Reise durch Wirklichkeiten

Donnerstag, 25. Mai 2017

Polittechnokraten

Es gibt eine zunehmende Distanz zwischen Entscheidern und Volk, trotz des Trends zu den „Volksparteien“. Es herrscht Sprachlosigkeit. Da sind die Macher und Selbstverwirklicher, zu denen sich besonders in der Politik die Verbreiter von öffentlichen Meinungen als Legitimationsstützen und allerlei gut bestallte Hofclowns gesellen. Sie würden ja nur um Zustimmung werben, hörte ich neulich einen Minister sagen. Das sei in einer Demokratie legitim. Hierarchen der Politikwissenschaft und anderer Disziplinen assistieren hier sehr willfährig. Die Käseglocke Berlin ist abgeschottet von der Realität, ahnungslos und freigehalten von jedem Dreck des Alltags. Gepanzerte Limousinen befördern Politiker aller Coleur in ihren Zellen von hier nach da. Chauffeure machen Diener. Es gibt die Isolierung einer Klasse der Polittechnokraten, Karrieristen und Emporkömmlinge, die das Parlament bildet und das Stück „Parlamentarische Demokratie“ spielt. Weltweit ist das in den meisten Industriestaaten so. In den anderen Ländern herrschen oft Potentaten, Despoten und Diktatoren. Die Eliten (besonders die aus der Wirtschaft) rekrutieren sich immer wieder aus derselben gesellschaftlichen Schicht, die ihre Vorteile jeweils an die eigene Brut weiter gibt und sie Privatschulen besuchen lässt. Dabei werden gerne auch einmal Doktor- oder Professorentitel mitgenommen, selbst wenn sie oft unrechtmäßig erworben sind. Die Methoden zur Partizipation für die große und namenlose Masse der Menschen könnten viel weiter entwickelt sein, werden aber als Herrschaftsinstrument eingefroren. Ein milder Konsensschaum legt sich (noch) über die ganze Szenerie, auch im „Wahlkampf“. Doch die Verteilungskämpfe werden härter, die gesellschaftliche Polarisierung schreitet immer weiter voran. 

Mittwoch, 24. Mai 2017

Soziale Ungleichheit (4)

Der zeitgenössische Philosoph John Rawles postulierte einst: Ungleichheiten sind dann gerechtfertigt, wenn sie die Schwächsten „hochziehen“. Er ging mit der Konstruktion „Schleier des Nichtwissens“ um, bzw. führte ihn ein: unter diesem Schleier habe ich keine Ahnung, in welchen gesellschaftlichen Verhältnissen ich aufwachse. Ich bin in einer Art Urzustand. Ziel: Den am schlechtesten Gestellten soll es gut gehen. Der CEO darf sich einen großen Lohn ausbezahlen, solange er den Angestellten gut bezahlt. Die Gesellschaft ist ein Unternehmen zur Förderung des gegenseitigen Vorteils, aber nicht von Interessenharmonie, sondern auch von Konflikt geprägt. Eine Interessenharmonie ergibt sich daraus, dass die gesellschaftliche Zusammenarbeit allen ein besseres Leben ermöglicht, als wenn sie nur auf ihre eigenen Anstrengungen angewiesen wären. Die reichsten Mitteleuropäer (weniger als 1 %) haben knapp die Hälfte des Vermögens. Wer hat welche Rechte? Der Gesellschaft als Ganzes soll etwas zu gute kommen. Anreize, Freier Markt. Was macht Qualität aus? Solche Verdienste passen nicht in den Markt. Leistet dieser Mensch so viel, dass dieser Verdienst gerechtfertigt sein würde? Märkte sind kein Naturprodukt, sondern sie finden in einer Gemeinschaft statt, die Regeln setzt. Rahmen setzen. Bisher: wir lassen den freien Markt spielen, dann gibt es einen Kuchen, von dem verteilt werden kann. Solche Gehälter sind nicht Ausdruck von fairen Verhältnissen. Wir hängen voneinander ab. Wir müssten uns in einem Zusammenhang sehen, in dem wir uns ergänzen. Ungleichheiten schaffen ungleiche Chancen. Schlüsselfaktor Bildung, Erhebung von Größenverhältnissen: wer einen Akademiker als Vater hat, hat doppelt so hohe Chancen, an der Universität zu studieren. Es kommt wohl zudem darauf an, wen man kennt. Wie man sich in bestimmten Kreisen bewegen kann. Wie kann jemand aus einer Familie, deren Mitglieder nie bei den Medien gearbeitet haben, Erfahrungen darüber machen, was es heißt, bei den Medien zu arbeiten? Es könnte z.b. bei Menschen mit migrantischem Hintergrund heißen, Sprachfähigkeit auszubilden. Das alles zusammen muss nicht zwingend heißen, die Familie abzuschaffen (sondern darüber nachzudenken...).

Montag, 22. Mai 2017

Schriftstellereliten

Wir lesen und wir sehen Interviews oder Porträts zu großen weisen Schriftstellern, die sich immer schon als Chef- und Vordenker zu inszenieren wussten und nun irgendeinen runden Geburtstag feiern. Sie formulieren so geschliffen, dass es für den Normalleser geradezu umwerfend ist, fast schon niederschmetternd: Da kann ich nicht mithalten! Dieser Mann hat etwas zu sagen! Der ist klug und weise! Der spricht gut aus langer Erfahrung, der hat das Leben vollkommen in sich. Dieser weise Mann mag sich auch im hohen Alter damit rühmen, welche und wie viele Frauen er niedergebracht und umgelegt hat, er mag seine Vitalität auf mannigfache Weise herausstreichen, er mag Rätselhaftes anmerken und eben mal einen Aphorismus zuspitzen. Er mag elegant zitieren und dabei dem Gesagten seine eigene Note geben. Alles riecht nach einem stilisierten Ego.
Ob es diese Leute sind, die gewisse andere Leute als „elitär“ ablehnen? Als Mitglieder eines Kulturestablishments, das sich sowieso einig ist oder sich in Talkshows gegenseitig ob ihrer scheinbar gegensätzlichen Meinungen feiert? Als typische Vertreter einer gesellschaftlichen Schicht, die der alte Marx als "Überbau" bezeichnet hat? Die beispielsweise die Libertinage favorisiert, die sich ständig in einem gewissen Milieu bewegt und Zustimmung möglichst in Umsatzzahlen und Lohnabrechnungen abgreift? Gibt es „Echokammern“ der Kultureliten oder ist es eher so, dass es sie schon immer gab? Ob es Zusammenhänge mit der so oft gepriesenen Globalisierung (von deren einseitigem ökonomistischen Verständnis diese Leute natürlich sofort abrücken..."political correct") gibt? Pah...... Kulturfürsten? Wieso gibt es eigentlich kaum Kulturfürstinnen? Wie verhalten sich hier Anspruch und Wirklichkeit? Ist das alles nur ein (gut honoriertes) Spiel?  

Sonntag, 21. Mai 2017

Mensch und Tier

Bei den alten Ägyptern waren Tiere ein Teil der Mitwelt. Was wir heute noch davon sehen können: Götter hatten Tierköpfe, gewisse Tiere waren heilig, wurden verehrt, als solche in alten Abbildungen zu sehen (z.b. Bastet - Katzengöttin). Es herrschte Respekt zwischen Mensch und Tier. Gemeinsam waren wir der Natur und den himmlischen Mächten ausgeliefert. Mit der Tierzucht und dem Ackerbau hat sich das jedoch krass geändert. Heute hängt sehr viel Elend in der Dritten Welt mit der Tierhaltung zusammen. Viel zu viel Boden wird für die Erzeugung von Tierfutter genutzt, Land, das ansonsten etwa für Getreide- oder Gemüseanbau verwendet werden könnte. Trotz des Abbaus ländlich genutzter Flächen in der EU wird zum Beispiel in Nordrheinwestfalen 50 % aller Flächen für die Erzeugung von Nahrungsmitteln für die Massentierhaltung benutzt. Diese kommt nur den Menschen (die ja als "Art" offenbar heiliggesprochen sind...), dabei vor allem gewissen Menschen, zugute. Ein paar Zahlen? Für 1 kg Rindfleisch werden global durchschnittlich 50 Quadratmeter Regenwald vernichtet, 16 kg Getreide und Soja verfüttert, mehr Treibhausgase erzeugt als bei 250 km Autofahrt und 20 000 Liter Trinkwasser verbraucht. Die Tierhaltung ist der schlimmste Killer überhaupt. Die Massentierhaltung ganz besonders...!
Die Welt der Technik verspricht mit weiteren speziellen Züchtungen Abhilfe. Doch das Problem könnte vielmehr grundsätzlicher Natur sein und müsste unseren künftigen Lebensstil prägen. Riesige Wachstumsmärkte wie etwa China oder Indien werden das Problem ohnehin verschärfen. Fleisch essen könnte in solchen Staaten zum Statussymbol werden, besonders für die Leute, die in die Städte drängen, um sich dort als Wander- und Industriearbeiter zu verdingen. 

Samstag, 20. Mai 2017

Sozialneid (2)

In einer Diskussion glaube ich, etwas konkreter erfahren zu haben, was bestimmte Personen meinen, wenn sie von „Sozialneid“ sprechen. Überhaupt empfiehlt sich ja wohl immer das Gespräch mit anderen, um sich selbst gewisser Dinge bewusster zu werden. „Sozialneid“ wurde insofern verstanden als der Neid gegenüber Einzelnen, der natürlich verwerflich erscheint. Ich selbst habe viel zu wenig daran gedacht, denn mir ging es immer nur um die Strukturen, die dahinter stehen und die etwas ermöglichen. Der Einzelne interessierte mich in diesem Zusammenhang so gut wie überhaupt nicht. Der Einzelne wäre vielmehr Gegenstand von Empathie, denn er ist ja allzu willfährig zu einem Teil eines Gesamtsystems geworden. Allmählich, in einem Prozess, der möglicherweise für ihn selbst gar nicht wahrzunehmen war, den er vielleicht in seiner Lebenswelt als "Normalität" und Selbstverständlichkeit für sich übernommen hat. 
Mit einem undefinierten Seitenblick scheint für manche Personen allerdings auch jener auf gesellschaftliche Strukturen zielende Gedanke relevant zu sein. Das aber erscheint für manche Leute so gut wie verboten und wird sofort mit dem Begriff „Sozialneid“ abgestraft. Ob ein Interessenkonflikt dahinter steckt? Ob „Sozialneid“ hier als eine Art "Kampfbegriff“ eingesetzt erscheint? Ein Standardnachschlagewerk behauptet nach meinen Recherchen in diesem Zusammenhang den „sozialen Neid einer bestimmten Gruppe gegenüber einer anderen“. Ein anderes großes Nachschlagewerk sieht den „Sozialneid“ gar als „polemischen Kampfbegriff“. Es scheint aber überall darum zu gehen, einen „sozialen Status“ zu neiden. Das scheint verboten zu sein. Denn Neid in all seinen Ausprägungen gilt in der Bibel als Sünde.

Freitag, 19. Mai 2017

Gerechtes Deutschland?

Deutschland sei doch längst gerecht, so scheint die Mehrheit der Leute nach eifrig gestreuten Umfrageergebnissen hier zu glauben. Doch heute gilt: Mindestens jeder siebte Rentner als armutsgefährdet, Rund eine halbe Million erhält schon heute Grundsicherung. Wer nicht von seiner Rente leben kann, sucht einen Nebenjob. Doch die Arbeitsplätze für Ältere sind rar gesät, viele Jobs gehen auf die Knochen. Waren es 2010 nur 18,8 Prozent sind nun 20,8 Prozent der älteren Menschen betroffen. Somit mehr als jeder Fünfte. Schon 2010 warnte die damalige Sozialministerin von der Leyen, dass alle, die unter 2500 Euro verdienten, "mit dem Tag des Renteneintritts den Gang zum Sozialamt antreten" müssten. Und: „Es steht nicht mehr und nicht weniger als die Legitimität des Rentensystems für die junge Generation auf dem Spiel.“ Grund für das steigende Altersarmutsrisiko seien die beschlossenen Rentenreformen, nach denen das Rentenniveau bis 2030 von derzeit 51 Prozent auf 43 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns vor Steuern sinkt Bei 40 Jahren Beitragszahlung müsse der Arbeitnehmer konstant mindestens 2200 Euro im Monat verdienen, um auf einen Rentenanspruch in Höhe der Grundsicherung zu kommen. Die Arbeitsverträge sind kurz, der Verdienst ist gering – für die Rente kommt da nur wenig zusammen. Zahlenspiele? Mag sein. Eine Gewähr wird nicht übernommen. Doch die Tendenz kann nicht wirklich belegen, dass es hier in Bezug auf die Altersarmut gerecht zugeht. Da braucht niemand Deutschland „schlechtreden“. 

Mittwoch, 17. Mai 2017

Empathie

Was ich weiterhin aus meiner Soziologie-Zeit in Aufschrieben an Notizen gefunden habe (ich studiere auf diese Weise ja meine Vergangenheit, meine Einflüsse, meine Bewusstseinsstufen – und was davon ich mit Anderen geteilt habe):

„Empathie ist die Eigenschaft eines Individuums, bruchlos und aufgeschlossen neue Rollen zu übernehmen und internalisieren zu können, persönliche mit fremden Wertvorstellungen kompromisshaft zu integrieren. Es bedeutet ein Einfühlungsvermögen in andere Menschen und Situationen. Die Rollenüberschreitung, dieses sich „hineinfühlen“ in andere liegt nicht gerade auf der Spur des Neoliberalismus, der ja – klischeehaft gesprochen – möglichst rücksichtslosen Egoismus predigt und den „Homo oeconomicus“ zu seinem Gott erhebt. Also den Menschen, der so handelt, das es stets seinen Interessen entspricht und sie mit allen Mitteln voran bringt, - auch auf Kosten von Anderen. Sich in jemand hinein zu versetzen, kann da nur bremsen. Zu personifizieren scheinen dies derzeit unter anderem der US-Präsident Trump, der wohl als ein Muster der Durchsetzungsfähigkeit gilt und stets seine eigenen Interessen („America first“? - Oder "First me, myself and I“?, -->Narzissmus) im Auge hat. Sehr viele autoritäre Charakter und „Führer“, die in der internationalen Gesellschaft und Politik aufgetaucht sind, scheinen Repliken eines solchen Modells.  

Dienstag, 16. Mai 2017

Rolle

Was ich aus meiner Soziologie-Zeit in Aufschreiben an Notizen über den Begriff „Rolle“ gefunden habe (ich studiere auf diese Weise meine Vergangenheit, meine Einflüsse, meine Bewusstseinsstufen – und was davon ich mit Anderen geteilt habe):

„Die Rolle ist ein „Komplex von Erwartungen“ an eine Person, die eine bestimmte Position in einem sozialen System einnimmt. ….Die Rolle ist die Grundeinheit eines Systems sozialer Beziehungen. Man unterscheidet zwischen angeborenen Rollen (z.b. Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Schichtzugehörigkeit....) und erworbenen Rollen (z.b.Bildung, Religion, Lebensstil...) und Rollenattribute (z.b. Aussehen, Kleidung).

Rollenkonflikte: Bei der Interaktion zwischen dem Einzelnen und dem sozialen System treffen immer mindestens zwei Erwartungen aufeinander. Diese müssen wahrgenommen, interpretiert, abgewogen und im Sinne des tatsächlichen Verhaltens entscheiden werden. Wenn die Erwartungen nicht zusammen passen, kommt es zum Rollenkonflikt. Dabei unterscheidet man zwei Arten: der Intrarollenkonflikt. Dabei liegen verinnerlichte Erwartungen, Erwartungen von außen und eigene Bedürfnisse im Konflikt. Beim Interrollenkonflikt zwischen dem Einzelnen und der jeweiligen Bezugsgruppe besteht Uneinigkeit über das tatsächliche Rollenverhalten. Beispiel? Die Rolle „Lehrer“ ist möglicherweise nicht klar definiert. Daraus ergeben sich Widersprüche. Aber auch: Rollen sind klar definiert, widersprechen sich aber teilweise. 

Montag, 15. Mai 2017

Menschen(ver)führung (2)

Im Spagat sein zwischen Gewinn und Gewissen? Man wird als „Führungskraft“ wohl hoch dafür bezahlt, dass man reichlich unsoziale Sauereien durchführt. Welche Rolle bei der Jagd nach der Profitmaximierung wohl die Ethik spielt? Gibt es abseits der vielzitierten und oft als PR-Geschütz eingesetzten „Compliance“-Regeln noch einen Verhaltenscodex? Oder haben sich die betreffenden Leute komplett in ihre eigenen Bezüglichkeiten verabschiedet, aus dem heraus man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht? Welche Rolle spielt die Rolle des Chefs in der digitalen Arbeitswelt? Gibt es neue, der Zeit entsprechende Modelle dafür? Wie wird man eine „Führungskraft“? Sich durchsetzen, sich über etwas hinweg setzen, Selbstbewusstsein haben bis hin zum Narzissmus? Etwas teuer machen für gewisse Leute, etwas erschwinglich machen für andere, seinen Willen multiplizieren und ihn hinausschleudern in die Welt? Muss es jemand geben, der am Ende entscheidet? Wann ist man ein guter Entscheider? Wie bemisst sich das? Wer will das beurteilen? Organisationen sind unübersichtlich. Eine Möglichkeit, sie einfacher zu machen, ist, sie zu personifizieren. Möglichst in einem starken Individuum, das oben ist, sehr viel Geld verdient und das keine eigenen Probleme haben darf. Eine Organisation zu führen, mag Menschen mit psychopathischen Zügen nach sich ziehen. Sie in einem sozialen Zusammenhang, einem Unternehmen oder einer staatlichen Einheit zur Geltung zu bringen, mag die Aufgabenstellung charakterisieren. Machiavellismus (hierarchische Strukturen für sich benutzen) - Narzissmus (Selbstliebe) – Psychopathie, - das sind Voraussetzungen, also problematische Verhaltensweisen, die sich auch noch untereinander kombinieren. Es geht dabei weniger um Menschen, als vielmehr um Ziele, die mit allen Mitteln zu erreichen sind („instrumentelle Aggression“). Egoistisch, charmant, schnell von Begriff, egoistisch, ohne Moralvorstellungen, angstlos, gute Redner, ohne Skrupel, andere aus dem Weg zu räumen.....sich und seine Pläne gut verkaufen können, - auch durch Lügen. Das macht Leute aus, denen man sich anvertraut. 

Sonntag, 14. Mai 2017

Der Ex-Landesvater

Vielleicht hat mich dieser Typ, der einst Ministerpräsident des Landes war, in dem ich lebe, schon viel zu oft geärgert. Der Mann ist ein offensichtlicher Karrierist unseres Politikbetriebs, einer mit einem gewissen Geltungsdrang, der es verstanden hat, Netze immer so auszuwerfen, dass einflussreiches Personal hängen blieb. Berüchtigt ist noch die Connection, der einst der einstige Bundespräsident Wulff und der einstige Landesministerpräsident Koch angehörte. Während jedoch viele seiner einstigen Kumpane in der Versenkung verschwunden sind, hat der Mann selbst weiter Karriere gemacht. Günther Oettinger wurde Kommissar in Brüssel, stellte „unseren Mann“ in der EU dar, und warf sich wohl weiterhin einflussreichen „Freunden“ an den Hals. Dass dabei auch die Industrielobby in Brüssel eine große Rolle gespielt haben soll, wird gerne unterstellt, pfeifen aber die Spatzen von den Dächern. Berühmt berüchtigt wurde etwa seine Glühbirnenverordnung, die sicher stellte, dass sich möglichst viele Leute „Energiesparlampen“ mit hohem Quecksilberanteil anschaffen mussten. Erst neulich ist mir wieder so ein Ding runtergefallen. Bis heute weiß ich nicht, was ich dann tun soll. Wie „entsorgen“. Die Handelsunternehmen sollten es zurücknehmen, hieß es. Aber in diesem Falle? Ich atme das Zeug wohl ein und kann mich nicht wirksam wehren. Ich habe den Scheis auch gekauft, weil versprochen wurde, dass die Dinger weniger Energie verbrauchen sollten als herkömmliche Glühbirnen. Doch was ist mit dem Scheis-Quecksilber?
Oettinger machte also in der EU Brüssels als „Mann der CDU“ Karriere, wurde vom Energie- zum Digitalkommissar und jetzt zum Haushaltskommissar. Stets jedoch war seine Kompetenz umstritten. Er fiel darüber hinaus international durch sein putziges, schwäbisch gefärbtes Englisch auf, das unter anderem einen großen Teil der Youtube-Gemeinde amüsierte. Doch zuletzt hatte er Chinesen als „Schlitzaugen“ bezeichnet, was einen natürlich sofort in den Geruch des Rassismus bringt. Nicht gut für den Ruf. Außerdem kam heraus, dass er allzu gerne mal die Privatflieger von „ausgewählten“ Industriefreunden für seine Zwecke nutzte, was in Baden-Württemberg sowieso eine gewisse Tradition hat, obwohl es gleichzeitig ein „Gschmäckle“ hat. Aber solche Nähe wird dort gerne als „Industriefreundlichkeit“ und Industrieförderung gedeutet. Es sollte nach diesem Verständnis dem Land zu größerer Prosperität helfen, - was gewisse Ministerpräsidenten dazu eingeladen hat, darin ein bisschen über die Stränge zu schlagen. Dass aber solche Einflussnahmen in der EU gang und gäbe sind, darf vielleicht gefolgert werden. Jetzt aber soll er, der Oettinger-Komiker, vorerst mal nicht, wie allgemein erwartet, zum Vizepräsidenten der Kommission befördert werden. Welch von Lobbyisten unterfüttertes Ränkespiel das wohl ist? (Ausdrücklich sei noch einmal darauf hingewiesen, dass hier nichts behauptet wird, sondern dass nur über etwas nachgedacht wird)  

Samstag, 13. Mai 2017

Menschen(ver)führung (1)

Welche Charaktereigenschaften wohl Wirtschaftsführer, also Manager auszeichnen? Abgefahrene Verrücktheit? Ein bisschen "far beyond"? Um an die Spitze zu kommen, braucht es das Maß an Besonderheit, das die Vielen nicht haben. Woraus diese "Besonderheit" wohl besteht? Vielleicht sind es heutzutage aber eher „spezielle Typen“, die ein Team um sich haben, das seine Fähigkeiten einbringt. „Bei einem solchen Spitzenmann, wie dem unseren, muss das so sein, dass er verrückt ist“ - so eine gängige Einstellung von „Untergebenen“. Muss er das wirklich? Muss er nicht vielmehr gewisse Dinge nüchtern einschätzen können und sich mit Situationen konstruktiv auseinandersetzen können? Man muss in jedem Falle ziemlich rücksichtslos sein, so eine weitere Einschätzung, denn man müsse als Führungskraft die Ziele einer Organisation verwirklichen. Um jeden Preis. Man müsse Menschen „führen“, was alleine schon viele unangenehme Assoziationen erwecken kann..... Doch der Mensch brauche Führung, ihm müsse gesagt werden, „wo es lang geht“. Deshalb brauchte es auch einmal einen "Führer". Widerlich. 
Dass da ein „Manager“ sei, habe etwas Beruhigendes, so eine Aussage. Denn es vermittle das Gefühl, dass eine Einzelperson für alles verantwortlich sei. Finde man für diese Position die Richtige oder den Richtigen, sei das Problem der Vorgabe, Führung und Orientierung gelöst. Ob sich nicht dahinter mehr eine Systemfrage befindet, das etwas mit „Verrücktheit“ zu tun hat? Ob es noch zeitgemäß ist, eine Organisationseinheit streng hierarchisch als eine Art Diktator zu führen? Ob dies die Kreativität eines Mitarbeiters zu befeuern vermag? Ob es ihn motiviert? Ob es bei Führung um die Figur des Guten gegen die Figur des Bösen geht? Wie etwa im Märchen? In der Sage? Da sind ja die vielen Geschichten um große Frauen (weniger...) und Männer und ihre sensationellen Taten. 

Freitag, 12. Mai 2017

Post Kommunikation

Die Dichter versichern sich gegenseitig ihrer verlorenen Wichtigkeit indem sie sich gegenseitig Preise verleihen und manchmal das Elend der Politik beklagen, wozu sie ein schönes Gesicht machen und die Augenbraue hoch ziehen. Ansonsten spielen sie Murmeln, die auch schon mal schöner waren. Sie siechen, denn sie haben ihre Funktion längst verloren, Buchdruck ist veraltet. Internet angesagt auf allen Kanälen. Internet der Dinge. Gewiss, Reflexionen müssen sich ihren Weg ins Bewusstsein bahnen, der manchmal lang, windig und mühevoll ist. Nur, wer will das schon in einer Welt der schnellen Kicks und Kitzel? Ist ohnehin nur Übergang zu einer Zeit, in der jedes Gehirn gespeichert sein wird. Zwischen Stop und go, Standup Comedy. Ausgefranst in den Medien, zerstäubt im Internet….die ruhige Überlegung fällt auf sich selbst zurück. Im sachten Smartphonedruck. Es treibt das Wachstum die Beschleunigung um jeden Preis und das Echo verhallt im Nichts. Identität, Kultur. Zerrieben und pulverisiert zu Erbhöfen und Besitzständen. Kontoständen. Wanken, Umfallen, Stürzen? Alles egal, solange es richtig gemanagt wird. Umsatzrückgänge, aber Bailout rettet die Großen. Der Staat in Gestalt seiner Elite-Kretins schaufelt Milliarden in dieses Grab. Die Städte sind überwuchert von unterhaltsamen Bedeutungslosigkeiten. Die Hohlheit füllt uns aus. Wird eingefüllt und die meisten merken es  gar nicht. Schnell, schnell, Inhalt egal. Legal, den vorgeschrieben Wegen entlang abgeschöpft werden. Gemolken. Von Bürokratien, von gut bestallten Sesselfurzern und Aasgeiern in der Sechszylinder-Limousine. Immer unterwegs auf der Überholspur der Autobahn. Hauptsache wir sind sicher. S-U-V. Die anderen werden wir schon zermalmen! Alle müssen sparen und haben das verinnerlicht.  Verdichtung allenthalben, aber keine Intensität, sondern fortwährende Lüge. Alltäglich etwas sein durch das Auto. Elektro, powered by Braunkohle. 

Mittwoch, 10. Mai 2017

Lächeln als Zustand

Was mir beim Fernsehen aufgefallen ist: Dieses Dauerlächeln. In der Politik oft in Verbindung mit Handshakes geradezu zwanghaft. Im Showgeschäft scheint's zum Handwerk zu gehören. Kaum jemand zeigt da authentische Gefühle. Alles ist gespielt und aufgesetzt. Cheese als Maske. Eine sehr offensichtliche Lüge (die wohl den sozialen Umgang erleichtern soll, in Wirklichkeit erschwert sie ihn manchmal...). Alles gut? Wir regeln das. In unserem Sinne. Wir lächeln alles weg (und heben im Amerikanischen dazu den Daumen...). Strahlemann bringt Optimismus in düsterste Umgebung. Lächeln ist Verkaufen. Sich. Seine Sache. Einer Sache ein lächelndes Gesicht geben. Ein Lächeln kann nahe legen, dass man sich vertraut und bereit ist, etwas zu teilen. Außerdem scheint die allgemeine Erwartung nahe zu liegen, man würde mit den eigenen Emotionen nicht hinter dem Berg halten. Vor allem nicht mit den positiven. Zu den unausgesprochenen Regeln gehört es dann auch, selbst Unbekannten ein Lächeln zu schenken. Es gilt unausgesprochen und unbewusst als ein Ausweis der Vertrauenswürdigkeit und der Menschlichkeit. Ob so etwas auch zum allzu offensichtlichen Gebrauch von "Fake News" und "alternative facts" beigetragen hat? 

Dienstag, 9. Mai 2017

Rentenversprechen, Rentenfinanzierer

Wenn ich meinen Rentenbescheid sehe, überkommt mich das kalte Grausen und die nackte Angst. Da empört es mich immer wieder, wenn die Kanzlerin und die ihr nahe stehenden Kreise behaupten: „Uns geht es gut!“. Das ist die selbe Lüge wie ihr „Wir schaffen das!“. Es erhebt sich zuallererst immer die dringende Frage: Wer ist mit „uns“ gemeint? Und wer ist mit „Wir“ gemeint? Ob es vor allem die Besserverdienenden und Geldsäcke in Deutschland sind? Ob die scheinbar guten Statistiken mit einem gnadenlosen Lohndumping und einer beginnenden und dann alles zermalmenden Altersarmut erkauft sind? Wem das zugute kommt? Man braucht nicht lange fragen. In nahezu allen Staaten um uns herum in Europa gibt es so etwas wie eine garantierte Grundrente, die über 1000 Euro liegt. Österreich, die Schweiz und die Niederlande mögen da als erster Beleg genügen. Es zahlen dort alle Bürger, also auch Abgeordnete, Selbständige, Ärzte, Rechtsanwälte und dergleichen in eine solche solidarische Rentenversicherung ein. Diese Länder verfügen über ein Solidaritätsprinzip, das reichere Mitbürger mehr in die Rentenkasse einzahlen lässt als ärmere. Dies ist in diesen Gesellschaften auch weitgehend akzeptiert. Ein fester Betrag. Grundrente. Für alle. Hierzulande gibt es steigende Beiträge bis zu einer gewissen „Bemessungsgrenze“ von derzeit 6500 Euro pro Monat. Jenseits dieser Grenze braucht nichts mehr bezahlt zu werden. Einkommen, die also über 6500 Euro betragen, sind nicht rentenversicherungspflichtig. Er muss sich damit also nicht mehr an der Solidargemeinschaft beteiligen. Wem dies alles zugute kommt? Ob gewisse Politiker da nahe genug dran sind? Sozial- und Rentenpolitiker der Parteien insbesonders?
Einst war es die oft geäußerte Sorge der Politik, dass es immer höhere Beiträge benötige, um die Renten zu bezahlen. Also wurden die Rentenbeiträge für die Arbeitgeber gedeckelt. Und das Rentenalter wurde hochgesetzt. Nun sollten alle bis 65 arbeiten. Vergünstigungen wurden abgeschafft, Renten sollten nicht mehr im Gleichklang mit den Löhnen steigen. Der Motor für „die Wirtschaft“ sollte unter Schröder angeworfen werden. „Die Wirtschaft“, wer das wohl ist? Die Arbeitgeber/Kapitaleigner oder die Wirtschaft insgesamt (zu der ntürlich auch steigende Löhne gehören würden)? Eventuell auftretende Lücken sollten über die sogenannte „Riester-Rente“ abgedeckt werden, eine private Rentenversicherung, durch deren Abschluss, wie sich später heraus stellte, vor allem Versicherungsgesellschaften profitierten, äußerst selten jedoch diejenigen, an die sich diese Versicherung zu wenden schien. Außerdem wurden ihre „Zuschüsse“ mit Steuern finanziert, also durch das von allen entrichtete Geld. Das alles hat zur Folge, dass zahlreiche Mitbürger nach einem Leben voller Arbeit zum Sozialamt gehen müssten. Das Kernversprchen eines Sozialstaates aber war es, dass man nach einem Leben voller Arbeit von seiner Rente leben können muss. Wenn das Niveau aber wie auf einer Rutschbahn nach unten geht, kann diese Versprechen nicht, oder nur für sehr gut verdienende Bürger, gehalten werden. Die jetzt so groß mit dem Gerechtigkeitsversprechen auftrumpfende SPD, die unter anderem Mitglieder wie Gerhard Schröder, Wolfgang Clement oder Peer Steinbrück hat oder hatte, hat diese direkt in die Altersarmut führende Politik entscheidend mit zu verantworten.    

Montag, 8. Mai 2017

Landwirtschaft, Tierhaltung

Wer eigentlich kann mit ansehen, wie ein Tier geschlachtet wird? Wir fressen Tiere und leiden womöglich alleine schon unter dem Gedanken an ihre Tötung. Wer kann sich den Geruch des Todes vorstellen, wer will das? Wie riecht Blut? Ob uns das verstört? Oder sind manche Leute schon dermaßen abgestumpft und erklären sich selbst so zur Krone der Schöpfung, dass ihnen das nichts mehr anhaben kann? Fleisch essen? Manche tun das trotzdem. Ob es in der Auseinandersetzung um dieses Thema um Massentierhaltung geht? Ob es ein großer Unterschied ist, ob ein Massai-Krieger ein Beutetier zubereitet und isst oder ob ein Mensch aus unserer Umgebung ein Schnitzel aus dem Supermarkt brutzelt? Womöglich ist die Verdauung und der Stoffwechsel eines modernen Menschen für den Genuss von Fleisch ausgelegt, das aber nicht zwingend aus der Massentierhaltung stammen muss.....Ob Tiere nicht auch eine Würde haben, eine Leidensfähigkeit, die uns nicht zwingend in die Stellung versetzt, sie nach ökonomischen Kriterien umzubringen? Ob die Tiere das mitkriegen, wenn sie getötet werden? Ob ihnen so etwas wie Respekt zusteht? Bolzenschuss und Elektrozange? Sind sie die richtigen Instrumente oder Methoden dafür, sind sie angemessen? Schlachthäuser als die Orte des Todes. Wer kann das, will das rechtfertigen, was in Agrarfabriken auf der ganzen Welt passiert? Zu welchen Begründungen will er sich versteigen? Die Weltbevölkerung ernähren? Es wurde bereits an anderer Stelle dieses Blogs angeführt, dass, um Fleisch zu „erzeugen“, der Energieaufwand viel zu groß wäre. 60 % der Böden werden zur Erzeugung von Tierfutter gebraucht/verbraucht. Für 1 kg Rindfleisch werden durchschnittlich 20 000 Liter Trinkwasser verbraucht und 16 kg Getreide und Soja verfüttert. Dabei werden mehr Treibhausgase erzeugt als bei 250 Km Autofahrt und 50 Quadratmeter Regenwald vernichtet. Ob diese Zahlen nun ganz genau stimmen oder nicht, erscheint mir nicht so wichtig als vielemehr die Tendenz, die dadurch angezeigt wird. Diese Umstände der Nahrungsmittelerzeugung kommen vor allem bestimmten Menschen auf dieser Welt zugute. Ist das noch ein Streitthema? Ob wir das alles am liebsten verdrängen? Möglichst nicht wahrnehmen, gar nicht erst darüber nachdenken. Es scheint festzustehen: Sehr viel Elend für die Menschheit hängt mit dieser Form der Tierhaltung zusammen. 

Sonntag, 7. Mai 2017

Fußballmachtspiele

Ob es mir urkomisch kommt, wenn jetzt mächtige Geschäftsführer von Fußballbundesligatraditionsclubs im Clinch mit Trainern liegen, die mehr auf der Seite von Spielern stehen und wagen, eine eigene Meinung zu äußern? Ob das mehr Ausdruck eines Hierarchieverhältnisses ist, das sich vor allem auf Geld gründet und mit dem Vertreten von Fans gar nichts zu tun hat? Diese „Fans“ scheinen ja immer noch an die alte Mär' der "11 Freunde" zu glauben und schenken ihrem Verein alles, vor allem ihre Kaufkraft.... Es soll bald entschieden werden und es geht ja ausschließlich um „Strategie, Kommunikation und Vertrauen“. Klaro, um was denn sonst? Persönliche Animositäten und ökonomische Interessen (z.b. Aktien einer Aktiengesellschaft) spielen da naturgemäß überhaupt keine Rolle. Wer lässt sich eigentlich solche Inszenierungen vorspielen und hält sie für die Realität? Ob dies etwas sehr Globales hat und ob man eine solche Kritik äußern darf? Ob es eine gewisse Ähnlichkeit zu den antiken „Brot und Spiele“-Strategien der Antike gibt? Sklaven und "Elite", ein delikates Verhältniss. Ob es im alten Rom gelegentlich auch um Macht ging? Lauter Fragen, bei denen ich an der Seitenauslinie stehe und staune....... 

Samstag, 6. Mai 2017

An meine Mutter (Eduard Mörike)

An meine Mutter

Siehe, von mailen den Liedern nicht eines gilt dir, o Mutter!
Dich zu preisen, o glaub's, bin ich zu arm und zu reich.
Ein noch ungesungenes Lied ruhst du mir im Busen,
Keinem vernehmbar sonst, mich nur zu trösten bestimmt,
Wenn sich das Herz unmutig der Welt abwendet und einsam
Seines himmlischen Teils bleibenden Frieden bedenkt


An dieselbe

Ach wie liebreich warst du der Welt und dienetest allen!
Und wie klein doch, wie plump hat sie dich endlich verkannt,
Da entsagtest du ihr; doch lächelnd wehren die Deinen
Heute wie gestern der Hand, die sich in Liebe vergißt.


(Eduard Mörike)

Freitag, 5. Mai 2017

Verhaltensmodelle

Notizen (Namen sind unkenntlich gemacht, vertauscht und bewusst ins Neblige gerückt): "Der Tod wird kommen. Das immerhin ist sicher. Mein Vater ist dafür mein Modell, nach dem sich mein Handeln ausgerichtet hat. Ein sanfter Mann, der immer in sich hinein gefressen, toleriert hat (und sich nicht einmal das hat anmerken lassen). Er hat sich mit den großen Geistern beschäftigt und sie ernst genommen. Er hat ihre Zweifel abgewogen. In sich selbst ausgetragen. Und ist letztlich doch gläubig geblieben auf eine Art, die sich nicht offensiv und missionarisch nach außen hat mitteilen müssen. Ob er seine Schüler geschlagen hat, nachdem er sich dazu verurteilt sah, den Lehrer zu spielen? Ist er in solchen Konventionen, Bezüglichkeiten aufgewachsen? Er tat es wohl (wenn er es überhaupt tat...), so dachte er, im Interesse der Sache. Es musste sein. Ob ihn je eine Person interessiert hat? 
Zum Beispiel diese Person. Auch sie gegen die Wand gefahren. Vor vielen Jahren schon. Ihre Schönheit kam mir unwirklich vor. Das ist sie auch, denn sie steht fest im Leben, würde nie mit sowas rechnen, bzw. hat es zu oft erlebt. Sie denkt an ihrer Kumpelhaftigkeit mit der eigenen Berufsrolle. Seit zwei Jahren ist da völlig Funkstille. Da gab es noch jemanden, die plötzlich hat abprallen lassen. Mit schärfsten Agressionen, wieso? Was hatte ich ihr getan? Ich weiß es bis heute nicht. Die einzige Person, zu der Nähe da ist, ist XXX. Auch so eine Looserin, die es in eine Berufsrolle hinein geschafft hat und manchmal daran verzweifelt. Es ist nicht der einzige Berührungspunkt mit ihr. War ich völlig verrückt, als ich sie einst aufgeben wollte? Ging darüber hinein in eine Einsamkeit, die mich ganz alleine in Richtung auf den Tod führt." 

Mittwoch, 3. Mai 2017

Fußballstartup

Ich bin froh darüber, dass es ein Verein aus den Neuen Bundesländern geschafft hat! Einer, der den typischen Emporkömmling im Turbokapitalismus verkörpert und die sogenannten Traditionsvereine neidisch gemacht hat! Ja, er mag nur zum Zwecke der Promotion einer Brausedose gegründet worden sein! Aber ist das Gebaren der „alten“ Vereine dagegen nicht etwas verlogen und war das nicht die einzige Chance eines Vereins dieser Herkunft? Sind nicht etliche Fußballmannschaften der deutschen Bundesliga als „Werkself“ angekündigt? Teil ihrer Funktion mag immerhin die eines Aushängeschildes und Werbeträgers eines Konzerns sein. Oder der Ruhm eines reichen Mäzenen!Dass dabei niemand nach den moralischen Dimensionen solchen Tuns fragt, nennen Altvordere des Gewerbes gerne „professionell“. Sie haben ja einen Vertrag abgeschlossen und werden niemals nach dem Warum und Wieso fragen, sondern nur nach dem Geld bzw. Profit. Für Geld machen sie alles. Das ist dem System extrem angepasst, - wurde aber jetzt überholt von einem frechen Startup. Er macht alle anderen neidisch, indem er noch ein bisschen konsequenter in Richtung Kommerzialität drängt, indem er sein Tun von vornherein verkauft hat und nicht darauf angewiesen ist, tausend aufdringliche Sponsoren zu finden, die nicht nur Spieler und Werbeflächen, sondern sogar Namensrechte an altehrwürdigen Stadien aufkaufen. Es ist doch so, das diese Fußballbundesliga eine ziemlich festgefügte Gesellschaft ist: die kapitalstärksten Vereine kaufen den anderen regelmäßig die besten Spieler ab, um auf hohem Niveau möglichst international mitzuhalten. Diese „Lieferanten“-Vereine dürfen sich dafür dann „Ausbildungsvereine“ nennen. Wer kein Geld hat, der hat keine Chance. Jüngst wurde sogar öffentlich und wohl etwas zu offensichtlich vorgeführt, dass Profitinteressen alle ethischen Bedenken gnadenlos zu überwölben scheinen, gerade was Terminsetzungen angeht. Gelegentlich steigen per Statut ein paar Newcomer-Vereine auf und später wieder ab. Im Wesentlichen aber bleibt die Struktur erhalten, ja, sie hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verfestigt. Nun werden öffentliche Krokodilstränen vergossen, dass sich punktuell etwas geändert hat. Vereinsvorsitzende und Geschäftsführer lassen sich zu allzu starken Tönen hinreißen. Es werden sogar neue „Feinde“ ausgerufen. Doch das ist nicht der wesentliche Punkt. Wesentlich ist vielmehr, dass dies, - falls es allzu erfolgreich“ sein würde, - ein Modell abgeben könnte für andere. Dass es dem voll durchkommerzialisierten Bundesliga-Fußball die Maske vom Gesicht ziehen könnte.  

Sonntag, 30. April 2017

Abgaswerte reloaded

Etwas geht mir nach, beschäftigt mich immer weiter: In der SZ las ich diese Woche die Überschrift „Berlin blockiert strengere Abgastests“ mit der Unterüberschrift „Als Konsequenz aus dem VW-Skandal sollen neue Fahrzeugmodelle auch in Deutschland künftig von europäischen Kontrolleuren überprüft werden. Doch die Bundesregierung lehnt Brüssels Pläne ab“. Das hätte ich nicht für möglich gehalten: ganz offen und völlig unverblümt scheint die Regierung Lobbypolitik für eine Autoindustrie zu betreiben, die natürlich nicht kontrolliert werden will. So hat offenbar der Verkehrsminister Dobrindt außer VW auch andere Automodelle darauf überprüfen lassen, ob sie Abgaswerte überschreiten. Die Ergebnisse freilich hält er vorläufig geheim, sie gelangen offenbar bis jetzt nicht in die Öffentlichkeit. Immerhin wurde bekannt, dass von 53 überprüften Fahrzeugen 50 die Grenzwerte teilweise deutlich überstiegen haben. Es wurden sodann drei Zonen geschaffen: Zone 1: Fahrzeuge, die die Grenzwerte um das 2,1-fache überschreiten. Zone 2: Fahrzeuge, die die Grenzwerte um das 3-fache überschreiten. Zone 3: Fahrzeuge, die mit ihren gemessenen Werten auch deutlich noch darüber liegen. Anschließend werden Zone 1 und Zone 2 zusammengeführt und erklärt, dass deren Abgaswerte „unauffällig“ seien (Konformitätsfaktor“ angewandt). Fast gleichzeitig gelangt die Meldung in die Öffentlichkeit, dass eine große deutsche Waffenschmiede eine Panzerschmiede in der Türkei aufbauen will, um von dort aus gewisse Märkte besser, d.h. unter Umgehung deutscher und sowieso lax gehandhabter Vorschriften, bedienen zu können. Dass das alles so offen passieren kann, schockiert mich. Die verschiedenen Schummeleien bezüglich Abgaswerte und Verbrauchswerte sind doch alle bekannt – und scheinen doch von der deutschen Öffentlichkeit geschluckt zu werden, weil von Lobbyisten dicht hinter den Politikern sofort das Argument der Arbeitsplätze aufgebaut wird. Unsere Gesundheit wird dabei offenbar gegen das Argument „Arbeitsplatz“ ausgespielt. Als es in der jüngsten Zeit in Brüssel um das Ziel von wünschenswerten Abgaswerte ging, scheint die Kanzlerin auch blockiert zu haben und erst jüngst war sie sich nicht zu schade, den Dieselmotor, dessen Umweltverträglichkeit ja nicht erst in jüngster Zeit herbe Dellen davon getragen hat, zu loben. Und dann der Trick mit dem „Konformitätsfaktor“, den sich die EU-Komission hat aufschwätzen lassen: Er geht davon aus, dass Straßentests aussagekräftiger sind, als Labortests. Leider kommen bei Straßentests regelmäßig sehr viel höhere Werte zutage, als bei Labortests. Hier kommt der „Konformitätsfaktor ins Spiel, der offiziell ab 2019 gelten soll. Er ist ein Faktor, um den die gemessenen Werte die Grenzwerte überschreiten dürfen. All das kommt mir samt der Reaktion der Öffentlichkeit völlig unsäglich vor. Wenn unser „Wohlstand“ denn auf dem mit einem Verbrennungsmotor betriebenen Auto beruht (was gar nicht sicher ist), dann scheint man für dessen Erreichung buchstäblich über Leichen zu gehen, - sogar über die der eigenen Bevölkerung. Aber das hier Geschilderte ist ja ohnehin alles anders, wie clevere Lobbyisten nach bewährter Art auch durch Klagen richtig stellen lassen wollen. Und die Waffenindustrie scheint für den deutschen „Wohlstand“ auch unverzichtbar. Wow, das darf nicht wahr sein!

Samstag, 29. April 2017

Ich ist ein Anderer (Text)

Sie haben sich zu oft gruppiert, Zu Lug, zu Trug, haben um deine Kaufkraft geworben
um Deine Wertschätzung, um deine Aufmerksamkeit, haben die Bedeutung in Hülsen gesperrt
in Bilder, die missbraucht und vergewaltigt, zu fetten Gemeinplätzen wuchsen
es ist ein nettes Hopping, über der unsichtbaren Hoheit, verkaufter Luftschlösser
aber dich plagt eine Sehnsucht nach Text, nach eigenen Worten, sie zieht dich weiter
in andere Formationen, viele Körper reden und sagen nichts, es ist genauso, wie dieser Satz,
eine vorbereiteter Gemeinplatz, eine automatisierte Deutung, eine hübsch geformte Lüge
der Sinn geht im universalen Geräusch unter, in weißem Rauschen, das sich gegenseitig auslöscht
und du bist ein Pirat der Patterns.....

Ich ist ein Anderer, mit den anderen vernetzt sein, ein Docking wagen, abseits der Kommunikation
sich in andere Positionen begeben, wagen, sie in Frage zu stellen
das willst Du vielleicht, Ich zu sagen ist eine Reaktion auf ständig wachsende Unsicherheit
dabei könnte alles so anders sein. in Unbekanntem unbekannt bleiben, unerkannt, wir treiben knapp unter der Oberfläche dahin und strecken den Hals gelegentlich müde in die Höhe, der Papierweg ist verstopft
Schwächen offen zu zeigen, könnte sich als Stärke erweisen, Lüge, eitel Selbstinszenierung
schöne Fassaden sind auch schön - als Fassade, ein Paravant, flüchtig aufgestellt
rund um bittere Erbärmlichkeit, will verschwinden hinter Tönen, und mich einhüllen, will mich kleiden in sie, Du wagst, Dich im Verborgenen zu zeigen, als ein Spiel, wenn der Sinn untergegangen ist, will ich dem Klang nachlauschen, der sich selbst mitteilt, die brauchen Dich nicht, die nehmen sich nur, was sie brauchen
die hassen die Wahrheit, weil sie so negativ ist, was ist das Original, wenn alles eine Vervielfältigung ist
unwillkürlich, als Reflex, tausend Nichtigkeiten als Schwarm, als Wolke des Geschwafels

eine Kopie, eines großen Etwas, das wir alle sind? 

Freitag, 28. April 2017

Natur und Mensch (2)

Hinaus in die Natur zu gehen, könnte bedeuten, Körper und Geist wieder zusammenzubringen. Es könnte insofern ein nobles und durch ganzheitliche Absichten geadeltes Ziel sein, in die Natur zu gehen. Zu wandern. Es auf sich wirken lassen. Stress abbauen (wissenschaftlich durch Studien unterfüttert). Die innere Natur mit der äußeren in Verbindung bringen. Klarer werden. Im Kopf und im Körper. Viele Muskeln entschleunigt einsetzen, den Stoffwechsel auf eine natürliche Weise ändern. Körperliche und geistige Auffrischung ohne Überwindung eines inneren Schweinehundes, um sich daraus heraus wieder frank und frei ins Getriebe zu stürzen? Fett abbauen. Nicht so schnell müde werden. Energie ausstrahlen. Ohne Medikament. Nicht der deutschen Romantik nachhängen, iwo! Das tun sowieso nur die Bildungsbürger. 

Donnerstag, 27. April 2017

Künstliche Intelligenz (7)

Künstliche Intelligenz ist eine, die sich selbst fortwährend selbständig fortschreibt und uns somit aus der Kontrolle geraten kann. Künstliche Intelligenz lernt zu lernen, - und zwar von selbst, aus sich selbst. Künstliche Intelligenz entscheidet selbst, und zwar automatisch. „Deep Learning“ ist dabei einer der Schlüsselbegriffe. Es geht zudem um Kontrolle der Gefahren, die dadurch entstehen. Z.b. das Hacking. Der Mensch, der sich selbst abschafft. Wo bleibt die Ethik dabei? „Big Data“ ist auch so ein Schlüsselwort. Der IBM-Rechner Watson verdaut 200 Millionen Seiten in 3 Sekunden. Er arbeitet inzwischen als Arzt oder als Rechtsanwalt, indem er möglichst alle Daten dieser Welt aufnimmt: „Big Data“. Die NSA & Co. haben es vorgemacht und haben damit in unsere Gegenwart hinein gereicht. An der Börse handeln Computer mit KI in Millisekunden Milliardenvermögen. Mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Drohnen werden sich in wenigen Jahren vervielfachen. Wann überholt uns Künstliche Intelligenz?
Womöglich hat sie uns schon überholt, Verantwortung ist längst abgegeben. Smarthome ist dabei auch so ein Stichwort: Der Kühlschrank bestellt automatisch das, was fehlt. Die Heizung legt schon vor der Ankunft los, die Jalousien senken sich wie von Geisterhand. Technologie passiert rasend schnell, die Entwicklungen sind am Anfang und werden zügig weitergehen. Der Stecker kann längst nicht mehr gezogen werden, alles ist dezentral delegiert an viele Stellen auf dieser Welt. Erpressung ist damit auch möglich. Alles mögliche über alle Menschen wissen ist das Ziel. Roboter werden uns begleiten auf allen Wegen, bis hin zum letzten Gang: Altersheimroboter sind ja bereits im Einsatz. Viele andere werden folgen. Stephen Hawking hat gewarnt vor dem Verlust von Arbeitsplätzen: 9 von 10 Arbeiter werden überflüssig sein. Maschinen werden vieles besser können. Den Niedriglohnsektor werden weiterhin Maschinen/Roboter übernehmen. Arbeitswelt 4.0 ist dabei das Stichwort. Bei Waffensystemen und selbständigen Drohnen ist Künstliche Intelligenz ohnehin besonders relevant. Doch all das heißt: der einst hoch gehandelte Wert „Bildung“ ist spätestens nach zwei oder drei Jahren überholt, gewisse ethische Maßstäbe gewinnen eine neue Bedeutung,Werte müssen neu definiert werden. Was ist der Mensch? Wo stehen wir dabei?

Mittwoch, 26. April 2017

Nichts (Text)

Du tippst das Nichts an
gehst mit ihm um
fühlst dich ihm fern und nah
Du erschrickst und weißt nicht
weißt, dass Du nicht weißt
und bist darüber nicht erfreut


es greift dich herb an
und du kommst ihm näher
im Vergehen liegt die Welt
Du kennst all diese Sprüche
Vermutungen, Meinungen
Weißes Rauschen allüberall


Du schreibst Worte
die es nicht umfassen
Du gebierst Bilder
die es nicht treffen
Du findest Vergleiche
die nicht stimmen


Ich stecke den Finger ins Dasein
und es riecht nach Nichts
Nichts ist mehr sicher,
kein Gesang, kein gar nichts,

es ist alles nur noch - „Rauschen”. 

Montag, 24. April 2017

Entscheidungsprozesse

Soll man sich fortwährend daran erinnern, dass es möglicherweise in dieser Republik ziemlich ungerecht zugeht? Soll man diesen Nasen, die anbieten, das zu ändern, mit einer Wählerstimme vertrauen? Soll man ihnen das zutrauen? Zweifel. Skepsis. Bundestagswahlkampf. Soll man sich mal wieder darüber aufregen, dass Großspenden die Entscheidungsprozesse in dieser Politik möglicherweise entscheidend verändern? Überhaupt, der Einfluss der Lobbys und Interessenvertreter scheint ja recht weit zu gehen und sich unter anderem in finanziellen Zuwendungen an Parteien auszudrücken, wobei dafür offenbar auch verschlungene Wege gefunden werden. Dass sich Abgeordnete dazu gerne mit Lobbyisten treffen, gehört wohl zum Recht auf Gewissensfreiheit, das diesen Abgeordneten in jeder Form zusteht. Der Hintergedanke scheint dabei relativ klar. Nicht nur Diäten und Fraktionsetats scheinen ziemlich schamlos erhöht zu werden, es gibt ja auch Absprachen zwischen Koalitionen, die schon mal in eine Richtung gebogen werden können. Wer aufbegehrt, gegen den wird oft geklagt, - das Procedere ist ja schon aus der Industrie bekannt. 
Gegen entsprechende Parteispenden werden „Besuche“ bei einflussreichen Politikern gewährt: Diese Praxis sorgte vor einiger Zeit für Aufsehen. Daraufhin wurde Besserung gelobt. Doch die Praxis scheint weiterzugehen, - scheint...irgendwie... Überhaupt lassen sich wohl Parteien und Abgeordnete wohl nicht so gerne in die finanziellen Karten schauen. Ob das oberdemokratisch ist oder ob hier „Expertenwissen“ ein bisschen unkontrolliert in die Entscheidung einfließt? Die Erklärungen vielfältigster Art stehen ja bereit, werden von den Parteien in die Gehirnfestplatten überspielt. Es geht um "Argumentationshilfen" etc.... Scheint, offenbar, vielleicht – im Dunkeln ist gut munkeln, so möchte man meinen. Das Parlament scheint dies zu nutzen. Doch ob es dieser Republik wirklich so gut geht, wie oft behauptet wird? Ob das nicht nur einer gewissen Schicht zugute kommt, die die Deutungshohheit für sich anmahnt? Wie groß diese Schicht wohl ist, wenn es sie gibt? Arbeitslosenzahlen? Armutsannahmen? Ob sie in einem gewissen Sinne erhoben sind? Geformt? "Verstanden"? Ob es nicht ganz allgemein deutlich besser gehen könnte, wenn der politische Wille da wäre? Ob es dabei auch um das „Schlechtreden“ eines Staates geht, der sich noch auf einer Insel der Seligen wähnt, aber die Verteilungsmechanismen schon für andere Zeiten in Stellung bringt? Ein Staat, der sich vor allem auf die Macht des Faktischen stützt und ja ohnehin so viel besser als all die anderen ist? Zweifellos. 

Sonntag, 23. April 2017

Narzissmus (1)

Caravaggio malte sein berühmtes Bild „Narziss“ Ende des sechzehnten Jahrhunderts und Ovid hatte lange zuvor schon die betreffende Geschichte geschaffen (hier aus „Wikipedia“ zitiert): Narziss wurde von Jünglingen und Mädchen gleichermaßen umworben, war aber stolz auf seine eigene Schönheit erfüllt und wies all seine Verehrer und Verehrerinnen herzlos zurück. Diese Kränkung widerfuhr auch der Bergnymphe Echo und dem Bewerber Ameinios, dem Narziss ein Schwert zukommen ließ. Zwar brachte sich Ameinios noch auf der Türschwelle mit dem erhaltenen Schwert um, nicht aber ohne zuvor die Götter anzurufen, seinen Tod zu rächen. Nemesis (nach anderen Quellen Artemis) hörte die Bitte und strafte Narziss mit unstillbarer Selbstliebe: Als er sich in der unberührten Natur bei einer Wasserquelle niederließ, verliebte er sich in sein eigenes Spiegelbild. Narziss erkannte die Unerfüllbarkeit seiner Liebe, ohne dass es ihm etwas nützte: Er verzehrte sich und verschmachtete vor seinem Ebenbild bis zum Tod. Seine letzten Worte wiederholte Echo: „Ach, du hoffnungslos geliebter Knabe, lebe wohl!“ Statt seines Leichnams fanden die Dryaden eine Narzisse“.
Heutzutage gilt aber auch und dürfte sich auf narzisstische Impulse stützen: die gernzenlose Entblößung in den Medien, insbesondere in den sozialen Medien samt die Vorführung aufgeblasener Wichtigkeit in den Talksshows und vieler anderer Phänomene: Das „Ich“ und seine Optimierung scheint eine „Herausforderung“ der Zeit. Die Stufe der schmerzhaften Bewusstwerdung und der langen Suche wird dabei gerne mal übersprungen. Es gilt Egozentrismus, Eigensucht, fehlende Empathie, Überheblichkeit und die Entwertung anderer. Sie scheinen im Trend eines gnadenlosen Neoliberalismus zu liegen, der auf allen Ebenen unsere Gesellschaft schon seit langem zu prägen scheint. Doch Finanzkrise und Schuldenfallen der Staaten haben längst zur Verunsicherung beigetragen. Narzissmus galt zwar einst als Sünde oder als Privileg der Mächtigen, hat offensichtlich aber von seiner Strahlkraft verloren. Nichtsdestrotz trat in der Politik ein neuer Typ eines Despoten immer mehr zu Tage, der mit seinem eingebildeten oder realen Charisma die Realität zu prägen scheint. Da werden Leute zu Präsidenten oder wollen sich zu solchen machen. (Später mehr)

Mittwoch, 19. April 2017

Tierschutz

Was sagen Tierschutzgesetze? Den Bedürfnissen von Tieren bestmöglich zu entsprechen und für ihr Wohlergehen zu sorgen, wird dort gefordert. Niemand solle einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen oder Leiden ungerechtfertigt zufügen. Problem nur: was heißt „bestmöglich“, „Wohlergehen“, was ist ein „vernünftiger Grund“ und was ist „ungerechtfertigt“? Lauter wachsweiche Formulierungen, deren Ermessen dem Menschen anheimgestellt ist. Ob dieses Ermessen sich nicht hauptsächlich aus ökonomischen Überlegungen speist? Menschen tragen gerne Pelzmäntel: deshalb ist es legitim, Nerze zu vergasen. Im Sinne des Gesetzes ist das ein „vernünftiger“ Grund. Ob's mit dem Tierschutz überhaupt ernst gemeint ist? 

Dienstag, 18. April 2017

Über diesen Blog

Hier noch einmal eine Selbstrechtfertigung unter Einbeziehung dessen, was ich zu diesem Thema an dieser Stelle bereits geschrieben habe. Mir geht es hier im Blog um die „Verschnödisierung“ von Inhalten. Sie einigermaßen verständlich zu machen, so wie sie sich halt in meinem Bewusstsein abbilden. Insofern ist das sehr subjektiv, - darf es ja auch in einem Blog, oder? So etwas kann nicht immer exakt nach den ausgegebenen Regeln sein, aber es kann sich darum bemühen. Es gleicht einer Art „Herunter-Übersetzung“ in das schnöde Alltägliche. Ja ja, wir sollen hier Ross und Reiter nennen, möglichst alle Copyright-Regeln beachten und immer wahrheitsliebend sein. Klaro, auch im Zeitalter von "Fake News" und "alternativen Fakten". Wir sollen alles so „wasserdicht“ machen, dass sich niemand angegriffen fühlt. Meinung, Kommentar und Berichterstattung sollen wir auch nicht vermischen. Bloß nicht. Wir sollen uns ja gegenüber den mächtigen Rechtsabteilungen der Großkonzerne und der Prominenten absichern. Bloß, wer kann das? Die professionellen Nachsteller könnten dafür mit denen, die sie zu untersuchen und recherchieren vorgeben, zu sehr unter einer Decke stecken. Könnten! Wissen wir es? Parolen sind da völlig ungeeignet. Aber es ist ein schönes Feld für jemand, der wissenschaftlich die Struktur von „Eliten“ untersucht. Er wird wohl (wenn alles gut geht....) einen Forschungsauftrag dafür an Land ziehen können und damit eine Weile ruhig gestellt sein. Das Dazwischengequatsche aus den altklugen Elfenbeintürmen der "Wissenschaft" ist sowieso nicht besonders populär. Also wird sie/er nicht weiter stören mit etwas abgehoben wirkenden „Erkenntnissen“... Überlegungen dahinter, Taktik, Strategie, Manöver mit der öffentlichen Meinung - das zu schreiben wäre auch interessant. Nur, man soll das nicht, weil es nicht zu beweisen, zu belegen ist. Es zischt aber rechts und links am Bewusstsein der Leute vorbei und meist mitten hinein. Wer soll was glauben? Aus welchem Interesse? Es gilt, sich unkenntlich zu machen, um kenntlich zu bleiben. Wir können hier in diesem Blog auch nur von dem etwas einigermaßen wiedergeben, dem der halbwegs Interessierte in dieser Öffentlichkeit ausgesetzt ist. Und das bedeutet keineswegs Sympathien gegenüber Rechtspopulisten, Neuen Konservativen (Das Oben und Unten ist von Gott, dem Schicksal oder „harter Arbeit“ gegeben...“), rechtsradikalen Parteien oder Trampisten. Ich suche nicht nach endgültigen Wahrheiten, halbwegs gültige würden vorläufig auch schon reichen. 

Montag, 17. April 2017

Schopi und der Tod (3)

Schopi schreibt in „Seniliae“, Gedanken im Alter“:
„Wie kann man nur, beim Anblick des Todes eines Menschen, oder Thieres, vermeinen, hier werde ein Ding an sich selbst zu nichts? Daß vielmehr nur eine Erscheinung, in der Zeit, dieser Form aller Erscheinungen, ihr Ende finde, ohne daß das Ding an sich selbst dadurch angefochten werde, ist eine unmittelbar, intuitive Erkenntniß jedes Menschen; daher man es zu allen Zeiten, in den verschiedensten Formen und Ausdrücken, die aber alle, der Erscheinung entnommen, in ihrem eigentlichen Sinn, sich nur auf diese beziehn, auszusprechen gewesen ist.
Und an einer anderen Stelle schreibt Schopi: „Das Leben kann, diesem Allem zufolge, allerdings angesehen werden als ein Traum, und der Tod als das Erwachen. Dann aber gehört die Persönlichkeit, das Individuum, dem träumenden und nicht dem wachen Bewußtseyn an.; weshalb denn jenem der Tod sich als Vernichtung darstellt. Jedenfalls jedoch ist er, von diesem Gesichtspunkt aus, nicht zu betrachten als der Uebergang zu einem uns ganz neuen und fremden Zustande, vielmehr nur als der Rücktritt zu dem uns ursprünglich eigenen, als von welchem das Leben nur eine kurze Episode war“.

Was wohl unsere Freunde von Silicon Valley oder bei Google zu solchen tiefschürfenden Ansichten sagen würden? Sie scheinen nicht auf eine Art transzendentaler Einsicht zu bauen, sondern vielmehr auf den geraden direkten Überlebenstrieb jedes Menschen der irdischen Welt. Dafür bringen sie allerlei technisches Gerät in Anschlag, dass sie nach und nach dem Menschen einverleiben möchten. 

Sonntag, 16. April 2017

Martin und die Stuhlräuber

Was wohl Martin Luther zum Zustand unserer heutigen Gesellschaft gesagt hätte? Klar, der Mann hat im sechzehnten Jahrhundert gelebt. Trotzdem durchweht seine Ansichten ein Geist von Nächstenliebe (ja, auch trotz seines zeitgebundenen Antisemitismus), der so gar nicht zum heute herrschenden Klima der gegenseitigen Ausbeutung passt. Die Maxime, dass Unternehmen und Verbraucher ihren Gewinn und Nutzen maximieren sollen, hätte ihm wohl nicht so recht gefallen, ja, er hätte das wohl angegriffen. Auch das System von Zins und Zinseszins hätte er wohl kaum als gottgegeben akzeptiert, wie es heutige Ökonomen zu tun scheinen. Immer wieder wandte er sich entschieden gegen alle Arten, die Mitmenschen zu übervorteilen, gegen Habsucht, Profitgier und Wucher. Mit der Kapitalwirtschaft hat er damals nichts anfangen können (die Fugger standen geifernd am Horizont). Was er wohl von der heutigen Bankenlandschaft und ihren Handelnden halten würde? Oder von den beispielslosen Betrugsversuchen einer Firma wie Volkswagen mit ihrem globalen Abgasskandal? Firmen, die sich ihren „Erfolg“ durch schönrednende und lügende (Fake Facts) Werbeagenturen flankieren lassen? Wie er wohl die Doktrin gefunden hätte, dass diejenigen Produkte die besten sein sollen, die dem rücksichtslosesten Konzern am meisten Gewinn versprechen? Welche Rolle wohl bei ihm der sogenannte „Kundennutzen“ gespielt hätte? 
Sicher ist wohl, das all diese Annahmen und Thesen überhaupt nicht zu ihm und der von ihm vertretenen individuellen Moral gepasst hätten. Wucherern verweigerte er die Sakramente. Er nannte sie „Stuhlräuber“. Ob es solche „Stuhlräuber“ auch heute noch viel zu viele gibt? Es soll sich jeder nach seinem eigenen Gewissen entscheiden, und nicht nach einem von Institutionen vorgegebenen Rahmen: Das unter anderem ist es ja wohl, was die Essenz von Luthers Weltbild ausmacht. Den Nächsten als reinen Verbraucher, als Faktor des Profits zu sehen, zur Zahl degeneriert, wäre ihm wohl vollkommen fremd. Harmlos und peinlich wirken dagegen die Versuche der heutigen Ökonomen mit ihrem Versuch, den Philosophen Adam Smith und dessen Sicht auf einen sich selbst regulierenden „Freien Markt“ für sich in Stellung zu bringen. Problem ist, dass wir hier schon lange keinen „Freien Markt“ mehr haben.     

Samstag, 15. April 2017

Gen Ostern

Sie starren in ihr Smartphone und du wunderst dich, dass inzwischen viele ältere Leute darunter sind,..... jemand fährt im Hintergrund einen brandneuen Skoda gegen einen gemein in den Boden gerammten Begrenzungspfosten, der fast den Eindruck macht, als sei er extra für einen solchen fatalen Fall aufgestellt. Es ist Einkaufsstress, jeder will oder muss noch mal, - ich ja auch,- Bettler legen bei den Einkaufswagen den Dackelblick auf, arrogante ältere Damen rümpfen darüber die Nase, es stinkt irgendwo nach Urin, aber du bist schon vorbei, hast nur kurz etwas wahrgenommen, wie ja ohnehin alles nur kurz wahrgenommen ist.......andere scheinen vor Terrorismus und dem Abgleiten ins soziale Nichts Angst zu haben, du hingegen schaust beim Discounter rein: Was du wolltest, findest du nicht, scheint nicht mehr im Sortiment zu sein,  - flugs zurück zum Ausgangspunkt!

Rundumblick (Text)

RUNDUMBLICK

Beziehungen optimieren
sie mit Kohle schmieren
im Horizont untergehen
und bei weitem nicht der Letzte sein


sie setzen den Bohrer an
und summen sich in dich hinein
sie sind beständig an dir dran
und machen dich zu ihrem Schwein


sie selbst lenken sich, wer sonst?
Sie sind die Gestalter der Welt
was die Macht mit dir macht
bis du sie alle enthronst


all die Schwätzer und Sprücheklopfer
die Idiologen und Lügner
der allzu einfachen Wahrheit
doch wie machst Du's ohne Opfer?


Sie geben den Ton an, wollen führen
sie leben ihre Macht aus, unverdrossen
sie sind die Macher dieser Macht
wollen sich zu ihrem eigenen Kaiser küren


sie schmieren und schmieden feine Verse
sie sind ein Teil dieses sich drehenden Karusells
wem schwindlig wird, der schon mal springt ab
vertritt sich dabei seine Achillesverse



Donnerstag, 13. April 2017

Soziale Gerechtigkeit (3)

Es war gestern nur so eine kleine Meldung zwischen Fußball und Terrorismus, zwischen Trump und NATO: dass das Vermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt sei, hieß es da. Die reichsten 10 % der Leute würden mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens besitzen. Die untere Hälfte aber gerade mal 1 %. Von Armut bedroht? Iwo, sagt da die Bundeskanzlerin. Deutschland sei es noch nie so gut gegangen. Und im Übrigen seien das alles nur Zahlen von Der Linken. Es gäbe ohnehin viel zu viele Leute, die das schöne Deutschland schlecht reden wollen, meint ein hoffungsvoll bebrillter CDU-Politiker der zweiten Reihe, der eines Tages Merkel beerben will und deshalb bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Medien auftritt. Vor allem Familien mit Kindern hätten es schwer, so der Bericht weiter. Alles nur Schwarzseher!, - scheint da eine gewisse Meinung dazu aufzublitzen. Vertrauen in die Kraft der Innovation sei da nötig, so meint ein anderer Politiker, dessen Partei bei den letzten Wahlen aus dem Bundestag geflogen war. Jetzt wird aber heftig um ihn geworben, er ist en vogue, was so richtig gut zu ihm passt. Damit erhebt eine sich selbst dazu erklärende Politiker-Elite Anspruch auf die Deutungshoheit über die Fakten, über die Wahrheit. Das Grundgefühl vieler Menschen in Deutschland heute ist eines der Angst und Sorge vor der Zukunft und vor Chancenlosigkeit. In Umfragen sagen 70 Prozent der Deutschen, dass sie die soziale Ungleichheit als zu hoch empfinden. Immer mehr Menschen fühlen sich abgehängt. Es stimmt etwas nicht in der Verteilung, auch wenn das nur eine schnell vergessene Meldung unter anderen ist. Viele der Mächtigen leugnen das Problem mit dem mantramäßig wiederholten Hinweis auf die wirtschaftlichen Erfolge der vergangenen zehn Jahre. Die Arbeitslosenquote ist von über 5 Millionen auf heute 2,7 Millionen halbiert worden. Wir sind stolz, Export-Vizeweltmeister zu sein, und auf die vielen deutschen Weltmarktführer. Deutschland ist viel besser durch die globale Finanzkrise und die europäische Wirtschaftskrise gekommen als die meisten unserer Nachbarn. Jawohl, - aber für viele Menschen könnte es besser sein. Viele ignorieren, dass diese Erfolge nicht allen, sondern nur wenigen Menschen zugute gekommen sind. 

Mittwoch, 12. April 2017

Etatismus (1)

Etatismus, das ist der Glaube an den Staat. Er ist in Deutschland traditionell besonders stark ausgeprägt. Verschiedene Parteien hängen ihm ganz entschieden nach. In der DDR war die SED das Vollzugsorgan des Staates, handelte mit ihrer sich selbst verordneten Diktatur des Proletariats immer im Sinne des des Gesamtwohls, - so zumindest die Selbsteinschätzung, die sehr bald in eine Selbstüberschätzung gemündet ist und in ihrer Selbsterhöhung viele Opfer gefordert hat. Der Staat wird hier in Deutschland für nahezu alles verantwortlich gemacht, er soll gefälligst auch für den ökonomischen Wohlstand sorgen. Er soll so etwas wie eine Leitkultur vermitteln und jedermann soll mit seinen Sorgen zu ihm kommen können. Er ist aber auch der Garant für Rechte, Rechte auf Wohlstand, die nicht vom Wohlwollen Einzelner abhängig sind, die nicht von oben herab nach Gutdünken gewährt werden und auch nicht wie ein Almosen sind. Gerade die Linke scheint dem Staat als einzig demokratisch legitimierter Institution nachzuhängen. Schutz und Trost verspricht sie gerne gegen die Unbill des Wandels, der so unkontrollierbar ausgefranst ist nach allen Seiten. Er hat das Gewaltmonopol und übt es maßvoll in der Demokratie unter den Vorgaben der Gewaltenteilung aus. Der Staat ist halt seinen Bürgern verpflichtet. Aber, apropos öffentlicher Dienst: Im öffentlichen Dienst gibt es die meisten befristeten Verträge, während Beamte einer großzügigen Altersvorsorge entgegen sehen.  

Montag, 10. April 2017

Künstlernähe

Der alte Goethe, der Kafka, der Nietzsche, der Hesse, der Thomas Mann: nein, das sind nicht nur diese Kulturdenkmäler, als die sie Schülern jahrzehntelang eingebläut wurden. Und als die sie für alle anderen allenfalls eine leise Erinnerung sind. Georg Trakl, dessen Gedichte einst auswendig gelernt werden mussten, war ein armes Schwein, ein Süchtiger, ein Ekstatiker des Wortes, den wir als solchen jederzeit neu lesen können, der uns zum Vertrauten werden kann. Hey Schorsch! Salute! Auch der Dali und der Picasso, diese Superdenkmäler des Bildungsbürgertums, waren Opfer ihres eigenen Ruhms, sonnten sich in ihrem Stardasein und nutzten es nach Belieben aus. Verkauften sich an ihre Rolle. Schwache Menschen, große Künstler - vielleicht. Sie waren die Popstars ihrer Generation. Auch nicht schlecht. Sie stellten das Herausragende dar, ließen ihre Einseitigkeiten zelebrieren - bis auf Goethe, der vielleicht eine Universalbegabung war und sich auch in einer bürgerlichen Existenz ausleben wollte. Und, natürlich: Leonardo Da Vinci. Das Großgenie der Renaissance. Außerhalb jeden Zweifels. 
Aber die „Künstler“ der heutigen Zeit? Wer von denen ist überhaupt sichtbar? Wo? Aufgrund welcher Mechanismen? Wer inszeniert sich als Großfürst und klagt jedes Mal wortstark die Legitimation solchen künstlerischen Großfürstentums ein (es hat eine gewisse Lächerlichkeit, wenn ich da an bestimmte Personen denke...)? Wer zieht sich leise zurück in ein „Müssen“ und genießt dennoch in tausend Medienkolportagen die große Aufmerksamkeit? Wer hinterfragt ernsthaft die eigene „Größe“? Wer war Michelangelo? Ein ekstatischer Bohrer. Benn? Ein in Bürgerlichkeit geronnener Former. Und die vielen anderen? Die Zeitgenossen gar...?

Sonntag, 9. April 2017

Milchmarkt

Ein Beispiel für EU-Verhältnisse, Afrika und industrielle Nahrungsmittelproduktion: Eine durchschnittliche Milchkuh produziert mittlerweile dank spezieller Züchtungen mehr als vier mal so viel Milch wie noch vor Jahren. Es wird mit ihnen von den hiesigen Agrarfabriken deutlich mehr Milch produziert, als vor Jahren von der EU festgelegt. Mit der daraufhin einsetzenden Milchschwemme fielen auch die Preise. Riesige Mengen an Milchpulver wurden produziert, um sie teuer in Lagerhäusern einzulagern und sie – so das teure Versprechen – wieder in den Markt zu entlassen, sobald die Preise höher sein würden. Doch einstweilen wird der Export wichtiger. Großmolkereien exportieren ihre Produkte sowieso in zahlreiche Länder auf der ganzen Welt. Also wieso nicht gleich Milchpulver exportieren? Wieso? Lohnt sich das? Der Milchmarkt wurde spätestens mit der Reform 2006 „liberalisiert“, d.h. Einflussnahmen des Staates wurden zugunsten von Marktmechanismen zurück gedrängt („Neoliberalismus“). Seitdem unterliegt der Milchmarkt globalen Einflüssen, der „Marktteilnehmer“ muss versuchen damit zurecht zu kommen.  Nicht nur afrikanische Länder wie Ghana, Kamerun oder Kenia müssen darunter leiden, weil nämlich ihre eigenen landwirtschaftlichen Produkte unter solchen Verhältnissen nicht mehr "wettbewerbsfähig" sind. Aus EU-Milchpulver hergestelltes Yogurth beispielweise kostet nämlich deutlich weniger als einheimisch hergestelltes.

Samstag, 8. April 2017

Fahren im Flow

Ich fahre vor mich hin. Es ist entspannend. Wie außergewöhnlich! Normalerweise bedeutet Straßenverkehr doch Stress! Aber auf den richtigen Strecken (die hierzulande freilich selten geworden sind) kann es auch entspannend auflockernd sein, motorisiert in eine Richtung zu streben. Klar, das schlechte Gewissen! Umwelt und so!.... Aber es kann schon besonders sein, sich treiben zu lassen, die Kilometer in Bewegung in sich hinein zu fressen, sie unter sich hinweg gleiten zu lassen, immer weiter...... Voraussetzung dafür ist aber, auf keinen Termin, am besten auch kein in einer bestimmten Zeit vorgegebenes Ziel hin zu steuern. Sich gehen lassen, nur, im Fluss mit der Zeit, im Fluss mit einem Verkehr, der scheinbar alles Aggressive verloren hat und einen flexibel umspült. In den USA hatte ich dieses Gefühl einst sehr intensiv kennen gelernt. Im Westen. Wenig Verkehr. Fast ohne Aggression. Hinein in gewaltige Landschaften, die sich in der Ferne immer wieder erneuern. Horizonte zogen einen an und entließen einen wieder wie selbstverständlich. Ein realer Fantasy-Film. Heute wohl in Virtual-Reality-Brillen gezwungen. Doch das Gute war: alles real. Sehr real. Man konnte anhalten und die Hitze spüren. Ein paar Schritte gehen. Schlangen begegnen (Igitt? Selbst ich Angsthase wähnte mich in einer Art Gleichklang mit ihnen.... hatte keine Furcht). Nachlesen, sich informieren, in sich aufnehmen. Dann wieder ins Auto, das Silberband entlang. Ich konnte auf diese Weise Hunderte von Meilen fahren, ohne das mich das anstrengte. Es hatte etwas Meditatives. Es erzeugte eine gelassene Stimmung in mir. Ohne jede Müdigkeit. Dass es möglich ist, hat mich tief beeindruckt. 

Freitag, 7. April 2017

Soziale Gerechtigkeit (2)

Barrack Obama, der einstige Präsident der Vereinigten Staaten, meinte: „Wirtschaftliche Ungleichheit bedroht die Demokratie“. Er will damit vielleicht darauf hinweisen: Alle Demokratie könnte – überspitzt ausgedrückt - Inszenierung sein. Könnte. Sie könnte es erlauben, dass sich eine Schicht von Mächtigen und Finanzstarken etabliert, um die politischen Geschicke alleine schon durch ihre lobbygestützte Machtausübung zu bestimmen. Andere Bevölkerungsschichten wären dann von politischen Entscheidungen ausgeschlossen, würden sich einem Diktat von sich selbst dazu erklärten „Eliten“ und durch tausend "Abschlüsse" legitimiert gegenüber sehen. Ob sich etwa im deutschen Parlament anteilig eben so viele Juristen, Beamten und Berufspolitiker finden? Ob dies das Volk, seinen Willen oder seine Trägheit widerspiegelt? Welche Wirkung etwa Parteispenden haben, - in den USA gar? Dort sind sie juristisch unter „Meinungsfreiheit“ geführt. Dass Trump keine Spenden nehmen musste, weil er so ungeheuer reich ist, hat ihm wohl bei den Wahlen geholfen. Also hat die vom Geld herbei geführte Ungleichheit diese Form des Nationalismus und Populismus zumindest begünstigt. Ob es Paralellen zu Deutschland gibt? 
Für das so obertolle, wirtschaftsstarke (wurde schon mal anders ausgerufen...) und obertüchtige Deutschland gilt, dass sich eine tiefe Unsicherheit darüber in die Mittelklasse hinein gefressen hat, den Job zu verlieren, abzurutschen, sich ein „normales“ Leben und eine Teilnahme an Entscheidungen nicht mehr leisten zu können. Die Risken scheinen etwaige Chancen verdrängt zu haben. Dadurch ergeben sich Fragen, die sich darum ranken, wer in dieser Gesellschaft seinen Status einigermaßen absichern kann, wer sich "qualifizieren" kann, wer davon leben kann, wer am gemeinsamen Leben teilnehmen kann. Damit hängt zusammen, welche Arten von Arbeit für welche gesellschaftlichen Gruppen offen sind. Zum Beispiel mag sich in einer Gesellschaft der Eindruck aufdrängen, dass die Absolventen der ENA (Ecole Nationale) in ganz besonderem Maße für oberste Führungsaufgaben qualifiziert seien. Das mag vielleicht stimmen. Doch stellt sich die Frage, ob der Zugang zu dessen Studiengängen auch für Angehörige unterer Gesellschaftsschichten offen stehen und welche Energie, bzw. „Anpassungsleistung“ (gesellschaftliche Bezeichnung: „Emporkömmlinge“) sie zu einem solchen sozialen Aufstieg aufbringen sollten. Die Qualität von Jobs kennzeichnet zudem, ob sie dauerhaft oder befristet sind. Hier erhebt sich auch die Frage, inwiefern die soziale Herkunft solche Qualitätskriterien zu beeinflussen mag.  

Mittwoch, 5. April 2017

Künstliche Intelligenz (6)

Jüngst wurde bekannt, dass der US-Milliardär Elon Musk, der als Unternehmer unter anderem mit der Firma Tesla Elektro-Autos baut und mit der Weltraumfirma SpaceX unterwegs ist, sein neuestes Unternehmen „Neurolink“, an der Vernetzung zwischen Mensch und Maschine („Computer“) arbeiten lässt. Zuvor hatte der Tesla-Chef noch gewarnt, dass künstliche Intelligenz die „vermutlich größte Gefahr für unsere Existenz“ sei. Musk sprach damals von einem "direkten Interface zur Hirnrinde". Es handelt sich bei seiner Firma jetzt also um eine direkte Vernetzung von Gehirn und Technologie (Stichwort: „Cyborg“). Dies könne, so Musk, das menschliche Bewusstsein enorm erweitern. Es könnte damit in die Lage versetzt werden, mit der Künstlichen Intelligenz (einigermaßen) mitzuhalten. Der Mann ist ein „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“: So will er demnächst gut betuchte Menschen zum Mars bringen. Zudem arbeitet er neben anderen Projekten offenbar am Transport-System Hyperloop - eine Art riesige magnetbetriebene Rohrpost, die Menschen und Waren mit mehr als 1000 Kilometern pro Stunde befördern soll.
Es scheint so, als gründe die Forschung nach "künstlicher Intelligenz" auf der Annahme, dass das menschliche Hirn eine Art komplizierter Computer sei. Dies stimmt mit gewissen Zügen des amerikanischen Denkens überein, das davon ausgeht, dass die Welt vollkommen deterministisch (festgelegt, nach fixen Regeln wie ein Apparat ablaufend) sei. Doch "Intelligenz" ist im menschlichen Sinne nicht einmal ein klar definiertes Wort. Zudem erhebt sich die Frage, ob etwas "Bewusstloses" als intelligent bezeichnet werden kann. Zum Bewusstsein gehört die einigermaßen komplex zustande gekommen Erkenntnis einer objektiven Welt. Algorithmen hingegen müssen jedes Objekt dieser Welt "lernen", ein Abbild erstellen. Menschen hingegen haben ein Konzept davon und verweisen nur darauf. Das könnten Probleme sein, die schnelle Erfolge auf diesem Gebiet vorerst noch im Wege stehen. 

Dienstag, 4. April 2017

Jugendwahn

Ob der Jugendwahn immer noch regiert? Oder mehr denn je? Fersehmoderatorengesichter mögen hier Auskunft zeigen. Alte werden ausgemustert, weg geschickt, meist von Leuten, sie selbst schon betagt zerknittert sind. Sie entscheiden das, von dem sie glauben, dass es besonders „jung“ sei. Es ist ihr Bild von der Jugend, nach dem entschieden wird. Alte Säcke (Frauen sind noch immer zu wenige darunter) definieren Bilder, formen Images, haben sich an entscheidender Stelle „durchgesetzt“. Ob so etwas noch unsere Gesellschaft abbildet? Im Zeitalter einer Internettransparenz? Die wohlbetuchten Damen gehen währenddessen shoppen und tragen ihr neu unterspritztes Botox-Gesicht zur Schau. Wie peinlich. Abbild? Inwiefern? Ob gar eine soziale Polarisierung damit eingeleitet werden soll? Die „Durchsetzungsfähigen“ formen die Maßstäbe, Macht macht Stimmung. Die Reichen können sich „Verjüngungen“ samt Gesundheit (es scheint der „Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes an dieser Stelle Hinweise zu geben, indem er vorrechnet, dass „Arme“ im Durchschnitt 10 Jahre vor den „Reichen" sterben. jeder Art leisten). Sie lassen ihre künstlich aufgeblasene Sphäre meist von privaten Sicherheitsdiensten schützen und werfen neidische Blicke auf das Jungfleisch. Vagane Opas tanzen im Techno-look (womöglich auch schon etwas vorbei!!) mit von wohlbestallten Trainern geformten Körpern im Flughafen und machen verzückte Gesichter. Kein Zweifel, sie sind schon seit längerem auf dem Pfad der Erleuchtung und lassen sich das etwas kosten. Die Villa samt ihrer Komfort- und Wellnesszone indessen wartet auf Ihresgleichen. Das „Personal“ gibt sich alle Mühe. Cheuffeure, Köche, Gärtner und anderes "Personal" harrt ihrer Anweisungen. 

Sonntag, 2. April 2017

Soziale Gerechtigkeit (1)

Die Ungleichheit in dieser Gesellschaft hat gigantische Ausmaße angenommen. Hier sind kleine und von mir ohnehin nur als „vorläufig“ akzeptierte Prozentzahlen: 1 oder 2% der Bevölkerung besitzen etwa 50 % des Gesamteinkommens. Diese Ungleichheit selbst ist vergleichsweise unproblematisch. Die Folgen davon können aber verheerend sein. Das hat z.b. große praktische Folgen: Je weiter die Schere aufgeht, desto mehr Energie braucht es, von unten nach oben zu kommen. Zudem könnte das Postulat gefährdet sein, dass in einer Demokratie jeder gleiche Rechte hat. Ob sich die Besitzenden an dieser Stelle nicht doch ein paar Rechte mehr herausnehmen und mit ihrem Geld Einfluss auf die Politik nehmen? (Ein kleiner Blick auf die Internetseite www.abgeordnetenwatch.de verschafft dazu zumindest im Falle von Deutschland einige Aufschlüsse....). Gerade die SPD scheint hier besonders empfänglich für das Arbeitsplatzargument zu sein, was wohl nicht nur im Falle von VW verheerende Folgen gezeitigt hat. Ein weiteres Beispiel dafür scheint der Braunkohleabbau und seiner wirtschaftlichen Vertreter und Profiteure zu sein, der von der SPD nach wie vor unter Missachtung sämtlicher ökologischer Argumente mit dem Hinweis auf Arbeitsplätze protegiert wird. Ob dahinter die reine Lehre, kurzfristige Gewerkschaftsinteressen oder Konzerninteressen stehen? Ein Schelm, wer sich etwas dabei denkt....) Ob das dem Gefühl einer gesellschaftlichen Partizipation, also einer Miteinflussnahme und Selbstbestimmung in der Demokratie nützt? Oder ob dies auf lange Frist eher dem Gesamtsystem schadet und dem weiteren Fortkommen „populistischer“ Bewegungen nützt? Was für dieses Blog sehr wichtig ist: die finanzielle Ausstattung scheint sehr umfassende Implikationen mit sich zu bringen. CEOs und andere finanzielle gut unterfütterte Entscheidungsträger haben möglicherweise ein ganz anderes Bewusstsein der Wahrnehmung von Welt als etwa eine Putzfrau, die durch ihre einfach handwerkliche Arbeit „ihr“ Einkommen erzielt. Sie scheinen in einer anderen Welt zu leben und damit auch völlig verschiedenen Zwängen, Denkweisen, Deutungen und Werten zu unterliegen. 

Samstag, 1. April 2017

Globalisierung und Digitalisierung

Die Alterung und Digitalisierung der Gesellschaft erfordert wohl völlig neue Konzepte, zu deren Entwicklung die Politik freilich recht wenig beizutragen hat. Wir haben zunehmend eine Spaltung der Gesellschaft und ein Gerechtigkeitsproblem. Viele Menschen haben das Gefühl, dass die Erträge aus der Globalisierung nicht gerecht verteilt werden. Diejenigen, die mithalten können (weil sie über entsprechende Qualifikationen verfügen), profitieren überdurchschnittlich, jene, die da nicht mitgehen können, die bleiben stehen. Die Polarisierung nimmt zu, statt, - wie ursprünglich versprochen - abzunehmen. Die Globalisierung versprach nämlich anfangs, die gesellschaftlichen Unterschiede auszugleichen. Stattdessen sind größere Unterschiede entstanden. Vieles scheint ungerecht zuzugehen. Dies wurde im Zuge der Finanzmarktkrise deutlich, zeigt sich aber auch an der gegenwärtigen Diskussion über Managergehälter. Die Ungleichheit hat zugenommen, - und zwar trotz der annähernden Vollbeschäftigung und den dauernd beschworenen guten Verhältnissen in Deutschland. Die SPD will darauf reagieren, indem sie verspricht, die Uhr zurück zu drehen und gewisse Teile der von Schröder eingeführten „Agenda 2010“ wieder zugunsten früherer Verhältnisse zu reformieren (und dies auf die Gefahr hin, dass sich Deutschlands Wirtschaftssituation dadurch nachhaltig ändern könnte). So soll ja das Arbeitslosengeld nach neuesten SPD-Vorstellungen wieder um das Doppelte verlängert werden. Doch durch die bevorstehende Digitalisierung wird uns wohl (in Zeiträumen, über die durchaus Uneinigkeit besteht) eine weitere Polarisierungswelle erreichen, die die Unterschiede ein weiteres Mal zu verschärfen droht. Roboter werden in einem hohen Maße Tätigkeiten übernehmen, die bisher Menschen gegen Lohn übernommen hatten. Große Teile der „Beschäftigten“ könnten dadurch „freigesetzt“ werden.
Effizienzfragen standen bei der bisher gültigen und besonders in den 60er und 70er Jahren praktizierten Form der „sozialen Marktwirtschaft“ im Vordergrund. Doch in der nun unmittelbar bevorstehenden Phase könnte die Verteilungsproblematik als „soziale Gerechtigkeit“ mehr im Vordergrund stehen. Ob nur wenige Menschen von der „Digitalisierung“ profitieren sollten? Ob es eine Form des „Grundeinkommens“ geben wird? Ob sich die Versprechen auf Leistung gesellschaftlich immer weiter entkoppeln und Manager noch mehr verdienen sollen? Jetzt schon wurden Fakten bekannt: 3100 Euro Rente am Tag und weitere „Benefits“, 14 Millionen Euro pro Jahr Grundeinkommen für weitgehend fehlende Leistung. Ob daraus ein Gefühl der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit entstehen kann? Ob die kommende gesellschaftliche Entwicklung solche Tendenzen noch weiter voran treiben kann? Ob das Prinzip der Effizienz noch weiter zuungunsten der Verteilungsproblematik voran schreitet? Globalisierung, Digitalisierung und demographische Alterung könnten viele Einzelschicksale in ein bodenloses Loch stürzen, aus dem manche nur noch durch totalitäre Konzepte heraus zu kommen glauben. Zäune und Mauern ziehen, ein Bewusstsein von „Wir“ und „die Anderen“ könnten da nur ein Ausdruck unter anderen sein, die sich jetzt schon in den meisten westlich geprägten „Industriegesellschaften“ (die sich zunehmend zu Digitalgesellschaften wandeln) zeigen.