Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
Donnerstag, 31. August 2023
Mein Blog
Meine Blogs wollen der Schirm, der Screen und, der Radar der Information sein, die uns zunehmend in verschiedenen Formen umschwirrt und sich uns aufdrängt. Dieser Schirm funktioniert wie mein Gehirn: Überprüfung und journalistische Verifizierung ist dabei allzu oft nicht möglich. Außerdem versuche ich, bestimmte Themen zu vermeiden: einfach, weil ich mich in ihnen unsicher fühle. Zudem vermeide ich möglichst Namen, weil ich die juristische Folgen fürchte. In allem sind wir ausgeliefert, sind auf das Gebotene angewiesen, suchen uns heraus, wählen etwas, deuten es nach unseren Möglichkeiten.
Wie etwas wirklich ist?: Wer weiß? Es kommt auf die Perspektive an. Ich versuche nach Möglichkeit zu vermeiden: das Einzelne, Konkrete, weil so etwas sofortige rechtliche Schritte gegen mich nach sich ziehen würde. Weil mir dies oft auch unwichtig und als unnötige Aufwertung des Aktuellen auf Kosten des Allgemeinen erscheint. Meine Gedanken, meine Gefühle, meine (subjektiven) Erfahrungen und Erlebnisse sind dabei unbedingte Ausgangsposition, - meistens nicht an dem Zeitgeist oder dem Aktuellen orientiert, - die ich in eine möglichst kompakte Form ohne Wahrheitsanspruch bringen will. Der genuine Journalismus praktiziert etwas anderes, das sich deutlich davon unterscheidet, was ich hier vorführen will.
My blogs want to be the umbrella, the screen and the radar of the information that is increasingly buzzing around us in various forms and is being forced upon us. This screen works like my brain: checking and journalistic verification is all too often not possible. Also, I try to avoid certain topics: simply because I feel insecure about them. I also avoid names as much as possible because I fear the legal consequences. We are at the mercy of everything, relying on what is offered, looking out, choosing something, interpreting it according to our possibilities.
How something really is?: Who knows? It depends on the perspective. I try to avoid as far as possible: the individual, concrete, because something like that would result in immediate legal action against me. Because this often seems unimportant to me and an unnecessary upgrading of the current at the expense of the general. My thoughts, my feelings, my (subjective) experiences are an absolute starting point - usually not oriented to the spirit of the times or the current situation - which I want to bring into a form that is as compact as possible without claiming to be true. Genuine journalism practices something different, which is quite different from what I want to present here.
Mittwoch, 30. August 2023
Dienstag, 29. August 2023
Sich herstellen
Du würdest gerne einmal die Zeit anhalten, festhalten. In dich hinein holen, was du schon einmal gelebt hast. Deshalb bist du so oft zu deinem Geburtsort gefahren. Deine Kindheit in dich herein holen. Eine ganze Persönlichkeit werden. Eine komplettere. Durch dich selbst. Trinkst in letzter Zeit zu viel. Ruinierst dich. Ob du das anderen Menschen abgeschaut hast? Der Rausch als Flucht? Vor dir selbst? Als Übersteigerungen dessen, was du gerne fühlen würdest? Die Vorlage trägt nur kurz und bricht dann heftig in sich ein. Es gibt kein Entkommen.
Du wiederholst dich, spulst dein Leben intensiver ab. Denkst an das Ende und die Versorgung. Wirst dazu gezwungen, wie zu so vielem. Du hast immer versucht, solche Zwänge zu integrieren und doch integer zu bleiben. Geht das? Schleichend korrumpiert es dich, so dass du es nicht merkst....
You would like to stop time, capture it. Bring into you what you have lived before. That's why you drove so often to your birthplace. Bring your childhood into you. become a whole personality. A more complete. By yourself. Been drinking too much lately. ruin yourself Did you copy that from other people? The intoxication as an escape? in front of yourself? As exaggerations of what you'd like to feel? The template only lasts for a short time and then collapses violently. There is no escape.
You repeat yourself, unwind your life more intensely. Think of the end and the supply. You're forced to do it, like so many things. You have always tried to integrate such constraints and still remain with integrity. Is that possible? Insidiously, it corrupts you so you don't realize it...
VorSitzender
Ob sich im sogenannten „Populismus“ auch Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien, Eliten und Intellektuellen ausdrückt, welche durch Netze aus Beziehungen und Abhängigkeiten in ihren jeweiligen Parteien bewehrt und mit der Arroganz der Macht ausgestattet vor allem den eigenen Vorteil im Blickfeld haben und nach dem Motto „Hilfst du mir auf diesem Themenfeld so helfe ich dir auf dem anderen Themenfeld“ viel zu oft faule Kompromisse (Kompromisse sollten das Wesen der Demokratie ausmachen) schließen? Kann so etwas verboten sein? Darf so etwas benannt werden oder muss es dem Bannstrahl des Korrekten zum Opfer fallen? Ob im Schoß der meisten Leute hierzulande immer noch ein Gespenst haust, das allen Aufklärungsmethoden getrotzt hat und sich mit seinem latenten Hang zur Gewalt nahe am Faschismus bewegt? Hinzu kommt die Anziehungskraft der vermeintlich simplen Lösungen, die eine ganze Nation zurück in bessere Verhältnisse beamen soll? Jüngst konnte ich am TV interessiert verfolgen, wie selbst ein Parteivorsitzender vom im deutschen Volk verdienten Durchschnittslohn sowie der Zahl der Insolvenzen keine Ahnung hatte. Auch sah sich ein Minister der aktuellen Regierung, der „von oben herab“ den Bau von LNG-Terminals als „notwendig“ verfügt und der zuvor in der umfragegestützten Beliebtheitsskala von ganz vorne nach ganz hinten durchgereicht worden war, offenbar durch breite Massen der Bevölkerung in seiner Politik bestätigt und sogar belobigt. Ob solche Gegebenheiten zur allgemeinen Politikverdrossenheit und einem Aufkommen des Faschismus beitragen?
Montag, 28. August 2023
Subjektive Empirie
Es geht darum, was man erkennt. Wenigstens für sich. Je älter man wird, desto mehr traut man seiner empirischen Erfahrung. Klar, man weiß, dass das nur eine winzig kleine Stichprobe ist, die möglicherweise begrenzten Aussagewert über das Ganze hat. Und doch wächst man in etwas hinein, dem man vielleicht aus gutem Grund misstraut, das aber einen zunehmenden Wert für einen selbst hat. Man hat schlichtweg dermaßen viele Erfahrungen angesammelt, dass man sich traut, das in den eigenen Erkenntnisprozess mit einzubeziehen. Man schaut damit anders in die Welt hinaus als in der Zeit, als man noch viel jünger war. Rein kognitiv. Natürlich ist man sich klaren darüber, dass die eigene soziale Herkunft die Wahrnehmung der Welt geprägt hat, dass die soziale Gruppe, in der man sich bewegt hat, zusammen mit den damit verknüpften Erfahrungen, uns stark geprägt hat: einer der Gründe, wieso man der eigenen Erfahrung jahrelang misstraut hat. Außerdem provozieren Eigenschaften von Menschen gewisse Erfahrungen, die dann wieder vom jeweiligen Menschen gerne verallgemeinert werden und seine Voreinstellungen bestätigen. Informationen im Einklang mit den eigenen Grundeinstellungen zu verarbeiten und gleichzeitig Gegenargumente auszublenden, entspricht vielleicht einem Grundbedürfnis und mag ein grundsätzliches kognitives Grundprinzip kennzeichnen. Dabei geht es wohl nicht nur am Rande um die Reduzierung von Komplexität.
It's about what you see. At least for yourself. The older you get, the more you trust your empirical experience. Sure, you know that this is just a tiny sample that may have limited value for the whole. And yet you grow into something that you may distrust for good reason, but which has increasing value to you. You have simply accumulated so much experience that you dare to include it in your own process of knowledge. You look at the world differently than you did when you were much younger. purely cognitive. Of course, one is aware that one's own social background has shaped the perception of the world, that the social group in which one has moved, together with the experiences associated with it, has strongly shaped us: one of the reasons why one distrusted his own experience for years. In addition, characteristics of people provoke certain experiences, which are then happily generalized by the respective person and confirm his or her preconceptions. Processing information in accordance with one's own basic attitudes and at the same time ignoring counter-arguments may correspond to a basic need and may characterize a basic cognitive principle. It's probably not just about reducing complexity.
Sonntag, 27. August 2023
Korruption
Ich frage mich, wieso Politiker immer so empfänglich für Korruption sind. Ist's die Machtfülle? Sind die Übergänge dermaßen fließend geworden? Das Phänomen ist wissenschaftlich oft untersucht worden. Mit keinerlei Folgen in der Praxis. Wer sägt solche Politikerie ab? Ein sogenannter Vize, einer, der sich schon längst und immer schon Hoffnungen auf die Nachfolge gemacht hat, einer, der wie einst Brutus ans eigene Fortkommen denken will? Nun gilt es für solche PolitikerInnen, Schätze zu plündern, Steuern raus zu hauen, zum Wohle der Lobbyisten zu handeln und - das Wichtigste! - zum Wohle des eigenen Egos samt Geldbeutels. Wieso kommen in gewissen Ländern die Mittel zur Absicherung gegen Katastrophen nicht bei den Bedürftigen an? Bund, Provinz, Land, Region und Städte scheinen sich als Verwaltungseinheiten ohnehin nicht grün zu sein. Es scheinen da auch noch ein paar andere, auch kriminelle Kräfte mitzumischen. Sie sorgen wohl für die „Lenkung“ des Geldstroms, - zum eigenen Nutzen und Frommen.
Wieso müssen alle Abgeordneten des deutschen Bundestags Luxus-Schreibgeräte einer bestimmten Marke ordern, - oft in großer Stückzahl? Wieso kommt so etwas angelegentlich und nur auf Druck heraus? Maskenverkauf etc., die Liste ist lang. Was ist das Gegenmittel? Erhöhung der Pauschalen zum Zwecke der Ablenkung von Korruptionsverdacht? Wieso haben immer noch so viele Lobbyisten freien Zugang zu den Entscheidern, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon erfährt? Ob so etwas zur Politikverdrossenheit, zum schlechten Image der Abgeordneten oder zum Gedeihen von rechten „Protestparteien“ beiträgt? Zur immer größer werdenden Distanz zwischen denen, die das Parlament darstellen und denen, die sie vertreten sollen und die eigentlich ihre „Chefs“ sind? Natürlich ließe sich die Korruptionsliste beliebig lange fortsetzen: Oligo X, OligoY (bloß keine realen Namen nennen!)… all die offensichtlichen Fälle, .. . who cares?
I wonder why politicians are always so susceptible to corruption. Is it the power? Have the transitions become so fluid? The phenomenon has been scientifically studied many times. With no consequences in practice. Who saws off such politics? A so-called deputy, someone who has long and always had hopes for the successor, someone who, like Brutus once did, wants to think about his own advancement? Now it is up to such politicians to plunder treasures, cut taxes, act for the benefit of the lobbyists and - most importantly! - for the benefit of your own ego and wallet. Why is it that in certain countries the funds for protection against catastrophes do not reach those in need? Federal, province, state, region and cities do not seem to be green as administrative units anyway. There seem to be a few other forces involved, including criminal forces. They probably take care of the "guidance" of the flow of money - for their own benefit and piety.
Why do all members of the German Bundestag have to order luxury writing implements from a certain brand - often in large numbers? Why does something like this come out casually and only under pressure? Mask sales etc., the list is long. What is the antidote? Increase in lump sums for the purpose of diverting suspicion of corruption? Why do so many lobbyists still have free access to decision-makers without the public finding out about it? Does something like this contribute to disenchantment with politics, the bad image of MPs or the thriving of right-wing “protest parties”? The ever-growing distance between those who represent Parliament and those who are supposed to represent them and who are actually their "bosses"? Of course, the list of corruption could be continued indefinitely: Oligo X, OligoY (just don't name real names!)... all the obvious cases, .. . who cares?
Samstag, 26. August 2023
Nach "Urlaub"
Wem Gott will die rechte Gunst erweisen, Den schickt er in die weite Welt; Dem will er seine Wunder weisen. In Berg und Wald und Strom und Feld (Eichendorff). Jetzt kommen sie zurück von ihrem Urlaub. Oder sie sind bereits zurück gekommen. Ob sie ihren Horizont erweitert haben beim Liegen am Strand? Sich aktivieren, sich bewegen? Dazu sollte man auf und davon? Reisen? Nun ja, auch das Klima-Thema kommt uns da dazwischen. Mir scheint es nicht mehr so naheliegend einfach zu sein, in irgendeinen Flieger zu steigen und fremde Horizonte anzusteuern. Flugscham, wo blieb und bleibt das? Für wen gilt sie? Henry Miller sagte: „Bleib hungrig nach Erfahrung, nach Wissen und Erkenntnis. Was das damit zu tun hat, sich vor den großen Touristentrophäenpunkten fotografieren zu lassen? Vor dem Eiffelturm, vor dem Zuckerhut, vor dem Capitol, dem Grand Canyon, vor Ankor-Watt und wie sie alle heißen.... Ob es einer gewissen Anstrengung bedarf, um dem Fremden näher zu kommen?
Freitag, 25. August 2023
Donnerstag, 24. August 2023
Zeugnis
Ich stoße bei meiner Aufräumaktion auf Zeitungsausschnitte, die ich alle als irgendwie wertvoll für mich und mein Bild von der Welt betrachtet hatte. Ich habe sie aufbewahrt und dadurch durch die Zeitläufte hindurch indirekt einiges über meine Motivation damals erfahren, weiß jetzt, dass ich den falschen Leuten geglaubt habe, bin damals zu gerne ihrer Einschätzung, ihrem Wehen im Wind des Zeitgeists aufgesessen. Es geht jetzt um die soziale Durchlässigkeit, um die Möglichkeit des Auf- oder Abstiegs, das mich höchstens theoretisch bewegt hat, unter anderem in einem Studium. Es geht um das Wort „Unterschicht“, das wohl so ungern in den Mund genommen wurde und das heutzutage mit allerlei technokratischen Ausdrücken umschrieben wird. Es geht um oben und unten, drinnen und draußen. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt scheinen die „feinen Unterschiede“ gepriesen worden zu sein, in Veröffentlichungen, Analysen, Verlautbarungen.
Es muss dies wohl einigermaßen direkt (heute würde man das als „disruptiv“ benennen) in eine Betrachtung des groben Unterschieds in Unten und Oben übergegangen sein, eine neue Betrachtung der sozialen Unterschiede, die die herabsetzende und verächtlich machende Bedeutung des Wortes ganz bewusst in Kauf nimmt und sie genauer betrachten will. Die Welt der Reichen und Superreichen, die InfluencInnen und Lamborghini-FahrerInnen, die uns mittlerweile täglich vorgeführt wird, war darin noch gar nicht vorgekommen und somit auch nicht aufgenommen. Eine „abgestumpfte Gleichförmigkeit“ treibe diese Unterschichtler an, mangelndes Bewusstsein dafür, was „das Leben“ einem bieten könne, wenn man nur wolle, so die Analyse. Lebensrisiken wie Arbeitslosigkeit, Alter, Krankheit könnten je nach Status und Position durch Bildung besser bewältigt werden. Es geht darum, an der Welt der Möglichkeiten teilzuhaben. Wie? Durch Bildung, - so hieß es. Wir glaubten das, irgendwie. „Selbständige Lebensführung“ und „Selbstoptimierung“ sind aber mittlerweile Werte, die deutlich mehr gefragt sind. Jeder sei seines Glückes Schmid, so heißt es heutzutage gerne den Neoliberalismus in seiner reinsten Form in sich aufnehmend. „American way of life“, gilt das noch? Vom Tellerwäscher zum Millionär? Ob das die Karotte ist, die dem Esel vor die Nase gehalten wird? Migration, Klima und „Wachstum“ sind inzwischen noch als oft umlaberte Problemherde dazu gekommen. Ob es noch eine „Zugehörigkeit für alle“ gibt?
When I'm cleaning up, I come across newspaper clippings, all of which I considered valuable in some way for me and my view of the world. I kept them and through the course of time indirectly learned something about my motivation back then, now I know that I believed the wrong people, I was too happy to be taken in by their assessment, their blowing in the wind of the zeitgeist. It's now about social permeability, about the possibility of promotion or relegation, which only moved me theoretically, among other things in a course of study. It's about the word "lower class", which was probably so reluctantly used and which is nowadays described with all sorts of technocratic expressions. It's about up and down, inside and outside. Up to a point, the "subtle differences" seem to have been extolled, in publications, analyses, pronouncements.
This must have passed fairly directly (today this would be called "disruptive") into a consideration of the gross difference between below and above, a new consideration of social differences that quite consciously accepts the derogatory and contemptuous meaning of the word takes and wants to take a closer look at them. The world of the rich and super-rich, the influencers and Lamborghini drivers, which is now being shown to us every day, had not yet appeared in it and was therefore not included. According to the analysis, a “jaded uniformity” drives these lower classes, a lack of awareness of what “life” can offer you if you really want to. Depending on one's status and position, life risks such as unemployment, old age and illness could be better managed through education. It's about being part of the world of possibilities. How? Through education, - so it was said. We kind of believed that. However, “independent living” and “self-optimization” are now values that are much more in demand. Everyone is lucky, that's what people like to say nowadays, absorbing neoliberalism in its purest form. "American way of life", is that still true? From rags to riches? Is that the carrot being held in front of the donkey's nose? Migration, climate and "growth" have now been added as trouble spots that are often talked about. Is there still a "belonging for all"?
Mittwoch, 23. August 2023
Was ist das?
Es gelingt mir immer noch nicht, das Gebaren verschiedener Politiker mit dem Spruch „so ist es halt“ zu akzeptieren. Zumindest will ich wissen, wer und was mich da bestimmt, wem da Gewalt übertragen wurde, wer sich als FunktionärIn des Staates ausgibt und sich dabei demokratisch legitimiert fühlt. Wenn es Meldungen gibt, nach denen zb. die in ihrer jetzigen Position nicht unbedingt "demokratisch" gewählte Frau von der Leyen (das Problem gilt für diejenigen, die sich als „Elite“ fühlen, mehr oder weniger, verborgen und offen) ihre Verfügungsgewalt im Hinblick auf Impfungen und SMS-Verhandlungen mit der Firma Pfizer überzogen haben soll, so glaube ich das zunächst nicht unüberprüft, d.h. ich muss selbständig versuchen, mir ein Bild dazu zu machen. Dabei ziehe ich vor allem „seriöse“ Quellen in Betracht, welche, denen ich einigermaßen vertraue.
Da gehen im öffentlichen Raum links und rechts hunderte von Millionen raus, addieren sich zu feschen Milliarden. Wo das wohl herkommt? Der Bundeskanzler jedenfalls scheint wunderbare Zeiten für Deutschland kommen zu sehen, Zeiten, die an die Nachkriegsjahre samt dem „Wirtschaftswunder“ erinnern. Im Übrigen trägt er öffentlich sichtbar seine weißen Hemden. Hm, was wir wohl dazu sagen sollen? Die Auszahlung des Klimageldes sei einstweilen „nicht möglich“, verkündet indessen die SPD-Obertante Saskia Esken im Fernsehen. Geht’s noch? In Zeiten von Inflation? Hm. In Upahl mit seinen 500 Einwohnern hingegen wird mit höherer Logik (in repräsentativen Demokratien ist da so geregelt: die jeweils nächste Hierarchieebene gibt den Ton vor….) „von oben“ verfügt, dass demnächst 250 Asylanten in dort aufgestellte Container einziehen sollen. Hm. Da geht so manches. Jetzt geht es noch um den Industriestrompreis, die Kindergrundsicherung und manches andere. Es geht noch.
Dienstag, 22. August 2023
Kopf gegen Gefühl
Notizen aus einem Tagebuch, tief in der Vergangenheit, -leicht frisiert und auf den heutigen Stand gebracht:
Ich sitze dem Nichts gegenüber und starre ihm in die Augen, beobachte, wie die Verhältnisse um mich herum mich verändern. Werde ich mich heraustretten können aus dieser Phase, die mich langsam aber sicher immer weiter dominiert? Ich will unbedingt etwas für die Gesundheit tun. Es bietet sich dafür viel an. Es ist alles bekannt, - nur, man tut's nicht. Man hat dafür wieder mehr Zeit zum Grübeln. Kopf gegen Gefühl. Vom Kopf her hätte man Chancen besser nutzen müssen. Besser. Optimal, nicht optimaler.....(das geht nicht). Doch irgendwas in mir sagt mir, dass ich's nicht tun sollte. Der Kampf in mir geht weiter! Vielleicht, vielleicht...darin besteht das Leben. Weiter, immer weiter, dem Tod entgegen.
X
X
Notes from a diary, deep in the past, slightly modified and brought up to date:
I sit facing nothingness and stare into its eyes, watching the circumstances around me change. Will I be able to step out of this phase that is slowly but surely dominating me? I really want to do something for my health. There is a lot to do for this. It's all known - only one doesn't do it. You have more time to ponder. head versus emotion. From the head you should have used chances better. Better. Optimal, not optimal.....(that is not possible). But something inside me tells me I shouldn't do it. The fight inside me goes on! Maybe, maybe... that's life. On, on and on, toward death.
Montag, 21. August 2023
Staatlicher Wille zur Macht
Ich erlebe die Form des staatlichen Umgangs mit mir als äußerst rücksichtslos und keiner Differenzierung fähig. Es werden standardisierte Antworten gegeben, standardisierte Verfahren werden angestrengt, es werden befehlsartige Anweisungen gegeben, denen mit ihrem unmissverständlichen Machtgehabe „Folge zu leisten“ ist. Anonyme Stimmen ersticken einen mit maschinengetriebenen Reflexen. Formulare werden ausgegeben und müssen „fristgerecht“ ausgefüllt zurück gesendet werden. Bürokratie rules auf allen Gebieten. Der Staat hat immer recht, auch in einem Rechtsstaat… Er beansprucht für sich das Machtmonopol, weil er ja der Ausdruck des Willens von allen ist, - im Idealfall. Ein mal in 4 Jahren wird dafür ein Kreuzchen auf einem Wahlformular gemacht. Doch angesichts dieser Realität erhebt sich in uns Protest: So haben wir uns das einst nicht vorgestellt! Wir strebten dem Ziel eines anderen Umgangs miteinander entgegen. Stattdessen suhlt sich eine abgehobene Machtelite in ihrem moralisch legitimierten Besserwissen! Verbote scheinen das Mittel ihrer Wahl, gesetzliche Vorgaben ihre Methode, eine Raumschiffmentalität ihr reichlich nachgiebiger Berührungspunkt mit der Realität.
I experience the way the state treats me as extremely inconsiderate and incapable of differentiation. Standardized answers are given, standardized procedures are attempted, command-like instructions are given that are "to be obeyed" with their unmistakable pomp. Anonymous voices choke you with machine-driven reflexes. Forms are issued and must be filled out and returned “on time”. Bureaucracy rules in all areas. The state is always right, even in a constitutional state... It claims the power monopoly for itself, because it is the expression of everyone's will - ideally. Once in 4 years a cross is made for this on an election form. But in the face of this reality, we protest: This is not how we once imagined it! We strived towards the goal of treating one another differently. Instead, a detached power elite wallows in their morally legitimate know-it-all! Prohibitions seem to be the means of their choice, legal regulations their method, a spaceship mentality their rather flexible point of contact with reality.
Sonntag, 20. August 2023
Mitbestimmung und Transparenz
Es gelingt mir immer noch nicht, das Gebaren verschiedener Politiker mit dem Spruch „so ist es halt“ zu akzeptieren. Zumindest will ich wissen, wer und was mich da bestimmt, wem da Gewalt übertragen wurde, wer sich als FunktionärIn des Staates ausgibt und sich dabei demokratisch legitimiert fühlt. Wenn es Meldungen gibt, nach denen zb. Frau von der Leyen (das Problem gilt für diejenigen, die sich als „Elite“ fühlen, mehr oder weniger, verborgen und offen) ihre Verfügungsgewalt im Hinblick auf Impfungen und SMS-Verhandlungen mit der Firma Pfizer überzogen haben soll, so glaube ich das zunächst nicht unüberprüft, d.h. ich muss selbständig versuchen, mir ein Bild dazu zu machen. Dabei ziehe ich vor allem „seriöse“ Quellen in Betracht, welche, denen ich einigermaßen vertraue.
Da gehen links und rechts hunderte von Millionen raus, addieren sich zu feschen Milliarden. Wo das wohl herkommt? Der Bundeskanzler jedenfalls scheint wunderbare Zeiten für Deutschland kommen zu sehen, Zeiten, die an die Nachkriegsjahre samt dem „Wirtschaftswunder“ erinnern. Im Übrigen trägt er öffentlich sichtbar seine weißen Hemden. Hm, was wir wohl dazu sagen sollen? Die Auszahlung des Klimageldes sei einstweilen „nicht möglich“, verkündet indessen die SPD-Obertante Saskia Esken im Fernsehen. Geht’s noch? In Zeiten von Inflation? Hm. In Upahl mit seinen 500 Einwohnern hingegen wird mit höherer Logik (in repräsentativen Demokratien ist das so geregelt: die jeweils nächste Hierarchieebene gibt den Ton vor….) „von oben“ verfügt, dass demnächst 250 Asylanten in dort aufgestellte Container einziehen sollen. Hm. Da geht so manches. Jetzt geht es noch um den Industriestrompreis, die Kindergrundsicherung und manches andere. Es geht noch.
Samstag, 19. August 2023
Freitag, 18. August 2023
Alternativlos Faktisches
Wo bleibt das Positive? Es ist und bleibt das beliebteste Totschlagargument, die Frage, die fast alles ruhig stellen kann: Auch das Aufbegehren, das Nichteinverstandensein mit allem, ja gerade das soll versiegen. Punktuelle Rebellion kann das Ganze friedlich voran bringen, indem ein ganz bestimmter Missstand in das Blickfeld der Macher rückt. Es geht hier möglicherweise um die Auflösung im Alternativlosen, diesem dumpfen Begriff. Alles scheint alternativlos, faktisch, ist gerechtfertigt durch sein bloße Hiersein. Besonders, wenn das "Alternativlose" sich selbst dazu erklärt. Man soll sich nichts anderes vorstellen, als gute Miene machen, unverbindliche Freundlichkeiten pflegen, lachen und lächeln, - so lange es (noch) geht. Uns geht es ja sooooo (immer noch soooo) gut, so das Mantra der Politiker und der Wirtschaftsbosse. Nachgeschobene Statistikzahlen scheinen das zu untermauern. Also seien wir zufrieden, denn wir sind ja statistikgläubig (erste Zweifel daran wurden schon irgendwie weggesteckt).
Ist die Frage noch erlaubt, wer mit dem „Wir“ gemeint ist? „Wir schaffen das“. „Wir kriegen das hin“. Damit verhält es sich ebenso.Wer ist wir? Die Deutschen? Teile der Deutschen. Was bedeutet "der Staat"? Eine uns zusammenfügende Klammer? Was ist das, "die Deutschen"? Wer gehört dazu und wer nicht? Zu welchem Zeitpunkt? Aus historischen, geografischen oder genetischen Gründen? Sind diese Fragen zu negativ? Darf man sie stellen und sind sie überhaupt zu beantworten? Oder soll das "der Markt" beantworten? Soll er überhaupt alles regeln und jede Frage beantworten? Erwarten wir von der Politik zu viel? Nun, vor allem, wir dürfen erwarten, dass sie nicht korrupt ist. Auch nicht im übertragenen oder sublimen Sinne. Wir wollen als Staat doch voran gehen. Wir zeigen’s den andern! Oder etwa nicht? Wir waren doch Exportweltmeister. Also exportieren wir möglichst auch die richtige Gesinnung. Hm wir haben halt spezielle historische Erfahrungen. Schlimme Menschen, die Mozart und Goethe mochten, haben schlimme Dinge getan. Aber auch ein besinnungsloses Umsetzen des Alternativlosen würde wohl überhaupt nicht mitteleuropäischer Tradition, Identität und Aufklärung entsprechen. Aufklärung hat wohl immer hinterfragt, angekratzt, kritisiert, gezweifelt - und hat versucht, sich in einem ständigen Prozess dadurch voran zu bringen. Ob das alles jetzt zu negativ formuliert ist? Für den Zeitgeist der unbedingten Bejahung? Des Genusses und unendlichen Spasses? Diese unbedingte Bejahung muss man sich schon leisten können, das steht fest. Es hat eine Basis im Faktischen. Und das ist......
Donnerstag, 17. August 2023
Mittwoch, 16. August 2023
Dienstag, 15. August 2023
Aufstieg gestern und heute
Ich versuche, alten „Kruschd“ zu ordnen. Dabei fällt mir ein Ausschnitt auf, dem wir damals womöglich geglaubt haben. Darin heißt es von einem „Experten“ thesenartig: „Beim Hochschulstudium ergeben sich die höchsten Gewinne“. Nun ja, ich überlege mir: von denen haben wir nichts mitgekriegt. „Selbst schuld“ würden uns da viele dem Neoliberalismus verpflichteten Leute sagen. 2. These: „Höhere Bildung verringert das Risiko der Arbeitslosigkeit“. Auch dies würden wir ganz klar bestreiten, scheint es doch vor allem für Absolventen bestimmter Studiengänge zu gelten. 3. „Die Behauptung, es gebe auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu viele Menschen, die studiert haben, ist falsch“: Nun ja, die Konkurrenz saß einem ein um das andere Mal unangenehm im Nacken, woran wir uns deutlich erinnern. Immerhin wird in diesem Artikel konzidiert: „Die größten Unterschiede beim Lebenseinkommen ergeben sich nicht im Hinblick auf Region oder Geschlecht, sondern bezüglich der Fachrichtung des Abschlusses“. Dem können wir nur zustimmen, verfügt die Masse der Tonangeber in dieser Gesellschaft doch über einen juristischen Abschluss. Die Geldwirtschaft wird in diesem Artikel auch noch genannt. Stimmt. Ein Plus an Lebenseinkommen solle sich daraus ergeben: mag sein. Wer sich freilich für einen Abschluss in einem geisteswissenschaftlichen Fach entschieden hat, für den gelten die genannten Rahmenbedingungen ganz und gar nicht. So mancher mag aus heutiger Sicht bedauern, sich jemals für so etwas entscheiden zu haben, etwas, was vor allem den finanziell gut gestellten Kreisen in dieser Gesellschaft, dem sogenannten „gehobenen Mittelstand“ nützen mag. Höhere Bildungsabschlüsse gehen systematisch mit höherem Monatseinkommen einher, mit einem geringeren Risiko, arbeitslos zu werden sowie insgesamt mit einem sechstelligen Zuwachs beim Lebenseinkommen. Alles Lüge, so wollen wir aus heutiger Sicht behaupten. Das Vorgetragene gilt nur für bestimmte Fachrichtungen, die vermeintlich besonders gut in ein vornehmlich technologisch oder juristisch orientiertes Bedürfnisprofil dieser Gesellschaft passen. Was fragwürdig genug erscheint, denn die Kategorie des Sinns fällt auf diese Weise aus.
Montag, 14. August 2023
Tod?
„Wenn man, so im täglichen Umgange, von einem der vielen Leute, die Alles wissen möchten, aber nichts lernen wollen, über die Fortdauer nach dem Tode befragt wird, ist wohl die passendeste, auch zunächst richtigste Antwort: „Nach deinem Tode wirst du seyn was du vor deiner Geburt warst“. Denn sie implicirt die Verkehrtheit der Forderung, daß die Art von Existenz, welche einen Anfang hat, ohne Ende seyn solle, zudem aber enthält sie die Andeutung, daß es wohl zweierlei Existenz sind und, dem entsprechend, zweierlei Nichts geben möge. - Imgleichen jedoch könnte man antworten: „Was immer du nach deinem Tode seyn wirst – und wäre es nichts, - wird dir alsdann eben so natürlich und angemessen seyn, wie es dir jetzt dein individuelles, organisches Dasein ist: also hättest du höchstens den Augenblick des Übergangs zu fürchten. Ja, da eine reifliche Überlegung der Sache das Resultat ergibt, daß einem Daseyn, wie das unsrige, das gänzliche Nichtstun vorzuziehn seyn wäre, so kann der Gedanke des Aufhörens unsrer Existenz, oder einer Zeit, da wir nicht mehr wären, uns vernünftigerweise so wenig betrüben, wie der Gedanke, daß wir nie geworden wären. Da nun dieses Daseyn wesentlich ein persönliches ist, so ist demnach auch das Ende der Persönlichkeit nicht als ein Verlust anzusehn...“
(zu finden in: Artur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung)
Seneca schrieb zum selben Thema: „Der Tod bedeutet die Tilgung jeglichen Schmerzes, und er ist die Grenze, über die unsere Leiden nicht hinausgelangen; er gibt uns wieder jenen Zustand der Ruhe zurück, dem wir vor unserer Geburt angehörten.“
Sonntag, 13. August 2023
Schwarmintelligenz
„Bat out of Hell“ sang einst Meat Loaf, es war neben der "Rocky Horror Picture Show" der Titel eines ganzen Albums, das seinen Mythos begründete. Wer? Meat Loaf? Nie gehört. Macht nichts. Wir waren in den Carlsbad Caverns in New Mexico, einem Ort mitten in der Wüste, mit einer Höhle, einem Schlund, einem Amphitheater und der Zufahrt dazu. Die Fledermäuse kamen gegen die Abendstunde, nachdem wir davor sitzend noch eine sehr anschauliche Einführung, ein Tutorial mitgemacht hatten. Zuerst ein paar Exemplare nur, dann immer mehr. Wir staunten. Und ich versuchte später, mich noch genauer zu informieren. Es war ein großartiges Beispiel für die heutzutage so viel gepriesene „Schwarmintelligenz“. Viele, ja manchmal Millionen von Fledermäusen, verlassen abends ihren Schlafplatz in der Höhle. Sie fliegen scheinbar wild umher. Der Eindruck täuscht, in Wirklichkeit sind sie wie in einem großen Organismus aufeinander bezogen und sehr wohl organisiert. Sie wissen immer, wo ihre Nachbarn sind und nach menschlichen Maßstäben unterhalten sie sich bei ihrem Ausflug über alles Mögliche. Manchmal greift ein Raubvogel den Schwarm an, auf der Suche nach einer scheinbar leichten Beute. Doch die Fledermäuse agieren dermaßen gut abgestimmt untereinander, gehen in dieser Organisation geradezu auf, so dass es sehr schwierig für einen Raubvogel wird- Lediglich die ausscherenden Fledermäuse, die Einzelgänger, die Außenseiter und nicht mit der Masse Abgestimmten, dürften ein lohnendes Ziel für sie abgeben. Plötzliche, gut abgestimmte und auf den sehr schnellen Austausch von Informationen beruhende Richtungswechsel des Schwarms verwirren die Angreifer. Die älteren, weiblichen Tiere sind Kundschafter und verlassen die Höhle zuerst. Dann folgen die Jungtiere. Die Spirale dreht sich immer in dieselbe Richtung, wobei Informationen aller Art ausgetauscht werden. Auch werden dabei Entscheidungen über die Route getroffen, basierend auf den Erfahrungen der Nacht davor. Dabei entsteht eine „Schwarmintelligenz“, die auf die einzelnen Individuen übergehen soll. Gerne wird jetzt eine Analogie zum Internet und dem dabei praktizierten Schwarmverhalten von Menschen gezogen. Merkwürdig, dass das plötzlich nicht mehr in aller Munde ist. War mal ein großes Thema. Schwarmverhalten soll das Verhalten der Vielen sein, die nach einfachen Regeln handeln. Auch Stichworte wie „Selbstorganisation“ dürften damit zusammen hängen. Es gilt, das kollektive Gedächtnis und die Überlegung eines Kollektivs erstehen zu lassen, die Vielen sollen sich zu einem einzigen Körper, zu dem Einen vereinen, das über den Individuen steht.
Samstag, 12. August 2023
Später
Manchmal fällt es einem schwer, sich zu verorten, sich zu bestimmen, sich zu suchen und dann zu finden. Aus meinem Buch mit dem Titel „Zuhören“ stammt das Folgende: "Hilfe, Wo bin ich gelandet? Was hat das mit mir zu tun?“ Ich fühle mich manchmal wie ein Schlafwandler, der plötzlich aufwacht. Mein Scheitern, mein Abprallen, der Umstand, dass die scheinbar banalen Dinge mein Leben verändern können, war mir zunächst nicht in den Sinn gekommen. Es wird mir nun klar: Mir werden die wichtigen Dinge immer erst zu spät klar. Ich verlege Sachen und finde sie anschließend nicht mehr. Ich werfe Sachen auf den Boden. Ich stürze. Ich verschreibe mich und weiß anschließend kaum mehr, was ich ursprünglich wohl gemeint hatte. Bis jetzt war es nie zu spät mit dem „Sich-klar-werden“. Immerhin. Es wird aber eines Tages zu spät sein.
Freitag, 11. August 2023
Jeder ist sich selbst der Nächste?
Ob das in diese Zeit passt? Ist sowas überhaupt ein Kriterium? Hegel sagte „Ich ist nichts Besonderes, ich ist auch jeder andere...“ . Ob darin etwas liegt, dass wir uns immer wieder klar machen sollten: Dass nämlich das Ego nicht alles ist, dass es im Leben vielleicht nicht so sehr darum geht, sich selbst zu verwirklichen, sondern dass dieses Selbst in einem Zusammenhang mit allem steht, auch mit der Natur, die ja sowieso auf mannigfache Weise in uns ist. Sobald wir uns regen und spätestens, wenn wir etwas zu uns nehmen, treten wir in einen Austausch mit unserer Umwelt, unseren Mitmenschen. Wir sind ein Teil der Natur und die Natur ist ein Teil von uns. Da ruft ein Bekannter an und will uns einladen, mitschleppen zum Konzert einer Band, die er ganz besonders toll findet. Klar, er will uns etwas Gutes damit tun. Das fällt wohl jedem ein. Doch will er uns nicht auch ein bisschen das zeigen, uns bestenfalls überzeugen davon, was er für richtig und toll hält? Geht es um die psychische Unterstützung und Kräftigung eines anderen Egos, das im Besitz eines von ihm selbst so wahrgenommenen ganz besonderen Wissen ist? Dieses „Wissen“ kann ja auch einem kurzfristigen Spleen entspringen, einer der persönlichen Phase geschuldeten Befindlichkeit, einem Bedürfnis, das in diesem Falle durchaus nicht meines werden muss. Autismus? Egoismus? Egomanie? Okay. Der Neoliberalismus prägt uns, ohne dass wir das so wahrnehmen. Jeder scheint sich selbst der Nächste, flüstert uns unsere Umgebung zu. Ein klein wenig sollten wir aber auch unsere Umwelt im Auge behalten, von der wir abhängen, der wir zugetan sind oder nicht, mit der wir uns spirituell verbunden fühlen, als einem Teil unseres Selbst. Natürlich lebt es sich als Ego-Rammbock einfacher und materiell reicher. Doch innerlich reicher, - und dieser Wert wird im Laufe eines Lebens immer wichtiger, - lebt es sich mit offenen Augen und klarem Bewusstsein für unsere Umwelt und unsere Mitmenschen.
Donnerstag, 10. August 2023
Tränen um Hawaii
Ich weine um Hawaii. Als ich damals dort war, schrieb ich mir Folgendes auf: „Das Meer: Da ist Hawaii und das große Blau. Die verführende Gleichgültigkeit. Die Träume, Albträume vom Tsunami. Die zum Himmel hoch sich aufbäumende Flut. "Here comes the flood". Man möchte sich hineinstürzen und hat doch nur Angst davor. Ein Psychologe würde seine Schlüsse daraus ziehen. Alles ist friedlich. Es regt sich nichts. Und doch birgt das bedrohliche Möglichkeiten der Wildheit in sich. Jener Traum, ob er eine Rolle spielt? Wenn die Welle näher kommt, erst von ferne, dann, unglaublich, immer näher an dich heran, du glaubst es nicht, sie kommt noch näher, sie wird höher und höher, sie wird haushoch und noch höher, sie überspült dich und sie dringt nun ein in mich. Ich spüre das Wasser, wie es mich einhüllt. Ich vergesse das Atmen und werde panisch. Ich bin allein im Element. Im Kosmos. Es wird meine letzte Minute sein. Ich gehe unter. Die Luft, mir fehlt die Luft. Es drückt auf der Lunge. - Ich wache auf im schönsten, strahlendsten Blau.“
Mittwoch, 9. August 2023
Schönheit oder Beauty?
Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Haha, Binse. Könnte jeder sagen. In der Bibel hingegen steht: „Du bist wunderbar gemacht“. Das kommt schon eher, auch wenn es gegen den jetzt herrschenden Zeitgeist verstößt. InfluencerInnen geben role Models aus. Man sollte als junge Frau mindestens einen Arsch wie Kim Kardashian haben. Großer Busen, aufgespritzte Lippen und Puppennase sind Pflicht, so denken diese junge Frauen, die statistisch gesehen immer noch jünger werden und manchmal erst 9 sind. Soziale Medien mit ihren „Likes“ machen es ihnen vor, üben ein, geben ein Vorbild aus, führen ein, fordern heraus. Ach, du bist pretty, ein Model! Selbstbewusstsein ahoi! Ach, weil du genauso aussiehst, wie es die Industrie dir vormacht? Schönheits- und Modeindustrie verdienen sehr viel Geld damit, jungen Frauen ein schlechtes Gewissen zu machen. Alles vorgestanzt, getäuscht, gestaltet, gemacht, der Schein regiert ohne Identität. Klamotten müssen gekauft, vorgegebene Haltungen müssen eingenommen werden. Nase, Brüste, Lippen, Fettabsaugung kosten etwas. Kann sich nicht jeder leisten. Repräsentieren deswegen auch sozialen Status. Und Superstars demonstrieren mit ihren designten Nippeln, mit filigran gestylten Frisuren unbedingte Glückseligkeit, sorgfältig gefilterte Schönheit in einer überwältigenden Überflutung von Reizen. Als SchrittmacherInnen. Sie greifen sich in diesen Schritt, spielen mit Sex, zeigen ihre Unterwäsche her, spielen mit ihren Reizen, wackeln gekonnt sexy mit dem Arsch - lassen aber nix an sich ran, - was die tobende Kundschaft noch mehr reizt. So funktioniert offensive Werbung! Wer nimmt sowas ernst? Frauen, die Erfolg haben wollen. Die so wie der Superstar sein wollen. Ob sowas mit ekligen After-Show-Parties zu tun hat, ob es gar darauf hinführt? Die Person als sich selbst auslieferndes Subjekt? Entfremdet und menschlichen Kontakt kaputt spielend? Ins Perverse hinaus treibend. Auf Macht basierend. Balzverhalten. Hedonismus rocks, - wirklich? Sex & Drugs & Rock’n Roll – oder die Karikatur davon? Nun ja, Fußballspielern wird ja auch jeder Wunsch von den Lippen abgelesen. Aber wehe, sie bringen keine Leistung! Der Leistungsfetisch rules!
Dienstag, 8. August 2023
Wissenschaft als Religion
Es gebe keine Veränderung des Abstands zwischen Arm und Reich, behaupten interessierte Kreise und führen dazu regelmäßig scheinbar objektiv belastbare Statistiken ins Feld. Ja wie nun? Ob uns da nicht eine Skepsis angesichts dieser Wissenschaftshörigkeit befällt? Ist Wissenschaft etwas beliebiges? Ist sie Interessen ausgesetzt, ja gelegentlich davon sogar beeinflusst? Kann das sein? Darf das sein? Ob gewisse „wissenschaftliche“ Aussagen nicht regelmäßig gekauft sind, ob „die Wissenschaft“ nicht auch korrupte Seiten hat? Theorie und Empirie, ein schwieriges Verhältnis?
Ob ein statistischer Durchschnittswert auch gelebt wird? Das primitive und sehr anschauliche Beispiel dazu lautet: jemand hat ein Einkommen von 1000 Euro. Ein anderer hat 1 Euro. Über 5 Jahre hinweg hat die erste Person einen Einkommenszuwachs von 10 Euro, verdient nun also 1010 Euro. Das Einkommen der ersten Person stagniert in diesem Zeitraum und bleibt gleich. Rein statistisch ist es diesen beiden Personen dann besser gegangen, ihr Einkommen hat sich erhöht. Blöd nur, dass dies ausschließlich für eine der beiden Personen zutrifft, für die andere nicht. Ob sich's ähnlich mit der Einkommensverteilung in Europa, insbesondere in Deutschland verhält? Neulich musste eine Tafel ihren Dienst wegen Überlastung einstellen. Im öffentlichen Fernsehen kam ein kurzes Interview dazu, in dem eine verantwortliche Person die Entwicklung zu kennzeichnen versuchte. Man habe, so diese Person, mit ein paar hundert (die genaue Zahl wurde genannt) zu betreuenden Personen begonnen. Mittlerweile sei man bei 18 000 („gefühlt“ aus der Erinnerung genannt) und würde diesen Zuwachs einfach nicht mehr bewältigen. Ob so etwas einen Seitenblick wert ist? Ob dies einen Aussagewert über die reine Stichprobe hinaus hat? Ob es ein Auseinanderdriften bedeutet? Ob wir wirklich eine immer extremer werdende Kluft zwischen Arm und Reich haben? Ob auch dies jenen Populismus produziert, der jetzt parlamentarische Demokratien auf der ganzen Welt bedroht? Wenn sich auf der einen Seite irre Reichtümer häufen und andere von Monat zu Monat, von Woche zu Woche, von Tag zu Tag kämpfen müssen, um mit ihren Einkommen auch nur die wesentlichsten Ausgaben bestreiten zu können. Sparen bei Strom und Ernährung: ob angesichts dessen das Label „Bio“ ein bisschen allzu leicht zu propagieren ist? Tatsache ist, das man sich selbst dieses fragwürdige Logo „Bio“ leisten können muss. Es bedeutet ja meist eine Mehrausgabe, die selbst beim sparsamsten Kurs nicht von den anderen Ausgaben abgezwackt werden kann. Da ist es womöglich leicht, locker vom Verschieben von Prioritäten zu schwadronieren. Urlaub, ein Luxusgut? Für die einen Bestandteil des Alltags, für die anderen unerreichbarer Luxus. Ob das Zeichen sind, Signaturen, oder ob es rein zufällig wahrgenommene Dinge sind, die keineswegs zu verallgemeinern und ins noble Reich der Wissenschaft zu heben sind?
Montag, 7. August 2023
Für Fortschritt
Ein superscharf aufgenommenes Foto einer lasziv verführerisch lächelnden Dame. Sie trägt Brillanten. Collier. Armband. Ring. Der Hintergrund verheißt Großzügigkeit: Eine große leere Fläche. Umblättern: Eine Uhr in Großaufnahme. Natürlich „limited edition“, wie im Text knapp verkündet wird. Auf den folgenden Seiten des Hefts folgen weitere Uhren. Scheint wichtig zu sein. Für den Status? Sich zeitlich verorten können? Wohnkultur. Eine Weinflasche, exklusiv. Supersaubere Fabrikhalle mit allerlei Installationen. Soll für den Fortschritt stehen. Maschinenbau. Künstliche Intelligenz und Kreativität.
Sonntag, 6. August 2023
Frauenfußball
Zuerst haben sie die deutschen Kickerinnen empor geschrieben und geadelt, haben Porträts verfasst und Lobeshymnen zelebriert. Sie waren ohne Zweifel die Besten, sie würden WeltmeisterInnen werden und brauchten das nur zu bestätigen. Außerdem passt sie für gewisse Leute in die Trends des Zeitgeists, Frauen waren ja auf der ganzen Linie auf der Überholspur. Sie wurden wegen ihrer Natürlichkeit beweihräuchert und wegen ihrer Kampfkraft angehimmelt. Sie spielten „das Andere“ und gewannen dafür immer mehr Publikum. Gleichzeitig wurden andere Seiten, die nicht so populär an ihnen, den JournalistInnen aber wohlbekannt waren, verschwiegen. Man gab Parolen aus, gab sich selbstbewusst. Man trug zwei Sterne am Revers. Gute Stimmung. Ausflüge. Alles andere als ein weiterer Weltmeistertitel würde nicht genügen, darüber war man sich einig.
Und nun dies. Leere Gesichter in Trauer, „Emotionen gehören dazu“. Das Fest der deutschen Überheblichkeit („Deutschland über alles in der Welt…“ und „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“) ist vorüber. Die Parallelität zum Männerfußball war frappant, die Parallele zur Politik in Deutschland noch nicht erkannt oder nicht gewollt. Es wurde angefangen, - wie damals bei den Männern! – an gewissen strukturellen Problemen herum zu labern. Doch es änderte sich nichts. Das „Gap“ musste geschlossen werden, so die eine Seite. Kampfkraft, körperlicher Einsatz und Konzentrationsfähigkeiten mussten unbedingt wiederentdeckt werden, so die andere Seite. Die Außenministerin gab ihren Segen, der Bundeskanzler war „berührt und bewegt“, nach dem Wettkampf sei vor dem Wettkampf. Er sah aber auch „ein nächstes Mal“ kommen.
Samstag, 5. August 2023
Was war noch einmal....?
Ein lange vergessener Begriff? Geht jetzt gar nicht, da Wachstum alles ist und Fragen unangenehm. Obsoleszenz hat auf sehr direkte Weise mit dem Bestreben nach Profit zu tun, dem Hauptanliegen von Managern eines Produktes. Wenn ich die Qualität dieses Produkts langsam sinken lasse, wenn ich z.b. Kunststoff statt Metall verarbeiten lasse, was tendenziell billiger ist und auf diese Weise die Kosten senkt, so spare ich ein und senke die Qualität des Produkts, ohne dass es der Konsument merken kann. Der Wettbewerber macht natürlich genau dasselbe. Der Konsument müsste, um die Qualität eines Produkts halbwegs glaubhaft abschätzen zu können, Parameter wie „Betriebszeit bis zum möglichen Defekt“ kennen. Da er dies aber nicht tut, ist er den Mechanismen des gewollten Verfalls schutzlos ausgeliefert. Was ist ökonomische Logik dabei? Beispielsweise: ein gesättigter Markt. Wie kann ich den Profit anheben? Durch die schlechtere Verarbeitung von Produkten, durch die Einsparung bei den verarbeiteten Teilen, was eine unmerkliche Abwärtsspirale in Gang setzt, die zur Folge hat, dass Produkte immer schneller defekt sind und ersetzt werden müssen. Einzige Bedingung: der Kunde darf es nicht merken. Denn ansonsten würde er zur Konkurrenz wechseln, die dasselbe Spiel jedoch schon längst auch praktiziert. So können die nach außen (im „Markt“) sichtbaren Kosten gehalten werden und der Gewinn kann trotzdem gesteigert werden.
Freitag, 4. August 2023
Wieso und was erkennen wir wann?
Es geht darum, was man erkennt. Wenigstens für sich. Je älter man wird, desto mehr traut man seiner empirischen Erfahrung. Klar, man weiß, dass das nur eine winzig kleine Stichprobe ist, die möglicherweise begrenzten Aussagewert über das Ganze hat. Und doch wächst man in etwas hinein, dem man vielleicht aus gutem Grund misstraut, das aber einen zunehmenden Wert für einen selbst hat. Man hat schlichtweg dermaßen viele Erfahrungen angesammelt, dass man sich traut, das in den eigenen Erkenntnisprozess mit einzubeziehen. Man schaut damit anders in die Welt hinaus als in der Zeit, als man noch viel jünger war. Rein kognitiv. Natürlich ist man sich im klaren darüber, dass die eigene soziale Herkunft die Wahrnehmung der Welt geprägt hat, dass die soziale Gruppe, in der man sich bewegt hat, zusammen mit den damit verknüpften Erfahrungen, uns stark geprägt hat: einer der Gründe, wieso man der eigenen Erfahrung jahrelang misstraut hat. Außerdem provozieren Eigenschaften von Menschen gewisse Erfahrungen, die dann wieder vom jeweiligen Menschen gerne verallgemeinert werden und seine Voreinstellungen bestätigen. Informationen im Einklang mit den eigenen Grundeinstellungen zu verarbeiten und gleichzeitig Gegenargumente auszublenden, entspricht vielleicht einem Grundbedürfnis und mag ein grundsätzliches kognitives Grundprinzip kennzeichnen. Dabei geht es wohl nicht nur am Rande um die Reduzierung von Komplexität.
Donnerstag, 3. August 2023
Reisen erweitert den Horizont?
Es ist wohl so eine Sache mit dem Reisen. Gewisse „Experten“ wollen uns einreden, dass das neue Reisen das „Bleiben“ sei. Alles recht und gut, ich soll/muss auch hier bleiben. Okay, aber ich habe diverse Reisen hinter mir, habe mich bemüht um meine Reiseziele, habe mich teils jahrelang informiert, habe vor- und nachbereitet sowie mich intensiv befasst. Was ist mit solchen Leuten? Sollen die auch nicht mehr reisen, sollen die sich möglichst gar nicht mehr vom Fleck bewegen, um CO2 einzusparen? Könnte es auch sein, dass Reisen ein bisschen den Horizont erweitern kann, dass man sich mehr als Weltbürger empfindet und eine gewisse Enge hinter sich lassen kann? Dass man auch über die Natur und ihre Geschöpfe sehr viel mehr direkt erfahren kann? Dass man Respekt gegenüber dem Andern empfindet? Jaja, der meist gepflegte Urlaub geht solchen Interessen nicht nach. Was aber ist mit der Minderheit, die solch geschilderte Reisen unternehmen und dadurch ihren Horizont erweitern will? Soll die sich der „political correctness“ ergeben und sich im Übrigen auf Fernsehberichte stützen?
Mittwoch, 2. August 2023
Aktuelles
Wenn ich in Musks Social Media-Spielzeug rein schaue, habe ich das Gefühl, dass alles zerfleddert: Habeck fährt Deutschland mithilfe seiner Gesinnungsgutmenschen wohl an die Wand, ansonsten ist nicht nur von seiner Seite „Vetterleswirtschaft“ angesagt, alles andere (was im Gegensatz zur herrschenden Doktrin stehen könnte) wird als „moralisch“ verteufelt, was ja wohl der schlimmste aller schlimmen Vorwürfe ist, Elektro-Mobile brennen lichterloh und sind nur sehr schwer zu löschen (was schon lange bekannt ist), eine faschistische Partei steigt in Deutschland (!) immer mehr in der Wählergunst, die „öffentliche Meinung“ ist an „Profis“ „verkauft“, das Elektroauto wird aus Gründen der Koalitionsdisziplin immer weniger subventioniert, die Ladeinfrastruktur ist ja sowieso nicht ausgebaut, keiner weiß ja, wo der Strom in Zukunft herkommen soll (Wasserstoff?), die Inflation galoppiert noch immer, die Bahn bewegt sich trotz 49-Euro-Ticket in allen Belangen vom Bürger weg, ein Klugscheißer-Generalsekretär redet Unsinn und bezeichnet eine Fernsehfigur als „großen Philosophen“. Es werden Abstimmungen darüber veranstaltet, was einem am besten gefällt. Hintergedanke: Konsumentenbindung erhöhen! Für alles gibt es Hintergedanken der Mächtigen.
Dienstag, 1. August 2023
Nachruf auf Mensch(en)
Scheise, jetzt ist auch noch der und der gestorben! Nachrufe! Ein Gesicht, eine Person, die uns getroffen hat, die in unseren Alltag gekommen ist, die sich hinein geschlichen hat, aber auch mit einer großen und manchmal waghalsigen Inszenierung seiner Person. Wir erfahren das Individuelle. Das Individuelle? Dies Individuelle scheint ja auch auszusterben. Einzelne Charakter haben keine Chance mehr. Auf allen Gebieten. An ihre Stelle sind Kollektive getreten, Avatare, Think Tanks, Konzerne, Verbände mit ihren Vertretern, Medienagenten der Agenturen, aus denen heraus Meinungen geäußert werden, die aber keine Wagnisse hervor bringen, umgrenzte Verhaltensmuster, auf Personen gerichtete Ideen. Was gilt, ist die verkaufsträchtige Idee. 2023 war bis jetzt ein furchtbares Jahr, so höre ich allerorten den gängigen Klischees entsprechend. Doch es ist zu befürchten, dass 2024 nicht besser wird. Sie gehen alle, in Aleppo und Bucha sind sie namenlos gestorben, hierzulande haben sich andere in Prominenz gesonnt.
Je mehr die Welt grauer und anonymer wird, desto verspannter und verzweifelter werden die Ersatzgesichter gesucht, auf die etwas eigenes projeziert werden kann. Auf allen Gebieten ist die Suche nach Identität und Personalisierung angesagt, die D-Prominenten rücken mit zerstreutem Geschwafel nach vorne, - oder sind sie inzwischen B-prominent? Fußballspieler gewinnen Namen mit Gesichtern, um dann mit Kohle überschüttet zu werden, die viele dann auch noch in Steueroasen verfrachten oder mit seltsamen Beratern durchbringen. Ratgeber aller Kanäle weisen den Weg zur Selbstverwirklichung. Coaches sind in, Berater sowieso. Es langweilt uns. Orientierungssuche ist angesagt. Diverse Tv-Sendungen werden uns bald wieder mit ein paar heruntergekommenen Figuren überraschen, die im medialen Ausgeliefertsein menschliche Züge gewinnen sollen. Das ist die neue Realität, die sich genau in diesen Zügen wohl noch weiter verstärken wird. Wüste ist angesagt, graues Machen und Tun, ungewisse Zuordnungen, Chatcpt, KI. Von Menschen als gestylten, „gemachten“, anonymen Gegenständen.
Montag, 31. Juli 2023
Unter
Sich aus selbst gewähltem Entschluss da rein finden, in Abhängigkeiten, in ein Abhängigkeitsverhältnis, ausgeliefert sein, sich unterwerfen an eine(n) Tonangeber(in), in und an inferiore Positionen, das scheint für gewisse Menschen etwas Reizvolles zu sein. „Ihr“ oder „Ihm“ partout gefallen wollen? Ob's damit alltäglich anfängt? Ich höre den Satz „Ich habe es mir ja selbst ausgewählt“. Das hat große Ähnlichkeit mit einem Masochismus, dem ja nicht nur viele Mächtige dieser Gesellschaft frönen sollen. Auch die Popmusik ist voll davon. Sich mal unter kontrollierten Bedingungen so richtig auspeitschen lassen, wenn man ansonsten unter unkontrollierten realen Bedingungen immer Untergebene zusammenscheißt: Das hat etwas. Etwas Ausgleichendes und Entspannendes, das gerne mal ans Sexuelle gekoppelt wird, wofür man natürlich nichts kann, sondern nur die Gesellschaft. Die ist überhaupt an allem schuld, wobei man „schuld“ in der Psychiatrie nicht sagen darf. Mit der Verantwortung soll es ja auch so eine Sache sein. Ich stehe vis-avis und staune. Jeder, wie er will, so denke ich und mache mir noch ein paar Gedanken mehr. Jegliche Orientierung, jede Selbstbestimmung an andere abgeben: so hat ja auch mal der Nationalsozialismus funktioniert. Der, der oben war, war der Führer. Unkontrolliert, unumschränkt, total. Es scheint ein sozialer Mechanismus zu sein, das auf einem Bedürfnis fußt, über das man korrekterweise nicht sprechen darf. So etwas könnte man auch „Tabu“ nennen. Aber es soll kein Spiel gewesen sein.
Sonntag, 30. Juli 2023
Akademischer Abschluss
Ich versuche, alten „Kruschd“ zu ordnen. Dabei fällt mir ein Ausschnitt auf, dem wir damals womöglich geglaubt haben. Darin heißt es von einem „Experten“ thesenartig: „Beim Hochschulstudium ergeben sich die höchsten Gewinne“. Nun ja, ich überlege mir: von denen haben wir nichts mitgekriegt. „Selbst schuld“ würden uns da viele dem Neoliberalismus verpflichteten Leute sagen. 2. These: „Höhere Bildung verringert das Risiko der Arbeitslosigkeit“. Auch dies würden wir ganz klar bestreiten, scheint es doch vor allem für Absolventen bestimmter Studiengänge zu gelten. 3. „Die Behauptung, es gebe auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu viele Menschen, die studiert haben, ist falsch“: Nun ja, die Konkurrenz saß einem ein um das andere Mal unangenehm im Nacken, woran wir uns deutlich erinnern. Immerhin wird in diesem Artikel konzidiert: „Die größten Unterschiede beim Lebenseinkommen ergeben sich nicht im Hinblick auf Region oder Geschlecht, sondern bezüglich der Fachrichtung des Abschlusses“. Dem können wir nur zustimmen, verfügt die Masse der Tonangeber in dieser Gesellschaft doch über einen juristischen Abschluss. Die Geldwirtschaft wird in diesem Artikel auch noch genannt. Stimmt. Ein Plus an Lebenseinkommen solle sich daraus ergeben: mag sein. Wer sich freilich für einen Abschluss in einem geisteswissenschaftlichen Fach entschieden hat, für den gelten die genannten Rahmenbedingungen ganz und gar nicht. So mancher mag aus heutiger Sicht bedauern, sich jemals für so etwas entscheiden zu haben, etwas, was vor allem den finanziell gut gestellten Kreisen in dieser Gesellschaft, dem sogenannten „gehobenen Mittelstand“ nützen mag. Höhere Bildungsabschlüsse gehen systematisch mit höherem Monatseinkommen einher, mit einem geringeren Risiko, arbeitslos zu werden sowie insgesamt mit einem sechstelligen Zuwachs beim Lebenseinkommen. Alles Lüge, so wollen wir aus heutiger Sicht behaupten. Das Vorgetragene gilt nur für bestimmte Fachrichtungen, die vermeintlich besonders gut in ein vornehmlich technologisch oder juristisch orientiertes Bedürfnisprofil dieser Gesellschaft passen. Was fragwürdig genug erscheint, denn die Kategorie des Sinns fällt auf diese Weise aus.
Samstag, 29. Juli 2023
Freitag, 28. Juli 2023
Endlich Urlaub
Wie locker das alles ist! Jetzt alle zusteigen, einsteigen, umsteigen…. Gegenüber steht der riesige Van bereit zur Abfahrt, die Kinder müssen nur noch zusteigen. Weiter vorne parkiert ein Wohnmobil, offensichtlich fertig zur Abfahrt. Noch weiter vorne wartet ein Wohnwagen, aufmunitioniert zur großen Urlaubsschlacht. Man geht in Ferien, in Urlaub, auch wenn man damit spät dran ist: die ersten Bundesländer beenden die lange Sommerpause schon wieder. Automobilfabriken sind teilweise davon abgekommen, den Sommer generell zur Ferienzeit zu erklären und verzichten auf "Betriebsferien", wenn sie nicht ohnehin dicke Verluste zu beklagen haben, wegen der oft beschworenen verpassten Elektromotorik herrscht ja ohnehin Unsicherheit auf diesem Gebiet.
Die vielen, die aus finanziellen Gründen nicht verreisen können, bleiben unsichtbar. Sie haben sich beispielsweise in Mini-Jobs, in Praktika oder schlecht bezahlten Servicejobs verdingt. Das, obwohl wir ja in einem Arbeitnehmerarbeitsmarkt leben. Oder nicht? Die vielen Online-bestellte Pakete müssen aber trotzdem ausgefahren werden. Verschiedene Dinge der öffentlichen Sicht auf einen sollten sauber aussehen. Die Pflanzen sollten gegossen werden. Und überhaupt: was passiert mit dem Hund?
Es gilt ja das von höchster Stelle das Credo, dass es „uns“ so gut wie noch nie gehe (Wer „Uns“ ist?) dass wir alle Zeichen der Zeit erkannt haben und dass wunderbare Zeiten wie damals beim Wirtschaftswunder bevor stünden. Ach! Was sollen da die wenigen Armen, die Berber und „Landstreicher“?.… die sollen sich verpissen! Als Beleg für ein „Problem“ werden dann Statistiken hervorgekramt, deren manipulierte Zweifelhaftigkeit und niederschmetternde Folgenlosigkeit sich doch langsam herumgesprochen haben dürfte. Der Rest der Leute täuscht etwas vor und tut jetzt so als ob: als sei man weg. Sommerpause. Urlaub. Nicht da. Seit langen Jahren ist das schon so. Die Straßen sind erfreulich befahrbar, in den Geschäften sind die Stau-Schlangen deutlich geringer (ein Effekt, dem die Discounter dadurch entgegen steuern, dass sie die Kassen schlechter mit „Personal“ belegen: Personaleinsparung. In diesen Zeiten? Nennen wir es doch lieber „Fachkräftemangel“. Die Kundenschlangen sind trotz Inflation also mindestens gleich lang wie zuvor und überhaupt.... Das ist halt ihre Art der Einsparung). Die Schlangen bilden sich bald aber als Stau auf den Autobahnen, was jedes Jahr auch dasselbe ist. Aber die Klimaanlage brummt unverdrossen, die Smartphones sind gezückt, die Games ziehen sie von den Rücksitzen her in sich hinein. Die Stimmung ist gut. Das Ziel ist ein Ressort, in dem es möglichst wie in Deutschland zu essen geben soll. Wiener Schnitzel. Ach geh mir weg, mit dem veganen Scheis!... Wer es nicht leisten kann, hat halt Durchfall oder keinen Platz am Pool.
Donnerstag, 27. Juli 2023
Folterspektakel
Nachrichten aus aller Welt. Brechen über einen herein. Auch aus der Vergangenheit. Neulich war ich in einem Foltergefängnis, das erschreckende Einblicke in die fremde Welt des Mittelalters zeigte. Vorbei, alles vorbei? Es wird einem schlecht. Die Leute brauchten dort, in "vergangenen" Zeiten, in gewissen Abständen ein Spektakel, das ihnen zum Beispiel die Räderung eines vermeintlichen Verbrechers verschaffte, wobei ein Verbrecher auch eine Hexe war, zu der man leicht werden konnte, wenn man kleiner als 1,60 Meter war oder Leberflecke hatte, oder Altersflecke, oder nicht weinen konnte, oder … Dann konnte es sein, dass man so lange Jauche eingefüllt bekam, bis einem der Magen platzte, dass man so lange mit schweren Gewichten „gepresst wurde“, bis die Knochen krachten, dass man an einem Haken aufgehängt wurde, so lange bis man ausgeblutet war, dass man... Der Mensch, der mittelalterliche und der neuzeitliche (Ukraine)hat das als Spektakel genossen...., das war seine Show. Ob das auch heute noch so ist? Natürlich nicht genau so. Aber im Prinzip? Eigentlich ist das „schöne Mittelalter“ noch gar nicht so lange vergangen. Menschen sind nicht nur in totalitären Zusammenhängen in der Gruppe, im Auflauf, in der Masse auch heute noch bereit, sich solche schrecklichen Dinge anzutun, was dann in den Medien aufgeregt kolportiert und ausgeschmückt wird. Ich spüre aber, dass ich eigentlich noch agressiver dagegen sein müsste in diesen harten Zeiten...
Mittwoch, 26. Juli 2023
Reisezehrung
Reisezehrung
Entwöhnen sollt' ich mich vom Glanz der Blicke,
Mein Leben sollten sie nicht mehr verschönen.
Was man Geschick nennt, läßt sich nicht versöhnen,
Ich weiß es wohl und trat bestürzt zurücke.
Nun wußt' ich auch von keinem weitern Glücke
Gleich fing ich an, von diesen und von jenen
Notwend'gen Dingen sonst mich zu entwöhnen:
Notwendig schien mir nichts als ihre Blicke.
Des Weines Glut, den Vielgenuß der Speisen,
Bequemlichkeit und Schlaf und sonst'ge Gaben,
Gesellschaft wies ich weg, daß wenig bliebe.
So kann ich ruhig durch die Welt nun reisen:
Was ich bedarf, ist überall zu haben,
Und Unentbehrlichs bring' ich mit - die Liebe.
(Dies Gedicht stammt von Johann Wolfgang von Goethe, der es etwa 1808 geschrieben hat)
Dienstag, 25. Juli 2023
Identitätsbildung
„Werde, der du bist“, so lautet die klassische Aufforderung des Humanismus. In letzter Zeit ist dann noch die Erkenntnis hinzu gekommen, dass die Arbeitswelt mit ihren vielfältigen sozialen Kontakten der Herausbildung der Identität ziemlich wichtig sei. Ob jetzt, nach dem verstärkten Drängen auf Home Office (Digitalisierung!) samt seiner eingeschränkten Ermöglichung von „analogen“ Kontakten, sich die Arbeitswelt und damit auch der Prozess der Identitätsbildung sich abermals ändert? Jede und jeder sitzt doch da als isoliertes Ich vor dem Bildschirm, bestürmt von allerlei häuslichen Anforderungen. Kontakte finden – wenn überhaupt – auf virtuellem standardisierten Wege statt. Ob bei diesen Entwicklungen generell das Internet mit seiner wohl immer noch zunehmenden Bedeutung auch seine Rolle spielt? Wo stehen wir nach der Pandemie? Ob es fixe und flexible Anteile der Identität gibt? Ob es relativ oberflächliche und eher tiefe Bereiche gibt? Ob es eine dauernde Entwicklung ist, die mit dem Leben mitgeht, in dem alles mit allem verbunden ist? Alles, was heißt in Bewegung?
Wir tragen das Leben in uns. Der Mensch ist nur ein lebendiger Teil des Lebens, auch wenn der Krieg da so manche Zweifel erheben mag.
Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das die Frage „Wer bin ich?“ stellt. Wie und ob das alles genau (wie genau ist das überhaupt?) so hingenommen werden muss, ist die Frage. Der Mensch (konkret: welcher Mensch?), so sieht er es selbst zuweilen gerne, schafft sich seine Lebensumstände selbst und ist nicht nur hineingeboren in Verhältnisse (Ob das so stimmt?, wie steht es darum, dass gewisse Menschen in gewisse Familien hinein geboren werden?). Ob die gegenwärtige Krise auch eine Folge unseres Umgangs mit dem Leben ist? Ob nicht unsere Existenz vom blinden Streben nach dauerndem Wachstum bestimmt ist, von dem Ökonomen so gerne behaupten, dass wir es dringend brauchen und Politiker es als „alternativlos“ für jedwede Entwicklung voraussetzen? Kann die Arbeitswelt da eine Stütze der Identitätsbildung sein, - das Arbeiten als Weg zum Selbst? Nicht nur die Pandemie, sondern auch die Digitalisierung samt der mit ihr verbundenen Relativierung des Wertes der Arbeit scheint das in vielerlei Hinsicht relativiert zu haben. Wie also wird sich das Verhältnis Arbeit zu Identität gestalten?
Montag, 24. Juli 2023
Paddy sucht
Paddy McAloon ist kein besonders religiöser Mensch. „Um ehrlich zu sein: Ich kann gar nicht sagen, was ich glaube. Reine Vernunft erscheint mir aber wie ein geschlossenes System. Sie kann nicht wirklich etwas außerhalb ihrer selbst erklären“ soll er gesagt haben. Mitte der achtziger Jahre war er mir schon aufgefallen als überragender Songschreiber, der mit seiner Band Prefab Sprout ein auf dem Cover der ersten Platte „Steve McQueen“ enges, auch optisch eindrucksvoll dokumentiertes Verhältnis pflegte. Umso erstaunlicher war es, als er 2010 eines unter seiner bisher letzten Alben „Let’s change the World with Music“ heraus brachte, im Alleingang aufgenommen, alle Instrumente von ihm gespielt. Es muss sich so ergeben haben, nachdem ihn erst ein schwerer Tinnitus (dadurch hört er bis heute keine Bässe mehr, sondern spürt sie nur noch), und dann eine Hornhautablösung überfallen haben. An Auftritte oder gar Tourneen mit seiner genau zu dieser Zeit extrem aufstrebenden Band war danach nicht mehr zu denken. McAloon strickte sich immer mehr in seine eigene Welt ein, erfand seine eigenen Gesetzmäßigkeiten und erwarb unter Musikern und bei mir einen legendären Ruf. Doch jetzt „Let’s change the World with Music“. Gleich im ersten Titel „Let there be music“ heißt es in der allerersten Zeile: „ In the beginning was a mighty bang…“ und „God was moved He made a choice he said „let music be my voice“. Er spinnt das Thema über tollen Harmonieprogressionen weiter, zuerst bis zum Titel „God watch over you“. Nein, er ist oder war kein Verkündiger! Es gibt auch sehr weltliche Alben von ihm. Im erwähnten Titel aber heißt es „God watch over you, every minute, every moments“. Aha. Ein Mann und seine in Musik gesetzten Thesen. Next: „Earth: the Story so far“. ...There was a baby in a stable. Some say, it was the Lord singing „save me, save me“. In Skepsis gepuderte Agnostik. Persönliche, in Töne gesetzte Auffassungen. Liebe zur Musik. Ganz unironisch. Er hat das ganze Album auf einem kleinen Atari-Computer eingespielt. Unglaublich. Allgemeines kam ihm in den Sinn: „Ich kann mir gut Welten vorstellen. Darin bin ich stark seit meiner Kindheit. Das ist mein Thrill, etwas zusammenzusetzen, eine Welt, von der ich vielleicht nicht mal wirklich weiß, was sie bedeutet, oder vor der ich warten muss, bis sie mir vielleicht selbst sagt, was sie bedeutet“
Sonntag, 23. Juli 2023
Uhr-laub?
Warum bleiben wir nicht zuhause? Warum fahren wir - und mit uns Milliarden von Menschen - in fremde Länder, wo wir außer dem Motiv „Ferien machen“ genaugenommen nichts verloren haben? Ungeklärt sind daneben und auch nach Corona und während des Kriegs viele andere Probleme des Fremdenverkehrs: wie wirkt sich das auf die Reisegebiete aus? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Besuchern und Einheimischen? Wie ist die Umweltbilanz des Tourismus? Bringt er wirtschaftlichen Aufschwung oder neue Formen des Kolonialismus? Was ist von den „künstlichen Ferienwelten“ zu halten, die sich immer mehr zu den meistbesuchten Reisezielen der Welt entwickeln? Was eigentlich treibt uns in die Ferne? Gibt es dabei eine Nähe zu Fest, Ritual und Spiel? Denn die Bewegung, die Reisen grundlegend charakterisiert, ist universell verbreitet und in allen Kulturen nachweisbar: Der Impuls, die Ordnungsstruktur des Alltags zu verlassen und in andere Wirklichkeiten einzutreten. Das Reisen stellt insofern eines der wirksamsten Mittel dar, der eingespielten sozialen Ordnung vorübergehend zu entkommen - nicht in blinder Flucht, sondern als produktive, menschliche Leistung, die neue Erfahrungen, Einblicke und Horizonte ermöglicht – oder das faule Abliegen an irgendeinem Strand in irgendeinem Land. Mal nix tun! Was nicht gerade selbstoptimal ist……...
Samstag, 22. Juli 2023
Vielflieger
Ich lese die „Bekenntnisse“ eines Vielfliegers. Es heißt da u.a.: „Solange die Chinesen und Inder rausblasen, was sie wollen, macht es keinen Unterschied, zu fliegen oder nicht….Den Impact im internationalen Vergleich, den machen nicht wir in Deutschland. Der CO2-Verbrauch pro Person liegt im Schnitt bei 10,8 Tonnen pro Person. In China bei 8,0. In Indien bei 1,9.“ „Noch“ sagt der wichtige Mann (!). Leider hat er damit recht, mag der glatzköpfige Loriot-Bundeskanzer auf tausend Pks noch tausendmal die Worte wiederholen, die sein Wirtschaftsminister und die von ihm vertretene Partei geprägt hat. Dieses „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ hat mir auch nie geschmeckt und mit der Vorbildfunktion des viertgrößten Industriestaates ist es nach tausend gebrochenen und teilweise gesetzlich fixierten Vorsätzen sowieso nicht weit her. Ja ja, der Krieg ist die große Ausrede. So was hängt uns zum Hals raus. Man kann bei uns problemlos von Frankfurt nach München fliegen, was Viele offenbar auch machen. Ja, wenn das so ist, so sage ich mir, was bedeutet das dann, wenn ein Einzelner auf einen Flug verzichtet? Da wird von den Wichtigs unterwegs munter geduscht und Champagner gesoffen, da werden Zubringer-Limousinen benutzt und die Luxus-Lounge mit all ihren Status-Vorteilen abgesessen. Was soll das dann, wenn ich mich möglichst wassersparend durch den Tag zu bewegen versuche? Flugmeilen werden gesammelt und es wird sich weiterhin in der eigenen Wichtigkeit gesonnt, - alles auf Kosten jener Umwelt, die uns eigentlich alle gemeinsam gehört.
Freitag, 21. Juli 2023
Mail as mail can
Ich habe Spam-Mails in meiner Mailbox. Penisverlängerungen, Viagra und andere, Kreditangebote, Frauen, Männer, Lottogewinne - tausend Arten, ein wenig Geld aus mir zu quetschen, Sehnsüchte, Wünsche und Schwächen nutzen, verlocken, zu etwas reizen, verführen. Natürlich sind wir alle längst ausgerechnet, berechenbar, durchschaubar. Wissen wir ja. 100000 abgesandt, 2 funktionieren. Eine gute Quote, oder? Reicht. „Direct Mailing“, wir sind unterm Hammer industriell eingesetzter Kräfte, der Werbung und des Marketing. Wir sind die Formel des Konsums, die clevere Geschäftemacher zu nutzen versuchen. Da ist viel Plumpheit und Peinlichkeit. Man braucht da Humor, wenn man reinliest. Diese Leute geben sich anpassungsfähig, machen was aus den Daten, die sie haben. Die sind so richtig smart, gehen auch über Instagram, Facebook, Tic-Toc und Twitter, Google hat meine Daten ja sowieso. Irgendwie gab es das schon früher, im Postkasten. Diese komischen Anschreiben, vollkommen maschinell erstellt. Märchen für schwache Gemüter, Vorstellungen wurden angesprochen und abgerufen. Reisen. Kaffeefahrten. Ängste auslösen, Linderung versprechen. Das Angebot liegt bei. Gesperrte Kreditkarte, Schufa, - bourgeoise Begehrlichkeiten und Bedürfnisse wecken. Schlechtes Deutsch, - oft. Aber gut eingebettet in die deutsche Wirklichkeit.
Donnerstag, 20. Juli 2023
Welche Wirklichkeiten?
Wie schillert das, was uns umgibt? Da ist ein Dschungel der Meinungen, die es dazu gibt. Ob wir ein bisschen begreifen wollen, welche Rolle wir darin spielen und was mit uns gespielt wird? Ich versuche mich auf verschiedene Deutungen unserer Wirklichkeit einzulassen, mit einem imaginären Leser zusammen eine Reise durch sie zu unternehmen. Noch verbindet die Deutung der Wirklichkeit uns alle in der analogen Welt. Doch es wird heftig daran gearbeitet, dies zu verändern. Datenbrillen simulieren digitale Wirklichkeiten, austauschbar gespeist auch mit abgepressten Daten (übrigens: der Staat in Gestalt des Einwohnermeldeamts darf nach Gesetzesänderungen Daten an beliebige Abnehmer verkaufen, wenn man nicht ausdrücklich widersprichst...). Auf Laufbändern können wir bald durch Einkaufsstraßen (wichtig!) schlendern oder auf alpine Gipfel kraxeln. Mindestens ein großes Social Media Portal scheint da dahinter zu sein. Es gibt dann keine Notwendigkeit mehr, sich mit anderen Menschen abzusprechen oder mit ihnen zu interagieren. Dies gehört dann alles der alten analogen Welt an. Selbst das Kopulieren/Ficken wird dann digital möglich sein. Reiz-Stimulus-Modelle stehen zuhauf zur Verfügung. Aber noch ist es eine gewisse analoge Anstrengung, sich einzulassen, Empathie für andere aufzubringen, so neugierig zu sein, wie das beispielsweise ein Johann Wolfgang von Goethe uns das in grauen Vorzeiten vorgemacht hat. Auch er hat diese Werte geprägt, die derzeit so gerne beschworen werden. Er hat sich auf Individuen genauso eingelassen wie auf Kulturen und den mit ihnen zusammenhängenden Mechanismen. Blöd nur, dass diese Individuen einer privilegierten Klasse angehörten. Aber er hat sich bis ins hohe Alter für den Fortschritt der Technik interessiert und hat die Folgen, die sich für alle ergeben, antizipiert.
Mittwoch, 19. Juli 2023
Negativ und positiv
„Negative Menschen“, „Miesepeter“, „Spassbremsen“: „wenn wir uns mit ihnen umgeben, schaden wir uns selbst“. Habe ich gelesen. Amerikanische Schule. Problem: das Etikett „negativ“ kann jeder allen anhängen. Kritik ist oft negativ. Ist es ein Ausweg, Kritik zu meiden? Wenn aber gewisse Dinge so sind, wie sie sind? Wenn unser Urteil negativ ausfällt? Nicht mehr äußern, damit wir positiver rüber kommen? Bloß mit niemand darüber reden, damit man nicht als sich dauernd wiederholender Trauerkloß oder Spaßbremse wirkt? Das schadet unserer Seele und unserem Körper? Die Wahrheit erkennen? Ob die Ursachen uns auch schaden? Das, über was kommuniziert wird? Ob manche Elemente unserer Umwelt durchaus negativ sind und ob es nicht so etwas wie eine befreiende Wirkung hat, wenn wir über das mit anderen Menschen kommunizieren, die direkt oder indirekt denselben Einflüssen ausgesetzt sind? Wenn wir uns darüber einig sind? Über die Folgen und das, was wir unter Umständen dagegen unternehmen könnten, können wir dann ja immer noch verschiedener Meinung sein. Jaja, es sind nicht immer „die anderen“. Manchmal sind wir selbst es. Ist doch klar. Wenn wir einigermaßen reif sind, dann denken wir das immer mit. Selbstverständlich. Wer dauernd das Gegenteil unterstellt, unterschätzt sein Gegenüber. Die Welt ist schön, wir müssen das nur erkennen. Der Auseinandersetzung mit solchen Sprüchen hilft die Lektüre von Aldous Huxleys 1932 erschienenes Buch „Schöne Neue Welt“ etwas auf die Sprünge.
Dienstag, 18. Juli 2023
Mechanik der Öffentlichkeit
Es sind wohl von renommierten „Experten“ vorgebrachte Zweifel aufgetaucht, wie sehr denn der Klimawandel menschengemacht sei. Habe darauf die Reaktion einer maßgeblichen Politikerin einer bestimmten „grünen“ Partei verfolgt, die sich damit nicht auseinandersetzen wollte, mit dem Argument, diese Sache sei ja schon lange „abgehakt“. Nun ja, mag ja sein (ob Wissenschaft so funktioniert?). Aber die Weigerung, sich mit bestimmten Positionen (mögen sie noch so abseitig sein) auseinander zu setzen, wirft kein gutes Licht auf eine bestimmte politische Richtung, die kein Problem damit hatte, in diesem Land die letzten Kernkraftwerke abzuschalten (erhebliche Mengen an CO2 würden durch diesen „Pakt mit dem Teufel“ gespart werden) und die dadurch nicht nur einen zusätzlichen zeitlichen Druck erzeugt hat, sondern auch neue Kohlekraftwerke mit dem entsprechenden CO2-Ausstoß als Ersatz installieren muss). Dass die Bedingungen einer Klimaneutralität auf diesem Wege jemals erreicht werden, mag bezweifelt werden, zumal der Kanzler mit seinem vollmundigen Versprechen zu diesem Zeitpunkt in den kommenden 40er Jahren) längst aus dem Amt sein wird. 15 Mio E-Autos sollen zudem unter die Leute gebracht werden, tönt die Bundesregierung und streicht gleichzeitig Teile der staatlichen Förderung. Das Gebäudeheizungsgesetz scheint darüber hinaus eine Unsäglichkeit, die von der Bevölkerung nicht akzeptiert wird. Zudem werden uns von dieser Regierung Wolkenkuckucksheime vorgegaukelt, deren Umsetzung in der Realität in viel weiterer Ferne zu liegen scheint, als uns da vorgemacht wird. Windräder? 5 pro Tag? Ach! Strom? Wieso wird der Strom nicht billiger? Auch für Privathaushalte! Das würde doch den Ausbau alternativer Klimaerzeugung stark befördern? Ob das nicht zu ändern wäre? Es hieß doch einmal, „die Sonne schickt uns keine Rechnung“. Nun ja, gegenwärtig darf man den Eindruck haben, dass das Gegenteil richtig sei. Wer dagegen protestiert, dem werden anfangs gewisse Mittel zugestanden. Was Gesetz sei und was nicht, das bestimmt gefälligst diese Regierung. Und demnach sind bestimmte Dinge wohl nicht mehr erlaubt.
Montag, 17. Juli 2023
Sonntag, 16. Juli 2023
Dienstwagen
Dass nach einer Untersuchung Politiker riesige Dienstwagen von ihrem Personal fahren lassen, Dienstwagen, die alle Richtwerte bei weitem sprengen, hat mich nicht sehr überrascht und weist auch in seiner verräterischen Gesinnung darauf hin, dass eine bestimmte Protestpartei immer größere Erfolge erzielt. Die Leute sind halt diese Heuchelei satt, die ehrgeizige Klimaziele ausloben lässt und sich selbst dann in extrem umweltschädlichen Karren durch die Landschaft fahren lässt. Dass dabei auch eine Umweltschutzpartei beteiligt ist, scheint mir ihrem politischen Verhalten der vergangenen Monate zu entsprechen: Wasser predigen, Wein trinken. Ja klar, reihen sich meine Worte in eine allgemeine Politikverdrossenheit ein. Sie sind damit jedoch nicht zu entkräften. Geradezu mit zynischer Heiterkeit erfüllt es mich, dass nach dieser Untersuchung offenbar ein Verkehrsminister zu den dunkelsten Figuren zählt, weil sein Gefährt die Richtlinien mit am deutlichsten reißt. Zu dem kommt, dass die Wagen vieler Politiker wohl Plug-in-Hybride sind. 113 von 157 Politikern auf Bundes- und Landesebene sollen auf solche Fahrzeuge zu setzen, die sowohl elektrisch als auch mit einem Verbrennermotor gefahren werden können. "Diese sehen auf dem Papier gut aus, sind tatsächlich aber wahre Klimakiller", sagt ein Experte und umschreibt Tatbestände, die inzwischen nahezu jeder kennt. Wie abgehoben diese Politiker sind, zeigt sich auch darin, dass solche Dienstfahrzeuge offenbar für ganz „normal“ gehalten werden und kaum noch einer Erwähnung wert sind. Nun ja, der Steuerzahler bezahlt das ja. Auch eine gewisse Heuchelei.
Samstag, 15. Juli 2023
Freitag, 14. Juli 2023
Leichtigkeit
Natürlich habe ich damals auch Milan Kundera gelesen. Ein Paar Fakten hatte ich noch hinzu recherchiert, das Ganze noch ein bisschen „aufgefüttert“ und mit Fakten versehen, - aber ansonsten passte das alles hervorragend in den Zeitgeist, bestätigte implizit und verwarf explizit. War auch für mich eingängig. Jetzt ist der Autor tot. Man liest noch, dass es in den letzten Jahren noch allerlei Auseinandersetzungen um ihn gegeben hat, Geheimdienst, Adaptionen, Epigonen…. warum interessiert mich das alles kaum? Weil sein Buch „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ für mich persönlich wichtig geworden ist, es ist in mir gewachsen und steht für eine Epoche in mir. Liebe, Triebe, Ungewissheiten, Getriebenheiten, Offenbarungen, Offenheiten, Unsäglichkeiten und Lächerlichkeiten. Klar war ich damals im Kino, um die Verfilmung der“..unerträglichen Leichtigkeit“ zu sehen, mit Juliette Binoche und Daniel Day-Lewis. Ich habe sogar noch Nachfolgeproduktionen dazu gesehen und ein paar weitere Bücher von ihm gelesen. Doch Kunderas Stern war für mich gesunken. Dafür stand ich extrem auf Juliette Binoche. „Humor ist das seltsame Vergnügen, das sich aus der Gewissheit ergibt, dass es keine Gewissheit ergibt“ soll er gesagt haben. Das könnten wir unterschreiben. Doch wen interessiert das? Es kam nun in heftiger Weise das, was mit der Mediengesellschaft zu tun hat: Infos, die an uns vorbei rauschen, das Zugestopftwerden mit Bildern, Botschaften, Aufforderungen, Statements – ach, white trash. „Bedeutungslosigkeit ist die Essenz der Existenz. Sie ist überall und immer bei uns“ soll er in einer sehr viel später erschienenen Schrift behauptet haben. Wir hatten das zugunsten eines eher aufklärerischen Elements unterbelichtet, es fiel über uns her, es zerfaserte uns und nahm uns auseinander, rieb uns auf in Verzweiflung. Was das Schlimmste war: Die Agenten dafür kamen aus unserer eigenen Mitte.
Donnerstag, 13. Juli 2023
Up, up and away
Der Flugbetrieb sei gestört, so erfahre ich jetzt auf allen Kanälen. Es gibt aufgeregte Interviews mit „normalen“ Bürgern, die in Urlaub fliegen wollten...und nun…. Ich wundere mich und frage mich, wo denn die vielgepriesene Flugscham geblieben ist. Habe ich geträumt, war das nur eine typische Zeitweiligkeit, eine grün eingefärbte Kampagne gegen negative Kräfte, die uns alles vermiesen wollen? Liegt es daran, dass sich gewisse Umweltaktivisten dadurch hervor tun, dass sie Vielflieger sind, dass sie munter durch die Welt fliegen, von einer nutzlosen Konferenz zur nächsten. Oder haben die vielen Privatjets Schule gemacht, die in erhöhter Frequenz und Häufigkeit durch Deutschland und Europa fliegen, um ihre „wichtigen“ Personen von A nach B zu bringen, - weil ja auch mit der Bahn alles viel zu unzuverlässig ist. Gibt es gewisse Politiker, die sich gerne eines Privatjets bedienen und so ihrer „Vorbildfunktion“ als Wachstumsmotoren gegen alle Widerstände nachkommen? Oder betrachtet man die Klimakrise aus irgendeinem Grund für beendet? Wie eine von Werbeagenturen schlau herbei geführte Kampagne mit großer Dringlichkeit (da alles dringlich ist, geht sowas sowieso unter…) Wurden allgemein zu viele Sympathien verscherzt, durch unfähige Funktionsträger und idiologisch eingeengte „Aktionen“? Wir wissen es nicht.
Mittwoch, 12. Juli 2023
Mittelläufer
Claqueure, Mitläufer klatschen endlos für die Medien, die mit der Stoppuhr in der Hand das Spiel mitspielen....., davon kann man angewidert sein, angeekelt, abgestoßen..... dieses bedingungslose Unterstützen einer unbestimmten Mainstream-Meinung, Einstellung, Haltung, die von oben (als „Leitantrag“) als Selbstvergewisserung gespiegelt wird... Was führt dazu? Sie haben etwas beschlossen und wollen zeigen, dass sie es alle in ihrer speziellen Organisationseinheit (die ja ihren Grundanliegen, Überzeugungen etc. verpflichtet sein müsste) vertreten? "Geschlossenheit" demonstrieren? Sie wollen alle aufgehen im gemeinsamen „Anliegen“? Anliegen = Machterhalt? Im Selbstlob sein? Sie wollen Kandidaten und Häuptlinge küren, die doch an ihnen vorbei längst in Hinterzimmern ausgeklüngelt worden sind. Sie wollen sich hinter Gesichtern versammeln, die scheinbar für etwas stehen (weiß bloß keiner, für was genau.… außer Äußerlichkeiten und der "Macht"). Sie wollen sich hinter Gesichtern versammeln, die längst alles über sich erzählen (weil jeder doch ab eines gewissen Alters für sein Gesicht ein bisschen verantwortlich ist...) Welche Dynamik der Massen ist denn so etwas? Wie geht das? Was hat es mit digitalen Bewegungen und deren Anonymisierungen und Schamlosigkeiten zu tun? Was wird hier vertreten? Gibt es hier eine "Willensbildung"? Wieso führt sie ständig zu den immer gleichen Ergebnissen? "Gestalten" bedeutet "Macht ausüben", „machen“. Darin sind sie sich wie immer einig.
Dienstag, 11. Juli 2023
Wohin der Wind weht...
Da sind Personen, die gewisse Ideen wohl deshalb geteilt haben, weil sie dem Zeitgeist entsprachen, der sich immer schneller wandelt. Entsprechend schnell legen diese Personen ihre Einstellungen und Werthaltungen zur Seite und passen sich wie Chamäleons an die jeweiligen Trends an. Wenn man sie in seiner Notlage brauchen würde, sind sie weg, lassen sich nicht einmal mehr ansprechen, haben deine Adresse verlegt oder dich aus dem Blickfeld verloren. Jawohl, auch das ist Realität. Da sind nicht nur diese optimal funktionierenden Freundeskreise, die so ach wichtig sind fürs eigene Wohlbefinden und die in den Medien immer wieder betont werden oder von Psychologen empfohlen werden. Auch sie gehen unter gewissen Bedingungen kaputt, werden von mangelnder Empathie zerstört. Was war der Dialog mit solchen von mir einst bevorzugten Personen wert? Was das Vertrauen, das man diesen Personen entgegen brachte? Wert? Für wen? Sie schienen Nutzen daraus ziehen zu wollen, was einem nicht als vordringliches Motiv auffiel. Klaro, man hat selbst sein Teil zu der Situation beigetragen, man war zu passiv, träge, man war auch schuld. Nur ist es wohl so, das diese Personen oben sind und ich unten, dass es ihnen gut geht, während es mir extrem schlecht geht. Einfach so. Jawohl, Selbstmitleid! Das ist verboten! Das alles passiert mitten in der Gesellschaft. Jawohl, ich bin die Stichprobe in der Statistik! Ich habe eine akademische Ausbildung abgeschlossen, habe Titel und Abschluss. Aber es gibt da ein Absaufen. Ein Ertrinken. Ein Verschwinden. Im "Markt". Ich versuche, daraus eine Zeitweiligkeit zu machen. Ich versuche, wieder anzugreifen. Es ist mir bisher nicht gelungen. Aber draußen in dieser Welt ist niemand dieser Leute, die so taten, als würden sie einem nahe stehen. Da ist niemand ansprechbar. Weil man selbst komisch ist? Die Einschläge ins Bewusstsein, die von allen Seiten auf einen einprasseln und die einen manchmal überfordern können, die zu teilen mit gewissen Personen, könnte zumindest entlasten. Das könnte einem helfen. Aber was ist los? Man hat den falschen Leuten getraut. Ganz einfach. Man hatte sie an sich heran gelassen. Man war für sie so etwas wie ein gehobener Zeitvertreib.
Montag, 10. Juli 2023
Journalismus und werbliche Täuschung
Henri Nannen, der längst verstorbene hochberühmte Journalist und Redaktionsleiter, sagte einst, zu besseren Zeiten der Printzeitungen: „Aufgabe der Redaktionen ist es, den von den Anzeigenredaktionen frei gelassenen Raum zu einem von der Herstellung bestimmten Termin in einer für den Vertrieb geeigneten Weise zu füllen“. Und was verschafft den Raum für die Journaille? Anzeigen? Werbung? Anpreisungen? Der Journalismus scheint, wie er für sich selbst behauptet, etwas mit Inhalten zu tun zu haben. Die Werbung freilich hat inhaltlich allzuoft nichts mit den Produkten zu tun, für die sie Reklame macht, - schon gar nichts mit inhaltlicher Information. Die Bundesrechtsanwaltsverordnung bemerkt dazu, dass Werbung eine „allgemeine Anpreisung ohne sachlichen Inhalt“ sei. Die Versprechen, die sie macht, sind die Mittel eines permanenten Misstrauens, das desillusionierender ist, als es je eine zuvor war. Sie hält von den Dingen, die sie bewirbt, - nichts. Productplacement ist allzu oft ein Eingeständnis, dass niemand die von ihr beworbenen Produkte eigentlich braucht. Sie befördert die grenzenlose Produktion, - oft mit eingebauter Obsoleszenz - der kein Konsum mehr gewachsen ist. Das Endziel ist dann sowohl Leichenhalle also auch Müllhalde des Überflüssigen. Exzess ist das Ziel. Technologische Innovationen, wie etwa die digitale Revolution, forcieren auf der Produzentenseite eine überproduktive Arbeit, gekoppelt mit einer Abnahme der Arbeitsmöglichkeiten, der keine Expansion des Konsums mehr gewachsen ist. Wachstumsgrenzen werden zwar erreicht, doch in erster Linie stößt nicht die Produktion darauf, sondern der Konsum. Die Werbung zaubert für jedes Bedürfnis eine Nachfrage aus dem Hut. Aber um welchen Preis? Was fehlt, ist, dass etwas fehlt. Ein Trick der Werbung, der mir zuletzt oft aufgefallen ist, geht so: Es werden Spots produziert, die scheinbar aus dem Alltag zu kommen scheinen, mit allen Unvollkommenheiten, Versprechern, unbeholfenen Gesten usw. Diese Figuren empfehlen dann ein bestimmtes Produkt, eine bestimmte Marke in diesem unbedarften Alltagsdeutsch, das sich selbst beglaubigt und weit vom Werbedeutsch entfernt zu sein scheint, das ja immer mehr meint, als es sagt. Auch die sogenannten „Offenen Briefe“ gehören in diese Kategorie: reiner Inhalt, zum Nutzen und Frommen einer ganz bestimmten Meinung, hinter der manchmal auch Egoismen, Interessen und spendenfreudige Konzerne stehen.
Sonntag, 9. Juli 2023
Tour de France
Jetzt rasen sie wieder durch Frankreich. Mit dem Rad. Fernsehdirektübertragung. Eine große Sportshow. Genau nach den Gesetzmäßigkeiten des Showgeschäfts scheint das Spektakel auch abzulaufen. Nicht zu lang, nicht zu kurz, immer unterhaltsam Helden aufbauend. Projektionsfiguren, wie man jetzt wieder auf deutschen Straßen sieht, wenn sie in mit Industriefirmenlogos bedruckten Papagaientrikots herum fahren. Wir sind auf dem Sofa vor dem Fernsehgerät wie verwurzelt. Wer, wie, wo? Wir sehen ein bisschen von Frankreichs Schönheit. Wunderbare Schlösser. Ort- und Landschaften, wie es sie bei uns nicht gibt. Gelegentlich hören wir etwas über die Vergangenheit. Weniger über Dopingsünder wie Lance Armstrong, sondern vielmehr über die alten Helden: Jacques Anquetil und Raymond Poulidor, Eddy Merx natürlich, Luis Ocana, Miguel Indurain, Felice Gimondi, Alberto Contador (gerne mal positiv gestestet), Pascal Simon, der 1983 im Gelben Trikot mit gebrochenem Schlüsselbein den Puy de Dome hinauffuhr und am nächsten Tag aufgeben musste, Fausto Coppi, der nach 9 Stunden und 40 Minuten das Etappenziel erreicht haben soll, - wie wir jetzt von kundigen Sportjournalisten erfahren. Und dann „die Deutschen“: Rudi Altig, Didi Thurau, Erik Zabel, der Jan Ullrich, der auch schon mal ein Mittelchen eingenommen haben soll, frühere Fahrer aus grauer Vorzeit, die beim örtlichen Schmid ihr Fahrrad in Ordnung brachten und dann weiter fuhren. Deutsche Rennställe, - jetzt einer in mattgrün. Jetzt gibt es taktische Überlegungen: Welche Mannschaft mit welcher Strategie welches Ziel erreichen will. Den richtigen Moment erwischen, um dann dran zu sein, - gelegentlich sieht man vor lauter Werbeflächen auf den Trikots das „Peleton“ nicht mehr. Alles okay, alles Geldgeber. Nur zwei haben sich mal wieder heraus geschält, denen man den Gesamtsieg zutraut. Aber was ist schon der Gesamtsieg? Es gibt auch den Punktbesten, die Bergwertung, den besten Nachwuchsfahrer usw. , - wer ist der Führende?
Samstag, 8. Juli 2023
Haft(ung)
Ein einstiger Minister hat, wie jetzt heraus kommt, mutmaßlich 250 Millionen versenkt. Mal eben so. Verantwortlich ist er natürlich nicht, zur Haftung kann er vorerst auch nicht herbei gezogen werden. Der Häuptling der gegenwärtigen Regierung will seine Heimstatt zum Palast ausbauen. Und schauet stumm auf dem Tisch herum. Sagt nichts. Spuckt Sprechblasen. Inszeniert seine Bedächtigkeit, die Geld und in der Ukraine Leben kostet. Dafür, für diesen jetzt anstehenden bescheidenen Anbau sollen eben mal 800 Millionen drauf gehen. Nach gegenwärtigen Berechnungen. Wenn es soweit ist, kostet das natürlich mehr. Das Spiel kennen wir. Ob solche Dinge Unbehagen produzieren? Ärger, Wut? Dass Steuergeld raus gehauen wird und beispielsweise - im Hintergrund jeder vom TV übertragenen Bundestagsdebatte ein borniertes, sattes, erloschenes Gesicht zu sehen ist, das stellvertretend allerlei Sauereien zu vertreten hat? Ob rechtsgerichtete Stumpflinge daraus wachsende Zustimmungswerte zimmern?
Freitag, 7. Juli 2023
Populistisch faschistischer Furor
Man glaubt doch tatsächlich, eine Sehnsucht nach den einfachen Wahrheiten ausmachen zu können. Ja klar, je komplexer die Welt, desto…. Die Argumente kennen wir doch schon alle. Und doch bleibt einem nur das sich Wundern darüber, welchen Sinn sich gewisse Kreise auf gewisse Entwicklungen zurecht legen. Oft scheint mir das auf den Rückbau demokratischer Rechte hinaus zu laufen. Führerfiguren werden populärer. Es werden Lehrpläne umgestaltet, gewisse Lebensformen sollen verdammt und unsichtbar gemacht werden, Bücher ausgeschieden (in der Vergangenheit auch oft mal verbrannt), Texte, Theorien und Weltanschauungen werden verboten. Das Individuum wird immer universeller überwacht, ein bestimmtes Verhalten zum anzustrebenden Ideal erklärt. Das Lernen bekommt unter solchen Umständen etwas Zwiespältiges, Liberalität etwas, das zu überwinden sei. Wahrheit (was immer das ist…) wird durch systematische Lüge ersetzt, die Grenzen dazwischen verwischt. Sprache wird ummodeliert (ach, die „woken“!), „Neusprech“ ist angesagt, Kritisches untersagt, Bedeutungen verlieren sich, bis sich niemand mehr an etwas diese Bedeutung Bestimmendes erinnert, die von höherer Stelle bestimmte „Pornografie“ wird verboten, Rassismus wird das alles beherrschende Unwort, Pressefreiheit wird mit vollem Einverständnis des Volkes nicht mehr angestrebt, Kritik ist nicht erwünscht. Ob man so etwas auch als "totalitär" bezeichnen darf?
Mittwoch, 5. Juli 2023
Gruß an Thomas Bernhard
Was uns an Thomas Bernhard imponiert hat? Seine Sprache auch, sein Spott, sein Humor.... Wie er die Welt umfangen hat mit seinen Deutungsmodellen, die sich und ihre Helden doch immer wieder selbst in Frage gestellt haben. Wie er den Tod umfangen hat als etwas Unumgängliches, das immer sehr nahe ist. Wie er mit dem Sozialen umgegangen ist, weitab aller welterlösenden Theorien, - etwa in „Die Billigesser“: Thomas Bernhard scheint auf das Konkrete geschaut zu haben und es dann in einen surrealen und stark persönlich gefärbten Zusammenhang gestellt zu haben. Sein Roman „Holzfällen“ könnte auch dafür stehen und ist damals sogar verboten worden: sein Blick auf die österreichische High-Society scheint eine Spur zu genau gewesen zu sein, die Ähnlichkeiten waren offenbar zu nahe dran an der Realität. Flugs wurden die Advokaten vorgeschickt. Er scheint sich selbst als eine Art teilnehmenden Beobachter gesehen zu haben, der erst registriert und zu verstehen versucht hat, ehe er auf eine sehr individuelle Weise etwas beklagt. Sein Spott liegt über allem, ein befreiendes Lachen, das die alltägliche und unalltägliche Tücke integriert, einbezieht, das Niedere dem Hohen lachend nahebringt. Der Künstler ist bei ihm eine Lieblingsfigur, die sich in ihren eigenen Nabel verbohrt und eigene Bewegungsdynamiken entwickelt, die lächerlich machen. Das Scheitern ist bei ihm ein Teil des Gelingens, wobei er selbst durchaus wohl auch eitel und geil auf Anerkennungen war. Bewundernswert, wie er etwa in seinem Drama „Heldenplatz“ das alltäglich Faschistoide aufgenommen und als Einstellungsritual vorgeführt hat. Wie er seiner Schilderung eine eigene Sprache verpasst hat. Wie er die Langeweile als Bodensatz auch der Anstrengung eingeführt hat. Wie er oft genug virtuose Denkkapriolen mit Chaplin-haften Abstürzen in die totale Auslöschung kombiniert hat. Das alles hat kosmisch-komische Züge: er scheint dadurch Vexierbilder der Existenz geschaffen zu haben.
Dienstag, 4. Juli 2023
Wachstumspolitik
Ich wundere mich und es geht mir die ganze Zeit im Kopf herum, dass jetzt so eben mal 10 Milliarden Euro an die Firma Intel gegeben werden sollen und das Ganze dann „Industriepolitik“ genannt wird. So langsam verschwindet das wieder im Rückspiegel der Medien, doch ich frage mich, welche Rückschlüsse so etwas wohl hinterlässt. Der Wirtschafts- und Klimaminister soll gesagt haben, nachdem zunächst „nur“ 7 Milliarden Euro Subventionen vorgesehen waren: „An drei Milliarden soll es nicht scheitern“. So kann meiner Meinung nach nur der satte Mittelstand und jene Abgeordneten argumentieren, denen hinten und vorne die Kohle reingeschoben wird. 3 Milliarden, was ist das schon! Lindner dieser manchmal sehr fixierte „Freie Marktwirtschaftler“ scheint daran auch nichts Hörbares auszusetzen zu haben, obwohl die Summe ganz schön reinhaut in sein Kontor, bzw. Haushalt. Der BDI scheint auch Beifall zu klatschen. Ob das alles etwas mit dem Erstarken einer gewissen rechtsextremen Partei zu tun hat, die sich auch als Partei der Unzufriedenen gebärdet. Ob uns da gerade das vergangene Wochenende zu denken geben müsste? Protestpartei, was soll das in Deutschland sein? Die CDU? Oh je! Die Grünen? Nun ja. Wagenknecht-Partei? Schon eher. Bleibt nur die Partei am rechten Rand, die auf die Arroganz und Unfähigkeit gewisser Leute in der Regierung zu reagieren scheint. Zurück zu den 10 Milliarden, die eben mal so raus getan werden. Im ZDF hat ein „Experte“ dieses Unternehmen unlängst als „Verliererfirma“ tituliert. Sie soll uns also helfen, wenn nach Corona und beim Ukrainekrieg wieder mal „Lieferengpässe“ drücken und keine Autos wegen Chipmangels produziert werden können? Ob diese Firma genau die benötigten Chips produzieren wird? Zweifel erscheinen nach gewissen Informationen erlaubt. Sind wir (wer ist das?) dann weniger erpressbar? Geht es darum, den „Wohlstand“ (Wohlstand für wen?) zu fördern? Soll die Klimawende beschleunigt werden (Würde gut in ein idiologisches Konzept passen)?
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