäftigten? Wo sich wohl die Gewerkschaft da positioniert?  Die Unternehmen entziehen sich immer neuen Gesetzgebungen durch allerlei Tricks und die jeweilige Regierung schaut nicht so genau hin. Wer 6 Monate beschäftigt ist, wird halt gefeuert und danach gleich wieder eingestellt. Schon ist das geregelt und absolut legal. Wie lange er dann wohl beschäftigt ist, der Leiharbeiter (meine Bekannte spricht von "Sklave"?) ? Mir scheint, dass nicht nur hier gigantische Lügen am Werke sind, von Leuten, die keine Ahnung von der Arbeitswelt haben. 

Mittwoch, 7. September 2016

Reisezehrung (Gedicht von J.W.v. Goethe)

Reisezehrung


Entwöhnen sollt' ich mich vom Glanz der Blicke,
Mein Leben sollten sie nicht mehr verschönen.
Was man Geschick nennt, läßt sich nicht versöhnen,
Ich weiß es wohl und trat bestürzt zurücke.

Nun wußt' ich auch von keinem weitern Glücke
Gleich fing ich an, von diesen und von jenen
Notwend'gen Dingen sonst mich zu entwöhnen:
Notwendig schien mir nichts als ihre Blicke.

Des Weines Glut, den Vielgenuß der Speisen,
Bequemlichkeit und Schlaf und sonst'ge Gaben,
Gesellschaft wies ich weg, daß wenig bliebe.

So kann ich ruhig durch die Welt nun reisen:
Was ich bedarf, ist überall zu haben,
Und Unentbehrlichs bring' ich mit - die Liebe.

(Dies Gedicht stammt von Johann Wolfgang von Goethe, der es etwa 1808 geschrieben hat)

Dienstag, 6. September 2016

Fortschritt und Wachstum - durch Öl?

Die Meere sind vor vielen Millionen Jahren noch voll von Fischen, Reptilien und Plankton gewesen. Diese Mikroorganismen nahmen die Energie der Sonne auf und absorbieren Kohlendioxid. Sie lebten durch Photosynthese. Das Plankton vermehrte sich, das Wasser wurde wärmer. Sauerstoff wurde knapper, das Leben in den Meeren erstickte nach und nach. Die toten Tiere und Pflanzen samt den mit Sonnenenergie vollgesogenen Mikroorganismen sanken auf den Grund des Meeres und verwesten. Von Sinkstoffen bedeckt wurd diese Schicht von den Bewegungen der Erdkruste zermahlen und viele Meter nach unten gedrückt.
Der Backofen Erde verwandelte diese Energiereserven in mehreren Millionen Jahren zu Erdöl. In Mesopotamien vor 4000 Jahren im heutigen Irak näherte sich der Mensch einer Verwertung an, indem er seine Boote damit Dicht zu machen versuchte. Dann, tausende Jahre später, nutzte der Mensch in der industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts, das Öl, indem er es Schmiermittel für Maschinen einsetzte. Es enthält so viele Substanzen, dass man nahezu alles damit machen kann: Aspirin oder Lippenstift. Es hat schließlich die Welt verändert, die Umwelt war nahezu in beliebiger Richtung zu bearbeiten. Alles wird auch mit Erdöl produziert. Nachteil: in 20 oder spätestens 30 Jahren werden die Vorräte zu Ende gegangen sein. Was dann? Die meisten Menschen glauben an den menschlichen Erfindungsreichtum und wollen die Bedrohung nicht akzeptieren. Doch Öl hat die Erde verändert. Aus Öl gibt es nicht nur Plastik, sondern auch Eisen, Zement und es garantiert die intensive Landwirtschaft mit ihren Düngemitteln, Traktoren und Bewässerungsanlagen. Die Produktion eines Autos verbraucht 8000 Liter Erdöl. So wird es auf Straßen gefahren, deren Asphalt ebenfalls aus Erdöl hergestellt wird. Womit fährt dies Auto? Mit Benzin oder Diesel. Woraus wird dies hergestellt? Aus Erdöl. Wohn- und Geschäftshäuser. 16 Liter Erdöl verbraucht die Herstellung eines Mobiltelefons. 300 Liter ein Flachbildschirm. 600 Liter ein Computer. Mittlerweile ist unser Lebensstil in weiten Teilen um das Auto herum gruppiert. In den USA kommen 4 Autos auf 5 Einwohner. Nach gegenwärtigen Erkenntnissen ist es so, das wenn jeder Einwohner ein Auto besitzen wollte, wir statt 800 Millionen 5 Milliarden Autos auf der Erde hätten. Mit allen Auswirkungen. Verschmutzung nicht nur der Umwelt, sondern auch des Menschen. Das Öl wird nicht mehr lange reichen. Die Suche nach Alternativen dazu läuft. Vorhandene Alternativen werden laufend verbessert. Doch die Erdbevölkerung ist seit der Entdeckung des Erdöls von 1 Milliarde auf 7 Milliarden gestiegen. Das ist Fortschritt und Wachstum!