Reise durch Wirklichkeiten

Freitag, 31. Januar 2025

Vorbildrolle

Es gab in der Rockmusik früher oft fein ziselierte Klänge/Klangebilde und lyrische Zeilen, die man auch für „romantisch“ hätte halten können. Der romantische Künstler scheint dabei in vielerlei Hinsicht das „Role Model“ dafür abgegeben zu haben. Betonung der Individualität, Befreiung der Bedürfnisse, Kritik an der Konsumgesellschaft und dem, was als „normal“ verkauft wird, Spießertum, Kleingeisterei u.ä. Bei genauerem Hinsehen war dieser romantische „Effekt“ jedoch allzu oft beabsichtigt und sollte auf der Ebene dahinter oft genug dem Zweck der Umsatzsteigerung dienen. Dass die Künstler oft selbst empfindsame Geister waren, wurde da gerne in den Dienst genommen, weil die „Fans“ ja an solche Haltungen und Gegebenheiten von Künstlern glaubten. Sie wurden oft genug (und manchmal auch zu Recht) als hochsensible Geister angesehen, die einem brutalen Materialismus ausgeliefert waren. Blöd nur, dass es nicht wenige „Künstler“ auf diesem Terrain gab, die sich in den von der Gesellschaft propagierten Reichtum, in Villen, Schlösser und Nobelkarossen flüchteten. Unbemerkt waren sie auf diese Weise in die Fänge der brutal materialistischen Kräfte der Gesellschaft geraten. Im Nachhinein wurde dies mit allerlei Rechtfertigungsstrategien versehen: kreative Geister von solchem Format sei so etwas nachgesehen und es ginge ja überhaupt um das Ringen um Anerkennung, um sozialen Status, der dadurch zu erreichen war. Es ging um Mimikry, um subversives Verhalten, um ein Einschleichen in soziale Rollen, - letztlich um so etwas wie den „Marsch durch die Institutionen“. Die dabei auftretende Deformation des Bewusstseins, die Korruption durch das „große Geld“, all dies wurde schulterzuckend zur Kenntnis genommen. x x In the past, rock music often featured finely chiseled sounds/soundscapes and lyrical lines that could have been considered "romantic". The romantic artist seems to have been the role model for this in many ways. Emphasis on individuality, liberation of needs, criticism of consumer society and what is sold as "normal", philistinism, narrow-mindedness, etc. On closer inspection, however, this romantic "effect" was all too often intentional and, on a deeper level, was often intended to increase sales. The fact that the artists themselves were often sensitive souls was gladly put to use, because the "fans" believed in such attitudes and circumstances of artists. They were often (and sometimes rightly) seen as highly sensitive souls who were at the mercy of brutal materialism. The only problem was that there were quite a few "artists" in this area who sought refuge in the wealth propagated by society, in villas, castles and luxury cars. In this way, they had fallen into the clutches of the brutally materialistic forces of society without noticing. In retrospect, this was accompanied by all sorts of justification strategies: creative minds of this caliber were to be forgiven for such behavior and it was all about the struggle for recognition and the social status that could be achieved through it. It was about mimicry, about subversive behavior, about insinuating oneself into social roles - ultimately about something like the "march through the institutions". The resulting deformation of consciousness, the corruption by "big money", all of this was acknowledged with a shrug of the shoulders.

Donnerstag, 30. Januar 2025

Menschen, Seelen

Wie die Leute miteinander umgehen: Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Das Vermögen des reichten Prozents der Bevölkerung in den G20-Ländern sei in den vergangenen beiden Jahrzehnten um fast 150 Prozent auf 68,7 Billionen US-Dollar gestiegen. Das reichste Prozent in den G 20-Ländern besitzt demnach 31 Prozent des gesamten Vermögens. Die ärmere Hälfte der Bevölkerung hingegen lediglich fünf Prozent. Diese Zahlen verbreitet die Organisation Oxfam. Wenn die Zahlen auch nur annähernd stimmen, so scheint mir das ein nicht angemessener Tatbestand für eine moderne entwickelte Gesellschaft zu sein. Dass solche Verhältnisse Demokratie zerstören, ist ganz direkt an den aktuellen politischen Entwicklungen abzulesen. Es werden auch Thinktanks beschäftigt, die neoliberale Glaubenssätze duplizieren, die das Existierende konservativ befestigen und höchste wissenschaftliche Weihen dafür kassieren. Dass die Vermögenden sich gegenseitig auf tausend Arten gegenseitig bestätigen und die Macht des Faktischen auf ihrer Seite haben, ist ja offensichtlich. Dass aber „arme“ Menschen auch Seelen haben, die nicht nur ausgebeutet werden müssen, dass es schlicht Menschen sind, die da in ausbeuterischer Weise bearbeitet werden, scheint nicht mehr Common Sense unter ihnen zu sein. Politiker, als öffentliche Figuren des Machtmanagments, scheinen in dieser Hinsicht voraus zu gehen. Man muss womöglich umfassend überlegen, welche Formen des Widerstands dagegen angemessen sein könnten.

Mittwoch, 29. Januar 2025

Identität suchen

Es gilt wohl, ganz im Augenblick zu leben, aber auch gleichzeitig „integrativ“ zu leben: d.h. die Vergangenheit immer wieder herein holen ins eigene Leben, zu einem einzigen zu verschmelzen, das man sich neu (!) erschließt und das (ein Bewusstsein dafür entwickelt, geworden und durch die Verhältnisse, durch die Vergangenheit geformt zu sein...., sich dafür interessieren und es neu für sich erschließen... durch eine veränderte Perspektive es „hereinholen“...) geworden ist. Ein kompletterer Mensch werden. Die Selbstreferenz (unter anderem Besuche an den Orten der Vergangenheit, - aber auch in Tagebuchstudien) ist für mich ein Beleg und Antrieb dafür, mich selbst zu suchen..... Ich „verwende“ dazu Bruch- und Fundstücke, um Unverbundenes zusammenzusetzen, es als Teil eines Selbst begreifen..... eine Linie des Insgesamt finden..... in meiner Person. Es gilt, sie sich mir bewusster zu machen, ihr durch Anregungen und emotionale Antriebe näher zu kommen, dort, wo sie, diese Person, „durch die Zeit geschlittert“ ist...... ich will einen höheren Grad an Identität gewinnen. Auch ein Bewusstsein für das kollektive Moment ist wohl dabei zu gewinnen. Neu begreifen: Das Geworfensein in Rollen, in soziale Muster, in räumliche und andere Determinationen, in die Zeit und ihre eigenen Begriffsmuster. Meine Perspektive als „geworden“ begreifen. Begreifen, dass man Einflüssen ausgesetzt war. Seine eigene Historie berühren. Vergangenheit besser „bewältigen“. X x It is important to live completely in the moment, but also to live "integratively" at the same time: that is, to bring the past back into one's own life again and again, to merge it into a single thing that one can discover anew (!) and that has become (to develop an awareness of it, to have become and been shaped by the circumstances, by the past..., to be interested in it and to discover it anew for oneself... to "bring it back in" through a changed perspective...). For me, self-reference (including visits to places from the past, but also in diary studies) is evidence and motivation for searching for myself..... I "use" fragments and found pieces to put together unconnected things, to understand them as part of a self..... to find a line of the whole..... in my person. It is important to make her more aware of me, to get closer to her through suggestions and emotional drives, where she, this person, "slipped through time".... I want to gain a higher degree of identity. An awareness of the collective moment can also be gained in the process. A new understanding: being thrown into roles, into social patterns, into spatial and other determinations, into time and its own conceptual patterns. Understanding my perspective as having "become". Understanding that one has been exposed to influences. Touching one's own history. Better "coming to terms with" the past.

Dienstag, 28. Januar 2025

Auf dem Weg ins Nichts (Lyrik)

Du tippst das Nichts an gehst mit ihm um fühlst dich ihm fern und nah Du erschrickst und weißt nicht weißt, dass Du nichts weißt und bist darüber nicht erfreut es greift dich herb an und du kommst ihm näher im Vergehen liegt die Welt Du kennst all diese Sprüche Vermutungen, Meinungen Weißes Rauschen allüberall Du schreibst Worte die es nicht umfassen Du gebierst Bilder die es nicht treffen Du findest Vergleiche die nicht stimmen Ich stecke den Finger ins Dasein und es riecht nach Nichts Nichts ist mehr sicher, kein Gesang, kein gar nichts, es ist alles nur noch - „Rauschen”. (Buranmann)

Montag, 27. Januar 2025

Zwischenwelten

Dave ist weg. Von der Durchlässigkeit der Wirklichkeit hatte er es öfter. Davon, dass es verschiedene Ebenen gibt. Dass Traum und Vorstellung, Sichtbares und Unsichtbares, Zufälle und Einfälle, die Wirklichkeit und das Nichts, das Kalkulierte Rationale und das aus dem Augenblick heraus improvisierte Irrationale eine große Rolle spielen. Verschiedene Welten halt. Perspektiven. Sogar eine Annäherung an die Quantentheorie hat es bei ihm gegeben: Etwas kann bei ihm an zwei Orten gleichzeitig sein, eine scheinbar unwirkliche und surreale Vorstellung, die er sich formte. Die meisten Leute kennen ihn als Filmregisseur. Doch er war auch Fotograf, Musiker, Bildhauer, Maler und so manches andere. Ich ziehe die CD „Crazy Clown time“ heraus. Gleich zum ersten Titel schreibt er „The Horror and Sadness of losing someone to other dimensions“. Ich verschwand damals in diesen spooky Sounds. Es verband einen viel mit ihm, auch wenn man manch andere seiner Eigenheiten ablehnte. Ich freilich erinnere mich, wie ich „Mullholland Drive“ in mich aufnahm. „Blue Velvet“: ein Spiel mit dem Merkwürdigen, Irritierenden. Rätsel, denen ich mich erst in der Zeit danach ein bisschen annäherte. Die langsam Bedeutung gewannen. Deren Mystik sich mir besser erschloss.

Sonntag, 26. Januar 2025

Der Diether

War er ein Nihilist? War er der Vertreter eines Standes vor jetzt drohenden totalen Dystopie? Schwer zu beantworten. Jedenfalls ließ der Künstler Dieter Roth die Natur an seinem Werk mitwirken, dergestalt, dass er vieles daran dem Verfall, der Fäulnis, der Verwesung und dem Schimmel aussetzte. Nicht nur dieser Zug macht ihn in meinen Augen aktuell und verleiht seinem Werk auch heute noch eine drängende Wichtigkeit, wobei wir ohnehin Gaga, Verfall, Düsternis und übertriebene Verrücktheiten abseits der Wahlen in den USA mehr Raum einräumen sollten. Dreck und Müll waren in sein „Werk“ eingewandert und übten dort eine eigene Kraft aus: jedenfalls bin ich keinem anderen „Künstler“ begegnet, der in seinen Werken mit einer solchen Vehemenz und Konsequenz diesem Thema nachging. Kunstwerke sollten in seinen Augen so sein, wie der Mensch: alt werden und sterben. Ernährung und Verdauung sollten darin ihre ureigene Rolle spielen. In so etwas wie eine Wichtigkeit wollte er aber nicht hinein kommen, wie er als Universalkünstler nicht nur in seinen „Werken“ oft betont hat: eine elitäre Pose? Er war wohl eher ein Daseins-Spekulierer, der die Gefährdung unserer Existenz und die satirische Durchdringung der Wirklichkeit mit seinen Mitteln immer wieder heraus arbeiten wollte. Seine Umwelt nannte ihn dafür „Künstler“ und zahlte auf dem „Kunstmarkt“ hohe Beträge für seine „Werke“. Seine Wichtigkeit freilich bewies sich in unzähligen Ausstellungen, die ihm den Mantel des genialen Gestalters umlegten. Eine weitere Anekdote ist mir geblieben: so soll ihm in New York eine Professur verliehen worden sein. Seine eigenen Lehrveranstaltungen freilich hat er aber wohl nie besucht. Daraufhin soll er suspendiert worden sein. Noch eins: Seine Laufbahn als handwerklich orientierter Musiker soll er unter anderem dadurch beendet haben, dass er auf offener Bühne auf seiner Trompete herum trampelte und das Bruchstück schließlich in einem seiner „Werke“ verarbeitete. Er hatte dies Ende zu einem Happening gemacht. Aus, Schluss mit der Musik. Von da an ward er niemals mehr als Musiker auf einer Bühne gesehen. Wie es heißt.

Samstag, 25. Januar 2025

In sich - Luft?

Sich selbst finden. Achtsamkeit in sich entdecken, das klingt jetzt sehr modisch. Zeitgeistig halt. Wer wollte das nicht? Das Göttliche in uns finden. Wenn es schon keinen Gott mehr gibt! In der Ruhe und Entledigung all dieser Scheinvorstellungen. Sich kein Bild mehr davon machen, was größer als wir selbst ist. Das Paradies? Muss das sein? Was ist das Nichts? Nichts tun, was jemand anderes schaden könnte. Hohe Moral, aber es kann das Zusammenleben und das gemeinsame Suchen leichter machen. Vielleicht. Muss das alles sein? Regeln, Verbote? Es scheint etwas sehr Menschliches zu sein und einem Bedürfnis zu entsprechen, dass der Befolgung von außen kommender Vorschriften das Heil zuspricht. Auch das Paradies oder das ewige Leben. Gibt es eine Angst vor dem Tod, die als Motivation für Religionen wirken könnte? Nun ja, die Geschichte ist voll davon.... Ist Meditation das Loslassen der Welt als Befreiung?  Blöd nur, das es dazu auf dieser Welt noch andere Voraussetzungen geben muss. Die Verhältnisse, die sind leider so. Weltfremdheit wurde mir bewusst, Lächerlichkeit. "Die andere Ebene" rückt für mich dadurch immer mehr in die Ferne. Sich selbst finden? Ja, im besten Falle. Aber wann tritt der beste Fall wirklich ein? Das „Göttliche“ in mir selbst finden. Ja, es ist in mir, möglicherweise. Manche haben es den "göttlichen Funken" genannt. Aber wie kann ich ihm besser näher kommen? Mit meinen bescheidenen Möglichkeiten? Mit meinem „heißen Bemühen“ nur? Hingabe? Es stark wollen, - oder gar nichts wollen? Überhaupt erscheint es mir immer fragwürdiger, sich ein Bild vom Göttlichen zu machen und sich ihm mit irdisch geprägten Vorstellungen nähern zu wollen. Das stimmt nicht mit meinen Vorstellungen darüber überein, dass es etwas Größeres ist, etwas, was über unseren Geist hinaus geht. Welche Anmaßungen, unseren Geist und seine Möglichkeiten, ja, überhaupt den Menschen absolut zu setzen! Vielleicht gibt es ja eine Ahnung davon, was darüber hinaus geht? Nur das. Der Atheismus war für mich nicht nur deswegen auch niemals eine Lösung, ein Ziel. Für mich. X x Finding yourself. Discovering mindfulness within yourself - that sounds very fashionable now. In keeping with the spirit of the times. Who wouldn't want that? Finding the divine within us. When there is no longer a God! In peace and getting rid of all these illusions. No longer forming an image of something greater than ourselves. Paradise? Does that have to be? What is nothingness? Not doing anything that could harm someone else. High morals, but it can make living together and searching together easier. Maybe. Does that have to be all there is? Rules, prohibitions? It seems to be something very human and to correspond to a need that promises salvation by following external rules. Also paradise or eternal life. Is there a fear of death that could motivate religions? Well, history is full of it.... Is meditation letting go of the world as liberation? It's just stupid that there have to be other prerequisites in this world for that to happen. Unfortunately, the conditions are like that. I became aware of my unworldliness, ridiculousness. For me, "the other level" is becoming more and more distant. Finding yourself? Yes, in the best case scenario. But when does the best case scenario really occur? Finding the "divine" in myself. Yes, it is in me, possibly. Some have called it the "divine spark". But how can I get closer to it? With my modest possibilities? With my "ardent efforts" only? Devotion? Wanting it strongly - or wanting nothing at all? In general, it seems more and more questionable to me to form an image of the divine and to try to approach it with earthly ideas. That does not correspond with my ideas that it is something greater, something that goes beyond our minds. What presumptions to make our minds and their possibilities, and indeed people in general, absolute! Perhaps there is an inkling of what goes beyond that? Just that. Atheism was never a solution, a goal for me, and not just for that reason. For me.

Donnerstag, 23. Januar 2025

Engel

Engel sind Boten Gottes. Das habe ich schon früh gelernt. Sie überbringen uns Botschaften von einer anderen, tieferen Welt. Damals wurde mir nicht so recht klar, was das heißen sollte. Heute bin ich da näher dran. Es geht vielleicht um Schönheit und Leichtigkeit, Geborgenheit und Hoffnung. Das dringt neu in mich ein, reizt mich zur Auseinandersetzung. Ich war von der Vorstellung eines Schutzengels befangen, dessen Hand ich schon mehrfach gespürt hatte. Er hat mir zweimal das Leben gerettet. Wie setze ich mich jetzt damit auseinander? Habe ich das verdient? Gott sendet seine Engel, um seine Menschen zu schützen. Engel sind spirituelle Wegbegleiter, so lese ich.

Mittwoch, 22. Januar 2025

Schöne Neue Welt

Wie sorgt man dafür, dass alle Menschen glücklich leben können? Ganz einfach: Man schafft Krankheit, Alter und sämtliche negativen Gefühle ab. Aldous Huxley schildert in Schöne neue Welt eine solche Utopie: Technischer Fortschritt hat jegliche Schmerzen besiegt und alle Probleme scheinbar gelöst….Ein Schelm, wer da an KI denkt! Oberstes Ziel des Weltstaates ist das Glück aller Menschen….Statt dauerhafter Bindungen zwischen Mann und Frau herrscht Promiskuität, man wechselt den Partner ständig. Diese verordnete sexuelle Befriedigung hat den Liebeskummer verdrängt. Bücher, Religion und Kunst sind abgeschafft worden, weil auch sie nur eine Quelle unnötiger Gefühle waren…...„Jeder ist heutzutage glücklich.“……...Huxley schrieb Schöne neue Welt 1931 innerhalb weniger Monate nieder, während er mit seiner Familie in Südfrankreich lebte. Er verarbeitete darin Eindrücke einer Reise in die USA, die er 1926 unternommen hatte – Eindrücke aus einem Land, in dem technischer Fortschritt und Konsum eine zentrale Rolle spielten………...Der französische Romancier Michel Houellebecq irritierte die Öffentlichkeit 1998, weil in seinem Roman Elementarteilchen behauptet wird, dass die Welt, die Huxley beschreibe, haargenau jene sei, in der wir mittlerweile leben wollen.

Dienstag, 21. Januar 2025

Ego, Selbst, Welt

Was ich erfahren habe, was ich einigermaßen bedacht und wozu mir Notizen gemacht habe: Es könnte ein Ziel sein, den Dualismus mit der Welt nicht mehr so wie bisher zu leben. Daraus auszusteigen. Eine Auflösung des Egos anzustreben, Weiterentwicklung des Selbst. Doch dies mag in einer neoliberal gesinnten Welt, die auf Raffgier, Egoismus, Eigentum und Eroberung einer äußeren Welt gegründet ist, gar nicht einfach sein. Man müsste sich seine Umgebung frei wählen können, ohne Sorgnisse um bürokratische Interventionen und Übergriffe. Man müsste sich heimisch in einem anderen Sinne fühlen können. Tiefe Freude und Mitgefühl? Allumfassendes Mitgefühl als zentrale Tugend? In meiner Umgebung sind das Träume, die gerne mal als „esoterisch“ bezeichnet werden. Die weggekübelt werden, abgetan, negiert, verteufelt, die als „Abdriften“ abgetan werden. Mitgefühl für das Leid anderer Wesen? Scheint irgendwie aus dem Osten zu kommen. Hat mit Produktion und einer Welt, die man sich untertan machen soll, nichts zu tun. Mitfühlende Achtsamkeit? Ist Teil einer Welt, die es zu überwinden gilt, einer mehr oder weniger passiven Betrachtung, die sich zu den im Supermarkt angebotenen Bewusstseinswaren hin orientiert. Ob ich jetzt in eine andere Phase eingetreten bin? Sehen, Meditation und Handeln und wie sie zusammenhängen könnten. Dadurch eine bessere Welt anstreben? Ja klar, wird belächelt. Was dominiert, ist das wirtschaftliche Fortkommen, die Quartalszahlen, der Zuwachs und das Wachstum, das alles überwuchert, - auch als Vorstellung in unserem Kopf. Das Erkennen der Realität einerseits und das Mitgefühl für alle Lebewesen andererseits: Ich habe mich auf eine Etappe meiner Lebensreise gemacht, ich habe versucht, das bisher Erlebte einzuordnen in meinen Lebenspfad, habe versucht, den „roten Faden“ darin zu erkennen. Habe begriffen, dass in meiner Gesellschaft alleine schon das ein Privileg ist, das ich durchaus in einer Lage sein könnte, die so etwas nicht erlaubt, dass ich mich bevorzugt um Alltäglichkeiten der Bedrängnis kümmern müsste. Dass Krankheit und Tod mich entscheidend bremsen könnten. Mir muss es gelingen, meine gegenwärtige Existenz als Geschenk zu betrachten. Erweckung, Erlösung? Wo sind sie?

Montag, 20. Januar 2025

Pop as pop can

Man will die Rolle des Popstars besser begreifen. Dabei geht es mir nicht um „Stars“ und Promis“, wie nicht nur in den Programmen des Frühstücksfernsehens täglich vorgeführt werden, sondern um deren soziale Rolle, um eine Funktion für die Gesellschaft. Ich lerne: Diese Leute wollten schon früh um jeden Preis nach vorne (was sie natürlich nie zugeben), (landläufig „Ehrgeiz“ genannt), erfüllten teilweise die ihnen durch negatives oder positives Beispiel aus der Familie „eingeimpften“ Werthaltungen, tricksten herum, gebrauchten Personen danach nach Belieben und stellten alles in den Dienst ihrer Sache, um nach vorne zu kommen. Dazu gehört auch, dass sie ,je nach Anforderungen ihre Identität wechselten, sich fortwährend dem Volke interessant machten und den Aufmerksamkeitsfaktor kitzelten. Sie arbeiteten hart am Image, legten sich teilweise gar ein altruistisches Image zu, feilten an ihrer Herkunft aus der Gosse, womit sie eine gewisse Bodenständigkeit, eine „Credibility“ und damit einen hohen Identifikationsfaktor und eine Fähigkeit zur Empathie erwecken wollten, - und lebten doch in Saus und Braus als Verkörperung des Emporkömmlings und dessen, der es schafft, wenn er nur richtig will. Er lernt, sich an die Mechanismen des Business anzupassen und wie ein Schirm die versteckten Bedürfnisse und Träume der Leute auf sich zu ziehen, um sie stellvertretend für sie zu verkörpern und zu nutzen. Sie lernen, Medien dafür zu gebrauchen, sie für ihre persönlichen Ziele einzusetzen. Sie akzeptieren vieles, was damit verbunden ist, als „notwendiges Übel“, sie passen sich möglichst lautlos an. Wenn nicht, inszenieren sie dies als besondere Raubeinigkeit und Eigenwilligkeit, die sich andere Leute nicht leisten können, - obwohl sie es gerne würden.

Sonntag, 19. Januar 2025

In Auflösung

Diese Gesellschaft löst sich entgegen den gegenwärtigen Krisensymptomen auch hierzulande durch arbeitsteilige Prozesse und Globalisierungsbestrebungen „in der Wirtschaft“ immer mehr auf: in Untergesellschaften, in Wahrnehmungsblasen und Lebenswelten, die nichts voneinander wissen und zwischen denen Gleichgültigkeit herrscht (was nicht gerade einem wie auch immer begründeten „Zusammenhalt“ förderlich ist). Sie wird bis hinein in kleinste Interaktionen dadurch bestimmt. Jeder hat seine Funktion in der Lieferkette und wird streng nach dem Preis bemessen. Zum Beispiel „Soziales“: Der Staat soll machen und tun, dafür zahlen wir hierzulande schließlich Steuern (die immanente Drohung der „Steueroptimierung“ ist da gleich mitgedacht…). Persönliches Engagement scheint trotz der in Pandemiezeiten so vielbeschworenen „Solidarität“ verloren gegangen zu sein. Sozialstaat bedeutet, das man ein Recht auf etwas hat und nicht auf Almosen angewiesen ist. Da ist zum Beispiel die US-amerikanische Gesellschaft eine andere: es gibt da wenig soziale Bemühungen, jeder ist seines Glückes Schmied. Für Almosen sind die „Charities“ zuständig, Wohltätigkeitsveranstaltungen und Good Will-Bemühungen, die auch hierzulande durch den Rückzug des Staates aus seinen Aufgaben immer mehr einreißen werden, so, wie übrigens alles, was aus den USA kommt, bis hin zu den vielen SUVs, kopiert wird. Dass die Einnahmen aus Charity-Veranstaltungen nach Gutdünken der Initiatoren und reichen Spender ausgegeben werden sollen, ist hier immer auch mitgedacht. Alles andere wird von einem Teil der US-Bevölkerung als „Sozialismus“ abgetan. Jener Teil scheint die bisher letzten Wahlen bestimmt zu haben. Merkmal: Der Staat oder gar der „Sozialstaat“ ist streng verpönt.

Samstag, 18. Januar 2025

Absolutismus

Streit um den rechten Weg! Oberste Bestimmer des Glaubens! Ich stehe relativ fassungslos den religiösen Konflikten unserer Zeit gegenüber. Dieser Absolutheitsanspruch ist schon seltsam! Man muss nicht unbedingt an die Aufklärung und Lessings „Nathan der Weise“ denken, um es relativ vernünftig zu finden, dass jeder Mensch sich nach seinen Vorstellungen ausrichten können muss und dann sein gedeihliches Auskommen mit Andersgläubigen finden könnte. Das Wichtige wäre nur, eine gemeinsame spirituelle Basis empfinden zu können und vielleicht sogar darüber kommunizieren zu können. Diese Basis könnte besagen: 1.) Es gibt etwas Größeres als den Menschen. 2.) Es gibt etwas, was jenseits der ökonomischen „Verwertbarkeit“ liegt und dem Menschen (jedem! Auch dem „Ungläubigen“!!) eine Würde gibt. Es könnte auch gut sein, dass die Gesellschaft, in die ich mehr oder weniger per Zufall hineingeboren werde, mich auch religiös weitgehend bestimmt hat. An dieser Stelle könnte es sehr förderlich sein, sich über die eigene Religion hinaus über andere Weltansichten zu informieren, sie auch ein Stück weit an mich heran zu lassen, um so feststellen zu können, dass sie aus ihrer Warte ihre „Antworten“ auf allgemeine menschliche Fragen versuchen. Kirche jedoch, als Institution der kollektiven Religionsausübung, neigt zu hierarchischen Strukturen und einer Dogmatik, die derartig in Stein gemeißelt gar nicht ist. Sie macht ein Angebot (jeweils beruhend auf „Offenbarungen“, die aber jeweils überliefert sind...), das keinesfalls absolut gilt, auch wenn sie abseits aller Menschenrechte ihre Strukturen und die (Macht-)strukturen um sie herum dies immer wieder zu suggerieren scheinen. Wir alle sind Suchende und tragen eine Ahnung in uns. Das ist das Verbindende. Das eint uns.

Freitag, 17. Januar 2025

Ärztliche Fluchtpflicht

Es steht durchaus schon lange im Raum, dass sich Schulmedizin und ganzheitliche Medizin begegnen könnten, um gegenseitig voneinander zu profitieren. Man ist dann regelrecht erschreckt, wie wenig dies tatsächlich der Fall ist und wie sehr die jeweiligen Seiten eine Art grundsätzlich-idiologischer Frage daraus machen. Wie sehr Ignoranz und Arroganz das Feld beherrschen!!! Ob das am Studium oder Ausbildung liegt? Um den Patienten scheint es nur insofern zu gehen, als dass jede Seite Recht behalten will. Peinlich, sowas! Nur möglich, weil Ärzte immer noch einen Status als „Halbgötter in Weiß“ haben und ein Großteil von ihnen aus Deutschland in die Schweiz oder nach Österreich abgewandert ist, weil dort die Bedingungen sehr viel besser scheinen (ob dies „die Politik“ samt ihren Krankenkassen-Adlati ändern sollte?) Wie ist das möglich? Sind Ärzte Raffkes, die nur das Geld interessiert? Sie seien zum wirtschaftlichen Handeln aufgefordert, so heißt es. Ob sie dies tun, wenn sie in die Schweiz oder nach Österreich übersiedeln?

Donnerstag, 16. Januar 2025

Schein und Wirklichkeit

Wir stehen mittlerweile an der Seitenauslinie und beobachten dieses Showvolk, das uns im TV vorgeführt wird: Diese Leute bohren sich offensichtlich auf recht luxuriöse Weise durch ihren Alltag. Man glaubt den jederzeit auftauchenden Diener, der ihnen willfährig zu Diensten steht, geradezu zu ahnen. Er liegt „in der Luft“. „In the Air“. Dazu tun sie so, als würden sie Klavier spielen können und nennen es „One World: Together at home“. Die Wunder des Digitalen machen es möglich. Schon ein bisschen peinlich, wenn viele von ihnen „so tun als ob“. Dabei ist alles künstlich und virtuell. Hergestellt. In Wirklichkeit beschäftigen sie oft ganze Stäbe an dienstbaren Geistern, die auf allerlei Maschinen den Sound für sie machen, die Unterlage, auf der sie glänzen und ihre Kunden bedienen wollen. Sie tragen dann meist eine vage Idee bei, damit sie später Tantiemen abgreifen können. Wichtig ist, dass sie so tun, als seien wir alle beieinander. Irgendwie. Wir alle. Wenn auch virtuell. Große ausladende Kamine durften wir bewundern. Große Räume. Bourgoises Gediegenheits-Getue. Oder auch nicht gemachte Betten, - alles zum Zwecke der Erzeugung von Authentizität. Schmalzstullen gab es genug. Lieder, die rühren und einem nahe gehen sollen. Tanzchoreografien weniger. Großmogule des populären Lieds. Die Stones dabei. Boten Handgearbeitetes dar. „You can‘t always get, what you want“. Die alten Schrumpelgesichter der Gegenwart. Hoben sich zwangsläufig ein bisschen ab von all den glänzenden Oberflächlichkeiten und aufpolierten Fassaden der andern. Der Trick: genau das ist ihr Image! Publikumswirksam focht man dann noch einen alten Strauß mit dem Kollegen McCartney aus. Nun ja! Die großen „Events“ werden mit anderen „acts“ wie etwa Taylor Swift besetzt. Es stehen zunächst aber keine quasi-religiösen Pilgerfahrten der Gemeinsamkeit mehr an. Die großen Gassenhauer muss man sich also zunächst in leibhaftiger Darbietung verkneifen. Nun ja, für Rufe nach dem Herrn im schwarzen Smoking sind die ja sowieso wenig geeignet. Mir scheint, dass durch diese Show eine Art Distanz demonstriert wurde und das, wozu das Popgeschäft in den Jahrzehnten nach „Live Aid“ geworden ist.

Mittwoch, 15. Januar 2025

Wahlkampf

Jetzt trommeln sie wieder für den Wahlkampf, die Parteien. Komisch, dass ich mir dabei immer unterschätzt vorkomme. Aber da ist ja auch die einstige Wohlfühl-, Energie und Achtsamkeitspartei, die ich früher mal gewählt habe und die heutzutage für ganz andere Sachen und derzeit eine einzige Person trommelt. Außerdem hat sie sich meiner Meinung nach immer mehr den in der Politik vorherrschenden Machtstrukturen angepasst. Dass sie dabei wohl auch große handwerkliche Fehler gemacht hat, dass sie sich als eine Partei heraus gestellt hat, die offenbar alles besser weiß und das Gewusste dann auch noch per autoritär staatlichem Verbot herbei zerren will, das macht mich ratlos. Ich spüre, dass da Vieles gut gemeint - aber schlecht gemacht ist. Leider gibt es keine nennenswerten Alternativen, die frühere Widerborstigkeit ist längst verschwunden. Da werden meiner Meinung nach Sprüche geklopft und teure Popstar-Pullover verkauft, aber nichts von dieser flott formulierten Arglosigkeit eingelöst. Da werden passende Lobbyverbände in den gut honorierten Stand der Beratung gehoben, was von den Medien enthüllt schon mal im Debakel enden kann. Auch haben sie sich nach meinem Geschmack viel zu sehr den vorherrschenden Strukturen angepasst, wohl wissend, dass die politischen Alternativen womöglich grausam sind. Was soll eigentlich der wählen, der mit all dem nicht einverstanden ist und sich ob den Moskautreuen Parolen gewisser Parteien die Augen reibt? Kann das sein? Schämt sich da niemand? Es kommt womöglich Schlimmes auf einen zu. Am Bereich „Soziales“ soll so heftig gesägt werden zugunsten von Steuererleichterungen für Unternehmen. Die Wirtschaft muss wieder in Gang gebracht werden, basta! Dafür ist jedes Mittel recht. Da kann es kein Pardon geben, Klimawandel hin oder her. Offenbar. Ich bin befremdet.

Dienstag, 14. Januar 2025

American Dream

Ich bin mit meiner (naiven) USA-Liebe jetzt final auch noch herb enttäuscht worden. American Dream? Es war wohl der endgültige KO-Schlag, zuletzt. War auch auf dem falschen Boot, so denke ich jetzt. Vom Tellerwäscher zum Millionär. Vielleicht nicht richtig orientiert. In der Folge der jahre danach hatte ich mich zunehmend als Europäer mit allen Vor- und Nachteilen begriffen. Hatte den Unterschied erlebt, aber freundlich. Dann, als Kritiker, hatte ich wahrgenommen, dass die meisten US-„Acts“, die ich besuchen sollte, ein Produkt der Aufmerksamkeitsindustrie waren, Entertainment, Unterhaltung ohne größeren Hintergrundwert. Ein Kick, eine kurzfristige Kerze des Reizes, die aber sofort in sich zusammensacken konnte. Es wurde oft genug nahezu nichts zu mir transportiert. Außer solidem Handwerk. Gut ausgearbeitet. Inhaltlich: Das Nichts regierte. Das, was wie eine Silvesterrakete kurz aufstrebt, um dann in sich selbst zurück zu sinken. Ich fühlte mich selten berührt. Damals gab es in meinem Leben Momente des Aufbruchs. Man war in den USA auf einer ungefährdeten Fahrt in die Horizonte, arglos ging es ins Abenteuer, furchtlos inmitten wilder Tiere und natürlich heftigen Gegebenheiten und endloser Straßen entlang, mit einer nur hier erlebten Offenheit im Herzen und einem Optimismus, der so typisch für mich nicht war. Ein Gefühl beschlich einen: Man würde hier - und nur hier! - so etwas wie ein Ziel erreichen. Das in der Ferne zu liegen schien. Ausgerechnet hier, wo alles offen war. Aber man hatte Vertrauen in die Zukunft. x x My (naive) love of the USA has now been bitterly disappointed. American Dream? It was probably the final knockout blow, at last. I was on the wrong boat, I think now. From rags to riches, that was the motto I admired. Perhaps I wasn't properly oriented. In the years that followed, I increasingly saw myself as a European with all the advantages and disadvantages. I had experienced the difference, but in a friendly and open-minded way. As a critic, I had noticed that most of the US "acts" I was supposed to see were a product of the attention industry, entertainment, entertainment without any real background value. A kick, a short-term candle of excitement that could collapse immediately. Often enough, almost nothing was conveyed to me. Apart from solid craftsmanship. Well-crafted. The times of Bob Dylan or Leonard Cohen were very obviously over. In terms of content: nothingness reigned. That which briefly rises up like a New Year's Eve rocket, only to then sink back into itself. I rarely felt touched by it, I just registered it, observed it. Back then, there were moments of departure in my life. In the USA, I had been on a safe journey into the horizon, innocently heading off into the adventure, fearless in the midst of wild animals and, of course, violent conditions. Along endless roads, with an openness in my heart that I only experienced here and an optimism that was not typical for me. A feeling crept over me: here - and only here! - I would reach something like a goal. That seemed to lie in the distance. Here of all places, where everything was open. But I had faith in the future.

Montag, 13. Januar 2025

Moral, Ethik und all das

Was mir aufstößt? Besonders im Bereich der veröffentlichten Meinung erscheint mir das Wort „moralisch“ blitzschnell diskreditiert zu sein… Dass etwas ethisch vertretbar sein könnte, scheint so weit außerhalb jeglicher wirtschaftlicher Betrachtung zu sein, dass es nur abfällige Missachtung verdient und gerne mal als „Sozialromantik“ oder „Geschwätz abgetan wird. Der „Wohlstand“ ist uns heilig, so erscheint mir einer jener Glaubenssatz dieser Gesellschaft zu sein, der natürlich „alternativlos“ scheint. „Natürlich wird‘s Leute geben, die durch‘s Raster fallen“ so höre ich auch immer wieder. Im multilateralen Bereich könnte es ja wohl auch so sein, dass ein ganzer Kontinent wie Afrika schon mal „durch‘s Raster“ fällt. Ob die, die „durch‘s Raster“ fallen, immer dieselben sein müssen, kommt mir dann aber doch wie eine ethische Frage vor, die von Wirtschaftsleuten zugelassen sein müsste und dringend erörtert werden müsste. Auch der Verdacht, das mit denen, die „durch‘s Raster fallen“, auch hierzulande mal wieder die „Kleinen Leute“ wie etwa Pfleger, LKW-Fahrer und Supermarktbedienstete gemeint sein könnten, erscheint im Lichte rein wirtschaftlicher Betrachtung nicht gar so abwegig. Auch scheint mir klar zu sein, dass Europa nach der Krise zerschlagen sein wird, nachdem es sich in lauter nationale Ego-Trips hat zurück fallen lassen und mit Solidarität wohl nicht allzuviel am Hut hatte. Dass aber der „Wohlstand“ mit einer internationalen Verzahnung, besonders im Bereich der EU, zu tun hat, scheint außerhalb dieser Betrachtung zu liegen. Dass hier unter anderem alte Klischees ihre Urständ‘ feiern, mag nicht nur an der derzeit grassierenden populistischen Offensive liegen, die doch alle Rechtgläubigen der demokratischen Kultur so intensiv und gerne mit Missachtung belegen.

Sonntag, 12. Januar 2025

Was Musik sein könnte

Grundsätzlich ist für mich alle Musik eins. Die Klänge und Harmonien, von denen ich mich angezogen fühle, hängen alle auf logische Weise zusammen. Das schließt eine große stilistische Breite ein. Es war immer ganz natürlich für mich, die Dinge zu spielen versuchen, die ich als Hörer und Musiker liebe, von denen ich träume. Dazu gehören aber auch jene Songs, die ich in einem anderen Zusammenhang hörte, und die man wohl Kirchenlieder nennt. Ich glaube noch nicht einmal, dass das irgendetwas mit Geografie oder dem Ort, an dem man sich aufhält, zu tun hat.

Samstag, 11. Januar 2025

Engel der Wärme

Draußen ist es kalt. Was ist drinnen? In dir? Glauben manche Leute wirklich, du würdest Kälte ausstrahlen? Und halten dir das vor? Nun ja, so etwas kann man immer behaupten. Es könnte auch eine Art Spiel mit der Kommunikation sein. Eine Berechnung. Eine Provokation. Wer bist du? Wo bist du? Bist das wirklich du? Musst du dir das von anderen erklären lassen? Ja ja, der Mensch ist ein soziales Wesen. Also gilt auch das, was du als Wirkung ausübst. Ich rede nicht gerne über ihn. Aber mein Engel sorgt gelegentlich für etwas anderes. Er führt mich mit Personen zusammen, in deren Nähe ich mich wärmen kann, wenn es mich besonders friert. Da ist dann kein kalter Blick, dem man ausgesetzt sein könnte. Kein Misstrauen. Eher so etwas wie „Geborgenheit“. Wohlwollen. Freundlichkeit. Aber wie steht es darum, anderen Menschen Wärme geben zu können? Nähe? Ach was! Nicht die Klischees! Die Programme. Die Erwartungen. Die Rollen. Sondern von Mensch zu Mensch? Direkt? Brennt in einem ein göttliches Feuer, an dem wir uns wärmen könnten? Ego – Sozial. Es gilt, heraus zu finden.

Freitag, 10. Januar 2025

Album, Länge? Intensität? Individuum? Künstlertum?

Wenn ich mir altem Speckkopf so zusehe, dann muss ich feststellen, dass ich ganz gegen die Gewohnheiten der „heutigen“ Hörer meist ganze Alben durchhöre – oder zumindest mehrere Titel lang einem Künstler auf diesem Wege zuhöre. Mir kommt es so vor – sei es Zufall oder nicht, seien es Gewohnheiten oder ein von „oben“ gegebenes Maß – dass das Album eine ganz gute Länge hat, um einen aktuellen „Zustand“ zu dokumentieren. Außerdem bricht sich Kreativität in diesem Falle an mehreren Formen, zeigt, in welche „Gewänder“ und Ausdrucksformen sie schlüpfen kann. Auch die Organisation von Klängen und Spielformen (gemeinhin: das Arrangement) sagt doch etwas über eine künstlerische Bemühung aus. Wobei wir schon beim nächsten Punkt wären: einem „Kennenlernen“ des Künstlers und seiner Eigenarten, die an mehreren Stücken auch deutlich besser möglich ist als an einem einzigen Stück, das mir vielleicht zur eigenen Belustigung dienen kann, mit dem jeweiligen Künstler aber nicht erschöpfend viel zu tun hat. So hat mir zum Beispiel der Künstler Pat Metheny (ein besonders populärer Musiker der „Jazzszene“) immer gefallen und es wuchs zunehmend der Wusch in mir, seine Entwicklung nachzuverfolgen. Es fehlten mir aber auch Passagen aus der Vergangenheit, die ich nach und nach mit dem Anschaffen früherer Alben ausglich. Und, was soll ich sagen? Ich habe in einem nachhaltigen Sinne davon profitiert, glaube, des Künstlers Ausdrucksformen besser verstanden zu haben, seine Phrasierungseigenheiten, seinen Klang, - kurzum: seine musikalische Mitteilungsform.

Donnerstag, 9. Januar 2025

Prima Klima

Jetzt machen sie wieder Pläne für den Urlaub. „Jetzt buchen! Später wird`s teurer“ predigen die Medien. Jetzt was? Also: Flugreise, Bahn sackt dagegen ab, Urlaubsstress. Kreuzfahrt, Pauschalreise, Privatflieger. Wellness-Erholung, Seele baumeln lassen, - Luxusreise? Mietwagen, Urlaub, Strand…. Klima? „Jetzt nicht“. „Zu spät“, „Wir mit unserem kleinen Anteil werden das Weltklima nicht retten“ Und überhaupt: „Wachstum“? Ist jetzt nötig. Alles für die Industrie. Eine Woche Kreuzfahrt stößt 1000 kg aus, so war zu lesen. Selbst das Elektroauto soll dabei noch gut dabei sein: 2290 kg. Durchschnittlicher Ausstoß pro Jahr. Guter Wille? Wo? Freifahrtschein? ÖPNV? Deutschlandticket. Bringt es etwas, wenn ich mich einschränke? Fleisch? Herje, dazu könnte man viel sagen. Biofrüchte. Wer fragt denn, woher sie kommen und mit welchem (Wasser-) aufwand sie „produziert worden sind? Für diejenigen, die es sich leisten könnten? Muss ich jetzt Vegetarier oder Veganer werden? Aber nur noch erlesenes Bio-Fleisch zu futtern, wäre doch ein Kompromiss, oder?

Mittwoch, 8. Januar 2025

Smooth Cut (Der große Renner) (MP3)

https://buranmann.bandcamp.com/track/smooth-cut obige Adresse URL in Browser einsetzen

Dienstag, 7. Januar 2025

Wohin, ihr Alten?

Es wird über „Die Alten“ geredet. Last but not least wegen der Erhöhung der Steuern im Hinblick darauf. Es kommen dabei dabei auch einige unverblümt sozialdarwinistische Positionen zur Sprache. Mich wundert darüber hinaus, wie etwa manche junge Leute so gar keine Vorstellung „vom Alter“ haben. Als würde es sie nie und nicht betreffen. Sie fühlen sich von Vornhinein im Recht (für alles!), weil sie im ökonomischen Sinne produktiv sind und „die Gesellschaft“ es ihnen suggeriert. Sie würden „Die Alten“ am liebsten radikal wegsperren. Oder sie kontrolliert umbringen. Leider hat eine solche Denkweise schon sehr lange Zeit Auswirkungen auf unsere Politik. Das allgemeine Verhältnis zum Tod, das sich an vielen Dingen und Mechanismen illustrieren ließe, zeigt dies überdeutlich. Auch die Gesundheitspolitik, die teilweise von älteren Männern gemacht wurde, scheint mir dies zu veranschaulichen, trotz aller Pflegeversicherungen und der allzu oft gehörten und total abgegriffenen Floskeln „Wer soll das bezahlen?….wir müssen auch an die….und den…..“ denken. Die Einsparpolitik vergangener Tage scheint mir der Wegsperrpolitik unserer Tage zu entsprechen. Scheinbarer „Effizienz“ scheint mir jegliche Empathie und jegliches Bewusstsein vom Menschsein geopfert zu werden. Der durch verfehlte Gesundheitspolitik bedingte und auch jetzt immer noch herrschende Mangel an Personal und Material macht mich wütend. Ob die jetzige Lohnerhöhungen daran was ändern würden? „In den Ofen stecken“ scheint die Politik zukünftiger Tage im Umgang mit „unproduktiven“ alten Menschen. Radikale Umsetzung des Ökonomischen. Jaja, klar müssen wir an die Wirtschaft denken. Gerade jetzt. Wieder. Der Niedergang hat ja gravierende Auswirkungen: Nur, wer arbeitet, hat eine Daseinsberechtigung, so das unausgesprochene Credo. Wobei der Begriff „Arbeit“ auch neu überdacht werden müsste. Und der Begriff „Wachstum“, von dem jetzt eine ganze Gesellschaft lebt. Ob es zumindest verschiedene Begriffe von „Wachstum“ gibt? Und ob der von der Politik oft gebrauchte Begriff des „nachhaltigen Wachstums“ etwas von einer Beruhigungspille hat?

Montag, 6. Januar 2025

Werte im Wandel

Wir bewegen uns in einem Aufmerksamkeitsmarkt. Jeder will originell sein, nicht zu der Masse gehören, individuell und besonders sein, will durch seinen eigenen Wert auffallen, sich absetzen von den Anderen. Dazu designt er seine Umgebung mit Lifestyle, exklusiver Nahrungsaufnahme, mit Marken, Authentizität, Haus, Wohnung, Events, Projekte in einer Objektewelt, die individuell aufgeladen ist. Regionale Communitys (Schotten, Katalanen, Schwaben usw….) plus Weltanschauungsgemeinschaften (z.b. „Woke sein“, „Querdenker“, „Veganer“,) spielen da mit. Es geht bei allem um Identität und Identitätsstiftung. Es geht gegen die globale Standardisierung. Es herrscht eine Verherrlichung des scheinbar Einzigartigen. Die industrielle Moderne wandelt sich in eine Gesellschaft des Besonderen, des Einzigartigen, des Herausstechenden. Etwa in den 70/80er Jahre fand der vorbereitende Wandel statt. Unmerklich für die Masse der Menschen. Es bedeutete das auch das Ende einer Industriegesellschaft, in der Leistung der herausragende Wert war. Die jetzige Warenwelt in der Spätmoderne sollte möglichst nichts Austauschbares mehr produzieren (und tut es doch in ungeheurem und wachsenden Ausmaß). Emotionale Erfüllung ist jetzt versprochen. Es geht um Differenz, Selbstverwirklichung, um ein sich Herausheben aus der Masse, etwa um besondere Orte (meist möglichst weit weg…) als Funktion in der Tourismusindustrie. Insgesamt herrscht zunehmend eine Kultur der Selbstoptimierung. In diesem Zusammenhang war mal ziemlich heftig von „Wertewandel“ die Rede. Der Markt für industrielle Güter schien weitgehend erschöpft. Dadurch wurde die Grundlage geschaffen, dass ein „kultureller Kapitalismus“ entsteht. Aus einigermaßen egalitärer Gesellschaft heraus kam es zum Entstehen einer neuen Mittelklasse (z.b. auch neue Akademiker, Wissensökonomie, Technokraten), die Träger eines neuen Wertewandels war (oder zumindest sich selbst so begreift) und sich heute in dem abbildet, was sich der Wertehaltung des „Woken“ befleißigt. Der gesellschaftliche Wandel brachte auch eine neue prekäre Klasse hervor, die auch – was im öffentlichen Bewusstsein keine große Rolle spielt und sich besonders in der Corona-Krise erwiesen hat - für „systemrelevante“ Berufe steht. X x We are moving in a market of attention. Everyone wants to be original, not to belong to the masses, to be individual and special, to stand out through their own value, to set themselves apart from the others. To do this, they design their environment with lifestyle, exclusive food, brands, authenticity, houses, apartments, events, projects in a world of objects that is individually charged. Regional communities (Scots, Catalans, Swabians, etc.) plus ideological communities (e.g. "woke", "lateral thinkers", "vegans") play a part in this. It is all about identity and the creation of identity. It is against global standardization. There is a glorification of the apparently unique. Industrial modernity is changing into a society of the special, the unique, the outstanding. The preparatory change took place in the 70s and 80s. Unnoticeable for the masses of people. It also meant the end of an industrial society in which performance was the outstanding value. The current world of goods in late modernity should, if possible, no longer produce anything interchangeable (and yet it does so on an enormous and growing scale). Emotional fulfillment is now promised. It is about difference, self-realization, about standing out from the crowd, for example about special places (usually as far away as possible...) as a function in the tourism industry. Overall, a culture of self-optimization is increasingly prevalent. In this context, there was once quite a lot of talk about a "change in values". The market for industrial goods seemed to be largely exhausted. This laid the foundation for the emergence of a "cultural capitalism". From a somewhat egalitarian society, a new middle class emerged (e.g. also new academics, knowledge economy, technocrats), which was the bearer of a new change in values (or at least sees itself as such) and is today reflected in what is committed to the values of the "woke". Social change has also brought about a new precarious class, which also represents “system-relevant” professions – something that does not play a major role in public consciousness and has become particularly evident in the Corona crisis.

Sonntag, 5. Januar 2025

Aus elysischen Feldern

Dass die Sängerin Jennifer Charles eine laszive Stimme habe, fällt wohl jedem ein. Stimmt auch. Unwillkürlich zieht sie jeden hinein, diese Stimme, in Richtung auf ein Geheimnis, von dem aus der Strom des Unbewussten über die Felder Elysiums auf uns zuläuft. Haucht sie da eine Ahnung von der Insel der Seligen? Ob die Botschaft in diesem unglaublichen Timbre liegt? Vielleicht kann ja dunkle Erotik und Bedeutung im Gesang zusammenfallen. Paradies und seine Auslöschung, Großstadt und Fantasie. Die Stimme gehört zur New Yorker Band Elysian Fields, deren Kern sie zusammen mit dem Gitarristen und Songschreiber Oren Bloedow sowie einem Kreis von weiteren wechselnden Musikern über nun fünf Alben hinweg gebildet hat. Eine meiner Elysian Fields-CDs heißt „The Afterlife“ und ist wieder so etwas ein Wunderwerk. Musikalisch in keine Schublade passend, gleiten ihre dunkel gefärbten Songs mit Gitarren und Piano oft über scheinbar klare und sehr einfallsreiche Liedstrukturen hinweg in gebrochene Akkorde, um sich dort mit genau arrangierten Streichern, Bläsertupfern und seltsamen Einsprengseln aller Art zu verbünden. Ein Album wie ein Traum. New York Avantgarde. Umgekehrter Jazz. Zurückhaltend und sehr dosiert. Sophisticated würden Amerikaner so etwas nennen. Da ist viel umgebogene Traurigkeit und ein düsterer Abgrund. Nacht und Dämmerung. Fabelhaft.

Samstag, 4. Januar 2025

Parlamentarische Mitbestimmung

Es scheinen sich tiefe Gräben zwischen denen aufzutun, die sich außerhalb der Regeln dieses Staates Deutschland ansiedeln, und denen, die sich parlamentarisch staatstragend geben und immer wieder beteuern, dass sie demokratisch legitimiert, weil gewählt, seien. Dass oft nichts und niemandem mehr geglaubt wird, hat sich der Bundestag als Parlament wohl auch selbst zuzuschreiben, bearbeitete man die jeweiligen Zielgruppen mit PR-Sprüchen und zog sich Beratungsdienste an Land, deren Finanzierung längst völlig aus dem Ruder gelaufen scheint. Abgeordnete, die beharrlich an ihrem Smartphone hantieren, oder gewisse Personen mit guten Beziehungen geben die Lobbyisten, die Einfluss auf höchste Spitzen des Staates zu haben scheinen. Gerade der Wirecard-Skandal scheint da einiges aufgedeckt zu haben. Zudem kommen die Verwicklungen in Cum-Cum und Cum-Ex-Geschäfte, bei denen sich die „Verantwortlichen“ an nichts erinnern können und wollen. Auch die Untersuchungsausschüsse legen offenbar einige Ungereimtheiten bloß, die aber keine weiteren Folgen zu haben scheinen Da es hier anscheinend um hunderte von Millionen/Milliarden Euros geht, die vor allem aus Steuern stammen, macht die Sache nicht besser. Die „Käseglocke Parlament“ in Berlin scheint hier einiges, für manche Leute zu viel (!), möglich zu machen. Natürlich will niemand Weimarer Verhältnisse, doch täte es einigermaßen gut, wenn sich gewisse Abgeordnete und Parteifunktionäre etwas selbstkritischer und aufgeschlossener geben würden.

Freitag, 3. Januar 2025

AMARYLLIS (Songtext)

AMARYLLIS I was calling you from a distance and you seemed to be there I was calling for a lovely friend it always had come to the same end We' re seeking and we're hiding and we dig a coloured hole you are the one that I am yearning that's the funny thing I've found in a drink Refr. Nothing surprises always it's the same again there is always the wet kind feeling the wrong challenges of dreaming I was calling you from my distance into my own kind of life but there was no deadline for beginners no mercy for this strange kind of sinners I was a part of any (the) flowing water and I could be inside the flow of life I felt near to the vision of a vision and I never felt to be on a mission I never should have told a human being what makes my real world go round everyone grows older every second we're all are sighing the same dirty sound _______________________________________ (living beyond the sidelines) (20032013)

Donnerstag, 2. Januar 2025

Alle Tage

Man legt Metheny und sich selbst auf, man liest Camus und Zeitung, man versucht, am Tagwerk zu arbeiten (Schreiben, korrigieren, Essen zubereiten, Staub saugen usw.), man versucht, sich zu sammeln, den roten Faden weiterzuspinnen, man stolpert und taumelt durch die Tage und Wochen, man telefoniert und schaut auf verschiedene Weisen nach außen, man kauft ein und hofft nachträglich, grübelt darüber, ob und wie einem das schaden könnte, man freut sich an der Sonne, weiß aber auch, welch verheerende Auswirkungen zu viel Sonne im vergangenen Jahr hatte, man freut sich über die Auszeit, die Teile der Natur jetzt haben, erinnert sich aber auch sehr genau an das Szenario der Klimakatastrophe, an die manche Kreise möglichst schnell wieder anzuschließen versuchen, man denkt daran, wie einem die kleinen Auszeiten des Lachens gut getan haben, es wird einem bewusst, wie alt man (geworden) ist und man wird genau darüber älter, man freut sich über eine bestimmte Phrasierung, eine musikalische Wendung, die das Unendliche zu berühren scheint, die Ahnung beschert und eine Verbindung schafft..., Sie verklingt, schon ist sie weg, man hat Schlimmes erlebt und wird noch viel Schlimmeres erleben, man lebt jetzt in einer Art Zwischenzeit und versucht, mit Verstorbenen Kontakt aufzunehmen (wobei man sich mit seinen „Gesprächen“ gleichzeitig selbst sonderbar findet…), im Internet die Nachricht, dass man viele unglaubliche Preise gewonnen hat und dass man sich melden soll, - der Betrug ist allzu offensichtlich.

Dienstag, 31. Dezember 2024

Dekadente Doppelmoral

Mondäne Damen beschwören in ihren TV-Sendungen korrekte Einstellungen, führen Interviews und geben für „richtiges“ Verhalten korrekte Modelle vor, preisen ein an Nachhaltigkeit und an Klimakrise angepasstes alternatives Verhalten mit Tipps und praktisch kundigen Tricks. Gleichzeitig geben sie in den sozialen Medien mit ihren Übersee-Reisen in Paradiese und finanziell gut ausgepolsterten sowie romantisch aufgeblasenen Besuchen von smarten Wellnessgegebenheiten und organisierten Abenteuern an. In Folklorismen eingehüllt geben sie ihr sanftmütiges Lächeln und die Hauptrolle in ihrem Urlaubsfilm. Sie sind einfach easy sexy schön für Männer und geben in ihrem Hochglanzprospekt - sofern sie sich etwas absetzen wollen - nicht mal damit an.

Montag, 30. Dezember 2024

Songs

Ich ertappe mich dabei, wie ich immer wieder „One“ höre, in der Version von Johnny Cash. Ob es da etwas ausmacht, dass das für mich etwas (end)Gültiges hat? Oder ob es mir nur einfach gefällt? Das Baden im schönen Weltschmerz? Kitschy? Dann auch „Bird on the wire“, Beides uralte Songs, die mich begleitet haben, die immer da waren. Ich höre die Version von Tim Hardin. Im Unterschied zu der von Leo Cohen ist sie nackt, unumwunden, niederschmetternd für das Ego. Jedenfalls tief gehend. Themen, Motive, die mich umspülten, einhüllten, Trost gaben, aufmunterten, Richtungen, Möglichkeiten zeigten. Jetzt gewinnen sie einen anderen Ernst. Ja klar, prominente Songs. Jeder ab einem bestimmten Alter kennt sie. Aber sie gewannen Persönliches für mich. Es gab einen Kokon aus Songs, Ausdrücken, emotionalen Statements, die mich – wie das „Geschäft“ sagt – berührten und immer wieder auf mich zukamen.

Sonntag, 29. Dezember 2024

Pressekonferenz

Dass PKs immer gleich verlaufen müssen: hochwohlgeborene Sprecher/Tonangeber sondern ihre Worte ab, danach gibt es Fragen von anwesendem Personal, die aber komplett unverständlich sind, weil im Raum bei diesen unbedeutenden Fragenden für die Übertragung zum unbedeutenden Publikum kein Mikro bereit steht. Also wird aus dem Raum heraus und völlig unverständlich von irgendjemandem irgendetwas gefragt, auf das gut hörbar und mit wichtiger Miene vom Mann da vorne eingegangen wird. Absurd. Grotesk.

Samstag, 28. Dezember 2024

Fernando P

Jaja, das ist nicht Deutsche Romantik! Ob es auch eine europäische Romantik gibt? Man weiß nicht. Trotzdem: Fernando Pessoa. Wer kennt ihn? Ein großartiger und längst verstorbener Schriftsteller aus Portugal, der zu Beginn des letzten Jahrhunderts Weltbürger war, aber nie groß über Lissabon hinaus kam und den ersten Stadtführer über die Stadt am Tejo verfasste. Sein Hauptwerk, das uns auch heute noch viele Impulse geben mag, ist das famose „Buch der Unruhe“, das er unter dem Namen Pessoa verfasste und das einen inneren Zustand des Ungenügens und Getriebenseins sehr poetisch in kurzen Sentenzen und Aphorismen reflektiert. Es hat auch mit jenem unablässigen Hinausgezogensein aus Lissabons Hafen zu tun hat, mit dem Fernweh, das in vieler Hinsicht mit einem starken romantischen Gefühl zu tun hat und wohl auch solche kühnen Seefahrer wie Magellan und Vasco da Gama inspiriert haben mag. Pessoa hatte mehrere Pseudonyme, unter denen er weitere literarische Werke verfasste, die alle mit einem sehr romantischen, aber in sich selbst abgepufferten Grundgefühl zu tun haben. Auch zog er dauernd innerhalb der Stadt um und verwischte damit die Spuren seiner Person, ganz im Gegensatz zum heute herrschenden Ego- und Starkult. Eine weitgehende musikalische Entsprechung fand er in der 1999 verstorbenen Fado-Sängerin Amalia Rodrigues, die tiefe Gefühle in ihrem Gesang ausdrücken konnte und wohl bis heute stilprägend auf ihrem Gebiet ist. Zerrissenheit, Depression, Schwermut und Melancholie kennzeichnet über weite Strecken ihre Musik, die oft mit dem amerikanischen Blues verglichen wurde, sich aber vollkommen anders anhört und wohl im Hafenviertel von Lissabon entstand. Im Werk der ursprünglich aus Mozambique stammenden und später nach Portugal übergesiedelten Sängerin Mariza ist so manches aus Amalia Rodrigues Liedern aufgehoben. Sie ist damit auf Tourneen auf der ganzen Welt unterwegs.

Freitag, 27. Dezember 2024

Romantische Reise

Der Mythos des Reisens, hinaus in die schöne Welt. In der Spätromantik stand Joseph Eichendorff dafür. Mir kommt es so vor, als habe sich die Szenerie seitdem radikal gewandelt: Aus dem (gewissen sozialen Ständen vorbehaltenen) „Reisen“ a la Mark Twain ist inzwischen der Massentourismus geworden, der die Menschen an die Strände von nahen und in fernen Länder spült. Ein gewisses passives und anscheinend erholsames Dahintrülen in der Sonne von einem von Einheimischen meist unter jämmerlichen Zuständen gewartetes Resort aus ist er ersehnte Zustand, der dann einen Zeitraum ausfüllen soll. Ob das etwas vollkommen anderes ist, als etwa Goethes „Italienische Reise“ oder Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“? Eichendorff bohrte sich erst später in eine enge Frömmigkeit hinein. Zunächst spekulierte er erst einmal in die Welt hinaus. Neugier oder Erkundung der Welt steht aber in der Gegenwart nicht mehr im Vordergrund: es geht vielmehr um Wiedergewinnung der Arbeitskraft (Adorno, Freizeit) in einer Art Erholung, die im Nichtstun und Heraustreten aus Funktionszusammenhängen besteht. Besonders beliebt scheinen in diesem Zusammenhang die Kreuzfahrten zu sein, die zwar eine verheerende ökologische Wirkung zu haben scheinen, was aber einem Massenpublikum weitgehend egal ist. Die Zerstörung der Welt mit offensichtlichen und einigen weniger offensichtlichen Mitteln scheint die Strategie zu sein, die vielmehr angesagt ist.

Montag, 23. Dezember 2024

Samstag, 21. Dezember 2024

Der Geist in der Verpackung

Ha ha, konkret! Es sind tausend Dinge zu tun. Ich muss zum Beispiel, wie immer, den Müll wegbringen. Diesmal habe ich selbst als Öko-Trottel sehr viel zu seiner riesigen Masse beigetragen, d.h. vieles in dem Mülleimer ging zuvor durch meine Hände. Ich sehe es, ich spüre es, es ist nicht zu leugnen. Jetzt steckt wahnsinnig viel Verpackungsmaterial in der Tonne, was mich ärgert. Muss so etwas sein? Könnte man nach allem, was man weiß, nicht eine gewisse Kreativität darauf richten, so etwas zu vermeiden? Oder dient es in erster Linie gewissen Logistik- und Profitinteressen? Wie bei so vielem, muss ich sagen: ich weiß es nicht. Was ich aber weiß: Ich werde von hinten angefressen, und zwar am Geldbeutel. Das Spiel mit der Inflation geht wohl knapp am Gangstertum vorbei und man nennt es „Freie Marktwirtschaft“. Eine heilige Kuh in Deutschland. "Wettbewerb". „Wachstum“. Da muss man mitmachen. Es nützt nichts, Dinge beim Namen zu nennen. Bewehrt und gewappnet sind solche Verpackungsmethoden mit kompletten Lehrstühlen, die Rechtfertigungen und Argumente liefern, die also als Thinktank für solche Methoden agieren. Es sei notwendig, - und zwar aus diesem...und jenem Grunde. Doch wo geht diese ganze Masse hin, nachdem sie von den Abfallentsorgern möglichst billig und - wie gewisse Parteien sagen würden - effizient abgeholt worden ist? Ob in dieser Verpackung auch Energie steckt, die einfach wegzuwerfen oder zu vernichten falsch ist? Mein altes Auto? Zuammenpressen, "entsorgen" oder exportieren? Wieder sprudeln Argumente aus dem Thinktank....... Es sind ganz einfache Fragen, die sich einem stellen und für die man – wenn überhaupt! Und nur auf dringendes Verlangen! - mit (halbwegs) komplexen Aussagen beworfen wird.

Freitag, 20. Dezember 2024

Entscheider

„Raumschiff Berlin“? Mich quälte ja schon oft die Analyse, dass es eine definierte Klasse von Menschen gab, die sich demokratisch legitimiert um die Menschen, in deren Namen sie Entscheidungen trafen, einen Dreck scherten. Da hob der Regierungsflieger mit ungewissem Ziel ab, mit einer luftig aufgeblähten Crew und einer Horde Journalisten und Propagandisten als Passagiere. Blödsinnigerweise kam der Flieger nie zurück, sondern verwandelte sich in ein ziemlich nach außen abgedichtetes Raumschiff, in dem Entscheidungen an und für sich, entlang von idiologisch ausgerichteten Hinweisgebern getroffen wurden, sich in sich selbst drehend, mit eigener, auf Kosten des Steuerzahlers gut versorgten Entourage, mit Propagandisten und Meinungsvervielfachern aller Art. Dass man den Kontakt zur gemeinen Wirklichkeit verlor und zwischen all den Ämtern und Posten sich selbst genügte: Egal, solange die Kohle stimmte. Man genügte sich selbst: Es gab Regierung und Berater, die um sich selbst kreisten und denen die Bedürfnisse der Menschen egal, weil nicht mal wahrgenommen, waren. Es wurden Unmengen von Papieren und Entwürfen erzeugt: nichts davon wurde realisiert. Der vermeintlich demokratisch legitimierte Politikbetrieb indes samt der unzähligen Thinktanks ist sich unter all den Milliarden Euro selbst genug und in Gefahr, die Lebenswirklichkeit der Betroffenen aus den Augen zu verlieren. Ob das Demokratie oder die Inszenierung von Demokratie ist? Ob das mit einer neuen Regierung anders würde? Ob das zu den eher latenten Gründen dafür zählt, dass an den Rändern des Meinungsspektrums andere, „radikale“ Parteien aufgetaucht sind?

Donnerstag, 19. Dezember 2024

Gewohnheit, Selbstverständlichkeit, Normalität

Ja klar ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Er nimmt sich Vorsätze vor, aber ganz sicher und bestimmt… und handelt dann wieder ganz anders… aus Gewohnheiten und eingeübten Mechanismen heraus. Aber vielleicht können wir uns einen Moment heraus reißen aus gewohnten Betrachtungsweisen, können wahrnehmen, dass es ein Glück ist, die Verhältnisse um sich herum einigermaßen wach wahrzunehmen. Uns ist von unserer Staatsform gestattet, gewisse Dinge zu tun und glauben, die andere nicht tun können. Frei von größeren akuten Schmerzen sein, das deutet ebenso auf ein gewisses Maß an Gesundheit hin. Auch das erscheint einem über einen gewissen Zeitraum hinweg selbstverständlich, - solange man nichts anderes wahrgenommen hat, mit nichts anderem konfrontiert war. Wer aber jemals Schmerzen hatte, sich einem Verdacht auf eine gravierende Krankheit ausgesetzt sah und dadurch sich separiert sah, von der „Normalität“ und den mit ihr verbundenen Selbstverständlichkeiten, der lkennt auch die andere Seite. Wer das an engen Angehörigen und Freunden miterlebt, mitgemacht hat, wird Dankbarkeit für sich selbst empfinden, egal, welcher Schuh einen aktuell drückt. Die Wahrnehmung ist es, die Ablenkung durch Gegebenheiten, die die meisten hindert. Unser Glück mit anderen teilen, sein Echo nicht nur in uns selbst zu empfinden, mag die Wirkung noch verstärken. Daraus Kraft zu beziehen, auch gegenüber Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit, dazu sollten wir uns durchringen, sofern das geht.....

Mittwoch, 18. Dezember 2024

Wahlkampf

Peinlich finde ich das! Da werden Pseudo Verballhornungen eines Vornamens vorgebracht und nicht finanzierte Versprechen gemacht. Da macht man sich mit populistischen Formulierungen an „die Leute“ ran, pflegt verklärend den Sprachgebrauch der vergangenen Jahrhunderte und hofft so, sich an eine „Zielgruppe“ ran zu wanzen. Ein Knollenmännlein eilt über die Bildfläche und gibt sich wichtig. Ein Sonnyboy des Politbetriebs macht dazu ein bedenkliches Gesicht und es werden allerlei Meinungsvertreter in Maßanzügen ins Rennen geschickt, die sich selbst in seltsamen Posen gefallen und das auch noch populistisch volkstümlich „rüberbringen“. Mit großen Ernst werden genau die Phrasen vertreten, die zu erwarten waren. Der Wahlkampf ist eröffnet und das leitende Personal blamiert sich, jeder halt so gut, wie er (sie) kann. Das ist armselig und lässt mich ein bisschen traurig zurück. Von denen soll ich vertreten werden? Ob das Demokratie ist? Na gut, besser, als nur einen Kandidaten zur Auswahl zu haben. Das soll es in gewissen Autokratien ja auch geben. Ob das aber unser „Anspruch“ ist/sein kann? Die spielen flott mal mit Zahlen herum: hier ein paar Millionen Euro mehr, dort ein paar weniger. Milliarden hier und da. Wir stehen verwundert vis a vis. Peinlich finde ich das! Da werden Pseudo Verballhornungen eines Vornamens vorgebracht und nicht finanzierte Versprechen gemacht. Da macht man sich mit populistischen Formulierungen an „die Leute“ ran, pflegt den Sprachgebrauch des vergangenen Jahrhunderts und hofft so, sich an eine „Zielgruppe“ ran zu wanzen. Ein Knollenmännlein eilt über die Bildfläche und gibt sich wichtig. Ein Sonnyboy des Politbetrieb macht dazu ein bedenkliches Gesicht, gibt verwirrende Erklärungen ab und es werden allerlei Meinungsvertreter in Maßanzügen ins Rennen geschickt, die sich selbst in seltsamen Posen gefallen und das auch noch populistisch volkstümlich „rüberbringen“. Mit großen Ernst werden genau die Phrasen vertreten, die zu erwarten waren. Der Wahlkampf ist eröffnet und das leitende Personal blamiert sich, jeder halt so gut, wie er (sie) kann. Das ist armselig und lässt mich ein bisschen traurig zurück. Von denen soll ich vertreten werden? Ob das Demokratie ist? Na gut, besser, als nur einen Kandidaten zur Auswahl zu haben. Das soll es in gewissen Autokratien ja auch geben. Ob das aber unser „Anspruch“ ist/sein kann? Die spielen flott mal mit Zahlen herum: hier ein paar Millionen Euro mehr, dort ein paar weniger. Milliarden hier und da. Wir stehen verwundert vis a vis.

Dienstag, 17. Dezember 2024

Neues in der Musik

Mal wieder bin ich total enttäuscht von dem von Kritikern total hochgepushten Neuen in der Popmusik. Es wurden mir Alben empfohlen, an denen ich beim Hören so gar nichts entdecken konnte. Bestenfalls Elemente, die schon mal da waren, etwas melancholische Themen und Stopper, die ich früher schon einmal besser gehört hatte. Dabei wurde mir das vorliegende Album als extrem erfolgreich vom Rezensienten geschildert. Was ist los? Irgendetwas kann da nicht stimmen! Mit gebremsten, melancholischen Klängen riesige Erfolge einfahren? Etwas, das ein „Sich-einlassen“ geradezu fordert? Etwas, das auch noch instrumental daher kommt? Es wäre mir zumindest neu, dass so etwas zum großen Erfolg führt. Angesagt scheint mir vielmehr die möglichst in gepflegten Optimismus polierte Oberfläche des Populären, das klischeehaft Positive, das Gefällige, das Vereinfachte und Unterkomplexe, das partout „rüberkommen“ soll. Stimmt da meine Perspektive „von außen“ nicht, bin ich alt geworden? Wieso langweilt mich so etwas? Ob nicht das Nichtlangweilen ein Merkmal von Pop ist? Das Aufregnde, knallig Frische, das Starke und Direkte, das Eindeutige, weniger das in sich Gebrochene? Die in sich selbst drehende Aktion, die nirgendwo und überall ankommt, die nichts außer sich selbst transportiert, ist doch Träger eines derzeit grassierenden Kulturhabitus. Der schnelle Wegwerfgestus, der Popsong „to go“. Zum einen Ohr gut rein, zum andern schnell wieder raus…. Nachdem ausgelutscht ist. Neues oder - wie manchmal gefordert - „Innovatives“ ist dabei kaum hörbar, na klar, - wie auch? Wer soll da dahinter stehen? Die Stäbe von Musikanten auf dem Weg zum Erfolg, die im Auftrag von anonymen „Stars“ ihre „Ideen“ absondern und in einen Topf hinzu geben? Klar, auch sie wollen Karriere machen. Wollen schlau und clever sein auf dem Weg nach oben. Wollen ihre Verwendbarkeit und Anpassungsbereitschaft, ihr Können und Kennen zeigen. Wollen sich qualifizieren für höhere Aufgaben, wollen sich empfehlen für den „nächsten Schritt“. Ob das aber mein Vergnügen sein soll?

Montag, 16. Dezember 2024

Romantische Ironie

Das radikal Subjektive, das Ironische, das Humoristische – ist das auch romantisch? Viele derer, die man in geistesgeschichtlichen und literaturwissenschaftlichen Seminaren „Romantiker“ nennt, waren große Freunde der Ironie. Die uneigentliche Behauptung, das Spielen mit Fakten, Begriffen und Worten war eine ihrer Spezialitäten. Was damit manchmal erreicht wurde, war unter anderem eine Art positiver Irritation, eine Verwischung des scheinbar Festgeschriebenen: Alles nicht so nehmen, wie es einem zur größten Bequemlichkeit und mit der Macht des Faktischen oberflächlich zu begreifen angeboten wird. Genau an dieser Stelle gab es wohl Berührungspunkte mit dem, was weithin „Aufklärung“ genannt wird. Die Romantiker gingen oft aber darüber hinaus. Die Verdunkelung der menschlichen Erkenntnis hinter den Dingen war zuweilen das, was sie anstrebten. In manchen früheren Phasen der Rockmusik war so etwas auch zu finden. Nicht nur beim längst verblichenen Jim Morrison und seinen clever eingestreuten Heidegger-Zitaten („Into this house we`re thrown…..“). Beispielsweise Nick Cave hat Phasen in seinem Leben mitgemacht, deren Tragik er in sein musikalisches Tun und eine gewisse Selbststilisierung als ekstatischer Schmerzensmann hat einfließen lassen. Man konnte ihn live sowohl als wüsten Wüterich als auch als ruhig-besinnlich-sphärischen Feingeist erleben. Es geht vielleicht bei solchen Figuren auch um das poetisch wirkende Herumwerfen mit Worten und Begriffen, hinter denen aber jeder etwas Anziehendes vermutet. Diesem „Etwas“ näher zu kommen, - auch auf völlig naive und nicht unbedingt akademisch geweihte Art - mag auch ein Anliegen der Romantiker gewesen sein. X x The radically subjective, the ironic, the humorous – is that also romantic? Many of those who are called “romantics” in intellectual history and literary studies seminars were great fans of irony. The inauthentic assertion, playing with facts, concepts and words was one of their specialties. What was sometimes achieved with this was, among other things, a kind of positive irritation, a blurring of what was apparently set in stone: not taking everything as it is presented to you for the greatest convenience and with the power of the factual to understand superficially. It was precisely at this point that there were points of contact with what is widely called “enlightenment”. But the romantics often went beyond this. The obscuring of the human knowledge behind things was sometimes what they aimed for. Something like this could also be found in some earlier phases of rock music. Not only with the long-dead Jim Morrison and his cleverly interspersed Heidegger quotes (“Into this house we’re thrown…”). Nick Cave, for example, went through phases in his life whose tragedy he incorporated into his musical work and a certain self-stylization as an ecstatic man of sorrows. You could experience him live as both a wild rager and a calm, contemplative, spherical intellectual. Perhaps such figures are also about the poetic-seeming throwing around of words and concepts, behind which everyone suspects something attractive. Getting closer to this "something" - even in a completely naive and not necessarily academic way - may also have been a concern of the Romantics.

Sonntag, 15. Dezember 2024

Innovation und all das

Ach, wie öde fand ich diesen Anspruch im Zusammenhang mit Pop- und Rockmusik!? „Innovativ“ solle es bitteschön sein. Nichts mehr und nichts weniger. Ich selbst habe das Wort im Zusammenhang mit dieser Musik selten, wenn nicht sogar gar nicht benutzt. Ich dachte immer, dass „Innovativ“ auch eine Frage des Blickwinkels und des Standpunkts sei. Auf der Seite des Zuhörers eine Frage des „Sich-Einlassens“. Auf der Seite des Musikers die Bereitschaft, mit dem Unerwarteten, mit dem Überraschenden umzugehen.„Innovativ“ im eigentlichen Sinne, also möglichst unumstritten, waren in meinen Augen Figuren wie Jimi Hendrix und Jaco Pastorius, - vielleicht noch zwei oder drei andere. Da war John McLaughlin. Oder Santana. Oder Jeff Beck. Waren die nicht „innovativ“? Oder hängt dieses „Innovativ“ auch mit der Fähigkeit zusammen, eine eigene musikalische Welt, eigene Ausdrucksformen und Möglichkeiten zu schaffen. Einen eigenen Anspruch zu erschaffen? Eine eigene tönende Welt? War etwa oder ist Eric Clapton „innovativ“ oder hat er, wie manche Oberschlauen behaupten, nur auf dem Erbe der großen Bluesmusiker aufgebaut, hat er "geklaut" und dann daraus versucht, etwas Eigenes Unaufgeregtes zu schaffen? Wer sich in Claptons Musik jemals hat fallen lassen, wird diese Frage leicht beantworten können. Wie leicht ist es eigentlich, ständige Wiederholung und mangelnde Möglichkeiten zu unterstellen? Hat und hatte Clapton keine eigenen Möglichkeiten? Der längst verstorbene Peter Green mit seinen den Wolken entlang gleitenden traumwandlerischen Gitarrenlicks? Waren wir nicht dankbar und brachte uns das nicht etwas, dass er es versucht hat? Dass er geflogen ist.... wie ein Albatros? Alles geklaut? Völlig un-innovativ? Wer dann später die Lieblingsmusik jener "innovativen" Kritiker hört, mag so manches mal krass erstaunt sein: Ob es das ist, was "innovativ" sei? Das hier! Unzählige andere Musiker und Beispiele ließen sich nennen. Viele haben das Rad nicht neu erfunden und waren mit den von ihnen an sich selbst entwickelten Möglichkeiten trotzdem „innovativ“, weil sie sich dessen, was sie vorgefunden haben, anverwandelt hatten. Will man überhaupt immer „innovative“ Musik hören? Soll jemand ständig erfinderisch sein? Muss man, um so etwas aufzunehmen, nicht auch in Stimmung dafür sein? Offen. Ist nicht etwa auch eine Leistung, jemanden in einer solchen Stimmung ansprechen zu können, ihn einzuhüllen in die eigene Vision von Sound?

Samstag, 14. Dezember 2024

Winterfreuden

Jetzt satteln sie wieder die dicken SUVs, um möglichst schnell in die Alpen zu preschen. Wenn bloß diese Staus nicht wären! Diese Straße gehört doch längst mal ausgebaut! Was wir wollen? Mal wieder diese Freiheit auf den Gipfeln genießen! Dieses besondere Gefühl. Cool! Unschlagbar. Manche Seilbahnen funktionieren ja jetzt nach dem „dynamic pricing“-system: Angebot und Nachfrage, Wetter. Wer zu einem bestimmten am meisten zahlt, bekommt das Ticket. Klima, Energie, Nachhaltigkeit? Scheis der Hund drauf! Das gilt nicht für mich. Es gilt der Eigennutz! Kann ich was gegen all die Misstände tun? Ich bin doch nur…... Da brechen zwar öfter immer wieder Abhänge ab. Aber das sollen dann die Politik und die Behörden richten. Man freut sich schon auf „Apres Ski“: Brutale Party? Fressen, saufen, ficken…..Schneemangel? Pisten planieren, Schneekanonen? Beschneiungsanlagen? Was habe ich damit zu schaffen? Wie`s im Sommer hier aussieht, sehe ich ja nicht. Und außerdem schaffen Touristen Arbeitsplätze. Es gibt jetzt Seilbahnkomfort mit Sitzheizung und Wlan.

Freitag, 13. Dezember 2024

Schopi und die Hunde

Schopenhauer gab seinen Hunden oft den Namen Atma. Gerade dies weist auf den Kern der Philosophie Schopenhauers und der von ihm hoch geschätzten altindischen Upanishaden hin. Atma, genauer Atman, bedeutet darin so etwas wie Einzelseele. Dazu fassen die Upanishaden ihre tiefste Erkenntnis in die Worte: Tat twam asi – Das bist Du – Die Einzelseele ( Atman ) ist identisch mit der Weltseele ( Brahman )! Das gilt für den Menschen, für den Hund, ja für jedes Lebewesen. Vielleicht ist das, was Schopenhauer als „unzerstörbares Prinzip“, als „Archäus“ (Urkraft), aus den Augen eines Hundes leuchten sah, nicht verschieden von dem, was die Upanishaden als Brahman, Weltseele, bezeichnen. "Woran sollte man sich von der endlosen Verstellung, Falschheit und Heimtücke der Menschen erholen, wenn die Hunde nicht wären, in deren ehrliches Gesicht man ohne Misstrauen schauen kann?" (Arthur Schopenhauer)

Mittwoch, 11. Dezember 2024

Wahrheit, Ethik

„Die Leser meiner Ethik wissen, daß bei mir das Fundament der Moral zuletzt auf jener Wahrheit beruht, welche im Veda und Vedanta ihren Ausdruck hat an der stehend gewordenen mystischen Formel tat tvam asi (Dies bist du), welche mit Hindeutung auf jedes Lebende, sei es Mensch oder Thier, ausgesprochen wird und dann Mahavakya, das große Wort, heißt.“ (Artur Schopenhauer)

Dienstag, 10. Dezember 2024

After the heat (Traumgesichter)

AFTER THE HEAT (TRAUMGESICHTER) Traumgesichter drohen im Zerstieben Es wird dich zurück spülen du gehst ganz langsam unter sie sagen, du musst kämpfen dich optimieren, mithalten, gewinnen aber es wird dich zurück spülen in die Strudel des Gewöhnlichen Profis und Könner Macher und Umsetzer aber es wird dich zurück spülen in den Gang der Tage Im Stress des Alltäglichen bestimmen sie, geben an lügen und lassen sich scheinbar gehen in den Gang der Tage Traumgesichter kommen auf dich zu und du stolperst herbei aus den Strudeln der Tage Schaumgesichter schlafen im Kettenhemd und büchsen auch mal aus in bunte Wellnessoasen ein großes Augenrollen ein Staunen über so viel Mut sie kichern in sich hinein in die Schatten der Tage Ein Kreisen von Felsen über dir, neben dir überall du fühlst gar nichts mehr am Ende aller Vanille

Montag, 9. Dezember 2024

Romantik reloaded

Romantik, eine Sache der auf 1790 folgenden Jahre? Es scheint Unklarheit darüber zu herrschen, über was man sich auseinandersetzen wolle und über was nicht. Ich bin der Überzeugung, dass Romantik ein Phänomen ist, das bis heute aktuell ist und keineswegs im 19. Jahrhundert sein Ende fand. Auch heute wird versucht, mit den Mitteln der Werbung und der PR die Romantik auf vielerlei Arten auszunutzen. Zuspitzung auf charismatische Persönlichkeiten, Verklärung und Mystifizierung sind dabei probate Mittel, um manche Leute zu etwas zu bringen, ihnen einen bestimmten Impuls in einer bestimmten Richtung zu geben. Ja, auch dazu eignet sich die Romantik heute noch. Zudem scheint es ja so zu sein, dass in der Romantik dem Individuum ein hoher Wert zu gesprochen wird. Dass dies entgegen „offizieller Beteuerungen“ zunehmend bedroht ist, wird ja wohl kaum jemand bestreiten. Insbesondere die Mittel der Technik scheinen oft darauf gerichtet, Menschen zu einem Faktor und einer Ziffer zu reduzieren, mit der dann (oft in Algorithmen) gerechnet und umgegangen werden kann. Dies immer wieder zu erkennen und kritisch aufzuspießen, scheint mir eine Richtung zu sein, die manche derjenigen, die die Romantik lieben, einzuschlagen bereit sind. Dass diejenigen sich nicht in künstlichen Internetblasen und Echokammern verschanzen, sich nicht durchweg in Bewunderung und Erbauung scheinbar „romantischer“ Phänomene ergehen, sondern Fragen stellen, zuspitzen, sich und ihre Meinung einem kritischen Diskurs ausliefern, erscheint mir selbstverständlich und jeder echten Erkenntnis voraus zu gehen. Und: Wer allgemeine Dinge wie etwa Erwartungen kritisiert, der sollte nicht unbedingt mit solchen Erwartungen (die er selbst ablehnt) identifiziert werden.

Sonntag, 8. Dezember 2024

Lebenskunst

Noble Damen und Herren treten auf, die alles zu wissen vorgeben. Sie geben kluge Ratschläge, wie man besser durchs Leben komme. Strategie. Druck abbauen. Achtsamkeit und Nachhaltigkeit. Sie haben bei jedem Satz diesen Ton, der mich unglaublich stört „Na“ (, dieses sich vergewissernde und belehrende „no“, mal lauter, mal leiser). Sie geben vor, alles von oben herab zu regeln. Sie wissen Bescheid. Im Alltag nehmen sie wahrscheinlich riesige Honorare von den Besitzenden, beklagen aber wortreich die Einkommens- und Vermögensverhältnisse. Ja ja, die ökonomische Basis! Sie gehören zu einem Überbau, der in Wirklichkeit mit anderen Lebensverhältnissen nichts zu tun hat und nur seinesgleichen „therapiert“. Mit wissendem Gesicht. Haben ein Buch geschrieben (unter Bildungsbürgern der Ausweis von „Fähigkeit“). Ob sie das jetzt promoten oder ob sie dem geneigten Zuhörer von ihren steilen Thesen berichten wollen? Lese-Tourneen. Der „Zielgruppe“ vorstellen? „Verkaufen“?Die Sphären und Absichten gehen ineinander über, was einen Teil eines Problems ausmachen könnte.

Samstag, 7. Dezember 2024

Hinter Helmen

Ich erinnere mich ganz subektiv (!), wie das damals war: Daft Punk betrieben den Kult der Anonymität, der unter Rockmusikern beliebt war. Sie verbargen sich unter/hinter dicken, SFmäßig anmutenden Helmen, die aus „Krieg der Sterne“ hätten stammen können. Unter ihrem Etikett war oft befremdliche und mäßig produzierte "Disco"-Musik (heute eher "Club") zu hören, von der man nicht genau wusste, wie sie gemeint war. Sie waren eine Art erfolgreiches und in Vocoder-Robotertönen geschwängertes Seitenphänomen für mich, so lange bis die Erfolgsscheibe „Random Access Memories“ 2012 kam, mit dem von mir ohnehin hochgeschätzten Nile Rogers und der in Töne gesetzten und mit allerlei Weisheiten versetzten Bio-Erzählung von Giorgio Moroder, dem Disco-Prinzipal der 70er Jahre. Ein Ohrwurm war „Get lucky“ mit Pharrell Williams, dem ich vor allem wegen dem Schlagzeuger Omar Hakim, dem Bassisten Nathan East und - natürlich - Nile Rogers nachhing. Es stellte sich jetzt die Frage danach, wie so etwas gemeint sein könne. Eine Denkanstrengung. Die Mehrheit - und auch ich! - hingen jedoch dem unnachahmlich körperbetonten Beat von „Get Lucky“ nach, der Single, die anscheinend in 30 Ländern Nummer Eins war. Ich hätte diesen Welthit damals unendlich viele Male hören können. Die beiden Protagonisten freilich verbargen sich immer noch hinter ihren futuristischen Helmen, tauchten ab in Anonymität und verdienten darüber viel Geld. Wie man so etwas durchhalten konnte, das nötigte mir immer noch Respekt ab. Ich tat es aber als Marketing-Gag ab. Seltsame Sachen waren diese gefällig montierten Zitate aus der Disco- und Dancefloor-Welt dann aber doch. Und den Kult mit den Helmen hatten die Macher auch durchgehalten bis zu ihrem Ende, das später verkündet wurde. Hut ab!, sagte ich da und beerdigte zusammen mit dem Video „Epilogue“ (Zwei Männer unter Helmen gehen in die Wüste, man sprengt sich in die Luft, „Love is the answer“ wird jubiliert) ein weiteres Stück meiner persönlich erinnerten Rockmusik. x x I remember very subtly (!) what it was like: Daft Punk were practicing the cult of anonymity that was popular among rock musicians. They hid under/behind thick, SF-like helmets that could have come from Star Wars. Their label often included strange and poorly produced "disco" music (now more "club"), which you didn't know exactly what it was meant to be. They were a kind of successful side phenomenon for me, saturated with vocoder robot sounds, until the successful album "Random Access Memories" came out in 2012, with Nile Rogers, whom I already admire highly, and the bio-narrative of Giorgio Moroder, the disco principal of the 70s, set to music and peppered with all kinds of wisdom. One catchy tune was "Get Lucky" with Pharrell Williams, which I was particularly fond of because of the drummer Omar Hakim, the bassist Nathan East and - of course - Nile Rogers. The question now arose as to what this could mean. It was a thought-provoking exercise. The majority - and I too! - were, however, hooked on the inimitably physical beat of "Get Lucky", the single that was apparently number one in 30 countries. I could have listened to this global hit countless times back then. The two protagonists, of course, were still hiding behind their futuristic helmets, submerged themselves in anonymity and earned a lot of money from it. How they could keep up with something like that still commanded my respect. But I dismissed it as a marketing gimmick. These pleasingly edited quotes from the disco and dancefloor world were strange things after all. And the makers had kept up the helmet cult until their end, which was later announced. Hats off!, I said, and buried another piece of my personally remembered rock music together with the video “Epilogue” (two men wearing helmets walk into the desert, they blow themselves up, “Love is the answer” is rejoiced).

Donnerstag, 5. Dezember 2024

Öffentlich, aber rechtlich?

Die dauernde Werbung bei der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung wirkt auf mich penetrant. Manchmal scheint es mir, als sei sie sogar ausgeprägter als diejenige der „Privaten“. Da zahlt man nicht gerade gering am GEZ-Beitrag und muss doch eine solche permanente Werbeoffensive über sich ergehen lassen. Wie das? Damit muss die Berichterstattung, die Sendung an sich, finanziert und müssen die Rechte samt der medialen Durchführung einer Idee bezahlt werden, so heißt es. Vielleicht auch die exklusiven Ansprüche von Funktionären/Managern/Repräsentanten aller Art (Skandale der jüngsten Zeit scheinen das zu stützen). Muss das sein? Nach allem, was heraus gekommen ist? Ich schalte jedenfalls oft um, „zappe“ herum und muss dann im privaten Kanal manchmal sogar weniger Werbespotstörung registrieren. Komisch, über Produktionskosten solcher Ansichtswaren erfährt man auffällig wenig. Wie die Strukturen bei den Öffentlich-Rechtlichen da wohl sind? Im Abspann wird manchmal die „durchführende („Executive“) Medienfirma erwähnt. Immerhin sind die Intendanten und Häuptlinge beim wohlverdienten Gehalt da ziemlich ungeniert, locker und mit einem Lächeln öffentlich voran gegangen (sie ergehen sich manchmal in Spekulationen „weiß nicht genau….u.ä.). Nach dem Empfinden einiger Leute greifen sie nicht gerade wenig „Aufwandsentschädigung“ ab. Doch mögliche Kritiker sind da sehr schnell als Störenfriede abgetan. Noch. Ob da etwas provoziert wird. Veränderung?

Mittwoch, 4. Dezember 2024

Wille und Vorstellung

„Die Einstellung der animalischen Funktionen ist der Schlaf, die der organischen der Tod“. Jeder Tag ist ein kleines Leben, - jedes Erwachen und Aufstehn eine kleine Geburt, jeder frische Morgen eine kleine Jugend und jedes zu Bette gehen und Einschlafen ein kleiner Tod. So ist denn endlich auch das Einschlafen ein täglicher Tod und jedes Erwachen eine neue Geburt. Ja, um es ganz durchzuführen, könnte man die Unbequemlichkeit und Schwierigkeit des Aufstehens als die Geburtsschmerzen betrachten. Der Schlaf ist ein Stück Tod, welches wir vorwegnehmend borgen und dafür das durch einen Tag erschöpfte Leben wiedererahlten und erneuern“ (aufgelesen und notiert bei Artur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung)

Dienstag, 3. Dezember 2024

Höher und weiter

Wo ist die Transzendenz? Die Mayas suchten sie in ihrer Unterwelt und brachten dort, in den Höhlen, auch Menschenopfer dar, um die Götter gnädig zu stimmen…… Wir in unserer Kultur hingegen assoziieren das mit dem Lichten, mit der Höhe, mit dem Himmel. Während das Deutsche nur ein Wort für Himmel hat, benutzen die Engländer „Sky“ und „Heaven“. Dem modernen Menschen ist jede Gewissheit abhanden gekommen, sein einziger Gott heißt Geld…..“ Früher, zumindest bei Mayas, waren die Höhen in der Tiefe - in den Höhen die Tiefe… Jetzt fliegen am Himmel die Düsenjäger, dieser „Himmel“ ist entzaubert, genau wie die Gebete, das Sprechen mit einem Höheren, wie die Poesie… Einen kurzen Moment schienen wir einer offeneren Wirklichkeit in der Pandemie näher. Doch jetzt gilt das Gebot: Zurück zum Alten, Vertrauten, Eingeübten. Wörter sind wieder missbrauchtes Material, sie lügen in ihrer Beliebigkeit, - genauso wie inzwischen die tausendfach bearbeiteten Bilder/Fotos: Verlogene Gesten, Posen, Verkaufe - die Hohlheit, die Sinnlosigkeit in der Unterhaltung, sie feiert fröhliche Urständ‘……

Montag, 2. Dezember 2024

Durchdringung aus Poesie

Ich will definitiv, dass das (höchst) Private und das Öffentliche ineinander gehen, das scheinbar Banale und Bedeutende, das Alltägliche und das Außergewöhnliche. Wie selbstverständlich es ist, dass sich das eine an dem andern spiegeln kann! Fotos von Blumen und Pflanzen (noch) samt ihrer scheinbar beiläufigen Zerstörung gehören auch zu unser Umgebung, auch aus ungewohnter Perspektive. Gedichte, Texte, die uns umschwirren und umschwirrt haben. Sie gehören zu uns, egal, welche Beziehung wir dazu haben! Wie darüber hinaus die Randbedingungen sich verändern, wie das Ganze unter einem bestimmten Dach passiert, wie diese Bedingungen sich in welchem Interesse entwickeln, welche zukünftige Richtung dabei vielleicht erkennbar wird, gehört auch zu meiner Betrachtung. Ich versuche, dazu meine Antennen auszufahren. Zu registrieren, was in der Luft liegt, aber auch das wahrzunehmen, was scheinbar passée und nicht mehr relevant ist. Solche Dinge können mich, - aber auch andere!, - betreffen. In einem „dreckigen“ Alltag, in dem es oft ums reine Überleben geht, um Kohle und die Geschwindigkeit, die nötig ist, um an sie zu kommen. Mir ist bewusst, dass sich eine bestimmte Schicht von Menschen um solche „Alltagsprobleme“ nicht kümmern muss und mag. Ich habe auch wahrgenommen, dass es oft um spezielle Zielgruppen geht. Was links oder rechts ihrer „Gemeinsamkeit“ spielt, scheint uninteressant. Auf diese Weise kommt es zu Wahrnehmungsblasen und „Echokammern“. Mich freilich interessiert „die Totale“, all das, was uns umgibt und beeinflusst.