Reise durch Wirklichkeiten

Freitag, 4. Oktober 2019

Wir im Medaillenspiegel

Deutschland holt jetzt im Medailllenspiegel tierisch auf. Aber wir hätten mehr über die Flügel spielen sollen. Wir sind jetzt ganz schön voran gekommen, was Medaillen angeht. Wer ist wir? Ob der Sport eine bestimmte Sorte von Nationalismus fördert? Es fällt mir auf, dass Journalisten, die bei einem bestimmten Typ von Medien angestellt sind, übertrieben oft das Wort „wir“ benutzen. Es fing damals im Fußball an. Man wolle und solle eine entspannte Haltung zum eigenen nationalen Mythos haben, so die offizielle Begründung. Freilich: wenn man jetzt im Klimaschutz voran gehen will und es allen anderen Nationen zeigen will, - wieso nicht auf diesem Gebiet. Wieso gibt es keine europäische Mannschaft? Wieso verfolgen die öffentlich bestallten Medienleute den „Medaillenspiegel“ so mit Argusaugen? Sollte man nicht auch hierbei anfangen, das Ganze zumindest gesamteuropäisch zu sehen. Gerade der Sport, der ja die Emotionen ansprechen kann und will, dürfte hier Schrittmacherdienste leisten. Wieso eigentlich geschieht in dieser Richtung gar nichts. Wieso führen hier immer noch Nationen ihre Ersatzkriege und wieso unterstützt die öffentliche Meinung das so stark? Ob es auch hier um den „Wohlstand“ geht? Ob die Erkenntnis zu schmerzvoll ist, dass die Nation hier so etwas vor allem der Ausbeutung derer verdankt, die weniger haben und klimatisch ungünstig wohnen müssen? Ob die Haltung „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ nicht doch etwas zu überholt ist? Oder ob wir schlichtweg eine Organisationseinheit sind, mit vereinheitlichtem Steuersystem, Armee, Sprache, Verfassung und allerlei mythologischem Kram aus dem 19. Jahrhundert? Wo steht eigentlich dabei der völkische Gedanke? Welche Rolle spielen Fahne und Hymne? Und welchen Zusammenhang hat der Mythos mit dem Leistungssport als Showgeschäft?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen