Reise durch Wirklichkeiten

Mittwoch, 27. Juli 2016

Postheroismus

Postheroismus? Ein Begriff, ein Schlagwort, eine Phrase, ein Platzhalter. Ein Imponiergehabe von hippen Akademikern, speziell Politikwissenschaftlern und Soziologen, die sich auf der Höhe der Zeit fühlen. Nach der Postmoderne und der postindustriellen Produktion scheinen wir nach ihrer Meinung über den Postkommunismus und die Postdemokratie direkt in die postheroische Gesellschaft zu geraten. Wir seien uns zwar grundsätzlich einig, dass sich das Verhältnis der westlichen Gesellschaften zum Helden wandelt. Diese Gesellschaften schaffen das Heroische jedoch nach und nach ab - aus politischen, ökonomischen, kulturellen und psychologischen Gründen. Helden erscheinen, sagt man in der Politikwissenschaft, wo die Gefahr am größten ist. Held ist der Mensch, der das Kind aus den Flammen rettet. Der gegen die ungerechte Herrschaft des Tyrannen aufsteht (gerade jetzt ein "Topos"). Der in der Schlacht die wankende Linie wieder zum Angriff führt. Der in einer Welt der Lüge die Wahrheit verkündet. Der sein Leben für alle gibt. Der durch seinen Märtyrertod zum Vorbild und zur Verpflichtung wird. Symbolische Ordnungen brauchen Helden. Die Nation. Die Religion. Die Idee. Die Revolution. Die Bewegung. Die Fußball-Europameisterschaft lieferte dafür genügend Anschauungsmaterial.
Nicht so einig ist man sich bei der Frage, ob das nun etwas Gutes oder etwas Schlechtes ist. Die postheroischen Gesellschaften wie etwa die in Deutschland sind in der Zukunft wohl kaum fähig, militärischen Bedrohungen zu begegnen. Es heißt, dass es an dieser Stelle einer stärkeren Machtentfaltung bedarf durch ein geeintes supranationales Europa, das eine Strategie entwickelt, wie man mit den neuen asymmetrischen Bedrohungen umgehen könnte.
Wir sind postheroische Gesellschaften, weil wir (beispielsweise ) keinen Überschuss an jungen Leuten haben. Und wir sind postheroische Gesellschaften, weil wir religiös kalte Gesellschaften sind, das heißt, dass Opfer nicht mehr emphatisch denken können. Mitfühlend. Und wenn wir in Kategorien des Opfers denken, dann eher im Modell des „Victim“, also des zum Opfer werdens, - verbunden mit der Frage, wo meine Versicherungspolice ist und welche Ansprüche ich geltend machen kann. Es ist dieser Begriff also im Sinne des Geldes und nicht mehr in dem des Heiligen. Wir sind keine Krieger mehr, sondern Händler. Eine Händlergesellschaft ist diejenige, die ein Risiko eingeht, das nie das eines Leib und Lebens ist. Es gibt wohl Restformen des Opfers, aber die sind eher in der Zivil- als in der Marktgesellschaft angesiedelt. Die Vorstellung, dass du dein Leben geben musst, für welche Idee auch immer, ist eine, die einer Händler- und Marktgesellschaft zutiefst fremd ist. Das heißt aber, dass man sich Gedanken darüber machen muss, dass eine solche Gesellschaft nicht ein wehrloses Objekt anderer Akteure ist, sondern dass sie den Herausforderungen einigermaßen gewachsen ist, denen sie ausgesetzt ist. Diese Herausforderungen kann man benennen: das ist der Zerfall der Ordnung im postimperialen Raum. Die großen Reiche und die kolonialen Kunstgebilde sind zerfallen und zerfallen immer weiter. Was jetzt?  
Gleichzeitig bedeutet es die Unfähigkeit, den Menschen, die aus diesen Räumen flüchten, aufzunehmen, weil das selbst mit einem großen Herzen und viel Leidenschaft nicht bewältigbar ist. Also müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie wir diese Räume stabilisieren. Wir haben die Vorstellung, dass dafür die ökonomische Macht wichtiger und langfristiger ist als militärische Macht. Deswegen neigen wir dazu, den Gewaltakteuren dieser Regionen ihre Gewaltoption abzukaufen. Wir sagen ihnen: Wenn ihr auf die Gewalt verzichtet, werden wir euch Wirtschaftshilfe dieser oder jener Art geben.... und dann werden wir auch dies und jenes tun. Das ist die erste Option, die postheroische Gesellschaften haben (nämlich günstige Kaufangebote zu machen). Man kann das moralisch beschreiben, indem man sagt, dass das eigentlich eine sehr unehrenhafte Form ist, aber das würde schon wieder etwas aus dem Bereich des Heroischen bedeuten. 

Dienstag, 26. Juli 2016

Urlaub und Verkaufserfolg (1)

Am Strand liegen. Die Seele baumeln lassen. Aber auch so kurz mal den schnellen Erfolg nebenbei mitnehmen. Einfach ein Startup gründen und erfolgreich sein. Bill Gates, Steve Jobs, Larry Page usw. haben's ja vorgemacht. Zum Unternehmer seiner selbst werden. Selbstoptimierung. Eine Online-Partnerbörse vermittelt den richtigen Partner dazu: Hauptsache, sieht gut aus. Macht was her auf der Skala. Wer das ist, ist doch egal. Hauptsache, was zum Vorzeigen. Eine gesellschaftliche Trophäe. Die richtige App, die zielgenaue Beratung. Den richtigen Klick erwischen. Sich selbst in seinen Internet-Online-Shop reinsetzen und sich verkaufen: Arbeitszeit, Kreativität, Möglichkeiten, Profil. Wie? Ist doch egal, ist eh alles austauschbar. Die freie Marktwirtschaft macht zwar nicht alle gleich, aber alle gleich austauschbar. Sie alle sind nützliche Funktionen, machen damit Geld. Sie entfremden sich (welch altmodisches Wort!), ohne es zu wissen, ohne es auch nur zu ahnen. Sie sind Teil eines Ganzen (zu dem man früher „System“ sagte) und wissen das genauso wenig. Sie können sich nicht einordnen, ihre Identität nicht erkennen. Sie sind nur Teil einer Art Schwarmintelligenz der „Erfolgreichen“ und Profiteure des Ganzen. Haben sich am besten angepasst an ein System, das Rücksichtslosigkeit rücksichtslos fördert und gleichzeitig das ausgebauteste Wohlfahrtssystem, das reichste Gesundheitssystem pflegt. Hier muss niemand hungern, wenigstens offiziell. Dass jemand die Würde genommen, ein Gefühl des Ausgeliefertseins befördert wird? Spielt keine Rolle, solange sich die Profiteure dabei gut fühlen und noch keine Security-Services engagieren müssen. Wir sind global, exportieren furchtbar gerne unseren Kram, sperren uns aber zunehmend gegen das Fremde. In der Ferne wollen wir leben wie zuhause. Am Strand liegen, ausruhen. Umsorgt, versorgt, gegen alle Unbill abgesichert. "Unsere" starken Unternehmen sichern das alles ab. Urlaub bedeutet „Wiederherstellen von Arbeitskraft“. Findige Freaks verkaufen falsche T-Shirts oder andere Markenartikel zum für sie locker profitablen Preis.Währungsunterschiede, Wohlstandgefälle ausnutzen. Um dann zu verbreiten, dies sei eine „Win-Win“-Situation. Das Win gilt, näher betrachtet, vor allem für sie selbst. Sie kaufen und verkaufen. Auch sich selbst. Person. Arbeitskraft. Leben. Auch der Sex hat hier nur seinen Preis. Wie viel soll'*s denn kosten? Geldbeutel auf. Spitz rein. Was kostet die Welt?  

Freitag, 22. Juli 2016

Sommerpause

Ich wundere mich, wie bestimmte, na, fast alle regelmäßigen Sendungen im öffentlich-rechtlichen TV, Sommerpause machen. Meist gleich 5 oder 6 Wochen. Gerade in der Zeit, in der gewisse Leute diese gewisse Art der Ansprache bräuchten, machen diese Fernsehgesichter Pause. Und dass nix los sei im Sommerloch, ist ja ganz offensichtlich eine Ausrede: die vergangen Wochen mögen da als Gegenbeispiel genug taugen. Am Ende war es eher zu viel. Vor uns liegen zudem die Olympischen Spiele, um die herum sicher auch einiges los sein wird. Aber die großflächige „Sommerpause“ wird eingehalten, egal, was da komme. Vom Fernsehen werden dann gerne alte Sendungen wiederholt. Diese sollen die Löcher stopfen. Alle sind ja weg, liegen am Strand u.ä. Ob sich die Freizeitgewohnheiten nicht doch ein bisschen geändert haben? Ob man darauf reagieren könnte? Ob alle Schulkinder haben? Ob man das zu berücksichtigen überhaupt nötig hat? Oder ob man ohnehin auch in der sendungsfreien Zeit gut weiter- und durchbezahlt wird? 

Donnerstag, 21. Juli 2016

Macht und Ego und Politik

Ich wundere mich immer wieder über die Masse Mensch, die ich da in den Medien sehe. Sie gehen in der Masse auf, diese in der Masse auftretenden Leute, sie suchen den Führer, den Häuptling, der ihnen die Parolen vorgibt, die sie dann in blinder Gefolgschaft skandieren. Oft gerät das dann außer Kontrolle und es kommt zu extremen emotionalen Reaktionen, die dann von eben diesen Häuptlingen für sich ausgenutzt werden. Es scheint eine Energie zu sein, mit der sich gut herrschen lässt. Sie beten (oft auch gezwungenermaßen) eine scheinbare Stärke an, diejenige Stärke, die sich überall und gegen jeden durchsetzt, mit nahezu mailen Mitteln. Man möchte diesen Leuten, die die eigene Schwäche mit der scheinbaren Stärke anderer auszugleichen versuchen, zurufen, dass das ganze Business um Macht so funktioniert, dass sie Machtansprüchen aufsitzen, die oft nicht die lautersten sind. Immer wieder treten Rattenfänger auf, die das auszunützen und ihren eigenen Ansprüchen die Zustimmung zu ihrer Person abzuschöpfen versuchen. Ja, auch in Wählerstimmen! Viele Menschen, auch wenn sie vergleichsweise rau und ungebildet sind, wenn sie in einer überwältigenden Unübersichtlichkeit Orientierung suchen, das Einfache, Gewalttätige, sollten das Potential entdecken, das in ihnen selbst steckt. Sie sollten nicht resignieren und sich selbst nachspüren, nicht sofort auf die bequeme Weise annehmen, dass die es schon richten werden. Wer sind die? Die ständige Frage danach, das Hinterfragen scheinbarer Entscheider aus den „Eliten“, macht vielleicht auch eine demokratische Grundgesinnung aus. Alternativen zu haben, gegensätzliche Ansichten zu den Problemen, ist das, was ausgetragen werden muss. Austragen heißt aber nicht, vorgegebene Schwachmaten-Parolen zu skandieren und einfach mit der Masse mitzulaufen. Einmischen, dabei sein, nachfragen, bezweifeln, - das macht vielleicht auch das Wesen einer Demokratie aus, die sich selbst ständig nach ihrer Legitimation fragt und nie ganz und gar festgelegt ist.

Mittwoch, 20. Juli 2016

Künstliche Intelligenz (AI) (2)

Das angeblich allzu simple menschliche Gehirn muss nach Meinung von AT-Strategen verbessert werden. Mangelnde Vorstellungskraft und primitives Nervensystem zeichnen nach Ansicht Vieler im Silicon Valley den Menschen aus. Aggression und Kriegertum treten dann auf, wenn Sinnsysteme allzu rückständig werden und verteidigt werden wollen. Dabei ginge es, nach ihren menschenfreundlichen Aussagen, um Zusammenarbeit statt Konfrontation. Wenn der Mensch mit der Technik nicht mehr mitkommt, könnte man ja die menschlichen Fähigkeiten erweitern, statt die Technik zu verlangsamen. Man könnte zum Beispiel das menschliche Gehirn erweitern, seine Gedanken könnten überall verfügbar sein und mit den zur Verfügung stehenden Fakten (selbstverständlich von Google u. Co.) abgeglichen werden. Wir könnten unseren Aktionsradius wie Cyberborgs erweitern, durch künstliche Erweiterungen aller Art: größere und mehr Arme, besserer Körper usw. Unsere Identität könnte als digitale Datensammlung gespeichert werden und würde zur unbegrenzten Replikation zur Verfügung stehen, ein „ewiges Leben“ in wechselnden wäre auf diese Art auch gesichert. Es ist das Denken, das uns in den USA auf Schritt und Tritt begegnet: die unbedingte technologische Machbarkeit von allem und jedem steht dahinter, die Beherrschung der Natur bis ins Letzte. Wer mit offenen Augen in den USA ist, dem dürfte nicht entgangen sein: die großen Staudämme und die dazu gehörenden Seen, die Umfriedung, Einfangung und Ausnutzung des Colorado River alleine schon im Westen, die Unterwerfung und Besiegung der „Natives“, also der Indianer, - was nahezu einem Genozid gleichkommt. 

Dienstag, 19. Juli 2016

Blick von hinten (2)

Ich versuche dieser Tage öfters, mich in jene Welt hineinzuversetzen, in der wir damals lebten, in die Haltung, in das, was uns bewegte, in ihre Rhythmen, in ihre Horizonte. Es galt, zu einer Identität zu finden. Auch gegen die Gesellschaft. Ein paar sind dabei herb abgestürzt. Erst verletzt, verwundet, - dann abgegangen. Club 27: Hendrix, Morrison oder Joplin warteten schon. Aber was war der Tod? Eine Figur in einem Gedicht. Etwas, was einen seltsam anfasst. Gewalt, Gefühle wie Hass und Wut? Wie war es damit? Oder auch Humor – bis hin zum Zynismus oder Sarkasmus? Wollte man das diskutieren? Natürlich. Lieber das, was man sich unter Politik vorstellte. Dann doch heutzutage lieber Kleidung, Stil und Musik, das andre Geschlecht und der Sex im Schritt - oder? Und wie war's mit dem Heiligen? Ist ja heute wieder sehr beliebt.... wie mit Ewigkeit und Unendlichkeit, Natur und Kultur, mit Fressen oder Gefressen werden, mit Pathos, Ironie und Nüchernheit? Mit Kritik und Poesie? Hatten wir uns ein bisschen zu viel an der Kritischen Theorie besoffen? Zu viel Wiesengrund Adorno nachgehechelt? Freizeit? War ein All-Time-Projekt. Wir definierten uns wohl auch ein bisschen über Kleidung, Schlampigkeit war da ja immer Absicht..... besonders in der mittleren gesellschaftlichen Klasse...... Aufbruch um jeden Preis war angesagt. Wohin...., da war man tolerant. Später die ewigen Diskussionen, die sich als gruppendyxnamische Versuchsanordnungen stundenlang im Kreis drehten. Das Gesellschaftliche, gewiss, - so lange es einen selbst nicht betraf.

Montag, 18. Juli 2016

Vom Hoch auf die Verwaltung (1)

Nur mal so ein paar Überlegungen, man muss sie ja nicht teilen: Es könnte sein, dass der Mensch irgendwo neutral oder sogar gut wäre, wenn er anderes gewohnt wäre, als Repression und Androhung von Gewalt von seiten des Staates. Ob wir dem Staat sinnvollerweise ein Gewaltmonopol übertragen haben? Ob er damit vor allem die obwaltenden Ungleichheiten zwischen Reich und Arm schützt? Ob das Instrument der Durchsetzung dieses staatlichen Gewaltmonopol die Polizei sein muss... Jetzt, da alle politischen Parteien eine kräftige Aufstockung der Polizei ankündigen (nachdem sie sie jahrelang kaputt gespart haben)? Die soziale Schere geht immer weiter auf: Klar, dass da mehr Repression zur Durchsetzung der Legitimationen sein muss. Da haben sich die Neoliberalen halt etwas getäuscht. Mit dem Neoliberalismus ist's seit 2008 ohnehin nicht mehr so weit her. Seine Nachteile offenbaren sich, werden zu offensichtlich. Da wollen wir doch gegensteuern und das tun, was die Leute wollen - sagen sich die Politiker, die gewählt werden. 
Hinter den Kulissen freilich handeln sie oft ganz anders, als sie es nach vorne zu verkaufen versuchen. Zumindest die Zahlen bei der Verwaltung und Bürokratie scheinen nicht geschrumpft zu sein: im Gegenteil. Auch wenn's zur neoliberalen Doktrin nicht passt, sagen Statistiken und Erhebungen etwas anderes. Auch die EU ist da ein überzeugendes Gegenargument, besonders wenn man den Einfluss der fest installierten Lobbyisten zu den Beamten hinzu zählt, die ohnehin in Brüssel sitzen und die nach guter alter Les- und Lernart vorgeben, mit der Bürokratie die Gleichbehandlung der Bürger (damit keine Korruption aufkommt!) schützen zu wollen. Alles unkontrolliert, natürlich. Der private Sektor mit seinen Lobbyisten und Interessenvertretern ist ja ohnehin längst in denen der öffentlichen Vertretungen übergegangen. Teilweise werden sogar Gesetzentwürfe von Lobbyisten selbst geschrieben, - oder es werden lange Passagen aus ihren Entwürfen übernommen. Beispiele gibt es viele.    

Sonntag, 17. Juli 2016

Politikerbezüge

Der Abstand zu denen, die sie als Volksvertreter vertreten sollen, scheint ein bisschen groß zu sein. Letztenendes zeigt sich das auch am Geld, wobei von den Volksvertretern (und allen anderen "Besserverdienenden") sehr schnell der Vorwurf des Sozialneids oder des Populismus hervorgeholt wird. Dahinter bildet die zweite "Verteidigungslinie" eine Argumentationslinie, die darauf abzielt, dass Abgeordnete durch besonders hohe Vergütungen weniger für Korruption und Einflussnahme von außen empfänglich sein sollen. Ob dies zutrifft, ist eine Frage, die jedem zu beantworten bleibt. Wichtig aber sind hier Fragen, die sich daraus ergeben. Nämlich:  Ob sich da Parallelwelten auftun? Eine gewisse Abgehobenheit? Jetzt hat die Zeitung „Die Welt“ mit der Autorin Hannelore Crolly darüber geschrieben, dass sich im Baden-Württembergischen Landtag der AfD-Fraktionschef Meuthen über seine lächerlichen (Grund-)Bezüge von 17 136 Euro im Monat beklage. (Korrekt heißt es: „Entschädigung“!) Solch ein Schlingel! Es reicht halt hinten und vorne nicht! Aufschlussreich aber dürfte die Aufzählung sein, die in dem Artikel folgt (die natürlich so öffentlich ist, dass sie niemand so genau kennt!):
„Ein baden-württembergischer Landtagsabgeordneter verdient, Pardon, wird entschädigt mit 7616 Euro im Monat. Der Fraktionschef bekommt 125 Prozent - obendrauf! Das heißt, Meuthen wurde bisher entschädigt mit 17.136 Euro im Monat. Plus Dienstwagen. Plus (wie alle Abgeordneten) 1548 Euro fürs Wahlkreisbüro. Plus Reisekosten. Plus pauschal 400 Euro für einen Mitarbeiter, selbst wenn er gar keinen hat. Plus freiem Bahnticket im Ländle. Plus Vorsorgebeitrag für die private Rente (1679 Euro). Plus kostenlosem Telefonieren, Internet und Fax im Landtag.“

Freitag, 15. Juli 2016

Generation und Sozialisationen

Es ist doch nicht so, dass gestern alles besser war. Bewahre! Diese altbackene Abschätzigkeit der Jugend gegenüber haben wir doch alle auch abgekriegt, als wir jung waren. Überheblichkeit. Selbstgerechtigkeit. Pauschalansichten. Wäre leicht zu entlarven. Aber wenn man nichts anderes kennt, als den wohlständigen Überfluss, wenn man durch dauernde Ablenkung programmiert ist, wenn man ausschließlich in Manuals lebt und die englische Sprache als globale Verständigungsformel akzeptiert, wenn man aus ökonomischen Gründen gehätschelt wird und dies erst als Selbstverständlichkeit und dann als Aufforderung zum Kampf der Generationen auffasst, wenn man glaubt, Annäherung zwischen zwei Menschen beruhe vor allem auf durch Partnerbörsen angestifteten Ficksport, wenn man glaubt, vor den Auswirkungen einer unkontrollierten Globalisierung schon irgendwie bewahrt zu werden, schon darum herum zu kommen, wenn man glaubt, immer zu den Gewinnern zu zählen und unbedingt zählen zu müssen, zu denen, die andere Menschen erniedrigen, wenn man Phänomene wie die Klimaerwärmung verdrängt und sie glaubt, in lächerlichen Konferenzen gebändigt zu sehen, wenn Kriege aller Art zum akzeptierten Alltag („mach das Beste daraus!“) gehören und die Wirklichkeit etwas Manipuliertes ist, das sich vor allem aus Bildern zusammensetzt, Wenn Tiere etwas sind, was es zu produzieren und zu gebrauchen gilt, als kommerzielles Objekt, das im Supermarkt feil geboten wird, wenn das Sterile das Normale ist, - was für eine Sicht der Welt entsteht dann? Sollte hier nicht tatsächlich ein behutsamer Dialog stattfinden, der gerade nicht sein eigenes Zerrbild schafft, sondern auch aufmerksames Zuhören, ein Eingehen aufeinander, ein Verstehen als angestrebte Möglichkeit beinhaltet?  

Donnerstag, 14. Juli 2016

Frisierte Elitenherrschaft

Die neue britische Premierministerin, die einen großen Beraterstab haben soll, ernennt Boris Johnson, den etwas übermütigen ehemaligen Bürgermeister von London, persönlichen Rivalen von Cameron, Beleidiger von Obama und Antreiber des Brexit, zum neuen Außenminister von Großbritannien. Ein Zeichen. Etwas befremdlich. Wohl auch ein Zeichen dafür, dass sie jetzt alles kann. Ein Zeichen für den Rest der Welt. Ein Zeichen aber auch dafür, dass die Eliten machen, was sie wollen. Was sie für schlau halten. Wenn's nicht klappt oder wenn allzu viel Verantwortung droht, schlagen sie sich seitwärts in die Büsche, - wie zuletzt oft vorgeführt (ach, Namen sind da doch völlig unwichtig, obwohl Journalisten das als "Grundgesetz" pauken. Es geht um die Struktur dahinter, Gesichter sind da austauschbar!). Solche Eliten benutzen die Öffentlichkeit als Bühne, auf der sie ihre Eitelkeit präsentieren. Auf der sie paradieren und ihre Macht vorführen. Ob das nicht ein bisschen rückwärts gewandt ist? Oder ob es genau das ist, was die Leute wollen? Ob das in die Zukunft führt, in der last but not least per Internet Transparenz möglich wäre? Wäre.... Ob gegen Transparenz ein Bollwerk errichtet werden soll, vielleicht sogar mithilfe von „Big Data“? Ob der Zugriff darauf, auf "Big Data", etwas mit Geld und ökonomischer Macht zu tun haben wird? Schnell geht’s hinaus in große Fragen, wobei der Auslöser doch nur eine Attitüde der Herrschenden war. 
Wenn ich Brite wäre, wüsste ich jetzt nicht so recht.... Aber auch als Europäer stellen sich einem solche Fragen. Der französische Häuptling und Oberstaatsozialist soll sich einen Friseur halten, der den Steuerzahler 10000 Euro im Monat kosten soll und der dem eitlen Präsidenten rund um die Uhr für seine drei Haare zur Verfügung stehen soll. Soll. Eben noch saß er öffentlichkeitswirksam und penibel frisiert bei den Spielen des „Team Tricolore“ bei den Fußball-Europameisterschaften herum. Selbst Fußballer scheinen bei solchem eitlen Gebaren nicht mehr ganz mitzukommen, auch wenn sie die putzigsten Frisuren versuchen und vorführen. Jetzt werden solche Dinge bekannt. Was ich wohl wählen würde, wenn ich in Frankreich leben würde? Oder wäre ich einfach nur anders sozialisiert, wäre gewohnt, das sich bestimmte und klar definierte Kreise öffentliche Ämter und Funktionen unter sich aufteilen? Den eitlen Staatspräsidenten, die blond-dumpfe Rechtsauslegerin oder gar den Gaullisten-Erben Sarkozy, der gewisse sozialen und ethnischen Unterschichten, für deren Integration der französische Staat traditionell wenig tut, „auskärchern“ wollte und der sich sich allerlei andere, nun ja! - Extravaganzen – geleistet hat? Was also soll jemand, der mit den herrschenden Verhältnissen nicht einverstanden ist, demnächst wählen? Ob in Deutschland die Lage besser ist? Nun ja, noch brummt die Wirtschaft und alle sind's zufrieden. Was aber, wenn sie das nicht mehr tut?     

Mittwoch, 13. Juli 2016

"Steuern und Abgaben"

Gestern wurde an vielen Stellen der Medien mit etwas zynischem Unterton darüber frohlockt, dass nun jeder Deutsche nicht nur dem Finanzamt gibt, sondern seinen Verdienst selbst einbehalten kann. Umgerechnet bedeutet dies eine Staatsquote, die mittlerweile bei 52 % liegt. Ich nehme solche Schelmenstücke ungläubig wahr und halte sie den Deutschen und ihrem wohl grenzenlosen Glauben an den Staat entgegen. Was ist? Schäuble nimmt 100 Milliarden zusätzlich (!) ein und reklamiert das alles für seine Tüchtigkeit, die sich in seiner eigenen genialen Person ausdrückt. Diese präsentiert sich und „dem Staat“ die „schwarze Null“ als ständig vor sich hergetragene Monstranz. Hinzu kommt, dass er keine Zinsen zahlt. Ob auch mal eine Steuersenkung drin ist? 20 % der Deutschen zahlen zwar keine Steuern, weil sie dafür zu wenig verdienen, aber sie zahlen Sozialabgaben. Wir haben mittlerweile einen Staat, der jeden zweiten verdienten Euro für sich kassiert. Trotzdem kommt bei den Bedürftigen kaum etwas an. Wo geht das Geld eigentlich hin? In die Infrastruktur? Hunderte von Brücken sind marode, das weiß inzwischen jeder. Eine kleine Summe immerhin scheint dafür abgezweigt zu werden, was dann in pompösen Pressekonferenzen mit allzu willfährigen Journalisten zusammen abgefeiert wird. Aber ob da wirklich etwas passiert? Etwas Wirksames? Die einzige Alternative, die sich manche politischen Entscheider vorstellen können: Steuererhöhung. Hm. Natürlich nicht zweckgebunden. Das heißt: die Kohle kommt in das Staatssäckel, egal was dafür versprochen wird. Dieser Staat hat halt nicht genug. Womöglich nie. Stuttgart 21? Ein paar Milliarden hin oder her, das macht doch nichts. Die jetzt bekannt gewordenen Zahlen sind ja wohl desaströs. BER in Berlin? Elbphilharmonie in Hamburg? In Rheinlandpfalz verchecken sie einen ganzen Flughafen, - leider an angebliche Hochstapler. Nix Genaues scheint niemand zu wissen. Und das nach dem Debakel am Nürburgring, bei dem zig Millionen Steuergelder in den Sand gesetzt worden sind. Wieso schaffen solche „Großprojekte" andere Nationen, wie beispielsweise die Schweiz, viel besser? Die haben einen riesigen Tunnel gebaut und bis zur Fertigstellung den Voranschlag eingehalten. Der Zeitplan wurde sogar unterboten. Übrigens: Der Solidaritätszuschlag soll nun per Spruch von der Justiz abgesichert auch bleiben. Er soll bleiben. Ob das mal anders gedacht und versprochen war? Ob das als vielleicht als befristet verkauft wurde? Ob so etwas Vertrauen schafft? Ob Zwangsabgaben und Steuern immer richtig eingesetzt sind? Ob sie jemals abgeschafft oder wenigstens gesenkt wurden?

Dienstag, 12. Juli 2016

Handlungsvorhersage

Wie spannend war das denn? Man saß damals anders im Kino. Auf einen Tipp meiner Freundin sah ich 2002 mit ihr zusammen den Film „Minority Report“ an, mit Tom Cruise. Typischer Science-Fiction-Kracher, so dachte ich damals! Großartig gespielt, aber die Handlungshintergünde ein bisschen wirr. Vorhersehbarkeit von Taten zu proklamieren und sich dann andere Augen einsetzen lassen, weil das Verhalten an den Augen abzulesen sei, wäre dann doch zu aberwitzig. Hm. Ich dachte gar nicht weiter darüber nach. Es schien mir dermaßen irreal. Und jetzt lese ich, dass Tatenvorhersage von der Polizei in den USA schon lange praktiziert wird. Die haben ein kleines Ding, das an ein Programm angeschlossen ist, das hohe Wahrscheinlichkeiten über das Verhalten gewisser Personen(gruppen) ausspuckt. So fahren denn die Polizisten sehr viel früher zum Tatort, ehe etwas Kriminelles passiert. Und tatsächlich, es geschieht allzu oft: der Algorithmus hat recht gehabt, ein Verbrechen wurde begangen. „Predictive policing“, vorausschauende Polizeiarbeit heißt das. Mittlerweile soll es schon so weit sein, dass es sich nicht gerade empfiehlt, sich längere Zeit vor einem Regierungsgebäude aufzuhalten, weil das Programm dann prognostiziert, dass man unter Umständen Böses im Schilde führt. Es passt einfach nicht ins Muster. Was scheinbar näher ist: Wer bei einem Online-Händler ursprünglich amerikanischer Herkunft einkauft, kriegt postwendend die Empfehlung „Sie könnten auch folgende Artikel interessieren“. Worauf eine Liste der Dinge auftaucht, die tatsächlich ins Muster passt. Der Algorithmus lernt mich auch immer besser kennen und sagt meine Bedürfnisse voraus. Es ist dies also etwas, was in dieser oder jener Form längst und weitgehend unbemerkt Einzug in unseren Alltag gehalten hat. Dass anhand von körperlichen Merkmalen ein Verhalten erschlossen wird, ist auch nichts Abseitiges mehr. Die Vision hat die Wirklichkeit eingeholt. Es werden von großen Institutionen nund Konzernen Daten über uns gesammelt („Big Data“), die Kaufentscheidungen mit steigender Wahrscheinlichkeit voraussagen können. Dementsprechend viel wert sind schon jetzt diese Daten. 

Sonntag, 10. Juli 2016

Politikverdrossenheit

Ja geht denn Europa einfach so weiter, als sei nichts passiert? Was schafft angesichts dessen Politikverdrossenheit? Wenn Politiker sich über sich selbst auferlegte Regeln hinwegsetzen (in der EU ein gerne praktizierte Methode) Wenn Minister E-Autos verordnen und anschließend gerne mal in eine Riesenlimousine steigen. Wenn der Verkehrsminister mit der Autoindustrie kungelt, die sich ihrer Sache dann so sicher ist, dass sie ihren Betrug glaubt in den USA verkaufen zu können. Selbstverständlich wird dieser Verkehrsminister von den deutschen Lobbyisten erpresst, die ihre regierungstechnisch geadelte Emissärin in der EU vorschicken, um strengere Vorschriften zum Zwecke der allgemeinen Gesundheit verhindern. "Das schadet der Wirtschaft!", so das Credo dahinter (wobei vor allem die eigene gemeint ist...). Wenn ein Verteidigungsminister mal kurz 500 Millionen ausgibt für Drohnen, die hier nicht fliegen dürfen. Wenn seine Nachfolgerin Marine-Hubschrauber anschafft, die viel zu schnell rosten und auch deshalb nie einsatzfähig sind. Mal abgesehen von all dem anderen Schrott, der nicht funktioniert und eine Unmenge Geld gekostet hat. Es ist eine Quittung für Europa, wenn immer nur dieselben Gruppen profitieren, - die andern zahlen allzu regelmäßig drauf.

Samstag, 9. Juli 2016

Macht und Lebenswelten

Ich denke mir, dass die Häuptlinge in der EU ein ganz anderes Lebensbild pflegen, als diejenigen, die sie „beherrschen“ wollen. Die Realitäten liegen einfach zu weit auseinander. Von diesen indirekt delegierten EU-Kommissaren („die so gerne von sich behaupten, sie seien gewählt...) geht bei ihren Auftritten eine manchmal unerträgliche Arroganz aus, die die EU nicht nur zu einer Veranstaltung der sich selbst so verstehenden Eliten macht, sondern auch einen Abstand zu dem „Volk“ zeigt. Wie geht das? Ich staune und versuche, mir diese andere Welt vorzustellen. Politiker sind Machtmanager. Es wird etwas behauptet und für sich in Anspruch genommen, das allenfalls sehr indirekt ist und sich gerne auf das System der repräsentativen Demokratie beruft. Deren Vertreter fordern für sich in allen Situationen eine Art absolutistischen Status. Innerhalb ihrer Wahlperiode glauben sie unter Berufung auf die Gewissensfreiheit alles tun zu können, was sie wollen. Delegierung auch an Lobby-Vertreter und indirekte Wahl in „Gremien“ inklusive. Diese Mechanismen in Frage zu stellen gilt ihnen als Todsünde. Ihnen! Denn sie fühlen sich legitimiert. Anderswo ist ja alles noch viel schlimmer. Ob es auch eine Sache des Fingerspitzengefühls ist? Ob ein allzu großer Abstand zu denen die Europa dem Ganzen förderlich ist? Ob man nicht doch auch eine Vertreterin, ein Vertreter einer direkten Verbindung zum Wahlvolk ist? Ob der Einfluss der Parteien nicht doch schon viel zu weit gegangen ist, auf Kosten des allgemeinen „Wahlvolks“? Ob man all das noch offen zutage treten lassen kann, wenn Ereignisse wie der Brexit solche Haltungen in Frage stellen? Ob man sich da im Recht des Stärkeren fühlt, das seinerseits ein großes Unbehagen in Europa hervor ruft? Ob sich eine solche sich selbst legitimierende Lebenswelt positiv für das Ganze auswirkt? 

Freitag, 8. Juli 2016

Druck zur Optimierung

Das Internet und allerlei moderne Technologien vernetzen den Menschen immer mehr, machen alles schneller und leistungsfähiger (wobei auch die "Künstliche Intelligenz" eine Rolle spielt, ---> siehe Blog). Wie lange und wie weit können wir das noch mitmachen? Wie weit geht das? Gibt es Grenzen? Wir müssen wohl wachsen, so lange wir die gegenwärtige Wirtschaftsform pflegen. So geraten wir immer noch ein bisschen mehr unter Druck. Die Erwartungen, nicht zuletzt durch uns selbst, steigen. Wir sollten, wir müssten.... Dadurch hinken wir ständig unseren Ansprüchen hinterher, genügen nie, geraten im schlimmsten Fall in Umstände wie Burnout, Depression, vollkommener Stillstand usw. Alles wird stumm und starr, es bewegt sich nichts mehr, auch in uns selbst. Das alles scheint ein Zwang. Doch wo kommt er her? Wer redet denn hier von „System“ oder „Kapitalismus“? Große Häuptlinge haben das ohnehin verinnerlichte Motto „Wachstum über alles“ längst vorgegeben, sie lassen es bimsen und immer wieder neu lernen. Sie drücken es in die Köpfe. Wollen wir dabei bleiben beim Mainstream, bei der gesellschaftlichen Erfahrung, müssen wir scheinbar da mitmachen. Der Zwang, der Druck, der Drang zum Ökonomischen durchdringt inzwischen alle Lebensbereiche. Arbeit, Bildung, Familie, Liebe, Natur: Die Steigerung, Optimierung, Beschleunigung bildet die Erwartung. In uns. An uns. Wohin geht das? Was ist da gut für uns? Wo geht das hin? 

Dienstag, 5. Juli 2016

Kirschen again

Die Gier ist allumfassend und packt dich sofort. Kirschen, kirschig,... äh! Sie glänzen und machen dich an. Sie versprechen das Köstliche. Diesen Geschmack. Ihren eigenen. Den nur sie haben, womöglich. Ich beneide nicht diejenigen, die ihn nur als „naturidentischen“ Stoff kennen. Sie verpassen etwas. Sie sind Joghurt mit Kirschgeschmack und so was alles gewohnt. Ein Vorgeschmack, immerhin. Eine Ahnung, so ähnlich wie.... Ich mag selbst das noch. Aber das hier vor mir ist die Krönung und die Steigerung ins Extreme!.. Diese prallen Kugeln voller Geschmacksstoffe! Voller Saft. Und Fruchtiges. Rotes. Diese vorenthaltene und erst nach und nach abgegebene Erfüllung! Jaja, Tiefenpsychologie. Erklärungen eisgekühlt. Alles egal. Es gilt in diesem Moment nur: Herrliche Frucht. Der Saft rinnt dir zwischen den Fingern hindurch. Ich bete dich an. Ich mag dich in all deinen Fasern. Es gibt helle und dunkle. Alle roten Farben. Eine leckerer als die andere. Bald ist es wieder vorbei damit. Und das ist gut. 

Sonntag, 3. Juli 2016

Fahrermarktwirtschaft

Es pflügen links und rechts die fetten Limousinen und SUVs vorbei, es geht ziemlich agressiv von ihnen eine einzige Mentalität aus: "Hoppla, jetzt komm‘ ich!" "Alles beiseite, ich bin Premium und habe auch ein Premium-Anliegen“. Alle anderen sind Mist. Beiseite! Haha, Straßenfight! Regeln? Gelten nicht für mich! Wieso glauben diese Raser, diese Straße für sich gepachtet zu haben? Wieso geht in der deutschen Realität das „Sich-Durchsetzen“ als Competition, Kräftemessen und Verdrängen immer weiter? Ob die das alles verinnerlicht haben? Die „Langsamen“ machen sie wahnsinnig, die haben die dauernde Beschleunigung (aller Lebensverhältnisse) ungesund internalisiert…. das Wegscheuchen, die eigene Geschwindigkeit ist der Maßstab für alle, hat es gefälligst zu sein... mein Ego ist heilig. Und zwar nur MEIN Ego! Es ist angesagt: Den Größeren, Schnelleren, Breiteren zu haben, das sich Messen, die Marktwirtschaft in den Köpfen, nicht der Fluss oder das gemeinsame Fließen, sondern das Vorwärtskommen auf Kosten der anderen…..(eine Mentalität, die auch zunehmend in die Musik Einzug gehalten hat, Wettbewerb: wer kann am meisten zahlen? Top Dogs rasen vorbei, sie streben alle ein Scheinziel an, das sie nach einer genau bemessenen Zeit wieder verlassen…zurück ins Getriebe. Sie treiben ihre Allrads vorbei, mit denen sie zeigen, dass sie mehrmals im Jahr in den Skiurlaub fahren können und sich zu den Besseren zählen, aufgemotzt, aber dezent, Überlegenheit dauernd anzuzeigen ist ein schweres Geschäft…. lächerliche Mitläufer einer Autokratie.......

Samstag, 2. Juli 2016

Samstagseinkauf

Ein fleckiges Schild, eine beschriebene Fläche, wiest darauf hin: „Dieses Objekt wird videoüberwacht“. Es ist ein Aufzug, der gelegentlich funktioniert, gelegentlich auch nicht. Vollmetall. Er lässt sich herab. Es riecht darin nach Urin und Schweiß. Man wechselt auf einen Steg-Überweg, der aus vom Dreck umschlossenen Betonplatten besteht. Überall liegen Zigarrettenstummel, ein Ohrstäbchen dazwischen, ein zerknautschter Kaugummi. Die Kassiererin des gegenüber liegenden Discountmarkts sagt nach meinem Einkauf (die billigsten Würstchen, Cola der billigen Sorte) nachdem sie die Bezahlkarte in den Automaten gesteckt hat: „Sie dürfen.....“, und „Schönes Wochenende“. Ich bin beglückt. Es kann jetzt alles kommen, auch das Wochenende. 
Ich habe Hunger und geh dem Bedürfnis natürlich sofort nach, obwohl ich die akademische Pflicht zur Aufschiebung einstudiert habe. Doch das ganze akademische Gedöns ist ja sowieso nichts wert, ist eine der Täuschungen, hinter denen ganz anderes steht.... Am Imbissstand (nicht McDonald's) darf ungeniert die „Curry-Wurst Spezial“ geschmatzt werden. Vorbei schlappende Personen können gemustert werden, ein Smartphone klingelt zu aufdringlich und ein Autofahrer ballt mit hochrotem Kopf die Faust. Ich beeile mich. Zuhause verstopfen farbige Prospekte den Briefkasten. Es gilt „Billiger“ in allen Variationen: Man studiert, wann es sich einzukaufen lohnt. Eigentlich würde mich "günstiger" mehr als "billiger" interessieren. Würstchen jagt Würstchen, daheim wird noch einmal am ranzigen Salat gefressen, dessen Kühlkette mehrfach unterbrochen ist. Ich bin wohl im falschen Film..... 

Donnerstag, 30. Juni 2016

EU geht weiter

Juncker winkt unter anderem Ceta und Glyphosat durch, heißt es. Merkelt merkelt oder beschwichtigt und Schulz schulzt, wie immer, sozialdemokratisch und halb sozialistisch. Aber nur halb. Der Johnson-Boris versteckt sich seitwärts in den Büschen und der Farage-Nigel, - dieser rechtsradikale Schelm! -  grinst so, dass ihm jeder alles ansieht. Gleichzeitig verordnet die EU ganz flott und enorm handlungsfähig, dass die Wasserversorgung unbedingt privatisiert werden müsse...... Mir kommt es aber so vor, als versuchten alle, alles so weiterzugehen lassen, wie zuvor, völlig entgegen ihrer verbalen Beteuerungen. Das ist die EU-Elite. Fremdbestimmen, weil sie es besser weiß. Am besten alles. Was sie nicht bemerkt haben, diese "Eliten": dass der Brexit ein Warnschuss war, dass das Auskungeln in Hinterzimmern und das daraufhin beschlossene Verschleudern von Milliarden an Euro (!) längst nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, seitdem sich so neumodische Dinge wie das Internet durchgesetzt haben und die Transparenz von Entscheidungsprozessen bei den Bürgern einen anderen Stellenwert einnimmt. Nach jüngsten Meldungen kommt es einem so vor, als wolle Merkel Großbritannien irgendwie schon auch doch mehr Zeit einräumen und erst mal „nichts übereilen“. Die Wogen glätten, heißt bei dieser Politikmethode: darauf hoffen, dass die Schnelllebigkeit gewisse Dinge in Vergessenheit geraten lässt, um sie schließlich nach eigenem Gusto zu regeln. "Am Ende des Tages", wie sie so schön sagen. Im Falle von Merkel und ihrem Vorgänger Schröder sowie dem Kohl (was für eine Traditionslinie!) heißt und hieß dies: im Sinne der Wirtschaft und der dahinter stehender Interessen handeln. Wir sind ja nicht schlecht damit gefahren, - nichtwahr? Ob sich die Europäer davon vertreten fühlen? Ob die EU bereits so weit ist, dass sie nach eigenen Gesetzmäßigkeiten abläuft, die mit denen, in deren Auftrag sie handeln soll, gar nichts mehr zu tun hat? Jetzt diskutieren sie alle in tausend Runden, setzen sich ein und vertreten, bedauern und erklären, meinen und labern, stänkern und lächeln vielsagend. 

Mittwoch, 29. Juni 2016

Andere gesellschaftliche Welten

Reiche Menschen fahren gerne Tesla. Elektro-Auto, möglichst selbstfahrend, weil das in die Zukunft weist. „Wir haben ja so sehr den Anschluss verloren, dass wir dringend Tesla fahren müssen. Es gibt ja nichts anderes. Die in anderen Ländern fahren uns weg.....“, so die ausgesprochene und unausgesprochene Botschaft als Notschaft. Reiche Menschen essen entschleunigt und nur Bio, nie aus dem Supermarkt oder gar vom Discounter, sie lassen sich Wellnessmassieren und verbringen das Wochenende in der Villa am See. Der Discounter ist dann doch für den Plebs, obwohl man gelegentlich schon mal auch gerne hinfährt und ein vermeintliches Schnäppchen abgreift. Sie hingegen wissen stets, wie und wo ihr Food erzeugt wurde. Möglichst erlesen und gutschmeckend sollte es schon auch sein. Die einschlägigen Ratgeber der Starköche sind alle durchgearbeitet und gesichtet. Auf dem Rückweg vom Bergausflug im Auto die Mutter anzurufen, einen Blick auf die Börsenkurse werfen und während des Wochenendputzens einem Hörbuch mit Spanisch-Vokabeln zu lauschen: Man muss lernen, mit Möglichkeiten umzugehen, sie für sich zu nutzen. Die Freizeit- und Bespassungsindustrie bietet diesen reichen Leuten den industriell in Reihe erzeugten Fun, dessen Kosten für die Umwelt in diesem Falle vernachlässigt werden, denn ihr Ego ist ja heilig und dementsprechend hoch honoriert: Elite darf das, was andere nicht dürfen. Verstehen ist überflüssig. Machen und Tun wichtig, koste es, was es wolle. „Gestalten“. Entspannungstechniken aller Art oder Herkunft bereiten zu neuer Leistung auf. Menschenführung ist selbstverständlich, das Personal braucht das. Starpädagogen liefern im Think Tank die Motivation und die Argumentationen. Verstehen braucht man das ja nicht, nur Wiederkäuen, das darf schon sein. Von der Festplatte entladen und damit schwallen können, das ist es. Prekariat? Digitalisierung. Nun ja, muss halt sein. Ist der Preis der Vielen dafür, solange es mich als „Elite“ ja nicht betrifft. Der Preis für den Fortschritt (im Portemannaie). 

Dienstag, 28. Juni 2016

Politikeliten

Das Votum der Briten, so der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, müsse für den Rest der EU ein Weckruf sein, "nicht einfach so wie bisher weiterzumachen". Er nimmt darin geschickt eine Stimmung auf, um sich die Sympathie ihrer Befürworter eigen zu machen. Politisches Alltagsgeschäft. Scheindemokratie. Doch was geschieht? Es scheint alles so wie bisher weiter zu gehen. Erst mal Zeit lassen. Drei Monate sind nicht viel. Das muss sich setzen. Jetzt müssen erst mal Pläne gemacht werden und überhaupt: der Vertrag sieht das nicht anders vor. Ob das nicht Verdrossenheit erzeugt? Schon treffen sich die Staatschefs wieder in irgendwelchen Hinterzimmern, SPD-Granden fordern eine Doppelspitze der Tonangeber und überhaupt: anders ist das nicht zu schaffen. Alternativlosigkeit allenthalben. 
Doch was schafft Politikverdrossenheit? Wenn Politiker sich über sich selbst auferlegte Regeln flott hinwegsetzen (in der EU ein gerne praktizierte Methode) und wenn sie alles und jedes "politisch" entscheiden wollen, was ein anderes Wort für "nach meinem Gutdünken" ist. Wenn Minister E-Autos verordnen und anschließend gerne mal in eine gepanzerte und extrem Sprit schluckende Riesenlimousine steigen. Wenn der hiesige Verkehrsminister mit der Autoindustrie kungelt, die sich ihrer Sache dann so sicher ist, dass sie ihren Betrug glaubt in den USA verkaufen zu können und prompt auf ihre eigene, sich selbst eingeredete Sicherheit herein fällt (eine in der Korruptionsforschung sehr bekannter Vorgang... je sicherer sich jemand fühlt, desto mehr praktiziert er solche Mechanismen der scheinbaren Selbstverständlichkeit). Selbstverständlich wird dieser Verkehrsminister von den deutschen Lobbyisten erpresst, die ihre Emissärin in der EU vorschicken und strenge Vorschriften zum Zwecke der Gesundheit der Bevölkerung verhindern. Wenn ein Verteidigungsminister mal kurz 500 Millionen für Drohnen locker macht, die hier nicht fliegen dürfen. Wenn seine Nachfolgerin Marine-Hubschrauber anschafft, die viel zu schnell rosten und deshalb nie einsatzfähig sind. Mal abgesehen von all dem anderen Schrott, der hier nicht funktioniert und eine Unmenge Geld gekostet hat. Quittung für Europa, wenn immer nur dieselben Gruppen profitieren und die Andern draufzahlen. Europa muss sich ändern. Wer eigentlich sind unsere Europaabgeordneten und wie sind sie zu erreichen? Welches Recht haben sie? Welche Sanktionen gibt es, wenn Regeln nicht eingehalten werden? 

Montag, 27. Juni 2016

Künstliche Intelligenz (AI) (1)

Die meisten derjenigen Ausbildungssysteme in den USA, die gerne im Silicon Valley angesiedelt sind, fördern das Zusammenführen von "Führungspersönlichkeiten", die möglichst an stark wachsenden Industrien und Technologien interessiert sind. Was für die Menschheit gut ist, ssoll auch fürs Geschäft gut sein: Die Börsenkurse solcher Tech-Unternehmen sollen sich an der Börse etwa alle 2 bis drei Jahre verdoppeln. Künstliche Intelligenz, Roboter und Synthesebiologie gehören als Bereiche dazu. Offizielle Lesart ist, dass in solchen Einrichtungen über technische, geschäftliche und ethische Auswirkungen solcher relativ neuer Technologie gesprochen wird. Doch manchmal scheint es durchaus über das Reden hinaus zu gehen. Repression 4.0 ist da eine technologische Aufgabe. Es geht um die Entwicklung einer Zukunft für die Menschheit, die Heilsversprechungen aller Art einlösen soll, es geht auch um all das Sortiment latenter amerikanische Träume, die manifesten sind ja wohl obsolet. 
Unter anderem ist derzeit die Unsterblichkeit ein solches Versprechen, wobei es als Nahziel gilt, in einer gesunden Verfassung älter als 100 Jahre zu werden. Doch das ist nur das vorläufige Ziel. Danach soll das ewige Leben kommen. Nach altem amerikanischen Muster könnte dies das Heilsversprechen sein, dem ja bisher schon in allerlei bizarren Konstellationen nachgegangen wurde. Also wird derzeit daran gearbeitet, alle mechanischen Probleme zu beseitigen, die es jetzt noch in der Struktur des biologischen Menschen gibt. Es geht darum, die menschliche Maschine zu reparieren, sie in den rechten und gewollten Zustand zu versetzen. Dann gibt es auch noch das Bewusstsein und die Identität, die es zu digitalisieren gilt. Ob das alles noch in unserer Lebensspanne passieren wird? Der Körper als Lebensmaschine, das Bewusstsein als Datenpaket. Gedankenübertragung. Steuerung. Kontrolle. Optimierung. Gentechnik erlaubt schon heute die gezielte Steuerung des menschlichen Werdens. Krankheiten könnten im Voraus erkannt und ausgeschaltet werden. Fehlfunktionen sollen ausgemerzt, Genfolgen sollen in diesem Sinne umgebaut werden. Das wirft natürlich eine Menge ethischer, religiöser und moralischer Fragen auf. Doch es führt klar auf Optimierung und Selbstoptimierung zu, Ingenieure im Silicon Valley fühlen sich insofern als die „Pioniere des wahren Lebens“, als Propheten und Heilsbringer, womit sie sich in bester amerikanischer Tradition befinden.

Sonntag, 26. Juni 2016

Seth (MP3)

https://dl.dropboxusercontent.com/u/42302972/Seth%20192.MP3


Seth ist der Gott des Chaos, Hat Osiris ermordet.......

https://dl.dropboxusercontent.com/u/42302972/Seth%20192.MP3

Samstag, 25. Juni 2016

Brexit

Es ist schier unglaublich: nahezu alle in den Medien verbreiteten Kommentare kaprizierten sich darauf, welchen Fehler die Briten mit ihrem Brexit doch gemacht hätten angesichts ihrer Finanzen, ihrer Währung, ihrer Importe oder Exporte, ihrer Handelsbeziehungen usw. Als sei die EU eine einzige Schar von Händlern, die ausschließlich wirtschaftlichen Austausch pflegen mit dem Ziel, möglichst viel davon zu profitieren. Bürgermitbestimmung und Arbeitslosigkeit scheinen da nur halbwegs notwendige Mittel zum Ziel. Aber darüber wird nicht gerne geredet in der EU. Vorbei scheinen die Zeiten zu sein, in denen Europa aus und durch sich selbst ein anstrebenswertes Ziel am Horizont sei, das unter anderem auch durch eine so langsame wie bedächtige Annährung und Solidarität erreicht werden könne. Europa scheint in dieser EU keine Seele mehr zu haben, es geht nur noch um Geld und technokratische Krämerei. Wenn das ureigene britische Sache immer schon gewesen ist und der reine kleinkrämerische Pragmatismus regiert, dann ist der Brexit folgerichtig. Schon die EU-Vertragsunterzeichnung mit dem Tintenattentat auf Heath war ja schon damals ein Desaster, dem die vielen EU-Extrawürste für UK noch einige hinzugefügt haben. Jetzt ist's besser so, wie es ist - auch wenn die EU-"Kommissare" sich mal wieder in rechthaberischer Arroganz suhlen und die Rechts-Populisten aller Länder der EU drohen,  - dem sich gewisse Briten wohl allzu gerne anschließen. Alles okay! Alle haben recht! Versucht's doch mal mit eurem Commonwealth!    
Wenn das tatsächlich alles so ist, dann verstehe ich den Brexit besser, den übrigens die ältere Generation auf Kosten der Jungen herbeigewählt hat, wohl auch mit dem Ziel und der Erwartung einer rückwärtsgewandten alten Stärke aus sich selbst, aus Groß-Britannien. Angesichts dessen, was auf der Welt los ist, spricht das für sich selbst. Auch dass nach der Abstimmung in UK dort wichtige Versprechungen von den Brexit-"Machern" schon wieder einkassiert werden. 
Dabei muss England unter anderem jetzt gewaltig aufpassen, dass nicht Schottland oder Nordirland ihr einst so großes Britannien in Richtung EU verlassen und nur noch Litttle England übrig bleibt. Wie man sich selbst in einem nationalistischen Rausch zugrunde richten kann, das macht der Brexit ja vor. Ob Holland oder Frankreich sich nicht daran ein Beispiel nehmen werden, ist auch noch nicht ausgemachte Sache, droht tatsächlich aber auch schon, weil sich die Leute sehr gerne an der Nationalität besaufen und sich der Realität in scheinbarer Selbstkontrolle (die natürlich die fremdeste aller Fremdkontrollen ist)  in Richtung einer einstigen Größe (Trump: "Making America great again") entziehen. Was übrig blieben könnte, ist eine Ansammlung von Kleinstaaten, die sich eine Zeit lang an ihrem jeweiligen Nationalismus bis zum Kotzen weiter besaufen könnten und anschließend in einer Art Kater verwundert feststellen müssen, dass sie in der Welt nicht mehr ernst genommen werden. Ich hätte gerne mit den Briten vereint für eine Reform der EU gekämpft und versucht, die dortige Korruption und unsägliche Arroganz zurück zu drängen. Ich fühlte mich den Briten nah und war etliche Male auf der Insel, um dem Gefühl auch eine empirische Grundlage zu geben, um es zu riechen, um es wahrzunehmen, um es zu inhalieren. So habe ich es mit Städten wie Budapest, Rom oder Lissabon auch gemacht.  
Doch nun scheint dies anders. Demagogen und Populisten wie der ehemalige Bürgermeister von London, Schüler von Eton und Student in Oxford, Boris Johnson, haben die Wahlstimmen in durchaus bekannter Weise zum Zwecke der Beförderung eigener Karrieren abgeschöpft. Nun müssen diese Elitebubis (natürlich keine Mädels.....!, das Kontingent scheint mit Maggie Thatcher erschöpft) liefern. Wenn es schlecht läuft, werden sie mit Little England bankrott gehen. Wer den Preis dafür zahlt? Nicht die Großbürger Johnson oder Cameron, der sowieso bald in der Versenkung verschwindet und in den „Panama Papers“ so etwas wie eine Duftmarke dessen gesetzt hat, für was er steht. Die EU ist verrottet und sie Großbritannien bedeutet durch den Austritt aus der EU nur noch Vergangenheit. Als Little England wird es bald flennen und flehen. Zu spät. Viva Europa! 

Donnerstag, 23. Juni 2016

Reisen bildet

Die Soziologie kann einem wunderbar und sehr eindeutig belegen, wie sie sehr man (vereinfacht formuliert) das Produkt seiner Umwelt ist. Wäre man in einer anderen kulturellen gesellschaftlichen Realität aufgewachsen. wäre man womöglich eine anderer. Menschen versuchen, Gruppen, Gemeinschaften, soziale Verbände zu bilden, um sich gegenseitig ihrer sozialen Wirklichkeit zu versichern. Sie brauchen das sogar, weil ihre Identität dranhängt. Das kann man im Alltag wunderschön überall beobachten. Ich freilich war immer schon davon ausgegangen, dass mein Ich, meine Identität relativ ist, d.h., dass es von der Tapete der Normalitäten und Realitäten, die es umgibt, stark geprägt ist. Würde ich jene austauschen, würde ich möglicherweise ein ganz anderes ein Stück meines Ichs, meiner Selbst erfahren. Sich also durch Veränderung weiterentwickeln? Durch Reisen? Die Umwelt als eine Art Filter der Wirklichkeit verändern und dadurch eine neue Perspektive auf sie gewinnen? Einst beinhaltete die Reise – als Bild für etwas wie auch als Realität – ein hohes Maß an Läuterung und Wandlung. In den meisten Religionen galt das Reisen als rechte Lebensführung, als Instrument der Katharsis, als Mittel zur Erleuchtung. Heute ist es vielmehr so: Statt sich im Unbekannten zurecht zu finden, zahlen Urlauber viel Geld, um Überraschungen möglichst aus dem Weg zu gehen. Der Sinn des Reisens erschließt sich auf diese Weise kaum. 
Reise allein (ein jeder ist womöglich alleine), reise ohne Gepäck und reise langsam! - ein jeder ist ja ohnehin unterwegs. Wir suchen das Unbekannte und landen oft im schmerzlich Vertrauten: Blechlawinen auf Autobahnen und Ringstraßen; Parkplätze, dichter besetzt als ein Friedhof; Flughäfen, auf denen fortwährend Flugzeuge starten und landen; verschobene und verpasste Geschäftigkeit auf Bahnhöfen. Kaum ein Fleck der Erde ist noch vor unserer stets gegenwärtigen Mobilität sicher. Urlaub ist angesagt. Wie die Heuschrecken schwärmen wir über jedem vermeintlichen Traumziel aus. Wir sind viel unterwegs, aber reisen wir? Wir fahren durch die Welt, aber wie viel erfahren wir von ihr? Sollte Reisen nicht über die Veränderung der Umgebung hinausgehen? Sollte Reisen nicht ein metaphysischer Akt des Erkennens sein? Wie sehr gilt für uns noch das maurische Sprichwort, nur der Reisende kenne den wahren Wert des Menschen?

Mittwoch, 22. Juni 2016

Caravaggio Reloaded

Das habe ich mir in einem Sommer aufgeschrieben: 

Ein Gemälde von Caravaggio bewährt sich auch in großer Hitze, weil es meist in klimatisierten Räumen steht. Aber auch, weil es uns hineinzieht in seine eigene Realität und uns scheinbar Lästiges vergessen lässt. Weil darin eine verdichtete Wirklichkeit aufgehoben sein könnte. Weil es starke Momente in sich aufgesaugt hat und sie uns wiedergibt. Weil es aufgeladen ist mit Bedeutungen, - ja, auch mit den ganz sinnlichen Bedeutungen, - die helfen können, später wieder in der Hitze hinaus zu gehen. Gestählt. Wieso eigentlich so etwas den amtlich bestallten Kunstlehrern überlassen, den professionellen Bescheidwissern und Bildungsbürgern, die so etwas schon längst abgehakt haben und ohnehin alles besser wissen? Sind diese Bilder, diese Gemälde eigentlich etwas zum besser wissen? 
Alles vergessen, alles auf der Stelle wegwerfen! Sofort! Am besten sich hinein fallen lassen in diese Realität, die um die 400 Jahre alt ist! Erfrischt die Birne besser als koffeinhaltiges Cola. Was für eine Welt, was für eine Wahrnehmung muss da geherrscht und die Köpfe beherrscht haben! Ohne Fernsehen und Laptop, Mobiltelefon und Flieger? Ja ja, die Randbedingungen, die können uns die kundigen Erklärer in ihren trockenen Worten bestens auseinandersetzen. Welche Funktion Kunst hatte, Frühbarock und all das. Sie sind ja im Besitz der allein gültigen Deutung, naturgemäß, und haben ohnehin alle alten Meister begriffen, Ihre Gemälde sowieso. Jetzt aber endgültig weg damit! Das ist doch nur eine Möglichkeit! Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, die mehr der Stärke dieser Gemälde selbst vertraut!
Konzentrierte Momente, zu Bildern geworden, sind sie hier bei Caravaggio. Wir in unserer Realität  konzentrieren uns doch nur noch gezwungenermaßen,  im Job vielleicht. Ansonsten entspannen wir uns und verpassen die großen Dinge. Dieser Lombarde hat vielleicht aber die wesentlichen Dinge festzuhalten versucht. Und er hat sie in sein Licht getaucht. Unglaublich, wie dieser Typ mit dem Licht umgeht! Wie er seine mit dem Pinsel festgehaltenen und der Zeit abgetrotzten Momente damit steigert! Dahinter brütet das Dunkle, das Ungewisse und das Geheimnis. Ob diese Gegensätze auch zum Wesentlichen gehören? Seine Bilder eröffnen eine Ahnung davon. Sie ziehen einen hinein. Sofort stellt sich aber auch das Klischee dazu ein: Caravaggio, der ja eigentlich Michelangelo Merisi hieß, als verruchter Herumtreiber, als bisexuelles Genie, als Außenseiter, ewigen Outlaw und unverbesserlichen Rowdy. Für den die göttliche Liebe mit der sehr irdischen Liebe zusammengefallen sind: Klar, mag sein. Ist doch egal, ob das alles stimmt, was ihm nachgesagt wird. Was wichtiger ist: Er hat all das, seinen ganzen Horizont, eingepackt in seinen Bildern. Auch die afroamerikanische Musiktradition singt uns dazu so manches Lehrstücklein. Blues, Gospel, Soul, Songs. „Crossroads“. Dämonen und Engel. Verdichtete Momente. Geschäft auch. Caravaggio hatte mächtige Auftragsgeber und den Markt im Auge. Wie ein Popstar. Spagat zwischen der eigenen Identität und dem mit der Macht der Kohle ausgestatteten Kultur-Establishment. Er hat dann aber diese unfassbaren Dinger herausgeschleudert. Spirit, - spirituell. Sprit und Treibstoff aller Art: Trieb und Getriebensein. Geistiges, Geistliches und die Geister. Aber auch Humor und Ironie sind darin aufgehoben. Leichtigkeit - und nicht nur der seichte Abglanz davon.... In der Bilderflut von heute geht so etwas dann doch nicht so schnell unter. Das ist starker Stoff. Mal ehrlich, dieser schnellen Klicks und Kicks sind wir doch überdrüssig! Seine Bilder fordern Zeit und die Bereitschaft, sich einzulassen auf sie. Das dürfen sie. Das ist gut so. Alle fordern etwas. Aber bei diesen als Gemälde verdichteten Momenten kommt viel zurück zu uns: auch dieser lichte Moment, in dem wir gleichzeitig wissen und fühlen, dass wir endlich sind.

Dienstag, 21. Juni 2016

Alte Depressionen

Dies hier habe ich mal wieder auf einem alten Zettel gefunden, der mein früheres Sein markiert hat. Ich habe öfters Anwandlungen, mich selbst als Ganzes neu zu suchen, auch in der Vergangenheit, in der Person, aus der heraus ich mich entwickelt habe. Alte Aufzeichnungen sind mir da sehr nützlich. Diesmal sind es sehr pessimistische Notizen, von denen ich nicht mehr weiß, auf wen oder was es sich bezogen haben könnte. 
Jemand sagt: meine Geburt war ein Fehler. Und: wie bereue ich, auf die Welt gekommen zu sein. Alles ist Enttäuschung, Desillusionierung. Es bedeutet Masken aufsetzen und ablegen, dahinter gleich die nächste, - eine einzige Heuchelei. Es ist ein Betrügen und Lügen, eine lebenslange Hinrichtung. Du räkelst dich auf dem elektrischen Schaukelstuhl. Reiz und Reaktion: ein Automatismus. Den Kadaver von einem Ort zum nächsten schleppen, den Wahnsinn für die Realität halten, weil's alle tun und es völlig „normal“ ist. Eine Schlacht schlagen, wobei man lange Wege im Kreis geht. Und du lachst mit, weil alle lachen....      

Sonntag, 19. Juni 2016

Brexit ahead

Es droht der Brexit, der Autritt Großbritanniens aus der EU. Die Meinungserhebungen haben sich längst verschoben, es scheint alles auf den Austritt zuzutreiben. Bald stimmen sie darüber ab, - in einem Referendum. Wobei wir schon beim Thema wären: Die Mitbestimmungsmöglichkeiten in der EU. Für den „normalen“ Wahlbürger scheinen sie nämlich trotz pompös inszenierter EU-Wahlen gleich Null zu sein. In irgendwelchen Hinterzimmern werden zwischen Vertretern von Großkonzernen und Vertretern der EU meist irgendwelche Lösungen ausgekungelt, die für die meisten Bürger nicht nachvollziehbar sind, die sie gleichwohl sehr konkret betreffen.
Wobei wir schon beim zweiten Thema wären: der unglaublichen Arroganz der EU-Administration, die es offenbar nicht einmal nötig hat, ihre einsamen und völlig untransparenten Entscheidungen Bürgern zu erklären. Die Verhandlungen um TTIP sind in jeder Hinsicht ein Paradebeispiel dafür. Die EU will Freihandelszonen auf Kosten ärmerer Länder errichten, wobei sie als "Partner" und Kumpane die USA und deren Großkonzerne stets an ihrer Seite wissen. Alles geheim natürlich. Mit ihren billigen Importen haben sie schon wesentliche Teile der afrikanischen Landwirtschaft zerstört, wobei die großkotzigen EU-Kommissare gerne von „gleicher Augenhöhe“ sprechen oder sich im Falle des Verbraucherschutzes auf ihren "Pressekonferenzen" gleich jeder Antwort entziehen. Das ist hochbezahlte Arroganz, die nicht zum Internetzeitalter passt. Von Transparenz scheinen diese Gremien und ihre Vertreter ja ohnehin nie etwas gehört zu haben. Von nichts eine Ahnung, aber per billigem Kompromiss zu ihrem hochbezahlten Posten gekommen. Lobbyisten der Großkonzerne schreiben den trägen EU-Abgeordneten in ihren Ausschüssen (eine "Anwesenheitspflicht" war angesichts des fortwährenden Fehlens einzelner Mitglieder einmal vor etlicher Zeit ein Thema...) die Gesetze, weil diese alleine schon von nichts etwas verstehen und sich gerne einmal oder zweimal eines "guten Rates" versichern. 
Demokratie braucht halbwegs überschaubare Räume. Wenn der Raum aber zu groß wird, geht das auf Kosten der Mitbestimmung, die ja eine vornehme Aufgabe von Parteien wäre. Aber richtige Parteien gibt es im EU-Parlament ja sowieso nicht, sondern nur anonyme Parteienverbindungen. Immerhin hat die EU einmal den Friedensnobelpreis bekommen (für was eigentlich? wer da wohl dahinter steckte?). Demokratie zu globalisieren, sie hinaus zu tragen in die Welt, das könnte eine globale Antwort sein. Sie in größere Einheiten zu überführen. Doch innerhalb der EU scheinen die einzelnen Nationalstaaten in einem erbitterten Wettbewerb um die günstigsten Steuersätze zu stecken. Luxleaks hat ja klar offenbart, dass dabei der jetzige Kommisionspräsident Juncker eine – freundlich ausgedrückt – ungünstige Rolle spielte und dem System des sich genseitig Unterbietens als luxemburgischer Regierungschef Vorschub leistete. Ausgerechnet dieser Juncker soll jetzt einer Harmonisierung der europäischen Steuersysteme auf die Sprünge helfen. Die "Panama Papers" haben zusätzliche Einblicke in das Gebaren der Mächtigen und Besitzenden gewährt. Dass die Vertreter Luxemburgs bei hiesigen Talkshows auch noch dauernd die vorbildlichen Europäer spielen, steigert den Lug und Betrug ins Unerträgliche. Dass die Briten angesichts dessen über einen Austritt aus einer solchen Union nachdenken, erscheint nachvollziehbar. Nur, dass sie ohne Finanzsystem und diese manchmal unsinnigen EU-„Harmonisierungen“ den Weg zurück in die Vergangenheit suchen, den es nicht gibt, das erscheint schon weniger nachvollziehbar. Dass sie glauben, alleine besser zurecht zu kommen, kommt einem sehr strange vor. Sorgen doch dieselben Abgeordneten, die solches besonders agressiv vertreten, gerne mal für ihr eigenes materielles Fortkommen. Die selbsterklärte Elite bleibt gleich und rekrutiert sich auch nach einem Austritt wohl aus den verlogensten und überkommensten Strukturen. Umso dingender wäre es, sich klar zu machen, dass wir Europa nicht diesen EU-Bürokraten überlassen sollten, dass wir es zusammenhalten sollten. Ich liebe Großbritannien, das natürlich in jeder Hinsicht zu Europa gehört. 

Freitag, 17. Juni 2016

Fußball überall

„Ihr Tipp für heute abend?“ Hörte ich gestern oft. Fähnlein schwenken, Parolen rufen, Bier trinken, Grill anwerfen? Den anderen auf die Birne klopfen, weil er nicht von der eigenen Nation ist? Wie lächerlich! Nationen sind eine Vorstellung aus dem 19. Jahrhundert, damals berechtigt und nach vorne gebracht. Jetzt, im 21. Jahrhundert hat das etwas Rückschrittliches und total Verstaubtes. Sie lassen sich gerne betrügen von den Konzernbossen, sie lassen sich durch Phrasen täuschen, „Wir“ gehörten zusammen, bloß weil wir dieselbe Rasse seien. Höchst lächerlich, das! Dies Dummgequatsche müsste eigentlich beendet sein, nach den historischen Erfahrungen hin. Und von „Nation“ müsste man mit Vorsicht sprechen, - und nicht im Nationalismusrausch Fähnlein schwenken. Ich liebe englische Mannschaften, Les Bleus, klar, Azzuri! Sie sind nach den gleichen chauvinistischen Maßstäben ausgewählt und in ihrer Funktion für die dahinter stehende Masse kein bisschen besser. Nationalstolz, Pah! Gewalttätigkeiten aller Art säumen ja nicht umsonst diese Fußball-Europameisterschaft und könnten uns etwas zeigen. Stattdessen das populistische Dumpfgequatsche auch und gerade in den öffentlichen Medien: „Wir“ müssen jetzt mehr über die Flügel spielen, wir sollten den und den auswechseln, wir sollten mehr Druck machen, „höher stehen“, „tiefer stehen“ usw., ...dieses unsägliche „Wir“-Gerede, das dann sofort nicht mehr gilt, wenn es ums Geld geht, um den Status, um die Hierarchie.... Europa wäre es! Nicht Deutschland! Was soll der Unsinn? 

Donnerstag, 16. Juni 2016

Arschbombe und Stürmerfoul

Notizen zu Songtext:

Arschbombe und Stürmerfoul
Enhancement und Sauerkraut
geh geh – das tut weh
Dienstwagen und Sterbeurkunde
Vanillesauce mit Himbeereis
Vanillepudding mit Himbeeren
Du bist doch da, wo du gehst
Ringelpiez und Zero Clown
Austauschspieler
Es gibt immer einen anderen
Der ist nicht unverschämt, sondern einfach noch besser.
Der zieht voll durch
Der macht’s für Geld
Der geht mit’m Preis nicht runter
Der ist ein harter Hund
Fallout in Übersee
Salto fatale salto rückwärts vorwärts
Deutschland bewegt sich
Wir kommen immer an
Egal wo und wie verspätet
Wir sind mittendrin
Ich gratuliere zum Versagen
Zum Versprecher
Es war so wundervoll
Der
Wir sind so arbeitslos und arbeitssuchend
Wollen das Rädchen im Getriebe geben
Lichthupe und 6Zylinder
Leichtfertig vergebene Elfmeterchancen
Verstolpert versiebt vergeben vorbei
Du klingst wie, bist wie,
fühlst dich austauschbar
bist ein eitles Teil dieser Welt
eingebildet sein gelingt nicht
ausgebildet ist schon etwas schwierig
und so schmierig
bist ein Nichts
weniger noch
spürst das nicht
weil Du immer in Dir bist
nichts von außen sehen kannst
in Dir bist Du eine Königin
außer Dir bist Du nichts
ein Stück Scheise
eingetütet und als Eiskugel geformt
der Star unter Mistkäfern
cool bis an die Krause
und immer für einen Spass bereit
die Schenkel macht hoch, macht weit und breit
es kommt der Herr der Herrlichkeit


(der Beharrlichkeit) 

Mittwoch, 15. Juni 2016

Schöne Euro-Welt

„Je mehr du erreichst, desto größer die Herausforderung(en)“: Die in Freiburgerischem Hochdeutsch stellvertretend für „La Mannschaft“ geschwafelte Werbeparole einer in der Finanzkrise vom Staat milliardenschwer gestützten Großbank hallt in den Ohren aller. Es geht um Gewinne. Erfolg. Kohle. Gehirne penetrieren. Gedanken und Motive beeinflussen. Kaufimpulse auslösen. Der Fußball verändert den Alltag und die Lebenswelt der Leute. Eine Zeit lang das Märchen noch mal träumen. Dabei sein bei „unseren Helden“. Das Selbstwertgefühl dann stärken, wenn es bedroht ist. Besonders wichtig scheint da dieses „Wir“-Gefühl zu sein, das gerade jetzt über die Medien ganz intensiv transportiert wird und nach etwa zehnjährigem Anlauf von einem neu erwachten Nationalgefühl kündet, das so freundlich harmlos und farbig weltoffen vielleicht gar nicht ist. Das „Sommermärchen“ hatte dies ja suggeriert. Wir sind so toll.....
„Morgen geht’s für uns gegen die Polen“. Es wird doch hoffentlich nicht zurückgeschossen. Er ist für das Team wichtig. Es geht auch um Hochzeitsvorbereitungen. Und um ein Eis, das einem neu geborenen Kleinfan ( Oder der Mutter? oder seinem Vater?) noch zu spendieren wäre. Zusätzlich Krawalle, weil manche den Nationalismus allzu wörtlich nehmen und ihre Identifikation mit ihrem Team per (Klein-)Krieg austragen. Das ganze Land jubelt. Die vielen Fähnlein an den gefakten Dieselautos und die über den Seitenspiegel gestülpten Schwarz-Rot-Gold-Farben künden da so Manchem von einem Dominanzanspruch, der im Rahmen einer „Globalisierung“ und der damit verbundenen Exportleistungen auch schon mal in brutale Repression umschlagen kann. Wir sind die Gewinner. Gegen den Rest der Welt. Die Offiziellen reagieren mit ihren unerträglich oft wiederholten Phrasen und jeder weiß, dass sie's gar nicht so meinen. Sie wollen doch nur spielen - und verdienen. Einer von ihnen lobt die Hooligans sogar ausdrücklich für ihr Verhalten. Währenddessen sorgt das nationenweit praktizierte Doping für die Einstimmung auf die kommende Olympiade und für den Ruhm. Doch die Veranstalter vor Ort und in den Funktionärszentralen lächeln auf allen Kanälen für ihre Marken. Es ist Markenpflege statt verbal angedrohtem Ausschluss angesagt. Sicherheitsprobleme? Wir wissen auch das besser, während Europa in dieser Frage ohnehin nicht gerade eine gute Figur abgibt und der „Brexit“ schon am Horizont der EU steht. Aber bitteschön!, - „No Rasiscm“. Erst noch ein bisschen Bier trinken und die Globalisierung durchsetzen, Kosten senken. TTIP und – wenn das nicht, dann doch mindestens - CETA durchziehen. Handel rules. Einsparen. Exporte. Investoren. Staatsschulden. Weltmeister, über alles....

Dienstag, 14. Juni 2016

Das Werden

Es könnte darum gehen, davon zu berichten, wie man mit seinem Kadaver durch die Welt kommt, wer man dabei ist, wie man sich überhaupt fragt, was Ich ist, was das Ego sein könnte, wem man dabei weh getan hat, was man dabei erreicht hat und was nicht. Zwischen- und Endbilanzen, das Scheitern beschreiben, auch anhand von Bildern eines hoffnungsvoll in die Welt hinausblickenden Individuums aus der Vergangenheit. Der Ausgangspunkt (das Spiel heißt „Zurück zum Ausgangspunkt) war, als man jung war (das ist relativ), man ist immer mehr GEWORDEN, ohne dass man dauernd den Ballast aus der Vergangenheit mit sich herumtragen müsste. Heute könnte man aus größerer Entfernung sehen und erkennen in welcher Umwelt man aufgewachsen ist, was einem vermittelt wurde, was einen beeinflusst hat und was man übernommen hat.

Montag, 13. Juni 2016

Lagerdenken

Es fällt mir auf, dass hierzulande Politiker besonders in diesen Talkshows gerne in ein Lagerdenken verfallen, das natürlich jeglichen Protest und jedes dumpfe Unbehagen fördert. „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Der gehört zum linken Lager, der zum rechten Lager“. So verorten sie nach Art des vorigen Jahrhunderts erst mal denjenigen, mit dem sie vorgeben, diskutieren zu wollen. Es gibt Wahlsysteme, die das noch voran bringen. Prominente Beispiele sind derzeit Tagesgespräch. Doch hierzulande zählen sie überaus gerne auch Wahl- oder Umfrageergebnisse zusammen und konstruieren so eine breite Koalition der Willigen gegen die Unwilligen. Dabei wird auch gerne mal der Terminus „demokratisch“ versus „undemokratisch“ verwendet. „Rassistisch“ versus „Offen“ ist genauso beliebt. Die Endung „phil“ oder „phob“ erscheint in diesem Zusammenhang auch nicht schlecht. Außerdem: Wer für einen bestimmten politischen Block ist, darf keinesfalls auf einer Demonstration, Kundgebung oder Versammlung der Gegenseite gesehen werden. Egal, um was es geht. Das heißt, die sogenannten und oft beschworenen „Sachfragen“ spielen keine Rolle. Wer einem bestimmten Block angehört, kann sich nicht für etwas Bestimmtes engagieren. Und sei es der sachlichsten Sachart. Basta. 

Freitag, 10. Juni 2016

Blick von hinten (1)

Ich versuche dieser Tage öfters, mich in jene Welt hineinzuversetzen, in der wir damals lebten, in die Haltung, in das, was uns bewgte, in ihre Rhythmen, in ihre Horizonte. Wie sehr glaubten wir etwa, uns Gleichgültigkeit leisten zu können! Es würde ja sowieso das Neue kommen oder das, was kommen muss. Wir würden dabei sein. Wir waren ja ein Teil davon, so oder so. In die Sonne gehen, so nebenbei, - das war es. Egal wie. Ein schlechtes Auto beschafft, losgefahren, einfach so. Ab in die Zukunft!
Und heute?
Gel im Haar, Kohle machen, Solariumsbraun die Dominanz heraus hängen, Menschenführungsverführer, auch mit Wellnessschaum am Waschbrettbauch arbeiten, den Trick heraus und dadurch einen „guten“ Job mit viel Geld haben, bei den Herren neben der statusgemäßen Limousine jetzt auch mal eine Schönheitsoperation erwägen... bei den Damen sowieso zurecht operierte und ewig währende Jugend. Man muss ja mit der Zeit gehen. Ein bisschen Postmaterialismus bei den Oberen, ein bisschen Existenzsicherung bei den Unteren. Big Data überall. Bei beiden Geschlechtern Schamrasur, dazwischen ein bisschen Unterricht in Gender-Dingen. Alles geht, viel Toleranz allüberall. Haben wir uns damals Gedanken über die Verhältnisse zwischen 1., 2. und 3. Welt gemacht, über die Vernichtung des Regenwaldes, und den überall präsenten Konsum? Haben wir so etwas wie eine Emanzipation angestrebt, nur leider keine genaue Vorstellung davon gehabt? Haben wir heftig „hinterfragt“ und auch das „kritisiert“, von dem wir keine Ahnung hatten? Leider auch. Damals war das Mittelmeer noch ein Ort der Träume, den keine Leichen säumten. Das große globale Fliegen von Ort zu Ort begann da erst, - und doch dachten wir an die „eine Welt“. McDonald's, Microsoft, Apple, Facebook und Google wurden damals noch in den Garagen erdacht oder aus der Ferne von Ungeborenen geträumt, - wie es heute oft genug von cleveren Pressagenten verbreitet wird. Dabei waren es, wie heute auch manchmal heraus kommt, ganz schön egoistische Figuren, die ihre Projekte ohne Rücksicht auf personelle Verluste voran trieben. Die Welt der Smartphones oder des Big Data sollte erst noch kommen und ich wunderte mich konstant, wie sich bestimmte "arme Schlucker" das alles leisten können - und ich nicht. Nun ja, die Eltern haben ihnen das eine oder andere zugesteckt. Die Erbengeneration war noch am Wachsen. Selbst ich hatte das mit der Zeit viel besser verstanden, wenn auch viel zu spät. Jetzt geht's ab!

Donnerstag, 9. Juni 2016

Realitäten und ihre "Vermittlung"

Was wichtig wäre: es geht darum, sich in andere Realitäten hineinzuversetzen, Empathie einzuüben. Sich mit anderen Realitäten auseinandersetzen, seien sie sozial oder geographisch vermittelt. Es geht um Lebenswelten und die damit vermittelten „Maßstäbe“. Werte, Normen. Also das, was jemand für „normal“ oder gegeben hält. Was jemand für legitim hält und was als legal gilt. Sich Spannungsverhältnisse bewusst machen. Sich gewahr werden, was als normal gilt, aber trotzdem veränderbar erscheint. Über Konstanten nachdenken. Egal, wie sie vermittelt wären. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Alle drei Größen scheinen dauernd überprüft und befragt werden zu müssen. Denn bei den Mächtigen und Reichen scheinen sich solche Maßstäbe gerne mal zu verselbständigen. Solches zumindest zu erkennen, - was nicht heißt, es ändern zu können, - könnte ein Ziel sein. Zu wissen, was „los“ sei, was mit einem und anderen geschehe in dieser Welt. Wer man sei.... In welchem Zusammenhang gewisse Dinge stehen könnten. Auch dies könnte ein Beitrag dazu sein, sich ein bisschen freier zu fühlen, ein bisschen souveräner, als das, was eingeübt als Signal nach außen sein könnte. 

Dienstag, 7. Juni 2016

SUV rules

Während sich in Japan keine klassische Familie mehr ein Fahrzeug leisten kann, floriert der Markt für SUVs in Deutschland. Wirtschaftsboom? Das Auto, ein Statussymbol? Möglichst groß, möglichst viel Verdrängung? Benzinmotor vs. Elektrik? Als Statussymbol hat das Auto längst an Anziehungskraft nachgelassen, nur hierzulande müssen Wichtigs mit ihren dekadenten Geländewagen über die Autobahn preschen und Innenstädte verstopfen, dabei bis zu 20 Liter Sprit verbrauchend und alles andere mit ihrer Wichtigkeit verdrängend, die Landstraßen im großen Stil für sich belegend und die Luft für alle vorerst noch gnadenlos verpestend, so lange, bis umweltfreundliche aber teure Technologien ihren Geldtungsdrang ökologisch günstig nach vorne bringen werden. Bald, wenn es gar nicht mehr anders geht, werden sie mit fetten Elektromobiles donnern, selbstfahrend, gewiss und scheinbar Hackersicher. Japan, der größte Automobilhersteller der Welt? Kann die fetten Dinger nicht mehr bezahlen. Diesel rules. Noch ein bisschen. Vorläufig. Etwas geschummelt. Hm. Alles ist vielleicht geschummelt. 

Montag, 6. Juni 2016

Traum von Unsterblichkeit

Es klingt wie Science-Fiction, aber es ist ein Traum, der derzeit besonders im Silicon Valley intensiv geträumt wird. Zahlreiche Startup-Firmen und Forschungslabore sind dahinter her. Natürlich wird dies auch erst mal zur Polarisierung der Gesellschaft beitragen. Diejenigen, die sich so etwas leisten können, werden das tun. Die anderen werden ausgeschlossen sein. Angefangen hat es mit dem Klonieren. Warum Kindermachen, wenn man Kopien seiner selbst machen kann? Klone. Das Schaf Dolly war Vorreiter, an bestimmten Pferden wird es heute praktiziert. Natürlich müssen sie die besten, schnellsten, teuersten sein. Klonieren bedeutet, mehrere identische Kopien eines Objekts zu haben. Derzeit ist das noch schwierig, aber machbar. Das Klonen befasst sich deshalb gerne mit Pferden, weil die enormen Kosten des Vorgangs durch den Erlös der Klonpferde oft gedeckt wird. Viele Forscher gehen davon aus, dass viele Eigenschaften eines Individuums zu 30 % genetisch bedingt sind und zu 70 % andere Ursachen haben. Im sozialen Verband verhalten sich solche Objekte wie alle anderen. Niemand kann erkennen, was geklont ist und was nicht. Es ist dies die Ausgangsposition vieler Fantasy-Filme. Ob das alles beim Menschen möglich ist? Es gibt noch Schwierigkeiten. Es gibt auch noch ethische Schwierigkeiten. Besonders Länder in Europa haben diesbezüglich etliche Gesetze erlassen. Doch der sogenannte „Fortschritt“ wird auch hier fortschreiten. In einigen Ländern Asiens ist das jetzt schon ohne Probleme möglich. Derzeit beliebt ist das Werben fürs Klonieren zu therapeutischen oder medizinischen Zwecken. Ein Ersatzorgan nach dem eigenen Bauplan gefällig? Es ist ja eine beliebte Methode, technischen Fortschritt durch kleine „Apetitthäppchen“ schmackhaft zu machen und danach im großen Stil ökonomsich gut produzierbar einzuführen, - egal, was und zu welchen Opfern es führen möge.  

Samstag, 4. Juni 2016

Gottesbeweis etc. (3)

Was leistet der Glaube? Glaube gibt Halt, so einige Menschen. Auch Geborgenheit und andere Emotionen werden oft genannt. Manche Menschen haben auch anhaltend das Gefühl, eine Person sei in ihrer Nähe. Manche glauben, ihre Körpergrenzen würden verschwimmen. Wer jemals gewisse Drogen ausprobiert hat, wird wissen, wovon die Rede ist. Eins mit allem zu sein, ist etwas, was oft aus dem Bereich des Buddhismus behauptet wird. Die Frage wäre nur, ob dies dafür spricht, dass ein höheres Wesen existiert. Man könnte darauf reagieren, indem man annimmt, dass der Religions- und Glaubensbegriff in diesem Falle zu weit verwendet würde. Manche Menschen scheinen kein Bedürfnis zu spüren, eine größere Macht anzunehmen, an die man sich wenden könnte. Andere gehen wiederum davon aus, dass der Glaube das Positive im Menschen zum Vorschein bringe, unabhängig davon, was das eigentlich sei: die Güte oder die Liebe beispielsweise. 

Freitag, 3. Juni 2016

Gottesbeweis etc, (2)

Wenn ich einen moralischen Gott annehme, wenn ich von ihm ausgehe, dann habe ich große Schwierigkeiten damit, das Böse in der Welt zu erklären oder zu rechtfertigen. Die gängige Argumentation ist dann die, dass es mit der von Gott geschenkten Freiheit des Geistes begründet wird. Wir haben halt auch die Freiheit, das Schlechte zu tun. Dies gehört unauflöslich zur Freiheit. Es ist dies eine gängige Position des Theismus, der inzwischen in der Philosophie zur extremen Minderheit geworden geworden ist, und sich etwa im Mittelalter stets die in der extremen Minderheit befindlichen Atheisten gegenüber den Vertretern einer erbarmungslosen Religion zu rechtfertigen hatten. Gott hat uns die Möglichkeit gegeben, das Gute zu erkennen. Aber leider sind wir auch fehlbare Wesen und werden unter Umständen gar von Naturkatastrophen überrascht, für die wir nichts können. Und es stellt sich stets die Frage, wieso uns Gott nicht ein bisschen vernünftiger gemacht hat. Er hätte den Menschen vielleicht auch ein bisschen weniger anfällig für Verlockungen, Aggressionen und andere ungünstige Neigungen machen können. Wenn wir vielleicht vernünftig genug wären, könnte man schon viel verhindern. 

Donnerstag, 2. Juni 2016

Mechanik des Lebens (2)

Fähigkeit zum sozialen Kontakt: vertrocknet. Er wollte seine Ruhe, sich flüchten in die Funktion, einen Vorgang, den er aus ganzem Herzen hasste. Wo also sich selbst finden? Ein Vorhaben, das irgendwann nicht mehr weiter aufzuschieben ist. Wie hatten wir uns damals die Bälle zugespielt, mitten in einer blühenden Wiese sitzend? Die Zukunft war offen, das Leben ein Versprechen, wir schienen unendlich Zeit zu haben und waren gespannt auf uns selbst. Und jetzt?
Jetzt sitzt du vor einem Bildschirm und tippst mechanisch. Die Menschen um dich herum beziehen Sinn aus dieser Tätigkeit, es gibt ihrem Leben Struktur. Du hingegen hättest keine Probleme mit der sogenannten Arbeitslosigkeit (deren Menschen heute "arbeitssuchend" genannt werden), wenn sie dir gut finanziert würde. Herausfallen, auf sich selbst zurück geworfen sein, sich neu orientieren, ohne sich in der äußeren Welt neu orientieren zu müssen, - das war dein Ding. Die Unverbindlichkeit der Möglichkeiten, die Unfähigkeit zur Bindung. Dabei dauerten die Bindungen in deinem Leben immer relativ lange und du warst sehr genau mit ihnen. Quasi hygienisch. Du hast dich immer für den Anderen interessiert, hast versucht, interessiert zu sein. Hast versucht, sich auf ihn einzulassen, hast versucht, ihn zu verstehen. Wenn das nicht auf Gegenseitigkeit beruhte, hast du abgebrochen.  

Mittwoch, 1. Juni 2016

Mit Nietzsche in Bewegung sein

„Sie steigen wie Tiere hinauf, dumm und schwitzend; man hatte ihnen zu sagen vergessen, dass es unterwegs schöne Aussichten gebe“, sagte Friedrich Nietzsche einmal. Es hat vielleicht auch damit zu tun, dass der Mensch oft fremdbestimmt sei, von Zielen, die ihm gegeben werden und deren Zwecke ihm unklar sind. Ob das heutzutage etwas mit dem Profit zu tun hat, den jeder aus jedem zu ziehen versucht? Sich das Verhalten des Anderen gefügig zu machen, das scheint ein Naturgesetz zu sein. Meinen Zwecken Menschen und Tiere untertan machen, aber selbst nicht wissen, wohin die Reise geht, geschweigedenn einen Blick links oder rechts zu riskieren. Das könnte schädlich sein, raunen diejenigen, die etwas erreichen wollen. Tunnelblick, auf ein Ziel fixiert. So lehrt's die Zeit. Die Fußballspieler liefern Anschauungsmaterial, das die Massen vor den TV-Geräten und im Stadion kopieren. Die können was, die konzentrieren sich! Mal im Ganzen gesehen: Ob das aber so günstig ist? Es könnte ein Teil unserer Selbstbestimmung sein, zu wissen, wohin es geht und wie ich an der Zielfindung mitwirken kann. Nietzsche soll auch gesagt haben: „Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel“. Ob wir mal wieder über das Verhältnis von Weg und Ziel nachdenken sollten, angeregt von einem alten Denkersack wie Nietzsche?   

Dienstag, 31. Mai 2016

Wir

„Wir fressen jetzt alle Kraut“ so will man bald wieder grinsend in die Runde werfen. Es wird inmitten all der polizeilichen Vorsichtsmaßnahmen und Arbeitskämpfe EM-Time. Was kümmert uns dieser Scheis? Wir sind alle tolerant. Jetzt verkaufen sie wieder die Fähnchen in Schwarz-Rot-Gold, die sie ihren Autos aufpflanzen. Die Discounter bieten Hütchen im selben aufdringlich gearbeiteten Look feil und alle sagen „Wir“. "Wir sind Exportweltmeister", "wir sind Fußballweltmeister"..... „Wenn wir heute mehr über Links gespielt hätten“ oder „Wir hätten halt nicht so hoch stehen sollen...“ oder „Wenn wir den Müller eingesetzt hätten“. Wer solchen aufgebretzelten Chauvi-Sprachgebrauch nötig hat, sagt unfreiwillig einiges über sich selbst aus. Es ist die Chauvinismus-Identifikationsnummer, plötzlich sind wir alle „wir“....., besonders wenn Sportreporter in ihrem falsch verstandenen Populismus sich dieses Sprachgebrauchs befleißigen und ihre Millionäre im „Wir“-Stil anfeuern. Sind wir nicht alle ein bisschen so? Wir? „Ich finde, wir müssten mehr über rechts spielen“ sagt der Experte in der Halbzeitpause, der früher einmal selbst ein Teil dieses „Wir“ war. Er grinst vielsagend, aber wird sind überhaupt nicht dieser Meinung. Wir finden allenfalls, dass sie mehr über links hätten spielen sollen. Sie.... So ist der Fußball: jeder gibt seine Meinung dazu. Am Ende entscheidet der Bundestrainer, der einen seiner Nationalspieler wegen mangelnder Vorbildfunktion ausgesperrt hat und selbst schon mal ein Fahrverbot kassiert hat, weil er offenbar das Rasen zu sehr liebt. Derweil sieht sich sein einstiger Vorgesetzter, der wegen einiger Ungereimtheiten längst zurückgetreten ist, aber immer noch fröhlich und passend bei FIFA sitzt, natürlich völlig unberechtigten Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. "Keine Macht den Drogen" war früher mal so ein Spruch des DFB.  Das Bier, für das fortwährend geworben wird, ist neuerdings alkoholfrei. Jetzt grinsen in Verherrlichungsmanier irgendwelche millionenschwere Ball-Deppen zu "No Racism". Denn sie wissen kaum, was sie tun, - so scheint es einem manchmal. Oft zu peinlich, das.