Reise durch Wirklichkeiten

Freitag, 30. Oktober 2015

Remstal (1)

Remstal bei Lorch

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Krank und gesund

Eine Erfahrung, die ich im Krankenhaus gemacht habe:

Es ist doch eine vollkommen unsymmetrische Kommunikationssituation im Krankenhaus: Der sogenannte Patient ist unter Umständen ganz plötzlich aus allen Selbstverständlichkeiten und seiner alltäglichen Normalität heraus gerissen. Die Schwestern und Pfleger hingegen erleben das jeden Tag, für sie ist der Patient einer unter vielen, er symbolisiert den Alltag. Sozusagen eine Durchlaufposition. Sein Gesicht wechselt zwar, aber er scheint doch immer der gleiche zu sein. Vom Patienten aus gesehen ist alles hingegen einmalig. Auch die Gesichter seiner Pfleger sind das. Er ist vielleicht in eine absolute Ausweglosigkeit gestoßen, in eine Einmaligkeit, die sogar, wenn's schlecht läuft, in den Tod führen kann, die gröbste Einmaligkeit, die einem passieren kann.... Schwestern und Pfleger treten ihm gegenüber aber als Vertreter der „Normalität“, des „Lebens draußen“ auf. Sie sind jenseits der Mauer, die sich plötzlich zwischen einem selbst und „den anderen“ (den scheinbar „Gesunden“) auftut. Und tatsächlich, sie, die Pfleger und Schwestern  schalten nach Dienstschluss sehr schnell ab und sind wieder ganz draußen aus dieser abgeschlossenen Welt des Krankenhauses, in dem ganz andere Bezüglichkeiten und auch Abhängigkeiten gelten. Jawohl, der Patient ist in vielem auch abhängig von seinen Schwestern und Pflegern. Er ist ihnen ausgeliefert. Es entsteht dadurch eine Vertrautheit, die aber keine ist, sobald eine andere Situation eintritt. Ein seltsames Gefühl.

Mittwoch, 28. Oktober 2015

TonAngebertricks

Tritt irgendwo ein neuer Chef, ein Ober oder ein neuer TonAngeber X seinen Job an, so gehört es heutzutage zu den gängigen Mechanismen der „Menschenführung“, dass er vieles (manchmal auch alles) ändern muss, was an Arbeitsabläufen anliegt. Verschiedene Erwartungen treten hier auf den Plan: er sollte ja seine persönlichen Spuren hinterlassen, seine „Duftmarke“, er sollte die Abläufe so prägen, dass sie jedem Beteiligten als das Werk des geschätzten X in Erinnerung gerufen werden, ja, dass es sich geradezu in ihn einmeißelt, dass dieser X es ist, der jetzt alles bestimmt. Auch werden gerne lächerliche Vokabeln wie „Gestaltungswille“ oder „Durchsetzungskraft“ bei dieser Gelegenheit in die Welt gesetzt (was mit dem Bedürfnis nach Orientierung und „Geführt-werden“ der Vielen spekuliert).
Tendenziell ist so etwas totalitär, macht aber in der Wirtschaft nichts aus, da dort ohnehin alles hierarchisch und weitgehend diktatorisch geordnet ist. Es gibt dann ganze Wochenend-Crash-Kurse, die den „Untergebenen“ klar machen sollen, dass ja alle so demokratisch sind und dass alles in Teamarbeit erledigt würde, dass das Maß an Selbstbestimmung generell und überhaupt hoch sei. Dabei sind dies vor allem (Selbstüberlistungs-)Tricks, die nur ein möglichst hohes Maß an Motivation gewährleisten sollen. Im Endeffekt entscheidet aber nur der, der in der Hierarchie dazu „berechtigt“ ist. Deshalb gehen in der Wirtschaft auch alle Entscheidungsabläufe so schnell. Demokratie ist ein weitgehend mühsameres Geschäft. Hier müssen Interessen verhandelt, kommuniziert und abgeglichen werden, was am Ende zu einer Entscheidung führt: ein ungleich langsamerer Prozess, der aber weitgehend die Interessen der einzelnen an der Entscheidung Beteiligten berücksichtigen soll. Natürlich gibt es mannigfache Perversionen dieses Prozesses, - unter anderem hat offenbar eine tonangebende Politikerin das Wort von der „marktkonformen Demokratie“ in die Welt gesetzt. Kommentar überflüssig. Doch als gedachter Prozess zum Interessenausgleich und zur Entscheidungsfindung ist Demokratie allen anderen Prozessen, gemessen an dem Maß der dadurch erzeugten Zufriedenheit, weit überlegen. 

Dienstag, 27. Oktober 2015

Du musst dich ändern

Du bist der, der du warst. Bist das und bist es nicht. Lebendes Paradoxon. Vergangenheit und Gegenwart überlappen sich. Warst unglücklich und wirst es wohl sein. Bist bestraft damit. Wieso? Die Antwort hat dich ein Leben lang beschäftigt, bist nie dahinter gekommen. Vielleicht würde ein professioneller Psychologe viele Stunden dazu brauchen, um auch nur eine klischeemäßige Antwort zu geben. Auf Misserfolg programmiert. „Du musst dich ändern“, sagt Rilke und meint dein Unbewusstes. Nur wie? Es kommt der Tod auf dich zu, unweigerlich. Zuerst werden deine Eltern sterben, dann du... Was wird gewesen sein? Wo wird man Spuren hinterlassen haben? Ein völlig belangloses Ego für die Welt. Selbstmitleid ist nicht erlaubt, sagen die „großen“ Geister. Haben womöglich damit recht. Sind damit ja auch groß geworden. Aus Zufall hineingetappt, sagen die Stars über sich selbst. Du sitzt ungläubig dabei. Wie ging das? Warum du nicht? Karma? Andere sinnieren auch darüber nach. Du hattest lange Zeit, die „großen“ Geister zu lesen. Sie schreiben, du schreibst auch, - und kriegst doch nichts zustande. Hast nie etwas zustande gebracht. Andere klingeln mit Worten. Du findest es widerwärtig. Faselst in dich hinein aus dir heraus. Unbemerkt. 

Montag, 26. Oktober 2015

Rückwärts

Überall scheinen Nationalkonservative auf dem Vormarsch zu sein. Sie streuen ihren Wählern eine braune Vision in die Augen, die aus dem 19. Jahrhundert stammt und damals auch seine Berechtigung hatte. Sie besagt, dass es einen reinen „Volkskörper“ gebe, der ausschließlich sich selbst gehöre und jede Verflechtung in internationale Zusammenhänge leugnet. Doch solch ein rückwärtsgewandtes Weltbild ist womöglich längst überholt, ist, spätestens seit dem, was interessierte Kreise gerne „Globalisierung“ nennen, altertümliches Gerümpel. Zurück in die Vergangenheit, das Muster ist natürlich in den unterschiedlichsten Variationen bekannt, verschafft aber für die Zukunft keinerlei politische Strategie, auch wenn kurzfristige wirtschaftliche Erfolge und eine andere alternative soziale Konzeption dies rechtzufertigen scheinen. Die Kleinstaaterei, überhaupt, die Staaterei ist natürlich auch keinerlei Ziel angesichts der gravierenden grenzüberschreitenden ökologischen Probleme. Gegen und immer nur gegen die Andern, nun ja, das führt in die Isolation, die gerne auch mal agressiv werden will. Wir haben ja etwas Gemeinsames, das immer tragfähiger wird. Wir wachsen in eine einzige Welt zusammen und müssten vielleicht andere Wege finden, um eine Identität zu gewinnen und nicht nur zum ökonomischen Spielball der Mächtigen oder der Rückwärtsgewandten  zu werden. 

Sonntag, 25. Oktober 2015

Gerechtigkeit im Wandel

Ich war in einem Foltergefängnis, das erschreckende Einblicke in die fremde Welt des Mittelalters zeigte. Die Leute brauchten dort in gewissen Abständen ein Spektakel, das ihnen zum Beispiel die Räderung eines vermeintlichen Verbrechers verschaffte, wobei ein Verbrecher auch eine Hexe war, zu der man leicht werden konnte, wenn man kleiner als 1,60 Meter war oder Leberflecke hatte, oder Altersflecke, oder nicht weinen konnte, oder … Dann konnte es sein, dass man so lange Jauche eingefüllt bekam, bis einem der Magen platzte, dass man so lange mit schweren Gewichten „gepresst wurde“, bis die Knochen krachten, dass man an einem Haken aufgehängt wurde, so lange bis man ausgeblutet war, dass man... Der Mensch, der mittelalterliche hat das als Spektakel genossen...., das war seine Show. Eigentlich ist das „schöne Mittelalter“ noch gar nicht so lange vergangen. Menschen sind auch heute bereit, sich solche Dinge anzutun. Ich spüre aber, dass ich eigentlich agressiver sein müsste in diesen harten Zeiten...  

Samstag, 24. Oktober 2015

Fallende Blätter

Ich schaue genauer hin und sehe wunderbar rote Blätter, die sich leicht im Wind wiegen. Jawohl, der Herbst hat natürlich seine schönen Seiten! Es ist ein unglaublich tiefes und schönes Rot, das sogar Einfluss auf meine Befindlichkeit haben kann. Überhaupt können Farben ja einen Einfluss auf uns haben, es sollte jemand nur offen dafür sein. Einfach zulassen! Darauf warten, was passiert. Es kann auch nichts sein. Dann aber bitte nicht über diejenigen herfallen, die etwas von diesen Farben spüren! Sich selbst erst mal zurücknehmen und dazu kommunizieren, was möglich sein könnte! Esoterik, - scheise? Auch nicht gleich mit Etiketten klappern! Das sind doch alles nur Schubladen, die es einem leichter machen sollen, Dinge einzuordnen. Ob sie richtig eingeordnet sind, ist dabei egal. Eine Schublade, einen Begriff dafür finden, ist viel wichtiger. Damit umgehen können und die Normalität wahren! Erklärungen finden. Wo keine sind, einfach welche beschaffen. So scheint die Devise. Doch wo keine Erklärungen sind, könnten ja in Zukunft welche sein! Vielleicht sind wir als Ganzes noch nicht so weit.  Könnte auch eine Erklärung sein.....

Freitag, 23. Oktober 2015

Person und Kirchen

Man müsste wie die Figuren bei Max Frisch von vorne anfangen können. Gar nicht mal aus Unzufriedenheit, sondern nur um ein Leben noch einmal neu zu leben. Aus anderer Perspektive. Für jemanden wie mich ist das sogar vollkommen logisch. Dieser Gedanke hat mich unter anderem an den Pionieren fasziniert, die im 19. Jahrhundert in die USA aufgebrochen sind. Neue Horizonte. Sich selbst neu erfinden. Sich quasi umdrehen, derselbe bleiben und doch alles anders sehen. Ich habe zu wenig Urvertrauen dazu. Man sehnt sich nach einer anderen Auszeit. Das unter anderem war es, was ich bei meinen Kirchenbesuchen empfunden habe. Das ist eine Sphäre, ein Ort, der mitten im Geschehen steht und doch außerhalb. Ein Ort, der Zeitlosigkeit verspricht, und doch ein Zeugnis der Zeitläufte, der Historie, ist. Ein Raum, eine künstlerisch gestaltete Höhle, ein Ort der Besinnung, des Suchens und vielleicht ein Ort des Findens. Des Innehaltens. Des Aussteigens aus dem Rat Race. Stein statt Beton. Die Kühle in der Hitze. In einem gestalteten Raum, absichtslos in sich ruhend, und doch mit vielen inneren Absichten, in architektonischen Zwangsläufigkeiten und religiösen Sinngebungen erbaut. Überhaupt, - der Sinn. Vielleicht sind (Kloster)kirchen ein Ort des Sinns. Per se. Auch ohne die christliche Lehre mitzudenken. Mich wundert, dass ich das so über die Empfindung, über das reine Spüren erfahren konnte,  - früher war ich da eher ein Kopfmensch. Es erschließt sich mir jetzt, Jahre später, ein anderer Zugang zu dieser Sphäre.  

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Schlüssellyrik

Wer hat meinen Schlüssel gesehen?
er ist offenbar unrasiert und hat einen Bart
Ich wende das Blatt und lese verkehrt
nimm's nicht persönlich, sieh's positiv!


Wer hat meine Gedanken gesehen
sie sprießen manchmal wild und ich kann sie kaum fassen
Mixed Pickel,s sie jucken so undefiniert

und wachsen nach, kaum sind sie wegoperiert.

(Früher Poesieschaum, jetzt noch einmal lyrisch abgeschöpft) 

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Hamsterrad

Das Gefühl, das schon morgens einsetzt: sich fertig machen zu lassen, sich ausbeuten zu lassen und dafür auch noch dankbar sein zu müssen. Du hast ja einen Arbeitsplatz!! Standardreaktion: sich stark und stärker damit zu identifizieren. Doch eines Tages kriegt man einen anonymen Arschtritt von einem Funktionär dieser Firma, von einem, der ja auch nur Teil einer Hierarchie ist und ein Umsetzer. Und dessen Chefs sind – wie sie gerne behaupten – Teil eines Gesamtsystems, in dem es um Rendite und Profite geht, um Behauptung in einem „globalen Wettbewerb“. Der Mensch ist eingespannt in einen Mechanismus. Die Leute vom Staat und seinem Finanzamt werden kommen, um einen fertig zu machen. Danach werde man „Sozialfall“ sein. Man wird verloren haben. Gewinner sind diejenigen, die früh im Leben begriffen haben, um was es geht. Umgang mit dem Regelgeflecht, Manipulation desselben zum Profit der Mächtigen und Gewinner. Diejenigen, die heutzutage SUVs oder allradgetriebene Riesenlimousinen ausfahren und auf diese Weise vorzeigen, wohin sie es in dieser Gesellschaft gebracht haben. Der Statusgedanke, das vergewissern durch „Zeigen“: ein uralter Mechanismus. Hordenexistenz.

Dienstag, 20. Oktober 2015

Balltreter und ihre Freundinnen

Ob sich das Gerede von Fußballspielern unmittelbar nach einem Spiel stets gleich anhört? „Wir haben in der ersten Halbzeit unsere Leistung nicht so abgerufen, ja, wie es uns der Trainer gesagt hatte. Aber dann, ja, nach seiner Halbzeitansprache, ja, haben wir uns in der zweiten Halbzeit belohnt....“. Ob sie alle dieselben Rethorikkurse besucht haben? Hinzu kommt, dass die Frauen dieser gehätschelten Balltreter meist nahezu gleich aussehen. Oder bilde ich mir das nur ein? Es sind meist lächelnde Models, hoffnungsfrohe Moderatorinnen und geschminkte Lebefrauen des Zeitgeists mit teuren Frisuren: wenn sie so nebeneinander sitzen bei manchen Spielen, ist das sehr putzig anzusehen. Wie irgendwie verwechselbare Hühner auf der Stange. Gelegentlich meldet sich das Smartphone bei ihnen und dann sind sie am Telefon, um dringend Bescheid zu geben, dass es ihnen gut geht. Sie scheinen Trophäen und gestylte Träume zu sein, ja, welche, wie sie der Fan auf der Gegengeraden auch gerne hätte. Doch er hat nicht die Macht, das Geld, die treterischen Fähigkeiten und den Schneid dazu. Eine Person zu sein, eine Persönlichkeit gar mit Charakter, scheint in diesen Kreisen tabu, keine sieht nach sich selbst aus. Alle sind sie austauschbare Symbole des Erfolgs eines Balltreters. 

Sonntag, 18. Oktober 2015

Kulturwechsel

 Die Soziologie kann einem wunderbar und sehr eindeutig belegen, wie sehr man (vereinfacht formuliert) das Produkt einer Umwelt ist. Wäre man in einer anderen kulturellen gesellschaftlichen Realität aufgewachsen, wäre man womöglich ein ganz anderer. Dass man hier aufgewachsen ist, ist ZUFALL! Menschen versuchen, Gruppen, Gemeinschaften, soziale Verbände zu bilden, um sich gegenseitig ihrer sozialen Wirklichkeit zu versichern. Sie brauchen das sogar, weil ihre Identität dranhängt. Das kann man im Alltag wunderschön überall beobachte. Auch die gegenwärtige Flüchtlingssituation könnte ein Beleg sein. Andere Sozialisation, anderes Verhalten, - obwohl wir theoretisch alle gleich sind. Beispiel: das Verhältnis Mann - Frau ist in verschiedenen Kulturen jeweils anders definiert, was beim Wechsel der Kultur zu erheblichen Problemen führen kann, da ein ganzes Welt- und Selbstbild davon abhängen kann.  

Freitag, 16. Oktober 2015

Fußball, Dieselmotoren und viel Geld

Oh weh. Deutschland fühlt sich als Weltmeister aller Klassen und darf sich unter anderem deshalb auch der Wertschätzung von zahlreichen Asylsuchenden erfreuen. Wir schaffen das, - und nicht nur das. Ja klar. Doch jetzt wurde fast zeitgleich ein riesiger VW-Skandal bekannt. Des Deutschen Goldenes Kalb, das Auto, eine Betrugsmaschine mit Dieselantrieb? Von den Amis knallhart überführt und jetzt global am Nasenring vorgeführt? Staatliche Stellen und Überwachungsvereine in Deutschland scheinen konsequent drüber hinweg gesehen zu haben, - und das jahrelang. Anscheinend. Mutmaßlich. Sogar als Uninteressierter erfuhr man von Tricks, die die Autoindustrie bei der Messung von Werten anwende. Es war und ist ein offenes Geheimnis. Bewiesen ist freilich nichts. Doch damit nicht genug. Die Weltfußballorganisation FIFA, mit zahlreichen Skandalen sowieso verschärft im Gespräch, hat ihren Präsidenten und den Europa-UEFA-Boss Platini für 90 Tage suspendieren lassen müssen. Der bisher und davor letzte Generalsekretär ist sowieso über alle Berge. Soll auch ein schräger Vogel sein. Unklare Zahlungen, schwarze Gelder stehen überall im Raum. Auch hier scheint die US-Justiz Schrittmacher gewesen zu sein. Doch es wurde alles hingenommen. „So ist's halt“.
Und jetzt ist auch noch der DFB im Gespräch. Die Weltmeisterschaft 2006, das „Sommermärchen“, soll "gekauft" worden sein. Unglaublich. Ein einziges  „Kulturprogramm“. Ein Theaterstück. Eine Inszenierung. Dabei sind „wir“ doch eben erst in Brasilien Weltmeister geworden und haben ja soooo gejubelt. Doch es scheint Korruption allüberall zu sein, nicht nur im Fußball. Jetzt könnte alles auf den DFB (Deutscher Fußballbund) und seinen Chef Niersbach zulaufen. Was für ein Pech auch! Dieser lächelnde DFB-Gutmensch Niersbach ("Keine Macht den Drogen") . Und der Beckenbauer, diese „Lichtgestalt“ als Kaiser, der bei seinem Besuch in Katar „nicht einen einzigen Sklaven“ gesehen haben will („die laufen alle frei rum...“) und dem Wüstenstaat alles Gute bei all den WM-Vorhaben bescheinigt, war 2006 als Chef des WM-Organisationskomitees dabei. 
Die handelnden Verantwortlichen sind teilweise jetzt und noch immer in Spitzenpositionen überall gut dabei. Putin bereitet derweil die nächste Fußball-WM in seinem Land vor: Werbung, nach gehabtem und bewährtem Muster. Der Wladi. Dieser Halodri. Ein Schelm, der darüber nachdenken will. So ist's halt. Der DFB-Niersbach wurde zuletzt sogar als Ersatzkandidat für Platini gehandelt, scheint vorerst aber selbst belastet zu sein. Der Platini sowieso. Man wagt das alles kaum zu denken. Diese Leute sind damit beschäftigt, Vorwürfe zu entkräften und auszuräumen, Vorgänge erklären. Alles aufklären. Ämter ruhen lassen. Ob sie's mit ihren hochbezahlten Rechtsanwälten zusammen schaffen werden? Es ist ja noch alles mutmaßlich. Alles. 
Wir reiben uns die Augen: Es scheint das Schlimmste wahr zu sein. Noch im Sommer haben wir uns über schwindelerregende Ablösesummen im Fußball gewundert und uns gefragt, ob da alles mit rechten Dingen zugeht. Es scheint viel Geld im Umlauf zu sein beim Fußball. Angebot und Nachfrage halt. Und "das Fernsehen". Die Vermarkter. Und das alles scheint so manche „unklaren Verhältnisse“ zu schaffen, genauso wie in der deutschen Autoindustrie, wo noch viel mehr Geld fließt und das eine oder andere Unlautere schon bewiesen zu sein scheint. Unsäglich. Hm, ob das alles diesem Deutschland zum Vorteil gereicht? Wir schaffen das. Basta.  

Literatur und ihre Auskenner(innen)

In Frankfurt ist Buchmesse, wozu mir folgendes einfällt: Die Literatur könnte ein sehr probates Mittel sein, um sich in andere Köpfe, andere Weltsichten, andere Gefühls- und Sinnwelten hinein zu denken. Möglicherweise ist ein solches Einüben von Empathie sogar eines ihrer Hauptanliegen. Blöd nur, dass wir uns Literatur von professionellen Kritikern und Auskennern empfehlen lassen, die jeden Bezug zur Einwirkung auf die eigene oder die Persönlichkeit anderer verloren haben. Sie sind Spezialisten wie alle anderen auch, wenden ihre einmal gewonnenen Maßstäbe auf wechselnde Objekte an und setzen ganz auf die Trennung von Kunst und Wirklichkeit. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, so ihr strenges Diktum, das auch das der „gebildeten“ Bürgerlichkeit ist.
Und so kann es durchaus sein, dass auch Nazis und andere Gangster gewisse Literatur mochten, sie sogar bewunderten. In dieser Weltsicht gibt es nur ein „Gut gemacht“, „hat mich erreicht“, „berührt“, "ist langweilig" usw. Literaturkritiker sind Spezialisten, die möglichst viel in möglichst kurzer Zeit möglichst kompetent zu verarbeiten haben. Gelegentlich sind sie dann als sogenannte „Kundige“ auch in Jurys geladen und verleihen sich gegenseitig Preise, was eine zusätzliche Legitimation für sie und die von ihnen umgarnte Gesellschaft darstellt. Angesichts der schieren Masse der per Literatur „angebotenen“ Sinnwelten, verlangt der Kunde Leser nach einer Orientierung, die ihm die beruflich dazu aufgestellten Kenner liefern sollen: als eine Bewusstseinsware, die von den Checkern ja nach persönlichem Gusto abgelehnt oder in höchsten Tönen belobigt wird. Das liege in der Natur der Sache, so ihr Credo. Die Fernsehrunden legen Zeugnis davon ab, welchen Showeffekt solche Spiegelfechterei haben soll. Blöd nur, dass allzu vieles dabei nur im ungünstigen Sinne eitel wirkt. „Im ungünstigen Sinne“? Ich höre schon die Einwände: "jeder Mensch ist doch eitel!", - muss eitel sein. Selbstdarstellung ist doch eine "Herausforderung" der Zeit! Bewusstseinsaristokraten wollen dargestellt sein, ihr Diktum fällt wie ein Spruch von Zeus vom Olymp.  
Ob da auch Interessen der Bewusstseinsindustrie ihren Einfluss haben? Die Mitglieder der sogenannten „Gruppe 47“, die sich im Jahr 1947 konstituiert hat und als Literaturkritiker Reich-Ranicki oder Walter Jens gegen Schriftsteller wie Günter Grass oder Uwe Johnson aufbot, hätte so etwas weit von sich gewiesen. Und doch hat sie einer weitgehend statischen Wiederaufbaugesellschaft das kritische Feigenblatt der einer scheinbar kritischen Hinterfragung geliefert.  

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Zeit anhalten (gefundene Notiz)

Du würdest gerne einmal die Zeit anhalten, festhalten. In dich hinein holen, was du schon einmal gelebt hast. Deshalb bist du so oft nach Machtolsheim gefahren. Deine Kindheit in dich herein holen. Eine ganze Persönlichkeit werden. Eine komplettere. Durch dich selbst. Trinkst in letzter Zeit zu viel. Ruinierst dich. Ob du das anderen Menschen abgeschaut hast? Der Rausch als Flucht? Vor dir selbst? Als Übersteigerungen dessen, was du gerne fühlen würdest? Die Vorlage trägt nur kurz und bricht dann heftig in sich ein. Es gibt kein Entkommen.
Du wiederholst dich, spulst dein Leben intensiver ab. Denkst an das Ende und die Versorgung. Wirst dazu gezwungen, wie zu so vielem. Du hast immer versucht, solche Zwänge zu integrieren und doch integer zu bleiben. Geht das? Schleichend korrumpiert es dich, so dass du es nicht merkst....

Dienstag, 13. Oktober 2015

Djuna

DJUNA


Du sagst, Djuna, und schreibst, Djuna, was man bei Tag nicht denkt
du spielst mit Schatten, malst den Schrecken, formst daraus unser Bild
deine Augen sehen, durchdringen das Dunkel, so viel was sich uns verbirgt
du findest Worte, baust damit Sätze, die Vision der Nacht in uns


rote Lippen, rote Haare
du suchst die Liebe in der Dämmerung des Schlafs
rote Lippen, rote Haare
du suchst die Liebe in einem fremden Land


Du versuchst, Djuna, die Welt einzufangen, schickst sie als Flaschenpost an uns
fällst aus dir, tauchst in die Tiefe, holst die Schätze uns herauf


rote Lippen, rote Haare
du suchst die Liebe in der Dämmerung des Schlafs
rote Lippen, rote Haare
du suchst die Liebe in einem fremden Land


Haus ohne Adresse, Straße keiner Stadt
Kind ohne Namen, spielt Alltagstheater
wir gehen rückwärts, als Schlafwandler
durch tausend Augen seh' ich dich


Ich traf dich im Mai, Djuna, du sagst, du seist längst gestorben
dein Flüstern, Djuna, an unserem Ohr, verhilft einem Baron zu ewigem Leben
ein Fakir der Ängste, eine wahre Lüge, so stellst du dem Doktor die Diagnose
ein Nachtfalter, mit selt'nen Farben, so fliegst du durch unseren Traum


rote Lippen, rote Haare
hinter den Fenstern wartet Lachen auf dich
rote Lippen, rote Haare
hinter den Gesichtern wartet Nacht auf dich


Haus ohne Adresse, Straße keiner Stadt
Kind ohne Namen, spielt Alltagstheater
wir gehen rückwärts, als Schlafwandler

durch tausend Augen seh' ich dich

(ein Songtext aus den 80er Jahren, den ich damals mit Gedanken an die Schriftstellerin Djuna Barnes geschrieben habe, der Buch "Nachtgewächs" ich damals las, ich spürte eine Nähe zu meinen eigenen Ansichten....und wollte dem eine Form geben)

Montag, 12. Oktober 2015

Bilder der Wirklichkeit

Ob wir zuweilen das Gefühl haben, die Wirklichkeit entgleite uns, gehe an uns vorbei, sei ein Kosmos voller Unwägbarkeiten?.Wir würden gerne etwas in uns aufnehmen, das uns der Wirklichkeit näher bringt, das uns hilft, sie besser zu verstehen, mit ihr umzugehen. Etwas, was uns näher an sie heran bringt. Wir würden gerne Zusammenhänge sehen und verstehen, sie einordnen und sie mit besserer Bedeutung versehen. Mitbekommen, was um uns herum vorgeht. Doch alleine schon die Biografien der Menschen scheinen eine Beweglichkeit zu spiegeln, die unter den Bedingungen der Globalisierung längst in vollkommene Orientierungslosigkeit übergegangen ist. Lebensläufe sind nicht mehr festgeschrieben, an bestimmte Orte gebunden, sondern sie spielen im Überall und nirgendwo, je nachdem, wo einen ein Unternehmen hin schickt. Viele Figuren traten einmal mit großartigen Idealen an, die sie freilich im Laufe der Jahre so modifiziert, an neoliberale Zeiten angepasst und dadurch sich vollkommen so korrumpiert haben, dass sie die Welt heute sehr wohl verändern können, aber in einem Sinne, für den sie nie die Verantwortung übernehmen würden: Geld, Macht, Gier, Durchsetzung, Penetranz.... Die Folge: Zerissenheit, Brüche. Wirklichkeitsbild: Was auch immer du glaubst, dass es zusammen gehöre: es ist alles null und nichtig. Alles ist Zufall, nichts hat irgendeine Bedeutung, alles ist ein Algorithmus. . „Wenn ihnen dies gefällt, dann gefällt in auch jenes...“. Wahrscheinlichkeiten. Rechnungen. Zapping. Sampling.  

Sonntag, 11. Oktober 2015

Solidarität und Geld

Aha! Gestern las ich, dass der Finanzminister und der Juncker gemeinsam erwägen, für die Bewältigung der Flüchtlingsprobleme einen Solidaritätszuschlag zu erheben. Man könnte auch: „Steuererhöhung“ zu dem sagen, was ständig irgendeinen in die jeweilige Idiologie passenden Vorwand braucht, um zusätzlich Einnahmen für das zu erzielen, was auch auf europäischer Ebene Staat genannt wird. Aber "Solidarität" klingt besser, da können selbst die Linken mit. Onkel Juncker und Gevatter Schäuble sind sich da völlig einig. lassen halt mal einen Versuchsballon steigen. Mal sehen, wie die Reaktionen sind. Man könnte ja mit der Mehrwertsteuer was machen..... Ganz klar, dass der Staat immer zu wenig Geld hat. Abgabenlast hin oder her. „Wir schaffen das!“, ja klar. Bloß´, wer ist das, - „wir....“? Dazu sei vermerkt, dass auch der derzeitig in Deutschland gültige Solidaritätszuschlag ursprünglich für ein Jahr erhoben werden sollte. Er wurde dann auch abgeschafft, nur um ihn wenig später wieder einzuführen und ihn bis zum heutigen Tage gültig zu halten. Solidaritätszuschlag für die Neuen Bundesländer! Die sogenannte Wiedervereinigung ist längst über die Bühne, mit einigen Stärken und vielen Schwächen. Zu den Schwächen gehört wohl, dass enorm viel Geld ohne Sinn und Zweck in die neuen Bundesländer gepumpt wurde. Ohgne jede Wirkung, leider. Mecklenburg-Vorpommern leert sich. Andere neue Bundesländern nähern sich dem Status der gepflegten Wildniss. Einzig die Zentren wie Leipzig, Dresden oder Berlin (!ja klar, dort sitzen die Mächtigen....!) befinden sich nicht in diesem Trend, die wirtschaftlich „dynamischen“ Menschen scheinen ohnehin alle weg gezogen zu sein. Der derzeit viel gepriesene Begriff „Heimat“ scheint auf diese Weise das Privileg der Alteingesessenen zu werden.
Konkret? Z.b. Landärzte werden in den neuen Bundesländern händeringend gesucht. Ohne Erfolg. Kohle ist anderswo wohl leichter zu machen. Und darum geht es auch den ach so dem gesundheitlichen Wohl verpflichteten Ärzten wohl. Ist ja in dieser Wirtschaftsordnung auch nicht verkehrt: Ärzte sind unter anderem vom Staat und den Kassen zum „wirtschaftlichen Handeln“ aufgefordert. Natürlich führt dies gewollt zu einer gesellschaftlichen Polarisierung: wer sich ärztliche Dienste leisten kann, ist hier klar im Vorteil!

Doch zurück zum Solidaritätszuschlag: Mühelos lassen sich beliebig viele andere und Vorwände finden, um weitere solcher Zuschläge zu erheben. Auf der politisch linken Seite scheint man darin ohnehin das Allheilmittel aller Probleme zu sehen. Steuern kommen ja dem demokratisch legitimierten Staat zugute. Und dieser macht ja alles richtig. Nur so ein Seitenproblem ist dabei, dass solche „Apparate“ wie der Staat gelegentlich eine Eigendynamuik entwickeln. Wie das konkret aussehen kann, hat schon Franz Kagfka zu Berginn des vergangenen Jahrhunderts vorgeführt. Natürlich treffen solche Steuererhöhungen vor allem die finanziell minder ausgestatteten Kreise. Mit denen kann's ja machen, die gehen ohnehin nicht mehr zur Wahl, die haben keine Lobby und keine (vernehmbare) Stimme. Wieso? Weil sie das Gefühl haben, dass ihre Stimme nichts mehr bewirkt. Ob dieses einer Politikverdrossenheit Vorschub leistet? Macht nix, Politiker denken ohnehin nur bis zur nächsten Wahl. Dass solche immerhin gibt, ist zweifellos ein Fortschritt. Nur: wir sollten weitergehen..... 

Samstag, 10. Oktober 2015

Etwas zu Georg Trakl

Georg Trakl war ein armes Schwein, auch wenn seine Gedichte heute zu den wichtigsten jener Zeit zählen. Wichtig! Bedeutend! Expressionismus. Ihm war's damals egal. Kafka im Bereich der Prosa, Trakl als Lyriker. Sein Werk hat in einem einzigen Bändchen Platz. Er war nur kurz auf dieser Welt (1887 bis 1914). Mit seiner viereinhalb Jahre jüngeren Schwester hatte er wohl ein inzestuöses Verhältnis. Zudem war er als gelernter Apotheker schwer drogenabhängig (Opium, Morphium u.a.). Eine absolute Grenzerfahrung war für ihn der Einsatz als Sanitäter im Ersten Weltkrieg. Menschen ob ihrer wahnsinnigen Schmerzen schreien hören müssen. Bombeneinschlag, chemische Kriegsführung mit ihren fürchterlichen Folgen. Das verarbeitete er trotz Gedichten wie „Grodek“ bald gar nicht mehr. Er unternahm einen Selbstmordversuch und ging schließlich selbst mit einer Überdosis Kokain zugrunde. Sein Werk steht für eine extreme Weltsicht, für eine krasse poetische Wirklichkeit. Der Herbst und der mit ihm verbundene Verfall durchzieht als Motiv sein ganzes Werk. Der Mann arbeitete hart an seinen Gedichten, feilte manchmal über Jahre hinweg und schuf so ein poetisches Konzentrat, das dem heutigen Zeitgeist wohl total widerspricht, aber wie eine reinigende Flamme, ein Bunsenbrenner der Poesie auf alle Schönrednerei wirkt. Er wurde mir schon sehr früh sehr wichtig. Sein neulich hier aufgeführetes Gedicht „Verfall“ mag auf diesem Blog nur als ein Beispiel dafür stehen, dass es sich gerade jetzt wieder sehr lohnt, einen Blick in sein schmales Werk zu werfen und sich von dieser sehr eigenen intensiv verdichteten Wirklichkeit beeindrucken zu lassen.     

Freitag, 9. Oktober 2015

Auf der Suche

Du stellst dich vor einen Spiegel und denkst: Das soll ich sein? Wie das? Wer schaut dir so ins Gesicht? Wie? Ernsthaft? Melancholisch? Listig? Was warst du, was bist du, was willst oder wirst du sein? Da gibt es eine Reise in die Vergangenheit als Identitätsvergewisserung. Habe ich mich je erfahren? Bin ich blind durch die Zeit hindurchgeschlittert? Habe ich meine Möglichkeiten eingelöst? Wer bin ich in diesem Zusammenhang? Es ist die Frage, die mich biografisch unter anderem direkt zu Hermann Hesse geführt hat. Habe ich getan, was ich tun konnte, um diese Fragen zu beantworten? Habe ich eine Einheit meiner Identität herbeigeführt? Wo hat sich aus welchen Gründen meine Perspektive verändert? Ist das Selbstmitleid, Bauchnabelschauerei in einem Meer der sozialen Eingebundenheit? Oder ist man letztenendes dann doch auf sich selbst zurückgeworfen? Aber wer oder was ist dieses Selbst? 
Man ist kein Teil, der öffentlich anerkannten Intelligentia. Man ist etwas, was an der Seitenauslinie steht und lieber beobachtet. Die Dinge um sich herum. Man ist etwas, was aus der Wortkargheit kommt, und weniger aus der Laberei, wie sie mittlerweile überall herrscht. Spröde. Nicht smart. Abweisend untertreibend. Wie ist es, wenn es auf das Ende zugeht und das Unwichtige zurücktritt? Was wichtig und unwichtig ist, entscheidet man wohl selbst - wozu man dann auch das Recht hat. Dazu kommt das Fressen und Saufen. Nicht ganz unwichtig. In unseren Sozialstaaten machen sich Viele Illusionen dazu. Sie sind nur unter solchen Verhältnissen aufgewachsen. Doch in der Geschichte der Menschheit, die wir trotz aller kultureller Anstrengungen dann doch noch nicht ganz überwunden haben, gibt es viele Relativierungen davon. Der Mensch sei ein Mangelwesen, heißt es unter anderem. Wie ordnet man so etwas in sich selbst ein? Eines Tages hat man nichts mehr zu fressen und saufen. Wer hilft dann? Der Staat doch nur, wenn man sich ihm gegenüber vollkommen ausliefert, - oder? Man säuft ab.....in die völlig Passivität, in das Nichtsein, in den Tod.       

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Weg

WEG

Durch Straßen laufen
auf der Suche, ohne Ziel
wenn Neonlichter dich kalt beflimmern
tausend Geschichten, dahinter tausend Personen
tausend Geschichten
nur langweilig:
„show me some cash!“


Abwärts – geht’s unter meinen Füßen
bin leicht wie eine weise Feder
solange ich nicht falle
jemand fragt nach dem Weg
ich aber hab' längst vergessen
aus Schaufenstern grinst die Versuchung
plötzlich: Marylin Monroe
aber sie sieht an mir vorbei
ich lauf' weiter
weg
weiter
weg
ich hab' Angst

lebe immer noch

(eine Art Gedicht von mir aus den 70er Jahren)

Dienstag, 6. Oktober 2015

Intro

INTRO

Wie gut, dass ich bei den Guten bin
Am besten, ich mach' nicht viel Worte
und gehöre nicht zu denen,
die viel reden und nichts sagen
Du machst nicht viel Worte
traust ihrer Bedeutung nicht
sie haben sich zu oft gruppiert
Zu Lug, zu Trug
haben um deine Kaufkraft geworben
um Deine Wertschätzung
um deine Aufmerksamkeit
haben die Bedeutung in Hülsen gesperrt
in Bilder, die missbraucht und vergewaltigt
zu fetten Gemeinplätzen wuchsen
es ist ein nettes Hopping
über der unsichtbaren Hoheit
verkaufter Luftschlösser
aber dich plagt eine Sehnsucht nach Text
nach eigenen Worten
sie zieht dich weiter
in andere Formationen
viele Körper reden und sagen nichts
es ist genauso, wie dieser Satz,
eine vorbereiteter Gemeinplatz
eine automatisierte Deutung
eine hübsch geformte Lüge
der Sinn geht im universalen Geräusch unter
in weißen Rauschen, das sich gegenseitig auslöscht
und du bist ein Pirat der Patterns
Ich ist ein Anderer
mit den anderen vernetzt sein
ein Docking wagen, abseits der Kommunikation
sich in andere Positionen begeben
wagen, sie in Frage zu stellen
das willst Du vielleicht
Ich zu sagen,
ist eine Reaktion auf ständig wachsende Unsicherheit
dabei könnte alles so anders sein
in Unbekanntem unbekannt bleiben, unerkannt
wir treiben knapp unter der Oberfläche dahin
und strecken den Hals gelegentlich müde in die Höhe
der Papierweg ist verstopft
Schwächen offen zu zeigen
könnte sich als Stärke erweisen
Lüge, eitel Selbstinszenierung
schöne Fassaden sind auch schön - als Fassade
ein Paravant, flüchtig aufgestellt
rund um bittere Erbärmlichkeit
will verschwinden hinter Tönen
und mich einhüllen, will mich kleiden in sie
Du wagst, Dich im Verborgenen zu zeigen
als ein Spiel
wenn der Sinn untergegangen ist
will ich dem Klang nachlauschen
der sich selbst mitteilt
die brauchen Dich nicht
die nehmen sich nur, was sie brauchen
die hassen die Wahrheit, weil sie so negativ ist
was ist das Original, wenn alles eine Vervielfältigung ist
unwillkürlich, als Reflex, tausend Nichtigkeiten als Schwarm
als Wolke des Geschwafels
eine Kopie, eines großen Etwas, das wir alle sind?
Wie gut, dass ich bei den Guten bin
wie gut nur, wie gut......


(Ulrich Bauer, 2010)

Montag, 5. Oktober 2015

Verfall (Trakl)

Georg Trakl




VERFALL 
Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg' ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

Hinwandelnd durch den nachtverschlossnen Garten,
Träum' ich nach ihren helleren Geschicken,
Und fühl' der Stunden Weiser kaum mehr rücken -
So folg' ich über Wolken ihren Fahrten.

Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
Ein Vogel klagt in den entlaubten Zweigen
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,
Indess' wie blasser Kinder Todesreigen,
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern
Im Wind sich fröstelnd fahle Astern neigen.

Sonntag, 4. Oktober 2015

Herbstlied (Tieck)

Herbstlied


Feldeinwärts flog ein Vögelein
Und sang im muntern Sonnenschein
Mit süßem, wunderbaren Ton:
Ade, ich fliege nun davon,
Weit! Weit! Reis' ich noch heut!

Ich horchte auf den Feldgesang,
Mir ward so wohl und doch so bang,
Mit frohem Schmerz, mit trüber Lust
Stieg wechselnd bald und sank die Brust,
Herz! Herz! Brichst du vor Wonn' oder Schmerz?
Doch als ich die Blätter fallen sah,
Da dacht ich: Ach, der Herbst ist da!
Der Sommergast, die Schwalbe zieht
Vielleicht so Lieb' und Sehnsucht flieht,
Weit! weit! Rasch mit der Zeit!
Doch rückwärts kam der Sonnenschein,
Dicht hinter drauf das Vögelein,
Es sah mit tränend Angesicht
Und sang: die Liebe wintert nicht,
Nein! Nein. Ist und bleibt Frühlingsschein!


Von Ludwig Tieck, 1773 bis1853



(Singvögel haben's wohl heutzutage schwerer) 

Samstag, 3. Oktober 2015

Tod und Unruhe

Frei von allzu großer Unruhe sein. Geht das angesichts des Todes? Vielleicht im Glauben an das Jenseits. Weg sein. Aufhören zu existieren. Aber entweder in die Hölle oder in den Himmel kommen. Heute sind viele Menschen sehr beunruhigt, weil sie keinen Glauben haben. Unsere Zeit glaubt, dass der Tod sinnlos sei. Argument gefällig? Stell dir vor, das Leben sei nicht endlich. Das auf diese Einsicht folgende Leben könnte jegliche Spannung verlieren und tödlich langweilig sein. Alles was Grenzen hat, ist wertvoll. Wird gesagt. Bis zu Ende wird das nicht gedacht, weil der Tod ja tabu ist. Wir alle könnten plötzlich sterben. Auch die, die sich sehr sicher fühlen. Noch müssen alle Menschen sterben, auch wenn die soziale Polarisierung und der medizinische Fortschritt hier allmählich für eine neue Einseitigkeit sorgen.  

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Steuer ungeheuer

Vom Bund der Steuerzahler ist eben wieder ein „Schwarzbuch“ erschienen. Darin ist anhand einer noch nicht einmal vollständigen Liste aufgeführt, wo und wofür welche Summe Geldes von Politikern verschwendet wurde. Ganz ordentliche Gelder kommen da zusammen und mich wundert es wie jedes Jahr um diese Zeit, wie flott dieses von der Politkaste weggebügelt wird und wie reibungslos viele Medien dabei mitspielen. Nach drei Tagen ist das alles vergessen und jeder hat die Formel „im Vergleich zu anderen Ländern ist das ja ganz ordentlich“ verinnerlicht. Nun ja, ein paar Milliönchen hin oder her, es können auch Milliarden sein: der Berliner Flughafen BER oder der Stuttgarter Hauptbahnhof zum Beispiel. Kolateralschäden. Es würde auch viel schlimmer gehen. Ob diese Mentalität auch Politikverdrossenheit erzeugt? Wer wird nach welchen Mechanismen in den Bundestag gewählt und wer funktioniert dann streng nach Parteiräson und eine von Parteigenerälen vorgegebene Richtung? Wie einig sich die alle sind, wenn es darum geht, riesige Fehler zu kaschieren! Es dürfte ausführlicher darüber gestaunt werden.   

Dienstag, 29. September 2015

Wahrnehmung füreinander

Unsere Umwelt neu wahrnehmen? Könnte lohnen. Nein, wir kennen sie nicht schon längst, unsere Umwelt. Etwas neu wahrzunehmen könnte ein Gefühl der Intensivierung schaffen. Des besseren „Bei-sich-Seins“. Wir könnten es versuchen, für eine bestimmte Zeit die Sichtweise eines anderen Menschen, oder sogar die eines Tieres einzunehmen. Keine Angst! Nur für eine gewisse Zeit. Aber dadurch könnten sich neue Sichtweisen auch für unser „bekanntes“ Ich ergeben. Wir könnten besser nachvollziehen, wie relativ doch vieles ist, wie wenig Rechthaberei uns nützt, ja, wir könnten mehr Respekt und Achtsamkeit für unsere Mitmenschen aufbringen. Eine andere, sehr erquickliche Übung könnte sein, ins Kino zu gehen, sich bestimmte Filme im Fernsehen anzuschauen. Auch dabei versetzen wir uns unwillkürlich in andere Perspektiven hinein, wir blicken eine bestimmte Zeit lang durch die Augen einer anderen Person, geraten in eine andere Welt. Dass diese dann möglichst viele Kompensationen und Abenteuergelüste bei den meisten Menschen befriedigen soll, ist eher Beiwerk, nicht Hauptsache. Filme schaffen Empathie, können eine Perspektive jenseits des kurzatmigen Rhythmusses unserer Medienwahrnehmung aufzeigen, fördern das Verständnis füreinander.        

Montag, 28. September 2015

Trägheiten

Es war auch die Trägheit, die immer gebremst hat. Natürlich die Trägheit. Das im Sein sein. Das jämmerliche Vegetieren. Von einem zum andern. Dieses „man wird sehen“. Die Sphäre unter den Fingernägeln des Alltags, die hat dich nicht nur interessiert, sie drängte sich dir geradezu auf. Die Basics, die erkanntest du: Das „sich inszenieren“, egal als was. Wenn nötig als Intellektueller. Als Bohemian. Als Gutmensch. Als Durchsetzungsfähiger. Als Winner. Als Wichtig. Als Politprofi. Alles ist eine Frage der Menschenführung. Die Basics sind: es gibt Alpha- und Omegas. Du musst der Boxer sein. Die anderen vor dir her treiben. Bestimmen. Abkassieren.
 Ich habe mit der Muttermilch eingesogen, dass es auch darum ginge, solche scheinbar von der Natur gesetzten Bedingungen zu überwinden. Dabei sind sie das einzig wichtige. Dieses im Halbschlaf Dämmern hat es dir vor Augengeführt. Wenn du nur bei dir bist. Wenn der Fernseher nicht läuft und du auch kein Buch zur Hand hast. Keine Ablenkung. Du hast es mit dir selbst aushalten müssen, du musst das ein Leben lang. Hast zu hohe Erwartungen an dich gehabt, implizit. Die Typen entwickeln sich in ihre Richtungen, nutzen Möglichkeiten. Als Taugenichts, Lehrer, Musiker, Programmierer. Familienmensch. Früher in die USA ausgewandert. New York. Auswanderer, Pionier im Westen. - jetzt sind wir viel weiter und können lachen über alles und über uns: wie naiv wir doch damals waren! Wir Menschen. Woher kommen solche „Resets“?
Es ist genau das, was ich zu überwinden suche, diese unharmonische, von außen bestimmte zerrissene Persönlichkeit. Wir wollen eine vorläufige Einheit. Wir wollen über uns selbst lachen in der Gegenwart. Nicht über die Vergangenheit. 

Sonntag, 27. September 2015

Politik, Menschen, Verdrossenheit

Politik und die Menschen: Politik könnte Lenkungsfunktion haben, im Sinne der Menschen. Beispiel: Gesundheitssystem. In anderen Ländern natürlich schlechter als hier. Aber wollen wir hier zu solchen Verhältnissen? Oder sind die Deutschen stolz auf ihr Gesundheitssystem? Problem nur: die ländlichen Gebiete. Wer in der Stadt (je größer, desto besser...natürlich) eine Praxis sucht, hat einigermaßen Aussicht auf Erfolg. Wer im ländlichen Raum ärztliche Betreuung sucht, muss unter Umständen weit fahren, - sofern er noch kann. Wer nach Zahlenverhältnissen, wieviel Patienten in der Stadt und wieviel auf dem Land pro Arzt betreut werden ollen, wird erstaunt sein. Ein krasses Missverhältnis, das auch Politikern auffallen müsste. Doch die Lage verschäft sich zusehends, „auf dem Lande“ werden die Verhältnisse ziemlich schnell zunehmend unerträglich. Gleichzeitig wird seit Jahren eine ambulante Altenbetreuung propagiert und wird der Trend zum Dasein als Single immer bestimmender. Als alleinstehender alter Mensch habe ich also nahezu keine Aussicht auf zeitnahe kompetente Betreuung, - außer vielleicht im Heim. Wie passt das zusammen? Welches Licht wirft so etwas auch auf die Motivation von Ärzten? Fragen, die erlaubt sein müssen. Ob „die Politik“ ein bisschen zu wenig Verbindung zu den tatsächlichen Lebensverhältnissen von Menschen hat? Ob das zur immer krasser werdenden Politikverdrossenheit beiträgt? Ob es aus Idiologiegründen kein anderes Anreizsystem als den unmittelbaren Profit mehr gibt? Ob dies die Apologeten des Wettbewerbs gezielt aus der Situation heraus kitzeln? Die gegenwärtige Flüchtlingssituation in Deutschland scheint dem zu widersprechen. Scheint. Altruismus. Empathie. Doch auch hier hat sich die Politik zurück gezogen. Lenken und leiten, durchführen, machen und tun: das wird von ehrenamtlichen Kräften besorgt. Die Politik veranstaltet Konferenzen und kümmert sich um Kompetenzen: zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Zwischen europäischen Ländern und anderen Organisationseinheiten. Dabei werden dann Ausschüssen gegründet und Zusammenkünfte im Abstand von 4 Wochen anberaumt. Hm, ob darin auch ein Problem liegt? 

Donnerstag, 24. September 2015

Auto und Fakten

Wir reiben uns die Augen. Wir müssen wohl träumen.... Es wird doch tatsächlich diskutiert, ob nicht andere Autohersteller auch kontrolliert werden sollten, ob ihre Dieselkisten tatsächlich die angegeben Abgaswerte erfüllen, - da ein Verdacht besteht, dass „die anderen“ ebenso getrickst haben. Ja ist das denn nicht schon längst unterwegs? Müssen denn die USA durchweg die ersten sein? Was soll der ganze Widerstand gegen TTIP, wenn die EU Abgaswerte hätte, die weit schlechter als die der USA wären und zudem weniger konsequent gehandhabt würden als diejenigen in den USA? Haben die USA diesbezüglich bessere Standards? Welche Rolle spielen da die öffentlich bestellten Kontrolleure? Müssen sie etwa im Auftrag ihrer Auftraggeber gezielt wegschauen, weil die deutsche Industrie wesentlich vom Auto bestimmt wird? Gibt es dort etwa eine Kumpanei zwischen den Kontrolleuren und den Kontrollierten? Fragen über Fragen. Alle Fakten müssten auf den Tisch, erklärt die Kanzlerin. Was sie wohl damit meint? Nun, die USA lassen kontrollieren und schon jetzt scheint sich abzuzeichnen, dass andere Hersteller auch tricksen. Ob das bedrohlich wird? Für wen? Für Vorstände? Für Aufsichtsratsmitglieder, für Gewerkschaftsbosse? Dieser ach so bemitleidenswerte Winterkorn ist zurück getreten. Und überall wird heftig diskutiert, ob er von den Manipulationen gewusst hat. Die Arbeitnehmer ergießen sich in Mitleid für den Boss. Der Mann hat ja so viel Verantwortung, wurde oft als Begründung für sein sagenhaftes Salär behauptet. Nun, wie ist's jetzt mit der Verantwortung? Die trägt er doch völlig unabhängig davon, ob er etwas gewusst hat oder nicht? Er hätte viel früher zurücktreten müssen. Für was wird und wurde er denn bezahlt (jetzt wohl mit einer fürstlichen Abfindung, so, wie das in solchen Kreisen üblich ist...)???? Mal sehen, was sich noch entwickelt, - selbstverständlich von den USA aus, denn unsere Kontrollbehörden scheinen ja in einem Verhältnis der Kumpanei zu den Autoherstellern zu stehen. Auf Klärung solcher Verdachtsmomente wird ja wohl allzu gerne verzichtet. Und auf die Qualität der Umwelt scheint es ja angesichts des Totschlagarguments „Arbeitsplatz“ auch nicht mehr anzukommen. Gute Luft ist ein Allgemeingut, die auch Betriebe und Unternehmen für ihre Zwecke verwenden. Oder allgemeiner: Die volkswirtschaftliche Ebene wird in dieser Hinsicht konsequent zugunsten der betriebswirtschaftlichen vernachlässigt.  

Mittwoch, 23. September 2015

Optimismus reloaded

Alles fällt scheinbar auseinander, die Kriege vermehren sich und die Klimakatastrophe schreitet voran. Weltsichten brechen zusammen oder werden aus einigermaßen Überholtem runderneuert, Hierarchien sind in Frage gestellt, Gesellschaften verlieren ihre Erdung und brechen dann zusammen. Der Mensch als „Beherrscher der Dinge“ ist in Frage gestellt, Aufklärung fällt zurück, in Wahn, in Skepsis, in pseudoreligiösen Eifer. Die Jagd nach dem Glück ist für die meisten Menschen erstmal ausgesetzt: ein paar nur können sich alles erlauben und besitzen grinsend die Welt. Kurzfristige Idiologien, die scheinbar die Welt erklären, haben Konjunktur, und man ist, was man isst. Doch der bürgerlich gewordene Hedonismus zieht nicht mehr so richtig. Mögen einen die Flugzeuge jederzeit überallhin bringen: ihr Spritverbrauch macht genauso Sorgen, wie jener der teuren Motorkisten, die reiche Leute Automobile nennen und die überwiegend aus Deutschland kommen, um nicht nur in Europa brav im Stau zu stehen oder die Luft zu verpesten. Es ist uns wahrer technischer Fortschritt versprochen (wie dieser aussehen kann, war gerade in den vergangen Tagen zu bestaunen), nicht nur selbstfahrende Autos, stauumfahrende Systeme und Internet der Dinge: alles, was das Begehren für etwas wecken soll. Für was, das wissen wir so recht noch nicht. So ist der Mensch halt. Wir haben uns verhoben, das Gefühl verlässt uns kaum noch. Ob das alles so lebenswert ist? Ob es uns glücklicher macht? Ob wir dadurch mehr Zeit haben? „Wo bin ich? Wo war ich? Wo werde ich sein?" 

Dienstag, 22. September 2015

Autos revisisted

Oh weh! Noch gestern hielten die Medienfexe den VW-Mitarbeitern das Mikro unter die Nase. „Was wollt ihr denn? Die andern machen das doch auch alle...“ war oft die Antwort auf eilfertig gestellte Fragen. Wenn das wahr wäre, dann ginge es jetzt steil bergab mit der „reichen und starken Nation“, die doch beliebig viele Menschen bei sich aufnehmen kann, gerade weil sie ja so reich und stark ist. Immerhin gibt die hiesige Automobilindustrie dem Export „starke Impulse“. Oder sogar sehr starke. Made in Germany. Wettbewerb. Ob sie das in Zukunft auch noch tut? Derweil stellen eine dauerlächelnde Kanzlerin und ein grinsender Ex-Kanzler eine Biografie vor, die sich selbst im Einklang mit der Hauptperson verherrlicht und Schröder mit seiner Agenda 2010 als den Retter der deutschen Wirtschaft feiert, was auch die Kanzlerin dann auch in ihrer Lobesrede ausgiebig tut. „Ohne jeden Zweifel“ sei das alles, lässt die Kanzlerin dazu verlauten, und mancher hört auch schon wieder ihr berühmtes Credo „alternativlos“ dahinter. Ob die Hartz 4-Gesetze (der Namensgeber hatte auch seine Probleme mit der Justiz...) nicht wohl dazu beigetragen haben, dass es einer Kaste von Besserverdienenden noch besser geht und die Klasse der armen Schlucker noch schneller in den Abgrund gekehrt wurde?
„Fordern und fördern“, so eine der von den Medien willfährigst kolportierten Begleitphrasen dieser Politik. Schröder wechselte denn auch sehr hurtig zur russischen Gazprom, um dort unter der Oberherrschaft eines "lupenreinen Demokraten" treue Dienste zu tun. 
Die Linken und Teile der SPD fordern dagegen wacker ihre Vermögens- und Finanztransaktionssteuer weiter und vermuten solche Maßnahmen als Allheilmittel gegen die Polarisierung der Gesellschaft. Derweil scheint die Autoindustrie im großen Stil getrickst zu haben und man darf gespannt darauf sein, wie die hiesigen Abgas- und Verbrauchstests ausgehen. Das Kraftfahrtbundesamt scheint da ja in der Vergangenheit beharrlich dran vorbeigeschaut zu haben, dass auch dabei permanent getäuscht worden ist. Sein amerikanisches Pendant tut das offensichtlich nicht. Es geht ja auch gegen einen ausländischen Konzern. Dass Abgas- und Verbrauchswerte manipuliert wurden, es scheint für manche eine offene Sache zu sein, nahezu jeder wusste und weiß offenbar davon. Jetzt ist es aber plötzlich ein "Skandal". Deshalb erhebt sich die Frage: wer kontrolliert eigentlich das Kraftfahrtbundesamt? Und wer den Verkehrsminister? Das wählende Volk?

Groß und Klein (1)

Das Große spiegelt sich im Kleinen. Jetzt sind sie aus aller Welt zurückgekehrt, die Urlauber. Mal was anderes. Die Tapete ausgetauscht. Ausgespannt. Erholt. Am Meer. In den Bergen. Irgendwo, wo's anders ist. Scheinbar. Nicht links und nicht rechts geblickt. Wieso denn? War doch alles „All inclusive“. Die Käseglocke mit hinaus genommen in diese Welt, die gerade von Kriegen und Naturzerstörungen zerfetzt wird? Warum denn immer so schwarz sehen? An den Polen sind riesige Erdgas- und Ölvorkommen gefunden worden. Und eine gut zahlende Vorhut macht sich anscheinend schon zu anderen Sternen auf. Das wird günstiger werden. 
Doch wir brauchen wohl nicht so weit zu fahren. Diejenigen, die am weitesten in den Urlaub hinweg fliegen oder fahren (natürlich bei entsprechenden Emissionen), haben oft von ihrer unmittelbaren Umwelt keine Ahnung. Auch hier gibt’s einen Micro- und Macrokosmos. Kleine und große Tiere, die uns verständnislos anschauen. Die ersten Wölfe wurden freudig begrüßt und sind mittlerweile verteufelt, weil sie den Schäfern schaden. In diesem Fall den Außenposten der Zivilisation. Des wirtschaftlichen Erfolgs. Natürlich sind da Einzelne betroffen, die sich wehren. Sie sind halt nicht die Sündenböcke des Ganzen, sondern sie werden dazu gemacht. Doch wer sieht den größeren Zusammenhang? Die Naturzerstörung in Europa und auf der ganzen Welt? Ob da ein Punkt kommt, den die angelsächsische Welt „Point of no return“ nennt? Spätestens dann, wenn alle Regenwälder platt gemacht und in Ölplantagen umgewandelt sind? Die Verbindungen zu den „Bedürfnissen“ Europas zu studieren, könnte aufschlussreich sein. Hier in Deutschland scheinen zunehmend Zentren über die Peripherien zu herrschen. Wie „draußen“ in der Welt. Die großen Metropolen platzen aus allen Nähten, das ländliche Gebiet verödet. Globaler Trend. Vereinheitlichung. Das Bestreben, alles ökonomisch nutzbar zu machen, vernichtet natürliche Ressourcen. Diese sind für ökonomisch schwache Menschen Naherholungsgebiete, für ökonomisch starke gibt es die Fernflüge. Polarisierung. Muss einem nicht alles verderben, sollte aber „im Blick behalten“ werden, eine Formulierung, die ein deutscher Hochschulprofessor neulich in einer Fernsehsendung verlauten ließ. 

Montag, 21. September 2015

Hm

Wie peinlich ist das denn? Messungswerte per Software manipuliert? Seltsame Entwicklungen. Spukhaft, nicht "spooky". Software, digitale Module etc. kann ja sowieso niemand mehr überprüfen, - außer ein paar Spezialisten. Dieselfahrzeuge möglicherweise als „Abgasschleudern“? Ausgerechnet Fahrzeuge, Autos, der Export-Stolz der deutschen Industrie? Der Exportschlager und Sinnbeschaffer für eine ganze Nation guter Menschen? Viele viele Milliarden Strafzahlungen stehen offenbar im Raum. Der darüber hinaus gehende Imageschaden wäre kaum mehr gut zu machen? Allerlei Spekulationen schießen ins Kraut? Und das alles mit einem Vorstandsvorsitzenden, der ungefähr 17 Millionen im Jahr verdient? Ja geht es denn noch offensichtlicher? Zugegebener Lug und Betrug als Grundlage dafür, möglichst vielen anderen Menschen auf der Welt luftverpestende Kraftwagen anzudrehen? Das kann nicht wahr sein, enthüllt aber viel von der (deutschen) Wirklichkeit. Doping für Autos, um sich im "Wettbewerb" einen Vorteil zu erschleichen? Mauscheleien? Manipulationen? Ach was! Besserwisser unterwegs? Welterklärer? Das sind nur kleine Kolateralschäden. Alles ganz anders. Be positive!
Aber der Vorfall erklärt sich halt selbst optimal. Die Hosen sind ganz öffentlich heruntergelassen. Und China scheint gut dabei zu sein beim Konzern und seinen Tricksereien. Das Land Niedersachsen auch. Wow. Pikant. Es bleibt einem die Luft weg. Ob das die eiligst bestellten und gut bestallten Rechtsverdreher noch hinkriegen? Prozesse, einstweilige Verfügungen etc.? Gleichzeitig muss ein großer Computerhersteller offenbar einräumen, dass sein „Store“ für Apps von Hackern geknackt wurde und etliche dieser Apps mit einer „Schadstoff“-Software infiziert sind. Zweck: Daten ausspionieren. Ob die so gefährlich ist? Ja sind die denn so wertvoll? Ein ach so günstiger Bildtelefondienst funktioniert plötzlich auch nicht mehr.Ohne weitere Auskünfte von seiten des Betreibers. Aufwachen heißt die Devise! Aufwachen. Der Wahrheit ins Gesicht blicken, auch vom spassigsten und positivsten Party-Dancefloor aus! 

Sonntag, 20. September 2015

Flüchtlingsphänomen und seine Bewältigung

Das Flüchtlingsphänomen birgt in Wirklichkeit auch ein soziales Problem: Die Unternehmen kassieren immer noch ab an diesen unsäglichen Waffenexporten, die Allgemeinheit fängt die dadurch verursachten Verluste in Form von Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten auf, - der scheinbar linke Spruch dazu heißt: "die Gewinne privatisieren und die Verluste sozialisieren". In den Talkrunden sitzen meist medial geformte Sabber- und Gutmenschen, die an sozialen Verteilungskämpfen nicht teilhaben, weil sie von vornherein entsprechend gut alimentiert sind (auf wessen Kosten wohl?). Der mit entsprechendem Selbstbewusstsein vorgetragene und "Ehrlichkeit" vortäuschende Spruch heißt dann "Wir sind ja davon nicht betroffen!". Ein Politologe hat in dieser Woche lächelnd darauf hingewiesen, dass die Politik die unteren 25 % der Bevölkerung "Im Auge behalten solle".  Selbstverständlich ist es kein Problem für diese Talkshowschwätzenden und schönsprechenden Leute, Parolen zu dreschen und im Strom der political correctness mitzuschwimmen, - unverbindlich natürlich. Man sollte sie alle fragen, was eigentlich sie persönlich zur Bewältigung der damit verbundenen Probleme beitragen. Doch solche Fragen sind in den Talkshows selten zu hören. Hoffen wir, dass die deutschen Hilfe- und Empathieleistungen nicht von der kurzfristigen Art sind, wie sie von denjenigen Medien hervorgerufen werden, die von den Mächtigen protegiert werden. Aufregung, Empörung, Betroffenheit. "Je suis Charlie". Inhalte sind da austauschbar. „Wir“ sind die Gutmenschen? Dann sollten „wir“ das nachhaltig beweisen. Nachhaltig! Jetzt die große emotionale Welle und wenn sie dann nach scheinbaren Medienzwangsläufigkeiten bald ausläuft, kommen die Verteilungskämpfe. Dazu gehört auch die unsägliche Idee, „Flüchtlinge“ zu Löhnen unterhalb des Mindestlohns einzusetzen. Ach! Das darf doch nicht wahr sein! Lohndumping wieder eingeführt. Einer unterbietet den anderen? Das alte Marxismusding? Der Billigste wird genommen? Und das Ganze mit einer Koalition, bei der die SPD mehr schlecht (TTIP) als recht (Mindestlohn) mitmacht? Man reibt sich die Augen. Die flüchtigen Menschen ausnutzen? Als ob es nicht reiche, dass sie sich in „Gute“ und „Schlechte“ einteilen lassen müssten, zwecks besserer Abschiebbarkeit!
Andererseits werden die Ressourcen von den wohlbestallten Gutmenschen nur zu gerne verteilt, als ob es nur Fremdenfeindlichkeit und reiche Gesinnungsengel geben würde. Wir sind reich? Nun ja, wie sah's denn bisher mit der verfallenden Infrastruktur aus? Mit den KITAs? Mit den überall übelst vorgetragenen Sparzwängen, die zuallererst die sozial Benachteiligten auszutragen hatten? Auf wessen Kosten wohl die 10 (!) Milliarden gehen, die alleine dieses Jahr für den guten Zweck aufgebracht werden müssen? Wir bräuchten ein paar viele einfühlsame Menschen, eine wahrlich empathische Mitleidskultur, die weiß, was sie warum kann und die eine Nachhaltigkeit aufzuweisen hat. Die nicht jeden als „Rassisten“ denunziert und zensiert, der auf nicht gelöste bzw. strukturelle Probleme hinweist oder sich weitergehende Folgerungen erlaubt. Der sich Gedanken macht.     

Alb

Alb

Mittwoch, 16. September 2015

Naturbeherrschung

Es tut mir weh, wenn ich an diese wunderbaren Landschaften denke: eine riesige Wasserknappheit herrscht in Kalifornien, Felder werden aufgegeben, Wälder brennen ab. Es muss dies alles in den USA ein schwerer Schlag für den Hang zur Naturbeherrschung sein. „Young men go west“: wer eine neue Zukunft will, setzt sich in Richtung Westen in Bewegung. Lake Powell, der Hoover Damm, der leergepumpte Mono Lake: Denkmäler eines Drangs, der zur Dynamik der USA viel beigetragen hat. Das Wasser wird knapp, der Colorado wurde schon vor Jahren angezapft. Nur: Sie steuern zu spät um. Obama will zwar etwas gegen den riesigen Energiehunger seines Landes tun, aber die Republikaner haben ihm schon längst Kontra gegeben. Ökologie ist recht und gut, solange es nicht zur Beeinträchtigung unserer Wirtschaft führt, so allzu kurz zusammengefasst ihr Credo. Luftschutzmaßnahmen schaden natürlich der Wirtschaft, ein Blick auf die Atomwirtschaft genauso. Die Klimaanlagen, die Ausländer schon zum Frühstück mitten in der Wüste frieren und frösteln lassen: „Brauchen wir, das ist unser Lebensgefühl“. Die verrücktesten Bewässerungssysteme, die das Wasser im Überfluss versprenkeln: Überlebensnotwendig. Hm, - ein bisschen zurücklehnen, würde die Devise heißen. Ihr seid nicht mehr die Herren der Welt, auch wenn ihr euch als Supermacht fühlt. Die Natur ist auch heutzutage stärker. Vulkane, Supervulkan im Yellowstone? Sein Ausbruch würde nicht nur Nordamerika zerstören. Mount Rainier? Meteoriteneinschlag? Hat schon die Dinosaurier um die Ecke gebracht. Könnte jederzeit wieder passieren. Ob wir das überleben würden? „Young men go west“? Nun ja, ist fragwürdig.....ob man's ein bisschen globaler sehen sollte und nicht nur aus der Sicht von "God's own country" heraus?     

Sonntag, 13. September 2015

Im Lauf der Zeit

Der Film „Im Lauf der Zeit“ von Wim Wenders hat sich damals (1976) als „Roadmovie“ ausgerufen und hat mich damals sehr stark beeinflusst und beeindruckt. Rüdiger Vogler und Hanns Zischler als Bruno und Robert ziehen darin der damaligen Zonengrenze entlang, einer Art Niemandsland. Der eine repariert Kinoprojektoren, der andere hat eben eine Trennung hinter sich und ist selbstmordgefährdet. Beide sind relativ in sich gekehrt, sind einsam und sehnen sich nach Frauen, zu denen sie aber aus sich heraus in einer Art gezwungenem Abstand bleiben (müssen) und zu denen jegliche Verbindung problematisch ist. Sie übernachten in ihrem Möbelwagen, der durch die Dachluke wunderbare Blicke in den Nachthimmel eröffnet und so den Film in etwas Alltagsmystisches und aus dem Augenblick Kommendes hinüber ragen lassen, das schon viele Filmemacher gesucht haben und das manche Western augenblicksweise eingefangen haben: Der ruhige Blick, die gelassene Haltung, die im scheinbar Kleinen das Große sehen kann, der Welt nahe kommen in der Poesie. Es entwickelt sich eine ganz langsame Handlung, die eigentlich keine ist, sondern das Reisen, das „Sich bewegen von einem zum andern Punkt“ zum Thema macht. Heute ist Wenders ein Großwesir der Hochkultur. Er macht viel, stellt auch mit großem Erfolg seine Fotos aus und ist so etwas wie der romantische Herold des Kinos. Wie er, der ja sein Projekt damals mehr aus dem Ungefähren heraus lenkte, als er ihm klare Konturen gab, wohl auf meine Reaktionen reagiert hätte. In einem Interview zu seinem 70.-sten Geburtstag hat Wenders neulich gesagt: „Sich überhaupt auf etwas einzulassen, wird ja immer schwerer. Das gilt für das Kino, aber auch für das tägliche Leben. Denn uns allen fehlt es an Zeit, die ständig noch kostbarer wird.“ That's it: Zeit. Der Film heißt „Im Laufe der Zeit“.  

Freitag, 11. September 2015

Der Mensch (1)

"Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch -: Geht doch mit anderen Tieren um! Mit siebzehn Jahren Filzläuse Zwischen üblen Schnauzen hin und her, Darmkrankheiten und Alimente, Weiber und Infusorien, mit vierzig fängt die Blase an zu laufen -: meint ihr um solch Geknolle wuchs die Erde von Sonne bis zum Mond ? Was kläfft ihr denn? Ihr sprecht von Seele - Was ist eure Seele? Verkackt die Greisin Nacht für Nacht ihr Bett - schmiert sich der Greis die mürben Schenkel zu, und ihr reicht Fraß, es in den Darm zu lümmeln, meint ihr, die Sterne samten ab vor Glück . . .? Äh! - Aus erkaltendem Gedärm spie Erde wie aus anderen Löchern Feuer, eine Schnauze Blut empor -: das torkelt den Abwärtsbogen selbstgefällig in den Schatten." Das schrieb der Dichter Gottfried Benn einmal. Ätzend. Herb. Hart. Realistisch. Direkt. Unverstellt. Der Mann war Arzt. Dermatologe. Hatte viel mit dem Körperlichen zu tun. Mit dem Tod und Verfall.  Gottfried Benn starb am 7. Juli 1956 in Berlin. Zwei Tage vor seinem Tod waren Wirbelmetastasen diagnostiziert worden. Seltsam, von seinen Gedichten geht auch heute noch eine große Anziehungskraft aus, von der einigenden Kraft ihrer Worte, die doch dem allgemeinen Geschwätz und netten Geplauder so unendlich weit überlegen sind. 
Sehr angesagt scheint ein Veganertum zu sein, das den Finger darauf legt, dass Menschen Tiere fressen, dass Menschen die Tiere besonders in der Massentierhaltung grausam quälen. Aber auch sehr erwähnenswert mag sein, dass der Mensch schon mal seinesgleichen tötet. In Kriegen galt das einst als besonders ehrenhaft. Heute gibt es so viele Kriege, wie wohl selten in der Geschichte der Menschheit. Das gegenseitige „Sich-Abschlachten“ aus idiologischen, religiösen oder machtpolitischen Gründen scheint wieder in Mode gekommen, nachdem postmoderne Geister glaubten, so etwas überwunden zu haben. Doch das Nationale wird auch im postmodernen spätindustriellen Zusammenhang gerne mal gepflegt. Peinlich. Ersatzspielfelder bietet beispielsweise der Sport und totalitäres Gedankengut zuhauf. Auch die EU bietet derzeit wieder reichhaltiges Anschauungsmaterial zu den Egoismen solcher Organisationsformen, die sich doch im Zusammenhang eine gemeinsame Werthaltung geschworen haben. Offenbar braucht der Mensch solche Ventile und solche Formen der Identifikation im Größeren. Er scheint den Kampf gegeneinander zu brauchen. Höher, schneller, weiter. Es ist von hier aus nicht weit bis zur Wachstumsidiologie, die doch bis heute der Treiber für die „westlichen“ Gesellschaften zu sein scheint.    

Mittwoch, 9. September 2015

Bundestagsdebattenkultur

Wieso eigentlich studieren diese vom ZDF übertragenen Deppen auf der Regierungsbank des Bundestags gelangweilt Akten und zeigen demonstrativ Desinteresse, während Gysi zum x-ten mal wiederholt, dass Deutschland inzwischen drittgrößter Waffenexporteur ist und die Kluft zwischen Arm und Reich in diesem Land sich nach einer OECD-Studie ständig vergrößert? Das ist wohl so, bloß weil's der Gysi von den Linken ist, - der natürlich auch genau das macht und sagt, was alle von ihm erwarten! Wieso eigentlich starren dieselben Leute bei der Rede der Bundeskanzlerin gebannt auf die im himmelblauen Wams bewehrte Protagonistin, die mal wieder so gar nichts zu sagen hat? In demonstrativer Habachtstellung. Ist das Koalitionsdisziplin oder Opportunismus? Ob darin auch ein Grund liegt, dass die Debattenkultur im Bundestag offensichtlich so stark nachgelassen hat? Sind die Beteiligten so sehr in ihren Vorurteilen gefangen, in ihrer verbohrten Weltsicht, dass sie sich mit den Tatsächlichkeiten in diesem Land garnicht mehr zu beschäftigen brauchen und alles ihren Karrierestreben unterordnen? Wer eigentlich glaubt noch den Märchen aus der Käseglocke, die in diesem von einem Stararchitekten gestylten und gekrönten Kuppel Gebäude verzapft werden? Haben diese Leute ganz den Kontakt zur Wirklichkeit verloren? Sicher, es gibt keine Alternative zur parlamentarischen Demokratie. Aber muss das, was dort in Namen des Volkes passiert, so erstarrt, so leblos und anpasserisch ausgerichtet sein? Das sind Ersatzmonarchen auf Zeit, keine Frage. Die machen alles zu ihrem Vorteil, was geht...klar. Aber projezieren wir auf diese Abgeordneten und ihre exekutiven Vorsteher nicht andere Erwartungen?