Reise durch Wirklichkeiten

Dienstag, 30. Juni 2015

Rituale der Leere

Aus einem Romanfragment, das an dieser Stelle in die Klosterkirche in Neresheim führt, wo eine Führung mit einem Mönch stattfindet:

Der Mönch erklärte uns all diese herrlichen Malereien, diese wunderbare Architektur mit einem einzigen ruhigen Blick, der so gut wie nie auf das Objekt seiner meist sehr klaren Ausführungen fiel. Er schien in sich und aus sich selbst heraus für uns genau das zu meditieren, was er seinen Zuhörern schon tausendmal erzählt hatte, einer Surre gleich, einem Mantra, einem in großer Selbstverständlichkeit verinnerlichten und unendlich oft wiederholten Bibelvers. Meditieren? Wie musste das sein, jeden Morgen in aller Frühe aufzustehen, sich vorne im Chorgestühl mit stets denselben Brüdern zum Gebet zu versammeln, „in der Fürbitte für die Welt“, wie unser Mönch gerade jetzt so selbstbewusst betonte? Würde uns das verändern? Würde so etwas eine Existenz verändern können, unsere Existenz, die sich gegenwärtig in ganz anderen Ritualen der inneren Leere zu erschöpfen schien? Ermüdet von diesem blinden Jagen nach Geld, nach diesem Stoff, der ja die Welt immer schon strukturiert hat, ganz unabhängig davon, ob sich Mönche in einer herrlichen Klosterkirche zur Fürbitte für eben diese Welt versammelt haben. Würde ein solcher Wechsel den Kern unserer Persönlichkeit berühren können? Nein, so etwas war natürlich nicht an einem dieser Entspannungs- und Wellnesswochenenden auszuprobieren, die dieser kleine Prospekt am Eingang der Abteikirche anbot. Dies wäre ein größeres Experiment. 

Montag, 29. Juni 2015

Schönheit (1)

Schönheit? Ha. Ob das in „Germanys Next Top Model“ ausgestellt wird? Oder ob es in Zeitschriften abgebildet ist? Oder in Filmen? Ob wir damit verarscht werden wollen, dass da lauter bulimische und magersüchtige Damen abgebildet sind? Fast scheint es so. Wer legt sowas eigentlich fest? Diejenigen, die die Zeitschriften kaufen? Diejenigen, die schön sein wollen? Oder Photoshop, das Computerprogramm, das unsere Sehgewohnheiten programmiert? Die Verfügbarkeit von den attraktiven Menschen in den Medien signalisieren doch jederzeit: ich habe auch noch andere Möglichkeiten! Überhaupt: Möglichkeiten! Intelligent, eine interessante Persönlichkeit und gesund soll er schon sein. Aber wenn noch ein bisschen Schönheit dazu kommt, dann wär's einem auch recht, - muss sich ja nicht widersprechen. Irgendwann reicht das ja nicht mehr. Schöne Menschen können auch interessant sein. Also: umsehen! Stress mit dem eigenen Aussehen? Das ist längst nicht mehr Frauensache. Als ob Äußerlichkeit das Privileg eines Geschlechts wäre, durchtrainierte Typen mit dem Vorzeigebizeps kommen von überall auf uns zu... Es gab Versuche, in den Magazinen alltägliche Models abzubilden. Bloß die sind jämmerlich abgestunken. Es scheint so, als wollten wir einen Traum, eine Illusion, nach der man sich richten kann. Aber das macht sehr viel mit uns, wenn man Auto fährt und die ganze Zeit halbnackte H&M-Models an einem vorüber rauschen. Man denkt dann: so könnte man auch aussehen, oder die/derjenige, mit dem/der man zusammen ist. Schön ist ja auch gut. Schöne Menschen bekommen die besseren Jobs. Kommen für die gleichen Verbrechen mit den günstigeren Strafen davon. Wir wollen die perfekte Echtheit und vergessen immer mehr, dass eie Werbewelt sehr sehr künstlich ist.

Sonntag, 28. Juni 2015

Flucht und Empathie

Die Haltung der europäischen Staatschefs, was Flüchtlinge angeht, finde ich jämmerlich. Wir sind nicht mal im Vorfeld dessen, darüber nachzudenken, was Flucht heißt und aus welchen Motiven heraus man so etwas unternimmt. Den Tod riskieren. Am Abgrund stehen. Dazu haben diese feinen Anzugsträger keinerlei Bezug, die tun das als Naivität und Sentimentalität ab. Empfindsam für jemand anderes zu sein (nicht nur „Flüchtlinge“), ist ihnen völlig fremd. Empathie ist ihnen höchstens aus den Lebenshilfebändlein der feinen Lebenshilfedamen und -herren in ihrem Feng Shui-Ambiente bekannt. Die wollen eine Festung schaffen, die sich Europa nennt. Kein Zutritt für arme Leute. Nur für diejenigen, die sie selbst als Kriegsflüchtlinge definieren. Unseren Lebensstandard absenken? Diese Leute wollen doch wiedergewählt werden von ihrem „Wahlvolk“, für das sie letztenendes nur Verächtlichkeiten übrig haben, das sie als Stimmvieh behandeln. Diese Scheinrepublikaner mit ihrer Inszenierung, die sie „Demokratie“ nennen. Eines Tages werden sie Geschichte sein, etwas, was überwunden wurde zugunsten von etwas noch raffinierterem. 

Samstag, 27. Juni 2015

Lebenshilfe für den Sommer

Bei sich sein, Kontakt zu seinem eigenen persönlichen Kern haben. Dadurch leistungsfähiger sein. Dazu die Hilfsmittel nutzen, wie etwa Meditaion usw. In schönen Orten sein, wie z.b. Toskana. Das alles können. Auch etwas von Hand machen, eigenes Olivenöl machen, Wein produzieren. Fit sein. Sport treiben. Die richtige Anleitung haben. Alles richtig machen. Dazwischen kreativ sein. Bücher schreiben. Mehrere Wohnsitze haben . Dazwischen hin und her jetten. Dazu muss man ökonomisch in der Lage sein. Wenn die schönen Damen ihre Weisheiten dann als Buch unter die Leute bringen, so reißen ihnen das alle aus den Händen. Auch Hartz4-Damen, die nicht wissen, wie sie am nächsten Tag über die Runden kommen sollen. „Bloß nicht zu sehr verkopft sein!“ sagt die schöne Dame, die natürlich vegetarisch, ja sogar vegan lebt. Bloß nicht zu sehr nachdenken. Immer zu den Siegern und Gewinnern gehören. Neulich war ein solcher Empfang bei der Queen, als sie zu Staatsbesuch in Deutschland war. Auch ich war berührt von ihrer Ausstrahlung, von ihrer Gelassenheit, von diesem in sich und seiner „Pflicht“ ruhen. Der erworbene und der geerbte Adel vermischten sich bei dieser Veranstaltung, der ein Bundespräsident ein republikanisches Flair im Anzug mit dem richtigen Schlips gab. "Die Queen ist ein übernatürliches Wesen“, so höre ich mit einem Ohr. Nun ja. Mehr als 60 Jahre ihr Volk repräsentiert. Darin eine eiserne Disziplin gehabt. Über der Selbstbeweihräucherung stehen, weil man quasireligiös verankert ist.

Freitag, 26. Juni 2015

Gefühl für Zeit und Ort in uns

Zuweilen mag uns ein Bedürfnis überkommen, der alltäglichen und alle Zeit vernichtenden Hektik dadurch zu entfliehen, dass wir die Teile unserer an verschiedene Orte und Zeiten gebundenen  Persönlichkeit wieder sammeln und ordnen, mit der vagen Hoffnung, sie in ein harmonisches Verhältnis zueinander zu bringen und so etwas wie eine Einheit zu spüren.
Vielleicht ist das dort, wo die persönliche und kollektive Vergangenheit, also die Geschichte, in der größten Selbstverständlichkeit zusammenfließen, am besten möglich. Das Subjektive scheint uns dann im Objektiven aufgehoben und wir erahnen ein neues Gefühl für die Zeit... die Zeit, die in uns versickert.  

Mittwoch, 24. Juni 2015

Folter

Aus einem Brief, Stelle zum "schönen Mittelalter":
Wir waren in einem Foltergefängnis, das erschreckende Einblicke in die fremde Welt des Mittelalters zeigte. Die Leute brauchten dort in gewissen Abständen ein Spektakel, dass ihnen zum Beispiel die Räderung eines vermeintlichen Verbrechers verschaffte, wobei ein Verbrecher auch eine Hexe war, zu der man leicht werden konnte, wenn man kleiner als 1,60 Meter war oder Leberflecke hatte, oder Altersflecke, oder nicht weinen konnte, oder...
Dann konnte es sein, dass man so lange Jauche eingefüllt bekam, bis einem der Magen platzte, dass man so lange mit schweren Gewichten „gepresst wurde“, bis die Knochen krachten, , dass man an einem Haken aufgehängt wurde, so lange bis man ausgeblutet war, dass man...
Der Mensch, der mittelalterliche, hat das als Spektakel genossen...., das war seine Show.
Eigentlich ist das „schöne Mittelalter“ noch gar nicht so lange vergangen. Menschen sind auch heute bereit, sich solche Dinge anzutun.

Montag, 22. Juni 2015

Dürre in Kalifornien

Ich erfahre von der unglaublichen und mittlerweile schon langjährigen Dürre in Kalifornien und ich leide mit. Der Klimawandel und der Wassermangel scheinen hier schon ganz real zu sein, was aber die Masse des Volkes wohl noch nicht ganz mitbekommen hat. Da lese ich von den Superreichen in Kalifornien, die so gar nicht darauf verzichten wollen in einen stets gut gefüllten und gereinigten Swimmingpool springen zu können. Die auch nicht darauf verzichten wwollen, ihre Palmen und ihren weitflächigen Rasen sehr großzügig zu bewässern, obwohl Kaliforniens Gouverneur eine 25%tige Einschränkung des Wasserverbrauchs verfügt hat. Pure Not. Doch diese widerlichen „Prominenten“, die so gerne auf ihr ökologisches Image wert legen und auch sonst die bewussten Bürger geben, scheinen lieber ein paar tausend Dollar Strafe zu zahlen, als auf versprengten Wassersegen zu verzichten. Keine Lust auf Sparsamkeit. Wässern, was das Zeug hält, Dürre hin oder her. Hinzu kommt, dass die Geldstrafen kaum vollstreckt werden. Aber es geht wohl auch anders: Jennifer Aniston etwa, die Schauspielerin, hat in ihrem Garten die besonders durstigen Reben entfernen lassen und lässt sogar den weitläufigen Rasen verdorren (!). Auch Cher und Julia Roberts sollen durstige Pflanzen durch genügsamere ersetzt haben.  

Sonntag, 21. Juni 2015

Neue Reiche

Ich fragte eine Bekannte, die sehr viele Talente hat und sich unter anderem in der Gastronomie selbständig gemacht hatte, nach einem bestimmten Fußballspiel. Sie explodierte fast: „Diese jämmerlichen Versager“, so ihre Einlassung „die verlieren und kriegen trotzdem das, was eine ganze Kleinstadt im Monat verdient. Die sind doch total überbezahlt und bilden sich auch noch etwas darauf ein!“. Recht hat sie!, dachte ich. Doch es sind leider die vielen Dummen, die so etwas brauchen und deshalb ihren Idolen alles und jede Summe bezahlen, über Fernsehen, Werbung und Stadionbesuche. "Brot und Spiele" ist ja eine uralte Strategie. Ich sagte ihr das, was sie freilich noch wütender machte. „Leider ist das so! Ich für mein Teil sehe deshalb gar keinen Sport mehr im Fernsehen und verabscheue den ganzen Apparat, der dahinter steht“. So geht ein ganz einfaches und direktes Empfinden für Leistung Bezahlung in einer Gesellschaft, dachte ich.Wenn bloß mehr Leute so denken würden, dann würden nicht gar so viele junge Fußballschnösel eine solch dämliche Arroganz an den Tag legen, dann hätten sie ein bisschen mehr Verbindung zu der Denke, mit der sich ihr Wohlstand auch verbindet. Dann wüssten sie wenigstens ein bisschen, das sie bloße und austauschbare Platzhalter für die Träume der Vielen sind, Projektionsfiguren für das Bedürfnis, sich mit dem zu identifizieren, was in unserer Gesellschaft als „erfolgreich“ bezeichnet wird. Etwas verstaubte Konzepte wie das der Begeisterung für einen Verein, scheinen gelegentlich auch dabei total daneben zu sein, wo Spieler ohnehin nur dort ihre Dienste verrichten, wo am meisten dafür bezahlt wird - genau wie in der "freien" Wirtschaft, wo die Angehörigkeit zu einem Betrieb nur so lange etwas wert zu sein scheint, wo das nicht Rationalisierungsbestrebungen zum Opfer fällt. Die meisten Journalisten jedenfalls beklatschen und bestärken mit ihren Mitteln und populistischem Ehrgeiz solche Mechanismen. Sie zählen sich als Vertreter der öffentlichen Meinung möglichst öffentlichkeitswirksam und beflissen zu den „Fans“ und hinterfragen Identifikationsmechanismen allenfalls sehr erratisch und meist von Bierwerbung flankiert. Man kann den Fußball mögen und trotzdem das Gebaren der FIFA ekelhaft finden, man kann die Bezahlung der Fußballprofis etwas übertrieben finden ohne gleich sich als Kommunist bezeichnen lassen zu müssen. DAX-Hierarchen scheinen ja auch in solchen Dimensionen zu verdienen. Auch deren Fragwürdigkeit dürfte wenigstens erwähnt werden. Geheiligt sei das Gesetz von Angebot und Nachfrage, das sich ja schon lange nicht mehr zu legitimieren braucht.

Samstag, 20. Juni 2015

Nie und Immer (Songtext aus den "Eighties")

NIE UND IMMER (Creatura 2)

Schiffe fahr’n vorbei an dir, am Hafen tut sich nichts,
Mensch frisst Tier und Tier frisst Tier, automatischer Verzehr
Straßen führ’n nach nirgendwo, es stinkt nach schaler Wut
Hund pisst auf kalten Beton, Glasscherben in Eis

Prince lallt seiner Dame Manisches ins Ohr
Wort mit vier Buchstaben, und wir hör’n alle mit

Nie und immer, weiß von nichts,
Nichts bedeutet nichts
Du im Nebel, gehst im Kreis, verschenkst den Augenblick
Verseuchtes Luftschloss, am Ende bleibt uns keine Zeit
Wir wachen auf, die Uhr steht still,
alles ist vorbei

im Hals, der Finger, er, treibt Madonnenkult
gut gelauntes Gletscherspiel – Geschlechtsamusement
Du siehst dich, wie du dich siehst, - als Spiegelspiegelbild
Nie und immer wartet der Müllverbrennungsspezialist


Nie und immer, nie und immer…(Fade out)

Freitag, 19. Juni 2015

Augenblick

„Entscheidend ist, dass man spürt, dass man existiert. Im Laufe eines Tages vergisst man diese Wahrheit die meiste Zeit. Sie taucht auf, wenn man die Häuser wahrnimmt oder ein Rotlicht: Plötzlich hat man das Gefühl, in diesem Augenblick zu existieren“. Das hat der Filmregisseur Jean-Luc Godard gesagt und drückt viel von dem aus, was auch seinem Regie-Kollegen Rainer Werner Fassbinder im Leben wichtig war. Er hatte einen Lieblingssatz, den er überall hinkritzelte: „Life is very precious, even right now“. Das Leben ist sehr kostbar, gerade in diesem Augenblick.   

Mittwoch, 17. Juni 2015

Blauer Himmel, blaue Blume

Das Buch des Nomaden aus der Mongolei Galsang Tschinag (siehe Blog vom 15. März 2015), das ich vor mir habe, heißt „Der blaue Himmel“. Ob das ein Zufall ist? Es steht wohl auch auf eine intuitive Weise für Sehnsucht und Liebe und für das metaphysische Streben nach dem Unendlichen. Das Blau in Gestalt der blauen Blume ist aber auch auch ein Sinnbild der Sehnsucht nach der Ferne und ein Symbol der Wanderschaft. Als reale Vorbilder der blauen Blume werden oft heimische Pflanzen angesehen, in Mitteleuropa etwa die Kornblume oder die Wegwarte, Novalis erwähnt im Zusammenhang damit blauen Heliotrop. Es mag sein, dass sich in der blauen Blume nicht nur Natur, Mensch und Geist verbinden, sie symbolisiert das Straben nach der Erkenntnis der Natur und – daraus folgend – des Selbst, dem eigentlichen Ziel der Romantik. Es ist dies das tiefe Eindringen in sich selbst und des „Sich gewahr werdens“. Natur und Mensch verbinden sich, was man zunächst daran sieht, dass in Heinrichs Traum (in „Die blaue Bume“) in der Mitte der Blume (Natur) das Mädchengesicht auftaucht – wobei hier auch an Liebe und Weib/Frau zu denken ist, nicht nur an den Menschen allgemein. Mit „Mensch“ ist in der Romantik die Weiterführung des Menschen-Begriffs mit romantischen Vorzeichen gemeint, wobei das Gewicht auf den persönlichen Gefühlen liegt, nicht auf abstrakter Theorie. Nicht umsonst basiert das Denken als theoretischer Begriff in der Romantik auf der persönlichen Liebe. Dies ist dann damit gemeint, wenn man sagt, dass die blaue Blume „das Streben nach der Erkenntnis des Selbst“ symbolisiert. Der Schriftsteller Joseph von Eichendorff schrieb darüber das Gedicht „Die blaue Blume“:

DIE BLAUE BLUME
Ich suche die blaue Blume,
Ich suche und finde sie nie,
Mir träumt, dass in der Blume
Mein gutes Glück mir blüh.
Ich wandre mit meiner Harfe
Durch Länder, Städt und Au'n,
Ob nirgends in der Runde
Die blaue Blume zu schaun.
Ich wandre schon seit lange,
Hab lang gehofft, vertraut,
Doch ach, noch nirgends hab ich
Die blaue Blum geschaut. 

Dienstag, 16. Juni 2015

Generationengedanken

Dies hier habe ich mal wieder auf einem alten Zettel in einem Tagebuch gefunden, das mein früheres Sein markiert hat. Ich habe öfters Anwandlungen, mich selbst als Ganzes neu zu suchen, auch in der Vergangenheit, in der Person, aus der heraus ich mich entwickelt habe. Alte Aufzeichnungen in Tagebüchern sind mir da sehr nützlich. Dies Fundstück mag wohl in etwa aus der Jahrtausendwende stammen:

Jeder sucht sein kleines, eigenes Paradies, an der Börse, in der Liebe, beim Lebensabschnittstherapeuten, im Erfolg oder wenigstens im Fitness-Studio. Jeder sucht Halt in der globalen Haltlosigkeit und hofft dort anzukommen, wohin er aufgebrochen ist.....Typen, die ihren Weg gemacht haben, nach oben, nach innen, seitwärts in die Büsche, geradeaus in die neudeutsche Normalität. Solche, die es erst auf dem Weg gemacht haben, und solche, die einfach nur weg vom Fenster sind. Auch der laange Marsch ist längst am Ziel: An der Macht sind alle Grünen grau und fordern den 3-Liter-Panzer. Widerstand ist zwecklos und nur noch als Farce erkennbaar. Als anständige rot-grüne Mitte sitzen die einstigen Rebellen positions- und oppositionslos in ihren Nobelcafes und lernen Grappasorten auswendig. Früher Action, - heute Aktion, früher Aktionen, - heute Transaktionen. Der mentale Zustand des Zeitgeists: Anything goes - but nothing comes.  

Montag, 15. Juni 2015

Lebenshilfen

Ich schaue hinein in diese Realität, in der alles längst zur Ware in einer Tauschgesellschaft geworden ist. Nicht nur das Berufs- sondern auch das Liebesleben begreifen da viele als eine Art Dauerpraktikum....es ist das mittelschwere Beziehungselend der leicht Verunsicherten und Halbbefriedigten, im Sudelbad der lauwarmen Gefühle. Die anderen lassen sich Partner im Internet vermitteln, zum Beischlaf, zur Ergötzung, zum leichten Konsum und der Befriedigung der Bedürfnisse. Doch die Wirklichkeit drückt. „Die Wahrheit ist das, was passiert. Nicht das, was man sich vorstellt“ habe ich schon mal in diesem Zusammenhang gehört. Sich permanent zu drücken, vor allem und jeddem, kann eine merkelige Lebensstrategie sein. Es geht solchen Leuten nie um alles oder nichts, sondern immer um nur seltsam unterschwellige Verwirrungen, um nur mühevoll ausgesprochene Sehnsüchte, um Risikominimierung und Schmerzvermeidung...es geht um gebremste und handhabbare Emotionen im Sinne der Lebenshilfeartikel aus der Monatszeitschrift. 

Sonntag, 14. Juni 2015

Blau (3)

Der Maler, Bildhauer und Performancekünstler Yves Klein ist am 6. Juni 1962 in Paris gestorben. Er war Mitbegründer und führender Vertreter der Nouveau Réalisme genannten Kunstströmung in Frankreich und geradezu ein Fanatiker des Blau. Wikipedia schreibt über die Fakten: „1949, beeindruckt vom Blau der Fresken in der er, von einer Basilika von Assisi Reise nach Italien zurückkam, begann er seine ersten monochromen (einfarbigen) Bilder zu malen, die er bei sich zu Hause ausstellte.1952 lernte er Japanisch an der École Nationale des Langues Orientales in Paris und reiste bis 1953 nach Japan, wo er den vierten Dan erreichen konnte.
1955 zog er nach Paris und begründete die Monochromien, monochrome Bilder, in denen er zunehmend ein monochromes Ultramarinblau einsetzte, das er sich schließlich 1960 unter der Bezeichnung International Klein Blue patentieren ließ. Der farbpsychologische Effekt dieses (leicht rotstichigen) Blautons besteht vor allem in seiner Sogwirkung auf den Betrachter, der sich förmlich „in das Bild hineingezogen“ fühlt. Erste Versuche im Jahr 1949, als Klein in London bei einem Vergolder arbeitete und unmittelbar mit dem Farbpulver in Berührung kam, schlugen fehl, da sowohl die Leuchtkraft des Pigments verloren ging, sobald es mit dem Bindemittel versetzt wurde, als auch ohne Bindemittel keine Haftung erfolgen wollte. 1955 fand er mit der Hilfe von Edouard Adam, Besitzer eines Geschäfts für Künstlerbedarf, eine Lösung dieses Problems: Rhodopas, normalerweise als Fixativ benutzt, ließ das Pigment haften und erhielt gleichzeitig seine Leuchtkraft.  Klein verfasste Essays und drehte mehrere Filme. Bekannt sind vor allem seine monochromen Bildkompositionen, insbesondere diejenigen, die er in einem von ihm entwickelten und unter dem Namen International Klein Blue  patentierten Ultramarinblau anfertigte, aber auch in Gold und Rosa. Typisch für Klein ist eine stille, meditative Arbeitsweise“. Wer heute in das Centre Pompidou in Paris tigert wird von einem seiner Werke in Blau völlig überwältigt sein. 

Samstag, 13. Juni 2015

Blau, Blautopf, schwäbische Alb

Das Blau als der Wegweiser ins Transzendente, ins Unendliche, ins Tiefe, in das, was uns übersteigt. Im Falle des Blautopf in Blaubeuren hat das nicht nur die schwäbischen Dichter immer fasziniert. Auch die einfachen Leute, das Volk, schrieben dem Blautopf solche Eigenheiten zu. Die von Eduard Mörike aufgenommene Volkssage geht so: Zu unterst auf dem Grund des Blautopfs saß ehemals eine Wasserfrau mit langen fließenden Haaren. Ihr Leib war allenthalben wie eines schönen, natürlichen Weibs, dies eine ausgenommen, das sie zwischen den Fingern und Zehen eine Schwimmhaut hatte, blühweiß und zarter als ein Blatt vom Mohn... So beginnt die "Historie der schönen Lau" von Eduard Mörike in der die Wassernixe am Blautopf das Leben und den Humor im Lachen wieder lernte. Ihr Gemahl, ein alter Donaunix, hatte sie in die Blautopfquelle verbannt, nachdem Sie ihm aus lauter Traurigkeit nur tote Kinder gebahr. Erst wenn sie fünf Mal von Herzen lacht, sollte der Fluch von ihr weichen. Mit einem ganzen Hofsaat an Kammerzofen und Mägden ausgestattet, lebte Sie zurückgezogen in ihrem unterirdischen Palast. Eduard Mörike erzählt, wie eine Wassernixe am Blautopf das Leben und das Lachen wieder lernt. Eine Steinskulptur am Ufer erinnert an sie … und noch heute soll sie an manchen Tagen in den Tiefen des Quelltrichters kurz zu sehen sein.
Der Blautopf hat etwas Magisches. Blau und Grün fließen hier geheimnisvoll ineinander. Es ist wie ein leuchtendes Auge aus den Tiefen des Erdreiches, eine Quelle für Mythen, Märchen und allerlei wundersame Geschichten.
Die ersten Menschen siedelten sich in den Höhlen der Umgebung an, der Löwenmensch (ca. 32 000 Jahre alt) als älteste von Menschenhand geschaffene Skulptur oder eine Flöte aus Schwanenknochen (ca. 35 000 Jahre alt) sind frühe Zeugnisse künstlerischen Schaffens, die in der Nähe dieses Ortes gefunden wurden. Leuchtet die Quelle in noch so vielen Nuancen und vermag so die Menschen zu faszinieren und inspirieren, die Ursache für die Attraktivität dieses frühen Siedlungsraumes liegt in deren Ergiebigkeit. 
Auf der kargen Albfläche war Wasser überlebenswichtig – und hier floss und fließt es reichlich: 2000 Liter schüttet die Quelle in der Sekunde, in Spitzenzeiten sind des sogar bis zu 32 000 Liter.

Das weitverzweigte Höhlensystem unter der Schwäbischen Alb dient gewissermaßen als natürliche Kanalisation und leitet das versickernde Regenwasser aus weitem Umkreis zur Karstquelle des Blautopfes, die 22 Meter in der Tiefe liegt. 160 Quadratkilometer umfasst das Einzugsgebiet. Der Blautopf ist bei Wissenschaftlern und Abenteurern ein sehr bewährter Einstiegspunkt in dieses unterirdische System und hat als solcher sogar eine eigene Berühmtheit erlangt. 

Donnerstag, 11. Juni 2015

Der Knoller

Andere Menschen haben es auch so empfunden in 235 Jahren. Das verbindet dich mit ihnen. Er hat sein Blau gehabt. Er hat es dem Heiligen gewidmet. Dem Göttlichen. Eine geheime Mischung, die er mit in Grab genommen hat. Er ist hierher nach Neresheim gereist. Reisen war damals noch etwas anderes. Martin Knoller aus Tirol. Ein Mensch, als Künstler ein Star. Als Kirchenmaler herausragend. Er hat die psychologische Wirkung dieses Blau gekannt. Er hat sie eingesetzt. Er hat aber nicht gewusst, worauf diese Wirkung beruht. Gewusst in unserem heutigen, wissenschaftlichen Sinne. Wir kennen Mischungsverhältnisse. Wir können sie beliebig reproduzieren. Aber können wir Gefühle reproduzieren? Die Bibel den einfachen Leuten veranschaulichen wollte er, ihre Botschaft bildlich verdeutlichen, - die Kunst in unserem heutigen Sinne gab es ja noch nicht. 

Dienstag, 9. Juni 2015

Meeresblau

Da ist das Meer: Hawaii und das große Blau, diese verführerische Gleichgültigkeit. Die Träume von Tsunami. Die zum Himmel hoch sich aufbäumende Flut. "Here comes the flood". Man möchte sich hineinstürzen und hat doch nur Angst davor. Ein Psychologe würde seine Schlüsse daraus ziehen. Alles ist friedlich. Und birgt doch bedrohliche Möglichkeiten der Wildheit in sich. Jener Traum, - ob er eine Rolle spielt? Wenn die Welle näher kommt, erst von ferne, dann, unglaublich, immer näher an dich heran, du glaubst es nicht, sie kommt noch näher, sie wird höher und höher, sie wird haushoch und noch höher, sie überspült dich und sie dringt nun ein in mich. Ich spüre das Wasser, wie es mich einhüllt und wegnimmt. Ich vergesse das Atmen und werde panisch. Ich bin allein im Element. Im Kosmos. Es wird meine letzte Minute sein. Ich gehe unter. Die Luft, mir fehlt die Luft. Es drückt auf die Lunge... Ich treibe einer Auflösung entgegen....
Da wache ich auf im schönsten, strahlendsten Blau. 

Montag, 8. Juni 2015

Gesellschaftsschlauch

Das Leben ist wie ein Schlauch, durch den du gehst, es gibt immer die forschen 20Jährigen, die abgestandenen 30Jährigen, die leicht resignierten 40er, die drüberstehenden 50er, die unternehmungslustigen Alten und die geriatrischen Pflegefälle, es gibt diejenigen, die Ziele haben und sie rücksichtslos verfolgen (auch wenn sie stets das Gegenteil behaupten) und es gibt die Soften Korrekten, Flexiblen, Nachgiebigen, die Suchenden. Das Personal wird permanent und unmerklich ausgetauscht, die Gesellschaft ist statisch, - nur du (und deine Verwandten, Freunde, Bekannten, alle, die du identifizieren kannst...) wirst älter, sonst ist immer alles gleich (außer ein paar Normen und Werte, Strukturen und Muster, - aber das ist etwas anderes....), die Leute gehen hinten raus aus dem Schlauch, ohne dass es die anderen merken, sie gehen ab, treten ab, sie sterben, werden ersetzt durch andere, - da ist scheinbar nichts besonderes, du putschst dich hoch, versuchst zu erwachen, versuchst, zu dir zu kommen, dich zu erkennnen, du versuchst, eine Art Substanz zu suchen, nicht nur bewusstlos durchzugehen, hindurchzugleiten durch den Schlauch, der "Gesellschaft" heißt.......

Sonntag, 7. Juni 2015

Adieu Winnetou

Pierre Brice ist tot. So hieß es gestern in den News. Er wurde in tausend Bildern gezeigt, wie er einst bei Horst Wendlandt oder Atze Brauner den Film-Winnetou machte, wie er ihn sehr viel später in Bad Segeberg freilufttheatralisch wieder aufnahm und wie er als alter Mann immer noch glaubhaft den Schönling geben konnte. Sagenhaft. Auch seine zahlreichen Affären waren nicht verschwiegen. Es werden wohl Trophäen seiner Wirkung gewesen sein. Er wurde überwiegend als reale Person gewürdigt. Klaro. Mir freilich hat sich sein Winnetou-Bild von damals für immer mit der Karl May-Figur des Winnetou verbunden. Dass er Blutsbrüderschaft mit Old Shatterhand geschlossen hatte auf diese elementare Weise, das hat sich mir eingeprägt und war sicherlich einer der Anstöße für mein Interesse für andere Kulturen und später für die Neugier auf ein Weltbild, wie es bei den Indianern des Westens sich entwickelt hatte.Winnetou irrlichterte in meinen Träumen herum und hatte wie selbstverständlich das Gesicht von Pierre Brice. Karl May hatte ja viele Reiseromane geschrieben, in denen er Kara Ben Nemsi und andere markante Figuren auftreten ließ. Das war wahrer als jene Wahrheit, die einem später neugierige Wahrheitsempiriker enthüllten: dass nämlich Karl May nie in diesen Ländern unterwegs war, dass alles „erstunken und erlogen“ war. Aber der Triumph war, dass er seine Phantasie dorthin schickte und uns alle daran teilhaben ließ. Dass es etwas jenseits der Lüge und der Macht des Faktischen gibt. Ernst Bloch hat es einst Utopie genannt. Schillernd verführerisch. Aber auch gefährlich. May hingegen war mit der schieren Illusion zufrieden, so, wie es beispielsweise der Film an und für sich ist.
Doch zurück zu Winnetou und Pierre Brice. Als Brice in Bad Segeberg anheuerte, waren wir alle froh: Winnetou war endlich zu sich selbst zurück gekehrt. Er ließ nicht andere sich selbst spielen. Die Welt war wieder in Ordnung. Völlig unwesentlich, dass damals bei den Dreharbeiten jugoslawische Karstlandschaften den Westen abgegeben hatten. Es war ja ohnehin die Phantasie, die siegte, der Traum, der uns regierte. Das Wilde, Elementare war ein Mythos, der wilde Westen das Abenteuer. Hinzu kam eine Prise unterschwelliger Erotik, denn mit Dahlia Lavi als Indianerin Paloma und Marie Versini als Nscho-Tschi waren ja meist zwei höchst attraktive Damen dabei. Pierre Brice oder Winnetou nahm das alles mit, wie selbstverständlich läufig beiläufig. Eine Zeitlang war es Kult. Bis die handelnden Personen älter wurden und schließlich der Reihe nach starben. Jetzt ist die letzte und wichtigste Person dieses Mythos im realen Leben gestorben. 

Samstag, 6. Juni 2015

Sprüchlein zum Tage

Mir ist ein Bändlein über oder von Johann Wolfgang von Goethe in die Hände gefallen, das für jeden Tag einen anderen Satz, ein Motto oder eine Parole des Dichterfürsten anbietet. Natürlich sind solche Sammlungen bei aller Art von Gläubigen beliebt. Die große Autorität. Die Durchblicker. Den „Spruch zum Tage“. Also was sagt er, der Dichter? „ Alles, was wir treiben und tun, ist ein Abmüden. Wohl dem, der nicht müde wird!“. Als eine Art Aufmunterung empfand ich das nach langer durchwachter Nacht. Wirklich nicht gut geschlafen. Leider werde ich dann während des Tages viel zu oft müde, ich weiß es jetzt schon. Mit Kaffee erst mal diese Bremse bekämpfen, um das Sein kämpfen, denn ich will heute was erleben. Wenn wir aber, aus höherer Warte gesehen, dauernd am Abmüden sind, dann macht das nichts aus, ist geradezu tröstlich. Vielleicht entstehen aus diesem Schleier des Vorbewussten interessante Einfälle, halbbewusste Vorstellungen, verzerrte Wahrnehmungen, über die wir staunen könnten. Meistens aber, jaja, ist da eine lähmende Passivität, die nach Ruhe und Stillstand verlangt. Goethe scheint da auch ein bisschen neidisch auf diejenigen zu sein, die nie müde werden. Ob so etwas mit dem Blutdruck zusammen hängt? Oder eine Veranlagung ist? 
Der Jet Lag zumindest macht alle müde und lätschig. Ich habe es oft mit einem halben und höflich verschämten Seitenblick erlebt. Schlimm ist es, wenn das Individuum morgens sich abschnallt und aus dem Flugzeug geht. Da sind genervte Gesichter, da ist ein Stolpern, ein Abgreifen ohne jede Kontrolle, ein Wanken, lauter in der Luft stehende Wünsche nach Schlaf. Ein einziges offensichtliches Abmüden also. Danach erstehen offenbar wieder lauter fitte und optimistische Menschen, die ihr Abmüden überwunden haben. Oder auch nicht? Die kleinen Minicomputer an der Hand, dort wo früher die Armbanduhr prangte, werden's wohl wissen und die diesbezüglichen Daten (samt ein paar anderen) schnell den Versicherungen und anderen geneigten Institutionen übermitteln. Jemand, der zur Abmüdung neigt, der neigt auch zum Autounfall, - oder?. Oder zu anderen unkontrollierbaren Fehlleistungen. Der bedient irgendetwas falsch. Der versteht ein Gadget miss. Ein Tool. Der weiß zu wenig damit umzugehen. Die Hypothese muss überprüft werden. Danach freilich gibt’s Rabatte für diejenigen, die nicht so schnell müde werden, die nicht abmüden. So ist Goethe heute zu verstehen. Vielleicht. 

Freitag, 5. Juni 2015

Mutti & Zwerge (2)

Mutti als eine der sieben Zwerge hinter den sieben Bergen in Bayern. Sollen sie doch ihr doofes Spiel spielen in ihrer Inszenierung!! – wenn nur das viele Geld nicht wäre! Im öffentlichen Raum wird von mehr als 300 Millionen geredet (es können auch ein paar Millionen mehr sein!). „So viel kostet heutzutage halt die Sicherheit. Das Wichtige ist aber, dass man überhaupt miteinander redet..., sonst hätte es ja die Ostpolitik Brandts nie gegeben“, lassen blassierte Alt-Granden der Parteien im Fernsehen verlauten (was ich für eine grenzenlose Arroganz dieser sogenannten „Realpolitiker“ halte...) und zitieren dazu gerne einen ununterbrochen rauchenden Polit-Methusalem. Gipfelfeeling. Häuptlinge unter sich. Die Protestler draußen vor dem Tore spielen dabei auch ihre Protest-Rolle, scheinen nicht einverstanden mit allem (wir sind ja auch nicht mit allem einverstanden, - aber friedlich muss es bleiben, das schon!), das Fernsehen überträgt das Nicht-Spektakel den ganzen Tag. Elmau kann schön sein. Könnte. Ist jetzt eine Polizeifestung. Hubschrauber, Kontrollen, Hundertschaften, das ganze Programm. Die Sicherheit muss gewährleistet sein.
Was könnte man mit 300 Millionen alles machen!? Aber die Deutschen in all ihrer Einheit spielen das Spiel halt mit, glauben an Mutti, der in Wirklichkeit langsam die Realität zwischen den Fingern zerrinnt. Kriege und Konflikte allüberall. Wasser. Klima. Ethnien. Gier und Begehrlichkeiten. Gesundheit. Chemie- und Biowaffen. TTIP. Exporte. „Gute“ Beziehungen und ein bisschen Gutmenschentum (wenn's gerade passt!). Aber wir müssen froh sein, dass wir da unsere Demokratie haben, - gewiss. Putin ist aus dieser Wirklichkeit rausgegangen, diktiert jetzt die Realitäten per Gewalt. Darf dafür aber nicht dabei sein beim Gipfel (der US-Amerikaner aber sehr wohl, - wie das wohl unlängst im Irak war....? Völkerrecht? Hm.....Franzosen, Italiener, Engländer, Kanadier... niemand hat da Dreck am Stecken!). Aber müssen wir uns deshalb die Realität von den G7-Kaspern vorspielen lassen? Diese Komiker inszenieren sich uns. Das brauchen alle. So funktioniert halt die Welt, - sagen Realpolitiker. Ist das der Preis?

Donnerstag, 4. Juni 2015

Geburtstag

Angelina Jolie und Miss Piggy werden 40!! Das ist natürlich ein Ereignis. Das muss man unbedingt wissen. Bei beiden gibt es die Ebene darunter (oder darüber?!). Und viel Vertrauen in die Zukunft! Kann man ja was machen daran! Selber schuld, wenn nicht. Miss Piggy sagt "Schönheit liegt im Auge des Betrachters!".  Gratulation! Auf die nächsten 40!!!

Paris

Paris

Mittwoch, 3. Juni 2015

Krähen und Menschen

Krähen sollen Menschen angegriffen haben. So lautete die Nachricht letzte Woche. Sollen auf menschlichen Köpfen herum getanzt sein und sich auch sonst agressiv benommen haben. Die Moderatorin fühlte sich da gleich an Alfred Hitchcocks Film „Die Vögel“ erinnert. Schließlich muss herausgekommen sein, dass die Krähen Junge hatten und deshalb etwas aufgekratzt reagiert haben. Nun ja, das ist im Tierreich nicht gerade selten und soll auch unter Menschen vorkommen. Die Brut ist heilig, basta. Ist's ein Reflex oder ist etwas Erlerntes dran? Der Mensch misst seine Mitgeschöpfe doch so gerne an ihrer Intelligenz. Selbstbewusstsein, Instrumentengebrauch, Religion, Kunst, Sprache. Der Mensch als Krone der Schöpfung. Nun ja, Krähen sollen sich in Dialekten regelrecht unterhalten. Einen lauten Dialekt haben sie für die Signalwirkung im Rudel. Einen leisen innerhalb der Familie. Dabei sollen sie sich soziale Erfahrungen mitteilen und sie weitertragen, so Wissenschaftler: Kennzeichen der menschlichen Kultur, so dachte man früher. Denkste. Nur die intelligentesten Lebewesen verfügen über derartig ausgefeilte Sprachfertigkeiten. Die Krähen sind dabei. Dabei gleicht auch ihr Entwicklungsprozess vom Jungtier zum Erwachsenen dem des Menschen. Sie lernen in sehr kurzer Zeit alles über ihre Welt. Beobachten und Lernen ist ein wichtiger Faktor bei der kognitiven Entwicklung einer Krähe. 
Krähen können dazu bis zu 5 Jahren bei ihren Eltern bleiben. Richtige Erziehung braucht Zeit. Man muss nicht nur wissen, wer der andere ist, sondern man muss sich auch daran erinnern, wann man den andern zuletzt gesehen hat und wie er zu anderen gestanden ist, wie er zu mir gestanden ist. Soziales Verhalten erfordert die Fähigkeit zu lernen und sich an das Gelernte zu erinnern. Krähen können das. Wissenschaftlich bewiesen. Ein Bildschirm mit zwei Berührungsfeldern: einer legt Nahrung frei, ein anderer erzeugt einen roten Bildschirm. Die Vögel lernen sehr schnell und wählen die richtige Möglichkeit aus. Und dann erscheinen Bilder/Symbole, die sie noch nie gesehen hat. Sie muss nun schlussfolgern, welches die Belohnung bringt. Auch das schafft sie spielend. Die Fähigkeit, andern ein Wissen zuzuschreiben: „Theory of mind“. Was ich selbst davon weiß, was andere wissen und erfahren haben. Sich ineinander hineinversetzen. Eine typische soziale Fähigkeit, die Krähen auch drauf haben sollen. Wissenschaftlich untersucht. Durch Spielen lernt man, auf unerwartete Dinge zu reagieren. Krähen integrieren das in ihr Dasein. Sie machen fortwährend Erfahrungen, die sie für sich auswerten. Sie gebrauchen Instrumente, setzen sie auch indirekt ein, wissen damit umzugehen. Es würde noch so viele Dinge geben, die es zu erzählen lohnte. Seltsame Tiere, nichtwahr? Große Intelligenz und Fähigkeiten. Würde man ihnen nicht zutrauen. Wir sollten vielleicht sie und ihre Welt ein bisschen mehr akzeptieren und tolerieren. Wir könnten vielleicht sogar von ihnen lernen.  

Montag, 1. Juni 2015

Ernährungszeitgeistmoral

Habe das Buch „Don't go Veggie – 75 Fakten zum vegetarischen Wahn“ von Udo Pollmer, Georg Keckl und Klaus Alfs überflogen und einen Beitrag dazu im Fernsehen gesehen. Mir ist das Buch sympathisch, weil es unerschrocken und unangepasst gegen den Stachel des Zeitgeists löckt. Es setzt sich mit dem guten Gewissen des Bio-Biedermeiers auseinander, dass kein Tier für die eigene Nahrung sterben müsse und keine Landbaufläche verschleudert würde. Was ist das wert, fragen die Autoren. Wir ziehen hier ein paar prägnante Thesen heraus. Beim Verzehr würde kein Antibiotikum mitgeschluckt, wie es beim Fleisch der Fall wäre, so die erste These. Ach. Veganer und Vegetarier sind für Pollmer Anhänger einer neuen Religion. Der Lebensmittelchemiker und Ernährungswissenschaftler will diese Glaubenssätze erschüttern. Unser Fleischhunger sei gigantisch und habe jedes Maß verloren, so die gängige Behauptung. „Der Konsum von Fleisch ist über die Jahre zurück gegangen. Beträgt er heute 60 kg pro Jahr und betrug er noch vor 25 Jahren 66 kg, war der Verbrauch im Spätmittelalter 100 kg. Wird Agrarfläche verschwendet? Wird es als Weideland für Tierfutter missbraucht, während doch Nahrung für Menschen darauf angebaut werden könnte? Nach Angaben der Welternährungsorganisation, so Pollmer, seien nur etwa 60 % der Agraranbaufläche dafür geeignet, um tierische Produkte zu erzeugen und Tiere darauf zu halten. Wenn wir das nicht nutzen würden, so hätten wir nicht mehr, sondern weniger Nahrung.Was ist mit Soja als Tierfutter, für den in Südamerika ganze Wälder gerodet werden? Schuld daran ist laut Pollmer nicht das Tierfutter, sondern der Biosprit, der hier produziert wird. E 10 tanken vernichtet mehr Wald, als Fleisch essen. Antibiotika im Fleisch? Die sollen doch für resistente Keime beim Menschen sorgen? „Die Resistenzen bei Antibiotika sind ein Problem. Das Erstaunliche ist aber, dass in Ställen diese Antibiotika noch funktionieren. In den Krankenhäusern funktionieren sie nicht“, so Pollmer. Harter Stoff. Bedenkenswert. Sicher nicht als Generalausrede brauchbar. Aber ein Bremsklotz gegenüber den gängigen Behauptungen. Bleibt das ethische Argument. Gegen die heutige Form der Massentierhaltung.

Samstag, 30. Mai 2015

Was über der Logik ist

Die Welt ist metalogisch. Die Realität ist metalogisch. Wir legen uns immer nur ein Erklärungsmodell parat. Machen uns Bilder. Eine Erklärung ist aber nicht möglich von etwas, was nur da ist und sich dadurch aus sich selbst selbst erklärt. Wir schaffen mit unseren Mitteln immer nur eine mehr oder weniger genaue Annäherung. Mit der Zeit mag diese näher an ihr Objekt heran rücken, bleibt aber trotzdem nur eine Annäherung. Oder?

Freitag, 29. Mai 2015

The Show must go on

Wie sie gestern alle mit Boykott gedroht haben! Was für eine Sauerei! Sogar die Politiker haben gefordert und sind empört. Aber eine prominente Nase hat's im TV gesagt: der Fußball ist begehrt und hat uns schon viele Feste beschert. "Schämpions Lig, übermorgen Pokalendspiel.... Er wird auch dies Wahl-Event verkraften, das in ein paar Tagen sowieso vergessen ist". Der Präsident wird sich wiederwählen lassen und alles ist so wie zuvor. Die paar kleinen Betriebsunfälle gehören ausgeräumt und geklärt. Darüber hinaus hat das aber nichts mit dem Spiel zu tun, das sich ja überall so glänzend verkauft. Und tatsächlich, schon gestern abend ist das erste Aufbegehren zusammen gebrochen, zu wenige machten bei dem Scheinprotest mit und die Show fing pünktlich wie geplant um 17 Uhr an, um schließlich immer weiter zu gehen. Heute wird der Mann noch einmal gewählt und alle sind's zufrieden, weil sie es wenigstens versucht haben, - wie sie es sich danach gerne schönreden. Versuchen ist alles. Wenn's nicht klappt?: Was soll's? Das ganze System ist seltsam und funktioniert nach dem Motto „Brot und Spiele“. Wieso auch nicht? Die Leute hatten ja damals nichts anderes und kennen das Andere heute noch weniger......    

Donnerstag, 28. Mai 2015

Possen

Putzig, wie sie jetzt alle beunruhigt und empört tun. Als wäre das alles neu. Dabei standen doch gewisse Vorwürfe gegen die FIFA schon seit Jahren im Raum. Nur rechtlich beweisen, so hieß es immer, könne man nix. Also machten alle mit. Selbstverständlich auch zu ihrem eigenen Vorteil. Man staunte nicht schlecht, wie die Fußballweltmeisterschaften nach Russland und Katar vergeben wurden und wie die neureichen Söhne der Wüste ihre Fußballstadien noch immer offenbar mit so etwas wie Sklavenarbeit hochziehen wollen, für die Asiaten vor allem aus Nepal, Bangla Desh und Indien als eine Art anonymer Menschenmasse verpflichtet wurden, mit der man nach Belieben umspringen und der man auch mal den Pass entziehen kann, damit sie nicht abhaut. Der deutsche Wirtschaftsminister Gabriel hat sich das angesehen und alles war plötzlich so supergut und im Fernsehen vorzeigbar. Ach. Völlig überraschend. Berühmt ist auch geworden, als der Sportfunktionär Franz Beckenbauer dort hinfuhr und von nichts etwas gesehen haben will, schon gar nicht von Sklaven. Ein Schelm, wer sich etwas dabei denkt. Die europäischen Fußballfunktionäre, so hieß es, wussten alles, fühlten sich aber der Macht des FIFA-Präsidenten und seiner Verbündeten ausgeliefert. Außerdem wollten sie nicht verlieren gegen ihn. Also unternahmen sie gar nichts und stellten nicht mal einen aussichtsreichen Gegenkandidaten bei den jetzt anstehenden Inthronisations- und Bestätigungswahlen auf. Der FIFA-Präsident hatte zuvor versprochen, zu diesen „Wahlen“ nicht mehr antreten zu wollen. Weil's ihm aber solchen Spass macht und er sich fit für die anstehenden Aufgaben fühlt, hat er sich von der globalen Familie des Fußballs halt nochmal zum Amt breitschlagen lassen und tritt jetzt doch noch einmal an.
Man ist schon sehr erstaunt ob solcher Vorgänge, die man eigentlich nur von besonders hartleibigen Diktaturen her kennt. Und jetzt die US-amerikanischen Ermittlungsbehörden, die, wie sie nun gerne verlauten lassen, seit mehr als 20 Jahren Fakten gesammelt haben, um schließlich mit begründeten Anklagen gegen das FIFA-Ungemach einzuschreiten. Eine ganze Schar von Funktionären soll verhaftet worden sein, darunter auch FIFA-Vizepräsidenten. Vorwurf: Übertragungs- und sonstige Rechte sollen verschoben worden sein. Geld soll an der Steuer vorbei geschleust und gewaschen worden sein. Sponsorengelder abgezweigt. Unter anderem. Auf amerikanischem Boden. Oh je. Die US-amerikanische Justizministerin Loretta Lynch lässt verlauten: „Sie haben es immer und immer wieder gemacht, Jahr für Jahr, Turnier um Turnier“. Sie lässt verlauten, dass die Korruption im Weltfußball nun rigoros bekämpft werden solle. Ach. Weil ja der Fußball in den USA so populär ist, ist das für das Land so wichtig. Das FBI und einige stramme Helfer. Unter anderem sollen auch Schweizer Behörden dabei sein. Hm. FBI, das sind ausgerechnet diejenigen, die auch schon mal mehr als ein Auge zugedrückt haben, wenn es um Korruption und organisiertes Verbrechen ging, solange es sich in Lateinamerika und anderswo außerhalb der Staaten abgespielt hat. Kuba dürfte da kein besonders rühmliches aber ein relativ konkretes Beispiel sein. Egal, jetzt können sie nach vorne preschen und sich als Hüter des reinen und unerschrockenen Rechts präsentieren. Auf amerikanischem Boden gibt es so etwas nicht, so die global vernehmbare Botschaft. Nein, das gibt es nicht. Endlich hat mal jemand den Mut, tatsächlich etwas zu machen. Ist ja auch etwas.  

Mittwoch, 27. Mai 2015

Paintscape Nature (Songtext)

Ich erinnere mich an die Welt und kann sie fühlen
Das Sein ist ein Teil von Dir und du bist bald wieder ein Teil von ihr
Du wachst auf im Aufzug und denkst „schon wieder!“

Das kann doch nicht sein, dass Du das bist
Das darf nicht sein, dein Leben geht darüber
was machst Du heute morgen in diesem Film
Draußen weht der Schnee alte Frauen durch die Straßen.

Der Kapitalismus bringt sich heute morgen selbst zu Fall
Die Natur in Dir treibt Blüten, das Sein will in Dir zu sich kommen
Du warst im Supermarkt und hast ins sexy Regal gegriffen.

erzähl mir nicht, dass du tun musst was du tun musst,
Du bist nicht John Wayne und ich nicht Marylin Marlene
Du jagst Eichhörnchen, ich das Wunderbare
Schmerzen, Du lügst sie dir als Preis zurecht


Du spielst Gelassenheit, es kommt alles wie es kommt
eine Haltung, die sich selbst durchhält
dann gehst Du eines Tages ganz alleine unter
der Horizont kommt näher und verschwimmt.

Du denkst zurück an Momente
irgendwie festzuhalten versucht
Bilder, die heiter und traurig sind
alles ist toll, alles ist superlocker


Dienstag, 26. Mai 2015

Sieben Zwerge

Jetzt treffen sie sich wieder: Mutti und die Bande. G7-Gipfel, die Medien sind präsent. Diesmal auf Elmau, dem schönen Schloss in Bayern. Alle Wichtigs fliegen ein: Obama und die anderen. Industrie unter sich. Deren Vertreter. Die Starken, die die Schwachen kneten. Mit "Hilfsprogrammen" und all dem. Alles schon tausend mal erlebt. Nutzt sich ab. Personenschutz und Brimborium aller Art. Heraus kommt nix. Aber eine "schöne" Veranstaltung gewesen. Mal wieder den Barrack getroffen. Der schickt seine NSA schon mal zum hemmungslosen Spionieren vor. Der Staat muss sich schützen, der Staat muss stark sein. Natürlich ist der Terrorismus die Generalausrede und Legitimation dafür. Für alles. Damit wird BigBrother durchkommen und alle Bürger werden ruhig sein, weil sie gar nicht begreifen, was da vorgeht. Die Entwicklung geht zu schnell, die divine Digitalität entwickelt sich zu schnell. Hauptsache, wir sind mit Facebook mittendrin! Dass unsere Daten kommerziellen Zwecken und Geheimdiensten zuwachsen könnten: Na und? Wir haben keinen Dreck am Stecken. Diese sieben Zwerge hinter den Bergen vom G7-Gipfel geben Rückendeckung, einschließlich Mutti. Alle Erwartungen werden auf sie delegiert. Sie werden's schon richten. Nur: Die Welt treibt dem Abgrund entgegen. Der Klimawechsel wird gerade in den USA gerne klein geredet. Als sei das nebensächlich. Und in diesen plötzlich aufbrechenden Konflikten müsse man möglichst stark sein, so gewisse Stimmen. Sie verfangen sich in der Welt von gestern und merken das nicht. Es ist größerer Zusammenhalt gefragt, einen, den gerade die sieben Zwerge nicht versprechen. 

Samstag, 23. Mai 2015

TTIP und Deutsche Bank

Eine Woche der listig-verschlagenen Machtspielchen, über die dann unter einem harmlosen Etikett öffentlich geschwafelt wird. Beispiel TTIP. 
Erste Klarheit: TTIP hatte doch von Anfang an einen entscheidenden Geburtsfehler: wieso muss etwas, das jeden Menschen hier im Alltag betrifft, geheim verhandelt werden? Hinter verschlossenen Türen? So, dass nichts nach außen dringt? So, das gemunkelt und geklüngelt werden kann? Inwiefern ist die EU eigentlich demokratisch organisiert? Bis jetzt habe ich dazu nichts gehört. In keiner öffentlichen Diskussion. Vielleicht habe nur ich es verpasst. Aber ich würde es wieder mal gerne hören. In den Diskussionen labern sie gekonnt um Fakten herum und verschleiern alles. Ja geschenkt, - natürlich sind die deutschen Wettbewerbsbestimmungen nicht immer die allerbesten (es wird da gerne mal etwas von „Arroganz“ behauptet), aber relativ gesehen halt schon. Kein Wunder, denn die Haftungssysteme sind ja völlig verschiedenen.
Zweite Klarheit: Schiedsgerichte mit Vertretern der jeweiligen Industrien (einschl. EU-Lobbyisten) sollen im Hintergrund und neben den im jeweiligen Land geltenden Recht ein eigenes Recht sprechen, weil sich das in tausend Verhandlungen mit Staaten bewährt hat, die kein gutes Rechtssystem haben. Wie blöd ist denn dieses Argument? Haben wir etwa (besonders im Vergleich zur USA!) kein entwickeltes Rechtssystem? Wie steht's mit der Mitbestimmungen, mit tausend anderen Bestimmungen zum Arbeitsschutz, die auf amerikanischer Seite gar nicht existieren und die deshalb in ihrer Nichtexistenz als besonders neoliberal eingestuft werden? Natürlich stehen da nicht nur böse Konzerne dahinter, die uns nur austricksen wollen, wie das Frau Wagenknecht gerne in Diskussionen einzuführen versucht. Ist doch alles durch, tausendmal gehört. Unterm Strich ist's dann aber oft so. Zufall? Selektive Wahrnehmung? Über das alles könnte man reden, tut es aber ganz offensichtlich nicht. Man schwafelt und vernebelt viel lieber. Und die vertrauensbildende Sache mit BND und NSA lässt man ohnehin gleich ganz außen vor, um nicht alles gleich zu überfrachten und niemanden zu überfordern. 

Die Deutsche Bank? Was ist denn das geworden? Einstmals so etwas wie der Stolz der deutschen Industrie (jetzt mal die alt- und neoliberalen Kriterien hergenommen!), scheint sie jetzt eine seltsame Vereinigung von Money-Freaks geworden zu sein und ihre Aktie im DAX ist weit weit zurück geblieben (wichtig als Gradmesser des Erfolgs!). Wer dieses Papier besaß und noch besitzt (vielleicht als "Altersvorsorge"), dürfte keine große Freude daran gehabt haben. Gefühlt erscheint das Institut in jeden Murks auf der Welt verstrickt, den Banken veranstalten können. So etwas könnte Globalisierung bedeuten. Überall dabei sein. 

Donnerstag, 21. Mai 2015

Mit dem SUV on the road again

Eine riesige Donnerkiste fährt da, Platz ohne Ende, riesige Reifen mit tiefen Furchen, die Fahrerin hoch oben, thront auf ihrem City-Laster, sieht kaum hinunter in die niederen Niederungen, in denen sie Tiere mäht, wo sie spritzt und sprenkelt, nach Belieben und je nach Beschleunigung: SUV-Alarm, im Winter und im Sommer. Allüberall. Ja klar haben wir den Platz, die Landschaft betonieren wir einfach immer weiter zu und machen möglichst breite Straßen daraus. Modernes Verkehrsmangment. Der Verbrauch ist im Moment noch viel zu hoch, das sagen die wackeren Fahrerinnen selbst auch, die da ihre Brut drei mal pro Tag zur Waldorfschule kutschieren. Dann zum Privatunterricht. Zum Cellounterricht auch. Tanz- und Ballettausbildung, - später? Es gilt, nicht im Volk zu sein, - mit all den vielen Ausländern. Die sollen in ihren billigen Jobs schuften, kommen ja auch aus Andalusien, Anatolien oder Äthiopien. Selber schuld. Hätten sie was Brauchbares gelernt! Aber wir sitzen hoch oben und genießen dies Herabsehen auf all die anderen, entspricht ja auch unserer Stellung. Wir sind die Auf- und Draufseher, die im Zweifelsfall sicher sein wollen, koste es, was es wolle. SUVs sind voll im Trend, schon viel zu lange. Mittlerweile gibt’s schon viel zu viele. Das Exklusive ist irgendwie vorbei, es sei denn, jemand fährt eine besonders exklusive und teure Marke. Sportwagenhersteller oder die mit den drei Buchstaben oder die mit den Ringen, die den Vorsprung dank Technik für sich reklamieren. Deutsche Modelle. Verdrängungswettbewerb. Wer hat den größten, den alllerallersichersten, den härtesten auch, den widerstandsfähigsten und härtesten? Status rocks. Status Quo. Quod licet iovi, non licet bovi. Sagten Leute früher einmal. Sehr viel früher.    
Ich lerne jemanden mit SUV kennen und erkundige mich sachte nach den Beweggründen, sich solch in einem Fahrzeug zu bewegen. „Du weißt du, dass ist ein tolles Gefühl, da oben über allen anderen zu sitzen. Irgendwie sicher. Du weißt genau, wenn jetzt was passiert, zieht der andere den Kürzeren. Und im Winter, mit dem Allradantrieb, da hast du einfach das Gefühl, dass du überall durchkommst“. Ich bin geplättet und denke mir „Das wäre mir jetzt wirklich peinlich“. Aber solchen Leuten ist gar nichts peinlich. Manche fahren ja auch die noble deutsche Sportwagenmarke durch die Gegend: "Deutsche Ingenieurskunst", das sagt selbst Atze Schröder dazu und gibt Gas. Auch auf der Bühne. Das kommt nicht nur bei den Damen gut an und macht den Herren Eindruck. Das imponiert ihnen. Da träumen sie sich hinein, Verbrauch hin oder her. 
Eines Tages werden diese Bolliden sowieso die besseren Verbrauchs- und Abgaswerte haben, wenn die gesellschaftliche Polarisierung und die technologische Entwicklung noch ein bisschen weiter ist. Dann werden sie doppelt herab sehen auf die, die sich nicht mal den einen Reifen eines solchen Cars leisten könnten. Die unterlegen sind in jeder Hinsicht. Das ist im Kapitalismus so: wenn du etwas leistest, wirst du es dir auch eines Tages leisten können. Blöd nur, dass das Ding mit dem Leisten vorbei ist. Wer etwas leistet, ist doch nur blöd. Es gilt, sich zu vermarkten. Sich selbst zur Powerpointpräsentation machen. Inhalt spielt genauso wie Leistung keine Rolle. Groß auftreten, großes Auto fahren, das ist wichtig. Kein Problem, das, sie sind immer sonnengebräunt gut gelaunt entspannt. Und Stammgast sind sie auch auf den von allerlei Hilfskräften mit ihren bulligen Bullys vorbereiteten Pisten, zu denen natürlich ein SUV gerade im Winter besonders gut passt. Offroad. Ja klar, weil wir ja so viele hässliche Feldwege haben, durch die wir am Wochenende unbedingt pflügen müssen (aber immer erreichbaar sein, bitte!). 
Es will ja niemand die USA in Schutz nehmen. Aber dort hatte das noch Sinn, weil die Farmen oft stundenlange Fahrten von den Supermärkten entfernt sind. Da braucht man große Pickups und Offroader, um so etwas zu bewältigen. Doch hier, im dichtbesiedelten Mitteleuropa ist's ein Jokus, ein teurer Status-Scherz. „Der Kunde verlangt's“ sagen die marketinggestählten Konzernlenker mit dominanter Miene. Heftig geschult. Natürlich sind sie keine Volkspädagogen, die alles besser machen und irgendjemanden erziehen wollen. Igitt! Wer wollte denn das heutzutage noch? Sie haben's mit Kunden zu tun. Der Neoliberalismus kennt ja doch nur Kunden. Was die wollen, ist heilig. Alle sind Kunden. Alle, die es sich leisten können. Die Welt ist ein Markt. Es sich leisten können, - das wär es! Das ist es. 

Mittwoch, 20. Mai 2015

Grundsätzlich auf der Suche (1)

Verschiedene Sichten auf die Wirklichkeiten entstehen durch subjektive Befindlichkeiten, rationale und emotionale Fähigkeiten, durch kulturelle und soziale Dispositionen. In der Kommunikation findet darin oft ein Abgleich statt (d.h. Er könnte stattfinden). Das Beharren auf der eigenen Perspektive ist albern, denn sie ist ja nie absolut gültig, auch wenn sie dem Einzelnen so vorkommen mag. Sie sollte immer neu errungen werden, erfordert permanentes Bemühen, Wachheit und eine freundlich gesinnte Aufmerksamkeit. Es gibt immer verschiedene Perspektiven auf Phänomene. Über sie können wir uns austauschen. Sie könnten einer dauernden „Reise durch die Wirklichkeit“ gleichen.
Selbst zwischenstaatliche und rechtliche (also kollektive) Probleme rekurrieren darauf. Einen spielerischen Umgang damit, - eingedenk dessen, dass wir zu einer absoluten Sicht nicht fähig sind und dass jemand anders mit anderen Ansichten (Perspektiven) uns sogar helfen kann, - ist dem Verständigungsprozess unter uns förderlich. Hinzu treten freilich Interessen, die eine simple Machtdimension, monetäre, wirtschaftliche oder auch sexuelle Ausrichtungen haben können. Interessen sogar wider besseres Wissen (was ist Wissen?, ja klar, darüber kann es auch Austausch geben) und Gewissen (altmodisch, nichtwahr? Aber hier kommt auch eine Moral ins Spiel, die das Ethische in sich vereint, Moral ist nicht immer das, was zu überwinden wäre, sondern kann einen sozialen Zusammenhalt herstellen) zu vertreten, nicht auf Verständigung, sondern auf Konfrontation bis hin zur physischen Behinderung oder gar Auslöschung zu setzen, dürfte eine der Geiseln sein, mit denen wir uns auseinanderzusetzen haben. Religionen und Idiologien neigen zu einer solchen Betrachtungsweise und versuchen, den Erkenntnishorizont entsprechend einzuschränken. Weil „A“ ist, muss auch „B“ sein. Es gibt prinzipiell etwas Höheres oder besser: jemanden Höheren, der die bessere Erkenntnisfähigkeit hat oder hatte. Einen meist väterlichen Durchblicker (wieso muss der eigentlich immer männlich sein?). Für die nicht immer logische Verknüpfung von A und B sorgt dieser Hierarch/Guru/Durchblicker/Befehlshaber an der Spitze eines solchen Erkenntnisprozesses. Er teilt dem Einzelnen durch seine Offenbarung eine absolute Wahrheit mit, die dann unbedingt zu befolgen ist. Ein solches Weltbild verschafft Komplexitätsreduktion, indem es dem Einzelnen klare Ansichten und angeordnete Handlungskonsequenzen gibt. Indem es die Welt in Gut und Böse einteilt. Es hat zudem viele totalitäre Züge.

Eine solche Betrachtungsweise teilen wir grundsätzlich nicht. Behutsame Annäherung und freundlich gesinnter Austausch dürften schon eher unserer Methode ähneln. Zuhören, aufeinander eingehen, Kompromisse schließen, dort, wo sie nötig und möglich sind, wären adäquate Vorgehensweisen.     

Dienstag, 19. Mai 2015

Alltägliche Identität

Ich dachte, wenn Du jetzt am Aufzug stehst, würde ich Dich erkennen: ich kenne bisher ja nur diesen wohlkontrollierten Ausschnitt von Dir, den Du der Öffentlichkeit zuwendest. Und das ist okay. Das ist genau die Situation, die ich auch hier ein bisschen gesucht habe. Das Motiv des Doppelgängers ist ja in der Romantik sehr beliebt: das Erschrecken darüber bei Jean Paul ist evident. Ein typischer Schauerroman. Wer ist diese Person? Doppelgänger ihrer selbst? Heute gibt es Doppelgängeragenturen, der Gag ist das daran Wichtigste. Dass Prominente nicht einmalig sein können, scheint sensationell. Dabei sind sie manchmal geradezu Ausbund der Stanze: das, was der einfache Mensch will.

Sonntag, 17. Mai 2015

Fußballweisheiten

Es treten jetzt gegen Ende der Saison wieder plötzlich schlaue Menschen auf, die uns abseits des Abstiegskampfes den gegenwärtigen Fußball neu erklären wollen. Aber da gibt es auch so manchen, der inzwischen die Identifikation mit einem Verein albern findet, weil das alles Wirtschaftsunternehmen geworden sind, die nur ein Spiegel ihrer finanziellen Kraft sind und dabei voll im Einklang mit ihren agierenden „Profis“ sind. Deren Credo: Wer am meisten bezahlt, für den spiele ich. Wo ist da die Identifikation mit einem Verein? Und ist es nicht so, dass gerade in der Bundesliga die prosperierenden Vereine entweder Fimenmannschaften mit der entsprechenden finanziellen Ausstattung sind oder Vereine, die Mäzene mehr oder weniger für sich gekauft haben? Oder (international gesehen) neureiche Vereinigungen von Subventionsabräumern? Ist der FC Bayern hierzulande da eine Ausnahme? Nun ja, es gibt wohl dort, so hört man es läuten, relativ großzügige Sponsorenverträge mit der deutschen Industrie, die über die Jahre eine beeindruckende Unabhängigkeit von finanziellen Zwängen geschaffen haben. Der Verzahnungen mögen da viele sein. Ist ja auch eine Leistung und keineswegs verboten. Mönchengladbach? Ja, kann schon sein..... 
In der Folge gab und gibt es keine kantigen markanten Gestalten mehr, die das Geldverdienen in den Augen ihrer Fans irgendwo noch verdient haben, sondern scheinbar begabte Milchbubis unter Kopfhörern, die früh gefördert und zu Hochbegabten erklärt nun den „Markt“ der fußballerischen Identifikationsträger dominieren und viele viele Millionen „wert“ sind.
Leistung? Ist ihnen angeboren. Born to win. Und wenn sie mal nicht siegen? Dann ist das eine gegenwärtige Formschwäche, eine zu große Erwartungshaltung, die Unerfahrenheit der Jugend und oder sind andere Indispositionen schuld. Doch die „Fans“ scheinen sich zunehmend mit solchen „Figuren“ zu identifizieren, die Massen streben an die Kassen und lassen die Umsätze der Einnahmeverantwortlichen und Vereins-Vorstandvorsitzenden steigen. 
Im Fernsehen gibt es sodann Diskussionen mit allerlei Wichtigtuern, die sich einen lukrativen Erwerb aus ihrem von "Expertentum" gespeisten schönrednerischen Geschwätz machen. Journalisten überhöhen und blasen das ganze Getue auf, weil es finanziell ja so ungeheuer viel bewegt und weil der Fußball so wichtig ist. Sie stützen ideell. Trainer werden fast schon genauso wie die Spieler zu Halbgöttern: Hire and fire! Soll heißen: Sieh mal her, der hat's auch schwer! Nun ja, die Abfindungen machen wohl den Unterschied zu den "Fans"! Aber noch immer verkaufen sich die Vereine unter Wert, so deren Bosse. Es müssen mehr Fernseheinnahmen her, die Engländer machen's vor. Mal sehen, was kommt und was geht.  

Samstag, 16. Mai 2015

Im Wasser-Ego

In einen blauen Pool, ein Bassin, ein Becken, eine Bucht (in eine wie auch immer geschaffene Begrenzung) mit Wasser springen und sich dem Gefühl aussetzen, wenn du die Augen zumachst und sich das Wasser über dir schließt. Das Gold der Sonnenstrahlen auf dem Wasser, in es hineintauchen. Das Nass, - kann jetzt aber auch etwas anderes sein: Du schwitzst, es ist sind Schweißperlen.... es kommt aus dir selbst. Du bist zu 70 % Wasser, du bist das selbst, es ist in dir, du bist in dir....... 

Freitag, 15. Mai 2015

Kleiner schwarzer Rüde

Beim kleinen schwarzen Hundemann habe ich gelernt: ein „Sich-schicken“ in die eigene (Gattungs-) Existenz und dabei doch die Autonomie mit Würde wahren. Er hatte allerlei Eigenheiten und es war im Alltag für sein Frauchen nicht immer leicht mit ihm, er war oft halsstarrig, - aber er wahrte seine natürliche Autonomie auch damit. Man konnte das von außen viel besser verstehen, als im Alltag, wo er beim "Gassi gehen" manchmal ein sonderbares Verhalten entwickelte. Aber es verdiente Respekt. Aus sich heraus. Ganz selten wurde ihm auch mal etwas mit Gewalt klar gemacht. Er begriff es schließlich leicht, er fügte es in sein Verhaltensprogramm ein, was meist zu seinem Schutz war (z.b. an und auf der Straße). Er hatte aber immer eine gewisse Distanz zu anderen Tieren oder Menschen, war nie ein besonders anhänglicher Schoßhund. Er musste etwas für sich selbst akzeptieren, ehe er es tat.
Er war auch nie ein „richtiger“ Hund, der in der Natur länger als zwei Tage überleben würde. Kein tüchtiger „Naturbursche“, kein Survivor. Gleichwohl hat er es in seiner Jugend sehr genossen, zu rennen, was das Zeug hielt. Beispielsweise schien ihm die Bewegung an sich zu gefallen, es war ihm ein Vergnügen, sich darin zu erfahren. Er konnte dabei geradezu lustige Haken schlagen. Auch war er viel zu stolz, um jemals etwas mit Freude zu apportieren. Apportieren, das war nicht sein Ding. Es war ihm völlig fremd und sinnlos für ihn. Es war ihm alles alles alles zugestanden, wir wollten seine Hundeseele besser verstehen, auch wenn sie über sich manchmal hinaus zu gehen schien (..und gerade dann auch). Ich wollte von ihm lernen, ich war offen für ihn und er gab es alles mit großer Freude.

Der kleine schwarze Hund war in seiner Jugend viel zu vertrauensselig und freundlich. Er hatte den schutzlos neugierigen (Welpen-) Blick in die Welt. Er sprang alle großen Hunde fröhlich und arglos an, nur um sich anschließend dafür verdreschen lassen zu müssen. Aber dieses Hierarchiegetue passte damals nicht in seine Welt (später auch nicht, er „verstand“ das nur besser, versuchte, kundiger damit umzugehen...). Er wollte den natürlichen „Spass“ in diesem Moment, etwas anderes kam ihm in diesem Moment nicht in den Sinn. Natürlich wollen die gestanden Großen, die „Masterhunde“ so etwas nicht. Wir Menschen sahen solche Schwierigkeiten oft kommen und versuchten, dem gegenzusteuern. Aber es kam dann auch oft, wie es kommen musste. Bei einer dieser „Gelegenheiten“ hatte er sich wohl das Rückgrat verletzt, was ihn fortan bis zu seinem Lebensende plagte. Aber auch dies versuchte er in sein Dasein zu integrieren. Er entwickelte sich darin langsam vorwärts, indem er immer mehr versuchte, nicht nur das Beste draus zu machen, sondern es auch mit seinen „Hundemitteln“ für sich zu erfassen. Er war ein kluger Hund und wer in seine Augen blickte, war seltsam berührt danach. Da war etwas! Bloß: waas war das? Er war kein Hund, der auf Dominanz aus war (wie man es allen Hunden immer nachsagt). Aber eines Tages fand er sich in der Rolle, ein Rudel führen zu sollen. Ein sehr viel schönerer und größerer Hund wurde sein Gefolgsmann, später auch noch ein Junior. Eine Zeit lang waren sie zu dritt. Es verließen sich alle hauptsächlich mental auf ihn (die Hunde sowieso, aber auch Menschen...). Mental war er nämlich ungeheuer stark, war einer, der mutig auch Schmerzen aushielt und ohne Aufdringlichkeit ein Vorbild war. 

Mittwoch, 13. Mai 2015

Wahrnehmungsweisen

Wir stellen uns die Welt durch die Augen von Tieren vor und verwechseln das leider mit unserer eigenen Sicht. Wir projezieren mehr, als dass wir uns in Tiere hineinversetzen (was ja dann auch ein gängiges "Gegenargument" gegen jede Form der Liebe zum Tier abgibt). Raum und Zeit können ja durchaus verschieden erlebt werden, allein schon das Sehen von Farben bleibt bei manchen Tieren unter unseren Möglichkeiten oder geht teilweise weit darüber hinaus. Es gibt keine einheitliche Welt, die auch alle Lebewesen umfasst. Dies ist ja wohl eine Vermenschlichung und menschliche Anmaßung. Insekten leben durchaus in einer ganz anderen Welt als wir und – es ist doch dieselbe. Wir machen uns zudem unsere Umwelt zunutze, wir legen sie unseren Bedürfnissen zurecht. Ein Wald mag da für ein Insekt etwas ganz anderes als für den Förster sein. Es ist eine andere Lebenswelt für dieses Wesen, das es mit anderen Sinnesorganen aufnimmt als wir. Da sind Augen, Düfte, Geräusche gegebene Welten, die so etwas wie einen „Kanal der Wahrnehmung“ bilden, durch den sich ein und dieselbe Welt jeweils anders abbildet. Kompliziert? Wie funktionieren Filter? Genau so. Filter können wir uns vorstellen. Sie engen das Blickfeld ein oder blenden bestimmte Aspekte auf. Und was sind in der Folge die Möglichkeiten, um auf die empfangenen Eindrücke zu reagieren. Das hängt wohl auch von unseren Gegebenheiten ab, von unseren Voraussetzungen, Umwelt für unsere Bedürfnisse zu „verarbeiten“. Kopulieren, fressen und gefressen werden, - die Evolution stellt uns vor diese Aufgabe, die wir aber je nach Spezies durchaus verschieden zu bewältigen versuchen. Unterschied: wir haben unseren Verstand, unseren Grad der Bewusstheit (wer sagt denn, dass es außerhalb unserer jetzigen Wahrnehmung einen viel höheren Grad der Wahrnehmung gibt?), unsere „Verantwortung“ für das, was wir tun. Oder nicht? Die Wissenschaftler und diejenigen, die es von Beruf aus wissen müssten, sind sich da nicht immer so sicher. Manche behaupten, dass wir eine Funktion unserer Gene, unserer Hirnwindungen oder unser Umwelt und ihrer Determinationen seinen. Um ihre Thesen griffiger zu machen, bleiben diese „Wissenschaftler“ meist ganz einseitig bei ihrer Betrachtungsweise. 
Wie in manch anderen Filmen, so wird übrigens auch im Streifen "Katzenmenschen" aus dem Jahr 1982 mit Nastassja Kinski und Malcolm McDowell mit diesem Effekt gespielt. Zur Filmmusik von David Bowie und Giorgio Moroder wird unter der Regie von Paul Schrader hier mit einer subjektiven Kamera mit der Wahrnehmungsweise von Katzen gespielt, d.h. die Kamera versetzt sich spielerisch einige mal hinein in eine "katzenhafte" Welt und deren Wahrnehmung. Auf nahezu spirituelle und mystische  Weise, die in diesem Falle natürlich auch ihre kommerzielle Absicht verfolgt, teilt sich dem Zuschauer für eine begrenzte Zeit eine andere Welt mit, zumindest streift er sie gelegentlich und wird dadurch von einer Art wonnigem Horror-Schauder ergriffen.  

Dienstag, 12. Mai 2015

Tonangeber

Schmiert sich die noble Geste an den Maßanzug
Verdeutlicht mit wichtigem Gesicht und Gel im Haar
Das vorgegebene Ziel, die Wertewerte
Gibt Parolen aus und Orientierung im Weltenwandel der Unübersichtlichkeit
Flippt am Chart und mit den Rolling Stones
Dem steht das zu, der ist qua Funktion und Amt und falschem Verdienst gebenedeit, - der ist edel
Der hat keine Zeit, der hat unter Zeitdruck ein bisschen geschummelt: ihm steht’s zu!

Kuschel- und Puschelmikro
Amen