Reise durch Wirklichkeiten

Samstag, 18. März 2023

Repräsentanz

Wir lesen von einer monumentalen und sehr teuren Erweiterung des Bundeskanzleramts. Sie soll wohl kommen. Der Klimakanzler und sein Klima-Wirtschaftsminister werden wohl dazu Gesichtspunkte über die Klima-Bilanz von Neubauten und Beton, von großen Glasflächen (Vogelarten!), überhaupt Flächenversiegelung, „Machtgesten“ (Deutschland soll jetzt unbedingt „Führungsmacht“ in Europa sein!) und ähnliches Zeitgeistiges wohl erwogen haben. Trotzdem wundert man sich, wie viel als spärlich erklärtes Geld dafür vorhanden ist. Die dicken fetten dunklen Verbrenner-Limousinen fahren ihre Willy Wichtigs in warmen Massage-Sitzen zu aufwendigen Konferenzen über Klimawandel, besonders im PKW-Verkehr. Muss sein! Diese Leute setzen sich doch nicht auf die vermeintlich „harten“ Rücksitz-Bänke eines deutschen Mittelklasse-Wagens! Das hatte der Kanzlerkandidat einer großen Partei schon vor Jahren erklärt. In Umrissen scheint sich der gegenwärtige Kanzler zudem als oberster Bürokrat auch so zu inszenieren, trotz des lautstark werbewirksam ausgegebenen Mottos „Deutschlandtempo“, das ja auch den Abbau von Bürokratie signalisieren soll. Wenn sich beispielsweise Erdogan schon vor Jahren einen riesigen Palast gebaut hat, so braucht das der gegenwärtige Kanzler nun auch, - so geht es einem da durch den Kopf. Symbolismen wie vor 300 Jahren! Peinlich. Schluss mit dieser bescheidenen Leisetreterei damals in Bonn! Jetzt wird geklotzt! Jetzt wird repräsentiert! Wir sind schließlich wer!

Freitag, 17. März 2023

Morgens

Ich sehe, wie im TV bereits vom frühen Morgen an die „Promis“ verherrlicht werden. Permanenter Schlüssellochblick ist angesagt. Näher „dran“ sein. Trah-Kultiges. Etwas vom Umgang der Reichen miteinander erzählen und dazu ein wichtiges Gesicht machen. Das Raunen um „geschlechtliche Präferenzen“. Das Weitererzählen eines „erhärteten“ Gerüchtes vielleicht. Meist handelt es sich hierbei um schön- und nichtsgesichtige Menschen aus dem Showbusiness, UnternehmerInnen, InfluencerInnen, die lila Lamborghinis fahren und all die Träume leben, denen „kleine Leute“ nachhecheln. Dicklippige Gesichter, die man von irgendwoher kennt, die sich einem aufgedrängt haben und die Grenzen zwischen Werbung und „Inhalten“ verschwimmen lassen, die in Wohnlandschaften leben, die man vom edleren Möbelhaus her aus der Luxusabteilung zu kennen glaubt. Innenarchitekten haben das gestaltet und schön gemacht, Persönliches ist da nicht so gefragt. Da sind Leute, die sich in den Fernseher und dessen „Unterhaltungssendungen“ geschlichen haben, die plötzlich „eine Marke“ sind. Dazwischen gibt es dann reichlich und immer wieder Werbespots und irgendwann Gewinnspiele, die aber so angelegt sind, dass sie in ihrer Masse jemandem/Kapitalzusammenballungen/Konzernen geldwert nutzen….mit anderen Worten: Wir sollen dabei abgezockt werden. Politik? Nur, wenn Großes im Gange ist oder sich PolitikerInnen etwas geleistet haben, das sich gut unter dem Etikett „Promi“ verkaufen lässt. Infotainment. Auftritt im Kostüm, im „originellen“ Anzug. Auch gibt es „lustige“ Internet-Cuts, kleine Ausschnitte, Amüsantes, über das es sich zu grienen lohnt. Augenrollendes präsentieren „Promi-ExpertInnen“, die ganz besonders gut über die „Promis“ informiert sind. Da sind auch viele „Praktische Ratschläge“ hinter denen oft eine Geschäftsidee steckt, da ist überhaupt viel Lachen und ein verlogenes Dauerlächeln, das Optimismus signalisieren soll. Da sind Auftritte von gewissen KünstlerInnen, die ihrer Karriere die Sporen geben wollen und die das Angebot ergänzen. Alles locker, smart, alles unverbindlich nett und eine Show, die ewig weiterzugehen verspricht.

Donnerstag, 16. März 2023

Was Arbeit ist

Viele Menschen und auch viele mächtige Interessenverbände versuchen, herein zu rufen ins Geschehen und sich einzumischen in eine Diskussion, die sich vor allem um Arbeitsmoral und den Willen zur Arbeit dreht. Estimmten Kräften in dieser Gesellschaft scheint das Bestreben nach einer „Work-Life-Balance“ zu weit zu gehen. Sie trompeten ihr Anliegen hinaus, man als junger Mensch möge doch bitteschön in der Arbeit so aufgehen, dass man Tag und Nacht erreichbar sein solle, dass man für die „Karriere“ wirklich alles unternehmen solle und sich möglichst so zu Tode arbeiten solle, wie das Generationen einer sogenannten „Leistungsgesellschaft“ ihren jungen Jahrgängen vorgemacht haben. Ob dies das Versprechen, dass es einem besser gehen sollte als der Vorgängergeneration voraussetzen würde? Die „Generation Z“, so das Schlagwort für diejenigen zwischen 1995 und 2010 Geborenen, hat dazu aber keine Lust und sieht darin für sich kein Ziel, zumal das „Wohlstandsversprechen“ doch etwas löchrig geworden ist. Und: hat sich der „Markt“ nicht geändert und ist längst zu einem „Bewerbermarkt“ geworden? Bewerber können nicht zuletzt im „Fachkräftemangel“ ihre Bedingungen stellen, nicht mehr die Personalleiter. Der Personalengpass ist ja auf allen Gebieten sehr direkt spürbar (was bisher nicht deutlich dazu geführt hat, dass man ältere Arbeitskräfte in das Rentenalter hinein bisher auch durch besondere und maßgeschneiderte Bedingungen zu "nutzen" bereit war. Darf man viele Individuen mit den unterschiedlichsten Interessen und Bedürfnissen überhaupt zu einer „Generation Z“ zusammen fassen? Nun ja, möglicherweise hat sich gesellschaftlich eine Verschiebung der Werte ergeben, die besonders von einer jungen Generation getragen werden. Dies könnte ein statistischer Befund sein. Einfach mal ein Datum! Der Sinn von Arbeit könnte ein Wert sein, der ins Blickfeld vieler junger Menschen geraten ist. Sinn? Eine „gültige“ Kategorie?

Dienstag, 14. März 2023

Repräsentanz der Macht

Wir lesen von einer monumentalen und sehr teuren Erweiterung des Bundeskanzleramts. Sie soll wohl kommen. Der Klimakanzer und sein Klima-Wirtschaftsminister werden wohl dazu Gesichtspunkte über die Klima-Bilanz von Neubauten und Beton, von großen Glasflächen (Vogelarten!), überhaupt Flächenversiegelung, „Machtgesten“ (Deutschland soll jetzt unbedingt „Führungsmacht“ in Europa sein!) und ähnliches Zeitgeistiges wohl erwogen haben. Trotzdem wundert man sich, wie viel spärlich erklärtes Geld dafür vorhanden ist. Die dicken fetten dunklen Verbrenner-Limousinen fahren ihr Willy Wichtigs in warmen Massage-Sitzen zu aufwendigen Konferenzen zum Klimawandel, besonders im PKW-Verkehr. Muss sein! Diese Leute setzen sich doch nicht auf die harten Rücksitz-Bänke eines Mittelklasse-Wagens! Das hatte der Kanzlerkandidat einer großen Partei schon vor Jahren erklärt. In Umrissen scheint sich der gegenwärtige Kanzler zudem als oberster Bürokrat zu inszenieren, trotz des lautstark werbewirksam ausgegebenen Mottos „Deutschlandtempo“, das ja auch den Abbau von Bürokratie signalisieren soll. Wenn sich beispielsweise Erdogan schon vor Jahren einen riesigen Palast gebaut hat, so braucht das der gegenwärtige Kanzler nun auch, - so geht es einem da durch den Kopf. Symbolismen wie vor 300 Jahren! Schluss mit dieser bescheidenen Leisetreterei damals in Bonn! Jetzt wird geklotzt! Wir sind wer!

Sonntag, 12. März 2023

Augenblicke

Augenblicke, wenn du außer dir und doch so ganz bei dir bist, du suchst sie bisweilen. Aber sie kommen und gehen, wann sie wollen. Du ahnst, dass du eines Tages in eine andere Welt eingehen wirst, du schaust in die Wolken und wirst plötzlich ein Teil von ihnen. Es geht für dich hinaus in den Weltraum, wo du ganz alleine bist, - alles eine Frage des Bezugspunktes, entrückt in andere Realität. Ein Lächeln, du versuchst es festzuhalten, zu sammeln, wesentlich, "eigentlich" sein, magische Momente, was heißt das?: Du bist du? Weniger als ein Staubkorn im Universum. Du wartest auf etwas Wunderbares, eine "Grenzüberschreitung", ein "Abenteuer"?, etwas Anderes, wo findet man das?: die Suche, die Ferne, das Uneingelöste, den Augenblick genießen, das Unendliche, das Nichtmitteilbare, dein Persönliches, deine Welt erweitern in Richtung auf deine Phantasie, aber nicht die trivialen Medienphantasien von der Stange sondern deine ureigenen, deine Reise, wohin bist du noch unterwegs? Dieses "in Bewegung sein" ist dir wertvoll, du willst dich noch eines Tages „verwirklichen“, mit dir selber identisch werden, dieser Drang ist dir angeboren: du hast davon geträumt, solange du denken kannst, lange hast du gedacht, das andere Leute diesen Drang, dieses persönliche Versprechen genauso mit sich herumtragen. Aber da ist nur Dumpfheit, die "normale" Dumpfheit, die allmächtige Alltäglichkeit, der Strom der Selbstverständlichkeiten, der Konventionen. Das macht dich fremd, du fällst dauernd heraus aus deren Small-talk-Welt. Da ist der unbegreifliche "Andere", - "die Hölle, das sind die Anderen" sagte sinngemäß Jean-Paul Sartre, der beispielhafte Erfolgsgeistesmensch. So etwas kann man objektivieren, von sich selbst absehen überhaupt, ist nicht schon die Erkenntnisrichtung völlig subjektiv?, die kulturellen Wertungen bringen uns um unsere persönliche Unmittelbarkeit, (es gilt das „nicht sentimental sein“, Wichtiges aussagen, originell sein, nicht banal, der Intellektuelle ist darauf programmiert, er kennt das Bücherbewusstsein, den sprachlichen Diskurs...usw......). Du spürst: Das Leben ist anders, ästhetische Probleme sind tatsächlich sekundär, das was du bist, das Tatsächliche ist etwas, das sich damit beist. Mittels eines Buches hast du sie schon gehabt, diese Augenblicke. Der Schriftsteller schien deine Welt zu teilen, von deinem Persönlichen zu wissen: endlich jemand, der auch davon weiß. Aber dann liest du irgendein Interview von ihm, er sagt furchtbar gescheite und dumme Sachen, aber aus dem Ganzen ist überhaupt nichts von dem zu entnehmen was du bei ihm festzustellen geglaubt hast. Der ist dir fremd. Der lebt also doch in einer ganz anderen Welt. Die Eitelkeiten, die Pfauenräder verstellen immer wieder den Blick auf das, was dich interessiert. Im Resultat bleibt ein Graben zwischen uns. Ja, dieser alte Traum, sich mit jemandem perfekt zu verstehen, eine Art absolute Gemeinsamkeit herzustellen. Auch eine der Lockungen, die du nie wirst endgültig abhaken können. So oft schon hereingefallen weißt du eigentlich genau um deren prinzipielle Unerfüllbarkeit. Du bist daneben, es gelten andere Spielregeln, du lebst tatsächlich in deiner Nebenwelt und versuchst, diese Augenblicke zu sammeln. Wieso eigentlich das Bedürfnis, das alles Mitzuteilen. Eitelkeiten? Irgendeine Wichtigkeit vermutend, der eigenen Person, oder der Mitteilung? In einer "Informationsgesellschaft", in der kaum noch jemand all diese Reize ordnen, geschweigedenn verarbeiten kann? Wo sollte das Interesse sein? Das Interesse, das Aktionen auslösend kommerziell verwertbar ist?. Du bist umsonst. Wahrlich umsonst.

Samstag, 11. März 2023

Wachstum wachsweich

Es scheint immer noch gute Gründe zu geben, unseren Planeten zu ruinieren und damit das eigene Ego aufzublasen. Ob das auch eine Folge dessen ist, dass jeder seinen kleinen Bereich als Spezialist beackert, dass Expertentum und Expertise regiert, ohne dass „das Ganze“ in den Blick genommen wird? Die Betriebswirtschaft und ihre Vertreter schwärmen und schwadronieren von „Wachstum“ , das gerade jetzt (in Zeiten eines Krieges) ohne Rücksicht auf solche Verluste (die in ihrem Verständnis ja alle Kosten sind) erreicht werden müsse. "Grünes" Wachstum könne man sich gerade jetzt nicht leisten. Meiner Ansicht nach ist das ziemlich unreflektiert. „Die fahren das ungeniert an die Wand und wundern sich dann“, so geht es mir durch den Kopf. Erste Absetzbewegungen bestimmter Menschen sind ja auch schon zugange: bestimmte Weltraum-Companies bieten erste Flüge für superrreiche Menschen zu anderen Planeten an. Ich vermute mal, dass das mehr werden wird. Denn: Akzeptable und einigermaßen erschwingliche „Alternativkonzepte“ gibt es viel zu wenig. Wie geht das? Sollte nicht aller Erfindergeist darauf gerichtet werden? Gerade in diesem Land, dass sich seiner findigen Ingenieure brüstet, - übrigens so, wie das nahezu jedes Land tut. Die fahren das gegen die Wand und geben aus, damit den Sachzwängen gerecht zu werden. Umweltzerstörung wird gerechtfertigt, Artensterben in Kauf genommen, das Untergehen des Planeten befördert.

Donnerstag, 9. März 2023

Ein reiches Land

Die dauernd gehörte Phrase, ja, das Dauer-Narrativ lautet "Ein reiches Land wie Deutschland". Doch es erhebt sich schnell die Frage „wer hier ist denn reich?“ Unter Umständen sind es wenige Menschen, die in den letzten zehn Jahren von dieser Behauptung eines Reichtums profitiert haben und die diesen Reichtum (in manchen Medien auch mit dem Begriff „Wohlstand“ zusammengebracht) an sich gerafft haben. Ob es da eine neue „Geldelite“ gibt? Es entstand der Eindruck, dass vor allem für diese „Geldelite“ der Rechtsstaat gilt und von einer willfährigen Regierung dafür Gesetze gezimmert werden… immer im Bestreben, bereits erreichten Reichtum nicht anzugreifen oder nur zum Schein anzugreifen. Es war in den Medien nahezu nichts dazu zu vernehmen, dass es in Frankreich derzeit scharfe Auseinandersetzungen darüber gibt, ob das Renteneintrittsalter von 62 auf 64 hochgesetzt werden solle. Sind die Franzosen eigentlich alle falsch drauf? Oder haben die von den demografischen Verschiebungen noch nichts gehört? Man wünschte sich mehr Aufklärung über solche Themen und deren Zusammenhänge. Angesichts des „Sondervermögens“ (was ein anderes Wort für „Schulden“ ist) erhebt sich auch die Frage, ob die Bundesregierung und die Herrschenden für etwas Geld aufbringen, von dem es lange hieß, es gäbe kein Geld dafür, man sei im Sparzwang und man müsse nach Einschätzung der Lage handeln. Ob aber in so manchen Punkten die Einschätzungen falsch waren, ob u.a. in der Politik die Finanzierung grundsätzlich eine Frage der Prioritäten ist, die ein „Entscheider“-Personal setzt. Ja ja, wir sind ja dankbar, in einer Demokratie zu leben. Doch das enthebt einen bei weitem nicht, die Verhältnisse weiter verbessern zu wollen, auch in ökonomischer Hinsicht.

Mittwoch, 8. März 2023

So geht's zu!

Das Gefühl, das schon morgens einsetzt: sich fertig machen zu lassen, sich ausbeuten zu lassen und dafür auch noch dankbar sein zu müssen. Du hast ja einen guten Arbeitsplatz!! Musst dankbar sein, Facharbeitermangel hin oder her! Standardreaktion: sich stark und stärker mit dem Job zu identifizieren. Das kann heißen: mit einem Kittel rumrennen, der den Aufdruck/das Logo dieser Firma trägt. Stolz herzeigen: Ich bin einer von ihnen! Doch eines Tages kriegt man einen anonymen Arschtritt von einem Funktionär dieser Firma, von einem, der ja auch nur Teil einer Hierarchie ist und ein Umsetzer. Und dessen Chefs sind – wie sie gerne behaupten – Teil eines Gesamtsystems, in dem es um Rendite und Profite geht, um Behauptung in einem „globalen Wettbewerb“. Der Mensch ist eingespannt oder spannt sich selbst ein in einen Mechanismus. Die Leute vom Staat und seinen Ämtern, Behörden und Institutionen werden kommen, um einen fertig zu machen. Danach werde/würde/könnte man „Sozialfall“ sein. Man wird verloren haben. Verrecken ist dann angesagt. Gewinner sind diejenigen, die früh im Leben begriffen haben, um was es geht. Umgang mit dem Regelgeflecht, Manipulation desselben zum Profit der Mächtigen und Gewinner. Diejenigen, die heutzutage e-mobile SUVs oder allradgetriebene Future-Riesenlimousinen ausfahren und auf diese Weise vorzeigen, wohin sie es in dieser Gesellschaft gebracht haben, wohin es gehen wird. Der Statusgedanke, das vergewissern durch „Zeigen“: ein uralter Mechanismus. Hordenexistenz.

Montag, 6. März 2023

Balltreterfreundinnen

Ob sich das Gerede von Fußballspielern unmittelbar nach einem Spiel stets gleich anhört? „Wir haben in der ersten Halbzeit unsere Leistung nicht so abgerufen, ja, wie es uns der Trainer gesagt hatte. Aber dann, ja, nach seiner Halbzeitansprache, ja, haben wir uns in der zweiten Halbzeit belohnt....“. Ob der Fußball männlich ist? Erhebliche Zweifel daran sind erlaubt. Ob diese Kicker alle dieselben Rethorikkurse besucht haben? Hinzu kommt, dass die Frauen dieser gehätschelten Balltreter meist nahezu gleich aussehen. Oder bilde ich mir das nur ein? Es sind meist lächelnde Models, beflissene Influencerinnen, hoffnungsfrohe Moderatorinnen und geschminkte Lebefrauen des Zeitgeists mit teuren Frisuren: wenn sie so nebeneinander sitzen bei manchen Spielen, ist das sehr putzig anzusehen. Eine Simulation der Geilheit dieser Gesellschaft. Wie irgendwie verwechselbare Hühner auf der Stange wirken sie, - peinlich. Gelegentlich meldet sich das Smartphone bei ihnen und dann sind sie am Telefon, um dringend Bescheid zu geben, dass es ihnen gut geht. Sie scheinen Trophäen und gestylte Träume zu sein, ja, welche, wie sie der Fan auf der Gegengeraden auch gerne hätte. Doch er hat nicht die Macht, das Geld, die treterischen Fähigkeiten und den Schneid dazu. Eine Person zu sein, eine Persönlichkeit gar mit Charakter, scheint in diesen Kreisen tabu, keine sieht nach sich selbst aus. Alle sind sie austauschbare Symbole des Erfolgs eines Balltreters.

Sonntag, 5. März 2023

Reflex

Man versuchte sich über weit mehr als zwei Jahrzehnte hinweg an Bewertungen, Einordnungen bestimmter musikalischen Ausdrucksformen samt ihrer Begleiterscheinungen und sozialen Zuschreibungen, am Verstehen und an Geschmacksurteilen bestimmter Arten von nicht durch die öffentliche Hand unterstützter Musik, die sich immer mehr ausdifferenzierte und nur noch selten auf den gemeinsamen „Platz am Lagerfeuer“ zuführte. Man sah darin durch den Zeitgist hindurch auf die Pole Kultur und Geschäft, man verwendete viel Energie, um sich das zu erarbeiten, was man früher nur nebenbei beobachtet hatte. Man ließ viel Persönliches einfließen, versuchte bestimmte Perspektiven verständlicher zu machen, man hatte Meinung eingestreut, Erlebtes, Erfahrungen und Beobachtungen, Ergebnisse von Gesprächen, man hatte den Austausch mit der anderen Meinung gepflegt, man war offen, man gab sich hin, man vergoss Herzblut und ließ auf sich wirken, ehe man sich um lockere Lesbarkeit bemüht zu einem Text verstieg. Und plötzlich war man weg. Wie vom Erdboden verschluckt, was niemanden so recht zu stören schien. Man hatte seine Meinung in Gehirne geblasen, hatte teilweise Empörung geerntet - und war doch plötzlich verschwunden. Vom Vielen verschluckt. Die Vielfalt hatte einen wie ihn verschlungen, man war aufgegangen im Banalen und Unübersichtlichen, über dessen Radikalität man sich wunderte. Jedenfalls war man für die Masse der Leute weg. Und wie ging es weiter? Man hatte zu wenig verkauft, sich nicht günstig dargestellt, nicht teilgenommen am Diskurs oder sich in einer künstlichen Wichtigkeit gesonnt. Von außen her beobachtete man weiter, entdeckte größere Zusammenhänge, die man nun auch mit Hilfe seines einmal absolvierten Studiums besser verstehen lernte. Man ging ökonomischen und politischen Notwendigkeiten nach, spiegelte das persönlich Psychische im Gesellschaftlichen, gewann dadurch Erkenntnisse, stellte in größere Zusammenhänge und gewann neue Einsichten, ehe man in einen Schlund fiel…....

Mittwoch, 1. März 2023

Himmel und Hölle

Frei von allzu großer Unruhe sein. Geht das angesichts des Todes? Vielleicht im Glauben an das Jenseits. Weg sein. Aufhören zu existieren. Aber entweder in die Hölle oder in den Himmel kommen. Heute sind viele Menschen sehr beunruhigt, weil sie keinen Glauben haben. Unsere Zeit glaubt, dass der Tod sinnlos sei. Argument gefällig? Stell dir vor, das Leben sei nicht endlich. Das auf diese Einsicht folgende Leben könnte jegliche Spannung verlieren und tödlich langweilig sein. Könnte...... Alles was Grenzen hat, ist wertvoll. Wird gesagt. Bis zu Ende wird das nicht gedacht, weil der Tod ja tabu ist. Wir alle könnten plötzlich sterben. Auch die, die sich sehr sicher fühlen. Noch müssen alle Menschen sterben, auch wenn die soziale Polarisierung und der medizinische Fortschritt hier allmählich für eine neue Einseitigkeit sorgen.

Freitag, 24. Februar 2023

Umgang

Ich wundere mich und bin manchmal empört, wie schnell und immer schneller jetzt bestimmten Menschen bestimmte politische Attribute zugeschrieben werden. Das Zuhören scheint nicht mehr angesagt, das Sich-Einlassen, das Verstehen-wollen von Problemen und den Menschen dahinter, die Wahrnehmung für Zwischentöne, das Differenzieren. Was das Erstaunliche ist: dies scheint auch für die demokratische und offene Seite zu gelten. Auch sie scheint die Reihen schließen zu wollen, wirft mit Parolen und Modewörtern um sich, errichtet Wagenburgen und geht in den Verteidigungsmodus. Meine Meinung: wir sollten uns gewisser Fehler und Fehlentwicklungen bewusst werden, sollten sie abzustellen versuchen, und zwar nicht nur mit Floskeln und vorgefertigten Gedankenbarrieren. Offenheit muss eine Stärke sein. Auch der Wille zur Veränderung. Es kann nicht darum gehen, dass diejenigen, die am meisten vom Status Quo profitieren, am lautesten dafür eintreten und alles andere von ihren marktschreierischen Lakaien ausblenden lassen. Die scheinbaren Differenzierer ergehen sich ja auch immer mehr in einer hohlen Wortklingelei, die Positionen vortäuscht und Parolen ausgibt, die so differenziert, so kritisch und aufklärerisch oft gar nicht sind und vor allem die Gemeinsamkeit in einem gewissen Sinne stärken sollen. Die Mitläufer und Fassadenbastler sollten in Deutschland nicht so einseitig auch von politischen Parteien bevorzugt werden, die Herrschaftsstrukturen und Glaubenssätze sollten wenigstens gelegentlich etwas in Frage gestellt und überprüft werden. Dieses „Aussitzen“ von Gegebenheiten, diese öffentlich institutionalisierte Lähmung sollte nicht mehr allgemeine Taktik der Wirklichkeit sein. Gemeinsamkeit sollte sich auch dadurch herstellen, dass man hier auch aus politischen Erfahrungen heraus aufklärerisch ist, weiter, als anderswo. Einbildung jeglicher Art davon abzuleiten, erscheint mir grotesk. Dass nicht der Exporterfolg, der ja im globalisierten „Wettbewerb“ den Wohlstand einer bestimmten Klasse von Menschen meint, allem anderen übergeordnet wird. Dass Wachstum auf seine Qualität abgefragt wird, dass das Bewusstsein mehr zählt, dass es verschiedene Arten von Wachstum gibt. Noch scheint es so zu sein, dass die Ressourcen der Erde endlich sind, der Wunsch nach Wachstum aber anscheinend nicht. Wie soll das nachhaltig zusammengehen? Vielleicht gilt es, gesellschaftliche Strukturen ein bisschen weicher zu gestalten, ein bisschen durchlässiger, so, dass nicht nur die „Durchsetzungsstarken“ oder Rücksichtslosen davon profitieren, die Blender und Verkäufer. Die Digitalisierung sollte gestaltbar sein und nicht wie ein Schicksal über uns kommen, das wiederum fette Profite für bestimmte Menschen und Verdruss für andere bringt. Ich will nicht, dass eine solche Haltung als moralisch und insofern als wirklichkeitsfremd abgetan wird. Nein, der Markt scheint mir nicht das allein selig machende Prinzip zu sein, der alle Lebensbereiche steuert und tief hinein ins Intime wirkt.

Donnerstag, 23. Februar 2023

Identität

Man müsste wie die Figuren bei Max Frisch von vorne anfangen können. Seine Identität wechseln können. Gar nicht mal aus Unzufriedenheit, sondern nur um ein Leben noch einmal neu zu leben. Aus anderer Perspektive. Für jemanden wie mich ist das sogar vollkommen logisch. Dieser Gedanke hat mich unter anderem an den Pionieren fasziniert, die im 19. Jahrhundert in die USA aufgebrochen sind. Neue Horizonte. Sich selbst neu erfinden. Sich quasi umdrehen, derselbe bleiben und doch alles anders sehen. Ich selbst habe zu wenig Urvertrauen dazu. Man sehnt sich nach einer anderen Auszeit. Das unter anderem war es, was ich bei meinen Kirchenbesuchen empfunden habe. Das ist eine Sphäre, ein Ort, der mitten im Geschehen steht und doch außerhalb. Ein Ort, der Zeitlosigkeit verspricht, und doch ein Zeugnis der Zeitläufte, der Historie, ist. Ein Raum, eine künstlerisch gestaltete Höhle, ein Ort der Besinnung, des Suchens und vielleicht ein Ort des Findens. Des Innehaltens. Des Aussteigens aus dem Rat Race. Stein statt Beton. Die Kühle in der Hitze. In einem gestalteten Raum, absichtslos in sich ruhend, und doch mit vielen inneren Absichten, in architektonischen Zwangsläufigkeiten und religiösen Sinngebungen erbaut. Überhaupt, - der Sinn. Vielleicht sind (Kloster)kirchen ein Ort des Sinns. Per se. Auch ohne die christliche Lehre mitzudenken. Mich wundert, dass ich das so über die Empfindung, über das reine Spüren erfahren konnte, - früher war ich da eher ein Kopfmensch. Es erschließt sich mir jetzt, Jahre später, ein anderer Zugang zu dieser Sphäre.

Dienstag, 21. Februar 2023

Gesundheit und Krankheit

Eine Erfahrung, die ich im Krankenhaus gemacht habe: Es ist doch eine vollkommen unsymmetrische Kommunikationssituation im Krankenhaus: Der sogenannte Patient ist unter Umständen ganz plötzlich aus allen Selbstverständlichkeiten und seiner alltäglichen Normalität heraus gerissen. Die unterbezahlt gestressten Schwestern und Pfleger hingegen erleben das jeden Tag, für sie ist der Patient einer unter vielen, er symbolisiert den Alltag. Sozusagen eine Durchlaufposition. Sein Gesicht wechselt zwar, aber er scheint doch immer der gleiche zu sein. Vom Patienten aus gesehen ist alles hingegen einmalig. Auch die Gesichter seiner Pfleger sind das. Er ist vielleicht in eine absolute Ausweglosigkeit gestoßen, in eine Einmaligkeit, die sogar, wenn's schlecht läuft, in den Tod führen kann, die gröbste Einmaligkeit, die einem passieren kann.... Schwestern und Pfleger treten ihm gegenüber aber als Vertreter der „Normalität“, des „Lebens draußen“ auf. Sie sind jenseits der Mauer, die sich plötzlich zwischen einem selbst und „den anderen“ (den scheinbar „Gesunden“) auftut. Und tatsächlich, sie, die Pfleger und Schwestern schalten nach Dienstschluss sehr schnell ab (es wird einem gesagt, anders gehe das nicht…) und sind wieder ganz draußen aus dieser abgeschlossenen Welt des Krankenhauses, in dem ganz andere Bezüglichkeiten und auch Abhängigkeiten gelten. Jawohl, der Patient ist in vielem auch abhängig von seinen Schwestern und Pflegern. Er ist ihnen ausgeliefert. Es entsteht dadurch eine Vertrautheit, die aber keine ist, sobald eine andere Situation eintritt. Ein seltsames Gefühl.

Montag, 20. Februar 2023

Mein Blog

Mein Blog will der Schirm, der Screen und, - der Radar der Information - sein, die uns zunehmend in verschiedenen Formen umschwirrt und sich uns aufdrängt. Dieser Schirm funktioniert wie mein Gehirn: Überprüfung und journalistische Verifizierung ist dabei allzu oft nicht möglich: wir sind ausgeliefert, sind auf das Gebotene angewiesen, suchen uns heraus, wählen etwas, deuten es nach unseren Möglichkeiten. Wie etwas wirklich ist?: wer weiß?. Es kommt auf die Perspektive an. Ich versuche nach Möglichkeit zu vermeiden: das Einzelne, Konkrete, weil so etwas sofortige rechtliche Schritte gegen mich nach sich ziehen würde. Weil mir dies oft auch unwichtig und als unnötige Aufwertung des Aktuellen auf Kosten des Allgemeinen erscheint. Meine Gedanken, meine Gefühle, meine (subjektiven) Erfahrungen und Erlebnisse sind dabei unbedingte Ausgangsposition, - meistens nicht an dem Zeitgeist oder dem Aktuellen orientiert, - die ich in eine möglichst kompakte Form ohne Wahrheitsanspruch bringen will. Der genuine Journalismus praktiziert etwas anderes, das sich deutlich davon unterscheidet, was ich hier vor führen will.

Sonntag, 19. Februar 2023

Werbung? Wohlstand? Lifestyle?

Wer redet denn noch so tumb traditionell von „Werbung“? Im Zeitalter der sogenannten Globalisierung ist das oft „Branding“, also das Aufladen eines Produkts oder eines Begriffs mit emotionalen Inhalten und Botschaften. Kulturelle Stereotypen scheinen sich dazu besonders gut zu eignen: alle Amerikaner sind oberflächlich, alle Franzosen träumen von der Liebe, die die Italiener recht feurig machen, alle Schwedinnen sind blond... usw. Für was wohl inzwischen „Made in Germay“ steht? Für Ehrlichkeit, tüftlerischen Fortschritt und Pünktlichkeit? Das war einmal. Das hat sich „germany“ gründlich selbst versaut. Nun ja, von den in Deutschland gebauten Automobilen wurde in den fossilen Zeiten der Verbrenner ja oft behauptet, sie seien die besten überhaupt. Ob sie das noch sind? Ob das zukunftsträchtig ist? Der Kunde kann sich nicht irren. Der Markt ist heilig. Exporterfolge und Kohle sprachen einst für sich. Aber jetzt? Wohin es führen kann, wenn Firmen mehr auf Image und Ruf setzen, auf mediengestylte Werte und Emotionen, als auf Qualität, das wird schnell ersichtlich. Doch gewisse Personen, Firmen, Staaten und Produkte gehen flott weiter voran, wenn es darum geht, sich von anderen zu unterscheiden, den „Wohlstand“ und einen Lifestyle zu produzieren samt den damit verknüpften Insignien. Was gilt? Bloß immer auf der Höhe des Zeitgeists sein! Prestige, Lebensgefühl und „Konkurrenzfähigkeit“ (was ein anderes Wort dafür ist, andere Mitbewerber fertig zu machen, was nicht heißt, sie unbedingt in der Qualität zu überholen... alle Tricks und Betrugsmechanismen scheinen da ja erlaubt...) Gebote der Globalisierung. Lieferketten sind da ins Gerede gekommen. Ein einprägsames Logo und eine zeitgemäße Farbgebung scheinen auch dazuzugehören, was dahinter im Alltag des Produzierens passiert, ist dabei egal. Nur das Erscheinungsbild am Markt scheint da zu zählen. Es zählt, was am billigsten ist. Umsatz. Strategie. Penetration. Was eigentlich wäre angesichts dessen der Begriff „günstig“. Fließt da unter anderem auch so etwas wie „Verfügbarkeit“ ein? Wieso muss es immer „billig“ sein? Vom Image her gedacht, wäre nicht nur das ziemlich lächerlich. Teure Phrasen und dämliche Wortspiele, alles passt und wird gut. So würde man hierzulande gerne glauben.

Donnerstag, 16. Februar 2023

Kafkaesk

Ob das etwas mit unserer bürokratischen Wirklichkeit zu tun hat? Ist eigentlich Franz Kafka noch populär? Der Mann hat in seiner Schreibe jedenfalls oft meine Wirklichkeit berührt. Kurz und reduziert. Auch muss man sich darum bemühen, aus seinen Texten etwas heraus zu quetschen. Seine Texte forderten mich. Das gefällt mir. Das ist nicht gerade in dem Sinne journalistisch, das es ja dem Leser möglichst leicht machen will. Franz Kafka wirft beispielsweise mit seinem Roman "Das Schloss" gleich mehrere Möglichkeiten der Interpretation auf, was im Journalismus gar nicht geht. Im Wesentlichen geht es in "Das Schloss" um das rätselhafte Machtgefüge einer behördlichen Instanz und die Unmöglichkeit für das Individuum, dieser Behörde beizukommen. Dabei ist es die Ohnmacht des Einzelnen, die herausgestellt wird. Genau diese Erfahrung hatte ich in ihrer „modernen“ Form auch. Man geriet dauernd an Behörden oder Firmen, bei denen sich niemand für etwas zuständig fühlte. Man wurde schlicht weiter verbunden dergestalt, dass man über weite zeitliche Strecken nichtssagende „Easy-Listening“-Musik anhören musste und sodann zu einem inkompetenten Mitarbeiter gelangte. Man vertat seine Lebenszeit. Für nichts. Kafkaesk. Es ging offensichtlich kaum um Problemlösungen, sondern um das Einhalten eines Standards (der heutzutage pseudo-wissenschaftlich statistisch vorgegeben erscheint. Alles, was mit diesem Mainstream nicht übereinstimmt, fällt links und rechts als „Kolateralschaden“ herunter, wird nicht berücksichtigt), der von einer Macht vorgegeben war. Verpasste man freilich irgendeine Frist, wurde man sogleich kostenpflichtig verwarnt und womöglich noch mit weiteren Sanktionen belegt. Aus dem Himmel der Verwaltungsbürokratie zuckten Blitze hernieder, denen man sich beugen musste. „Der Staat hilft“, so die von der großen Politik verbreitete Kunde. Freilich wirken sich solche PR-Behauptungen zu selten konkret aus und zeugen vielmehr von der Ahnungslosigkeit der Politikkaste. Staatsdiener drangsalieren oft Schwache, gefallen sich offenbar darin, ihre Freiräume dahingehend zu nutzen, dass sie Benachteiligte und ihnen Ausgelieferte viel zu oft dunkel drohend sanktionieren… Passende Paragraphen oder gesetzliche Verfügungen finden sie dafür nur allzu leicht. Es thematisiert das Werk Kafkas in Form des Schlosses und der Schlossbehörde ein rätselhaftes Machtgefüge, das von einer behördlichen Instanz ausgeht. Dabei ist es für den Einzelnen unmöglich, dieser Behörde beizukommen.

Mittwoch, 15. Februar 2023

For real....?

Ich lese davon, dass jetzt ein Wurmloch erzeugt worden sein soll. „Schwarze Löcher“. Täterä. Dies steht wohl in einem Trend zur zunehmenden Durchlöcherung unserer Wirklichkeit. Hologramme bestreiten große Konzerte, Digitalkommunikation macht es wohl möglich, an zwei Orten zugleich zu sein. Quantentheorie. „Weltformel, die die Quantentheorie und Gravitationstheorie zusammen bringen könnte. Alles normal. Alles möglich. Abbilder, Kopien, ein Chatprogramm schreibt glaubhaft Gedichte und Biografien. Parallelwelten. „Matrix“. Da ist ein Abgrund. Ob wir uns von uns selbst lösen können? Raumzeit. Ereignishorizont. Der Albert behauptet einen gekrümmten Raum, der…...Der Krieg zeigt wohl eine archaische Gegenbewegung auf. Stahlgewitter. Das scheint der gegenwärtige Mensch noch zu verstehen: dem Gegenüber den Schädel einschlagen. Jemand spricht ihm die Existenzberechtigung ab. Fortschritt? Offenbar hält der Mensch nicht Schritt. Es scheint ein Vernichtungsdrang über ihn zu kommen. Einfach so. Er will mehr und setzt sich selbst ins Recht, das dem anderen zu nehmen. Und niemand ist verantwortlich oder gar schuld – wie eigentlich immer. Sich das Universum vorstellen? Never. Eigentlich bin ich da hilflos, egal, wie viel theoretische Arbeit da betrieben wird.

Montag, 13. Februar 2023

Empathisches Verstehen

Je nachdem, wie man’s ansieht: Wir sollten anfangen, den ernsten Gehalt dieser Binse zu verstehen. Hier, auf dieser Ebene, versuche ich das schon lange. Auch die verschiedenen Beiträge dieses Blogs sind nur Versuche, die Wirklichkeit zu deuten, etwas mehr zu verstehen, ihr eine Perspektive abzuringen, sich vorsichtig hinein zu tasten, in ein Spiegelkabinett, dessen Deutung durch tausend Faktoren einigermaßen vorherbestimmt sein kann. Wir bauen Sichtweisen auf und ab, wir nehmen spielerisch Haltungen ein, wir reflektieren unsere unmittelbare und unsere mittelbare Umgebung, wir spekulieren darüber, wir versuchen mit unseren Mitteln zu verstehen. Wir drehen uns und nehmen einen anderen Standpunkt ein, spielerisch, eingedenk der Relationen, die sich jeweils davon ableiten. Wir lassen uns dafür beschimpfen von den eindeutig orientierten Tatmenschen, denen jedes Erwägen fremd ist, die nur tun und machen (nach welchen Maßstäben, wohin treibt es sie...? genau an dieser Stelle will dieses Blog einige Tipps geben...). Wir fragen nach deren Maßstäben, wir versuchen, uns hineinzuversetzen, wir wollen uns in Empathie üben.

Sonntag, 12. Februar 2023

Fußballereien

Wie kommen viele Leute eigentlich dazu, noch immer an den Fußball zu glauben als einen „11-Freunde“-Fetisch? Die Fußballvereine (auch die sogenannten "Traditionsvereine") sind doch in Mitteleuropa längst anonyme Kapitalzusammenballungen, die ihr Personal beliebig tauschen und je nach finanzieller Stärke zusammenkaufen. Wo sogenannte Traditionsvereine (die natürlich auch versuchen, alles Finanzielle mitzunehmen....) dabei stehen, ist ja gegenwärtig in der deutschen Fußball-Bundesliga klar abzulesen. Der Fußball ist Teil des Showgeschäfts geworden, operiert mit Milliardenumsätzen und klagt dafür den steuermäßig unterfütterten Schutz der öffentlichen Hand (z.b. bei Polizeieinsätzen...) ein: das Muster ist bekannt aus der Finanzwelt. Natürlich wollen die Traditionsvereine ihren „Mythos“ pflegen und versuchen gegen die reinen Geldvereine mit Firmenaufdruck zu ätzen. Dabei versuchen sie selbst dasselbe und schaffen es oft nicht ganz. Die Werbung hat längst übernommen: In den Vereinsnamen aufgenommen, auf Trikots abgebildet und in umbenannten Fußballarenen abgebildet. Gekauft. Es geht um Rechte. Logos. Besetzungen des Kopfes. Aggressive Verkaufsstrategien. Ich beobachte, wie sich die Leute immer mehr für diesen industriell gefertigten Fußball interessieren, wie es ihre Unterhaltungen füllt, mit den Kumpels, mit den Nachbarn, mit den Arbeitskollegen. Ich stehe dabei, staune und wundere mich. Es interessiert mich auch, sehr wohl, - aber mit einigem Abstand. Man könnte auch meinen, ich würde es nicht ganz so ernst nehmen, jedenfalls nicht so ernst wie jene, die ihre Identität damit verknüpft haben, die sich dafür gegenseitig auf die Nuss hauen oder sich veritable Schlachten mit der Polizei und dem billig engagierten "Ordnungspersonal" liefern. Es muss ihnen wichtig sein, sie identifizieren sich damit, es prägt ihre Lebenswelt total. Ich habe einiges Verständnis dafür, sogar Sympathie, - nur: ich kann es nicht so recht ernst nehmen. Denn es ist Showbusiness, es spielt mit dem Schein, mit den Sehnsüchten und Wünschen eines Massenpublikums. Es kommt mir vor wie Theater. Eine Simulation und Verdichtung, nicht das Eigentliche.

Samstag, 11. Februar 2023

Morgentraum (songlyrik)

Das Folgende weht aus tiefer Vergangenheit zu mir herüber: MORGENTRAUM Montagmorgens zehn und ich lieg' noch im Bett der Wecker weckt sich selber und ich dreh mich nochmal um steh' heut' nicht auf, bleib' einfach liegen und schon regen sich die Stimmen Hey faules Ekel hör' doch auf mit dem Trödeln Manche laufen hin und her, geschäftig und recht fleißig sie suchen alle und wissen doch nicht, was ich geh' her und kassier' den Lohn der Angst was kümmert mich das Morgen, ich will es jetzt ich will es jetzt und nicht erst morgen los komm mit, vergiss deine Sorgen Wir machen heut' alles nur zum Spass im Garten der Träume sind wir die Stars wir fahr'n nach Honolulu und hör'n auf zu friern' wir fahren nach Berlin und sehn' uns in die Augenblicke Hey faules Ekel hör' doch auf mit dem Trödeln Spring über meinen Schatten und spiel' mit den andern Löwen geh' ins Treibhaus und such' nach einer Rose und frag' den Kalif des neuen Lebens ob wir das Paradies doch noch finden ich will es jetzt und nicht erst morgen los komm mit, vergiss deine Sorgen Da läutet's wieder, das Ding gibt keine Ruh' der Alltag hat soeben wieder aufgeholt ich frag' mich: war das nur ein Traum? Oder bin ich soeben aufgewacht?

Donnerstag, 9. Februar 2023

Aufschub

Unvorstellbar. Wenn ich heute sterben würde, würde nahezu niemand drüber reden, daran denken. Man würde „ganz unverhofft“ und plötzlich und „vor der Zeit“, wie es heißt, das Weite suchen. Dann könnte es zum Beispiel auch eine Verwechslung sein. Könnte. Viellicht bin nicht ich es, der gemeint ist. Doch wenn man es mal ganz unromantisch definieren will, ist der Tod der Zustand eines Organismus nach der Beendigung des Lebens. - das klingt gar nicht so schrecklich, wie es alle machen! Wenn etwa ein Flugzeug abstürzt, dann entlockt uns das die Bemerkung „ach“ und „oh“. Auch Betroffenheit. Nehmen wir also an, ich stürbe, wäre es ein riesiges Desaster für mich selbst natürlich. für die Menschheit vielleicht weniger. Ich wär ja dann mal weg. Einfach weg. Nicht aufzufinden. Verschwunden. Versicherungen? Finanzamt? Testament? Erbschaften? Ich hinterlasse keine ungeklärten Verhältnisse, ich hinterlasse überhaupt keine Verhältnisse. Sollte also der Tod jetzt kommen, gilt die Devise der Zweckpessimisten: „der Sarg ist halb leer.“ Ich merke, wie ich schwanke: zwischen schwarzem Humor, Verdrängung und Aufschiebgedanken.

Sonntag, 5. Februar 2023

Kosmische Bezüglichkeiten

Ich begreife, dass ich in diesem Universum lebe – dies aber nicht besonders bewusst: alleine schon die Größen- und Zeitverhältnisse sind gewaltig, unvorstellbar. Vor 13,7 Milliarden Jahren soll der Urknall stattgefunden haben, aus dem Nichts. All das überfordert unsere Vorstellungskraft bei weitem. Das alles geht über unser Bewusstsein hinaus, reißt Räume auf, die unwirklich erscheinen, aber blanke Wirklichkeit sind. Die uns einhüllen in diese Wolke, die uns bedeuten soll, dass sie wichtig sei. Dabei ist sie wohl im Weltmaßstab völlig nebensächlich, spielt keine Rolle. Es tun sich andere Wirklichkeiten auf, andere Bezüglichkeiten.… wie könnte ich alleine schon angesichts dessen glauben, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei und seine Erkenntniskraft das Maß aller Dinge? Das ist wohl krasse Überschätzung aus einem beschränkten Gesichtskreis heraus. Wir hätten nichts anderes, als die wissenschaftliche Erkenntnis, höre ich einige Agnostiker greinen. Nun gut, aber vielleicht müssen wir einsehen, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es darüber hinaus viel gibt, - nicht nur die bei wissenschaftsgläubigen Geistern so unbeliebte Gottesvorstellung. Lächerlichkeiten auf zwei Beinen sind wir, auch wenn wir uns demnächst wieder ins All aufmachen. Da draußen gibt es noch so viel mehr, Milliarden von Sternen und Planeten und Asteroiden und Weltraumschrott. Und wer sagt denn, dass Raum und Zeit die einzigen Dimensionen sind? Womöglich gibt es auch in dieser Hinsicht deutlich mehr. Nicht nur der Film „Matrix“ mag da einige populäre und mehrfach fortgesetzte Hinweise gegeben haben.... Bescheidenheit und Demut erscheint angezeigt......Und Interesse für das, was in uns durch verschiedene Techniken der Überlieferung aufgehoben ist....Ahnungen, Visionen, Bilder, Auslegbares...

Mittwoch, 1. Februar 2023

Dies Blog (2)

Menschen halten sich in unserer ausdifferenzierten Gesellschaft in verschiedenen (Lebens-)Welten auf, bevorzugen verschiedene Stile in mancherlei Lebensfragen, sind unterschiedlich geprägt durch verschiedene Milieus oder Herkunft. Daran knüpft sich oft ein Ethos, das es zu verstehen gilt. Dies hat auch etwas mit der Rolle zu tun, in die wir "hinein sozialisiert" wurden, mit ihren ökonomischen und allgemeinen Lebensbedingungen, mit ihrer jeweiligen Werte- und Normenwelt. Sich da hinein arbeiten zu wollen, etwas davon erkennen zu wollen, sich selbst auf etwas anderes einzulassen, andere Zusammenhänge zu begreifen, könnte etwas wertvolles sein, was mit „Empathie“ zu tun hat. Da aber im Zeitalter des Neoliberalismus jeder für sein persönliches Glück für verantwortlich erklärt wird, da jegliche Zielrichtung „Solidarität“ insofern verpönt und negativ belegt scheint, bewegt sich diese Gesellschaft immer mehr in Polarisierung, Vereinzelung und Desolidarisierung. Das Bewusstsein, für etwas Gemeinsames verantwortlich zu sein, schwindet. Überhaupt schwindet das Bewusstsein, trotz aller Individualisierung einem Kollektiven ausgeliefert zu sein. Verständnis füreinander schwindet, auch wenn kurz- und mittelfristige Entwicklungen dem nicht zu entsprechen scheinen. Sich ein Stück weit auf andere Lebenswelten zuzubewegen, seinen Horizont über die gewohnte „Bubble“ hinaus zu erweitern, dazu will dies Blog „Reise durch Wirklichkeiten“ ermuntern. Es ist dies auch durch meinen früheren Beruf inspiriert. Aber auch durch darüber hinaus gehende Erkenntnisse und Erfahrungen. Neugierig auf „das Andere“ sein, sich erweitern, andere Möglichkeiten erwägen (auch für sich selbst), sich mitfühlend statt competetiv zu verhalten.

Montag, 30. Januar 2023

Die einen, die andern (Songtext 2012)

Die einen, die andern (New Rising) Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben Die einen betreiben Schmierendienst zwischen Schenkeln die andern treibt es zurück ins Kloster die einen flüchten dringend ins Theater, die andern saufen sich den Ballermann die einen klettern Wände rauf und runter die andern springen keck von Klippen die einen wollen unbedingt fliegen, die andern kommen schon mal ins Trudeln die einen gehen auf den Fußballplatz die andern in den Spielsalon die einen zieht's in fremde Länder... nah die andern in die hintere Sakristei.... Mongolei die einen treiben Ausgleichssport... auf Leistung die andern gleiten per Anhalter durch die Galaxie die einen fahren goldene Autos mit güldenen Felgen die andern treiben den Ochsenwagen Die einen gehen zum Psychiater die andern in den Imbissladen der Moderne Mensch träumt von modernen Städten, die sich zum Alptraum entwickeln Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben Party, Vergessen, Verdrängen, - Fortschweben Fliehen – Abhaun – Vergessen Fliehen – Abhaun – Vergessen Die einen fallen aus der Zeit, die andern wollen mit ihr gehen die einen spielen Komödien, denen sie so recht nicht trauen die andern glauben ans Kasperletheater die einen geloben dem Papst ihre Treue die anderen setzen ihrer Wahrheit den Turban auf die einen loben die Wonnen des Fleißes als Gestalter die andern haben keinen Job und tun lieber so als ob Fliehen – Abhaun – Vergessen Fliehen – Abhaun – Vergessen Fliehen – Abhaun – Vergessen Fliehen – Abhaun – Vergessen - Fortschweben

Freitag, 27. Januar 2023

Donnerstag, 26. Januar 2023

Identität und Idiologie

Noch ein Auszug aus meinem Script/aus den Aufschreiben aus Zeiten meines Soziologie-Studiums. Keine Ahnung, wo ich das Material dazu aufgeschnappt hatte, es steht heute in meinen Scripten: Identität ist der „sozialisierte Teil des Selbst“. „Nur wenn Andere meine Identität bestätigen, wird das Individuum Wirklichkeit. Identität ist das Ergebnis des Zusammenwirkens von Identifizierung und Selbstidentifikation. Das gilt sogar für Identitäten, die sich manche Menschen erfinden und sich zurecht legen.“ Ob das zur Erkenntnis von Menschen wie Donald Trump beitragen könnte? Menschen, die sich eine Wirklichkeit zurecht legen und alles andere als „Fake News“ denunzieren glauben zu können? Die glauben zu bestimmen, was sei? Das, was nicht mit meiner Realität übereinstimmt, wird ausgeblendet oder einfach als unzutreffend bezeichnet. Das heißt: Es existiert nicht, weil ich es nicht anerkenne. Gewisse Sektenidiologien scheinen meiner Meinung nach auch so zu funktionieren, Machtidiologien und Religionen tun das sowieso. Das, was ins Weltbild passt, wird gesehen und anerkannt. Das andere wird geleugnet, verdrängt oder sonstwie ausgeblendet. Daraus wird dann eine gemeinschaftliche Identität konstruiert (oft auch zum Nutzen und Profit einzelner Personen). Es heißt, dazu zu gehören. Und nicht außerhalb zu stehen. Wer dazu gehört und wer außerhalb steht, bestimmt im verschärften Falle eine diktatorische Führerfigur.

Mittwoch, 25. Januar 2023

Profis in dunklen Anzügen und Rat Race

Erinnerungen, Szenen aus scheinbar vergangener Zeit: Mir gehen immer noch die Bilder durch den Kopf, als einige Mächtige der deutschen Industrie Verträge mit ihren Pendants aus der Volksrepublik China unterzeichneten. Das mischt sich in meinem Kopf nach Art des Internets kurzfristig mit den Nachrichten über neue Wechselabsichten oder Vollzüge von Fußballspielern. Vertragsunterzeichnungen. Hinzu kamen neue Paarungsgeschichten, Verfehlungen und Bumsereien von „Prominenten“. In diesen Fällen scheint sich vieles anonymisiert zu haben. „Profis“ und "Promis" wechseln dorthin, wo es die meiste Kohle gibt, basta. Es ist dies ein durchgehendes gesellschaftliches Prinzip. Irgendwelche Zugehörigkeiten, Identitäten usw. scheinen dabei völlig auf der Strecke geblieben zu sein. Genauso kamen mir die Namen und Firmenlogos vor, für die die unterzeichnenden Herren in ihren Anzügen standen: Schall und Rauch, der mittlerweile nichts mehr wert ist, außer der durch sie erzeugten Wirtschaftskraft. Menschen und Identitäten scheinen da außen vor zu sein. Es herrscht das Diktat der Wirtschaft. Gerade in jetzigen Kreigszeiten. Es Millionen und Milliarden bewegt, eben mal so, mit freundlich netten Gesichtern, die für Entwicklungen stehen, hinter denen sich Einzelschicksale, Altersarmut und viele viele Probleme verbergen. Hätschelkinder des Systems lassen sich indessen kaufen und verkaufen und gehen freiwillig in eine Sklaverei, die - getreu dem heutigen Systemideal - vor allem diesen Hätschelfiguren selbst wohl zu tun scheint. Gemeinsamkeit? Menschen sind ihres eigenen Glückes Schmied, sind Verfügungsmasse, Kostenfaktoren, sind an promindenter Stelle Identifikationsflächen, sind Kauf und Verkaufsgelegenheiten geworden. Die Ökonomisierung scheint alle Lebensbereiche durchdrungen zu haben, auch in Krisenzeiten, alles ist eine Frage von Angebot und Nachfrage. Dabei scheint mir nicht das Problem zu sein, dass das Angebot und die Nachfrage gewisse Lebensbereiche durchdringt, sondern dass dies Prinzip immer mehr alle Lebensbereiche durchdringt, und zwar auf eine raffinierte sich einschleichende, unmerklich einsickernde Weise. Alle Lebensbereiche. Es scheint total, ja nahezu totalitär geworden zu sein. Menschen verfangen sich unwillkürlich darin und kommen nicht mehr heraus, sind ins Hamsterrad und in die Kopfwaschmaschinen eingeschlossen. Ja klar, ich bin froh, dass ich in Deutschland lebe. In anderen Bereichen der Welt scheint dies alles noch viel unbarmherziger vonstatten zu gehen. Auf Menschenrechte wird geschissen. Aber würde es nicht zu einer gewissen Weisheit gehören, wenn die hiesigen Verantwortlichkeiten der Politik die Gefahren solcher Entwicklungen wenigstens zur Kenntnis nehmen würden und nicht nur im showträchtigen Beisammensitzen (wie eigentlich sollen sich zahlreiche Regierungschefs in so kurzer Zeit unterhalten oder gar „Gespräche“ führen?) ihre Macht preisen würden? Altersarmut, Arbeitswelt 4.0., Fachkräftemangel und andere dramatische Entwicklungen wie Hunger oder "Klimawandel“: Ist so etwas in einer Showveranstaltung wie dieser beliebigen mal eben „abzuhandeln“?

Dienstag, 24. Januar 2023

Was uns frei machen könnte

Ihr habt alle nichts verstanden. So klingt es mir noch in den Ohren. Abweichende Meinungen sind tabu. Ich spüre den Drang zum Konformismus. Zur Gleichschaltung statt derselben Meinung. Ich fühle mich eingeengt. Sich außerhalb des Konsens stellen, der in dieser Gruppe gepflegt wird? Ich gebe zu, diese Idee reizt mich. Da schwingt etwas von Sokrates mit, der dafür, dasss er anderer Meinung war, hingerichtet wurde. Da war kein Kick dafür, den eigenen Kopf zu wahren, selbst zu denken. Solange wir uns innerhalb der Tabuzone aufhalten, ist alles okay. Sobald wir aber davon abweichen....Oh je! Nun ja, soweit, so gut. Ist aber das Gegenteil davon richtig? Dass jeder, der vom rechten Pfad abweicht, der gewissen Geboten (oder Verboten) nicht gehorcht, sich schon als Held der Aufklärung sehen darf? Selbst denken scheint schwierig. Einerseits ist es dem individuellen Denken verpflichtet, andererseits ist es auch gesellschaftlichen Zwängen ausgesetzt. Wir haben vielleicht eine Art innere Freiheit, die wir nie verlieren. Sie mag unbedingt sein, an keine Voraussetzungen gebunden. Doch dies muss auch in wechselseitigen Beziehungen mit anderen Menschen zum Ausdruck kommen. Wir sind also in unserem Leben gleichzeitig total frei und gleichzeitig durch die Gesellschaft bedingt und konditioniert. Ein bisschen ist das paradox. Angesichts dessen bleibt uns der Mund offen stehen. Keinesfalls aber kann da Rechthaberei sei, ein Durchsetzen gewisser Vorstellungen auf Kosten von anderen, ein Durchsetzen, das sich vielleicht auf Natur, Kultur, Idiologie oder Religion beruft.

Sonntag, 22. Januar 2023

Schopenhauer über den Tod

„Nach Allem inzwischen, was über den Tod gelehrt worden, ist nicht zu leugnen, daß, wenigstens in Europa, die Meinung der Menschen, ja oft sogar des selben Individuums, gar häufig von Neuern hin und her schwankt zwischen der Auffassung des Todes als absoluter Vernichtung und der Annahme, daß wir gleichsam mit Haut und Haar unsterblich seien. Beides ist gleich falsch: allein wir haben nicht sowohl eine richtige Mitte zu treffen, als vielmehr den höheren Gesichtspunkt zu gewinnen, von welchem aus solche Ansichten von selbst wegfallen. Ich will, bei diesen Betrachtungen, zuvörderst vom ganz empirischen Standpunkt ausgehn. – Da liegt uns zunächst die unleugbare Thatsache vor, daß, dem natürlichen Bewußtseyn gemäß, der Mensch nicht bloß für seine Person den Tod mehr als alles Andere fürchtet, sondern auch über den der Seinigen heftig weint, und zwar offenbar nicht egoistisch über seinen eigenen Verlust, sondern aus Mitleid, über das große Unglück, das Jene betroffen; daher er auch Den, welcher in solchem Falle nicht weint und keine Betrübniß zeigt, als hartherzig und lieblos tadelt. Diesem geht parallel, daß die Rachsucht, in ihren höchsten Graden, den Tod des Gegners sucht, als das größte Uebel, das sich verhängen läßt. – Meinungen wechseln nach Zeit und Ort; aber die Stimme der Natur bleibt sich stets und überall gleich, ist daher vor Allem zu beachten. Sie scheint nun hier deutlich auszusagen, daß der Tod ein großes Uebel sei. In der Sprache der Natur bedeutet Tod Vernichtung. Und daß es mit dem Tode Ernst sei, ließe sich schon daraus abnehmen, daß es mit dem Leben, wie Jeder weiß, kein Spaaß ist. Wir müssen wohl nichts Besseres, als diese Beiden, werth seyn“.

Samstag, 21. Januar 2023

Rentengespräche über Grenzen

In Frankreich wird demonstriert und es gibt heftige soziale Auseinandersetzungen, weil das Renteneintrittsalter von 62 auf 64 hoch gesetzt werden soll. Und hier? „Rente mit 63 abschaffen“, so lese ich. Mir scheint da aber so manches im Argen zu liegen. Ein Beispiel, von dem ich gelesen habe und das, egal ob es genauso stimmt, die Richtung andeutet: Ein Handwerker, der 45 Jahre gearbeitet hat, bekommt derzeit ca. 2000€ Rente, viele Leute sogar weniger. Die frühere Verteidigungsministerin brauchte nur 1 Jahr anwesend sein (...und ihren Job mehr schlecht als recht machen) und bekommt lebenslang und staatlich garantiert 5000€. Das Renteneintrittsalter gleitet derzeit hoch auf 67 Jahre, wobei die nächste Erhöhung auf 70 Jahre mit den immer gleichen Argumenten bereits anstehen soll. Auch die Staatsdiener, die als Beamte ausgerufen werden, haben es nicht gerade schlecht, was die Pension angeht. Was auffällt: fast alle Nachbarstaaten haben bessere Rentenbedingungen und frühere Eintrittsalter. Ob das etwas damit zu tun hat, dass dort auch Beamte und Nobel-Selbständige in die Rentenkasse einzahlen müssen? Wieso eigentlich fordern das so wenig „weise Sachverständige“ und „Experten“? Ob sie doch gewisse Interessen vertreten, auch wenn sie formal unabhängig sind?

Natur in uns

Hegel sagte „Ich ist nichts Besonderes, ich ist auch jeder andere...“ . Ob darin etwas liegt, das wir uns immer wieder klar machen sollten? Dass nämlich das Ego nicht alles ist, dass es im Leben vielleicht nicht so sehr darum geht, sich selbst zu verwirklichen, sondern dass dieses Selbst in einem Zusammenhang mit allem steht, auch mit der Natur, die ja sowieso auf mannigfache Weise in uns ist. Sobald wir uns regen und spätestens, wenn wir atmend etwas zu uns nehmen, treten wir in einen Austausch mit unserer Umwelt, unseren Mitmenschen. Wir sind ein Teil der Natur und die Natur ist ein Teil von uns. Da ruft einBekannter an und will uns einladen, mitschleppen zum Konzert einer Band, die er ganz besonders toll findet. Klar, er will uns etwas Gutes damit tun. Das fällt wohl jedem ein. Doch will er uns nicht auch das zeigen, uns überzeugen davon, was er für richtig und toll hält? Geht es um die psychische Unterstützung und Kräftigung eines anderen Egos, das im Besitz eines von ihm selbst so wahrgenommenen ganz besonderen Wissen ist? Dieses „Wissen“ kann ja auch einem kurzfristigen Spleen entspringen, einer der persönlichen Phase geschuldeten Befindlichkeit, einem Bedürfnis, das in diesem Falle durchaus nicht meines werden muss. Autismus? Egoismus? Egomanie? Okay. Der Neoliberalismus prägt uns, ohne dass wir das so wahrnehmen. Jeder ist sich selbst der Nächste, flüstert uns unsere Umgebung zu. Ein klein wenig sollten wir aber auch unsere Umwelt im Auge behalten, von der wir abhängen, der wir zugetan sind oder nicht, mit der wir uns spirituell verbunden fühlen, als einem Teil unseres Selbst. Natürlich lebt es sich als Ego-Rammbock einfacher und materiell reicher. Doch innerlich reicher, - und dieser Wert wird im Laufe eines Lebens immer wichtiger, - lebt es sich mit offenen Augen und klarem Bewusstsein für unsere Umwelt und unsere Mitmenschen

Freitag, 20. Januar 2023

Nationalismus als Sport

Spitzensport, eine einzige Orgie in Nationalismus. Ich nehme das intensiv wahr, wenn etwa nur die Berichterstattung über „die Deutschen“ im Vordergrund steht. Oft gibt es ja auch „Siegerehrungen“, bei denen Fahnen hochgezogen und National-Hymnen gespielt und mitgesungen werden. Es wird auch über die Medien hart am Image von solchen Sportlern gearbeitet. Alleine schon, welche Strapazen die auf sich nehmen! Selbst präsentieren sie sich ständig grinsend und mit „positiver Ausstrahlung“, trinken komisches Zeugs oder rasieren an sich herum. Wichtig ist, wie man sich verkauft, was alles schon in der Sozialisation aufgenommen und später auf vielerlei Arten andressiert wird. Man muss eins mit der Masse sein, im rechten Moment Kaspereien und Faxen vorführen, alle Skepsis verdrängen (keine „Miespetrigkeit“, keine „Spassbremse“). Vorbehalte (politischer, ökologischer oder moralischer Art) gibt es nicht, bzw. werden in Kauf genommen.

Donnerstag, 19. Januar 2023

Von oben nach unten

85 Menschen besitzen so viel, wie die halbe Weltbevölkerung. Oder, oder, oder…. Die ansonsten in allgemeiner Wissenschaftsgläubigkeit heilig gesprochenen „Untersuchungen“ benennen es deutlich. Noch nie war Geld so ungleich auf der Welt verteilt. Wenn die Reichen immer reicher werden, dann haben auch diejenigen etwas davon, die nichts haben - heißt es in einer aktuellen Untersuchung, die vor dem Davos-Weltwirtschaftsforum der superreichen „Globalelite“ bekannt geworden ist. Steht im Raum. Trickle-down-Theorie. Von den Superreichen profitieren? Es würde etwas einsickern in andere Schichten, wenn diese Schmarotzer immer reicher würden. Wer eigentlich verbreitet solchen Unsinn? Aus der Vergangenheit lernen: Seit dem großen Finanzeinbruch 2008 wurden beispielsweise allein in Großbritannien 118 Milliarden eingespart, die auf Umwegen als Boni und sonstige Vergütungen an die Banker und ein paar Manager gingen. Während die Reichen äußerstenfalls ein paar schlechtere Monate und dann stark steigende Gewinne hatten, ging an den Rest der Welt während all der Jahre seitdem kein Vermögenszuwachs mehr. Sparkurs allüberall. Stagnierende Einkommen. Hingegen explodierende Einkommen der Superreichen. Vorbei die Zeiten von „mehr Demokratie wagen“ und Chancengleichheit. Wie das wohl jetzt ist, nach der Pandemie und während des Krieges? Dazu passt, dass unter Superreichen trotz des gigantischen CO2-Ausstoßes offenbar Kurzstreckenflüge in Privatjets in Mode zu sein scheinen. Belastend sind dabei besonders die Starts und Landungen, weil sie enorm viel Schub brauchen und dementsprechend CO2 ausstoßen. Dazu geht mir etwas seit Tagen im Kopf herum: Einer dieser Superreichen, der gefragt wird, wieso er mit dem Privatjet fliegt, druckst herum und antwortet schließlich: „Weil’s möglich ist. Man sollte das gesamte Spektrum dessen nutzen, was möglich ist“. Wie viel Rücksichtslosigkeit im selbst zugesprochenen Bewusstsein eigener Wichtigkeit offenbart so etwas eigentlich? Wenn sie Taxis mieten, Restaurants besuchen, noble Uhren, Yachten und Autos kaufen (lassen), erzeugen sie Wohlstand für alle, so das immer wieder dahinter stehende und zu oft verbreitete Credo der Reichen und ihrer Handlanger. Reichtum zu verteilen schaffe Chancen für alle. Das stimmt gleich in mehrfacher Hinsicht nicht. Denn solche „Konsumausgaben“ kommen auf dem Umweg über Arbeitsplätze nur einer kleinen Anzahl von Menschen zugute, die in der Regel für ihre Dienste nicht gerade herausragend bezahlt sind. Und was überhaupt in den Bereich von Unternehmen gelangt, also zu Betriebskapital wird, wird nicht mehr im altmodischen Sinne investiert, sondern es wird zur Rationalisierung von Betriebsabläufen verwandt, - was heutzutage heißt: es werden Arbeitsplätze eingespart, es werden Menschen „freigesetzt“, rausgeschmissen, die in den Industriestaaten dann auf Kosten des Staates alimentiert werden. Sozialtransfer nennt sich dann so etwas. Viele Medien stützen solche Mechanismen ab und preisen den Mythos von Steve Jobs, Bill Gates, Elon Musk und Co. Ein abschreckendes Beispiel: in den sogenannten „Autotests“ der Zeitungen, Zeitschriften und TV-Sendungen, werden in der Regel teure Sportwagen vorgeführt, die sich niemand von denen leisten kann, die davon träumen. Es wird ihnen die Karotte vor dem Esel hin gehalten. Es scheint, als sei dies das normalste der Welt. Was aber in einer Gesellschaft als „normal“ gilt, ist ein komplexer Prozess, der ständig in Bewegung ist.

Mittwoch, 18. Januar 2023

Hinterher hetzen

Das Internet und allerlei smart moderne Technologien vernetzen den Menschen immer mehr, machen alles schneller und leistungsfähiger (wobei auch die "Künstliche Intelligenz" (KI) eine Rolle spielt). Wie lange und wie weit können wir das noch mitmachen? Wie weit geht das? Gibt es Grenzen? Wer ist wir angesichts all der willfährigen Geister? Wir müssen wohl auch in der Krise wachsen, so lange wir die gegenwärtige Wirtschaftsform pflegen. Wachstum ist im Kapitalismus Pflicht. So geraten wir immer noch ein bisschen mehr unter Druck. Die Erwartungen, nicht zuletzt durch uns selbst, steigen. Wir sollten, wir müssten.... Dadurch hinken wir ständig unseren Ansprüchen hinterher, genügen nie, geraten im schlimmsten Fall in Umstände wie Burnout, Depression, vollkommener Stillstand usw. Alles wird stumm und starr, es bewegt sich nichts mehr, auch in uns selbst. Das alles scheint ein Zwang. Doch wo kommt er her? Wer redet denn hier von „System“ oder „Kapitalismus“? Große Häuptlinge haben das ohnehin verinnerlichte Motto „Wachstum über alles“ längst vorgegeben, sie lassen es bimsen und immer wieder neu lernen. Sie drücken es in die Köpfe. Wollen wir dabei bleiben beim Mainstream, bei der gesellschaftlichen Erfahrung, müssen wir da scheinbar mitmachen. Der Zwang, der Druck, der Drang zum Ökonomischen durchdringt inzwischen alle Lebensbereiche. Arbeit, Bildung, Familie, Liebe, Natur: Die Steigerung, Optimierung, Beschleunigung bildet die Erwartung. In uns. An uns. Wohin geht das? Was ist da gut für uns? Wo geht das hin?

Dienstag, 17. Januar 2023

Schöne Neue Welt

Schöngesichter und Showerprobre Harlekine: Mir fällt immer wieder auf, dass immer mehr etablierte „Celebrities“, Weltstars und gestandene Hollywoodgrößen Uhren, Kaffeemaschinen, Parfums und andere Konsumgüter in seriös daher kommenden Clips in farbig grinsenden medialen Kampagnen mit großflächigen Anzeigen empfehlen. Es weiß ja jeder, dass dies mit den persönlich gepflegten Gewohnheiten der jeweiligen „Stars“ gar nichts zu tun hat, dass es eine reine Sache des Vertrags und des gewerbsmäßig übertragenen Images ist. Der Trick geht so: wer dies benutzt, kann sich wie der XYStar fühlen. Ist fast schon so wie das angebetete Standbild der Prominenz. Und…. es klappt auch noch! Shoppen wird auf diese Weise mindestens dreimal so schön! Ach! Übrigens: Comedians, die sich gerne als unabhängig und kritisch inszenieren, - und Fußballspieler sind in solchen Spielchen besonders gut. Und wenn ungehörige Paparazzi über das Privatleben dieser Celebreties berichten oder belichten, ist das denunziatorisch, feige und miserabel. Es interessiert aber die auf den Geschmack gebrachte „gemeine“ Öffentlichkeit. TV-Exklusivinterviews, Homestorys, Klatsch, Plauder- und Liebesgeschichten sind so lange gut, wie sie den „Promis“ nützen. Haben sie aber ein ganz bestimmtes Interesse erweckt, sollen sie tabu sein. Und über allem ein universelles positives Lächeln! Um Parallelen zu entdecken, mag sich unter anderem ein Blick in Aldous Huxleys in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschriebenes Buch „Schöne Neue Welt“ lohnen.

Sonntag, 15. Januar 2023

Entscheidungsträger

Ich sah heute im TV einen dieser aalglatt geschniegelten Vertreter jener politischen Klasse, die sich zu allem und jedem politisch legitimiert sieht, wobei sie sich auch noch auf „den Rechtsstaat“ beruft, dessen Entscheidungen sie sich längst gekauft und in elitären „Beziehungen“ (siehe auch jüngst Entwicklungen bei der EU) vereinnahmt hat. Ob wir nicht mehr in Kontakt untereinander kommen sollten, ins Gespräch darüber, wie wir leben wollen? Ob uns die Entscheidungswege, die unser Leben täglich mitbestimmen, klarer und nachvollziehbarer werden sollten? Ob die Idee der Repräsentanz in unserer Demokratie inzwischen zugunsten „etablierter“ Parteien und scheinbarer „Experten“ (siehe auch das Diktum, die Entscheidungen „Profis“ überlassen zu sollen) nicht ein bisschen zu weit geht, ob sie sich nicht sogar verselbständigt hat, ob man sich nicht Korrektive dafür überlegen müsste?

Samstag, 14. Januar 2023

Valerie (55)

Gleichzeitig versuchte sie ihm klar zu machen, dass ihr die Karriere nicht mehr so wichtig sei, jetzt, da sie oben sei. Er wusste nicht, was er ihr glauben sollte und was nicht. Ihm fiel auf, dass sie ihm öfters ins Wort fiel, wenn er von sich und seiner Rolle als Gelegenheitsbegleiter erzählte. Sie wirkte dabei auf ihn nicht unhöflich. Sie schien ihm nur seltsam abwesend und in ihre eigene Gedankenwelt verstrickt zu sein. Sie schien tatsächlich nicht einfach so drauflos zu reden, wie er anfangs geglaubt hatte. Sie wirkte auf ihn naiv und clever, genau berechnend. Dieser Eindruck verstärkte sich noch durch ihre Stimme, die manchmal fast kindlich klang und im rechten Moment doch etwas Reifes und Bestimmtes hatte. Sie konnte mit diesem Schlafzimmerton reden, - und im nächsten Moment reif und wie eine Businessfrau, klar und hart. Er versuchte, sich vorzustellen, welchen Beruf sie wohl ausüben würde oder was sie wäre, wenn sie nicht im Showbusiness gelandet wäre. Er glaubte, sich an diesen Typ Frau erinnern zu können, - wenn man überhaupt davon sprechen konnte. Er glaubte, diesen Typ in einer Art Alternativ- oder Freakumwelt schon einmal begegnet zu sein. Diese Hippie-prinzesinnen, von denen man nach einiger Zeit gehört hatte, dass sie einen reichen Sack geheiratet hatten, um glücklich und zufrieden in einem Schloss hinter den sieben Bergen zu leben.

Freitag, 13. Januar 2023

Donnerstag, 12. Januar 2023

Gruß an Thomas Bernhard

Was uns an Thomas Bernhard imponiert hat? Seine Sprache auch, sein Spott, sein Humor.... Wie er die Welt umfangen hat mit seinen Deutungsmodellen, die sich und ihre Helden doch immer wieder selbst in Frage gestellt haben. Wie er den Tod umfangen hat als etwas Unumgängliches, das immer sehr nahe ist. Wie er mit dem Sozialen umgegangen ist, weitab aller welterlösenden Theorien, - etwa in „Die Billigesser“: Er scheint auf das Konkrete geschaut zu haben und es dann in einen surrealen und stark persönlich gefärbten Zusammenhang gestellt zu haben. Sein Roman „Holzfällen“ könnte auch dafür stehen und ist damals sogar verboten worden: sein Blick auf die österreichische High-Society scheint eine Spur zu genau gewesen zu sein, die Ähnlichkeiten waren offenbar zu nahe dran an der Realität. Flugs wurden die Advokaten vorgeschickt. Er scheint sich selbst als eine Art teilnehmenden Beobachter gesehen zu haben, der erst registriert und zu verstehen versucht hat, ehe er auf eine sehr individuelle Weise etwas beklagt. Sein Spott liegt über allem, ein befreiendes Lachen, das die alltägliche und unalltägliche Tücke integriert, einbezieht, das Niedere dem Hohen lachend nahebringt. Der Künstler ist bei ihm eine Lieblingsfigur, die sich in ihren eigenen Nabel verbohrt und eigene Bewegungsdynamiken entwickelt, die lächerlich machen. Das Scheitern ist bei ihm ein Teil des Gelingens, wobei er selbst durchaus auch eitel war. Bewundernswert, wie er etwa in seinem Drama „Heldenplatz“ das alltäglich Faschistoide aufgenommen und als Einstellungsritual vorgeführt hat. Wie er seiner Schilderung eine eigene Sprache verpasst hat. Wie er die Langeweile als Bodensatz auch der Anstrengung eingeführt hat. Wie er oft genug virtuose Denkkapriolen mit Chaplin-haften Abstürzen in die totale Auslöschung kombiniert hat. Das alles hat kosmisch-komische Züge: er scheint dadurch Vexierbilder der Existenz geschaffen zu haben.

Mittwoch, 11. Januar 2023

Tour d' horizon

Ich schaue hinaus und herum und bin entgeistert: Eine Gesellschaft, für die der soziale Zusammenhalt und Solidarität mal Werte waren, hat sich - ohne es selbst zu bemerken (ein Effekt, über den die Soziologie Aufklärung leisten kann...) - vollkommen entsolidarisiert. Alleinige Werte sind in dieser Gesellschaft „Competition“ und Geld/Profit. Ein Kanzler hantiert großzügig mit Begriffen aus der Welt der Comics und verwendet gerne mal Parolen aus der Fußball-Welt, Schulden werden als „Sondervermögen“ ausgegeben und im Halbdunkel (in dem man ja so gut wie nichts nachweisen kann, was im „Rechtsstaat ja soooo wichtig ist) werden anscheinend Geldkoffer übergeben. Ehemalige Parteivorsitzende oder Kanzler-Kandidaten beraten Schlächter und Großbanken, um sodann mit großer Impertinenz in Talkshows aufzutreten. Sie alle verweisen darauf, dass es das Volk und dessen Wirtschaft nicht anders gewollt hätten, sie fühlen und geben sich rundum legitimiert. Intendanten fahren in achtzylindrigen und hochpreisigen Limousinen mit Massage-Sesseln durch die Landschaft, werden offenbar unter dem Verdacht der Korruption (bloß, was ist das unter solchen Verhältnissen?) festgesetzt und durch Vertretungen ersetzt, die dieselben Gepflogenheiten pflegen. Die Mitglieder der Parlamente werden immer mehr, ihre „Teilnehmerzahl“ quillt über. Viele Leute wissen nicht, wie sie mit ihrer Rente leben oder noch essen können, während andere es im Überfluss haben und auf große Kreuzfahrt gehen. Währenddessen redetet eine wohlbestallte „Expertin“ davon, dass das Renteneintrittsalter dringend herauf gesetzt (zu empfehlen wäre ein Blick auf die europäischen Nachbarn…) werden müsse. Die Regierung verteilt indessen Wohltaten: jeder bekommt dieselbe Energiepreispauschale, obwohl versprochen wird, dass nur die unterstützt werden sollen, „die es auch dringend brauchen“.

Montag, 9. Januar 2023

Sozialstatistiken

Erstaunt war ich immer wieder, wie wenig über soziale Realitäten in Deutschland bekannt ist und was ich kennen gelernt habe. Beispiel: Dass ein Leih- oder schlecht bezahlter Arbeiter (ja, solche gibt es immer noch, sind offiziell besser gestellt, aber inoffiziell.....?) nach eigenen Einschätzungen kein Geld hat, um sich als monatlich zahlendes Mitglied bei jener Gewerkschaft eintragen zu lassen, die vorgibt, sich für seine Interessen einzusetzen. Dass er oft auch mit einer Familie der Inflation mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert ist. Dass er, wie er mir erzählt, seine Interessen also nirgendwo und durch niemand vertreten wird und sich nicht nur dadurch eine Dreiteilung dieser Gesellschaft ergibt: Arbeitgeber, "klassische" Arbeitsplatzinhaber und Minijobber/Arbeitslose/Prekäre. Das letzte und immer umfangreicher werdende Drittel hat nahezu keine Chance, seine Belange zu vertreten, gschweige denn überhaupt öffentlich sichtbar zu sein. Die Medien aller Kanäle geben dafür offenbar kein Plateau ab. Oft genug wird dieses "letzte Drittel" der Gesellschaft nach allen Regeln der Kunst des Profitmachens ausgenommen und beispielsweise Arbeitsplatzschutzbestimmungen sind bei ihm (leider oft genug mit Zustimmung der "klassischen" Arbeitnehmerschaft) auf eine krasse Weise ohnehin nur Makulatur. Ach - alles falsch? Nun sollen sogar gewisse Asylanten und Flüchtlinge, die offenbar eine klassische "Reservearmee" abgeben sollen, gegen diese ständig sich vergrößernde Bevölkerungsschicht der Armen ausgespielt werden, indem der unlängst neu festgesetzte Mindestlohn planmäßig unterlaufen wird, was ja jetzt schon viel zu häufige Praxis zu sein scheint. Dass Manager und gewisse Medienleute oft mit einem astronomischen Gehalt entlohnt werden, das weit jenseits der Vorstellungskraft eines einfachen Arbeitnehmers ist, flammt immer wieder auf, scheint aber inzwischen zur Normalität zu gehören. Es wird sich einfach nicht dafür interessiert und die allgemein ausgegebenen Formeln von Verantwortung oder Leistung unter dem Motto „So ist’s halt…“ wiedergekäut. Diejenigen, die diese Menschen offiziell vertreten sollten, sind oft genug ein gut bestallter Teil dieses Systems. Weit verbreitet ist oft Resignation angesichts solcher Zustände. Man könne daran ja ohnehin nichts ändern, so heißt es. Es war schon immer so und wird immer so sein. Dabei beruht auch der wirtschaftliche Nachkriegserfolg Deutschlands auf einer Sozialpartnerschaft ("soziale Marktwirtschaft"), die jetzt immer noch zugunsten eines hemmungslosen Turbokapitalismus, - gerne als mittlerweile gerade in Krisen nicht nur Segen bringende "Globalisierung" verkauft, - aufgekündigt erscheint. Verbreitet werden oft Zahlen, die die soziale Realität kaum beschreiben. Einfaches Beispiel: wenn jemand 100 000 Euro verdient und der andere 10 Euro, dann ist der rechnerische Durchschnitt 5005 Euro (was natürlich in der Realität niemand verdient). Tatsache ist auch, dass immer mehr Menschen von ihren sozialabgabepflichtigen Einkommen längst nicht mehr leben können. Aufgestockt wird vom Arbeitsamt, so wird gerne verbreitet. Doch wer ist „das Arbeitsamt“? Der Staat. Das Gesamte. Die Allgemeinheit. Sie hat für solkche persönliche Bereicherung in der Krise die Kosten zu tragen. Ein beliebter Sport ist besonders bei den Medien, die verschiedenen „Töpfe“ dieser Allgemeinheit gegenseitig auszuspielen (Bund, Land, Gemeinden, Sonderzuschüsse, EU...). Jetzt aber erst mal über die Energiekrise hinweg kommen!

Sonntag, 8. Januar 2023

Sichtweisen

Auch die verschiedenen Beiträge dieses Blogs sind nur Versuche, die Wirklichkeit zu deuten, ihr eine Perspektive abzuringen, sich vorsichtig hinein zu tasten, in ein Spiegelkabinett, dessen Deutung durch tausend Faktoren einigermaßen vorherbestimmt sein kann. Wir bauen Sichtweisen auf und ab, wir nehmen spielerisch Haltungen ein, wir reflektieren unsere unmittelbare und unsere mittelbare Umgebung, wir spekulieren darüber, wir versuchen mit unseren Mitteln besser zu verstehen. Wir drehen uns und nehmen einen anderen Standpunkt ein, spielerisch, eingedenk der Relationen, die sich jeweils davon ableiten. Wir lassen uns dafür beschimpfen von den eindeutig orientierten Tatmenschen, denen jedes Erwägen fremd ist, die nur tun und machen (nach welchen Maßstäben, wohin treibt es sie...? genau an dieser Stelle will dieses Blog einige Tipps geben...). Wir fragen nach deren Maßstäben, wir versuchen, uns hineinzuversetzen, wir wollen uns in Empathie üben.

Samstag, 7. Januar 2023

Herausforderungen

Es wird eine der wichtigsten Herausforderungen sein, gewisse Herausforderungen anzunehmen und sich den richtigen Herausforderungen zu stellen. Mir fällt auf, dass die Floskel „Eine Herausforderung annehmen“ derzeit hoch im Kurs steht. Keine öffentliche Äußerung ohne diese Phrase, die wohl etwas mit der einerseits verschwindenden und andererseits hochgelobten Globalisierung und den damit verbundenen Mechanismen zu tun hat. Mit Kampf, sich durchsetzen in einem Gefecht und mit Verdrängung. Mit „Sich in Stellung bringen“. Mit sich stellen und auf den Angriff übergehen. Als sei's naturgegeben! Die Wendung hat sich eingeschlichen in unseren Sprachschatz, in unsere öffentliche Art der Verständigung untereinander. Alles und jedes bedeutet „eine Herausforderung“. In der Globalisierung scheint alles und jedes ein Kampf (egal ob Krampf!) und "Wettbewerb", die einem Aufgaben von außen stellt, die einen zu mehr Leistung provoziert und das unspezifische Wachstum fördern soll. Der Subtext (dahinter oder darunter verborgene Bortschaft) lautet dabei womöglich, dass nur so „unser Wohlstand“ zu halten sei. Überall der beste, der Weltmeister sein. Trotz des Krieges. Oder im globalen Krieg jeder gegen jeden, in dem es gelte (so die pusselige Botschaft!), sich „unter zu haken“. So die ausgegebene, doppeldeutig ambivalente Parole. Es hat hier in Deutschland leider schon einmal eine Idiologie gegeben, die von ähnlichen Floskeln ausging und dabei verheerende Ergebnisse gezeitigt hat. So schleicht sich eine speziell und von interessierten Kreisen aufgeladene Redewendung unterirdisch ins Bewusstsein, um als ein kollektiver Glaubenssatz zu werden. Als Beförderungskanal solcher sprachlicher Zuspitzung erscheinen oft die öffentlichen Medien, in denen sich die Mächtigen in all ihrer von ihren „Untergebenen“ angebeteten Macht inszenieren. Es bedeutet wahrlich eine „Herausforderung“, so etwas massenhaft nachvollziehen zu können.

Freitag, 6. Januar 2023

Libero (Textlyrik)

LIBERO So, du glaubst, du tust dein Ding einfach so und du hälst dich da raus du kannst das alles auch nicht ändern und überhaupt: was soll's? du interessierst dich nicht dafür fôr dich sind das alles Geschäfte deren Schmutz jeden dreckig machen wer meint, er sei nicht von dieser Welt? du trittst und schlägst, weil alle schlagen ich sag' jetzt wirklich nichts dagegen auf dieser Welt versucht jeder sein eigenes Glück du bist nicht die Heilsarmee und auch kein Prediger wieso protestieren, engagieren, mit Wörtern klappern Maulaffenpalaver die ganze Nacht Schulterklopfende Gemeinsamkeit der Schwätzer überzeugt nicht als Trip zur andern Welt... du suchst nur nach dem Vergnügen und sonst nichts hast unter Resignation deine Träume begraben die hattest du ohnehin nie von der Stange wie all die von den Bewegungen Bewegten bist nie bei den Massen mitgelaufen stehst lieber alleine und manchmal abseits damit kann man leben, auch als Masche in diesem Spiel, das weißt du gut. Wunder kerzen sind aus (Phosphor?)und brennen nur kurz und werden in großer Zahl hergestellt von denen, die mit Naivität Geschäfte machen hinter den Kulissen wohnen Eitelkeit und Arroganz der Hunger nach Geld und Macht wer im Trend liegt, liegt immer richtig die Welt ist gepachtet von Schweinen wer an den Trog will, muss mit ihnen grunzen deine Worte hallen in mir durch Regionen dort werden sie als alte Bekannte begrüßt durch Bezirke, wo man sie alltäglich bekämpft doch kommen sie immer zudringlicher wieder dringen als dunkle Schatten auf dich ein Durchhalteparolen im Duell mit vagen Versprechungen Süßigkeiten stillen den Hunger für Minuten da bleibt nichts mehr übrig...

Donnerstag, 5. Januar 2023

Die großen Alternativen

Wieder einmal wird mir bewusst, wie sehr das uralte Alternativ-Konzept „Marsch durch die Institutionen“ offensichtlich gescheitert ist. Da sind einstmalige Revoluzzer und Andersmacher aufgerückt in wichtige Entscheiderpositionen der Politik und Wirtschaft, um es sich dort gut gehen zu lassen und alle anderen "Opfer" PR-gewandt vom hohen Ross aus zu bedauern. Sie haben inzwischen Ämter und Posten besetzt, sind zu Beratern und wichtigen Preisträgern geworden, haben mit der einstigen Realität des Aufbruchs nichts mehr zu tun. Sie haben sich von der Macht korrumpieren lassen, waren genauso verderblich dekadent, wie ihre einst alternativem Protest bedachten Gegenüber, in die sie sich selbst, nicht zuletzt im deutschen Bundestag, verwandelt haben. Sie tragen die vorgeprägten Kostüme und dunklen Anzüge, sie tun so, als ob – und sie beklatschen parteipolitische Manöver, vorgegebene Denkfaulheiten und Loyalitäten. Erstarrungen scheinen eingetreten zu sein, Verkrustungen. Ob uns damals so etwas vorgeschwebt ist, als wir die Welt ein kleines bisschen in eine bessere Richtung verändern wollten? Aber dies scheint die gesellschaftliche Mühle zu sein, die jeden Willen zur Veränderung klein kriegt, zerteilt, zermahlt, pulverisiert. Der Klüngel mit den Mächtigen: ob er in seiner korruptiven Verderbtheit am Ende sogar menschlich ist? Irgendwelche über das gegebene System hinaus gehende Bestrebungen scheinen selbst zu einem Muster, zu einer PR-Strategie geworden zu sein, die klar auf eine bestimmte Zielgruppe (in der jede Individualität zur Parteienloyalität eingedampft ist) zugeschnitten ist.

Mittwoch, 4. Januar 2023

Virtual Conferencing

„Virtual Conferencing“, „Homeoffice“, „E-Commerce-Push“….. das sollen unter anderem die Bereiche sein, die nach der Pandemie stark „gepusht“ seien, so Verlautbarungen der industriepropagandistischen Art. Ob man hier seine Sprache auch mal überprüfen sollte. Ob der völlig übertriebene Gebrauch der englischen Sprache nicht auch etwas mit jener Globalisierung zu tun hat, die derzeit kritisch überdacht wird (oder nicht?) und die durchaus auch mit „Lieferketten“ und daraus entstandenen Abhängigkeiten zu tun hat? Ob es da Sinn macht, dauernd in tausend Publikationen von der „digitalen Transformation“ zu quatschen, die uns scheinbar von der Industrie vorgegeben wird? Nun, wenn ich das richtig verfolgt habe, so werden auch hier die Faktoren hinterfragt (etwa, was mit den Menschenrechten ist in solchen „Lieferketten“los ist, wer die wahren Preise dafür bezahlen soll, welche Abhängigkeiten entstehen…. usw). „Die Cloud“ soll der wahre Treiber solcher digitalen Entwicklungen sein. Fügt sich sofort die Frage an: wessen Cloud? Die der amerikanischen oder chinesischen Konzerne? Ob da Europa auch endlich mal einzusteigen versucht? Klar, hat „die Cloud“ Vorteile. Dass etwa über die Cloud eine Vielzahl von „Usern“ auf dieselben Daten zugreifen kann und vieles über den „Browser“ abgewickelt werden kann: feie Sache. Bloß stellt sich die Frage: in wessen Interesse? Sollten wir da nicht ein bisschen kritischer und reflektierter werden, ein bisschen skeptischer auch gegenüber technologischen Versprechen?

Dienstag, 3. Januar 2023

Dieses Blog, was ist das?

Unsere Wahrnehmung ist second hand? Was nehmen wir ernst und was nicht? Welche Rolle die Medien dabei spielen? Im Mix aus kurzen Texten, MP3s und Fotos geht es dem bisher ausschließlich von mir geschriebenen Blog darum, einen vor allem aus Medien gewonnenen Spiegel des Tages- und Zeitgeschehens sowie der persönlichen Gedanken- und Erlebniswelt des Autors zu produzieren, es geht ihm um den Wechsel von Sichtweisen, die gesellschaftlich geprägt sind, auch darum, Alltagserfahrungen zu spiegeln, aktuelle Vorgänge der Gesellschaft und Politik aus der Perspektive verschiedener sozialen Welten wahrzunehmen. Journalistisch würde das heißen: Jeder behauptete Fakt muss nachgeprüft werden. Da das aber in der Realität niemanden möglich und vergönnt ist, verzichte ich ausdrücklich auf eine solche Vorgehensweise. Es ist hier vielmehr ein Nachdenken über Zukunft und das gegenwärtige Sein, über Möglichkeiten hier, über den Kosmos, über vieles, was mich gestreift hat mittels Medien (also vermittelt...), es sind kurze Reflektionen von Herrschaftsverhältnissen, Gedanken über Tod und andere Gegebenheiten, etwas, das mich berührt und in mich eingedrungen ist, in der Empathie aufgehoben, in Religion und Spiritualität, Lyrik, eigenen MP3s und Fotos, ergänzt durch Songtexte verschiedenen Alters, Existenzspuren, Selbstvergewisserungen, Stammtischgequatsche, durch Tierisches, allerlei Zeugnissen meines Gangs durch die Wirklichkeit, subjektiv gefiltert, - ohne Anspruch auf Objektivität. Im Mittelpunkt: Das Normale, das Leben, die Deprivierung, Angst, Zeit, Liebe, Zitate, Geld verdienen zum leben, alles in Kürze und in möglichster Konzentration, Lektürefrüchte, im Bestreben, mich möglichst verständlich auszudrücken – und: ich versuche vorläufig immer noch, einen täglichen Rhythmus einzuhalten, einen multimedialen Blog zu betreiben.

Montag, 2. Januar 2023

Polyperspektivität

Was mir wichtig ist: Diversität. Polyperspektivität. Was das sein soll? Eigentlich trivial: dass man ein und dasselbe Ding aus verschiedenen Perspektiven sehen und richtig beurteilen kann. Diversität kann sich durch unterschiedliche Blickwinkel, durch diverse Lebenswelten, durch verschiedene Themen und Arten der Betrachtung oder Auseinandersetzung herstellen. Je tiefer und ausführlicher man sich auf etwas einlässt, desto eher ist manchmal ein Urteil auf solidem Grund gebaut. Jemand hat sich „Mühe gegeben“. Manchmal aber auch nicht. Auf jeden Fall gilt eine Aufmerksamkeit anderen Standpunkten gegenüber. Empathie als Fähigkeit, sich in jemand anderes oder etwas anderes hinein zu versetzen. Im Extremfall kann man ein und dasselbe Ding aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und kommt anschließemd zu verschiedenen, aber sich ergänzenden Erkenntnissen. Das mag auch etwas mit Dialektik und diesem These-Antithese-Synthese-Ding zu tun haben, mit der „Unio mystica“ der Romantik auch, mit einer Prise Hegel und Marx, selsbt mit Humor und Ironie. Fernöstliches Gedanken- und Gefühlsgut, so, wie es einem CG Jung vor 100 Jahren erschlossen hat, operiert mit diesem Schwarz-Weiß, Yin und Yang, Hell und Dunkel,Groß und Klein, das zu seiner Vereinigung drängt. Der platonische Kugelmensch ist dafür ein gewisses vorläufiges Ideal. Aber man ist in jedem Falle um eine gewisse, nicht rechthaberische Haltung bemüht, die etwas relativ beiläufig lässig aufscheinen lässt, ohne sich darin zu verkämpfen oder sich zu verfangen. Der Leser und Partner ist ein Gegenüber, mit dem zusammen man sich etwas erschließen will im Bewusstsein gewisser Grenzen. Das setzt aber voraus, dass man sich auf sein Gegenüber, im Extremfall sogar auf eine krasse Unterschiedlichkeit einlässt, die sich um eine Erkenntnis Mühe gibt, jedenfalls von anfänglicher Oberflächlichkeit absieht.