Reise durch Wirklichkeiten

Mittwoch, 15. Januar 2020

Quer (foto)

Quer

Dienstag, 14. Januar 2020

Ins Nichts (MP3)

Ins Nichts


Wir könnten mit Vögeln fliegen

Montag, 13. Januar 2020

Verschwörungstheorien

Was mir untergekommen ist: Die Welt ist unübersichtlich, erschreckend, kompliziert....Da kommen Verschwörungstheorien mit ihren Orientierungsmustern gerade recht. Sie pflegen meist gewisse Grundprinzipien, Muster, Baupläne: 1. Nichts geschieht durch Zufall. 2. Nichts ist, wie es scheint. 3. Alles ist miteinander verbunden. Meist wird dann eine Art „Masterplan“ gewittert, der von langer Hand etwas plant. Gute Muster um gewisse Dinge und Vorgänge scheinbar besser verstehen zu können: 09/11, Syrienkrieg, Euro, Schengener Abkommen, Ufo-Angriffe... in der Meinung von Verschwörungstheorien sind das alles Vorgänge, um die Bevölkerung Mitteleuropas gezielt zu verunsichern. Wer ersinnt diese "indirekte" Unbill? Oft sind das nach Meinung von Verschwörungstheorien die „bösen Eliten“. Dass gewisse Strategien von Machthabern und „Eliten“ dem durchaus förderlich waren und dass dies nachweisbar ist, mag solche Verschwörungstheorien noch befeuern. Beispiel: Was machen PR-Agenturen, Öffentlichkeitsarbeiter, gewisse Agenten der Unter- oder Oberwelt (Geheimdienste?) oder ganze Regierungen anders, als die Öffentlichkeit in einem gewissen Interesse gezielt zu desinformieren? In Verschwörungstheorien beliebt ist auch die Verklärung einer Vergangenheit, die so sonnig und glücklich nie war. Sie wird dann meist von der Verschwörung der Gegenwart unterlaufen, die von Einzelnen oder Gruppen genau so „konstruiert“ wird, wie sie erscheint. Ihr diesen Schein zu nehmen und die „wahre Wirklichkeit“ damit zu enthüllen, geben Verschwörungstheorien gerne vor. Das Chaos und die Unübersichtlichkeit der Realität wird damit neuer Sinn eingehaucht. Scheinbar.

Sonntag, 12. Januar 2020

Nie und immer (Text)

NIE UND IMMER (Creatura 2)

Schiffe fahr’n vorbei an dir, am Hafen tut sich nichts,
Mensch frisst Tier und Tier frisst Tier, automatischer Verzehr
Straßen führ’n nach nirgendwo, es stinkt nach schaler Wut
Hund pisst auf kalten Beton, Glasscherben in Eis

Prince lallt seiner Dame Manisches ins Ohr
Wort mit vier Buchstaben, und wir hör’n alle mit

Nie und immer, weiß von nichts,
Nichts bedeutet nichts
Du im Nebel, gehst im Kreis, verschenkst den Augenblick
Verseuchtes Luftschloss, am Ende bleibt uns keine Zeit
Wir wachen auf, die Uhr steht still,
alles ist vorbei

im Hals, der Finger, er, treibt Madonnenkult
gut gelauntes Gletscherspiel – Geschlechtsamusement
Du siehst dich, wie du dich siehst, - als Spiegelspiegelbild
Nie und immer wartet der Müllverbrennungsspezialist

Nie und immer, nie und immer…(Fade out)


(gefunden von früher...)

Samstag, 11. Januar 2020

Seitenwechsler


Was ich eben mitbekommen habe: seit dem Jahr 2004 soll es im Bundestag ein Programm für „Seitenwechsler“ geben. „Seitenwechsler“ sind diejenigen, die teilweise von der Regierungsbank weg in die Privatwirtschaft wechseln, um dort natürlich zu wesentlich besseren Bezügen zu kommen. Personen aus der Politik fallen einem da massenweise ein, ohne dass ich sie hier erwähnen könnte: Rechtliche Folgen würden mir sicher sein. Es geht also um Personen, die zunächst fürs Allgemeinwohl arbeiten, sich aber privaten Interessen gerne zur Verfügung stellen, am Ende wohl auch mit einem vollkommenen „Seitenwechsel“. Das kann auch ohne Wechsel des Arbeitgebers vonstatten gehen. Beamte von Ministerien sollen so etwas schlicht als „Sonderurlaub“ beantragen können. Ihr Wunsch ist dann ihren „Vorgesetzten“ meist Befehl. Sie wechseln dann den Schreibtisch einigermaßen flugs, aus dem Minsterium hin zur Industrie. Um „Zusammenarbeit“ gehe es und um „Vernetzung“, so die offiziellen Erklärungen dazu. „Profis mit Sachkundenachweis“ seien da vonnöten, ließ eine Ministerin dazu verlauten und dass die Industrie an dieser Stelle „einen sehr guten Beitrag leiste“ war dazu von hoher Stelle zu hören. Es solle „Wissenstransfer ermöglicht werden und „das Verständnis für die Gegenseite erhöhen“, so offizielle Beteuerungen. Welches Wissen da wohl in welchem Interesse transferiert wird? Was das wohl heißt, „Verständnis für die Gegenseite“ aufzubringen? Es könnte ja auch sein, so war zu hören, dass die Unternehmen Manager direkt in die Ministerien schicken, um beim Gesetze entwerfen „mitzuwirken“. Ob das Ende gar etwas mit Lobbyismus zu tun hat? Fragen über Fragen.....

Freitag, 10. Januar 2020

Der Lange Tanz (Songtext aus den 80ern, offenbar in weiser Voraussicht)

DER LANGE TANZ


Du träumst dich, du siehst dich
bist das wirklich noch du?
Die Jahre vergehen im Trott
und du hast ein paar Narben mehr
blickst zurück und blickst nach vorn
und das Einerlei stört dich nicht mehr


Zwei Schritte rechts, zwei Schritte links
wo geht’s eigentlich lang?
Drei Schritte vor und zwei zurück,
wie heißt dieser lange Tanz?


Mal im Schatten, mal im Licht,
meist dazwischen irgendwo du
Alles kommt erst morgen
und heut' ist erst mal Pause
Charlie Chaplin jagt Billy the Kid
wer wird der Verlierer sein?


Zwei Schritte rechts, zwei Schritte links
wo geht’s eigentlich lang?
Drei Schritte vor und zwei zurück,
wie heißt dieser lange Tanz?


Züge fahren weiter, keiner weiß wohin
du stehst am Bahnsteig und frierst
man trägt jetzt wichtige Gesichter 
und du zwingst dich, nicht mehr zu lachen
Kontrollen werden schärfer
nur Wenige wissen ums Warum


Zwei Schritte rechts, zwei Schritte links
wo geht’s eigentlich lang?
Drei Schritte vor und zwei zurück,

wie heißt dieser lange Tanz?

Donnerstag, 9. Januar 2020

Unternehmerporträts

Die großen Porträts, die die Medien auf die Massen knüppeln, - was preisen sie zu oft? Das unternehmerische Selbst. Wirtschaftsführer, die genau dem folgen, was ihnen die Wirtschaft sagt, die sich also besonders gut anpassen. Die Leitfiguren könnten auf diesem Gebiet Steve Jobs etc. sein. Ob solche Figuren ihr gesamtes Tun nicht etwa unter das Gebot der Gewinnabsicht stellen (gestellt haben)? Ob das bei ihnen im Vordergrund steht, allein schon durch die Funktion, die ihnen übertragen wird (von wem auch immer..)? Dem Gemeinwohl verpflichtet sein, über seine Gruppe hinaus denken, scheint diesbezüglich einigermaßen verboten. Ziel ist es, neben dem Ideal, als Ego möglichst viel zu verdienen, bewundert zu werden und den eigenen Status aufwerten zu können. Ob es da ein Ausweg ist, in erster Linie an sich selbst zu denken und nicht einem Leitbild zu folgen? Hm. Ob da nicht viel mehr die Richtung sein könnte, ungehorsam zu sein? Also heraus treten aus der Masse? Ob sich da ein Paradox auftut? Nietzsches Zarathustra, wollte der, dass ihm die Massen in seinem Nonkonformismus folgen? An sich selbst denken: Individualisierung oder Globalisierung?

Dienstag, 7. Januar 2020

Gemeinschaften, Zugehörigkeiten

Ob manche Leute von einer Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft träumen, nachdem die Globalisierung und der Neoliberalismus alles zerhackstückt und vereinzelt haben? Ob sie sich da gewissen Illusionen hingeben? Gemeinschaft könnte ja auch bedeuten, dass man gewisse Werte teilt…… So etwas kann womöglich schnell über den Status einer Verpflichtung hinweg zu einer Art Zwang werden, den diese Gemeinschaft auf den Einzelnen ausübt. Im Sinne einer Freiheit und „Befreiung“ könnte es insofern unumgänglich sein, sich von diesen Konventionen zu befreien, auf Konflikt- und – im Extremfall! - Kollisionskurs damit zu gehen. Familie und Staat? Was ist der Staat überhaupt? Etwas demokratisch legimiertes? Diesem Irrtum sitzen meiner Meinung nach allzu viele derer auf, die sich als „Linke“ einordnen würden. Dass der Staat selbst sehr schnell gewalttätig werden kann, ist eine Erfahrung des zwanzigsten Jahrhunderts. Was ist „die Familie“? Die Klein- und Kernfamilie – oder die Großfamilie? Ob wir nach einigen sehr negativen Erfahrungen alle Gewalt dem Staat überschrieben haben? Ob der immer verantwortungsvoll damit umging? Was wäre die Alternative?

Montag, 6. Januar 2020

Sport als Fetisch


Rein emotional so empfunden und ein bisschen verifiziert: Sportübertragungen. Ging es früher offenbar darum, eine gewisse Distanz zu wahren, so scheint heute größtmögliche Nähe angesagt. Ging es früher darum, „geistreiche“ distanzierte Bemerkungen und Einlassungen zu machen, so scheint heute distanzlose Begeisterung angesagt. „Experten“, meist ehemals erfolgreiche Athleten mit „Insiderwissen“ stehen den Journalisten zur Seite. Sie mischen sich bei jeder Gelegenheit ein und bestätigen offenbar das, was Profis absondern. Es steht anscheinend die Show und das Vorführen von (nationalen) Gefühlen im Vordergrund. Der Athlet ist Showman (Showfrau), der das Offensichtliche beglaubigt. Es geht dabei auch um Marken, denen auf diese Weise (man sieht das überdeutlich alleine schon an der Kleidung der früheren "Athleten"...) Glaubwürdigkeit oder eine weiter gehende Bekanntheit verschafft werden soll. Fetisch ist dabei der „Erfolg“, der offensichtlich vom Athleten auf das Produkt übertragen werden soll. Dabei ist der Name des Athleten ein weiteres Produkt, das oft durch die folgenden Präsentationen und Spots beglaubigt wird. Diese Athleten sind meist Aushängeschilder der bedingungslosen Industrialisierung der Alpen mit den Planierungen von Pisten oder Schneekanonen und all den Erscheinungen, die wir kennen und die zur Bespassung eines gewissen Publikums beitragen sollen. Zudem hören wir ein bisschen zu oft, dass die aktiven Athleten doch bitteschön „Gas geben“ sollen, was ein gewisses Weltbild der schweren Verbrennungsmotoren und Überholvorgänge mehr als andeutet.

Samstag, 4. Januar 2020

Instabilität und Globalisierung


Ob gewisse politische Tendenzen nicht auch durch die Globalisierung mitverursacht werden? Ob da nicht eine Tendenz zur Entwurzelung, zum sozialen Abstieg und zur Verängstigung der Schrittmacher sein könnte? Ob die Politiker dieses landes nicht lange Jahre die Vorteile der Globalisierung gerühmt haben und bewusst die Nachteile vernachlässigt haben? Dass es nämlich auch Verlierer bei diesem Prozess gibt, die entsprechende politische Instabiliät verursachen können. Soziale Abstiegsängste und die gesellschaftliche Polarisierung befördern nämlich nachgewiesenermaßen den Zerfall einer Gesellschaft und die damit verbundenen Radikalisierungstendenzen. Ob sozialer Ausgleich insofern nicht auch eine Stabilisierungsfunktion hat? Viele Sozialwissenschaftler haben darüber nachgedacht. Von der Politik freilich wurden sie dafür oft als „Bedenkenträger“ beschimpft. Es scheint also in gewissen politischen Kreisen nur noch der bedenken- und rücksichtslose Fortschrittsglaube als Ideal ausgegeben zu sein. Selbstredend, dass hinter diesem "Fortschritt" nur noch die technische Intelligenz gemeint zu sein scheint.

Sonntag, 29. Dezember 2019

Staatsknete

Wer sagt denn, dass der „Staat“ gleich bedeutend mit der Allgemeinheit sein muss? Wer sagt denn, dass die „Trickle-Down-Theorie“ richtig ist, die uns weiß machen will, dass wenn es den Reichen und Kapitalsäcken gut gehe, dass dann irgendwann auch die Übrigen, also die Lohnabhängigen, von deren Reichtum profitiere? Dass das privilegiert und von den oberen Schichten erworbene Geld  einsickere auch in die weniger wohlhabenden Schichten? Andererseits: Der Staat will Steuern einnehmen und setzt dazu alle Hebel in Bewegung. Er hat das Recht auf seiner Seite, egal, ob er demokratisch legitimiert ist oder nicht. Hierzulande ist dies angeblich so, um den Erlös der sozialen Wohlfahrt (also Kindergärten, Alten- und Krankenpflege, soziale Umverteilung usw.) zugute kommen zu lassen. Dies scheint mir ein Totschlagargument von der Sorte, die man immer einsetzen und gebrauchen kann. 
Tatsache ist, dass die Steuern in Staaten offenbar ineffektiv eingesetzt werden und noch niemals gesenkt wurden, dass sie in der Vergangenheit vor allem „die Armen“ betrafen, die eine gewisse Partei in Deutschland mit den "nicht Leistungsfähigen und Willigen“ identifiziert. Ich habe immer noch in den Ohren, wie ein Finanzminister Deutschlands jüngst in einer Diskussionsrunde meinte, man könne sich nun (fast) alles leisten….“. Na, wenn das so wäre, wieso strebt man dann ein seltsam und allgemein so ausgegebenes 2%-Ziel bei den Verteidigungsausgaben an (weil das einmal von jemand so ausgemacht wurde?), und das ganz besonders, wenn man sich mit der Meinung auseinander setzen muss, dass das Problem der deutschen Armee kein Geldproblem, sondern ein Beschaffungsproblem sei?“. Wieso muss "Die schwarze Null" zur Rechtfertigung einer katastrophalen Vernachlässigung der Infrastruktur herhalten? Hat die politische Opportunität dermaßen stark eine Eigendynamik entfaltet, dass man glaubt, solche Zielsetzungen verfolgen zu müssen? Wieso glauben Journalisten direkt und indirekt dem Großkapital sekundieren zu müssen, um dies den Opfern ihrer Einstellungen auch noch als „Stimme der Vernunft“ zu verkaufen ("Man kann nur ausgeben, was man auch eingenommen hat")? Ob das am Ende gar etwas mit voraus eilendem Gehorsam zu tun hat und ob so etwas mit dem Ethos zu vereinen ist, den solche Leute gerne beschwören?

Samstag, 28. Dezember 2019

Zufriedenheit

Zufriedenheit, was ist das für ein Wert? Anscheinend streben wir das alle an. Doch wenn irgendjemand zufrieden wäre, würde der Kapitalismus (und nicht nur der! womöglich liegt das an der menschlichen Natur, falls es die gibt...) sofort zusammen brechen. Denn dieser strebt unentwegt ein Mehr und Noch mehr an. So war es schon im Mittelalter. Wer damals König wurde und sein Reich hatte, war selten zufrieden damit. Er wollte mehr erobern. Auch die Einnahme des Nachbarreiches konnte ihn nicht befriedigen. Er wollte noch eines und danach noch ein weiteres. Und so schuf er sein Imperium. Diese Neigung, auf Erfolg mit dem Verlangen nach dem Mehr zu reagieren, ist möglicherweise Teil der menschlichen Natur. Auch Marx griff in seiner Bedürfnistheorie auf dieses Erkenntnismuster zurück. Der Kapitalismus baut darauf auf, ist aber nicht die Ursache.

Freitag, 27. Dezember 2019

Neoliberalismus

Was überhaupt könnte Neoliberalismus sein, von dem viele reden (geredet haben)? Die Politikwissenschaft behauptet hier ein „postheroisches Zeitalter“ in das wir hinein geworfen sein würden. Nun ja. „Flexibilisierung der Arbeitswelt“ könnte da ein Stichwort sein, das den Neoliberalismus stark geprägt hat. Also die Loslösung von Menschen aus kollektiven Bindungen, etwa Tarifverträgen, und die Überantwortung solcher Bindungen an einen Markt, der schon alles irgendwie regeln möge.Voraussetzung dazu wäre eine Selbstoptimierung, also die Voraussetzung, dass jeder als Einzelner die Voraussetzung zu seinem Glück schaffen könne. Der „Wettbewerb“ scheint solch ein Begriff zu sein, der vom Neoliberalismus heilig gsprochen ist. Ebenso der Begriff der „Leistung“, der möglichst von allen kollektiven Bindungen befreit sein müsse. Der Leistungssport scheint hier eine wichtige Schrittmacherrolle zu spielen. Prinzip: „The Winner takes it all“. Das heißt: Derjenige, der sich durchsetzt gegen alle andern, bekommt die ganze Aufmerksamkeit und das ganze Geld. Gewinner sind oft auch jene, die so glänzend dargestellt werden, weil sie ihre „Mitbewerber“ haben schlecht aussehen lassen. Neoliberalismus könnte aber auch etwas zu tun haben mit der Aushölung der Souveränität einzelner Staaten zugunsten einer Globalisierung des Turbokapitalismus, der alle soziale Bindungen aushölt, alles mit Geld regelt und jene Globalisierungsgewinner schafft, die uns in den Medien präsentiert werden. Neoliberalismus könnte auch etwas zu tun haben mit dem Ideal des flexiblen Menschen, der sich alle vorgegebenen Strukturen möglichst optimal anpasst. Ob das etwas mit Konformitätsdruck zu tun hat? Dem folgen, was gerade opportun ist, ob das ein Ideal sein kann? Ob dem gegenüber Sinnstrukturen stehen, die nicht dem „Markt“ oder dem „Geld“ verpflichtet sind? Die über die Heiligsprechung des Einzelnen und die Nutzenorientierung des Marktes hinaus weist?

Montag, 23. Dezember 2019

Sprung in die Zukunft

Ein würdevolles Leben führen. Als Ziel. Für alle. Jetzt und in Zukunft. Als eine Art riskanter Sprung in die Zukunft. Eingeführt in eine Normalität, in eine Selbstverständlichkeit, die alle Menschen umgeben soll. Alle. Technologische Möglichkeiten dazu könnten bereits vorhanden sein. Bleibt nur noch die soziale Polarisierung: den einen Menschen soll es möglich sein, den andern nicht. Leistungsprinzip. Äquivalenzprinzip.  Oder? Es…. Wir sind da hinein geworfen. Müssen uns damit auseinander setzen.
Wir aber haben unter Umständen damit zu tun, von einem Tag in den nächsten zu kommen. Müssen Demütigungen und Diskriminierungen trotzen, so gut es geht. Müssen Pech verkraften. Wie konnte das möglich sein, dass noch vor kurzer Zeit Frauen nicht wählen durften?, so fragt man sich schon heute. Man kann es sich nicht mehr vorstellen. Die Entwicklung scheint in kürzester Zeit fortgeschritten. So könnte es auch mit einer Energiewende sein. Es könnten sich zunächst diejenigen zusammenfinden, die die Vision haben und dafür etwas verändern wollen. Es scheint zunächst, als passiere nichts. Doch dann wird ein Problem gesehen. Es wandert das Angestrebte, das Ziel, unaufhaltsam in die Normalität ein. Bedenken und Argumente dagegen sind natürlich präsent. Aber es steht im gesellschaftlichen Raum die moralische Aufforderung: eigentlich müsste man, sollte man...., aber... Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze etc. ... Es bilden sich zudem Gruppen, die alles verdrängen wollen, die Probleme leugnen und damit zunächst viel Zulauf damit finden. Doch dann vollzieht sich der Sprung. Eine Umorientierung setzt sich fest. Wahrscheinlichkeiten bröckeln. Etwas wird da sein. Der Kompass wird sichtbar. Ein Thema wird wichtiger. Gewisse Menschen werden das ziehen. Rückblickend wird es kaum zu begreifen sein, dass man nicht schon viel eher in die richtige Richtung abgebogen war. „Normal“ ist etwas anderes geworden.

Sonntag, 22. Dezember 2019

Digitalisierung (4)

Propheten der „Digitalisierung“ sagen einen tiefgreifenden Wandel vor aus: Künstliche Intelligenz, Mobilfunknetz 5 G, Blockchain-Technology, 3D-Druck, Roboter, Genschere CRISPR, Quantencomputer u.a.. Abgesehen davon, dass die eine mit der anderen Technologie in engem Zusammenhang zu stehen scheint, ist es beliebt, den gesellschaftlichen Nutzen solcher Schlagworte und die Folgen als selbstverständlich voraus zu setzen. Autonomes Fahren? Ja, wer will das denn nicht. Aber ein klein bisschen noch lenkend dabei sein, wenn meine Kohle in Gestalt eines metallic Dickschiffes da über Straßen prescht, das dürfte schon noch möglich sein, oder? KI und AI auf allen Kanälen, dabei scheint es mir noch nicht einmal ausgemacht, ob es AI (Artificial Intelligence) oder KI (Künstliche Intelligenz) heißt. Exponentiell soll es voran gehen, das wird uns in Aussicht gestellt. Welche scheinbaren Wohltaten das alles bringen wird und dass „wir“ keineswegs den Anschluss verpassen dürfen (womöglich ist der längst verpasst…), ist in aller Breite erörtert und in die deutsche Welt hinaus posaunt. 
Ob vielleicht generell der Wert der Arbeit überdacht werden sollte, ob in dieser Hinsicht manches neu organisiert werden sollte, auch im Hinblick auf „bedingungsloses Grundeinkommen“, scheint mir inzwischen an den Rand gedrängt. Ob es aber gesund ist und funktionieren wird, wenn da mehr oder weniger blind in solche Entwicklungen hinein getaumelt wird? Ob wir nicht getäuscht werden und selbst dessen Potential noch nicht so richtig erkannt haben. Stichworte scheinen mir dabei zu sein: Deep Fakes, Open AI Lyrebird, Fälschung von Rankings/Reigenfolgen, Bild- und Videobearbeitung, Bots…. die Wirklichkeit einfach so zu erschaffen, wie sie einem gefällt….. im politischen oder wirtschaftlichen Interesse, wichtige Schritte in diese Richtung sind womöglich von den USA aus wahrscheinlich längst gemacht….Wir gehen schön gepflegt ins Kino und staunen über Altstars, die technisch jünger gemacht wurden und uns so in einem neuen und aufgehübschten Äußeren gegenüber treten. Schöne Weihnachten!

Samstag, 21. Dezember 2019

Prominenz

Ich stehe dem einigermaßen fassungslos gegenüber, wenn wieder ganze Magazine (TV, Internet, Print...) und Dokumentationsreihen über die kleinen Gemütsäußerungen und Wehwechen der sogenannten „Prominenten“ berichten. Jawohl, es gibt Gründe, wieso diese Personen als dermaßen herausragend betrachtet werden, selbst wenn es nur die Äußerung oder das Äußere eines sogenannten It-Girls, das Verhalten von Adligen oder die sehr offensichtliche Regung eines sogenannten „Influencers“ ist. Doch das Ausmaß, mit dem sich eine Öffentlichkeit für solche Dinge zu interessieren scheint, kommt mir ziemlich übertrieben vor. Es scheint mir religiöse oder kultische Züge angenommen zu haben, - wobei diejenigen, die so etwas am lautesten zu beklagen scheinen, wiederum der Schicht der „Prominenten“ angehören, womöglich aus ganz anderen Gründen als jenen ihrer scheinbar überragenden Fähigkeiten. Sich den Erwartungen möglichst optimal anpassen, das scheint das Gebot. Ob das alles in einem Verhältnis zu den Gefährdungen steht, denen unsere Welt sich gegenüber sieht? „Erst mal will ich prominent werden und abkassieren und dann kommen die Probleme des Allgemeinen“ scheinen da die in Rede stehenden Leute für sich anzunehmen. Es ist diese Welt, der manche Leute wie ich zu entfliehen versuchen……
Da sind die, die „es geschafft“ haben. Die Schönen und Reichen. Ohne Grenzen scheinbar. Das ein paar von ihnen (oder auch mehr…) daraus ein Geschäft machen wollen, ist ja offensichtlich. Der Vorbilder sind allzu viele. Etwas Spannendes verkörpern, sich optimieren, Aufmerksamkeit erzeugen, verlogen lächeln und grinsen, sich verkleiden, sich und seinen Reichtum ausstellen, damit prahlen, sich schminken zu „zubereiten“, um das Resultat dann ins Netz zu stellen. Social Media etc. Liebschaften, Heiraten, Scheiden, „Making of...“ Million Dollar Bodykult, Yachten und teure Schlitten...und alle dürfen daran teilhaben. Das Muster, die Vorlage dazu wird allmählich öde. Desto mehr müssen sich „Promis“ anstrengen! Um die ganze Welt reisen, nach Belieben, die Welt ruinieren, Zukunft verbrauchen fürs Ego, Scheis auf den Klimawandel! Mir steht das zu! So geht‘s zu in dieser Promi-Welt!

Donnerstag, 19. Dezember 2019

Weihnachtsidyll


Was sich mir jetzt, in der Weihnachtszeit, besonders aufdrängt, - ohne dass ich mich als allzu negativ empfinde. Die Wirklichkeit um einen herum scheint sich selbst so zu definieren, dass sie innere Sehnsüchte in Konsumgier verwandelt. Waren weisen auf Identität, in uns verwurzelten Bedürfnissen.....und Maximen wie: bessere Menschen sind die, die mehr verdienen... Das kitschige Idyll im Schnee, ein positiver Drang, anderen Menschen etwas zu schenken, was in Wirklichkeit mich selbst definiert, der Stachel, in einem tieferen Sinne bei sich zu sein…. All das kommt hier zusammen und paart sich auf eine schleimige Weise mit einem girlandenbehängten und lichtleinbeschienenen Geschäftsdrang, der alles für sich und seinen Profitstreben zu nutzen versucht, - was Menschen insgesamt natürlich beeinflusst. Dazu kommen die Bilder, die heute vor allem über die „sozialen Medien“ erzeugt werden: schöne, erfolgreiche Menschen, die Schmuckdesigner, Event-Manager oder Cafe-Latte-Macciato-Schlürfer - oder als Schausteller ihrer selbst alles zusammen sind. Die schon als Kind gewusst haben, dass sie Schmuckdesigner oder Modedesigner werden wollten und von dem modischen Geschmeide früh fasziniert sind. Die parfümierte Interviews geben. Währenddessen bereiten in den Medien allerlei Starköche wohlschmeckende Speisen zu, die unter einem Wahnsinnseinsatz von Wasser „erzeugt“ worden sind und sich gut für's Weihnachtsmahl eignen. Was kümmert‘s diese Figuren? Ein paar von ihnen profilieren sich in den Talkshowrunden und stellen Fragen, machen ein nachdenkliches Gesicht, stottern herum, pflichten bei, -  kochen aber ansonsten mit Genießermiene munter weiter.

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Competition

Den Größeren, schnelleren, breiteren zu haben, das „Sich messen“, die Marktwirtschaft in den Köpfen, sie bestimmen (competition) offenbar die Wirklichkeit, nicht der Fluss, das gemeinsame Fließen, die Empathie, das Gefühl für das Ganze (wäre auch kein bisschen neoliberal), sondern das Vorwärtskommen auf Kosten der anderen….. „Top Dogs“ rasen in ihren fetten und Platz wegnehmenden SUV-Verbrennern an einem vorbei, sie streben alle ehrgeizig ein Scheinziel an (das ihnen von den noch Mächtigeren vorgegeben ist), das sie nach einer genau bemessenen Zeit wieder verlassen… zurück ins Getriebe. Sie treiben ihre Allrads mit gelangweiltem Gesicht („was ist denn das für ein Loser!“) an dir vorbei, mit denen sie überall zeigen, dass sie nicht nur mehrmals im Jahr in den Skiurlaub fahren können, sondern auch zu fernen Zielen. Sie wollen sich zu den Besseren zählen (noch dürfen sie das völlig ungeniert... manche von ihnen sind sehr stolz drauf, andere nehmen es als Selbstverständlichkeit), aufgemotzt, aber dezent, Überlegenheit dauernd zu zeigen ist (k)ein schweres Geschäft…. Für Competition-Mitläufer, für Bewerber, für tüchtige Tüchtige, für Durchsetzer, für die, die alles richtig gemacht haben. Ob das eine gewisse Nähe zur gegenwärtigen (?) USA hat?

Dienstag, 17. Dezember 2019

Images

Es kommt einem so vor, als würden „Verantwortungsträger“ und Entscheider in dieser deutschen Gesellschaft das Problem „Klimawandel“ nicht ganz ernst nehmen. Jedenfalls scheinen das Problem viele von ihnen nicht auf sich selbst zu beziehen, was sich auch daran zeigt, dass sich laut einer Meldung sämtliche Spitzenpolitiker in Riesenkarossen durch die Landschaft fahren lassen, die nachgewiesenermaßen einen Spitzenausstoß an Schadstoffen haben (und die teilweise dessen rechtlich überführt sind...). Es fiel mir selbst schon früher auf, aber ich hoffte, dass hier besondere Maßnahmen eingeführt worden seien dergestalt, das stillschweigend nur gewisse, auf den neuesten technischen Stand gebrachte Karossen gebraucht würden. Pustekuchen. Wieder einmal muss man sich getäuscht sehen. Der Politikverdrossenheit und dem allgemeinen Misstrauen Politikern gegenüber ist sowas womöglich extrem förderlich. Das Miosstrauen wächst, ohne dass dies große Schlagzeilen erzeugen würde. Dass sich jetzt wohl eine Greta Thunberg im Zug durch deutsche Landen dabei ablichten lässt, wie sie neben Koffern am Boden kauert, mag zwar eine realistische Perspektive für jedermann abgeben. Dass sie offenbar aber eine Teilstrecke im 1. Klasse-Abteil saß und sich mit allerlei Annehmlichkeiten verwöhnen und umsorgen ließ, bleibt fotomäßig offensichtlich unbeachtet. Offenbar ist diese Person inzwischen von zahlreichen PR-Agenten umgeben, die ihr nicht immer die richtigen Ratschläge geben. Jedenfalls mag auch so etwas ein gewisses Misstrauen in allgemein kolportierte Images erwecken. Auch die demnächst eingeführte "Bonpflicht", also dass bei Kleinsttransaktionen oder Käufen ein Bon ausgedruckt werden muss, passt leider in dieses Raster. Dass bei solchen zweifelhaften Aktionen die Umwelt weit über Gebühr belastet wird, scheint den Entscheidungsträgern vom Finanzministerium egal. Klimawandel hin oder her. Hauptsache Geld. 

Sonntag, 15. Dezember 2019

Selbst

Selbstbespiegelung. Ist heute akzeptiert. „Selfies“ sind eine kulturelle Errungenschaft geworden, Aufnahmen des Ego. Visuelle Wiedererkennbarkeit. Kurze Reize. Anmutung. Autenthischer Selbstausdruck. Ego. Sich in andere Rollen hinein begeben durch Verkleidung. Oder ob dies nur die Sehnsucht danach ausdrückt? Ein Bedauern darüber, dass man derselbe bleibt, egal, welche Verkleidung man wählt? Selfie, eine gesuchte Möglichkeit der Selbstsuche? Masken aufsetzen. Digitale Masken. Sich verstellen. Sich dahinter verstecken. Virtual und augmented Reality? Ob das gangbare Praktiken sind? Andere Codierungen anstreben? Auffallen? Dadurch möglichst viele „Likes“ erhalten? Auf dem Markt der Kommunikation dadurch etwas wert sein? Nicht das wahre Ich an sich anstreben, sondern es in die Welt hinein brüllen. Sich kommunizieren. Den Verlust anderer Kommunikationsmöglichkeiten als Verlust auch ausleben. Typische Situationen, Klischees des Verhaltens. Zusammenhänge in sich hinein lassen und ihnen dann Ausdruck geben. Das Ego dadurch erforschen. Schauspielern. Stars nacheifern. Alles zur Banalität machen. In der Gleichschaltung leben. Visueller Terror. Vorgegeben Modellen nachhecheln. Role models ausfüllen.

Freitag, 13. Dezember 2019

Die Entschlafenen (Friedrich Hölderlin)

Die Entschlafenen (Friedrich Hölderlin)

Einen vergänglichen Tag lebt ich und wuchs mit den Meinen, Eins ums andere schon schläft mir und fliehet dahin. 
Doch ihr Schlafenden wacht am Herzen mir, in verwandter Seele ruhet von euch mir das entfliehende Bild. 
Und lebendiger lebt ihr dort, wo des göttlichen Geistes Freude die Alternden all, alle die Toten verjüngt.

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Lebensmittel

Ich nehme von der Seite aus die Botschaft wahr: „Jede dritte Lebensmittelkontrolle fällt aus!“. Wo da der "politische Wille" bleibt? Behörden scheinen in ganz Deutschland jedenfalls in großem Stil versagt zu haben, sie sind von der Personalausstattung her noch nicht mal in der Lage, ihre geringsten Pflichten zu erfüllen. Das wundert mich nicht, wurde und wird vom Staat noch immer ein unerbittlicher Sparkurs gefahren, bei dem man sich fragen könnte, wem dieser nützt (Insbesondere, da die Steuereinnahmen noch nie so hoch wie jetzt waren....). Ob dieser Sparkurs auch von einer bestimmten Partei vertreten wird, die gerne vorgibt, genau einen solchen Sparkurs jetzt aufgeben zu wollen? Ob so etwas links ist, ob die Linke so etwas überhaupt beachtet und registriert? Jawohl, das sind die Alltäglichkeiten, die jemanden beeinflussen können, der nicht von vornherein der gesellschaftlichen Mittelklasse angehört. Er nämlich würde schon gerne auf Bio-Basis gesünder leben, hat aber einen Preisdruck, der ihm das nicht erlaubt. Direkt: Es ist ihm zu teuer. Er muss froh sein, wenn er überhaupt etwas an Land ziehen kann und nicht in Abfalleimern nach Brauchbarem suchen muss. Der fortwährend anschwellende Bedarf bei Den Tafeln spricht diesbezüglich Bände. Die Ärmsten der Armen haben keine Lobby, nicht mal bei den Linken. Sie sind nicht repräsentiert. In einer repräsentativen Demokratie ist das katastrophal.

Dienstag, 10. Dezember 2019

Ob....?

Dies ist ein Beispiel für späte Politikverdrossenheit, die man gegenwärtig dadurch niederbügelt, dass man „Klare Kante“ fordert. Doch ich habe Zustände und Überlegungen gesammelt: Soll man sich dann doch daran erinnern, dass es möglicherweise in dieser Republik ziemlich ungerecht zugeht? Soll man diesen Nasen, die wortreich anbieten, das zu ändern, mit einer Wählerstimme vertrauen? Soll man ihnen das zutrauen? Zweifel und Skepsis erscheinen angezeigt. Soll man sich mal wieder darüber aufregen, dass Großspenden die Entscheidungsprozesse in dieser Politik möglicherweise entscheidend verändern? Überhaupt, der Einfluss der Lobbys und Interessenvertreter scheint ja recht weit zu gehen und sich unter anderem in finanziellen Zuwendungen an Parteien oder deren Mitglieder auszudrücken, wobei dafür offenbar auch verschlungene Wege gefunden werden. Manchmal formulieren Lobbyisten die Gesetze, die dem Parlament vorgelegt werden, gleich selbst.
Der Hintergedanke scheint dabei relativ klar. Nicht nur Diäten und Fraktionsetats scheinen ziemlich schamlos erhöht zu werden. Wer dagegen aufbegehrt, gegen den wird mindestens geklagt, - das Procedere ist ja schon aus der Industrie bekannt.
Gegen entsprechende Parteispenden wurden offenbar „Besuche“ bei einflussreichen Politikern gewährt: Diese Praxis sorgte vor einiger Zeit für Aufsehen. Daraufhin wurde Besserung gelobt. Überhaupt lassen sich wohl Parteien und Abgeordnete wohl nicht so gerne in die finanziellen Karten schauen. Ob das oberdemokratisch ist oder ob hier „Experten- und Beraterwissen“ in die Entscheidung einfließt? Die Erklärungen vielfältigster Art stehen ja bereit. Scheint, offenbar, vielleicht – im Dunkeln ist gut munkeln, so möchte man meinen. Das Parlament scheint diese Grauzone zu nutzen. Doch ob es dieser Republik wirklich noch so gut geht, wie oft behauptet wird? Ob es mehr Leuten nicht deutlich besser gehen könnte, wenn der politische Wille da wäre? Ob es dabei auch um das „Schlechtreden“ eines Staates geht, der sich noch auf einer Insel der Seligen wähnt, aber die Mechanismen schon für andere Zeiten in Stellung bringt?

Montag, 9. Dezember 2019

Parteiengebaren


Die „oberwichtigen Parteitage“ sind jetzt wohl vorüber. Es darf Weihnachten werden. Ich nehme wahr: Überall Parteisoldaten, die das absondern, was man von ihnen erwartet, die die auswendig gelernten Phrasen predigen und erwarten, dass das auch noch ernst genommen werden soll. „Sie leben in einer eigenen Welt….“ sagte eine Person aus meiner Umgebung dazu. Diese Person, das merkte ich wohl, nahm das Parteitagsgebaren nicht mehr so recht ernst. Aber da waren ja auch Akklamation und Dauergeklatsche, wie auf einem der ach so verachteten Parteitage kommunistischer Parteien. Sie brauchen das offenbar zur Selbstvergewisserung, sie brauchen die Aussprache dessen, was als Gemeinsamkeit gelten soll. Dabei drängen sich Personen, die sich selbst und ihre Meinung oberwichtig nehmen, in den Vordergrund. Sie beschwören irgendeine Gemeinsamkeit, zu deren Definition sie selbst beitragen sollen und wollen. Dafür ernsten sie dann Beifall und werden flugs in gut honorierte Parteiämter gewählt. Ob solche Rituale auch dazu beitragen, das sogenannte „Volksparteien“ nicht mehr so recht ernst genommen werden? Das viel beschwore Grundgesetz formuliert: "Die Parteien wirken mit an der Willensbildung des Volkes....". Was solch eine Formulierung will, mag zu denken geben. Ob neuere Entwicklungen nicht nur Ausdruck einer Individualisierung in dieser Gesellschaft ist, sondern auch die Wahrnehmung, das sich solche Parteirituale in sich selbst erschöpfen?

Sonntag, 8. Dezember 2019

Gesellschaft und Parteitage

In Deutschland wird jetzt gerade noch ein Parteitag einer ehemals großen Partei abgehalten, die sich gerne als die Partei der „kleinen Leute“ und der Arbeiter apostrophiert. Ob diese Partei gemerkt hat, dass sich die Wirklichkeit um sie herum geändert hat? Klar, so etwas wird in allerlei Reden gerne beschworen und einen "Hoffnungsträger" hat sich diese Partei auch schon ausgekuckt.  Wenn ich jedoch in die Übertragungen hinein höre und sehe, scheint mir von dieser Schicht der „Prekären“ bei diesem Parteitag kaum die Rede zu sein. Stattdessen wortreich wird die Erhöhung des Mindestlohns gefordert. Ob diese sich selbst feiernde und „einer neuen Zeit entgegen gehende“ (wir alle gehen einer neuen Zeit entgegen, für mich sind das hohle Phrasen genauso wie jenes Arbeiterlied, das zum Abschluss gemeinsam gesungen werden wird...) Partei noch nicht kapiert hat, dass nicht alle „Freiwillig Versicherten“ Rechtsanwälte, Ärzte und Unternehmer sind? Gerade die prekär Beschäftigten, deren Anteil in dieser neoliberalen Gesellschaft ja rapide wächst und als der Folge der von ihr vertretenen Politik gewachsen ist, müssten ins Blickfeld solcher sich als "sozial" gebärdender Parteien geraten. Tatsache ist, dass dieser gesellschaftliche Bereich sich in alle Richtungen ausgeweitet hat und Unternehmer von ihren Anführern kluge Ratschläge empfangen können, wie sie Mitarbeiter am besten ins Prekäre abdrängen können. Ob diese sich selbst beklatschende und tagelang tagende Partei immer noch die klassische Arbeiterschaft als ihre einzige Klientel sieht? Es sei festgehalten: Der Mindestlohn nützt prekär Beschäftigten überhaupt nichts.

Samstag, 7. Dezember 2019

Hinfort.....

Wir fallen in eine Leere, wir vermissen etwas, es ergreift einen... Wir gehen auf etwas zu, von dem wir nicht wissen, was es sein wird, wir segeln in fremde Horizonte,- oder wurde uns etwas dazu hinterlassen? Eine Information? Viele? Es gilt jedenfalls, etwas hinter sich zu lassen im ewigen Vergessen, die Küsse, die Begegnung mit jemand, den man mag, die Berührung einer Schönheit, die Kraft eines Moments, das Menschsein….. aber viele vor dir haben es schon geschafft, es könnte jedoch sein, dass dieser Zeitpunkt noch hinaus gezögert wird, durch Forschung/Wissen/Know-how… oder? man ist dem ausgeliefert, es kommt auf einen zu.... Kant und seine Aufforderung zum Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit: rührend, wir sind zu allem nur verurteilt, da können wir nur so hinaus streben aus der Unmündigkeit, es macht das alles nur noch viel schlimmer.....

Donnerstag, 5. Dezember 2019

Karussell (Text)


KARUSSELL

Wenn ich, allein
und meine Gedanken
Löcher in die Wand starren,
tut sich bisweilen
Tieferes auf
aus dem verlangende Süchte strömen
Gesuchtes sich vermehrt
wie ein Karussell
durch Tunnels spiralgewunden
nach unten
da ist.Es und Nichts
und der Spiegel
an dem es sich bildet
eitel umstellt
in nächtlicher Jagd
wird
Vergessenes, Zukünftiges
aufgeblendet...

„Hey, komm zurück, dorthin, wo man sich wärmt!“

(zusammen überwintern, übernachten?)


(muss wohl in grauer Vergangenheit von mir geschrieben worden sein, wieder gefunden...)

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Er sagt, er singt (Fundstück 2010, Text?)

Er sagt
ich seh' jetzt in mich hinein
und mach den obercoolen Reim
ich hole Großes aus mir raus
und keiner bringt mich dabei draus
Ich bin das Ich, nach dem die Welt jetzt giert
ich will euch sagen, was sich bald rentiert

hier herrscht Natur, und einer frisst den andern
ich bin ein (Super)Stern und keiner sieht (sah mich jemals) mich wandern 
es regiert die Stärke, der Muskel und die Kraft
mein Motor und mein Corpus stehen gut im Saft

Er singt
Mein Leben spielt jetzt auf der Überholspur
die Zeit ist auch nur eine lahme Sanduhr
Tod durch Propofol: Unfall, Selbstmord oder Mord?
Ein kurzer Kick, ein Klick, ein kalter Ort
Heath Ledger war klug und klar und tüchtig
so manche Menschen sind nach Wunder süchtig

Hirndoping kann dein Leben stark verändern
sie sah mich stolpern, sie sah mich kentern
Neuro-Enhancement und Pillen spenden Glück
bringen machen müde Menschen auf den Weg zurück

Montag, 2. Dezember 2019

Mechanismen der Macht

Dies ist ein Beispiel für späte Politikverdrossenheit, die man gegenwärtig dadurch niederbügelt, dass man „Klare Kante“ fordert. Doch ich habe Zustände und Überlegungen gesammelt: Soll man sich dann doch daran erinnern, dass es möglicherweise in dieser Republik ziemlich ungerecht zugeht? Soll man diesen Nasen, die wortreich und von Parteitagen beklatscht anbieten, das zu ändern, mit einer Wählerstimme vertrauen? Soll man ihnen das zutrauen? Zweifel und Skepsis erscheinen angezeigt. Soll man sich mal wieder darüber aufregen, dass Großspenden die Entscheidungsprozesse in dieser Politik möglicherweise entscheidend verändern? Überhaupt, der Einfluss der Lobbys und Interessenvertreter scheint ja recht weit zu gehen und sich unter anderem in finanziellen Zuwendungen an Parteien oder deren Mitglieder auszudrücken, wobei dafür offenbar auch verschlungene Wege gefunden werden. Manchmal formulieren offenbar Lobbyisten die Gesetze, die dem Parlament vorgelegt werden, gleich selbst.
Der Hintergedanke scheint dabei relativ klar. Nicht nur Diäten und Fraktionsetats scheinen ziemlich schamlos erhöht zu werden. Wer dagegen aufbegehrt, gegen den wird mindestens geklagt, - das Procedere ist ja schon aus der Industrie bekannt. Nein, das ist kein Politikerbashing, wie natürlich sofort unterstellt wird…...
Unter anderem dies: Gegen entsprechende Parteispenden wurden in der Vergangenheit offenbar „Besuche“ bei einflussreichen Politikern gewährt: Diese Praxis sorgte vor einiger Zeit für Aufsehen. Daraufhin wurde Besserung gelobt. Überhaupt lassen sich Parteien und Abgeordnete wohl nicht so gerne in die finanziellen Karten schauen. Ob das oberdemokratisch ist oder ob hier „Experten- und Beraterwissen“ in die Entscheidung einfließt? Die Erklärungen vielfältigster Art stehen ja bereit. Scheint, offenbar, vielleicht – im Dunkeln ist gut munkeln, so möchte man meinen. Das Parlament scheint diese Grauzone zu nutzen. Doch ob es dieser Republik wirklich noch so gut geht, wie oft behauptet wird? Ob es mehr Leuten nicht deutlich besser gehen könnte, wenn der politische Wille da wäre? Ob es dabei auch um das „Schlechtreden“ eines Staates geht, der sich noch auf einer Insel der Seligen wähnt (aber z.b. im Bereich „Digitalisierung“ längst abgekackt ist...), aber die Mechanismen der Macht schon für andere Zeiten in Stellung bringt?

Sonntag, 1. Dezember 2019

Planungssicherheit

Wir hier in Deutschland treiben auf eine gewaltige Altersarmut zu, die Standards rutschen hier jetzt schon im Hinblick auf Seniorenresidenzen immer weiter ab, sämtliche Klimaziele sind sowieso verpasst, die Armee ist genauso wie die Energiepolitik in jeder Hinsicht gegen die Wand gefahren, junge Menschen gehen in Schulen, bei denen ihnen die Decke auf den Kopf fällt, während plötzlich festgestellt wird, dass 50 000 Lehrer fehlen, die Verkehrspolitik samt Maut ist gnadenlos gescheitert, bestimmte Arzneimittel sind nicht mehr zu haben, die Antibiotika werden an die Landwirtschaft verfüttert, damit diese besser exportieren kann, in puncto „Digitalisierung“ wurden sowieso alle Ziele nachhaltig verschlafen: Diese gewählten Leute scheinen nicht mal handwerklich ihre eigenen Standards zu halten, die Lenkungsleistung der Politik hierzulande scheint unterirdisch, wer das kritisiert, wird als "Feind der Demokratie" abgetan, ….... ob das Begeisterung für „die Demokratie“ und „die Volksparteien“ weckt?

Freitag, 29. November 2019

Zwischenmenschliches

Ich staune mal wieder: Es gibt wohl viele Leute, die auf einem Film oberflächlicher Freundschaftsbeziehungen dahin schlittern und sich darin bescheiden, die diese Situation „normal“ finden, auch weil sie nichts anderes kennen. Solche Beziehungen zwischen Menschen sind oft beruflichen Gegebenheiten oder persönlichen Lagen/Situationen geschuldet. Manchmal ergeben sich auch schlicht Gelegenheiten, Beziehungen zu Personen zu knüpfen, die sich dann als nicht unbedingt haltbar erweisen. Über längere Zeit halten wohl vor allem diejenigen Beziehungen etwas aus, die einer tiefen Sympathie und einem breiten Verständnis geschuldet sind. Heute werden Beziehungen geknüpft, um über eine gewisse Zeit hinweg (kann sehr sehr kurz sein!!!) verschiedenartige Bedürfnisse zu befriedigen. Die also vom Nutzen bestimmt sind. Ausgenommen und von vornherein heilig gesprochen ist dabei nur noch die Ehen, die freilich immer brüchiger werden (Statistiken und Alltagserfahrungen können das belegen...). Darüber hinaus ist „Networking“ beliebt, also das Schließen von Verbindungen verschiedener Menschen, die sich gegenseitig davon einen späteren Profit versprechen, die es als günstig für sich beurteilen, zu dem einen oder anderen Menschen „nähere“ Verbindungen zu unterhalten. Unlautere Elemente quetschen sich hierbei dazwischen, um den jeweils anderen regelrecht auszunehmen, ihn offen auszunutzen, ihm etwas einfach abzunehmen. Zuvor werden oft Beziehungen geknüpft, die in diesem Falle wohl rein zweckorientiert sind und dem gemeinsamen Interesse förderlich sind. Ein bestimmendes Motiv scheint schlicht auch die Neugier zu sein, die sich oft Ziele sucht, die sie nach ihrer vermeintlichen Stillung aber bald dann verlässt.

Mittwoch, 27. November 2019

Auswurf (Text)

AUSWURF

Bedrängtes geschleudert
hinaus
in Kot und Zeit
Gärtner deiner Zukunft
dem grauen Grauen entgegen
strauchelstürzen
in Kanälen kriechend
durch Meere
von Dornenspitzen
hinausgetiert
und immer weiter
in dunkle Bedrängnis

(aus den frühen 80er Jahren)

Montag, 25. November 2019

Veränderung

Ein würdevolles Leben führen. Als Ziel. Für alle. Jetzt und in Zukunft. Als eine Art riskanter Sprung in die Zukunft. Eingeführt in eine Normalität, in eine Selbstverständlichkeit, die alle Menschen umgeben soll. Alle. Technologische Möglichkeiten dazu könnten bereits vorhanden sein. Bleibt nur noch die soziale Polarisierung: den einen Menschen soll es möglich sein, den andern nicht. Oder? Wir sind da hinein geworfen. Müssen uns damit auseinander setzen.
Wir aber haben unter Umständen damit zu tun, von einem Tag in den nächsten zu kommen. Müssen Demütigungen und Diskriminierungen trotzen, so gut es geht. Müssen Pech verkraften. Wie konnte das möglich sein, dass noch vor kurzer Zeit Frauen nicht wählen durften?, so fragt man sich schon heute. Man kann es sich nicht mehr vorstellen. Die Entwicklung scheint in kürzester Zeit fortgeschritten. So könnte es auch mit einer Energiewende sein. Es könnten sich zunächst diejenigen zusammenfinden, die die Vision haben und dafür etwas verändern wollen. Es scheint zunächst, als passiere nichts. Doch dann wird ein Problem gesehen. Es wandert das Angestrebte, das Ziel, unaufhaltsam in die Normalität ein. Bedenken und Argumente dagegen sind natürlich präsent. Aber es steht im gesellschaftlichen Raum die moralische Aufforderung: eigentlich müsste man, sollte man...., aber... Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze etc. ... Es bilden sich zudem Gruppen, die alles verdrängen wollen, die Probleme leugnen und damit zunächst viel Zulauf finden. Doch dann vollzieht sich der Sprung. Eine Umorientierung setzt sich fest. Wahrscheinlichkeiten bröckeln. Etwas wird da sein. Ein Thema wird immer wichtiger. Gewisse Menschen werden das ziehen. Rückblickend wird es kaum zu begreifen sein, dass man nicht schon viel eher in die richtige Richtung abgebogen war. „Normal“ ist etwas anderes geworden.

Sonntag, 24. November 2019

Bellefleur (Text)


BELLEFLEUR

Weiche Linien - Deine Züge zärtliche Wege,
die sie für mich beschreiten
Augensterne spenden Licht
ein Blick ruht in Dir und weiß
von Freude und Traurigkeit,
Verstand und Gefühl,
sanft ineinander fließend
Ahnung von Heimat


(alter Text, wiedergefunden....)

Samstag, 23. November 2019

Demokratie, "mündiger" Bürger und Journalismus


Die Demokratie beruht auf der Idee des mündigen Bürgers. Mündigkeit bedeutet Selbstbestimmung. Aber es ist bequem, unmündig zu sein. Und die Bequemlichkeit, deren gezielte Herbeiführung, ist zu einer Leitidee der Wirtschaft geworden. Es soll alles bequemer gemacht werden. Dazu kommt, dass immer alle ihre Meinung äußern sollen und wollen. Das Nachdenken aber scheint nicht sonderlich beliebt. Alle haben Meinungen, aber nur wenige denken. Demokratie ist auch die Vergesellschaftung von Herrschaft und die Unterwerfung des Staates unter den Willen der Büger: alle sollen teilhaben am Prozess der Macht. Das Volk ist der Souverän. Das funktioniert im Idealfall, wenn die Bürger die Komplexität der gesellschaftlichen Aufgaben erfassen, was wiederum eine möglichst direkte und wenig verfälschte Information voraus setzt. Ob ein einzelner Bürger die Komplexität der Dinge zu erfassen vermag? Im vergangenen Jahrhundert gab es dazu in den USA eine große Kontroverse zwischen dem Journalisten Walter Lippmann und dem Philsosophen John Dewey. Lippmann ging es darum, eine Form der Demokratie zu finden, die der Komplexität einer modernen Industriegesellschaft gerecht wird. Er sah die Lösung in einer Elitendemokratie, in der die Bürger periodisch Repräsentanten aus einem vorgegebenen Elitenspektrum wählen können. Lippmann lenkte seinen Blick auch auf die Rolle von Massenmedien in einer solchen Demokratie und wies dabei den „Think Tanks“ eine besondere Rolle zu. „Think Tanks“ sind vereinfachend dargestellt, Zusammenballungen von sogenannten „Exeprten“, die die ausführenden Eliten beraten solle, also Forschungsvereinigungen etc. Der mündige Bürger galt ihm nichts. John Dewey, der sich in der Tradition der Aufklärung sah, Lippmann ging es darum, wie sich Macht möglichst effizient organisieren ließe. Dewey hingegen ging es darum, wie sich Macht wirksam begrenzen ließe. Lippmann sagte: Bürger haben weder Wissen noch Interesse, sie seien gekennzeichnet durch Ignoranz, Apathie und Vorurteile und hätten einen Mangel an Denk- und Handlungsfähigkeit. Die breite Öffentlichkeit besehe aus unwissenden und lästigen Außenstehenden, deren Rolle in einer Demokratie die der Zuschauer sein müsse, nicht aber die von Mitwirkenden. Bürger dürften lediglich periodisch ihre Stimme einem der verantwortlichen Männer verleihen und sollten sich dann wieder auf ihre kleine überschaubare Privatwelt beschränken. Demokratie sah Lippmann als eine politische Formation, in der vor allem Experten bestimmte Probleme lösen. Demokratie kann in seinem Sinne (Und dem der heutigen Politiker?) nur funktionieren, wenn sie keine ist. Das ging dann später in eine neoliberale Demokratie über, der den „freien Markt“ zum kompetentesten Löser aller Probleme erklärt. Es geht in diesem Sinne darum, eine „marktkonforme“ Demokratie zu schaffen. Ob uns das nicht ein bisschen bekannt vorkommt? Bei Dewey hingegen hängt die Mündigkeit des Bürgers und seine Demokratiefähigkeit davon ab, dass ein öffentlicher Debattenraum intakt ist. Dewey: „Wenn der Bevölkerung die relevaten Informationen nicht unverzerrt zur Verfügung stehen und der öffentliche Debattenraum eingeschränkt ist, gibt es keine Möglichkeit, ein Urteil über die politische Kompetenz der Bürger abzugeben“. Ob uns das auch an die Aktualität, die Rolle der Gesellschaft und ihrer Informationsbeschaffer, der Journalisten, erinnert? Die Formung und Lenkung der öffentlichen Meinung jedenfalls scheint zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden zu sein. Hier gibt es keinen freien Diskussionsraum mehr, sondern ist etwas, was von einem ganzen Industriezweig, der PR, die als Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auftritt, geformt wird. Man müsse insofern die „notwendige Wirkung des vorliegenden Wirtschaftssystems auf das gesamte System der Öffentlichkeit“ untersuchen und fragen, „wie weit echte geistige Freiheit und soziale Verantwortung in irgendeinem größeren Umfang unter den Bedingungen der bestehenden Wirtschaftsordnung überhaupt möglich sind“. In seinem Sinne müsste also auch die Wirtschaft demokratisch organisiert sein. Das hat ein großer amerikanischer Philosoph des Pragmatismus geschrieben (!!)

Freitag, 22. November 2019

Sprachgebrauch (2)

Es heißt jetzt allenthalben „Schönen Guten Tag!“, „Schönen guten Morgen“…. d.h. der üblichen Grußformel wird das Wort „Schönen...“ vorangestellt, was den Haufen an floskelhaften Wortmüll zum Zwecke des sozialen „Schmiermittels“ noch größer macht. Wir sagen im Sport „wir“, insbesondere, wenn wir die deutsche Fußballnationalmannschaft meinen, in der Folge sind aber auch andere Nationalmannschaften gemeint….. es wird ein „Wir“-Gefühl erzeugt, beschworen…...ob es ein nationales Gefühl ist, dass sich gerne in Fahnen, Standarten und Hymnen kleidet? Vom Sport kommt auch, dass jemand noch „Körner haben“ muss, d.h. körperliche Kraft, die er für sein sportliches Ziel einsetzen kann…..es hat jemand damit angefangen und alle (auch die scheinbar Intelligenten!) plärren das nach….. weil es ja offenbar so gut „ankommt“, weil es Bedürfnisse benutzt, die das Publikum offenbar hat (oder die ihm zugeschrieben werden...)

Donnerstag, 21. November 2019

Aufnahme in Worten

Es werden Preise aller Art verliehen und dazu Galas veranstaltet. Dabei präsentieren sich dann die selbst ernannten „Eliten“ auf dem roten Teppich und prosten sich gegenseitig mit Champagner zu. Anschließend geben sie mit wichtigem Gesicht einigen speichelleckerischen Medien Interviews. Insgeheim fühlen sich viele Leute aber überfordert vom Optimierungswahn. „Prominente“ gestehen das jedoch nur in absoluten Ausnahmefällen „den Medien“. Diese machen eine interessante und gut bebilderte Story daraus. Ob das Gesamte, der Blick darauf, den Bildern von Dix, Deix oder Grosz entspricht? Ob sich bestimmte Leute dazu aufgerufen fühlen, eine Neudefinition dessen vorzuschlagen (natürlich in ihrem eigenen Sinne....), was wahr oder falsch sei? Der Größenwahn scheint auch diesbezüglich keine Grenzen zu kennen. Arm und Reich gehen auch an dieser Stelle auseinander, was eine großes Problem in dieser Gesellschaft schafft, die doch ihre „nationale Einheit“ so ausdauernd beschwört...? Solche Formationen wie Demokratie scheinen dabei dran gegeben zu werden. Es entscheiden die Herren (!, jawohl, es sind die Herren, nicht die Damen!) über Wahr und Falsch. Diejenigen, die dem Unterschied nachspüren wollen, werden konsequent verunglimpft. Anything goes. Und überhaupt, alles ist doch nur Spass......

Montag, 18. November 2019

Außenseiter bei Hesse (ca. 1984) (2)

Hier ein weiterer Ausschnitt aus meiner Arbeit (ca. 1984) „Der Typ des Außenseiters im Frühwerk Hermann Hesses“, der durchaus auch vom Zeitgeist geprägt gewesen sein mag, aber auch heute noch zu denken geben mag: „Der Outsider ist ein Wanderer, ist unterwegs im konkreten und übertragenen Sinne. Camenzind erlebt wandernd die Natur, jedoch ist auch sein Lebensweg eine Wanderung. Sesshaftigkeit wird mit Erstarrung gleichgesetzt. Der Outsider muss bereit sein, vertraut Gewordenes hinter sich zu lassen, und Einsamkeit dafür in Kauf zu nehmen. Am direktesten umgesetzt ist dieser Gedanke in der Figur des Landstreichers Knulp, die Hesse entwarf, als sein Leben äußerlich von Sesshaftigkeit und bürgerlicher Erstarrung bedroht war.
Die Stilisierung der Einsamkeit kann auch als Ausdruck und Abbild einer historischen Situation verstanden werden. Angesichts der zunehmenden Verdinglichung und Anonymität der zwischenmenschlichen Beziehungen, der Relativierung aller geschlossenen Sinnsysteme und der daraus resultierenden Orientierungslosigkeit verweist das Bild des einsamen Menschen auf einen gesellschaftlichen Zustand, der sich im ersten Viertel des zwanzigsten Jahrhunderts voll entwickelte. Auf der anderen Seite steckt darin auch ein Wunschbild: Die Idee des nicht fremdbestimmten, eigensinnig seinen eigenen Weg suchenden Individuums, niemanden außer sich selbst verpflichtet.“

Sonntag, 17. November 2019

"Volksvertreter" als "Experten"

Erschreckend finde ich die Art, wie sich der deutsche Bundestag auf "Experten" aus den eigenen Reihen stützt. Zum Ausgleich für Defizite werden offenbar teure Beraterverträge abgeschlossen. Meist scheinen mir die Eigenen völlig ahnungslose Karrieristen und an Seilschaften gebundene Ränkeschmiede zu sein, die oft genug die Phrasen wiederholen, die ihnen ihre Parteiführung meist nach idiologischen Vorgaben vorgegeben hat und die oft mit fürstlichen Nebeneinkunftshonoraren gesegnet sind. Da ihre Phrasen meist viel zu allgemein gehalten sind und so richtig nach Volksparteienart eine Art kleinster gemeinsamer Nenner verschiedener Kräfte innerhalb einer politischen Gruppierung repräsentieren, richten sich zwischendrin auch etwas avanciertere Erwartungen sachlicher Art an diese Leute, die oft genug zur Differenzierung gar nicht fähig scheinen. Daraufhin treten sie dann oft Phrasendrescher auf, die der Öffentlichkeit (für Politiker: das Wahlvolk...) Engagement vorspielen und bei entsprechenden Fragen nichts zu bieten haben. Wo die Öffentlichkeit Durchblick und Sachkenntnis vermutet, ist dann meist nur opportunistischer Ehrgeiz. Bei entsprechenden TV-Sendungen entblößen sich dann diese „Volksvertreter“ PR-klug oft lächelnd als idiologisch und opportunistisch daherkommende Nieten (mit auswendig gelernten Phrasen)  und müssen dabei durch ihre Parteimitgliedschaft geschützt keinerlei Konsequenzen befürchten. Dies scheint mir im Übrigen für alle in diesem Bundestag vertretenen Parteien zu gelten und könnte sämtlichen demokratischen Grundsätzen widersprechen.