Reise durch Wirklichkeiten

Donnerstag, 3. Januar 2019

Populismus (8)


Das Blöde ist doch, dass Populisten in manchen Fragen gewisse Schwächen der Demokratie kritisieren und aufnehmen, die meiner Einschätzung nach tatsächlich existieren. Sie haben es auch auf diese Weise leicht und kommen zu einfachen Lösungen, die es so vielleicht gar nicht gibt. Beim Populismus scheint es mir aber immer darum zu gehen, zu erklären, zu behaupten, zu definieren: Wer gehört dazu, wer gehört nicht dazu? Die Soziologie würde vielleicht dazu sagen: In- und Outgroups zu definieren. Dies führt dann auch geradewegs zur Behauptung einer kollektiven Identität: Die Deutschen, die Amerikaner, die Ungarn ...usw. Gerade in heutigen Zeiten erscheint dies relativ fragwürdig. Und: Wer etwas anderes behauptet, hat Unrecht. Populisten kritisieren, wenn sie in der Opposition sind, immer diejenigen, die gerade die Macht ausüben. Das wird dann gerne damit verquickt, dass diese Mächtigen mit den gerade herrschenden Eliten "gemauschelt“ haben und sich auf diese Weise abgesichert haben. Solche Unterstellungen bewegen sich oft gefährlich in der Nähe von Verschwörungstheorien. Die Behaupten häufig, dass sie (und nur sie!) das vertreten, was Populisten gerne als „schweigende Mehrheit“ oder einfach „das Volk“ nennen. Das heißt, das alle anderen grundsätzlich illegitim seien und unrecht hätten. (Häufige Behauptung: die seien alle korrupt, arbeiteten nur für sich selbst etc....) Nur man selbst habe in jedem Falle recht. All diejenigen, die die Populisten nicht stützen und ihre Meinung nicht teilen, sind fragwürdig. Ergo könnte es auch sein, dass sie „nicht dazu gehören“. Nur sie, die Populisten, sprechen „für das Volk“. Populisten werfen denjenigen vor, die nicht gleicher Meinung sind, etwa im Falle von Donald Trump, „unamerikanisch“ zu sein, also nicht dazu zu gehören.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen