Reise durch Wirklichkeiten

Donnerstag, 14. Juli 2016

Frisierte Elitenherrschaft

Die neue britische Premierministerin, die einen großen Beraterstab haben soll, ernennt Boris Johnson, den etwas übermütigen ehemaligen Bürgermeister von London, persönlichen Rivalen von Cameron, Beleidiger von Obama und Antreiber des Brexit, zum neuen Außenminister von Großbritannien. Ein Zeichen. Etwas befremdlich. Wohl auch ein Zeichen dafür, dass sie jetzt alles kann. Ein Zeichen für den Rest der Welt. Ein Zeichen aber auch dafür, dass die Eliten machen, was sie wollen. Was sie für schlau halten. Wenn's nicht klappt oder wenn allzu viel Verantwortung droht, schlagen sie sich seitwärts in die Büsche, - wie zuletzt oft vorgeführt (ach, Namen sind da doch völlig unwichtig, obwohl Journalisten das als "Grundgesetz" pauken. Es geht um die Struktur dahinter, Gesichter sind da austauschbar!). Solche Eliten benutzen die Öffentlichkeit als Bühne, auf der sie ihre Eitelkeit präsentieren. Auf der sie paradieren und ihre Macht vorführen. Ob das nicht ein bisschen rückwärts gewandt ist? Oder ob es genau das ist, was die Leute wollen? Ob das in die Zukunft führt, in der last but not least per Internet Transparenz möglich wäre? Wäre.... Ob gegen Transparenz ein Bollwerk errichtet werden soll, vielleicht sogar mithilfe von „Big Data“? Ob der Zugriff darauf, auf "Big Data", etwas mit Geld und ökonomischer Macht zu tun haben wird? Schnell geht’s hinaus in große Fragen, wobei der Auslöser doch nur eine Attitüde der Herrschenden war. 
Wenn ich Brite wäre, wüsste ich jetzt nicht so recht.... Aber auch als Europäer stellen sich einem solche Fragen. Der französische Häuptling und Oberstaatsozialist soll sich einen Friseur halten, der den Steuerzahler 10000 Euro im Monat kosten soll und der dem eitlen Präsidenten rund um die Uhr für seine drei Haare zur Verfügung stehen soll. Soll. Eben noch saß er öffentlichkeitswirksam und penibel frisiert bei den Spielen des „Team Tricolore“ bei den Fußball-Europameisterschaften herum. Selbst Fußballer scheinen bei solchem eitlen Gebaren nicht mehr ganz mitzukommen, auch wenn sie die putzigsten Frisuren versuchen und vorführen. Jetzt werden solche Dinge bekannt. Was ich wohl wählen würde, wenn ich in Frankreich leben würde? Oder wäre ich einfach nur anders sozialisiert, wäre gewohnt, das sich bestimmte und klar definierte Kreise öffentliche Ämter und Funktionen unter sich aufteilen? Den eitlen Staatspräsidenten, die blond-dumpfe Rechtsauslegerin oder gar den Gaullisten-Erben Sarkozy, der gewisse sozialen und ethnischen Unterschichten, für deren Integration der französische Staat traditionell wenig tut, „auskärchern“ wollte und der sich sich allerlei andere, nun ja! - Extravaganzen – geleistet hat? Was also soll jemand, der mit den herrschenden Verhältnissen nicht einverstanden ist, demnächst wählen? Ob in Deutschland die Lage besser ist? Nun ja, noch brummt die Wirtschaft und alle sind's zufrieden. Was aber, wenn sie das nicht mehr tut?     

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