Und wieder sehe ich im Fernsehen Spassmacher (ja, vor allem Männer!), von denen ich bis dato relativ viel hielt und die mir eine Art kritischer Gesinnung zu haben scheinen. Ich sehe sie in Klamaukshows, in alten und neuen TVFormaten oder in billigen Ratespielen, bei denen sie möglichst ihre Spässe machen sollten, ich sehe sie in verständnisvollem Umgang mit TVFiguren, die ganz offensichtlich für Geld und Karriere alles machen und tun. Die ihr Gesicht im Sinne einer "freien Marktwirtschaft" für alles hergeben, was sich verkaufen lässt. Würde man dagegen argumentieren, hieße es sofort (Ich weiß es wohl) „Wir wollen doch nicht moralisch werden!“. Mir ist bekannt geworden, dass gewisse Figuren in diesem Metier durch diese Art es zu einigem materiellen „Wohlstand“ gebracht haben (Was nun wieder den Anreiz für ihre Nachahmer auszumachen scheint). Das Streben nach Geld scheint (auch einem gut honorierten Einsatz in der Werbung scheinen sie nicht abgeneigt) diese Figuren total zu beherrschen (was offenbar sehr sehr weit geht….!), untereinander verkaufen sie sich und anderen solche Einstellungen als „professionell“. Mehr oder weniger auf Knopfdruck scheinen sie ein Publikum zu bespaßen, dessen Zusammensetzung ihnen weitgehend egal zu sein scheint.
Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
Freitag, 21. Januar 2022
Donnerstag, 20. Januar 2022
Schritte
Mittwoch, 19. Januar 2022
Abendlied (Georg Trakl)
Abendlied
Am Abend, wenn wir auf dunklen Pfaden gehn,
Erscheinen unsere bleichen Gestalten vor uns.
Wenn uns dürstet,
Trinken wir die weißen Wasser des Teichs,
Die Süße unserer traurigen Kindheit.
Erstorbene ruhen wir unterm Holundergebüsch,
Schaun den grauen Möwen zu.
Frühlingsgewölke steigen über die finstere Stadt,
Die der Mönche edlere Zeiten schweigt.
Da ich deine schmalen Hände nahm
Schlugst du leise die runden Augen auf,
Dieses ist lange her.
Doch wenn dunkler Wohllaut die Seele heimsucht,
Erscheinst du Weiße in des Freundes herbstlicher Landschaft.
Georg Trakl (1913)
Dienstag, 18. Januar 2022
Warnung vor Unzulänglichkeiten
Es geht bei vielen Postings in diesem Blog womöglich um Perspektiven, denen jeder unterliegen kann. Die ihm "zufliegen", ohne das er das explizit so will oder dass er das Mitgeteilte überprüfen könnte. Er erfährt auch dadurch, dass er wein solziales Wesen ist, dass er in einem Flow mit anderen zusammen ist. Dabei spielt meine Person keine oder eine sehr geringe Rolle. Ich sehe mich selbst da nur als eine Art "Medium", dass stellvertretend für die Masse der Vielen steht, dass darin untergeht und dabei ein paar Worte aufschreibt.
Dies hier ist aber auch kein intimes Tagebuch! Das Subjektive mag an vielen Stellen in Richtung des Objektiven gehen, - und umgekehrt! Das zu beachten ist bei der Lektüre sehr wichtig. Ich fühle mich dennoch in der Rolle des Schreiberlings eher als Beobachter und stelle ja von der Seitenauslinie auch viele Fragen, auf die ich selbst keine Antwort weiß. Auch sie könnten sich jedem stellen, sie stehen sozusagen im Raum. Es hat mit meiner Person nichts zu tun, ohne dass ich die bequeme Position jener Politiker einnehme, die erklären, dass die Entscheidung zwischen richtig und falsch nicht von ihrer Person abhänge. 1.) werde ich nicht von der öffentlichen Hand bezahlt 2.) habe ich keine „wichtigen“ Entscheidungen zu treffen. Nein, ich fühle mich als Teil von etwas Anderem, - was auch mit meinem Studium der Soziologie zu tun haben könnte.Übrigens: Interviews werden nicht gewährt.
Es erhebt die Information in meinen Posts keinen Anspruch auf absolute Gültigkeit. Sie ist vielmehr die Wahrnehmung einer Möglichkeit, einer Perspektive und Ansicht auf eine Gegebenheit, der wir ausgesetzt sind. Ich versuche aufzunehmen, dass es nicht mehr so einfach ist, zu entscheiden, was richtig und falsch sei. Einst und in der Aufklärung, - bis jetzt!, nahm diese Rolle die Wissenschaft wahr. Doch sie scheint inzwischen von vielen Seiten her korrumpierbar und interessengeleitet. Dass sie nur der Wahrheit verpflichtet sei ist viel zu sehr durchschossen und obsolet geworden. Karrieredenken hielt hier schon aufgrund der Vergabe von Stellen Einzug. Grund zur naiven Wissenschaftsgläubigkeit bietet sie in letzter Zeit jedenfalls relativ wenig. Politische Entscheidungsträger sollten sich auf die Wissenschaft stützen, heißt es oft. Doch unter diesen Bedingungen könnte dies ein schwieriger Job sein, zumal auch die Politik selbst (z.b. EU) Einflussnahmen unter bestimmten Interessen ausgesetzt ist. Ob "die Wirtschaft" und ihre Lobby dabei eine wichtige Rolle spielt? Dass sich diese als wissenschaftlich kaschiert haben, ist inzwischen bekannt. Untersuchungen werden zumindest auf gewissen Wissensgebieten nahezu beliebig gekauft, wissenschaftliche Titel haben (nur) ihren Preis. Der Publikationszwang unter Wissenschaftlern und die Praxis wissenschaftlicher Fake-Verlage andererseits, scheinen hier zudem ungünstige Einflüsse auszuüben oder versuchen offenbar mit einigem Erfolg, sich dies eitle Bestreben zunutze zu machen.
Montag, 17. Januar 2022
Sonntag, 16. Januar 2022
Frei oder bestimmt? (oder beides?)
Samstag, 15. Januar 2022
Was wichtig ist - oder?
Ob jemand schwanger ist, ob jemand heiratet oder gerade eine neue Beziehung anberaumt? Wer wen vögelt, offiziell und inoffiziell, wer seinen Körper vorteilhaft ablichten lässt und eine Art Leitbild für alle andern abgibt, ist im medialen Alltag offenbar das Wichtigste überhaupt. Öffentlichkeit wird damit bearbeitet und beeinflusst. Society-Damen (Wieso eigentlich fast nur Damen?) geben dazu zu hochgezogener Augenbraue und einem verständnisvollen Lächeln Auskunft. Sie grinsen dazu meist die stille Übereinkunft, die weiß, wie „es läuft“.. Mal sehen, ob das auch die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar samt den um sie herum veranstalteter „Events“ betreffen wird… Es wird Aufschluss über manches geben. Ohnehin können bei diesen Vorgängen nur noch der Sport und seine verschiedenen Ausformungen mithalten, wobei sich beim Fußball gerade eigene Grenzen auftun, indem das Monopol der scheinbar wichtigen Vereine aus finanziellen Gründen nur noch untereinander agieren will. Ob das aufgeht? Auch hier werden Leitbilder, Idole, Werbe- und Imageträger geboren, um alsbald „vermarktet“ zu werden.
Freitag, 14. Januar 2022
Inszenierung - reloaded
Immer dieselben Gesichter? Geistiger Inzest? Tatsächlich leben gewisse Entscheider in dieser mitteleuropäischen Gesellschaft in einer Wahrnehmungsblase, in der sie unter anderem damit beschäftigt sind, anderen Menschen Betroffenheit vorzuspielen und ihnen ein Gefühl der Zufriedenheit mit den von ihnen verwalteten Verhältnissen zu suggerieren. Hin und wieder verrutscht dieser Gestus, diese Maske, etwas. Die Langsamkeit und bürokratische Bräsigkeit, mit der zb. auf bevorstehende katastrophale Ereignisse hingewiesen wird, mag solch ein Fingerzeig sein. Kurzatmiges Schönreden der meist überhonorierten „Entscheider“ samt ihrer "Berater" mag da auch nicht durchweg helfen: es ist zu merken, dass der Anzug, die Maske verrutscht ist. Abgehobenheit und Abstand werden dadurch deutlich. Sie fühlen sich "Premium" (natürlich, ohne dass sie dies jemals zugeben würden!!!) Aber nur die wenigsten ihrer „Wähler“ bemerken das in "der Politik" und deuten das kritisch.
Man muss an das Gute glauben ("Be positive") und alles andere ausblenden, so noch immer ein Glaubenssatz derer, die sich solche Verhältnisse leisten können. Es ist diese „Wirklichkeit“ komplett eine Inszenierung, an die die Vielen in „Wohlstand“ Lebenden nur zu gerne glauben. Dafür werden dann eigens dafür entwickelte Mechanismen entworfen, wie das „Lieferkettengesetz“, das meiner Meinung nach vor allem zur Beruhigung und zum Nutzen „der Wirtschaft“ entworfen wurde. Menschenrechte müsste man sich eigentlich leisten können: hierzulande scheint man das nur unzureichend zu tun. Alle Abläufe wurden jahrelang auf wirtschaftliche Effizienz und privatwirtschaftlichen Profit getrimmt. Der Nachteil für das Ganze, ob man das Gemeinschaft, Staat oder sonstwie nennt, stellt sich nicht erst jetzt heraus.
Donnerstag, 13. Januar 2022
Es schienen so golden die Sterne (Eichendorff)
Es schienen so golden die Sterne
Am Fenster ich einsam standUnd hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrennte,
Da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!
Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.
Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die überm Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht.
Mittwoch, 12. Januar 2022
Demokratie und Mündigkeit reloaded
Die Demokratie beruht auf der Idee des mündigen und informierten Bürgers. Mündigkeit bedeutet Selbstbestimmung. Aber es ist bequem, unmündig zu sein. Und die Bequemlichkeit, deren gezielte Herbeiführung, ist zu einer Leitidee der Wirtschaft geworden. Es soll alles bequemer gemacht werden. Dazu kommt, dass immer alle ihre Meinung äußern sollen und wollen. Das Nachdenken darüber aber scheint nicht sonderlich beliebt. Alle haben Meinungen, aber nur wenige denken. Demokratie ist auch die Vergesellschaftung von Herrschaft und die Unterwerfung des Staates unter den Willen der Bürger: alle sollen teilhaben am Prozess der Macht. Das Volk ist der Souverän. Das funktioniert im Idealfall, wenn die Bürger die Komplexität der gesellschaftlichen Aufgaben erfassen, was wiederum eine möglichst direkte und wenig verfälschte Information voraus setzt. Ob ein einzelner Bürger die Komplexität der Dinge zu erfassen vermag? Im vergangenen Jahrhundert gab es dazu in den USA eine große Kontroverse zwischen dem Journalisten Walter Lippmann und dem Philosophen John Dewey. Lippmann ging es darum, eine Form der Demokratie zu finden, die der Komplexität einer modernen Industriegesellschaft gerecht wird. Er sah die Lösung in einer Elitendemokratie, in der die Bürger periodisch Repräsentanten aus einem vorgegebenen Elitenspektrum wählen können. Lippmann lenkte seinen Blick auch auf die Rolle von Massenmedien in einer solchen Demokratie und wies dabei den „Think Tanks“ eine besondere Rolle zu. „Think Tanks“ sind vereinfachend dargestellt, Zusammenballungen von sogenannten „Experten“, die die ausführenden Eliten beraten solle, also Forschungsvereinigungen etc.
Der mündige Bürger galt ihm nichts. John Dewey sah sich in der Tradition der Aufklärung. Lippmann ging es darum, wie sich Macht möglichst effizient organisieren ließe. Dewey ging es darum, wie sich Macht wirksam begrenzen ließe. Lippmann sagte: Bürger haben weder Wissen noch Interesse, sie sind gekennzeichnet durch Ignoranz, Apathie und Vorurteile und haben einen Mangel an Denk- und Handlungsfähigkeit. Die breite Öffentlichkeit besehe aus unwissenden und lästigen Außenstehenden, deren Rolle in einer Demokratie die der Zuschauer sein müsse, nicht aber die von Mitwirkenden. Bürger dürften lediglich periodisch ihre Stimme einem der verantwortlichen Männer verleihen und sollten sich dann wieder auf ihre kleine überschaubare Privatwelt beschränken. Demokratie sah Lippmann als eine politische Formation, in der vor allem Experten bestimmte Probleme lösen. Demokratie kann in seinem Sinne (Und dem der heutigen Politiker?) nur funktionieren, wenn sie keine ist. Das ging dann später in eine neoliberale Demokratie über, der den „freien Markt“ zum kompetentesten Löser aller Probleme erklärt. Es geht in diesem Sinne darum, eine „marktkonforme“ Demokratie zu schaffen. Ob uns das nicht ein bisschen bekannt vorkommt? Bei Dewey hingegen hängt die Mündigkeit des Bürgers und seine Demokratiefähigkeit davon ab, dass ein öffentlicher Debattenraum intakt ist. Dewey: „Wenn der Bevölkerung die relevanten Informationen nicht unverzerrt zur Verfügung stehen und der öffentliche Debattenraum eingeschränkt ist, gibt es keine Möglichkeit, ein Urteil über die politische Kompetenz der Bürger abzugeben“. Ob uns das auch an die Aktualität, die Rolle der Gesellschaft und ihrer Informationsbeschaffer, der Journalisten, erinnert? Die Formung und Lenkung der öffentlichen Meinung jedenfalls scheint zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden zu sein. Hier gibt es keinen freien Diskussionsraum mehr, sondern ist etwas, was von einem ganzen Industriezweig, der PR, die als Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auftritt, geformt wird. Man müsse insofern die „notwendige Wirkung des vorliegenden Wirtschaftssystems auf das gesamte System der Öffentlichkeit“ untersuchen und fragen, „wie weit echte geistige Freiheit und soziale Verantwortung in irgendeinem größeren Umfang unter den Bedingungen der bestehenden Wirtschaftsordnung überhaupt möglich sind“. In diesem Sinne müsste also auch die Wirtschaft demokratisch organisiert sein. Das hat ein großer amerikanischer Philosoph des Pragmatismus geschrieben (!!)
Dienstag, 11. Januar 2022
Einsteller (MP3)
https://buranmann.bandcamp.com/track/einsteller
<iframe style="border: 0; width: 350px; height: 442px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/track=2186647872/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/transparent=true/" seamless><a href="https://buranmann.bandcamp.com/track/einsteller">Einsteller by Buranmann</a></iframe>Einsteller
Montag, 10. Januar 2022
Schein und Sein
Ich beobachte und nehme interessiert zur Kenntnis, wie gemäßigt "vernünftig" sich gewisse Diskutanden in gewissen Talkrunden äußern, - ganz im Gegensatz zu dem Bild, das man sich von ihnen über zahlreiche öffentliche Äußerungen in steilen Thesen hinweg gemacht hatte. Oder sie stellen ein Desinteresse zur Schau, das gerade deswegen so manchen Zuschauer befremdet, der extra wegen dieser Person dieses TV-Formats eingeschaltet hatte. Sich heraus halten, scheint als Devise dahinter zu stehen, man ist ja ein Individuum, das „darüber steht“. Man ist Berufs-Dandy. Man ist die Figur, die man spielt Man vermutet gründliches Nachdenken und entdeckt oberflächliches Schwadronieren, daher geplapperter Small-Talk. Es werden unwichtige und vom Moderator als große journalistische Investigation vorgeführte „Gemeinsamkeiten“ zwischen den einzelnen Teilnehmern der Runde vorgeführt. Es werden Pointen verbraten. Es wird scheinbar der wahre Mensch gezeigt, der ansonsten keine Rolle zu spielen scheint und aus dem großen Narrativ dieser Gesellschaft ausgeblendet ist. Jetzt bekommen wir das "wahre Gesicht" durch das geschickte Agieren der Moderation endlich mal zur Kenntnis. Trick: Alles wird personalisiert und zur Unterhaltsamkeit degeneriert. An dieser Stelle scheint mir eine rote Linie durch die Talkshows zu gehen. Dies Phänomen glaube ich insofern schon öfter beobachtet zu haben.
Sonntag, 9. Januar 2022
Mitternachtslied (F. Nietzsche)
O Mensch Gib acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
"Ich schlief, ich schlief-,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht:-
Die Welt ist tief und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh-
Lust, tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit-,
Will tiefe, tiefe Ewigkeit!"
(Nietzsche, aus „Zarathustra“)
Samstag, 8. Januar 2022
Dieter Roth (2)
War er ein Nihilist? Schwer zu beantworten. Jedenfalls ließ der Künstler Dieter Roth die Natur an seinem Werk mitwirken, dergestalt, dass er Vieles daran dem Verfall, der Fäulnis, der Verwesung und dem Schimmel aussetzte. Nicht nur dieser Zug macht ihn in meinen Augen aktuell und verleiht seinem Werk auch heute noch eine drängende Wichtigkeit, wobei wir ohnehin Gaga, Verfall, Düsternis und übertriebene Verrücktheiten mehr in unser Leben hinein lassen müssten. Dreck und Müll waren in sein „Werk“ eingewandert und übten dort eine eigene Kraft aus: jedenfalls bin ich keinem anderen „Künstler“ begegnet, der in seinen Werken mit einer solchen Vehemenz und Konsequenz diesem Thema nachging. Kunstwerke sollten in seinen Augen so sein, wie der Mensch: alt werden und sterben. Ernährung und Verdauung sollten darin ihre ureigene Rolle spielen.
In so etwas wie eine Wichtigkeit wollte er aber nicht hinein kommen, wie er als Universalkünstler nicht nur in seinen „Werken“ oft betont hat. Er war wohl eher ein Daseins-Spekulierer, der die Gefährdung unserer Existenz und die satirische Durchdringung der Wirklichkeit mit seinen Mitteln immer wieder heraus arbeiten wollte. Seine Umwelt nannte ihn dafür „Künstler“. Seine Wichtigkeit freilich bewies sich in unzähligen Ausstellungen, die ihm den Mantel des genialen Gestalters umlegten. Eine weitere Anekdote ist mir geblieben: so soll ihm in New York eine Professur verliehen worden sein. Seine eigenen Lehrveranstaltungen freilich hat er aber wohl nie besucht. Daraufhin soll er suspendiert worden sein. Noch eins: Seine Laufbahn als handwerklich orientierter Musiker soll er unter anderem dadurch beendet haben, dass er auf offener Bühne auf seiner Trompete herum trampelte und das Bruchstück schließlich in einem seiner „Werke“ verarbeitete. Er hatte dies Ende zu einem Happening gemacht. Aus, Schluss mit der Musik. Von da an ward er niemals mehr als Musiker auf einer Bühne gesehen. Wie es heißt.
Freitag, 7. Januar 2022
Geworfen sein
Aus meinem Buch mit dem Arbeitstitel „Zuhören“ stammt das Folgende: "Hilfe, Wo bin ich gelandet? Was hat das mit mir zu tun?“ Ich fühle mich wie ein Schlafwandler, der plötzlich aufwacht. Mein Scheitern, mein Abprallen, der Umstand, dass die scheinbar banalen Dinge das Leben verändern können, war mir nicht in den Sinn gekommen. Es wird mir klar: Mir werden die wichtigen Dinge immer erst zu spät klar. Ich verlege Sachen und finde sie anschließend nicht mehr. Ich werfe Sachen auf den Boden. Ich stürze. Ich verschreibe mich und weiß anschließend kaum mehr, was ich ursprünglich wohl gemeint hatte. Bis jetzt war es nie zu spät mit dem „Sich-klar-werden“. Immerhin. Es wird aber eines Tages zu spät sein.
Donnerstag, 6. Januar 2022
Dieter Roth (1)
Am Anfang hatte ich einen Film über seine Literaturverwurstung (In Hackgerät literarische Werke zerhackt und dann in Würtse gepackt) und seine Schimmelkunst gesehen. Das war nahe an dem dran, was ich mir vorstellen wollte. Ob es in unseren Zeiten etwas mit dem hochtrabenden Begriff „Kunst“ zu tun hatte, wollte ich mir nicht beantworten. Jedenfalls wurden Dieter Roths Werke in den großen Museen ausgestellt, was mir als Beweis dafür ausreichte, dass er es bis in den Olymp der Künste geschafft hatte (auch wenn er offenbar dauernd die Schreibweisen seines eigenen Namens abgewandelt hatte. So firmierte er als Diether Roth, nannte sich Rot oder sein Name verschwand hinter einem Gekritzel…. Ich sah Bilder von ihm und war von seiner anarchischen Kreativität fasziniert. Es rankten sich so manche Geschichtchen um sie, die der Urheber manchmal selbst in einer Mischung aus Verzweiflung, Selbstinszenierung und einem Hang zur primitiven Aktion herbei geführt hatte. Seine „Objekte“ aber waren oft dem Prozess der Verwesung ausgesetzt und mussten heftig gestunken haben. In der Staatsgalerie Stuttgart (in Stuttgart wirkte er von 1972 bis 1983) aber besichtigte ich einmal ein komplettes Arbeitszimmer von ihm, das unter anderem mit allerlei zeitgemäßen Gadgets wie etwa einem Kassettenrecorder ausgestattet war.
Der Mann betätigte sich als Universalgenie. Er wirkte als Maler und Dichter, als Filmer, Grafiker, Bücherproduzent und Herausgeber, als Musiker auch und als Performer. Ich besuchte eine Ausstellung von ihm, in der sein Buch „Scheise“ in einer beweihräuchernden Vitrine lag. Daneben der Band „Mehr Scheise“ und dann das Büchlein „Noch mehr Scheise“. Es lag eine Atmosphäre zwischen Melancholie, Ironie, Nonsens und Verzweiflung über seinen Werken, was der Kunstbetrieb freilich in gnadenloser Bewunderung zu ignorieren schien. In Berlin sichtete ich erstmals eine riesige und in ihrer Kunstgefälligkeit völlig nutzlose Garten-Maschine, von der mir starke Eindrücke hängen geblieben waren. Der Mann muss haltloser Trinker und ein Hätschelkind des Kunstbetriebs gewesen sein. Auch hatte er wohl eine wichtige Zeit seines Lebens in Island zugebracht, wo er offenbar auch als Designer gewirkt hatte.
Mittwoch, 5. Januar 2022
Dienstag, 4. Januar 2022
Valerie (39)
Montag, 3. Januar 2022
Die Luxusmenschen
Sonntag, 2. Januar 2022
Bildung - was ist das?
Immer noch zunehmend scheint sich ein Bildungsbegriff heraus gestellt haben, der stark technologisch geprägt ist. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte diese Entwicklung im Wahlkampf Deutschlands, in dem die Forderung auftauchte, Deutschland müsse „ein Volk von digitalen Dichtern und Denkern werden“. Dahinter scheint mir ein ziemlich instrumentelles Verständnis und Gelehrsamkeit zu stehen. Deutschland soll auf diesem Wege, der auch gerne mit dem Modewort „Digitalisierung“ beschrieben wird, auf möglichst geradlienigem Weg ein Volk von Programmierern und und Ingenieure werden. Doch was könnte die Bildung eines Menschen bedeuten, was könnte ein Ziel sein? Schon im 19 Jahrhundert bildete sich hierzulande ein Bildungssystem heraus, das in Vielem beispielgebend war und bis in die Gegenwart etwa Staaten wie den USA ein Vorbild abgab.Wieso? Weil es nicht in erster Linie zweckdienlich war, sondern viel eher dem Ideal der Aufklärung verpflichtet. Was aber kann Bildung aus dieser Tradition heraus bedeuten?
Es könnte in der Bildung ein Wissen einen wichtigen Platz einnehmen, das gerade nicht unmittelbar an seiner Brauchbarkeit für den Arbeitsmarkt gemessen wird. Man sollte seinen eigenen kritischen Geist entwickeln, eigenständig denken und damit die Welt in all ihrer Vielfalt entdecken. Gerade in Zeiten wie den jetzigen kann niemand voraussagen, mit welchen Herausforderungen es zukünftige Generationen zu tun haben werden. Gewisse Erkenntnisse sollten allgemein sein und Bildung ist mehr als Faktenwissen. Freude am Entdecken, sich begeistern an Rätseln und Fragen, Offenheit für überraschende Fragen, deren Beantwortung wieder neue Fragen hervor bringen können. So etwas könnte Ansporn sein, könnte die Gesellschaft vorwärts bringen und einen dazu bringen, die Welt in ihren Zusammenhängen besser zu verstehen. Die Neugier und die Möglichkeit, aus dem Entdeckten etwas Neues zu schaffen treibt den Fortschritt weiter. Erkenntnisse der Grundlagenforschung lassen neue Anwendungsmöglichkeiten vermuten, die unter anderem auch Eingang finden in Maschinen und Technologien.
Samstag, 1. Januar 2022
Freitag, 31. Dezember 2021
Donnerstag, 30. Dezember 2021
Lebenswelt und Neidfaktor
Andere Lebenswelten. Da sind beispielsweise die Personen, die sich jetzt vergnügen: im See, am Strand, beim Cocktail usw. In anderen Ländern. Sicher vor der Pandemie und anderen Gefahren abgeschirmt. Die das zur Schau tragen und sehr gut um den „Neidfaktor“ wissen. Überhaupt „Neid“. Der Begriff scheint nahezu jedem entgegen geschleudert zu werden, der irgendetwas nicht in Ordnung findet, was die finanziellen Verhältnisse in dieser Gesellschaft betrifft. Natürlich ist das ihrer Meinung nach moralisch verwerflich. „Aber anderswo ist es ja noch viel schlechter!“, so höre ich den reagierenden Verweis schon im Voraus. Ja klar, weiß ich. Aber an anderer Stelle hier in Deutschland will man doch hier besser als andere sein, nachhaltiger, entspannter, der Lage entsprechender und vorbildlicher. Alles, wie es gerade passt….so geht es mir durch den Kopf. Zumindest mir geht dabei durch den Kopf, dass es zumindest erstaunlich ist, dass da scheinbar alle mitmachen. Stillschweigend.
Mittwoch, 29. Dezember 2021
Selbstliebe, Narzissmus und Macht
Selbstliebe? Steht unter Verdacht. Könnte ja Narzissmus sein. Ausgelegt auf Verdrängung anderer Personen, zugunsten eigener Ambitionen. Hat was mit Durchsetzungskraft zu tun, mit Alpha-Tier und Leithammel. Sollte bloß nicht auf Optimierung oder „Selbstoptimierung“ hinführen. Möglichst. Egoismus oder Narzissmus würden zumindest in einer gewissen Ausprägung auch bedeuten, dass man das Ziel verfehlt hat. Egoismus als Selbstzweck. Das Gegenteil von Altruismus. Doch wir bräuchten so etwas. Wahrnehmung von anderen erhöht unseren Selbstwert. Hat ohnehin alles etwas mit Selbstwert zu tun, weil der Mensch womöglich ein soziales Wesen ist. Das und der Erwerb von Selbstwert hat vielleicht wiederum etwas damit zu tun, welchen Anspruch wir an uns selbst haben. Diese beiden Größen scheinen voneinander abzuhängen. Selbstakzeptanz ist wohl auch wichtig. So wie man ist, mit allen Fehlern und dem Versagen, sich anzunehmen. Mit allen Schwächen und Stärken. Lernen, damit zu leben, damit umzugehen. Selbstvertrauen ist wichtig. Zu wissen, was man kann, was man könnte. Seine Leistungen abrufen können, zum richtigen Zeitpunkt, das verlangt diese Gesellschaft besonders. Soziale Fähigkeiten haben: ein Netz um sich. Freundschaften pflegen. Mit solchen Leuten kann ich auch einüben und dann immer weiter üben, wie man mit anderen Leuten umgeht. Ob aber die Zahl der „Freunde“ in einem sozialen Netzwerk solche soziale Kompetenz und Fähigkeit zur Freundschaft anzeigt? Einerseits öffnet sich ein sehr viel größerer Kreis an Menschen, andererseits entsteht wohl eine Oberflächlichkeit des Vielen und Austauschbaren. Man kann mit Essen oder TV fehlende Freundschaft kompensieren, mit Drogen auch: Gesundheitsfeindliche Mechanismen. Selbstzerstörung.
Dienstag, 28. Dezember 2021
Montag, 27. Dezember 2021
I wanna take you higher
Sonntag, 26. Dezember 2021
Weihnachtsrituale
Heuchelei scheint mir angesagt im Streben nach generationenübergreifender Gemeinsamkeit an Weihnachten, selbst in Pandemiezeiten. Meist scheint sich diese Art der Gemeinsamkeit in sentimentalen Ritualen zu erschöpfen: Fressen, Saufen, Lieder singen... Am Ende ist man (wer?) froh, wenn die Verwandtschaft unter dem Absingen von Weihnachtsliedern wieder abhaut. Zuvor freilich sollte sie in diesen wirtschaftlich ungünstigen Zeiten möglichst eine gewisse Summe Geldes auf den Gabentisch gelegt haben, was als soziales Schmiermittel durchaus sehr gerne gesehen wird. Schließlich hat man sich genug der inkorrekten und nicht gerade "woken" Sprüche dafür anhören müssen und es will ja eine neue, unter den obwaltenden Umständen unterbrochener Lieferketten schwierig zu erwerbende Spielkonsole möglichst bald ausprobiert werden. Jaja, das alles beschreibt ein Klischee, das dennoch im Durchschnitt sehr verbreitet sein könnte, auch im (neu-)deutschen Familienleben.
Samstag, 25. Dezember 2021
Freitag, 24. Dezember 2021
Donnerstag, 23. Dezember 2021
Mittwoch, 22. Dezember 2021
Hot, very Hot
Schon erstaunlich, was wie und auf welchem Wege inzwischen in die bundesdeutsche Wirklichkeit eingewandert ist und dort als „normal“ gilt. Ich rufe eine Hotline an, muss erst mal über meine Tastatur wählen, was ich (nach Standardabfragen gestaffelt) will, muss dann erst mal von easy-listening-Musik begleitet lange warten (meine Zeit!), bis überhaupt jemand auf der anderen Seite reagiert. Diejenige oder derjenige stellt sich dann aber als völlig inkompetent heraus und kann auf jemand, der wie ich sich schon mit der Materie beschäftigt hat, wenig ausreichend reagieren. Man solle sich wenden an, man solle den und den anrufen, man solle…. ob diese Hotline nicht dafür eingerichtet wurde, um mir zu helfen? Sie scheint völlig ungenügend und weitgehend nach Kriterien der Personalkosten besetzt zu sein. Gewisse Firmen scheinen sich genau das leisten zu wollen, weil sie auf keinerlei Protesteinstellung ihrer „Kunden“ setzen. Es wird hingenommen, akzeptiert, es werden falsche Lösungen praktiziert, es wird versucht (während man auf indirekten Wege von gravierenden Frustrationen erfährt....), es wird sich nicht gewehrt.
Dienstag, 21. Dezember 2021
Montag, 20. Dezember 2021
Aufbruch (Songtext)
Sonntag, 19. Dezember 2021
Was hier in diesem Blog eine Rolle spielt - reloaded
Samstag, 18. Dezember 2021
Korrekt? (1)
Freitag, 17. Dezember 2021
Donnerstag, 16. Dezember 2021
Antrieb
Mittwoch, 15. Dezember 2021
Im Alter (Joseph von Eichendorff)
Joseph von Eichendorff, der große Romantiker, soll im Laufe seines Lebens katholisch und fromm geworden sein. Mal sehen, was er auf seine Art über das Alter zu sagen hat, wie er sein Thema umkreist und was daran romantisch ist: Die Erinnerungen an die Kindheit vielleicht, ein in der Romantik beliebtes Motiv? Das "Morgenrot der Ewigkeit" als das, was uns ziehen kann, vielleicht auch noch heute?
Im Alter
Wie wird nun alles so stille wieder!
So war mir's oft in der Kinderzeit,
Die Bäche gehen rauschend nieder
Durch die dämmernde Einsamkeit.
Kaum noch hört man einen Hirten singen,
Aus allen Dörfern, Schluchten, weit
Die Abendglocken herüberklingen,
Versunken nun mit Lust und Leid.
Die Täler, die noch einmal blitzen,
Nur hinter dem stillen Walde weit
Noch Abendröte an den Bergesspitzen,
Wie Morgenrot der Ewigkeit.
Dienstag, 14. Dezember 2021
Montag, 13. Dezember 2021
Sonntag, 12. Dezember 2021
Rolltreppe abwärts
Der Lebensstandard vieler Angehöriger der Mittelschicht bewegt sich auch hierzulande auf einer Abwärtskurve. Selbst mit einem guten Gehalt kann man sich heute in deutschen Großstädten kein Eigenheim mehr leisten, auch auf dem Land steigen die Lebenshaltungskosten, während traditionell angelegte Ersparnisse (Sparbuch, Bausparvertrag, Lebensversicherung, Betriebsrente) rapide an Wert verlieren. Das Geld verliert an Wert, an Aufstieg ist nicht zu denken. Man mag sich vorkommen, als stünde man auf einer Rolltreppe, die immer abwärts fährt, wo es auch nicht hilft, immer schneller nach oben laufen zu wollen. Und dann kommt bei vielen auch noch das Empfinden hinzu, dass sie nicht mehr reden, witzeln, sein dürfen, wie sie wollen, dass allerorten gesellschaftliche Stoppschilder aufgestellt werden, Signale der Corectness und moralische Stoppschilder. Der Boden wird also gleich an zwei Stellen brüchig. Mir schwant: Erst diese Verbindung von Ökonomie und Kultur facht den Unmut vieler Menschen so richtig an. Und manchmal genügt ein Sparwitz als Funke, um eine Protestfackel zu entzünden.
Samstag, 11. Dezember 2021
Für Georg Trakl
Freitag, 10. Dezember 2021
Tod und Person
Wo ist das Ende, wo ist der Tod? Für mich ist Tod nichts, was am Ende des Lebens passiert, sondern kann eine Einstellung zum Leben markieren. Manchmal. Er ragt hinein in unsere Existenz, in unser tägliches Leben. Er hält unsere mühsam zusammen geschusterte Identität zusammen. Einheit der Person? Zumindest gefährdet. Wer schon einmal sehr ernst krank war, weiß sehr unmittelbar, was ich meine. Der Tod begleitet uns täglich und hilft uns, unser Leben ein bisschen besser zu verstehen. Im besten Falle. Die Menschen wollen dem Tod möglichst aus dem Weg gehen, ihn ignorieren. Jeder Friedhof, jedes Altenheim ist ein Beleg dafür. Wir versuchen, ihn zu verbannen, ihn als letztes großes Tabu aus dem Alltag hinweg zu zaubern. Es gibt Gerüchte und Erkenntnisse, dass gewisse Firmen im Silicon Valley ihn hinauszögern wollen. Ob der Tod etwas ist, worüber man ganz im Sinne Wittgensteins nicht reden sollte? Etwas Unbegreifliches? Etwas Größeres als wir? Ich glaube, wenn du erkennst, dass die Zeit jede Minute, jeden Tag verrinnt, dass du keine Gelegenheit hast, gemachte Fehler zu korrigieren, dann erkennst du, dass du den Moment irgendwie festhalten solltest. Du hast eine Verpflichtung gegenüber dem Leben.
Donnerstag, 9. Dezember 2021
Im Leben sein
Das Folgende kommt aus meinem geplanten Buch:
Wir haben einen Sinn dafür, was unsere Existenz begründet, was ihr Grund sein könnte, wie wir auf die letzte Wirklichkeit bezogen sind. Man kann diese letzte Wirklichkeit auch Universum nennen. Oder das Leben. Oder die Wirklichkeit. Oder die Welt, oder die Natur. Aber man fühlt sich jedenfalls da hinein gestellt, ahnt, dass man ein Teil davon ist. Die Frage ist: wie sind wir darauf bezogen? Auf diese letzte Grundlegung. Ja, wir haben einen Sinn dafür. Er geht darauf zurück, dass am Grund unserer Existenz eine kollektive Antwort liegt. Jemand ist da, der uns hört und sieht, versprechen etwa Religionen. In uns und jenseits von uns. Beim Beten wird das deutlich: Man kann dabei nicht sagen, ob der Betende sich nach innen oder nach außen richtet. Beten ist eine ritualisierte Praxis, die eine Verbindung zwischen dem Innersten und dem Äußersten schafft. Es berührt mich und verflüssigt mich in meiner Verhärtung, es macht mich empfänglich. Religion beispielsweise schafft ein Bewusstsein dafür, dass wir mit dem Leben als Ganzes, mit Gott oder der Natur in einer Beziehung stehen. Mit der Kunst. Mit der Musik. Wichtig ist: Man weiß nicht recht, ob man nach innen oder nach außen hört.
Mittwoch, 8. Dezember 2021
Verpackung
Dienstag, 7. Dezember 2021
Valerie (38)
In der Vergangenheit hatte er dies Bewusstsein oft mit Hilfe von Drogen gesucht. Er hatte dabei aber festgestellt, dass für ihn dadurch die Tendenz bestand, von der Wirklichkeit eher weg zu kommen als sich ihr anzunähern: Er war zu oft außer sich und zu wenig in sich. Er wollte halt nicht nur die Traumwelt, sondern er wollte die Welt, die in ihr lag, kennen lernen. Er wollte den Mann am Fließband, den Mönch und den Zuhälter, den Albert Schweizer und den Marlon Brando, den Clown, den Aufsichtsratsvorsitzenden und viele andere finden. In sich. Er wollte ein paar mal „durch ihre Brille“ schauen, ihre Wirklichkeitssicht kennen lernen – eingedenk der Tatsache, dass er sie immer nur in ihrer Umwelt finden konnte. Er wollte den Menschen und nicht nur seine Masken finden, jene Masken, die das Ich dahinter aufsaugen konnten, die schließlich ganze Menschen zu ihrer Maske werden ließ. Er hörte in sich schon die Psychologen und Soziologen palavern. Er konnte sich ihre abstrakten Erklärungsmodelle ausmalen. Sie boten sie jeweils sich selbst an und erklärten das als die Rolle der Wissenschaft, Er hatte solch Gebaren inzwischen einigermaßen akzeptiert, als eine Methode, mit der Wirklichkeit umzugehen und diese Wirklichkeit immer besser zu verstehen. Man konnte auf diese Weise nahezu alles erklären und blieb doch, nachdem man hinter die Fassaden dieser Wissenschaft geblickt hatte, ratlos zurück.
Montag, 6. Dezember 2021
Otac Srusi Nasu Screcu (DAN I NOC = Zuhra B und ub)
Sonntag, 5. Dezember 2021
Samstag, 4. Dezember 2021
Kaufen
Der Terror des Kaufens hat eingesetzt. Ob man auch darüber mal neu nachdenken müsste? Ob es wirklich notwendig ist, unnötige Dinge zu kaufen, für die viel Energie verbraucht wurde und die schließlich beim „Endverbraucher“ zu einem einmal gebrauchten „Ex-und-Hopp“-Artikel werden (Um danach die Umwelt zu verpesten...)? Je nach Zielgruppe sind mutmaßlich auch Dinge wie Lastenfahrräder keine Lösung, denn ihre Herstellung hat unnötig viele Ressourcen verschlungen (immerhin weniger, als bei einem Verbrenner auto!!) und zieht womöglich „alternativ“ gesinnten Zielgruppen mit grün gewaschenen Versprechen das Geld aus der Tasche. Elektroauto? Ja klar! Aber nur die diejenigen, die es sich leisten können. Wenn das E-Mobil meine Zweitkiste ist, dann berührt es mich auch nur peripher, wenn die Zahl der Stromtankstellen viel zu gering ist. Also: Es scheint so zu sein, dass Elektrofahrzeuge zumindest jetzt noch etwas für begüterte Mitbürger ist, die sich durch ihr Geld gegenüber denjenigen, die sie bedienen, Bewegungsspielraum der Gelassenheit verschaffen. Die Medien mit ihren viel verbreiteten Bildern von glücklichen und gelassenen Menschen zeigen das ja sehr aufdringlich an, während andere Menschen sich fragen, wie sie die zügellos galoppierenden Preise in Deutschland zahlen sollen. Und was ist mit dem Recycling der auch bei E-Auto verbrauchten Ressourcen? Wird noch besser als jetzt gelöst, so tönt es von überall her. Vertrauen in die Technik wird dabei suggeriert, - gerade von denjenigen, die sich technikkritisch geben. Ob nicht die allgemeine Reduzierung von Konsum eine Richtung für diese Wirtschaft andeuten könnte?
Freitag, 3. Dezember 2021
Bilder von Weihnachten und Konsum
Jetzt stürmen Bilder von Weihnachten auf uns ein. Überlagert werden sie in Mitteleuropa von Corona-Ängsten. Jetzt wollte doch der Handel seine großen Weihnachtsgeschäfte machen….: Und schon wieder ist nichts! Der Glaube an die Machbarkeit der Dinge und Formbarkeit der Wirklichkeit hat Kratzer bekommen. Und dazwischen poppen lustig allerlei irgendwie erzeugte Bilder auf und nieder. Woher kommen die? In welchem Interesse stürmen sie permanent auf uns ein? Es sollen (noch schnell vor Weihnachten!) Artikel verkauft werden, Verträge abgeschlossen und teure Vereinbarungen getroffen werden. Damit die Wirtschaft „läuft“, bevor sie womöglich wieder in einem Lockdown versinkt. Zusätzlich glauben Handel und Industrie, das Konsumverhalten durch peinliche („wissenschaftliche“ Erhebungen haben bewiesen: es wird kaum etwas gespart, der Verbraucher wird durch allerlei Tricks übers Ohr gehauen...) Rabattaktionen anstacheln zu müssen. Werbung prasselt auf uns ein. Werbung verfälscht die Wirklichkeit, verbreitet Lügen und „Fake News“. Sie bringt „Verbraucher“ dazu, dass sie sich freiwillig unterwerfen unters Diktat des Konsums, nicht mit den rabiaten Mitteln der mittlerweile bekannten Diktaturen, die sich ihre Menschen nach Belieben zu formen scheinen. Der Mensch scheint halt dressierbar, sozialisierbar und programmierbar zu sein, egal, was die Freitheitsidiologien sagen. Und die Bilder sind hierzulande die große Manipulationsmaschine, die den Zusammenhang hier stützen.
Donnerstag, 2. Dezember 2021
Wirklichkeitsbauer
Es treten die Wisser auf: gut frisierte, schlagfertige spitzzüngige Vertreter einer gesellschaftlichen Formation, die sich in Demokratien gerne als „alternativlos“ gibt. Dabei gehen diese sich selbst so definierenden Vertreter einer vierten Macht im Staate mit den Fakten oft genug so um, dass es in ihre ureigene Weltdeutung passt, die natürlich alle „vernünftigen“ Menschen teilen sollen. Auch da sind oft clevere PR-Strategien dahinter! Gewisse Vertreter dieser Spezies gehen inzwischen sogar einen Schritt weiter, indem sie behaupten, dass Realität derart gestaltet sein solle, dass sie „Faszination“ ausübe, dass sie "emotional besetzt" sei. Und so scheinen auch ganze Geschichten mit handelnden Personen und allem Drum und Dran inzwischen frei erfunden und trotzdem als Wirklichkeit definiert. Von der Phantasie geliefert. Ein großes deutsches Wochenmagazin, das sich gerne für seine Wahrheitsliebe rühmt, lieferte unlängst sogar den peinlichen Beweis dafür. Im gesamten Flow ist das natürlich völlig egal. Der einstige Präsident einer Weltmacht führte es zudem unter dem Stichwort „Fake News“ länger vor, wie so etwas funktioniert. Er benutzte diese "Techniken" wohl vor allem zur Beschimpfung und Diskriminierung. Hinzu kommt, dass selbst die hoch eingeschätzte Wissenschaft nicht mehr so glaubwürdig daher kommt, scheint sie doch in Person und Sache auf diese und jene Art käuflich zu sein. Wer ein bestimmtes Gutachten mit einem bestimmten Tenor bei ihr bestellt, sollte jedenfalls ein offenes und gut bestücktes Portemonnaie haben.
Mittwoch, 1. Dezember 2021
Datensammler
Man soll nicht so viel Daten von sich heraus geben, gewiss. Man soll vorsichtig damit sein. Man soll sich überlegen, ob das wirklich nötig ist…..etc. Taucht aber im Gesichtskreis dieser in unser Inneres geschlüpften Mahner auf, dass man ohne die Abgabe von Daten kaum noch auf bestimmte Seiten kommt, dass gewisse Leistungen damit auch nicht zugänglich sind und dass man ständig zu irgendwelchen Zustimmungen erpresst wird? Ganz weit vorne scheinen mit solcher Datensammelwut die Medienhäuser zu sein, die Großverlage, die sich hinter ihrer Paywall verkriechen und nichts preisgeben, es sei denn, man selbst gibt seine Daten in aller Ausführlichkeit preis. Ob sie die Daten anschließend meistbietend verkaufen? Man hat jedenfalls auf solches Gebaren keinen Einfluss, denn seine Daten hat man ja längst preisgegeben…..Digital heißt, sie sind beliebig zu vervielfältigen und zu verchecken. Ob große Konzerne darin besonders gut sind? Ob wir das einfach so hinnehmen sollten? Ob dagegen etwas getan wird? Vielleicht von der EU, die ja immer solch große Töne spuckt?




