Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
Mittwoch, 26. Mai 2021
Was "normal" sei.....
Aus gegebenem Anlass habe ich mir mal wieder Gedanken darüber gemacht, was „normal“ sei, ein Begriff, der hier in diesem Blog immer wieder auftaucht, auch weil er mir soziologisch interessant zu sein scheint. Er scheint mir nämlich eng mit dem jeweiligen Wertesystem zusammenzuhängen, unter dem eine bestimmte Person aufwächst. Dieses Wertesystem ist oft von kulturellen, religiösen oder ökonomischen Gesichtspunkten bestimmt. Von klein auf wächst eine Person in ein solches Wertesystem hinein, hält es für real. Soziologen und Psychologen würden dazu sagen: eine Person ist unter diesem Wertesystem sozialisiert. Nur wenige Personen erhalten im Rahmen ihrer Erziehung (Sozialisation) Gelegenheit zu erfahren, dasss solche Wertesysteme austauschbar sind, dass Leben in einer langen Suche nach der richtigen Bewertung und Einodrnung von Verhalten bestehen könnte. Meist gibt es absolute Vorgaben: eine Instanz bestimmt, was gut oder schlecht, was anstrebenswert oder zu vermeiden, was Schwarz oder Weiß sei. Das Individuum hat sich an solche Vorgaben zu halten, ansonsten würde es sanktioniert (was bis zum Tode gehen kann). Auf was so etwas hinaus läuft: Feste und vorgegebene Maßstäbe. Ein dazu gehöriges autoritäres Element. Dazu gehören auch die in unseren Breiten vorgegebenen Maßstäbe von Erfolg, der sich meist am Geld oder untergebenen Personen bemisst. Der wichtige Dreh ist: das, was „normal“ erscheint, ist relativ, also eine Frage des Ausgangspunktes oder des Punktes, von dem aus ich etwas beurteile.
Augenblicke
Augenblicke, wenn du außer dir und doch so ganz bei dir bist, du suchst sie bisweilen. Aber sie kommen und gehen, wann sie wollen. Du ahnst, dass du eines Tages in eine andere Welt eingehen wirst, du schaust in die Wolken und wirst plötzlich ein Teil von ihnen. Es geht hinaus in den Weltraum, wo du ganz alleine bist, alles eine Frage des Bezugspunktes, entrückt in andere Realität. Ein Lächeln, du versuchst es festzuhalten, zu sammeln, wesentlich, "eigentlich" sein, magische Momente, was heißt das?: Du bist du? Weniger als ein Staubkorn im Universum. Du wartest auf etwas Wunderbares, eine "Grenzüberschreitung", ein "Abenteuer"?, etwas Anderes, wo findet man das?: die Suche, die Ferne, das Uneingelöste, den Augenblick genießen, das Unendliche, das Nichtmitteilbare, dein Persönliches, deine Welt erweitern in Richtung auf deine Phantasie, aber nicht die trivialen Medienphantasien von der Stange sondern deine ureigenen, deine Reise, wohin bist du noch unterwegs? Dieses "in Bewegung sein" ist dir wertvoll, du willst dich noch eines Tages „verwirklichen“, mit dir selber identisch werden, dieser Drang ist dir angeboren: du hast davon geträumt, solange du denken kannst, lange hast du gedacht, das andere Leute diesen Drang, dieses persönliche Versprechen genauso mit sich herumtragen. Aber da ist nur Dumpfheit, die "normale" Dumpfheit, die allmächtige Alltäglichkeit, der Strom der Selbstverständlichkeiten, der Konventionen. Das macht dich fremd, du fällst dauernd heraus aus deren Small-talk-Welt.
Da ist der unbegreifliche "Andere", - "die Hölle, das sind die Anderen" sagte sinngemäß Jean-Paul Sartre, der beispielhafte Erfolgsgeistesmensch. So etwas kann man objektivieren, von sich selbst absehen überhaupt, ist nicht schon die Erkenntnisrichtung völlig subjektiv?, die kulturellen Wertungen bringen uns um unsere persönliche Unmittelbarkeit, (es gilt das „nicht sentimental sein“, Wichtiges aussagen, originell sein, nicht banal, der Intellektuelle ist darauf programmiert, er kennt das Bücherbewusstsein, den sprachlichen Diskurs...usw......). Du spürst: Das Leben ist anders, ästhetische Probleme sind tatsächlich sekundär, das was du bist, das Tatsächliche ist etwas, das sich damit beist.
Mittels eines Buches hast du sie schon gehabt, diese Augenblicke. Der Schriftsteller schien deine Welt zu teilen, von deinem Persönlichen zu wissen: endlich jemand, der auch davon weiß. Aber dann liest du irgendein Interview von ihm, er sagt furchtbar gescheite und dumme Sachen, aber aus dem Ganzen ist überhaupt nichts von dem zu entnehmen was du bei ihm festzustellen geglaubt hast. Der ist dir fremd. Der lebt also doch in einer ganz anderen Welt. Die Eitelkeiten, die Pfauenräder verstellen immer wieder den Blick auf das, was dich interessiert. Im Resultat bleibt ein Graben zwischen uns. Ja, dieser alte Traum, sich mit jemandem perfekt zu verstehen, eine Art absolute Gemeinsamkeit herzustellen. Auch eine der Lockungen, die du nie wirst endgültig abhaken können. So oft schon hereingefallen weißt du eigentlich genau um deren prinzipielle Unerfüllbarkeit. Du bist daneben, es gelten andere Spielregeln, du lebst tatsächlich in deiner Nebenwelt und versuchst, diese Augenblicke zu sammeln. Wieso eigentlich das Bedürfnis, das alles Mitzuteilen. Eitelkeiten? Irgendeine Wichtigkeit vermutend, der eigenen Person, oder der Mitteilung? In einer "Informationsgesellschaft", in der kaum noch jemand all diese Reize ordnen, geschweigedenn verarbeiten kann? Wo sollte das Interesse sein? Das Interesse, das Aktionen auslösend kommerziell verwertbar ist?. Du bist umsonst. Wahrlich umsonst.
(geschrieben wohl in grauer Vorzeit)
Dienstag, 25. Mai 2021
Bäume umarmen (2)
Einen Baum zu umarmen soll glücklich und gesund machen? Wer einem Menschen begegnet, der einen Baum umarmt, sollte sich nicht bedroht fühlen. Dieser Mensch ist wahrscheinlich kein Verrückter, sondern er betreibt Fitness. Denn Bäume umarmen soll helfen, gesund und glücklich zu werden, so sagt man (Wer ist „man“?)! Dazu sollte man etwas über Ding Shu Gong wissen. Wirklich? Oder ist das viel unmittelbarer?
Was ist Ding Shu Gong?
Ding Shu Gong ist chinesisch und bedeutet in Etwa „sich an Bäume anlehnen/ mit ihnen in Beziehung treten und deren Fähigkeiten erlernen“. Die Idee dahinter: Man nimmt durch die Umarmung die heilende Energie der Bäume in sich auf und kann so dazu beitragen, gesund und fit zu bleiben. Alles Esoterik-Quatsch und Kitsch? Wissenschaftler fanden Erstaunliches heraus: Wer in der Nähe von Bäumen wohnt, wird weniger krank. Außerdem ist frische Waldluft gesund und revitalisierend. In der buddhistischen Religion gilt der Schatten eines Baumes als bester Ort um zu meditieren. Fest steht also: Bäume beruhigen und geben uns ein gutes Gefühl. Aber warum sie umarmen?
Befürworter der Theorie behaupten, dass jeder Baum eine spezielle Wirkung auf den Menschen hat. So regt die Eiche etwa unseren Kreislauf an, die Linde lindert Liebeskummer und die Birke hilft gegen Depressionen. Wenn man diese Bäume berührt oder bestenfalls sogar umarmt, geht diese heilende Wirkung auf die Menschen über. Haha, das erinnert uns dann doch an Astrologie und ihre nebulösen Versprechen. Kann was dran sein. Doch wir haben dies nicht in unseren Horizont übernommen. Stattdessen haben wir weiter gelesen: Der Physiologe Maximilian Moser erklärte der FAZ gegenüber, dass Spaziergänge im Wald den Puls wesentlich mehr senken, als vergleichbare Spaziergänge in der Vorstadt. Das Gleiche gilt für den gesunden Schlaf: Wer in einem Echtholz-Bett schläft, hat einen erholsameren Schlaf. Ob esoterischer Blödsinn oder nicht, in der Natur zu sein kann auf jeden Fall nicht schaden, - zumindest. Vielleicht tut man auf diesem Wege etwas für sich. So manches mag dafür sprechen. Und wer zwei Stunden durch den Wald läuft, wird auf jeden Fall fit - ob er dazwischen Bäume umarmt oder nicht.
Montag, 24. Mai 2021
Bäume umarmen
Was ich unlängst las und mir heraus kopiert habe: Bäume zu umarmen, bisher eher als Marotte von Ökofreaks bekannt und verschrien, kann auch medizinische Effekte haben: Die Rinde der Bäume enthält wohl sogenannte Terpene, die das menschliche Immunsystem stärken und vor Krebs schützen. Wer einen Baum umarmt, atmet diese Terpene ein und nimmt sie über seine Haut auf.
Das berichtet der Biologe und Bestseller-Autor Clemens G. Arvay in seinem neuen Buch „Der Biophilia-Effekt – Heilung aus dem Wald“ mit Bezug auf Forschungsergebnisse der Nippon Medical School in Tokyo. „Terpene erhöhen die Zahl und fördern die Aktivität jener natürlichen Killerzellen im menschlichen Körper, die Viren entfernen und Krebszellen sowie potenzielle Krebszellen bekämpfen“, schreibt Arvay. „Ebenso aktivieren Terpene die drei wichtigsten Anti-Krebs-Proteine, mit denen unser Immunsystem Tumore bekämpft und uns vor Krebs schützt.“ Es gibt sogar ein Chemotherapeutikum, das auf Terpenen basiert.
Um die positiven Effekte der Terpene zu nützen, müssen Waldbesucher die Bäume nicht zwangsläufig umarmen. „Forscher fanden heraus, dass schon ein ausgedehnter Waldspaziergang die Anzahl und die Aktivität der natürlichen Killerzellen um bis zu 50 Prozent erhöht“, betont Arvay in seinem Buch. Die Terpene entströmen auch den Baumkronen, den Blättern und Stängeln sowie dem Boden. „Wer einen Baum umarmt, kommt allerdings der reichhaltigsten Quelle von Terpenen besonders nahe. Das haben Menschen, die wir lange als Spinner abgetan haben, wohl intuitiv gespürt.“
Sonntag, 23. Mai 2021
Windstille
WINDSTILLE
Dem Herzschlag zuhören
zusehen
wie die Zeit flieht, aber:
die Luft bleibt stehen
zuhören,
wie die Worte kotzen im Gehirn
woher die Kraft nehmen, um die Segel zu setzen?
Die Mannschaft ist ertrunken und
draußen, weit draußen:
Gischtkronen?
Samstag, 22. Mai 2021
Freitag, 21. Mai 2021
Unter Bäumen
Ein Baum muss keinen Nutzen oder Daseinszweck haben. Der ist nur nebensächlich. Den schreiben nur wir ihm heute darüber hinaus mit den Mitteln der Forstwirtschaft zu. Da ist die Eibe. In praktisch allen alten Kulturen galt sie als heilig. Dort, wo sie noch heute als heiliger Baum verehrt wird, gelingt es den Menschen oft, mit der Natur zu leben, ohne sie zu zerstören. Als uns das Empfinden für eine solche Bedeutung verloren ging, war das vielleicht der Moment, in dem unsere Zivilisation begann, Bäume nur noch als Ressource zu sehen. Diese Bäume wurden gefällt, um aus ihren Holz Feuer zu machen und es auf vielerlei Arten zu nutzen oder zu benutzen. Daraus wuchsen im Laufe der Zeit die heutigen Umweltschäden. Wir haben das Empfinden für das spezielle Sosein der Bäume völlig verloren. So haben manche Bäume etwas Besonderes an sich. Sie sind so alt und majästetisch gewachsen, dass man ihnen unwillkürlich Respekt zollt. Hierzu gehört oft auch die Eibe. Der Mensch schützte sie in früheren Zeiten, weil sie als heilig galt und sie wohl immer noch als sehr geheimnisvoll gelten darf. Sie wird mehrere tausend Jahre alt und kann dann noch immer prächtig gedeihen. In Schottland soll eine immer noch vitale Eibe wachsen, die 5000 Jahre alt ist. Sie bietet sich an, sie zu berühren. Etwas zu berühren heißt, sich von seiner physischen Existenz zu überzeugen. So kann der Wald auch hier für uns zu einem Ort der Selbstbesinnung werden. Ein Ort, an dem die Zeit eine andere Dimension hat und der Raum von lebenden Pflanzen eingenommen wird. In den Wald einzutauchen, kann also insofern bedeuten, zu den Quellen des Daseins zurück zu kehren. Der Wald kann dann zu etwas werden, was einer großen grünen Mutter gleicht. Die Gerüche und Geräusche des Waldes bringen in uns etwas zum Schwingen, eine Erfahrung, die der Mensch seit hunderttausenden von Jahren gemacht hat. Wir könnten unter Umständen auch heute versuchen, der Tier oder Pflanzenwelt im Wald wieder näher zu kommen. Bäume könnten immerhin die Möglichkeit bergen zu unseren Wurzeln zurück zu kehren, daraus Energie zu beziehen und uns reicher zu machend die Welt verändern. Ein hoher Anspruch, gewiss. In der spirituellen Verbindung zur Natur wird auch die Dimension des Kosmos ahnbar, ist zu erahnen. Staunen und so etwas wie Ehrfurcht wiederfinden, könnte ein Ziel sein. Die ich Geheimnisse der Zeit ergründen. Wissen und ahnen, wo man herkommt und wo man hingeht.
Donnerstag, 20. Mai 2021
Mittwoch, 19. Mai 2021
Steueroptimierer revisited
Seltsam, was alles so schnell als „Sozialromantik“ abgetan wird. Zum Beispiel, dass Leute, die Millionen verdienen und in der Pandemie verdient haben, auch mehr Steuern zahlen sollen. Sie werden von ihren Lobbyvertretern gerne als „Leistungsträger“ bezeichnet. Doch es scheint erhebliche Gründe zu geben, wieso diese Leistung bezweifelt werden kann. Vielmehr scheinen sie im öffentlichen Schwadronieren über solche „Leistungen“, im Darstellen und Vertreten von Interessen ganz gut zu sein. Zudem erbringen diese „Führungskräfte“ gewisse Leistungen, die zur aktiven Steuermeidung führen, die gerne mal als „Steueroptimierung“ bezeichnet wird. Ob die erbrachte Leistung wirklich Millionen wert ist? Im Sinne der Umsatzstatistik und der Kennzahlen für Konzerne wäre dies wohl zu überlegen. Dass etwa große Digitalkonzerne ihre Steuern nicht dort bezahlen, wo sie diese erwirtschaftet haben, sondern dazu mit ihrem Geld Steueroasen aufsuchen, wo sie Bruchteile der zu entrichtenden Steuern zahlen, erscheint mir ziemlich falsch und ungerecht (aber derzeit immer noch die Praxis trotz halbgarer Eindämmungsversuche). Dass die Politik hier keine Wege findet und dass dies Gebaren immer weiter zu gehen scheint, finde ich jämmerlich. Erhöhte Steuern könnten auch zu Steuerflucht führen, wird gerne eingewandt. Dass dies auch einen Weg in den „freien Markt“ in Gesamtrichtung nach Amerika und - idiologisch gesehen - in die Planwirtschaft eröffne, wird schon mal hinterher geschoben. Nun ja, für ein Stück Steuergerechtigkeit würde ich das in Kauf nehmen. Und ob die Angst vor dem Groll „der Amerikaner“ so etwas rechtfertigt, darf auch bezweifelt werden und scheint mir vor allem auf die Unkenntnis der Steuerzahler zu bauen.
Dienstag, 18. Mai 2021
Körpergefühle
Was ist mein Körper? Ein Organ des Gesamten? Mein Alter Ego. Mein Ich. Welche Inhalte und Rechte soll ich ihm einräumen? Woher kommt es, dass ich so faul bin? Ist der Körper ein Teil von mir und bin ich ein Teil von ihm? Diese Fragen stellen sich mir pro Lebensabschnitt neu. Erlebe ich überhaupt Lebensabschnitte? Kann es sein, dass ich mit zunehmendem Alter meinen Körper intensiver erlebe? Fest steht, dass ich ihm nicht entkommen kann, die alte christliche Mär‘, dass ich mich von ihm lösen könnte, stimmt nicht. Jedenfalls nicht für mich. Es scheint bei mir ohnehin alles viel chaotischer zu sein als bei anderen Leuten. Ich war z.b. nie gut darin, unbefriedigende Zustände zu beenden und entschlossen, etwas Neues anzufangen. Ich bin nicht entscheidungsfreudig. Aber hatte ich mit meiner Phantasie nicht viel zu viel schon durchschritten, was mir selbst als „neu“ gelten könnte? Ob daraus zu viel Unzufriedenheit entstand? Im Vergleich zu anderen Leuten freilich habe ich dagegen eine gewisse Resilienz entwickelt…..
Montag, 17. Mai 2021
Auskenner
Mich ermüden allmählich die TV-Diskussionen der obergescheiten Besserwisser und offenbar blitzgescheiten Auskenner, der hoch honorierten Bewerter und verdeckten Berater, die lächelnden Gesichts öffentlich mit etwas umgehen, das fortwährend ein Anderes wird, zu dessen oberkritischer Präsentation die Macher aber stets dieselben Gesichter (oder austauschbare Figuren einer sozialen Sphäre) einladen (lassen) und dessen soziale Auswirkungen sie nicht einmal entfernt abschätzen können. Mir scheint, dass dies die gehätschelten Reste jener Bildungsbürgerschicht sind, die allmählich Bestandteil in einem überall fortschreitenden „White Noise“ ist und deren Angehörige sich als Karrieristen geschmäcklerisch mit etwas umgehen, was zu viele sich nicht leisten können und zu dem sie einen allein schon ökonomisch begründeten Abstand haben. Diese Leute kommen mir als Botschafter der Kundigkeit (die oft auch als „Experten“ bezeichnet werden) zu oft aus einer Komfortzone, die womöglich noch eine Weile wird Bestand haben können. Diese Karrieristen der steilen Thesen werden dann aber als Märtyrer im voranschreitenden Chaos untergehen. Sie prophezeien oft alles Unheil dieser Welt und wirken doch daran sehr aktiv mit, sind ein Teil des Bewusstseinsapparates, der die „Massen“ unablässig in einem bestimmten Interesse bearbeitet und sie verdummt. Natürlich wähnen sie sich im Besitz absoluter Wahrheiten, die sie sehr leidenschaftlich spitzmündig geschmäcklerisch vertreten. Gleichzeitig sind sie aber ganz klar für Diskurs und Diskussion, für einen in Widersprüchen voranschreitenden Prozess der Wahrheitssuche. Wie lange das noch in einer finanziell gut abgepolsterten Weise auszuhalten sein wird?
Sonntag, 16. Mai 2021
Leistung über alles!
Dass es Gewinner und Verlierer geben müsse, scheint ein ungebrochener Glaubenssatz dieser Gesellschaft zu sein. Wie vieles andere scheint mir das die Kopie eines Glaubenssatzes zu sein, der vor allem für die USA gilt und sich in besonderen Wertesystem in Europa ausgebreitet hat. Dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Klasse und der damit verbundene Geldbeutel beim "Leistungsvermögen" eine große Rolle spielt, lassen solche Ansichten und Wertungen allerdings außen vor. Jeder hat das, was er verdient, so etwa lautet ein unausgesprochener Glaubenssatz dieser Gesellschaft, der unter anderem auf die in Europa geborene Prädestinationslehre zurück geht, mit der religiöse Ursprünge einfach ins Säkulare übertragen wurden. Zunächst scheint mir dadurch eine Leistungsgesellschaft entstanden zu sein, die aber spätestens unter den Bedingungen der Globalisierung zunehmend obsolet geworden zu sein scheint. Gerade die Kapitol-Proteste samt ihren populistischen Wurzeln scheinen mir einen Beleg dafür gegeben zu haben und scheinen mir allzu leicht angezapft und ausgenutzt werden zu können. Es scheint ein nahezu anonymer Mob entstanden zu sein, der, ungebildet und auf rudimentäre Reflexe reagierend, jederzeit bereit dazu ist, seinem Unmut über die verarmten und deprivierenden Lebensverhältnisse direkten Ausdruck zu geben. Was wohl in solchen Kreisen über die von den Herrschenden oft ausgerufenen „Würde der Arbeit“ gedacht wird? Leistungsgedanke samt der damit verbundenen Implikationen scheint ungebrochen zu herrschen.
Samstag, 15. Mai 2021
Wahrheit, das Ganze, Versuch (Leonardo)
Es ist ja kein Geheimnis, dass ich ein großer Bewunderer von Leonardo Da Vinci bin. Für ihn war die Malerei die wichtigste aller Wissenschaften. Sie allein war befähigt, die Schönheit und das Geheimnis der Welt darzustellen. Eine sowohl konkret leibliche als auch eine geistige Triebkraft, die Leben hervor bringt: eine einzige große Wahrheit des Universums. Er dachte, dass alle Gesetzmäßigkeiten, alle Abläufe, Ursprünge und Ziele des Universums miteinander verbunden seien und alles in Beziehung zueinander stünde. Das wollte er möglichst in seinen Bildern zum Ausdruck bringen. Bei den wenigsten seiner wenigen Bilder kam er damit zu einem Ende, fast alle blieben Fragmente der höchsten Anstrengung. Unzählige male änderte und verbesserte er: er war nie fertig. Leo war ein großer Theoretiker. Gleichwohl schrieb er, dass es etwas gibt, was noch über der Theorie steht: Die Ausführung, „die Hand“ in der Malerei. Es galt das ganze Leben, geistige Konzepte und den Rhythmus der Welt darzustellen: Der höchste aller hohen Ansprüche. Dafür arbeitete er gegen Ende seines Lebens auch ohne Auftrag, aus freien Stücken, nur aus sich selbst. Unglaublich.
Freitag, 14. Mai 2021
Donnerstag, 13. Mai 2021
In den Himmel wachsen....?
Trommelfeuer allüberall: ein Ende der Pandemie könnte in Sicht sein, und die offiziellen, in der Öffentlichkeit sichtbaren Wichtigs, die Häuplinge, Funktionsträger und Einflussnehmer predigen jetzt Wachstum um jeden Preis, während die Masse der Leute wieder möglichst schnell zurück zum alten Leben will. Währenddessen sondern oberschlaue, akademisch gebildete Buchschreiber und Durchblicker aller Art ihre Weisheiten ab, die mit steilen Thesen meist ein neues Wachstum fordern und materiell wohlsituiert zu Bedenken geben, dass es gerade so mit dem Wachstum nicht weitergehen könne, dass die Ressourcen planmäßig vernichtet werden, aus denen Wachstum geschöpft werden soll. Auch wenn ich die zweiten Positionen oft bedenkenswert wichtig finde, so frage ich mich doch, ob nicht genau diese Rituale der Auseinandersetzung zwischen Kundigen und „Doofen“ ein wichtiger Bestandteil einer Gesellschaft sind, die (man nennt es oft "Neoliberalismus")rücksichtslos Vorteile für Einzelne sucht und dabei alles vernachlässigt und zurück lässt, was unsere Existenz ausmachen könnte: Glück, ein Zurechtkommen und ein Sich-Bescheiden-im-Gegebenen, das letztenendes eher zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Mensch und Natur folgen könnte. Das gute Leben halt. Ich sehe, wenn ich den Kopf hebe, die Bescheidweisser und moralisch Entrüsteten, die dem übrigen Rest der Menschheit ihre Erkenntnisse wütend entgegen schleudern: „Na merkt ihr nicht?..., wann endlich werdet ihr so, wie wir das schon seit langem sind?“. Mir kommt es so vor, als würden diese Personen unter keinerlei Druck stehen, als würden sie aus einer privilegierten Position heraus anderen Menschen unbedingt nahe bringen sollen, was sie zu tun und lassen hätten. Dieser "Elite"geht es oft um „Einstellungen“ und „Haltungen“, - die man sich freilich leisten können muss.
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Wer hat meinen Schlüssel gesehen?
er ist offenbar unrasiert und hat einen Bart
Ich wende das Blatt und lese verkehrt
nimm's nicht persönlich, sieh's positiv!
Wer hat meine Gedanken gesehen
sie sprießen manchmal wild und ich kann sie kaum fassen
Mixed Pickel,s sie jucken so undefiniert
und wachsen nach, kaum sind sie wegoperiert
Mittwoch, 12. Mai 2021
Alles gut
„Alles gut“ so lautete die Phrase, die nach meiner Einschätzung Kommunikation oft erschwerte und kaum erleichterte, indem sie dem wenig reflektierten „sozialen Geräusch“ oder der Scheinkommunikation zuzuordnen war. Zuletzt scheint mir die Floskel oft durch dieses „Gesund bleiben!“ ausgetauscht worden zu sein, eine Aufforderung, bei der ich oft darüber ins Grübeln komme, wie ehrlich und wie oberflächlich sie denn gemeint sei. Klar ist mir immerhin, dass beide Formeln dem sogenannten „positiven Denken“ zuzuzählen wären. Das Positive lange genug und mutig fordern, dann kommt es auch - und sei es noch so ungefähr nebulös…..so etwas scheint mir dahinter zu stehen. Oberflächlichkeit als positives Denken. Ob es angesichts der derzeitigen Lage angemessen ist? Was ist mit den vielen vielen Toten? Ob sie einem Happy End entgegen gegangen sind? Ist wirklich „alles gut“? Vieles spricht dafür, dass es keineswegs so ist.
Dienstag, 11. Mai 2021
Montag, 10. Mai 2021
Wachsend wachsen
Es ist jetzt immer häufiger von „Wachstum“ die Rede. Dass wir das dringend bräuchten, um die Folgen der Pandemie möglichst schnell zu bewältigen. Ich frage mich dann oft, ob denn gar nichts gelernt wurde, ob denn ein überkommenes Lebensmodell tatsächlich in die Zukunft führen kann, bloß, weil das gewisse Wirtschaftswirtschaftler so fordern und weil sie das als einzigen Weg sehen. Ob es da eine Rolle spielt, dass diese Wirtschaftswissenschaftler (in teils hochdekorierten Positionen mit Professorentitel ausgestattet) den nutzenmaximierenden und ausschließlich auf die Güterwelt ausgerichteten homo oeconomicus sowie die Zentralität des Wirtschaftswachstums einfach so als Basis ihrer Ansichten annehmen. Dabei könnte ja offensichtlich sein, dass das mit dem Wachstum wohl nicht immer so weiter gehen kann. Nicht zuletzt könnte man zu dem Schluss kommen, wenn dies Wirtschaftswachstum in zunehmendem Maße einer immer kleiner werdenden Schicht von Machtmenschen und Milliardären zugute kommt (mal oberflächlich betrachtet). Als etwas provozierend dürfte dabei ein Anspruch des Oberinvestors und milliardenschweren Geldspezialisten Warren Buffet empfunden, der harte soziale Auseinandersetzungen prophezeit und dabei am Ende die Besitzenden und Geldsäcke auf der ganzen Linie gewinnen sieht. Ob wir in diese Richtung wachsen wollen?
Sonntag, 9. Mai 2021
Einsam, was ist das? Hat da jemand etwas gesagt....?
Wir sollen Optionen offen halten, auf den jeweiligen Zug aufspringen, das Beste für sich aus dem Andern heraus holen, ihn zur Stütze unseres Egos machen, ihn als "Konsumenten" und "Kunden" sehen. Sie sollen für mich bereit sein, wenn ich es brauche. Ich. als Mittelpunkt der Welt, der alles kriegen kann, wenn er nur will. Selbstoptimierung. Ob das ein Modell für die weitere Entwicklung dieser Gesellschaft ist? Einsamkeit hingegen ist Todsünde. Sie bedeutet das Gefühl, zu etwas verdonnert zu sein, was man gar nicht will. Einsamkeit geht mit dem Zuspruch von Schwäche einher, - was ja in unserer Marktwirtschaft gar nicht geht, weil Wertlosigkeit damit verbunden ist. Wir gehen ins Fitnesstudio, weil wir begehrenswert und attrativ sein wollen, uns aufwerten. Wir werden so zum Konsumartikel. Im Grunde suchen wir so recht eigentlich nach dem Andern, mit dem wir eine Bindung, - gleich welcher Art! - eingehen können. Wir aber sammeln per onlinedating Trophäen, statt Beziehungen zu suchen. Wir staffieren uns mit Menschen aus, die wir gerne „Freunde“ nennen. Was aber macht der Mensch „dazwischen“, der einsam ist, der sich als sozial unverträglich fühlen muss, der keine Freunde hat und sich insofern als wertlos dafür fühlt, dass Andere mit ihm in Beziehung treten? Ob da die Gesellschaft hierzulande etwas verpasst hat, indem sie Einsamkeit zum gottgewollten Schicksal der Wertlosen und Verlierer erklärt? Diese sollen pflichtschuldigst erklären, dass sie „an sich arbeiten“ wollen. Noch sind die Psychotherapeuten deswegen nicht überrannt. Denn kaum jemand getraut sich überhaupt, Einsamkeit zuzugeben und als Problem zu erkennen. Niemand, der sich selbst optimiert, ist einsam, niemand wäre dafür verantwortlich zu machen, außer man selbst, jedr ist der Manager seiner selbst und hat den entsprechenden (vom Coach gelehrten) Managersprech drauf - so diese Gesellschaft im Brustton der neoliberalen Überzeugung. Ob dies in Richtung der brutalen Züge der Marktwirtschaft geht? Wir sollen und müssen happy sein und „Erfolg“ haben, egal, ob Krankheit, Schulden, Schicksalsschläge, Liebe, Beruf oder Erziehung drücken.
Samstag, 8. Mai 2021
Literaturbetrieb (2)
Tatsächlich scheinen sich in dem von mir gestern betrachteten Literaturbetrieb vor allem Mitglieder eines Milieus zu tummeln, die der von Autorenpolitikerin Sarah Wagenknecht so bezeichneten „Lifestyle-Linken“ angehören: also materiell meist gut oder sehr gut gestellte Personen, die sich moralisch aufgebläht gerade gegenüber den abhängigen Unterschichten als absolute Instanz präsentieren. Dass Frau Wagenknecht mit ihrem gutsituierten Dasein gerade dieser Klasse von Personen anzugehören scheint, erhöht ihre Glaubwürdigkeit nicht, diskreditiert aber andererseits ihre Aussagen auch nicht. Ein früherer Vorsitzender der Linken tat sich ja auch als Porsche-Fahrer hervor und traf vernichtende Urteile über „die Besitzenden“ in unserer Gesellschaft. Solches Verhalten scheint mir auch an das anzuschließen, was einst Bert Brecht offiziell als frauengerechtes Verhalten propagierte. In seinem eigenen Verhalten soll er sich aber ziemlich unverschämt rücksichtslos gegenüber den ihn umgebenden Frauen verhalten haben. Nun ja, auf der linken Seite der Politik scheint solches Verhalten Tradition zu haben und wurde oft hinter den Winkelzügen einer Dialektik versteckt, die einem hauptsächlich selbst mit der kleinen dreckigen Existenz (vor allem monetär, aber auch im Hinblick auf den Status) nützen sollte.
Freitag, 7. Mai 2021
Literaturbetrieb
Bücher scheinen mir für gewisse professionelle Kritiker eine Dutzendware, an denen sie ihre vorgefertigten Maßstäbe und durch Firmen gelente Urteile noch einmal bestätigen können. Allein schon die Menge der von ihnen zu verarbeitenden Literatur scheint es mor unmöglich zu machen, sich mit dem einzelnen Werk gebührend auseinander zu setzen. Ich sehe natürlich auch den Druck, unter dem diese Leute stehen. Aber mir scheint, sie lassen sich unter Vernachlässigung eines gewissen Qualitätsniveaus über die Opfer ihres Urteilsspruchs aus und kommen gar überschnell zu ihren Ansichten. Sie sehen Literatur offenbar primär als Markt und ihr eigenes Tun in einen Literaturbetrieb integriert, der auf Absatz gerichtet ist und das emotionale „Engagement“ zugunsten gewisser Dinge etwas unreflektiert beklatscht. Auch ich habe mal Germanistik studiert und dabei gelernt, dass man sich möglichst behutsam an Ansichten über ein betrachtetes Werk heran tasten sollte. Dass man verschiedene Perspektiven einnehmen sollte und nicht für einen billigen und optisch aufgeblasenen Showeffekt sich äußern sollte. Genau das aber sehe ich immer wieder bei Kultursendungen des Fernsehens, die vor allem für die Propagierung eines bestimmten Produkts gemacht scheinen. Aber - das ist mir bewusst - Konsumenten bevorzugen klare Qualitätsurteile und eindeutige Aussagen nicht nur den Produkten des Literaturbetriebs gegenüber. Sie wollen Orientierung und delegieren ein Urteil gerne an sogenannte "Experten".
Donnerstag, 6. Mai 2021
Mister Magister (Lyrikversuch)
MISTER MAGISTER
Mister Magister,
Daseinsfrister
deine Frist läuft ab
Klipp-Klapp
Refrain
Sapperlott
Schaffott
flott
Galott
Hundsfott
fort – Trott
Wir schaffen‘s, wir packen‘s
bei uns geht die Post ab
Und wenn die Welt untergeht
dann gehen wir mit
wir heben die Welt aus den Angeln
uns ist‘s vor nichts bange
Der Zähler tickt,
High-Tech, Bigmac
was sagt der Nenner:
jede Sekunde bringt uns dem Tod näher!
Man hat euch die Jugend abgekauft
verkauft? „Forever young“?
Mittwoch, 5. Mai 2021
Heimat revisited
In einer mit kleinen Ergänzungen und Auslassungen versehenen Reprise zu meinem Blog vom 5.5.2018 schreibe ich jetzt zu einem ein bisschen aus dem Blickfeld geratenen Begriff: „Heimat", - das ist eine Landschaft, - und mehr. Vielleicht der Wunsch, dazu zu gehören, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die tief in uns verankert ist. Einen Ort zu haben, an dem man sich nicht erklären muss. Das Gefühl, dort willkommen zu sein. Einen Ort haben, an dem man sich sicher fühlen darf. Eine Erinnerung an die Kindheit, als die Welt einem vertraut erschien. Man entdeckt, Wurzeln zu haben. Verhätnisse, aus denen man gekommen ist. Heimat könnte Aufbruch und gleichzeitig Rückkehr bedeuten. Immer mehr Leute fürchten sich davor, ihre Heimat zu verlieren - und damit ihre Identität. Es herrschen Landflucht auf dem Dorf und steigende Mieten in den Städten, wo anscheinend die vielen Optionen wohnen. Eines aber scheint überall wichtig zu sein: Alle (ob Stadt oder Land) müssen flexibel sein und sich durchkämpfen in einer globalisierten und durchkapitalisierten Welt. Auch in Zeiten der Pandemie. Jetzt, wo die früher in SciFi-Literatur vorgedachte Zukunft nach und nach Wirklichkeit wird, könnten wir plötzlich unter Umständen gar keine Zukunft mehr haben. Es scheint eine Welt entstanden zu sein, die Entmaterialisierung bedeutet. Alles scheint ähnlicher zu werden, gleich zu werden, alles verschwimmt, Menschen sind in den neoliberalen Zusammenhängen „Humankapital“. Nummern, Zahlen, Positionen, Kosten. Wirtschaftliche Kreisläufe, Lieferketten und Renditeaussichten scheinen wichtiger zu sein. Verwurzelung und Identität scheint angesichts dessen das am meisten verkannte Bedürfnis der menschlichen Seele zu sein. Aktuell scheinen sich Leute davor zu fürchten, durch Überfremdung ihre Heimat zu verlieren. Das bedeutet auch Clans und Ahnen, denen wir verbunden sind, ohne dass wir das wollen. Es gibt Menschen, die glauben, dass Heimatverbundenheit nicht mit der Angst vor Fremden verknüpft sein muss. Heimat sei nicht unbedingt, so glauben Leute, an den Ort gebunden, an dem man geboren wurde. Der Heimatbegriff, so halten manche Soziologen dagegen, zeige genau die Trennlinie zwischen der akademisch gebildeten, im Urbanen lebenden Mittelschicht und der traditionellen, oftmals noch der Industriemoderne verhafteten Mittelschicht.
Die Heimatfraktion sei in die Defensive geraten. Linksliberale Kosmopoliten predigten Heimatliebe ohne Ausgrenzung und würden damit Gefahr laufen, allzu heuchlerisch zu sein. Denn diese klassisch Linksliberalen werfen womöglich anderen etwas vor, was sie selbst tun. Und zwar werfen sie anderen vor, dass sie Migranten und Flüchtlinge nicht integrieren würden. Sie selbst seien aber gar nicht erst in der Situation, dass sie mit Flüchtlingen und Migranten konfrontiert seien, weil sie in derart gefilterten und materiell abgefederten Lebensumständen leben, dass Migranten für sie keine Problematik darstellten. Ja, dass sie ihnen in ihrer gefilderten Wahrnehmungsblase kaum begegneten.
Darin, was Heimat sein soll und wie sie geschützt werden soll, zeigt sich insofern auch die Spaltung der Gesellschaft. Es resultieren daraus verschiedene Lebenswelten, verschiedene Schichten, verschiedene Arten, mit der Welt umzugehen. Sehr offensichtlich wurde dies übrigens auch in den Berichten über gewisse prominente Amtsträger der Sozialdemokraten, die ihre Sprösslinge auf teure Internate und Privatschulen schicken und keineswegs daran zu glauben scheinen, was sie selbst dauernd predigen (Ein einstiger Vorsitzender macht es gerade vor...). Der empirische Beleg für eine solche Behauptung könnte sein, dass sie ihre Sprösslinge auf teure Privatschulen schicken und zu Bankaufsichtsräten werden. Sie haben ein Bild von sich entworfen, das in einem Gegensatz zu ihrer „privaten“ Existenz steht. Vorgetäuschte und tatsächliche Lebenswelt.
Dass es nicht darum gehen soll, woher man kommt, könnte auch ein Mythos sein, ein Wunschbild. Denn Heimat ist gerade nicht nur Option und freie Wahl. Man ist bedingt durch das, was schon war. Heimat ist gerade nicht das, was man durch freien Willen sich wählt. Sondern man ist hinein gewachsen. Auch durch Sozialisation. Man versteht die Leute in dieser Heimat unwillkürlich besser, sie sind einem nah, man agiert und bewegt sich wie selbstverständlich, wie im Schlaf. Es scheint eine Art realer Traum zu sein. Es gibt den Ort der Geburt als Schicksal. Man ist hinein geboren worden, hat ihn sich nicht heraus gesucht. Wir sind nicht nur autonome Menschen, die sich ihre Existenz frei gewählt haben. Wir sind auch durch unsere Herkunft und unsere Geschichte, durch Zufälle, Glück und Unglück geprägt. Man ist hinein geworfen. Wie sang Jim Morrison (klar, ich weiß, dass er das möglicherweise auch geklaut hat): „Riders on the storm, into this house we're born, into this world we're thrown, Like a dog without a bone, an actor out on loan, Riders on the storm“.
Man lässt sich zurück gleiten, Richtung Heimat, Richtung Ursprung, man begegnet sich selbst und denkt am Ende darüber nach, wieso man so ist, wie man ist. Wieso man so geworden ist.... Es kann auch bedeuten, dass man anfängt, zu akzeptieren, dass man nicht einzigartig ist, sondern dass man Teil von etwas Größerem ist. So etwas deutet vielleicht auf Schwarmintelligenz und das, was später allzuoft als „Herdenimmunität“ beschworen wurde.
Und dann ist da das Oberflächliche. Das, was einen als gerne verkündete „Lebensweisheit“ oder als mühsam erarbeitete Erkenntnis ermüdet hat. Tausend mal gehört, tausend mal nichts passiert. Das, dass tausend Leute um einen herum sagen: „Man muss in der Gegenwart leben“. Klar. Man blickt auf die Kindheit zurück, sieht Bilder und Fotos und denkt: „Wer zum Teufel war das?“ Das ist eine Ebene. Es gibt womöglich auch eine andere. Dinge stoßen einem zu, sie „überfallen“ einen. Gab es intensive Erlebnisse? Die einem die eigene, ganz eigene Präsenz nahe legten? Wie war das damals, als du aus dem Auto gefallen bist? Hattest du danach das Gefühl, du hättest einen Schutzengel gehabt? Wieso hast du bei diesem Desaster so abgeschnitten, bist am Leben geblieben, als sei nichts gewesen? Gibt es mögliche Welten, Abzweigungen? Welche, die dich geprägt haben? Hat man wirklich Entscheidungen gefällt? Oder haben sie dich gefällt? Ich hatte nie das Gefühl, Wichtiges und für andere Erhellendes zu erzählen zu haben. Das ist nach wie vor so. Weder im fiktiven noch im realen Bereich. Alles, was möglicherweise auf mich zutrifft, stellt sich bei anderen ganz anders dar......
Dienstag, 4. Mai 2021
Montag, 3. Mai 2021
Sonntag, 2. Mai 2021
Identität
Es wird jetzt überall die „Identitätsdebatte“ geführt. Dabei geht es wohl um einen anderen Identitätsbegriff als den, den ich hier an dieser Stelle oft beschrieben habe. Mir ging es oft um eine individuelle Identität, um ein Offensein aus einer gesicherten Identität heraus, um ein Gewinnen des Mehr oder weniger, um Empathie, Toleranz, Neugier auf das Andere, um den Versuch dessen Einbeziehung in die eigene Identität und einen psychologischen, tiefer gehenden Begriff der Identität, der auch Zweifel und Infragestellungen aller Art zulassen kann. Doch scheinen aktuell kollektive Zugehörigkeiten hier die weitaus größere Rolle zu spielen. Sehr schnell wird oft auch der Bogen geschlagen zum Rassismus. Daraus scheinen Frontstellungen hervor zu gehen, die mich manchmal befremden und die mit dem Streben nach Identität nach meinem Geschmack so gar nichts zu tun haben. Der erste und wichtigste Schritt auf diesem Weg zur Selbstermächtigung wäre es, mich selbst als Individuum mit unzähligen Facetten begreifen zu können, anstatt mich auf eine einzige zu reduzieren. Das mit dem ganzen Komplex auch der Begriff „Normalität“ zusammen hängt, war in meinem Blog meist zwingend. Dass die Arbeitswelt mit ihren vielfältigen sozialen Kontakten bei der Herausbildung der Identität ziemlich wichtig sei, ist für mich an dieser Stelle kein Widerspruch.
Samstag, 1. Mai 2021
An die Natur (Friedrich Hölderlin)
An die Natur
Da ich noch um deinen Schleier spielte,
Noch an dir, wie eine Blüte, hing,
Noch dein Herz in jedem Laute fühlte,
Der mein zärtlichbebend Herz umfing,
Da ich noch mit Glauben und mit Sehnen
Reich, wie du, vor deinem Bilde stand,
Eine Stelle noch für meine Tränen,
Eine Welt für meine Liebe fand,
Da zur Sonne noch mein Herz sich wandte,
Als vernähme seine Töne sie,
Und die Sterne seine Brüder nannte
Und den Frühling Gottes Melodie,
Da im Hauche, der den Hain bewegte,
Noch dein Geist, dein Geist der Freude sich
In des Herzens stiller Welle regte,
Da umfingen goldne Tage mich.
Wenn im Tale, wo der Quell mich kühlte,
Wo der jugendlichen Sträuche Grün
Um die stillen Felsenwände spielte
Und der Aether durch die Zweige schien,
Wenn ich da, von Blüten übergossen,
Still und trunken ihren Othem trank
Und zu mir, von Licht und Glanz umflossen,
Aus den Höhn die goldne Wolke sank -
Wenn ich fern auf nackter Heide wallte,
Wo aus dämmernder Geklüfte Schoß
Der Titanensang der Ströme schallte
Und die Nacht der Wolken mich umschloß,
Wenn der Sturm mit seinen Wetterwogen
Mir vorüber durch die Berge fuhr
Und des Himmels Flammen mich umflogen,
Da erschienst du, Seele der Natur!
Oft verlor ich da mit trunknen Tränen
Liebend, wie nach langer Irre sich
In den Ozean die Ströme sehnen,
Schöne Welt! in deiner Fülle mich;
Ach! da stürzt ich mit den Wesen allen
Freudig aus der Einsamkeit der Zeit,
Wie ein Pilger in des Vaters Hallen,
In die Arme der Unendlichkeit. -
Seid gesegnet, goldne Kinderträume,
Ihr verbargt des Lebens Armut mir,
Ihr erzogt des Herzens gute Keime,
Was ich nie erringe, schenktet ihr!
O Natur! an deiner Schönheit Lichte,
Ohne Müh und Zwang entfalteten
Sich der Liebe königliche Früchte,
Wie die Ernten in Arkadien.
Tot ist nun, die mich erzog und stillte,
Tot ist nun die jugendliche Welt,
Diese Brust, die einst ein Himmel füllte,
Tot und dürftig, wie ein Stoppelfeld;
Ach! es singt der Frühling meinen Sorgen
Noch, wie einst, ein freundlich tröstend Lied,
Aber hin ist meines Lebens Morgen,
Meines Herzens Frühling ist verblüht.
Ewig muß die liebste Liebe darben,
Was wir lieben, ist ein Schatten nur,
Da der Jugend goldne Träume starben,
Starb für mich die freundliche Natur;
Das erfuhrst du nicht in frohen Tagen,
Daß so ferne dir die Heimat liegt,
Armes Herz, du wirst sie nie erfragen,
Wenn dir nicht ein Traum von ihr genügt.
Friedrich Hölderlin
(* 20.03.1770, † 07.06.1843)
Freitag, 30. April 2021
Immer noch auf der Suche
Bin ich eigentlich innerlich schon abgestorben? Wie merkt man das, woran kann man es fest machen? Wenn man zerbrochen ist, wie äußert sich das? Ich frage mich das in diesen Tagen öfter. Ich hebe den Blick und sehe andere, die ich diesbezüglich genauso wenig deuten kann. Nichtsdestotrotz frage ich mich, wie ich mein Seelenleben reaktivieren und neu beleben könnte. Es ist die Substanz, auf die alle zurück geworfen sind. Das Ego, der Blick aus den eigenen Augen. Ich will von der Funktion wieder zum Mensch werden. Man vergleicht sich: Relativ habe ich das immerhin erreicht, freilich um den Preis des Armseins. War und ist das alles nur ein Traum? Eine Täuschung? Etwas, was eine gewisse Religion unter dem Begriff „Fata Morgana“ vermutete? Wird man wirklich so schnell älter, wie ich das jetzt wahrnehme. Woran liegt es, dass mir das immer bewusster wird? Ja klar, es gibt all diese oberschlauen Erklärungen. Rein mathematisch schon wird die Zeit immer kürzer….etc. Aber dass ich dermaßen in den Abgrund rutsche….?
Donnerstag, 29. April 2021
Deep Blue (Lyrikversuch)
EARL GREY (Deep Blue)
You are the deep Blue
you drive me into deep waters
see me in my own Blue
fly with me into wet clouds
some lions have scary eyes
some women look like her lies
yearning is drawing me
turning me out into quiet cries
this is a sign of god
he does not want to drive me crazy
they all are takeing me for odd
I do not play no rock'n roll
when the night was young
we went up on that dark mountain
we loved the lines we sung
we pe rsumed that we not fool'em
That was a right mistake made by me
they all are taken herselves for free
this was no real play by me
so nice
some lions
Mittwoch, 28. April 2021
Macht ausüben
Natürlich ist das meine völlig subjektive Sicht auf das, was Öffentlichkeit in Deutschland sein könnte: Da ist einer, der in der Schmollecke steht und einer Zeitung sein Leid klagt, bei der Postenwahl nicht zum Zuge gekommen zu sein. Dass er dabei auch sein Mannsein anführt: entspricht meinen Beobachtungen, scheint derzeit tatsächlich so zu sein in dieser Republik. Natürlich wurde oft das Märchen vom „Machen“ erzählt, das im neudeutschen Jargon „Gestalten“ heißt und in Wirklichkeit „Macht ausüben“ bedeutet. Der Kandidat von der lange in politischer Funktion stehenden und tief ins politische Unterholz verstrickten Partei hat in seinen Hahnenkämpfen und Pandemieaktivitäten nicht gerade die beste Figur gemacht, hat sich aber im repräsentativen Ränkespiel durchgesetzt. Das gilt in dieser Gesellschaft, das ist wichtig: sich durchsetzen. Wir standen dabei und sollten staunen…. Währenddessen kocht eine Pandemie weiter und breitet sich ganz besonders gut über einer von mir so empfundenen und nun zentralistisch geregelten Untätigkeit und Lädeligkeit aus. Wir sehen in Indien die Leute sterben... überall in Europa wird gelockert und geöffnet, während die Inzidenzzahlen immer noch sehr hoch sind. „Frühling lässt sein schwarzes Band...“. Es soll jetzt bei uns nun endgültig zum Impfturbo kommen, ich bin aber erst Ende Juni dran. Die Priorisierungsdebatten werden wohl allzu rechtzeitig geführt. Kinder unter 16 Jahren scheinen sie aber ganz vergessen zu haben. Die Standardformulierung heißt hier „...Studien…..sind unterwegs“.
Dienstag, 27. April 2021
Montag, 26. April 2021
Von dr Alb ra.....
Der Älbler (als Typus eines Bewohners der Rauhen Alb) ist primär darauf gerichtet, auch unter rauen und steinigen Bedingungen zu überleben. Er ist oft wortkarg und spröde. Die plaudernde Unterhaltung liegt ihm nicht, er will möglichst effektiv Informationen übertragen und harte Bretter bohren. Alleine zu sein macht ihm scheinbar nichts aus, er kann auch aus sich selbst heraus existieren. Früher oft mit Landwirtschaft beschäftigt, ist er nun mit nachgeordneten Logistik-Jobs in mittleren, herunter gekommenen Kommunen zufrieden, kämpft beständig um das Überleben, was einem „Unterländer“ fremd bleibt, weil dieser als solcher Sicherheiten hat und glaubt, dass ihm dieses Wohlfühl-Überleben selbstverständlich zustünde (weil er ja in einem tollen Wirtschaftsraum lebt). Das harte Leben, das harte "sich durch's Leben schlagen" freilich dominiert die Älbler, obwohl ihr Wohnraum früher einmal als prosperierende Region galt und beispielsweise mit Textilwaren (inzwischen fast alle nach Südostasien ausgewandert) auch großen wirtschaftlichen Erfolg hatte. Die Leute der aktuell wirtschaftlich erfolgreichen Regionen deuten die Alb aber als „Wildniss“ und „Biotop“.
Sonntag, 25. April 2021
Autofahrer revisited
Ich weiß nicht so recht, was das soll: Bevorzugt am Wochenende werden auf nahezu allen TV-Kanälen Supersportwagen „getestet“. Mit Kennermiene belobigt werden dann Fahr- oder Bremsverhalten, Straßen- und Kurvenlage, Aussehen usw. Man sieht die „Tester“ um die Ecke brausen und hört sie vor lauter Vergnügen stöhnen. Der Umschnitt erfolgt dann meist in die Fahrkabine direkt neben dem Fahrer, der dann Stories darüber erzählt, was jetzt alles an dem aktuell gestesten Modell wieder besser als beim Vorgänger sei, als beim Vorgängermodell....und überhaupt Ob das alles Werbung sein soll? Indirekt? Marketing? Ob auf diese Weise dem „Verbraucher“, der niemals auch nur die Chance haben wird, ein solches Auto zu fahren, der staunt und sehnsüctig wünscht, der Mund wässrig gemacht werden soll? Auf jeden Fall kommen mir diese Szenen und Features vollkommen lebensfremd vor....
Valerie (25)
Er hätte auch anhalten können, um ihr unumwunden unter die Bluse oder zwischen die Beine zu greifen. So etwas musste absolut nicht entwürdigend sein, auch in dieser gegenwärtigen Situation. Aber dazu fehlte ihm im Moment der Mut, er dachte sich zu viel dabei, er musste sich erst mal wieder in ein Lochfallen lassen, die Leere der Lehre nutzen und sich als Nichts in Luft fühlen, was ihn schon so manches mal hatte in die Höhe heben können…..- oder in die Tiefe. Draußen zog die Welt wie auf einer riesigen Kinoleinwand vorbei und er begnügte sich mit der Kameraführung, wollte nicht Regie führen. Wind war aufgekommen und bog die Bäume, so dass sie alle in eine Richtung zeigten. Blaue Wolken, weiß umsäumt, glitten vorbei. Dazwischen die Sonne in ständig neuer Konstellation, ihre Intensität und Gegenwart ändernd, zeitweise verschwunden hinter ihrer eigenen Undurchdringlichkeit, zeitweise auch unerträglich hell leuchtend. Die Blätter der Laubbäume glänzten und glichen hellen Punkten auf dunkelgrün verwaschenem Samt.
Samstag, 24. April 2021
Wo sind wir, wer sind wir, wo sind wir?
Überall lächelnde Gesichter. In den Medien der reichen Industrieländer muss man das schaffen, sich zu einer solch optimistischen Pose zu zwingen, das weiß ich auch. Man darf sich als Lokomotive des Zeitgeists fühlen. Es ist geradezu Konvention, ein Muss. Doch es erzeugt ein Gefühl der maximal ausgeleuchteten Lüge und des alltäglichen Heuchelns. Man wähnt sich auf einem Gleitfilm, der jederzeit reißen könnte. Was das Vertrauen in die Handelnden anbetrifft, scheint mir dieser Gleitfilm derzeit sehr angespannt. Es werden hässliche Löcher offenbar, Lücken, die gewissen Geistern Unterschlupf gewähren sollten. Auch Finanzlücken, die gewisse Leute absaufen lassen könnten. Es wird dies alles als eine Art „Kollateralschaden“ mitgeschleppt. „Muss halt sein“ und ähnliche Phrasen umstellen diese Gegebenheiten einstweilen noch. Okay, es ist nicht alles schlecht, manches ist vielleicht sogar gut. Aber es könnte besser sein. „Die Stars“ stehen im Mittelpunkt und es erheben sich Fragen wie „Wer mit wem?“, „wer hat sich von wem getrennt?“, Was bahnt sich zwischem wem an? Was ist die geschätzte Promi-Meinung? Wer von den „Stars“ findet was wie….? Welche Vermutung geht da um? Wie sieht eigentlich XX im Alltag aus? Ja klar, manche brauchen diese Schlüssellochschauereien, aber wie hoch ist der Preis dafür, ist er gerechtfertigt? Oder gehört er zu jenem oben beschriebenen Film, der die Wirklichkeit überzieht und durchaus etwas von „Fake News“ hat? Ob der nächste Schritt der ist, dass wir diese Ebenen gezielt verwechseln (sollen)? Wenn wir das alles brauchen: aus welchem Grund? Wer hat das verboten, sich Gedanken darüber zu machen?
Freitag, 23. April 2021
Zeit (Lyrikversuch aus alten Zeiten)
Zeit -- wenn sie kommt, ist sie sexy
wenn sie steht, wenn sie geht
Ist sie wie ein Wasserfall
Raus – - aus dem Haus auf die Straße
die du suchst und verfluchst
je nach Stimmungslage
Test --- auf den Rest deiner Tage
Die du spürst, die du kürst
zum Preis deiner Liebe
Nichts --- ist so klar wie ein Auge
das geschickt in sich blickt
und versinkt in einem Spiegel (als/im Abglanz eines Spiegels)
Herz -- im Gewühl von Gedanken
die sich drehn und vergehn
vor dem Ziel einer Suche
Licht --- auf dem Stück eines Weges
der ansteigt und abzweigt
und sich verliert in Kurven
Sand - und der Rest deiner Spuren
Droh’n dir an, kalten Wahn
Nässe dringt in die Seele
Grau - fällt der Tag in den Hausflur
Trägt mich fort an den Ort
Des Verrats meiner Träume
Blick -- in den Grund einer Frage
Die uns quält, die uns stählt
Zum Clown eines Begehrens
Fort - treibt der Mond deine Sorgen
Führt dich leis immer im Kreis
Und verlässt dich ungeboren
(aus alten Zeiten)
Donnerstag, 22. April 2021
Demokratieanschauung
Was war das denn? Wir lernen hinzu. Zu dem, was Demokratie ist. Es hat hierzulande mitten in einer tödlichen Pandemie (es wird im Ausland offenbar vor Deutschland als "Reiseland" gewarnt, es sind ja schon weit mehr als 80 000 Mitbürger an und mit dieser Corona-Pandemie gestorben) in einer Partei ein großer Hahnenkampf stattgefunden, dem ein wochenlanges Ringen zwischen zwei Rivalen voraus gegangen war, in dem es erstaunliche Parteinahmen und öffentliche Bekundungen gab. Es kam dann nach langer Auseinandersetzung schließlich zu einer Entscheidung. Und jetzt? Sollen sich qua demokratischer Grundregel alle auf die Seite des Erfolgreichen schlagen und sich ihm in all seinen Überzeugungen anpassen. Wer ist "alle"? Einfach alle Parteimitglieder und/oder die Granden? Repräsentieren sie in einer "repräsentativen Demokratie" diejenigen, die zu entscheiden haben, die Macht ausüben? Und was ist mit all den katastrophalen Fehlentscheidungen in der Pandemie? Demokratie scheint in diesem Falle jedenfalls ein institutionalisierter Anpassungsprozess zu sein: Wir schlagen uns auf die Seite der Gewinner, koste es, was es wolle. Auch die eigenen Überzeugungen. Wenn ich das richtig mitgekriegt habe, so wurden noch am Abend der Entscheidung solche Wendemanöver unter dem Anschein gut verstandener Demokratie vollzogen.
Mittwoch, 21. April 2021
Dienstag, 20. April 2021
Demokratie und Markt
An das Folgende erinnere ich mich aus Vorlesungen und mische es mit aktuell Gelesenem, mit Notizen oder am Bildschirm Verfolgtem:
Der Bürger solle sich ruhig verhalten. Er dürfe ja alle vier Jahre seine Stimme abgeben und solle ansonsten die Sache der Gemeinschaft „den Profis überlassen“, wie es Christian Lindner ausdrückte. Wie verhält sich wohl eine solche Einstellung mit der Vorstellung des „mündigen Bürgers“? Die Demokratie beruht ja auf der Voraussetzung, die sie selbst herstellt: den mündigen Bürger. Dem stehen hohe Bestechungsmechanismen (Lobbyismus?) und zahlreiche kurzfristige hedonistische Vergnügungen gegenüber. „Es ist bequem, unmündig zu sein“ meinte ein großer deutscher Philosoph dazu. Ob es um die Voraussetzungen einer Mündigkeit geht, ob es um die Kontrolle von Herrschaft und die Unterwerfung der Staatsapparate unter den Willen der Bürger geht? Oder ob das in unserer heutigen Realität weitgehend ausgeblendet erscheint?.
Der einzelne Bürger überblicke die Komplexität der gestellten Aufgaben keinesfalls, so das heute oft vorgetragene Credo. Die Idee des mündigen Bürgers habe sich in vielerlei Hinsicht überlebt. Bürger hätten weder das Wissen noch die Interessen zur Mitbestimmung. Sie seien gekennzeichnet durch Ignoranz, Apathie und Vorurteile und hätten einen eklatanten Mangel an Denk- und Handlungsfähigkeit. Die breite Öffentlichkeit bestehe aus unwissenden und lästigen Außenstehenden, deren Rolle in einer Demokratie die der Zuschauer sein müsse, keineswegs aber die der Mitwirkenden. Der Bürger solle Aufgaben der Mitwirkung und der Selbstbestimmung lieber jenen überlassen, die aus der Verwaltung kommend sich berufsmäßig damit befassen.
Ob das Konzept einer „illiberalen Demokratie“, wie es etwa der ungarische Häuptling Orban vertritt, damit etwas zu tun hat und ob es weitgehend solchen Einstellungen entspricht? Ob es darum geht, Eliten aus einem vorgegebenen Elitenspektrum auszuwählen und sich als „Normalo“ darüber hinaus auf die kleine überschaubare Privatwelt zu beschränken? „Think Tanks“ sollten in einem solchen Demokratiemodell wohl eine wichtige Rolle spielen: Experten. Sie sollen vor allem den Standpunkt der Wissenschaft (gibt es den als einen einzigen?) in den Entscheidungsprozess hinein tragen. Beispielhaft kann dies derzeit an der Rolle von Virologen und Epidemologen gezeigt werden. Sie füllen die Rolle der „Berater“ aus, die die gewählten Entscheider (Politiker) zu ihrer Entscheidung befähigen.
Der Bürger solle seine Stimme lediglich im Vierjahresturnus jenen verleihen, die „Verantwortung“ ausüben, die durch ihren Werdegang und ihre Ausbildung ihr Wissen um gewisse Zusammenhänge vertiefen konnten und meist aus der akademischen Sphäre stammen. In der Zusammenschau könnte so etwas bedeuten: Demokratie kann nur funktionieren, wenn sie keine ist. Was aber, wenn es darum geht, Machtausübung effizient zu organisieren und sie gleichzeitig wirksam zu kontrollieren? Wer soll das leisten? Ob es, wie im Neoliberalismus oft behauptet, um die effizienteste Lösung geht, die stets ein Markt herbei führt („marktkonforme Demokratie“)?
Montag, 19. April 2021
Gewohnheiten
Über Gewohnheiten zu schreiben, ist nicht gerade sexy, - ich weiß. Auf der Universität hieß es, Dinge wissenschaftlich zu betrachten, hieße, das Ungewöhnliche am Gewöhnlichen und das Unalltägliche am Alltäglichen heraus zu arbeiten. Dinge systematisieren - und all das. Ein Problem scheint mir aber zu sein, dass wir das Gewohnte viel zu sehr gewohnt sind. Gerade weil Gewohnheiten Teil des Alltags sind, kommen wir nicht auf die Idee, sie zu analysieren. Handlungen scheinen ganz und gar natürlich geworden zu sein, sie scheinen in das Unbewusste übergegangen zu sein und danach aus ihm zu kommen, um uns das Handeln aus der Macht des Faktischen und der „Normalität“ heraus zu diktieren. Durch Wiederholung und körperliches Gefühl scheinen sie das geworden zu sein, als was sie dann erscheinen. Sie sind in Fleisch und Blut übergegangen, in die Nebel dessen, was unser Handeln unbewusst zwischen Trieben und Vergangenheiten bestimmt.
Sonntag, 18. April 2021
Mainstream und Internet
Social Medias und Blogs tragen im Internet wohl eher zur Banalisierung des Einzelnen bei, - sie sind Erleichterungen und gleichzeitig geöffnete Schleusen. Der „Einzelne“ (die „Person“) scheint ohnehin selbst sehr stark zu dieser Entwicklung beigetragen zu haben, indem nämlich heute auch scheinbar lyrische Texte genauso wie Musik industriell, arbeitsteilig und geradezu maschinell hergestellt wurden und zunehmend werden. Der Druck auf die Tränendrüse ist etwas Gekonntes. Der Wutausbruch wird planmäßig herbeigeführt (jeweils beim „Durchschnittsuser“). Die Aufmerksamkeit wird genauso gelenkt wie die Aufmerksamkeit. Die Lüge beherrscht unmerklich vorrückend und die Gedanken verschleiernd das Feld, die durch nicht nachprüfbare Fakten gestützte Schwurbelei und Schwafelei inszeniert sich unbemerkt. Es herrscht das Kollektive, die immanente Manipulation, der Schwarm, die Masse, „Big Data“, der Algorithmus, das kalte Berechnen, - auch gerade der Emotionen. Mainstream, Avarage rules!
Samstag, 17. April 2021
Freitag, 16. April 2021
Auf zu den Sternen
Aus Zufall hinein getappt, sagen „die Stars“ lächelnd über sich selbst und ihre Existenz. Geben sich ungläubig. Du sitzt genauso ungläubig dabei. Wie ging das? Karma? Zufall? Bestimmung? Andere sinnieren auch darüber nach. Du hattest lange Zeit, die „großen“ Prominenten zu lesen oder sogar mit ihnen zu sprechen. Sie schrieben und schreiben, du schreibst und schriebst so etwas wie Journalismus, - und kriegtest doch nichts zustande. Hast nie etwas zustande gebracht. Andere klingeln mit Worten. Du findest genau das widerwärtig. Faselst in dich hinein aus dir heraus. Unbemerkt. Was weißt du über Musik? Über das, was sie „Kultur“ nennen? Dass man um ein Urteil kämpfen muss, dass so viele Faktoren eine Rolle spielen für den Ausdruck. Es hat dich von Anfang an interessiert, schon als du 15 warst, warst du da dabei. Gestalten haben dich umschwirrt. Warst jung, hast die Welt vor dir gehabt. Hast die Illustrierte mit Sophia Loren wie eine Reliquie vor dir hergetragen. Wenn ich erwachsen sein werde, so hast du dir gesagt, dann will ich auch dazu gehören zu diesem Spiel. Dann wird sie (oder so eine...) zu mir gehören. Dann werde ich dieses herrliche Weib irgendwie in mich verschlingen.... ich wurde begierig, ich wurde spitz..., - und jetzt? Bin ich müde geworden. Habe mir nie vorgestellt, einmal müde werden zu können. Ich würde die Welt erobern, sei würde mir gehören, quasi naturgemäß, - so versprach ich mir selbst. Weil ich es bin. Der alte Kinderglauben. Es schein mir alles offen zu stehen... Ich wusste nichts über die Machtverhältnisse dieser Welt und wem dadurch die schönen Frauen gehören, alles Schöne. Du würdest inzwischen gerne einmal die Zeit anhalten, festhalten. Sie in dich hinein holen. Deine Kindheit und Jugend in dich herein holen. Eine ganze Persönlichkeit werden. Eine komplettere. Durch dich selbst. Aus sich selbst. „A la recherche....“
Donnerstag, 15. April 2021
Mittwoch, 14. April 2021
Sinnsuche
Natürlich suchen wir alle nach dem Sinn in unserem Leben. Ein sinnloses Leben ist ein schwer zu ertragendes, wenn überhaupt zu ertragendes Leben. Also schafft sich jeder seine eigene Wirklichkeit, die in mancher Hinsicht eine familiäre, gesellschaftliche und idiologische Wirklichkeit. Jeder hat die Ansicht, dass seine eigene Wirklichkeit die wirkliche Wirklichkeit sei. Jeder, der sie anders sieht, ist „verrückt“. In diesem Zusammenhang mag sich auch ein Blick in den „Steppenwolf“ von Hermann Hesse lohnen, in dem es genau um dieses „Verrückt sein“ geht. Jedenfalls ist es so, dass das, was für den einen Unsinn ist, für den andern Sinn bedeuten. Was für den andern Sinn hat, ist für den ersten unter Umständen Unsinn. Ein Hinweis darauf ist, dass in verschiedenen Kulturen ein und dieselbe nonverbale Kommunikation eine ganz andere Bedeutung haben mag. Z.b. wird in Griechenland mit Kopfnicken ein „Nein“ angezeigt. Es gibt viele weitere Beispiele dieser Art. Ein mittlerweile viel beobachtetes Phänomen in unserer Gesellschaft kann es sein, dass die persönliche Wirklichkeitskonstruktion zusammen gebrochen ist (meist durch gravierende Ereignisse…). Durch Einführung einer anderen, neuen Wirklichkeitskonstruktion kann hier wohl geholfen werden, so las ich und so werben wohl vor allem Psychotherapeuten für sich.
Dienstag, 13. April 2021
Montag, 12. April 2021
Resonanzboden
Der Publikumsraum in den Stadien ist wichtig in unserer Gesellschaft, weil er ein Raum von Affekten ist, von Gefühlen und starken Ausdrücken. Eine Bühne dieser starken Ausdrücke und Selbstverständigungsgesten zu geben, das will diese Gesellschaft. Findet sie sie nicht, sucht sie sich einen Platz dafür. Kultur wäre in diesem Zusammenhang auch sehr wichtig, denn sie ist ein Ort der friedlichen Auseinandersetzung. Doch derzeit empfinden wir uns als machtlos: Das Virus mitsamt seinen Mutationen verbreitet sich entlang globaler Lieferketten rasend schnell. Die bisher immer als positiv geschilderte „Vernetzung“ verkehrt sich in ihr Gegenteil und stellt das anscheinend als ewig Gegebene in Frage. Krise als Chance und Weckruf, um die globalen Exzesse der Ökonomie abzubremsen? Solidarität? Gemeinsame Sensibilität dafür, was wirklich wichtig sei? Mehr Achtsamkeit? Zuhause bleiben, um diese Situation neu zu empfinden?
Sonntag, 11. April 2021
Wie man dieses Blog nutzbar machen könnte
Wie man dieses Blog nutzbar machen könnte: Ganz normal kann/könnte man die neuesten Beiträge lesen und sich an der Zeitleiste entlang hangeln, um „ganz normal„ meinen Kommentaren zum Lauf der Zeiten folgen. Dann freilich könnte man zurück kehren und sich die Beiträge zu einem bestimmten Thema anzeigen lassen, indem man diesen Punkt auf der Tag-Liste anklickt (unter „Labels“). Auf dieses Klicken hin werden alle Beiträge zu diesem Thema angezeigt, quer durch alle Zeiten. Da dieses Blog auf einen inzwischen recht groß gewordenen „Content“ zurück greifen kann (um dessen am Tag ausgerichteten Inhalte es mir manchmal leid tut), mag der nun angezeigte „Content“ wiederum recht groß sein. Dem Prinzip der Querverästelung bzw. Vernetzung folgend könnte nun wiederum auf der Auswahl der unter „Labels“ genannten Stichworte ein weiteres Thema gewählt werden, zu dem wiederum viele meiner Beiträge zu diesem Thema aufgeführt werden. Unter dem ganz oben aufgeführten Punkt "Alle aufführen" kann jederzeit zum Ausgangspunkt zurück gekehrt werden. Auf diese Weise könnte mit der Zeit meine Person als Stellvertreter von vielen besser erkennbar werden, eine Erkenntnisweise samt deren subjektiven Eigenheiten, die dem Lesenden und dem Schreiben gleichermaßen etwas bringen könnte („Win-Win-Situation“). Es könnte etwas dabei heraus kommen, das einer zeitgemäßen Art des Buchlesens entspräche und einer Einladung zum „Schmökern“ gleich kommen könnte.
Samstag, 10. April 2021
Staatliches Handeln
Erstaunlich, dass es angesichts einer Frage um Leben und Tod ein staatlich inszeniertes Innehalten und Nichtstun geben soll. Die Damen und Herren Entscheider scheinen wohl vor allem erst mal abwarten zu wollen, während zu viele Menschen auf den Intensivstationen qualvoll verrecken. Die hierarchischen und bürokratischen Strukturen scheinen in diesem Staat so dominant zu sein, dass sie sich auch über Fragen nach Leben und Tod hinweg zu setzen vermögen. So etwas wie Flexibilität scheint auf diesem Wege nur in sehr beschränktem Umfange möglich zu sein. Dazu passt auch eine Pressekonferenz, die nicht Informationen vermitteln, sondern sie offenbar verhindern soll. Berechtigte Nachfragen werden hinter die routinierten Phrasen ins Nichts („dazu kann ich Ihnen heute nichts mitteilen...“) oder auf ein bürokratisches Terrain abgebogen, auf dem es vor allem um in tiefer Gleichgültigkeit behndelte Kompetenzfragen zu gehen scheint.
Freitag, 9. April 2021
Passanten (Text)
PASSANTEN
Du gleitest
Du gehst
Du stolperst
Du stehst plötzlich hier
und da
und dort
du kommst aus dem Schweigen
wir sind Passanten
Ein Taumeln
ein toter Vogel
schaut dich an
in diesem einen Moment
tausend Küsse
tief in Dir
brennt ein Verlangen
wie süßes Gift
Ein Lächeln
eine Lüge
ein Sprechen
ein blaues Geheimnis
ein Gedanke
ein Gefühl
ein Bedauern
ein roter Augenblick
Etwas lenkt mich
und zieht mich
into a hidden place
etwas denkt mich
und sticht mich
into a secret place
etwas sieht mich
aus sich selbst
into an eternal race
von hier und nach dort
es treibt ihn
into a lilac haze
Refr,
Du zahlst
und merkst bald
dein Verstand löst sich auf
du schwörst
und fühlst bald
das Nichts greift nach Dir
Du denkst
hälst dich fest
die Nacht fällt ins Meer
du sprichst und erwachst
und fühlst dich so leer
Donnerstag, 8. April 2021
Auf zu den Wahlen!
Im Grunde glaube ich, dass das politische Personal, das sich im Herbst der „demokratischen“ Wahl stellt, dieser Aufgabe nicht gewachsen ist und/oder sich in einem klar definierten Interesse (das oft genug mit einem "Gemeinwohl" nicht viel zu tun hat) äußert und handelt. Ich halte diese Leute und die Kräfte, in deren Interesse sie handeln (Die Korruptionsaffären dürften meiner Einschätzung nur die Spitze des Eisbergs und keinesfalls die vielbeschrieenen „Einzelfälle“ sein!) für mich (!) nicht wählbar und erschrecke ob so viel einfältiger Unfähigkeit. Es hat sich ein selbstzufriedenes Abgehobensein und ein in Selbstbedienungsmentalität abgefedertes „Die-Pfründe-sichern“ in das Parlamentspersonal eingeschlichen, das für mich ganz und gar unerträglich ist. Dass Parteien bei der Willensbildung des Volkes mitwirken sollen, steht im Grundgesetz. Dass sie diese Willensbildung aber inzwischen für sich und in ihrem eigenen Interesse für sich kanalisieren, unterhölt diesen Passus stillschweigend. In öffentlichen Diskussionsrunden (sog. „Talkshows“) offenbaren diese Leute, die sich jederzeit zur „Elite“ zählen und meist nur mit ihrer „Durchsetzungskraft“ Parteikarriere gemacht haben, ihre grenzenlose Dummheit und Unbeholfenheit, die sich zu Coronazeiten gerne des Corona-Arguments als Entschuldigung für alle Lebenslagen und Versäumnisse bedient („Für uns ist das auch neu“, „wir waren noch nie mit etwas Ähnlichem konfrontiert“ etc. und sich dafür von ihrem Claqueuren beklatschen lassen:, „In dieser Haut möchte ich nicht stecken“, „ein schwieriger Job...“ etc.) etc.. Ja, ich unterstelle der Klasse der Entscheider eine hohe Unfähigkeit, die sich unter anderem von uns „Normalbürgern“ unter anderem darin unterscheidet, dass sie auf einen riesigen Beraterstab von Wissenschaftlern, Zuträgern aller Art und Wichtigtuern jeder Disziplin zurück greifen kann.
Mittwoch, 7. April 2021
Hedonistendekadenz
Haha, die Klasse der sich selbst feiernden „Intellektuellen“ preist jetzt ihr hedonistisches Leben abseits der Pandemie. Dass der Staat kein Recht habe, Grundrechte zugunsten einer kleinen Menge von kranken Leuten einzuschränken, so habe ich vernommen. Auch dass der Tod zum Leben gehöre, sei keine neue Erkenntnis, auf die man bestehen solle. Den Sinn einer Corona-Eindämmung sehe man nicht ein, weil das Leid, dass dadurch angerichtet werde, größer sei, als das Heil, das dadurch hervor gerufen werde. Es beschleicht mich der Verdacht, dass diese Schicht von Leuten sich ihren Spass über ihr Geld und ihren bürgerlichen Status auch zu jetzigen Zeiten jederzeit beschaffen (oder...kaufen…?) können. Schon im kleinsten Verzicht auf hedonistischen Spass sehen sie offenbar eine Einschränkung ihrer bürgerlichen Grundrechte. Ob das relativ dekadent ist? Man wird Fragen gegenüber Leuten stellen dürfen, die ihre Ansichten lautstark, rücksichtslos und medienwirksam vortragen. Nun, wenn der Tod zum Leben gehört, dann will ich nicht dabei sein, wenn solche Personen in seine Nähe kommen und dann mit all der Power ihrer bürgerlichen Existenz nach möglichst kompetenter (Einzel-) Behandlung rufen, ja, sie mit all ihrer Energie verlangen.
Dienstag, 6. April 2021
In der Arena (Text)
Man erwartete Tausende an diesem Tag im August. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn und blickte mich um. Die Ränge waren leer. Niemand im weiten Rund. Das war schon vorgekommen, kam eigentlich jeden Tag vor, das wusste ich.
Das Interesse der Zuschauer hatte allgemein nachgelassen in letzter Zeit. Einige vermuteten, es hätte eigentlich nie richtig Bestand gehabt. Dies war jedoch die Meinung einiger unverbesserlicher Pessimisten und einen solchen Luxus wollte ich mir, für meine Person, noch nicht leisten. Außerdem waren die Spitzenkämpfe ja nach wie vor bestens besucht. Ich selbst war ja noch in einem Alter, das zu "gewissen Hoffnungen" Anlass gab. Jawohl, genauso hieß es in den offiziellen Verlautbarungen des Verbandes "über die allgemeine Situation des herangewachsenen Nachwuchses". Man hatte ja auch in mich investiert und nach gewissen statistischen Berechnungen war die Möglichkeit meines Erfolges größer als die meines Scheiterns. So investierte man also, ohne es eigentlich zu wollen. Natürlich hatte ich ein Recht darauf, man hatte ja lange darum gekämpft. So ging alles seinen vorgezeichneten Weg.
Mancher hatte Pech und wurde gleich in die unterste Kaste eingestuft. Viele drängten sich direkt auf oder kämpften sich den Weg auf andere Art frei. Dass man dabei vor nichts zurückschrecken dürfe, war die einzige Regel, die galt. Wieder Andere hatten die sogenannten Stammplätze. Und dann gab es die, welche überhaupt keine Plätze belegt hatten. Es war nun niemand klar, wie diese Individuen einzustufen seien, zumal sie sich einer solchen Einschätzung immer wieder entzogen und die Qualifikationsrunden einfach keinen Aufschluss darüber gaben. Es wurden nun Schaukämpfe inszeniert, durch welche sich diese gemäß dem Beifall des Publikums qualifizieren konnten. Dieser wurde an der Anzahl der Münzen, die in die Mitte der Arena geworfen wurde, zuverlässig abgelesen. So konnte man über die Hoffnungsrunde direkt zu den Endkämpfen aufsteigen. Es war dies durchaus nicht das Übliche, trotzdem fand niemand etwas dabei. Außerdem war von den Ausrichtern verbreitet worden, jeder könne per Los an dieser Hoffnungsrunde teilnehmen, wenn er nur wolle. In Wirklichkeit war es doch so, dass nur sehr wenige die Chance hatten. Man munkelte, dass selbst die Veranstalter diese Teilnahmebedingungen nicht mehr genau kannten, was Leuten wie mir zu Möglichkeiten verhalf.
Ich hatte lange zu denen gehört, die mit denen sympathisierten, die dies alles neu organisieren wollten dergestalt, dass jeder die gleiche Chance hätte, - oder doch zumindest die Teilnahmebedingungen einigermaßen klar wären. Man sah jedoch diejenigen, die am lautesten dafür eintraten, selbst langsam zu den Verbandsfunktionären aufrücken, oder sich in ihre eigenen Märchen einspinnen, auf deren Gültigkeit sie dann bei jeder Gelegenheit bestanden. Sie gaben sich dadurch auf eine gewisse Art dem Publikum preis, das dies seinerseits nicht honorierte.
Die Einzeldisziplinen hatte ich immer den Mannschaftsdisziplinen vorgezogen, was meine Trainer schließlich akzeptierten, nachdem diesbezügliche Versuche immer gescheitert waren. Und so stand ich nun bei halb aufgeblendetem Flutlicht alleine in der Arena. Wann der Kampf begonnen hatte, das hatte ich längst vergessen. Ich wollte nur noch irgendwie über die Runden kommen, überleben. Das Rückgrat schmerzte inzwischen, es hatte schon viel aushalten müssen. Die Wunden brannten allmählich immer mehr, trotz des Sprays, dem meine Trainer extrem schmerzstillende Wirkung zumaßen, wenn sie mich in den Pausen damit einsprühten. Ich fürchtete den Zeitpunkt, zu dem ich den Schmerzen nachgeben würde. Ich wollte nicht mehr nur siegen, aber ich wollte auch nicht verlieren. Nur durchkommen, auch wenn die Gefahr bestand, dass man sich selbst am Ende nicht mehr wiedererkannte.
Ich war getrieben, aus Angst, aus Verzweiflung, aus Begeisterung, und sollte immer mehr an die Grenze, den Abgrund gehen. Mein Gegner tauchte auf, verschwand wieder, manchmal in Begleitung, manchmal alleine war er doch auf eine Weise, die mich verunsicherte, präsent. Er schien der Siegertyp, zeigte doch ab und zu zeigte er kleine Schwächen, Stellen, an denen man ihn treffen konnte, was ich sofort als meine Chance identifizierte. Diese kostete Überwindung, und ich musste mich manchmal selbst vergessen, um mich in der Konzentration auf die Schwächen meines Gegners wiederzufinden. Am Horizont begannen die Vorbereitungen zu einer Siegesfeier. Ich wusste, wenn es wieder einmal keinen Sieger geben würde, einigte man sich auf einen provisorischen Übergangssieger, denn die Siegesfeier war eigentlich wichtiger als der Sieger selbst. Man interessierte sich nur für die Bilder, die eiligst von ihm angefertigt wurden, die der Held dann auch in aller Regel schnell unterschrieb und als Autogramme in der Menge verteilte. Aber bis dahin war noch ein weiter Weg für jemanden, der zuviel zweifelte, zuviel zögerte, wie meine Trainer sagten. Und so musste ich mich immer wieder auf unterer Ebene qualifizieren, kam voran und blieb doch stehen. Er verhielt sich äußerst flexibel und griff mal von dieser, mal von jener Seite an. Dabei versuchte er mich dort zu treffen, wo ich bereits verwundet war, setzte geschickt seine Finten und ließ mich von Zeit zu Zeit recht schlecht aussehen. Ich hatte mir jedoch Routinen angeeignet, die mich immer wieder vor entscheidenden Treffern schützten. Außerdem hatte ich die Qualität meines Panzers immer noch zu steigern vermocht, was sich natürlich in gewissen Situationen auszahlte.
So konnte ich in den letzten Runden immer wieder aufholen, immer wieder herankommen, indem ich die Defensive in meinen Vorteil verwandelte und den Gegner in Fallen gehen ließ. Ich wusste, es würde empfehlenswert sein, beim Kampfgericht, das von den Veranstaltern vor langer Zeit eingesetzt worden war, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Zu diesem Zweck hatte man sich angewöhnt, es zu Beginn und am Ende untertänigst zu grüßen sowie seine Autorität mit Worten und Gesten zu feiern, wann immer sich die Gelegenheit bot. Ohne eigentliche Überzeugung, fast mechanisch, hatte ich anfangs diese Rituale mitvollzogen, sie mir dann aber abgewöhnt. Gegenwärtig neigte ich dazu, sie immer dann einzusetzen, wenn ich in Rückstand war und wieder aufschließen musste. Man wusste, dass vom Gericht Zusatzpunkte verteilt würden, die in der Endabrechnung entscheidend sein konnten. Es kannte jedoch niemand die genauen Kriterien, nach denen diese Punkte vergeben wurden. Und so versuchte man quasi aufgrund von Vermutungen eine gute Figur zu machen. Diese Vermutungen stützten sich hauptsächlich auf Verlautbarungen, die man den Veranstaltern zuschrieb und die nicht leicht zu verstehen und nach allen Seiten hin auslegbar waren.
Im Innenraum der Arena waren auf allen Seiten Spiegel aufgestellt, die eine Orientierung erschwerten. Die Geschehnisse im Innenraum wurden durch sie scheinbar verdoppelt, ins Mehrfache gesteigert. Vorstellung und Wirklichkeit verschwammen sich multiplizierend ineinander. Dies trieb einen mitunter zur Verzweiflung, erlaubte jedoch gleichzeitig Flucht und Rückwege, auf die ja speziell meine Taktik abgestimmt war, deretwegen ich mir jedoch schon mehrere Verwarnungen wegen Passivität eingehandelt hatte. "Achtung, Achtung", so tönte der Lautsprecher: "Herr Affenmüller möge bitte zum Stadionausgang kommen, es erwartet ihn eine Überraschung!", und: "den Anweisungen des Ordnungspersonals ist unbedingt Folge zu leisten, andernfalls werden Verhaftungen vorgenommen!"
Auf den leeren Rängen regte sich immer noch nichts. Vereinzelt waren Schreie, Lachen zu hören. Doch war nicht klar, von woher dies kam. Ich war auch zu sehr auf mich und diesen Kampf konzentriert, so dass ich mich nicht in der Weise darum kümmern konnte, wie ich es eigentlich wollte. Die Beunruhigung allerdings nahm zu. Man hatte in den letzten Tagen über Bestrafungsaktionen gelesen, doch wusste niemand, wieso und warum. Es hoffte nur jeder, dass es ihn nicht treffen solle, man versuchte diese Vorkommnisse so gut es ging zu ignorieren.
Gong zur nächsten Runde, und ich stürzte, die Zitrone noch zwischen den Lippen, aus meiner Ecke. Mein Gegner war wieder verschwunden, was zu seiner Strategie gehörte, ich hatte mich daran gewöhnt. Vielleicht wollte er aufgeben, wahrscheinlicher war es, dass er die Absicht hatte, mich zu verunsichern. In den Spiegeln sah ich mich grinsen und wartete, wartete ............
Montag, 5. April 2021
Sonntag, 4. April 2021
Samstag, 3. April 2021
Die "Tüchtigen"
Natürlich war da immer schon ein bisschen Neid dabei. Die kassierten die Einser, waren in allem die Besten und oberfleißig. Wir dagegen hatten Mühe, die Mindestanforderungen zu schaffen. Eigentlich verachteten wir diese Leute, der Zeitgeist schien damals auch etwas Anderes vom Menschen zu verlangen. Da waren diese unbedingt leistungsbereiten Geister: die mussten anscheinend sein, waren uns selbst aber mindestens unangenehm. Wir nahmen sie nicht so richtig ernst. Aus heutiger Sicht jedoch scheint sich vieles geändert zu haben. Eine große Zeitung schrieb über eine für jeden sichtbare Erfolgsdame: Heute sei schnell klar, dass sie damals „schnell, intelligent, verblüffend offen und unverschämt widersprüchlich“ sei. Sie sei aber schon als Baby „sozialbegabt und süß“ gewesen, mit „pumuckelhaft großen Ohren“ und großer Nase. Später dann: „Einserschülerin, immer und überall Klassenbeste, Studienstiftung des deutschen Volkes, University in England, drei Kinder und Doktor der Chemie in Göttingen, magna cum laude, CDU-Anhängerin. Gründung eines Unternehmens auf der Basis eines Patents usw.
Elite würde man so etwas heute nennen, Schwaben sagen dazu „a Käpsele“. Ich hatte nie eine Einstellung zu solchen Leuten, weil ich immer auch eine optimale Anpassung im fast Darwin'schen Sinne hinter ihrem Erfolg vermutete, was mir stets zuwider war und noch ist. Jedenfalls würde heute so jemand möglicherweise gut honoriert in zahlreichen Aufsichtsräten sitzen. Man hätte sich ein bisschen profiliert, aber nicht so, dass es die Karriere verdorben hätte. Man hätte seine Schlagfertigkeit genutzt und wäre „wichtig“ geworden. Man hätte sich als „Marke“ eingeprägt. Man hätte ein Netz von Beziehungen geknüpft, die einem später, nach diversen Eskapaden zur Schärfung des Profils, sehr zustatten gekommen wären. Man hätte ja ohnehin ein Privatgymnasium besucht und wäre Anwalt geworden. Man wäre das geworden, was die Talkshows gerne als „Persönlichkeit“ vorzeigen. Suspekt waren mir diese oberangepassten und ach so tüchtigen Personen allzumal.
Freitag, 2. April 2021
Waldgeister
Gerne bin ich im Wald. Es zieht mich immer wieder zu ihm hin. Ich spüre dann etwas, manchmal Beruhigung, manchmal Konzentration, manchmal eine Freundlichkeit,….. Es heißt, „Gutmenschen“ würden gerne die Bäume umarmen...sollen sie doch! So denke ich. Habe zwar noch kaum das Bedürfnis gespürt, aber ich könnte es mir vorstellen...jedenfalls disqualifiziert sich meiner Ansicht nach niemand damit, ...ich spüre oft die Luft, ihre Fülle, ihre Ausgeruhtheit und Gelassenheit, die sie auch bei mir selbst erzeugen kann, ich staune darüber und lasse es dabei bewenden, es braucht keine mystische Überhöhung und keine flotten Formulierungen, ich brauche auch keinen Peter Wohlleben, um das alles zu spüren, es zu genießen, es in mich aufzunehmen - ach könnte ich doch davon mehr! Da ist auch ein Feeling wie eine Ahnung von dem, was etwas Kollektives in mir früher war, eine quasi-religiöse Verbundenheit, die ja nicht sein kann und trotzdem sein darf, ich nehme dort etwas in mich auf, - durch die Luft?, - das mich stärkt und augenblicklich heraus zieht aus den Verstrickungen des Alltags. Muss ich an Klimawandel denken, an Umweltzerstörung und Beton? Ja, könnte ich! Ist aber nicht zwangsläufig. Besser ist es, in dieser herrlichen Luft aus der gängigen Zeit zu entfliehen...in Richtung der Waldfeen, Zwerge und Heiligen, wie das so vielen poetischen Geistern gerade in Deutschland schon gegangen ist.
Donnerstag, 1. April 2021
Das Vergessen......
Ob es so ist, dass man irgendwann zu vergessen beginnt? Aber genau das ist der Tod: ein Sich-selbst-Vergessen. Was immer im Tod mit uns passiert, ich bin einigermaßen sicher, dass wir als Individuum aufhören zu existieren. Die buddhistischen Mönche, die ich getroffen habe, üben dieses Selbstvergessen ja zu Lebzeiten bereits ein. Und sie behaupten, das Erreichen dieses Zustandes sei Glück.
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