Reise durch Wirklichkeiten

Sonntag, 30. August 2015

Life live (Songtext aus den 80ern, gefunden im Fundus)

Life live

Hey schau mal auf dieses Fernsehbild
das bist du, das bin ich, jetzt im Moment
bin gespannt, was die wohl machen werden
bleiben sicher auf ihren Stühlen kleben
hey, sieh' mal, die tun nur so als ob
möglichst cool und jetzt bloß kein Flop,
die funktionieren ja wie Maschinen
Computerprogramme mit menschlichen Mienen


Life!....live!.....


Hey, sieh mich mal an, zeig' dein Gesicht
sind wir Talking Heads im Bühnenlicht?
Sag', aus welcher Welt kommt dein Name,
den da eben nennt eine propere Dame?
Heißt sie Norma Jean oder Marylin Monroe
spielst du den Nero oder de Niro,
eine falsche Rolle, oder spielst du dich selbst,
eine liebe Gewohnheit, die du nicht merkst?


Wir simulieren alle, wir wissen nur nicht was
wir fahr'n auf Schienen nebeneinander her
computergesteuerter Input – Output
Chip-hurra, wie ist deine Show so gut..... !


Hey, hör' dir mal zu, wie du so redest
diese Worte, diese Sätze: alles second-hand!
Ist dein Doppelgänger nur eine Fälschung, ein Kapitel in einem schlechten Roman?
Fast wie im richtigen Leben, ohne Clou
wir sitzen ganz hinten in der letzten Reihe

auf los geht’s los, die Sendung ist live.....

Samstag, 29. August 2015

Dieter oder Diter? (2)

Dieter Roth war offenbar ein maßloser Mensch. Alles, wirklich alles geriet ihm zur Kunst, die Sprache, das Zeichnen, das Leben. Er war ein wohl äußerst begnadeter Verballhorner, Performance- und Aktionskünstler, Spassvogel, ein Kunstchamäleon, Sprachzerleger und Kunstverbieger, der seinen Spass am Zerstören und lustvollen Dekonstruieren hatte, um daraus etwas anderes zu schaffen. Zwei Büsten nannte er „P.O.A.A.VFB“ - Portrait of an Artist as Vogelfutterbüste“. Eine hat er aus Vogelfutter, die andere aus Schokolade geformt. Für das „Karnickelköttelkarnickel“ hat er einen Hasen aus Hasenknötteln geknetet. Für Stuttgart hat er Arbeiten wie „Fernsehturm Stuttgart“ (1967) oder „Gartenzwerg“ aus Schokolade gestaltet. Bekannt sind auch seine Gummibandbilder, bei denen Gummibänder über Nagelbretter gespannt sind. 
In Berlin im Museum Hamburger Bahnhof ist seine große "Gartenskulptur" zu sehen, eine teilweise skurrile und sich über eine gewaltige Raum erstreckende Zusammenstellung von Utensilien, Geräten, Aufbauten an die sich unter anderem auch Holz, Draht, Seil, Metall, Baumaterialien, Pflanzen, Videogerät, Monitore, Lebensmittel, Spielzeug und Kleidung heften.  Wichtig für Dieter Roth ist, dass seine Werke von einem großen Publikum bis heute als Zumutung erlebt werden. Es scheint etwas zu sein, das ohne Rücksicht auf Genregrenzen, oder gar Verluste an Tradition und Konvention entstand. Alles wurde von ihm mit Allem spielerisch und provozierend vermixt. So etwa die legendäre „Langstreckensonate“ von 1978, die Roth-Fans schon mal 36 Stunden ihrer Lebenszeit kostet (aber das ist Teil seines musikalischen Bemühens, auf das wir später genauer eingehen). Und: Für seine Frauen war er oft wie ein Diktator, dessen Entwürfe von der Welt sie unbedingt teilen mussten und dessen textilen Entwürfe sie tragen mussten.   

Freitag, 28. August 2015

Dieter oder Diter? (1)

Ein paar Sätze über den Künstler Dieter Roth, dessen Werke gerade hier in Deutschland immer wieder zu sehen sind, obwohl er ein international anerkannter Künstler ist. Er wurde im Jahr 1930 geboren, der Vater war Schweizer, die Mutter Deutsche. Nach einer Grafiklehre in Bern veröffentlichte er 1953 zusammen mit Eugen Gomringer und Marcel Wyss die erste Ausgabe der Zeitschrift „Spirale“, die sich konkreter Kunst widmet. Es zieht ihn in der Folge nach Dänemark, Island und die USA. Mannigfache Verbindungen führen nach Stuttgart, wo er sich mit dem Sammler Hanns Sohm und dem Verleger Hansjörg Mayer anfreundet. 1969 und 1977 ist er bei der „Documenta“ in Kassel dabei, Ausstellungen gibt es weltweit. 1998 stirbt Dieter Roth in Basel. So viel zu seinem Lebenslauf, der natürlich verschweigt, dass er ein veritabler Trinker gewesen sein muss. Berühmt ist er für seine „Literaturwurst“ die die „Blechtrommel“ von Günter Grass mit Gewürzen und Fetten im Naturdarm verkocht und dann in eine Wurst gefüllt hat. Ein Film dokumentiert dies auf amüsante Weise. Er hat auch Bücher produziert, die aus bedruckten, mit Koteletts, Sauerkraut und Würstchen gefüllten Stanniolbeuteln bestehen. Legendär sind auch andere seiner Werke, wie etwa die elfbändige Gedichtreihe „Scheise“, denen er Texte unter dem Titel "Mehr Scheise“ und „Noch mehr Scheise“ folgen ließ. Berühmt ist er vor allem wegen seiner Kunstobjekte aus organischem Material, die einem Prozess der allmählichen Veränderung und des Zerfalls unterlagen und unter anderem luftdicht abgeschlossene Gewürz- und Schimmelobjekte und Schokoladeobjekte umfassten, die von Schokoladenmotten zerfressen wurden. Als Künstler signierte er oft als Diter Roth oder als Dieter Rot, - er hatte da noch viele verschmitzte Variationen drauf. Er operierte mit einem stark erweiterten Kunstbegriff, der in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aufkam, als traditionelle Ausdrucksformen wie Malerei oder Skulptur das waren, was überschritten sein wollte. Das Wahre, Schöne, Gute waren kein Maßstab mehr, alles wurde verworfen, besonders der Ewigkeitsanspruch der Kunst. Später mehr.  

Donnerstag, 27. August 2015

Klares Wasser

KLARES WASSER


Suche:
nach dem klaren Wasser
aus dem ich trinken kann
in dem ich den Grund sehen kann
eintauchen, einsinken...
mich treiben lassen
ohne Angst
dies Wasser,
das mich trägt
ohne Fragen
das wirklich ist
weich ich es fühlen, trinken,
hören, sehen kann.......

Wo?

(eine Art Gedicht von mir aus den 70er Jahren)

Arm und Reich today (4)

Die soziale Schere: Ob das eine dramatische Gefahr für die Demokratie ist? Tatsache ist, dass die Wahlbeteiligung stark gesunken ist. Es gibt einen tiefen Zwiespalt zwischen denen, die sich über soziale Ungleichheiten aufregen und denen, die sagen: Das ist halt so, das war schon immer so. Es entsteht inzwischen der über Städte längst hinaus gegangene Eindruck: Da oben gibt es alles, bei uns in bestimmten Vierteln immer weniger. Darüber hinaus verrottet eine ganze Infrastruktur, die in früheren Zeiten über Steuern finanziert wurde. Dafür breitet sich inzwischen ein Gefühl aus: Es gibt Leute, die unendlich viel Geld haben. Das sind „die da oben“. Die da oben machen was sie wollen und uns vergisst man. Gleichzeitig schreitet die Ökonomisierung der Demokratie voran, das heißt, der Bezug von allem und jedem auf eine wirtschaftliche Stärke und wirtschaftliche Kenngrößen. Es gilt nach diesem Credo, die Demokratie möglichst marktkonform zu machen und nicht mehr den Markt demokratischen Gesetzen zu unterwerfen. Der Markt, der Wettbewerb bestimmt alles und jedes, er gleicht einer totalitären Diktatur, bis hinein in kleinste Verhaltensweisen zwischen den Menschen. Das hat Auswirkungen auf grundlegende demokratische Einrichtungen wie etwa Wahlen: Wenn etwa jeder Zweite nicht mehr hingeht, gleichzeitig die Wahlbeteiligung extrem unterschiedlich nach Einkommen gestaffelt ist. Wer arm ist, hat kein Interesse mehr an einer Partizipation, wer reich ist, beteiligt sich nach wie vor und übt Einfluss aus. Untersuchungen zeigen: Der Teil der Bevölkerung, der unter den letzten 15 Jahren gelitten hat, zieht sich aus dem demokratischen Willensbildungsprozess zurück. Gleichzeitig gilt: die da oben machen was sie wollen. Die Wahlen waren davor immer noch ein Teil des öffentlichen Lebens, an dem sich eine relativ großer Teil der Bevölkerung beteiligt hatte. Ob solche Prozesse ein Aufbegehren oder eine Rebellion hervorbringen können? Die Rebellion hat es etwa in Großbritannien und in Paris (in den Banlieus) gegeben. Das ist aus Sicht der Mächtigen zwar unangenehm, aber kontrollierbar. Die Folge: es ist inzwischen wieder alles so, wie es ist und war. 

Dienstag, 25. August 2015

Picture of a Picture (Songtext)

Noch einmal ein Songtext, den ich den späten achtziger Jahren verfasst habe und der viel gesungen worden ist. Ich habe ihn gefunden und ihn sofort als "typisch" eingestuft. Das Indirekte, Groteske, Paradoxe jener Zeit steckt darin. Sich "ein Bild von etwas machen" heißt nicht unbedingt, über etwas bescheid zu wissen. Es ist vielmehr ein Modell des Erkennens, nicht mehr. Hoffentlich habe ich ihn richtig abgeschrieben von der handschriftlichen Vorlage.

PICTURE OF A PICTURE


An idea, the picture of a picture
welcome in my palace of emotions
the guru at the door says goodbye
come into the church and lay down on the floor
Im gonna make love to my honey
Dance on a fountain, where's its source?
You said, you're a femme fatale
tell me, is it romantic?
We've got to pay one day


No regret, no love all over
no warmth, no trust, no money
faith, devotion, the picture of a picture
too much idiots, mist in their mind
tell me, who are you, what's your name?
I gotta laugh, drink your whiskey
I'm not the one to kill you
to talk it out, I don't have a way
tell me a reason and I'm gonna stay


Take away those little fools
they don't know what they are knowing
I don't want to be the lover no more
no more the one, you know all over
you know the fire is still burning


I've done my best to understand
been on my knees and I've cried
sometimes there's a thought in the air
love is a bad and strange movie
a ten-pence ticket for an illusion
we trust in a soapbubble
Make up your mind, there's so much to do
no more paranoia, neurotic rats

nibbling at you, when you're down

Montag, 24. August 2015

Noch ein paar Sätze zum Baden, zu den Bädern und zur Bademode an der Ostsee

„Auch soll man sich erst abkühlen, bevor man mit zwei drei kurzen Absätzen ins Wasser taucht“. So ein offiziell ausgegebener Ratschlag aus dem achtzehnten Jahrhundert in Heiligendamm, das 1793 zum ersten Seebad an der Ostsee wird. 50 Jahre später entsteht hier „die weiße Stadt am Meer“ als Vorläufer aller deutschen Seebäder. Die Gebäude spiegelten den jeweiligen Zeitgeist, in dem sie erbaut wurden. Das Baden kommt erst Ende des achtzehnten Jahrhunderts in Mode. In der Zeit davor hatte das Meer hauptsächlich negative Konnotationen: Seeungeheuer, Piraten, Seuchen, alles kam vom Meer. Doch Adelsfamilien lassen sich im neunzehnten Jahrhundert großzügige Häuser und Schlösser erbauen. Lange Zeit dominierte der Adel, dann kam das Großbürgertum und schließlich das Kleinbürgertum.
Kleider machen Leute: Ganzkörperbekleidung ist anfangs für Frauen Pflicht. Die Regeln schreiben eine strikte Trennung der Geschlechter vor. Im Wasser geplantscht wird nur von Badekarren aus. Die werden Richtung Meer geschoben, damit die Damen sittsam bekleidet im Meer baden können. Am Strand wird die gleiche schwere Kleidung getragen, wie zum Flanieren auf der Kurpromenade. Leichter und luftiger wird es erst nach der Jahrhundertwende. Die Bademode ist nun für die Frauen angesagt. Klassiker: das zweiteilige Trikot mit Häubchen. Im Rahmen der schleichenden Liberalisierung ist die Trennung der Geschlechter nun aufgehoben. Kinder tragen die gleichen Trikots wie die Erwachsenen. Etwas freizüger ist die Mode der Herren, die gewisse Einblicke auf den Oberkörper freigeben sollen. 1932 wird dem Staat die Bademode zu freizügig: Es kommt zum „Zwickelerlass“. Damen dürfen nur noch baden, wenn sie einen Badeanzug tragen, der Brust und Leib an der Vorderseite vollständig bedeckt und der mit einem Zwickel versehen ist..  

Sonntag, 23. August 2015

Mobilität rocks!

Es scheint, dass die Autos immer größer, stärker und voluminöser werden, je weniger Platz für sie in Deutschland da ist. Aber es müssen ja riesige Citylaster her, wenn die Hausfrau zum Einkaufen fährt oder den Kegel zur Waldorfschule bringt. Wir sind ja alle ökologisch, - aber mit Grenzen. Die Grenzen setzt unter anderem auch die Automobilindustrie, um die sich hierzulande ja immer noch alles dreht, auch wenn es mittlerweile eher um Mobilität geht als um Automobilität. Der Automobilverband der dicken Kisten, die hierzulande immer noch produziert werden und von denen möglichst jedem Chinesen ein Exemplar verkauft werden muss, übt sich derweil in EU-Lobbyismus und versucht, in seinem Sinne massiv Einfluss zu nehmen, - selbstverständlich von der Bundesregierung unterstützt. Neue EU-Abgasrichtlinien stehen an: ob man da nicht ein bisschen tricksen kann? Wie ist eigentlich die Berechnungsmethode? Kann man da nicht etwas „handhaben“?. Benzinverbrauchs- oder Abgaswerte? Was ist das? Es ist das, was man daraus macht. Beispiel E-Mobilität. Ob da die deutschen Produzenten der dicken Kisten nicht etwas hinten dran sind? Tesla kommt aus Kalifornien, soll aber mit Kohle (und den sich daran knüpfenden „Beteiligungen“) der hiesigen Konzerne ein bisschen in die richtige Richtung gelenkt werden. Hierzulande, so war neulich in einem Fernsehbericht zu erfahren, ist die gesamte Autobahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin noch ohne E-Tankstelle. Zudem, so ein anderer Bericht aus den Medien, soll es noch eine heillose Verwirrung bezüglich der verwendeten Systeme geben. Die Bundesregierung richtet vor allem Appelle und gibt haltlose Zielvorgaben, allein, in finanzieller Hinsicht scheint sie wenig zu tun, was die E-Mobilität irgendwie anstoßen könnte. Sie setzt offenbar noch voll auf die schweren Schlitten, die vor allem im eigenen Land mit Vollbeschäftigung produziert werden und von denen jedem Chinesen unbedingt ein Exemplar verkauft werden soll. Wir als Exportweltmeister!        

Freitag, 21. August 2015

Ein paar Sätze zu Usedom (1)

Heute kommen die Urlauber überwiegend nach Usedom, um sich zu erholen. Im 19. Jahrhundert ging`s vor allem um`s Repräsentieren. Der Adel und später auch das betuchte Bürgertum zeigten sich gerne auf der Strandpromenade. Man trug große Hüte, flanierte mit Sonnenschirmen, trug große repräsentative Kleider, die man nicht allzu selten extra dafür schneidern ließ. Motto „sehen und gesehen werden“, ich promeniere“.
Von der Fischerei kann fast niemand mehr leben. Die Fangquoten erlegen da enge Grenzen auf. Fischer betreiben gelegentlich noch ein Fischrestaurant, um zu überleben. Ist dieses „Im Strandkorb sitzen“ zu langweilig? Mancher mag dieser Meinung sein. Um die Jahrhundertwende dienten die Strandkörbe vor allem als Sitzmöbel und beliebtes Fotomotiv. Frauen und Männer mussten in getrennten Badeanstalten schwimmen. Später in Familienbädern. An den zwanziger Jahren durften die Urlauber dann frei baden. Die Badeanzüge wurden immer knapper, bis sie in der DDR zum Teil ganz verschwanden: die FKK-Kultur erlebten eine Hochzeit. Die Strandkörbe sehen heute noch fast genauso aus wie vor 100 Jahren, nur sind sie inzwischen aus Plastikrohr geflochten und kippbar, dienen mal als Sonnenschutz, mal als Liege.
In den Seebädern prägen Sommervillen das Bild. Wer es sich Ende des 19. Jahrhunderts leisten konnte, ließ sich eine Villa in Strandnähe bauen. Nach der Wende wurden viele der alten Häuser restauriert. Fast alle haben Balkon, Logen, Erker und Stuckverzierungen. In der DDR wurden aus den noblen Seebädern Erholungsheime für Arbeiter, Campingplätze entstanden, die Villen wurden verstaatlicht.
Das Hinterland Usedoms ist - generell gesprochen - eine ganz andere Welt. Das Achterwasser mit seinen Schilfgürteln. Seen, Wiesen, Felder, Wälder und kleine Dörfer. Hier haben Fischer und Bauern gelebt, ehe Urlauber die Insel entdeckt haben. Sehr seltene Vögel lassen sich hier beobachten.

Mittwoch, 19. August 2015

Hohheit des Geldes

Schon erstaunlich, wie schnell Abgeordnete viele Milliarden auszugeben bereit sind. Es sind dies Milliarden, die sie in der Regel nicht selbst aufgebracht haben, sondern für die sie als treuhänderische Verwalter gewählt wurden. Besonders linke (so die Selbsteinschätzung derer) Abgeordnete tun sich dabei hervor, denn der Staat ist bei ihnen dafür per Wahl legitimiert. Ob aber die Wahlen mittlerweile noch eine demokratische Institution bedeuten? Ob sich ignorante Sesselfurzer eines modernen Staates dem Wahlvolk verpflichtet fühlen? Zweifel sind erlaubt. Andererseits sind die Einrichtungen samt ihrer Funktionäre in diesem Gemeinwesen tatsächlich die einzigen gewählten Vertreter eines Volkes, dessen Wirtschaftsbosse ganz andere Qualifikation zum Ausüben ihrer Tätigkeiten brauchen. Ob sie etwas mit Rücksichtslosigkeit, Karrierebewusstsein, List, Verschlagenheit und „Durchsetzungsfähigkeit zu tun haben? Ob man solche unbequemen Wahrheiten nicht gerne ausspricht oder gar mit ihnen umgeht? Auch sie haben die Summen nicht aufzubringen, mit denen sie umgehen. Sie fühlen sich auch nicht verantwortich für menschliche Schicksale, die hinter ihren Entscheidungen auftauchen. Sie fühlen sich vielmehr durch eine Wirtschaftsordnung legitimiert, die den Profit zur obersten Maxime erhoben hat und das Wachstum um jeden Preis geheiligt hat. Dafür sind sie alles zu geben bereit. Staatsdiener hingegen sind durch ihre Funktion legitimiert und sollen dafür Qualifikationen vorlegen, die in jedoch auch auf persönliche „Beziehungen“ und eine ausgeprägte „Anpassungsfähigkeit“ beruhen können. Haben sie es dann geschafft und sind Beamte geworden, so fühlen sie sich auch zu den wunderlichsten Aktionen legitimiert. Dazu gehört auch maßloses Geldausgeben, das niemand außerhalb gewisser Verfahrensregeln und der damit verbundenen Hierarchien kontrolliert. Und so ist's auch bei politisch legitimierten Abgeordneten, die quasi durch sich selbst ins Recht gesetzt sich Diäten genehmigen können oder staatliche Ausgaben tätigen, die absurd und völlig daneben sind. Das Schwarzbuch, der Bundesrechnungshof und andere Institutionen – unter anderem auch der Wähler – dürften hier die konkret realen Fälle nennen können.  

Dienstag, 18. August 2015

Ende eines Regenbogens

Komm mit mir in das Nichts am Ende eines Regenbogens
wenn Du lange genug gesucht hast
wenn Du zwischen allen Schenkeln gegraben hast
und lange genug Diener deiner Lüste/ Gier/Begierden warst
wirst Du das weiße Rauschen
hinter den Wolken hören
und es wird deine Suche nicht mehr stören


wenn Du all die Kopien vergessen hast, die du immer versucht hast
um dabei zu sein, egalbei was, nur dabei sein
du hast jetzt keine Angst mehr vor dem Außerhalb, um von dort hinein zu blicken
in das Räderwerk der Begründungen
der gierigen Begattungen und Beschaffungen, der fremden Herrschsüchte, der Verkaufsaktionen
des Imponiergehabes von werdenden Skeletten
der Lächerlichkeiten, der falschen Meldungen über eine Wirklichkeit
von der niemand eine Ahnung hat,
bleib gesund und munter, - wofür?
Für den coolen Fall in die Grube?
Sie werden dich verbrennen, sie werden Platz schaffen für andere
deine Schwäche wird nicht deine Stärke sein, nein
und die Welt ist auch nicht ein Lächeln
oder das Tier in Dir, das automatisch und unschuldig ausschachtet
du entdeckst, dass du für dich verantwortlich warst und geworden bist
Eine Rose ist eine Rose – auch dies ist keine Lösung
du schaffst es ins Endspiel und du verlierst es
wie jeder


willst Du
meine Verzweiflung teilen
wenn du keine Möglichkeiten mehr hast
wenn du nicht mehr entlaufen kannst
wenn es dich hat, wenn sie dich haben
wenn der Mensch nicht mehr austauschbar sein wird
wenn er seine gefunden hat, wenigstens vorläufig - hast du dein Tier heute schon gefüttert?
Lovecheck
Respekt und Hingabe


Am Ende, wenn die Nebel sich lichten
Und die Zeit deine Spuren vielfach verwischt hat
Merkst Du vielleicht: Es ist alles Mist!“
Alles war ein Versuch,

der schief gelaufen ist. 

Montag, 17. August 2015

Bundesliga-Vereinstümelei

Was ich überhaupt nicht verstehe: dass es immer noch eherne Fans von Bundesligaclubs gibt. Sind doch deren Spieler reine Spielbälle zwischen Kapitalzusammenballungen, die denen in der sogenannten Wirtschaft sehr ähnlich sind. Wer die meiste Kohle hat, kann die besten Spieler „kaufen“. Jeder kauft und verkauft sich nach Marktwert, so das eiserne Gesetz dieser Mechanismen. Diese Spieler spielen als Ausweis ihres „Professionalismus“ demnach ausschließlich dort, wo sie am meisten Geld verdienen können. Ihr Herz schlägt für die Kohle und nicht für den Verein. So hat sich in den letzten Jahren eine Art Aristokratie der „besten Fußballclubs“ in Europa gebildet, die meist von russischen Oligarchen oder finanziell potenten Scheiks gelenkt und „gesponsert“ werden. Ausnahme ist der FC Bayern München, der es mit geschicktem Marketing und überwiegend deutschen Tugenden des Geldverwaltens weit nach oben gebracht hat, dort aber unter den ewig gleichen Clubs aufpassen muss, dass er nicht ins Hintertreffen gerät. 
Was lädt dabei eigentlich zur Identifikation ein, was kann daran Hooligans reizen, Ultras? Der Fußballsport ist in Europa ein Abbild von ökonomischen Strukturen geworden, schon Clubs der zweiten Kategorie agieren nur noch als Talentreservoir für die "Starclubs“ (und scheinen sich auch so selbst zu verstehen), die sich im Geiste ihres Geldes global bedienen, indem sie überall Spieler "kaufen" und abpflücken. Außergewöhnlich fand ich in diesem Zusammenhang, dass der FC Barcelona lange mit einer kostenlosen Trikotwerbung für UNICEF spielte und darüber hinaus für diese Organisation der UN zu spenden schien. Neulich sah ich auch den AC Florenz mit dem Schriftzug „Save the Children“ auf den Trikots. Stark! Ansonsten ist aber beinharte Vermarktung angesagt, die WM bringt (vor allem der FIFA) Geld, das Merchandising bringt die Trikots der Stars wohlfeil an den Kunden, die Stadioneintrittsgelder werden etwas durch die VIPS in ihren eigens eingerichteten Logen aufgepumpt, wobei natürlich sehr große Summen fließen und das Maß der Selbstüberschätzung gewisser „Stars“ dem der Konzernlenker und Wirtschaftskarrieristen sehr ähnelt. Größenwahnsinn wird dadurch auf allen Ebenen gefördert. Wie peinlich und lachhaft, dass sich so viele mit diesen Mechanismen identifizieren!

Donnerstag, 13. August 2015

Stehschlampen-Konzert (gefundene Notiz)

Stehschlampen-Konzert
Du lässt mich strampeln
Ich gleite ab und merke, dass ich keine Chance habe
Ich sehe an mir herunter: ich bin nicht gut genug
Ich werde nicht begehrt
Ich bin kein Ziel
Kein lohnendes


„Ich habe zuviel am Arsch gekratzt“
So geht es, wenn man es nicht lassen kann“
sie bespiegeln sich in eitlen Worten
zeigen uns den Stein der Weisen, den sie in ihrem Seelchen gefunden haben
sie singen und spielen so furchtbar gut
wie sie tapfer selbst glauben
nur, das interessiert keine Sau

Sprachejakulationen

Mittwoch, 12. August 2015

EU-Parlamentarier

Ich habe schon grinsen müssen angesichts des Focus-Artikels, in dem der EU-Parlamentsabgeordnete Martin Sonneborn („Die Partei“) über seine Erfahrungen im europäischen Parlament berichtet. 160 000 Euro verdiene er im Jahr, wobei er eine Anwesenheitsquote von unter 50 % habe und sich bisher zwei mal bei parlamentarischen Beratungen zu Wort gemeldet habe. Im Ausschuss für Kultur und Bildung, dem er angehört, liege seine Anwesenheit sogar bei unter 18 %, so ein in diesem Artikel zitierter Parteienforscher. Arg aufgeregt zu haben scheint sich der CDU-Politiker und langjährige Eu-Parlamentarier Elmar Brok über solche unerbetenen Offenherzigkeiten: „Es ist seine Pflicht zu arbeiten!“ zitiert eine Zwischenüberschrift seine Einlassung zu Sonneborn, mit dem er offenbar sogar vor laufender Kamera aneinander geraten ist. Brok wird dabei mit einer weiteren Bemerkung zitiert. Sonneborn sei ein bösartiger Mensch, der „hier nichts schafft“. Was habe ich gelacht! Peinlich, was ansonsten noch in diesem Artikel über diese EU-Komiker steht.
Für (Real-)Satire und Komik scheinen diese EU-Herren überhaupt kein Verständnis zu haben. Bloß gut, dass jemand solche interessanten Fakten aus erster Hand nach außen trägt! In seiner ersten Wortmeldung im Parlament erkundigte sich Sonneborn übrigens, so der Focus, „ob im Rahmen der Verhandlungen über das Freihandelsabkommen TTIP auch geplant sei, amerikanische Foltertechniken nach Europa zu importieren und brachte Helene-Fischer-Songs als mögliche Musikfolter-Praktiken ins Spiel. Hm. Unter anderem wegen solcher typischer EU-Parlamentarier-Haltungen und dem durch sie vertretenen „Weltbild“ gibt es überall ein ständig wachsendes Misstrauen gegenüber der EU! Wird das eigentlich nicht deutlich?  

Montag, 10. August 2015

Parteiendemokratie

„Die Parteien wirken mit bei der Willensbildung des Volkes“ sagt das Grundgesetz. Was jetzt CDU-Fraktionschef Kauder offenbar hat verlauten lassen, dass nämlich sogenannte „Abweichler“, also diejenigen, die bei Bundestagsabstimmungen gegen die Fraktionslinie gestimmt haben, nicht mehr in die parlamentarische Ausschüsse entsandt werden sollen. Dies ist ein klarer Anschlag auf die parlamentarische Demokratie, die jedem Abgeordneten eine Gewissensfreiheit zusichert. Mit einer "Mitwirkung bei der Willensbildung" hat das ohnehin nichts zu tun. Er als gewählter Abgeordneter ist die letzte Instanz, nicht die Partei. Ob Kauder etwa das gerne von Linken geforderte imperative Mandat will, ob er als lang gedienter Parteisoldat die Alleinherrschaft der Parteien will? Ob damit auch die Wählermüdigkeit (bei den zuletzt veranstalteten Bremer Landtagswahlen lag die Wahlbeteiligung etwa bei 50 %) etwas zu tun hat? Ob vielen diese Diktatur der Parteiendisziplin stinkt, die auch dahin führt, das bei öffentlichen Diskussionen strikt und auf geradezu lächerliche Weise die Parteilinie vertreten wird? Ob dann auswendig gelernte Floskeln und typisches Politikersprech von der Parteifestplatte zum besten gegeben werden? Ob diese „Politiker“ in einer Käseglocke leben, die mit der Realität des von ihnen "verwalteten" Wahlvolks nichts zu tun hat? Ob das mit dem stetig wachsenden Abstand zwischen Wahlvolk und der Politik etwas zu tun hat? Etwas Nachdenken wäre vielleicht angezeigt.

Sonntag, 9. August 2015

Those wheels of Time (Songtext)

Folgenden Songtext habe ich beim Kramen und Aufräumen gefunden. Er dürfte einer meiner allerersten sein und mich hat die ungelenke aber wahre Wortwahl daran beeindruckt, die seine frühe indirekte Beschäftigung mit dem Phänomen der Zeit bedeutet. Selbstverständlich hat das damals niemanden interessiert und meine teils wochenlangen Bemühungen waren so etwas wie „Perlen vor die Säue“.

Those wheels of time

Do you also think sometimes
that you are growing elder
those crazy feelings
that nothing could be changed
that you're in atrain
who goes on and on
and you can't just leave it behind

Some people don't realize it
tell themselves a lie
want to turn it back
it's in everyone

This fly here at the Wall
the Bird, who's sitting on a tree
I don't know about it
they are born and die
without knowing why
I know that there could be a Way
but my mind does't want to stay

Anyway you say it is not important
I know many are afraid of it
some can't stand the thought
that there is only Hope

The Bloom of the Flower fades
the man is growing old
and there's no comfort
just look at the Beauty
of the things around you
would it be so nice
if it's not passing by
Some people don't realize it
tell themselves a lie

want to turn it back it's in everyone....

Samstag, 8. August 2015

Einmal um die ganze Welt

„Einmal um die ganze Welt und die Daschen voller Gäld“ sang einst ein Schlagerstar und grub sich alleine schon mit der Melodie in das Bewusstsein der Massen ein. Wirkungsvoller war jedoch noch die Formulierung eines alten Traums, der mit dem Traum des Taugenichts (siehe eigener Blog) und dem Mythos des reichen Touristen und forschen Weltumrunders spielte. Auch etwas vom vergangenen Kolonialismus, vom neugierigen Forscher und frohgemuten Poeten schwang da mit. Der Aufbruch in die Ferne hat seitdem nichts von seiner Anziehungskraft verloren, nur soll es heute gleich ein komplettes Auswandern in ein Traumland sein, dessen Sprache die meisten Fernsöchtigen noch nicht mal sprechen. Dabei würden nicht nur Reiseführer und schriftliche Dokumente aller Art, sondern auch das Fernsehen, Youtube und Videoblogs jeder Schattierung genug Gelegenheit bieten, sich schon mal vorab etwas zu informieren. Doch nein, gerade das völlig Unbekannte und scheinbar Unvorbelastete ist es ja, das einen reizen kann. Und so kommen viele Wagemutige an Brasiliens Küsten, an Afrikas Wüsten und Wäldern, an Australiens Einöden gewaltig an ihre Grenzen, erleiden von ihnen selbst unerwartete Geldnöte oder lassen sich von fremden Tieren beißen. Selbsterfahrung, gewiss, und: man kann es ja mal versuchen. 
Am Ende seines Lebens kann man sich das ja dann sagen. Man hat Fehler gemacht, das ja, aber man hat es wenigstens versucht. Dabei reicht auch eine sogenannte Weltreise heute nicht mehr, per Flugzeug ist jeder scheinbar entfernte Winkel der Erde erreichbar. Das Unbekannte gibt es ja in der globalen Welt nicht mehr, die Armut haust in Wellblechhütten, die auf einem mit einer schwäbischen Säge freigemachten Platz errichtet sind. Machu Picchu, Yucatan, Nordpol, Südpol und Spitzbergen: alles kein Problem. Jeder Ort ist erreichbar und für die Neugier derer erschlossen, die sich das Reisen leisten können. Mitunter scheint ein Ort in Deutschland schwieriger und unter größerem Zeitaufwand erreichbar als es Mallorcas mehrmals pro Tag direkt angeflogene Ballermänner sind. Die Welt ist klein geworden, Information ist universell verfügbar – und dennoch scheint noch ein Rest des Unbekannten zu locken: in den Urwald, in das Unbekannte, das von Menschen freilich eigene Lebensformen einfordert, denen sich solche Selbsterfahrer oft nicht gewachsen zeigen – und schon gar nicht auf längere Frist. 

Freitag, 7. August 2015

For this Moment (Songtext, August 1981)

Beim Durchschauen meines Krams gefunden: ein aus den achtziger Jahren stammender Songtext, der viel über mich aussagt.

For this Moment

I can't see you
I can' feel you
I can't wait no more
you can't touch me
you can't squeeze me
it's been a long time

You and me, we are walking through the Park
see the people looking for each other
gotta watch our future rolling down the Gutter

We can change it
you gotta try it
said the harlequin
I don't care it
I'm no fighter
said the Man in a Mood

You and me, we'll watch the Kids playing
see the People passing by
gotta know that we'll never play like those
gotta pass it
gotta forget it
there is no choice
I can hear you I can love you
now in this moment


Donnerstag, 6. August 2015

In Machtolsheim (Foto)

In Machtolsheim

Arm und Reich today (3)

Die Reichen werden immer reicher. Die Armen werden immer ärmer. Das ist mittlerweile oft zu hören, - natürlich ohne Konsequenzen. Als Klischee und Floskel. Obwohl weniger Leute arbeitslos sind, ist die Verteilung innerhalb der Gesellschaft einseitiger geworden. Dahinter stehen Bedingungen, die beispielsweise Billigjobs und mehrere gleichzeitige Jobs erlauben, wie es etwa in den USA schon längere Zeit der Fall ist. Wir in Deutschland haben nach den USA inzwischen den zweitgrößten Niedriglohnsektor der Industrieländer, was mit den Arbeitsmarktreformen „Agenda 2010“ zu tun hat. Es gibt danach vielfältige Möglichkeiten, Billigjobs aneinander zu reihen, sie aufzuteilen, und unter enormem Druck in Hartz 4 zu fallen (bei der früheren Arbeitsplatzhilfe war der Druck nicht so groß). Das heißt: Obwohl es am Arbeitsmarkt aufwärts geht, profitieren nicht alle im gleichen Maß.
Wo ist die deutsche Wirtschaft besonders erfolgreich? Es sind fast alles Produkte, die sich meist im Hochpreissegment bewegen, wo es vor allem um Produktimage geht. Die Unternehmen machen damit Gewinne, wie nie zuvor. In der Automobilindustrie gab es lange einen hohen Anteil von Zeitarbeitern, wovon einige jetzt unter dem Druck der Gewerkschaften fest eingestellt werden. Zudem gibt es eine Vielzahl von „Werksverträgen“, nach denen noch viel schlechter als im Falle der Zeitarbeit bezahlt wird. Die Gewinne von heute sind die Arbeitsplätze von morgen: dies Formel funktioniert nicht mehr. Sondern es ist vielmehr so: in dem Augenblick, in dem Gewinne steigen, steigen die Zuwendungen an Aktionäre. Diejenigen, die als eine Art von Elite darstellen, wollen diese soziale Schere überwiegend nicht wahrnehmen. Kein Wunder, denn diese stammen zu 2/3 aus den den „oberen 3,5 % Prozent“ der Bevölkerung, was in unserer Gesellschaft entsprechende Chancen verspricht. Denn die Kindheit und Jugend von Menschen ist prägend für die Wahrnehmung der Welt.  

Mittwoch, 5. August 2015

Sonnengesang

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne;
Der berühmte "Sonnengesang" von Franz von Assisi
Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft
und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernähret und lenkt (trägt)
und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein lebender Mensch entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.
(Franz von Assisi)

Montag, 3. August 2015

Tiere und Buddhismus

Was der buddhistische Mönch und viel gelesene Autor Matthieu Ricard neulich im Fernsehen zur Sichtweise des Buddhismus auf die Tiere sagte, habe ich mir aufgeschrieben:
„Alle Lebewesen mit einem Bewusstsein sind aus der Sicht des Buddhismus beseelte Wesen. Also wesensmäßig gleich wie Buddha. Es gibt keinen Unterschied. Sie haben lediglich mehr oder weniger Möglichkeiten, dieses Wesen zur Geltung zu bringen. Es ist wie bei einem Goldklumpen, der im Boden vergraben liegt. Man muss ihn ausgraben, waschen und polieren, damit er in vollem Glanz erstrahlt. Dazu braucht es eine Unterweisung, man muss darüber nachdenken, meditieren, sie verinnerlichen. Tiere sind Lebewesen, die diese Eigenschaften haben, aber nicht die Möglichkeiten, sie zur Geltung zu bringen. Es heißt also, dass die menschliche Existenz außerordentlich wertvoll ist, weil sie möglich macht, dass man dank der intellektuellen Fähigkeiten einen Weg der Verwandlung gehen, Unterweisung umsetzen und die Erleuchtung erlangen kann. Dabei ist zu sagen, dass die Tiere keineswegs untergeordnete Wesen sind, mit denen man machen kann, was man will. Hier stoßen wir auf einen enormen ethischen Zwiespalt in unserer Zeit. Wir haben zwar beachtliche Fortschritte auf dem Gebiet der Menschenrechte erzielt. Der Wert des Menschenlebens ist praktisch unbegrenzt und unverhandelbar. Das menschliche Leben darf man nicht vermarkten, wie etwa zu Zeiten der Sklaverei. Und auch wenn solches noch vorkommt, ist es weltweit verboten. Die Achtung der Menschenrechte ist also nicht verhandelbar. Hingegen weiß man aus der Evolutionslehre, dass es eine kontinuierliche Entwicklung gibt und dass diese Lebewesen Schmerzen empfinden und am Leben bleiben und nicht leiden wollen. Trotzdem messen wir den Tieren keinerlei Wert an sich zu, außer einem kommerziellen. Da besteht also ein enormer ethischer Widerspruch zwischen der totaler Achtung vor dem menschlichen Leben und der Abwertung des Tieres zur puren Handelsware. Es werden jedes Jahr 65 Milliarden Tiere zu Land und 1000 Milliarden Meerestiere getötet. Zu unserem Verzehr, zu unserem Vergnügen, zu unserer Bekleidung. Von daher dürfen wir uns wohl kaum als eine Gesellschaft mit einer kohärenten Ethik betrachten, wenn wir diese Fragen nicht lösen.
Der Grund, wieso ich vegan lebe, ist, weil ich kein Leiden essen will. Mich nicht ernähren will vom Leiden und Tod anderer, umso weniger als dies gar nicht nötig ist und allen schadet: zuerst den Tieren, dann aber auch der Umwelt.



Sonntag, 2. August 2015

Ätnaziegen

In Randazzo, am Fuße des Ätna in der Provinz Catania in Sizilien, gibt es Ziegen, die Nachkommen einer alten sizilianischen Rasse sind. Sie finden seit jeher alleine den Weg auf die satten Wiesen des Berges. Was unbeschwert aussehen mag, ist in Wirklichkeit aber ein Leben auf dem Pulverfass. Gut, dass die Ziegen mehr als die Menschen wissen. Sie sind sehr feinfühlig, haben einen Sinn für die Aktivitäten des Vulkans entwickelt. Die Forschung versucht dies jetzt in die Voraussage eines Vulkanausbruchs mit einzubeziehen. Die Tiere könnten in diesem Sinne so etwas wie Sensoren sein. Die Ziegen tragen zu diesem Zweck GPS-Sender.Ihre Wanderungen können dabei Hinweise geben, wann und wo der nächste Ausbruch erfolgt. Sind sie in Eile oder fressen sie, sind sie nervös, weil sich vielleicht gerade der Vulkan regt? Suchen sie ein für sie unübliches Gebiet auf, das wenig von Vulkanausbrüchen getroffen wird? Mit ihrem Verhalten reagieren Tiere auf die Umwelt. Wissenschaftler müssen lernen, das zu deuten. Es scheint so, dass die Ziegen darüber Informationen haben, was der Ätna macht. Stunden schon vor einem Ausbruch wissen sie was passiert und teilen das über ihr Verhalten mit. Der Ätna bricht jedes Jahr aus, ist quasi dauernd aktiv. Die Lava ist dünnflüssig und wird in hohen Fontänen ausgestoßen. Rauch und Dampf entstehen aber nicht nur in der aktiven Zone, sondern verteilen sich über hunderte von Erdlöchern. Es ist denkbar, dass sie ein Warnsignal des Ätna sein könnten, lange bevor er ausbricht. Womöglich, so Forscher, haben die Ziegen eine spezielle Sensorik, die verschiedene Eindrücke kombiniert: etwa den Geruch, Bewegungen des Bodens und andere Veränderungen ihrer Umwelt... die Tiere haben ein Wissen über ihre Umwelt, die gleichzeitig ihr Lebensraum ist. Indem wir als Menschen uns in diese Wirklichkeit „hineingeben“, uns in ihr zurecht zu finden versuchen, können wir sogar ganz direkt und konkret profitieren. Ein neuer Ansatz könnte dabei sein, mit der Natur zu leben und nicht gegen sie.  

Freitag, 31. Juli 2015

Arm und Reich today (2)

Über genaue Zahlen lässt sich streiten, was dann auch gerne bei einschlägigen Runden so passiert, dass nahezu alles zerredet wird (ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt). Der Trend jedoch zeichnet sich bei vielen Untersuchungen ab: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer. Wer die Augen aufmacht, kann dies an Alltäglichkeiten sehen. Die Vermögensunterschiede entsolidarisieren die Gesellschaft. Wir sollten hier als erstes auf das „untere Drittel“ der Vermögenspyramide schauen. Da ist man inzwischen statistisch gesehen real mit dem Vermögen etwas oberhalb dessen, was man Ende der neunziger Jahre gehabt hat. Lange Phasen in der Vergangenheit hatte man real etwas, was unterhalb dessen angesiedelt war, was man Ende der neunziger Jahre hatte. Altersvorsorge? Man könnte meinen, dass es die Entscheidung jedes Einzelnen sei, wo er sich engagiert: auf den Finanzmärkten, in Immobilien oder woanders, um sein Vermögen zu vergrößern. Freilich ist es überwiegend so, dass dies beschriebene „untere Drittel“ der Gesellschaft und darüber hinaus weitere 20 % gar nicht die Möglichkeit hat, auf diese Weise Daseinsvorsorge zu betreiben und seinen „Wohlstand“ zu vermehren. Das Vermögen dieser Schicht ist nämlich 0. Insofern stellen sich für solche Menschen diese Fragen nicht. Die oberen 10 % der Gesellschaft hingegen haben inzwischen mehr als zwei Drittel des Vermögens. Davon hat ein einziges Prozent etwa ein Drittel des Gesamtvermögens. Alle anderen (also etwa 2 Drittel der Gesellschaft) haben etwa ein Drittel. Anlaufende Konjunktur? Oder - wie bei uns - Aufschwung?
Bei den Rettungsaktion ist das Vermögen, was gerettet worden ist, war im Wesentlichen das Geld eines sehr kleinen Teils der Bevölkerung. Bezahlt hat das aber die gesamte Bevölkerung. Was Arbeitslosigkeit angeht, scheint es einen Rückgang gegeben zu haben. Freilich nicht dadurch, dass möglichst viele jetzt vollwertige Arbeitsplätze haben (das Arbeitsvolumen ist immer noch niedriger als in den „Neunzigern“). Es gibt einfach mehr Jobs (freilich verschiedenster Art). Hinzu gekommen sind meist prekäre Jobs, wie etwa befristete Verträge, Teilzeitjobs, Minijobs, usw., was sich in den „Realeinkommen“ ausdrückt) Bei den Realeinkommen hat es jahrelang (seit Ende neunziger) bestenfalls einen Gleichstand gegeben. Dies hat damit zu tun, dass diejenigen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus gekommen sind, nunmehr Jobs haben, die deutlich schlechter bezahlt sind, als früher.

Donnerstag, 30. Juli 2015

Schlaglöcher

Schlaglöcher. Allüberall. Der Staat (in welcher Form auch immer) kommt seinen unmittelbaren Pflichten nicht nach. Politiker versuchen, ihr jeweiliges idiologisches Süppchen drauf zu kochen. Die einen ein neoliberales, die anderen ein verstunken linkes. Passieren tut nichts. Denn diese Politiker fühlen sich ja legitimiert. Durch das Volk und seine repräsentative Demokratie. Das Gelingen oder Nichtgelingen besteht nun darin, die Verantwortlichkeiten zwischen Bund, Länder, Kreisen und Kommunen hin- und her zu schieben und sich jeweils als großen Gewinn ans Revers zu heften, wenn der Griff in einen Fördertopf oder das Zuschieben an eine andere staatliche Instanz gelungen ist. „Nicht ich bin verantwortlich, sondern der andere...“ ist gerne gepflegter Politikersprech. Wie lange eigentlich lässt man sich so etwas bieten? In anderen Ländern ist natürlich alles noch viel schlechter. Auch dies ist ein gängiger Politikerverweis. Nun ja, es kommt darauf an, ob föderalistisch (Länder etc.) oder zentralistisch organisiert (z.b. Frankreich, wo nahezu alles von Paris aus durch eine „Entscheiderclique“ geregelt wird). Von einer Instanz zur anderen schieben: ein beliebtes Politikerspiel.       

Mittwoch, 29. Juli 2015

Schlüssel

Wer hat meinen Schlüssel gesehen?
er ist offenbar unrasiert und hat einen Bart
Ich wende das Blatt und lese verkehrt
nimm's nicht persönlich, sieh's positiv!

Wer hat meine Gedanken gesehen
sie sprießen manchmal wild und ich kann sie kaum fassen
Mixed Pickels, sie jucken so undefiniert
und wachsen nach, kaum sind sie wegoperiert


Dienstag, 28. Juli 2015

Arm und Reich today (1)

Die Reichen werden in Deutschland immer reicher. Die Armen werden immer ärmer. Das ist mittlerweile oft zu hören, - natürlich ohne Konsequenzen. Als Klischee und Floskel. Jetzt sind wieder Zahlen dazu erschienen, die natürlich mit jenen kollidieren, die Wirtschaftsverbände und ihre Gefolgsleute regelmäßig zu diesem Thema herausgeben (Manager sollen nach neuen Zahlen das 54fache (!) ihrer Facharbeiter verdienen, andere Stimmen berichten vom 70fachen (!)). Doch nicht nur in den einschlägigen Talkrunden des Fernsehens (das wohl auch von einer Meinung, einer Schicht und deren Sichtweisen dominiert wird) wird fortwährend gestreut, dass es Deutschland noch nie so gut ginge wie heute. Außerdem waren die Zahlen aus dem Nachrichtenfluss schnell verschwunden. 
Bloß wem? Effektiv? Ist das vielleicht inzwischen stark polarisiert? Profitieren etwa die Besitzenden überproportional, während es mit den Armen immer weiter und noch schneller abwärts geht? Abseits von idiologischen Ausrichtungen sollte man darüber mehr diskutieren ("Ist und Soll-Zustand" vergleichen, - freilich ohne permanente Unterstellungen). Tatsache ist wohl, dass das sogenannte „Wachstum“, das diese Wirtschaftsform permanent als Erfolgsmeldung vorantreibt, wohl so gar nicht unumstritten ist. Am Ende könnte diese Art des "Wachstums" (das kein nachhaltiges ist) zum totalen Kollaps der Erde führen. 
Spätestens dann würde es wohl für alle, die es sich dann leisten können, zupass sein, auf einen anderen Planeten zu verschwinden. Erste Anzeichen einer solchen Strategie sind ja längst in Gange.“Absurd“, so höre ich die Wirtschaftsherolde dazu skandieren. Tatsache scheint auch zu sein, dass es inzwischen (als Folge der Neoliberalisierung) deutlich mehr Arbeitsplätze auf Niedriglohn-Niveau gibt. Der sogenannte „prekäre Bereich“ dieses Arbeitsmarktes scheint sogar deutlich im Vordergrund dieses "Aufschwungs" zu stehen. Eine Aufstockung vom Amt (Agenturen und wie immer sich solche Einrichtungen nennen...), dürfte in diesem Zusammenhang bedeuten, dass die vom Staat repräsentierte Allgemeinheit solche Kosten übernimmt, die private Profiteure ihr (auf vollkommen legalem Wege!) hinterlassen haben. Im Vordergrund stehen Arbeitsplätze, egal von welcher Qualität. Dies gilt nicht nur für Deutschland, aber in ganz besonderem Maße für hier, wo gerne Vollbeschäftigung und allgemeine Zufriedenheit ausgerufen wird. 

Montag, 27. Juli 2015

EU, Linke und Staat

Dass "der Staat" jederzeit dadurch legitimiert sei, dass seine Vertreter gewählt seien, verbreiten besonders gerne links orientierte Tonangeber. Dabei ist doch schon seit Kafka klar, dass „der Staat“ ein für viele Menschen völlig undurchsichtiger Super- und Monopolkonzern ist, der seine Umsätze mit seinen Beamten per Steuererklärung macht und alle Macht inne hat (besonders die finanzielle ist ihm in Deutschland wichtig! In anderen Ländern reißt er gar gerne die Macht zum Töten an sich, - aber das verstehen wir aus unserer eurozentristischen Perspektive nicht, - so ein paar Apologeten), weswegen er auch zu allem legitimiert scheint. Auch zur dunklen und manchmal auch gewalttätigen Durchsetzung seiner von sich an sich selbst verliehenen Rechte (das nennt man dann oft „Rechtssaat“, - Vorratsdatenspeicherung etc.). Das Problem ist, dass dieser Staat in Verkennung der etwa von Max Weber zugemessenen bürokratischen "Qualität" leicht zur bürokratischen Verkrustung und Verfestigung neigt (siehe „vertikale“ Durchlässigkeit, die etwa in Deutschland stark nachgelassen hat und die in Staaten wie Frankreich schon lange von selbsterklärten „Eliten“ wie jene klassische Kumpelgemeinschaft von der ENA dominiert wird), dass er Zwänge aller Art ausübt, die nicht immer so klar legitimiert sind, wie sich selbst durch ihre wohlbestallten „Diener“ gerne ausgeben - und dass er gerne in Kontrollwahn verfällt. Wie - bitte schön – funktioniert denn beispielsweise die EU? Wie ist dieser "parlamentarische" Haufen organisiert, der oft in Brüssel, - einmal pro Monat auch per Umzug in Straßburg, - residiert und dort Macht ausübt? Wie sieht's mit TTIP aus? Wieso ist das geheim? Wem nützt das? Wer setzt sich wie dafür ein? Ein paar Politiker scheinen da etwas in einen Zwiespalt gekommen zu sein und es mit der Demokratie dann doch nicht so genau zu nehmen..... Was wird da in den EU-Hinterzimmern ausgeklüngelt? Jetzt soll es vielleicht einen EU-Finanzhaushalt geben. Das wäre vielleicht zu begrüßen. Doch: wie demokratisch mag er strukturiert sein in einer ach so demokratischen Institution wie der EU?   

Sonntag, 26. Juli 2015

Weg in die Zukunft

Vielleicht geht es darum, Respekt zu zeigen und im Einklang mit der Natur zu leben. Vom Ozean bis zum kleinen Tier ist alles Teil eines großen Ganzen. Wenn wir nicht verstehen, wieso beispielsweise ein kleines Insekt so wichtig ist, unterbrechen wir die Kette, die alles zusammenhält. Die Probleme der modernen Welt, die Ernährungsprobleme, die Klimaerwärmung, die Angst, all das ließe sich besser lösen, wenn wir uns einfach nur anschauen würden, wie die eingeborenen Völker sich im Laufe ihrer Geschichte angepasst haben. Vielleicht würden wir uns dann zukünftig mit anderen Augen betrachten und gemeinsam eine bessere Zukunft für alle schaffen.  

Freitag, 24. Juli 2015

Willen (Songtext)

WILLEN

Du mach mal schnell das Fenster auf
es wird doch jetzt nicht klemmen
die Luft fängt an heftig zu brennen

es sind doch immer die gleichen
ständig am nörgeln und am motzen
was soll der Quatsch, das ist zum kotzen

die Welt is so schön da draußen
die Welt ist manchmal bitterkalt
du wirst nie da gewesen sein
alles war vielleicht nur eins

Fenster auf, ich krieg keine Luft
hier ist's so heiß, hier dorrt alles aus
wer hier reinkommt, den treibt's gleich wieder raus (hinaus)

Hände weg, was soll der Quatsch
Das bleibt jetzt zu, jetzt geb' eine Ruh
das ist halb so schlimm und nur übertrieben

die Welt is so schön da draußen
die Welt ist manchmal bitterkalt
du wirst nie da gewesen sein

alles war vielleicht nur eins  

Donnerstag, 23. Juli 2015

Umsetzer

Es gibt unter den professionellen Schreibern womöglich zu viele nette Dampfplauderer, die sich in nichts und niemanden hineinversetzen können. Weil sie nur sich selbst und nichts anderes kennen. Sie bestechen durch nettes Wortgeklingel, das sie mehr oder weniger der Realität anhängen, das sie abkupfern, umformen und in neue Schläuche gießen. Feuilletonisten, Schwätzer, Möchtegernliteraten, Bonvivants, Halbgebildete......die "schon mal von was gehört" Habenden, dem Zeitgeist halbherzig auf der Spur, je nachdem, ob's ihnen ihrem "Produkt" und ihrem Imageaufbau was nützt. Und dann gibt es die Umsetzer, Herdentreiber, Unteroffiziere, Poliere und Vorarbeiter, die penibel die Einhaltung sich selbst gegebener Regeln überwachen, die Abmahnungen verteilen und ein strenges Gesicht machen, während die Geschäftsleitung ihnen aus Rationalisierungsgründen schon längst den Boden unter den Füßen weggezogen hat und ihre Austauschbarkeit offenkundig geworden ist. Smarte Dampfplauderer von Halbwahrheiten, die sie nicht richtig verstanden haben. Unterhaltsam quatschen, Inhalt völlig egal, den Leser dahin ziehen, egal zu was. Schwadronieren, fabulieren. 

Dienstag, 21. Juli 2015

Ferienkultur Kulturferien

Bis zum Beginn der Schulsommerferien müssen je nach Bundesland in gedrängter Zeit alle Veranstaltungen stattfinden, damit uns anschließend das sogenannte „Sommerloch“ leer und hohl entgegengähnen kann. Und alle Veranstalter machen da in seltener Übereinstimmung mit: Die Musik, das Theater, die Kunst und das Wort, die bilden. Der Kuchen der an Veranstaltungen Interessierten ist zwar nicht urplötzlich größer geworden, aber jeder will sich jetzt noch schnell das größte Stück davon abschneiden. Alle Veranstaltungen zur selben Zeit. Das kann natürlich nicht gut gehen. Alljährlich ist's Ritual. Muss das so krass sein? Zielen alle Veranstaltungen ausschließlich auf die Eltern von schulpflichtigen Kindern oder auf die Angehörigen von Betrieben, die einheitlich zu ihren Ferien angetreten sind? Auf die Besserverdienenden, die sich einen um den Sommermalus verteuerten Vier-Wochen-Urlaub leisten wollen? Ob sich die Lebensgewohnheiten nicht doch längst verschoben haben und ob eine ganze Branche, die sich sich ja doch ansonsten so kompromisslos marktgängig nach Angebot und Nachfrage richtet, zur Ignoranz aller sommerlichen Bedürfnisse entschlossen hat? Es ist jedes Jahr dasselbe. Es gibt "Sommerprogramme". Ansonsten herrscht weit gehend tote Hose. Jaja, die Angehörigen von Veranstaltungsagenturen, von Theatern und überhaupt alle Kulturschaffenden haben auch ihr Recht auf Urlaub und vier Wochen Hitzefrei und irgendwann muss ja.... außerdem wollen die Leute in dieser Zeit partout nicht in geschlossene Räume, weil es da ja noch heißer ist......blablabla.....Aber muss das alles so krass ausfallen? Muss die kulturelle Sommerstrafe für alle Daheimgebliebenen in meditativer Ödniss absolviert sein?

Montag, 20. Juli 2015

Durch Virtualitäten

Derzeit ist es möglich geworden, mit einer Pappbrille und einem Handy sich in virtuelle Welten so hineinzuversetzen, als sei man Teil des Videos. Ab ins Videospiel, wir sind ein Teil davon, alles wird ein Spiel per Datenbrille, per Fiktion! Und die großen Firmen, die üblichen Verdächtigen, sind mit von der Partie! Die Geschichte soll sich nicht nur in uns abbilden, sondern direkt vor uns und in uns. Die Vision ist perfekt. Eine Menge Rechenkapazität wird dazu in Bewegung gesetzt und gaukelt die Nähe der virtuellen zur „analogen“ Realität vor – alles natürlich gegen Kohle. Reisen, etwas bauen usw., die einschlägigen Anbieter sind natürlich so begeistert von ihrem neuen Gimmick, dass das alle „innovativ“ Gesinnten so mitreißt, dass daraus bald viel Profit werden wird. Immer mehr angesagt wird auch ein Mix aus der virtuellen und realen Welt sein: in Simulatoren fürs Militär (natürlich!, - die sind immer vorne mit dabei!), für den Flugbetrieb und in anderen phantastischen Wirklichkeitssimulationen. Zumindest in einer Übergangszeit könnte sich die Frage stellen: wem wird diese Technologie zur Verfügung stehen? Denjenigen, die sowieso die Kohle für alles haben und entsprechende Gebühren abdrücken können? Arbeitslosen, wie es sie auf der ganzen Welt und zuletzt auch in hohem Maße in Europa gibt? Angehörigen von armen Staaten? Wann? Wird das alles ein weiteres Instrument der gesellschaftlichen Polarisierung zwischen Reich und Arm werden? Wird es Patente auf bestimmte Realitäten oder Realitätsausschnitte geben und wie werden sich diese auswirken wem wird es nützen, dass sich die Realitäten zunehmend vermischen? Die Talking Heads entwarfen in der Rockmusik vor vielen Jahren eine solche Vision einer Realität und landeten schließlich in den Verwertungsprozessen der Medienindustrie. Es gab ein Buch, das „Die Berliner Simulation“ hieß und schon vor Jahrzehnten einem solchen Lebensgefühl der austauschbaren Realität auf der Spur war. Auch Aldous Huxley ahnte schon vor vielen vielen Jahren etwas davon und setzte das in literarische Visionen. Der frühere Drogenpapst Timothy Leary faselte etwas von der Austauschbarkeit Bewusstseinsebenen und drängte auf Erweiterungen. Doch jetzt wird es scheinbar Realität, tritt auf technische Weise in unsere Existenz. Von nun an und in alle Ewigkeit. „Realität, was ist das?“ es wird dies möglicherweise die typische Frage der Besitzenden sein.

Sonntag, 19. Juli 2015

Europäische Tragikkomödien

Die jüngsten Ereignisse sprechen Bände. Da hat man sich gerade eben wieder mal mit zahlreichen Nachteinlagen auf eine Art Einigung verständigt, die unter anderem den beteiligten Politikern unter Beschwörung des „europäischen Geistes“ gegen hohe Milliardenbeträge an Steuergeld Zeit für ihre Wiederwahl in Ruhe vor einem großen Problem beschafft, da streichelt die ominipräsente Kanzlerin, die um ein „menschliches Image“ bemüht ist, einem kleinen Kind aus dem Libanon das Abschiebeproblem schön. Politik trifft auf Wirklichkeit. Die Inszenierung ist offenbar im unerwünschten Sinne ausgefranst. Gleichzeitig ist das Flüchtlingsproblem noch nicht einmal angegangen. Bestimmte Länder der EU weigern sich rundweg, ein genau berechnetes Kontingent an Flüchtlingen aufzunehmen. Anzug-, Kostüm- und Schlipsträger verschanzen wohlklimatisiert hinter von einer Schar Referenten wohlformulierten Anträgen mit seltsamen technokratischen Namen und können sich am Ende mal wieder nicht einigen. Dies wird nur in Umrissen von außen sichtbar, denn solche Sitzungen sind nicht selten nichtöffentlich. Agenda, Angela, Wertegemeinschaft: was bleibt da dem Betrachter und Stimmvieh? Diese Deppen fahren Europa und die europäische Vision an die Wand, die berauschen sich an ihren eigenen Bürokratismen, mit denen sie die Länge von Gurken und den Krümmungsgrad von Bananen herbeiregeln wollen. Marode Fischkutter sinken währenddessen, kaputte Außenbordmotoren fallen für Menschen aus, die 8 Tage nichts mehr gegessen haben. Natürlich Wirtschaftsflüchtlinge. Hat es zu allen Zeiten gegeben. Es ist wohl nichts Schlimmes dabei, dort leben zu wollen, wo es einem besser geht. 
Die Abgehobenheit der Inszenierung von jeglicher Realität wird wieder deutlich. Haben diese Leute, diese "Entscheider"  irgendeinen Bezug zu der Realität, über die sie da in gestelzten Phrasen und Floskeln mit scheinbetroffenem Blick quatschen? Was fällt ihnen an Sofortmaßnahmen ein, außer dem von einem Wertegenossen hochgezogenen Zaun an der Grenze von Ungarn? Für Europa kann auch das alles sehr sehr gefährlich werden, nicht nur die millardenhafte Verschwendung von Steuergeldern. 

Samstag, 18. Juli 2015

Salonsozialisten

Salonsozialisten? Ist ein Phänomen, das mich in dieser oder jener Form immer wieder begleitet hat. Meist sind das linke bis linksradikale Menschen, die freilich selbst äußerst begütert sind, die eine erstklassige Ausbildung (bei entsprechendem finanziellen Aufwand) genossen haben oder genießen und gerne anderen Menschen ihre Weisheiten von gesellschaftlicher Veränderung predigen, eingedenk dessen, dass sich an gewissen Grundgegebenheiten nichts so schnell ändern wird und dass sie selbst immer auf der richtigen und sorglosen Seite stehen werden. Früher war solches ein Ausweis von „Progressivität“ und Willen zur tatsächlichen Veränderung, der im Bereich des Populismus auch politisch leicht genutzt werden konnte. Ein Recht dazu gibt ihnen nach eigener Einschätzung, dass sie sich selbst als Angehörige einer Elite fühlen. Und denen ist ja alles erlaubt. Ale anderen sind ja Stimmvieh, das ihr Tun im demokratischen Sinne rechtfertigen soll. 
Nach dem Niedergang dessen, was sich bis 1989 als Sozialismus ausgab, hätte man meinen können, das solche Haltungen etwas in der Defensive geraten seien. Waren sie ja auch. Doch mittlerweile, angesichts auch der verheerenden neoliberalen Exzesse der vergangenen Jahre, scheinen solche Leute wieder mehr Chancen zu haben. So hat mich etwa die ausführlich bebilderte „Homestory“ eines damaligen europäischen Ministers in seinem Penthouse vor traumhaften Ausblick dann doch etwas gestört. Der Mann lässt sich überall als akademisch geweihter Radikalmarxist ausrufen und leert die Kaviarbecher, während unten auf der Straße in den Abfallkübeln nach Essbarem gestochert wird. Am Klavier sitzend, als den Frauen gefälliger Beau in trauter Zweisamkeit mit der edelgesichtig schönen Ehefrau und in weiteren Wohlfühlsituationen ließ sich der reiche Marxist seinem Volk präsentieren, das währenddessen keine Ahnung hatte, wie es die kommenden Tage überstehen sollte, aber seinen Gaukelmarxisten und ihren Sprüchen ausführlich zujubelte. Auch diejenigen, die sich in Deutschland gerne links nennen und das entsprechende Image pflegen, sind bei solchen Vorführungen gerne dabei. Sie loben schon mal den starken Arm des Volkes, um sich anschließend in den Porsche zu setzen und zur Villa in der Toskana zu brausen. Natürlich ist das, was sie sagen, nicht deswegen falscher, weil sie selbst unfähig sind, das in ihrem Lebensstil adäquat umzusetzen. Doch wenn nicht mal sie selbst der Realisierung ihrer Sprüche entsprechen, ja, wenn sie ihm in krasser Weise durch ihren Lebensstil widersprechen, mag auch das Vorgetragene nicht die allgrößte Überzeugungskraft haben. Doch solche Leute vermögen oft mit ihrer Außenwirkung sehr bewusst und gezielt umzugehen und sie in den Bereich des Charisma zu überführen: der Beifall ist ihnen dann gewiss. Abgehobene und akademisch gebenedeite Theorien als besonders fortschrittlich zu „verkaufen“, erscheint dann als ihre „Spezialität“.  

Donnerstag, 16. Juli 2015

Bionic Days

Ein weißer Hai scheint gestern vor Florida bei der Jagd nach Möwen gestrandet zu sein. Sowas ist natürlich von den Medien vielbeachtet. Der Mythos ist halt groß und erzeugt jenes Kribbeln, das Medien gerne verkaufen.Doch dazu zwei Beispiele aus der Bionik: Haie brauchen zu ihrer Fortbewegung offenbar sehr wenig Energie. Ihre Haut besteht aus winzigen Schuppen mit einem Grad in der Mitte. Zwischen den Graten bildet sich eine dünne Wasserschicht, die beim Schwimmen den Reibungswiderstand verringert. Schwimmbegleitung aus solchen Fasern gibt es mittlerweile mit genau diesen Eigenschaften. Eine solche Haihaut eingebaut an wichtigen Stellen kann starke Vorteile verschaffen, eine Erkenntnis, die zuerst Sportler mit ihren Schwimmanzügen für sich ausgenutzt haben, indem sie so ihren Wasserwiderstand verringert haben. Diese Vorgänge sind etwa 10 Jahre her. Mittlerweile sind solche Erkenntnisse auch in die Herstellung von Massenware eingewandert.
Es zeigt sich, dass die Evolution im Laufe von Milliarden von Jahren Möglichkeiten gefunden hat, die wir uns viel mehr zunutze machen könnten. Dabei ist es möglicherweise nicht sehr förderlich, sich technologisch der Natur überlegen zu fühlen. Immerhin sind die „Try and Error“-Phasen, also die Testerprobung mit der der Natur nicht zu vergleichen. Energie und Mobilitätsprobleme lassen sich vielleicht im Einklang viel besser bewältigen, indem Möglichkeiten genutzt werden, wie sie die Natur in sehr langen Testreihen, also der Evolution hervor gebracht hat.
Schaben können an Wänden hochklettern. Wie das? Winzige Widerhaken an ihren Beinen finden an der kleinsten Unebenheit Halt. Die Technik, mit der die Schaben ihre Widerhaken einsetzen, ist dabei entscheidend und Wissenschaftler haben genau diese Technik mit Robotern umgesetzt. Fliegen klettern mühelos vertikale Glasflächen hinauf, obwohl es keine Unebenheiten gibt, wo sie sich festklammern könnten. Das Klettern gewährleisten winzige Häarchen an den Fliegenbeinen. Am Ende jedes Haares befindet sich eine Art Verbreiterung. Mithilfe einer öligen Flüssigkeit, die die Fliege ausscheidet, haften diese Verbreiterungen an glatten Oberflächen. Aber es geht auch noch einfacher, ohne diese klebrige Flüssigkeit: zum Beispiel bei Laubfröschen. Auch bei ihnen sind die Beine mit einer klebrigen Substanz überzogen. Aber der Mechanismus ist ein anderer: das Sekret der Frösche ist kaum dickflüssiger als Wasser. Also ist es nie klebrig genug, um den Frosch auf der glatten Fläche zu halten. Trotzdem gelingt ihnen ihr Vorhaben. Ihre Fußsohlen weisen ein Muster ein Muster aus achteckigen Plättchen auf, die beweglich sind um sich dem Untergrund anzupassen. Winzige Beulen auf der Oberfläche der Plättchen bieten ausreichend Reibungsfläche, um den Frosch auf der Glasplatte zu halten. Ob so etwas in die Reifentechnologie eingehen könnte?     

Dienstag, 14. Juli 2015

Das Teil

Ein Stück löst sich von einem Auto vor dir, aber du glaubst das nicht, hast eine Wut, man hat das Teil nicht richtig  befestigt, - das ist doch rücksichtslos!, - doch die Lage wird unausweichlich,  das Ding kommt auf dich zu, es ist außer Kontrolle, die Wirklichkeit bleibt stehen, die Augenblicke dehnen sich. Das Unvermeidliche stößt mit dem Zufall zusammen und kommt als solches jetzt auf dich zu. Du kannst nichts dafür, ob ausgerechnet dies Auto dein Schicksal wird, es ist so ungerecht, aber warum ich? Es wird dich zerfetzen, Blut wird fließen, dein eigenes Blut, es wird dir schlecht, nein, du spürst das Gefühl kommen, ein Idiot, Du hast nicht mehr lange zu leben, ausweichen ist unmöglich, aber vielleicht hast du Glück, vielleicht ist ja alles nicht so schlimm. Es ist wie Rasiermesser, die langsam in dich eindringen, die Welt da draußen, die läuft in ihrem Modus weiter mit. Du bist höchstens ein Auswechselspieler, gelegentlich geht jemand ab von dieser Bühne, was macht's? Ohne dich, ohne mich existiert die Welt nicht... aber das geht jetzt weiter.....

Sonntag, 12. Juli 2015

Was Leben sein könnte (1)

Wie wollen wir leben? Wo wollen wir leben? Was bedeutet uns das? Ist da ein Hecheln, das den Siegern meistens hinterher ist? Oder wollen wir das auf der Straße mit möglichst vielen Pferdestärken ausgleichen? Lassen wir uns selbst finden, uns herausmodellieren oder sind wir hinter dem her, was als „Selbstoptimierung“ derzeit die Propaganda des Zeitgeists ist? Wollen wir Zufriedenheit anstreben, eine Sicht auf uns selbst, die eingebettet ist in ein wie auch immer geartetes Umfeld? Oder wollen wir dem hemmungslosen Egoismus frönen, der den Neoliberalismus zu seiner Idiologie hat und das Streben nach Gewinn vor allem auch auf Kosten der Allgemeinheit sucht? Was ist, was könnte Allgemeinheit überhaupt sein? Das, was Sozialisten, Kommunisten wie eine Monstranz vor sich hertragen? Der Staat? Hat der Staat nicht auch totalitäre Züge, die er uns aufzwingt, ist der nicht sogar der durch Wahl legitimierte Superkonzern, - oder ist er der Souverän, der immer alles richtig sieht? Wohlfühlen, Wellness – in dieser Welt des Klimawandels und das massenhaften Abschlachtens von Tieren? Welche Rolle könnte da ernst genommene Ethik und Moral spielen, die gerade nicht an den Glaubenssätzen der Kirchen hängt und Tradition als einen Wert unter anderen wahrnimmt. Geht es um Mäßigung, um das „richtige Maß“ oder „Maß halten“. Welche Rolle spielt da die „Sorge um sich“ (Foucault) oder sittliches Verhalten? Worin könnte dieses begründet sein? Disziplinierung und Gehorsam.... in einer neoliberal gesinnten Umwelt? In einer kommunistisch ausgedachten Umwelt? Wo sind wir? Wer sind wir? Sich über solche Dinge in einem lebendigen Austausch unterhalten zu wollen, Ansichten auszutauschen und sich gegenseitig dabei anzuregen, könnte eine Disziplin sein, die Zukunft hat.   

Freitag, 10. Juli 2015

Fassaden und Paravants

Sie haben sich zu oft gruppiert, zu Lug, zu Trug, haben um deine Kaufkraft geworben
um Deine Wertschätzung, um deine Aufmerksamkeit, haben die Bedeutung in Hülsen gesperrt
in Bilder, die missbraucht und vergewaltigt, zu fetten Gemeinplätzen wuchsen
es ist ein nettes Hopping, über der unsichtbaren Hoheit, verkaufter Luftschlösser
aber dich plagt eine Sehnsucht nach Text, nach eigenen Worten, sie zieht dich weiter
in andere Formationen, viele Körper reden und sagen nichts, es ist genauso, wie dieser Satz,
eine vorbereiteter Gemeinplatz, eine automatisierte Deutung, eine hübsch geformte Lüge
der Sinn geht im universalen Geräusch unter, in weißem Rauschen, das sich gegenseitig auslöscht
und du bist ein Pirat der Patterns, Ich ist ein Anderer
mit den anderen vernetzt sein, ein Docking wagen, abseits der Kommunikation
sich in andere Positionen begeben, wagen, sie in Frage zu stellen
das willst Du vielleicht, Ich zu sagen ist eine Reaktion auf ständig wachsende Unsicherheit
dabei könnte alles so anders sein
in Unbekanntem unbekannt bleiben, unerkannt, wir treiben knapp unter der Oberfläche dahin
und strecken den Hals gelegentlich müde in die Höhe, der Papierweg ist verstopft
Schwächen offen zu zeigen, könnte sich als Stärke erweisen, Lüge, eitel Selbstinszenierung
schöne Fassaden sind auch schön - als Fassade, ein Paravant, flüchtig aufgestellt
rund um bittere Erbärmlichkeit, will verschwinden hinter Tönen,
und mich einhüllen, will mich kleiden in sie. Du wagst, Dich im Verborgenen zu zeigen
als ein Spiel, wenn der Sinn untergegangen ist, will ich dem Klang nachlauschen
der sich selbst mitteilt, die brauchen Dich nicht, die nehmen sich nur, was sie brauchen
die hassen die Wahrheit, weil sie so negativ ist, was ist das Original, wenn alles eine Vervielfältigung ist
unwillkürlich, als Reflex, tausend Nichtigkeiten als Schwarm, als Wolke des Geschwafels - eine Kopie, eines großen Etwas, das wir alle sind?