Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
Sonntag, 30. April 2017
Abgaswerte reloaded
Etwas geht mir nach, beschäftigt mich immer weiter:
In der SZ las ich diese Woche die Überschrift „Berlin blockiert
strengere Abgastests“ mit der Unterüberschrift „Als Konsequenz
aus dem VW-Skandal sollen neue Fahrzeugmodelle auch in Deutschland
künftig von europäischen Kontrolleuren überprüft werden. Doch die
Bundesregierung lehnt Brüssels Pläne ab“. Das hätte ich nicht
für möglich gehalten: ganz offen und völlig unverblümt scheint
die Regierung Lobbypolitik für eine Autoindustrie zu betreiben, die
natürlich nicht kontrolliert werden will. So hat offenbar der
Verkehrsminister Dobrindt außer VW auch andere Automodelle darauf
überprüfen lassen, ob sie Abgaswerte überschreiten. Die Ergebnisse
freilich hält er vorläufig geheim, sie gelangen offenbar bis jetzt
nicht in die Öffentlichkeit. Immerhin wurde bekannt, dass von 53
überprüften Fahrzeugen 50 die Grenzwerte teilweise deutlich
überstiegen haben. Es wurden sodann drei Zonen geschaffen: Zone 1:
Fahrzeuge, die die Grenzwerte um das 2,1-fache überschreiten. Zone
2: Fahrzeuge, die die Grenzwerte um das 3-fache überschreiten. Zone
3: Fahrzeuge, die mit ihren gemessenen Werten auch deutlich noch
darüber liegen. Anschließend werden Zone 1 und Zone 2
zusammengeführt und erklärt, dass deren Abgaswerte „unauffällig“
seien (Konformitätsfaktor“ angewandt). Fast gleichzeitig gelangt
die Meldung in die Öffentlichkeit, dass eine große deutsche
Waffenschmiede eine Panzerschmiede in der Türkei aufbauen will, um
von dort aus gewisse Märkte besser, d.h. unter Umgehung deutscher
und sowieso lax gehandhabter Vorschriften, bedienen zu können. Dass
das alles so offen passieren kann, schockiert mich. Die verschiedenen
Schummeleien bezüglich Abgaswerte und Verbrauchswerte sind doch alle
bekannt – und scheinen doch von der deutschen Öffentlichkeit
geschluckt zu werden, weil von Lobbyisten dicht hinter den
Politikern sofort das Argument der Arbeitsplätze aufgebaut wird.
Unsere Gesundheit wird dabei offenbar gegen das Argument
„Arbeitsplatz“ ausgespielt. Als es in der jüngsten Zeit in
Brüssel um das Ziel von wünschenswerten Abgaswerte ging, scheint
die Kanzlerin auch blockiert zu haben und erst jüngst war sie sich
nicht zu schade, den Dieselmotor, dessen Umweltverträglichkeit ja
nicht erst in jüngster Zeit herbe Dellen davon getragen hat, zu
loben. Und dann der Trick mit dem „Konformitätsfaktor“, den sich
die EU-Komission hat aufschwätzen lassen: Er geht davon aus, dass
Straßentests aussagekräftiger sind, als Labortests. Leider kommen
bei Straßentests regelmäßig sehr viel höhere Werte zutage, als
bei Labortests. Hier kommt der „Konformitätsfaktor ins Spiel, der
offiziell ab 2019 gelten soll. Er ist ein Faktor, um den die
gemessenen Werte die Grenzwerte überschreiten dürfen. All das kommt
mir samt der Reaktion der Öffentlichkeit völlig unsäglich vor.
Wenn unser „Wohlstand“ denn auf dem mit einem Verbrennungsmotor
betriebenen Auto beruht (was gar nicht sicher ist), dann scheint man
für dessen Erreichung buchstäblich über Leichen zu gehen, - sogar
über die der eigenen Bevölkerung. Aber das hier Geschilderte ist ja
ohnehin alles anders, wie clevere Lobbyisten nach bewährter Art auch
durch Klagen richtig stellen lassen wollen. Und die Waffenindustrie
scheint für den deutschen „Wohlstand“ auch unverzichtbar. Wow,
das darf nicht wahr sein!
Samstag, 29. April 2017
Ich ist ein Anderer (Text)
Sie
haben sich zu oft gruppiert, Zu Lug, zu Trug, haben um deine
Kaufkraft geworben
um Deine Wertschätzung, um deine Aufmerksamkeit, haben die Bedeutung in Hülsen gesperrt
in Bilder, die missbraucht und vergewaltigt, zu fetten Gemeinplätzen wuchsen
es ist ein nettes Hopping, über der unsichtbaren Hoheit, verkaufter Luftschlösser
aber dich plagt eine Sehnsucht nach Text, nach eigenen Worten, sie zieht dich weiter
in andere Formationen, viele Körper reden und sagen nichts, es ist genauso, wie dieser Satz,
eine vorbereiteter Gemeinplatz, eine automatisierte Deutung, eine hübsch geformte Lüge
der Sinn geht im universalen Geräusch unter, in weißem Rauschen, das sich gegenseitig auslöscht
und du bist ein Pirat der Patterns.....
Ich ist ein Anderer, mit den anderen vernetzt sein, ein Docking wagen, abseits der Kommunikation
sich in andere Positionen begeben, wagen, sie in Frage zu stellen
das willst Du vielleicht, Ich zu sagen ist eine Reaktion auf ständig wachsende Unsicherheit
dabei könnte alles so anders sein. in Unbekanntem unbekannt bleiben, unerkannt, wir treiben knapp unter der Oberfläche dahin und strecken den Hals gelegentlich müde in die Höhe, der Papierweg ist verstopft
Schwächen offen zu zeigen, könnte sich als Stärke erweisen, Lüge, eitel Selbstinszenierung
schöne Fassaden sind auch schön - als Fassade, ein Paravant, flüchtig aufgestellt
rund um bittere Erbärmlichkeit, will verschwinden hinter Tönen, und mich einhüllen, will mich kleiden in sie, Du wagst, Dich im Verborgenen zu zeigen, als ein Spiel, wenn der Sinn untergegangen ist, will ich dem Klang nachlauschen, der sich selbst mitteilt, die brauchen Dich nicht, die nehmen sich nur, was sie brauchen
die hassen die Wahrheit, weil sie so negativ ist, was ist das Original, wenn alles eine Vervielfältigung ist
unwillkürlich, als Reflex, tausend Nichtigkeiten als Schwarm, als Wolke des Geschwafels
eine Kopie, eines großen Etwas, das wir alle sind?
um Deine Wertschätzung, um deine Aufmerksamkeit, haben die Bedeutung in Hülsen gesperrt
in Bilder, die missbraucht und vergewaltigt, zu fetten Gemeinplätzen wuchsen
es ist ein nettes Hopping, über der unsichtbaren Hoheit, verkaufter Luftschlösser
aber dich plagt eine Sehnsucht nach Text, nach eigenen Worten, sie zieht dich weiter
in andere Formationen, viele Körper reden und sagen nichts, es ist genauso, wie dieser Satz,
eine vorbereiteter Gemeinplatz, eine automatisierte Deutung, eine hübsch geformte Lüge
der Sinn geht im universalen Geräusch unter, in weißem Rauschen, das sich gegenseitig auslöscht
und du bist ein Pirat der Patterns.....
Ich ist ein Anderer, mit den anderen vernetzt sein, ein Docking wagen, abseits der Kommunikation
sich in andere Positionen begeben, wagen, sie in Frage zu stellen
das willst Du vielleicht, Ich zu sagen ist eine Reaktion auf ständig wachsende Unsicherheit
dabei könnte alles so anders sein. in Unbekanntem unbekannt bleiben, unerkannt, wir treiben knapp unter der Oberfläche dahin und strecken den Hals gelegentlich müde in die Höhe, der Papierweg ist verstopft
Schwächen offen zu zeigen, könnte sich als Stärke erweisen, Lüge, eitel Selbstinszenierung
schöne Fassaden sind auch schön - als Fassade, ein Paravant, flüchtig aufgestellt
rund um bittere Erbärmlichkeit, will verschwinden hinter Tönen, und mich einhüllen, will mich kleiden in sie, Du wagst, Dich im Verborgenen zu zeigen, als ein Spiel, wenn der Sinn untergegangen ist, will ich dem Klang nachlauschen, der sich selbst mitteilt, die brauchen Dich nicht, die nehmen sich nur, was sie brauchen
die hassen die Wahrheit, weil sie so negativ ist, was ist das Original, wenn alles eine Vervielfältigung ist
unwillkürlich, als Reflex, tausend Nichtigkeiten als Schwarm, als Wolke des Geschwafels
eine Kopie, eines großen Etwas, das wir alle sind?
Freitag, 28. April 2017
Natur und Mensch (2)
Hinaus
in die Natur zu gehen, könnte bedeuten, Körper und Geist wieder
zusammenzubringen. Es könnte insofern ein nobles und durch
ganzheitliche Absichten geadeltes Ziel sein, in die Natur zu gehen.
Zu wandern. Es auf sich wirken lassen. Stress abbauen
(wissenschaftlich durch Studien unterfüttert). Die innere Natur
mit der äußeren in Verbindung bringen. Klarer werden. Im Kopf und
im Körper. Viele Muskeln entschleunigt einsetzen, den Stoffwechsel
auf eine natürliche Weise ändern. Körperliche und geistige
Auffrischung ohne Überwindung eines inneren Schweinehundes, um sich
daraus heraus wieder frank und frei ins Getriebe zu stürzen? Fett
abbauen. Nicht so schnell müde werden. Energie ausstrahlen. Ohne
Medikament. Nicht der deutschen Romantik nachhängen, iwo! Das tun
sowieso nur die Bildungsbürger.
Donnerstag, 27. April 2017
Künstliche Intelligenz (7)
Künstliche Intelligenz ist eine, die sich selbst
fortwährend selbständig fortschreibt und uns somit aus der
Kontrolle geraten kann. Künstliche Intelligenz lernt zu lernen, -
und zwar von selbst, aus sich selbst. Künstliche Intelligenz
entscheidet selbst, und zwar automatisch. „Deep Learning“ ist
dabei einer der Schlüsselbegriffe. Es geht zudem um Kontrolle der
Gefahren, die dadurch entstehen. Z.b. das Hacking. Der Mensch, der
sich selbst abschafft. Wo bleibt die Ethik dabei? „Big Data“ ist
auch so ein Schlüsselwort. Der IBM-Rechner Watson verdaut 200 Millionen
Seiten in 3 Sekunden. Er arbeitet inzwischen als Arzt oder als
Rechtsanwalt, indem er möglichst alle Daten dieser Welt aufnimmt:
„Big Data“. Die NSA & Co. haben es vorgemacht und haben damit
in unsere Gegenwart hinein gereicht. An der Börse handeln Computer
mit KI in Millisekunden Milliardenvermögen. Mit Künstlicher
Intelligenz ausgestattete Drohnen werden sich in wenigen Jahren
vervielfachen. Wann überholt uns Künstliche Intelligenz?
Womöglich hat sie uns schon überholt, Verantwortung ist längst abgegeben. Smarthome ist dabei auch so ein Stichwort: Der Kühlschrank bestellt automatisch das, was fehlt. Die Heizung legt schon vor der Ankunft los, die Jalousien senken sich wie von Geisterhand. Technologie passiert rasend schnell, die Entwicklungen sind am Anfang und werden zügig weitergehen. Der Stecker kann längst nicht mehr gezogen werden, alles ist dezentral delegiert an viele Stellen auf dieser Welt. Erpressung ist damit auch möglich. Alles mögliche über alle Menschen wissen ist das Ziel. Roboter werden uns begleiten auf allen Wegen, bis hin zum letzten Gang: Altersheimroboter sind ja bereits im Einsatz. Viele andere werden folgen. Stephen Hawking hat gewarnt vor dem Verlust von Arbeitsplätzen: 9 von 10 Arbeiter werden überflüssig sein. Maschinen werden vieles besser können. Den Niedriglohnsektor werden weiterhin Maschinen/Roboter übernehmen. Arbeitswelt 4.0 ist dabei das Stichwort. Bei Waffensystemen und selbständigen Drohnen ist Künstliche Intelligenz ohnehin besonders relevant. Doch all das heißt: der einst hoch gehandelte Wert „Bildung“ ist spätestens nach zwei oder drei Jahren überholt, gewisse ethische Maßstäbe gewinnen eine neue Bedeutung,Werte müssen neu definiert werden. Was ist der Mensch? Wo stehen wir dabei?
Womöglich hat sie uns schon überholt, Verantwortung ist längst abgegeben. Smarthome ist dabei auch so ein Stichwort: Der Kühlschrank bestellt automatisch das, was fehlt. Die Heizung legt schon vor der Ankunft los, die Jalousien senken sich wie von Geisterhand. Technologie passiert rasend schnell, die Entwicklungen sind am Anfang und werden zügig weitergehen. Der Stecker kann längst nicht mehr gezogen werden, alles ist dezentral delegiert an viele Stellen auf dieser Welt. Erpressung ist damit auch möglich. Alles mögliche über alle Menschen wissen ist das Ziel. Roboter werden uns begleiten auf allen Wegen, bis hin zum letzten Gang: Altersheimroboter sind ja bereits im Einsatz. Viele andere werden folgen. Stephen Hawking hat gewarnt vor dem Verlust von Arbeitsplätzen: 9 von 10 Arbeiter werden überflüssig sein. Maschinen werden vieles besser können. Den Niedriglohnsektor werden weiterhin Maschinen/Roboter übernehmen. Arbeitswelt 4.0 ist dabei das Stichwort. Bei Waffensystemen und selbständigen Drohnen ist Künstliche Intelligenz ohnehin besonders relevant. Doch all das heißt: der einst hoch gehandelte Wert „Bildung“ ist spätestens nach zwei oder drei Jahren überholt, gewisse ethische Maßstäbe gewinnen eine neue Bedeutung,Werte müssen neu definiert werden. Was ist der Mensch? Wo stehen wir dabei?
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Mittwoch, 26. April 2017
Nichts (Text)
Du tippst das Nichts an
gehst mit ihm um
fühlst dich ihm fern und nah
Du erschrickst und weißt nicht
weißt, dass Du nicht weißt
und bist darüber nicht erfreut
es greift dich herb an
und du kommst ihm näher
im Vergehen liegt die Welt
Du kennst all diese Sprüche
Vermutungen, Meinungen
Weißes Rauschen allüberall
Du schreibst Worte
die es nicht umfassen
Du gebierst Bilder
die es nicht treffen
Du findest Vergleiche
die nicht stimmen
Ich stecke den Finger ins Dasein
und es riecht nach Nichts
Nichts ist mehr sicher,
kein Gesang, kein gar nichts,
es ist alles nur noch - „Rauschen”.
gehst mit ihm um
fühlst dich ihm fern und nah
Du erschrickst und weißt nicht
weißt, dass Du nicht weißt
und bist darüber nicht erfreut
es greift dich herb an
und du kommst ihm näher
im Vergehen liegt die Welt
Du kennst all diese Sprüche
Vermutungen, Meinungen
Weißes Rauschen allüberall
Du schreibst Worte
die es nicht umfassen
Du gebierst Bilder
die es nicht treffen
Du findest Vergleiche
die nicht stimmen
Ich stecke den Finger ins Dasein
und es riecht nach Nichts
Nichts ist mehr sicher,
kein Gesang, kein gar nichts,
es ist alles nur noch - „Rauschen”.
Dienstag, 25. April 2017
Montag, 24. April 2017
Entscheidungsprozesse
Soll man sich fortwährend daran erinnern, dass es
möglicherweise in dieser Republik ziemlich ungerecht zugeht? Soll
man diesen Nasen, die anbieten, das zu ändern, mit einer
Wählerstimme vertrauen? Soll man ihnen das zutrauen? Zweifel.
Skepsis. Bundestagswahlkampf. Soll man sich mal wieder darüber aufregen, dass Großspenden
die Entscheidungsprozesse in dieser Politik möglicherweise
entscheidend verändern? Überhaupt, der Einfluss der Lobbys und
Interessenvertreter scheint ja recht weit zu gehen und sich unter
anderem in finanziellen Zuwendungen an Parteien auszudrücken, wobei
dafür offenbar auch verschlungene Wege gefunden werden. Dass sich Abgeordnete dazu gerne mit Lobbyisten treffen, gehört wohl zum Recht auf Gewissensfreiheit, das diesen Abgeordneten in jeder Form zusteht. Der
Hintergedanke scheint dabei relativ klar. Nicht nur Diäten und
Fraktionsetats scheinen ziemlich schamlos erhöht zu werden, es gibt ja auch Absprachen zwischen Koalitionen, die schon mal in eine Richtung gebogen werden können. Wer aufbegehrt, gegen den wird oft geklagt, - das Procedere ist ja
schon aus der Industrie bekannt.
Gegen entsprechende Parteispenden werden „Besuche“ bei einflussreichen Politikern gewährt: Diese Praxis sorgte vor einiger Zeit für Aufsehen. Daraufhin wurde Besserung gelobt. Doch die Praxis scheint weiterzugehen, - scheint...irgendwie... Überhaupt lassen sich wohl Parteien und Abgeordnete wohl nicht so gerne in die finanziellen Karten schauen. Ob das oberdemokratisch ist oder ob hier „Expertenwissen“ ein bisschen unkontrolliert in die Entscheidung einfließt? Die Erklärungen vielfältigster Art stehen ja bereit, werden von den Parteien in die Gehirnfestplatten überspielt. Es geht um "Argumentationshilfen" etc.... Scheint, offenbar, vielleicht – im Dunkeln ist gut munkeln, so möchte man meinen. Das Parlament scheint dies zu nutzen. Doch ob es dieser Republik wirklich so gut geht, wie oft behauptet wird? Ob das nicht nur einer gewissen Schicht zugute kommt, die die Deutungshohheit für sich anmahnt? Wie groß diese Schicht wohl ist, wenn es sie gibt? Arbeitslosenzahlen? Armutsannahmen? Ob sie in einem gewissen Sinne erhoben sind? Geformt? "Verstanden"? Ob es nicht ganz allgemein deutlich besser gehen könnte, wenn der politische Wille da wäre? Ob es dabei auch um das „Schlechtreden“ eines Staates geht, der sich noch auf einer Insel der Seligen wähnt, aber die Verteilungsmechanismen schon für andere Zeiten in Stellung bringt? Ein Staat, der sich vor allem auf die Macht des Faktischen stützt und ja ohnehin so viel besser als all die anderen ist? Zweifellos.
Gegen entsprechende Parteispenden werden „Besuche“ bei einflussreichen Politikern gewährt: Diese Praxis sorgte vor einiger Zeit für Aufsehen. Daraufhin wurde Besserung gelobt. Doch die Praxis scheint weiterzugehen, - scheint...irgendwie... Überhaupt lassen sich wohl Parteien und Abgeordnete wohl nicht so gerne in die finanziellen Karten schauen. Ob das oberdemokratisch ist oder ob hier „Expertenwissen“ ein bisschen unkontrolliert in die Entscheidung einfließt? Die Erklärungen vielfältigster Art stehen ja bereit, werden von den Parteien in die Gehirnfestplatten überspielt. Es geht um "Argumentationshilfen" etc.... Scheint, offenbar, vielleicht – im Dunkeln ist gut munkeln, so möchte man meinen. Das Parlament scheint dies zu nutzen. Doch ob es dieser Republik wirklich so gut geht, wie oft behauptet wird? Ob das nicht nur einer gewissen Schicht zugute kommt, die die Deutungshohheit für sich anmahnt? Wie groß diese Schicht wohl ist, wenn es sie gibt? Arbeitslosenzahlen? Armutsannahmen? Ob sie in einem gewissen Sinne erhoben sind? Geformt? "Verstanden"? Ob es nicht ganz allgemein deutlich besser gehen könnte, wenn der politische Wille da wäre? Ob es dabei auch um das „Schlechtreden“ eines Staates geht, der sich noch auf einer Insel der Seligen wähnt, aber die Verteilungsmechanismen schon für andere Zeiten in Stellung bringt? Ein Staat, der sich vor allem auf die Macht des Faktischen stützt und ja ohnehin so viel besser als all die anderen ist? Zweifellos.
Sonntag, 23. April 2017
Narzissmus (1)
Caravaggio malte sein berühmtes Bild „Narziss“
Ende des sechzehnten Jahrhunderts und Ovid hatte lange zuvor schon
die betreffende Geschichte geschaffen (hier aus „Wikipedia“
zitiert): Narziss wurde von Jünglingen und Mädchen gleichermaßen
umworben, war aber stolz auf seine eigene Schönheit erfüllt und
wies all seine Verehrer und Verehrerinnen herzlos zurück. Diese
Kränkung widerfuhr auch der Bergnymphe Echo und dem Bewerber
Ameinios, dem Narziss ein Schwert zukommen ließ. Zwar brachte sich
Ameinios noch auf der Türschwelle mit dem erhaltenen Schwert um,
nicht aber ohne zuvor die Götter anzurufen, seinen Tod zu rächen.
Nemesis (nach anderen Quellen Artemis) hörte die Bitte und strafte
Narziss mit unstillbarer Selbstliebe: Als er sich in der unberührten
Natur bei einer Wasserquelle niederließ, verliebte er sich in sein
eigenes Spiegelbild. Narziss erkannte die Unerfüllbarkeit seiner
Liebe, ohne dass es ihm etwas nützte: Er verzehrte sich und
verschmachtete vor seinem Ebenbild bis zum Tod. Seine letzten Worte
wiederholte Echo: „Ach, du hoffnungslos geliebter Knabe, lebe
wohl!“ Statt seines Leichnams fanden die Dryaden eine Narzisse“.
Heutzutage gilt aber auch und dürfte sich auf narzisstische Impulse stützen: die gernzenlose Entblößung in den Medien, insbesondere in den sozialen Medien samt die Vorführung aufgeblasener Wichtigkeit in den Talksshows und vieler anderer Phänomene: Das „Ich“ und seine Optimierung scheint eine „Herausforderung“ der Zeit. Die Stufe der schmerzhaften Bewusstwerdung und der langen Suche wird dabei gerne mal übersprungen. Es gilt Egozentrismus, Eigensucht, fehlende Empathie, Überheblichkeit und die Entwertung anderer. Sie scheinen im Trend eines gnadenlosen Neoliberalismus zu liegen, der auf allen Ebenen unsere Gesellschaft schon seit langem zu prägen scheint. Doch Finanzkrise und Schuldenfallen der Staaten haben längst zur Verunsicherung beigetragen. Narzissmus galt zwar einst als Sünde oder als Privileg der Mächtigen, hat offensichtlich aber von seiner Strahlkraft verloren. Nichtsdestrotz trat in der Politik ein neuer Typ eines Despoten immer mehr zu Tage, der mit seinem eingebildeten oder realen Charisma die Realität zu prägen scheint. Da werden Leute zu Präsidenten oder wollen sich zu solchen machen. (Später mehr)
Heutzutage gilt aber auch und dürfte sich auf narzisstische Impulse stützen: die gernzenlose Entblößung in den Medien, insbesondere in den sozialen Medien samt die Vorführung aufgeblasener Wichtigkeit in den Talksshows und vieler anderer Phänomene: Das „Ich“ und seine Optimierung scheint eine „Herausforderung“ der Zeit. Die Stufe der schmerzhaften Bewusstwerdung und der langen Suche wird dabei gerne mal übersprungen. Es gilt Egozentrismus, Eigensucht, fehlende Empathie, Überheblichkeit und die Entwertung anderer. Sie scheinen im Trend eines gnadenlosen Neoliberalismus zu liegen, der auf allen Ebenen unsere Gesellschaft schon seit langem zu prägen scheint. Doch Finanzkrise und Schuldenfallen der Staaten haben längst zur Verunsicherung beigetragen. Narzissmus galt zwar einst als Sünde oder als Privileg der Mächtigen, hat offensichtlich aber von seiner Strahlkraft verloren. Nichtsdestrotz trat in der Politik ein neuer Typ eines Despoten immer mehr zu Tage, der mit seinem eingebildeten oder realen Charisma die Realität zu prägen scheint. Da werden Leute zu Präsidenten oder wollen sich zu solchen machen. (Später mehr)
Samstag, 22. April 2017
Donnerstag, 20. April 2017
Mittwoch, 19. April 2017
Tierschutz
Was sagen Tierschutzgesetze? Den Bedürfnissen von
Tieren bestmöglich zu entsprechen und für ihr Wohlergehen zu
sorgen, wird dort gefordert. Niemand solle einem Tier ohne
vernünftigen Grund Schmerzen oder Leiden ungerechtfertigt zufügen.
Problem nur: was heißt „bestmöglich“, „Wohlergehen“, was
ist ein „vernünftiger Grund“ und was ist „ungerechtfertigt“?
Lauter wachsweiche Formulierungen, deren Ermessen dem Menschen
anheimgestellt ist. Ob dieses Ermessen sich nicht hauptsächlich aus
ökonomischen Überlegungen speist? Menschen tragen gerne
Pelzmäntel: deshalb ist es legitim, Nerze zu vergasen. Im Sinne des
Gesetzes ist das ein „vernünftiger“ Grund. Ob's mit dem
Tierschutz überhaupt ernst gemeint ist?
Dienstag, 18. April 2017
Über diesen Blog
Hier
noch einmal eine Selbstrechtfertigung unter Einbeziehung dessen, was
ich zu diesem Thema an dieser Stelle bereits geschrieben habe. Mir
geht es hier im Blog um die „Verschnödisierung“ von Inhalten.
Sie einigermaßen verständlich zu machen, so wie sie sich halt in
meinem Bewusstsein abbilden. Insofern ist das sehr subjektiv, - darf
es ja auch in einem Blog, oder? So etwas kann nicht immer exakt nach
den ausgegebenen Regeln sein, aber es kann sich darum bemühen. Es
gleicht einer Art „Herunter-Übersetzung“ in das schnöde
Alltägliche. Ja ja, wir sollen hier Ross und Reiter nennen,
möglichst alle Copyright-Regeln beachten und immer wahrheitsliebend
sein. Klaro, auch im Zeitalter von "Fake News" und "alternativen Fakten". Wir sollen alles so „wasserdicht“ machen, dass sich
niemand angegriffen fühlt. Meinung, Kommentar und Berichterstattung
sollen wir auch nicht vermischen. Bloß nicht. Wir sollen uns ja
gegenüber den mächtigen Rechtsabteilungen der Großkonzerne und der
Prominenten absichern. Bloß, wer kann das? Die professionellen
Nachsteller könnten dafür mit denen, die sie zu untersuchen und
recherchieren vorgeben, zu sehr unter einer Decke stecken. Könnten!
Wissen wir es? Parolen sind da völlig ungeeignet. Aber es ist ein
schönes Feld für jemand, der wissenschaftlich die Struktur von
„Eliten“ untersucht. Er wird wohl (wenn alles gut geht....) einen
Forschungsauftrag dafür an Land ziehen können und damit eine Weile
ruhig gestellt sein. Das Dazwischengequatsche aus den altklugen
Elfenbeintürmen der "Wissenschaft" ist sowieso nicht besonders populär. Also wird
sie/er nicht weiter stören mit etwas abgehoben wirkenden
„Erkenntnissen“... Überlegungen dahinter, Taktik, Strategie,
Manöver mit der öffentlichen Meinung - das zu schreiben wäre auch
interessant. Nur, man soll das nicht, weil es nicht zu beweisen, zu
belegen ist. Es zischt aber rechts und links am Bewusstsein der Leute
vorbei und meist mitten hinein. Wer soll was glauben? Aus welchem
Interesse? Es gilt, sich unkenntlich zu machen, um kenntlich zu
bleiben. Wir können hier in diesem Blog auch nur von dem etwas
einigermaßen wiedergeben, dem der halbwegs Interessierte in dieser
Öffentlichkeit ausgesetzt ist. Und das bedeutet keineswegs
Sympathien gegenüber Rechtspopulisten, Neuen Konservativen (Das Oben
und Unten ist von Gott, dem Schicksal oder „harter Arbeit“
gegeben...“), rechtsradikalen Parteien oder Trampisten. Ich suche
nicht nach endgültigen Wahrheiten, halbwegs gültige würden
vorläufig auch schon reichen.
Montag, 17. April 2017
Schopi und der Tod (3)
Schopi schreibt in „Seniliae“, Gedanken im
Alter“:
„Wie kann man nur, beim Anblick des Todes eines Menschen, oder Thieres, vermeinen, hier werde ein Ding an sich selbst zu nichts? Daß vielmehr nur eine Erscheinung, in der Zeit, dieser Form aller Erscheinungen, ihr Ende finde, ohne daß das Ding an sich selbst dadurch angefochten werde, ist eine unmittelbar, intuitive Erkenntniß jedes Menschen; daher man es zu allen Zeiten, in den verschiedensten Formen und Ausdrücken, die aber alle, der Erscheinung entnommen, in ihrem eigentlichen Sinn, sich nur auf diese beziehn, auszusprechen gewesen ist.
Und an einer anderen Stelle schreibt Schopi: „Das Leben kann, diesem Allem zufolge, allerdings angesehen werden als ein Traum, und der Tod als das Erwachen. Dann aber gehört die Persönlichkeit, das Individuum, dem träumenden und nicht dem wachen Bewußtseyn an.; weshalb denn jenem der Tod sich als Vernichtung darstellt. Jedenfalls jedoch ist er, von diesem Gesichtspunkt aus, nicht zu betrachten als der Uebergang zu einem uns ganz neuen und fremden Zustande, vielmehr nur als der Rücktritt zu dem uns ursprünglich eigenen, als von welchem das Leben nur eine kurze Episode war“.
Was wohl unsere Freunde von Silicon Valley oder bei Google zu solchen tiefschürfenden Ansichten sagen würden? Sie scheinen nicht auf eine Art transzendentaler Einsicht zu bauen, sondern vielmehr auf den geraden direkten Überlebenstrieb jedes Menschen der irdischen Welt. Dafür bringen sie allerlei technisches Gerät in Anschlag, dass sie nach und nach dem Menschen einverleiben möchten.
„Wie kann man nur, beim Anblick des Todes eines Menschen, oder Thieres, vermeinen, hier werde ein Ding an sich selbst zu nichts? Daß vielmehr nur eine Erscheinung, in der Zeit, dieser Form aller Erscheinungen, ihr Ende finde, ohne daß das Ding an sich selbst dadurch angefochten werde, ist eine unmittelbar, intuitive Erkenntniß jedes Menschen; daher man es zu allen Zeiten, in den verschiedensten Formen und Ausdrücken, die aber alle, der Erscheinung entnommen, in ihrem eigentlichen Sinn, sich nur auf diese beziehn, auszusprechen gewesen ist.
Und an einer anderen Stelle schreibt Schopi: „Das Leben kann, diesem Allem zufolge, allerdings angesehen werden als ein Traum, und der Tod als das Erwachen. Dann aber gehört die Persönlichkeit, das Individuum, dem träumenden und nicht dem wachen Bewußtseyn an.; weshalb denn jenem der Tod sich als Vernichtung darstellt. Jedenfalls jedoch ist er, von diesem Gesichtspunkt aus, nicht zu betrachten als der Uebergang zu einem uns ganz neuen und fremden Zustande, vielmehr nur als der Rücktritt zu dem uns ursprünglich eigenen, als von welchem das Leben nur eine kurze Episode war“.
Was wohl unsere Freunde von Silicon Valley oder bei Google zu solchen tiefschürfenden Ansichten sagen würden? Sie scheinen nicht auf eine Art transzendentaler Einsicht zu bauen, sondern vielmehr auf den geraden direkten Überlebenstrieb jedes Menschen der irdischen Welt. Dafür bringen sie allerlei technisches Gerät in Anschlag, dass sie nach und nach dem Menschen einverleiben möchten.
Sonntag, 16. April 2017
Martin und die Stuhlräuber
Was wohl Martin Luther zum
Zustand unserer heutigen Gesellschaft gesagt hätte? Klar, der Mann
hat im sechzehnten Jahrhundert gelebt. Trotzdem durchweht seine
Ansichten ein Geist von Nächstenliebe (ja, auch trotz seines zeitgebundenen Antisemitismus), der so gar nicht zum heute
herrschenden Klima der gegenseitigen Ausbeutung passt. Die Maxime,
dass Unternehmen und Verbraucher ihren Gewinn und Nutzen maximieren
sollen, hätte ihm wohl nicht so recht gefallen, ja, er hätte das
wohl angegriffen. Auch das System von Zins und Zinseszins hätte er
wohl kaum als gottgegeben akzeptiert, wie es heutige Ökonomen zu tun
scheinen. Immer wieder wandte er sich entschieden gegen alle Arten,
die Mitmenschen zu übervorteilen, gegen Habsucht, Profitgier und
Wucher. Mit der Kapitalwirtschaft hat er damals nichts anfangen
können (die Fugger standen geifernd am Horizont). Was er wohl von der heutigen Bankenlandschaft und ihren
Handelnden halten würde? Oder von den beispielslosen Betrugsversuchen
einer Firma wie Volkswagen mit ihrem globalen Abgasskandal? Firmen,
die sich ihren „Erfolg“ durch schönrednende und lügende (Fake
Facts) Werbeagenturen flankieren lassen? Wie er wohl die Doktrin
gefunden hätte, dass diejenigen Produkte die besten sein sollen, die dem
rücksichtslosesten Konzern am meisten Gewinn versprechen? Welche
Rolle wohl bei ihm der sogenannte „Kundennutzen“ gespielt hätte?
Sicher ist wohl, das all diese Annahmen und Thesen überhaupt nicht zu ihm und der von ihm vertretenen individuellen Moral gepasst hätten. Wucherern verweigerte er die Sakramente. Er nannte sie „Stuhlräuber“. Ob es solche „Stuhlräuber“ auch heute noch viel zu viele gibt? Es soll sich jeder nach seinem eigenen Gewissen entscheiden, und nicht nach einem von Institutionen vorgegebenen Rahmen: Das unter anderem ist es ja wohl, was die Essenz von Luthers Weltbild ausmacht. Den Nächsten als reinen Verbraucher, als Faktor des Profits zu sehen, zur Zahl degeneriert, wäre ihm wohl vollkommen fremd. Harmlos und peinlich wirken dagegen die Versuche der heutigen Ökonomen mit ihrem Versuch, den Philosophen Adam Smith und dessen Sicht auf einen sich selbst regulierenden „Freien Markt“ für sich in Stellung zu bringen. Problem ist, dass wir hier schon lange keinen „Freien Markt“ mehr haben.
Sicher ist wohl, das all diese Annahmen und Thesen überhaupt nicht zu ihm und der von ihm vertretenen individuellen Moral gepasst hätten. Wucherern verweigerte er die Sakramente. Er nannte sie „Stuhlräuber“. Ob es solche „Stuhlräuber“ auch heute noch viel zu viele gibt? Es soll sich jeder nach seinem eigenen Gewissen entscheiden, und nicht nach einem von Institutionen vorgegebenen Rahmen: Das unter anderem ist es ja wohl, was die Essenz von Luthers Weltbild ausmacht. Den Nächsten als reinen Verbraucher, als Faktor des Profits zu sehen, zur Zahl degeneriert, wäre ihm wohl vollkommen fremd. Harmlos und peinlich wirken dagegen die Versuche der heutigen Ökonomen mit ihrem Versuch, den Philosophen Adam Smith und dessen Sicht auf einen sich selbst regulierenden „Freien Markt“ für sich in Stellung zu bringen. Problem ist, dass wir hier schon lange keinen „Freien Markt“ mehr haben.
Samstag, 15. April 2017
Gen Ostern
Sie
starren in ihr Smartphone und du wunderst dich, dass inzwischen viele
ältere Leute darunter sind,..... jemand fährt im Hintergrund einen
brandneuen Skoda gegen einen gemein in den Boden gerammten
Begrenzungspfosten, der fast den Eindruck macht, als sei er extra für
einen solchen fatalen Fall aufgestellt. Es ist Einkaufsstress, jeder
will oder muss noch mal, - ich ja auch,- Bettler legen bei den
Einkaufswagen den Dackelblick auf, arrogante ältere Damen rümpfen
darüber die Nase, es stinkt irgendwo nach Urin, aber du bist schon
vorbei, hast nur kurz etwas wahrgenommen, wie ja ohnehin alles nur
kurz wahrgenommen ist.......andere scheinen vor Terrorismus und dem
Abgleiten ins soziale Nichts Angst zu haben, du hingegen schaust beim
Discounter rein: Was du wolltest, findest du nicht, scheint nicht
mehr im Sortiment zu sein, - flugs zurück zum Ausgangspunkt!
Rundumblick (Text)
RUNDUMBLICK
Beziehungen
optimieren
sie
mit Kohle schmieren
im
Horizont untergehen
und
bei weitem nicht der Letzte sein
sie
setzen den Bohrer an
und
summen sich in dich hinein
sie
sind beständig an dir dran
und
machen dich zu ihrem Schwein
sie
selbst lenken sich, wer sonst?
Sie
sind die Gestalter der Welt
was
die Macht mit dir macht
bis
du sie alle enthronst
all
die Schwätzer und Sprücheklopfer
die
Idiologen und Lügner
der
allzu einfachen Wahrheit
doch
wie machst Du's ohne Opfer?
Sie
geben den Ton an, wollen führen
sie
leben ihre Macht aus, unverdrossen
sie
sind die Macher dieser Macht
wollen
sich zu ihrem eigenen Kaiser küren
sie
schmieren und schmieden feine Verse
sie
sind ein Teil dieses sich drehenden Karusells
wem
schwindlig wird, der schon mal springt ab
vertritt
sich dabei seine Achillesverse
Freitag, 14. April 2017
Donnerstag, 13. April 2017
Soziale Gerechtigkeit (3)
Es war gestern nur so eine kleine Meldung zwischen Fußball und Terrorismus, zwischen Trump und NATO: dass das Vermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt sei, hieß es da. Die reichsten 10 % der Leute würden mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens besitzen. Die untere Hälfte aber gerade mal 1 %. Von Armut bedroht? Iwo, sagt da die Bundeskanzlerin. Deutschland sei es noch nie so gut gegangen. Und im Übrigen seien das alles nur Zahlen von Der Linken. Es gäbe ohnehin viel zu viele Leute, die das schöne Deutschland schlecht reden wollen, meint ein hoffungsvoll bebrillter CDU-Politiker der zweiten Reihe, der eines Tages Merkel beerben will und deshalb bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Medien auftritt. Vor allem Familien mit Kindern hätten es schwer, so der Bericht weiter. Alles nur Schwarzseher!, - scheint da eine gewisse Meinung dazu aufzublitzen. Vertrauen in die Kraft der Innovation sei da nötig, so meint ein anderer Politiker, dessen Partei bei den letzten Wahlen aus dem Bundestag geflogen war. Jetzt wird aber heftig um ihn geworben, er ist en vogue, was so richtig gut zu ihm passt. Damit erhebt eine sich selbst dazu erklärende Politiker-Elite Anspruch auf die Deutungshoheit über die Fakten, über die Wahrheit. Das Grundgefühl vieler Menschen in Deutschland heute ist eines der Angst und Sorge vor der Zukunft und vor Chancenlosigkeit. In Umfragen sagen 70 Prozent der Deutschen, dass sie die soziale Ungleichheit als zu hoch empfinden. Immer mehr Menschen fühlen sich abgehängt. Es stimmt etwas nicht in der Verteilung, auch wenn das nur eine schnell vergessene Meldung unter anderen ist. Viele der Mächtigen leugnen das Problem mit dem mantramäßig wiederholten Hinweis auf die wirtschaftlichen Erfolge der vergangenen zehn Jahre. Die Arbeitslosenquote ist von über 5 Millionen auf heute 2,7 Millionen halbiert worden. Wir sind stolz, Export-Vizeweltmeister zu sein, und auf die vielen deutschen Weltmarktführer. Deutschland ist viel besser durch die globale Finanzkrise und die europäische Wirtschaftskrise gekommen als die meisten unserer Nachbarn. Jawohl, - aber für viele Menschen könnte es besser sein. Viele ignorieren, dass diese Erfolge nicht allen, sondern nur wenigen Menschen zugute gekommen sind.
Mittwoch, 12. April 2017
Etatismus (1)
Etatismus, das ist der Glaube an den Staat. Er ist in
Deutschland traditionell besonders stark ausgeprägt. Verschiedene
Parteien hängen ihm ganz entschieden nach. In der DDR war die SED
das Vollzugsorgan des Staates, handelte mit ihrer sich selbst verordneten Diktatur des
Proletariats immer im Sinne des des Gesamtwohls, - so zumindest die
Selbsteinschätzung, die sehr bald in eine Selbstüberschätzung
gemündet ist und in ihrer Selbsterhöhung viele Opfer gefordert hat.
Der Staat wird hier in Deutschland für nahezu alles verantwortlich
gemacht, er soll gefälligst auch für den ökonomischen Wohlstand
sorgen. Er soll so etwas wie eine Leitkultur vermitteln und jedermann
soll mit seinen Sorgen zu ihm kommen können. Er ist aber auch der
Garant für Rechte, Rechte auf Wohlstand, die nicht vom Wohlwollen
Einzelner abhängig sind, die nicht von oben herab nach Gutdünken
gewährt werden und auch nicht wie ein Almosen sind. Gerade die Linke
scheint dem Staat als einzig demokratisch legitimierter Institution
nachzuhängen. Schutz und Trost verspricht sie gerne gegen die Unbill
des Wandels, der so unkontrollierbar ausgefranst ist nach allen
Seiten. Er hat das Gewaltmonopol und übt es maßvoll in der
Demokratie unter den Vorgaben der Gewaltenteilung aus. Der Staat ist
halt seinen Bürgern verpflichtet. Aber, apropos öffentlicher
Dienst: Im öffentlichen Dienst gibt es die meisten befristeten
Verträge, während Beamte einer großzügigen Altersvorsorge
entgegen sehen.
Dienstag, 11. April 2017
Montag, 10. April 2017
Künstlernähe
Der alte Goethe, der Kafka, der Nietzsche, der Hesse,
der Thomas Mann: nein, das sind nicht nur diese Kulturdenkmäler, als
die sie Schülern jahrzehntelang eingebläut wurden. Und als die sie
für alle anderen allenfalls eine leise Erinnerung sind. Georg
Trakl, dessen Gedichte einst auswendig gelernt werden mussten, war
ein armes Schwein, ein Süchtiger, ein Ekstatiker des Wortes, den wir
als solchen jederzeit neu lesen können, der uns zum Vertrauten
werden kann. Hey Schorsch! Salute! Auch der Dali und der Picasso,
diese Superdenkmäler des Bildungsbürgertums, waren Opfer ihres
eigenen Ruhms, sonnten sich in ihrem Stardasein und nutzten es nach
Belieben aus. Verkauften sich an ihre Rolle. Schwache Menschen, große Künstler - vielleicht. Sie
waren die Popstars ihrer Generation. Auch nicht schlecht. Sie
stellten das Herausragende dar, ließen ihre Einseitigkeiten
zelebrieren - bis auf Goethe, der vielleicht eine Universalbegabung
war und sich auch in einer bürgerlichen Existenz ausleben wollte.
Und, natürlich: Leonardo Da Vinci. Das Großgenie der Renaissance. Außerhalb jeden Zweifels.
Aber die „Künstler“ der heutigen Zeit? Wer von denen ist überhaupt sichtbar? Wo? Aufgrund welcher Mechanismen? Wer inszeniert sich als Großfürst und klagt jedes Mal wortstark die Legitimation solchen künstlerischen Großfürstentums ein (es hat eine gewisse Lächerlichkeit, wenn ich da an bestimmte Personen denke...)? Wer zieht sich leise zurück in ein „Müssen“ und genießt dennoch in tausend Medienkolportagen die große Aufmerksamkeit? Wer hinterfragt ernsthaft die eigene „Größe“? Wer war Michelangelo? Ein ekstatischer Bohrer. Benn? Ein in Bürgerlichkeit geronnener Former. Und die vielen anderen? Die Zeitgenossen gar...?
Aber die „Künstler“ der heutigen Zeit? Wer von denen ist überhaupt sichtbar? Wo? Aufgrund welcher Mechanismen? Wer inszeniert sich als Großfürst und klagt jedes Mal wortstark die Legitimation solchen künstlerischen Großfürstentums ein (es hat eine gewisse Lächerlichkeit, wenn ich da an bestimmte Personen denke...)? Wer zieht sich leise zurück in ein „Müssen“ und genießt dennoch in tausend Medienkolportagen die große Aufmerksamkeit? Wer hinterfragt ernsthaft die eigene „Größe“? Wer war Michelangelo? Ein ekstatischer Bohrer. Benn? Ein in Bürgerlichkeit geronnener Former. Und die vielen anderen? Die Zeitgenossen gar...?
Sonntag, 9. April 2017
Milchmarkt
Ein Beispiel für
EU-Verhältnisse, Afrika und industrielle Nahrungsmittelproduktion:
Eine durchschnittliche Milchkuh produziert mittlerweile dank
spezieller Züchtungen mehr als vier mal so viel Milch wie noch vor
Jahren. Es wird mit ihnen von den hiesigen Agrarfabriken deutlich
mehr Milch produziert, als vor Jahren von der EU festgelegt. Mit der daraufhin einsetzenden Milchschwemme fielen auch die Preise. Riesige Mengen an Milchpulver
wurden produziert, um sie teuer in Lagerhäusern einzulagern und sie
– so das teure Versprechen – wieder in den Markt zu entlassen, sobald
die Preise höher sein würden. Doch einstweilen wird der Export
wichtiger. Großmolkereien exportieren ihre Produkte sowieso in
zahlreiche Länder auf der ganzen Welt. Also wieso nicht gleich
Milchpulver exportieren? Wieso? Lohnt sich das? Der Milchmarkt wurde
spätestens mit der Reform 2006 „liberalisiert“, d.h.
Einflussnahmen des Staates wurden zugunsten von Marktmechanismen
zurück gedrängt („Neoliberalismus“). Seitdem unterliegt der
Milchmarkt globalen Einflüssen, der „Marktteilnehmer“ muss
versuchen damit zurecht zu kommen. Nicht nur afrikanische Länder wie Ghana, Kamerun oder Kenia müssen darunter leiden, weil nämlich ihre eigenen landwirtschaftlichen Produkte unter solchen Verhältnissen nicht mehr "wettbewerbsfähig" sind. Aus EU-Milchpulver hergestelltes Yogurth beispielweise kostet nämlich deutlich weniger als einheimisch hergestelltes.
Samstag, 8. April 2017
Fahren im Flow
Ich fahre vor mich hin. Es ist entspannend. Wie
außergewöhnlich! Normalerweise bedeutet Straßenverkehr doch
Stress! Aber auf den richtigen Strecken (die hierzulande freilich
selten geworden sind) kann es auch entspannend auflockernd sein,
motorisiert in eine Richtung zu streben. Klar, das schlechte
Gewissen! Umwelt und so!.... Aber es kann schon besonders sein, sich
treiben zu lassen, die Kilometer in Bewegung in sich hinein zu
fressen, sie unter sich hinweg gleiten zu lassen, immer weiter......
Voraussetzung dafür ist aber, auf keinen Termin, am besten auch kein
in einer bestimmten Zeit vorgegebenes Ziel hin zu steuern. Sich gehen
lassen, nur, im Fluss mit der Zeit, im Fluss mit einem Verkehr, der
scheinbar alles Aggressive verloren hat und einen flexibel umspült.
In den USA hatte ich dieses Gefühl einst sehr intensiv kennen
gelernt. Im Westen. Wenig Verkehr. Fast ohne Aggression. Hinein in
gewaltige Landschaften, die sich in der Ferne immer wieder erneuern.
Horizonte zogen einen an und entließen einen wieder wie
selbstverständlich. Ein realer Fantasy-Film. Heute wohl in
Virtual-Reality-Brillen gezwungen. Doch das Gute war: alles real.
Sehr real. Man konnte anhalten und die Hitze spüren. Ein paar
Schritte gehen. Schlangen begegnen (Igitt? Selbst ich Angsthase
wähnte mich in einer Art Gleichklang mit ihnen.... hatte keine
Furcht). Nachlesen, sich informieren, in sich aufnehmen. Dann wieder
ins Auto, das Silberband entlang. Ich konnte auf diese Weise Hunderte
von Meilen fahren, ohne das mich das anstrengte. Es hatte etwas
Meditatives. Es erzeugte eine gelassene Stimmung in mir. Ohne jede Müdigkeit. Dass es
möglich ist, hat mich tief beeindruckt.
Freitag, 7. April 2017
Soziale Gerechtigkeit (2)
Barrack Obama, der einstige Präsident der Vereinigten Staaten, meinte: „Wirtschaftliche Ungleichheit
bedroht die Demokratie“. Er will damit vielleicht darauf hinweisen:
Alle Demokratie könnte – überspitzt ausgedrückt - Inszenierung
sein. Könnte. Sie könnte es erlauben, dass sich eine Schicht von
Mächtigen und Finanzstarken etabliert, um die politischen Geschicke
alleine schon durch ihre lobbygestützte Machtausübung zu bestimmen.
Andere Bevölkerungsschichten wären dann von politischen
Entscheidungen ausgeschlossen, würden sich einem Diktat von sich
selbst dazu erklärten „Eliten“ und durch tausend "Abschlüsse" legitimiert gegenüber sehen. Ob sich etwa im
deutschen Parlament anteilig eben so viele Juristen, Beamten und
Berufspolitiker finden? Ob dies das Volk, seinen Willen oder seine Trägheit widerspiegelt? Welche Wirkung etwa Parteispenden haben, - in den USA
gar? Dort sind sie juristisch unter „Meinungsfreiheit“ geführt.
Dass Trump keine Spenden nehmen musste, weil er so ungeheuer reich
ist, hat ihm wohl bei den Wahlen geholfen. Also hat die vom Geld
herbei geführte Ungleichheit diese Form des Nationalismus und
Populismus zumindest begünstigt. Ob es Paralellen zu Deutschland gibt?
Für das so obertolle, wirtschaftsstarke (wurde schon mal anders ausgerufen...) und obertüchtige Deutschland gilt, dass sich eine tiefe Unsicherheit darüber in die Mittelklasse hinein gefressen hat, den Job zu verlieren, abzurutschen, sich ein „normales“ Leben und eine Teilnahme an Entscheidungen nicht mehr leisten zu können. Die Risken scheinen etwaige Chancen verdrängt zu haben. Dadurch ergeben sich Fragen, die sich darum ranken, wer in dieser Gesellschaft seinen Status einigermaßen absichern kann, wer sich "qualifizieren" kann, wer davon leben kann, wer am gemeinsamen Leben teilnehmen kann. Damit hängt zusammen, welche Arten von Arbeit für welche gesellschaftlichen Gruppen offen sind. Zum Beispiel mag sich in einer Gesellschaft der Eindruck aufdrängen, dass die Absolventen der ENA (Ecole Nationale) in ganz besonderem Maße für oberste Führungsaufgaben qualifiziert seien. Das mag vielleicht stimmen. Doch stellt sich die Frage, ob der Zugang zu dessen Studiengängen auch für Angehörige unterer Gesellschaftsschichten offen stehen und welche Energie, bzw. „Anpassungsleistung“ (gesellschaftliche Bezeichnung: „Emporkömmlinge“) sie zu einem solchen sozialen Aufstieg aufbringen sollten. Die Qualität von Jobs kennzeichnet zudem, ob sie dauerhaft oder befristet sind. Hier erhebt sich auch die Frage, inwiefern die soziale Herkunft solche Qualitätskriterien zu beeinflussen mag.
Für das so obertolle, wirtschaftsstarke (wurde schon mal anders ausgerufen...) und obertüchtige Deutschland gilt, dass sich eine tiefe Unsicherheit darüber in die Mittelklasse hinein gefressen hat, den Job zu verlieren, abzurutschen, sich ein „normales“ Leben und eine Teilnahme an Entscheidungen nicht mehr leisten zu können. Die Risken scheinen etwaige Chancen verdrängt zu haben. Dadurch ergeben sich Fragen, die sich darum ranken, wer in dieser Gesellschaft seinen Status einigermaßen absichern kann, wer sich "qualifizieren" kann, wer davon leben kann, wer am gemeinsamen Leben teilnehmen kann. Damit hängt zusammen, welche Arten von Arbeit für welche gesellschaftlichen Gruppen offen sind. Zum Beispiel mag sich in einer Gesellschaft der Eindruck aufdrängen, dass die Absolventen der ENA (Ecole Nationale) in ganz besonderem Maße für oberste Führungsaufgaben qualifiziert seien. Das mag vielleicht stimmen. Doch stellt sich die Frage, ob der Zugang zu dessen Studiengängen auch für Angehörige unterer Gesellschaftsschichten offen stehen und welche Energie, bzw. „Anpassungsleistung“ (gesellschaftliche Bezeichnung: „Emporkömmlinge“) sie zu einem solchen sozialen Aufstieg aufbringen sollten. Die Qualität von Jobs kennzeichnet zudem, ob sie dauerhaft oder befristet sind. Hier erhebt sich auch die Frage, inwiefern die soziale Herkunft solche Qualitätskriterien zu beeinflussen mag.
Donnerstag, 6. April 2017
Mittwoch, 5. April 2017
Künstliche Intelligenz (6)
Jüngst wurde bekannt, dass der US-Milliardär Elon
Musk, der als Unternehmer unter anderem mit der Firma Tesla
Elektro-Autos baut und mit der Weltraumfirma SpaceX unterwegs ist,
sein neuestes Unternehmen „Neurolink“, an der Vernetzung zwischen
Mensch und Maschine („Computer“) arbeiten lässt. Zuvor hatte der
Tesla-Chef noch gewarnt, dass künstliche Intelligenz die „vermutlich
größte Gefahr für unsere Existenz“ sei. Musk sprach damals von
einem "direkten Interface zur Hirnrinde". Es handelt sich bei seiner Firma jetzt also um eine direkte Vernetzung von Gehirn und Technologie
(Stichwort: „Cyborg“). Dies könne, so Musk,
das menschliche Bewusstsein enorm erweitern.
Es könnte damit in die Lage versetzt werden, mit der Künstlichen
Intelligenz (einigermaßen) mitzuhalten. Der Mann ist ein
„Hans-Dampf-in-allen-Gassen“: So will er demnächst gut
betuchte Menschen zum Mars bringen. Zudem arbeitet er neben anderen
Projekten offenbar am Transport-System Hyperloop - eine Art riesige
magnetbetriebene Rohrpost, die Menschen und Waren mit mehr als 1000
Kilometern pro Stunde befördern soll.
Es scheint so, als gründe die Forschung nach "künstlicher Intelligenz" auf der Annahme, dass das menschliche Hirn eine Art komplizierter Computer sei. Dies stimmt mit gewissen Zügen des amerikanischen Denkens überein, das davon ausgeht, dass die Welt vollkommen deterministisch (festgelegt, nach fixen Regeln wie ein Apparat ablaufend) sei. Doch "Intelligenz" ist im menschlichen Sinne nicht einmal ein klar definiertes Wort. Zudem erhebt sich die Frage, ob etwas "Bewusstloses" als intelligent bezeichnet werden kann. Zum Bewusstsein gehört die einigermaßen komplex zustande gekommen Erkenntnis einer objektiven Welt. Algorithmen hingegen müssen jedes Objekt dieser Welt "lernen", ein Abbild erstellen. Menschen hingegen haben ein Konzept davon und verweisen nur darauf. Das könnten Probleme sein, die schnelle Erfolge auf diesem Gebiet vorerst noch im Wege stehen.
Es scheint so, als gründe die Forschung nach "künstlicher Intelligenz" auf der Annahme, dass das menschliche Hirn eine Art komplizierter Computer sei. Dies stimmt mit gewissen Zügen des amerikanischen Denkens überein, das davon ausgeht, dass die Welt vollkommen deterministisch (festgelegt, nach fixen Regeln wie ein Apparat ablaufend) sei. Doch "Intelligenz" ist im menschlichen Sinne nicht einmal ein klar definiertes Wort. Zudem erhebt sich die Frage, ob etwas "Bewusstloses" als intelligent bezeichnet werden kann. Zum Bewusstsein gehört die einigermaßen komplex zustande gekommen Erkenntnis einer objektiven Welt. Algorithmen hingegen müssen jedes Objekt dieser Welt "lernen", ein Abbild erstellen. Menschen hingegen haben ein Konzept davon und verweisen nur darauf. Das könnten Probleme sein, die schnelle Erfolge auf diesem Gebiet vorerst noch im Wege stehen.
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Dienstag, 4. April 2017
Jugendwahn
Ob der Jugendwahn immer noch regiert? Oder mehr denn
je? Fersehmoderatorengesichter mögen hier Auskunft zeigen. Alte
werden ausgemustert, weg geschickt, meist von Leuten, sie selbst
schon betagt zerknittert sind. Sie entscheiden das, von dem sie
glauben, dass es besonders „jung“ sei. Es ist ihr Bild von der
Jugend, nach dem entschieden wird. Alte Säcke (Frauen sind noch
immer zu wenige darunter) definieren Bilder, formen Images, haben
sich an entscheidender Stelle „durchgesetzt“. Ob so etwas noch
unsere Gesellschaft abbildet? Im Zeitalter einer Internettransparenz? Die wohlbetuchten Damen gehen
währenddessen shoppen und tragen ihr neu unterspritztes
Botox-Gesicht zur Schau. Wie peinlich. Abbild? Inwiefern? Ob gar eine
soziale Polarisierung damit eingeleitet werden soll? Die
„Durchsetzungsfähigen“ formen die Maßstäbe, Macht macht
Stimmung. Die Reichen können sich „Verjüngungen“ samt
Gesundheit (es scheint der „Armutsbericht des Paritätischen
Wohlfahrtsverbandes an dieser Stelle Hinweise zu geben, indem er
vorrechnet, dass „Arme“ im Durchschnitt 10 Jahre vor den „Reichen" sterben. jeder Art leisten). Sie lassen ihre künstlich aufgeblasene
Sphäre meist von privaten Sicherheitsdiensten schützen und werfen
neidische Blicke auf das Jungfleisch. Vagane Opas tanzen im Techno-look (womöglich auch
schon etwas vorbei!!) mit von wohlbestallten Trainern geformten Körpern im
Flughafen und machen verzückte Gesichter. Kein Zweifel, sie sind schon seit längerem auf dem Pfad der Erleuchtung und lassen sich das etwas kosten. Die Villa samt ihrer
Komfort- und Wellnesszone indessen wartet auf Ihresgleichen. Das „Personal“
gibt sich alle Mühe. Cheuffeure, Köche, Gärtner und anderes "Personal" harrt ihrer Anweisungen.
Montag, 3. April 2017
Sonntag, 2. April 2017
Soziale Gerechtigkeit (1)
Die Ungleichheit in dieser
Gesellschaft hat gigantische Ausmaße angenommen. Hier sind kleine
und von mir ohnehin nur als „vorläufig“ akzeptierte
Prozentzahlen: 1 oder 2% der Bevölkerung besitzen etwa 50 % des
Gesamteinkommens. Diese Ungleichheit selbst ist vergleichsweise
unproblematisch. Die Folgen davon können aber verheerend sein. Das
hat z.b. große praktische Folgen: Je weiter die Schere aufgeht,
desto mehr Energie braucht es, von unten nach oben zu kommen. Zudem
könnte das Postulat gefährdet sein, dass in einer Demokratie jeder
gleiche Rechte hat. Ob sich die Besitzenden an dieser Stelle nicht
doch ein paar Rechte mehr herausnehmen und mit ihrem Geld Einfluss
auf die Politik nehmen? (Ein kleiner Blick auf die Internetseite
www.abgeordnetenwatch.de verschafft dazu zumindest im Falle von
Deutschland einige Aufschlüsse....). Gerade die SPD scheint hier
besonders empfänglich für das Arbeitsplatzargument zu sein, was
wohl nicht nur im Falle von VW verheerende Folgen gezeitigt hat. Ein
weiteres Beispiel dafür scheint der Braunkohleabbau und seiner
wirtschaftlichen Vertreter und Profiteure zu sein, der von der SPD nach wie vor
unter Missachtung sämtlicher ökologischer Argumente mit dem Hinweis
auf Arbeitsplätze protegiert wird. Ob dahinter die reine Lehre,
kurzfristige Gewerkschaftsinteressen oder Konzerninteressen stehen?
Ein Schelm, wer sich etwas dabei denkt....) Ob das dem Gefühl einer
gesellschaftlichen Partizipation, also einer Miteinflussnahme und
Selbstbestimmung in der Demokratie nützt? Oder ob dies auf lange
Frist eher dem Gesamtsystem schadet und dem weiteren Fortkommen
„populistischer“ Bewegungen nützt? Was für dieses Blog sehr
wichtig ist: die finanzielle Ausstattung scheint sehr umfassende
Implikationen mit sich zu bringen. CEOs und andere finanzielle gut unterfütterte Entscheidungsträger haben möglicherweise
ein ganz anderes Bewusstsein der Wahrnehmung von Welt als etwa eine
Putzfrau, die durch ihre einfach handwerkliche Arbeit „ihr“ Einkommen erzielt. Sie
scheinen in einer anderen Welt zu leben und damit auch völlig
verschiedenen Zwängen, Denkweisen, Deutungen und Werten zu
unterliegen.
Samstag, 1. April 2017
Globalisierung und Digitalisierung
Die Alterung und
Digitalisierung der Gesellschaft erfordert wohl völlig neue
Konzepte, zu deren Entwicklung die Politik freilich recht wenig
beizutragen hat. Wir haben zunehmend eine Spaltung der Gesellschaft
und ein Gerechtigkeitsproblem. Viele Menschen haben das Gefühl, dass
die Erträge aus der Globalisierung nicht gerecht verteilt werden.
Diejenigen, die mithalten können (weil sie über entsprechende
Qualifikationen verfügen), profitieren überdurchschnittlich, jene,
die da nicht mitgehen können, die bleiben stehen. Die Polarisierung
nimmt zu, statt, - wie ursprünglich versprochen - abzunehmen. Die
Globalisierung versprach nämlich anfangs, die gesellschaftlichen
Unterschiede auszugleichen. Stattdessen sind größere Unterschiede
entstanden. Vieles scheint ungerecht zuzugehen. Dies wurde im Zuge
der Finanzmarktkrise deutlich, zeigt sich aber auch an der
gegenwärtigen Diskussion über Managergehälter. Die Ungleichheit
hat zugenommen, - und zwar trotz der annähernden Vollbeschäftigung
und den dauernd beschworenen guten Verhältnissen in Deutschland. Die
SPD will darauf reagieren, indem sie verspricht, die Uhr zurück zu
drehen und gewisse Teile der von Schröder eingeführten „Agenda
2010“ wieder zugunsten früherer Verhältnisse zu reformieren (und
dies auf die Gefahr hin, dass sich Deutschlands Wirtschaftssituation
dadurch nachhaltig ändern könnte). So soll ja das Arbeitslosengeld
nach neuesten SPD-Vorstellungen wieder um das Doppelte verlängert
werden. Doch durch die bevorstehende Digitalisierung wird uns wohl
(in Zeiträumen, über die durchaus Uneinigkeit besteht) eine weitere
Polarisierungswelle erreichen, die die Unterschiede ein weiteres Mal
zu verschärfen droht. Roboter werden in einem hohen Maße
Tätigkeiten übernehmen, die bisher Menschen gegen Lohn übernommen
hatten. Große Teile der „Beschäftigten“ könnten dadurch
„freigesetzt“ werden.
Effizienzfragen standen
bei der bisher gültigen und besonders in den 60er und 70er Jahren
praktizierten Form der „sozialen Marktwirtschaft“ im Vordergrund.
Doch in der nun unmittelbar bevorstehenden Phase könnte die
Verteilungsproblematik als „soziale Gerechtigkeit“ mehr im
Vordergrund stehen. Ob nur wenige Menschen von der „Digitalisierung“
profitieren sollten? Ob es eine Form des „Grundeinkommens“ geben
wird? Ob sich die Versprechen auf Leistung gesellschaftlich immer
weiter entkoppeln und Manager noch mehr verdienen sollen? Jetzt schon
wurden Fakten bekannt: 3100 Euro Rente am Tag und weitere „Benefits“,
14 Millionen Euro pro Jahr Grundeinkommen für weitgehend fehlende
Leistung. Ob daraus ein Gefühl der gesellschaftlichen
Ungerechtigkeit entstehen kann? Ob die kommende gesellschaftliche
Entwicklung solche Tendenzen noch weiter voran treiben kann? Ob das
Prinzip der Effizienz noch weiter zuungunsten der
Verteilungsproblematik voran schreitet? Globalisierung,
Digitalisierung und demographische Alterung könnten viele
Einzelschicksale in ein bodenloses Loch stürzen, aus dem manche nur
noch durch totalitäre Konzepte heraus zu kommen glauben. Zäune und
Mauern ziehen, ein Bewusstsein von „Wir“ und „die Anderen“
könnten da nur ein Ausdruck unter anderen sein, die sich jetzt schon
in den meisten westlich geprägten „Industriegesellschaften“ (die
sich zunehmend zu Digitalgesellschaften wandeln) zeigen.
Freitag, 31. März 2017
Donnerstag, 30. März 2017
Schopi und der Tod (2)
Arthur Schopenhauer schreibt in „Parerga und
Paralipomena“: „Die Pflanze und das Insekt sterben am Ende des
Sommers, das Thier, der Mensch, nach wenig Jahren: der Tod mäht
unermüdlich. Desungeachtet aber, ja, als ob dem ganz und gar nichts
so wäre, ist jederzeit Alles da und an Ort und Stelle, eben als wenn
Alles unvergänglich wäre. Jederzeit grünt und blüht die Pflanze,
schwirrt das Insekt, steht Thier und Mensch in unverwüstlicher
Jugend da, und wie die schon tausendmal genossenen Kirschen haben wir
jeden Sommer wieder vor uns. Auch die Völker stehen da, als
unsterbliche Individuen; wenn sie gleich bisweilen die Namen
wechseln: sogar ist ihr Thun, Treiben und Leiden allzeit dass selbe;
wenn gleich die Geschichte stets etwas anderes zu erzählen vorgibt:
denn diese ist wie das Kaleidoskop, welches bei jeder Wendung eine
neue Konfiguration zeigt, während wir eigentlich immer das Selbe im
Auge haben. Was also dringt sich unwiderstehlicher auf, als der
Gedanke, daß jenes Entstehen und Vergehen nicht das eigentliche
Wesen der Dinge treffe, sondern dieses davon unberührt bleibe, also
unvergänglich sei, daher denn Alles und Jedes, was daseyn will,
wirklich fortwährend und ohne Ende da ist“.
Mittwoch, 29. März 2017
Dienstag, 28. März 2017
Spielerfrauen
Wem sind sie nicht schon aufgefallen, die
Spielerfrauen, die sich gerne auf der Tribüne und in TV-Tanzshows
vorzeigen. Trophäen halt. Vorzugsweise Models oder so aussehende
Damen des „Easy Money“ oder „Jet Set“ (was für ein
altmodisches Wort!). Es sind oft schön neureiche Damen, die sich
Berühmtheiten an den Hals geworfen haben und ihr möglichst den
gängigen Idealen entsprechendes Aussehen möglichst meistbietend
verkauft haben, genauso, wie das der Beruf als Model mit sich bringt.
Eine typische Aussage solcher "schönen" Luxusdamen wäre die, die für
sich behauptet, unbedingt die „Komfortzone“ und die üblichen
Sicherheiten verlassen zu wollen. Etwas „komplett Neues“
anzufangen und sich selbst neu kennen zu lernen, sei das Reizvolle.
Typisch für Damen ihres Schlages. Dann muss meist eine Boutique
eröffnet werden. Oder andere Selbstverwirklichungsstrategien sind angesagt. Selbstverständlich auf Kosten des reichen Mackers,
der gerade zusammen mit seinem Spielerberater oder -vermittler in Verhandlungen um
einen neuen Vertrag steht. Es geht, so die dann übermittelte Kolportage, um mehrere
Millionen. Der Spieler stößt dann irgendwann die Dame ab und sucht sich etwas
neues, jüngeres. Vielleicht, wenn der Typ clever ist, gibt es
auch eine Hochzeit, in deren Vorfeld Gütertrennung (von den entsprechenden Medien belauscht und ausspioniert) vereinbart wurde.
Selbstverständlich gibt es auf Instagram oder Facebook Fotos aus allen Perspektiven von den Schönen, die sich dann meist knapp
begleitet im Bikini zeigen. „Hach, wie süß sie sind!“ Ein
tiefer Blick in die Augen, - während der Fan einen tiefen Blick auf
die Titten riskiert. Urlaub ohne Ehefrau? Ob's das heraufziehende
Zeichen für eine Krise ist? Und überhaupt Abstinenz vor einem Spiel
tut gut, Sex vor dem spielerischen Akt raube doch immerhin die notwendige Aggression und den Kampfgeist. Auch nach dem Spiel herrsche leider zu oft tote Hose. Sex Abstinenz Beruhigung. Competition.Wettbewerb. Und der Blick durchs Schlüsselloch.
Montag, 27. März 2017
Rolle, Schauspielerei
Ich fing an, zu begreifen,
dass wir alle eine Rolle spielen. Dass es Konflikte innerhalb dieser
Rolle geben kann, aber auch zwischen den einzelne Rollen, die wir
spielen. Vater, Mutter, Vereinsvorsitzende. Lehrer, Lenker und
Lernende: das alles passt oft nicht zusammen und führt in uns zu
Konflikten. Aber wir können eine gewisse Distanz zu der Rolle
schaffen, in der wir uns befinden. Wir könnten erkennen, das wir als
sozialen Wesen auch Ausgelieferte sein können. Ausgeliefert an
Erwartungen, an „bewährte“ Verhaltensmuster, eingeübtes
Wohlverhalten. Wir könnten dadurch so etwas ähnliches wie
Rollendistanz entwickeln, also die Einsicht in diese sozialen
Mechanismen und ihre Auswirkungen auf uns, auch wenn die Gesellschaft
stets die vollkommene Identifikation damit zu fordern scheint. Wer
also übt genau diese Distanz dauernd ein, indem er die Rollen
wechselt, indem er durch verschiedene Augen blickt und in
verschiedene Existenzen steigt? Jawohl, es könnte der Schauspieler
sein, - so dachte ich mir damals. Es knüpfte sich bei mir nahezu unweigerlich die Begriffe Empathie, Mitleiden und Mitgefühl daran, die mein Denken bis heute bestimmen.
Also schrieb ich ernst zu nehmende Schauspielerinnen an, nicht in der Absicht der Vergötterung oder eine Autogrammwunsches. Ich wollte nnur wissen, was es praktisch mit meiner Überlegung auf sich habe und wie sich das anfühle. Ich fand damals Robert De Niro und seine Vorbereitung seiner Rolle im Boxerfilm „Raging Bull“ fabelhaft. Er hatte sich nämlich lange und „in Wirklichkeit“ in die Rolle eines Boxers begeben, hatte typische Reaktionsweisen und Einstellungen gelernt, um sie in seine Rolle aufzunehmen. Es war, so dachte ich damals, genau das, was ich vermutet hatte und weshalb ich zumindest bestimmten Schauspielern eine gewisse Weisheit zugeschrieben hätte, eine Einsicht in die Zwanghaftigkeit bestimmter Rollen. Ich erwog sogar die Möglichkeit, dass sich durch den Beruf des Schauspielers sogar eine bestimmte Form der Weisheit würde ergeben können, die unter anderem auch dem alten William Shakespeare folgen würde, der ja einst formuliert hatte, dass das ganze Leben ein Theaterstück sei und wir nur die Rollen wahrnehmen würden. So gut ich konnte, formulierte ich diese Gedanken in meinen Briefen. Leider hat sich nie eine Antwort ergeben. Keine der Damen hat auch nur oberflächlich darauf geantwortet. Heute ziehe ich für solch ein Verhalten schon deutlich mehr die Form einer gewissen „Professionalität“ in Betracht, die sich für eine gewisse Zeit gewisse Merkmals anverwandeln kann, um sie später genau so schnell wieder abzulegen. Die Schauspielerei ist wohl abseits der sogenannten Lee-Strassberg-Schule solchem beruflichen "Können" verpflichtet.
Also schrieb ich ernst zu nehmende Schauspielerinnen an, nicht in der Absicht der Vergötterung oder eine Autogrammwunsches. Ich wollte nnur wissen, was es praktisch mit meiner Überlegung auf sich habe und wie sich das anfühle. Ich fand damals Robert De Niro und seine Vorbereitung seiner Rolle im Boxerfilm „Raging Bull“ fabelhaft. Er hatte sich nämlich lange und „in Wirklichkeit“ in die Rolle eines Boxers begeben, hatte typische Reaktionsweisen und Einstellungen gelernt, um sie in seine Rolle aufzunehmen. Es war, so dachte ich damals, genau das, was ich vermutet hatte und weshalb ich zumindest bestimmten Schauspielern eine gewisse Weisheit zugeschrieben hätte, eine Einsicht in die Zwanghaftigkeit bestimmter Rollen. Ich erwog sogar die Möglichkeit, dass sich durch den Beruf des Schauspielers sogar eine bestimmte Form der Weisheit würde ergeben können, die unter anderem auch dem alten William Shakespeare folgen würde, der ja einst formuliert hatte, dass das ganze Leben ein Theaterstück sei und wir nur die Rollen wahrnehmen würden. So gut ich konnte, formulierte ich diese Gedanken in meinen Briefen. Leider hat sich nie eine Antwort ergeben. Keine der Damen hat auch nur oberflächlich darauf geantwortet. Heute ziehe ich für solch ein Verhalten schon deutlich mehr die Form einer gewissen „Professionalität“ in Betracht, die sich für eine gewisse Zeit gewisse Merkmals anverwandeln kann, um sie später genau so schnell wieder abzulegen. Die Schauspielerei ist wohl abseits der sogenannten Lee-Strassberg-Schule solchem beruflichen "Können" verpflichtet.
Sonntag, 26. März 2017
Natur und Mensch
Wir sollten öfter mal rausgehen in die Natur, um uns
dort zu finden. Uns selbst. Das las ich neulich als guten Ratschlag
eines Philosphenpsychologen. Das Ganze empfinden, inklusive der
Geschöpfe, Pflanzen und Lebewesen. In dem anderen uns selbst
erkennen. Schön wär's. Wenn ich mich zu einem geschwinden
Spaziergang aufmache, erlebe ich das kaum. Es braucht womöglich so
etwas wie jene Nachhaltigkeit und Gelassenheit, die mit einem Job zu vereinbaren
unter Umständen nicht ganz einfach ist. Ich sollte einen gewissen
Aufwand dafür treiben und die Wichtigkeit für mich zu realisieren
versuchen. Wir sollten auch nicht durch tiefere Sorgen abgelenkt
sein.Was wir suchen, ist ein Gefühl der Verbundenheit, auch mit dem
anderen Menschen. Mit dem Ganzen. Eine Art Mitleiden. Was uns
entgegen kommt und was wir mögen, ist, dass beispielsweise Hunde
nicht über uns urteilen, sondern uns so sein lassen, wie es ist. Sie
geben sich damit ab. Sie akzeptieren es. Sie sind offen dafür, das es
so ist, wie es ist. Manches ist ihnen auch aufgetragen, von der Art,
von der Gattung. Sie versuchen, das Beste draus zu machen. Sie
bringen es zusammen mit sich, entwickeln sich daran weiter, sie machen es zu Sinn. Dazu
gehört auch das Vergehen und der Tod. Sie sind ein Teil dessen und
wissen in ihrer Art darum. Sie haben es in ihren Ausschnitt der
Wirklichkeit integriert.
Samstag, 25. März 2017
Sozialneid
Ein Wort wird gerne unterstellt und aufgerufen, wenn
es um Verteilung von Kohle geht: Sozialneid. Als sei jegliche grundsätzliche
Kritik und konkrete Kritik an den Auswüchsen eines Systems auf
„Sozialneid“ begründet (welch hässliche Eigenschaft!). Es wird
mit diesem Begriff gerne wie mit einem Totschlagargument umgegangen,
um alles zu ersticken, was sich auch bloß sachte in diese Richtung
äußert. Dabei ist unsere Gesellschaft inzwischen so weit
fortgeschritten, dass das Wort eine andere Färbung annimmt. Ist es
etwa „Sozialneid“, wenn man sich über die ungleiche Verteilung
von Einkommen auf dieser Welt äußert. Wenn man findet, dass Manager
zu viel im Verhältnis zur breiten Masse ihrer „Zuträger“
verdienen (selbst etablierte Parteien und Aktionärsvereinigungen
scheinen ja inzwischen auf dieses Thema gekommen zu sein...)? Ist es
Sozialneid, wenn man beispielsweise den „Erfolg“ eines seltsamen
Typens wie Donald Trump anzweifelt, weil er schon pleite gegangen
war, aber von den Banken als „Too big to fail“ angesehen wurde?
Der Mann hat immerhin seine Steuererklärung nicht veröffentlicht,
nimmt aber als Wahlstimmen gerne den Beifall der armen weißen
Bevölkerung auf, der es schon einmal besser gegangen ist und die für
„Heilsbringer“ mit einer klaren Ansprache empfänglich ist?
Immerhin scheint sich Trump immer noch auf relativ große
Zustimmungswerte zu stützen. Was wäre daran unrecht und hässlich,
solche einigermaßen durchschaubare Mechanismen anzuzweifeln? Wenn
man findet, dass gewisse Leute viel Geld im Schlaf verdienen, während
andere im Schweise ihres Angesichts zu nichts kommen? Ob dies alles
durch Qualifikation und Ausbildung begründet ist? Oder gar durch
„Leistung“? Darf man es unmoralisch finden, wenn gewisse Leute
ihren Reichtum offensiv durch regelmäßige Hubschrauberflüge, Swimmingpoolbeheizungen, 8-Zylinder-Limousinen, teure Yachten und fette Motoren zur Schau
tragen, während andere nicht wissen, wie sie von A nach B kommen
sollen? Ist das der Motor unseres Fortschritts, oder ist dieser Motor
durch groteske Verhältnisse längst abgewügt? Welche Rolle spielen
dabei die reichen Golfstaaten und welche Oligarchenreiche wie die
USA, die Türkei oder Russland?
Freitag, 24. März 2017
Donnerstag, 23. März 2017
Schopi und der Tod
Aus
meiner Lektüre von Arthur Schopenhauers „Die Welt als Wille und
Vorstellung“ habe ich das Folgende herauskopiert:
„Der Tod ist die große Zurechtweisung, welche der Wille zum Leben, und näher der diesem wesentliche Egoismus, durch den Lauf der Natur erhält; und er kann aufgefaßt werden als eine Strafe für unser Daseyn. Er ist die schmerzliche Lösung des Knotens, den die Zeugung mit Wollust geschürzt hatte, und die von außen eindringende, gewaltsame Zerstörung des Grundirrthums unsers Wesens: die große Enttäuschung. Wir sind im Grunde etwas, das nicht seyn sollte: darum hören wir auf zu seyn. – Der Egoismus besteht eigentlich darin, daß der Mensch alle Realität auf seine eigene Person beschränkt, indem er in dieser allein zu existiren wähnt, nicht in den andern. Der Tod belehrt ihn eines Bessern, indem er diese Person aufhebt, so daß das Wesen des Menschen, welches sein Wille ist, fortan nur in andern Individuen leben wird, sein Intellekt aber, als welcher selbst nur der Erscheinung, d.i. der Welt als Vorstellung, angehörte und bloß die Form der Außenwelt war, eben auch im Vorstellungseyn, d.h. im objektiven Seyn der Dinge als solchem, also ebenfalls nur im Daseyn der bisherigen Außenwelt, fortbesteht.
Sein ganzes Ich lebt also von jetzt an nur in Dem, was er bisher als Nicht-Ich angesehn hatte: denn der Unterschied zwischen Aeußerem und Innerem hört auf. Wir erinnern uns hier, daß der bessere Mensch der ist, welcher zwischen sich und den Andern den wenigsten Unterschied macht, sie nicht als absolut Nicht-Ich betrachtet, während dem Schlechten dieser Unterschied groß, ja absolut ist; – wie ich dies in der Preisschrift über das Fundament der Moral ausgeführt habe. Diesem Unterschiede gemäß fällt, dem Obigen zufolge, der Grad aus, in welchem der Tod als die Vernichtung des Menschen angesehn werden kann. – Gehn wir aber davon aus, daß der Unterschied von Außer mir und In mir, als ein räumlicher, nur in der Erscheinung, nicht im Dinge an sich gegründet, also kein absolut realer ist; so werden wir in dem Verlieren der eigenen Individualität nur den Verlust einer Erscheinung sehn, also nur scheinbaren Verlust. So viel Realität jener Unterschied auch im empirischen Bewußtseyn hat; so sind doch, vom metaphysischen Standpunkt aus, die Sätze: »Ich gehe unter, aber die Welt dauert fort«, und »Die Welt geht unter, aber ich dauere fort«, im Grunde nicht eigentlich verschieden.
Ueber dies Alles nun aber ist der Tod die große Gelegenheit, nicht mehr Ich zu seyn: wohl Dem, der sie benutzt. Während des Lebens ist der Wille des Menschen ohne Freiheit: auf der Basis seines unveränderlichen Charakters geht sein Handeln, an der Kette der Motive, mit Nothwendigkeit vor sich. Nun trägt aber Jeder in seiner Erinnerung gar Vieles, das er gethan, und worüber er nicht mit sich selbst zufrieden ist. Lebte er nun immerfort; so würde er, vermöge der Unveränderlichkeit des Charakters, auch immerfort auf die selbe Weise handeln. Demnach muß er aufhören zu seyn was er ist, um aus dem Keim seines Wesens als ein neues und anderes hervorgehn zu können, Daher löst der Tod jene Bande: der Wille wird wieder frei: denn im Esse, nicht im Operari liegt die Freiheit: Finditur nodus cordis, dissolvuntur omnes dubitationes, ejusque opera evanescunt, ist ein sehr berühmter Ausspruch des Veda, den alle Vedantiker häufig wiederholen. Das Sterben ist der Augenblick jener Befreiung von der Einseitigkeit einer Individualität, welche nicht den innersten Kern unsers Wesens ausmacht, vielmehr als eine Art Verirrung desselben zu denken ist: die wahre, ursprüngliche Freiheit tritt wieder ein, in diesem Augenblick, welcher, im angegebenen Sinn, als eine restitutio in integrum betrachtet werden kann. Der Friede und die Beruhigung auf dem Gesichte der meisten Todten scheint daher zu stammen. Ruhig und sanft ist, in der Regel, der Tod jedes guten Menschen: aber willig sterben, gern sterben, freudig sterben, ist das Vorrecht des Resignirten, Dessen, der den Willen zum Leben aufgiebt und verneint. Denn nur er will wirklich und nicht bloß scheinbar sterben, folglich braucht und verlangt er keine Fortdauer seiner Person. Das Daseyn, welches wir kennen, giebt er willig auf: was ihm statt dessen wird, ist in unsern Augen nichts; weil unser Daseyn, auf jenes bezogen, nichts ist. Der Buddhaistische Glaube nennt jenes Nirwana, d.h. Erloschen.“
„Der Tod ist die große Zurechtweisung, welche der Wille zum Leben, und näher der diesem wesentliche Egoismus, durch den Lauf der Natur erhält; und er kann aufgefaßt werden als eine Strafe für unser Daseyn. Er ist die schmerzliche Lösung des Knotens, den die Zeugung mit Wollust geschürzt hatte, und die von außen eindringende, gewaltsame Zerstörung des Grundirrthums unsers Wesens: die große Enttäuschung. Wir sind im Grunde etwas, das nicht seyn sollte: darum hören wir auf zu seyn. – Der Egoismus besteht eigentlich darin, daß der Mensch alle Realität auf seine eigene Person beschränkt, indem er in dieser allein zu existiren wähnt, nicht in den andern. Der Tod belehrt ihn eines Bessern, indem er diese Person aufhebt, so daß das Wesen des Menschen, welches sein Wille ist, fortan nur in andern Individuen leben wird, sein Intellekt aber, als welcher selbst nur der Erscheinung, d.i. der Welt als Vorstellung, angehörte und bloß die Form der Außenwelt war, eben auch im Vorstellungseyn, d.h. im objektiven Seyn der Dinge als solchem, also ebenfalls nur im Daseyn der bisherigen Außenwelt, fortbesteht.
Sein ganzes Ich lebt also von jetzt an nur in Dem, was er bisher als Nicht-Ich angesehn hatte: denn der Unterschied zwischen Aeußerem und Innerem hört auf. Wir erinnern uns hier, daß der bessere Mensch der ist, welcher zwischen sich und den Andern den wenigsten Unterschied macht, sie nicht als absolut Nicht-Ich betrachtet, während dem Schlechten dieser Unterschied groß, ja absolut ist; – wie ich dies in der Preisschrift über das Fundament der Moral ausgeführt habe. Diesem Unterschiede gemäß fällt, dem Obigen zufolge, der Grad aus, in welchem der Tod als die Vernichtung des Menschen angesehn werden kann. – Gehn wir aber davon aus, daß der Unterschied von Außer mir und In mir, als ein räumlicher, nur in der Erscheinung, nicht im Dinge an sich gegründet, also kein absolut realer ist; so werden wir in dem Verlieren der eigenen Individualität nur den Verlust einer Erscheinung sehn, also nur scheinbaren Verlust. So viel Realität jener Unterschied auch im empirischen Bewußtseyn hat; so sind doch, vom metaphysischen Standpunkt aus, die Sätze: »Ich gehe unter, aber die Welt dauert fort«, und »Die Welt geht unter, aber ich dauere fort«, im Grunde nicht eigentlich verschieden.
Ueber dies Alles nun aber ist der Tod die große Gelegenheit, nicht mehr Ich zu seyn: wohl Dem, der sie benutzt. Während des Lebens ist der Wille des Menschen ohne Freiheit: auf der Basis seines unveränderlichen Charakters geht sein Handeln, an der Kette der Motive, mit Nothwendigkeit vor sich. Nun trägt aber Jeder in seiner Erinnerung gar Vieles, das er gethan, und worüber er nicht mit sich selbst zufrieden ist. Lebte er nun immerfort; so würde er, vermöge der Unveränderlichkeit des Charakters, auch immerfort auf die selbe Weise handeln. Demnach muß er aufhören zu seyn was er ist, um aus dem Keim seines Wesens als ein neues und anderes hervorgehn zu können, Daher löst der Tod jene Bande: der Wille wird wieder frei: denn im Esse, nicht im Operari liegt die Freiheit: Finditur nodus cordis, dissolvuntur omnes dubitationes, ejusque opera evanescunt, ist ein sehr berühmter Ausspruch des Veda, den alle Vedantiker häufig wiederholen. Das Sterben ist der Augenblick jener Befreiung von der Einseitigkeit einer Individualität, welche nicht den innersten Kern unsers Wesens ausmacht, vielmehr als eine Art Verirrung desselben zu denken ist: die wahre, ursprüngliche Freiheit tritt wieder ein, in diesem Augenblick, welcher, im angegebenen Sinn, als eine restitutio in integrum betrachtet werden kann. Der Friede und die Beruhigung auf dem Gesichte der meisten Todten scheint daher zu stammen. Ruhig und sanft ist, in der Regel, der Tod jedes guten Menschen: aber willig sterben, gern sterben, freudig sterben, ist das Vorrecht des Resignirten, Dessen, der den Willen zum Leben aufgiebt und verneint. Denn nur er will wirklich und nicht bloß scheinbar sterben, folglich braucht und verlangt er keine Fortdauer seiner Person. Das Daseyn, welches wir kennen, giebt er willig auf: was ihm statt dessen wird, ist in unsern Augen nichts; weil unser Daseyn, auf jenes bezogen, nichts ist. Der Buddhaistische Glaube nennt jenes Nirwana, d.h. Erloschen.“
Mittwoch, 22. März 2017
Dienstag, 21. März 2017
Sozialisation und Identität
Noch ein Auszug aus meinem Script/aus den
Aufschreiben aus Zeiten meines Soziologie-Studiums. Keine Ahnung wo
ich das Material dazu aufgeschnappt hatte, es steht heute in meinen Scripten:
„Identität ist der „sozialisierte Teil des Selbst“. „Nur wenn Andere meine Identität bestätigen, wird das Individuum Wirklichkeit. Identität ist das Ergebnis des Zusammenwirkens von Identifizierung und Selbstidentifikation. Das gilt sogar für Identitäten, die sich manche Menschen erfinden und sich zurecht legen.“ Ob das zur Erkenntnis von Menschen wie Donald Trump beitragen könnte? Menschen, die sich eine Wirklichkeit zurecht legen und alles andere als „Fake News“ denunzieren glauben zu können? Das, was nicht mit meiner Realität übereinstimmt, wird ausgeblendet oder einfach als unzutreffend bezeichnet. Das heißt: Es existiert nicht, weil ich es nicht anerkenne. Gewisse Sektenidiologien scheinen meiner Meinung nach auch so zu funktionieren, Machtidiologien und Religionen tun das sowieso. Das, was ins Weltbild passt, wird gesehen und anerkannt. Das andere wird geleugnet, verdrängt oder sonstwie ausgeblendet. Daraus wird dann eine gemeinschaftliche Identität konstruiert (oft auch zum Nutzen und Profit einzelner Personen). Es heißt, dazu zu gehören. Und nicht außerhalb zu stehen. Wer dazu gehört und wer außerhalb steht, bestimmt im verschärften Falle eine diktatorische Führerfigur.
„Identität ist der „sozialisierte Teil des Selbst“. „Nur wenn Andere meine Identität bestätigen, wird das Individuum Wirklichkeit. Identität ist das Ergebnis des Zusammenwirkens von Identifizierung und Selbstidentifikation. Das gilt sogar für Identitäten, die sich manche Menschen erfinden und sich zurecht legen.“ Ob das zur Erkenntnis von Menschen wie Donald Trump beitragen könnte? Menschen, die sich eine Wirklichkeit zurecht legen und alles andere als „Fake News“ denunzieren glauben zu können? Das, was nicht mit meiner Realität übereinstimmt, wird ausgeblendet oder einfach als unzutreffend bezeichnet. Das heißt: Es existiert nicht, weil ich es nicht anerkenne. Gewisse Sektenidiologien scheinen meiner Meinung nach auch so zu funktionieren, Machtidiologien und Religionen tun das sowieso. Das, was ins Weltbild passt, wird gesehen und anerkannt. Das andere wird geleugnet, verdrängt oder sonstwie ausgeblendet. Daraus wird dann eine gemeinschaftliche Identität konstruiert (oft auch zum Nutzen und Profit einzelner Personen). Es heißt, dazu zu gehören. Und nicht außerhalb zu stehen. Wer dazu gehört und wer außerhalb steht, bestimmt im verschärften Falle eine diktatorische Führerfigur.
Montag, 20. März 2017
Sozialisation
Das habe ich beim Durchblättern alter Unterlagen aus
meinem Soziologie-Studium entdeckt: wichtige Pflöcke, die einst in
mein Bewusstsein gerammt wurden und die ich heute beim Durchsehen als Grundrüstzeug und als eine Art "zweite Sozialisation" wiedererkenne. Wow, das war damals für mich neu! Keine Ahnung, wobei diese Notizen entstanden sind, mein Script gibt da leider keinen Hinweis: „Der Mensch ist ein soziales
Wesen. Das beginnt schon bei der Geburt, nach der er anhaltend auf
die Hilfe anderer Menschen angewiesen ist. Hunger und Durst werden
von diesen gestillt. Behagen und Unbehagen haben ihren Grund im Tun
oder Unterlassen anderer. Fast jeder Aspekt des Kindlichen ist
verbunden mit anderen Menschen. Der Vorgang, in dem ein Mensch lernt,
dass er zur Gesellschaft gehört, nennt sich „Sozialisation“.
Dabei kommt es unter anderem zur Einprägung gesellschaftlicher
Verhaltensmodelle. Die Sozialisation ist die Einführung in die
soziale Welt, ihre vielen Möglichkeiten der Kontaktaufnahme und der
Sinnsetzungen.Das eigentliche Vehikel von Sozialisation ist die
Sprache. Das Kind wird durch die Gesellschaft so geformt und so
zurecht gebildet, dass sie es als zugehörig und an ihr beteiligt
anerkennen kann.
Sonntag, 19. März 2017
Loosing my religion and other things
Da ist beispielsweise die
Entscheidung, wo jemand sich beerdigen lassen will, zu welcher
Gemeinschaft er sich dadurch bekennen oder nicht bekennen will: es
gibt also eine Wahl, der sich ein modernes Individuum überall
stellen muss. Nicht mehr die Tradition organisiert ein Leben. Dadurch
wird keine bestimmte und relativ genau definierte Rolle mehr
angeboten, sondern Individuen müssen ständig selbst entscheiden,
wer und was sie denn in welchem Zusammenhang sein wollen. Dazu sind
wir befreit, aber auch verdammt und verurteilt. Jeder muss sich
selbst zu einem „Projekt“ machen, wodurch auch das Risiko des
Scheiterns dramatisch steigt. Mutmaßlich hat man unendlich viele
Wahlmöglicheiten, wodurch sich das eigene Leben aber als fortwährend
begrenzt erweist. Dies zieht natürlich entsprechende Frustrationen
nach sich, was die sogenannte „Frustrationstoleranz“ immer
wichtiger werden lässt. Es geht bei diesem Begriff darum, gewisse
Fehlschläge in mannigfacher Hinsicht verkraften zu können, mit
Bedürfnisverweigerungen von Seiten der Umgebung zurecht zu kommen
und die Schere zwischen dem, was man hätte erreichen können, und
dem, was man erreicht hat, besser aushalten zu können.
Aber auch das Bedürfnis
nach Sinnfindung ist allgegenwärtig. Sinn wird dabei vor allem im
persönlichen Bereich gefunden, unter anderem in einem sehr
individuell angelegten Glauben an Werte und Normen, der als
individuell veränderbar und meinem Profil anpassbar erscheint.
Gleichzeitig wächst aber auch der Druck, etwas aus seinem Leben
machen zu müssen. Ein Leben in Sicherheit? In mir angemessenen
Formen? Ob meine Kraft dafür ausreicht? Wie kann ich angesichts
dessen bestehen? Was wird aus mir und wann werde ich es? Wie kann ich
mich möglichst optimal entwickeln? Menschen am Anfang ihrer
bürgerlichen Existenz und ihres nach einer Initiation wahrgenommen
Lebens müssen Antworten ganz alleine finden. Dabei wächst das
Bedürfnis nach einem Orientierungsrahmen, einer Vorgabe von außen,
die klare Richtungen weist. Selbstbestimmung erweist sich insofern
auch als dauernde Last, wird zu einer Aufgabe, der jemand ständig
nicht genügt. Orientierung und Reduzierung der Unübersichtlichkeit
des Lebens ist gefragt: Freunde und Familie sind hierzulande in diese
Rolle der Beratungsinstanz geschlüpft, die anderswo die Religion
ausfüllt.
Samstag, 18. März 2017
Alte Lieder
Da sind sie nun! Da habt ihr sie,
Die Lieder, ohne Kunst und Müh'
Am Rand des Bachs entsprungen!
Verliebt und jung und voll Gefühl
Trieb ich der Jugend altes Spiel
Und hab' sie so gesungen.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Die Lieder, ohne Kunst und Müh'
Am Rand des Bachs entsprungen!
Verliebt und jung und voll Gefühl
Trieb ich der Jugend altes Spiel
Und hab' sie so gesungen.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Freitag, 17. März 2017
Liebe zur Erde
Wir
versuchen, uns in die Rolle von Weltbürgern einzufühlen. Wir halten
die Rennaissance von Nationalstaaten für Quatsch, Unsinn, überholtes
Zeugs und Abfall aus dem 19. und 20. Jahrhundert, als das noch eine
andere Rolle gespielt hat. Mit den heutigen Kommunikationsmitteln
können wir überall sein, haben auch ein Empfinden dafür, können
besser kapieren, dass wir auf der ganzen Welt zuhause sind. Was ist
das Artensterben, die Klimakatastrophe, atomare Verseuchung und
Vernichtung, macht so etwas an Grenzen halt? Wir sind in Lissabon,
Florenz und Rom, wir lernen Europa kennen und lieben. Unsere
Identität ist an großartige Schöpfungen gekoppelt, nahe dran, aber
auch weit weg. Wir waren in den USA und lernten das Land lieben. Was
kann es für die Administration um es herum? Es ist. Es ist neutral.
Es hat damit nichts zu tun und war ausgeliefert. Open Skies. Wir
lernten es etwas besser kennen, auch darin, dass es uns heute sehr
endlich und schutzbedürftig erscheint, während es Menschen früherer
Generationen als unendlicher Raum vorkam. Wir staunen über die
Schönheit, die sich hier auftut. Wir müssen nur die Augen dafür
öffnen. Die Weite ergreift uns, zieht uns hinein, verschlingt uns,
Wir können die Pioniere besser verstehen, die einst vor europäischen
Verengungen geflohen waren, die sich eine neue Existenz beackerten.
Die es versuchten. Die nah am Risiko waren. Die das Lebensrisiko
spürten. Viele von ihnen sind gestorben. Wir sind einen Moment davon
erschüttert. Wir spüren den Grand Canyon. Dann geht auch dies auf
in einem Flow, dem wir eines Tages angehören werden, in dem wir
untergehen werden.
Donnerstag, 16. März 2017
Fotos, Blicke, Momente
Natürlich gibt es technisch bessere, trickreichere,
schärfere, gekonntere Fotos, als die, die ich hier in diesem Blog abgebildet habe! Das
weiß ich auch. Aber diese hier sind in dieser Form durch mich in
dem festgehaltenen Moment hindurch gegangen, sie entsprechen meinen
jeweiligen technischen Möglichkeiten, ich habe mich teilweise sehr
wenig an ihnen verkünstelt, habe viele sehr sporadisch aus meinem
persönlichen Blickwinkel gemacht. Sie sind ein Blick durch meine
Augen, mein Bewusstsein. Es ist kein Fremdbild aus nicht erlebter Perspektive dabei (außer, ich hätte es exakt so wie abgebildet erlebt....),
sondern sie weisen auf meine eigenen Blickwinkel, die mein Bewusstsein
geformt haben, so, wie etwa die Erosion die Sandsteinfelsen in Canyon de
Chelley! Ich habe versucht, viel von dem Abgebildeten in mich
aufzunehmen, habe es in mich hinein gelassen, es hat mich jeweils
verändert und kennzeichnet meinen persönlichen „Way of Life“.
Ja, man ist bestimmte Wege gegangen und nicht andere! Ja, es ist meine Form des Narzissmus! Es ging mir
insofern nicht um die jeweilige Meisterschaft des Fotos, sondern um
das Festhalten eines prägenden Moments, eines Augenblicks, der durch
mich prägend hindurch ging, in dem ich lebte und der später mein Bewusstsein beeinflusste. Ich hatte dabei nicht immer
Spitzenkameras zur Hand, seltene und edle Objektive, oder was sonst
noch alles zu einem großartigen Fotografen gehören mag.
Letztenendes aber kocht auch dieser oft propagierte großartige Fotograf nur mit Wasser, so sage ich mir. Es geht manchmal auch im Inhalte und weniger um die Form. In der Form und Art, die ich hier benutzt habe, ging es immer um einen Blick und einen Moment. Wobei ich (beispielsweise bei meinem ersten Foto) auch ungewöhnliche Perspektiven abbilden wollte, die etwas von dem Titel des Blogs anreißen sollten. Etwas aus einem anderen Winkel betrachten, es dadurch etwas besser erfassen. An all dem werde ich festhalten. Es gibt also keine prächtige Fotogalerie hier, sondern festgehaltene Blicke, die das Bewusstsein, das hier zur Sprache kommt, oft nachhaltig geprägt haben. Die abgebildeten Orte sind mir aus den verschiedensten Gründen dabei auch oft lieb geworden, ich besuche sie häufig noch einmal, (oder zweimal, oder vielmal), um ihre Eigenartigkeiten besser ergründen zu können, sie in mich aufzunehmen. Ihre Botschaft für mich zu vernehmen. Natürlich ist das egal. Objektiv ist nahezu alles egal. Die Gleichgültigkeit macht alles gleich. Ein bisschen mag's wie das Schwenken meines Erkennungszeichens sein, das ich hier veranstalte. Ein Spleen auch.
Letztenendes aber kocht auch dieser oft propagierte großartige Fotograf nur mit Wasser, so sage ich mir. Es geht manchmal auch im Inhalte und weniger um die Form. In der Form und Art, die ich hier benutzt habe, ging es immer um einen Blick und einen Moment. Wobei ich (beispielsweise bei meinem ersten Foto) auch ungewöhnliche Perspektiven abbilden wollte, die etwas von dem Titel des Blogs anreißen sollten. Etwas aus einem anderen Winkel betrachten, es dadurch etwas besser erfassen. An all dem werde ich festhalten. Es gibt also keine prächtige Fotogalerie hier, sondern festgehaltene Blicke, die das Bewusstsein, das hier zur Sprache kommt, oft nachhaltig geprägt haben. Die abgebildeten Orte sind mir aus den verschiedensten Gründen dabei auch oft lieb geworden, ich besuche sie häufig noch einmal, (oder zweimal, oder vielmal), um ihre Eigenartigkeiten besser ergründen zu können, sie in mich aufzunehmen. Ihre Botschaft für mich zu vernehmen. Natürlich ist das egal. Objektiv ist nahezu alles egal. Die Gleichgültigkeit macht alles gleich. Ein bisschen mag's wie das Schwenken meines Erkennungszeichens sein, das ich hier veranstalte. Ein Spleen auch.
Mittwoch, 15. März 2017
Wille und Vorstellung (Schopi)
So grundsätzlich über etwas nachdenken? Eine "Ansicht" entwickeln, eine Sicht auf etwas? Etwas, das wir selbst sein könnten, was unsere Identität berührt? Arthur
Schopenhauer schreibt in seinem Werk „Die Welt als Wille und
Vorstellung“ (jawohl es gibt hier keine Schreibfehler, sondern auch die schriftliche Sprache hat sich verändert) das Folgende. Anyway, hier sei jedenfalls ein Brocken davon hingeworfen:
„Der Wille, welcher unser Wesen an sich ausmacht, ist einfacher Natur: er will bloß und erkennt nicht. Das Subjekt des Erkennens hingegen ist eine sekundäre, aus der Objektivation des Willens hervorgehende Erscheinung: es ist der Einheitspunkt der Sensibilität des Nervensystems, gleichsam der Fokus, in welchem die Strahlen der Thätigkeit aller Theile des Gehirns zusammenlaufen. Mit diesem muß es daher untergehn. Im Selbstbewußtseyn steht es, als das allein Erkennende, dem Willen als sein Zuschauer gegenüber und erkennt, obgleich aus ihm entsprossen, ihn doch als ein von sich Verschiedenes, ein Fremdes, deshalb auch nur empirisch, in der Zeit, stückweise, in seinen successiven Erregungen und Akten, erfährt auch seine Entschließungen erst a posteriori und oft sehr mittelbar. Hieraus erklärt sich, daß unser eigenes Wesen uns, d.h. eben unserm Intellekt, ein Räthsel ist, und daß das Individuum sich als neu entstanden und vergänglich erblickt; obschon sein Wesen an sich ein zeitloses, also ewiges ist.
Wie nun der Wille nicht erkennt, so ist umgekehrt der Intellekt, oder das Subjekt der Erkenntniß, einzig und allein erkennend, ohne irgend zu wollen. Dies ist selbst physisch daran nachweisbar, daß, wie schon im zweiten Buch erwähnt, nach Bichat, die verschiedenen Affekte alle Theile des Organismus unmittelbar erschüttern und ihre Funktionen stören, mit Ausnahme des Gehirns, als welches höchstens mittelbar, d.h. in Folge eben jener Störungen, davon afficirt werden kann. Daraus aber folgt, daß das Subjekt des Erkennens, für sich und als solches, an nichts Antheil oder Interesse nehmen kann, sondern ihm das Seyn oder Nichtseyn jedes Dinges, ja sogar seiner selbst, gleichgültig ist. Warum nun sollte dieses antheilslose Wesen unsterblich seyn? Es endet mit der zeitlichen Erscheinung des Willens, d.i. dem Individuo, wie es mit diesem entstanden war. Es ist die Laterne, welche ausgelöscht wird, nachdem sie ihren Dienst geleistet hat. Der Intellekt, wie die in ihm allein vorhandene anschauliche Welt, ist bloße Erscheinung; aber die Endlichkeit Beider ficht nicht Das an, davon sie die Erscheinung sind. Der Intellekt ist Funktion des cerebralen Nervensystems; aber dieses, wie der übrige Leib, ist die Objektität des Willens. Daher beruht der Intellekt auf dem somatischen Leben des Organismus: dieser selbst aber beruht auf dem Willen. Der organische Leib kann also, in gewissem Sinne, angesehn werden als Mittelglied zwischen dem Willen und dem Intellekt; wiewohl er eigentlich nur der in der Anschauung des Intellekts sich räumlich darstellende Wille selbst ist. Tod und Geburt sind die stete Auffrischung des Bewußtseyns des an sich end- und anfangslosen Willens, der allein gleichsam die Substanz des Daseyns ist (jede solche Auffrischung aber bringt eine neue Möglichkeit der Verneinung des Willens zum Leben). Das Bewußtseyn ist das Leben des Subjekts des Erkennens, oder des Gehirns, und der Tod dessen Ende. Daher ist das Bewußtseyn endlich, stets neu, jedesmal von vorne anfangend. Der Wille allein beharrt; aber auch ihm allein ist am Beharren gelegen: denn er ist der Wille zum Leben. Dem erkennenden Subjekt für sich ist an nichts gelegen. Im Ich sind jedoch Beide verbunden. – In jedem animalischen Wesen hat der Wille einen Intellekt errungen, welcher das Licht ist, bei dem er hier seine Zwecke verfolgt. – Beiläufig gesagt, mag die Todesfurcht zum Theil auch darauf beruhen, daß der individuelle Wille so ungern sich von seinem, durch den Naturlauf ihm zugefallenen Intellekt trennt, von seinem Führer und Wächter, ohne den er sich hülflos und blind weiß.“
Dienstag, 14. März 2017
Nummer Eins
Volkswagen ist nun wieder die Nummer Eins. Auf nahezu
allen Gebieten. Weltweit. Verdient wieder Milliarden. Abgasdesaster
hin oder her. Vergleiche halfen, Strategien zur Abwehr traten in
Kraft, es wurde gespart. Ob uns das etwas sagen kann, über den Umgang mit Unternehmen,
mit Firmen, mit anderen Staaten, über den Umgang mit uns selbst? Ob
dabei merkantile, also kaufmännische Interessen eine große Rolle
spielen? Ein bisschen Lüge wird ja noch erlaubt sein. Werbung macht das ja auch, dauernd. Ein bisschen
Schummelei gehört zum Geschäft. Grauhaarige oder glatzköpfige
Herren besetzen Entscheiderstühle und hauen eben mal ein paar freche
Bemerkungen raus. Sind sich keiner Schuld bewusst. Entlassen Leute, stellen und setzen frei. Bedienen
sich am Pool der Leiharbeiter. Bauen ab. Rationalisieren. Lenken Firmengeschicke. Wird ja alles
wieder gut. Der Staat hilft da gerne mit. Sitzt ja mit im
Aufsichtsrat. Und spätestens hier führt eine Linie zum neu
ausgerufenen „Postfaktizismus“ oder den „Alternative Facts“.
Es geht um gefühlte Wahrheiten, denen mit Macht Nachdruck verschafft
wird. Tatsachen behaupten, nur Populisten lügen? Solange es „der
Wirtschaft“ nützt? Aber wem nützt „die Wirtschaft“? Und wem
nützt es, wenn sich in der Öffentlichkeit ein Strukturwandel
vollzieht? Fakten reihen sich ein, gehen in einem „Narrativ“ auf
und nehmen je nach Weltanschauung verschiedene Farben an. Fragen an
solche Erzählungen („Narrative“) zu stellen, darum ginge es. Den
großen Vereinfachungsformeln nicht so einfach glauben, weil die Welt
halt unübersichtlicher geworden ist. Entschädigungen? Ja,
aber..... andere sind ja auch....? Überschreitungen auch nach an Technokraten delegierten Updates? Hm. Wieder getäuscht. Nichts dazu gelernt.
Montag, 13. März 2017
Sonntag, 12. März 2017
Lebenslotterie
Die Lotterie des Lebens:
wir leben hier in Deutschland noch in einer Gesellschaft der bürgerlichen Grundrechte,
in der zwar dem Wirtschaftswachstum auch vieles geopfert wird, aber
nicht die Bürgerrechte, den Rechtsstaat, die Demokratie. In anderen
Staaten scheint dagegen das Wachstum über alles zu gehen, sogar über
das menschliche Leben. Führer schwingen sich auf, erobern oder
behaupten die Spitze, bis auch sie unter Unständen gar
niedergemetzelt werden. Das Leben in seiner vitalistischen Funktion
erlebt auch heute noch fröhliche Urständ': "Fressen, Saufen,
Ficken". Oder wie T.S. Elliott es ausdrückte: „Birth, Death,
Copulation, that's all....“. Fortschritt könnte bedeuten, einen
kleinen zivilisatorischen Schritt darüber hinaus zu wagen, - weil
wir Menschen sind. Dass dieser Gedanke weltweit auf dem Rückzug
erscheint, gehört zur großen Tragik des menschlichen Geschlechts,
genau so, wie die selbstverursachte Klimakatastrophe, die damit
verbundene Umweltzerstörung und das Artensterben. Der Mensch will
sich wohl als „Alleinherrscher“ die Erde untertan machen. Dabei
könnte alleine schon der Ausbruch eines Supervulkans seine Existenz
in kurzer Zeit vernichten. Von Bedrohungen aus dem Weltraum wie etwa
niederstürzenden Meteoriten oder Asteroiden ganz zu schweigen. Woher
nimmt der Mensch seine Arroganz seinesgleichen gegenüber, aber auch
der Erde und ihren Geschöpfen? Es ist leicht, solche Überlegungen
als „moralisch“ abzuqualifizieren, sie als untauglichen Versuch
darzustellen, über das unvermeidlich Faktische kritisch
nachzudenken. Dabei wäre dies scheinbar „unvermeidliche“
keineswegs so. Es sind dies Denk- und Verhaltensformen, die sich
schwache Menschen zu eigen gemacht haben, die glauben, vom
gegenwärtigen Zustand profitieren zu können.
Samstag, 11. März 2017
Religionen und Glauben
Ich stehe relativ fassungslos den religiösen
Konflikten unserer Zeit gegenüber. Dieser Absolutheitsanspruch ist
schon seltsam! Man muss nicht unbedingt an die Aufklärung und
Lessings „Nathan der Weise“ denken, um es relativ vernünftig zu
finden, dass jeder Mensch sich nach seinen Vorstellungen ausrichten
können muss und dann sein gedeihliches Auskommen mit Andersgläubigen
finden könnte. Das Wichtige wäre nur, eine gemeinsame spirituelle
Basis empfinden zu können und vielleicht sogar darüber
kommunizieren zu können. Diese Basis könnte besagen: 1.) Es gibt etwas Größeres
als den Menschen. 2.) Es gibt etwas, was jenseits der ökonomischen
„Verwertbarkeit“ liegt und dem Menschen (jedem! Auch dem
„Ungläubigen“!!) eine Würde gibt. Es könnte auch gut sein,
dass die Gesellschaft, in die ich mehr oder weniger per Zufall
hineingeboren werde, mich auch religiös weitgehend bestimmt hat. An
dieser Stelle könnte es sehr förderlich sein, sich über die eigene
Religion hinaus über andere Weltansichten zu informieren, sie auch
ein Stück weit an mich heran zu lassen, um so feststellen zu können,
dass sie aus ihrer Warte ihre „Antworten“ auf allgemeine
menschliche Fragen versuchen. Kirche jedoch, als Institution der
kollektiven Religionsausübung, neigt zu hierarchischen Strukturen
und einer Dogmatik, die derartig in Stein gemeißelt gar nicht ist.
Sie macht ein Angebot (jeweils beruhend auf „Offenbarungen“, die
aber jeweils überliefert sind...), das keinesfalls absolut gilt,
auch wenn die ihre Strukturen und die (Macht-)strukturen um sie herum
dies immer wieder zu suggerieren scheinen. Wir alle sind Suchende und
tragen eine Ahnung in uns. Das ist das Verbindende. Das eint uns.
Freitag, 10. März 2017
Wirtschaftlicher Erfolg und Kritik
Ein Gespenst begegnet mir immer wieder. Ich wolle
Deutschland schlecht reden. Ich würde mich in Stänkereien oder
Meckereien ergehen, würde alles zu negativ sehen. Gerade in den
Medien begegnet uns immer wieder die Behauptung, Deutschland gehe es
gut, so gut wie kaum zuvor. Ob ich diese Einschätzung teile oder
nicht, erscheint mir relativ egal. Wichtig ist, dass diese Behauptung
auf rein wirtschaftlichen Parametern beruht, deren Gültigkeit ich
als soziologisch ausgebildeter Statistiker auch noch anzweifle. Hinzu
kommt, dass es wohl auch noch andere Parameter gibt. Die ausgegebenen
Zahlen jedenfalls scheinen eine solche Sprache des wirtschaftlichen
Erfolgs zu sprechen. Ist aber jener schon ein Meckerer, der auf
begrenzte Gültigkeiten, auf bestimmte Validitäten hinzuweisen
traut? Wer im konkreten Falle auf Polarisierungen und ungleiche
Verteilung von Risiken und Geld hinweist? Wer jener Grundlage
nachzugehen versucht, die den Profiteuren solcher Verhältnisse
Legitimation verleiht? Wer sind überhaupt die Profiteure? Wir alle?
Wer darauf hinweist, dass ein übergroßer Erfolg im Export mit dem
Misserfolg anderer und hin und wieder sogar mit der Ausbeutung
anderer (-->Afrika) zu tun hat? Ist einer ein Schelm, der Ungutes
und so etwas wie ein Mittel zum Zweck dahinter vermutet, wenn dauernd
der angebliche Wohlstand aller behauptet wird und ungleiche
Verteilungen geleugnet werden? Wer ist „wir“? Wollen bestimmte
Kräfte in unserer Gesellschaft etwas zudecken, etwas schönreden?
Ein „Wir“ gar, nach Art der Populisten? Leben sie gar in einer
eigenen Politik-Blase, in der Mangel und Unsicherheit gar nicht mehr
als Erfahrungen vorkommen? Ist ihr Abstand zu denen, die sie zu
vertreten vorgeben, allzu groß geworden? Gibt es nicht allseits bekannte Schwächen, die in den Lobby- und Interessenvertretungen
liegen, die sich gerne Entscheidungsträger wie etwas Parlamentarier
zur „Bearbeitung“ vorknöpfen? Was könnte Demokratie bedeuten?
Donnerstag, 9. März 2017
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