Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
Montag, 28. April 2025
Trio
„Ich lasse mich mal wieder durch meine Plattensammlung treiben. Lasse mich auf Sachen ein, spüle zwischendrin (per Hand), sauge Staub und setze mich zur Lektüre hin: es gibt keine Schranken oder Beschränkungen, etwas, was besonders „angemessen“ wäre. Alles was, passieren kann, ist, dass ich den Faden verliere. Klar ist außerdem, dass ich nicht alles wirklich Wichtige habe. Es scheint mir endlos. Ich habe gewisse Pfähle eingeschlagen, aus dies oder jenem Grunde. Nicht wenige Male habe ich in letzter Zeit den CD-Spieler um ein paar Titel zurückgesetzt, habe mir noch mal Passagen oder Titel zu geführt, habe das auf mich wirken lassen, habe es zu verstehen versucht. Ich lasse mich in Querverbindungen treiben, entdecke über die Zeiten hinweg Parallelen, etwas, was den/die Schaffenden möglicherweise weiter getrieben hat. Heute morgen habe ich beim Esbjörn-Svensson-Trio begonnen. „Seven days of falling“ war schon heraus gelegt worden. Wollte ich unbedingt wieder einmal hören. Den Jazz leichtgängig und melodisch gemacht, ihm eine Art Flow gegeben, dazu seltsame Geräusche so eingepasst, als müssten sie dazu gehören. Das war es, was ich in Erinnerung behalten hatte. Beim Hören stellt sich wieder einmal heraus, dass ich nahezu alles intus hatte, dass es längst ein Teil von mir geworden war. Doch mir erschlossen sich heute morgen neue Aspekte, neue Hörweisen, neue Wertungen, neue Vergnüglichkeiten. Dicht daneben steht bei mir „Viaticum“, vom selben Trio. Ich greife die CD heraus und denke mir „Wieso habe ich sie eigentlich immer vernachlässigt? Sie ist viel feiner gestrickt als „Seven Days of Falling“. Jedenfalls offenbart sie sich mir in diesem Lichte heute morgen. Danach „Leucocyte“, eine Art verbiestertes Abschlusswerk, nachdem der Pianist Esbjörn Svensson bei einem Tauchunfall ums Leben gekommen war. Klar, dass damals alles Mögliche reinprojeziert worden war. Die herben Passagen sollen das Unheil bereits vorweg genommen haben. Die krachigen Passagen zeigten auf den Tod. Aus größerer Distanz betrachtet erscheint mir das fragwürdig, zu leicht, zu vordergründig. Ich gehe danach kurz rein in die Scheibe „Beat“ des Tingwall Trio, ich höre bei Keith Jarrett nach, ich lausche dem Album „Hidden Beauty“ des Trioscence: alles Möglichkeiten, alles Annäherungsweisen. Alle sind sie womöglich von Esbjörn Svenssson beeinflusst (Natürlich außer Keith Jarrett). Alle gehen sie zurück auf eine minimierte Triobesetzung, mit der sie allerdings neue Räume zu betreten scheinen, oder alte Räume neu kultivieren. Das verschafft mir ein gutes Gefühl. Das gibt mir Energie.“
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