Reise durch Wirklichkeiten

Montag, 15. Juni 2020

Lockdown

Was war das für eine Auszeit? Lockdown. Ein Spuk, der vorbei huschte. Der akademische Mittelstand fühlte sich darin ganz wohl: er war es ohnehin gewohnt, daheim am Computer zu arbeiten. Das Geld floss für ihn auch. Er ist ja meist vom Staat und seinen Akademien angestellt, jedenfalls soweit er öffentlich in Erscheinung tritt. Für alle andern war das nicht so einfach: erst Kurzarbeitergeld und Bouzuka, dann drohende Arbeitslosigkeit und Schock im großen Stil, die Depression dessen, was man als Wirtschaft bezeichnet. Man selbst nahm das als Austritt aus dem wahr, was als „Normalität“ definiert ist. Eine Zeit lang war dann auch viel von der „Neuen Normalität“ die Rede, in der Weg uns führen würde. Jetzt scheinen sich die Ausbruchszahlen genauso beruhigt zu haben wie die Pressekonferenzen des Robert-Koch-Instituts. Die Wissenschaftler scheinen sich immer mehr gegenseitig zu zerfleischen, es gibt Hygiene-Demos und als neues Aufmerksamkeitsattraktion durchzieht das Wort „Rassismus“ unsere Gesellschaft: der Zeitweise Konsens ist dahin, ist weg, der alltägliche Streit, die nicht immer demokratisch ausgetragene Kontroverse prägt unsere Realität. Der Staat war eine Zeit lang stark, jetzt soll aber die private Wirtschaft mit alten Wachstumsidealen das Ganze wieder vorwärts ziehen. Klima- und andere Luxusdiskussionen sind vorbei, jetzt geht‘s wieder ums Wesentliche: Die Wirtschaft, Arbeitsplätze, machen und tun… dem blühenden Fortschritt mit riesigen Wachstumsschritten entgegen. Ob aber diese ökologischen Fragen nicht doch drängen? Ob sie einen noch ganz anderen Lockdown verursachen könnten? Ob wir zurück fallen könnten in alte Verhaltensmuster, der Barbarei, des gegenseitigen Killens, des Tribalismus….? Ob wir uns ein bisschen inspirieren lassen könnten von den alten Griechen und deren Ideal der Gelassenheit? Oder ob diese jungen Ökofexe von "Friday for Future" nicht doch etwas beitragen könnten zu einer neuen Zukunft, zu der wir noch die Kurve kriegen könnten?

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