Eben
aus dem Kabinett ausgeschieden, lassen sich jetzt ehemalige Minister offenbar von denjenigen honorieren, die sie eben noch kontrollieren sollten. Dass sich dabei die Fraktionen von
FDP und CDU hervorzutun scheinen: nun gut, von denen erwartet man
nichts anderes. Haha, von denen der AfD sowieso…… Aber als Spezialdemokrat hatte man soeben noch genau diese Großkonzerne
heftig gerügt und sich zum Großkritiker eines gewissen Geschäftsgebarens
aufgeschwungen. Doch jetzt scheint alles anders, Geld scheint halt Wunderdinge zu bewirken.…. Am Wechsel in die
„freie Wirtschaft“ sei nichts Verwerfliches, so hörte ich die
Apologeten solchen Verhaltens oft und überall sagen. Tüchtige Leute verdienen gutes Geld. Das führt offenbar dazu,
dass gewisse „ausgeschiedene“ Politiker sich besonders gerne
einem
Interessenverband als Cheflobbyist zur Verfügung stellen.
Interessenkonflike?
Pah! Ist
ein Abgeordnetenmandat eine Nebentätigkeit, die dermaßen viel Zeit
übrig lässt?
Es stellen
sich einem Fragen.
Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
Montag, 22. Oktober 2018
Demokratiegebaren
Ich bin schockiert, - immer
noch. Es haut mich um. Und das in einem Moment, in dem die
parlamentarische Demokratie ganz besonders auf einem Prüfstand steht
und um ihre Legitimation hart kämpfen müsste!!!! Da scheint es, so
meine Information, wieder einmal eine ganze Riege ehemaliger
Minister zu geben, die inzwischen neben ihrer Tätigkeit als
Abgeordneter des Deutschen Bundestags in Lohn und Brot bei
Großkonzernen stehen werden oder bereits stehen. Dass die Spezialdemokraten diesbezüglich
schon seit vielen Jahren besonders tüchtig zu sein scheinen, dürfte
ihrer Glaubwürdigkeit kaum förderlich sein. Die einschlägigen
Wahlergebnisse scheinen da Bände zu sprechen, doch die Betroffenen
werden ihre Schäflein längst im Trockenen haben, wenn etwas zu
solchen Tätigkeiten zu bekannt würde. Und die „öffentlichen“
Diskussionsrunden verhandeln zum Thema „Glaubwürdigkeit“ ohnehin ganz
andere Themen.... Ob da eine gewisse Einigkeit dieser „Eliten“
dahinter steht?
Sonntag, 21. Oktober 2018
Samstag, 20. Oktober 2018
Wachstum
Ich habe auf einem Zettel
folgende Notiz gefunden, die möglicherweise in diesem Blog schon
erschienen ist. Ich habe sie aber aus heutiger Sicht versucht zu
bearbeiten. Was dabei heraus gekommen ist, ist hier zu lesen: Die
Lotterie des Lebens bedeutet: wir leben hier noch in einer
Gesellschaft der bürgerlichen Grundrechte, in der zwar dem
Wirtschaftswachstum auch vieles geopfert wird, aber nicht die
Bürgerrechte, den Rechtsstaat, die Demokratie. Gleichwohl ist um
diese Werte ein Kampf entbrannt. Wie gut dieser Wert mit dem Wert
Wachstum zu vereinbaren sind, mag erstmal dahingestellt bleiben.
In anderen Staaten
(besonders denjenigen mit gewissen autoritären Zügen, die mit
„bürgerlichen Grundwerten offenbar nicht allzu viel anfangen
können...) scheint dagegen das Wachstum über alles zu gehen, sogar
über das menschliche Leben. Führer schwingen sich auf, erobern oder
behaupten die Spitze, bis auch sie unter Umständen sogar
niedergemetzelt werden. Das Leben in seiner vitalistischen Funktion
erlebt auch heute noch fröhliche Urständ': Fressen, Saufen,
Ficken. Oder wie T.S. Elliott es ausdrückte: „Birth, Death,
Copulation, that's all....“. Fortschritt könnte bedeuten, einen
kleinen zivilisatorischen Schritt darüber hinaus zu wagen, - weil
wir Menschen sind.
Dass dieser Gedanke
weltweit auf dem Rückzug erscheint, gehört zur großen Tragik des
menschlichen Geschlechts, genau so, wie die selbstverursachte
Klimakatastrophe, die damit verbundene Umweltzerstörung und das
Artensterben. Der Mensch will sich wohl als „Alleinherrscher“ die
Erde untertan machen. Dabei könnte alleine schon der Ausbruch eines
Supervulkans seine Existenz in kurzer Zeit vernichten. Von
Bedrohungen aus dem Weltraum wie etwa niederstürzenden Meteoriten
oder Asteroiden ganz zu schweigen. Woher nimmt der Mensch seine
Arroganz, seinesgleichen gegenüber, aber auch der Erde und ihren
Geschöpfen? Es ist leicht, solche Überlegungen als „moralisch“
abzuqualifizieren, sie als untauglichen Versuch darzustellen, über
das unvermeidlich Faktische kritisch nachzudenken. Dabei wäre dies
scheinbar „unvermeidliche“ keineswegs so. Es sind dies Denk- und
Verhaltensformen, die sich schwache Menschen zu eigen gemacht haben,
die glauben, vom gegenwärtigen Zustand profitieren zu können.
Freitag, 19. Oktober 2018
Öko
Da wird ein alter Baum
gefällt, direkt vor meinem Fenster. Er tut mir leid. Einfach nur
das. Ich weiß auch, dass Vernunftsgründe dafür gesprochen haben
mögen. Zu riskant, er könnte umfallen. Er hat die Kanalisation
bedrängt und hätte früher oder später doch gefällt werden
müssen… Und doch tut er mir leid. Der Mensch will sich schützen
vor der Natur. Er will sie beherrschen. Er legt sie um. Einfach, weil
er glaubt, ihr überlegen zu sein. Doch es zeichnen sich Bewegungen
ab, die der Mensch noch nicht beherrscht. Ob er sich nicht einfach zu
früh sicher wähnt? Was ist mit Vulkanen oder Meteoriten- und
Asteroideneinschlägen? Wo sind die Insekten geblieben? Ob wir einen
natürlichen Zusammenhang, denn wir gerne als „Ökologie“
bezeichnen, verstehen?
Donnerstag, 18. Oktober 2018
Selbstoptimierung, Selbstwerdung, Neoliberalismus
Wann
hast du dich zuletzt selbst wahrgenommen? Diese Frage scheint viele
Menschen unausgesetzt umzutreiben. Die dauernde Selbstbespiegelung,
die damit verbundene Selbstoptimierung, das Selbst als Statussymbol,
der dauernde Griff zum Smartphone, das unser Lebensäußerungen immer
perfekter registriert, und die Algithmen immer perfekter
programmiert, die ausufernde, uns ständig überfordernde und digital
überwachte Körperkultur: das alles gehört zusammen und hat nichts
mehr mit Hermann Hesses Streben nach dem Ego entgegen
gesellschaftlicher Erwartungen zu tun. Stets noch besser, effizienter
und autenthischer zu werden, ist inzwischen ausgerufen als Ideal und
widerstrebt diesem Old-School-artigen „Werde, der du bist“
vollkommen. Das Ego scheint heilig. Ob es da nicht weit zum Egoismus
ist? Überforderung, Burn-Out, Depression, Erschöpfung, Anorexie,
Bulimie, kaputte Partnerschaften, Unfähigkeit zur Beziehung....das
alles könnte ein Anzeichen für die auf Perfektion getrimmte
Körperkultur und den Zwang zur Steigerung eigener Leistungsfähigkeit
sein (die ganz im Sinne einer Durchökonomisierung des Menschen zu
sein scheint). Der Philosoph Jürgen Habermas hat das einmal „Kolonialisierung der Lebenswelt“ genannt. Es geht um ein
Leistungsdenken im Privaten. Neoliberalisierung aller Lebensbereiche.
Vereinzelung scheint die Folge. Der Einzelne als Wirtschaftsobjekt.
Menschen benutzen andere Menschen als Werkzeug, um an ein Ziel zu
kommen. Die Diktatur des ökonomischen Denkens, seine immer weiter
zunehmende Ausdehnung auf alle Lebensbereiche scheint eine
Konsequenz, die Leute wie Hesse so nicht anstrebten. Aber sie
erkämpften sich den Platz in einer gesellschaftlichen Elite. Hesse
selbst war Literaturnobelpreisträger im Jahr 1946.
Mittwoch, 17. Oktober 2018
Wo sind wir? (Text)
Wo wir sind
Wir fliegen und träumen - in das Nichts –
immer bunter, immer munter, immer gut drauf
Wir fühlen und tanzen - in das Licht
die Motte zieht es an, bis sie sich im Feuer bricht
Wir gleiten und schweben – in das Blau
wie uns versprochen und längst gebrochen, in schales Grau
Wir rasen und toben – in den Kreis
hinein in (all die) schöne Sprüche, hinein in (tausend) herbe Brüche
Jeder baut sich seine Scheinwelt aus eigenen Trümmern zusammen
die weisen Welterklärer sind endgültig passe
um uns zu berauschen dinen uns Brüche
sie schäumen
an das Meer
(Brüche von 2010, verarbeitet 2018)
Wir fliegen und träumen - in das Nichts –
immer bunter, immer munter, immer gut drauf
Wir fühlen und tanzen - in das Licht
die Motte zieht es an, bis sie sich im Feuer bricht
Wir gleiten und schweben – in das Blau
wie uns versprochen und längst gebrochen, in schales Grau
Wir rasen und toben – in den Kreis
hinein in (all die) schöne Sprüche, hinein in (tausend) herbe Brüche
Jeder baut sich seine Scheinwelt aus eigenen Trümmern zusammen
die weisen Welterklärer sind endgültig passe
um uns zu berauschen dinen uns Brüche
sie schäumen
an das Meer
(Brüche von 2010, verarbeitet 2018)
Dienstag, 16. Oktober 2018
Montag, 15. Oktober 2018
Sonntag, 14. Oktober 2018
Quiekende Schreie
Mir stinkt sehr und das Bild
verlässt mich nicht, dass hierzulande Ferkel ohne Betäubung
kastriert werden dürfen! Ich höre Schreie….. Und diese
Bundesregierung scheint diesen grausamen Zustand jetzt auch noch
verlängert zu haben! Einfach so….! Ich finde das gar nicht gut.
Alleine schon der Gedanke daran tut mir weh…...Grinsende
Politikergesichter „vertreten“ so etwas…. „Hauptsache, wir
haben unseren Spass….!“ Ja klar, es muss ernährt werden…
Wettbewerb…. Und all das…. wir essen, fressen Schweine… auch
das kann nicht so weiter gehen….vielleicht müsste spätestens
jetzt, nach dem letzten Klimabericht, ein neues Verhalten eingeübt
werden, aber es geht einfach alles weiter…..hinein, hinunter in den
Abgrund…..sehenden Auges……..in den Tod.....
Samstag, 13. Oktober 2018
Wo ist die Wahrheit, welche, wie viele?
"Lügenpresse",
"Fake News", "alternative Fakten": Kaum ein
Verlust kann uns in einer wissenschaftsgläubigen Welt derart in
Bedrängnis bringen wie der unserer Glaubwürdigkeit. Und trotzdem
wird gelogen, bis sich die Balken biegen, schlagendes Beispiel: der
Abgasskandal. Warum ist die Lüge nicht aus der Welt zu denken und
wann hat eine Lüge Erfolg? Mal bei einem großen Geist fragen, wieso
das so ist. Eine zum Beispiel für Michel Foucault grundlegende Idee
ist es, dass nicht nur unser Wissen, sondern auch unser Denken durch
und durch historisch sei, also nie auf sicherem Grund stehe. Das ist
wichtig! Die Form des Wissens wandelt sich, daher können wir zu
gewissen Zeiten nur auf gewisse Weise denken. Im philosophischen
Slang ausgedrückt: Verstand die Renaissance die Welt in Analogien,
so ordnete die Klassik sie in Taxonomien und Tableaus, während die
Moderne gar nicht anders kann, als alles mit dem Menschen, dem
Subjekt der Erkenntnis zu erklären. Bald werde das vorbei sein,
prophezeite Foucault, der Mensch werde verschwinden "wie ein
Gesicht im Sand". Moderne Machthaber glauben derzeit, sie seien
so mächtig, dass sie Fakten schaffen könnten. Sie alle kennzeichnet
ein ausgewählter Gebrauch der handelsüblichen Vernunft plus eine
Dosis von dem, was umgangssprachlich als Wahnsinn bezeichnet wird.
Was dabei Allgemeingut zu sein scheint: Spielarten des Wahnsinns
schicken sich an, Vernunft und Disziplin als missliebige Abweichungen
auszugrenzen. Die Übertretung aber avanciert zur neuen Norm.
Freitag, 12. Oktober 2018
Fortschritt und menschliche Kreativität
Wie naiv war das denn?
Damals, im zeitgeistigen Flow, glaubte die Politik und ihre
demokratisch legitimierten Klassen, in naivem Fortschrittsglauben und
ungebremstem Optimismus so etwas wie Atomkraftwerke bauen zu können,
ohne dass die Endlagerfrage geklärt war. Erst mal wurden Milliarden
ausgegeben. Die Endlagerfrage würde dann halt schon
noch....irgendwie.... der Mensch hat bisher alles.... Man träumte
den Traum von friedlichen Nutzung der Kernenergie, das Atomium in
Brüssel wurde zu seinem Symbol. Das gezähmte Atom schien die Lösung
vieler Fragen. Energie ohne Begrenzung? Atom ist die Lösung! 1956
wurde hierzulande ein „Atomministerium“ gegründet, wofür
gleich mal Franz-Josef Strauß berufen wurde. Die Rede war davon, für
Deutschland den Platz unter den Industrienationen zu sichern. Das
Land sollte den Anschluss nicht verpassen. Um Ängste zu zerstreuen,
beteuerte das Atomministerium: „alles ist sicher“. Ob uns das an
gewisse Dinge heutzutage erinnert? Der Wunderstoff Uran wurde
öffentlich als harmlos gepriesen. Ein bisschen Kontrolle: ja. Aber
im Prinzip konnte jeder in ein solches Atomkraftwerk herein schlappen
und nachsehen, ob denn alles wirklich sicher sei. Man sah und
befand: ist ja völlig harmlos. Uran sieht wie Eisen aus. Und
überhaupt: alles wird gut überwacht. Später gab es zwar Störfälle,
teilweise sogar ernster Natur. Aber diese wurden vertuscht, wurden
nie wirklich sichtbar.
Ab Ende der siebziger
Jahre gab es dann massiven Widerstand gegen solche Methoden, dem mit
staatlicher Gewalt zu begegnen versucht wurde. Es gab Schlachten,
das Polizeiaufgebot wurde gigantisch. Castortransporte wurden
durchgesetzt.
Mittlerweile ist die Sache
mit dem Endlager immer noch weit entfernt von einer Lösung. Es liegt
aber eine ganze Mende Atommüll herum. Weggekippt in unsicheren
Fässern, die jetzt schon rosten. Was wohl mit all den Fässern ist,
die im Meer „verklappt“ wurden. Weg damit! Der Ozean ist groß
und wird das schon schlucken.... Heute gilt immer noch das
neoliberale Credo: Die Sachen, mit denen man kein Geld verdienen
kann, übernimmt die Öffentlichkeit, der Staat. Das andere soll sich
„die Privatwirtschaft“ sichern. Tatsache ist, dass die Entsorgung
und der Abbau der AKWs richtig teuer wird und dass der Staat dies
bezahlen soll.
Es gab Tschernobyl und
Fukushima mit all den Täuschungsversuchen, der Glaube an die
Atomkraft ist zumindest hierzulande völlig zerschossen. Die Sache
mit dem Fortschritt insgesamt hat sich auch etwas relativiert. Wir
haben starke Probleme mit dem ungebremsten Bevölkerungswachstum
(manche meinen ja, es sei alles nur ein Verteilungsproblem: Das mag
es auch sein, so glaube ich, - aber halt nicht nur. Das Wachstum der
Menschen dürfte für diese Erde seine Grenze haben, so befürchte
ich. Die Nahrungsfrage ist ungelöst, der Klimawandel plagt, Seine
Folgen wurden bisher noch verdrängt. Man konnte sich das hier
leisten. In anderen Gegenden der Erde sieht das schon anders aus. Es
gibt derzeit zahlreiche Kriege und allerlei Konflikte auch sozialer
Natur. Am nicht allzu weit entfernten Horizont stehen zu Ende gehende
Rohstoffreserven. Wir erfahren von Megatonnen an Plastik im Meer, von
schmilzenden Eisberge an den Polkappen, und anderen Katastrophen, zu
denen dann kostspielige Konferenzen einberufen werden, die nichts
bewirken. Es fangen jetzt schon globale Verteilungskämpfe an....usw.
Wo ist all der ungebremste Optimismus geblieben? Es scheint dies eine
ziemlich hohle Formel geworden zu sein. Gewisse Parteien setzen
hierzulande „menschliche Kreativität“ dagegen. Langsam aber
sicher würde es Zeit dafür.
Donnerstag, 11. Oktober 2018
Pflegezeichen
Ich kriege gestern in den Nachrichten
mit, dass der Gesundheitsminister Spahn den Pflegesteuersatz um 0,5 %
erhöhen will. Wenn ich das höre, befürchte ich, dass dies niemand
etwas hilft. Weil sich nämlich die großen Pflegekonzerne damit die
Taschen noch mehr füllen könnten und damit auf der Ebene der
„Patienten“ nichts ankäme. Es würde also die Menge des Geldes
noch größer und die Qualität der Pflege möglicherweise noch
schlechter. Es wird wohl darauf ankommen, das zusätzliche Geld in
die richtigen Kanäle zu leiten und nicht den Pflegefirmen einen
Zusatzprofit zu bescheren. Dass ich dabei sehr skeptisch bin, mag man
mir nicht verdenken, haben doch meine Schwester und ich nach Wochen bis zum
heutigen Tag keine Dauerpflege für unseren 92-jährigen Vater
gefunden. Die so hoch geschätzte und öffentlich dauernd ausgerufene
ambulante Pflege gibt uns den Bescheid: kein Platz, keine Kapazität,
nichts. Dass beim ganzen Procedere der Staat einem keinerlei Beratung
angedeihen lässt, dass die Kommune sich komplett aus der Pflege
zurück gezogen zu haben scheint, und dass man sich in einem Gewirr
von Formularvordrucken und verweigerten Zuständigkeiten findet,
macht die Sache nicht leichter. Der Pflegenotstand kann sehr schnell
konkret werden, auch für diejenigen, die jetzt noch alles
erfolgreich zu verdrängen scheinen. Wir hier jedenfalls scheinen mit unserem Vater in
ein Loch gefallen zu sein, für das „die Politiker“ mit
großzügigen Diäten, Altersvorsorgemodalitäten, fetten Zusatzverdiensten und Zuschüssen aller Art
vorgesorgt zu haben scheinen.
Mittwoch, 10. Oktober 2018
Dienstag, 9. Oktober 2018
Montag, 8. Oktober 2018
Der lange Tanz (Text)
DER
LANGE TANZ
Du träumst dich, du
siehst dich
bist das wirklich noch
du?die Jahre vergehen im Trott
und du hast ein paar
Narben mehr
blickst zurück und
blickst nach vorn
und das Einerlei stört
dich nicht mehr
Refr.
Zwei Schritte rechts, zwei
Schritte links
wo geht’s eigentlich
lang?
Drei Schritte vor und zwei
zurück,
wie heißt dieser lange
Tanz?
Mal im Schatten, mal im
Licht
meist dazwischen irgendwo
du
ALLES kommt erst morgen
und heut ist erst mal
Pause
Charlie Chaplin jagt Billy
the Kid
wer wird wohl der
Verlierer sein?
Refr.
Zwei Schritte rechts,
zwei.......
Züge fahren weiter,
keiner weiß wohin
du stehst am Bahnsteig und
frierst
man trägt jetzt wichtige
Gesichter
und du zwingst dich, nicht
mehr zu lachen
Kontrollen werden schärfer
nur Wenige wissen um das
Warum
Refr.
Zwei Schritte rechts, zwei
Schritte......
(Aus den achtziger Jahren, Entwurf für einen Song)
Sonntag, 7. Oktober 2018
Alte Menschen
Eine ein Jahr alte Notiz aus einem Tagebuch, die freilich gerade jetzt über meinen Vater ins Allgemeine hinaus weist:
„Gott befohlen!, die alten Leutchen müssen halt mal sterben. Das lohnt sowieso nicht mehr“, diese Haltung scheint mir hinter unzähligen Verhaltensweisen in diesem Bereich aufzuscheinen. Besonders von relativ jungen Menschen wird sie gerne und etwas achtlos geäußert. Mutter hat blaue Flecken im Gesicht, hat starken Schnupfen, doch niemand unternimmt etwas.....Wir warten auf den Arzt, doch der kommt nicht, am Donnerstagabend (nach 1 Woche Pflegeheimaufenthalt) erfahre ich, das man sich „selbst darum kümmern muss“, mein Problem: ich habe keinerlei Ansprechpartner (auch und gerade in dem relativ teuren Heim), Aufklärung oder Hilfe auf irgendeiner Ebene (die stolze Broschüre des Pflegestärkungsgesetzes verspricht „feste Ansprechpartner, doch bei Anruf bekomme ich zur Auskunft, ich solle später anrufen, die seien alle überfordert und es gäbe zu viele Personen, die Auskünfte wollten...) Überhaupt scheint sich auch die Kommune einen Dreck um meine Notlage zu kümmern.
Ich fühle mich total überfordert und unterinformiert, werde von Personen als "hysterisch“ wahrgenommen, kein Arzt (nach nachdrücklichem Protest bemühte sich im Krankenhaus ein Arzt her und gab schmallippige Auskünfte (ich entnahm dem am Donnerstag, dass meine Mutter mit Lungenentzündung Freitag entlassen werden solle, gleichzeitig eröffnet man mir, dass sie Lungenentzündung habe - eigentlich ein Widerspruch in sich), hinter dem Bett meiner Mutter hing ein großes Plakat in roten Lettern, dass man Nahrung, Trinken oder Medikamente nur nach Rücksprache mit dem Pflegepersonal verabreichen solle....was relativ schwierig ist, wenn kein Pflegepersonal in dieser Knappheitssituation verfügbar ist)...usw.
„Gott befohlen!, die alten Leutchen müssen halt mal sterben. Das lohnt sowieso nicht mehr“, diese Haltung scheint mir hinter unzähligen Verhaltensweisen in diesem Bereich aufzuscheinen. Besonders von relativ jungen Menschen wird sie gerne und etwas achtlos geäußert. Mutter hat blaue Flecken im Gesicht, hat starken Schnupfen, doch niemand unternimmt etwas.....Wir warten auf den Arzt, doch der kommt nicht, am Donnerstagabend (nach 1 Woche Pflegeheimaufenthalt) erfahre ich, das man sich „selbst darum kümmern muss“, mein Problem: ich habe keinerlei Ansprechpartner (auch und gerade in dem relativ teuren Heim), Aufklärung oder Hilfe auf irgendeiner Ebene (die stolze Broschüre des Pflegestärkungsgesetzes verspricht „feste Ansprechpartner, doch bei Anruf bekomme ich zur Auskunft, ich solle später anrufen, die seien alle überfordert und es gäbe zu viele Personen, die Auskünfte wollten...) Überhaupt scheint sich auch die Kommune einen Dreck um meine Notlage zu kümmern.
Ich fühle mich total überfordert und unterinformiert, werde von Personen als "hysterisch“ wahrgenommen, kein Arzt (nach nachdrücklichem Protest bemühte sich im Krankenhaus ein Arzt her und gab schmallippige Auskünfte (ich entnahm dem am Donnerstag, dass meine Mutter mit Lungenentzündung Freitag entlassen werden solle, gleichzeitig eröffnet man mir, dass sie Lungenentzündung habe - eigentlich ein Widerspruch in sich), hinter dem Bett meiner Mutter hing ein großes Plakat in roten Lettern, dass man Nahrung, Trinken oder Medikamente nur nach Rücksprache mit dem Pflegepersonal verabreichen solle....was relativ schwierig ist, wenn kein Pflegepersonal in dieser Knappheitssituation verfügbar ist)...usw.
Samstag, 6. Oktober 2018
Schwermut (Baudelaire)
Schwermut (Charles Baudelaire)
Der
Himmel, schwer wie eines Deckels Last,
Sinkt
auf die Seele voll verhaltenem Weinen,
Bleiern
und dumpf hält er das All umfasst,
Trüber
als Nacht will uns der Tag erscheinen
Es
wandelt sich die Welt zum finstern Haus,
Zum
feuchten Kerker voller Angst und Schauer,
Und
flatternd, scheu wie eine Fledermaus
Rennt
Hoffnung sinnlos gegen Wand und
Mauer.
Der
Müde Regen, der die Welt umfängt,
Spannt
um das Haus die engen Gitterstäbe
Verwünschtes
Ungeziefer kommt und hängt
In
unser Hirn die grauen Spinngewebe.
Und
plötzlich heulen Glocken dumpf empor,
Zum
Himmel heben sie ihr furchtbar Tönen
Wie
irrer, heimatloser Geister Chor,
Ein
eigensinnig, heimatloser Geister Chor,
Ein
eigensinnig unaufhörlich Stöhnen.
Und
lautlos zieht ein langer Leichenzug
durch
meine Seele seine schwarzen Bahnen,
Die
Hoffnung weint. Das Grauen, das sie schlug
Das
Grauen pflanzt in meinem Hirn die Fahnen.
Freitag, 5. Oktober 2018
Anpassung Mitmachen Dabeisein
Anpassungsmechanismen
der anderen (immer die anderen!!), das alltägliche Buckeln, bloß
keine Empfindlichkeiten zeigen: das sanktionieren die Kollegen sofort
mit Liebes- , das heißt letztenendes Geldentzug. Mit Mobbing auch.
Mit den kleinen Zeichen. Mit bereit gestellten Fallstricken. Du musst
funktionieren. Zum Beispiel darfst du nicht krank werden. Sofort
rückt jemand anderes an deine Stelle. Du bist austauschbar, auch
wenn du dich selbst für einmalig hälst. Malus. Wieso haben die
anderen so wenig Abstand zu dem, was sie tun? Wieso können die sich
so identifizieren mit ihrem Job, mag er noch so entfremdet sein? Sie
haben doch alle studiert, haben sich im Blick geübt, der im
Alltäglichen das Unalltägliche aufsucht, der die Distanz zu den
Dingen und zu sich selbst sucht. Oder etwa nicht? Waren sie nur
ausgebildet worden? Haben sie sich die Analysemethoden angeeignet, um
zu erkennen, dass in solch eingeschlossenen Verhältnissen, in
solchen betrieblichen Strukturen die Macht wohnt und die
Machtausübung anderer implizit eingeschlossen ist? Ob solche
Ansichten auf Möglichkeiten etwas zu idealistisch gedacht sind? Sich
in den Elfenbeinturm des akademischen Betriebs flüchten?
Funktionierte auch schon besser. Wie kann man das so akzeptieren,
sich zu eigen machen? Die Rolle, in die man hineindressiert wurde? Ob
das etwas mit unserem Bildungssystem zu tun hat? Schon die dauernd
praktizierte Formulierung „Wir“. Wer ist wir? Die Gesellschaft?
Der Betrieb? Der stark ist? Der sich ein Monopol erobert hat?
Wir
sind stark. „Wir schaffen das“. Wer ist wir? Der, der dich
entlässt und dir Lohnzugeständnisse abringt, wenn er es für nötig
hält (jawohl, immer noch meist ein „er“ und keine „Sie“).
Der dafür das Geschwätz vom „Strukturwandel“ allzeit parat hält
(Das Getue um die sogenannte „Globalisierung“ ist ja ein bisschen
ins negative Gerede gekommen...)? Dann bist du plötzlich nicht mehr
der Betrieb. Bist ein unfähiger Einzelner. Der Betrieb ist der,
dessen „Chefs“ riesige Karossen fahren, die sie als Statussymbol
direkt vor dem Eingang parken. Der Betrieb, dass sind doch die
Kaufleute, die alles Wichtige diktieren. Alles Wichtige hat auf
dieser Erde mit Geld zu tun, nicht mit Geist. Sie müsssen immer
wieder den Stallgeruch pflegen, auf jeder Konferenz. Sie müssen
miteinander anstoßen, sich übers Fußballspiel unterhalten, sich
Witze erzählen, übder die sie dann gemeinsam lachen sollen. Das
auch an jedem Geburtstag, den irgendein Kollege hat. Dann werden
kleine Tischen aufgestellt und Gemeinsamkeit zelebriert.
Du
selbst wirst dir dann ein Fremder. Verlierst den Kontakt zu dir,
während sie ihn zu kultivieren und pointieren scheinen - wofür sie
dann Crash-Kurse besuchen. Die Sehnsucht danach, sich irgendwo
wiederfinden zu können. Du, der du dir selbst einmal so sicher
warst, ohne selbstsicher sein zu können. Wo bist du heute? Hast dich
verloren in der Mechanik. Der Funktionalität. Der Normalität. Und
musst dankbar dafür sein.
Die
Ermüdung, die Trägheit, deine Feinde. Andere Menschen haben ein
anderes Temperament. Eine andere Vitalität und ein anderes Vertrauen
darin. Sie begegnet dir. Du solltest mehr Empathie aufbringen. Was
ist das? Sich in jemanden hinein denken? Notwendig, Zeichen der
Kultur. Letztenendes sind wir aber allein. Da besteht eine Spannung.
Donnerstag, 4. Oktober 2018
Im Blau sein
Das Meer: Hawaii und das große Blau. Die verführende
Gleichgültigkeit. Die Träume von Tsunami. Die Albträume. Die zum
Himmel hoch sich aufbäumende Flut, die von einer optischen Täuschung
übergeht in die Realität. Here comes the flood”,
so hieß einmal ein Titel. Psychologisch mag es darin auch um
so etwas wie Urvertrauen gegangen sein. Man möchte sich hineinstürzen in
dieses Blau und hat doch nur Angst davor. Ein Psychologe würde wohl
seine Schlüsse daraus ziehen. Alles ist freidlich. Und birgt doch
bedrohliche Möglichkeiten der Wildheit in sich. Des Ausfransens.
Jener Traum, ob er eine Rolle spielt? Wenn die Welle näher kommt,
erst von ferne, dann, unglaublich, immer näher an dich heran, du
glaubst es nicht, sie kommt noch näher, sie wird höher und höher,
sie wird haushoch und noch höher, sie überspült dich und sie
dringt nun ein in mich. Ich spüre jetzt das Wasser, wie es mich
einhüllt, umhüllt und mein Bewusstsein auslöscht. Ich vergesse das
Atmen und werde panisch. Ich bin allein im Element. Im Kosmos. Es
wird meine letztes Minute sein. Ich gehe unter. Die Luft, mir fehlt
die Luft. Es drückt auf der Lunge.
Ich wache auf im schönsten, strahlendsten Blau.
Ich wache auf im schönsten, strahlendsten Blau.
Mittwoch, 3. Oktober 2018
Arrive in another world (text)
Arrive in another World
The world is arranging around me, like I were in fog
I was searching, maybe for God, who are you?
Who am I? Do I dream?
Wave, one after another,
every Wave could be an Ego
human kind or animal
I was, I am, I will be
I am among mirrors
Death is on it's way
we only do not know, when it will arrive,
one could pass away
one can
one will be able
to arrive in another world
Dienstag, 2. Oktober 2018
Opfer
Ich
habe nachts eine Fernsehsendung gesehen, über Lazarett- oder
Sanitätszüge im Ersten Weltkrieg und davor. Die Leute wurden
teilweise in die Wagons geworfen, so dass sie danach kaum noch
kratteln konnten. Zu Werbezwecken wurden wunderbar ausgestattete Züge
gezeigt, in reinem Weiß und ausgestattet mit allem, was das Leben
angenehm machen konnte. In Wahrheit waren die Züge überbelegt,
dreckig und stanken. Ihre Priorität gegenüber den militärischen
Belangen war sehr nachgeordnet. Manchmal brauchten sie vier Tage, wo
militärische Züge, die etwa Nachschub transportierten, gerade mal
einen brauchten. Die Leute kamen auch mit schweren Traumata
nachhause. Wer wieder hergestellt wurde, musste unter Umständen ein
zweites Mal an die Front. Aus heutiger Sicht scheint uns das
unvorstellbar.
Die Leute brachten sich damals selbst als Opfer. Für
was? Fürs Vaterland. Geradezu religiös war das damals begründet.
Heute gibt es vielleicht „Restposten“ des Opfers. Sie alle sollten
aber möglichst nicht unser eigenes Leben betreffen. In der
Bundeswehr heute wird Sicherheit „hergestellt“. Sie ist also ein
ökonomisches Gut geworden. Ganz und gar. Die Vorstellung, dass
jemand sein Leben geben solle, für welche Idee auch immer, ist eine,
die uns zutiefst fremd ist und die nicht wirklich im Ernst als
Zumutung an einen Einzelnen gedacht werden kann. Unter diesen
Umständen erheben sich natürlich Gedanken darüber, wie eine solche
Gesellschaft nicht zum hilflosen und wehrlosen Objekt werden kann.
Außerdem könnte sie eine Strategie dazu entwickeln, wie dem Zerfall
der überkommenen Ordnungen entgegen getreten werden könnte.
Stabilisieren scheint an dieser Stelle das große Stichwort zu sein.
Kaufen. Abkaufen. Den Willen zur militärischen Auseinandersetzung.
Montag, 1. Oktober 2018
Sonntag, 30. September 2018
Samstag, 29. September 2018
Falsch disponiert
Leute sind an dir vorüber gegangen. Du hast
versucht, sie zu begreifen, wähntest dich ihnen nahe. Doch letztlich
blieben sie unbegreiflich.
Klar, hättest du das eine oder andere Mal mehr auf sie zugehen
können, hättest ganz betont den Dialog suchen sollen und Rituale
der Gemeinsamkeit vollziehen (nach deiner eigenen Einschätzung
tatest du das viel zu oft...). Doch erstens: war der Moment deiner
Ansicht nach jeweils nicht danach. Du warst auch zu träge, zu
unbeweglich, warst vielleicht auch zu enttäuscht. Zweitens hattest
du stets einen gewissen Stolz, der es dir verboten hatte, dich
anzudienen, dich anzubieten..... Du erinnerst dich noch, als du mit
einer schweren Krankheit im Krankenhaus lagst, solltest du eine
bestimmte Person anrufen (was du schließlich auch tatest...), weil
jene dir gegenüber freimütig bekannte, dass sie deine Telefonnummer
vergessen oder verlegt hatte. Sie tat überrascht und - so konntest
du zweifelsfrei schließen - hätte dich nie im Leben angerufen.
Wow, du warst für diese Person verschwunden und es machte dieser
Person nichts aus! Du hast einigermaßen daraus gelernt, als genau
diese Person zum zweiten Mal verschwand. Überhaupt waren plötzlich
viele der Leute verschwunden, zu denen du glaubtest, eine Art
persönliches Verhältnis zu haben. Sie hatten einen anderen Umgang,
zu dem so etwas wie Solidarität nicht zu gehören schien.
Ich hatte geglaubt, mit jener Person (in diesem Falle weiblich...) relativ intime Details ausgetauscht zu haben, hatte sie in meine Seele blicken lassen. Das Erotische schwang zwar mit, war aber in diesem Falle nicht wichtig. Es war mehr die Kommunikation an sich. Doch offenbar wurde dies "Grundmenschliche" alles weggeworfen, spielte keine Rolle, wurde vergessen, verlegt, zerlegt, war längst zermahlen im Treibsand der pseudo-familiären Umgänge. Es wurde ganz offensichtlich bedeutet, dass man dieser Person nichts bedeutet hatte. Hm. Meine Lehre: Man war ganz offenbar „auf dem falschen Dampfer gewesen“. Man hatte sich selbst die Realität schöngeredet, hatte gelaubt dort, wo Skepsis angemessen gewesen wäre. Ob man dadurch zynischer geworden ist? Mag sein. Aber auch realistischer. Vielleicht hat es ein kleines Stück dazu beigetragen. Wie so manche ähnliche Erlebnisse, die merkwürdigerweise alle ziemlich negativ waren. Ja, man war doch offen dem Positiven gegenüber, hätte nichts dagegen gehabt.... aber die Wirklichkeit spielte andere Spiele.
Blödsinnigerweise zeigte alles in eine andere, eine negativere Richtung..... Ob einem das jetzt ein Recht zum Selbstmitleid gibt? Diese Frage können nur Leute stellen, die aus irgendeinem Grunde nur Positives erleben, die so richtig positiv in die Welt hinaus blicken und nur das Wahre Gute wahrnehmen. Schön, wenn das möglich ist! Sorry, ich kann das nicht, habe es nicht gelernt. Ich weiß: das Positive sehen, das Negative nicht an sich heran lassen... usw., diese oft gehörten Phrasen. Aber jetzt ist sowieso einiges anders. Mir ist das inzwischen alles egal. Ich komme sowieso nicht mehr dahinter, erfasse die dahinter stehenden Strukturen nicht. Ich kann meine Erkenntnisse nicht einbringen. Ich spiele da nicht mit. Meine Überlegungen vermodern zugunsten all der Willy Wichtigs.....
Sollen sie uns doch die Welt erklären! Du hast Leute kennen gelernt, die stets etwas bestimmtes von dir wollten. Anderes nicht. Ganz bestimmt und gezielt. Das ist für mich der Inbegriff der Entfremdung. Man sucht sich an einem anderen etwas aus, was man von ihm will. Auf den Rest legt man keinen Wert. Ich habe das oft gemerkt und reagierte darauf sauer, wurde vielleicht auch mal unfair. Aber ich wollte nicht nur einen gewünschten Teil von mir geben. Ich wollte möglichst in meiner Gesamtheit akzeptiert werden. Ich wollte viel dafür tun, erwartete das aber auch von jemandem anderen.
Ich hatte geglaubt, mit jener Person (in diesem Falle weiblich...) relativ intime Details ausgetauscht zu haben, hatte sie in meine Seele blicken lassen. Das Erotische schwang zwar mit, war aber in diesem Falle nicht wichtig. Es war mehr die Kommunikation an sich. Doch offenbar wurde dies "Grundmenschliche" alles weggeworfen, spielte keine Rolle, wurde vergessen, verlegt, zerlegt, war längst zermahlen im Treibsand der pseudo-familiären Umgänge. Es wurde ganz offensichtlich bedeutet, dass man dieser Person nichts bedeutet hatte. Hm. Meine Lehre: Man war ganz offenbar „auf dem falschen Dampfer gewesen“. Man hatte sich selbst die Realität schöngeredet, hatte gelaubt dort, wo Skepsis angemessen gewesen wäre. Ob man dadurch zynischer geworden ist? Mag sein. Aber auch realistischer. Vielleicht hat es ein kleines Stück dazu beigetragen. Wie so manche ähnliche Erlebnisse, die merkwürdigerweise alle ziemlich negativ waren. Ja, man war doch offen dem Positiven gegenüber, hätte nichts dagegen gehabt.... aber die Wirklichkeit spielte andere Spiele.
Blödsinnigerweise zeigte alles in eine andere, eine negativere Richtung..... Ob einem das jetzt ein Recht zum Selbstmitleid gibt? Diese Frage können nur Leute stellen, die aus irgendeinem Grunde nur Positives erleben, die so richtig positiv in die Welt hinaus blicken und nur das Wahre Gute wahrnehmen. Schön, wenn das möglich ist! Sorry, ich kann das nicht, habe es nicht gelernt. Ich weiß: das Positive sehen, das Negative nicht an sich heran lassen... usw., diese oft gehörten Phrasen. Aber jetzt ist sowieso einiges anders. Mir ist das inzwischen alles egal. Ich komme sowieso nicht mehr dahinter, erfasse die dahinter stehenden Strukturen nicht. Ich kann meine Erkenntnisse nicht einbringen. Ich spiele da nicht mit. Meine Überlegungen vermodern zugunsten all der Willy Wichtigs.....
Sollen sie uns doch die Welt erklären! Du hast Leute kennen gelernt, die stets etwas bestimmtes von dir wollten. Anderes nicht. Ganz bestimmt und gezielt. Das ist für mich der Inbegriff der Entfremdung. Man sucht sich an einem anderen etwas aus, was man von ihm will. Auf den Rest legt man keinen Wert. Ich habe das oft gemerkt und reagierte darauf sauer, wurde vielleicht auch mal unfair. Aber ich wollte nicht nur einen gewünschten Teil von mir geben. Ich wollte möglichst in meiner Gesamtheit akzeptiert werden. Ich wollte viel dafür tun, erwartete das aber auch von jemandem anderen.
Freitag, 28. September 2018
Der Gewitterabend (Georg Trakl)
Der
Gewitterabend (Georg Trakl, 1910)
O
die roten Abendstunden!
Flimmernd
schwankt am offenen Fenster
Weinlaub
wirr ins Blau gewunden,
Drinnen
nisten Angstgespenster.
Staub
tanzt im Gestank der Gossen.
Klirrend
stößt der Wind in Scheiben.
Einen
Zug von wilden Rossen
Blitze
grelle Wolken treiben,
Laut
zerspringt der Weiherspiegel.
Möven
schrein am Fensterrahmen.
Feuerreiter
sprengt vom Hügel
Und
zerschellt im Tann zu Flammen.
Kranke
kreischen im Spitale.
Bläulich
schwirrt der Nacht Gefieder.
Glitzernd
braust mit einem Male
Regen
auf die Dächer nieder.
Donnerstag, 27. September 2018
Gesundheitspolitik
Ich komme zum wiederholten Mal
ins Staunen, wenn ich wahrnehme, welche Erfahrungen ich gerade mit
dem „weltbesten“ Gesundheits- und Pflegesystem machen muss: Es
lässt sich offenbar keine Pflege für einen alten Mann finden, wobei einem bei der nervösen Suche so gut wie niemand beizustehen scheint. Beratung? Null! Nimmt man doch noch Kontakt auf, so heißt es: Die Alten- und
Pflegeheime beklagen einen dramatischen Verlust von Heimen, die nicht
mehr weiter machen wollen, weil sie die Auflagen wegen Einzelzimmer
nicht erfüllen können oder wollen. Ob es stimmt? Tatsache ist: Sie wollen auch in der Breite
wohl niemand aufnehmen. Weder zur sog. „Kurzzeitpflege“ noch zur
„Langzeitpflege“. "Der politische Wille" will anscheinend die Pflege daheim, vor allem auf Kosten der Angehörigen. Doch diese dabei zur Seite sehende "Ambulante Pflege" gibt sich vollkommen überlastet und
nimmt ebenfalls niemand mehr auf. Weigert sich einfach. Kann nicht mehr. Babbela.
Wenn ich das richtig verstanden
habe, verklärt die aktuelle Gesundheitspolitik in typisch
neoliberaler Weise „den Markt“. Er könne und solle das richten. Er würde "das Angebot" schon schaffen. Doch wo ist angesichts der geschilderten Lage „der Markt“? Er scheint eine Illusion, die offenbar in weiter Ferne liegt. Gleichzeitig streut ein Gesundheitsminister den Leuten Sand in die
Augen, indem er 13000 neue Stellen verspricht. Der Clou daran: diese
13000 Neulinge existieren gar nicht! Genau darin besteht ja der
Notstand! Und überhaupt, sollten die existierenden Pflegekräfte halt ein bisschen
mehr arbeiten. Das würde auch schon helfen. So war zu lesen. So etwas mag Politikverdrossenheit schaffen und einen Protest züchten, der sich Ausdruck sucht. Mir
bleibt da nur Zynismus und ein Staunen über die Tricks der
Mächtigen.
Mittwoch, 26. September 2018
Dienstag, 25. September 2018
Montag, 24. September 2018
Pflegemaßnahmen
Ich habe gedacht, ich höre
oder lese nicht richtig. Da schlägt offenbar ein wichtiger Akteur
als Gesundheitsminister vor, dass Pflegekräfte länger arbeiten
sollten. Das würde Wichtiges zur Lösung des Pflegenotstands
beitragen. Ich dachte bisher immer, diese Pflegekräfte würden auch
deshalb leiden, weil sie viel zu viel arbeiten und Überstunden nicht
mehr abbauen könnten. Schlicht: weil Personal fehlt. Doch jetzt lässt der Gesundheitsminister
verlauten, dass er die Arbeitsverhältnisse unter die Lupe genommen
habe und zu dem nun bekannt gewordenen Schluss gekommen sei. Dem
Beschluss zufolge soll in
Zukunft für jede Klinik das Verhältnis zwischen der Zahl der Pflegekräfte und dem anfallenden Pflegeaufwand errechnet
und veröffentlicht werden. Gefährdungen
wegen zu geringer Pflegedichte könnten dadurch ausgeschlossen
werden.
Ich bin baff, auf welche Lösungen das Politpersonal da kommt. In der Altenpflege sollen den Verlautbarungen dieses Gesundheitsminister nach 13.000 zusätzliche Stellen voll finanziert werden, was im Haushalt mit etwa 640 Millionen Euro veranschlagt sei. Wenn ich richtig aufgepasst habe, dann ist ein nicht ganz unwichtiges Problem, dass diese Pflegekräfte gar nicht existieren. Luftnummer? Für weitere Kräfte in Krankenhäusern sei zusätzlich ein dreistelliger Millionenbetrag vorgesehen. Klasse! Im Pflegeberuf soll mit zusätzlicher Belastung bis zum 67. Lebensjahr gearbeitet werden. Toller Einfall! Zumindest scheinen diese Arbeitsplätze sicher zu sein..... Jetzt sollen sollen Pflegekräfte aus dem Ausland angeworben und Umschulungsangebote in Deutschland gemacht werden. Einwanderungsgesetz? Brauchen wir dafür nicht. Ob diese Pflegekräfte in ihrem jeweiligen Land auch fehlen werden? Egal, wir kaufen sie alle. Ob das eine neue Form des Kolonialismus wäre? Ich würde mich gerne korrigieren lassen..... Mir scheint aber ein wesentliches Problem darin zu liegen, dass dieses Politpersonal viel zu weit von der Realität derer entfernt ist, die es vorgibt, zu umkümmern.
Ich bin baff, auf welche Lösungen das Politpersonal da kommt. In der Altenpflege sollen den Verlautbarungen dieses Gesundheitsminister nach 13.000 zusätzliche Stellen voll finanziert werden, was im Haushalt mit etwa 640 Millionen Euro veranschlagt sei. Wenn ich richtig aufgepasst habe, dann ist ein nicht ganz unwichtiges Problem, dass diese Pflegekräfte gar nicht existieren. Luftnummer? Für weitere Kräfte in Krankenhäusern sei zusätzlich ein dreistelliger Millionenbetrag vorgesehen. Klasse! Im Pflegeberuf soll mit zusätzlicher Belastung bis zum 67. Lebensjahr gearbeitet werden. Toller Einfall! Zumindest scheinen diese Arbeitsplätze sicher zu sein..... Jetzt sollen sollen Pflegekräfte aus dem Ausland angeworben und Umschulungsangebote in Deutschland gemacht werden. Einwanderungsgesetz? Brauchen wir dafür nicht. Ob diese Pflegekräfte in ihrem jeweiligen Land auch fehlen werden? Egal, wir kaufen sie alle. Ob das eine neue Form des Kolonialismus wäre? Ich würde mich gerne korrigieren lassen..... Mir scheint aber ein wesentliches Problem darin zu liegen, dass dieses Politpersonal viel zu weit von der Realität derer entfernt ist, die es vorgibt, zu umkümmern.
Sonntag, 23. September 2018
Samstag, 22. September 2018
Es brennt
Schon
merkwürdig, was da in Deutschland los ist! Eigentlich dachten wir,
dass gerade jetzt die (parlamentarische repräsentative) Demokratie
in Hochform sein müsste. Stattdessen steuern wir von einem Tiefpunkt
zum nächsten. Zwischendrin finden dann meist Symbolveranstaltungen
und „Gipfel“ statt, für deren Rituale sich die handelnden
Politiker von willfährigen Claqueuren feiern lassen. Dass die
scheinbar beschlossenen Maßnahmen meist an Kleinigkeiten scheitern,
dass sie meist unausgewogen und für die Galerie formuliert sind,
dass sie zu kurz greifen und oft genug unterfinanziert sind, daran
haben sich alle schon gewöhnt. Dass der
nach unten propagierte Leistungsgedanke in den Reihen dieser
„Entscheidungsträger“ nichts gilt, dafür gab es jetzt genügend
peinliche Belege. Für die Folgenlosigkeit lauthals beschlossener
Maßnahmen dürfte der sogenannte „Dieselgipfel“ vor rund einem
Jahr Beleg genug sein. Ein Schelmenstück
reiht sich ans nächste und so mancher mag sich da fragen, wie lange
das noch so weiter gehen soll. Ob die Oberwichtigs den Ernst der Lage
nicht kapiert haben? Die Umfrageergebnisse sprechen eine deutliche
Sprache. Wer so etwas wie Protest gegen die obwaltenden Umstände
verspürt, scheint sich einer Protestpartei zuzuwenden. Ja, welche
Alternative hätte er denn noch? Digitalisierung scheint ein Thema,
wird aber nur unter einem einzigen Aspekt behandelt. Die
Klimakatastrophe treibt inzwischen ziemlich spürbare Blüten.
Diesbezügliche Ziele werden aber so eben mal verschoben, - das geht
am leichtesten. Die Kulturminister entdecken eben mal, dass ihnen 40
000 oder 50 000 Lehrerstellen fehlen, bezahlbare Wohnungen fehlen
etwa 1,2 Millionen. Einen schlechten Job scheinen diese Politiker zu
machen, die sich ihre Verantwortlichkeiten so gerne gegenseitig
zuzuschieben scheinen und für alles eine passende Phrase bereit zu
haben scheinen. Es brennt ein Moor, es brennt der politische Laden,
aber die Verantwortlichen treiben mit sich Schabernak. Wie lange das
wohl noch so geht?
Freitag, 21. September 2018
Hesse reloaded
Das Folgende habe ich tatsächlich gefunden, als Notiz, als Aufschrieb. Ob ich davon etwas auf irgend eine Art veröffentlichte? Ich weiß es nicht mehr, denn das Fundstück stammt aus dem Jahr 2002:
Hätte sich jemand diesen vogelig dreinblickenden Mann mit dem Sonnenhut und der Nickelbrille lauthals mitgrölend auf einem Rockkonzert vorstellen können? Oder gar hemmungslos auf einer La Ola-Welle dahinwogend? Nein, mit den Massen hatte es der Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse überhaupt nicht. Er gab sich als überzeugter Individualist, als belesener Schöngeist und Eigenbrötler, der vor den Regungen großer Massen ein ständiges Misstrauen empfand, ja, dem vor ihnen regelrecht schauderte, ein Image, das er auch vor der breiten Öffentlichkeit hingebungsvoll pflegte. Just in seinem Todesjahr 1962 war es, als sich die Beatles anschickten, die Popmusik im heutigen Sinne zu einem Massenphänomen zu machen, nachdem Elvis diesbezüglich ja schon in den Fünfzigern Dämme gebrochen hatte.
Nein, irgendwo als kreischenden Fan im Publikum kann sich Hesse kaum jemand vorstellen. Aber vielleicht auf die Bühne, vor die Massen, da hätte der Mozart-Bewunderer hingepasst. Als eine Figur, nicht so harsch und spröde wie Bob Dylan, aber dafür poetisch verspielt wie Leonard Cohen. Als sanfter Erzähler und Verseschmied, der die Dinge des Lebens mit bildhaften Versen hätte sehr einprägsam und eingängig auf einen romantisch klingenden Punkt bringen können. Einer, der die Ausstiegsphantasien der Flower Power-Kinder - und die Weltfluchtutopien einer Hippie-Bewegung der sechziger und siebziger Jahre massenwirksam hätte bündeln und bei Konzerten auf sich vereinen können.
Und hat er sich nicht etwa als leiser Apologet des Drogengebrauchs missverstehen lassen? Nicht umsonst hat ihn der Pop Art-Pionier Andy Warhol in seinem berühmten Porträt ja als eine Art umnebelten Kiffer abgebildet. War sein Held Harry Haller im berühmten Roman „Der Steppenwolf“ auf seiner Reise nach Innen nicht an diversen künstlichen Paradiesen vorbeigekommen, hatte dabei ein Panoptikum der phantastischen Möglichkeiten geschaut und die Abenteuer der anarchistischen Entgrenzung geprobt? Und hat dieser Harry Haller etwa das Angebot des Musikers Pablo abschlagen können, aus einer vergoldeten Dose eine Prise weißen Pulvers zum Schnupfen zu sich zu nehmen?
Ach ja, für die Hippiegeneration war ja alles so eindeutig, für sie war Hesse ein Popstar, mochten die verknöcherten Philologen in Europa noch so sehr vor der Vereinnahmung und Vereinfachung der Gedankenwelt des Pfarrersohns aus Calw warnen oder ihn in die Nähe der Trivialliteratur rücken. 1970, 8 Jahre nach dem Tod des 84 Jahre alt gewordenen Autors, deutete der Drogenpapst und Hochschullehrer Timothy Leary den „Steppenwolf" als „Meisterführer zum psychedelischen Erlebnis" und empfahl, „vor deiner LSD-Sitzung den Steppenwolf als ein unschätzbares Lehrbuch" zu lesen. Der „wirkliche“ Hesse hat zwar öfters mit dem Dämon Alkohol gekämpft. Doch über weitere Drogenexzesse ist nichts bekannt.
Schon zu Beginn der sechziger Jahre waren seine Bücher in den USA zum Bestseller geworden. Eine ganze Generation schien plötzlich Hesse zu lesen, seine Werke lieferten das Modell eines Selbsterfahrungstrips. Und so, wie Hermann Hesse sich selbst und seinen Harry Haller zeichnete, als Außenseiter des bürgerlichen Welt, als schöpferischer Rebell gegen die Welt des Festgefügten und Selbstverständlichen, so wollte in dieser Zeit ohnehin jeder sein. Von den frühesten Werken wie etwa dem Schülerroman „Unterm Rad“, über den Landstreichererzählung „Knulp“ bis hin zum „Steppenwolf“ hatte Hesse das Aufbegehren in der Figur des einsamen Nonkonformisten gezeichnet. Hinzu kam seine Vorliebe für fernöstliches Gedankengut, das unter anderem ganz direkt in Werke wie „Siddharta“ und „Die Morgenlandfahrer“ eingeflossen war und nun den Selbsterfahrern in aller Welt die willkommene Anleitung für die eigene Nabelschau lieferte. Selbst der sexuellen Emanzipation konnte der im pietistischen Milieu aufgewachsene Hesse ein paar – aus heutiger Sicht harmlose - Bilder und Phantasien liefern: so lässt sich Harry Haller als Steppenwolf in eine Menage a trois mit seinem weiblichen Gegenbild Hermine und der Prostituierten Maria ein, der der Musiker Pablo noch einiges an zusätzlicher Würze verleiht. Aber auch der einer Kommune gleichenden Gemeinschaft von Gleichgesinnten lieferte der schwäbische Egomane so manches Modell: In seinem unter Pseudonym veröffentlichten Roman „Demian“ trifft sich eine Gruppe Suchender sehr verschiedener Art, zu der, wie Hesse schreibt, „Astrologen und Kabbalisten, auch ein Anhänger des Grafen Tolstoi, und allerlei zarte, scheue, verwundbare Menschen, Anhänger neuer Sekten, Pfleger indischer Übungen, Pflanzenesser und andere“ gehören. Dominiert wird diese Gruppe von einer erotisch anziehenden „Frau Eva“, was dem Titelhelden so manches in verquasten Bildern ausgemalte Begehren aufbürdet. Modell für die Hippie-Kommune? Oder gar Vorläufer eines Swingerclubs? Hesse seinerseits hatte sich zeitweise zu einer Monte Verita bei Ascona ansässigen Gruppe von nackten Naturmenschen der damaligen Alternativkultur hinzugezogen gefühlt, die dem bürgerlichen Dasein mit sexueller Ausschweifung, langen Haaren und Jesus-Sandalen trotzten.
Hätte sich jemand diesen vogelig dreinblickenden Mann mit dem Sonnenhut und der Nickelbrille lauthals mitgrölend auf einem Rockkonzert vorstellen können? Oder gar hemmungslos auf einer La Ola-Welle dahinwogend? Nein, mit den Massen hatte es der Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse überhaupt nicht. Er gab sich als überzeugter Individualist, als belesener Schöngeist und Eigenbrötler, der vor den Regungen großer Massen ein ständiges Misstrauen empfand, ja, dem vor ihnen regelrecht schauderte, ein Image, das er auch vor der breiten Öffentlichkeit hingebungsvoll pflegte. Just in seinem Todesjahr 1962 war es, als sich die Beatles anschickten, die Popmusik im heutigen Sinne zu einem Massenphänomen zu machen, nachdem Elvis diesbezüglich ja schon in den Fünfzigern Dämme gebrochen hatte.
Nein, irgendwo als kreischenden Fan im Publikum kann sich Hesse kaum jemand vorstellen. Aber vielleicht auf die Bühne, vor die Massen, da hätte der Mozart-Bewunderer hingepasst. Als eine Figur, nicht so harsch und spröde wie Bob Dylan, aber dafür poetisch verspielt wie Leonard Cohen. Als sanfter Erzähler und Verseschmied, der die Dinge des Lebens mit bildhaften Versen hätte sehr einprägsam und eingängig auf einen romantisch klingenden Punkt bringen können. Einer, der die Ausstiegsphantasien der Flower Power-Kinder - und die Weltfluchtutopien einer Hippie-Bewegung der sechziger und siebziger Jahre massenwirksam hätte bündeln und bei Konzerten auf sich vereinen können.
Und hat er sich nicht etwa als leiser Apologet des Drogengebrauchs missverstehen lassen? Nicht umsonst hat ihn der Pop Art-Pionier Andy Warhol in seinem berühmten Porträt ja als eine Art umnebelten Kiffer abgebildet. War sein Held Harry Haller im berühmten Roman „Der Steppenwolf“ auf seiner Reise nach Innen nicht an diversen künstlichen Paradiesen vorbeigekommen, hatte dabei ein Panoptikum der phantastischen Möglichkeiten geschaut und die Abenteuer der anarchistischen Entgrenzung geprobt? Und hat dieser Harry Haller etwa das Angebot des Musikers Pablo abschlagen können, aus einer vergoldeten Dose eine Prise weißen Pulvers zum Schnupfen zu sich zu nehmen?
Ach ja, für die Hippiegeneration war ja alles so eindeutig, für sie war Hesse ein Popstar, mochten die verknöcherten Philologen in Europa noch so sehr vor der Vereinnahmung und Vereinfachung der Gedankenwelt des Pfarrersohns aus Calw warnen oder ihn in die Nähe der Trivialliteratur rücken. 1970, 8 Jahre nach dem Tod des 84 Jahre alt gewordenen Autors, deutete der Drogenpapst und Hochschullehrer Timothy Leary den „Steppenwolf" als „Meisterführer zum psychedelischen Erlebnis" und empfahl, „vor deiner LSD-Sitzung den Steppenwolf als ein unschätzbares Lehrbuch" zu lesen. Der „wirkliche“ Hesse hat zwar öfters mit dem Dämon Alkohol gekämpft. Doch über weitere Drogenexzesse ist nichts bekannt.
Schon zu Beginn der sechziger Jahre waren seine Bücher in den USA zum Bestseller geworden. Eine ganze Generation schien plötzlich Hesse zu lesen, seine Werke lieferten das Modell eines Selbsterfahrungstrips. Und so, wie Hermann Hesse sich selbst und seinen Harry Haller zeichnete, als Außenseiter des bürgerlichen Welt, als schöpferischer Rebell gegen die Welt des Festgefügten und Selbstverständlichen, so wollte in dieser Zeit ohnehin jeder sein. Von den frühesten Werken wie etwa dem Schülerroman „Unterm Rad“, über den Landstreichererzählung „Knulp“ bis hin zum „Steppenwolf“ hatte Hesse das Aufbegehren in der Figur des einsamen Nonkonformisten gezeichnet. Hinzu kam seine Vorliebe für fernöstliches Gedankengut, das unter anderem ganz direkt in Werke wie „Siddharta“ und „Die Morgenlandfahrer“ eingeflossen war und nun den Selbsterfahrern in aller Welt die willkommene Anleitung für die eigene Nabelschau lieferte. Selbst der sexuellen Emanzipation konnte der im pietistischen Milieu aufgewachsene Hesse ein paar – aus heutiger Sicht harmlose - Bilder und Phantasien liefern: so lässt sich Harry Haller als Steppenwolf in eine Menage a trois mit seinem weiblichen Gegenbild Hermine und der Prostituierten Maria ein, der der Musiker Pablo noch einiges an zusätzlicher Würze verleiht. Aber auch der einer Kommune gleichenden Gemeinschaft von Gleichgesinnten lieferte der schwäbische Egomane so manches Modell: In seinem unter Pseudonym veröffentlichten Roman „Demian“ trifft sich eine Gruppe Suchender sehr verschiedener Art, zu der, wie Hesse schreibt, „Astrologen und Kabbalisten, auch ein Anhänger des Grafen Tolstoi, und allerlei zarte, scheue, verwundbare Menschen, Anhänger neuer Sekten, Pfleger indischer Übungen, Pflanzenesser und andere“ gehören. Dominiert wird diese Gruppe von einer erotisch anziehenden „Frau Eva“, was dem Titelhelden so manches in verquasten Bildern ausgemalte Begehren aufbürdet. Modell für die Hippie-Kommune? Oder gar Vorläufer eines Swingerclubs? Hesse seinerseits hatte sich zeitweise zu einer Monte Verita bei Ascona ansässigen Gruppe von nackten Naturmenschen der damaligen Alternativkultur hinzugezogen gefühlt, die dem bürgerlichen Dasein mit sexueller Ausschweifung, langen Haaren und Jesus-Sandalen trotzten.
Donnerstag, 20. September 2018
Mittwoch, 19. September 2018
Ein paar Zahlen zur Gesellschaftsentwicklung
Zahlen
sind doch den meisten Menschen so viel wert. Hier leite ich von ein
paar Zahlen reale Verhältnisse ab: Laut dem Wirtschaftsinstitut WSI
(Hans-Böckler-Stiftung) besaßen 1970 die reichsten 10 % der
Deutschen ungefähr 40 % des Vermögens. In den folgenden Jahrzehnten
profitierte diese Gruppe von der positiven Wirtschaftsentwicklung am
meisten. Heute gehören diesen 10 % fast 70 % des gesamten Vermögens.
Mehr als 6 Billionen Euro. Geschätzt, denn verlässliche Angaben
fehlen. Die Vermögenssteuer wird seit 1997 nicht mehr erhoben.
Zuletzt brachte sie dem Staat 9 Milliarden Mark. Doch das passiert
eher hinter den Kulissen, die meisten Leute scheinen davon keine
Ahnung zu haben. Leute aus der Industrie und Vorstände von großen
Unternehmen, ziehen sich eher von der Öffentlichkeit zurück.
Offiziell, um sich weniger angreifbar zu machen, z.b. für
Entführungen. Aufmerksamkeit ist nicht erwünscht. Schnell könnten
da Neiddebatten aufkommen. Doch nicht zu unterschätzen ist der
Vorgang der Vererbung. Nicht umsoonst wird die derzeit waltende
Generation als „Erbengeneration“ bezeichnet, die etwa 300
Milliarden Euro pro Jahr (!) erbt (mit steigender Tendenz, als
„leistungsloses Einkommen“). Während viele Einkommen jahrelang
stagnierten oder gesunken sind, profitierten wenige von
Lohnsteigerungen und Vermögenszuwachs. Die Niedriglohnsektor wächst und wächst weiter.
Im Ranking der sozialen Ungleichheit ist Deutschland inzwischen rapide abgefallen. Die oberen Lohngruppen haben sich sehr stark positiv entwickelt und die unteren Lohngruppen haben sich nach unten entwickelt. Das bedeutet: Die soziale Schere geht zunehmend auf. Die eine Hälfte der Bevölkerung, etwa 40 Millionen Menschen, besitzt etwa 3 % des Gesamtvermögens. In den letzten Jahrzehmnten haben vor allem die Besitzenden im Anteil am Gesamtvermögen zugelegt. Das Vermögen ist also relativ ungleich verteilt. In diesem Zusammenhang wird gerne darauf verwiesen, dass dieses Geld ja in Betriebsbesitz stecke, in produktiven Zusammenhängen, die dem Allgemeinwohl nützten. Doch nebenbei geht es auch im Startbedingungen, um Erbschaftsverhältnisse, um vorgezeichnete Wege. Wie viel vererbt wird, ist auch regional sehr unterschiedlich. In Bayern fallen pro Erbe im Durchschnitt etwa 170 000 Euro an, in Mecklenburg-Vorpommern etwa 50 000 Euro. Dass dies eine Folge der DDR-Politik ist, scheint klar zu sein. Es werden also in jeder Hinsicht soziale Besitzstände zementiert. Spezialisierte Finanzverwalter sorgen dafür, das je mehr zu verwalten ist, desto weniger an den Staat geht. Es profitieren vor allem Unternehmensvermögen. Jemand, der nicht viel zu vererben hat, zahlt im Durchschnitt etwa 10 % an Erbschaftstseuer. Wer viel zu vererben hat ( ab etwa 10 Millionen), zahlt im Durchschnitt 1 % Erbschaftssteuer. Wie könnte daran etwas geändert werden? Ob es der richtige Weg ist, zu sparen? Beantwortet sich selbst. Ob das alles noch einer Gleichbehandlung entspricht? Ob das alles der Entwicklung unserer Demokratie förderlich sein kann? Ob der Vorwurf der Neiddebatte da noch zieht? "Uns geht es gut?". Ja, vergleichsweise schon. Jedenfalls denen, die profitieren von diesen Entwicklungen der Ungleichheit.
Im Ranking der sozialen Ungleichheit ist Deutschland inzwischen rapide abgefallen. Die oberen Lohngruppen haben sich sehr stark positiv entwickelt und die unteren Lohngruppen haben sich nach unten entwickelt. Das bedeutet: Die soziale Schere geht zunehmend auf. Die eine Hälfte der Bevölkerung, etwa 40 Millionen Menschen, besitzt etwa 3 % des Gesamtvermögens. In den letzten Jahrzehmnten haben vor allem die Besitzenden im Anteil am Gesamtvermögen zugelegt. Das Vermögen ist also relativ ungleich verteilt. In diesem Zusammenhang wird gerne darauf verwiesen, dass dieses Geld ja in Betriebsbesitz stecke, in produktiven Zusammenhängen, die dem Allgemeinwohl nützten. Doch nebenbei geht es auch im Startbedingungen, um Erbschaftsverhältnisse, um vorgezeichnete Wege. Wie viel vererbt wird, ist auch regional sehr unterschiedlich. In Bayern fallen pro Erbe im Durchschnitt etwa 170 000 Euro an, in Mecklenburg-Vorpommern etwa 50 000 Euro. Dass dies eine Folge der DDR-Politik ist, scheint klar zu sein. Es werden also in jeder Hinsicht soziale Besitzstände zementiert. Spezialisierte Finanzverwalter sorgen dafür, das je mehr zu verwalten ist, desto weniger an den Staat geht. Es profitieren vor allem Unternehmensvermögen. Jemand, der nicht viel zu vererben hat, zahlt im Durchschnitt etwa 10 % an Erbschaftstseuer. Wer viel zu vererben hat ( ab etwa 10 Millionen), zahlt im Durchschnitt 1 % Erbschaftssteuer. Wie könnte daran etwas geändert werden? Ob es der richtige Weg ist, zu sparen? Beantwortet sich selbst. Ob das alles noch einer Gleichbehandlung entspricht? Ob das alles der Entwicklung unserer Demokratie förderlich sein kann? Ob der Vorwurf der Neiddebatte da noch zieht? "Uns geht es gut?". Ja, vergleichsweise schon. Jedenfalls denen, die profitieren von diesen Entwicklungen der Ungleichheit.
Dienstag, 18. September 2018
Die große Pleite
Na, das war dann schon ein
bisschen alamierend, was da anlässlich der „10 Jahre Finanzkrise“ in der letzten Woche alles verhandelt wurde! Es könnte jederzeit wieder so etwas
passieren, so war da vielfach zu lesen, nur würde das diesmal von
einer anderen Seite kommen. Offenbar weiß bis heute noch niemand
genau, was damals alles lief. Tatsache ist wohl, dass
Investmentbanken über Jahre hinweg Geld in den US-Häusermarkt steckten, wobei wohl manches riskiert wurde, was wohl nicht hätte
sein sollen. Die Banken zerkleinerten ihre Risikohypotheken, packten
sie neu zusammen und verkauften sie scheibchenweise in alle Welt.
Ratingagenturen gaben dafür gute Zeugnisse sowie ihren Segen und sorgten offenbar so
für den zügigen Abverkauf solcher „Produkte“. So verteilten sie sich im
globalen Finanzsystem.
Ganz vorne war dabei wohl eine namhafte Bank,
die Lehmann Brothers. Investoren ahnten etwas von den Risiken
dieser Geschäfte und setzten alles gegen diese Bank. Sie trieben Lehmann in den Bankrott. Die Panik, die folgte, ließ die Märkte
erschaudern. Die Börsen stürzten ab. Millionen Menschen
verloren ihre Jobs. Aber es hätte wohl noch viel schlimmer kommen
können. Der Staat half aus, kaufte auf und stützte. Viele
Milliarden wurden von ihm ausgegeben, weil die wacklig gewordenen
Banken sich selbst nicht mehr helfen konnten, sich gegenseitig auch nicht mehr trauten und nun für
„systemrelevant“ erklärt wurden, d.h., sie waren zu groß, als
dass man sie hätte einfach pleite gehen lassen können. Im Jahrzehnt nach dieser einschneidenden Pleite wurden milliardenschwere
Strafen verhängt. Regeln wurden verschärft. Rettungsfonds wurden
geschaffen. Doch die Risiken seien mindestens genauso groß wie vor
der Krise von 2008, so war zu lesen. Sie lauern nur anderswo.
Zum Beispiel in den
gigantischen Schulden, die viele Staaten aufgetürmt hatten, um
Banken zu retten. Und dann die Folgen: Griechenland musste mit fast
290 Milliarden Euro dreimal von den anderen Euro-Ländern und dem
Internationalen Währungsfonds (IWF) gerettet werden. Mehr als 40
Jahre soll Athen jetzt noch eisern sparen, um Schulden abzutragen - kein
Land der Welt hat das je geschafft. Und die Zeichen sind nicht gerade günstig.
In Italien beispielsweise
beläuft sich der Schuldenstand auf 130 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts. Die Populisten-Regierung ist dabei, die
Haushaltslöcher durch Mindesteinkommen, Rentenerhöhungen und
Steuersenkungen noch zu vergrößern. Der Euro-Rettungsschirm wird
wohl nicht groß genug sein, um Italien im Ernstfall aufzufangen. Es drohen
Immobilienkrisen und und und.....wo soll man seine paar Kröten
parken, damit sie nicht demnächst vernichtet werden, zum Nutzen der
üblichen Nutznießer, die alle kennen? Es könnten sich gigantische
Crashs abzeichnen, so manche „Experten“. Apocalypse now. Doch
welche Möglichkeiten haben wir? Offenbar nicht allzu viele, so heißt
es.
Montag, 17. September 2018
Sonntag, 16. September 2018
Spiritualität (1)
Dass
die Spiritualität so etwas wie der Gegenpol, der Widerpart der
Religion in unserer zeitgenössischen Gesellschaft sei, habe ich
jetzt oft gelesen. Gottesdienste scheinen schlecht oder nur noch von
einer kleinen Zielgruppe regelmäßig besucht zu sein, heißt es. Sie seien aus
Mangel aus Interesse und Personal zusammengelegt, fusioniert, rationalisiert. Wo es früher 5
Gottesdienste in benachbarten Gemeinden gegeben habe, seien sie nun
aus Mangel an Interesse zusammengelegt zu einem einzigen. Die
Amtskirche mit ihren Beamten und dem Verwaltungsapparat habe
ausgedient, habe ihre Attraktivität gänzlich verloren. Kein Mensch
wisse mehr, was eine von christlich-jüdischen Werten geprägte
Deutung der Wirklichkeit und als "heilig" empfundene Verfassung überhaupt sei. Was könnte angesichts
dessen also Spiritualität überhaupt sein? Was verstehen wir darunter?
Es mag bei ihnen nicht
darum gehen, Dogmen nachzubilden, sondern offen zu leben. In ihnen
gehe es vor allem um Erfahrung, also um etwas Persönliches, um
Selbsterkenntnis, um einen Übergang zu einem Zustand, der zu einer
Befreiung führt. Ob dies freilich auch in dieser Form schon wieder verallgemeinert
werden kann? Wo ist die Abgrenzung zur Esoterik und magischen
Ritualen? Wundersteine, Händelesen, Pendeleien..... Dekorationen
für das äußere und innere Leben? Es gibt ja ganze Messen, die die
Vielfalt des Esoterik-Supermarktes feilbieten. Alles hat seinen
Preis, so scheint das über allem stehende Credo dort zu lauten. Sehr
viele esoterische Praktiken haben sich halt auch dadurch
kompromitiert, dass sie sich im marktwirtschaftlichen Sinne mit einem
Preis versehen haben, dass sie sich eingefügt haben in ein
neoliberales Weltbild, in dem jeder sich sein Seelenheil zu einem vom
Markt bestimmten materiellen Preis „erwirbt“. Ohne Kohle kein
Seelenheil, so hat die Basis einer solchen Praxis oft gelautet. Oft
sind dann auch noch autoritäre Strukturen, Guru-Konfigurationen und
„Meister“-Verehrungen gefolgt, die meist den finanziellen Ruin
des Gläubigen und den frech zur Schau gestellten Luxus des „Führers“
(jawohl, es waren in dieser Funktion meist Männer, die sich selbst
zum „Erleuchteten“ oder „Auserwählten“ verklärt haben. Ob
das etwas über eine machistische Kultur aussagt?) Ob aber
das seelische Heil von einer bestimmten Organisationsform abhängt,
etwa in den „Christlich-abendländischen“ Religionen? Ob es etwas
gibt, das zumindest als Sehnsucht im Innern verwurzelt ist und für
den modernen Menschen mit seinem ach so wissenschaftlichen Weltbild
erschlossen werden kann? Speist sich ein solches Bedürfnis auch aus
der Erfahrung der Urhorde, die sich in kriegerischen
Auseinandersetzung mit anderen befunden hat und dabei Seelentröstung
und -heil verlangte? Hm, das erscheint dem modernen Menschen nicht erlaubt. Galt es, die tiefsten Bedürfnisse, die im
Diesseits nicht zu erfüllen waren, ins Jenseits zu verlegen? Ob ein
Gebet das Schicksal oder den Lauf der Dinge verändern kann?
Samstag, 15. September 2018
Ode an den Herbst (Lyrik, I Goll)
Ode
an den Herbst (Iwan Goll)
Warum
zerreißen die Ulmen
Schon ihr Gewand
Und schlagen um sich mit den Armen
In irrer Besorgnis?
Des Sommers goldene Ruhe
Hat sie verlassen.
Verloren sind die Schlüssel
Die Schlüsselblumen des Glücks
Im grauen Grase,
Und schon vergessen
Verklingen im Abgrund
Die Schwüre der Liebe.
Schon ihr Gewand
Und schlagen um sich mit den Armen
In irrer Besorgnis?
Des Sommers goldene Ruhe
Hat sie verlassen.
Verloren sind die Schlüssel
Die Schlüsselblumen des Glücks
Im grauen Grase,
Und schon vergessen
Verklingen im Abgrund
Die Schwüre der Liebe.
Der
große König
Der seltsam Wissende
Herrscher des Waldes
Er gibt den Kampf auf
Gegen die Wolken,
Er läßt sein rostiges
Szepter fallen,
Der Apfel der Weisheit
Und alle Kronjuwelen
Verfaulen.
Der seltsam Wissende
Herrscher des Waldes
Er gibt den Kampf auf
Gegen die Wolken,
Er läßt sein rostiges
Szepter fallen,
Der Apfel der Weisheit
Und alle Kronjuwelen
Verfaulen.
Im
brüchig rasselnden
Geißblattgeranke
Klopfet die Angst des Iltis
Und über dem Teiche
Zerbricht die Libelle
Wie tönendes Glas.
Geißblattgeranke
Klopfet die Angst des Iltis
Und über dem Teiche
Zerbricht die Libelle
Wie tönendes Glas.
Nur
die Zentauren
Im roten Barte
Sie rennen erfreut
Mit funkelnden Hufen
Die Hügel ab,
Und ihre Spuren
Verglimmen im Moose.
Im roten Barte
Sie rennen erfreut
Mit funkelnden Hufen
Die Hügel ab,
Und ihre Spuren
Verglimmen im Moose.
Es
lösen die Blätter
Sich ab von den Stämmen
Wie wehe, wie wehende Hände;
Sie schichten unten
Ein kupfernes Grab
Den sterbenden Vögeln.
Sich ab von den Stämmen
Wie wehe, wie wehende Hände;
Sie schichten unten
Ein kupfernes Grab
Den sterbenden Vögeln.
In
den Ruinen
Der Vogelburg wohnt noch
Die nächtliche Eule
Der Vogelburg wohnt noch
Die nächtliche Eule
Mit
großen Augen
Das Schicksal beleuchtend.
Das Schicksal beleuchtend.
Freitag, 14. September 2018
Glaubwürdigkeiten
Das Wort und die Relevanz sämtlicher Äußerungen
des Individuums überhaupt
scheint in unserer Gesellschaft doch stark zurück gegangen zu sein. Dabei wird es nostalgisch immer noch gerne simuliert, liebevoll gepflegt, in Nischen gezüchtet - stirbt aber aus. Was vorerst bleibt, sind vielleicht Fragmente, Fetzen, Verfremdungen (auch in meiner Musik). Erinnerungen, gespeicherte Intensitäten, vergessene Strukturen, ein nostalgisches Gefühl von Aufbruch. Anarchisch. Chaotisch. Ich mache mir hier und jetzt auch keinerlei Illusionen über Formen wie Blogs oder Soziale Netzwerke. Sie tragen wohl eher zur Banalisierung des Einzelnen bei, - sie sind Erleichterungen und gleichzeitig geöffnete Schleusen. Der „Einzelne“ (die „Person“) scheint ohnehin selbst sehr stark zu dieser Entwicklung beigetragen zu haben, indem nämlich heute auch scheinbar lyrische Texte industriell, arbeitsteilig und geradezu maschinell hergestellt wurden und zunehmend werden. Der Druck auf die Tränendrüse ist etwas Gekonntes. Der Wutausbruch wird planmäßig herbeigeführt (jeweils beim „Durchschnittsuser“). Die Aufmerksamkeit wird gelenkt. Die Lüge beherrscht unmerklich vorrückend und die Gedanken verschleiernd das Feld. Es herrscht das Kollektive, der Schwarm, die Masse, „Big Data“, der Algorithmus, das kalte Berechnen, - auch gerade der Emotionen.
scheint in unserer Gesellschaft doch stark zurück gegangen zu sein. Dabei wird es nostalgisch immer noch gerne simuliert, liebevoll gepflegt, in Nischen gezüchtet - stirbt aber aus. Was vorerst bleibt, sind vielleicht Fragmente, Fetzen, Verfremdungen (auch in meiner Musik). Erinnerungen, gespeicherte Intensitäten, vergessene Strukturen, ein nostalgisches Gefühl von Aufbruch. Anarchisch. Chaotisch. Ich mache mir hier und jetzt auch keinerlei Illusionen über Formen wie Blogs oder Soziale Netzwerke. Sie tragen wohl eher zur Banalisierung des Einzelnen bei, - sie sind Erleichterungen und gleichzeitig geöffnete Schleusen. Der „Einzelne“ (die „Person“) scheint ohnehin selbst sehr stark zu dieser Entwicklung beigetragen zu haben, indem nämlich heute auch scheinbar lyrische Texte industriell, arbeitsteilig und geradezu maschinell hergestellt wurden und zunehmend werden. Der Druck auf die Tränendrüse ist etwas Gekonntes. Der Wutausbruch wird planmäßig herbeigeführt (jeweils beim „Durchschnittsuser“). Die Aufmerksamkeit wird gelenkt. Die Lüge beherrscht unmerklich vorrückend und die Gedanken verschleiernd das Feld. Es herrscht das Kollektive, der Schwarm, die Masse, „Big Data“, der Algorithmus, das kalte Berechnen, - auch gerade der Emotionen.
Donnerstag, 13. September 2018
Mittwoch, 12. September 2018
Paradox (2)
Wir lassen uns
zur Vergangenheit inspirieren und sollen begreifen, dass wir eine
bestimmte Person waren und jetzt noch sind. Gleichzeitig fühlen wir
uns als jemand anderes, der zurück blickt. Wir leben ein Paradoxon
und sollen es aushalten. Uns überschwemmen bestimmte
Bewusstseinsinhalte, denen wir mutig entgegen treten sollen: Wir
leben nur in der Gegenwart! Wie oft habe ich diesen Spruch gehört.
Ich glaube, man kann in der Gegenwart leben und trotzdem akzeptieren,
dass man so wie jetzt geworden ist. Dass man hinein geschlittert ist
in eine Gegenwart, die man vielleicht erst viel später besser
begreift. Man darf sich wundern: bin das ich oder war das ich? Der
Mensch ist wohl, mag er noch so marottenhafter Einzelgänger sein,
ein soziales Wesen und als solcher bestimmten Verhältnissen
ausgeliefert. Will man sich begreifen, einem Selbst näher kommen,
sollte man sich wohl auch von seiner Vergangenheit inspirieren
lassen, ohne daran mit einem „Früher-war-alles-besser“-Gefühl
kleben zu bleiben. Vielleicht geht es darum, das ganze Gebilde, das
man selbst darstellt, besser zu begreifen, sich seiner selbst bewusst
zu werden, oder zumindest versuchen, sich selbst anzunähern, es
herein zu holen in das, was man aktuell darstellt. Das scheinbar
Selbstverständliche auflösen in etwas, über das man sich wundern
kann. Ihm die Sphäre des Selbstverständlichen nehmen, das zu
akzeptieren man damals verurteilt war.
Dienstag, 11. September 2018
Montag, 10. September 2018
Sonntag, 9. September 2018
Herrschaft der Algorithmen?
Der
freie Wille? Eine alte Streitfrage, gerade in der Philosophie. Haha. Ich sehe schon, wie die Auskenner die Augenbraue hoch ziehen.... Die einen behaupten, dass alles determiniert, also festgelegt sei:
durch Gene, Umwelt, Gehirnstrukturen, Chemie, Normen.... Die anderen
halten am freien Willen fest, weil der dem mündigen Bürger immanent sei, das heißt, ein wesentlicher Bestandteil seines Seins.
Nun scheinen noch die digitalen Herrschaftsformen hinzuzukommen, die
mehr oder weniger indirekt den Menschen zu entmündigen scheinen.
Algorithmen scheinen unser Dasein in Zukunft zu bestimmen: und diese
Zukunft hat schon angefangen. Wahrscheinlichkeiten, mit denen ein
bestimmtes Ereignis eintritt, welche Nachrichten wir lesen und welche
Konsumartikel wir kaufen, wie wir von Behörden belangt werden und
welche Partei wir wählen: alles automatisiert und nach
Wahrscheinlichkeit vorhergesagt. Wo da ein Bedürfnis nach Über- und
Durchblick bleibt? Nach „Grundwerten“? Demokratie? Wie wohl die
Juristerei damit umgeht? Ob das alles auch eine Machtfrage ist? Wem
bedeutet dies etwas Konkretes? Wer einen praktischen Versuch mit
Algorithmen unternehmen will, startet seine Suchmaschine. Selbst ihre
Ergebnisse erscheinen verdeckt und ihre Kriterien erschließen sich
möglicherweise nicht so schnell. Tatsache ist, dass Algorithmen
vieles sogar besser zu wissen scheinen, als wir selbst. Der Mensch
wird bei ihnen eine vorhersagbare Masse, die es zu steuern gilt. Doch
nach welchen Kriterien? Ob "der Staat" diese vorgibt, wie jetzt bereits in einigen Ländern? Oder Firmen? Oder "Experten"?
Samstag, 8. September 2018
Heimat (4)
Wenn
man jemand persönlich kennen lernt, ist es ungleich schwieriger, mit
ihm kritisch oder gar ablehnend umzugehen. Persönliche Bande
schaffen so etwas wie Beishemmung. Gerade in einem journalistischen
Alltag schien mir das umso bedeutender, je weniger dies von Kollegen
beachtet wurde. Doch im Falle des zunächst Fremden und Ausgegrenzten
kann es auch helfen, Barrieren abzubauen. Wer jemanden aus einem
anderen Kulturkreis kennen lernt, nimmt bewusst viele
Anregungen auf, verliert eine Distanz, lernt das Gegenüber
möglicherweise als Menschen mit all seinen Unzulänglichkeiten und
Liebenswürdigkeiten kennen. Viele Menschen sagen aber auch, dass sie
so genau gar nicht wissen woher sie kommen, da ihre Herkunft gar
nicht auf einen ganz bestimmten Ort, eine ganz bestimmte Familie oder
Kultur zuführt. Es scheint immer mehr „globale“ Existenzen zu
geben. Ob aber nicht gerade bei ihnen das Bedürfnis nach so etwas
wie „Heimat“ gewachsen ist, ob sie ihren eigenen Weg und Begriff
dazu finden müssen? Ob dies eine gewisse Anstrengung bedeuten kann,
bei der unsere Hilfe etwas Positives beitragen kann? Was bin ich? Wer
bin ich? Sind wir in der Lage, eine gute Antwort auf diese Fragen zu
geben?
Freitag, 7. September 2018
Donnerstag, 6. September 2018
Wahnsinn (Baudelaire)
Wahnsinn (Charles
Baudelaire)
Ihr
Wälder ängstigt mich wie Kathedralen,
Ihr seid durchheult von wildem Orgelklang,
Und des Verdammten Herz in ewigen Qualen
Stöhnt Echo eurem De-profundis-Sang.
Ihr seid durchheult von wildem Orgelklang,
Und des Verdammten Herz in ewigen Qualen
Stöhnt Echo eurem De-profundis-Sang.
Dich hass
ich, Ozean! Dein sinnlos Tosen
Find' ich in mir. Wut und Verzweiflungswahn,
Schluchzendes Lachen eines Hoffnungslosen
Tönt mir aus deinem Lachen, Ozean!
Find' ich in mir. Wut und Verzweiflungswahn,
Schluchzendes Lachen eines Hoffnungslosen
Tönt mir aus deinem Lachen, Ozean!
Dich liebt
ich, Nacht, liess nicht der Sterne Strahl
Vertraute Sprache zu mir niedergleiten,
Ich suche tote, schwarze Einsamkeiten,
Vertraute Sprache zu mir niedergleiten,
Ich suche tote, schwarze Einsamkeiten,
Doch
Finsternis ist nur ein schwarzer Schal,
Tausend Gesichter schau'n aus seinen Falten
Verwandten Blicks, verlorene Gestalten.
Tausend Gesichter schau'n aus seinen Falten
Verwandten Blicks, verlorene Gestalten.
Mittwoch, 5. September 2018
Protest und Politik
Wer
mit den Verhältnissen hier nicht einverstanden ist, wer kritisch ist und
das auch zeigen will, wer einen Protest vor sich her trägt, wie ich
ihn hier artikuliert habe, welche Chancen hat er in Deutschland? Es
scheint alles kanalisiert zu sein, in Bahnen gelenkt, moderiert,
unschädlich gemacht. Doch was, wenn einem genau dies nicht behagt?
Tatsache ist wohl, dass ein massiver Pflegenotstand herrscht, dort,
wo es einer der reichsten Nationen der Erde anderes möglich sein
müsste. Die Ziele, die ausgegeben waren, um dem Klimawandel entgegen zu wirken, sind von Regierungsseite längst aufgegeben. Es wird sich sogar damit gebrüstet, dass man den sogenannten Kohleausstieg nun doch nicht vollzieht, während die Hörigkeit der Autoindustrie gegenüber so ziemlich offensichtlich erscheint. Der Lehrermangel treibt gleichzeitig seltsame Blüten:
einerseits scheinen Lehrer zu den Sommerferien entlassen zu werden,
andererseits fehlen bis zu 50000 Lehrer, die mit ihren befristeten
Arbeitsverträgen (Die Ministerien (also die „öffentliche Hand“)
scheinen sich darin ganz besonders hervor zu tun....) in maroden und
baufällig gewordenen Schulen ihren Dienst tun sollen. Es fehlt auch
heftig an bezahlbarem Wohnraum, wobei von gewissen
Ministerpräsidenten gleichzeitig in der öffentlichen Hand
befindliche Wohungen an die Privatwirtschaft verhökert werden. Jobs
auf Abruf und ohne Sachgründe befristete Arbeitsverträge scheinen
überall die Regel geworden zu sein. Das Verteidigungsminsterium, dem
es in der Vergangenheit auf dreistellige Millionenbeträge ohnehin nicht so
recht ankam, muss sich vom Bundesrechnungshof rügen lassen, weil es
offenbar Mängel gezielt verschleiert und mit "Fake Facts" sowie falschen Zahlen operiert. Die Presse geht darauf sehr
knapp (wenn überhaupt) ein, es scheint sich dabei um
Kollateralschäden zu handeln. In das seit langen Jahren geplante
Krankenkärtchen hat die AOK offenbar bereits 2 Milliarden
investiert: ohne spürbaren Effekt. Gleichzeitig gelingt es in Berlin
nicht, einen Flughafen zu bauen und in Stuttgart wird ein geplanter
Bahnhof mit möglicherweise zweifelhaftem Nutzwert immer teurer: die
Kosten laufen hier völlig aus dem Ruder, die Fertigstellungsfrist
wird wie beim Großprojekt in Berlin fortwährend verlängert. Ob
das gelungene Lenkungsleistungen der Politik sind? Ob einem das nicht
den Anlass zu Protesten gegen die etablierten Parteien und ihre politischen "Lenkungsleistungen" gibt?
Dienstag, 4. September 2018
Paradoxe Zeitreisen (3)
Ob Zeitreisen in die Zukunft möglich sein werden? Die Zeit ist wie ein fließendes Gewässer, und es scheint, dass wir alle gnadenlos von diesem Zeitstrom mitgerissen werden. Doch die Zeit gleicht auch in anderer Hinsicht einem Fluss. Sie fließt an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Das könnte der Schlüssel sein zu Zeitreisen in die Zukunft: Die Idee dazu entwickelte Albert Einstein vor mehr als 100 Jahren. Er erkannte, dass es Orte gibt, an denen die Zeit langsamer vergeht und andere, an denen die Zeit schneller vergeht. Ein aktueller Beweis dazu: Das JPS-System, mit dem wir alle so gerne leben und dessen wir uns bedienen funktioniert mit einer hochpräzisen Uhr. Sie misst, dass die Zeit in einer solchen Satelliten-Umlaufbahn schneller vergeht als bei uns auf der Erde. Dies macht zwar nur den Milliardenbruchteil aus, könnte aber bei einer Nichtkorrektur für eine Positionsbestimmung katastrophale Folgen haben, indem nämlich völlig falsche Berechnungen bei uns auf der Erde ankommen würden. Hierbei scheint die Masse der Erde eine Rolle zu spielen. Einstein erkannte, dass die Masse einen Einfluss auf die Zeit hat. Je schwerer ein Objekt ist, desto mehr dehnt es die Zeit. Um also Zeitreisen in die Zukunft zu unternehmen, benötigen wir etwas, was sehr viel mehr Masse hat, als unsere Erde. Das Universum? Ein "schwarzes Loch" (das die Masse von 4 Millionen Sonnen enthält)?
Montag, 3. September 2018
Gut unterwegs
Es war ein heißer Sommer
hier, der so manchen Mitmenschen die Gefahren des Klimawandels noch
einmal eindringlich klar gemacht hat. Doch was ist los? Zahlen: Nur
3,4 % der neu zugelassenen Autos haben 2017 einen alternativen
Antrieb. Aber schon 25 % aller neu zugelassenen Autos sind jetzt
SUVs. Diese Dickschiffe, die das Doppelte eines von einem
herkömmlichen Auto beanspruchten Platzes brauchen, das Vierfache an
Kraft verbrauchen und dafür aber die superdicken Reifen haben, die
alles platt walzen können oder sollen. Flugverkehr: es wird gerne
geflogen. Die Billigfluglinien steigerten die Zahl der von ihnen
angebotenen Sitze von 2011 bis heute um 187 %. In den vergangen
Jahren stieg die Zahl der Gäste an deutschen Flughäfen um 67 %..
Dabei ist etwa ein Flug von und nach Teneriffa so klimaschädlich,
als sei man 1 Jahr lang Auto gefahren. Kreuzfahrten sind zum
Massentourismus geworden. Die meisten Schiffe tanken besonders
giftiges Schweröl. Rund 2,7 Mio deutsche Passagiere kreuzten mit
solchen Schiffen bereits über die Meere. Prozentualer Anstieg seit
1995: + 870 %.
Ist das Verdrängungskultur
nach dem Motto „Es wird schon noch irgendwie gut gehen“?
Massentierhaltung? Fleisch jeden Tag? Muss das sein? Oder sind da
ganz gewisse Menschen so etwas wie die Schrittmacher, die breitere
Massen nach sich ziehen? Mit den Medien als „Transportriehmen“?
Die „Erfolgsmenschen“, die den anderen alles vormachen? Ob die
Politik hier Rahmenbedingungen setzen könnte? Ob wir das Problem der
Braunkohle endlich angehen könnten? Macron hat es ja leicht, darauf
zu verzichten. Frankreich produziert seinen Strom überwiegend mit
Atomkraftwerken. Aber er nutzt das gerne. Hauptsache, wir sind die
Guten. Und die anderen die Schlechten. Auch ich habe es auch schwer,
aus der Komfortzone heraus zu kommen.
Die
15 größten Schiffe machen mehr Dreck als alle Autos der Welt
zusammen, so war schon vor Jahren zu lesen. Ob's stimmt? So pauschal?
Besonders schlimm scheint die Verschmutzung zu sein, wenn die
Riesenschiffe mit laufendem Motor am Hafenkai liegen. Hier kursieren
astronomische Zahlen. Was aber wahr zu sein scheint: Die
Luft an Bord von überwiegend mit Schweröl betriebenen
Kreuzfahrtschiffen ist hochgradig mit Schadstoffen belastet. Die
Werte auf den Schiffen liegen anscheinend 200 Mal über dem Richtwert
für saubere Luft, so ergaben geheime Messungen. Saubere
Luft ist an Bord der Ozeanriesen Mangelware. In der Nord- und Ostsee
dürfen Handels- und Kreuzfahrtschiffe sowie Fähren seit 2015
allerdings nicht mehr mit Schweröl, sondern nur noch mit einem
Dieseltreibstoff unterwegs sein, der maximal 0,1 Prozent Schwefel
enthält. Alternativ müssen die Abgase über eine Art Waschanlage an
Bord gereinigt werden.
Sonntag, 2. September 2018
Samstag, 1. September 2018
Abend (Lyrik, A Gryphius)
Andreas
Gryphius
Abend
(1650)
Der schnelle Tag ist hin, die Nacht schwingt ihre Fahn, Und führt die Sternen auff. Der Menschen müde Scharen
Verlassen feld und werck, wo Thier und Vögel waren ,
Trawert itzt die Einsamkeit. Wie ist die zeit verthan!
Der port naht mehr und mehr sich, zu der glieder Kahn.
Gleich wie diß licht verfiel, so wird in wenig Jahren,
Ich, du, und was man hat, und was man siht, hinfahren.
Diß Leben kömmt mir vor alß eine renne bahn.
Laß höchster Gott mich doch nicht auff dem Lauffplatz gleiten ,
Laß mich nicht ach, nicht pracht, nicht lust, nicht angst verleiten.
Dein ewig heller glantz sei vor und neben mir,
Laß, wenn der müde Leib entschläfft, die Seele wachen,
Und wenn der letzte Tag wird mit mir abend machen,
So reiß mich auß dem thal der Finsterniß zu dir.
Abend
(1650)
Der schnelle Tag ist hin, die Nacht schwingt ihre Fahn, Und führt die Sternen auff. Der Menschen müde Scharen
Verlassen feld und werck, wo Thier und Vögel waren ,
Trawert itzt die Einsamkeit. Wie ist die zeit verthan!
Der port naht mehr und mehr sich, zu der glieder Kahn.
Gleich wie diß licht verfiel, so wird in wenig Jahren,
Ich, du, und was man hat, und was man siht, hinfahren.
Diß Leben kömmt mir vor alß eine renne bahn.
Laß höchster Gott mich doch nicht auff dem Lauffplatz gleiten ,
Laß mich nicht ach, nicht pracht, nicht lust, nicht angst verleiten.
Dein ewig heller glantz sei vor und neben mir,
Laß, wenn der müde Leib entschläfft, die Seele wachen,
Und wenn der letzte Tag wird mit mir abend machen,
So reiß mich auß dem thal der Finsterniß zu dir.
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