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| Blatt im Jetzt |
Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
Sonntag, 26. November 2017
Samstag, 25. November 2017
Arbeit im digitalen Zeitalter
Ich lese, dass der Kardinal Marx sich vehement gegen
das bedingungslose Grundeinkommen wehre. Und zwar mit dem Argument,
dass die Arbeit zu der „Grundkonstitution des Menschen“ gehöre,
der mit einem bedingungslosen Grundeinkommen keineswegs der
Unterhaltungsindustrie ausgeliefert werden solle. Wahlweise ist an
dieser Stelle bei anderen Diskussionsteilnehmern von der „Würde
des Menschen“ die Rede. Aber gerade diese „Arbeit“ ist ja
gerade das Problem. Wir fragen uns, in welcher Gesellschaft solche
Leute wie der Kardinal leben. In der Realität ist es wohl doch so,
das jemand, der 8 Stunden am Fließband arbeitet oder frühmorgens um
4 Uhr Zeitungen austrägt, dies tut, weil er Geld braucht und
überleben will, aber keineswegs, weil er sich dadurch als Mensch
selbst verwirklichen will oder sich dem Ideal des arbeitenden
Menschen annähern will. Die Wirtschaft scheint das gut verstanden zu
haben, indem sie die meisten Menschen mit möglichst billigen Löhnen
erpresst (weil Löhne ja „Kostenfaktoren sind). Alles, außer
Arbeit, stelle den Menschen nur ruhig, so das Credo mancher Gegner
des Grundeinkommens. Selbstverständlich ginge es auch darum, das
Bildungssystem so zu gestalten, dass es nicht nur willenlose Sklaven
für den Arbeitsmarkt produziert, sondern dass es sich wieder mehr
dem Ideal des selbstbestimmten Menschen annähert und die Menschen
dazu führt. Das würde heißen, dass der Mensch lernen könnte, dass
es außer der Arbeit durchaus noch mehr sinnvolle Beschäftigung
geben könnte, etwa im Bereich der Familie, die ja von der politisch
rechten Seite ja immer als bestimmende Größe gedeutet wird. Ziehen
wir den Begriff dessen, was Familie“ bedeuten kann, etwas weiter,
dann würde hierbei sogar eine Übereinstimmung herrschen. Darüber
hinaus gäbe es aber auch genügend Betätigungen im Bereich des
Musischen, des Politischen, des Kreativen und der Bildung, die den Menschen durchaus
mehr zu demselben machen könnten, als entfremdete Arbeit. Es könnte
zudem sein, dass in digitaler Zukunft der Begriff „Arbeit“
ohnehin ganz anders gefasst werden müsste, in dem nämlich der
Kuchen dessen, was heute möglichst billig als Arbeit gekauft und
verkauft werden soll, deutlich kleiner geworden ist. Sie wird nämlich
genau das nicht mehr sein, was dem Menschen Selbstvergewisserung und
Identität verschafft. Auch die spirituelle Betätigung in einem
weiteren und der Kirche nicht immer genehmen Sinne, könnte durch
eine solche Existenz besser ermöglicht werden.
Freitag, 24. November 2017
Donnerstag, 23. November 2017
Doppelter Boden
Was mich anödet: Die Medien, ansonsten geil auf jede
Schlagzeile, berichten nicht (oder kaum) über die Doppelbödigkeit
der Politik. Leute die tausende von Euros (auf eigenen Beschluss hin)
überwiesen bekommen, beschließen jetzt, dass Hartz4 um 7 Euro erhöht
wird. Spricht für sich. Die aktuell neu eingezogenen
Bundestagsabgeordneten wollen ihr stolzes Salär keineswegs durch
Neuwahlen gleich wieder aufgeben. Also wird frisch gegen Neuwahlen
polemisiert. Mit abstrakten und staatstragenden Argumenten. Bei
Seehofer kam einst immerhin heraus, dass er, der so gerne das
Idealbild der traditionellen Familie propagiert, seiner Freundin im
fernen Berlin ein Kind gemacht hatte. Das wurde irgendwie herunter
gespielt und wie bei unzähligen Politikern zuvor mit staatstragenden
Kommentaren bedacht: „Solange er seinen Job als Politiker macht,
hat seine Privatsphäre niemanden zu interessieren“. Im Ausland
haben sich hochmögende Politiker als schlimme Finger in dieser
Hinsicht hervor getan. Hm. Zurück getreten und wieder gekommen.
Hauptsache, gekommen. Verkörperte Doppelmoral, die gerne mit aufgeblasenen Worten schöngeredet wird.
Die Trennung von Privatem und Öffentlichem: okay. Ob es nicht aber Fälle gibt, in denen das obsolet geworden ist und die eine Sphäre durchaus mit der anderen zu tun hatte? Dass sich ganze Politikergruppen ins Puff fahren lassen, dass masochistisch orientierte Domina-Studios von gewissen Politikern wohlbesucht sind, dass Lover und die von ihnen ausgehenden Impulse das Alltagsgeschäft von gewissen Politikern durchaus geprägt haben mögen.... nun ja, das scheint alles hingenommen zu werden unter dem offiziellen Siegel der Trennung von Privat- und Öffentlichkeitsspäre. Ob es da manchmal Überschneidungen gibt, die durchaus kolportiert werden könnten? Und die Medien spielen da in Deutschland gerne mit. Verschwiegenheit um jeden Preis. S' ist so Tradition. Ob dies einem zu denken gibt? Dies alles könnte einem immerhin gerade in der derzeit obwaltenden Lage wieder bewusst werden.
Die Trennung von Privatem und Öffentlichem: okay. Ob es nicht aber Fälle gibt, in denen das obsolet geworden ist und die eine Sphäre durchaus mit der anderen zu tun hatte? Dass sich ganze Politikergruppen ins Puff fahren lassen, dass masochistisch orientierte Domina-Studios von gewissen Politikern wohlbesucht sind, dass Lover und die von ihnen ausgehenden Impulse das Alltagsgeschäft von gewissen Politikern durchaus geprägt haben mögen.... nun ja, das scheint alles hingenommen zu werden unter dem offiziellen Siegel der Trennung von Privat- und Öffentlichkeitsspäre. Ob es da manchmal Überschneidungen gibt, die durchaus kolportiert werden könnten? Und die Medien spielen da in Deutschland gerne mit. Verschwiegenheit um jeden Preis. S' ist so Tradition. Ob dies einem zu denken gibt? Dies alles könnte einem immerhin gerade in der derzeit obwaltenden Lage wieder bewusst werden.
Mittwoch, 22. November 2017
Vermögensbildung
Es wird doch tatsächlich
oft diskutiert, ob es gerecht und ein anstrebenswerter Zustand sei,
wenn alle dasselbe verdienen? Natürlich nicht, so mag man da oft
einwenden. Kommunismus soll ruhig das abschreckende Unwort bleiben.
Gewisse Unterschiede liegen in der Natur der Sache. Oft führt die
Diskussion dann auf die Frage zu, wie unter den Bedingungen der
Globalisierung eine halbwegs sinnvolle Arbeitsmarktpolitik gemacht
werden kann. Es geht dann oft um die Rolle der Gewerkschaften, die Frage
nach dem betrieblichen Kündigungsschutz, die Frage danach, in welche
Sektoren und zu welchem „Zwecke“ Investitionen oder Steuergelder
allgemein ( als „Entschädigung“ für den Atomausstieg z.b. viele
Milliarden an die Energiegroßkonzerne...) fließen. Es gab zudem den
Vorschlag, Managergehälter ab einer bestimmten Höhe nicht mehr
steuerlich absetzbar zu machen und sie in der Höhe ohnehin zu
begrenzen. Die Frage ist am Ende, ob es den politischen Willen gibt,
solche Dinge anzugehen... so scheinen derzeit nach dem „Jamaika“-Fieber
solche Fragen ohnehin wieder in den Hintergrund gerückt zu sein, der
Kandidat Martin Schulz scheint mit der Gerechtigkeitsfrage ohnehin
Schiffbruch erlitten zu haben. Dabei gibt es auch Möglichkeiten, die
keineswegs systemverändernd wirken müssen. Bei der Vermögensbildung
gäbe es jedenfalls die Möglichkeit der international abgestimmten
Steuerung und Regulierung. Vermögen? Nun ja, eine gewisse ungleiche
Verteilung mag da durchgehen. Sie folgt der Logik des
kapitalistischen Systems. Doch in Wirklichkeit sind die Verhältnisse extrem.
2% der Bevölkerung besitzen so viel wie 98% der Bevölkerung
zusammen. Ob so etwas noch in der Logik des Systems liegt? Wenn in
diesem Zusammenhang gestritten wird, dann höchstens über die Höhe
dieser Zahlen, die natürlich angezweifelt werden. Es scheint
insgesamt aber vielmehr auf die Größenordnungen anzukommen. Ob
dabei etwas geändert werden müsste?
Dienstag, 21. November 2017
Umstrukturierungen
Ich wundere mich über ein Blatt, dessen Artikel mir
früher einigermaßen empathisch und zumindest sozial mitfühlend
vorgekommen waren. Jetzt lese ich dort einen Artikel, der die von mir
in den letzten Jahren wahrgenommene Richtungsänderung aufs
Schlimmste zu bestätigen scheint. Gerade hymnisch wird dort ein
Firmensanierer als „Retter“ gepriesen, dessen Leistung es zu
verdanken sei, dass das in betreff stehende Unternehmen überhaupt
noch existiere. Dass er die Belegschaft dabei um die Hälfte
reduziert hat, ist nur einer Nebenbemerkung zu entnehmen. Man scheint
sich also an dieser Stelle ganz der Logik der neoliberalen
Marktwirtschaft ergeben zu haben, die den Menschen ausschließlich
als Kostenfaktor sieht, der das Fortkommen eines Unternehmens
mindestens verlangsamt, wenn nicht gar unmöglich macht. Ob
wenigstens ein oder mehrere relativierende Sätze da angebracht
gewesen wären? Ob man hätte wenigstens andeuten können, dass hier
eventuell Schicksale von Einzelnen dahinter stehen könnten?
Menschen? Durch „schwierige Zeiten“ habe der Rettungsbringer die
Firma auf diese Weise hindurch bringen können, so feiert der Artikel
weiter. Es sei durch Krisenjahre und Umstrukturierungen hindurch in
Richtung auf neue Profitabilität gegangen, dank der unerbittlich führenden
Heilsfigur.
Montag, 20. November 2017
Bild der Wirklichkeit
Ich habe den „Presseclub“ gesehen. Wieder einmal
habe ich den Eindruck, dass da immer dieselben Figuren auftauchen und
sich in der Sonne ihrer Wichtigkeit sonnen, indem sie geschwätzige
Kommentare abgeben und durcheinander reden. Es wird genau so weiter
gehen, so ist zu vermuten, in neuer alter Zusammensetzung. Die Montagsshow
diskutiert anlässlich der „Paradise Papers“ über die Steuerung
von Steuerverhältnissen, wobei – zu recht oder zu unrecht – mal
wieder die Firma Apple als Hauptverdächtiger und Oberschurke ausgemacht wird. Immer
„die anderen“, natürlich. Beiläufig verrät dann der Moderator,
dass er sein neues Apple Iphone noch nicht ausgepackt hat. Es wird sodann über Verkehr und Abgasvermeidung diskutiert. Es ist nun zu erfahren,
dass derselbe Gesprächsleiter ein SUV fährt...... Wer genauer
hinschaut, wird ohnehin feststellen dass so manche als „oberwichtig“
eingestufte Person auch in einem gewissen Verdacht steht..... aber es
gilt in einem Rechtsstaat ja die Unschuldsvermutung.... Es folgt die
Dienstagstalkshow, dann die Mitwochsshow, am Donnerstag...usw. Das
Wochenende ist natürlich frei. Bis auf den „Presseclub“ und
„Anne Will“. Die Besserverdienenden, Tonangeber und Wichtigs scheinen dabei
ein Bild von der Wirklichkeit nach ihrem Geschmack zu formen, wobei
„die Presse“ von ein paar oberwichtigen Gesichtern repräsentiert
wird, die selbst sehr offensichtlich nicht damit zurecht kommen, wenn
„Ungeübte“ nach ihrem Geschmack nicht schnell genug auf den
Punkt kommen. Ob wir nicht auch einmal neugierig darauf wären, was
ein paar bisher noch nicht dauernd gesehene Gesichter dazu zu sagen
hätten? Ob weniger betuchten „Betroffenen“ auch jenseits
gewisser Alibifunktionen hier auch einmal Platz eingeräumt werden
müsste? Ob das immer oberunterhaltsam sein und in einem gewissen,
dafür eingeräumten Zeitraum, geschehen muss? Die Quote, ja die
Quote! Ob dies ganze Theater zu einem gewissen Unmut darüber
beiträgt, was sogenannte „Eliten“ aufführen und inwiefern sie
glauben, für andere sprechen zu sollen? Ob sich ein Gefühl der
Inszenierung einstellt, das bei unseren Fernsehspielen, die sowieso
immer dieselben Schauspieler in den Vordergrund stellen, schon längst
gang und gäbe ist? Es sind ja nur Fragen, die sich einem
stellen......
Sonntag, 19. November 2017
Samstag, 18. November 2017
Individuum, Gesellschaft & Bewusstsein
Wir blicken um uns und sind aus dem Moment heraus
erstaunt. Später versuchen wir, uns das Schauspiel um uns herum zu
erklären. Jetzt habe ich etwas dazu aufgeschnappt, das mich stark
angeregt hat, - denn: In der Zivilisation haben wir es allzuoft mit
standardisierten Menschen und weniger mit einer Vielfalt zu tun. Es
ist nicht korrekt, es ist nicht schön: die Stanze herrscht, die
Gleichmachung in den Köpfen. Sozialisation. Dressur. Training. Das
sich klar zu machen, mag manchmal schwierig sein, besonders weil wir
uns selbst natürlich für ganz etwas ganz Besonderes halten. Aber der Einzelne
läuft dauernd Gefahr, sich in einer Funktion oder in einem Status
aufzulösen. So kommt die „Persona“, wie es der Psychologe CG
Jung vor gefühlt 100 Jahren schon formulierte, oft ins Gehege mit
der Entwicklung eines eigenständigen Selbst. Dafür mag auch der
bekannte Satz eines Dichters aus vergangenen Jahrhunderten stehen:
„Wir werden als Originale geboren und sterben als Kopien“.
Heute jedoch scheint es so: Die Persönlichkeitsentwicklung bei gewissen Naturvölkern gründet sich vor allem auf empathische Zuwendung (Ob wir von ihnen etwas lernen sollten?). Für sie hat diese Persönlichkeitsentwicklung mit Beziehung zu tun, mit dem Versuch, mit anderen oder der Natur in einen Austausch zu treten. In einen nicht competitiven Austausch, also nicht in einen Wettstreit um das größere „Wachstum“! Es könnte gelten: „Gehe völlig nach außen, aber kenne dich selbst und nimm die Folgen deiner Handlungen auf dich“. Das trifft auf die Verbundenheit des Einzelnen und der Gesellschaft zu und führt zu der damit verbundenen Verantwortung für das eigene Sein. Mit einer Geisteshaltung, die sehr selbständig und ungebunden sein kann, bleiben wir also gebunden: empathisch gebunden.
Unsere Zivilisation aber produziert Persönlichkeiten, die sich auf stereotypische Weise gegen empathisches Erleben wehren und dadurch grundsätzlich voneinander isoliert sind. Hier ergeben sich viele Paralellen zu dem modisch gewordenen Begriff "Neoliberalismus", dessen Auswirkungen unsere Wirklichkeit auf vielerlei Art prägen. Da die Rollenspiele in unserer Gesellschaft auch dem öffentlichen Verhalten gelten, produzieren sie ein scheinbar der Gemeinschaft gewidmetes Leben. Aber in Wirklichkeit wird unter dem Deckmantel des gemeinschaftlich Gesinnten der Gesellschaft Gewalt angetan. Das sich öffentlich Geben und Aufspielen ist eine Verdinglichung.
Unser Bewusstsein nimmt dies als eine universale Art des Seins an und die Identifizierung des Ich mit Äußerlichkeiten führt zu einem Verhalten, das dem Besitz von Dingen dem gleichsetzt, wer man ist. Es entfernt den Menschen von der Realität. Es führt unter anderem zu zerstörerischen und gewalttätigen Kriegen. Es führt auch zu einer grundsätzlichen Unverantwortlichkeit dem Menschen gegenüber.
Heute jedoch scheint es so: Die Persönlichkeitsentwicklung bei gewissen Naturvölkern gründet sich vor allem auf empathische Zuwendung (Ob wir von ihnen etwas lernen sollten?). Für sie hat diese Persönlichkeitsentwicklung mit Beziehung zu tun, mit dem Versuch, mit anderen oder der Natur in einen Austausch zu treten. In einen nicht competitiven Austausch, also nicht in einen Wettstreit um das größere „Wachstum“! Es könnte gelten: „Gehe völlig nach außen, aber kenne dich selbst und nimm die Folgen deiner Handlungen auf dich“. Das trifft auf die Verbundenheit des Einzelnen und der Gesellschaft zu und führt zu der damit verbundenen Verantwortung für das eigene Sein. Mit einer Geisteshaltung, die sehr selbständig und ungebunden sein kann, bleiben wir also gebunden: empathisch gebunden.
Unsere Zivilisation aber produziert Persönlichkeiten, die sich auf stereotypische Weise gegen empathisches Erleben wehren und dadurch grundsätzlich voneinander isoliert sind. Hier ergeben sich viele Paralellen zu dem modisch gewordenen Begriff "Neoliberalismus", dessen Auswirkungen unsere Wirklichkeit auf vielerlei Art prägen. Da die Rollenspiele in unserer Gesellschaft auch dem öffentlichen Verhalten gelten, produzieren sie ein scheinbar der Gemeinschaft gewidmetes Leben. Aber in Wirklichkeit wird unter dem Deckmantel des gemeinschaftlich Gesinnten der Gesellschaft Gewalt angetan. Das sich öffentlich Geben und Aufspielen ist eine Verdinglichung.
Unser Bewusstsein nimmt dies als eine universale Art des Seins an und die Identifizierung des Ich mit Äußerlichkeiten führt zu einem Verhalten, das dem Besitz von Dingen dem gleichsetzt, wer man ist. Es entfernt den Menschen von der Realität. Es führt unter anderem zu zerstörerischen und gewalttätigen Kriegen. Es führt auch zu einer grundsätzlichen Unverantwortlichkeit dem Menschen gegenüber.
Freitag, 17. November 2017
Wer und Wo?
Ich frage mich, was für ein soziales Klima das
schafft, wenn nicht erst nach den „Paradise Papers“
offensichtlich ist, dass sich allüberall Reiche mit tausend Tricks und Anwälten
dumm und dämlich verdienen, indem sie ihren Steuersatz in Richtung 0
% drücken, während der Normalbürger brav seine Steuern zu zahlen
hat. Wie redet man sich das etwa in den USA schön? Und hier? Wenn die unteren Lohngruppen vom sogenannten konjunkturellen
Aufschwung praktisch gar nicht profitieren, während die oberen
überdurchschnittlich abkassieren. Wenn Manager Jahresgehälter im
Millionenbereich beziehen, selbst wenn sie offensichtlichen
Misserfolg bis hin zur Insolvenz haben, während ihre Facharbeiter
mit einem Bruchteil eines solchen Lohns über die Runden kommen
sollen. Noch
nie war der Billiglohnsektor so groß wie heute, noch nie waren so
viele Menschen am Existenzminimum, noch nie drohte derart intensiv
die Altersarmut großer Schichten. Was für ein Klima schafft dies?
Mir scheint, dass da etliche Dinge schief laufen, ob sich nun eine „Jamaika“-Koalition einigt oder nicht. Es scheint mir auch eine Spielart der „Fake News“ zu sein, wenn wir hinaus schauen und überall nur großartige und erfolgreiche Verhältnisse sehen sollen. Ja, gewiss, das Wachstum, die Jobs, die marktkonforme Demokratie, die Industrie, die großen Limousinen und all die wirtschaftlichen Erfolge: Die Schattenseiten freilich werden allzu offensichtlich abgeblendet. Ich verstehe noch nicht die Logik, nach der es die gesellschaftliche Polarisierung auf allen Gebieten geben muss. Ist das eine Art Selbstentfaltung? Soll hier die Gier als eine Art Urtrieb des Menschen und seiner Gesellschaft gedeutet werden? Ist das im Sinne eines Neoliberalismus, wie ihn etwa Hayek und Friedman gepredigt haben? Soll es dadurch in Richtung eines Fortschritts gehen? Fortschritt für wen? Wollen wir uns es leisten, dass nur bestimmte Menschen etwas von diesem Fortschritt haben sollen? Wollen wir es uns leisten, das bestimmte Menschen weitgehend ausgegrenzt sein sollen von Chancen und Teilhabe? Dass eine übergroße Spreizung der Besitzverhältnisse fatale Folgen haben kann, wurde ja inzwischen "wissenschaftlich" untersucht. Soll von dem allem ein Anreiz ausgehen? Welche Auswirkungen könnte so etwas auf das Ganze einer Demokratie haben? Wollen wir solche Probleme auch verschleppen und schönreden, wie etwa das einer Steuergerechtigkeit in breiten Kreisen, - auch der EU? Wo stehen wir? Wer sind wir? Wollen wir zusammen etwas unternehmen? Soll das eine Gesellschaft sein oder werden oder gewesen sein?
Mir scheint, dass da etliche Dinge schief laufen, ob sich nun eine „Jamaika“-Koalition einigt oder nicht. Es scheint mir auch eine Spielart der „Fake News“ zu sein, wenn wir hinaus schauen und überall nur großartige und erfolgreiche Verhältnisse sehen sollen. Ja, gewiss, das Wachstum, die Jobs, die marktkonforme Demokratie, die Industrie, die großen Limousinen und all die wirtschaftlichen Erfolge: Die Schattenseiten freilich werden allzu offensichtlich abgeblendet. Ich verstehe noch nicht die Logik, nach der es die gesellschaftliche Polarisierung auf allen Gebieten geben muss. Ist das eine Art Selbstentfaltung? Soll hier die Gier als eine Art Urtrieb des Menschen und seiner Gesellschaft gedeutet werden? Ist das im Sinne eines Neoliberalismus, wie ihn etwa Hayek und Friedman gepredigt haben? Soll es dadurch in Richtung eines Fortschritts gehen? Fortschritt für wen? Wollen wir uns es leisten, dass nur bestimmte Menschen etwas von diesem Fortschritt haben sollen? Wollen wir es uns leisten, das bestimmte Menschen weitgehend ausgegrenzt sein sollen von Chancen und Teilhabe? Dass eine übergroße Spreizung der Besitzverhältnisse fatale Folgen haben kann, wurde ja inzwischen "wissenschaftlich" untersucht. Soll von dem allem ein Anreiz ausgehen? Welche Auswirkungen könnte so etwas auf das Ganze einer Demokratie haben? Wollen wir solche Probleme auch verschleppen und schönreden, wie etwa das einer Steuergerechtigkeit in breiten Kreisen, - auch der EU? Wo stehen wir? Wer sind wir? Wollen wir zusammen etwas unternehmen? Soll das eine Gesellschaft sein oder werden oder gewesen sein?
Donnerstag, 16. November 2017
Tod und Technik
Die
Ägypter bauten Pyramiden.... Muslime gehen der Glückseligkeit
entgegen, Christen treten zum Jüngsten Gericht in ihrem schönsten
Körper an, Buddhisten werden ein anderes Wesen.... es könnte aber
auch Nichts sein. Oder Google. Wissenschaftler, die für ein Unternehmen der Firma
arbeiten, sollen der Unsterblichkeit auf der Spur sein. Das heißt,
dass sie ein Medikament finden wollen, das den Tod ausschließt.
Skeptische Stimmen würden sofort fragen: Für wen? Für diejenigen,
die die Kohle dafür haben? Sie werden sich auch, wenn's nach Google
geht, zu Cyborgs machen, das heißt, sie werden sich und ihren Körper
mit digitalen Maschinen verbinden. Wer und was sind sie dann? Es
stellen sich neue Fragen..... Unsere wichtigste Gemeinsamkeit könnte
nicht mehr sein, dass wir alle sterben müssen. Gehirn auf Festplatte
umladen und dann.....Wiederauferstehung im Computer, mit dem
Computer, durch den Computer? Oder dem Körper etwas Unsterbliches
geben, ihn immun gegen den Verfall machen? Anti-Aging versucht das
mit harmlosen Mitteln ja jetzt schon. Diese Kältetanks, die aus den
USA bekannt sind und in denen Menschen sich haben einfrieren lassen,
um zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzuerstehen, sind auch schon
Realität. Organe und Gewebe konservieren....es geht nur noch um die
Methode. Sich runderneuern in gewissen Zeitabständen: das wäre eine Vision von Silicon Valley. Das Ärgernis des Alterns aus der Welt schaffen, nicht Krebs
oder AIDS und andere drohende Krankheiten. Epikur sagte über den
Tod: „Solange wir da sind, ist er nicht da, und wenn er da ist,
sind wir nicht mehr“.
Mittwoch, 15. November 2017
Leben im Weltraum
Asteroiden können globale Killer sein. Erst neulich
flog wieder einer relativ dicht an unserer Erde vorbei. Jetzt war in ganz Süddeutschland High-Time: Was war denn das? Ein Objekt schien gesichtet worden zu sein, das ein Asteroid hätte sein können. Ein Einschlagsgebiet wurde freilich noch nicht gefunden. Entwarnung wurde ohnehin schnell gegeben: ein "Wetterphänomen", so hieß es offiziell. In der Atmosphäre verglüht. "Harmlose Sternschnuppe".
Noch knobeln Wissenschaftler daran, wie sie solche Asteroiden aufhalten könnten. Das A und O scheint dabei zu sein, das man deren planetarischen Bahnen rechtzeitig erkennt, so dass selbst kleinste Korrekturmaßnahmen ihre Wirkung zeigen könnten. Zu diesem Zweck tonnenschwere Raumsonden zum Einsatz kommen. Kommt ein Asteroid näher, soll gezielt beschossen werden. In den nächsten paar hundert Jahren soll jedenfalls noch nichts auf uns zukommen, erklären Wissenschaftler. Aber was ist, wenn doch einer mal durchkommt? „Kleinere“ Objekte von etwa 20 Meter Durchmesser sind etwa alle hundert Jahre zu erwarten. Solch ein Einschlag könnte ausreichen, um ganze Städte zu vernichten. Die Wissenschaftler beobachten zwar mit Teleskopen den Himmel, doch die dunklen Objekte sind von der Erde aus schwierig auszumachen. Die Wissenschaftler entdecken trotzdem etwa 4 neue Asteroiden pro Tag. Es sind im Moment etwa 12000 Objekte identifiziert, die der Erde gefährlich werden können. Vor etwa 70 Millionen Jahren kam ein großer Asteroid durch die Atmosphäre, schlug auf der Erde auf und vernichtete die Saurier. Das heißt, er vernichtete fast alles, was mit Leben im weiteren Sinne zusammen hing. Aus den paar kleinen Säugetieren, die übrig blieben, sind wir hervor gegangen.
Noch knobeln Wissenschaftler daran, wie sie solche Asteroiden aufhalten könnten. Das A und O scheint dabei zu sein, das man deren planetarischen Bahnen rechtzeitig erkennt, so dass selbst kleinste Korrekturmaßnahmen ihre Wirkung zeigen könnten. Zu diesem Zweck tonnenschwere Raumsonden zum Einsatz kommen. Kommt ein Asteroid näher, soll gezielt beschossen werden. In den nächsten paar hundert Jahren soll jedenfalls noch nichts auf uns zukommen, erklären Wissenschaftler. Aber was ist, wenn doch einer mal durchkommt? „Kleinere“ Objekte von etwa 20 Meter Durchmesser sind etwa alle hundert Jahre zu erwarten. Solch ein Einschlag könnte ausreichen, um ganze Städte zu vernichten. Die Wissenschaftler beobachten zwar mit Teleskopen den Himmel, doch die dunklen Objekte sind von der Erde aus schwierig auszumachen. Die Wissenschaftler entdecken trotzdem etwa 4 neue Asteroiden pro Tag. Es sind im Moment etwa 12000 Objekte identifiziert, die der Erde gefährlich werden können. Vor etwa 70 Millionen Jahren kam ein großer Asteroid durch die Atmosphäre, schlug auf der Erde auf und vernichtete die Saurier. Das heißt, er vernichtete fast alles, was mit Leben im weiteren Sinne zusammen hing. Aus den paar kleinen Säugetieren, die übrig blieben, sind wir hervor gegangen.
Dienstag, 14. November 2017
Geld, Vermögen
Das weltweite Geldvermögen beträgt jetzt 169
Billionen Euro. Es ist damit um 7,1 Prozent innerhalb eines Jahres
geklettert. Zudem ist die Zahl der Dollar-Millionäre gestiegen: 16,5
Millionen Menschen gab es weltweit, die mehr als 1 Million hatten,
7,5 Prozent mehr als 2015. Das besagen neueste Zahlen des „Global
Wealth Report“. Weitere Zahlen sagen aus, dass etwa zehn Prozent
der Haushalte etwa 60 Prozent des Gesamtvermögens besitzen. Dass
dabei auf Schätzungen zurück gegriffen werden muss, ist der
Tatsache geschuldet, dass Reiche meist sehr zugeknöpft sind, was
ihre Vermögensverhältnisse angeht. Manche sind dabei überhaupt nicht einzuschätzen und tauchen in den bekannten Rankings gar nicht auf. Aktien sind jedenfalls für die Deutschen
offenbar keine Alternative. Nicht einmal jeder Zweite hält es laut
einer Forsa-Umfrage für sinnvoll, wenigstens einen Teil des Ersparten
an der Börse anzulegen. Gerne wird eine solche Betrachtung von
Zahlen als „Sozialneid“ abgetan, - natürlich in einem bestimmten
Interesse.
Montag, 13. November 2017
Steuerparadiese, Wutbürger
Ein beliebtes Spiel der
Rechtfertigung von gewissen Steuermissständen ist es, das Gebaren
von Reichen und Armen gegenseitig aufzurechnen. Es gäbe ja so viele
Arme, die den Staat auch gerne mal betrügen würden, etwa bei der
Anmeldung von Reinigungskräften, die als Geschäftsessen deklarierte
Geburtstagsparty oder falsche Angaben bei der Pendlerpauschale. Das
soll also genauso oder sogar (wegen der Gesamtsumme) noch
verwerflicher sein, als das Gebaren von Steuersündern, die
Steuervermeidungsstrategien mittels geschickter Anwälte und findiger
Steuerberater durch die Flucht in „Steueroasen“ auszunutzen
versuchen. Dahinter steht wohl auch die neoliberale Ansicht, dass in
einem Staat alles erlaubt sei, was nicht ausdrücklich verboten sei.
Gerne wird sich in diesem Zusammenhang auf den Rechtsstaat berufen,
der in diesem Zusammenhang und „im Namen des Volkes“ ohnehin
gerne herbei zitiert wird. Alles legal. Leute, dass die Politik diese
Gesetze gemacht hat und all dies erlaubt, gehört zum Skandal! Das
Argument, dass gewisse Dinge auch „legitim“ sein können, wird
mit dem Hinweis auf die in den achtziger Jahren so beliebten
„Sachbeschädigungen“ abgeschmettert. Es wird vor einer
„abschüssigen“ bahn gewarnt, wenn das „Legitime“ eine
größere Rolle spielen sollte. Auch soll die sogenannte
„Hausbesetzerszene“, die unter anderem bei dem G 20-Gipfel in
Hamburg so unangenehm sichtbar wurde, dadurch nicht nachträglich
gerechtfertigt werden, dass die Legitimität ihrer Aktionen behauptet
werde, so das hinterhergeschobene Argument. Dass ganze Staaten von
ihren geringen Steuersätzen leben, dass es geradezu ihr
Geschäftsmodell innerhalb der EU ist, wird in diesem Zusammenhang
als Ärgerlichkeit wahrgeommen. Letztlich soll es aber an der EU und
dem dahinter stehenden politischen Willen liegen, dass solcher
Steuerwettbewerb nicht unterbunden wird. Dass Deutschland dabei
offenbar großartige Erklärungen gegen Steuersünder abgibt, in
Brüssel aber alle gesetztlichen Vorschriften blockiert, macht die
Sachlage auch nicht besser. Moral nutze da weniger, es müssten
Vorschriften oder Gesetze her. Dass Minister dagegen sofort
protestieren und dabei ins Felde führen, dass sich die EU bei einer
entsprechenden Gesetzgebung ja selbst anklagen würde, macht die
Sache nicht (Ob das einschlägige Lobbyisten und Kumpels zu vermeiden
wissen?) übersichtlicher. Jedenfalls scheinen solche Verhältnisse
in der EU möglich zu sein. „Black List“? Ja. Aber nicht mit
Ländern aus der EU. Und überhaupt, gegen moralisierende
Argumentationen verwahrt man sich sowieso. Moral? Igitt! Dass Reiche
von vornherein ganz andere Möglichkeiten der Steuervermeidung haben
als der sogenannte Kleine Mann und dadurch eine sozusagen
programmierte Ungerechtigkeit entsteht, bleibt da ganz außen vor.
Dass derjenigen Gemeinschaft, in der Gewinne erzielt werden, ein
gewisses Recht auf Steuereinnahmen zusteht, - nun ja, wer wollte das
bestreiten? Wer das Recht hat, diesem Gemeinwesen die ihm zustehende
Steuer (Streitpunkt, wieviel....aber nicht, dass....) einzutreiben?
Hm, zumindest einschlägige Anwälte und ihre Kumpels in der Politik.
Wo da der Wutbürger bleibt? Von ihm war nichts zu hören. 1000
Milliarden pro Jahr werden einstweilen vermisst.
Sonntag, 12. November 2017
Elitenrochade
Ob es nur um den Austausch von Eliten geht, die an
die Macht drängen, abseits eines grundsätzlich elitekritischen
Ansatzes? Auch die jüngst bekannt gewordenen Steuerskandale könnten
zu solchen Rochaden Anlass geben und sie befeuern, wobei die sogenannten
„Jamaika“-Gespräche so unendlich lang wie zäh zu sein scheinen und das
persönliche Fortkommen von bestimmten Politikern in den Vordergrund
zu stellen scheinen. Dass ausgerechnet jetzt eine Person als
kommender Finanzminister gehandelt wird, die anscheinend nicht ganz unfreundlich den
sogenannten „Cum-Ex“-Geschäften gegenüber stehen soll, bei denen der Staat um Milliardensummen geprellt wurde, macht
die Sache nicht attraktiver.
In dieser Sache hat sich ausgerechnet der SPD-Kanzlerkandidat von 2013 zu Wort gemeldet. Die Politikerkaste scheint also nicht ganz frei von urmenschlichen Antrieben. Wie sollte sie auch?, so würden manche Abgeordnete fragen. Politiker sind auch nur Menschen. Und als solche sind sie gierig an möglichst viel Geld für sich interessiert, so würde man in Gedanken hinzu fügen, - und hätte wohl nicht ganz unrecht damit. Die längst vergessene Aussage, dass sich ein Fraktionsvorsitzender im Landtag von Baden-Württemberg mit der Höhe seiner „Aufwandsentschädigungen“ offenbar einigermaßen unzufrieden zeigt, mag auch in diese Richtung zeigen. Es geht also vor allem um puren Elitenwechsel, bei möglichst gleichbleibend hohen Bezügen. Jetzt will derselbe Abgeordnete offenbar möglichst schnell ins Europäische Parlament wechseln, wo die Aufwandsentschädigungen und Gagen natürlich noch viel höher als in einem Regionalparlament sind. Die Folgerungen sind naheliegend.
In dieser Sache hat sich ausgerechnet der SPD-Kanzlerkandidat von 2013 zu Wort gemeldet. Die Politikerkaste scheint also nicht ganz frei von urmenschlichen Antrieben. Wie sollte sie auch?, so würden manche Abgeordnete fragen. Politiker sind auch nur Menschen. Und als solche sind sie gierig an möglichst viel Geld für sich interessiert, so würde man in Gedanken hinzu fügen, - und hätte wohl nicht ganz unrecht damit. Die längst vergessene Aussage, dass sich ein Fraktionsvorsitzender im Landtag von Baden-Württemberg mit der Höhe seiner „Aufwandsentschädigungen“ offenbar einigermaßen unzufrieden zeigt, mag auch in diese Richtung zeigen. Es geht also vor allem um puren Elitenwechsel, bei möglichst gleichbleibend hohen Bezügen. Jetzt will derselbe Abgeordnete offenbar möglichst schnell ins Europäische Parlament wechseln, wo die Aufwandsentschädigungen und Gagen natürlich noch viel höher als in einem Regionalparlament sind. Die Folgerungen sind naheliegend.
Samstag, 11. November 2017
Borneo ist überall
Es scheint ja inzwischen zu etwas wie einem
ökologischen Gemeinplatz geworden zu sein, zu behaupten, dass alles
mit allem zusammen hänge. Doch wie sieht die Tatsächlichkeit aus?
Wenn wir aus dem Auto steigen und feststellen, dass etwa selbst nach
längeren Fahrten keineswegs alles verklebt ist mit Insekten? Im
Gegenteil, dass sie relativ rar sind? Wenn wir beiläufig erfahren,
dass bis zu 58 000 Arten pro Jahr aussterben? Damit wollen wir dann
nichts zu tun haben. Aber aus übergeordneter Warte heraus könnte
man fragen: was für seltsame Lebewesen sind diese Menschen? Rotten
alles andere außer sich selbst aus, möglicherweise um eines
wirtschaftlichen Vorteils willen? Denn im Supermarkt, da wollen wir
schon günstig einkaufen, da darf's und soll's nicht etwas mehr
kosten als das, was halt so der Marktpreis ist: für Gemüse und
Obst, das in Monokulturen angebaut wird und für das etliches Gift
versprüht wird. Hm, was sind eigentlich Arten? Selbst über diese
Frage gibt es in den Wissenschaften unterschiedliche Ansichten, was
ja durchaus normal ist. Wie werden diese Arten beeinflusst, durch die
Umwelt, durch das Wetter, in welchem Wechselspiel stehen sie damit?
Was haben wir mit Borneo zu tun, außer den Palmölplantagen, für die inzwischen mehr als die halbe Insel gerodet wurde und die mit ihrem Öl unseren E10 Treibstoff zum Ökotreibstoff machen sollen? Hm, die EU ist da ganz vorne dran. Die Orang Utans, deren Lebensgrundlagen damit „beseitigt“ werden, sind hinten dran. Diese wunderbaren Wesen, diese Waldmenschen, mit denen dann auch noch illegal gehandelt wird. Der Lambir-Hills-Nationalpark im Westen der Insel Borneo. Dieser war einst einer der vielfältigsten Wälder der Welt gewesen. In den vergangenen drei Jahrzehnten aber verschwanden dort aber etliche größere Tiere wie Flughund, Malaienbär, Gibbon und Rhinozeroshornvogel aus dem Park. Übrig bleiben kleinere Tier, die für Jäger kaum interessant sind. Das ist auch Borneo. Ob dies mit uns zusammenhängt?
Was haben wir mit Borneo zu tun, außer den Palmölplantagen, für die inzwischen mehr als die halbe Insel gerodet wurde und die mit ihrem Öl unseren E10 Treibstoff zum Ökotreibstoff machen sollen? Hm, die EU ist da ganz vorne dran. Die Orang Utans, deren Lebensgrundlagen damit „beseitigt“ werden, sind hinten dran. Diese wunderbaren Wesen, diese Waldmenschen, mit denen dann auch noch illegal gehandelt wird. Der Lambir-Hills-Nationalpark im Westen der Insel Borneo. Dieser war einst einer der vielfältigsten Wälder der Welt gewesen. In den vergangenen drei Jahrzehnten aber verschwanden dort aber etliche größere Tiere wie Flughund, Malaienbär, Gibbon und Rhinozeroshornvogel aus dem Park. Übrig bleiben kleinere Tier, die für Jäger kaum interessant sind. Das ist auch Borneo. Ob dies mit uns zusammenhängt?
Freitag, 10. November 2017
Gleichmacherei
Silicon Valley strickt schon heftig daran und alle
scheinen sich einig zu sein, dass das mehr Glück über die
Menschheit bringen wird: Unser Dasein könnte demnach schon bald so
aussehen, dass man erst mal alle zehn Jahre in eine Klinik geht, um
dort ein Komplettprogramm zu erhalten, das nicht nur Krankheiten
bekämpft, sondern auch verfallenes Gewebe regeneriert und eine Art
Update für Hände, Augen und Hirn liefert. In der Zeit bis zum
nächsten Programm zehn Jahre später erfinden manche
Medizintechnokraten dann wieder neue Mittel, Techniken und Tricks,
mit denen es dann nochmal ein Stück weiter geht. Auf diese Weise
entkommt der Mensch dem Tod in Zehnjahresschritten, - möglicherweise.
Die Lebensspanne des Menschen könnte sich auf diese Weise jedenfalls
dramatisch verlängern, genauso, wie sie sich auch schon in der
Vergangenheit durch verschiedene gesellschaftliche Entwicklungen
verlängert hat. Die Welt wird in jeder Hinsicht eine andere sein.
Doch einen Haken hat das Ganze: Solche „Runderneuerung“ werden sich erst mal nur die Reichen und Superreichen leisten können. Die Biotechnik wird die Lebenserwartung erhöhen, - aber nicht für jedermann. Sie wird menschliche Fähigkeiten verbessern können: auch nicht für jedermann. Es könnte sich so eine soziale Klasse herausbilden, die nicht nur reicher als der Rest wäre, sondern auch länger in jüngeren Körpern leben würde. Zum ersten Mal könnte wirtschaftliche Ungleichheit zu biologischer Ungleichheit führen, nachdem in der Vergangenheit immer der Tod „der große Gleichmacher“ war. Ob das mehr Glück in unser Dasein bringen wird?
Doch einen Haken hat das Ganze: Solche „Runderneuerung“ werden sich erst mal nur die Reichen und Superreichen leisten können. Die Biotechnik wird die Lebenserwartung erhöhen, - aber nicht für jedermann. Sie wird menschliche Fähigkeiten verbessern können: auch nicht für jedermann. Es könnte sich so eine soziale Klasse herausbilden, die nicht nur reicher als der Rest wäre, sondern auch länger in jüngeren Körpern leben würde. Zum ersten Mal könnte wirtschaftliche Ungleichheit zu biologischer Ungleichheit führen, nachdem in der Vergangenheit immer der Tod „der große Gleichmacher“ war. Ob das mehr Glück in unser Dasein bringen wird?
Donnerstag, 9. November 2017
Mittwoch, 8. November 2017
Staat, Steuer, Arm und Reich
Wir staunen und sind nicht einmal überrascht. Die
„Paradise Papers“ offenbaren, dass sich die Reichen, Superreichen
und superreichen Konzerne schadlos halten, dass sie schalten und
walten, dass sie jede juristische Spitzfindigkeit nutzen, um am Ende
keine Steuern zu zahlen. „Steuervermeidungsstrategie“ nennt sich
so etwas dann und sie scheinen bei ihren Aktionen allzu willfährige
Helferlein überall zu haben. Natürlich sind wieder prominente Namen
unter den Aufgedeckten, die natürlich dementieren (lassen) und
selbstverständlich von nichts gewusst haben wollen. Haben alles ihre
Steuer- und Vermögensberater gemacht, sie selbst haben damit nichts
zu tun. Klaro. Welches Licht solche Verhaltensweisen auf die Stellung von
Steuervermeidern gegenüber dem Gemeinwesen haben, ist damit einmal
wieder leider sehr klar demonstriert. Ein zynisches Lachen, ein überlegenes
Lächeln, ein wissendes Nicken.... nun ja, die allzu eingeschliffenen
emotionalen Reaktionen dazu waren ja auch in der ARD-Sendung „Hart aber Fair“ zu besichtigen. Niemand weiß von nichts, man ist neu hier..... „Mal hier einen Wohnsitz, mal dort einen
Wohnsitz...“ und mindestens 183 Tage im Jahr auf See, - das
einschlägige Gebaren von Steuervermeidern ist ja längst bekannt. Dass sich auch staatseigene Großfirmen eines ähnlichen Verhaltens befleißigen sollen: naja. Was da wohl läuft? Kein Mensch weiß anschließend noch, wo der derart fleißig Reisende (Konzern) seine Steuern entrichtet oder nicht entrichtet. Aber alles ist legal. Das ist wichtig. Ein
bisschen Tricksen halt. Briefkastenfirmen, Verschleierungstaktiken, kreative Vermögens- und Steuerberatung, Cayman-und Virgin-Inseln, Isle of Man, vielleicht auch ein bisschen Niederlande ... gewusst, wie. So mancher fragt sich, was die vielen Fahnder
in den hiesigen Finanzämtern eigentlich so machen. Aber die sind ja in ihrer
ohnehin viel zu geringen Zahl so etwas von überlastet mit dem
Kontrollieren von Kleinunternehmern, Start-Ups, ganz "normalen" Steuerpflichtigen und anderen kleinen
Fischen.......
Am nächsten Tag ist in der Presse, dass ein Staatsanwalt einen Strafbefehl gegen einen Sparkassenlenker in einem wichtigen Bundesland verhängen will. Ein richtiger Präsident. Der Mann soll seine Steuererklärungen der Jahre 2012 bis 2014 verspätet abgegeben haben und somit Steuerhinterziehung begangen haben, so der Staatsanwalt. Der mutmaßliche Hinterzieher war von 2002 bis 2007 Bundestagsabgeordneter und von 2008 bis 2011 Finanzminister eines sich für herausragend haltenden Bundeslandes. Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt. In drei Tagen wird’s ohnehin wieder vergessen sein.
Am nächsten Tag ist in der Presse, dass ein Staatsanwalt einen Strafbefehl gegen einen Sparkassenlenker in einem wichtigen Bundesland verhängen will. Ein richtiger Präsident. Der Mann soll seine Steuererklärungen der Jahre 2012 bis 2014 verspätet abgegeben haben und somit Steuerhinterziehung begangen haben, so der Staatsanwalt. Der mutmaßliche Hinterzieher war von 2002 bis 2007 Bundestagsabgeordneter und von 2008 bis 2011 Finanzminister eines sich für herausragend haltenden Bundeslandes. Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt. In drei Tagen wird’s ohnehin wieder vergessen sein.
Dienstag, 7. November 2017
Leise Lieder (Lyrik, Christian Morgenstern)
Leise Lieder
Leise
Lieder sing ich dir bei Nacht,
Lieder, die kein sterblich Ohr vernimmt,
noch ein Stern, der etwa spähend wacht,
noch der Mond, der still im Äther schwimmt;
Lieder, die kein sterblich Ohr vernimmt,
noch ein Stern, der etwa spähend wacht,
noch der Mond, der still im Äther schwimmt;
denen
niemand als das eigne Herz,
das sie träumt, in tiefer Wehmut lauscht,
und an denen niemand als der Schmerz,
der sie zeugt, sich kummervoll berauscht.
das sie träumt, in tiefer Wehmut lauscht,
und an denen niemand als der Schmerz,
der sie zeugt, sich kummervoll berauscht.
Leise
Lieder sing ich dir bei Nacht,
dir, in deren Aug mein Sinn versank,
und aus dessen tiefem, dunklen Schacht
meine Seele ewige Sehnsucht trank.
dir, in deren Aug mein Sinn versank,
und aus dessen tiefem, dunklen Schacht
meine Seele ewige Sehnsucht trank.
(Christian
Morgenstern 1871-1914)
Montag, 6. November 2017
Die einen, die andern (New Rising)(Songtext)
Die einen, die andern (New Rising)
Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben
Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben
Die einen betreiben Schmierendienst zwischen Schenkeln
die andern treibt es zurück ins Kloster
die einen flüchten dringend ins Theater,
die andern saufen sich den Ballermann
die einen klettern Wände rauf und runter
die andern springen keck von Klippen
die einen wollen unbedingt fliegen,
die andern kommen schon mal ins Trudeln
die einen gehen auf den Fußballplatz
die andern in den Spielsalon
die einen zieht's in fremde Länder... nah
die andern in die hintere Sakristei.... Mongolei
die einen treiben Ausgleichssport... auf Leistung
die andern gleiten per Anhalter durch die Galaxie
die einen fahren goldene Autos mit güldenen Felgen
die andern treiben den Ochsenwagen
Die einen gehen zum Psychiater
die andern in den Imbissladen
der Moderne Mensch träumt von modernen Städten,
die sich zum Alptraum entwickeln
Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben
Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben
Fliehen – Abhaun – Vergessen
Fliehen – Abhaun – Vergessen
Die einen fallen aus der Zeit,
die andern wollen mit ihr gehen
die einen spielen Komödien, denen sie so recht nicht trauen
die andern glauben ans Kasperletheater
die einen geloben dem Papst ihre Treue
die anderen setzen ihrer Wahrheit den Turban auf
die einen loben die Wonnen des Fleißes als Gestalter
die andern haben keinen Job
und tun lieber so als ob
Fliehen – Abhaun – Vergessen
Fliehen – Abhaun – Vergessen
Fliehen – Abhaun – Vergessen
Fliehen – Abhaun – Vergessen - Fortschweben
(Songtext aus dem Jahr 2012)
Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben
Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben
Die einen betreiben Schmierendienst zwischen Schenkeln
die andern treibt es zurück ins Kloster
die einen flüchten dringend ins Theater,
die andern saufen sich den Ballermann
die einen klettern Wände rauf und runter
die andern springen keck von Klippen
die einen wollen unbedingt fliegen,
die andern kommen schon mal ins Trudeln
die einen gehen auf den Fußballplatz
die andern in den Spielsalon
die einen zieht's in fremde Länder... nah
die andern in die hintere Sakristei.... Mongolei
die einen treiben Ausgleichssport... auf Leistung
die andern gleiten per Anhalter durch die Galaxie
die einen fahren goldene Autos mit güldenen Felgen
die andern treiben den Ochsenwagen
Die einen gehen zum Psychiater
die andern in den Imbissladen
der Moderne Mensch träumt von modernen Städten,
die sich zum Alptraum entwickeln
Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben
Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben
Fliehen – Abhaun – Vergessen
Fliehen – Abhaun – Vergessen
Die einen fallen aus der Zeit,
die andern wollen mit ihr gehen
die einen spielen Komödien, denen sie so recht nicht trauen
die andern glauben ans Kasperletheater
die einen geloben dem Papst ihre Treue
die anderen setzen ihrer Wahrheit den Turban auf
die einen loben die Wonnen des Fleißes als Gestalter
die andern haben keinen Job
und tun lieber so als ob
Fliehen – Abhaun – Vergessen
Fliehen – Abhaun – Vergessen
Fliehen – Abhaun – Vergessen
Fliehen – Abhaun – Vergessen - Fortschweben
(Songtext aus dem Jahr 2012)
Sonntag, 5. November 2017
Samstag, 4. November 2017
Insektensterben
Neulich wurde ich Zeuge eines
beachtlichen Interviews. Ein Interessenvertreter wurde da nach den
Insekten und deren Verschwinden gefragt. „Was wollen sie denn“,
so in etwa der Tenor des Befragten. „Alles in bester Ordnung.
Studien über das Phänomen liegen ja noch nicht vor. Zumindest das sollte man abwarten“. Das wurde
dann den Zuschauern als kompetente Auskunft präsentiert. Dabei lehrt
einen alleine schon die unmittelbare Erfahrung anderes. Hinzu kommt Bedenkliches. Waren noch vor wenigen
Jahren die Scheiben nach längeren Fahrten mit Insektenleichen und
anderem fligendem Zeugs übel verschmutzt und klebte ein übler
Chininschmodder daran, sohat sich das jetzt gewaltig geändert: Die
Scheiben bleiben sehr weitgehend frei von solcher „Verschmutzung“.
So manch einer fragt sich, wo all dieses geblieben sei. Auch bei
oberflächlichster Information eröffnet sich ihm ein alarmierender
Befund. Dass es ein Bienensterben gibt, scheint sich herum gesprochen
zu haben. Dass die Bestäubung der Pflanzen, die ja meist
wirtschaftlich „genutzt“ werden, zu einem großen Problem wird,
hängt unmittelbar an der Diagnose. Dass aber auch Schmetterlinge und
alle anderen Insekten von diesem merkwürdigen Sterben betroffen
sind, scheint für viele Menschen noch eine neue Information, obwohl
der simple Blick an ihre Windschutzscheibe sie eines Besseren
belehren könnte. „Biodiversität“ scheint ein neues Thema
unseres Diskurses zu werden, eines, dem sich sogar die Kanzlerin
nicht verschließen mag.
Wir haben keine Zeit mehr bis zur
nächsten Studie. Handeln ist angezeigt. An dieser Stelle bin ich
froh, dass mein Bundesland Baden-Württemberg von Grünen regiert
wird. Kretschmann ist sogar studierter Biologe und weiß genau, was
die Zeichen bedeuten. Der allzu großzügige Einsatz von
Insektenvernichtungsmitteln in der Landwirtschaft gilt mittlerweile
als relativ gesicherte Ursache. Hinzu kommt der Verlust an
Lebensraum, die Umweltverschmutzung, die Veränderung der
Agrarlandschaft. Die Insektengifte der Stoffgruppe Neonikotinoide
stehen aber in höchsten Verdacht, ganz direkt an diesem
Insektensterben beteiligt zu sein. Kretschmann will jetzt etwas tun.
Dass die intensive Landwirtschaft etwas mit dem Artenrückgang zu tun
hat, bestreitet niemand mehr ernstlich. Neue Blühmischungen,
überhaupt, eine möglichst vielfältige Artenfolge beim Anbau, eine
bessere Betreuung von Naturschutzgebieten und eine bessere Verbindung
von Biotopen: ökologische Verbesserung auf breiter Front ist
angesagt. Doch den Einsatz von Pestiziden kann letztlich nur die EU regeln.
Hoffentlich ist das alles nicht schon zu spät.
Freitag, 3. November 2017
Schopi über den Tod (8)
Wenn was uns den Tod so schrecklich erscheinen läßt
der Gedanke des Nichtseyns wäre; so müßten wir mit gleichem
Schauder der Zeit gedenken, da wir noch nicht waren. Denn es ist
unumstößlich gewiss, daß das Nichtsein nach dem Tode nicht
verschieden seyn kann von dem vor der Geburt, folglich auch nicht
beklagenswerther. Eine ganze Unendlichkeit ist abgelaufen, als wir
noch nicht waren; das aber betrübt uns keineswegs. Hingegen, daß
nach dem momentanen Intermezzo eines ephemeren Daseyns eine zweite
Unendlichkeit folgen sollte, in der wir nicht mehr seyn werden,
finden wir hart, ja unerträglich. Sollte nun dieser Durst nach
Daseyn etwa dadurch entstanden seyn, daß wir es jetzt gekostet und
so gar allerliebst gefunden hätten? Wie schon oben kurz erörtert:
gewiß nicht, viel eher hätte die gemachte Erfahrung eine unendliche
Sehnsucht nach dem verlorenen Paradiese des Nichtseyns erwecken
können. Auch wird der Hoffnung der Seelen-Unsterblichkeit allemal
die einer besseren Welt angehängt, - ein Zeichen, daß die
gegenwärtige nicht viel taugt. - Dieses allen ungeachtet ist die
Frage nach unserem Zustande nach dem Tode gewiß zehntausendmal
öfter, in Büchern und mündlich, erörtert worden, als die nach dem
Zustande vor der Geburt. Theoretisch ist dennoch die eine ein eben so
nahe liegendes und berechtigtes Problem, wie die andere; auch würde
wer die eine beantwortet hätte mit der andern wohl gleichfalls im
Klaren seyn. (in „Die Welt als Wille und Vorstellung“, Artur
Schopenhauer)
Donnerstag, 2. November 2017
Am Abgrund
Man hängt am Abgrund, drückt und schiebt,
hält sich mit den Fingernägeln noch mühsam fest,
will sich emporziehen, während man in Wirklichkeit abgleitet
ausrutscht, alles rutscht und bröckelt
man greift daneben und macht eine falsche Bemerkung und
man gleitet in die Tiefe
hält sich mit den Fingernägeln noch mühsam fest,
will sich emporziehen, während man in Wirklichkeit abgleitet
ausrutscht, alles rutscht und bröckelt
man greift daneben und macht eine falsche Bemerkung und
man gleitet in die Tiefe
Mittwoch, 1. November 2017
Dienstag, 31. Oktober 2017
Martin Luther als Inspirationsquelle
Was wir von Martin Luther lernen können? Das
Beharren auf uns selbst als Instanz, das konzentrierte Festhalten von
Werten und Zielen, die man für sich und andere als wichtig erkannt
hat. Das auch gegenüber vermeintlichen Autoritäten durchzusetzen,
dafür zu stehen, durch Druck hindurch zu gehen, das zeichnet Juncker
Jörgs Weg aus.Dass er darüber hinaus ein Kind seiner Zeit war, dass
er auch Unsinn produzierte, wie etwa seinen Antisemitismus, ist
unsäglich und jämmerlich, macht aber diesen Weg nicht aus. Das
trotzige Beharren auf der von ihm erkannten Instanz, auf der Bibel,
auf dem „Wort“, das freilich macht eine Strahlkraft dieser Figur
aus. Aufs Heute übersetzen? Wir sind nicht nur dem ständigen
Trommelfeuer von Manipulation und Werbung ausgesetzt. Wir sind
Objekte geworden, Zahlen in einem Spiel um Rendite und Profit. Sich
besinnen auf eigene Werte, nicht gegen und nicht für etwas, sondern
in sich selbst geeicht, das könnte etwas Verlockendes sein. Dem
Menschen sein Selbstbewusstsein zurück geben, das war auch das
Vorhaben der fast zeitgleich stattfindenden Renaissance: Leonardo Da
Vinci mag hier als herausragendes Subjekt genannt werden. Der Mann
war nicht akademisch gebildet und hat doch der Menschheit Impulse
gegeben, die ganz klar bis heute reichen.
Montag, 30. Oktober 2017
Zum Sein (Text aus Bibel)
Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darübergeht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr
Ps 103, 15-16
Sonntag, 29. Oktober 2017
Samstag, 28. Oktober 2017
Frau und Mann
Was wohl die Vorgänge um den Medienmogul Harvey
Weinstein bedeuten? "Besetzungscouch" - ein durch viele Jahrzehnte gegangener Witz. Der Vorwurf des Sexismus steht im Raum und
unzählige Frauen sollen dem Weinstein zu Willen gewesen sein. Nicht nur ihm. Ob sie sich
einen kleinen Vorteil dadurch versprochen haben, indem sie ihren
Körper und dessen Möglichkeiten „verkauften“? Ist's sexistisch, so etwas zu erwähnen? Ob diese Vorgänge
nicht zuletzt Donald Trumps öffentlich gewordenes Brutalo-Gefummele
bestätigen? Wieso wohl diese Hollywood-Diven erst jetzt die Vorgänge
um Weinstein herum bestätigten? Ob sie ein Spiel möglichst lange zu
ihrem eigenen Vorteil mitzuspielen versuchten? Ob das alles schlimmstes
Stammtisch-Niveau (meist nur Männer...) bestätigt? Dass es eine offizielle, korrekte Ebene
der Kommunikation gibt? Aber auch eine inoffizielle, unkorrekte, die
unter Umständen viel mächtigere Folgen hat? Unter Männern wird das
manchmal diskutiert. Aber noch viel öfter wird das einfach
praktiziert. Danach wird gerne damit geprahlt.
Was alles im Anschluss an diese Vorgänge noch herausgekommen ist, mag man als „unsäglich“ bezeichnen. Es täuscht aber nicht über das Wesen der (ökonomischen) Macht und die Machtverhältnisse hinweg. Darüber, dass gewisse Individuen sich darüber hinwegzusetzen versuchen, indem sie sich und ihre Möglichkeiten möglichst teuer und gewinnbringend zu verkaufen suchen, wird in unserer Gesellschaft gerne hinweg gesehen. Auf Kosten anderer sich einen Vorteil verschaffen, gilt als legitim. Das sei „normal“, heißt es dann sehr schnell. Das mache doch jeder. Schon dies zeigt, wie sehr und wirkungsvoll die Ökonomisierung aller Lebensbereiche hier Einzug gehalten hat, wobei es in früheren Zeiten nicht viel anders gewesen sein mag, aber eine andere „Begründung“ erfuhr. Sich jetzt einer von Tag zu Tag unmerklichen und dadurch schleichenden Veränderung einfach anzupassen, zeugt nicht unbedingt immer von Cleverness, Charakterstärke oder Eigenständigkeit. Auch nicht von Emanzipation, dem Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.
Was alles im Anschluss an diese Vorgänge noch herausgekommen ist, mag man als „unsäglich“ bezeichnen. Es täuscht aber nicht über das Wesen der (ökonomischen) Macht und die Machtverhältnisse hinweg. Darüber, dass gewisse Individuen sich darüber hinwegzusetzen versuchen, indem sie sich und ihre Möglichkeiten möglichst teuer und gewinnbringend zu verkaufen suchen, wird in unserer Gesellschaft gerne hinweg gesehen. Auf Kosten anderer sich einen Vorteil verschaffen, gilt als legitim. Das sei „normal“, heißt es dann sehr schnell. Das mache doch jeder. Schon dies zeigt, wie sehr und wirkungsvoll die Ökonomisierung aller Lebensbereiche hier Einzug gehalten hat, wobei es in früheren Zeiten nicht viel anders gewesen sein mag, aber eine andere „Begründung“ erfuhr. Sich jetzt einer von Tag zu Tag unmerklichen und dadurch schleichenden Veränderung einfach anzupassen, zeugt nicht unbedingt immer von Cleverness, Charakterstärke oder Eigenständigkeit. Auch nicht von Emanzipation, dem Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.
Freitag, 27. Oktober 2017
Donnerstag, 26. Oktober 2017
Mittwoch, 25. Oktober 2017
Schopi über den Tod (7)
Artur Schopenhauer schreibt in seinem Werk „Parerga
und Parapomena“: „....daß die große Anhänglichkeit an das
Leben, oder vielmehr die Furcht vor dem Tode, keineswegs aus der
Erkenntniß entspringt, in welchem Falle sie das Resultat des
erkannten Werthes des Lebenssein würde; sondern daß jene
Todesfurcht ihre Wurzel unmittelbar im Willen hat, aus dessen
ursprünglichem Wesen, in welchem er ohne alle Erkenntniß, und daher
blinder Wille zum Leben ist, sie hervorgeht. Wie wir in das Leben
hineingelockt werden durch den ganz illusorischen Trieb zur Wollust;
so werden wir darin festgehalten durch die gewiß ebenso illusorische
Furcht vor dem Tode. Beides entspringt unmittelbar aus dem Willen,
der an sich erkenntnislos ist. Wäre, umgekehrt, der Mensch ein bloß
erkennendes Wesen; so müßte der Tod ihm nicht nur gleichgültig,
sondern sogar willkommen seyn. Jetzt lehrt die Betrachtung, zu der
wir hier gelangt sind, daß was vom Tode getroffen wird, bloß das
erkennende Bewusstseyn ist, hingegen der Wille, sofern er das Ding an
sich ist, welches jeder individuellen Erscheinung zum Grunde liegt,
vor allem auf Zeitbestimmenden Beruhendes frei, also auch
unvergänglich ist“. Schopi überdenken, solange noch Gelegenheit
dazu ist!
Dienstag, 24. Oktober 2017
Zukunft
„Das Leben hat
an und für sich nur Nachteile“ soll der Schriftsteller Thomas
Bernhard gesagt haben. Klar, der Mann war unverbesserlicher
Pessimist. So etwas ist ja heutzutage nahezu verboten, obwohl die
Zweifel sägen. Jemand stirbt, das Leben aber geht ungerührt weiter,
so als sei nichts gewesen. Menschen scheiden aus, gehen ab, die einen
gehen, andere kommen, es ist ein Fluss, den man zumindest erkennen
sollte. Wohin gehen wir, woher sind wir gekommen? Da ist ein Fluss,
der uns scheinbar von solchen Fragen wegreißt. Ablenkungen,
Betäubungen, das „wahre Leben“, die Aktivität an sich.....
usw. Die Begründungen stehen alle billig bereit. Wir fallen, wir
werden weniger, wir.... wen juckt's? Das allgemein gültige Bild der
Wirklichkeit suggeriert uns, als habe all das keine Gültigkeit, als
gelte nur das unmittelbar geführte Leben..... Die Parolen wurden
schon früh ausgegeben: „Sei du selbst, alle anderen sind schon
besetzt“, soll Oscar Wilde gesagt haben. Es ist der Satz der
Selbstverwirklichung und der Selbstoptimierung, den so viele Menschen
derzeit anbeten. Ob wir Angst haben vor der Zukunft?
Montag, 23. Oktober 2017
Sonntag, 22. Oktober 2017
Freunde, Freundschaft
Über Freundschaft sagte die Schauspielerin Diane
Keaton neulich in einem Interview der Süddeutschen Zeitung (wo ich
mir was heraus geschrieben hatte): „„...Freundschaft ist eine
langfristige Angelegenheit, bestenfalls hält sei ein Leben lang.
Vielleicht ist das Freundschaft: eine Langzeitbeziehung mit jemandem,
für den man da sein will und der für einen da ist....Freundschaft
ist eine Form der Liebe“. Wenn ich „Freundin/Freund“ nenne? Ich
habe dazu in einem längst in der Vergangenheit verschwundenen Part
meines Tagebuchs gefunden: „Ich habe immer noch die Vision aus
meiner Kindheit, jemanden zu finden, mit dem ich mich voll
austauschen könnte, ohne Argwohn, ohne diese permanenten
Verletzungen, die heute Alltag sind. Wo man bereit ist, sich wie
selbstverständlich Zeit zu schenken. Und alles andere auch. Sich gegenseitig
Intensität geben. Es gilt auch, gegenseitige Fixierungen aufzugeben,
dem anderen Spielraum zu gewähren, überhaupt: dem anderen und sich
selbst in der gesuchten Gemeinsamkeit Spielraum geben. Alles Mögliche
auszuprobieren. Einen Schutzraum schaffen. Wirkliche Kommunikation
versuchen. Maßlos sein, ohne sich entschuldigen zu müssen.... „
Samstag, 21. Oktober 2017
Statistik und Rente
Rentenpolitik? Auch hier soll mit demografischen
Daten Politik gemacht werden, so, dass Versicherungskonzerne möglichst daran
verdienen können. Zum Beispiel: dass die Gesundheitskosten
explodieren, weil wir immer älter werden. Ob das nicht mit dem Trend
kollidiert, dass viele Menschen sehr viel gesünder älter geworden
sind? Der körperliche Zustand scheint im Alter deutlich besser
geworden zu sein. Die amtlichen Experten vom statistischen Bundesamt
rechnen sehr weit voraus: bis ins Jahr 2060. Dann sind wir weniger,
älter und haben zu wenige Kinder, so die Statistik. Dass sie dabei
aber nur gegenwärtige Trends in die Zukunft fortschreibt, die sich
vielleicht gar nicht so leicht „verlängern“ lassen, wird von
interessierter Seite gerne unterschlagen. Dass sich bis dahin sehr
viel verändert haben könnte, kann die Studie gar nicht
berücksichtigen. Eine halbwegs aussagekräftige Prognose ist da
schwierig. Trotzdem prasseln von den Medien Schlagzeilen wie etwa
„Deutschland stirbt aus“ hernieder und die Politik lässt den
Quatsch bei einschlägigenTalkrunden immer wieder wiederholen.
Arbeitsnotstand, Ärztemangel, knappe Rente...., so ein Ausschnitt des Horrorszenarios, das aus diesen Daten immer wieder zu geldwerten Ängsten aufgebaut wird und durch ständige Wiederholung plausibler werden soll. Dass die Daten dabei von der Versicherungswirtschaft unter Verwendung von selbst gestalteten Erwartungen und Tafeln vorgebracht werden, wird dabei gerne unterschlagen, erscheint aber mittlerweile trotz fehlender Transparenz weithin akzeptiert. Dabei sind solche „wissenschaftliche“ Festlegungen meist nur solange gültig, bis eine bessere Untersuchung an ihre Stelle tritt. Das heißt, solche „Erkenntnisse“ sind vorläufig (e Annahmen). Laut „offizieller“ amtlicher Statistik könnte ein heute geborener Junge etwa 86 Jahre alt werden. In den Sterbetafeln der Versicherungswirtschaft wird er jedoch 100, unter Umständen sogar 110 Jahre alt. Was ist, wenn die „natürliche“ Steigerung der Lebenserwartung so nicht weiter und an seine Stelle sozial sehr fragwürdige Verfahren der technisch-chemischen Steigerung von Lebenserwartung treten. Wieder so ein Faktor, den einfache Fortschreibungen von Verhältnissen nicht mit auf der Rechnung haben.
Arbeitsnotstand, Ärztemangel, knappe Rente...., so ein Ausschnitt des Horrorszenarios, das aus diesen Daten immer wieder zu geldwerten Ängsten aufgebaut wird und durch ständige Wiederholung plausibler werden soll. Dass die Daten dabei von der Versicherungswirtschaft unter Verwendung von selbst gestalteten Erwartungen und Tafeln vorgebracht werden, wird dabei gerne unterschlagen, erscheint aber mittlerweile trotz fehlender Transparenz weithin akzeptiert. Dabei sind solche „wissenschaftliche“ Festlegungen meist nur solange gültig, bis eine bessere Untersuchung an ihre Stelle tritt. Das heißt, solche „Erkenntnisse“ sind vorläufig (e Annahmen). Laut „offizieller“ amtlicher Statistik könnte ein heute geborener Junge etwa 86 Jahre alt werden. In den Sterbetafeln der Versicherungswirtschaft wird er jedoch 100, unter Umständen sogar 110 Jahre alt. Was ist, wenn die „natürliche“ Steigerung der Lebenserwartung so nicht weiter und an seine Stelle sozial sehr fragwürdige Verfahren der technisch-chemischen Steigerung von Lebenserwartung treten. Wieder so ein Faktor, den einfache Fortschreibungen von Verhältnissen nicht mit auf der Rechnung haben.
Freitag, 20. Oktober 2017
"Jamaika"? Pah........
Sie werden öffentlich stöhnen und ächzen und am
Ende werden sie wohl jene vielbeschworene „Jamaika“-Koalition
doch zustande bringen. Der Wille zur Macht und die Begierde auf die gut dotierten
Posten wird wohl größer sein, als alle Bedenken und man will
öffentlich nachweisen, dass man selbst Politik machen kann –
neudeutsch „gestalten“, - was so viel wie Macht ausüben heißt. Dafür dürften dann 709 Abgeordnete kaum reichen...... Ach was sind schon Grundsatzpositionen, in der Demokratie muss man
halt Kompromisse machen! Ich aber werde auf Feldern wie Rente
(Altersarmut), Arbeitsmarkt (Arbeitswelt 4.0) Gesundheitspolitik
(Pflegenotstand usw.), Verkehrspolitik (Dieselskandal usw.),
Infrastrukturpolitik (marode Verkehrswege, Breitbandausbau,
Digitalisierung) und Steuerpolitik (wie werden riesige Überschüsse
„verwendet"?) ganz besonders auf Ergebnisse achten, die nicht solche
– nach meiner Einschätzung! - wachsweichen und nichtssagende
Kompromisse wie unlängst zur Flüchtlingspolitik vorgetragen! enthalten sollten. Dann lieber Neuwahlen! Die CDU wird gleich
einverstanden sein, denn sie ist sich ja sowieso keiner Mängel oder Defizite
bewusst. Sie würde alles noch einmal genau so machen. Weiter so! Wie und wo
aber die kleineren Parteien über ihren Schatten springen werden, das wird
zumindest interessant sein. Entweder sie verraten sich selbst oder die
„Spielregeln der Demokratie“! Nun macht mal!
Donnerstag, 19. Oktober 2017
Mittwoch, 18. Oktober 2017
Zeit für uns
Dass Zeit ein höchst
wertvolles Gut sei, mag sich herumgesprochen haben. Diese Erkenntnis
legt sich auch angesichts der permanenten Beschleunigung,
Erreichbarkeit und Verfügbarkeit nahe. Alles wird immer mehr
verdichtet und unserer Verfügung als Mensch entzogen. Dass es dabei
in erster Linie um Zeit geht, wird immer klarer. Zeit ist Lebenszeit.
Dass diese unwiederbringlich ist, wird dem Menschen erst im
fortgeschrittenen Alter so richtig klar. Oder bei oder nach einer
lebensbedrohlichen Krankheit. Dies zieht oft eine Veränderung des
Blicks oder – insgesamt - der Perspektive auf die Zeit nach sich.
Es gilt, die Zeit sinnvoll zu nutzen und sie auch mal im Müßiggang,
im schönen Nichtstun, zu verbringen. Manch einer behauptet, dies sei
sogar die Voraussetzung für Kreativität überhaupt. Mal auf andere
Gedanken kommen, in sich gären, Kraft aus sich schöpfen, Kraft zum
Tun und sich Entäußern, nach außen bringen. Zeit nicht nur
„nutzen“ für fragwürdige Zwecke, sondern sie in sich wirken
lassen. Es gilt, „Prioritäten“ zu setzen, Reihenfolgen
festzulegen. Sich „Zeit nehmen“ für etwas, könnte dies
bedeuten. Für sich selbst etwa. Zeit hat keinen unmittelbaren
ökonomischen Wert, auch wenn wir uns oft gezwungen sehen, unsere
Zeit zu verkaufen, um zu überleben.
Dienstag, 17. Oktober 2017
Was sein könnte
Wir könnten anstreben, unsere Gesellschaft auch in
Zukunft weitgehend egalitär zu halten, was heißt, ökonomisch und
anders bedingte Statusunterschiede möglichst gering zu halten und
die derzeit von allen Seiten auf uns einströmende
Polarisierungstendenzen gering zu halten („Die Schere zwischen Arm
und Reich...“ u.a.). Wir könnten versuchen, in jeder Hinsicht eine
Vielfalt zu bewahren und deren Wert gegenüber dem Einseitigen,
Eintönigen, Einheitlichen klar zu sehen. Es gilt vielleicht, noch
viele Dinge kennen zu lernen, mit den jeweils zur Verfügung
stehenden Mitteln auch den Kosmos und den größeren Zusammenhang zu
erkunden, damit auf Tuchfühlung zu bleiben. Angesichts der vielen
digitalen Verblödungsmechanismen könnten wir versuchen, uns Wissen
anzueignen, um mit Wissen/Fakten besser umgehen zu können, es in
einen Zusammenhang bringen zu können. Es gilt auch zu verschieden
motivierten Führerfiguren auf Distanz zu bleiben, sich niemals
auszuliefern, sondern sich selbst und die Möglichkeiten des eigenen
Selbst dagegen zu setzen...., dies mag auch eine mögliche Haltung zu Verdinglichung und
Entfremdung sein, die uns in mannigfacher Gestalt begegnen und uns samt
unserem Umgang schleichend aufzufressen drohen. Es gilt, Spannungen
und das Nichtwissen auszuhalten, Widersprüche zu ertragen und sie
nicht in eine falsche Einheit auflösen zu wollen. Wir sollten auch
eine Distanz zu kollektiven Zusammenhängen wagen und keinesfalls
eine fremdgeleitete Identität daraus ableiten. Uns nicht bestimmen
zu lassen, sondern uns selbst zu bestimmen, könnte ein Ziel sein.
Montag, 16. Oktober 2017
Statistik, Cholesterin, Geld
Cholesterin? Die Furcht vor den Stoffen, die einen
Herzinfarkt mit sich bringen: Die Ernährungsmedizin bringt hier
viele Beispiele. Ein amerikanischer Arzt untersuchte in den 50er
Jahren den Zusammenhang des Verzehrs von tirischen Fetten und
auftretenden Herzkreislauferkrankungen. Cholesterin im Essen sei
schuld am Herzinfarkt, so die einigermaßen steile These. Belegt
wurde diese These mit statistischen Tricks. Der Arzt sammelte Daten
aus 21 Ländern, die die These stützen sollten. Doch die Daten
belegten wenig. Was nicht zu seiner Erkenntnis passte, ließ der
flotte Arzt, der bezahlter Berater der amerikanischen
Margarineindustrie war, einfach weg. Zusammen mit einer
Interpretation, die gewisse Fakten ebenfalls wegließ, schien sich
ein schlüssiges Bild zu ergeben, das viele Ärzte täuschte und die
Öffentlichkeit manipulierte. Natürlich ist Cholesterin ein Stoff,
der im Blut festgestellt, etwas aussagt. Aber halt nicht über die
Ernährung und nicht zwingend über den Gesundheitszustand einer
Person. Die einschlägige Industrie benutzt aber solche
„Erkenntnisse“ immer noch gerne. Die Grenzwerte bei Cholesterin
wurden nach und nach immer weiter gesenkt. Das schuf neue Kunden für
die Pharmaindustrie. Medizinische Studien ließen sich dafür leicht
„frisieren“. Die Tricks sind unter anderem dabei: Eine Studie
wird nicht veröffentlicht, wenn das Ergebnis dem Auftraggeber nicht
gefällt. Man vergleicht ein neues Medikament mit einem bisherigen,
relativ wirkungslosen und erzielt glänzende Ergebnisse. Wenn ein
Medikament im Laufe der Zeit unerwünschte Nebenwirkungen erzielt,
wird die Studie halt vorzeitig beendet. Oder umgekehrt: wenn sich die
positiven Ergebnisse nicht einstellen, wird der Studienzeitraum
einfach verlängert. Krebsvorsorge. Prostatauntersuchungen, die nicht
von der Krankenkasse bezahlt werden. Es scheint als hätte die Masse
der Menschen keinen Nutzen aus solchen medizinisch unnützen
Untersuchungen, ja ihr drohen vielleicht sogar Schäden. Wegen
falschen Diagnosen zum Beispiel, oder Schäden wie beispielsweise
Überdiagnosen. Beim sogenannten PSA-Wert zur Früherkennung von
Prostatakrebs, ist dies besonders augenfällig. Hier wird offenbar
von vielen Patienten ein fragwürdiger Nutzen in Kauf genommen
zugunsten eines heftigen Risikos. Dass der Nutzen solcher
„Leistungen“ (zu denen auch die berüchtigen „IGEL“-Leistungen
gehören, die die Krankenkassen zu Recht nicht bezahlen...) auch in
einem geldwerten Vorteil bestehen kann, den sich gewisse Ärzte und
die Pharmaindustrie teilen, wird auch gerne verschwiegen.
Sonntag, 15. Oktober 2017
Samstag, 14. Oktober 2017
Statistik forever, TTIP adieu!
Statistik und Politik? Da ist TTIP zum Beispiel, das
vorerst gestorbene „Freihandelsabkommen“ mit den USA, das die
große Wirtschaft und die Europäische Union unbedingt wollten, weil
sie sich große Vorteile davon versprachen. Großartige Zahlen
sollten das Ansinnen stützen. 110 000 Jobs, allein in Deutschland
waren versprochen. Jeder Haushalt in der EU sollte dann 545 Euro pro
Jahr mehr haben. Die Zahlen hatte ein der EU nahe stehendes
Forschunsinstitut erhoben. Die Lobbyisten sorgten mit aller
finanziellen Macht für die Verbreitung dieser Zahl, die Initiative
Soziale Marktwirtschaft (INSM) sollte sie hierzulande zusätzlich
auch per Internet in die Bevölkerung hämmern. Der Trick daran: Das
Forschungsinstitut hatte die positivste der Szenarien heraus genommen
und alle anderen verschwiegen. Und bei den 545 Euro ging es nicht um
ein einziges Jahr, sondern um zehn Jahre. Man habe Prognosen und
Schätzungen von „seriösen“ Wissenschaftlern und Instituten
verwendet, hieß es nach Entdeckung dieser Manipulation unter anderem
von seiten der INSM. Es sei „in der Quelle“ (also der
Untersuchung) missverständlich dargestellt gewesen.
„Missverständlich“? Nun ja. So kann man es auch nicht unbedingt
bezeichnen. Ein bisschen schrägt wirkt das schon....., besonders
weil die Verhandlungen unter strengster Geheimhaltung abliefen und
mit Zahlen intern gewerkelt wurde. Ob da ein paar Wenige so richtig
profitieren sollten und die Allgemeinheit mehr oder weniger
draufzahlen sollte? Die Politiker würden unter gütiger Nachhilfe
schon die „richtige“ Statistik heraus greifen, die ins Konzept
passt, so möglicherweise die Überlegung der Industrielobbyisten.
Freitag, 13. Oktober 2017
Masse
Ich stöberte und notierte in meinem Tagebuch:
Sich treiben lassen durch Menschenmengen. Gesichter um sich herum. Lachen. Glucksen. Soziale Geräusche. Blicke. Was haben sich diese Leute zu sagen? Dumpfes, träges Sich-treiben-lassen im Strom. Nicht fragen, nicht vor- oder nachdeuten. Nur einer in der Menge sein. Ist es das? Stumpfheit. Aufreißen. Geschlechtsmarkt. Vorzeigen. Reizen. Aufreizen. Gelegenheiten wahrnehmen. Nichts verpassen. Motorik. Reflexe. Du schaust zu, bist der Beobachter. Fremd. Ein Stein im Wasser. Du bist das Gewicht in der unerträglichen Leichtigkeit des Seins. Unerheblich. Von keiner Bedeutung in dieser Menge. Bedeutung ist sich zu verschaffen. Aufmerksamkeit muss erregt werden.
Sich treiben lassen durch Menschenmengen. Gesichter um sich herum. Lachen. Glucksen. Soziale Geräusche. Blicke. Was haben sich diese Leute zu sagen? Dumpfes, träges Sich-treiben-lassen im Strom. Nicht fragen, nicht vor- oder nachdeuten. Nur einer in der Menge sein. Ist es das? Stumpfheit. Aufreißen. Geschlechtsmarkt. Vorzeigen. Reizen. Aufreizen. Gelegenheiten wahrnehmen. Nichts verpassen. Motorik. Reflexe. Du schaust zu, bist der Beobachter. Fremd. Ein Stein im Wasser. Du bist das Gewicht in der unerträglichen Leichtigkeit des Seins. Unerheblich. Von keiner Bedeutung in dieser Menge. Bedeutung ist sich zu verschaffen. Aufmerksamkeit muss erregt werden.
Donnerstag, 12. Oktober 2017
Rationalität des Gesamten
Um es einmal ganz klar zu formulieren: besonders in
den Bereichen Altersvorsorge (Rentenpolitik), Gesundheitspolitik
(Pflegenotstand), Infrastrukturpolitik (Internet, Breitbandausbau)
und Bildungspolitik hat die herrschende Politik der vergangenen Jahre
vor allem denen genutzt, die in Deutschland „gut und gerne leben“:
also Polititikern und Vermögenden. Dass es aber auch andere
Bevölkerungsschichten gibt, das eine gewisse Unzufriedenheit bis
weit hinein in den sogenannten „Mittelstand“ reicht, das versucht
diese Politik allenfalls am Rande zu managen. Sicher, es gab so etwas
wie den Mindestlohn, den sich aber die jetzt in die Opposition
gehende SPD auf die Fahnen schreiben kann und den es in diversen
Ländern schon lange gibt (auf die doch diese Politiker so gerne
herab schauen...). Auch dürfte ein Billiglohnsektor von etwa 20 %
nicht gerade zum Land passen, in dem wir gut und gerne leben. Ja, nie
waren so viele Menschen in Arbeit wie heute (oft gehörte
Erfolgsformel der Herrschenden). Doch noch nie war auch der
Billiglohnsektor so groß wie heute, noch nie waren so viele Menschen
am Existenzminimum, noch nie drohte derart intensiv die Altersarmut
großer Schichten, die neben den Leuten herleben müssen, die hier
„gut und gerne“ sind. Die gesellschaftliche Polarisierung
schreitet immer wieter voran und ich frage mich, wo denn die
Reationalität eines ziemlich raffinierten Systems liegt, das bald
umzukippen droht. Es scheint jetzt die Zeit gekommen, in der sich
die herrschende Politik nahezu alles erlauben kann. Doch ob sie sich
darin nicht doch etwas täuscht?
Mittwoch, 11. Oktober 2017
Mensch und Tier (5)
Ich hatte einst mein ganzes Zimmer zu einer Art
Mäusehöhle umgebaut, um meiner Rennmaus (die ich geschenkt bekommen
hatte...) Platz zu verschaffen. Überall gelbe Drainagerohre und eine
ganze Anzahl von verschiedenen Bauten/Aquarien, in denen die Maus
übernachten konnte. Ich nannte die Maus, mit der ich auch oft zum
Tierarzt musste, „Hector“ - und notierte damals in meinem
Tagebuch:
„Hector verzaubert mich. Seine Äuglein, was sagen sie? Sie schauen aufgeweckt und mäuseklug. Unheimliche Mäusewelt, von mir zu betreten, wie bist du?, welche Farben, welche Gefühle kennst du?
Ungeheures Mitleid mit Hector in seinem kleinen Loch, ganz allein, ein paar Quadratzentimeter Auslauf und ich als der Vergewaltiger, der Quäler. - Ich will es ihm so annehmlich wie möglich machen, dem kleinen Hector. Ein Leben, ein kleines Mäuseleben; es liegt mir am Herzen, im eigentlichen Sinn. Ich werde laufen und rennen für ihn. Ich sehe ihm zu und er verzaubert mich, Faszination Natur und Existenz. Was ist ein solches Säugetier? Verwandt der Natur des Menschen. Dazwischen. Was sagen mir seine Augen? Nichts Logisches, Begriffliches, aber ein Gefühl der Verbundenheit, der Bedeutung. Unbegreiflich, nicht zu greifen, mir entzogen, doch gleichzeitig mich anziehend. Ein Schicksal. Ein Spiel der Natur und der Evolution, - wie ich selbst. Mein Ebenbild. Natürliche Identität.“
„Hector verzaubert mich. Seine Äuglein, was sagen sie? Sie schauen aufgeweckt und mäuseklug. Unheimliche Mäusewelt, von mir zu betreten, wie bist du?, welche Farben, welche Gefühle kennst du?
Ungeheures Mitleid mit Hector in seinem kleinen Loch, ganz allein, ein paar Quadratzentimeter Auslauf und ich als der Vergewaltiger, der Quäler. - Ich will es ihm so annehmlich wie möglich machen, dem kleinen Hector. Ein Leben, ein kleines Mäuseleben; es liegt mir am Herzen, im eigentlichen Sinn. Ich werde laufen und rennen für ihn. Ich sehe ihm zu und er verzaubert mich, Faszination Natur und Existenz. Was ist ein solches Säugetier? Verwandt der Natur des Menschen. Dazwischen. Was sagen mir seine Augen? Nichts Logisches, Begriffliches, aber ein Gefühl der Verbundenheit, der Bedeutung. Unbegreiflich, nicht zu greifen, mir entzogen, doch gleichzeitig mich anziehend. Ein Schicksal. Ein Spiel der Natur und der Evolution, - wie ich selbst. Mein Ebenbild. Natürliche Identität.“
Dienstag, 10. Oktober 2017
Mensch und Tier (4)
Ein vernünftiger Grund,
aus dem man Tieren Schäden zufügen darf, wird im Tierschutzgesetz,
das vielmehr ein Tiernutzungsgesetz ist, ökonomisch als sinnvoll
erklärt. Vernünftig ist hier gleichbedeutend mit „ökonomisch
sinnvoll“. Die Würde des Tieres als „Mitgeschöpf“, wie es das
Tierschutzgesetz stolz aklamiert, bedeutet aber in Wirklichkeit:
Menschen tragen gerne Pelzmäntel, also ist es nach dieser Logik
legitim, Nerze zu vergasen. Hühner dürfen unter den jämmerlichsten
Bedingungen gehalten werden, weil sie ja – naja, - kaum Würde
ausstrahlen. Es geht um das richtige und gesetzlich konforme Töten
und kaum um die Würde eines Tieres. Natürlich bilkdete der Mensch
Gesellschaften, für die die Haltung von Tieren und also auch ihre
Tötung, aus Überlebensgründen unabdingbar war. Doch dabei ging es
nicht um Massentierhaltung. Und ums Überleben geht es auch selten.
Montag, 9. Oktober 2017
Statistik, Wissenschaft, Mensch (2)
Es gibt wohl viele Anbieter und Ineressengruppen im
Gesundheitswesen, die ganz offensichtlich davon profitieren, wenn ein
Volk scheinbar immer kränker wird. Ein beliebter Trick der
Gesundheitsindustrie ist es dabei, die Grenzwerte herauf oder (meist)
herab zu setzen. Auf diese Weise werden auf einen Schlag massenhaft
Neu-Kranke geschaffen, die es nun mit möglichst hochpreisigen
Medikamenten zu behandeln gilt, - naturgemäß. Diabetes scheint
dafür ein gutes Beispiel zu sein, aber auch erhöhter Blutdruck usw.
Sogenannte „Volkskrankheiten“ sind hierbei besonders ergiebig und
beliebt, da sie hohe Umsätze generieren. Um die „richtigen“ und
dafür passenden Medikamente in den Markt zu drücken, werden
manchmal recht gerne „medizinische Fortbildungen“ organisiert,
die in Wirklichkeit „verkaufsfördernde Maßnahmen“ sind und bei
denen Marketingprofis Verkaufsstrategien vortragen. Auch scheint es
gängige Praxis zu sein, grafische Tabellen durch bestimmte
Einteilungen zu manipulieren. Bestimmte Auschnitte auszuwählen und
sie entsprechend darzustellen ist beliebt. Dies kann beispielsweise
auch in der Finanzindustrie bei Verkaufsstrategien für Fonds
beobachtet werden. Es scheint dabei halt alles eine Frage der Optik
und der dahinter stehenden Absicht zu sein: den anderen möglichst
übers Ohr zu hauen. Was das mit uns macht, ist ein nahezu
unmerklicher Prozess und bleibt ausgeblendet. Die Medien fabrizieren
gerne verkaufsträchtige Schlagzeilen aus solchen „wissenschaftlichen
Ergebnissen“. Sie vergessen dabei aber meist, die dazugehörigen
Fragen und die Auftraggeber gewisser „Studien“ zu erwähnen.
Sonntag, 8. Oktober 2017
Samstag, 7. Oktober 2017
Statistik, Wissenschaft, Mensch (1)
Was mich als ausgebildeten
Statistiker immer wieder stört, ist die Verwendung und „Benutzung“
gewisser Zahlden in einem eindeutig definierten Interesse oder in dem
stumpfen Vorsatz, gewisse Vorurteile im eigenen Interesse zu stützen.
Berühmt ist ja das Beispiel, dass sich ohne Probleme ein
Zusammenhang zwischen der Zahl der Geburten und der Häufigkeit der
in einem bestimmten Gebiet auftretenden Störche herstellen ließ und
lässt. Aber genauso gibt es Beispiele dafür, wie ein Zusammenhang
zwischen Tierliebe und Arbeitnehmerfreundlichkeit hergestellt wurde. Statistische Zusammenhänge herzustellen ist nicht schwer. Es kommt aber darauf an, welcher Art diese Zusammenhänge sind. Entscheidend ist auch, in welcher Situation gewisse Fragen in
Umfragen gestellt werden. Wenn ich beispielsweise vor einem Parkplatz
frage, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich dort Autobesitzer
befrage, ziemlich hoch und ich kann meine Ergebnisse nicht unbedingt
verallgemeinern. Dies wird in einem bestimmten Segment des
Journalismus aber oft getan, indem reißerische Überschriften
produziert werden. Meist wird in einer solchen Journaille ein Beleg
aus irgendeiner amerikanischen oder englischen Studie dafür
herangezogen. Ein ganz wesentlicher Punkt bei solchen Manövern ist
es, ob es einen kausalen (also einen in der Sache begründeten) oder
einen rein statistischen Zusammenhang (zwei Phänomene in einen
statistischen Zusammenhang zu bringen, den es nicht gibt, ist oft
keine große Schwierigkeit) zwischen zwei Phänomenen gibt. Dies
sollte auch jeder Laie berücksichtigen, wenn er sich mir
reißerischen Schlagzeilen in den Medien konfrontiert sieht.
Vielleicht sollte er in seine Erkenntnis auch einfließen lassen,
dass viele „Wissenschaftler“ sich durch die Mechanismen des
Wissenschaftsbetriebs gezwungen sehen, etwas zu veröffentlichen,
egal was. Daraus resultieren oft scheinbare „Beweise“, die aus
einem Randphänomen das Wichtigste machen oder Zufallsergebnisse als
das Relevanteste „verkaufen“.
Besonders beliebt sind
derartige Verbiegungen und „Formungen“ statistischer Ergebnisse
in der Politik und im Gesundheitswesen. Das Beispiel der vielfach
beeinflussten Arbeitsstatistiken ist ja bekannt, muss aber wegen
fehlender Alternativen immer wieder akzeptiert werden. Eine wichtige
Faustregel: es kommt immer darauf an, wie etwas definiert wird, wie
es für eine Untersuchung „passend gemacht“ wird. Wie es gefasst
wird. Danach richten sich dann auch Ergebnisse, die als „seriös“
verkauft werden können, um nahezu jedem Ergebnis ein
wisenschaftliches Mäntelchen umzulegen. Die sogenannte Schere
zwischen „Arm und Reich“ ist ein gutes Beispiel dafür. Wähle
ich die „richtigen“ Untersuchungsparameter und definiere ich
Phänomene in einem bestimmten Interesse, so lässt sich auf diesem
Gebiet nahezu alles beweisen, auch gegen die offenkundige
Überzeugungskraft des Augenscheins, den die Wissenschaft gerne als
„empirisch“ definiert, den sie aber ohne Probleme wegdefinieren
kann, weil er auf einer zu geringen „Stichprobe“ resultiert und
keinerlei Beweiswert habe. Erst die Menge der so erhobenen Daten
schaffe so etwas wie „Beweiskraft“. Weil aber Alltgagserfahrung
selten darauf aufbaut, dass wissenschaftlich einwandfreie Daten (u.a.
auchsauber dokumentiert) erhoben werden, ist sie noch nicht unbedingt
wertlos. (in unregelmäßig folgenden Blogs werden weitere Beispiele
und Phänomene erwähnt....)
Freitag, 6. Oktober 2017
Steuergerechtigkeit
Der Steuerzahlerbund hat mal wieder sein
„Schwarzbuch“ vorgelegt, in dem er aufzählt, wo überall in
diesem Staat Kohle flott versenkt wird. Da dies alles rund um das "Schwarzbuch" schon ein alljährliches Ritual zu sein scheint, liegt der Verdacht nicht ferne, dass die
Parteien solches Gebaren und seine Veröffentlichung gerne als eine
Art Kollateralschaden der Demokratie verkaufen wollen. So ist's halt!, hört man schon tausendfach seufzen. Da wird schon
mal eine Umgehungsstraße durch ein Vogelschutzgebiet gebaut, die obwohl neu erstellt sofort wieder gesperrt werden muss und den Steuerzahler 8 Millionen
Euro gekostet hat. Satiremagazine bringen das ja auch schon als Schenkelklopfer. Da sie jetzt wieder vernichtet werden muss, diese Straße, kostet
das auch wohl 2 Millionen Euro. Macht nichts? Nun ja, auch das
erzeugt Zustände, die zu massivem Unmut und gewissen Wahlergebnissen
führen. Kunstprojekte sind ja auch sehr beliebt in diesem
Zusammenhang. Da werden schon mal sechsstellige Summen für völlig
unsinnige Projekte ausgegeben. Besonders die politischen
Verantwortlichen verstehen in diesem Zusammenhang oft gar nichts und
halten sich bei der feierlichen „Eröffnung“ lieber an ein
vorbereitetes Manuskript, dass sie dem anwesenden Bildungsbürgertum
vorlesen. Macht nichts? Nun ja, man gibt halt vor, sich getäuscht zu
haben. Irgendwie. Saprati! Bei Kosten von Projekten, besonders bei
Großprojekten!, scheint man sich sowieso dauernd zu verschätzen. Ein paar Milliarden hin oder her, was soll's? Ob
es da um „politische Durchsetzbarkeiten“ und manchmal um gewisse
Profite geht? Das Verschätzen geht meist auf Kosten des
Steuerzahlers, ganz überwiegend sogar. Der Trick ist ja inzwischen
bekannt geworden, Elbphilharmonie und Stuttgart 21 waren dann doch ein
bisschen zu viel..... Tunnelbauten, die sich endlos verzögern und
natürlich viel mehr kosten als veranschlagt, falsch eingeschätzter
Toilettenbau und viele andere „Projekte“ komplettieren die
Falschserie. Nun ja, macht nichts! Der Staat hat's ja gegenwärtig,
so glaubt man schon die Verantwortlichen schon grinsen zu sehen. Ob da irgendjemand verantwortlich ist? Ob Verantwortung da überhaupt eine spielentscheidende eine Kategorie ist? Dass
die passenden Lügen hinterher geschoben werden, dafür sorgen dann
schon die gut bezahlten Pressereferenten.
Donnerstag, 5. Oktober 2017
Es gibt so bange Zeiten (Lyrik, Novalis)
Es gibt so bange Zeiten
Es gibt so bange Zeiten,
es gibt so trüben Mut,
wo alles sich von weitem
gespenstisch zeigen tut.
Es schleichen wilde Schrecken
so ängstlich leise her;
und tiefe Nächte decken
die Seele zentnerschwer.
Die sichern Stützen schwanken,
kein Halt der Zuversicht;
der Wirbel der Gedanken
gehorchen dem Willen nicht.
Der Wahnsinn naht und locket
unwiderstehlich hin.
Der Puls des Lebens stocket,
und stumpf ist jeder Sinn.
Wer hat das Kreuz erhoben
zum Schutz für jedes Herz?
Wer wohnt im Himmel droben
und hilft in Angst und Schmerz?
Geh zu dem Wunderstamme,
gib stiller Sehnsucht Raum,
aus ihm geht eine Flamme
und zehrt den schweren Traum.
Ein Engel zieht dich wieder
gerettet auf den Strand,
du schaust voll Freuden nieder
in das gelobte Land.
Novalis
Es gibt so bange Zeiten,
es gibt so trüben Mut,
wo alles sich von weitem
gespenstisch zeigen tut.
Es schleichen wilde Schrecken
so ängstlich leise her;
und tiefe Nächte decken
die Seele zentnerschwer.
Die sichern Stützen schwanken,
kein Halt der Zuversicht;
der Wirbel der Gedanken
gehorchen dem Willen nicht.
Der Wahnsinn naht und locket
unwiderstehlich hin.
Der Puls des Lebens stocket,
und stumpf ist jeder Sinn.
Wer hat das Kreuz erhoben
zum Schutz für jedes Herz?
Wer wohnt im Himmel droben
und hilft in Angst und Schmerz?
Geh zu dem Wunderstamme,
gib stiller Sehnsucht Raum,
aus ihm geht eine Flamme
und zehrt den schweren Traum.
Ein Engel zieht dich wieder
gerettet auf den Strand,
du schaust voll Freuden nieder
in das gelobte Land.
Novalis
Mittwoch, 4. Oktober 2017
Oben sitzen
Eine Weile war ich wieder dazu verurteilt, auf der
Autobahn zu fahren. Leider alternativlos. Hui, wie mich da die fetten
Kisten links und rechts überholten! Manche zeigten mir auch noch den
Vogel, obwohl ich mich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen hielt.
Diese flotten Überholer scheinen mir sich jede Übertretung keisten
zu können. „Man darf sich halt nicht erwischen lassen...“
scheint das Motto zu sein. Rechts überholen? Kein Problem! Das ist
es aber dann doch, wenn alles unberechenbar wird. Ich wagte kaum
noch, mich nach rechts zu den Langsamen Folgsamen zu orientieren.
Denn da drohte Ungemach. Lichthupen. Geballte Fäuste. Und dann die
Kreisverkehre! Es scheint mittlerweile höchstens noch die Hälfte
aller Autofahrer zu sein, der da noch Lichtzeichen gibt. Empathie
Fehlanzeige. Denn es würde nicht nur dem Andern, sondern beim
nächsten Kreisverkehr (davon gibt es viele!) mir nützen, zu wissen,
was der andere will....Nützen!. Aber nein, der augenblickliche
Vorteil, bzw. die Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit scheint die
Situation zu diktieren. Und dann: die vielen SUVs! Ob das eine Mode
ist, die hier im Großraum Stuttgart besonders ausgeprägt ist? Je
knapper der Raum, desto größer werden Kisten! Dazu kam eine Studie
in den letzten Tagen, dass ein kleineren Wagen gegen diese Bolliden
bei einem Unfall keine Chance hat! Es gilt das Recht des Stärkeren.
Dominanz. Wer oben sitzt, gewinnt.
Dienstag, 3. Oktober 2017
"Politische" Wirklichkeit
Diese Leute machen sich
etwas vor. Sie leben in ihrer eigenen Wirklichkeit dort, wo sie sich
als Politiker einen etwas weiteren Blick auf soziale Realitäten eröffnen sollten. Das habe
ich auch an dieser Stelle oft dargelegt, wenn es um die Politik in
Berlin ging. Ich habe das schon lange als eine Art Käseglocke
empfunden, die sich nach außen immunisiert und die nur noch auf die
Einflüsterungen von Lobbyisten reagiert. Sehr offensichtlich wurde
das nicht zuletzt beim sogenannten „Diesel-Gipfel“, der nach
meiner Ansicht eine riesige und peinliche Blamage der Regierung war.
Auch dass Frau Merkel bei ihren Kanzlerkundgebungen im eigenen
Wahlkreis über die lauten und unflätigen Proteste so sichtbar
fassungslos war, war einer der Belege, die sich jüngst eröffneten
und die das Wahlergebnis herbeigeführt haben. Dass der Protest gegen
eine solche Wirklichkeitsverweigerung ein Ventil suchen würde, war klar. Dass die „Abgehängten“ und Benachteiligten politischen
Ausdruck suchen würden, war ja auch klar. Und dass die konsequente
Verweigerung und Ausgrenzung von politischen Haltungen nichts Gutes
herbeiführen würde, wurde deutlich und ist meiner Meinung nach auch
wenig demokratisch. Dass solche Haltung auch nach einer
parlamentarischen Repräsentanz suchen, sollte nicht verteufelt
werden, auch nicht bei Nazi-affinen Haltungen. Dass sich die
politischen Entscheidungsträger im Wahlkampf um all die Themen
verbal zu kümmern schienen, die sie ansonsten liegen ließen, war
auch offensichtlich. Dass darin eine gewisse Unglaubwürdigkeit des
politischen Systems liegt, war sichtbar. Demokratie
müsste nämlich eine permanenter Prozess sein und nicht eine
Inszenierung, die das politische Personal im sogenannten Wahlkampf
seinem Wahlvolk vorspielt. Auch ist es nicht besonders toll, wenn eine
sehr entscheidende Person in diesem System auch nach 8 % Wahlverlust
locker meint, sie wisse nicht was sie falsch gemacht habe und sie
würde alles noch einmal tun.
Montag, 2. Oktober 2017
Alt und jung (4), Tod und Transhumanismus
Die Menschen haben Angst vorm Sterben. Sie wollen den
Tod rückgängig machen. Jeder will solange unsterblich sein, so
lange es Spass macht. Aber
auch wenn mit dem Alterungsprozess viele körperliche und geistige
Funktionen abnehmen – mit dem Altern steigt auch die
Lebenserfahrung: Nicht umsonst werden viele ältere Menschen auch als
"weise" bezeichnet. Diese
Weisheit mit dem Elan der Jugend zu verbinden: das wäre es doch!
Doch schon äußerlich ist alten Menschen ihr Alter oft anzusehen. Es
scheint wie ein Spiegel des "Inneren“, des seelischen Alterns zu sein.
Wenn wir nun aber das innere Altern aufhalten, wird auch das Äußere
so sein, als „Spiegel“ - so die Annahme der Technologiebegeisterten. Dazu gilt es nur, die
Maschine Mensch etwas perfekter zu unserem Selbst zu machen. Die
Fehler, die sich im Genom mit dem Altern häufen, müssen repariert
werden, die Stoffwechselprodukte in und außerhalb der Zellen
entfernt werden.... und so weiter, ein paar dieser technischen
Eingriffe - und das Altern wäre gestoppt, Dazu braucht es aber eine
Änderung unseres Menschenbildes: Der Mensch ist in diesem
Zusammenhang eine Maschine, das heißt, eine Ansammlung von
Informationen.
Es gilt nun, eine Identität auf einem Apparat zu speichern. Mit diesem Apparat würden wir uns austauschen, so, dass er uns immer ähnlicher wird. Eines Tages würde dieser Apparat (der selbstverständlich auch viel von Künstlicher Intelligenz beinhaltet) ein Bewusstsein haben, das auch Emotionen umfasst. Emotionen wären genauso simuliert wie Intelligenz, die ja auch eine emotionale Intelligenz sein kann. Wir könnten mit uns körperlos (und beliebig speicherbar, kopierbar...) durch die Ewigkeiten zu treiben, das Universum erkunden. Wir würden den Kosmos erkunden, auf einem Laserstrahl reisen. Dies könnte eine Zukunft ohne Tod bedeuten: Unsterblichkeit. Unsere Identität würde auf einem Computer weiter leben, glauben Transhumanisten. Indem sie ganz auf Roboter und Computerprogramme setzen.
Es gilt nun, eine Identität auf einem Apparat zu speichern. Mit diesem Apparat würden wir uns austauschen, so, dass er uns immer ähnlicher wird. Eines Tages würde dieser Apparat (der selbstverständlich auch viel von Künstlicher Intelligenz beinhaltet) ein Bewusstsein haben, das auch Emotionen umfasst. Emotionen wären genauso simuliert wie Intelligenz, die ja auch eine emotionale Intelligenz sein kann. Wir könnten mit uns körperlos (und beliebig speicherbar, kopierbar...) durch die Ewigkeiten zu treiben, das Universum erkunden. Wir würden den Kosmos erkunden, auf einem Laserstrahl reisen. Dies könnte eine Zukunft ohne Tod bedeuten: Unsterblichkeit. Unsere Identität würde auf einem Computer weiter leben, glauben Transhumanisten. Indem sie ganz auf Roboter und Computerprogramme setzen.
Sonntag, 1. Oktober 2017
Postengeschacher
Ob so etwas auch das Gefühl einer politischen
Inszenierung noch weiter bestärken kann? Da nehmen Parteien eben
noch Positionen ein, die nahezu unvereinbar sind, da wird schon über
Koalitionen spekuliert und werden Ministerlisten veröffentlicht.
Jetzt. Après-Wahl. Wer welchen Posten beansprucht und wer welchen kriegt.
Komplette Kabinettslisten geistern durch die Medien. In Deutschland, der hochgelobten repräsentativen Demokratie. Zuerst wurden
die „Sachfragen“ betont. Doch jetzt werden sie sich im Konsens
der Demokraten, dass alles irgendwie durch Verhandlungskompromisse
geht, doch einig. Es scheint nunmehr ausschließlich um Posten zu
gehen. Das mit den Sachfragen werden wir schon regeln, Obergrenzen
hin oder her......scheint der Tenor zu sein. Verhandlungen. Aussitzen. Irgendwie geht das. Man wundert sich und
denkt über diese Sinnwelt nach...im besten Falle....
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