Reise durch Wirklichkeiten

Sonntag, 26. November 2017

Blatt im Jetzt

Blatt im Jetzt

Samstag, 25. November 2017

Arbeit im digitalen Zeitalter

Ich lese, dass der Kardinal Marx sich vehement gegen das bedingungslose Grundeinkommen wehre. Und zwar mit dem Argument, dass die Arbeit zu der „Grundkonstitution des Menschen“ gehöre, der mit einem bedingungslosen Grundeinkommen keineswegs der Unterhaltungsindustrie ausgeliefert werden solle. Wahlweise ist an dieser Stelle bei anderen Diskussionsteilnehmern von der „Würde des Menschen“ die Rede. Aber gerade diese „Arbeit“ ist ja gerade das Problem. Wir fragen uns, in welcher Gesellschaft solche Leute wie der Kardinal leben. In der Realität ist es wohl doch so, das jemand, der 8 Stunden am Fließband arbeitet oder frühmorgens um 4 Uhr Zeitungen austrägt, dies tut, weil er Geld braucht und überleben will, aber keineswegs, weil er sich dadurch als Mensch selbst verwirklichen will oder sich dem Ideal des arbeitenden Menschen annähern will. Die Wirtschaft scheint das gut verstanden zu haben, indem sie die meisten Menschen mit möglichst billigen Löhnen erpresst (weil Löhne ja „Kostenfaktoren sind). Alles, außer Arbeit, stelle den Menschen nur ruhig, so das Credo mancher Gegner des Grundeinkommens. Selbstverständlich ginge es auch darum, das Bildungssystem so zu gestalten, dass es nicht nur willenlose Sklaven für den Arbeitsmarkt produziert, sondern dass es sich wieder mehr dem Ideal des selbstbestimmten Menschen annähert und die Menschen dazu führt. Das würde heißen, dass der Mensch lernen könnte, dass es außer der Arbeit durchaus noch mehr sinnvolle Beschäftigung geben könnte, etwa im Bereich der Familie, die ja von der politisch rechten Seite ja immer als bestimmende Größe gedeutet wird. Ziehen wir den Begriff dessen, was Familie“ bedeuten kann, etwas weiter, dann würde hierbei sogar eine Übereinstimmung herrschen. Darüber hinaus gäbe es aber auch genügend Betätigungen im Bereich des Musischen, des Politischen, des Kreativen und der Bildung, die den Menschen durchaus mehr zu demselben machen könnten, als entfremdete Arbeit. Es könnte zudem sein, dass in digitaler Zukunft der Begriff „Arbeit“ ohnehin ganz anders gefasst werden müsste, in dem nämlich der Kuchen dessen, was heute möglichst billig als Arbeit gekauft und verkauft werden soll, deutlich kleiner geworden ist. Sie wird nämlich genau das nicht mehr sein, was dem Menschen Selbstvergewisserung und Identität verschafft. Auch die spirituelle Betätigung in einem weiteren und der Kirche nicht immer genehmen Sinne, könnte durch eine solche Existenz besser ermöglicht werden.  

Donnerstag, 23. November 2017

Doppelter Boden

Was mich anödet: Die Medien, ansonsten geil auf jede Schlagzeile, berichten nicht (oder kaum) über die Doppelbödigkeit der Politik. Leute die tausende von Euros (auf eigenen Beschluss hin) überwiesen bekommen, beschließen jetzt, dass Hartz4 um 7 Euro erhöht wird. Spricht für sich. Die aktuell neu eingezogenen Bundestagsabgeordneten wollen ihr stolzes Salär keineswegs durch Neuwahlen gleich wieder aufgeben. Also wird frisch gegen Neuwahlen polemisiert. Mit abstrakten und staatstragenden Argumenten. Bei Seehofer kam einst immerhin heraus, dass er, der so gerne das Idealbild der traditionellen Familie propagiert, seiner Freundin im fernen Berlin ein Kind gemacht hatte. Das wurde irgendwie herunter gespielt und wie bei unzähligen Politikern zuvor mit staatstragenden Kommentaren bedacht: „Solange er seinen Job als Politiker macht, hat seine Privatsphäre niemanden zu interessieren“. Im Ausland haben sich hochmögende Politiker als schlimme Finger in dieser Hinsicht hervor getan. Hm. Zurück getreten und wieder gekommen. Hauptsache, gekommen. Verkörperte Doppelmoral, die gerne mit aufgeblasenen Worten schöngeredet wird.
Die Trennung von Privatem und Öffentlichem: okay. Ob es nicht aber Fälle gibt, in denen das obsolet geworden ist und die eine Sphäre durchaus mit der anderen zu tun hatte? Dass sich ganze Politikergruppen ins Puff fahren lassen, dass masochistisch orientierte Domina-Studios von gewissen Politikern wohlbesucht sind, dass Lover und die von ihnen ausgehenden Impulse das Alltagsgeschäft von gewissen Politikern durchaus geprägt haben mögen.... nun ja, das scheint alles hingenommen zu werden unter dem offiziellen Siegel der Trennung von Privat- und Öffentlichkeitsspäre. Ob es da manchmal Überschneidungen gibt, die durchaus kolportiert werden könnten? Und die Medien spielen da in Deutschland gerne mit. Verschwiegenheit um jeden Preis. S' ist so Tradition. Ob dies einem zu denken gibt? Dies alles könnte einem immerhin gerade in der derzeit obwaltenden Lage wieder bewusst werden.  

Mittwoch, 22. November 2017

Vermögensbildung

Es wird doch tatsächlich oft diskutiert, ob es gerecht und ein anstrebenswerter Zustand sei, wenn alle dasselbe verdienen? Natürlich nicht, so mag man da oft einwenden. Kommunismus soll ruhig das abschreckende Unwort bleiben. Gewisse Unterschiede liegen in der Natur der Sache. Oft führt die Diskussion dann auf die Frage zu, wie unter den Bedingungen der Globalisierung eine halbwegs sinnvolle Arbeitsmarktpolitik gemacht werden kann. Es geht dann oft um die Rolle der Gewerkschaften, die Frage nach dem betrieblichen Kündigungsschutz, die Frage danach, in welche Sektoren und zu welchem „Zwecke“ Investitionen oder Steuergelder allgemein ( als „Entschädigung“ für den Atomausstieg z.b. viele Milliarden an die Energiegroßkonzerne...) fließen. Es gab zudem den Vorschlag, Managergehälter ab einer bestimmten Höhe nicht mehr steuerlich absetzbar zu machen und sie in der Höhe ohnehin zu begrenzen. Die Frage ist am Ende, ob es den politischen Willen gibt, solche Dinge anzugehen... so scheinen derzeit nach dem „Jamaika“-Fieber solche Fragen ohnehin wieder in den Hintergrund gerückt zu sein, der Kandidat Martin Schulz scheint mit der Gerechtigkeitsfrage ohnehin Schiffbruch erlitten zu haben. Dabei gibt es auch Möglichkeiten, die keineswegs systemverändernd wirken müssen. Bei der Vermögensbildung gäbe es jedenfalls die Möglichkeit der international abgestimmten Steuerung und Regulierung. Vermögen? Nun ja, eine gewisse ungleiche Verteilung mag da durchgehen. Sie folgt der Logik des kapitalistischen Systems. Doch in Wirklichkeit sind die Verhältnisse extrem. 2% der Bevölkerung besitzen so viel wie 98% der Bevölkerung zusammen. Ob so etwas noch in der Logik des Systems liegt? Wenn in diesem Zusammenhang gestritten wird, dann höchstens über die Höhe dieser Zahlen, die natürlich angezweifelt werden. Es scheint insgesamt aber vielmehr auf die Größenordnungen anzukommen. Ob dabei etwas geändert werden müsste?  

Dienstag, 21. November 2017

Umstrukturierungen

Ich wundere mich über ein Blatt, dessen Artikel mir früher einigermaßen empathisch und zumindest sozial mitfühlend vorgekommen waren. Jetzt lese ich dort einen Artikel, der die von mir in den letzten Jahren wahrgenommene Richtungsänderung aufs Schlimmste zu bestätigen scheint. Gerade hymnisch wird dort ein Firmensanierer als „Retter“ gepriesen, dessen Leistung es zu verdanken sei, dass das in betreff stehende Unternehmen überhaupt noch existiere. Dass er die Belegschaft dabei um die Hälfte reduziert hat, ist nur einer Nebenbemerkung zu entnehmen. Man scheint sich also an dieser Stelle ganz der Logik der neoliberalen Marktwirtschaft ergeben zu haben, die den Menschen ausschließlich als Kostenfaktor sieht, der das Fortkommen eines Unternehmens mindestens verlangsamt, wenn nicht gar unmöglich macht. Ob wenigstens ein oder mehrere relativierende Sätze da angebracht gewesen wären? Ob man hätte wenigstens andeuten können, dass hier eventuell Schicksale von Einzelnen dahinter stehen könnten? Menschen? Durch „schwierige Zeiten“ habe der Rettungsbringer die Firma auf diese Weise hindurch bringen können, so feiert der Artikel weiter. Es sei durch Krisenjahre und Umstrukturierungen hindurch in Richtung auf neue Profitabilität gegangen, dank der unerbittlich führenden Heilsfigur. 

Montag, 20. November 2017

Bild der Wirklichkeit

Ich habe den „Presseclub“ gesehen. Wieder einmal habe ich den Eindruck, dass da immer dieselben Figuren auftauchen und sich in der Sonne ihrer Wichtigkeit sonnen, indem sie geschwätzige Kommentare abgeben und durcheinander reden. Es wird genau so weiter gehen, so ist zu vermuten, in neuer alter Zusammensetzung. Die Montagsshow diskutiert anlässlich der „Paradise Papers“ über die Steuerung von Steuerverhältnissen, wobei – zu recht oder zu unrecht – mal wieder die Firma Apple als Hauptverdächtiger und Oberschurke ausgemacht wird. Immer „die anderen“, natürlich. Beiläufig verrät dann der Moderator, dass er sein neues Apple Iphone noch nicht ausgepackt hat. Es wird sodann über Verkehr und Abgasvermeidung diskutiert. Es ist nun zu erfahren, dass derselbe Gesprächsleiter ein SUV fährt...... Wer genauer hinschaut, wird ohnehin feststellen dass so manche als „oberwichtig“ eingestufte Person auch in einem gewissen Verdacht steht..... aber es gilt in einem Rechtsstaat ja die Unschuldsvermutung.... Es folgt die Dienstagstalkshow, dann die Mitwochsshow, am Donnerstag...usw. Das Wochenende ist natürlich frei. Bis auf den „Presseclub“ und „Anne Will“. Die Besserverdienenden, Tonangeber und Wichtigs scheinen dabei ein Bild von der Wirklichkeit nach ihrem Geschmack zu formen, wobei „die Presse“ von ein paar oberwichtigen Gesichtern repräsentiert wird, die selbst sehr offensichtlich nicht damit zurecht kommen, wenn „Ungeübte“ nach ihrem Geschmack nicht schnell genug auf den Punkt kommen. Ob wir nicht auch einmal neugierig darauf wären, was ein paar bisher noch nicht dauernd gesehene Gesichter dazu zu sagen hätten? Ob weniger betuchten „Betroffenen“ auch jenseits gewisser Alibifunktionen hier auch einmal Platz eingeräumt werden müsste? Ob das immer oberunterhaltsam sein und in einem gewissen, dafür eingeräumten Zeitraum, geschehen muss? Die Quote, ja die Quote! Ob dies ganze Theater zu einem gewissen Unmut darüber beiträgt, was sogenannte „Eliten“ aufführen und inwiefern sie glauben, für andere sprechen zu sollen? Ob sich ein Gefühl der Inszenierung einstellt, das bei unseren Fernsehspielen, die sowieso immer dieselben Schauspieler in den Vordergrund stellen, schon längst gang und gäbe ist? Es sind ja nur Fragen, die sich einem stellen...... 

Samstag, 18. November 2017

Individuum, Gesellschaft & Bewusstsein

Wir blicken um uns und sind aus dem Moment heraus erstaunt. Später versuchen wir, uns das Schauspiel um uns herum zu erklären. Jetzt habe ich etwas dazu aufgeschnappt, das mich stark angeregt hat, - denn: In der Zivilisation haben wir es allzuoft mit standardisierten Menschen und weniger mit einer Vielfalt zu tun. Es ist nicht korrekt, es ist nicht schön: die Stanze herrscht, die Gleichmachung in den Köpfen. Sozialisation. Dressur. Training. Das sich klar zu machen, mag manchmal schwierig sein, besonders weil wir uns selbst natürlich für ganz etwas ganz Besonderes halten. Aber der Einzelne läuft dauernd Gefahr, sich in einer Funktion oder in einem Status aufzulösen. So kommt die „Persona“, wie es der Psychologe CG Jung vor gefühlt 100 Jahren schon formulierte, oft ins Gehege mit der Entwicklung eines eigenständigen Selbst. Dafür mag auch der bekannte Satz eines Dichters aus vergangenen Jahrhunderten stehen: „Wir werden als Originale geboren und sterben als Kopien“.
Heute jedoch scheint es so: Die Persönlichkeitsentwicklung bei gewissen Naturvölkern gründet sich vor allem auf empathische Zuwendung (Ob wir von ihnen etwas lernen sollten?). Für sie hat diese Persönlichkeitsentwicklung mit Beziehung zu tun, mit dem Versuch, mit anderen oder der Natur in einen Austausch zu treten. In einen nicht competitiven Austausch, also nicht in einen Wettstreit um das größere „Wachstum“! Es könnte gelten: „Gehe völlig nach außen, aber kenne dich selbst und nimm die Folgen deiner Handlungen auf dich“. Das trifft auf die Verbundenheit des Einzelnen und der Gesellschaft zu und führt zu der damit verbundenen Verantwortung für das eigene Sein. Mit einer Geisteshaltung, die sehr selbständig und ungebunden sein kann, bleiben wir also gebunden: empathisch gebunden.
Unsere Zivilisation aber produziert Persönlichkeiten, die sich auf stereotypische Weise gegen empathisches Erleben wehren und dadurch grundsätzlich voneinander isoliert sind. Hier ergeben sich viele Paralellen zu dem modisch gewordenen Begriff "Neoliberalismus", dessen Auswirkungen unsere Wirklichkeit auf vielerlei Art prägen. Da die Rollenspiele in unserer Gesellschaft auch dem öffentlichen Verhalten gelten, produzieren sie ein scheinbar der Gemeinschaft gewidmetes Leben. Aber in Wirklichkeit wird unter dem Deckmantel des gemeinschaftlich Gesinnten der Gesellschaft Gewalt angetan. Das sich öffentlich Geben und Aufspielen ist eine Verdinglichung.
Unser Bewusstsein nimmt dies als eine universale Art des Seins an und die Identifizierung des Ich mit Äußerlichkeiten führt zu einem Verhalten, das dem Besitz von Dingen dem gleichsetzt, wer man ist. Es entfernt den Menschen von der Realität. Es führt unter anderem zu zerstörerischen und gewalttätigen Kriegen. Es führt auch zu einer grundsätzlichen Unverantwortlichkeit dem Menschen gegenüber. 

Freitag, 17. November 2017

Wer und Wo?

Ich frage mich, was für ein soziales Klima das schafft, wenn nicht erst nach den „Paradise Papers“ offensichtlich ist, dass sich allüberall Reiche mit tausend Tricks und Anwälten dumm und dämlich verdienen, indem sie ihren Steuersatz in Richtung 0 % drücken, während der Normalbürger brav seine Steuern zu zahlen hat. Wie redet man sich das etwa in den USA schön? Und hier? Wenn die unteren Lohngruppen vom sogenannten konjunkturellen Aufschwung praktisch gar nicht profitieren, während die oberen überdurchschnittlich abkassieren. Wenn Manager Jahresgehälter im Millionenbereich beziehen, selbst wenn sie offensichtlichen Misserfolg bis hin zur Insolvenz haben, während ihre Facharbeiter mit einem Bruchteil eines solchen Lohns über die Runden kommen sollen. Noch nie war der Billiglohnsektor so groß wie heute, noch nie waren so viele Menschen am Existenzminimum, noch nie drohte derart intensiv die Altersarmut großer Schichten. Was für ein Klima schafft dies? 
Mir scheint, dass da etliche Dinge schief laufen, ob sich nun eine „Jamaika“-Koalition einigt oder nicht. Es scheint mir auch eine Spielart der „Fake News“ zu sein, wenn wir hinaus schauen und überall nur großartige und erfolgreiche Verhältnisse sehen sollen. Ja, gewiss, das Wachstum, die Jobs, die marktkonforme Demokratie, die Industrie, die großen Limousinen und all die wirtschaftlichen Erfolge: Die Schattenseiten freilich werden allzu offensichtlich abgeblendet. Ich verstehe noch nicht die Logik, nach der es die gesellschaftliche Polarisierung auf allen Gebieten geben muss. Ist das eine Art Selbstentfaltung? Soll hier die Gier als eine Art Urtrieb des Menschen und seiner Gesellschaft gedeutet werden? Ist das im Sinne eines Neoliberalismus, wie ihn etwa Hayek und Friedman gepredigt haben? Soll es dadurch in Richtung eines Fortschritts gehen? Fortschritt für wen? Wollen wir uns es leisten, dass nur bestimmte Menschen etwas von diesem Fortschritt haben sollen? Wollen wir es uns leisten, das bestimmte Menschen weitgehend ausgegrenzt sein sollen von Chancen und Teilhabe? Dass eine übergroße Spreizung der Besitzverhältnisse fatale Folgen haben kann, wurde ja inzwischen "wissenschaftlich" untersucht. Soll von dem allem ein Anreiz ausgehen? Welche Auswirkungen könnte so etwas auf das Ganze einer Demokratie haben? Wollen wir solche Probleme auch verschleppen und schönreden, wie etwa das einer Steuergerechtigkeit in breiten Kreisen, - auch der EU? Wo stehen wir? Wer sind wir? Wollen wir zusammen etwas unternehmen? Soll das eine Gesellschaft sein oder werden oder gewesen sein?  

Donnerstag, 16. November 2017

Tod und Technik

Die Ägypter bauten Pyramiden.... Muslime gehen der Glückseligkeit entgegen, Christen treten zum Jüngsten Gericht in ihrem schönsten Körper an, Buddhisten werden ein anderes Wesen.... es könnte aber auch Nichts sein. Oder Google. Wissenschaftler, die für ein Unternehmen der Firma arbeiten, sollen der Unsterblichkeit auf der Spur sein. Das heißt, dass sie ein Medikament finden wollen, das den Tod ausschließt. Skeptische Stimmen würden sofort fragen: Für wen? Für diejenigen, die die Kohle dafür haben? Sie werden sich auch, wenn's nach Google geht, zu Cyborgs machen, das heißt, sie werden sich und ihren Körper mit digitalen Maschinen verbinden. Wer und was sind sie dann? Es stellen sich neue Fragen..... Unsere wichtigste Gemeinsamkeit könnte nicht mehr sein, dass wir alle sterben müssen. Gehirn auf Festplatte umladen und dann.....Wiederauferstehung im Computer, mit dem Computer, durch den Computer? Oder dem Körper etwas Unsterbliches geben, ihn immun gegen den Verfall machen? Anti-Aging versucht das mit harmlosen Mitteln ja jetzt schon. Diese Kältetanks, die aus den USA bekannt sind und in denen Menschen sich haben einfrieren lassen, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzuerstehen, sind auch schon Realität. Organe und Gewebe konservieren....es geht nur noch um die Methode. Sich runderneuern in gewissen Zeitabständen: das wäre eine Vision von Silicon Valley. Das Ärgernis des Alterns aus der Welt schaffen, nicht Krebs oder AIDS und andere drohende Krankheiten. Epikur sagte über den Tod: „Solange wir da sind, ist er nicht da, und wenn er da ist, sind wir nicht mehr“.   

Mittwoch, 15. November 2017

Leben im Weltraum

Asteroiden können globale Killer sein. Erst neulich flog wieder einer relativ dicht an unserer Erde vorbei. Jetzt war in ganz Süddeutschland High-Time: Was war denn das? Ein Objekt schien gesichtet worden zu sein, das ein Asteroid hätte sein können. Ein Einschlagsgebiet wurde freilich noch nicht gefunden. Entwarnung wurde ohnehin schnell gegeben: ein "Wetterphänomen", so hieß es offiziell. In der Atmosphäre verglüht. "Harmlose Sternschnuppe".
Noch knobeln Wissenschaftler daran, wie sie solche Asteroiden aufhalten könnten. Das A und O scheint dabei zu sein, das man deren planetarischen Bahnen rechtzeitig erkennt, so dass selbst kleinste Korrekturmaßnahmen ihre Wirkung zeigen könnten. Zu diesem Zweck tonnenschwere Raumsonden zum Einsatz kommen. Kommt ein Asteroid näher, soll gezielt beschossen werden. In den nächsten paar hundert Jahren soll jedenfalls noch nichts auf uns zukommen, erklären Wissenschaftler. Aber was ist, wenn doch einer mal durchkommt? „Kleinere“ Objekte von etwa 20 Meter Durchmesser sind etwa alle hundert Jahre zu erwarten. Solch ein Einschlag könnte ausreichen, um ganze Städte zu vernichten. Die Wissenschaftler beobachten zwar mit Teleskopen den Himmel, doch die dunklen Objekte sind von der Erde aus schwierig auszumachen. Die Wissenschaftler entdecken trotzdem etwa 4 neue Asteroiden pro Tag. Es sind im Moment etwa 12000 Objekte identifiziert, die der Erde gefährlich werden können. Vor etwa 70 Millionen Jahren kam ein großer Asteroid durch die Atmosphäre, schlug auf der Erde auf und vernichtete die Saurier. Das heißt, er vernichtete fast alles, was mit Leben im weiteren Sinne zusammen hing. Aus den paar kleinen Säugetieren, die übrig blieben, sind wir hervor gegangen. 

Dienstag, 14. November 2017

Geld, Vermögen

Das weltweite Geldvermögen beträgt jetzt 169 Billionen Euro. Es ist damit um 7,1 Prozent innerhalb eines Jahres geklettert. Zudem ist die Zahl der Dollar-Millionäre gestiegen: 16,5 Millionen Menschen gab es weltweit, die mehr als 1 Million hatten, 7,5 Prozent mehr als 2015. Das besagen neueste Zahlen des „Global Wealth Report“. Weitere Zahlen sagen aus, dass etwa zehn Prozent der Haushalte etwa 60 Prozent des Gesamtvermögens besitzen. Dass dabei auf Schätzungen zurück gegriffen werden muss, ist der Tatsache geschuldet, dass Reiche meist sehr zugeknöpft sind, was ihre Vermögensverhältnisse angeht. Manche sind dabei überhaupt nicht einzuschätzen und tauchen in den bekannten Rankings gar nicht auf. Aktien sind jedenfalls für die Deutschen offenbar keine Alternative. Nicht einmal jeder Zweite hält es laut einer Forsa-Umfrage für sinnvoll, wenigstens einen Teil des Ersparten an der Börse anzulegen. Gerne wird eine solche Betrachtung von Zahlen als „Sozialneid“ abgetan, - natürlich in einem bestimmten Interesse.

Montag, 13. November 2017

Steuerparadiese, Wutbürger

Ein beliebtes Spiel der Rechtfertigung von gewissen Steuermissständen ist es, das Gebaren von Reichen und Armen gegenseitig aufzurechnen. Es gäbe ja so viele Arme, die den Staat auch gerne mal betrügen würden, etwa bei der Anmeldung von Reinigungskräften, die als Geschäftsessen deklarierte Geburtstagsparty oder falsche Angaben bei der Pendlerpauschale. Das soll also genauso oder sogar (wegen der Gesamtsumme) noch verwerflicher sein, als das Gebaren von Steuersündern, die Steuervermeidungsstrategien mittels geschickter Anwälte und findiger Steuerberater durch die Flucht in „Steueroasen“ auszunutzen versuchen. Dahinter steht wohl auch die neoliberale Ansicht, dass in einem Staat alles erlaubt sei, was nicht ausdrücklich verboten sei. Gerne wird sich in diesem Zusammenhang auf den Rechtsstaat berufen, der in diesem Zusammenhang und „im Namen des Volkes“ ohnehin gerne herbei zitiert wird. Alles legal. Leute, dass die Politik diese Gesetze gemacht hat und all dies erlaubt, gehört zum Skandal! Das Argument, dass gewisse Dinge auch „legitim“ sein können, wird mit dem Hinweis auf die in den achtziger Jahren so beliebten „Sachbeschädigungen“ abgeschmettert. Es wird vor einer „abschüssigen“ bahn gewarnt, wenn das „Legitime“ eine größere Rolle spielen sollte. Auch soll die sogenannte „Hausbesetzerszene“, die unter anderem bei dem G 20-Gipfel in Hamburg so unangenehm sichtbar wurde, dadurch nicht nachträglich gerechtfertigt werden, dass die Legitimität ihrer Aktionen behauptet werde, so das hinterhergeschobene Argument. Dass ganze Staaten von ihren geringen Steuersätzen leben, dass es geradezu ihr Geschäftsmodell innerhalb der EU ist, wird in diesem Zusammenhang als Ärgerlichkeit wahrgeommen. Letztlich soll es aber an der EU und dem dahinter stehenden politischen Willen liegen, dass solcher Steuerwettbewerb nicht unterbunden wird. Dass Deutschland dabei offenbar großartige Erklärungen gegen Steuersünder abgibt, in Brüssel aber alle gesetztlichen Vorschriften blockiert, macht die Sachlage auch nicht besser. Moral nutze da weniger, es müssten Vorschriften oder Gesetze her. Dass Minister dagegen sofort protestieren und dabei ins Felde führen, dass sich die EU bei einer entsprechenden Gesetzgebung ja selbst anklagen würde, macht die Sache nicht (Ob das einschlägige Lobbyisten und Kumpels zu vermeiden wissen?) übersichtlicher. Jedenfalls scheinen solche Verhältnisse in der EU möglich zu sein. „Black List“? Ja. Aber nicht mit Ländern aus der EU. Und überhaupt, gegen moralisierende Argumentationen verwahrt man sich sowieso. Moral? Igitt! Dass Reiche von vornherein ganz andere Möglichkeiten der Steuervermeidung haben als der sogenannte Kleine Mann und dadurch eine sozusagen programmierte Ungerechtigkeit entsteht, bleibt da ganz außen vor. Dass derjenigen Gemeinschaft, in der Gewinne erzielt werden, ein gewisses Recht auf Steuereinnahmen zusteht, - nun ja, wer wollte das bestreiten? Wer das Recht hat, diesem Gemeinwesen die ihm zustehende Steuer (Streitpunkt, wieviel....aber nicht, dass....) einzutreiben? Hm, zumindest einschlägige Anwälte und ihre Kumpels in der Politik. Wo da der Wutbürger bleibt? Von ihm war nichts zu hören. 1000 Milliarden pro Jahr werden einstweilen vermisst.  

Sonntag, 12. November 2017

Elitenrochade

Ob es nur um den Austausch von Eliten geht, die an die Macht drängen, abseits eines grundsätzlich elitekritischen Ansatzes? Auch die jüngst bekannt gewordenen Steuerskandale könnten zu solchen Rochaden Anlass geben und sie befeuern, wobei die sogenannten „Jamaika“-Gespräche so unendlich lang wie zäh zu sein scheinen und das persönliche Fortkommen von bestimmten Politikern in den Vordergrund zu stellen scheinen. Dass ausgerechnet jetzt eine Person als kommender Finanzminister gehandelt wird, die anscheinend nicht ganz unfreundlich den sogenannten „Cum-Ex“-Geschäften gegenüber stehen soll, bei denen der Staat um Milliardensummen geprellt wurde, macht die Sache nicht attraktiver. 
In dieser Sache hat sich ausgerechnet der SPD-Kanzlerkandidat von 2013 zu Wort gemeldet. Die Politikerkaste scheint also nicht ganz frei von urmenschlichen Antrieben. Wie sollte sie auch?, so würden manche Abgeordnete fragen. Politiker sind auch nur Menschen. Und als solche sind sie gierig an möglichst viel Geld für sich interessiert, so würde man in Gedanken hinzu fügen, - und hätte wohl nicht ganz unrecht damit. Die längst vergessene Aussage, dass sich ein Fraktionsvorsitzender im Landtag von Baden-Württemberg mit der Höhe seiner „Aufwandsentschädigungen“ offenbar einigermaßen unzufrieden zeigt, mag auch in diese Richtung zeigen. Es geht also vor allem um puren Elitenwechsel, bei möglichst gleichbleibend hohen Bezügen. Jetzt will derselbe Abgeordnete offenbar möglichst schnell ins Europäische Parlament wechseln, wo die Aufwandsentschädigungen und Gagen natürlich noch viel höher als in einem Regionalparlament sind. Die Folgerungen sind naheliegend.

Samstag, 11. November 2017

Borneo ist überall

Es scheint ja inzwischen zu etwas wie einem ökologischen Gemeinplatz geworden zu sein, zu behaupten, dass alles mit allem zusammen hänge. Doch wie sieht die Tatsächlichkeit aus? Wenn wir aus dem Auto steigen und feststellen, dass etwa selbst nach längeren Fahrten keineswegs alles verklebt ist mit Insekten? Im Gegenteil, dass sie relativ rar sind? Wenn wir beiläufig erfahren, dass bis zu 58 000 Arten pro Jahr aussterben? Damit wollen wir dann nichts zu tun haben. Aber aus übergeordneter Warte heraus könnte man fragen: was für seltsame Lebewesen sind diese Menschen? Rotten alles andere außer sich selbst aus, möglicherweise um eines wirtschaftlichen Vorteils willen? Denn im Supermarkt, da wollen wir schon günstig einkaufen, da darf's und soll's nicht etwas mehr kosten als das, was halt so der Marktpreis ist: für Gemüse und Obst, das in Monokulturen angebaut wird und für das etliches Gift versprüht wird. Hm, was sind eigentlich Arten? Selbst über diese Frage gibt es in den Wissenschaften unterschiedliche Ansichten, was ja durchaus normal ist. Wie werden diese Arten beeinflusst, durch die Umwelt, durch das Wetter, in welchem Wechselspiel stehen sie damit?
Was haben wir mit Borneo zu tun, außer den Palmölplantagen, für die inzwischen mehr als die halbe Insel gerodet wurde und die mit ihrem Öl unseren E10 Treibstoff zum Ökotreibstoff machen sollen? Hm, die EU ist da ganz vorne dran. Die Orang Utans, deren Lebensgrundlagen damit „beseitigt“ werden, sind hinten dran. Diese wunderbaren Wesen, diese Waldmenschen,  mit denen dann auch noch illegal gehandelt wird. Der Lambir-Hills-Nationalpark im Westen der Insel Borneo. Dieser war einst einer der vielfältigsten Wälder der Welt gewesen. In den vergangenen drei Jahrzehnten aber verschwanden dort aber etliche größere Tiere wie Flughund, Malaienbär, Gibbon und Rhinozeroshornvogel aus dem Park. Übrig bleiben kleinere Tier, die für Jäger kaum interessant sind. Das ist auch Borneo. Ob dies mit uns zusammenhängt? 

Freitag, 10. November 2017

Gleichmacherei

Silicon Valley strickt schon heftig daran und alle scheinen sich einig zu sein, dass das mehr Glück über die Menschheit bringen wird: Unser Dasein könnte demnach schon bald so aussehen, dass man erst mal alle zehn Jahre in eine Klinik geht, um dort ein Komplettprogramm zu erhalten, das nicht nur Krankheiten bekämpft, sondern auch verfallenes Gewebe regeneriert und eine Art Update für Hände, Augen und Hirn liefert. In der Zeit bis zum nächsten Programm zehn Jahre später erfinden manche Medizintechnokraten dann wieder neue Mittel, Techniken und Tricks, mit denen es dann nochmal ein Stück weiter geht. Auf diese Weise entkommt der Mensch dem Tod in Zehnjahresschritten, - möglicherweise. Die Lebensspanne des Menschen könnte sich auf diese Weise jedenfalls dramatisch verlängern, genauso, wie sie sich auch schon in der Vergangenheit durch verschiedene gesellschaftliche Entwicklungen verlängert hat. Die Welt wird in jeder Hinsicht eine andere sein.
Doch einen Haken hat das Ganze: Solche „Runderneuerung“ werden sich erst mal nur die Reichen und Superreichen leisten können. Die Biotechnik wird die Lebenserwartung erhöhen, - aber nicht für jedermann. Sie wird menschliche Fähigkeiten verbessern können: auch nicht für jedermann. Es könnte sich so eine soziale Klasse herausbilden, die nicht nur reicher als der Rest wäre, sondern auch länger in jüngeren Körpern leben würde. Zum ersten Mal könnte wirtschaftliche Ungleichheit zu biologischer Ungleichheit führen, nachdem in der Vergangenheit immer der Tod „der große Gleichmacher“ war. Ob das mehr Glück in unser Dasein bringen wird?  

Mittwoch, 8. November 2017

Staat, Steuer, Arm und Reich

Wir staunen und sind nicht einmal überrascht. Die „Paradise Papers“ offenbaren, dass sich die Reichen, Superreichen und superreichen Konzerne schadlos halten, dass sie schalten und walten, dass sie jede juristische Spitzfindigkeit nutzen, um am Ende keine Steuern zu zahlen. „Steuervermeidungsstrategie“ nennt sich so etwas dann und sie scheinen bei ihren Aktionen allzu willfährige Helferlein überall zu haben. Natürlich sind wieder prominente Namen unter den Aufgedeckten, die natürlich dementieren (lassen) und selbstverständlich von nichts gewusst haben wollen. Haben alles ihre Steuer- und Vermögensberater gemacht, sie selbst haben damit nichts zu tun. Klaro. Welches Licht solche Verhaltensweisen auf die Stellung von Steuervermeidern gegenüber dem Gemeinwesen haben, ist damit einmal wieder leider sehr klar demonstriert. Ein zynisches Lachen, ein überlegenes Lächeln, ein wissendes Nicken.... nun ja, die allzu eingeschliffenen emotionalen Reaktionen dazu waren ja auch in der ARD-Sendung „Hart aber Fair“ zu besichtigen. Niemand weiß von nichts, man ist neu hier..... „Mal hier einen Wohnsitz, mal dort einen Wohnsitz...“ und mindestens 183 Tage im Jahr auf See, - das einschlägige Gebaren von Steuervermeidern ist ja längst bekannt. Dass sich auch staatseigene Großfirmen eines ähnlichen Verhaltens befleißigen sollen: naja. Was da wohl läuft? Kein Mensch weiß anschließend noch, wo der derart fleißig Reisende (Konzern)  seine Steuern entrichtet oder nicht entrichtet. Aber alles ist legal. Das ist wichtig. Ein bisschen Tricksen halt. Briefkastenfirmen, Verschleierungstaktiken, kreative Vermögens- und Steuerberatung, Cayman-und Virgin-Inseln, Isle of Man, vielleicht auch ein bisschen Niederlande  ... gewusst, wie. So mancher fragt sich, was die vielen Fahnder in den hiesigen Finanzämtern eigentlich so machen. Aber die sind ja in ihrer ohnehin viel zu geringen Zahl so etwas von überlastet mit dem Kontrollieren von Kleinunternehmern, Start-Ups, ganz "normalen" Steuerpflichtigen und anderen kleinen Fischen.......
Am nächsten Tag ist in der Presse, dass ein Staatsanwalt einen Strafbefehl gegen einen Sparkassenlenker in einem wichtigen Bundesland verhängen will. Ein richtiger Präsident. Der Mann soll seine Steuererklärungen der Jahre 2012 bis 2014 verspätet abgegeben haben und somit Steuerhinterziehung begangen haben, so der Staatsanwalt. Der mutmaßliche Hinterzieher war von 2002 bis 2007 Bundestagsabgeordneter und von 2008 bis 2011 Finanzminister eines sich für herausragend haltenden Bundeslandes. Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt. In drei Tagen wird’s ohnehin wieder vergessen sein. 

Dienstag, 7. November 2017

Leise Lieder (Lyrik, Christian Morgenstern)

Leise Lieder

Leise Lieder sing ich dir bei Nacht,
Lieder, die kein sterblich Ohr vernimmt,
noch ein Stern, der etwa spähend wacht,
noch der Mond, der still im Äther schwimmt;
denen niemand als das eigne Herz,
das sie träumt, in tiefer Wehmut lauscht,
und an denen niemand als der Schmerz,
der sie zeugt, sich kummervoll berauscht.
Leise Lieder sing ich dir bei Nacht,
dir, in deren Aug mein Sinn versank,
und aus dessen tiefem, dunklen Schacht
meine Seele ewige Sehnsucht trank.

(Christian Morgenstern 1871-1914)

Montag, 6. November 2017

Die einen, die andern (New Rising)(Songtext)

Die einen, die andern (New Rising)
Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben
Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben



Die einen betreiben Schmierendienst zwischen Schenkeln
die andern treibt es zurück ins Kloster
die einen flüchten dringend ins Theater,
die andern saufen sich den Ballermann
die einen klettern Wände rauf und runter
die andern springen keck von Klippen
die einen wollen unbedingt fliegen,
die andern kommen schon mal ins Trudeln
die einen gehen auf den Fußballplatz
die andern in den Spielsalon
die einen zieht's in fremde Länder... nah
die andern in die hintere Sakristei.... Mongolei
die einen treiben Ausgleichssport... auf Leistung
die andern gleiten per Anhalter durch die Galaxie
die einen fahren goldene Autos mit güldenen Felgen
die andern treiben den Ochsenwagen



Die einen gehen zum Psychiater
die andern in den Imbissladen
der Moderne Mensch träumt von modernen Städten,
die sich zum Alptraum entwickeln
Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben
Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben
Fliehen – Abhaun – Vergessen
Fliehen – Abhaun – Vergessen



Die einen fallen aus der Zeit,
die andern wollen mit ihr gehen
die einen spielen Komödien, denen sie so recht nicht trauen
die andern glauben ans Kasperletheater
die einen geloben dem Papst ihre Treue
die anderen setzen ihrer Wahrheit den Turban auf
die einen loben die Wonnen des Fleißes als Gestalter
die andern haben keinen Job
und tun lieber so als ob



Fliehen – Abhaun – Vergessen
Fliehen – Abhaun – Vergessen
Fliehen – Abhaun – Vergessen

Fliehen – Abhaun – Vergessen - Fortschweben


(Songtext aus dem Jahr 2012)

Samstag, 4. November 2017

Insektensterben

Neulich wurde ich Zeuge eines beachtlichen Interviews. Ein Interessenvertreter wurde da nach den Insekten und deren Verschwinden gefragt. „Was wollen sie denn“, so in etwa der Tenor des Befragten. „Alles in bester Ordnung. Studien über das Phänomen liegen ja noch nicht vor. Zumindest das sollte man abwarten“. Das wurde dann den Zuschauern als kompetente Auskunft präsentiert. Dabei lehrt einen alleine schon die unmittelbare Erfahrung anderes. Hinzu kommt Bedenkliches. Waren noch vor wenigen Jahren die Scheiben nach längeren Fahrten mit Insektenleichen und anderem fligendem Zeugs übel verschmutzt und klebte ein übler Chininschmodder daran, sohat sich das jetzt gewaltig geändert: Die Scheiben bleiben sehr weitgehend frei von solcher „Verschmutzung“. So manch einer fragt sich, wo all dieses geblieben sei. Auch bei oberflächlichster Information eröffnet sich ihm ein alarmierender Befund. Dass es ein Bienensterben gibt, scheint sich herum gesprochen zu haben. Dass die Bestäubung der Pflanzen, die ja meist wirtschaftlich „genutzt“ werden, zu einem großen Problem wird, hängt unmittelbar an der Diagnose. Dass aber auch Schmetterlinge und alle anderen Insekten von diesem merkwürdigen Sterben betroffen sind, scheint für viele Menschen noch eine neue Information, obwohl der simple Blick an ihre Windschutzscheibe sie eines Besseren belehren könnte. „Biodiversität“ scheint ein neues Thema unseres Diskurses zu werden, eines, dem sich sogar die Kanzlerin nicht verschließen mag.
Wir haben keine Zeit mehr bis zur nächsten Studie. Handeln ist angezeigt. An dieser Stelle bin ich froh, dass mein Bundesland Baden-Württemberg von Grünen regiert wird. Kretschmann ist sogar studierter Biologe und weiß genau, was die Zeichen bedeuten. Der allzu großzügige Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln in der Landwirtschaft gilt mittlerweile als relativ gesicherte Ursache. Hinzu kommt der Verlust an Lebensraum, die Umweltverschmutzung, die Veränderung der Agrarlandschaft. Die Insektengifte der Stoffgruppe Neonikotinoide stehen aber in höchsten Verdacht, ganz direkt an diesem Insektensterben beteiligt zu sein. Kretschmann will jetzt etwas tun. Dass die intensive Landwirtschaft etwas mit dem Artenrückgang zu tun hat, bestreitet niemand mehr ernstlich. Neue Blühmischungen, überhaupt, eine möglichst vielfältige Artenfolge beim Anbau, eine bessere Betreuung von Naturschutzgebieten und eine bessere Verbindung von Biotopen: ökologische Verbesserung auf breiter Front ist angesagt. Doch den Einsatz von Pestiziden kann letztlich nur die EU regeln. Hoffentlich ist das alles nicht schon zu spät.  

Freitag, 3. November 2017

Schopi über den Tod (8)

Wenn was uns den Tod so schrecklich erscheinen läßt der Gedanke des Nichtseyns wäre; so müßten wir mit gleichem Schauder der Zeit gedenken, da wir noch nicht waren. Denn es ist unumstößlich gewiss, daß das Nichtsein nach dem Tode nicht verschieden seyn kann von dem vor der Geburt, folglich auch nicht beklagenswerther. Eine ganze Unendlichkeit ist abgelaufen, als wir noch nicht waren; das aber betrübt uns keineswegs. Hingegen, daß nach dem momentanen Intermezzo eines ephemeren Daseyns eine zweite Unendlichkeit folgen sollte, in der wir nicht mehr seyn werden, finden wir hart, ja unerträglich. Sollte nun dieser Durst nach Daseyn etwa dadurch entstanden seyn, daß wir es jetzt gekostet und so gar allerliebst gefunden hätten? Wie schon oben kurz erörtert: gewiß nicht, viel eher hätte die gemachte Erfahrung eine unendliche Sehnsucht nach dem verlorenen Paradiese des Nichtseyns erwecken können. Auch wird der Hoffnung der Seelen-Unsterblichkeit allemal die einer besseren Welt angehängt, - ein Zeichen, daß die gegenwärtige nicht viel taugt. - Dieses allen ungeachtet ist die Frage nach unserem Zustande nach dem Tode gewiß zehntausendmal öfter, in Büchern und mündlich, erörtert worden, als die nach dem Zustande vor der Geburt. Theoretisch ist dennoch die eine ein eben so nahe liegendes und berechtigtes Problem, wie die andere; auch würde wer die eine beantwortet hätte mit der andern wohl gleichfalls im Klaren seyn. (in „Die Welt als Wille und Vorstellung“, Artur Schopenhauer)

Donnerstag, 2. November 2017

Am Abgrund

Man hängt am Abgrund, drückt und schiebt, 
hält sich mit den Fingernägeln noch mühsam fest,
will sich emporziehen, während man in Wirklichkeit abgleitet
ausrutscht, alles rutscht und bröckelt

man greift daneben und macht eine falsche Bemerkung und
man gleitet in die Tiefe

Dienstag, 31. Oktober 2017

Martin Luther als Inspirationsquelle

Was wir von Martin Luther lernen können? Das Beharren auf uns selbst als Instanz, das konzentrierte Festhalten von Werten und Zielen, die man für sich und andere als wichtig erkannt hat. Das auch gegenüber vermeintlichen Autoritäten durchzusetzen, dafür zu stehen, durch Druck hindurch zu gehen, das zeichnet Juncker Jörgs Weg aus.Dass er darüber hinaus ein Kind seiner Zeit war, dass er auch Unsinn produzierte, wie etwa seinen Antisemitismus, ist unsäglich und jämmerlich, macht aber diesen Weg nicht aus. Das trotzige Beharren auf der von ihm erkannten Instanz, auf der Bibel, auf dem „Wort“, das freilich macht eine Strahlkraft dieser Figur aus. Aufs Heute übersetzen? Wir sind nicht nur dem ständigen Trommelfeuer von Manipulation und Werbung ausgesetzt. Wir sind Objekte geworden, Zahlen in einem Spiel um Rendite und Profit. Sich besinnen auf eigene Werte, nicht gegen und nicht für etwas, sondern in sich selbst geeicht, das könnte etwas Verlockendes sein. Dem Menschen sein Selbstbewusstsein zurück geben, das war auch das Vorhaben der fast zeitgleich stattfindenden Renaissance: Leonardo Da Vinci mag hier als herausragendes Subjekt genannt werden. Der Mann war nicht akademisch gebildet und hat doch der Menschheit Impulse gegeben, die ganz klar bis heute reichen.

Montag, 30. Oktober 2017

Zum Sein (Text aus Bibel)

Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darübergeht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr

 Ps 103, 15-16 

Samstag, 28. Oktober 2017

Frau und Mann

Was wohl die Vorgänge um den Medienmogul Harvey Weinstein bedeuten? "Besetzungscouch" - ein durch viele Jahrzehnte gegangener Witz. Der Vorwurf des Sexismus steht im Raum und unzählige Frauen sollen dem Weinstein zu Willen gewesen sein. Nicht nur ihm. Ob sie sich einen kleinen Vorteil dadurch versprochen haben, indem sie ihren Körper und dessen Möglichkeiten „verkauften“? Ist's sexistisch, so etwas zu erwähnen? Ob diese Vorgänge nicht zuletzt Donald Trumps öffentlich gewordenes Brutalo-Gefummele bestätigen? Wieso wohl diese Hollywood-Diven erst jetzt die Vorgänge um Weinstein herum bestätigten? Ob sie ein Spiel möglichst lange zu ihrem eigenen Vorteil mitzuspielen versuchten? Ob das alles schlimmstes Stammtisch-Niveau (meist nur Männer...)  bestätigt? Dass es eine offizielle, korrekte Ebene der Kommunikation gibt? Aber auch eine inoffizielle, unkorrekte, die unter Umständen viel mächtigere Folgen hat? Unter Männern wird das manchmal diskutiert. Aber noch viel öfter wird das einfach praktiziert. Danach wird gerne damit geprahlt.
Was alles im Anschluss an diese Vorgänge noch herausgekommen ist, mag man als „unsäglich“ bezeichnen. Es täuscht aber nicht über das Wesen der (ökonomischen) Macht und die Machtverhältnisse hinweg. Darüber, dass gewisse Individuen sich darüber hinwegzusetzen versuchen, indem sie sich und ihre Möglichkeiten möglichst teuer und gewinnbringend zu verkaufen suchen, wird in unserer Gesellschaft gerne hinweg gesehen. Auf Kosten anderer sich einen Vorteil verschaffen, gilt als legitim. Das sei „normal“, heißt es dann sehr schnell. Das mache doch jeder. Schon dies zeigt, wie sehr und wirkungsvoll die Ökonomisierung aller Lebensbereiche hier Einzug gehalten hat, wobei es in früheren Zeiten nicht viel anders gewesen sein mag, aber eine andere „Begründung“ erfuhr. Sich jetzt einer von Tag zu Tag unmerklichen und dadurch schleichenden Veränderung einfach anzupassen, zeugt nicht unbedingt immer von Cleverness, Charakterstärke oder Eigenständigkeit. Auch nicht von Emanzipation, dem Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.  

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Schopi über den Tod (7)

Artur Schopenhauer schreibt in seinem Werk „Parerga und Parapomena“: „....daß die große Anhänglichkeit an das Leben, oder vielmehr die Furcht vor dem Tode, keineswegs aus der Erkenntniß entspringt, in welchem Falle sie das Resultat des erkannten Werthes des Lebenssein würde; sondern daß jene Todesfurcht ihre Wurzel unmittelbar im Willen hat, aus dessen ursprünglichem Wesen, in welchem er ohne alle Erkenntniß, und daher blinder Wille zum Leben ist, sie hervorgeht. Wie wir in das Leben hineingelockt werden durch den ganz illusorischen Trieb zur Wollust; so werden wir darin festgehalten durch die gewiß ebenso illusorische Furcht vor dem Tode. Beides entspringt unmittelbar aus dem Willen, der an sich erkenntnislos ist. Wäre, umgekehrt, der Mensch ein bloß erkennendes Wesen; so müßte der Tod ihm nicht nur gleichgültig, sondern sogar willkommen seyn. Jetzt lehrt die Betrachtung, zu der wir hier gelangt sind, daß was vom Tode getroffen wird, bloß das erkennende Bewusstseyn ist, hingegen der Wille, sofern er das Ding an sich ist, welches jeder individuellen Erscheinung zum Grunde liegt, vor allem auf Zeitbestimmenden Beruhendes frei, also auch unvergänglich ist“. Schopi überdenken, solange noch Gelegenheit dazu ist! 

Dienstag, 24. Oktober 2017

Zukunft

„Das Leben hat an und für sich nur Nachteile“ soll der Schriftsteller Thomas Bernhard gesagt haben. Klar, der Mann war unverbesserlicher Pessimist. So etwas ist ja heutzutage nahezu verboten, obwohl die Zweifel sägen. Jemand stirbt, das Leben aber geht ungerührt weiter, so als sei nichts gewesen. Menschen scheiden aus, gehen ab, die einen gehen, andere kommen, es ist ein Fluss, den man zumindest erkennen sollte. Wohin gehen wir, woher sind wir gekommen? Da ist ein Fluss, der uns scheinbar von solchen Fragen wegreißt. Ablenkungen, Betäubungen, das „wahre Leben“, die Aktivität an sich..... usw. Die Begründungen stehen alle billig bereit. Wir fallen, wir werden weniger, wir.... wen juckt's? Das allgemein gültige Bild der Wirklichkeit suggeriert uns, als habe all das keine Gültigkeit, als gelte nur das unmittelbar geführte Leben..... Die Parolen wurden schon früh ausgegeben: „Sei du selbst, alle anderen sind schon besetzt“, soll Oscar Wilde gesagt haben. Es ist der Satz der Selbstverwirklichung und der Selbstoptimierung, den so viele Menschen derzeit anbeten. Ob wir Angst haben vor der Zukunft?  

Sonntag, 22. Oktober 2017

Freunde, Freundschaft

Über Freundschaft sagte die Schauspielerin Diane Keaton neulich in einem Interview der Süddeutschen Zeitung (wo ich mir was heraus geschrieben hatte): „„...Freundschaft ist eine langfristige Angelegenheit, bestenfalls hält sei ein Leben lang. Vielleicht ist das Freundschaft: eine Langzeitbeziehung mit jemandem, für den man da sein will und der für einen da ist....Freundschaft ist eine Form der Liebe“. Wenn ich „Freundin/Freund“ nenne? Ich habe dazu in einem längst in der Vergangenheit verschwundenen Part meines Tagebuchs gefunden: „Ich habe immer noch die Vision aus meiner Kindheit, jemanden zu finden, mit dem ich mich voll austauschen könnte, ohne Argwohn, ohne diese permanenten Verletzungen, die heute Alltag sind. Wo man bereit ist, sich wie selbstverständlich Zeit zu schenken. Und alles andere auch. Sich gegenseitig Intensität geben. Es gilt auch, gegenseitige Fixierungen aufzugeben, dem anderen Spielraum zu gewähren, überhaupt: dem anderen und sich selbst in der gesuchten Gemeinsamkeit Spielraum geben. Alles Mögliche auszuprobieren. Einen Schutzraum schaffen. Wirkliche Kommunikation versuchen. Maßlos sein, ohne sich entschuldigen zu müssen.... „ 

Samstag, 21. Oktober 2017

Statistik und Rente

Rentenpolitik? Auch hier soll mit demografischen Daten Politik gemacht werden, so, dass Versicherungskonzerne möglichst daran verdienen können. Zum Beispiel: dass die Gesundheitskosten explodieren, weil wir immer älter werden. Ob das nicht mit dem Trend kollidiert, dass viele Menschen sehr viel gesünder älter geworden sind? Der körperliche Zustand scheint im Alter deutlich besser geworden zu sein. Die amtlichen Experten vom statistischen Bundesamt rechnen sehr weit voraus: bis ins Jahr 2060. Dann sind wir weniger, älter und haben zu wenige Kinder, so die Statistik. Dass sie dabei aber nur gegenwärtige Trends in die Zukunft fortschreibt, die sich vielleicht gar nicht so leicht „verlängern“ lassen, wird von interessierter Seite gerne unterschlagen. Dass sich bis dahin sehr viel verändert haben könnte, kann die Studie gar nicht berücksichtigen. Eine halbwegs aussagekräftige Prognose ist da schwierig. Trotzdem prasseln von den Medien Schlagzeilen wie etwa „Deutschland stirbt aus“ hernieder und die Politik lässt den Quatsch bei einschlägigenTalkrunden immer wieder wiederholen. 
Arbeitsnotstand, Ärztemangel, knappe Rente...., so ein Ausschnitt des Horrorszenarios, das aus diesen Daten immer wieder zu geldwerten Ängsten aufgebaut wird und durch ständige Wiederholung plausibler werden soll. Dass die Daten dabei von der Versicherungswirtschaft unter Verwendung von selbst gestalteten Erwartungen und Tafeln vorgebracht werden, wird dabei gerne unterschlagen, erscheint aber mittlerweile trotz fehlender Transparenz weithin akzeptiert. Dabei sind solche „wissenschaftliche“ Festlegungen meist nur solange gültig, bis eine bessere Untersuchung an ihre Stelle tritt. Das heißt, solche „Erkenntnisse“ sind vorläufig (e Annahmen). Laut „offizieller“ amtlicher Statistik könnte ein heute geborener Junge etwa 86 Jahre alt werden. In den Sterbetafeln der Versicherungswirtschaft wird er jedoch 100, unter Umständen sogar 110 Jahre alt. Was ist, wenn die „natürliche“ Steigerung der Lebenserwartung so nicht weiter und an seine Stelle sozial sehr fragwürdige Verfahren der technisch-chemischen Steigerung von Lebenserwartung treten. Wieder so ein Faktor, den einfache Fortschreibungen von Verhältnissen nicht mit auf der Rechnung haben. 

Freitag, 20. Oktober 2017

"Jamaika"? Pah........

Sie werden öffentlich stöhnen und ächzen und am Ende werden sie wohl jene vielbeschworene „Jamaika“-Koalition doch zustande bringen. Der Wille zur Macht und die Begierde auf die gut dotierten Posten wird wohl größer sein, als alle Bedenken und man will öffentlich nachweisen, dass man selbst Politik machen kann – neudeutsch „gestalten“, - was so viel wie Macht ausüben heißt. Dafür dürften dann 709 Abgeordnete kaum reichen...... Ach was sind schon Grundsatzpositionen, in der Demokratie muss man halt Kompromisse machen! Ich aber werde auf Feldern wie Rente (Altersarmut), Arbeitsmarkt (Arbeitswelt 4.0) Gesundheitspolitik (Pflegenotstand usw.), Verkehrspolitik (Dieselskandal usw.), Infrastrukturpolitik (marode Verkehrswege, Breitbandausbau, Digitalisierung) und Steuerpolitik (wie werden riesige Überschüsse „verwendet"?) ganz besonders auf Ergebnisse achten, die nicht solche – nach meiner Einschätzung! - wachsweichen und nichtssagende Kompromisse wie unlängst zur Flüchtlingspolitik vorgetragen! enthalten sollten. Dann lieber Neuwahlen! Die CDU wird gleich einverstanden sein, denn sie ist sich ja sowieso keiner Mängel oder Defizite bewusst. Sie würde alles noch einmal genau so machen. Weiter so! Wie und wo aber die kleineren Parteien über ihren Schatten springen werden, das wird zumindest interessant sein. Entweder sie verraten sich selbst oder die „Spielregeln der Demokratie“! Nun macht mal!  

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Zeit für uns

Dass Zeit ein höchst wertvolles Gut sei, mag sich herumgesprochen haben. Diese Erkenntnis legt sich auch angesichts der permanenten Beschleunigung, Erreichbarkeit und Verfügbarkeit nahe. Alles wird immer mehr verdichtet und unserer Verfügung als Mensch entzogen. Dass es dabei in erster Linie um Zeit geht, wird immer klarer. Zeit ist Lebenszeit. Dass diese unwiederbringlich ist, wird dem Menschen erst im fortgeschrittenen Alter so richtig klar. Oder bei oder nach einer lebensbedrohlichen Krankheit. Dies zieht oft eine Veränderung des Blicks oder – insgesamt - der Perspektive auf die Zeit nach sich. Es gilt, die Zeit sinnvoll zu nutzen und sie auch mal im Müßiggang, im schönen Nichtstun, zu verbringen. Manch einer behauptet, dies sei sogar die Voraussetzung für Kreativität überhaupt. Mal auf andere Gedanken kommen, in sich gären, Kraft aus sich schöpfen, Kraft zum Tun und sich Entäußern, nach außen bringen. Zeit nicht nur „nutzen“ für fragwürdige Zwecke, sondern sie in sich wirken lassen. Es gilt, „Prioritäten“ zu setzen, Reihenfolgen festzulegen. Sich „Zeit nehmen“ für etwas, könnte dies bedeuten. Für sich selbst etwa. Zeit hat keinen unmittelbaren ökonomischen Wert, auch wenn wir uns oft gezwungen sehen, unsere Zeit zu verkaufen, um zu überleben.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Was sein könnte

Wir könnten anstreben, unsere Gesellschaft auch in Zukunft weitgehend egalitär zu halten, was heißt, ökonomisch und anders bedingte Statusunterschiede möglichst gering zu halten und die derzeit von allen Seiten auf uns einströmende Polarisierungstendenzen gering zu halten („Die Schere zwischen Arm und Reich...“ u.a.). Wir könnten versuchen, in jeder Hinsicht eine Vielfalt zu bewahren und deren Wert gegenüber dem Einseitigen, Eintönigen, Einheitlichen klar zu sehen. Es gilt vielleicht, noch viele Dinge kennen zu lernen, mit den jeweils zur Verfügung stehenden Mitteln auch den Kosmos und den größeren Zusammenhang zu erkunden, damit auf Tuchfühlung zu bleiben. Angesichts der vielen digitalen Verblödungsmechanismen könnten wir versuchen, uns Wissen anzueignen, um mit Wissen/Fakten besser umgehen zu können, es in einen Zusammenhang bringen zu können. Es gilt auch zu verschieden motivierten Führerfiguren auf Distanz zu bleiben, sich niemals auszuliefern, sondern sich selbst und die Möglichkeiten des eigenen Selbst dagegen zu setzen...., dies mag auch eine mögliche Haltung zu Verdinglichung und Entfremdung sein, die uns in mannigfacher Gestalt begegnen und uns samt unserem Umgang schleichend aufzufressen drohen. Es gilt, Spannungen und das Nichtwissen auszuhalten, Widersprüche zu ertragen und sie nicht in eine falsche Einheit auflösen zu wollen. Wir sollten auch eine Distanz zu kollektiven Zusammenhängen wagen und keinesfalls eine fremdgeleitete Identität daraus ableiten. Uns nicht bestimmen zu lassen, sondern uns selbst zu bestimmen, könnte ein Ziel sein. 

Montag, 16. Oktober 2017

Statistik, Cholesterin, Geld

Cholesterin? Die Furcht vor den Stoffen, die einen Herzinfarkt mit sich bringen: Die Ernährungsmedizin bringt hier viele Beispiele. Ein amerikanischer Arzt untersuchte in den 50er Jahren den Zusammenhang des Verzehrs von tirischen Fetten und auftretenden Herzkreislauferkrankungen. Cholesterin im Essen sei schuld am Herzinfarkt, so die einigermaßen steile These. Belegt wurde diese These mit statistischen Tricks. Der Arzt sammelte Daten aus 21 Ländern, die die These stützen sollten. Doch die Daten belegten wenig. Was nicht zu seiner Erkenntnis passte, ließ der flotte Arzt, der bezahlter Berater der amerikanischen Margarineindustrie war, einfach weg. Zusammen mit einer Interpretation, die gewisse Fakten ebenfalls wegließ, schien sich ein schlüssiges Bild zu ergeben, das viele Ärzte täuschte und die Öffentlichkeit manipulierte. Natürlich ist Cholesterin ein Stoff, der im Blut festgestellt, etwas aussagt. Aber halt nicht über die Ernährung und nicht zwingend über den Gesundheitszustand einer Person. Die einschlägige Industrie benutzt aber solche „Erkenntnisse“ immer noch gerne. Die Grenzwerte bei Cholesterin wurden nach und nach immer weiter gesenkt. Das schuf neue Kunden für die Pharmaindustrie. Medizinische Studien ließen sich dafür leicht „frisieren“. Die Tricks sind unter anderem dabei: Eine Studie wird nicht veröffentlicht, wenn das Ergebnis dem Auftraggeber nicht gefällt. Man vergleicht ein neues Medikament mit einem bisherigen, relativ wirkungslosen und erzielt glänzende Ergebnisse. Wenn ein Medikament im Laufe der Zeit unerwünschte Nebenwirkungen erzielt, wird die Studie halt vorzeitig beendet. Oder umgekehrt: wenn sich die positiven Ergebnisse nicht einstellen, wird der Studienzeitraum einfach verlängert. Krebsvorsorge. Prostatauntersuchungen, die nicht von der Krankenkasse bezahlt werden. Es scheint als hätte die Masse der Menschen keinen Nutzen aus solchen medizinisch unnützen Untersuchungen, ja ihr drohen vielleicht sogar Schäden. Wegen falschen Diagnosen zum Beispiel, oder Schäden wie beispielsweise Überdiagnosen. Beim sogenannten PSA-Wert zur Früherkennung von Prostatakrebs, ist dies besonders augenfällig. Hier wird offenbar von vielen Patienten ein fragwürdiger Nutzen in Kauf genommen zugunsten eines heftigen Risikos. Dass der Nutzen solcher „Leistungen“ (zu denen auch die berüchtigen „IGEL“-Leistungen gehören, die die Krankenkassen zu Recht nicht bezahlen...) auch in einem geldwerten Vorteil bestehen kann, den sich gewisse Ärzte und die Pharmaindustrie teilen, wird auch gerne verschwiegen.

Samstag, 14. Oktober 2017

Statistik forever, TTIP adieu!

Statistik und Politik? Da ist TTIP zum Beispiel, das vorerst gestorbene „Freihandelsabkommen“ mit den USA, das die große Wirtschaft und die Europäische Union unbedingt wollten, weil sie sich große Vorteile davon versprachen. Großartige Zahlen sollten das Ansinnen stützen. 110 000 Jobs, allein in Deutschland waren versprochen. Jeder Haushalt in der EU sollte dann 545 Euro pro Jahr mehr haben. Die Zahlen hatte ein der EU nahe stehendes Forschunsinstitut erhoben. Die Lobbyisten sorgten mit aller finanziellen Macht für die Verbreitung dieser Zahl, die Initiative Soziale Marktwirtschaft (INSM) sollte sie hierzulande zusätzlich auch per Internet in die Bevölkerung hämmern. Der Trick daran: Das Forschungsinstitut hatte die positivste der Szenarien heraus genommen und alle anderen verschwiegen. Und bei den 545 Euro ging es nicht um ein einziges Jahr, sondern um zehn Jahre. Man habe Prognosen und Schätzungen von „seriösen“ Wissenschaftlern und Instituten verwendet, hieß es nach Entdeckung dieser Manipulation unter anderem von seiten der INSM. Es sei „in der Quelle“ (also der Untersuchung) missverständlich dargestellt gewesen. „Missverständlich“? Nun ja. So kann man es auch nicht unbedingt bezeichnen. Ein bisschen schrägt wirkt das schon....., besonders weil die Verhandlungen unter strengster Geheimhaltung abliefen und mit Zahlen intern gewerkelt wurde. Ob da ein paar Wenige so richtig profitieren sollten und die Allgemeinheit mehr oder weniger draufzahlen sollte? Die Politiker würden unter gütiger Nachhilfe schon die „richtige“ Statistik heraus greifen, die ins Konzept passt, so möglicherweise die Überlegung der Industrielobbyisten. 

Freitag, 13. Oktober 2017

Masse

Ich stöberte und notierte in meinem Tagebuch:
Sich treiben lassen durch Menschenmengen. Gesichter um sich herum. Lachen. Glucksen. Soziale Geräusche. Blicke. Was haben sich diese Leute zu sagen? Dumpfes, träges Sich-treiben-lassen im Strom. Nicht fragen, nicht vor- oder nachdeuten. Nur einer in der Menge sein. Ist es das? Stumpfheit. Aufreißen. Geschlechtsmarkt. Vorzeigen. Reizen. Aufreizen. Gelegenheiten wahrnehmen. Nichts verpassen. Motorik. Reflexe. Du schaust zu, bist der Beobachter. Fremd. Ein Stein im Wasser. Du bist das Gewicht in der unerträglichen Leichtigkeit des Seins. Unerheblich. Von keiner Bedeutung in dieser Menge. Bedeutung ist sich zu verschaffen. Aufmerksamkeit muss erregt werden. 

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Rationalität des Gesamten

Um es einmal ganz klar zu formulieren: besonders in den Bereichen Altersvorsorge (Rentenpolitik), Gesundheitspolitik (Pflegenotstand), Infrastrukturpolitik (Internet, Breitbandausbau) und Bildungspolitik hat die herrschende Politik der vergangenen Jahre vor allem denen genutzt, die in Deutschland „gut und gerne leben“: also Polititikern und Vermögenden. Dass es aber auch andere Bevölkerungsschichten gibt, das eine gewisse Unzufriedenheit bis weit hinein in den sogenannten „Mittelstand“ reicht, das versucht diese Politik allenfalls am Rande zu managen. Sicher, es gab so etwas wie den Mindestlohn, den sich aber die jetzt in die Opposition gehende SPD auf die Fahnen schreiben kann und den es in diversen Ländern schon lange gibt (auf die doch diese Politiker so gerne herab schauen...). Auch dürfte ein Billiglohnsektor von etwa 20 % nicht gerade zum Land passen, in dem wir gut und gerne leben. Ja, nie waren so viele Menschen in Arbeit wie heute (oft gehörte Erfolgsformel der Herrschenden). Doch noch nie war auch der Billiglohnsektor so groß wie heute, noch nie waren so viele Menschen am Existenzminimum, noch nie drohte derart intensiv die Altersarmut großer Schichten, die neben den Leuten herleben müssen, die hier „gut und gerne“ sind. Die gesellschaftliche Polarisierung schreitet immer wieter voran und ich frage mich, wo denn die Reationalität eines ziemlich raffinierten Systems liegt, das bald umzukippen droht. Es scheint jetzt die Zeit gekommen, in der sich die herrschende Politik nahezu alles erlauben kann. Doch ob sie sich darin nicht doch etwas täuscht? 

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Mensch und Tier (5)

Ich hatte einst mein ganzes Zimmer zu einer Art Mäusehöhle umgebaut, um meiner Rennmaus (die ich geschenkt bekommen hatte...) Platz zu verschaffen. Überall gelbe Drainagerohre und eine ganze Anzahl von verschiedenen Bauten/Aquarien, in denen die Maus übernachten konnte. Ich nannte die Maus, mit der ich auch oft zum Tierarzt musste, „Hector“ - und notierte damals in meinem Tagebuch:
„Hector verzaubert mich. Seine Äuglein, was sagen sie? Sie schauen aufgeweckt und mäuseklug. Unheimliche Mäusewelt, von mir zu betreten, wie bist du?, welche Farben, welche Gefühle kennst du?
Ungeheures Mitleid mit Hector in seinem kleinen Loch, ganz allein, ein paar Quadratzentimeter Auslauf und ich als der Vergewaltiger, der Quäler. - Ich will es ihm so annehmlich wie möglich machen, dem kleinen Hector. Ein Leben, ein kleines Mäuseleben; es liegt mir am Herzen, im eigentlichen Sinn. Ich werde laufen und rennen für ihn. Ich sehe ihm zu und er verzaubert mich, Faszination Natur und Existenz. Was ist ein solches Säugetier? Verwandt der Natur des Menschen. Dazwischen. Was sagen mir seine Augen? Nichts Logisches, Begriffliches, aber ein Gefühl der Verbundenheit, der Bedeutung. Unbegreiflich, nicht zu greifen, mir entzogen, doch gleichzeitig mich anziehend. Ein Schicksal. Ein Spiel der Natur und der Evolution, - wie ich selbst. Mein Ebenbild. Natürliche Identität.“ 

Dienstag, 10. Oktober 2017

Mensch und Tier (4)

Ein vernünftiger Grund, aus dem man Tieren Schäden zufügen darf, wird im Tierschutzgesetz, das vielmehr ein Tiernutzungsgesetz ist, ökonomisch als sinnvoll erklärt. Vernünftig ist hier gleichbedeutend mit „ökonomisch sinnvoll“. Die Würde des Tieres als „Mitgeschöpf“, wie es das Tierschutzgesetz stolz aklamiert, bedeutet aber in Wirklichkeit: Menschen tragen gerne Pelzmäntel, also ist es nach dieser Logik legitim, Nerze zu vergasen. Hühner dürfen unter den jämmerlichsten Bedingungen gehalten werden, weil sie ja – naja, - kaum Würde ausstrahlen. Es geht um das richtige und gesetzlich konforme Töten und kaum um die Würde eines Tieres. Natürlich bilkdete der Mensch Gesellschaften, für die die Haltung von Tieren und also auch ihre Tötung, aus Überlebensgründen unabdingbar war. Doch dabei ging es nicht um Massentierhaltung. Und ums Überleben geht es auch selten. 

Montag, 9. Oktober 2017

Statistik, Wissenschaft, Mensch (2)

Es gibt wohl viele Anbieter und Ineressengruppen im Gesundheitswesen, die ganz offensichtlich davon profitieren, wenn ein Volk scheinbar immer kränker wird. Ein beliebter Trick der Gesundheitsindustrie ist es dabei, die Grenzwerte herauf oder (meist) herab zu setzen. Auf diese Weise werden auf einen Schlag massenhaft Neu-Kranke geschaffen, die es nun mit möglichst hochpreisigen Medikamenten zu behandeln gilt, - naturgemäß. Diabetes scheint dafür ein gutes Beispiel zu sein, aber auch erhöhter Blutdruck usw. Sogenannte „Volkskrankheiten“ sind hierbei besonders ergiebig und beliebt, da sie hohe Umsätze generieren. Um die „richtigen“ und dafür passenden Medikamente in den Markt zu drücken, werden manchmal recht gerne „medizinische Fortbildungen“ organisiert, die in Wirklichkeit „verkaufsfördernde Maßnahmen“ sind und bei denen Marketingprofis Verkaufsstrategien vortragen. Auch scheint es gängige Praxis zu sein, grafische Tabellen durch bestimmte Einteilungen zu manipulieren. Bestimmte Auschnitte auszuwählen und sie entsprechend darzustellen ist beliebt. Dies kann beispielsweise auch in der Finanzindustrie bei Verkaufsstrategien für Fonds beobachtet werden. Es scheint dabei halt alles eine Frage der Optik und der dahinter stehenden Absicht zu sein: den anderen möglichst übers Ohr zu hauen. Was das mit uns macht, ist ein nahezu unmerklicher Prozess und bleibt ausgeblendet. Die Medien fabrizieren gerne verkaufsträchtige Schlagzeilen aus solchen „wissenschaftlichen Ergebnissen“. Sie vergessen dabei aber meist, die dazugehörigen Fragen und die Auftraggeber gewisser „Studien“ zu erwähnen. 

Samstag, 7. Oktober 2017

Statistik, Wissenschaft, Mensch (1)

Was mich als ausgebildeten Statistiker immer wieder stört, ist die Verwendung und „Benutzung“ gewisser Zahlden in einem eindeutig definierten Interesse oder in dem stumpfen Vorsatz, gewisse Vorurteile im eigenen Interesse zu stützen. Berühmt ist ja das Beispiel, dass sich ohne Probleme ein Zusammenhang zwischen der Zahl der Geburten und der Häufigkeit der in einem bestimmten Gebiet auftretenden Störche herstellen ließ und lässt. Aber genauso gibt es Beispiele dafür, wie ein Zusammenhang zwischen Tierliebe und Arbeitnehmerfreundlichkeit hergestellt wurde. Statistische Zusammenhänge herzustellen ist nicht schwer. Es kommt aber darauf an, welcher Art diese Zusammenhänge sind. Entscheidend ist auch, in welcher Situation gewisse Fragen in Umfragen gestellt werden. Wenn ich beispielsweise vor einem Parkplatz frage, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich dort Autobesitzer befrage, ziemlich hoch und ich kann meine Ergebnisse nicht unbedingt verallgemeinern. Dies wird in einem bestimmten Segment des Journalismus aber oft getan, indem reißerische Überschriften produziert werden. Meist wird in einer solchen Journaille ein Beleg aus irgendeiner amerikanischen oder englischen Studie dafür herangezogen. Ein ganz wesentlicher Punkt bei solchen Manövern ist es, ob es einen kausalen (also einen in der Sache begründeten) oder einen rein statistischen Zusammenhang (zwei Phänomene in einen statistischen Zusammenhang zu bringen, den es nicht gibt, ist oft keine große Schwierigkeit) zwischen zwei Phänomenen gibt. Dies sollte auch jeder Laie berücksichtigen, wenn er sich mir reißerischen Schlagzeilen in den Medien konfrontiert sieht. Vielleicht sollte er in seine Erkenntnis auch einfließen lassen, dass viele „Wissenschaftler“ sich durch die Mechanismen des Wissenschaftsbetriebs gezwungen sehen, etwas zu veröffentlichen, egal was. Daraus resultieren oft scheinbare „Beweise“, die aus einem Randphänomen das Wichtigste machen oder Zufallsergebnisse als das Relevanteste „verkaufen“.
Besonders beliebt sind derartige Verbiegungen und „Formungen“ statistischer Ergebnisse in der Politik und im Gesundheitswesen. Das Beispiel der vielfach beeinflussten Arbeitsstatistiken ist ja bekannt, muss aber wegen fehlender Alternativen immer wieder akzeptiert werden. Eine wichtige Faustregel: es kommt immer darauf an, wie etwas definiert wird, wie es für eine Untersuchung „passend gemacht“ wird. Wie es gefasst wird. Danach richten sich dann auch Ergebnisse, die als „seriös“ verkauft werden können, um nahezu jedem Ergebnis ein wisenschaftliches Mäntelchen umzulegen. Die sogenannte Schere zwischen „Arm und Reich“ ist ein gutes Beispiel dafür. Wähle ich die „richtigen“ Untersuchungsparameter und definiere ich Phänomene in einem bestimmten Interesse, so lässt sich auf diesem Gebiet nahezu alles beweisen, auch gegen die offenkundige Überzeugungskraft des Augenscheins, den die Wissenschaft gerne als „empirisch“ definiert, den sie aber ohne Probleme wegdefinieren kann, weil er auf einer zu geringen „Stichprobe“ resultiert und keinerlei Beweiswert habe. Erst die Menge der so erhobenen Daten schaffe so etwas wie „Beweiskraft“. Weil aber Alltgagserfahrung selten darauf aufbaut, dass wissenschaftlich einwandfreie Daten (u.a. auchsauber dokumentiert) erhoben werden, ist sie noch nicht unbedingt wertlos. (in unregelmäßig folgenden Blogs werden weitere Beispiele und Phänomene erwähnt....)

Freitag, 6. Oktober 2017

Steuergerechtigkeit

Der Steuerzahlerbund hat mal wieder sein „Schwarzbuch“ vorgelegt, in dem er aufzählt, wo überall in diesem Staat Kohle flott versenkt wird. Da dies alles rund um das "Schwarzbuch" schon ein alljährliches Ritual zu sein scheint, liegt der Verdacht nicht ferne, dass die Parteien solches Gebaren und seine Veröffentlichung gerne als eine Art Kollateralschaden der Demokratie verkaufen wollen. So ist's halt!, hört man schon tausendfach seufzen. Da wird schon mal eine Umgehungsstraße durch ein Vogelschutzgebiet gebaut, die obwohl neu erstellt sofort wieder gesperrt werden muss und den Steuerzahler 8 Millionen Euro gekostet hat. Satiremagazine bringen das ja auch schon als Schenkelklopfer. Da sie jetzt wieder vernichtet werden muss, diese Straße, kostet das auch wohl 2 Millionen Euro. Macht nichts? Nun ja, auch das erzeugt Zustände, die zu massivem Unmut und gewissen Wahlergebnissen führen. Kunstprojekte sind ja auch sehr beliebt in diesem Zusammenhang. Da werden schon mal sechsstellige Summen für völlig unsinnige Projekte ausgegeben. Besonders die politischen Verantwortlichen verstehen in diesem Zusammenhang oft gar nichts und halten sich bei der feierlichen „Eröffnung“ lieber an ein vorbereitetes Manuskript, dass sie dem anwesenden Bildungsbürgertum vorlesen. Macht nichts? Nun ja, man gibt halt vor, sich getäuscht zu haben. Irgendwie. Saprati! Bei Kosten von Projekten, besonders bei Großprojekten!, scheint man sich sowieso dauernd zu verschätzen. Ein paar Milliarden hin oder her, was soll's? Ob es da um „politische Durchsetzbarkeiten“ und manchmal um gewisse Profite geht? Das Verschätzen geht meist auf Kosten des Steuerzahlers, ganz überwiegend sogar. Der Trick ist ja inzwischen bekannt geworden, Elbphilharmonie und Stuttgart 21 waren dann doch ein bisschen zu viel..... Tunnelbauten, die sich endlos verzögern und natürlich viel mehr kosten als veranschlagt, falsch eingeschätzter Toilettenbau und viele andere „Projekte“ komplettieren die Falschserie. Nun ja, macht nichts! Der Staat hat's ja gegenwärtig, so glaubt man schon die Verantwortlichen schon grinsen zu sehen. Ob da irgendjemand verantwortlich ist? Ob Verantwortung da überhaupt eine spielentscheidende eine Kategorie ist? Dass die passenden Lügen hinterher geschoben werden, dafür sorgen dann schon die gut bezahlten Pressereferenten. 

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Es gibt so bange Zeiten (Lyrik, Novalis)

Es gibt so bange Zeiten

Es gibt so bange Zeiten,
es gibt so trüben Mut,
wo alles sich von weitem
gespenstisch zeigen tut.

Es schleichen wilde Schrecken
so ängstlich leise her;
und tiefe Nächte decken
die Seele zentnerschwer.

Die sichern Stützen schwanken,
kein Halt der Zuversicht;
der Wirbel der Gedanken
gehorchen dem Willen nicht.

Der Wahnsinn naht und locket
unwiderstehlich hin.
Der Puls des Lebens stocket,
und stumpf ist jeder Sinn.

Wer hat das Kreuz erhoben
zum Schutz für jedes Herz?
Wer wohnt im Himmel droben
und hilft in Angst und Schmerz?

Geh zu dem Wunderstamme,
gib stiller Sehnsucht Raum,
aus ihm geht eine Flamme
und zehrt den schweren Traum.

Ein Engel zieht dich wieder
gerettet auf den Strand,
du schaust voll Freuden nieder
in das gelobte Land.

Novalis

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Oben sitzen

Eine Weile war ich wieder dazu verurteilt, auf der Autobahn zu fahren. Leider alternativlos. Hui, wie mich da die fetten Kisten links und rechts überholten! Manche zeigten mir auch noch den Vogel, obwohl ich mich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen hielt. Diese flotten Überholer scheinen mir sich jede Übertretung keisten zu können. „Man darf sich halt nicht erwischen lassen...“ scheint das Motto zu sein. Rechts überholen? Kein Problem! Das ist es aber dann doch, wenn alles unberechenbar wird. Ich wagte kaum noch, mich nach rechts zu den Langsamen Folgsamen zu orientieren. Denn da drohte Ungemach. Lichthupen. Geballte Fäuste. Und dann die Kreisverkehre! Es scheint mittlerweile höchstens noch die Hälfte aller Autofahrer zu sein, der da noch Lichtzeichen gibt. Empathie Fehlanzeige. Denn es würde nicht nur dem Andern, sondern beim nächsten Kreisverkehr (davon gibt es viele!) mir nützen, zu wissen, was der andere will....Nützen!. Aber nein, der augenblickliche Vorteil, bzw. die Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit scheint die Situation zu diktieren. Und dann: die vielen SUVs! Ob das eine Mode ist, die hier im Großraum Stuttgart besonders ausgeprägt ist? Je knapper der Raum, desto größer werden Kisten! Dazu kam eine Studie in den letzten Tagen, dass ein kleineren Wagen gegen diese Bolliden bei einem Unfall keine Chance hat! Es gilt das Recht des Stärkeren. Dominanz. Wer oben sitzt, gewinnt.  

Dienstag, 3. Oktober 2017

"Politische" Wirklichkeit

Diese Leute machen sich etwas vor. Sie leben in ihrer eigenen Wirklichkeit dort, wo sie sich als Politiker einen etwas weiteren Blick auf soziale Realitäten eröffnen sollten. Das habe ich auch an dieser Stelle oft dargelegt, wenn es um die Politik in Berlin ging. Ich habe das schon lange als eine Art Käseglocke empfunden, die sich nach außen immunisiert und die nur noch auf die Einflüsterungen von Lobbyisten reagiert. Sehr offensichtlich wurde das nicht zuletzt beim sogenannten „Diesel-Gipfel“, der nach meiner Ansicht eine riesige und peinliche Blamage der Regierung war. Auch dass Frau Merkel bei ihren Kanzlerkundgebungen im eigenen Wahlkreis über die lauten und unflätigen Proteste so sichtbar fassungslos war, war einer der Belege, die sich jüngst eröffneten und die das Wahlergebnis herbeigeführt haben. Dass der Protest gegen eine solche Wirklichkeitsverweigerung ein Ventil suchen würde, war klar. Dass die „Abgehängten“ und Benachteiligten politischen Ausdruck suchen würden, war ja auch klar. Und dass die konsequente Verweigerung und Ausgrenzung von politischen Haltungen nichts Gutes herbeiführen würde, wurde deutlich und ist meiner Meinung nach auch wenig demokratisch. Dass solche Haltung auch nach einer parlamentarischen Repräsentanz suchen, sollte nicht verteufelt werden, auch nicht bei Nazi-affinen Haltungen. Dass sich die politischen Entscheidungsträger im Wahlkampf um all die Themen verbal zu kümmern schienen, die sie ansonsten liegen ließen, war auch offensichtlich. Dass darin eine gewisse Unglaubwürdigkeit des politischen Systems liegt, war sichtbar. Demokratie müsste nämlich eine permanenter Prozess sein und nicht eine Inszenierung, die das politische Personal im sogenannten Wahlkampf seinem Wahlvolk vorspielt. Auch ist es nicht besonders toll, wenn eine sehr entscheidende Person in diesem System auch nach 8 % Wahlverlust locker meint, sie wisse nicht was sie falsch gemacht habe und sie würde alles noch einmal tun.     

Montag, 2. Oktober 2017

Alt und jung (4), Tod und Transhumanismus

Die Menschen haben Angst vorm Sterben. Sie wollen den Tod rückgängig machen. Jeder will solange unsterblich sein, so lange es Spass macht. Aber auch wenn mit dem Alterungsprozess viele körperliche und geistige Funktionen abnehmen – mit dem Altern steigt auch die Lebenserfahrung: Nicht umsonst werden viele ältere Menschen auch als "weise" bezeichnet. Diese Weisheit mit dem Elan der Jugend zu verbinden: das wäre es doch! Doch schon äußerlich ist alten Menschen ihr Alter oft anzusehen. Es scheint wie ein Spiegel des "Inneren“, des seelischen Alterns zu sein. Wenn wir nun aber das innere Altern aufhalten, wird auch das Äußere so sein, als „Spiegel“ - so die Annahme der Technologiebegeisterten. Dazu gilt es nur, die Maschine Mensch etwas perfekter zu unserem Selbst zu machen. Die Fehler, die sich im Genom mit dem Altern häufen, müssen repariert werden, die Stoffwechselprodukte in und außerhalb der Zellen entfernt werden.... und so weiter, ein paar dieser technischen Eingriffe - und das Altern wäre gestoppt, Dazu braucht es aber eine Änderung unseres Menschenbildes: Der Mensch ist in diesem Zusammenhang eine Maschine, das heißt, eine Ansammlung von Informationen. 
Es gilt nun, eine Identität auf einem Apparat zu speichern. Mit diesem Apparat würden wir uns austauschen, so, dass er uns immer ähnlicher wird. Eines Tages würde dieser Apparat (der selbstverständlich auch viel von Künstlicher Intelligenz beinhaltet) ein Bewusstsein haben, das auch Emotionen umfasst. Emotionen wären genauso simuliert wie Intelligenz, die ja auch eine emotionale Intelligenz sein kann. Wir könnten mit uns körperlos (und beliebig speicherbar, kopierbar...) durch die Ewigkeiten zu treiben, das Universum erkunden. Wir würden den Kosmos erkunden, auf einem Laserstrahl reisen. Dies könnte eine Zukunft ohne Tod bedeuten: Unsterblichkeit. Unsere Identität würde auf einem Computer weiter leben, glauben Transhumanisten. Indem sie ganz auf Roboter und Computerprogramme setzen.

Sonntag, 1. Oktober 2017

Postengeschacher

Ob so etwas auch das Gefühl einer politischen Inszenierung noch weiter bestärken kann? Da nehmen Parteien eben noch Positionen ein, die nahezu unvereinbar sind, da wird schon über Koalitionen spekuliert und werden Ministerlisten veröffentlicht. Jetzt. Après-Wahl. Wer welchen Posten beansprucht und wer welchen kriegt. Komplette Kabinettslisten geistern durch die Medien. In Deutschland, der hochgelobten repräsentativen Demokratie. Zuerst wurden die „Sachfragen“ betont. Doch jetzt werden sie sich im Konsens der Demokraten, dass alles irgendwie durch Verhandlungskompromisse geht, doch einig. Es scheint nunmehr ausschließlich um Posten zu gehen. Das mit den Sachfragen werden wir schon regeln, Obergrenzen hin oder her......scheint der Tenor zu sein. Verhandlungen. Aussitzen. Irgendwie geht das. Man wundert sich und denkt über diese Sinnwelt nach...im besten Falle....