Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
Sonntag, 28. Mai 2023
Menschenführung
Wer hat das nicht schon erlebt? Tritt irgendwo ein neuer Chef, ein Ober, ein Entscheider oder ein neuer TonAngeber X seinen Job an, so gehört es heutzutage zu den gängigen Mechanismen der „Menschenführung“, dass er vieles (manchmal auch alles) ändern muss, was an Arbeitsabläufen anliegt. Verschiedene Erwartungen treten hier auf den Plan: er sollte ja seine persönlichen Spuren hinterlassen, seine „Duftmarke“, er sollte die Abläufe so prägen, dass sie jedem Beteiligten als das Werk des geschätzten X in Erinnerung gerufen werden, ja, dass es sich geradezu in ihn einmeißelt, dass dieser X es ist, der jetzt alles bestimmt. Auch werden gerne lächerliche Vokabeln wie „Gestaltungswille“ oder „Durchsetzungskraft“ bei dieser Gelegenheit in die Welt gesetzt (was mit dem Bedürfnis nach Orientierung und „Geführt-werden“ der Vielen spekuliert).
Tendenziell ist so etwas totalitär, macht aber in der Wirtschaft nichts aus, da dort ohnehin alles hierarchisch und weitgehend diktatorisch geordnet ist (trotz aller Demokratisierungs- und Ablenkungsversuche). Es gibt dann ganze Wochenend-Crash-Kurse, die den „Untergebenen“ klar machen sollen, dass ja alle so demokratisch sind und dass alles in Teamarbeit erledigt würde, dass das Maß an Selbstbestimmung generell und überhaupt hoch sei.
Dabei sind dies vor allem (Selbstüberlistungs-)Tricks, die nur ein möglichst hohes Maß an Motivation gewährleisten sollen. Im Endeffekt entscheidet aber nur der, der in der Hierarchie dazu „berechtigt“ ist. Deshalb gehen in der Wirtschaft auch alle Entscheidungsabläufe so schnell. Demokratie ist ein weitgehend mühsameres Geschäft. Hier müssen Interessen verhandelt, kommuniziert und abgeglichen werden, Kompromisse gefunden und vermittelt werden, was am Ende zu einer Entscheidung führt: ein ungleich langsamerer Prozess, der aber weitgehend die Interessen der einzelnen an der Entscheidung Beteiligten berücksichtigen soll. Natürlich gibt es mannigfache Perversionen dieses Prozesses, - unter anderem hat offenbar eine tonangebende Politikerin das Wort von der „marktkonformen Demokratie“ in die Welt gesetzt. Kommentar überflüssig. Doch als gedachter Prozess zum Interessenausgleich und zur Entscheidungsfindung ist Demokratie allen anderen Prozessen, gemessen an dem Maß der dadurch erzeugten Zufriedenheit und Innovationsfreude, weit überlegen.
Samstag, 27. Mai 2023
Abdruck
Das alte Ding, das das Persönliche öffentlich ist und das öffentliche persönlich. Da scheint sich einiges zu durchdringen. Mir geht es um so etwas wie den „Gesamtausdruck“ einer Person: genauso, wie ich einen ökologischen Fußabdruck hinterlasse, so hinterlasse ich in dieser Welt auch auf diese Weise einen allgemeinen „Fußabdruck“ oder habe Spuren meines Fußabdrucks und persönlichen Daseins hinterlassen. Ich will wissen, wer ich bin und wo ich bin, - spüre das in mir als Auftrag, den mir mein Leben gegeben hat. Will wissen, was mich und wie mich die Welt bewusst und unbewusst beeinflusst hat.Da zb. Musik in meinem Leben in verschiedenen Formen stets eine sehr wichtige Rolle spielte, da sie mich auch in verschiedene soziale und technologisch bestimmte Zusammenhänge trieb (z.b. spielte ich in tausend Bands, da früher die technische Entwicklung noch nicht so weit war, wie sie heute ist… Es war nicht möglich, per Sequenzerprogramm vor sich hin zu werkeln, die Vereinzelung war noch nicht dermaßen fortgeschritten), gehört für mich dies auch ganz klar dazu, sind das die persönlichen Spuren meiner Existenz. Aber auch das, was ich gedacht und in schriftlicher Form niedergelegt habe, was meine Phantasie produziert und was sich in mir gespiegelt hat, mag zu meinen ganz persönlichen Spuren gehören. Es hat einen in gewisse Verhältnisse geworfen, man war bewusst oder unbewusst in manchen Verhältnissen angekommen, agierte unter gewissen Bedingungen, aus denen man sich nicht mehr befreien konnte (oder wollte), weil man sich früh für etwas entschieden hatte (meine ureigene Obsession, mich nicht festzulegen, mag insofern ihre Gründe für mich (!!) gehabt haben). Es ist ja so, dass ein „Gesamtausdruck“ in diesem Sinne von ihrem gesellschaftlichen „Erfolg“ bestimmt ist.
Freitag, 26. Mai 2023
Lebenswelten
Was für den einen gilt, ist für die andere noch längst nicht gültig: Wir leben in einer Gesellschaft, die sich immer mehr ausdifferenziert. Dadurch sind entstanden und entstehen immer mehr, teils streng voneinander geschiedene Lebenswelten, unter denen das Verständnis immer schwieriger wird. Diese Lebenswelten sind teils sozial bestimmt (etwa durch ökonomischen Status), teils durch ethnische Zugehörigkeit, teils durch Interessen, die selbstverständlich ihrerseits von ökonomischen Möglichkeiten abhängen. Dies ist eine Entwicklung, die quasi „vertikal“ vonstatten geht. „Horizontal“ mag uns zunehmend bewusst werden, dass verschiedene Kulturen sehr unterschiedliche Werthaltungen begründen. Unser Verständnis mag gerade noch für verschiedene Phänomene in Mitteleuropa ausreichen. Mag die Globalisierung auf ihren verschiedenen Ebenen noch so fortgeschritten sein, in weiter entfernt Winkel dieser Erde reicht unser Verständnis trotz allem nicht. Auch dadurch entstehen teils extrem unterschiedliche Lebenswelten samt den damit zusammen hängenden Werthaltungen. Zwischen solchen, auf verschiedene Weise hervor gebrachten Lebenswelten zu pendeln, sie überhaupt erst kennen zu lernen und die damit verbundenen Abläufe besser zu verstehen, war zeitlebens eine „Herausforderung, ein Anliegen für mich. Ich versuchte, mit Personen verschiedener Lebenswelten Kontakt aufzubauen, mit begüterten Personen und Personen, die auf direkte Weise abhängig vom in Deutschland herrschenden Sozialsystem sind. Dies mag auch durch mein Blog „Reise durch Wirklichkeiten“ charakterisiert sein. Es versucht oft, durch kurze Texte, Photos und – sogar – Musik, die eigene Position in einem größeren Zusammenhang besser zu bestimmen. Mein anderes Blog, „ubpage.de“ knüpft mehr an meine musikalische Daseinsform an, bleibt persönlicher, umkreist meine Person und deren musikalischen Geschmack.
Donnerstag, 25. Mai 2023
Karusell
Da waren und sind Personen, die gewisse Trends, Ideen und Ansichten wohl deshalb geteilt haben, weil sie mehr oder weniger dem Zeitgeist entsprachen, der sich immer schneller wandelt. Entsprechend schnell legen diese Personen ihre Einstellungen und Werthaltungen zur Seite, tauchen damit eine Weile unter und passen sich dann wie Chamäleons an die jeweiligen aktuellen Trends an. Wenn man sie in seiner Notlage brauchen würde, sind sie weg, lassen sich nicht einmal mehr ansprechen, haben deine Adresse verlegt oder haben dich sonstwie aus dem Blickfeld verloren. Jawohl, auch das ist Realität.
Da sind nicht nur diese optimal funktionierenden Freundeskreise, die so ach wichtig sind fürs eigene Wohlbefinden und die in den Medien immer wieder betont oder von Psychologen zwecks Stabilisierung empfohlen werden. Auch sie gehen unter gewissen Bedingungen kaputt, werden von mangelnder Empathie zerstört. Was war der Dialog mit solchen von mir einst bevorzugten Personen wert? War das Vertrauen, das man diesen Personen entgegen brachte? Wert? Für wen? Sie schienen Nutzen daraus ziehen zu wollen, aus dieser „Beziehung“, - was einem zunächst nicht als vordringliches Motiv aufgefallen war. Klaro, man hat selbst sein Teil zu der Situation beigetragen, man ließ gewähren, war zu passiv, träge, man war auch schuld, indem man Verantwortung für sein Verhalten hatte. Nur ist es wohl so, das diese Personen jetzt oben sind und ich unten, dass es ihnen gut geht, während es mir extrem schlecht geht. Einfach so. Hinein geschlittert. Man hatte gar nicht wahrgenommen, wie sich dies entwickelt hatte. Jawohl, jetzt, Selbstmitleid! Das ist verboten!
Das alles passiert mitten in der Gesellschaft. Wo bleibt denn da die Gerechtigkeit? Wenigstens ein bisschen davon wäre nicht allzu - verklärend. Jawohl, ich bin die Stichprobe in der Statistik! Ich habe eine akademische Ausbildung abgeschlossen, habe Titel und Abschluss. Aber es gibt da ein Absaufen. Ein Ertrinken. Ein Verschwinden. Im "Markt". In der Geschäftigkeit der Technokraten. Ich versuche, daraus eine Zeitweiligkeit zu machen. Ich versuche, wieder anzugreifen (Im Rahmen meiner Möglichkeiten). Es ist mir bisher nicht gelungen. Aber draußen in dieser Welt ist plötzlich niemand dieser Leute, die so taten, als würden sie einem nahe stehen. Da ist niemand ansprechbar. Weil man selbst komisch seltsam geworden ist? Die Einschläge ins Bewusstsein, die von allen Seiten auf einen einprasseln und die einen manchmal überfordern können, diese zu teilen mit gewissen Personen, könnte zumindest entlasten. Das könnte einem helfen. Aber was ist los? Man hat den falschen Leuten getraut. Ganz einfach. Man hatte sie an sich heran gelassen. Man war für sie so etwas wie ein gehobener Zeitvertreib.
Mittwoch, 24. Mai 2023
Dienstag, 23. Mai 2023
Montag, 22. Mai 2023
Identität in der Gesellschaft
Wer ist man? Die einfachen Antworten sind schnell gegeben. Doch die Soziologie kann einem wunderbar und sehr eindeutig belegen, wie sehr man (vereinfacht formuliert) das Produkt einer Umwelt ist. Wäre man in einer anderen kulturellen gesellschaftlichen Realität aufgewachsen, in einem anderen Milieu, in einer anderen Schicht, wäre man womöglich ein ganz anderer. Dass man hier aufgewachsen ist, ist ZUFALL! Menschen versuchen, Gruppen, Gemeinschaften, soziale Verbände zu bilden, um sich gegenseitig ihrer sozialen Wirklichkeit zu versichern. Sie brauchen das sogar, weil ihre Identität dranhängt. Das kann man im Alltag wunderschön überall beobachten. Auch die Flüchtlingssituationen könnten ein Beleg sein. Andere Sozialisation, anderes Verhalten, - obwohl wir theoretisch alle gleich sind. Beispiel: das Verhältnis Mann - Frau ist in verschiedenen Kulturen jeweils anders definiert, was beim Wechsel der Kultur zu erheblichen Problemen führen kann, da ein ganzes Welt- und Selbstbild davon abhängen kann.
Samstag, 20. Mai 2023
Normalitäten der Realitäten
Ich war immer schon davon ausgegangen, dass mein Ich, meine Identität relativ ist, d.h., dass es von der Tapete der Normalitäten und Realitäten, die es umgibt, stark geprägt ist. Annahme: Würde ich jene austauschen, würde ich möglicherweise ein ganz anderes Stück meines Ichs, meines Selbst erfahren. Zum Beispiel in den USA hat sich mein Verhältnis zur Natur komplett und umfassend geändert. Es hat mich sehr stark beeinflusst, was ich dort gesehen und erlebt habe (zb Grand Canyon, Mesa Verde, Bryce Canyon etc.). Es hat mir andere Dimensionen eröffnet. Wäre ich dort irgendwo aufgewachsen, vielleicht irgendwo im Westen, wäre ich vielleicht ein anderer. Es hätte vielleicht die dort überall gegenwärtige Weite einen großen Einfluss auf mich gehabt, - im Gegensatz zum Hier, wo alles kultiviert, optimiert, zugemauert und zubetoniert ist. Ich hätte womöglich eine andere Nähe zur Tierwelt entwickeln können. Vielleicht wäre ich aber auch härter und geldorientierter geworden, wäre mit dem Überleben dermaßen intensiv beschäftigt gewesen, dass ich diese Zeilen hier nie hätte schreiben können. Und: es sind deutlich krassere Beispiele denkbar...
Freitag, 19. Mai 2023
Die Macht des Faktischen
Wo bleibt das Positive? Es ist und bleibt dies das beliebteste Totschlagargument, die Frage, die fast alles ruhig stellen kann: Auch das Aufbegehren, das Nichteinverstandensein mit allem, ja gerade das soll versiegen. Punktuelle Rebellion kann ja das Ganze voran bringen, indem ein ganz bestimmter Missstand in das Blickfeld der Macher rückt. Es geht hier möglicherweise um die Auflösung im Alternativlosen, diesem dumpfen Begriff. Alles scheint alternativlos, faktisch, ist gerechtfertigt allein schon durch sein Hiersein. Besonders, wenn das "Alternativlose" sich selbst dazu erklärt. Man soll sich nichts anderes vorstellen, als gute Miene machen, unverbindliche Freundlichkeiten pflegen, lachen und lächeln, - so lange es (noch) geht. Uns geht es ja sooooo gut, so das Mantra der Politiker und der Wirtschaftsbosse, das aber in der Krise leiser geworden ist.
Nachgeschobene Statistikzahlen scheinen das zu untermauern. Einstweilen. Also seien wir zufrieden, denn wir sind ja statistikgläubig. Ist die Frage noch erlaubt, wer mit dem „Wir“ gemeint ist? „Wir schaffen das“. Was? Damit verhält es sich ebenso.Wer ist wir? Die Deutschen? Alle oder Teile der Deutschen? Was bedeutet "der Staat"? Eine uns zusammenfügende Klammer? Was ist das, "die Deutschen"? Angesichts einer schwappenden Migrationswelle. Wer gehört dazu und wer nicht? Zu welchem Zeitpunkt? Aus historischen, geografischen oder genetischen Gründen? Sind diese Fragen zu negativ? Sind sie zu beantworten? Oder soll das "der Markt" beantworten? Soll er überhaupt alles regeln und jede Frage beantworten? Erwarten wir von der Politik zu viel? Nun, vor allem, wir dürfen erwarten, dass sie nicht korrupt ist, diese Politik. Auch nicht im sublimen Sinne. Wir wollen als Staat doch voran gehen. Oder etwa nicht? Wir waren doch Exportweltmeister. Also exportieren wir möglichst auch die richtige Gesinnung. Hm, wir haben halt spezielle historische Erfahrungen. Schlimme Menschen, die Mozart und Goethe mochten, haben schlimme Dinge getan. Aber auch ein besinnungsloses Umsetzen des Alternativlosen würde wohl überhaupt nicht mitteleuropäischer Tradition, Identität und Aufklärung entsprechen. Aufklärung hat wohl immer hinterfragt, angekratzt, kritisiert, gezweifelt - und hat versucht, sich in einem ständigen Prozess dadurch voran zu bringen. Ob das alles jetzt zu negativ formuliert ist? Für den Zeitgeist der unbedingten Bejahung? Für ein Land des Lächelns. Des Genusses und unendlichen Spasses? Unbedingte Bejahung muss man sich schon leisten können, das steht fest. Es hat seine Basis im Faktischen. Und das ist......
Donnerstag, 18. Mai 2023
Horizont (Songlyrik)
HORIZONT
Wir stürzen uns mutig in das Fremde und machen es zu etwas Eigenem
zu einem Teil unseres Selbst
Wir lieben das Andere, es zieht uns beständig an
sich in der Wiederkehr des Immergleichen treiben lassen
das wäre es, ein Teil zu sein
im Strom des Unbewussten
in Eigentümlichkeiten, in Monotonie
sich im Sturm hin und her wehen lassen
wie ein Blatt im Wind
das Ego mal vergessen
und dabei staunen über die Welt
das wäre es
Dienstag, 16. Mai 2023
In sich hinein.....
Labyrinthe faszinieren immer noch. In jeder Form. Wie sind sie gestrickt? Was bewirkt ihre Wirkung auf uns? Was sagt beispielsweise die Antike zum Symbol des Labyrinths? Unter anderem bedeutet es Initiation, Einführung in die Welt. Es ist ein Ort des vertraut Werdens mit der Tradition des Stammes und der Selbsterfahrung. Der Weg ins Zentrum ist mühsam und verlangt eine gewisse Reife. Im Zentrum ist der Mensch vollkommen mit sich alleine. Die Umkehr und das Heraustreten bedeuten einen geläuterten Neubeginn. Der Weg!? Wo ist er? Es ist der symbolische Pfad des Lebens: Anfang und Ende, verschlungener Weg und klares Ziel sind in der Form des Labyrinths inbegriffen. Das Leben schafft das Bewusstsein eines Kreislaufs: In alten Kulturen existierte ein Glaube an den ewigen Kreislauf von Leben. Jahreszeiten. Geburt und Tod. Der Weg führt in den Tod und daraufhin in die Wiedergeburt (Umwendung im Zentrum und Ausgang aus dem Labyrinth). Heraklit sagt: „Der Weg hinab und der Weg hinauf ist derselbe“. Das Labyrinth ist aber auch eine magische Figur, die einen unangreifbar machen soll. Der Feind wird auf den langen und verschlungenen Wegen entmutigt und erschöpft.
Sonntag, 14. Mai 2023
Valerie (59)
Sie hatte wieder seine Phantasie angeregt mit einer Nebensache, die er sofort direkt und indirekt auf ihre Person und ihre vermeintliche Umwelt beziehen musste. Er musste sich von ihr unbedingt ein Bild machen, gerade weil sie ihn unaufhörlich faszinierte und an sich fesselte. Seine Gedanken rannten auf einen noch so kleinen Reiz von ihr davon. Sie waren nicht auszuhalten und erkundeten Möglichkeiten, kombinierten Wahrscheinlichkeiten, die alle in Richtung auf sie hin führten, auf ihr Leben zu, das offensichtlich so anders war wie seines und doch so viele Übereinstimmungen aufwies. Er musste sich unbedingt ein Bild machen von ihr, gerade weil sie ihn unaufhörlich faszinierte und an sich fesselte. Er versuchte, sich in sie hinein zu versetzen: Wie hätte er an ihrer Stelle reagiert? Wäre es möglich, ein anderer Mensch zu sein, oder wäre er ein anderer Mensch? Er würde eine andere Facette seiner selbst ausspielen können, sich anders erfahren können, er wäre so etwas wie ein anderer Mensch, man würde alles durch eine andere Brille sehen. Aber wären die Augen, der Kopf dahinter dasselbe? War das alles Zufall, was man Identität, Persönlichkeit oder Charakter nannte? Oder gibt es eine Instanz in uns, die aus sich selbst heraus auf sich selbst beharrt, - und wo ist diese angesiedelt? Spielte man sich hauptsächlich selbst, wie diese Schauspieler? Wer ist irgendwann, irgendwo, vielleicht doch im stillen Kämmerlein, immer wieder auf sich selbst zurück geworfen?
Freitag, 12. Mai 2023
Horizont
Obercoole Versteherinnen und Versteher in den Zeitgeistmagazinen und Kulturschauen des Fernsehens schelten die Eliten und ihresgleichen ob ihrer Ignoranz. Wow, - Klugscheiser mit wichtigen, aufoperierten Gesichtern. Glatte Schlaumeier. Nachdenken, Vordenken, Überdenken – meist jedoch gar nichts, sondern einfach nur nette Worte als Auslöser. „Sexistisch“, „rassistisch“ , islamophob“, „homophob“ - wer bietet mehr? Die Dummheit ist womöglich einigermaßen gleichmäßig verteilt. Nachhilfeunterricht für die Zurückgebliebenen. In Kritik, - und zwar der richtigen. Antreten zum Verstehen, Gutmenschen. Moral. Apell. Meinungen. Überzeugungen. Überlegenes Getue. Betroffenheit. Kampfsportarten. Soziale Medien. Shitstormsorten. Seltene Sortierungen für den besseren Geschmack. Streiks. Putschversuche. Entlassungen. Freigesetzt in digitale Welten. Mitarbeiter gesucht. Fachkräftemangel. Arbeitswelt 4.0. Robotergegrinse über Artificial Intelligence. Gen- und andere Manipulationen. Silicon Valley-Dreams. Alles wird gut. Positiv sein. Nur das Beste. Nettiquette. Rechts-Links. Wer ist das Volk? Wir? Wer ist „wir“? Zündeleien führen zu Sprengstoffaktionen. Tote. Polizei. Feuerwehr. Notarzt. Blaulicht. Lächerliche Spackos. Gewalttätigkeit. Abbaggern. Dazwischen zufriedene Politgesichter, die den Platz beim Edel-Italiener schon vorbestellt haben. Abgeordnete. Parteienfunktionäre. Kunstbeflissen. Ach so! Kenner und Könner. Verkaufen wichtige Termine und sich selbst gleich dazu. Korrupte Schwätzer, bestochene Blender. Deppen, man kann es nicht anders nennen. Chauffeure echauffieren sich. Das geht so nicht weiter.
Mittwoch, 10. Mai 2023
Wille und Vorstellung
"So weilt Alles nur einen Augenblick und eilt dem Tode zu. Die Pflanze und das Insekt sterben am Ende des Sommers, das Thier, der Mensch, nach wenig Jahren: der Tod mäht unermüdlich. Desungeachtet aber, ja, als ob dem ganz und gar nicht so wäre, ist jederzeit Alles da und an Ort und Stelle, eben als wenn Alles unvergänglich wäre. Jederzeit grünt und blüht die Pflanze, schwirrt das Insekt, steht Thier und Mensch in unverwüstlicher Jugend da, und die schon tausend Mal genossenen Kirschen haben wir jeden Sommer wieder vor uns. Auch die Völker stehen da, als unsterbliche Individuen; wenn sie gleich bisweilen die Namen wechseln; sogar ist ihr Thun, Treiben und Leiden allezeit das selbe; wenn gleich die Geschichte stets etwas Anderes zu erzählen vorgiebt: denn diese ist wie das Kaleidoskop, welches bei jeder Wendung eine neue Konfiguration zeigt, während wir eigentlich immer das Selbe vor Augen haben. Was also dringt sich unwiderstehlicher auf, als der Gedanke, daß jenes Entstehen und Vergehen nicht das eigentliche Wesen der Dinge treffe, sondern dieses davon unberührt bleibe, also unvergänglich sei, daher denn Alles und Jedes, was daseyn will, wirklich fortwährend und ohne Ende da ist. Demgemäß sind in jedem gegebenen Zeitpunkt alle Thiergeschlechter, von der Mücke bis zum Elephanten, vollzählig beisammen. Sie haben sich bereits viel Tausend Mal erneuert und sind dabei die selben geblieben. Sie wissen nicht von Andern ihres Gleichen, die vor ihnen gelebt, oder nach ihnen leben werden: die Gattung ist es, die allezeit lebt, und, im Bewußtseyn der Unvergänglichkeit derselben und ihrer Identität mit ihr, sind die Individuen da und wohlgemuth. Der Wille zum Leben erscheint sich in endloser Gegenwart; weil diese die Form des Lebens der Gattung ist, welche daher nicht altert, sondern immer jung bleibt. Der Tod ist für sie, was der Schlaf für das Individuum, oder was für das Auge das Winken ist, an dessen Abwesenheit die Indischen Götter erkannt werden, wenn sie in Menschengestalt erscheinen. Wie durch den Eintritt der Nacht die Welt verschwindet, dabei jedoch keinen Augenblick zu seyn aufhört; eben so scheinbar vergeht Mensch und Thier durch den Tod, und eben so ungestört besteht dabei ihr wahres Wesen fort. Nun denke man sich jenen Wechsel von Tod und Geburt in unendlich schnellen Vibrationen, und man hat die beharrliche Objektivation des Willens, die bleibenden Ideen der Wesen vor sich, fest stehend, wie der Regenbogen auf dem Wasserfall. Dies ist die zeitliche Unsterblichkeit. In Folge derselben ist, trotz Jahrtausenden des Todes und der Verwesung, noch nichts verloren gegangen, kein Atom der Materie, noch weniger etwas von dem innern Wesen, welches als die Natur sich darstellt. Demnach können wir jeden Augenblick wohlgemuth ausrufen: "Trotz Zeit, Tod und Verwesung, sind wir noch Alle beisammen!"
(zu finden in: Artur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung)
Dienstag, 9. Mai 2023
Montag, 8. Mai 2023
Schlüssellyrik
Wer hat meinen Schlüssel gesehen?
er ist offenbar unrasiert und hat einen Bart
Ich wende das Blatt und lese verkehrt
nimm's nicht persönlich, sieh's positiv!
Wer hat meine Gedanken gesehen
sie sprießen manchmal wild und ich kann sie kaum fassen
Mixed Pickel,s sie jucken so undefiniert
und wachsen nach, kaum sind sie wegoperiert.
(Früher Poesieschaum, jetzt noch einmal lyrisch abgeschöpft)
Sonntag, 7. Mai 2023
Empathy for me and you
Dass Empathie ein äußerst wichtiger Wert für die Weltgesellschaft werden könnte, scheint mir viel zu wenig gesehen zu werden. Dies mag auch im spielerischen Wechsel und Tausch der kulturellen Vorprägungen eine große Rolle spielen. Wir sollten neugierig sein und uns auf „das Andere“ einlassen können - und uns trotzdem der Gefahr bewusst zu sein, die darin liegt, dass andere Überzeugungen oft zu Gewalttätigkeiten führen. Eine solche Gewalt mag auch durch soziale Ausgrenzung bedingt sein. Oder dass Selbstgewissheiten und Identitäten oft daran gehängt werden, wie wehrhaft und angriffslustig man sich gibt. Hier gilt es, unseren „freundlichen“ Standpunkt klar zu machen. Wer an grundsätzlichem Austausch interessiert ist, sollte an dieser Stelle wohl möglichst informiert vorgehen. Auf einer anderen Ebene könnte mit Empathie auch so etwas wie nebeneinander her existierende Parallelgesellschaften verhindert werden. Eine gelungene Durchmischung kultureller Elemente wäre hier vielleicht dagegen zu setzen. Man könnte so was ja mal ernsthaft versuchen und nicht nur darüber reden. Das mag in unseren Breiten durchaus schon in der Schule beginnen und betrifft alle beteiligten Seiten. Personen könnten dadurch ein Gefühl dafür bekommen, dass es andere soziale Welten mit ihren eigenen Gültigkeiten gibt, als die, aus der man kommt. Und dass so etwas keinesfalls mit einer Abwertung des Anderen zu tun haben muss, ja, dass es bereichernd sein kann. Andere „soziale Welten“? Das ist das, was ich in diesem Blog zu umkreisen versuche. Die „Reise durch andere Welten“ könnte durchaus bereichernd ausfallen und muss garantiert nicht in Gewalt münden.
Samstag, 6. Mai 2023
Freitag, 5. Mai 2023
Leistung und Erfolg
Sie leisteten ja so viel, so vernehmen wir immer wieder. So muss das gelernt werden, was bei der jüngeren Generation Mitteleuropas auch nicht mehr so recht klappt (Stichwort: „Generation Z“). Sich kaputt arbeiten ist nicht mehr so angesagt („Work Life Blance“). Der Arbeitsmarkt hat sich geändert. Vieles ist anders geworden. Freizeit, Selbstverwirklichung etc. haben andere Stellenwerte. Seitenwechsel? Aber wie weit ist's überhaupt her mit dem Begriff „Leistung“? Ob das mal in der Nachkriegsgesellschaft ein Wert war, der die wirtschaftliche Entwicklung gerade von Deutschland nach vorne gebracht hat? Das Versprechen, dass es den Kindern besser gehen solle wie einem selbst? „Wohlstand“, wie entsteht so etwas? Ob sich dann mit der Zeit „Leistung“ immer mehr vom Begriff „Entlohnung“ entkoppelt hat? Ob heutzutage das eine mit dem anderen gar nichts mehr zu tun hat, wenn ein paar Modeberufe für die die große Kohle stehen und zb die Ärzte mutmaßlich die Pfründe ihres Standes mit allen Kräften zu schützen glauben?
Ob der Begriff „Erfolg“ längst den Begriff „Leistung“ abgelöst hat? Mit dieser Entwicklung von amerikanischer Weltsicht hin zur Implantation in europäische Ideologien scheint die bundesdeutsche Wirklichkeit lange gebraucht zu haben. Nun ja, alles will befestigt und abgesichert sein in einer solchen Gesellschaft der finanziell durch rigide und jetzt wieder aktuelle Abkommen (CETA, TTIP?) und eine die Märkte penetrierenden Exportwirtschaft abgesicherten Gesellschaft. Haha: „Uns geht es gut“. Wem? „Wir schaffen das“. Wer ist wir? Eine internationale, gut vernetzte und unmäßig reiche Elite schickt ihre Kinder auf internationale Spitzeninternate, wo diese Kinder zu Führungskräften der anmaßenden Arroganz ausgebildet werden sollen. Gerne parkt sie ihr Geld auch in Streueroasen und kauft sich Politiker, die ihre Anliegen dann im öffentlichen Raum vertreten. Dabei geht es unter anderem natürlich um Steuern: Wenn die sie nicht bezahlen wollen, diese Geldeliten, gehen sie woanders hin. So die Idiologie. Wirtschaftlich motivierte Verbindungen wie etwa EU versagen in diesem Thema der Kontrolle vollkommen und lassen ihre einzelnen Nationen sich gegenseitig ausspielen. Ob uns nicht spätestens dabei einige Gedanken automatisch kommen? Wer da wohl wen in seinem Sinne beeinflusst? Welche Rollen fette Lobbys dabei wohl spielen? Zuletzt wurden ja auch wieder Namen genannt, die EU-weit Bedeutung hatten. Gelegentlich sollen sie sogar finanziell besser ausgestattet sein als die Gesetzgeber aller Parlamente. Ob dies Auswirkungen hat? Viele Medien jedenfalls springen bei solchen Interessenverschiebungen gerne mal assistierend zur Seite, indem sie vorbildliche Einzelbeispiele herausgreifen und sie dann verallgemeinern. Linear. Einfach so. Das soll dann etwas zeigen.
Donnerstag, 4. Mai 2023
Perspektivwechsel
Abseits der aktuellen Probleme hatte ich diese Erfahrungen gemacht: Es ist doch eine vollkommen unsymmetrische Kommunikationssituation im Krankenhaus: Der sogenannte Patient ist unter Umständen ganz plötzlich aus allen Selbstverständlichkeiten und seiner alltäglichen Normalität heraus gerissen. Die Schwestern und Pfleger hingegen erleben das jeden Tag, für sie ist der Patient einer unter vielen, er symbolisiert den Alltag. Sozusagen eine Durchlaufposition. Sein Gesicht wechselt zwar, aber er scheint doch immer der gleiche zu sein. Vom Patienten aus gesehen ist alles hingegen einmalig. Auch die Gesichter seiner Pfleger sind das. Er ist vielleicht in eine absolute Ausweglosigkeit gestoßen, in eine Einmaligkeit, die sogar, wenn's schlecht läuft, in den Tod führen kann, die gröbste Einmaligkeit, die einem passieren kann.... Schwestern und Pfleger treten ihm gegenüber aber als Vertreter der „Normalität“, des „Lebens draußen“ auf. Sie sind jenseits der Mauer, die sich plötzlich zwischen einem selbst und „den anderen“ (den scheinbar „Gesunden“) auftut. Und tatsächlich, sie, die Pfleger und Schwestern schalten nach Dienstschluss sehr schnell ab und sind wieder ganz draußen aus dieser abgeschlossenen Welt des Krankenhauses, in dem ganz andere Bezüglichkeiten und auch Abhängigkeiten gelten. Jawohl, der Patient ist in vielem auch abhängig von seinen Schwestern und Pflegern. Er ist ihnen ausgeliefert. Es entsteht dadurch eine Vertrautheit, die aber keine ist, sobald eine andere Situation eintritt. Ein seltsames Gefühl.
Mittwoch, 3. Mai 2023
KI-Taumel
Ich wundere mich: KI (AI) also Künstliche Intelligenz hätte doch schon längst ein Thema sein können. Hier, an dieser Stelle hatten wir uns oft darauf einbgelassen. Jetzt ist Chat.GBT aufgetaucht und alle Welt bei den Medien glaubt, dass dies der große disruptive Durchbruch samt einer relativ aufgeregten Berichterstattung darüber sein müsse. Dabei war die Diskussion ja schon sehr viel weiter und auch in den Alltag hatte sich KI in verschiedenen Formen schon längst geschlichen. Seltsam undurchsichtig finden wir da die Position eines wegen seines finanziellen Erfolgs doch so verehrten Elon Musk. Wir würden gerne besser verstehen, dass er auf der einen Seite mit zahlreichen Firmen die Belange der KI entwickelt und weiter bringt, auf der anderen Seite aber beständig davor zu warnen scheint, dass Wesen der KI die Macht über Menschen übernehmen könnten – schlichtweg weil sie ihm überlegen sein könnten. In der Allgemeinheit wird dann auch noch, wie bei Tieren, allerlei Bedürfnisse und eine Beseelung im Sinne des Menschen projeziert werden. Die Vorstellung, dass KI über Bewusstsein, ja sogar Leidensfähigkeit verfügen könne, mag da auch ihre Rolle spielen. Gemeinsam aber scheint uns all diesen Positionen zu sein, dass sie vom gegenwärtigen Stand der KI ausgehen und ganz besonders Chat-CPT meinen. Dabei gehört zumindest zum Wesentlichen der Wissenschaft, dass sie sich immer weiter entwickelt und also KI bald schon etwas anderes darstellen könnte als heute. Was das mit dem Gesetzgeber zu tun hat? Nun ja, hierzulande hat die KI offenbar eine Art messianischen Heiligenschein und gilt als Signal des Fortschritts. Solange man dies nicht wenigstens vernünftig relativieren kann, sehe ich da schwarz.
Dienstag, 2. Mai 2023
"Soziale" Zeit
Ob die Ressource „Zeit“ ungerecht verteilt ist und sie inzwischen auch eine viel zu starke „soziale Komponente“ hat? Wer denn die Arbeit und die Arbeitszeit neu verteilen solle, so lautet die Fangfrage der „Marktwirtschaftler“, die vom Markt alles Gute und Praktikable erwarten. Der Markt, so ihre Überzeugung, löst alle Probleme.Tatsache ist: Zeit haben wir alle gleich und doch in sehr unterschiedlichem Maße. Ob sie richtig aufgeteilt ist? Einige Marktteilnehmer verdienen mit wenig Zeiteinsatz relativ viel Kohle. Andere kommen selbst mit einer 40Stundenwoche nicht über die Runden. Frauen verbringen darüber viel Zeit mit Care-Arbeit zusätzlich zur Arbeitszeit. Es gilt also, die Zeit besser zu verteilen. Wdie Aufgabe könnte darin bestehen, Zeit umverteilen, um das Zusammenleben in einer modernen Gesellschaft möglichst gerecht zu gestalten: Doch wer soll umverteilen (womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären) Zusammenleben in einer modernen Gesellschaft möglichst gerecht zu gestalten: Doch wer soll umverteilen? Damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt. In einer neoliberalen Gesellschaft ist jeder selbst dafür verantwortlich, sich seine Zeit einzuteilen.
Eigentlich haben alle nur 24 Stunden am Tag Zeit. Doch der Zugriff auf Zeit ist in unserer Gesellschaft unterschiedlich geregelt. Diejenigen, die sehr schlecht bezahlt werden, müssen oft deutlich mehr als 40 Stunden und sehr fremdbestimmt arbeiten, Dass sie am Ende gar keine Freizeit mehr übrig haben, liegt da auf der Hand. Dieser Umstand kann die ganze Persönlichkeitsstruktur dieses Menschen strukturieren. Zudem sind es dann die sozialen Verhältnisse, die seine Zeit strukturieren. Hinzu treten weitere Faktoren: trotz aller ökologischen Bedenken sind die Pendlerwege der Arbeitnehmer immer weiter geworden: Der Mensch passt sich der Arbeit an, wo es dergestalt umgekehrt sein sollte, dass sich die Arbeit und der Arbeitsort dem Menschen anpasst. Damit erhebt sich die ökologischen Notwendigkeiten folgende Frage, wie es uns gelingt, dass der Ort der Arbeit wieder näher an den Lebensmittelpunkt rücken kann und wir weniger Zeit im Stau verbringen (müssen). Klar ist aber die Denkrichtung: es geht um Gerechtigkeit und Freiheit. Damit hängt auch das Thema Partizipation, also die Teilnahme an politischen Entscheidungsprozessen, zusammen. Das (Teilnahme an Politik) geht nur, wenn ich die Zeit dafür habe. Wer durch seine Lebensverhältnisse gebunden ist, hat kaum Zeit, um so etwas zu machen. Also hat dies direkten Einfluss auf den Fortgang der Demokratie, wenn sie von vornherein bestimmte Menschen von ihren Prozessen ausschließen. Wir haben in Deutschland einen großen Anteil an „geringfügiger“ und prekärer Arbeit. All diese Überlegungen dürften auch Einfluss auf die derzeit aktuelle Hinwendung zu einer 4-Tage-Woche haben.
Sonntag, 30. April 2023
Dieter Roth (3)
Eine Zeit lang war ich sehr fasziniert von Dieter Roth, dem längst verstorbenen Universal-Künstler. Diese Verweigerungshaltung, dieses Kratzen am Gefälligen (das in dieser Gesellschaft bis heute immer mehr überhand nimmt…), diese scheinbare Verneinung des Egokults (heute „wallfahrten“ die „Fans“ zu jeder seiner Ausstellungen), sein Lob der Vergänglichkeit und des Verfalls, seine dunkle mystische Unverständlichkeit, an die sich die Experten heran zu tasten versuchten, um über beliebigen Denksprüchen dann doch zu scheitern, das alles verbuchte ich positiv. Auch sein Bezug zur Musik und die Anekdoten, die sich daran knüpften, waren mir nahe. Zu negativ, würde die Öffentlichkeit heute in tausend oberschlauen Sendungen konstatieren, zu anarchisch. Dabei ließe er heute noch stutzen: etwa durch das Theaterstück, das aus einem einzigen Wort bestand. Schimmelskulpturen, was ist denn das? Scheise auf Porzellantellern und die Gedichte, die es von ihm unter dem Titel „Scheise“, „Noch mehr Scheise“ oder „Die gesamte Scheise“ gab. Nun, da hört der Spass auf! Unmöglich, das alles! Ein Spass war das alles aber für Roth ohnehin nie. Dieser starke Trinker widersetzte sich der Heuchelei in dieser Welt, die ja heutzutage überall präsent ist. „Bockig“ würde der Schwabe dazu sagen. Widerspenstig. Schimpfer. Tober. Kratzbürste. Verweigerer. Anti-Provokateure, gibt es die heute noch?
Samstag, 29. April 2023
Selbstintegration
Du würdest gerne einmal die Zeit anhalten, festhalten. In dich hinein holen, was du schon einmal gelebt hast. Deshalb bist du so oft zu deinem Geburtsort gefahren. Deine Kindheit in dich herein holen. Ursprung erfahren. Dadurch eine komplettere Persönlichkeit werden. Eine „runde“. Durch dich selbst. Trinkst in letzter Zeit zu viel (was relativ ist...). Ruinierst dich. Ob du das anderen Menschen abgeschaut hast? Der Rausch als Flucht? Vor dir selbst? Als Übersteigerungen dessen, was du gerne fühlen würdest? War schon mal besser da. Die Vorlage trägt nur kurz und bricht dann heftig in sich ein. Es gibt kein Entkommen.
Du wiederholst dich, spulst dein Leben intensiver ab. Denkst an das Ende und die Versorgung. Wirst dazu gezwungen, wie zu so vielem. Du hast immer versucht, solche Zwänge zu integrieren und doch integer zu bleiben. Geht das? Schleichend korrumpiert es dich, so dass du es nicht merkst....
Freitag, 28. April 2023
Innovationen
Es wird uns der Begriff „Innovation“ als etwas Unabänderliches verkauft, das im Zeichen des technischen Fortschritts unweigerlich über uns kommen wird. So etwas macht mich misstrauisch. Es scheint nur noch darauf anzukommen, bei der „Innovation“ irgendwie mitmachen zu können, die Mittel dazu zu haben. Klar, die Wirtschaft braucht es. Cleverer als andere sein, heißt da wohl die Devise. Im „Wettbewerb“ besser sein. Diejenigen Länder, in denen ich bisher war, haben das übrigens alle von sich selbst behauptet: dass sie besser seien, „innovativer“, als alle anderen. Aber was ist „innovativ“? Inwiefern steuern wir da mit? Ist unsere Urteilskraft noch gefragt? Was würden die Vertreter einer Aufklärung dazu sagen? Vom Individuum scheint jegliche Verantwortung durch die „digitale Revolution“ auf die Algorhytmen abgewälzt. Die technische Zauberformel wird da noch gesucht, - aber im übrigen: Es wird alles gut! Die Technik wird’s richten. Ursache und Wirkung? Anstelle dessen kann eine Wahrscheinlichkeitsbeziehung treten: Wenn bestimmte Phänomene auftreten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass andere Phänomene auftreten. Haha. Die Zahl der auftretenden Geburten scheint gemeinsam mit der Zahl der auftretenden Störche hochzugehen. Was wohl das eine mit dem anderen zu tun hat?
Donnerstag, 27. April 2023
Gesund?
Was mich empört im „besten Gesundheitssystem der Welt“: ich gehe als vergleichsweise armer Mensch mit einer Erkältung in die Apotheke und muss für die mir empfohlenen Medikamente und Lutschbonbons (sind die überhaupt wirksam?) immer noch fürstliche Zuzahlungen leisten, während neben mir der seinem Limousinen-Dickschiff entstiegene Unternehmer sichtbar ungeduldig und mit den Füßen scharrend wartet. Ob diese Zuzahlungen für ihn genauso viel bedeuten wie für mich? Womit soll ich das bezahlen, was doch meine Gesundheit im besten Gesundheitssystem der Welt (Haha) stützen soll? Da ist ein stattlicher Betrag zusammen gekommen. Was soll ich tun? Aufgeben und einen Antrag stellen? Oder viele? Noch bin ich nicht so weit. Ob das nicht ein bisschen unsozial ist, wenn wir beide dasselbe zahlen müssen? Privat? Das ist natürlich etwas anderes! Natürlich ist in der Apotheke sowieso niemand verantwortlich. Niemand ist für irgendetwas verantwortlich. Alle machen nur, wie ihnen geheißen. Der ungeduldige Mann neben mir ist privat versichert. Also hat er auch schon einen Termin beim Arzt, weil diese doch von Privatpatienten viel besser abgegolten werden. Wer per Kasse versichert ist, hat Pech gehabt, auch wenn er sich bei einer dafür eingerichteten Stelle darüber beschweren darf.
Mittwoch, 26. April 2023
Neugier auf das Andere
Dass Empathie ein äußerst wichtiger Wert für die Weltgesellschaft werden könnte, scheint mir viel zu wenig gesehen zu werden. Dies mag auch im spielerischen Wechsel und Tausch der kulturellen Vorprägungen eine große Rolle spielen. Wir sollten neugierig sein und uns auf „das Andere“ einlassen können - und uns trotzdem der Gefahr bewusst zu sein, die darin liegt, dass andere Überzeugungen oft zu Gewalttätigkeiten führen. Eine solche Gewalt mag auch durch soziale Ausgrenzung bedingt sein. Oder dass Selbstgewissheiten und Identitäten oft daran gehängt werden, wie wehrhaft und angriffslustig man sich gibt. Hier gilt es, unseren „freundlichen“ Standpunkt klar zu machen. Wer an grundsätzlichem Austausch interessiert ist, sollte an dieser Stelle wohl möglichst informiert vorgehen. Auf einer anderen Ebene könnte mit Empathie auch so etwas wie nebeneinander her existierende Paralellgesellschaften verhindert werden. Eine gelungene Durchmischung kultureller Elemente wäre hier vielleicht dagegen zu setzen. Man könnte sowas ja mal ernsthaft versuchen und nicht nur darüber reden. Das mag in unseren Breiten durchaus schon in der Schule beginnen und betrifft alle beteiligten Seiten. Personen könnten dadurch ein Gefühl dafür bekommen, dass es andere soziale Welten mit ihren eigenen Gültigkeiten gibt, als die, aus der man kommt. Und dass so etwas keinesfalls mit einer Abwertung des Anderen zu tun haben muss, ja, dass es bereichernd sein kann. Andere „soziale Welten“? Das ist das, was ich in diesem Blog zu umkreisen versuche. Die „Reise durch andere Welten“ könnte durchaus bereichernd ausfallen und muss garantiert nicht in Gewalt münden.
Dienstag, 25. April 2023
Montag, 24. April 2023
Labyrinth
Wohin des Wegs? Wohin soll das noch führen? Das geht ja im Kreis. Labyrinthe faszinieren immer noch. In jeder Form. Wie sind sie gestrickt? Was bewirkt ihre Wirkung auf uns? Was sagt beispielsweise die Antike zum Symbol des Labyrinths? Unter anderem bedeutet es Initiation, Einführung in die Welt. Es ist ein Ort des vertraut Werdens mit der Tradition des Stammes und der Selbsterfahrung. Der Weg ins Zentrum ist mühsam und verlangt eine gewisse Reife. Im Zentrum ist der Mensch vollkommen mit sich alleine. Die Umkehr und das Heraustreten bedeuten einen geläuterten Neubeginn. Der Weg!? Wo ist er? Es ist der symbolische Pfad des Lebens: Anfang und Ende, verschlungener Weg und klares Ziel sind in der Form des Labyrinths inbegriffen. Das Leben schafft das Bewusstsein eines Kreislaufs: In alten Kulturen existierte ein Glaube an den ewigen Kreislauf von Leben. Jahreszeiten. Geburt und Tod. Der Weg führt in den Tod und daraufhin in die Wiedergeburt (Umwendung im Zentrum und Ausgang aus dem Labyrinth). Vielleicht. Heraklit sagt: „Der Weg hinab und der Weg hinauf ist derselbe“. Das Labyrinth ist aber auch eine magische Figur, die einen unangreifbar machen soll. Der Feind wird auf den langen und verschlungenen Wegen entmutigt und erschöpft.
Sonntag, 23. April 2023
Zielgerichtete Sprache
Wie überrascht war ich damals, als ich lernen musste, dass es im Journalismus meist nicht darum geht, sich kurz, klar und präzise auszudrücken, sondern dass die hierarchisch abgestufte Zeilenschinderei und ausführliche Selbstdarstellung als probates Mittel gilt, - falls nicht ohnehin sich aus dem Layout ergebende Zeilenvorgaben die Länge eines Artikels bestimmen. Dem zeitschindenden und selbstgefälligen Blabla war also Tür und Tor geöffnet. Die Qualität eines Journalisten wurde leider allzu oft nach seinem „Output“ bemessen, d.h. einer ausführlichen und mit Füllwörtern gespickten Schwafelei. Fremdworte waren zunächst einmal verbannt, gegen am Bearbeitungsgebiet orientierte Anglizismen oder Computersprache sprach allerdings nichts. Die einfließenden Erkenntnisse der Wissenschaft bedeuteten schon damals, dass es hauptsächlich darum gehe, die Aufmerksamkeit jedes Lesers in einem bestimmten Sinne zu (be)nutzen. Dies führte unter anderem dazu, dass gewisse Hierarchen endlos lange Artikel und Sprachpirouetten fabrizierten, um in alter bräsiger Bildungsbürgerlichkeit und selbstgewisser (Be)Deutungsgewissheit zu demonstrieren, wie gut man doch mit Sprache umgehen könne und wie unendlich wichtig man selbst sei. Das oberflächliche und mit "Keywords" gespickte Streifen von Inhalten war dabei wichtiger als das Verstehen. In anschließenden Konferenzen lobte man sich zu oft in voraus eilend beredter Unterwürfigkeit dann gegenseitig dafür, trug ein paar pro-forma-Kontroversen aus und übte sich einer Buckelei den Wichtigs gegenüber. Man pflegte ja auf diese Weise unter anderem jenes „Networking“, das für Journalisten gerade in Zeiten der Personaleinsparung und des Papiermangels so wichtig erscheint. Auch schien der Aufbau von Barrieren rund um die eigene Wahrnehmungsblase und Verstehenskaste, um die internen und gesellschaftlich heraus gehobenen „Versteher“ ein wichtiges Element. Manchen Journalisten scheint das aber auch nichts genutzt zu haben. Sie fielen trotz eines ausgewiesenen Status den „Rationalisierungen“ (d.h. Personaleinsparungen) zum Opfer, mochten sie noch so große und bedeutungsschwangere Artikel abgesondert haben.
Samstag, 22. April 2023
Zeitgeistiges
Obercoole Versteherinnen und Versteher in den Zeitgeistmagazinen und Kulturschauen des Fernsehens schelten die Eliten und ihresgleichen ob ihrer Ignoranz. Wow, - Klugscheiser mit wichtigen Gesichtern. InfluencerInnen. Glatte Schlaumeier. Nachdenken, Vordenken, Überdenken – meist jedoch gar nichts, sondern einfach nur nette Worte als Auslöser. „Sexistisch“, „rassistisch“ , islamophob“, „homophob“ - wer bietet mehr? Sex sells. Noch immer. Die Dummheit ist womöglich einigermaßen gleichmäßig verteilt. Nachhilfeunterricht für die Zurückgebliebenen. In Kritik, - und zwar der richtigen. Chatgbt und andere. Wirklichkeit verschwimmt. Fake, was ist das? Antreten zum Verstehen, Gutmenschen. Apell. Meinungen. Überzeugungen. Überlegenes Getue. Betroffenheit. Kampfsportarten. Soziale Medien. Shitstormsorten. Seltene Sortierungen für den besseren Geschmack. Streiks. Putschversuche. Entlassungen. Freigesetzt in digitale Welten. Arbeitswelt 4.0. Robotergegrinse über Artificial Intelligence, Künstliche Intelligenz (KI). Gen- und andere Manipulationen. Botox. Sillicon Valley-Dreams. Alles wird gut. Positiv sein. Nur das Beste. Nettiquette. Wer ist das Volk? Wir? Wer ist „wir“? Klebearbeiten. Zündeleien führen zu Sprengstoffaktionen. Tote. Polizei. Blaulicht. Lächerliche Spackos. Gewalttätigkeit. Dazwischen zufriedene Politgesichter, die den Platz beim Edel-Italiener schon vorbestellt haben. Abgeordnete. Parteienfunktionäre. Clownsgesicht. Kunstbeflissen. Ach so! Kenner und Könner. Verkaufen wichtige Termine und sich selbst gleich dazu. Korrupte Schwätzer, bestochene Blender. Deppen, man kann es nicht anders nennen. Chauffeure echauffieren sich. Das geht so nicht weiter.
Donnerstag, 20. April 2023
Die Profi-Versteher
Die Gut-Informierten, die Unbestechlichen, die Neugierigen, die mit den Mächtigen dealen: Journalisten neigen oft dazu, ihre eigene, noch immer finanziell gut ausgepolsterte Mittelklasse-Weltsicht, absolut zu setzen. Dabei könnten sie in einer digitalen Welt relativ zuverlässige Mittler zwischen den immer stärker fraktionierten Deutungen sein, könnten einer schweigenden Mehrheit die Relativität ihrer Weltsicht deutlicher machen. Sie glauben gerne, sie täten das ohnehin implizit, indem sie sich immer wieder neu auf verschiedene Perspektiven einlassen. Doch ist dies ihrer mehr oder weniger ausgeprägten Professionalität geschuldet. Was gefragt sei, so glauben sie gerne, sei Orientierung und klare Vorgaben, weniger die Empathie. Überhaupt: Klarheit. In einer unklaren Welt dies zu liefern, ist natürlich schwierig und meist nur mit rhetorischen Tricks zu schaffen. Mit Mimikry und einer gewissen Verstellung, die sich scheinbar einlässt auf die von außen kommenden Erwartungen (Informiertheit, „Auskennen“, „ernsthafte Beschäftigung“... usw.). Vorzugeben, man kenne sich (möglichst überall) aus und sei wegweisender Experte, gehört da zur Berufsrolle. Inbegriffen ist natürlich, man sei der Stellvertreter der Ahnungslosen und der breiten Masse, die ohnehin das Schauspiel von außen zu betrachten verurteilt ist. Also quasi ein populistisches Element. Der Spagat gelingt immer weniger, je unübersichtlicher die Verhältnisse werden.
Anmaßende Oberflächlichkeit ist das, was oft dabei herauskommt. Mit „journalistischer Distanz“ wird auch gerne eine gewisse Gleichgültigkeit anderen Welten gegenüber kaschiert. (Ver-)Absolutiert wird andererseits das eigene Herzensanliegen, aus dem heraus sehr Subjektives und Beliebiges abgesondert wird und Fakten nahezu beliebig so lange interpretiert werden, bis sie in die eigene Weltsicht passen. Dies wird gerne mit einem „Liberalismus“ kaschiert und als „Qualitätsjournalismus“ verkauft. All das trägt mehr zur Verwirrung als zur Klarheit bei. Es entsteht ein Biedermeier der Ahnungslosigkeit, in dem ein unprofessioneller Dilettantismus der vergesellschafteten Informationsvermittlung blüht.
Mittwoch, 19. April 2023
ModLaune
Wir wundern uns, wenn uns neben all den kurz abgezappten Trash-Moderatorinnenzwischen, all den eingestreuten Werbe-Clips und dann umgeschaltet schon in aller Frühe eine überschminkte Adlige per TV anstarrt und Mixed Pickles aus der Politik samt anderen Unterhaltsamkeiten moderiert. Diese Dame mit den lieblichen Gesichtszügen hat offenbar im Leben keine Sorgen, verbreitet diese Botschaft öffentlich-rechtlich und mitleidig auf „untere“ Bevölkerungsgruppen zielend unterschwellig in kargen Zeiten, genauso wie an anderer Stelle andere Angehörige des Besitzbürgertums, die mit ökologisch aufgeladenem Führertum ausgestattet aus mit Millionen von Euro wohlabgesicherter Stellung heraus anderen Personen glauben raten zu müssen, wie sie sich zu verhalten hätten. Heuchelei scheint mir hier zur Grundausstattung, zum „Mindset“, zu gehören. Beziehungen, „Network“ sind da eine Selbstverständlichkeit. Die „soziale Komponente“ scheint dabei eine nicht allzu große Rolle zu spielen und ist wohl das, was auch auf höchster Regierungsebene ganz am Ende mit ein paar Floskeln zu regeln sein wird.
Es ist dies alles wohl eine Täuschung darüber, was ist. Rhetorisch geschickt werden dazu Versatzstücke des herumliegenden Meinungsschrotts verwandt. Ob beispielsweise das Wort „Klimawandel“ nicht allzu inflationär gebraucht wurde in letzter Zeit? Natürlich ist man für Soziales, "gegen Rassismus, Diskriminierung und Homophobie". Man befleißigt sich an dieser Stelle auch gerne mal des „green washing“, eine Methode, mit der Firmen ihr vorgetäuschtes Umweltbewusstsein zu verkaufen und zu verdecken suchen. Ob man es bestimmten Personen abnimmt, wenn sie Fehlverhalten anderer Personen beklagen? Wer hat die Deutungshohheit über das, was ist? Die Privilegierten? Sind die Personen, die Deutungshohheit beanspruchen, nicht auf allerlei Ausbildungsstätten nicht zu „Führungsaufgaben“ ausgebildet worden und treten nun entsprechend auf? Haben sie es nicht geübt, und sind trainiert dressiert, entsprechend aufzutreten? Sie gehen mit der Wirklichkeit um, fordern und kritisieren, nehmen „die Wissenschaft“ (verkündet die auch wirklich unbezweifelbare Wahrheiten?) dafür in Anspruch. Wer hat das Foto des Papstes im weißen Daunenanzug gesehen? So etwas wäre eine Manipulation der Wirklichkeit, die sich ganz selbstverständlich in unsere Wirklichkeit zu mischen scheint. Ob das alles oder die Idee dahinter neu ist? Wer macht sich die Mühe, die Interessen dahinter erkennen zu wollen?
Dienstag, 18. April 2023
Montag, 17. April 2023
Valerie (58)
„Soll ich einen Tee machen? Ich habe eine spezielle Sorte da! Sehr anregend!“ „Ich hätte eigentlich nichts dagegen. Was das denn für ein Tee?“ „Den hat mir ein Bekannnter neulich geschenkt. Etwas ganz Spezielles. Wächst in Mexiko, hat ein bisschen die Wirkung von Marihuana, je nachdem, wie viel man davon nimmt. Musst du unbedingt probieren“ „okay, aber dann nicht zu viel. Ich kenne dies Zeug doch nicht!“ Er stellte sich vor, wie man irgendeinem Indio ein paar dreckige Dollars in die Hand gedrückt hatte, für eine Mischung biologisch angebauter Traumkräuter, die an gelangweilte Jet-Setter für feines Geld weiter verkauft wurde, um ihre abgestumpften Nervenende zu kitzeln und ihre Langeweile zu versüßen. Für Otto Normalverbraucher besorgten dies Geschäft ja schon seit langem die Companies, die Konzerne (auf einer ganz ähnlichen Basis: wer haut wen am besten übers Ohr und verdient sich somit etwas...? Man nennt dies Marktwirtschaft). Es war nur auf den Blick so, dass man nicht mit psychedelischen Kräutern handelte, sondern mit Bananen und anderen Dingen des alltäglich erzeugten Bedarfs. Wenn man davon erfuhr, wenn man eine Ahnung davon entwickelte, bedauerte man dies unendlich und versprach, sich dafür einzusetzen, dass sich so etwas ändere. Rasch. Und wirklich gründlich. Nur, das eigene Schäfchen, das wollte man davor noch schnell ins Trockene bringen. Und überhaupt, die Verhältnisse, die sind halt so, dabei konnte man sich ja sogar auf literarisch-moralische Instanzen berufen. Was zählt, ist das, was man daraus macht. So geht kreativer Egoismus.
Sonntag, 16. April 2023
Im Privileg
Vielleicht sind wir solchen Menschen auch schon begegnet, die uns mit ihrer mit „positiver Ausstrahlung“ aufgeladenem Frohsinn gestanden haben, dass sie jetzt und überhaupt die Umweltsau heraushängen, samt Flugzeug, fettem Reisen und Simmingpool und allem, was dazu gehört. Es sind dies Menschen, die oft fliegen, mehr Auto fahren oder deutlich mehr Strom verbrauchen als der Durchschnitt. „Als ich jünger war, hatte ich nicht das Geld“ so hören wir aus gut abgefederter Gleichgültigkeit heraus. „Jetzt habe ich das Geld und die die Zeit dazu. Warum sollte ich mich eigentlich selbst einschränken und nicht an die Orte reisen, an die ich will?“ Es scheint dies ein selbstverständlicher Lebensstil für solche Menschen zu sein, was unseren Zorn und unsere Wut einem Staat gegenüber, der so etwas toleriert, der sich auf Kosten ärmerer Kreise als unfähig demgegenüber verkauft und an manchen Stellen solches Verhalten sogar fördert, nur noch weiter steigert. Diese reichen Leute wollen mit ihrem gigantischen CO2-Fußabdruck nichts zu tun haben und lachen sich eins ab, wenn die Rede darauf kommt. Man ist unter solchen Leuten sogar regelrecht stolz auf einen großen Öko-Fußabdruck und unökologisches Verhalten. Die gängige Rechtfertigungsstrategie verweist da auch gerne mal auf Glück oder auf Verdienst zurück. Urlaub im Ausland beispielsweise könne „Belohnung“ für eigene Anstrengungen bedeuten, für verantwortungsvolles Wirken und große Leistung. Egal, was passiert: Es steht der eigene Genuss, die eigene Wohlfühloase, die möglichst bunte Selbstverwirklichung im Vordergrund. Dies alleine schon, weil man das „verdient“, weil es einem „zusteht“, alleine schon, weil man die Person ist, die man ist. Mit allerlei mehr oder weniger intellektuellen Pirouetten ist man zudem jederzeit bereit, einen solchen Lebensstil zu verteidigen und als logische Konsequenz unseres Wirtschaftssystems zu deuten.
Samstag, 15. April 2023
Privat? Privatjets?
Was macht das mit uns in Schland, wenn wir erfahren, dass eine selbsternannte superreiche Geldelite bei zahlreichen Flügen mit dem Privatjet die Energie für sich wohl im großen Stil vergeudet? Und dabei wohl weitgehend unbehelligt vom Staat ist, der von seinen Bürgern an anderer Stelle wohl einiges (oder auch...ziemlich viel) verlangt? Ob solche Fakten im breiten Ausmaß die Motivation erhöhen, sich ökologisch korrekt zu verhalten? Ob es nicht im Gegenteil dazu geeignet ist, die Politikverdrossenheit zu erhöhen?
Nicht umsonst gelten private Jets als besonders umweltschädlich. Die Fakten: Durchschnittlich alle neun Minuten hob in Deutschland 2022 ein Privatjet ab, insgesamt waren es 58.424 Flüge, nahezu doppelt so viele wie im Jahr zuvor – ein nationaler Negativrekord. Zwischen Düsseldorf und Essen pendelt eine S-Bahn, die A52 bietet eine direkte Autoverbindung der beiden Ruhrpott-Metropolen. Dennoch flogen Privatjets die rund 30 Kilometer lange Strecke im vergangenen Jahr mehr als ein Dutzend Mal und brachten dabei 53 Kilogramm CO2 pro Kilometer auf die Waage. Insgesamt brachten die Elite-Reisenden hierzulande es so zuletzt auf rund 209.000 Tonnen CO2. Geht man von der Klimabelastung aus, die die Luftverkehrsbranche selbst einräumt, entspricht das fast zehn Prozent der Gesamtemissionen des Sektors. Und das, obwohl Privatjet-Passagiere nur einen winzigen Anteil aller Fluggäste ausmachen. Wieso eigentlich scheint die Regierung solche Fakten zu ignorieren? Ob sie sich selbst wohl der Klasse dieser energievergeudenden Oberwichtigs zuzählt? Immerhin wurde vor einiger Zeit das mir relativ groß erscheinende und damals nicht funktionstüchtige Regierungsflugzeug vorgeführt. Ein Kennzeichen dieser vermögenden Flieger scheint ja im Bewusstsein der eigenen Wichtigkeit solche Flüge in großer Selbstverständlichkeit für sich in Anspruch zu nehmen. Z.b. schreibt t-online: Trotz ihrer vergleichsweise hohen Wirkung auf die Erderhitzung gilt für Privatjets: Die Politik drückt beide Augen zu – in der Klimapolitik spielen sie quasi keine Rolle. Die kleinen Flieger in Privatbesitz genießen großzügige Ausnahmen: Vom Emissionshandel der EU, dem sogenannten EU-ETS, sind sie ebenso ausgenommen wie vorerst auch von der Steuer auf Flugbenzin, die von der EU vorgesehen ist. Stattdessen zielt die Kerosinsteuer vor allem auf Passagiermaschinen ab, die innereuropäische Linienverbindungen bedienen.
Freitag, 14. April 2023
Mein Blog
Dies hier ist kein Journalismus! Alleine schon, weil ich keine Namen nenne. Allein schon dies würde zu rechtlichen Auseinandersetzungen führen, für die ich mich nicht gerüstet sehe. Also versuche ich, im Allgemeinen zu bleiben, lasse mich aber durch aktuelle Ereignisse durchaus inspirieren. Apropos Aktualität: Ich verspüre hier keinerlei Aktualitätsdruck oder Auflagendruck, da alles, was hier geschrieben wird, von mir selbst stammt und ich bisher keine Rendite erwirtschaften muss. Und ja, ich habe Angst vor juristischen Auseiandersetzungen. Juristen agieren überall im Interesse von Interessen. Und besetzen oder besitzen Parlamente. Vor Gerichten gibt es allenfalls „Deals“, wenn nicht ohnehin alles und jedes verjährt ist (auf Eigentumsdelikte scheint immerhin noch ganz besonders geachtet zu werden, sie scheinen sakrosankt….) und selbst auf gröbste Verstöße hin nahezu nichts passiert, weil das Rechtswesen zu seiner Selbstrechtfertigung sich als überlastet darstellen lässt. Auch interessieren mich hier im Blog gewisse Strukturen, das Allgemeine, das hinter dem Einzelnen steht. Namen, Firmen und Individuen sind mir in diesem Zusammenhang (!!) oft scheisegal! Dies macht einen Unterschied zum klassischen Journalismus aus, der überall Ross und Reiter nennen sollte. Namen, Firmen und Individuen sind ja meist nur Rädchen in einem bestimmten Getriebe, einem System, das mich interessiert, in gesellschaftlichen Zusammenhängen, Strukturen und Abläufen, die verschiedene Menschen unterschiedlich betreffen. Wenn deren Bedeutung etwas heraus ragt, widme ich mit einigermaßen „rechtssicheren“ und anonymisierenden Formulierungen (wichtig!) gerne auch ihnen!
Donnerstag, 13. April 2023
Mittwoch, 12. April 2023
Heimat - was soll das sein?
Wieso der Begriff „Heimat“ immer wieder mit Enge, Eingeschränktheit und dem privaten Glück im Kleinen vermengt wird? Wenn „Heimat“ sich verschließt gegenüber einer Andersartigkeit, dann wird sie zu etwas Engem dort, wo sie auch weit sein könnte. Sie könnte großzügig offen sein und sich gleichzeitig bewahren. Sie könnte soziale Dimensionen und gesellschaftliche Entwicklungen aufnehmen und sich damit selbst erkennen. Sie könnte dieses oft zitierte „Geworfensein“ akzeptieren und an sich selbst wahrnehmen. Sie könnte an sich erkennen, das wir auch ein Produkt unserer Sozialistion sind, die doch stark von dem beeinflusst ist, was „Heimat“ bedeutet. Sie könnte erkennen, dass wir auf der ganzen Welt gewisse Probleme haben, die uns einen. Sie könnte erkennen, das eine beispiellose gesellschaftliche Polarisation statt gefunden hat, die sich in unserer „Heimat“ auf eigene Weise abbildet. Sie könnte erkennen, das wir auf der ganzen Welt Menschen sind und doch unseren konkreten Lebensbedingungen und Lebenswelten, Sinnwelten ausgeliefert sind. Dass sich dadurch eine eigene und eigenständige Ebene der Solidarität und des Verbundenseins ergeben kann. Mit dem Lauf der ganzen Welt. Dass nicht alles der von Politikern so gern beschworene „Strukturwandel“ mit sich bringt, der zudem viel zu oft auf den technologischen und ökonomischen Wandel beschränkt wird.
Montag, 10. April 2023
Wer werden wir sein?
Was, wenn die Spezies Mensch nicht mehr existiert? Die Menschheit wird aussterben. Verglühen in der Hitze, wie vor ihr schon andere Spezies. Was ist denn daran so schlimm? Stimmt, wir werden noch nicht mit dabei sein. Mühsam wird man uns über die Schwelle tragen. Aber andere werden kein Wasser mehr haben oder – im Meer untergehen. Sie werden ihre Vorfahren verfluchen, die Konferenzen und Zusammenkünfte abgehalten haben, die zuletzt zu nichts geführt haben werden (so wie jetzt die „Klimakonferenz in Sharm-el-Sheik“). Staatschefs, Häuptlinge und Wichtigs aller Kontinente werden sich nicht geeinigt oder geeinigt haben auf Ziele, die sie nicht umgesetzt haben werden. Die Quittung wird nach erbitterten Verteilungskämpfen die Bevölkerung auf der Erde tragen müssen, die Reichsten derer werden sich rechtzeitig zu anderen Planeten aufmachen. Ob die Menschheit die Kurve gekriegt haben wird? Die Zeichen dafür stehen nicht gerade sehr günstig. Die meisten Menschen sind ohnehin unfähig, über eine gemeinsame Zukunft nachzudenken, der Prozess der Anpassung an die Technologie geht zudem noch zu langsam. Auf zerstörerisches Potential wird nicht rechtzeitig reagiert, die soziale Erosion wird schleichend verlaufen. Diejenigen, die es sich leisten können, werden versuchen zu fliehen, abzuhauen. Ob sie die Kurve noch kriegen? Ob es sich darüber nachzudenken lohnt, dass es nicht unbedingt schade wäre, wenn der Mensch aussterben würde? Ach unsere Kinder und Enkel? Sind auch nur ein Teil des Ganzen, das untergehen wird. Sie hinterlassen einen massiven CO2-Fußabdruck und werden aussterben. So verlief die Evolution, so verlief die biblische Geschichte.....
Luxuspersonen
Ich höre, dass jemand hierarchisch Prominentes aus einer Sendeanstalt des Öffentlich Rechtlichen Rundfunks jetzt vor Gericht um eine Pension von etwa 18 000 Euro/per Monat streitet. Und das, obwohl diese Person bereits eines äußerst dekadenten Lebensstils mit u.a. Luxuslimousinen samt Massagesitz auf Kosten des Steuerzahlers längst überführt worden ist. Ob da im Rechtssystem etwas nicht so passt? Oder ob die „Ansprüche“ einer bestimmten Klientel mittels einer Armada schwarzer Anzüge und Kostüme geschützt werden sollen? Jedenfalls bin ich sprachlos ob solcher Verhältnisse, in denen sich gewisse Personen offenbar so inszenieren können, dass der derzeit herrschende Rechtsstaat kein Mittel dagegen findet/finden will, weil ja rechtlich alles gesichert unterschrieben und beglaubigt ist. Ob in solche „Verhältnisse“ nicht so etwas wie mehr Licht (Goethe) fallen sollte? Was ist das für eine Klasse von Menschen, die glaubt, derart und so auf Kosten ihrer Mitmenschen leben zu sollen? Denen derart der Kamm geschwollen ist? Die sich wahrscheinlich in der Klasse jener Menschen wohlfühlen, die im Bewusstsein ihrer „Wichtigkeit“ für sich nur noch Privatjets nutzt (abseits aller massiven Umweltschädigung!) Diese Leute inszenieren ihren Selbstwert nach Belieben, während andere Menschen trotz aller „Fürsorge“ des Sozialstaats nicht wissen, wie sie durch den Monat kommen sollen.
Samstag, 8. April 2023
Meinungen
Wie kommen wir der Wirklichkeit bei? Wer analysiert, wird gerne mal ein bisschen verleumdet und als „negativ“ verschrien, „Negative Menschen“: „wenn wir uns mit ihnen umgeben, schaden wir uns selbst“. Habe ich gelesen. Problem: das Etikett „negativ“ kann jeder allen anhängen. Kritik erscheint oft negativ zu sein. Ist es ein Ausweg, Kritik zu meiden? Wenn aber gewisse Dinge so sind, wie sie sind? Wenn unser Urteil negativ ausfällt? Nicht mehr äußern, damit wir positiver „rüber kommen“? Bloß mit niemand darüber reden, damit man nicht als sich dauernd wiederholender Trauerkloß wirkt? Wie, das schadet unserer Seele und unserem Körper? Ob die Ursachen uns auch schaden? Das, über was kommuniziert wird? Ob manche Elemente unserer Umwelt durchaus negativ sind und ob es nicht so etwas wie eine befreiende Wirkung hat, wenn wir über das mit anderen Menschen kommunizieren, die direkt oder indirekt denselben Einflüssen ausgesetzt sind? Wenn wir uns darüber einig sind? Über die Folgen können wir dann ja immer noch verschiedener Meinung sein. Jaja, es sind nicht immer „die anderen“. Manchmal sind wir selbst es. Ist doch klar. Wenn wir einigermaßen reif sind, dann denken wir das immer mit. Selbstverständlich. Wer dauernd das Gegenteil unterstellt, unterschätzt sein Gegenüber. Die Welt ist schön, wir müssen das nur erkennen. Der Auseinandersetzung mit solchen Sprüchen hilft die Lektüre von Aldous Huxleys 1932 erschienenes Buch „Schöne Neue Welt“ etwas auf die Sprünge.
Freitag, 7. April 2023
Donnerstag, 6. April 2023
Mittwoch, 5. April 2023
Wie es ist
"So weilt Alles nur einen Augenblick und eilt dem Tode zu. Die Pflanze und das Insekt sterben am Ende des Sommers, das Thier, der Mensch, nach wenig Jahren: der Tod mäht unermüdlich. Desungeachtet aber, ja, als ob dem ganz und gar nicht so wäre, ist jederzeit Alles da und an Ort und Stelle, eben als wenn Alles unvergänglich wäre. Jederzeit grünt und blüht die Pflanze, schwirrt das Insekt, steht Thier und Mensch in unverwüstlicher Jugend da, und die schon tausend Mal genossenen Kirschen haben wir jeden Sommer wieder vor uns. Auch die Völker stehen da, als unsterbliche Individuen; wenn sie gleich bisweilen die Namen wechseln; sogar ist ihr Thun, Treiben und Leiden allezeit das selbe; wenn gleich die Geschichte stets etwas Anderes zu erzählen vorgiebt: denn diese ist wie das Kaleidoskop, welches bei jeder Wendung eine neue Konfiguration zeigt, während wir eigentlich immer das Selbe vor Augen haben. Was also dringt sich unwiderstehlicher auf, als der Gedanke, daß jenes Entstehen und Vergehen nicht das eigentliche Wesen der Dinge treffe, sondern dieses davon unberührt bleibe, also unvergänglich sei, daher denn Alles und Jedes, was daseyn will, wirklich fortwährend und ohne Ende da ist. Demgemäß sind in jedem gegebenen Zeitpunkt alle Thiergeschlechter, von der Mücke bis zum Elephanten, vollzählig beisammen. Sie haben sich bereits viel Tausend Mal erneuert und sind dabei die selben geblieben. Sie wissen nicht von Andern ihres Gleichen, die vor ihnen gelebt, oder nach ihnen leben werden: die Gattung ist es, die allezeit lebt, und, im Bewußtseyn der Unvergänglichkeit derselben und ihrer Identität mit ihr, sind die Individuen da und wohlgemuth. Der Wille zum Leben erscheint sich in endloser Gegenwart; weil diese die Form des Lebens der Gattung ist, welche daher nicht altert, sondern immer jung bleibt. Der Tod ist für sie, was der Schlaf für das Individuum, oder was für das Auge das Winken ist, an dessen Abwesenheit die Indischen Götter erkannt werden, wenn sie in Menschengestalt erscheinen. Wie durch den Eintritt der Nacht die Welt verschwindet, dabei jedoch keinen Augenblick zu seyn aufhört; eben so scheinbar vergeht Mensch und Thier durch den Tod, und eben so ungestört besteht dabei ihr wahres Wesen fort. Nun denke man sich jenen Wechsel von Tod und Geburt in unendlich schnellen Vibrationen, und man hat die beharrliche Objektivation des Willens, die bleibenden Ideen der Wesen vor sich, fest stehend, wie der Regenbogen auf dem Wasserfall. Dies ist die zeitliche Unsterblichkeit. In Folge derselben ist, trotz Jahrtausenden des Todes und der Verwesung, noch nichts verloren gegangen, kein Atom der Materie, noch weniger etwas von dem innern Wesen, welches als die Natur sich darstellt. Demnach können wir jeden Augenblick wohlgemuth ausrufen: "Trotz Zeit, Tod und Verwesung, sind wir noch Alle beisammen!"
(zu finden in: Artur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung)
Dienstag, 4. April 2023
Der rechte Weg
Streit um den rechten Weg! Oberste Bestimmer des Glaubens! Ich stehe relativ fassungslos den religiösen Konflikten unserer Zeit gegenüber. Dieser Absolutheitsanspruch ist schon seltsam! Man muss nicht unbedingt an die Aufklärung und Lessings „Nathan der Weise“ denken, um es relativ vernünftig zu finden, dass jeder Mensch sich nach seinen Vorstellungen ausrichten können muss und dann sein gedeihliches Auskommen mit Andersgläubigen finden könnte. Das Wichtige wäre nur, eine gemeinsame spirituelle Basis empfinden zu können und vielleicht sogar darüber kommunizieren zu können. Diese Basis könnte besagen: 1.) Es gibt etwas Größeres als den Menschen. 2.) Es gibt etwas, was jenseits der ökonomischen „Verwertbarkeit“ liegt und dem Menschen (jedem! Auch dem „Ungläubigen“!!) eine Würde gibt. Es könnte auch gut sein, dass die Gesellschaft, in die ich mehr oder weniger per Zufall hineingeboren werde, mich auch religiös weitgehend bestimmt hat. An dieser Stelle könnte es sehr förderlich sein, sich über die eigene Religion hinaus über andere Weltansichten zu informieren, sie auch ein Stück weit an mich heran zu lassen, um so feststellen zu können, dass sie aus ihrer Warte ihre „Antworten“ auf allgemeine menschliche Fragen versuchen. Kirche jedoch, als Institution der kollektiven Religionsausübung, neigt zu hierarchischen Strukturen und einer Dogmatik, die derartig in Stein gemeißelt gar nicht ist. Sie macht ein Angebot (jeweils beruhend auf „Offenbarungen“, die aber jeweils überliefert sind...), das keinesfalls absolut gilt, auch wenn sie abseits aller Menschenrechte ihre Strukturen und die (Macht-)strukturen um sie herum dies immer wieder zu suggerieren scheinen. Wir alle sind Suchende und tragen eine Ahnung in uns. Das ist das Verbindende. Das eint uns.
Samstag, 1. April 2023
Ein gutes Leben suchen
Man blickt zurück und wird sich bewusst, dass man sich lange Zeit viel zu billig verkauft hat. Teilweise war es einem damals, auf Zeithöhe, bewusst, doch war einem die Sache wichtiger, die man bearbeitet hat. Außerdem musste man durch die Tage kommen, man war auf bestimmte Dinge und ein finanzielles Überleben angewiesen. Das alles ging auf Kosten der Lebensqualität. Man konnte keine nachhaltigen sozialen Kontakte pflegen, indem man nämlich wegen der "spontanen" Einsätze (damals ähnlich der "Leiharbeiter") keinerlei Termine wahrnehmen konnte. Man hatte nie Zeit, denn seine Zeit hatte man ja verkauft, man hielt sich verfügbar. Dadurch war man dauernd in einem Stress, den man niemanden so recht erklären konnte. Es war nämlich ein Stress, der sich aus Bedingungen von Arbeit ergeben kann und für den man in bestimmten Arbeitsbedingungen der Vereinzelung letztlich selbst verantwortlich sein soll. Ob das richtig war?
Genau über solche Dinge scheinen jetzt „junge Leute“ unter dem Stichwort „Quiet quittening“ nachzudenken und eine bessere „Work-Life-Balance“ anzustreben. Jenes Getriebensein, jener Stress und jene Hetze vermeiden, die nur bestimmten Arbeitgebern nutzt, von denen man ausgebeutet wird. Es mag auch um Vermeidung von Ungeduld gehen, darum, nicht dem Diktat der sich fortwährend steigernden Geschwindigkeit zu unterliegen, dem Rhythmus des gesellschaftlichen Getriebes, das einem den Fortgang seines Lebens zu diktieren scheint. Ob man bestimmten Dingen einfach die Zeit lassen muss, die sie braucht? Ja klar, man kann die Zeit stauchen. Aber das passiert nicht umsonst. In Wirklichkeit geht es darum, eine begrenzte Lebenszeit sinnvoll zu verbringen. Ein „gutes Leben“ zu führen, Welt menschlich erfahren. Nicht nur „auf das Alter“ angewiesen zu sein, man sollte das Leben schon für sich davor erlernen. Vielleicht könnten das Erfahrungen in der Natur sein, Erfahrungen mit Menschen, die nicht so zu verschieben sind, ohne dass sie eines Tages nicht mehr möglich sind. Doch solche Zeit und Zeiten sind in unserer Gesellschaft sehr ungleich verteilt. Ob es darum geht, Arbeitszeiten besser zu verteilen, so dass die, die auf bestimmte finanzielle Erträge angewiesen und von ihnen abhängig sind, kürzer arbeiten, während andere, die ihre Selbsterfüllung und Selbstverwirklichung in ihrer Arbeit des „Gestaltens“ finden, mehr arbeiten müssten?
Freitag, 31. März 2023
Valerie (57)
Im nächsten Moment hatte sie ihn losgelassen und schwamm davon. Er versuchte ihr zu folgen und stellte fest, dass sie schneller war. Er nahm sich also für „die nächste Zeit“ vor, wieder mehr Sport zu treiben. Sie spieleten noch tausend Spiele und er stellte dabei verwundert fest, dass sie die Spielregeln bestimmte und er jedes Mal brav so reagierte, wie sie es wollte und herbei führte. Er fühlte sich wie sein eigener Doppelgänger, erregt in Regionen, die er schon lange nicht mehr gespürt hatte, empor getragen zu Wolken, zwischen denen Valerie immer wieder wie ein Schalk hindurch blinzelte, verführerisch lächelnd.
Das Gefühl für Zeit hatte er verloren. Es setzte erst wieder ein, als sie total erschöpft wieder nebeneinander am Beckenrand hingen. Valerie holte Handtücher und sie trockneten sich gegenseitig ab. Sie schnurrte dabei wie ein Kätzchen, was er zum Lachen komisch fand. Sein Versuch, sie nachzuahmen, geriet noch komischer, was sie beide zum Lachen brachte. Danach gingen sie schweigend nebeneinander her und er genoss es, nicht fortwährend im Zwang zu stehen, labern zu müssen. Konversation um ihrer selbst zu treiben, um sich allenfalls gegenseitig zu versichern, wie gut man sich verstehe, das lag ihm nicht. Sie hatten sich von Anfang an auch auf einer anderen Ebene verstanden, ohne dass sie sich dessen fortwährend versichern mussten. Dies, obwohl sie in total unterschiedlichen gesellschaftlichen Welten lebten.
Donnerstag, 30. März 2023
Scherenweisheiten
Ungleiche Verhältnisse zerstören die soziale Kohäsion, also die Bindung zwischen den Menschen in einer Gesellschaft. Das lehrt nicht nur die Soziologie, sondern auch die Philosophie. Wohlhabende Menschen und solche mit einem bescheidenen Einkommen führen ein völlig unterschiedliches Leben. Sie wohnen und arbeiten an verschiedenen Orten, kaufen nicht in denselben Geschäften dieselben Dinge, die Kinder besuchen nicht dieselben Schulen und spielen auch nicht zusammen. Das tut der Demokratie nicht gut. Gefordert ist keine Gleichheit, sondern ein „Sich-gegenseitig-begegnen“ von Menschen mit unterschiedlichen sozialen oder wirtschaftlichen Hintergründen. So stellt man sich Fragen über das Gemeinwohl, so lernt man zu verhandeln, zu diskutieren und Lösungen zu finden. Die Ungleichheit zerstört das Gefühl, dass wir alle im selben Boot sitzen. Ein großes gesellschaftliches Problem ist die Armut. Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine Art, die das Problem vielleicht lösen könnte. Das Geld muss neu verteilt werden, auch im Horizont einer völligen Neubewertung dessen, was Arbeit im digitalen Zeitalter sein könnte. Es gilt nicht unbedingt, die Ungleichheit zu reduzieren. Wenn sich letztlich aber jeder würdig behandelt fühlt, wenn jeder fühlt, dass er das Notwendige zum Leben hat und die Möglichkeit, sich in die Gesellschaft zu integrieren, an ihr teilzunehmen, um sich für oder gegen etwas entscheiden zu können, könnte auch das Gefühl der Ungleichheit abnehmen. Wenn jemand sein Leben selbstbestimmt führen kann, wird er sich nicht ständig mit anderen vergleichen, es geht nnicht immer um das mehr oder weniger haben.
Mittwoch, 29. März 2023
Göttliche Sinnstiftung
Wir hätten gern einen Sinn, unabhängig von allem. Sinn und Gott, als Zusammengehörigkeit, als Paar. Stiftet Gott Sinn? Ja, weil allem in der Welt die geistige Wirklichkeit Gottes zugrunde liegt. Gott ist die alles bestimmende Wirklichkeit. Hier ist der Urgrund der Wirklichkeit von vornherein etwas Sinnvolles, was als solches nachvollzogen werden kann. Das ist ein anderer Ausgangspunkt, als wenn man sagt: es gibt da diese Elementarteilchen, und nach ihrem Zusammenwirken in sinnlosen Gesetzen entsteht alles. Diese sinnlose Entstehungsgeschichte hat mit uns eine Verbindung, weil wir alles in allem dann sinnfreie Zufallsprodukte einer Materie sind. Dem gegenüber steht die Auffassung, dass der Gottesgedanke ein vernünftiger Gedanke ist, den man ernst nehmen kann. Man braucht dazu nicht die Vorstellung, dass der Gottesgedanke vernünftig zu beweisen sei. Es kann dann sehr aufbauend und tröstlich sein, nicht zu der Position greifen zu müssen, dass alles nur sinnfreie Materie sei. Es kann aber auch sehr aufbauend und tröstlich sein, sich vorzustellen, dass eh alles sinnlos sei. Albert Camus sagte in seinem Mythos des Sysiphos, dass der Gläubige eigentlich feige sei. Er erkenne nicht an, dass es darum geht, einen Stein nach oben zu stemmen, der postwendend wieder nach unten rollt.
Von Feigheit könnte er aber nur dann schreiben, wenn schon von vornherein klar wäre, dass alles sinnlos sei. Dann wäre der Gläubige ein Traumtänzer, der den Realitäten nicht ins Auge blicken will. Dann müsste man vor den Atheisten den Hut ziehen, weil sie die einzigen wären, die ihrem Leben einen Sinn abzutrotzen imstande wären, in einer Welt, die sinnlos und absurd ist.
Dienstag, 28. März 2023
Politikermärchen
Woher kommt der Eindruck, dass Politiker die Märchen erzählen, die ihnen gerade in den Kram passen? Es regt mich seit Monaten schon der Fall eines Politikers auf, der als Entscheidungsträger auf dem politischen Parkett einst eine wichtige Rolle spielte, der unglücklich unterwürfige Entscheidungen im Hinblick auf Energie traf und dabei großkotzige Parolen von sich gab, die er jetzt mit seinem „privaten“ Verhalten völlig konterkariert. Na klar: Die „kleinen Leute“ vertreten, das war das Spezialanliegen dieses Mannes, das war sein „Narrativ“ und Märchen, dieses Schuftes, der nach Abschluss seiner Arbeit als Partei-Entscheider flugs in die Wirtschaft zu den Konzernen wechselte und nach privatem Ausruhen und einer Neuorientierung heute wieder immer öfter zu aktuellen Entwicklungen befragt wird.
Montag, 27. März 2023
Spurenverfolgung
Das alte Ding, dass das Persönliche öffentlich ist und das Öffentliche persönlich. Da scheint sich einiges zu durchdringen. Mir geht es um so etwas wie den „Gesamtausdruck“ einer Person: genauso, wie ich einen ökologischen Fußabdruck hinterlasse, so hinterlasse ich in dieser Welt auch auf diese Weise einen allgemeinen „Fußabdruck“ oder habe Spuren meines Fußabdrucks und persönlichen Daseins hinterlassen. Ich will wissen, wer ich bin und wo ich bin, - spüre das in mir als Auftrag, den mir mein Leben gegeben hat. Will wissen, was mich und wie mich die Welt bewusst und unbewusst beeinflusst hat. Da zb. Musik in meinem Leben in verschiedenen Formen stets eine sehr wichtige Rolle spielte, da sie mich auch in verschiedene soziale und technologisch bestimmte Zusammenhänge trieb (z.b. spielte ich in tausend Bands, da früher die technische Entwicklung noch nicht so weit war, wie sie heute ist… Es war nicht möglich, per Sequenzerprogramm vor sich hin zu werkeln, die Vereinzelung war noch nicht dermaßen fortgeschritten), gehört für mich dies auch ganz klar dazu, sind das die persönlichen Spuren meiner Existenz. Aber auch das, was ich gedacht und in schriftlicher Form niedergelegt habe, was meine Phantasie produziert und was sich in mir gespiegelt hat, mag zu meinen ganz persönlichen Spuren gehören. Es hat einen in gewisse Verhältnisse geworfen, man war bewusst oder unbewusst in manchen Verhältnissen angekommen, agierte unter gewissen Bedingungen, man war gefangen, aus denen man sich nicht mehr befreien konnte (oder wollte), weil man sich früh für etwas entschieden hatte (meine ureigene Obsession, mich nicht festzulegen, mag insofern ihre Gründe für mich (!!) gehabt haben). Es ist ja so, dass ein „Gesamtausdruck“ in diesem Sinne von ihrem gesellschaftlichen „Erfolg“ bestimmt ist.
Freitag, 24. März 2023
Fachkräftemangel
Mir scheint, die politischen Eliten bei uns in Deutschland sind überwiegend unfähig und manchmal sogar betrügerisch. Und nicht nur hier! Die obwaltenden Verhältnisse entsprechen einfach nicht dem Stand der Geschichte, der menschlichen Entwicklung! Es könnte so vieles besser sein! Die Dauerausrede, dass es auch schlechter sein könnte, gilt nicht! Es hätte doch eine Entwicklung geben müssen, auch im vergangenen Jahrzehnt! Da ist jegliche Art von Mitbestimmung beispielsweise, da sind Lohnentwicklungen und Arbeitsbedingungen. Es treiben einem die täglichen Ereignisse in dieser Hinsicht schon die Skepsis ins Gesicht. Der seit Corona so oft zitierte „Fachkräftemangel“ scheint gerade die Politik bei uns zu betreffen. Ob Politiker „Fachkräfte“ sind? Fest steht: Da sind zu viele korrupte Strukturen, PR-Vernebler, Egoshooter und durch Parteistrukturen abgesicherte Profi-Abzocker. Phrasendrescher. Kein Wunder, dass die Bundestagsdebatten nicht mehr interessant sind! Da wird vor allem auf dem Smartphone herum gedaddelt, egal was dort am Pult der Redner gerade von sich gibt. Ob das nicht mindestens ein Zeichen von fehlendem Respekt ist? Alles ist verkrustet, in Bürokratie und verwaltungstechnische Vorgänge umgewandelt. Läuft einigermaßen vorhersehbar ab, will gesetzlich geregelt sein (so die Behauptung).
Narzissten (nein, hier kein Genderstern!) tanzen um die Wette, drehen Pirouetten, produzieren und inszenieren sich auf einem glitschigen Polit-Show-Parkett. Labern von riesigen Beraterstäben beraten, herum. Erwecken jene Eindrücke, die in der Art von Werbespots auf die Masse der Menschen einwirken sollen. Empathie: null. Liebe. Wahrheit. Mitgefühl? Für solche „Pragmatiker“ leere Begriffe.
Lieber die beschönigenden PR-Sprachspiele. Die Krankenkassen heißen jetzt Gesundheitskassen. Wumms. Doppel-Wumms. „Sondervermögen“. Der Rechtsstaat (der so oft beschworen wird) macht sich selbst etwas vor, kann nicht bearbeiten, kann dies und jenes nicht….. Fachkräftemangel. Die Standard-Entschuldigungsphrase. Zudem zu schlecht finanziell ausgestattet. Nun ja, trotzdem ist alles relativ und wir müssen froh und dankbar sein, hier zu leben. Ja klar, es könnte schlechter sein - und trotzdem könnte vieles besser sein. Lasst uns das angehen!
Donnerstag, 23. März 2023
SUV (1)
Was lief, was läuft denn da falsch? Es mag etwa vor gefühlt 10 Jahren gewesen sein, als sich die SUVs auf unseren Straßen und Parkplätzen plötzlich abenteuerlich vermehrten. Im Zeichen des Klimawandels hatten sich Ingenieure zuvor abgemüht, den Spritverbrauch zu vermindern, was natürlich durch den Trend zum großen Auto radikal aufgefressen wurde. Schland ist wohl relativ dicht besiedelt, im Gegensatz zu den USA, wo ich den Trend zum großen Auto zuvor schon ausgemacht hatte und als halbwegs sinnvoll (große Entfernungen, viel mehr Raum!) eingesehen hatte. Doch bei uns verstopfen die fetten Karren die Innenstädte und die Parkhäuser, blockieren Straßen und werden als leuchtendes Beispiel für den „Rebound“-Effekt genannt: Vorteile beim Spritverbrauch, die jedoch sofort vom Trend zu größeren und schwereren Autos aufgefressen werden. Was wohl da dahinter steckt? Zudem scheint der Staat das, was er als „Dienstfahrzeuge“ bezeichnet, großzügig zu unterstützen.
Es gab eine Zeit, in der ich sehr engagiert SUV-Besitzer danach befragt habe, was ich angesichts des Massentrends inzwischen aufgegeben habe. Man könne sich in einem SUV besser von „den Anderen“ isolieren, so erfuhr ich. Dies resultiere alleine schon aus der erhöhten Sitzposition. Zudem sei man im Falle eines Unfalls besser geschützt: in der Regel ist das dickere und schwerere Fahrzeug da im Vorteil. Also verhält sich das ganz elementar und nicht nur ein bisschen egoistisch: Übersichts- und Dominanzbedürfnis scheinen ihre Rolle zu spielen. Auch die selbstinszenierende Darstellung, sich ein solches Gefährt leisten zu können und somit ein wertvollerer Mensch zu sein. Nun ja, große und teure Fahrzeugen erzeugen für die Hersteller auch mehr Gewinn, womit denen der Trend zum fetten Dickschiff (auch gerne Stromgetrieben) recht ist.
Mittlerweile kommt der Trend zum Elektrofahrzeug hinzu, der Etliches, was ich hier erwähnt habe, noch verstärkt: seht her, ich bin nicht nur ein wertvollerer, sondern auch ein besserer Mensch, weil ich mir eine solch teure Öko-Kiste leisten kann. Dass dafür auch Arbeits-Sklaven in Afrika unter großen Gefahren in unbefestigte Minen kriechen mussten, um das für E-Fahrzeuge unerlässliche Kobalt zu gewinnen, dass dafür Lithium in Chiles Atacama-Wüste, einem der trockensten Gebiete auf der ganzen Erde, gewonnen wurde, bleibt unerwähnt. Recyclingfragen und Brandlöschung (bei Unfall) scheinen auch noch ungeklärte Fragen. Überhaupt, seltene Erden: Nun ja, kommen vor allem aus China. Die Ahnungslosigkeit gewisser Kreise dokumentiert auch das kolportierte Gerücht, dass eine Außenministerin in diesem Zusammenhang offenbar von „Kobold“ gesprochen hat (Kommentar überflüssig). Auch die hoch gelobten Elektrofahrzeuge sind auf erstaunliche Weise größer und fetter geworden, scheinen rundum in neuem Glanze illuminiert und sind in der Regel um Einiges fetter als ihre Verbrenner-Varianten, was wohl auch aus der riesigen Batterie resultiert: unwillkürlich kommt man da ins Staunen, wie offensiv da die Selbstdarstellung (nicht nur als CO2 vermeidender „Umweltengel“) geworden ist (die sich natürlich einreiht in das Bedürfnis, auf diese Weise sozialen Status zu dokumentieren. Als besonders exklusive Art gilt es da, sich als Fußgänger und Bahnfahrer zu positionieren, - was man sich auch erst mal leisten können muss… und was den Stadt/Land-Gegensatz dokumentiert).
SUV (2)
Wie geht’s im Parkhaus zu? Da steht ein SUV neben dem andern, teilweise sogar auf 2 Parkplätzen, was die Platzknappheit krass dokumentiert. Ob das jetzt immer so weiter geht? Ob fette SUVs als besonders umweltschonend gelten, obwohl sie mit riesigem Platzbedarf und einer ebenso großen Batterie ausgestattet sind? Stoßen kein CO2 aus. Auch in der Herstellung? Aber auch „ganz normale“ Autos scheinen immer größer und ausladender geworden zu sein. Man schaue sich die neueste Generation nur daraufhin an! Ob die Konzerne am Ende auch damit verdienen, dass die ganze Flotte erneuert, bzw. auf Elektromobilität umgestellt wird. Was wohl danach kommt? Wenn dieser Effekt verpufft ist? Dann werden halt die E-Kisten alle exportiert, so die gängige Meinung. Am besten, auch in afrikanische Wüsten. Ob da die nötige Infrastruktur geschaffen sein wird? SUVs und Geländewagen. Was wohl da der Unterschied ist? Für „kleine Leute“ ohnehin unerreichbar. Und für die Leute in der „Dritten Welt“? Lastwagen? Manche der neuen E-Mobile sind annähernd so schwer wie LKWs und sind mit ihren riesigen Antriebsaggregaten wahre PS-Giganten. War man allzu idealistisch, als man einmal in tiefer Vergangenheit dachte, es müsse einen Trend zum „Downsizing“ (also zum bescheideneren Auto) geben?
Mittwoch, 22. März 2023
Parlament und Partizipation
Mir geht seit vielen Tagen das Modell einer ausgelosten (!) Bürgerversammlung durch den Kopf, die mit noch auszudiskutierenden Kompetenzen ausgestattet ein ergänzendes Gegengewicht zum Parlament darstellen könnte. Dies Parlament wird zwar gerne damit verteidigt, dass seine Mitglieder demokratisch gewählt seien. Doch viele Vorgänge der jüngeren und weiteren Vergangenheit mögen dies relativiert und zu etlichen Disfunktionen beigetragen haben. Unter anderem geht es hier in Deutschland um eine „repräsentative Demokratie“. D.h., seine Mitglieder sind auf 4 Jahre hinaus gewählt und können in dieser Zeit das machen oder nicht machen, was sie für richtig halten. Sie sind (in der Theorie) nur sich selbst verantwortlich. Disfunktionen? Nun ja, alleine schon der Einfluss von Lobbyisten scheint da Vieles, was demokratisch anmutet, zu relativieren. Zum Beispiel scheinen bei uns in Deutschland da immer weniger Gesetzesentwürfe von diesem ach so demokratisch legitimierten Parlament zu kommen. Regelfall scheint da eher die Vorlage von seiten der Regierung zu sein, die ihre Gesetze dann artig von den Volksvertretern abnicken lässt. Dazu werden rigide Fraktionszwänge aufgebaut und Vorsitzende gewählt. Im wenig demokratischen Halbdunkel und „von hinten“ im Beraterstab hat diese Regierung oft genug ihre „Gesetzentwürfe“ auch noch extern von eifrigen Interessenvertretern schreiben lassen. Ausschüsse tagen zudem in Hinterzimmern, kungeln etwas „unter Experten“ aus und lassen im Übrigen offen, wie sich solche „Experten“ legitimieren, in wessen Interesse sie sich einmischen und wen sie vertreten.
Dienstag, 21. März 2023
Montag, 20. März 2023
Parteienstaat
„Die Parteien wirken mit bei der Willensbildung des Volkes“ heißt es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das in einem simplen Akt der Übernahme wohl auch in den Ländern der ehemaligen DDR gilt. Ich lese dieser Tage ein Interview mit jemanden aus der Hierarchie einer Partei, dem offenbar die Leitung einer Spitzenbehörde zugeschanzt wurde. Von wem? Von einer Partei natürlich. Was mich immer schon aufgeregt hat: Einflussreiche und gut honorierte Posten abseits der Politik werden im großen Stil an Parteimitglieder vergeben, die dann in Interviews die offiziellen Positionen ihrer Partei herunter rattern. Solche Postenvergabe passiert dann meist möglichst intransparent, d.h., bestimmte Personen tauchen unhinterfragt und sehr intransparent einfach an der Spitze von Behörden auf. Plötzlich. Von anonymen Gremien gewählt und legitimiert. Nach dem Motto „Das ist halt so“. Offizielle und inoffizielle Medien scheinen dies Spiel nachzuvollziehen, indem sie es einfach als Grundregel dieses Staates akzeptieren. Wer solche Mechanismen anzweifelt, steht nach solcher Einschätzung nicht „auf dem Boden des Grundgesetzes“. Wer meint, wir lebten in einem Rechtsstaat, der wird mit zahlreichen Gutachten solcher Leitungsfiguren und Entscheidungen irgendwelcher Gerichte überhäuft. Der Parteienstaat erfüllt insofern seine eigenen Gesetze, die Selbstbezüglichkeit scheint keine Grenzen zu kennen.
Sonntag, 19. März 2023
Valerie (56)
Aber er konnte sie sich auch als Musikerin vorstellen, spielerisch am Klavier gut ausgebildet und mit einer Vorliebe für romantische Musik, Konzerte gebend, zu denen die Männer scharenweise hinströmten, mehr um sie zu sehen, weniger, um sie zu hören. Von der „Emanzipation der Frau“ war die Rede und sie hatte sich darauf eingelassen, indem ie das alles für „gut und richtig“ befand und ansonsten etwas von „Feminismus“ schwafelte. Dass es jetzt Zeit sei, dass sich die Frauen ihrer Fesseln entledigten. Wenn man sie gefragt hätte, was sie dazu beitrage, hätte sie gemurmelt, dass sie ja emanzipiert sei und diese Zwänge längst hinter sich gelassen habe. Sie würde sich als äußerst kundig auf diesem Gebiet selbst darstellen und dabei auf ihn konsequent inkonsequent wirken. Also vermied er es, sie darauf anzusprechen.
„Los komm, wir gehen eine Runde schwimmen!“ Ohne seine Antwort abzuwarten sprang sie auf und er hatte alle Mühe, ihr zu folgen. Im Untergeschoss lag der obligatorische Swimmingpool und strahlte ihm eine luxuriöse Kälte entgegen, die er auch in Zusammenhang mit der riesigen Menge an Wasser brachte, die in dieses Becken geflossen sein musste. Aus dessen Mittelpunkt heraus forderte sie ihn nun lachend auf, ins Wasser zu kommen. Wie im Halbschlaf, fast schon schlafwandlerisch, versuchte er, fröhliche Miene zum nassen Spiel zu machen, indem er sich zum vermeintlich eleganten Kopfsprung ins Wasser stürzte. Als er dierkt neben ihr wieder auftauchte, gab sie ihm einen Kuss, den sie wohl nicht unterbrechen mochte. Selbst als sie um sich herum nur noch Wasser spürten und ihn das seltsame Gefühl beschlich, keine Luft mehr zu bekommen. Es gab für einen Moment nur ihre Zunge, ihren Mund und überall das Wasser
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