Reise durch Wirklichkeiten

Donnerstag, 28. Februar 2019

"Einsatz" der Sprache


Den richtigen Umgang mit der Sprache, ihr zielgerichteter Einsatz, verschiedene Manipulationstrategien und die zielgerichtete Anbiederung an den „Verbraucher“ sind oft Gegenstand von Seminaren zum Journalismus und zur PR. Oft wird darin die Effektivität beschworen, mit der man den „Konsumenten“ erreichen wolle. Eine „bildhafte Sprache“ sei dabei förderlich, die gleichzeitig emotional sein solle und „gut durchdacht“, „pfiffig“ und „knitz“. Sie solle sich möglichst kurzer Sätze bedienen und keineswegs Schachtelsätze verwenden. Außerdem solle sie anschaulich und in Form von Geschichten daher kommen. Geschichten bedeutet in diesem Zusammenhang eine Dramaturgie, die Spannung auf- und abbaut, die Höhepunkte anstrebt und Pointierungen, die im Rahmen des Ganzen „einen Sinn“ haben sollen. In jedem Falle solle und wolle man „gut verständlich“ sein. Natürlich ist dies alles nicht gerade verboten, dient aber einem einzigen Mittel zum Zweck......

Mittwoch, 27. Februar 2019

Es war die Trägheit

Es war auch die Trägheit, die immer gebremst hat. Natürlich die Trägheit. Das im Sein sein. Das jämmerliche Vegetieren. Von einem zum andern. Dieses „man wird sehen“. Die Sphäre unter den Fingernägeln des Alltags, die hat dich nicht nur interessiert, sie drängte sich dir geradezu auf. Die Basics, die erkanntest du: Das „sich inszenieren“, egal als was. Wenn nötig als Intellektueller. Als Bohemian. Als Gutmensch. Als Durchsetzungsfähiger. Als Winner. Als Wichtig. Alles ist eine Frage der Menschenführung. Die Basics sind: es gibt Alpha- und Omegas. Du musst der Boxer sein. Die anderen vor dir her treiben. Bestimmen. Dominant sein. Ich habe mit der Muttermilch eingesogen, dass es auch darum ginge, solche von der Natur gesetzten Bedingungen zu überwinden. Es so weit bringen, dass man sich ihnen gegenüber souverän fühlt. Dabei sind sie, - Oh Irrtum! -  das einzig wichtige.
Doch da ist dieses im Halbschlaf Dämmern. Wenn du nur bei dir bist. Wenn der Fernseher nicht läuft und du auch kein Buch zur Hand hast. Keine Ablenkung. Du hast es mit dir aushalten müssen, du musst das ein Leben lang. Hast zu hohe Erwartungen an dich gehabt, implizit. Die Typen entwickeln sich in ihre Richtungen, Möglichkeiten. Taugenichts, Lehrer, Musiker, Programmierer. Familienmensch. New York. Auswanderer, Pionier im Westen. - jetzt sind wir viel weiter und können lachen über alles und über uns: wie naiv wir doch damals waren! Jetzt alles anders....Woher kommen solche „Resets“?
Es ist genau das, was ich zu überwinden suche, diese unharmonische, von außen bestimmte zerissene Persönlichkeit. Ich will eine vorläufige Einheit. Ich will über mich selbst lachen in der Gegenwart. Nicht über meine Vergangenheit.

Sonntag, 24. Februar 2019

Hinweis 2

Hinweis: Dies hier ist ein radikal pluralistisches Blog. Es gibt Texte, Deutungen, Sichtweisen und Perspektiven wieder, die nicht zwangsläufig langfristig meine eigenen sein müssen. Sie haben mich jedoch nachhaltig beschäftigt.....

Donnerstag, 21. Februar 2019

Engel am Himmel

Gestern noch einmal anlässlich Brunos Tod den Film „Der Himmel über Berlin“ angeschaut. Ich mochte immer den Klang seiner Stimme. Sie war stets bei mir. Mit ihr sagt da etwas über die Begegnung zweier Menschen: „Etwas ist geschehen. Es geschieht immer noch. Es ist verbindlich. Es war in der Nacht und es ist jetzt am Tag. Jetzt erst recht.“ Und dann fallen die Sätze, dass „ein gemeinsames Bild“ gezeugt worden sei. Dass er in dieser Nacht das Staunen gelernt habe. „Sie hat mich heim geholt“ und er habe heim gefunden. Es war einmal und also wird es sein. Das Bild das wir gezeugt haben, wird das Begleitbild meines Sterbens sein. Ich werde darin gelebt haben. Das Staunen über uns zwei, das Staunen über uns zwei, (…) hat mich zum Menschen gemacht. Ich weiss jetzt, was kein Engel weiss“. Er schien aus der Seele zu sprechen. Er schien ein Träumer zu sein von der Art, wie uns das beeinflusste.  Und dann, etwas später, gegen Ende des Films steht da: “Wir sind eingeschifft“.

Mittwoch, 20. Februar 2019

Trophäen

Was mir allmählich auffällt: Es finden ununterbrochen irgendwelche Preisverleihungen statt. Oft feiert sich dabei das Showbuziness selbst. Irgendwelche in Abendkleid oder Frack gekleidete Damen und Herren mit frisch ondulierten Frisuren und dem obligatorischen Lächeln treten dann sichtbar geschmeichelt nach vorne und bedanken sich brav bei Gott und der Welt, vor allem natürlich bei ihren Companys und dann auch bei den Eltern (dass sie einen auf die Welt gebracht haben...), für ihren Preis. Sie halten die Trophäe meist neben sich und ihr Gesicht, so dass sie die ganze Welt sehen sollte. Doch diese Welt ist längst gelangweilt und kann diese nach dem Vorbild der „Oscar“-Preisverleihung ausgetragenen Zeremonien kaum noch aushalten. Sie sind einfach zu viele geworden und gleichen sich alle. Dabei scheint es mir, dass selbst diese als Laudatoren eingesetzten „Stars“ langsam knapp werden. Sie lesen meist von einem mitgebrachten und theatralisch entrollten Dokument ab: „...the winner is…..“. Dann folgt ein bedeutungsschwer aufgeladener Moment….. dann die laute Nennung eines Namens. Oft stecken dahinter Verkaufszahlen und wirtschaftliche Erfolge, die gerne mal als „Beliebtheit“ und Bedarf ausgelegt werden. Nun ja, der Begriff von „Künstler“ oder „Kunst“ mag sich von Kultur zu Kultur doch etwas unterscheiden, auch wenn sich das alles im Rahmen einer „Globalisierung“ angleicht. …..Diese Zeremonien sind zwar im Sinne des Wirtschaftssystems, sagen womöglich aber so gut wie nichts über Gehalt oder Substanz aus (aber darum geht es in der „Globalisierung“ nicht….).

Hinweis

hier noch einmal ein Hinweis auf meine Seite ubpage.de, mit einem Blog, der sich vorallem mit der (Pop)Musik beschäftigt.....

Dienstag, 19. Februar 2019

Zeit und Geld

Die Erfindung der Zeit durch Mönche im 13. Jahrhundert (selbstverständlich damals zur Einhaltung des Gottesdienstes...) hat den Kapitalismus erst möglich gemacht. Heute soll alles schneller und schneller und effizienter gehen. „Time is money“. Die Globalisierung samt dem ihr innewohnenden Kapitalismus erscheint dies nahezu heilig, unantastbar, Naturgesetz. Wie schnell kann man eigentlich noch werden? Ob es da Grenzen gibt? Ob uns da die Technologie den Takt vorgeben soll? Ob sie einen neuen Menschen schaffen will, der beim immer höheren Tempo mitkommen kann? Wer nicht dabei ist, - geht pleite (so das scheinbare Naturgesetz). Beschleunigung ist Pflicht. Die Börsen machen ja heute Geschäfte im Nano-Sekunden-Bereich. Hochfrequenzhandel. Augenbrauen gehen da hoch. Ach! Schneller sein als andere. Kaufen und verkaufen. Auf den Haufen damit!. Aber möglichst schneller als der „Mitbewerber“ sein. Wettbewerb. Frei, sehr frei. Nahezu unkontrolliert. Vernetzung um jeden Preis. Profitieren in einem Augenzwinkern. Nano ist ein Milliardstel. Komplexität rules. Der Mensch macht alles, wenn es ihm nützt, - behauptet die Betriebswirtschaftslehre. Egoismus rules. 

Montag, 18. Februar 2019

"Neidgesellschaft"?

Ob wir uns immer mehr und immer totaler auf eine 2/3-Gesellschaft zubewegen, in der 2/3 der Leute behaupten „Uns geht es gut“ und das mit ihren (oft manipulierten) Zahlen belegen? Es scheint doch eher so, dass es rund einem Drittel unserer Gesellschaft gar nicht gut geht, dass der Niedriglohnanteil in Deutschland höher als in vergleichbaren Ländern liegt, dass die Klassen der ersten beiden Drittel den Ton auch in den öffentlichen Medien angeben, dass ihr Weltbild ausstrahlen soll auf das Allgemeine und dass dies mit allen Mitteln bewerkstelligt werden soll. Dass diejenigen, die dies sehen wollen, sich dem stellen und es benennen wollen, meist mit dem Wort „Neid“ belegt werden, dass sie damit angeben und sich hervortun, dass sie die bundesdeutsche Gesellschaft als „Neidgesellschaft“ bezeichnen und dies bei jeder Gelegenheit propagieren, gehört zu den Reflexen, die wir nicht mehr ernst nehmen sollten (auch wenn sie ein Ablenkungsmanöver mit einem schon in der Bibel vorkommenden menschlichen Grundgefühl missbrauchen).

Freitag, 15. Februar 2019

Tierische Welt

Was mich schon immer fasziniert hat: ein Sichhineinversetzen in Tiere. Ein Sichhineinversetzen in andere Welten, andere Blickweisen, andere Notwendigkeiten, andere Bestrebungen usw. … einen anderen Kosmos. Das hatte womöglich einen Auswuchs, als mir einst eine Rennmaus geschenkt wurde und ich mein ganzes damaliges Zimmer zu einer Art Rennmausbau zu machen versuchte, indem ich Drainageröhren zu Bau- oder Nestbehausungen legte, in denen dann bevorzugt nachts die Rennmaus rannte. Ich glaube, ich wollte mit Amadäus, - so ihr Name – zusammenleben. Ich wollte sehen und erfahren, was sie bewegte, was sie beeindruckte, was sie prägte. Das Bemühen, eine Geschlechtsgenossin beizuschaffen, ging fürchterlich daneben. Man behakte sich und verbiss sich auf das Grässlichste. Eine Trennung musste unbedingt sein. Später kamen Probleme mit dem Zahnwuchs hinzu, die Maus hatte wohl nicht oft genug die Gelegenheit, ihre Zähne abzunutzen. Ich versuchte auch hier einen Ausweg. Allein, es half nichts. Der Gang zum Tierarzt war vorprogrammiert.
Erst viel später gelangte ich zur Kenntnis, dass ich bei meinen Bestrebungen etliche namhafte Vorläufer hatte, auf die man aus guten Gründen neugierig sein konnte. Manche Tiere scheinen beispielsweise so etwas wie eine vieldeutige „Sprache“ zu haben. Die vieldeutige Mitteilung und Entäußerung, nicht die exakte Informationsübermittlung scheint bei ihnen oft im Vordergrund zu stehen. Was sagen sie? Was denken sie? Ob bereits diese Überlegung eine Art „Vermenschlichung“ ist, die uns keinen Schritt auf unserem Weg in die Welt der Tiere voranbringen kann? Wenn etwa kleine Hunde Pullöverchen tragen (müssen) und mit dem Frauchen in den Hundesalon gehen, um sich dort eine mondäne Frisur verpassen zu lassen, mag dies ein solcher Ausdruck der „Vermenschlichung“ zu sein. Dass der Mensch über dem Tier stehe und deshalb berechtigt sei, nahezu alles an ihm vollziehen, bis hin zur Auslöschung des Lebens dieses Tieres, ist eine alte Weisheit, in deren Richtung bereits die Bibel ausgelegt werden kann. 
Doch nicht erst in den letzten Jahrzehnten sind daran Zweifel aufgekommen. Eigentlich fing es bei Montaigne schon an. Es wurde klar, dass Tiere oft etwas können, was wir Menschen nicht können. Und doch sind die Menschen die „erfolgreichste“ Spezies auf dieser Welt. Sie verbreiten sich immer rasanter auf dieser Welt. Aber was geht im Kosmos, in den Bezüglichkeiten und Sinnwelten gewisser Tiere vor? Diese Frage hat mich abseits aller Evolutionsweisheiten geradezu gequält. Natürlich wird auch hier der Bezug zur Grundfrage dieses Blogs spürbar. Besser verstehen zu können, mehr Empathie aufzubringen, mehr Spiritualität und Sichineinversetzenkönnen mögen ein Lebensziel markiert haben.

Donnerstag, 14. Februar 2019

Wirklichkeiten aus Perspektiven


Ich erfahre zunehmend, dass ich „Unwesentliches“ äußere, auf das es nicht lohnt, einzugehen. Eigentlich wollte ich auch genau dieses „Unwesentliche“ aufsuchen, was zwischendurch fällt, was niemand als wesentlich (oder auch oft so bezeichnet: „relevant“) wahrnimmt, das Dreckige unter den Fingernägeln, was niemand beachtet und doch Gesamtsituationen auf verschiedene Weise beeinflusst, ja sogar prägt. Es wäre eine Ehrenbezeichnung für mich, wenn es so wäre, dass ich Unwesentliches zur Sprache bringen würde. Doch jetzt befinde ich mich in einem Konflikt, denn wegen der genannten Gründe will sich auch so gut wie niemand damit auseinander setzen, was ich zu äußern habe. Es gelingt mir immerhin, das mit Humor zu sehen, mich selbst in diesem kleinen Stück nicht gar so ernst zu nehmen - die anderen allerdings auch nicht. Vieles scheint mir eine Frage der Perspektive zu sein, etwas, mit dem sich besonders der Journalismus etwas mehr auseinander setzen sollte.

Mittwoch, 13. Februar 2019

Abenddämmerung (Charles Baudelaire aus "Die Blumen des Bösen")

Abenddämmerung

Sieh, des Verbrechers Freund, der holde Abend, naht
Mit leisem Raubtierschritt, der Helfer bei der Tat;
Der Himmel schliesst nun sacht des schweren Vorhangs Falten,
Zu Tieren wandeln sich die menschlichen Gestalten.

O Abend lieb und hold, wie heiss wirst du ersehnt
Von einem, der mit Lust die müden Arme dehnt
Und ohne Lügen spricht: Der Tag war voller Lasten! –
Du bist's, der Schmerzen stillt und Ruhe gibt und Rasten
Dem Denker, der voll Trotz die müde Stirne hält
Dem Arbeitsmann, der dumpf hin auf sein Lager fällt.

Indes erhebt sich schwer der bösen Geister Meute,
Sie flattern durch die Luft wie vielgeschäftige Leute,
Sie poltern an die Tür, sie stossen an das Dach.
Und wo ein Lichtschein wird im Windstoss flackernd wach,
Da lebt die Unzucht auf in dumpfer Gassen Enge;
Gleich dem Ameisenhauf öffnet sie Gäng' um Gänge;
Sie bahnt geheimen Weg allüberall und gleicht
Dem Feind im Hinterhalt, der tückisch uns umschleicht;

Im Schoss der Stadt rührt sie den Unrat, der sie mehrt,
Ein Wurm, der von der Kraft des Menschen lebt und zehrt.
Jetzt hört man's da und dort in Küchen leise zischen,
Theater kreischen auf, Orchester brummt dazwischen;
Die Säle, drin das Spiel Rausch gibt den schlaffen Hirnen,
Sie füllen sich nun rasch mit Gaunern und mit Dirnen;
Die Diebe, denen nie das Handwerk Ruhe lässt,
Beginnen ihr Geschäft, bezwingen sanft und fest
Die Türen und den Schrein um ein paar Tage Leben
Und, um der Freundin Gold und seidnen Tand zu geben.

Jetzt sammle dich, mein Sinn, und richte dich empor,
In diesem Augenblick verschliess dem Lärm dein Ohr.
Die Stunde ist's, da Gram und Schmerzen sich verschlimmern,
Da uns die finstre Nacht die Kehle würgt, und Wimmern
Die Hospitale füllt, da still der Kranken Heer
Zum grossen Abgrund wallt. – Ja, mancher kommt nie mehr
Und isst die Suppe still und träumt und blickt ins Feuer
Ganz nah beim Herd und nah der Seele, die ihm teuer.

Und viele kannten nie die Süssigkeit, die schwebt
Um einen Platz am Herd, und haben nie gelebt!
Charles Baudelaire

Montag, 11. Februar 2019

Wohnungs(neu)bau (2)

Es gibt keine Zinsen. Also fließt Kapital in den Wohnungsbau, - und zwar in jenen, der „Rendite abwirft“. Das kann der soziale Wohnungsbau in keinem Falle sein. Der Staat hat eine Zeit lang Wohnungen im großen Stil verkauft, jetzt versucht er händeringend, sie zurück zu kaufen. Richtig beschrieben? Ob man („Wir“) einen Wohnungsbestand braucht, der gerade nicht „dem Markt“ und den darin wirkenden Kräften ausgeliefert ist? Ob „der Markt“ sich als unfähig erwiesen hat, Wohnungsbauprobleme zu lösen? Ob Boden ein allgemeines Gut ist? Und Wohnung? Es wird darüber diskutiert, so heißt es. Muss da ein System in eine andere Richtung gedreht werden? Oder müssen die richtigen Anreize für „den Markt“ geschaffen werden? Ob Wohnung“ nicht einen anderen Wert darstellt als Maschine, Auto, Konsum? Eine Ware. Wer etwas neues versuchen will, wird schnell mit dem Wort „Sozialismus“ oder Staat abgetan. Standardidiologie, das. Reflex. Preise am Immobilienmarkt politisch rgelementieren? Igitt. Eigentum erwerben sei die Lösung, so manche Politiker. Doch viele Millionen Deutsche können das nicht. Es scheint dies den Vermögenden mit ihren „Steuervermeidungsstrategien“ vorbehalten zu sein. Am Ende, denkt man dies weiter, werden sowieso nur noch Vermögende unter sich sein, sozialer Austausch ist nicht mehr gewährleistet und Filterblasen der Wahrnehmung und der Lebenswelt werden gefördert. Nicht Vermögende werden über den Preis heraus gedrängt. Als „Einzelbeispiele“ wird sowas von der offiziellen Politik noch abgetan. Aber gibt es idealtypisch diese Vermögenden (Spekulanten)? Sind es oft nicht auch kleine Leute, die etwas geerbt haben und die „modernisieren“ müssen, weil „der Staat es ihnen vorschreibt? Es muss oft ein Kredit aufgenommen werden, der dann irgendwie wieder erwirtschaftet werden soll. Ob das besonders „auf dem Land“ der Fall ist? Wie kommt es eigentlich, dass alle in die Städte ziehen wollen. Ob das mit Politik zu beeinflussen wäre? Der Trend zum Ausbluten des Landes, ob der etwas mit Politik zu tun hat? Ob es hierfür den Ausdruck/das Wort „Strukturpolitik“ gibt? Dass es keine Ärzte, Busse (Verkehrsmöglichkeiten allgemein) Schulen, Kindergärten gibt?

Samstag, 9. Februar 2019

Wohnungs(neu)bau (1)

Das Folgende scheint in einem seltsamen Kontrast dazu zu stehen, über was wir uns gestern unter Überschrift "Neubau" hier gewundert hatten. Ob wir zudem schon manchmal daran gedacht hatten, dass (und wie) die amtierende Kanzlerin ihr Wort „Wir schaffen das“ gesagt hatte, damals 2015? Wir hatten uns schon damals gefragt, wer das sein solle, dieses „Wir“? Doch in der Art dieses jetzigen Deutschland wurde die Frage abgebügelt, verdrängt, geregelt, weggedrückt. Spätestens mit dem extremen Wohnungsnotstand, der derzeit herrscht, kam die Frage neu auf. Ob es etwa diejenigen sind, die unter dem Wohnungsnotstand leiden, die auf kostengünstiges Wohnen angewiesen sind? Die im Wettbewerb mit jenen stehen, die als „Mitbewerber“ neu hinzu gekommen sind? Natürlich wurde von seiten der Regierung herumgetrickst, wurde abgelenkt mit kleinen kosmetischen Maßnahmen (etwa dem „Baukindergeld“), die nichts am Notstand ändern und genau davon ablenken sollen, dass der Staat Sozialwohnungen im großen Maßstab an „Privatinvestoren“ verhökert hat, die inzwischen oft an der Börse notiert und darauf angewiesen sind, eine möglichst große Rendite zu erwirtschaften. Auch haben sich gewisse städtebauliche Trends umgekehrt (was freilich zu erwarten war): Der Trend zur Schrumpfung der Städte hat sich umgekehrt, Massenwohnungsbau wurde unattraktiv. Eine Menge an Einzelwohnungen wurde gebaut, dem neoliberalen Trend folgend. Diese Wohnungen wurden „vermarktet“ nach allen Regeln der Kunst. In der Regel kamen dabei Vermögende zum Zug. Mittlerweile ist dieser Trend dahingehend gekippt, dass Spekulanten aus dem Ausland sich der Reste dieser Wohnungen „angenommen“ haben und mächtig am Immobilienmarkt mitmischen. Der soziale Wohnungsbau scheint eingeschlafen zu sein, Städte zeigen sich des von mächtigen Immobilieninteressen gelenkten Marktes weitgehend ohnmächtig. Der „freie Markt“ solle es richten, fordern gewisse Parteien im Reichstag. Doch Tatsache scheint doch so zu sein, dass der „freie Markt“ unfähig zu sein scheint, dass er im Gegenteil, die Wohnungsnot noch forciert. Irgendwelchen Bestrebungen, dem zu begegnen, wird regelmäßig mit dem Gespenst „Sozialismus“ gedroht. Der „Freie Markt“ folgt Profitinteressen, was auch nicht verwerflich ist. Man sollte sich bloß in keine Lüge dergestalt hinein flüchten, dass es finanziell attraktiv werden solle, Sozialwohnungen. Das ist nicht der Fall, solange anderswo deutlich bessere Renditen zu erzielen sind. Erst ein Marktüberschuss lasse die Preise fallen, so verheißen neoliberale Geister seit vielen Jahren und bauen fidel an ihren 150 Quadratmeter-Wohnungen weiter, mit denen auch ein beträchtliches Umweltproblem geschaffen wird. Bisher scheint die neoliberale Rechnung jedenfalls nicht aufgegangen zu sein. Im Gegenteil, die Preise steigen immer schneller in astronomische Höhen.     

Freitag, 8. Februar 2019

Neubau

Unter großem Pomp und mit einer Rede der Bundeskanzlerin wird heute die neue Zentrale des Bundesnachrichtendiensts in Berlin eröffnet. Täterä....! Blöd nur, dass der Bau in 12 Jahren durch eine enge Abfolge an Pannen den Steuerzahler deutlich mehr gekostet hat, als ursprünglich geplant. So etwas scheint allmählich einzureißen in Deutschland (Beispiele dafür gibt es genug!...), dem es nach Worten verantwortlicher Politiker soooo gut geht. Dass es ihm sooo gut geht, das mögen den Entscheidern in wirtschaftlich guten Zeiten (auch diese sollte/darf man hinterfragen!) die Profiteure solcher Entwicklungen gerne und in großer Zahl bescheinigen. Doch was ist, wenn die Entwicklung kippt, wenn das Selbstverständnis bröckelt? Nun ja, „aus den Augenwinkeln“ habe ich das „Tagesereignis“ (das keineswegs auf den Tag beschränkt ist, sondern fast ein wenig symptomatisch erscheint..) mitgekriegt und dann zum BND-Neubau ein wenig nachrecherchiert: Baupläne sind geklaut worden, eine Klimaanlage wurde installiert unnd dann wegen Sicherheitsmängeln wieder entfernt, 2015 montieren Unbekannte Wasserhähne ab und manches mehr, Am Ende kostet das Projekt statt der ursprünglich geplanten 730 Millionen nun mehr als 1 Milliarde Euro. Nun ja, ein paar Millionen mehr, - was soll's? Wir können uns das leisten. Eine Palme vor dem Bau soll Kunst sein und angesichts solcher Vorgänge offenbar ein wenig Trost spenden.

Donnerstag, 7. Februar 2019

Wortspiele

Ich wundere mich, wenn ich beobachte, dass Partner (Paare) sich miteinander in ihrer Haltung zur Welt synchronisieren. Da sind plötzlich nicht nur Meinungen und Einstellungen gleich, sondern auch Verhaltensweisen (was bis hin zu Bewegungsabläufen geht...). Ich beobachte dies mit ein bisschen Amüsement, lösen doch die jeweiligen Personen ihre übereinstimmenden Meinungen wieder auf, kaum, dass sie sich getrennt haben. Das heißt doch, dass Meinungen und Einstellungen Mittel zum Zweck sind, dass sie Gemeinsamkeit (möglichst nach außen) beschwören sollen, dass es sehr selten um Inhalte geht. Nahezu lächerlich finde ich diese Mechanismen, wenn kurz zuvor noch etwas heftig kritisiert wurde, was nach Eintreten eines Partners plötzlich gegenteilig vertreten wird. Man reibt sich die Augen und denkt wieder einmal: Das kann doch nicht sein! Sollen wir das ernst nehmen? Oder nur den symbolischen Akt dahinter sehen?

Mittwoch, 6. Februar 2019

Gottlob, dass ich auf Erden bin (Novalis, Lyrik)

Gottlob! daß ich auf Erden bin... (Novalis)

Gottlob! daß ich auf Erden bin
Und Leib und Seele habe;
Ich danke Gott in meinem Sinn
Für diese große Gabe.
Der Leib ist mir doch herzlich lieb
Trotz seiner Fehl und Mängel
Ich nehme gern mit ihm vorlieb
Und neide keinen Engel.
Ich küsse gern mein braunes Weib
Und meine lieben Kinder,
Und das tut wahrlich doch mein Leib,
Und mir ist es gesünder,
Als wenn ich mit Philosophie
Die Seele mir verdürbe,
Denn ein klein wenig Not macht sie,
Die liebe Weisheit, mürbe.

Dienstag, 5. Februar 2019

Plastik jetzt weg!

Ob es notwendig ist, dass ein Gegenstand 100 mal verpackt sein muss, ehe er einen Käufer anmacht? Die Verpackung ist dann auch meist aus Kunststoff, darunter jenes Plastik, das Forscher jetzt schon per winzigen Teilchen in unseren Körpern nachgewiesen haben. Ob es da eine Verpackungsindustrie gibt, die daran verdient? Ob sie sich etliche Fragen gefallen lassen muss und ob die große Zeit ihrer Umweltverschmutzung längst vorbei ist? Ob die Probleme, die damit zusammen hängen, nicht allzu vielen Menschen längst bewusst sind und ob diese Menschen bei dazu passenden Rahmenbedingungen bereit wäre, auf solche „Lockstoffe“ zu verzichten? Natürlich werden hygienische Vorbehalte gerne genannt, wenn es um Verteidigung der Verpackungen geht. Doch an anderen Stellen wird doch fortwährend und ziemlich aufdringlich die „Innovationskraft“ unserer (wer ist „uns“?) gepriesen......ob der Staat oder die Regierung nicht auch an dieser Stelle etwas zutrauen müsste? Ob es in früheren Zeiten ohne Plastik nicht auch ging? Sehr wohl, aber nicht so gut und verbunden mit einer hohen Lebenserwartung? Okay, ein Grund mehr, sich jetzt an Substitutionsstoffen zu versuchen, die sich selbst zersetzen! Nein, nicht übermorgen, sondern jetzt!

Montag, 4. Februar 2019

Feinstaub mal konkret

Der durchschnittliche Feinstaubabrieb pro Jahr und Auto beträgt für einen einzigen Reifen 1 kg. Bei vier Reifen und 40 Millionen Autos lässt dann leicht die Feinstaubbelastung pro Jahr ausrechnen. Damit mag auch zusammen hängen, dass es in der Bundesrepublik kein einziges Gewässer mehr gibt, in dem nicht winzige Kunststoffteilchen nachgewiesen werden können. Und das gleichzeitig dazu, dass es nahezu keinerlei Forschung und Studien zu diesen Nanoteilchen und ihren Auswirkungen auf unsere Körper gibt. Ob hier jemand Rahmenbedingungen anders gestalten könnte? Ob das eine Aufgabe der Politik wäre? Ob das politische System vielleicht etwas zu abhängig von sich mächtig gebenden Lobbygruppen ist? Ob eine größere Ausstrahlung der parlamentarischen Demokratie gerade jetzt, in diesem Augenblick, gut anstehen würde, ja, ob dies nicht geradezu ein Gebot der Stunde wäre?

Sonntag, 3. Februar 2019

Lügen haben lange Beine

Ich habe die Wortfolge "kurze Beine" gehört und mir ist durch den Sinn gegangen, dass Lügen leider manchmal auch lange Beine haben: Da ist der Einfluss der Pharmaindustrie auf das Menschsein als aktuelles Beispiel. Sie nehmen Einfluss, sie finden und erfinden, sie kaufen auf,  sie reden schön, sie lenken Informationen, sie geben "die richtigen" Untersuchungen in Auftrag, sie betreiben Lobby-Arbeit, sie setzen unter Druck, sie lassen aus, sie dramatisieren, sie verschweigen, sie blockieren... usw.... es ist eine lange Folge von.... Lügen,.... die leider sehr lange Beine haben, indem sie sich als gelenkte "Wahrheit" in unser Dasein mischen. "Sind wir nicht alle ein bisschen korrupt?" fragte neulich ein ehemaliger Kollege, der sich jetzt der Öffentlichkeit neu verkauft und dazu "geglättete" Interviews gibt...... wow, diese Grauzonen! Diese retouchierten Wirklichkeiten! Wo steht man da? Man sieht sich selbst zu....nimmt Maßstäbe wahr, die sich später als etwas ganz anderes darstellen......

Samstag, 2. Februar 2019

Heimat (5)

Seltsam, es scheint eine regelrechte Modediskussion zu sein, ohne dass jemand von  der Teilnehmenden in den Diskurs auf der Ebene der Tatsächlichkeit verwickelt zu sein scheint. Man könnte auch behaupten: so gut wie niemand hat ernsthafte Ahnung davon. Scheinbar. Es geht um den Begriff „Heimat“. Ich habe mir eine Zettelsammlung dazu angelegt und stelle fest, dass es nahezu überall um den Begriff „Identität“ zu gehen scheint. Zudem bedeutet zunehmende Globalisierung wohl auch zunehmende Lokalität. Auch scheint mir der Begriff „Heimat“ eine Art Antwort auf allerlei Überfremdungsängste zu sein. Gleichwohl widersetzt sich der Begriff, denkt man etwas tiefer darüber nach, jeglicher Politisierung und jeder Instrumentalisierung. Auch geht es wohl nicht darum, eine Gemeinschaft zu bilden, indem man Fremdes ausgrenzt.
Noch ist es so, dass die Mehrheit der Leute auf dem Land lebt, teilweise wohl auch, weil die Mieten im städtischen Raum ins Unerträgliche gewachsen sind. Städte sind extrem globalisiert, auf dem Land ist das anders, auch wenn große Teile der Öffentlichkeit das anders zu sehen scheinen. Es wird einem mit allen Mitteln verkauft, dass man unbedingt z.b. das Fahrrad benutzen solle. Auf dem Land freilich bleibt dies ein frommer Wunsch, da die öffentlichen Verkehrsmittel kaum so ausgebaut sind, das sie eine ernsthafte Konkurrenz zu dem Individualverkehr sein könnten. Man müsste neu über Mobilität nachdenken. Man müsste neu über die Verschränkung von Stadt und Land nachdenken. 

Freitag, 1. Februar 2019

Abkunft (Text ub)


ABKUNFT

All die begrab'nen Tage
auf der Hundehütte
treiben Stehversuche,
verlieren sich in Staub

Wann

führt mein Schritt
mich fort von hier
ahnt kalten Morgentau
und neue Wege?...

(aus den 80ern)

Mittwoch, 30. Januar 2019

Kinder als Fortsetzungsgeschichten

Der Club of Rome, ein Mythos. Schon früh warnte er unter anderem vor der Überbevölkerung der Erde. Bevölkerungsexplosion. Stimmt ja gar nicht!, so der Einwand wichtiger Stimmen. Es gehe vielmehr um die Verteilung. Schließlich sei genug für alle da. In der Folge aber wurde der Triumph der Kleinfamilie mit ihren beiden Kindern gefeiert. Dabei würden gewisse Argumente durchaus dafür sprechen, dass ökologisch denkende Menschen nicht unbedingt Kinder in die Welt setzen sollten. Umweltschützer mit Kindern könnten sogar fragwürdig sein. Es macht jedenfalls keinen Sinn, diesen zig mal überbevölkerten Planeten mit noch mehr Kinder zu belasten. Außerdem sollte sich ein Elternpaar der Aufgabe gewachsen sehen, Kinder zu ernähren und für sie verantwortlich zu sein. Doch einem kritischen Nachdenken über solche Fragen steht die mit allen Mitteln durchgedrückte Maxime entgegen, dass Paare unbedingt Kinder haben sollten, - was durchaus fragwürdige Folgen zeitigt. Dazu wird es dann Kinderwunsch- und Fertilitätskliniken geben, die von der Politik auf viele Arten Unterstützung erfahren werden. Wenn alle aufhören würden; Kinder zu produzieren, würde unser Gesellschaftssystem explodieren, denn es würden Rentenzahler fehlen, - was gerne als Argument dafür genannt wird, Kinder in die Welt zu setzen. Ob es wirklich diese ökonomischen Argumente sind, die hier ausschlaggebend sind? In relativ überschaubarer Zeit würde die Menschheit aussterben. Ob es aber für diese Erde ein so großer Verlust wäre? Ob eine Erde ohne Menschen nicht auch wünschbare Aspekte hätte.
Es gibt eigentlich wohl ganz wenig Paare, die ungewollt kinderlos sind. Die Gesellschaft gibt oft vor, diesen Menschen helfen zu wollen. Doch das wird gerne mal zum Geschäft. Wie in Vielem, sind auch hier die USA Vorreiter. Man kauft sich hier Samen (Eizellenspenden sind relativ gut honoriert) oder greift auf eigenen eingefrorenen zurück. Man lässt gekaufte Leihmütter damit schwanger werden und lässt diese Kinder anschließend von speziellen Hilfskräften erziehen. Solche Dienstleistungen“ werden selbstverständlich nach Marktkriterien honoriert. Es entsteht auf diese typisch neoliberale Weise ein Markt für Kinder. Mütter in der klassischen Form werden auf diese Weise ersetzbar. Damit die Bevölkerung trotz manchen Schrumpfungsprozessen auf einem vergleichsweise stabilen Niveau bleibt, bedarf es der Migranten. Familienpolitik und Familienförderung stützen, teilweise auch aus idiologischen Gründen der „Heiligsprechung“ der Familie, zudem eine solche Stabilisierung.

Dienstag, 29. Januar 2019

Am Morgen ohne Sorgen

Allmählich gehen mir die ewig lachenden und lächelnden Figuren in den Frühstücksfernsehprogrammen auf die Nerven. „Ja klar haben die keine Sorgen“ sagt man sich und staunt über so viel professionelle Ignoranz. Die zur Schau getragene gute Laune hat wohl Methode: sie will dem „Konsumenten“ als Inszenierung Mut machen und Kraft geben, seinen eigenen Alltag zu bewältigen. Blöd nur, dass das oft sehr aufgesetzt und künstlich wirkt, wie eine Verpflichtungserklärung zur Unehrlichkeit dem Publikum gegenüber. Die Absicht erscheint offensichtlich: Der schöne Schein soll alles überstrahlen, die Lüge soll dem Einzelnen eine Stütze abgeben, seine Schwierigkeiten zu bewältigen. Was ist mit dem Arbeitslosen, dem erfolglosen Selbständigen vor seiner Pleite? Man muss Zeit haben für Doppeldeutigkeiten, man muss „die Ebene dahinter“ erkennen. Ein bisschen Problemchen in gut vertraglichen Portionen, ein bisschen Boulevard. Nach der tausendsten Produktempfehlung für den deutschen Nobelsportwagen, kommt Neid auf auf diejenigen, die über die Anschaffung eines solchen Wagens nachdenken und dabei alle Abgasprobleme ignorieren können. Die dem Imponiergehabe aufsitzen, was davon ausgeht. Die nicht die tatsächlichen Vorzüge eines solchen Wagens schätzen, sondern seine Symbolik bezüglich des sozialen Status. Man nimmt verwundert zur Kenntnis, wie „Prominente“ angehimmelt werden, die – ach Wunder! - auch nur Menschen sind und die sich mit ihrer sozialen Rolle verbunden haben. Die Größe „Erfolg“ wird danach in der Abteilung Sport angebetet, obwohl Dopingaffären da so manche Zweifel streuen könnten. Der "Konsument" wähnt sich damit immer auf der Höhe der Zeit, glaubt sich informiert, kann auch nichts machen und versinkt in seinem deutschen Ego....... 

Sonntag, 27. Januar 2019

Schritte

Es mag wohl in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gewesen sein, als ich Folgendes schrieb, das immer noch aktuell zu sein scheint:


SCHRITTE
Er geht weiter, federnden Schrittes, unter grauen Himmeln, den alltäglichen Vorzeichen seines Daseins. Aus der Ferne tönt eine Sirene, die vielleicht irgendeinen Ernstfall simuliert, und hinter ihm liegt eine Strecke, an deren Ausgangspunkt er sich nur manchmal in den Augenblicken der Dämmerung erinnern kann. Die weißen Markierungsstriche auf der Straße hatten einmal die Aufgabe, Orientierung zu bieten. Sie sind nun aber verblasst und schwer zu erkennen. Er gönnt sich den bescheidenen Spass, sie im Slalom immer wieder zu umgehen und dabei nicht auf sie zu treten, was ihm Zerstreuung und Ablenkung von der Tatsache bietet, dass er alleine ist. Seine gleichförmigen Bewegungen werden immer wieder unterbrochen von kleinen Unregelmäßigkeiten, bedingt durch Unebenheiten der Straße, durch Nervositäten, Unaufmerksamkeiten. Rechts und links der Straße erstrecken sich weite Felder, flurbereinigte, kultivierte, chemisch gedüngte Anbauflächen, Nutzungsgebiete, die, so will es ihm scheinen, für ihn gerade in ihrer geometrischen Anonymität wirklich sind.
Die Zwecklosigkeit seines Wegs entspannt ihn innerlich, er gibt sich der Bewegung hin – und nur ihr. Er versucht, sich innerlich zu leeren. Fetzen einer vielleicht vorgestern gehörten Melodie vermischen sich mit Eigenem, aus dem Moment Entstandenen. Ansonsten will er sich nicht erinnern, er baut geradezu Mauern auf gegen alles, was aus der Vergangenheit einbrechen will in sein augenblickliches Idyll. Stattdessen versucht er , sich sein Gesicht vorzustellen...jetzt,...gerade jetzt...und nun wieder....eine Konzentrationsübung mit Selbsterfahrungswert! Seine Schritte durchschreiten fünf Minuten, als wären sie Sekundenzeiger einer Quartzuhr. Es geht leicht bergauf und seine Beine lösen die gestellte Aufgabe ohne ihrem Benutzer auch nur ihre Existenz ins Bewusstsein treten zu lassen, sie funktionieren.
Es ist Rhythmus zu erkennen in dem, was er tut. Eine Struktur, die ihm etwas bedeutet, über der er gleichwohl bescheiden geworden ist. Diese wiederkehrenden Regelmäßigkeiten geben Sicherheit, betäuben Angst. Die Luft ist zu spüren, die rohe Erde zu riechen, es fängt langsam an zu regnen. In einiger Entfernung ist ein verwilderter Hain zu erkennen und er ist erstaunt darüber, dass sich Derartiges hier noch halten konnte. Erinnerung trifft ihn: an andere Zeiten, andere Orte, Gegenden, von denen er gehört hat.
Der Hain ist belebt, bildet hier eine Enklave in seiner Wildheit und Unberührtheit, was ihn fast wie einen Magneten anzieht. Eine Ganze Welt verspricht sich hier an diesem Stückchen Erde, bewachsen mit seltenen, nie gesehenen Pflanzen. Dazwischen glaubt er Kristalle zu erkennen, funkelnd in allen Farben. Plötzlich erstrahlt der Hain, er wird zusehends durchsichtiger, gläsern, illuminiert von Mannigfaltigen Lichtkaskaden...aber auch Gerüche gehen von diesem Hain aus, wie betäubend!...Musik dringt aus dem Gesträuch, Harmonien, die Töne auf solche wunderbare Weise zueinander führen und miteinander versöhnen, dass alles bisher Gehörte nur ein Entwurf zu dieser Harmonie gewesen ist: sie hat alles in sich aufgenommen! Alles! Kleine Tiere kriechen, sich fortwährend verwandelnd, durch das Gezweig, ohne jemals eine feste Gestalt anzunehmen. Zuweilen sehen sie Menschenähnlich aus, zwergenähnlich, gnomenhaft, jedoch werden sie niemals vollkommen menschengleich. Untereinander brauchen sie scheinbar keine Sprache, um sich zu verständigen, denn über der ganzen Szene liegt nur der Schleier dieser wunderbaren Harmonie.
Er glaubt zu träumen: das ist nicht wahr!,...und schon hat er das Bild, die Szene gelöscht! Der Hain ist nun wieder ein Streifen unkultivierten Bodens, der mittlerweile etwas nähergerückt ist, denn er ist weitergegangen. Für den Bruchteil einer Sekunde streift ihn die Ahnung, dass er alleine ist, - aber auch das ist nicht wahr.
Die Zeit übergeht diesen Einbruch wie selbstverständlich mit ihrem Kokon. Sicher ist, dass auf die blasse Markierung in einem gewissen vorhersehbaren Abstand die nächste folgt. Er ist nicht alleine. Automatisches Gehen, unter Zwang, - und doch jederzeit aufhören können? Weiter....!
Ein leichtes Hungergefühl schleicht sich in seine Gegenwart. Aber es ist ja alles da, man braucht nur zuzugreifen! Das Wasser läuft einem im Munde zusammen...aber er kann sich beherrschen. Gelernt ist gelernt! Nachher. Morgen. Bald.
Aus dem Hain scheint nun Lebendiges zu dringen. Zuerst ganz leise, dann immer lauter: Vokale, Stimmen, Lachen... Das Lachen wird immer lauter, kommt auf ihn zu, schwillt an, bläht sich zu einem Orkan des Lachens: es ist nur noch Lachen! Siehe da: Stille! Eine Fläche der Lautlosigkeit., Ozean der Ruhe!
Er spürt sich selbst kaum mehr. Doch plötzlich ein Stolpern und er wäre beinahe gestürzt: eine Minute liegt im Weg! Bedächtig und vorsichtig wird sie aufgehoben und von allen Seiten betrachtet. (Minu8ten liegen ja nicht alle Tage auf der Straße herum!) Die Minute ist ein seltenes Exemplar, sie hat eine wunderbare Maserung, geheimnisvoll wie die Ziffern einer nie gezählten Zahl, Buchstaben einer gesprochenen Sprache. Er steckt sie in seine Tasche. Aber kaum ist dies geschehen, löst sie sich einfach auf! Sie ist weg! (Aber das ist nicht weiter beunruhigend, denn er hat sie ohnehin schon fast vergessen!)
Die Straße beschreibt einen Bogen und er wird nun immer langsamer, kommt kaum noch voran. Es durchdringt ihn eine Überlegung, ob er auf dem richtigen Weg sei, - aber der Weg führt ja doch nicht zum Ziel. Dumpfheit breitet sich aus, Konturen verschwimmen seltsam. Er fühlt jeden Herzschlag wie etwas Fremdes, ihm nicht Gehörendes. Erhört ihm zu, ungläubig und gespannt auf den nächsten, der wie ein Gongschlag durch sein Bewusstsein dröhnt. Schließlich – er weiß nun wirklich nicht mehr, wie lange er schon unterwegs ist, ist es ihm nur noch möglich, langsam und bedächtig einen Fuß vor den anderen zu setzen, winzige Schritte nur noch zu machen. Er konzentriert sich darauf und wagt gleichzeitig noch einmal, aufzublicken. Da sieht er neben sich, vor sich und hinter sich unendlich viele Doppelgänger seiner selbst, die wie Spiegelfiguren seiner eigenen Person just im Moment gerade aufblicken. Er sieht ihnen in die Augen und merkt gleichzeitig, dass er sich selbst in die Augen sieht. In diesem Moment versagen seine Beine und die aller Kopien seiner selbst und sie bleiben alle stehen. Er kann sich nicht mehr von der Stelle rühren und ist wie gelähmt. Vor ihm tut sich ein schwarzer Graben auf, unendlich tief. Es gibt nun kein Vor und Zurück mehr: er starrt abwechselnd in das Loch vor sich und in sein eigenes Auge, das ihm milliardenfach anblickt. Wen? Ihn? Wer? Er?"

Samstag, 26. Januar 2019

Die Töne (Lyrik Ludwig Tieck)

Die Töne (Ludwig Tieck)


Siehst du nicht in Tönen Funken glimmen?

Ja, es sind die süßen Engelstimmen;

In Form, Gestalt, wohin dein Auge sah,

In Farbenglanz ist dir der Ew'ge nah,

Doch wie ein Räthsel steht er vor dir da.

Er ist so nah' und wieder weit zurück,

Du siehst und fühlst, dann flieht er deinem Blick,

Dem körperschweren Blick kann's nicht gelingen

Sich an den Unsichtbaren hinzudringen;

Entfernter noch, um mehr gesucht zu sein,

Verbarg er in die Töne sich hinein;

Doch freut es ihn, sich freyer dort zu regen,

Die Liebe heller kömmt dir dort entgegen. –

Das war ich ehmals, ach! ich fühl' es tief,

Eh' noch mein Geist in diesem Körper schlief.

Freitag, 25. Januar 2019

Alle Macht dem Staate

Dass der Staat die einzig legitimierte Institution und deswegen zu nahezu allem berechtigt sei, daran scheinen Teile des linken Spektrums der Politiklandschaft zu glauben. Zweifel kommen einem da immer wieder, wenn man wahrnehmen muss, mit welcher Ignoranz und Brutalität die Behörden per Erlasse, Verfügungen und Bescheiden mit einem umgehen. Sie glauben sich tatsächlich zu allem berechtigt und befähigt. Ja klar, wir haben einen Rechtsstaat. Man kann sich wehren. Doch das erscheint im Alltag nur ein theoretisches Recht, denn Konzerne und große Institutionen fahren Rechtsanwälte gegen einen auf, die einen mit Auftreten, Attitüden und Drohungen beeindrucken wollen. Das Blöde: Man weiß als gemeiner Bürger nie, wie weit man gehen kann. Man kann die Lage schwer einschätzen. Dies führt dann meist zu Rückziehern gegenüber jenen, denen der Staat, - wie jetzt bekannt wurde - sowieso große Steuervorteile einzuräumen bereit ist und dies mit dem scheinbar geheiligten „Wettbewerb“ begründet. Es lohnt sich sehr, zu diesem Thema die Werke Franz Kafkas zu lesen, obwohl dieser Schriftsteller schon 100 Jahre tot ist. Seine Bilder sind aktueller denn je... Ich habe heute die Aufforderung zur Zahlung einer nicht unerheblichen Summe zugeschickt bekommen. Im Bescheid waren nur Abkürzungen verwendet worden, die ich nicht verstehen oder deuten kann. Also will ich unter der angegebenen Telefonnummer Auskunft dazu, komme aber auch nach mehrmaligen Versuchen nie durch: „Belegt“, so das Tüt-Zeichen des Telefons.

Mittwoch, 23. Januar 2019

Träger der Zeit

Ich habe die Band Steely Dan gleich am Morgen aufgelegt. Ich merke, wie mich das emotional auflädt. Wie mich das „scharf stellt“. Ich versuche, mich Jahrzehnte zurück zu dehnen: Da war kein Handy-Druck, die Welt stand einem noch so offen, dass diese Klänge, die da aus einer neuen Welt herüber wehten, krass dazu passten. Wie sie das so filigran damals schon zusammen gebracht haben!....ich staune noch heute. Nicht die schnelle Lösung, sondern die gehärtete, sie suchten die tausendfach geprüfte Version. Sie suchten und fanden. Ich suchte und fand nichts. Bei ihnen gab es keine Notwendigkeit zu solieren, - und wenn doch, dann auf allerhöchstem Niveau! Diese scheinbar geraden Rhythmen, die schon auf „Do it again“ angedeutet waren, die waren wohlausgedacht, kreativ gefunden und boten dann doch (Live-Aufnahmen aus dieser Zeit!!!) Platz für das Chaos. Dieses überall vorhandene Understatement, das es nicht nötig hat, zu imponieren! Wie hat mir das imponiert!
Walter ist unlängst gestorben und ich hoffe, dass Donald das Projekt weiterführt. Er selbst hat auch sehr beachtliche Soloalben zustande gebracht, er war Teil des Rezepts und des Konzepts. Die Band ist ja als Steely Dan sehr in Schuss und verkörpert souverän die Krone der Rockmusik. Dieser Sound! Er ist gehärtet nach allen Regeln der Kunst und gleichzeitig von Ironie und Surrealismen durchstochen! Sie haben damals das musikalische Paradoxon geschafft. „Hey Nineteen, that's Aretha Franklin....“: Die Zeile klingt in meinen Ohren und umschmiegt aus heutiger Sicht mehrfache Zeitverschachtelungen, deren Signaturen auch Namen sein könnten. Lakonisch auf den Punkt gebracht. Da sind diese sehr durchdachten und toll gemachten Gitarrensoli, stechend dazwischen. Wie schön! Diese Stimme, die nicht gerade in der Art eines Rock-Buffo (anfangs überließ Donald den Job gelegentlich noch externen Sängern...) immer mehr hinein wuchs in dieses Projekt. Die Kühle, die sie später alle „Coolness“ nannten, sie war nicht Attitüde, sondern notwendige Folge ihres Ansatzes. In ihrem Studiosound gab es keine scheinbar hitzigen Rockschlachten, die emotionale Energie der Hörer abführen sollten. Sie zeigten nur ganz klar auf sich in ihrer Musik, die Emotion war durch den Fleischwolf gedreht, in musikalische Strukturen überführt und gestaltet. Sie zeigte auf das Objektive, auf das Absurde. Die Eitelkeiten hatten darin wenig Platz. Gary Katz gab den Produzenten, Roger Nichols den Toningenieur. Was für ein Glück, das sie so gut zusammen passten! Ob sie die Art prägten, wie Donald seine Stimme durch Chorarrangements auflud? Ich höre die Zeile „Satisfy my Soul....“ Ob das heute noch ein Wert ist? Befriedigung der Seele? (mehr auf "ubpage.de")

Montag, 21. Januar 2019

Warnung! (vor journalistischen Unzulänglichkeiten...)

Es geht bei vielen Postings in diesem Blog womöglich um Perspektiven, denen jeder unterliegen kann. Dabei spielt meine Person keine oder eine sehr geringe Rolle. Dies hier ist kein intimes Tagebuch! Das zu beachten bei der Lektüre ist sehr wichtig. Ich fühle mich auch als Schreiberling eher als Beobachter und stelle ja von der Seitenauslinie auch viele Fragen, auf die ich selbst keine Antwort weiß. Auch sie könnten sich jedem stellen. Es hat mit meiner Person nichts zu tun, ohne dass ich die bequeme Position jener Politiker einnehme, die er klären, dass die Entscheidung zwischen richtig und falsch nicht von ihrer Person abhänge. 1.) werde ich nicht von der öffentlichen Hand bezahlt 2.) habe ich keine „wichtigen“ Entscheidungen zu treffen. Nein, ich fühle mich als Teil von etwas Anderem, - was auch mit meinem Studium der Soziologie zu tun haben könnte.
Ich zeichne ein Bild, das - und das ist die Pointe! - nicht zutreffend sein muss. Ich nehme einfach nur Informationen, Anstöße, Fragmente auf und gebe sie wider. Es geht um ein Stochern im Nebel anhand gewisser Fakten, - so, wie es vielen anderen Personen geht. Es erhebt die Information in meinen Posts keinen Anspruch auf absolute Gültigkeit. Sie ist vielmehr die Wahrnehmung einer Möglichkeit, einer Perspektive und Ansicht auf eine Gegebenheit, der wir ausgesetzt sind. Ich versuche aufzunehmen, dass es nicht mehr so einfach ist, zu entscheiden, was richtig und falsch sei. Einst und in der Aufklärung, - bis jetzt! Einst nahm diese Rolle die Wissenschaft wahr. Doch sie scheint inzwischen von vielen Seiten her korrumpierbar und interessengeleitet. Grund zur naiven Wissenschaftsgläubigkeit bietet sie in letzter Zeit jedenfalls relativ wenig. Politische Entscheidungsträger sollten sich auf die Wissenschaft stützen, heißt es oft. Doch unter diesen Bedingungen könnte dies ein schwieriger Job sein, zumal auch die Politik selbst (z.b. EU) Einflussnahmen unter bestimmten Interessen ausgesetzt ist. Dass sich diese als wissenschaftlich kaschiert hat, ist inzwischen bekannt. Untersuchungen werden nahezu beliebig gekauft, wissenschaftliche Titel haben (nur) ihren Preis. Der Publikationszwang unter Wissenschaftlern und die Praxis wissenschaftlicher Fake-Verlage andererseits, scheinen hier zudem ungünstige Einflüsse auszuüben oder versuchen offenbar mit einigem Erfolg sich dies zunutze zu machen.
Andere meiner Postings in diesem Blog sind hingegen sehr subjektiv, zeichnen ein Bild aus meinen Augen, sind von mir gefärbt und getränkt. Sie kommen aus dem Subjektiven, könnten genau darin jedoch etwas Allgemeingültiges haben, etwas, was sich verlängern ließe ins Gesellschaftliche. Ich wechsle also die Perspektiven, fühle mich tatsächlich auf einer „Reise durch die Wirklichkeit“.

Sonntag, 20. Januar 2019

Sportübertragungen

Es ist viel die Rede von “Favoritin“, „Queen of speed“ oder „Leading chair“ bei den in den vergangenen Wochen grassierenden Sportübertragungen, die stets mit einem falschen Lächeln präsentiert werden (Immer eine Spur zuviel. Ob diese Sportleute nicht ganz so professionell sind?). Die Akteure selbst scheinen extrem in ihren eigenen Kokon verstrickt, in ihre Filterblase verwickelt, was sie bei den entsprechenden Interviews auch ausgiebig kund tun und dazu die einschlägigen Artikel der Industrie hoch und in die Kamera halten. Diese Sportler (und nur diese!) sollen für einen Manager gut sein und ein Invest solle sich lohnen, so hörte ich nebenbei. Es geht bei diesem Sport der sich möglichst schnell bewegenden Werbeflächen wohl um Selbstoptimierung und Selbstvermarktung, kein Zweifel, es geht um Gewinner und die Motivation, das zu werden, - sich zu optimieren. Es gilt "aufs Treppchen" zu kommen, aufs Podium, um sich als Verkörperung von Leistungsfähigkeit anbeten zu lassen. Dass dabei gelegentlich etwas von Doping heraus kommt: Naja. Die Fanclubs halten dazu auch schon ihre Transparente hoch: Poster der Verehrung. Was wird hier angebetet? Tatsächlich die Leistung? Sind diese Leute nicht alles in allem auch Schrittmacher für die Wintersportregionen der Touristikindustrie, die mit diesen Veranstaltungen schon von alters her ein „Event“ bieten kann? Ich höre auch dauernd Formulierungen wie „Vollgas geben“ oder „den Turbo zünden“. Ob das so richtig zeitgemäß ist angesichts von massiven Abgasproblemen? Ob wir da nicht ein bisschen zu volkstümlich oder populistisch werden?

Samstag, 19. Januar 2019

Altern

Auch wenn mit dem Alterungsprozess viele körperliche und geistige Funktionen abnehmen - mit dem Altern steigt auch die Lebenserfahrung: Nicht umsonst werden viele ältere Menschen auch als "weise" bezeichnet. Doch schon äußerlich ist alten Menschen ihr Alter oft anzusehen (was sich in naher Zukunft ändern dürfte...) . Es scheint wie ein Spiegel des „inneren“, seelischen Alterns zu sein. Wenn wir nun aber das innere Altern aufhalten, wird auch das Äußere so sein, als „Spiegel“ - so die Annahme. Dazu gilt es nur, die Maschine Mensch etwas perfekter zu machen. Die Fehler, die sich im Genom mit dem Altern häufen, müssen repariert werden, die Stoffwechselprodukte in und außerhalb der Zellen entfernt werden....und so weiter, ein paar dieser technischen Eingriffe und das Altern wäre gestoppt, Dazu braucht es aber eine Änderung unseres Menschenbildes, so die Annahme. Der Mensch ist eine Maschine, das heißt eine Ansammlung von Informationen. Es gilt nun, meine Identität auf einem Apparat zu speichern. Mit diesem Apparat werden wir uns austauschen, so, dass er uns immer ähnlicher wird. Eines Tages wird dieser Apparat ein Bewusstsein haben. Wir könnten mit ihm körperlos (und beliebig speicherbar, kopierbar...) durch die Ewigkeiten zu treiben, das Universum erkunden. Dies könnte eine Zukunft ohne Tod bedeuten: Unsterblichkeit. Es liegt wohl alles in Gottes Händen. Sich von der Welt verabschieden und sterben.

Freitag, 18. Januar 2019

Marktrituale

Ja muss denn die gesellschaftliche Spreizung so groß sein, dass Spitzenmanager Gehälter im solide zweistelligen Millionenbereich beziehen und gewählte Volksvertreter da offenbar gerne mit allen Mitteln mithalten würden, während die untere Einkommensschicht nicht weiß, wie sie den finanziellen Alltag bewältigen soll? Ob etwa 2 % der Bevölkerung ungefähr 50 % des verfügbaren Einkommens besitzen müssen? Das diktiert der Markt, so lautet oft die Argumentation. Ist aber „der Markt“ etwas ungestaltbares Gottgegebenes oder wäre er bei entsprechendem politischem Willen beeinflussbar? Ja gewiss, ist die „Verantwortung“ ein Kriterium, nach dem sich der Lohn bemessen könnte. Aber rechtfertigt das solche Gehälter, erst recht, nachdem bei einschlägigem Misserfolg auch heftige Abfindungssummen und Pensionen bezahlt werden? Ob das alles „der Markt“ diktiert, das Angebot und die Nachfrage? Ob es solche Individuen dermaßen wenige gibt, so dass sie ihren Preis mehr oder weniger selbst bestimmen können? Was ist das „gewisse Etwas“, was diesen Preis bestimmt? Ist es Gerissenheit, die in so etwas wie „Durchsetzungsfähigkeit“ mündet? Gehört Egoismus und Narzissmus dazu? Klar ist, dass Märkte innerhalb von Regeln stattfinden, die gestalt- und veränderbar sind. Auch durch Gesetze und steuerliche Regulierungen. Zu behaupten, dass ein Markt gut funktioniere, scheint nur innerhalb eines gewissen Rahmens möglich zu sein. Der „freie Markt“ solle es richten, so das offizielle Credo. Doch dieser „freie Markt“ ist ja auch schon das Resultat gewisser Überlegungen und Voraussetzungen. . Ob die gegenwärtigen gigantischen Ungleichheiten und Verzerrungen angesichts dessen zwangsläufig sind? Ob sich der Kreis der Topmanager vor allem aus bestimmten gesellschaftlichen Kreisen rekrutiert. Wem werden solche Jobs angeboten? Ob dabei so etwas wie Chancengleichheit herrscht?

Donnerstag, 17. Januar 2019

Entwicklung und Überwachung

Der Entwicklungshilfeminister Gerd Müller von der CSU
sagte jüngst (im September 2018) im Bundesreichstag: „Wir könnten 50 000 Dorfapotheken in Afrika zum Preis eines einzigen Militärjets umsetzen. Und mit einem Prozent der Rüstungsausgaben könnten wir alle humanitären Bedarfe, Krisen, Katastrophen, Hunger, Not – vom Jemen, Bangla Desh die Rohyngas, Tschad bis Venezuela lösen.“ Wir wissen weithin solche Dinge....und schaffen nichts. Die EU hat inzwischen vielen Staaten Afrikas Freihandelsabkommen angeboten. Wer nicht annimmt, darf mit Strafzöllen rechnen. Europäische, teilweise subventionierte Waren überschwemmen auf diese Weise die afrikanischen Märkte und ruinieren die einheimische Infrastruktur. In Deutschland erscheint die Entwicklungspolitik einigermaßen unkoordiniert. Beteiligt sind die Ministerien, des Äußeren, der Finanzen, der Wirtschaft und das Entwicklungshilfeministerium. Privatinvestition sollen es hier richten, nach dem Modell der Partnerschaft zwischen privaten Investoren und dem Staat, was unter anderem zum Finanzdebakel um die Elbphilharmonie in Hamburg geführt hat. Es soll um die „Liberalisierung“ der Finanzmärkte gehen, Reduktion der öffentlichen Ausgaben und um die Privatisierung staatlicher Firmen. Dies soll afrikanische Märkte für Investoren anziehend machen. Garantien dafür gibt es allerdings nicht. China hingegen, die wohl auch nicht gerade die Wohltäter der Entwicklungspolitik sind, wollen einigermaßen geradlienig den Austausch von Infrastrukturprojekten und Rohstoffen, wobei es relativ  erfolgreich zu sein scheint. Überwachungstechnologie und technisches Gerät zur Grenzsicherung will Europa an Afrika verkaufen, womit vor allem Flüchtlingswellen vermeiden werden sollen. Überhaupt scheint diesem strategischen Ziel alles andere untergeordnet zu werden, wobei klar ist, dass der globale Handel auf Menschenrechte wenig Rücksicht nimmt. Menschenrechte sind etwas, was bei Politikern vor allem in Sonntagsreden vorkommt. 


Mittwoch, 16. Januar 2019

Creatura (Text ub)


CREATURA

Du bist Ich und ich bin Du, lass uns miteinander sein
wir sind ihr, und ihr seid wir, kommt wir probieren's aus
Schwarz und Weiß, Links und Rechts, gehen über sich hinaus
nah und fern, Tag und Nacht, vorübergehend eins

Du reibst dir die Augen
und denkst: das kann nicht sein
das sind nur Seifenblasen
das bildest du dir ein

Wasser liebt Feuer, Himmel küsst Erde, Herz umarmt Verstand
warm und Kalt, außen und innen, gehen zusammen nach Haus'
in uns heraus, aus uns hinein, tauschen wir uns aus
Licht und Dunkel, Seele und Körper, gehen Hand in Hand

Was kostet das Tauschen,
was ist dir das wert?
Wer kann sich so vergessen,
was soll das Hin und her?

(ub aus den 80ern)

Dienstag, 15. Januar 2019

Krieg und Drogen

Ob wir uns vorstellen können, dass es nahezu keine Kriege der Neuzeit gab, in denen nicht Drogen eine große Rolle spielten? Von den Mayas und ihren Opferritualen ist das ja bekannt. Präzise Kalender, Schriftzeichen, Kulte, Astronomie usw. ...aber auch Drogen. Und all die anderen? Ob es einem Menschen leichter fällt, einen anderen blutig umzubringen, wenn er Drogen und Aufputschmittel genommen hat? Aus was wohl der Zaubertrank von Asterix und Obelix genau bestanden hat? Ob die psychischen Belastungen nach blutigen Auseinandersetzungen mit Beruhigungsmitteln nicht leichter zu weg zu stecken sind? Nun ja, schon Alexander der Große soll seine Mannen mit Opium bei Laune gehalten haben. Auch bei den alten Römern war das Konsumieren von Drogen womöglich beliebt. Und die Völker des Altertums? Die konnten mit den Wirkungen der Drogen offenbar so umgehen, dass sie sie gezeilt für ihre Zwecke einsetzten.
Es scheint so, dass beispielsweise die Phönizier sich als frühe Dealer gerierten, indem sie für den Nachschub an Drogen sorgten und sich dafür von jenen honorieren ließen, die entsprechend zahlen konnten. Die geborenen Händler, englisch „Dealer“. Auch deuten gewisse Ausgrabungen bei den alten Ägyptern auf den Einsatz von Drogen hin. Der Schlafmohn als Produzent des Ausgangsstoffes von Opium und später Heroin scheinen etwas „under the table“ geradezu vergöttert worden zu sein. „Trank des Vergessens“ gegen alle Unbill des Krieges: Opium, in Wein aufgelöst. Beinhartes Zeug. Euphorie. Angsthemmer. Die Germanen tranken nur Bier, allerdings meist versetzt mit psychoaktiven Essenzen. Im zweiten Weltkrieg kamen wohl Kokain, Speed und Pervitin zum Einsatz, wobei das Pervitin unter anderem das Durchhaltevermögen stark forciert und deshalb wohl in ganz großen Stil zum Einsatz kam. Drogen machten halt gefügig und zu jeder Schandtat bereit. Sogar Crystal Meth war offenbar schon unterwegs. Extrembelastungen aushalten. Dinge tun, die man bei klarem Verstand nie tun würde. Drogen scheinen den Menschen über sich hinaus zu führen. Das kann, die Suchtgefahren einmal ausgeklammert, in Richtung von etwas Positivem oder etwas Negativem sein. Die alten Hippies waren verrückt nach etwas, was man „Bewusstseinserweiterung“ nannte. Die sehr agressiven Gefahren wurden da gerne mal ein bisschen ausgeklammert oder romantisiert. Jedenfalls scheint der Mensch auch auf diesem Wege aus sich selbst heraus kommen zu wollen, um sich zu entgrenzen, sein Bewusstsein zu erweitern und jene „übernatürliche“ Lust zu empfinden, die alles andere überlagern kann. Wie das wohl heute aussieht? Ob es Doping in verschiedenen Formen gibt? 

Montag, 14. Januar 2019

Fake News

Fakten? Scheinen gar nicht so leicht als solche erkennbar zu sein. Sicher, sie sollten gut recherchiert sein. Doch was ist das? Sind die so recherchierten nicht auch eingebunden in ein bestimmtes Interesse? Ob es am Ende gar um ein „Mehr oder Weniger“ geht, bei dem ich den Gegebenheiten nur auf der Spur bleiben kann, indem ich mehreren Medien und deren Standpunkten auf der Spur bin? Es wird im öffentlichen Raum so gerne von „Rationalität“ und „Wissenschaft“ geschwafelt. Ob aber eben diese Bereiche nicht durch ihre Käuflichkeit, durch ihre Korrumpierbarkeit zu eben diesem Verschwimmen zwischen behaupteter und tatsächlicher Wirklichkeit beigetragen haben? Hat nicht die Ökonomisierung alle Lebensbereiche (einschließlich der "Wissenschaft") eben dieses Verschwimmen herbei geführt? Behauptet nicht jede Werbeagentur etwas, was so nicht stimmt? Handelt sie deshalb verantwortungslos, schändlich und unredlich? 
Ich habe diese Worte in diesem Zusammenhang gehört und muss sie (ob ich das will, steht auf einem anderen Blatt...) als zutiefst moralingetränkt zurückweisen. 
Will nicht gerade die Wissenschaft mit diesen Bereichen nichts zu tun haben? Gerade die Politik scheint sich, freundlich formuliert, einer gewissen Unsicherheit auf diesem Bereich bemächtigt zu haben. Ob „Fake News“ nicht eine gewisse Folge dieses Trends zur Beliebigkeit und Interessengeleitetheit sind? Politik handelte lange Zeit mit Wirklichkeitsbeschreibungen, die die meisten Leute für bare Münze nahmen, erst recht, wenn ihnen das Mäntelchen der Wissenschaftlichkeit umgelegt wurde. Doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Das selbst gewisse Statistiken in einem gewissen Interesse erst erhoben und dann verbreitet werden, hat sich längst herum gesprochen. Auch "Wissenschaft" scheint längst käuflich geworden zu sein. 

Freitag, 11. Januar 2019

Talkshow

Nach dem Ansehen einer Talkshow, die pro forma von den Schrecken der bevorstehenden Entwicklungen handelte, glaube ich gewisse Strukturen zu erkennen, die sich durch solche Veranstaltungen ziehen. Meist scheint es sich dabei um eine Runde relativ abgehobener Personen (oft Politiker, diese netten Kerle! Frauen gibt es offenbar relativ wenige….doch auch relativ fortgeschrittene Plauderstündchen sorgen hier für Ausgleich) zu handeln, die im Sinne der gerade existierenden Gesellschaft „erfolgreich“ sind. Es sind also Leute, die sich den Blick „von oben herab“ leisten können und die dadurch keinerlei materielle Nöte plagen. Last but not least sind sie durch die Umsätze ihrer Bücher als „erfolgreich“ legitimiert, die sie als - für mich etwas fragwürdige - „Experten“ ausweisen sollen. Oft formulieren sie in diesen Büchern einigermaßen steile Thesen, die sie dann in solchen Runden „dem blöden Volk“ glauben erklären müssen. Sie fahren selbstverständlich mit der Bahn (keineswegs mit dem Auto!...) zu solchen Terminen, wobei man sich fragen könnte, ob eine Bahn auch von irgendetwas angetrieben sein müsste und ob solches Antriebsmittel ein ziemlich umweltschädlich gewonnener Strom sein könnte. Auch „den Flieger“ zu nehmen dürfte kritische Fragen provozieren. Falls sie irgendwelche Verspätungen betreffen, diese "wichtigen" Personen, so zücken sie ihr Smartphone und sagen Bescheid. Dass in eben diesem Smartphone Bauteile verbaut sind, für das Arbeiter in afrikanischen Staaten für einen miesen Lohn unter sehr fragwürdigen Umständen Rohstoffe gewinnen müssen, die dann von den Mächtigen ihres Staates unter sehr fragwürdigen Umständen verhökert werden, kommt bei ihnen erst gar nicht ins Blickfeld. Aber sich telegen für eine bessere Welt einsetzen, in der solche Staaten nicht mehr ausgebeutet werden!

Donnerstag, 10. Januar 2019

Liebe zum Nichts (Charles Baudelaire)

Liebe zum Nichts (Charles Baudelaire)

Du trüber Geist, einst voller Kampfverlangen,
Die Hoffnung spornt nicht mehr den trägen Mut,
Streck' dich nun hin, verbirg die Schamesglut,
Ross, dessen Hufe vor dem Sprunge bangen.
Schweig, Herz, gib dich in dumpfem Schlaf gefangen!
Geschlagner Geist, besiegter Tunichtgut,
Die Lust an Streit und Liebe ist vergangen,
Lebt, Flöten, wohl, und Saiten, die verklangen!
Versuch nicht, Lust, dies trotzig trübe Blut!
Für mich verlor der Frühling Glanz und Glut!
Wie Eis und Schnee den Leib, den sie umschlangen,
Verzehrt die Zeit mich mit der zähen Flut;
Stumm nun der Erdball mir zu Fassen ruht,
Ich trag nach Schutz und Hütte nicht Verlangen!
Lawine komm, im Sturz mich zu umfangen!

Mittwoch, 9. Januar 2019

Späte Notizen (Text)

Wenn man auf die Kindheit zurück blickt, denkt man: „Wer zum Teufel war das?“
Es zieht sich etwas durch. Was?
Man will in anderen Welten spielen. Tagträumen. Man hat viele Jobs gemacht, um Geld zu verdienen.
Ob man gescheitert ist? Was ist gelungen?
Was bleibt? Ich war nicht gut genug. Jeder, der etwas erreichen will, muss sich verbessern können. Ich konnte das nicht passend
Glück macht keine gute Geschichten, es ist momenthaft, Pointilistisch würde der Kunstmensch sagen....: erst aus der Entfernung sieht man den größeren Zusammenhang
Momente sind sehr schwer zu beschreiben....
Unglück sind richtige Handlungen
Paris, in dieser großen Stadt kann man sich verlieren
wir spiegeln uns im Menschen, sind soziale Wesen
ob das Bedürfnis nach Nähe und Verschmelzung tatsächlich so stark ist? (Sex)
es braucht einen kalten Blick für einen Schriftsteller
Inszenierung wäre Selbstschutz
„Wir lachen und weinen über dieselben Dinge...“
es gilt, sich selbst nicht so ernst nehmen
Etwas traumhaftes
Gleichgültigkeit an sich heran lassen
Die Sinnlosigkeit des Lebens akzeptieren und trotzdem nicht aufgeben
in einer Welt, in der man aufgegeben hat, den Sinn zu sehen
sich ergeben darin, sterben zu müssen, - ohne passiv zu werden

Montag, 7. Januar 2019

Arbeitsmarkt und Alter

Es scheint mir auch eine harte Trennlinie im Bereich des Alters zwischen den gesellschaftlichen Schichten zu verlaufen. Wer zu alt für diesen „Arbeitsmarkt“ ist, hat auf diesem „Arbeitsmarkt“ keine Chance, trotz „Facharbeitermangel“, der ja nur die sogenannte „technische Intelligenz“ oder „kaufmännische Intelligenz“ zu betreffen scheint. Er sollte möglichst schnell verrecken und nicht den anderen (die ja dies Angebot der gegenseitigen Ausspielung so gerne annehmen und dabei auf einen überall praktizierten Jugendkult zurück greifen können), „auf der Tasche liegen“, es sei denn, er gehört einer bestimmten gesellschaftlichen Klasse an, die glaubt, im Einklang mit einer öffentlich ausgegebenen Idiologie über andere bestimmen zu sollen. Die aus den Schlachten der Globalisierung hervor gegangenen Herrenmenschen. Älter werdende Gesellschaft? Drohende Altersarmut? Iwo…...bis dahin haben wir noch viel verdient. (wer ist überhaupt „Wir“?) Obdachlosigkeit? Kann man ja noch eine Weile verdrängen…..Womöglich kann man daran knüpfende Entwicklung ohnehin nicht so leicht in die Zukunft verlängern. Es könnte ja noch einiges dazwischen kommen….. auch Klimakatastrophen, die ja jetzt gerade so in Mode sind. Oder „Künstliche Intelligenzen“, die ja gerade so gerne gespielt werden. Oder Intelligenzen der jetzt im Moment existierenden Menschen: Nicht zu unterschätzen…….

Sonntag, 6. Januar 2019

Lebe wohl (Eduard Mörike, 1804-1875)

Lebe wohl (Eduard Mörike, 1804-1875)

„Lebe wohl“ - Du fühlest nicht,
Was es heißt, dies Wort der Schmerzem;
Mit getrostem Angesicht
Sagtest du's und leichtem Herzen

Lebe wohl! - Ach tausendmal
Hab ich mir es vorgesprochen,
Und in nimmersatter Qual
Mir das Herz damit gebrochen!

Samstag, 5. Januar 2019

Daten, Taten, Realitäten

„Datenklau“? „Datenleck“? „Hacking“. Die Empörung in Deutschlands Winter scheint groß. Die dabei zugrunde liegenden Gesetzesbrüche sind natürlich auf das Schärfste zu verurteilen. Das geht gar nicht. Das Erheischen von Aufmerksamkeit wurde bei der Aktion sofort als Motiv unterstellt. Alles muss gedeutet werden. Klar, so ist‘s in der Mediengesellschaft! Was einen aber fassungslos macht, ist die vollkommene Ahnungslosigkeit und Unfähigkeit, die einige fett bestallte Entscheidungsträger in den Behörden hierbei an den Tag zu legen scheinen und dazu auch noch öffentlich darüber spekulieren, was wohl die Motive solcher unverschämten Datentaten sein könnten. Erpressung kann es nicht gewesen sein, so die Aussage. Das biete zu wenig Potential, so klingt mir noch eine in den Nachrichten verbreitete Aussage in den Ohren. Das alles kann so nicht wahr sein!
Es könnte hinter dem „Datenklau“, der so in vielen Ländern der sogenannten entwickelten und durchdigitalisierten Welt hätte stattfinden können und noch stattfinden wird, auch die  „Wikileaks“ vermutete Logik stecken: Die scheinbaren „Eliten“ prägen das Profil dieser Wirklichkeit in dieser historisch so entstandenen Welt. Sie sollen wohl bloßgelegt werden, ihnen soll offenbar die Selbstverständlichkeit, der Schein und die „Normalität“ entzogen werden, mit der sie uns in ihrer Rolle begegnen. Eine andere und stark durch das Internet geprägte „Transparenz“ sollte dabei wohl demonstriert werden. Es soll wahrscheinlich „eine Ebene dahinter“ gezeigt werden, die offen legt, dass hier auch nur Menschen am Werk sind, die mit teilweise alltäglichen, aber auch niederen Motiven umgehen müssen. Die offenbar von Gier getrieben sind, auch wenn sie das „offiziell“ nie zugeben würden. Die sich etwa mit ihrer Familie und vielen damit verbundenen Alltäglichkeiten auseinander setzen müssen. Die sich fürstlich bezahlen lassen, auch und gerade wenn sie nach außen soziale Grundsätze vertreten und „eine gewisse Gleichheit“ predigen. Selbstverständlich sind in dieser Mediengesellschaft auch „Prominente“ Träger dieser speziellen Wirklichkeitsversicherung. Sie repräsentieren mutmaßlich ein System, dass sich in seiner bräsigen Stabilität offenbar einen ganzen Käfig voller „Hofnarren“ leisten kann. Klar ist: Demokratie kann nicht ohne Trennung von Privatem und Öffentlichem bestehen. Bingo. (Die öffentlich praktizierte Politik samt gewisser Gewohnheiten von Konzernen mögen einem da gewisse Zweifel auferlegen....) Doch gerade Politiker treten uns oft mit „Homestorys“ und ähnlichen Annäherungsversuchen an ihr Privates entgegen, wollen der Öffentlichkeit dies als Gewähr für ihre menschlichen Qualitäten „verkaufen“, für Authentizität. Natürlich wollen sie selbst bestimmen, wie weit das Interesse der Öffentlichkeit an ihrer Person gehen darf. Dass das technisch auch an anderer Stelle nicht immer möglich ist, mag nicht überraschen. Dass in gewissen Zusammenhängen auch das „Private“ solcher Personen von Interesse sein könnte, etwa, wenn ganz im konservativen Sinne von gewissen Politikern eherne „Gesetze“ der Familie gepredigt werden und im Privaten eben diese „Gesetze“ von genau derselben Person alltäglich gebrochen werden, dann kann das für eine gewisse Doppelmoral sprechen und gerade im öffentlichen Sinne durchaus entlarvend sein.

Freitag, 4. Januar 2019

Identität und Konsum

Die Wirtschaft könnte laut offiziellen Prognosen im Jahr 2019 in Mitteleuropa, insbesondere in Deutschland, nicht mehr so toll laufen. Die Ängste vieler Deutscher könnten sich also bestätigen: sozialer Abstieg und Verlust an Persönlichkeit? Es könnte weniger gekauft, also konsumiert werden. Nun ist es aber so, dass viele Menschen wohl in Mitteleuropa ihre Identität an den Konsum, an das Kaufen, geknüpft haben. Sie wollen sich darin ausdrücken, was sie gekauft haben, mit welchen Gegenständen sie sich umgeben. Laut statistischen Angaben hat jeder Deutsche etwa 10 000 Gegenstände. Mit ihnen umgibt er sich also ohnehin. Woher wohl all die dafür notwendigen Rohstoffe kommen? Aus welchen Arbeitsbedingungen sie wohl resultieren? Noch glauben wir, solche Fragen stellen zu dürfen. Doch auch hier deuten die Zeichen der Zeit in eine andere Richtung. Rücksichtsloser Egoismus scheint angesagt. Zuerst ich, dann die Anderen, so scheint deren Motto. Ganze Staaten verfolgen ihr Interesse, indem sie Menschen rücksichtslos für ihre Vision ausbeuten. Immer mehr scheint ein solches Verhalten akzeptiert zu werden. Autokraten und autoritäre Figuren geben dem Ganzen ein Gesicht, stehen dafür....
Hier in Deutschland war zuletzt eine zeitliche Phase gegeben, in der so viel konsumiert wurde wie noch nie. Es scheint so, als würden Konsum und Identität miteinander stark zusammen hängen. Es wird dadurch unter anderem gesellschaftlicher Status gezeigt. Eine uralte Erkenntnis, gerade für diejenigen Menschen, die in einem konsumkritischen Klima aufgewachsen sind und dadurch auch viel ihrer Identität bezogen haben. Man grenzt sich durch Konsum voneinander ab, zeigt seine Zugehörigkeit zu einer Gruppe, Gefühle werden gezeigt, persönliche Eigenheiten demonstriert, Glück gesucht. Schon un- oder vorbewusst werden wir „programmiert“, bringen Glücksgefühle und Konsum in Verbindung, - was besonders die Werbung für ihr Zwecke ausnutzt.
Ob das auch aus unserer Vorgeschichte kommen könnte? Möglichst viel möglichst schnell zu raffen, brachte schon früher Erfolg. Zugreifen, so schnell es geht, war wohl schon unter Urmenschen eine Devise, brachte ein Überleben in karger Umwelt. Doch das hat sich längst geändert: wir umgeben uns mit überflüssigen Dingen, die wir scheinbar billig erstanden haben. Marketingspezialisten versuchen dafür unseren Gefühlen und unseren Gewohnheiten auf den Grund zu kommen und sie für ihre Zwecke zu nutzen. Kaufen ist nicht nur um Mittel der Darstellung einer Identität, sondern auch oft zum Freizeiterlebnis geworden. Massenkonsum ist angesagt. Auch das Internet hat jüngst wohl zu beigetragen.

Donnerstag, 3. Januar 2019

Populismus (8)


Das Blöde ist doch, dass Populisten in manchen Fragen gewisse Schwächen der Demokratie kritisieren und aufnehmen, die meiner Einschätzung nach tatsächlich existieren. Sie haben es auch auf diese Weise leicht und kommen zu einfachen Lösungen, die es so vielleicht gar nicht gibt. Beim Populismus scheint es mir aber immer darum zu gehen, zu erklären, zu behaupten, zu definieren: Wer gehört dazu, wer gehört nicht dazu? Die Soziologie würde vielleicht dazu sagen: In- und Outgroups zu definieren. Dies führt dann auch geradewegs zur Behauptung einer kollektiven Identität: Die Deutschen, die Amerikaner, die Ungarn ...usw. Gerade in heutigen Zeiten erscheint dies relativ fragwürdig. Und: Wer etwas anderes behauptet, hat Unrecht. Populisten kritisieren, wenn sie in der Opposition sind, immer diejenigen, die gerade die Macht ausüben. Das wird dann gerne damit verquickt, dass diese Mächtigen mit den gerade herrschenden Eliten "gemauschelt“ haben und sich auf diese Weise abgesichert haben. Solche Unterstellungen bewegen sich oft gefährlich in der Nähe von Verschwörungstheorien. Die Behaupten häufig, dass sie (und nur sie!) das vertreten, was Populisten gerne als „schweigende Mehrheit“ oder einfach „das Volk“ nennen. Das heißt, das alle anderen grundsätzlich illegitim seien und unrecht hätten. (Häufige Behauptung: die seien alle korrupt, arbeiteten nur für sich selbst etc....) Nur man selbst habe in jedem Falle recht. All diejenigen, die die Populisten nicht stützen und ihre Meinung nicht teilen, sind fragwürdig. Ergo könnte es auch sein, dass sie „nicht dazu gehören“. Nur sie, die Populisten, sprechen „für das Volk“. Populisten werfen denjenigen vor, die nicht gleicher Meinung sind, etwa im Falle von Donald Trump, „unamerikanisch“ zu sein, also nicht dazu zu gehören.

Mittwoch, 2. Januar 2019

Blick in die Vergangenheit

Blick zurück
ein solcher Blick ist ja verpönt (wir wollen doch alle im Hier und Jetzt leben, - nichtwahr?), aber noch erlaubt

Dienstag, 1. Januar 2019

Wachstum Reloaded?


Ob uns das in Zeiten der Krise etwas bewusster geworden ist? Der Zwang zur Leistung des immer höher, schneller, weiter? Das Wachstum um jeden Preis? Ob Entschleunigung da ein Gegenkonzept ist, das nicht nur aus der Not geboren ist? Der Zwang zur Steigerung, ob er „eingebaut“ ist in unser System? Scheller, größer und innovativer werden, ob es da Grenzen gibt? Die darf es nach der herrschenden Wachstumslogik nicht geben, sonst gibt es kein Erhalten oder gar Ausbau des „Wohlstands“. Das lernen wir unter allen Umständen. In allen sozialen Schichten. Das wirkt sich zwar nicht überall gleich aus: diejenigen, die sich als „Eliten“ begreifen, haben den Zwang schon mal verinnerlicht, die Rastlosigkeit, das Ziel, besser und noch schneller zu werden, ist bei ihnen ein inneres Bedürfnis geworden. Für die meisten „normalen“ Arbeitstätigkeiten ist es mehr ein Druck von außen, der ihnen als Vorgabe vorschreibt, was in welcher Zeit zu bewältigen ist. Dieser Zwang durchdringt auch alle anderen Lebensbereiche, in der Arbeit, in der Bildung, in der Pflege, in der Art und Weise, wie wir mit der Natur und den Tieren umgehen, selbst unser Liebesleben unterliegt dieser Logik des Mehr und immer schneller, der Steigerung, Optimierung und Beschleunigung. So herrscht dieser Zwang in nahezu allen Lebensbereichen, er saugt sie in sich auf und überwältigt die Menschen, indem er diejenigen, die sich diesbezüglich außerhalb stellen, sanktioniert und es ihnen in jeder Hinsicht sehr schwer macht. Das Hamsterrad muss sich immer schneller drehen, damit es bestehen bleibt. Es gibt kein Entrinnen. Wirklich? Jetzt den „Reset“-Knopf drücken?

Neujahr 2019

An Neujahr